Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Sommertreff bei Blumen Glanz in Unterwössen 2019

Am 12. Juli 2019 um 18:07 veröffentlicht. Kategorie:
Der Austragungsort – die Gärtnerei von Franz Glanz in Unterwössen (Foto: Monika Eckert)

Am vergangenen Wochenende, vom 05.-07. Juli 2019, lud Franz Glanz die Mitglieder und Freunde der Deutschen Orchideen-Gesellschaft zum alljährlichen Sommertreff in seine Gärtnerei in Unterwössen ein. Der idyllisch im Achental gelegene Betrieb produziert neben zahlreichen Orchideenzüchtungen von Franz Glanz auch andere Zierpflanzen für den eigenen Verkauf und bot somit mehr als ausreichend Platz für die zahlreichen Gäste. Das zum Landkreis Traunstein gehörende Achental ist die deutsche Verlängerung des österreichischen Leukentals und zieht sich von der deutsch-österreichischen Grenze bis hoch zum Chiemsee, in den die namensgebende Tiroler Ache schließlich mündet. Eingerahmt von Geigelstein, Kampenwand und Hochplatte bietet Unterwössen ein beeindruckendes Bergpanorama.

„Salz und Moor“ – die komplett erhaltene Solepumpanlage war Ziel des Bewerterausflugs am Freitagnachmittag. (Foto: Thomas Lehmann)

Der erste Programmpunkt am Freitagnachmittag war der Bewerterausflug, an dem knapp 30 Bewerter teilnahmen. Einige trafen wegen des ferienbedingten Reiseverkehrs leider nicht rechtzeitig ein, um der Einladung von Franz Glanz ins Salzmuseum nach Grassau zu folgen. Bei diesem handelt es sich um die älteste komplett erhaltene Solepumpanlage in Deutschland. Sie ist zwar schon lange nicht mehr in Betrieb, doch die Gemeinde Grassau nahm viel Geld in die Hand, um die Anlage zu erhalten und ein kleines Museum darin aufzubauen. Neben dem Salzmuseum betreibt die Gemeinde dort auch das Moormuseum, daher auch der heutige Name der Anlage „Salz und Moor“. Die liebevoll renovierte Pumpanlage bot eine sehr interessante Kulisse für den kleinen Vortrag von Olaf Gruß über die Orchideen des Achentals. Im Anschluss daran wurden die Bewerter vom dazugehörigen Salz & Moor Museumscafé mit frischem Kaffee und leckeren Kuchen verwöhnt. Wer danach noch Lust hatte, konnte einige der heimischen Orchideen im direkt angrenzenden Moor begutachten. Epipactis palustris, Cephalanthera rubra, Gymnadenia conopsea und Dactylorhiza fuchsii standen gerade in voller Blüte und säumten den gesamten, angelegten Moorrundweg.

Wieder zurück in der Gärtnerei nutzten viele die Gelegenheit, durch die Gewächshäuser mit den Orchideen zu schlendern. Schließlich will man nach einem Besuch einer Orchideengärtnerei nicht mit leeren Händen nach Hause kommen und besonders in den Glanz’schen Häusern lassen sich einige wirkliche Raritäten finden, wenn man etwas Zeit zum Suchen hat. Durch einen großen Hagelschaden an den Gewächshäusern vor einigen Jahren gingen etliche Etiketten verloren und so stehen heute viele „namenlose“ Pflanzen auf den Tischen. Erst bei der nächsten Blüte können sie dann mit etwas Glück wieder korrekt benamt werden. Wirklich bedauerlich. Aber dennoch gab es – zumindest für mich – einiges zu ergattern.

Am Abend saß man gemütlich beisammen und ließ sich kulinarisch durch das Catering vom ansässigen Landhotel Gabriele verwöhnen. Bis tief in die Abendstunden wurde gefeiert, gelacht und das ein oder andere Schnäpschen von Maria Glanz ausgegeben. Genau diese Abende und Unterhaltungen sind es, die unseren Verein ausmachen. Man trifft Freunde, verbringt tolle Stunden miteinander und tauscht sich aus. Über Orchideenkultur, Standortreisen und alles, was einen sonst noch so bewegt.

Die Jahresbesten erhielten stilvolle Auszeichnungen. (Foto: Thomas Lehmann)

Am frühen Samstagmorgen begann der Tag mit der internen Bewerteraussprache. Bei dieser ebenfalls traditionellen Veranstaltung diskutieren die Juroren unserer Tischbewertungen das letzte Jahr. Was lief gut? Was muss besser werden? Was folgt im kommenden Jahr? Fragen, die dort geklärt werden wollen. An diesem Morgen war ich echt froh, kein Bewerter zu sein, denn mir brummte der Schädel ein wenig vom Vorabend. Direkt im Anschluss, gegen 10:30 Uhr, gab es einen weiteren Vortrag von Olaf Gruß für alle Interessierten. Neben einem kurzen Überblick über wichtige Naturhybriden und der taxonomischen Diskussion darüber, referierte er ausführlich über die Zuchterfolge des Gastgebers Franz Glanz. Zu dessen 75. Geburtstag hatte Olaf Gruß extra ein Buch herausgegeben, in dem alle seine Züchtungen  aufgeführt werden. Niemand in Kontinentaleuropa hat so viele neue Kreuzungen geschaffen wie Franz Glanz. Ein Erfolg, der ein eigenes Buch dazu rechtfertigt!

Gegen Mittag fand die Ehrung der Jahresbesten der Bewertung 2018 statt. Franz Glanz konnte zum 33. Mal das Rennen um den besten Orchideengärtner des Jahres gewinnen.  Die weiteren Gewinner aus dem Erwerb und der Liebhaber alle hier aufzuführen, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Sie werden im nächsten Sonderheft Bewertung publiziert, das mit Heft 4 im August ausgeliefert wird. Allen Preisträgern möchten wir aber auch auf diesem Wege herzlich gratulieren.

Parallel dazu begann um 11 Uhr die Anmeldung zur Tischbewertung, die beim Sommertreff der D.O.G. stets ein Ländervergleichswettbewerb ist. Österreich, Ungarn und Deutschland wetteiferten hierbei um den großen Wanderpokal. Insgesamt wurden 106 Pflanzen vorgestellt. Eine unglaublich hohe Anzahl, die nicht nur die Berechnungen für den Ländervergleichswettbewerb am Ende zusätlich verlängerten, sondern auch die Helfer der Dokumentation noch vor Beginn der eigentlichen Bewertung ins Schwitzen brachte. Bereits gegen Mittag heizte sich das Gewächshaus so sehr auf, dass der Platz vor dem aufgestellten Ventilator andauernd besetzt war. Pünktlich um 13 Uhr startete die internationale Fachjury mit der Bewertung. Insgesamt waren 33 erfahrene Bewerter und 2 Anwärter im Einsatz. Neben einem Dänen, sieben Ungarn und jeweil sechs Italienern und Österreichern fanden 15 Bewerter der D.O.G an den Tischen Platz. Durch die immens hohe Anzahl an Pflanzen zog sich die Bewertung bis in den Abend hinein. Zum Glück hatten die Gastgeber das Büffet schon am Nachmittag von 19 auf 20 Uhr verschoben, denn erst gegen 19:30 Uhr verkündete unserer Präsident Bernd Treder die letzten Ergebnisse der Kategorie Hybriden.

Bei der Tischbewertung wurden einige aufgebundene Pflanzen vorgestellt. (Foto: Thomas Lehmann)

Eine der angemeldeten Pflanzen wurde von den Bewertern wegen Schädlingsbefall abgewiesen. Insgesamt 16 Pflanzen konnten nicht überzeugen und fielen durch. Somit blieben 89 Pflanzen, die mit Medaillen geehrt wurden. 56 Mal vergaben die Preisrichter Bronzemedaillen. 32 Pflanzen erhielten die Auszeichnung in Silber und lediglich eine Pflanze überzeugte so sehr, dass sie eine Goldmedaille erhielt:

  • Paphiopedilum Julius ‚Ronja‘ von Ernst-F. Horn wurde mit der Goldmedaille in der Kategorie Hybriden ausgezeichnet.
Mexipedium xerophyticum ‚Gig‘ bekam die Goldmedaille auf Kultur. (Foto: D.O.G.)

20 der vorgestellten Pflanzen waren so herausragend kultiviert, dass sie vom Fachgremium zusätzlich auf Kultur vorgeschlagen wurden und in dieser Kategorie eine weitere Medaille erhielten. In der Kategorie Kulturzustand wurden vier Bronze- und 15 Silbermedaillen vergeben. Auch hier erreichte lediglich eine Pflanze die höchste Auszeichnung – eine Goldmedaille:

  • Mexipedium xerophyticum ‚Gig‘ von Giselher Cramer erhielt eine Goldmedaille in der Kategorie Kultur.

Nach dem mehrstündigen Bewertungsmarathon waren alle Bewerter, Helfer und Gäste hungrig und stürmten das reichhaltige Büfett, das wie am Vorabend vom Landgasthof Gabriele ausgerichtet wurde. An dieser Stelle möchte ich meinen beiden „Dokumentationskolleginnen“ Marlene Treder und Monika Eckert ein ganz großes Dankeschön aussprechen. Während die ersten Gäste bereits gesättigt in den ausklingenden Abend starteten, saßen sie noch immer am Laptop und berechneten die Ergebnisse des Ländervergleichswettbewerbs – ohne etwas gegessen zu haben! Vergelt’s Gott, wie die Bayern sagen.

Als auch die letzten Hungrigen gesättigt waren, begann D.O.G.-Präsident Bernd Treder die Ergebnisse des Ländervergleichswettbewerbs zu verkünden. Mit einer Richtzahl von 47,33 kam Österreich auf den dritten Platz. Deutschland erreichte Platz 2 mit 35,78 Punkten. Der erste Platz ging mit einer Richtzahl von 28,67, wie auch schon im letzten Jahr, an Ungarn, das damit erneut den Wanderpokal mit nach Hause nehmen konnte. Die jeweils drei besten Pflanzen aus jedem Land werden beim Ländervergleichswettbewerb ebenfalls mit Pokalen geehrt.

Die Gewinnerpflanzen aus Ungarn waren:

  • 1. Platz Schoenorchis fragrans ‚Sanyi‘ für die ausgezeichnete Kultur
  • 2. Platz Prosthechea mariae ‚Karcsi‘ in der Kategorie Botanische Art
  • 3. Platz Schoenorchis fragrans ‚Sanyi‘ in der Kategorie Botanische Art
Schoenorchis fragrans ‚Sanyi‘ wurde mit dem 1. und 3. Platz der ungarischen Pflanzen belohnt. (Foto: D.O.G.)

Die Gewinnerpflanzen aus Österreich waren:

  • 1. Platz Domingoa gemma ‚Albert Rottmann‘ in der Kategorie Botanische Art
  • 2. Platz Encyclia moebusii ‚Cuba Beauty‘ für die ausgezeichnete Kultur
  • 3. Platz Pleurothallis racemiflora ‚Albert Rottmann‘ in der Kategorie Botanische Art
Domingoa gemma (Syn. Dga. angustifolia) ‚Albert Rottmann‘ wurde als beste österreichische Pflanze ausgezeichnet (Foto: D.O.G.)

Die Gewinnerpflanzen aus Deutschland waren:

  • 1. Platz Paphiopedilum Julius ‚Ronja‘ in der Kategorie Hybriden
  • 2. Platz Masdevallia Heathii ‚Widderchen‘ für die ausgezeichnete Kultur
  • 3. Platz Dendrobium chrysotoxum ‚Chemnitz‘ in der Kategorie Botanische Art
Paphiopedilum Julius ‚Ronja‘ Goldmedaille bei der Tischbewertung und 1. Platz der deutschen Pflanzen beim Ländervergleichswettbewerb (Foto: D.O.G.)

Allen Gewinnern herzlichen Glückwunsch!

Wer sich jetzt wundert, dass das Mexipedium xerophyticum ‚Gig‘, das Gold für die Kultur bekam, nicht im Ländervergleichswettbewerb mit auftaucht, dem sei gesagt, dass nur Pflanzen von Liebhabern für diesen Wettbewerb mit eingerechnet werden. Pflanzen von erwerbsmäßigen Gärtnern werden nicht in die Auswertung mit einbezogen.

Gemeinsam ließ man im Anschluss den Abend in geselliger Runde ausklingen, stieß auf die Gewinner an und unterhielt sich angeregt – ähnliches Prozedere wie am Vorabend. Zwei Enkelinnen der Gastgeber untermalten den Abend mit zünftiger, bayerischer Hausmusik. Nur mit Akkordeon und Gitarre schufen die beiden eine typisch bayerische Atmosphäre. „Opa Franz“ war sichtlich stolz und zufrieden. Zu später Stunde löste sich die Runde langsam auf.

Am Sonntagmorgen traf man sich noch ein letztes Mal in den Glanz’schen Häusern, um sich zu verabschieden und seine letzten Errungenschaften abzuholen, ehe alle langsam die Heimreise antraten.

Großen Dank an die Gastgeber Maria und Franz Glanz für eure ehrliche Gastfreundschaft, die hervorragende Bewirtung und nicht zuletzt für den leckeren Schnaps! Und natürlich auch ein großes Dankeschön an alle von weit her angereisten Bewerter, an alle Helfer, Gäste und Freunde. Jeder einzelne hat dazu beigetragen, dass dieses Event so angenehm und unkompliziert stattfinden konnte!

Danke! Tak! Köszönöm! Grazie!

Autor: Thomas Lehmann

Dendrobium chrysotoxum ‚Chemnitz‘ erreichte den 3. Platz der deutschen Pflanzen. (Foto: Thomas Lehmann)
Masdevallia Heathii ‚Widderchen‘ schaffte es auf den 2. Platz der deutschen Pflanzen. (Foto: Thomas Lehmann)
Monika Eckert (2.v.l) gratuliert dem besten Orchideengärtner 2018, Franz Glanz (r.), der zum 33. Mal diese Auszeichnung erhielt. (Foto: Thomas Lehmann)
Die österreichische Bewerter-Delegation (Foto: Monika Eckert)
Die Bewerter aus Italien (Foto: Monika Eckert)
Last but not least: Die Gewinner des Ländervegleichswettbewerbs – Ungarn (Foto: Monika Eckert)
Ein Teil der riesigen Bewerterrunde mit dem fleißigen Helfer Nick, der gute 100 Runden lief, um die Bewerterzettel einzusammeln (Foto: Monika Eckert)
D.O.G.-Fotograf Werner Holzmann bei der Arbeit (Foto: Monika Eckert)