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Die Orchideen Bayerns – Verbreitung, Gefährdung, Schutz

Alles lesen Am 31. Januar 2016 um 22:05 veröffentlicht

382 Seiten, über 500 Farbfotos, 21,5 x 30,5 cm, dicker Pappeinband, Fadenbindung; VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch; ISBN 978-3-87707-929-4; Preis 30 € einschl. Versand , Bestellung unter kassenwart@aho-bayern.de oder bei den jeweiligen Sektionsvorsitzenden des AHO Bayern

Aus Anlass des 40-jährigen Jubiläums vom “Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO) Bayern e. V.“ ist das vorliegende Buch geschrieben, zusammengestellt und veröffentlicht worden. Nach 3 Auflagen (1986, 1992, 2006) der Verbreitungsübersicht der Orchideen in Bayern, in denen schwerpunktmäßig die Verbreitung der in Bayern vorkommenden Orchideenarten auf der Basis von Messtischblatt-Quadranten mit äußerst knappen Texten und einfachen Strichzeichnungen dargestellt wurde, wollte nun der Vereinsvorstand in Anlehnung an ähnliche Veröffentlichungen der letzten Jahre von Arbeitskreisen anderer Bundesländer ebenfalls ein großformatiges, reich bebildertes und attraktives Werk schaffen. Um es vorweg zu nehmen: dies ist voll und ganz gelungen. Im Vergleich zu den vorangegangenen Auflagen im Kleinformat (etwa DIN A5) hält man jetzt ein dickes Buch im DIN A4-Format mit insgesamt 382 Seiten und weit über 500 Farbfotos in der Hand.

Nach einer kurzen Einleitung zum Thema “40 Jahre Arbeitskreis Heimische Orchideen Bayern e. V.“ folgt das Inhaltsverzeichnis. Zuerst wird auf 8 Seiten über die Vereinsgeschichte berichtet mit Bildern von Pflegeeinsätzen und Ausstellungen. Es folgt ein längeres Kapitel “Orchideenbiotope“ mit der Beschreibung aller in Bayern relevanter Biotoptypen mit Bildbeispielen; abschließend wird auf die Gefährdungsursachen bei den Orchideen eingegangen. Anschließend kommt eine Liste der Naturräume in Bayern sowie eine dazugehörige physikalische Karte von Bayern, die ergänzt wird durch Themenkarten zur Geologie, zum Niederschlag sowie zu den Sommer- und Wintertemperaturen. Das Verzeichnis der Messtischblätter mit Nummer und Titel auf fast 6 Seiten wird manchem überflüssig vorkommen, doch es hilft bei der genauen Lokalisierung bei derjenigen Karte mit den Messtischblättern, in der die Artenzahlen pro Messtischblatt eingetragen sind. Diese Karte ist sehr interessant, denn sie zeigt nicht nur die (noch) nicht kartierten Gebiete südlich der Donau (dort scheinen keine AHO-Mitglieder zu wohnen ?) sondern auch die Tatsache, dass z. B. im Bayerischen Wald nur wenige Orchideenarten vorkommen, dagegen im Bereich der Alpen Artenzahl-Maxima von bis zu 51 Orchideenarten pro Messtischblatt (z. b. 8240 Marquartstein) auftreten. Ein Blick auf die geologische Karte gibt eine Erklärung dafür, wenn man weiß, dass die meisten heimischen Orchideen magmatische (z. B. Basalt, Granit) und metamorphe (z. B. Gneis, Glimmerschiefer) Gesteine meiden. Die nun folgenden 4 Seiten über die Orchideensystematik sollte der unbefangene Leser nicht überschlagen, denn hier wird das diesem Buch zugrunde gelegte Gattungs- und Art-Konzept erläutert. Der “normale“ Orchideenfreund wird es begrüßen, dass die Autoren nicht blind den Ergebnissen der publizierten DNA-Analysen folgen. So werden beispielsweise alte, bekannte Gattungsnamen, wie Coeloglossum, Listera und Nigritella weiter benutzt. Dafür muss man sich aber an z. B. Anacamptis morio (syn. Orchis morio), Neotinea ustulata (syn. Orchis ustulata) und Orchis anthropohora (syn. Aceras anthropophorum) gewöhnen.

Auf Seite 66 beginnt das umfangreiche Hauptkapitel, in dem alle 74 in Bayern vorkommenden Orchideenarten und -unterarten, nach Gattungen geordnet, in alphabetischer Reihenfolge mit kurzem Text, meist etwa 10 Farbbildern und der einseitigen Verbreitungskarte dargestellt werden. Es beginnt bei Anacamptis coriophora und endet auf Seite 363 mit Traunsteinere globosa. Bis auf wenige Ausnahmen wird jede Art auf 4 Seiten behandelt. Ein übergeordnetes Kapitel zur entsprechenden Gattung gibt es nicht mit Ausnahme von zu Dactylorhiza und Nigritella (aber separat im vorderen Buchteil). Der relativ kurze Text auf maximal einer Seite umfasst: wissenschaftlicher und deutscher Orchideenname, Synonyme (sofern vorhanden), Etymologie (des wissenschaftlichen Artnamens), Beschreibung (der Pflanze und Blüte), Blütezeit, Verwechslungsmöglichkeiten (mit ähnlichen Arten), Lebensräume in Bayern, weltweite Verbreitung und Bemerkungen (z. B. zur Bestäubung). Die Angaben zu den Verwechslungsmöglichkeiten sind meist für den “Orchideenanfänger“ ganz hilfreich. Die Bildauswahl umfasst generell das entsprechende Biotop, den Habitus, den Blütenstand und ggf. die Einzelblüte. Die Foto- und Druckqualität entspricht den heutigen hohen Anforderungen. Die Verbreitungskarte benutzt 3 Nachweis-Symbole: vor 1974, 1974-1989, ab 1990. Mit deren Hilfe ist der mehr oder weniger starke Artenrückgang gut zu ersehen. Zur besseren Übersicht sind die wichtigsten Flussläufe, großen Seen und Ortschaften eingezeichnet. Der Kartierungsstand ist mit 31.12.2013 ganz aktuell. Zusätzlich zur Karte sind die Höhenverbreitung in Bayern und der Gefährdungsgrad (nach der Roten Liste Bayerns) angegeben.

Anschließend folgt eine Auflistung der in Bayern bisher gefundenen intergenerischen und intragenerischen Hybriden mit einigen Bildbeispielen. Dann werden die Bildautoren und die zahlreichen Kartierungsmitarbeiter über 40 Vereinsjahre namentlich aufgezählt. Das Werk schließt mit den Registern der wissenschaftlichen und deutschen Namen, dem Glossar (der wichtigsten Fachbegriffe) und der Bibliographie (mit Schwerpunkt der Orchideen in Bayern) ab.

Zum Layout des Buches ist anzumerken, dass viel Platz verschenkt wurde, denn viele Seiten sind nur halb oder dreiviertel bedruckt. Auf diesen “Freiflächen“ könnte ein erweiterter Text oder ein zusätzliches Bild für Abhilfe schaffen. Aber dieses kleine Manko schmälert den Wert des Buches nicht. Es kann allen Orchideenfreunden – nicht nur in Bayern – und solchen, die es werden wollen, uneingeschränkt empfohlen werden. Auch das sehr gute Preis-/Leistungsverhältnis wird sicherlich dazu beitragen, das dieses gelungene Werk eine weite Verbreitung findet.

 


Wild Orchids of the Algarve (2014)

Alles lesen Am 21. September 2015 um 13:33 veröffentlicht

128 Seiten, über 200 Farbfotos, 15 × 21,5 cm, Englisch, Pappeinband, Fadenbindung; First Nature, Bwlchgwyn, Rhydlewis, Llandysul SA44 5RE, Wales, UK; ISBN 978-0-9560544-8-7

Das handliche Taschenbuch beginnt mit dem Inhaltsverzeichnis und ist in vier Teile aufgeteilt. Teil 1 (Die Algarve und ihre wilden Orchideen) umfasst 29 Seiten und enthält Hinweise auf das Klima, die Geologie, die Orchideenbiologie, die Taxonomie mit Namensgebung und die allgemeine Verbreitung der Orchideen an der Algarve. Den Abschluss bilden kurze, sehr persönlich gehaltene Tipps der Autorin zum Erreichen von guten Orchideenfotos. Mit einigen Ausnahmen stammen die Fotos im Buch von ihr, wobei sie ihren eigenen hohen Anspruch in wenigen Einzelfällen nicht ganz erfüllt.

Das Inhaltsverzeichnis für Teil 2 (Führer zu den Orchideenarten) ist etwas gewöhnungsbedürftig. Es ist in Tabellenform aufgebaut mit – von links nach rechts – sehr kleinem Bild (kleiner als eine Briefmarke), mit dem wissenschaftlichen, dem englischen und dem portugiesischen Namen sowie der Seitenzahl. Die Aufstellung wurde nicht alphabetisch nach Gattungen vorgenommen, sodass man auf den fast fünf Seiten mühsam eine gewünschte Orchideenart suchen muss. Die Nomenklatur richtet sich nach den neuesten Regeln. Nur im Inhaltsverzeichnis werden die »alten«, meist geläufigen Namen als Synonyme aufgeführt. Dieser Teil umfasst den Hauptteil des Buches mit 72 Seiten und enthält 40 Artbeschreibungen einschließlich Verbreitung, Blütezeit und ggf. möglicher Verwechslungsgefahr. Jede Art ist meist mit einem Foto des Habitus (vielfach ganzseitig) und je einem des Blütenstandes oder der Einzelblüten bebildert. Leider fehlt diejenige Ophrys-Art, die im Artnamen die Landschaftsbezeichnung »Algarve« enthält: Ophrys algarviensis bzw. Ophrys fusca subsp. algarviensis. Vielleicht hat die Autorin diese Art/Unterart noch nicht gefunden. Sie kommt auch an wenigen Standorten in Andalusien (Südspanien) vor, wo sie der Rezensent selbst gesehen hat. Diese Art steht der Ophrys omegaifera subsp. dyris (oder Ophrys fusca subsp. dyris) sehr nahe.

Teil 3 beschreibt auf 15 Seiten Orchideen-Standorte und -Wanderungen. Dazu ist auf Seite 104 ein Landkartenausschnitt mit Wanderwegen abgedruckt.

Der abschließende Teil 4 behandelt verschiedene Themen, z. B. Hybriden und Farbformen. Ein Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe (in Englisch) und zur Autorin werden ein paar Angaben gemacht. Auf den letzten beiden Seiten sind in alphabetischer Reihenfolge unter der Überschrift “General Index“ allgemeine Begriffe einschließlich geographischer Bezeichnungen aufgelistet. Leider fehlen hier die Orchideenarten.

Die Buchverarbeitung ist ausgezeichnet und die Fotoqualität grundsätzlich sehr gut. Für den Orchideenfreund, der das Gebiet der Algarve besuchen will, ist das Buch eine willkommene und solide Informationsquelle, die uneingeschränkt empfohlen werden kann.

Das Buch ist in der D.O.G.-Bibliothek vorhanden.


The Wild Orchids of Taiwan, an Illustrated Guide (2014)

Alles lesen Am um 13:29 veröffentlicht

924 Seiten, über 1700 Farbfotos, 21 × 29 cm, Englisch, dicker Pappeinband, Fadenbindung; Dr. Cecilia Koo Botanic Conservation and Environmental Protection Foundation, Gaoshu Township, Pingtung County, Taiwan; ISBN 978-986-87098-2-9; Preis ca. EURO 100; Bestellung: bknorton@bookman.com.tw

Dieses schwergewichtige Orchideenbuch (Gewicht etwa 3,3 kg) hat der Rezensent schon sehnlich erwartet, denn es war ihm vergönnt, bei seinem Besuch im Frühjahr 2012 in Taiwan − siehe RYSY, W. (2012): Orchideen in Taiwan, Teil 2: Orchideen am Naturstandort; Die Orchidee 63(5):368-373 − während einer gemeinsamen Exkursion mit dem Erstautor einen kurzen Blick auf ein paar Manuskript-Seiten werfen zu können. Das Endergebnis als gebundenes Buch mit einem Umfang von über 900 Seiten und über 1700 Farbfotos ist überwältigend. Es enthält die Forschungsarbeit von fast 15 Jahren, in denen die Autoren vor allem die natürlichen Orchideenstandorte auf Taiwan studierten, und es stellt den aktuellen Stand dar.

Auf der Insel von der Größe Baden-Württembergs gibt es 428 Orchideenarten (bisher bekannt), die in 106 Gattungen untergebracht sind. Die Nomenklatur folgt nicht immer den neuesten Ideen und dies ist für manche Leser sicherlich angenehm. Es werden komplett alle auf Taiwan natürlich vorkommende Orchideenarten mit kurzem, aber ausreichendem Text und vielen Farbbildern vorgestellt. Bei den meisten Arten werden Bilder vom Habitus am Naturstandort sowie Pflanzenausschnitte und (z. T. stark vergrößerte) Einzelblüten gezeigt, sodass man sich einen guten Überblick über das Aussehen einer Art verschaffen kann.

Bild- und Druckqualität genügen höchsten Anforderungen. Man kann sagen, dass den beiden Autoren hiermit ihr Meisterwerk gelungen ist. Nach dem Aufschlagen des Buches wird man als erstes von einer doppelseitigen Wiedergabe eines Ölgemäldes von einem thailändischen Künstler begrüßt. Es zeigt – stark vergrößert – vier Pflanzen mit Blüten einer erst im Jahr 2004 entdeckten, ganz entzückend aussehenden Corybas-Art. Übrigens sind weitere Wiedergaben von Ölgemälden mit taiwanesischen Orchideen im gesamten Buch verteilt.

Nach dem einseitigen Inhaltsverzeichnis folgen ein Vorwort von Johan HERMANS aus England und einleitende Worte der beiden Autoren mit Danksagungen. Dann wird auf vier Seiten die Erforschungsgeschichte der taiwanesischen Orchideen abgehandelt. Auch der deutsche Orchideenforscher Rudolf SCHLECHTER wird erwähnt. Dann folgt ein sehr interessantes Kapitel über die Ursprünge der taiwanesischen Orchideen und ihre Zugehörigkeit zu benachbarten Gebieten (Festland-China, Japan und Philippinen). Es wird auf weit verbreitete und endemische Orchideen (etwa 140 Arten) eingegangen. Anschließend folgt ein Kapitel über die verschiedenen Biotoptypen auf der Insel (mit Bildbeispielen), die sowohl tropisches als auch subtropisches Klima sowie in höheren Berglagen sogar alpines Klima aufweist. Wie in jedem Standardwerk gibt es Basisinformationen zur Orchideenmorphologie von den Wurzeln über die Pflanze mit Blättern bis zur Blütenstruktur einschließlich Bestäubung.

Der Hauptteil des Buches mit der Überschrift (übersetzt) “Heimische Orchideen-Taxa von A bis Z“ beginnt auf Seite 78 mit Acampe rigida. Alle Orchideen werden alphabetisch nach Gattungen und innerhalb einer Gattung ebenfalls alphabetisch nach Arten abgehandelt. Der Textaufbau ist bei jeder Art gleich: Pflanzenbeschreibung, Blütezeit, kurze Biotopbeschreibung, Vorkommen auf Taiwan und allgemeine Verbreitung. Jede Orchideenart wird meist auf zwei (manchmal auch drei) Seiten einschließlich zwei bis fünf Farbfotos vorgestellt. Ungewöhnlich ist es, dass es keine Gattungsüberschrift mit einleitenden Bemerkungen zur Gattung gibt. Die Artbeschreibungen gehen nahtlos ineinander über und man muss genau aufpassen, wann eine neue Gattung beginnt. Die artenreichste Gattung auf Taiwan ist Bulbophyllum mit 34 Taxa, gefolgt von Calanthe (20 Taxa), Cymbidium (14 Taxa) und Dendrobium (13 Taxa). Auf Seite 895 endet die Artenvorstellung mit Zeuxine strateumatica.

Auf sechs Seiten findet man Bemerkungen zur Orchideenerhaltung und zur Wiederansiedlung. Für das abschließende Inhaltsverzeichnis haben sich die Autoren etwas besonderes einfallen lassen: pro Zeile folgt nach dem wissenschaftlichen Artnamen (weiter in den folgenden Zeilen in alphabetischer Reihenfolge) zunächst die Blütezeit mit der Monatskennung von 1 bis 12, wobei die artspezifischen Blüten in Kleinstformat (etwa 5 mm Durchmesser) in den entsprechenden Bereich der Blühmonate gedruckt sind. Am Zeilenende steht die zugehörige Seitenzahl. Leider sind im Inhaltsverzeichnis die wenigen angegebenen Synonyme nicht aufgeführt.

Das Buch lebt von den vielen Bildern und es ist eine Augenweide, wenn man durch die Seiten blättert. Dieser umfangreichen und erstmals in Englisch erschienenen Gesamtdarstellung der taiwanesischen Orchideen ist eine große Verbreitung unter den Orchideenfreunden zu wünschen.

Das Buch ist in der D.O.G.-Bibliothek zur Einsichtnahme vorhanden.


A Compendium of Miniature Orchid Species (2013)

Alles lesen Am 31. Januar 2015 um 14:05 veröffentlicht

2 Bände (insgesamt 1161 Seiten), über 1600 Farbfotos, 25 × 31 cm, Englisch, dicker Pappeinband, Fadenbindung; Redfern Natural History Productions, Poole, Dorset, England, ISBN 978-1-908787-19-4 (Band 1), ISBN 978-1-908787-20-0 (Band 2); Preis pro Band: 34.99 GBP (ohne Porto), Bestellung unter sales@redfernnaturalhistory.com

Es ist sehr erfreulich, dass es im Zeitalter der digitalen Medien noch Verlage und Autoren wagen, die Ergebnisse jahrelanger Arbeit in gedruckter Form vorzulegen. Immerhin sind es im vorliegenden Fall etwa 8 kg (!) Papier, auf dem das geballte Wissen über Miniaturorchideen zum bequemen Durchblättern und Lesen präsentiert wird.

Der im Buchtitel verwendete Begriff “Compendium“ heißt wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt: Vorteil, Gewinn – und beides hat der Käufer dieses Mammutwerkes schon auf-grund des guten Preis-Leistungsverhältnisses. Im weitesten Sinn bedeutet “Compendium“ auch “kurz gefasstes Lehrbuch“, wobei hier “kurz gefasst“ sich nicht auf das Gesamtwerk, sondern auf die einzelnen Beschreibungen der Orchideeenarten bezieht, um möglichst viele Arten abhandeln zu können.

Der ebenfalls im Buchtitel angeführte Begriff “Miniatur-Orchideen“ wird von den beiden aus den USA stammenden Autoren im Prolog auf Seite IX genau definiert: “Alle ausgewählten Arten besitzen eine maximale Höhe von 15 cm mit Ausnahme der Infloreszenz und alle gehören zum Tribus Epidendroideae.“ Sie beschreiben nur epiphytisch und lithophytisch wachsende Orchideen, d. h. kleinwüchsige Erdorchideen werden nicht behandelt. Unter diese Definition fallen gut 5 000 Orchideenarten (von über 26 000 Arten insgesamt), von denen in den beiden Bänden etwa 500 in 122 Gattungen in Wort und Bild dargestellt werden.

Band 1 beginnt mit der Danksagung an weit über 200 Mitwirkende, die direkt oder indirekt zum Gelingen dieses umfangreichen Werkes beigetragen haben; deutsche Orchideenfreunde sind dabei nicht vertreten. Im nachfolgenden Prolog der Autoren ist u. a. noch der wichtige Hinweis enthalten, dass sie grundsätzlich bezüglich der Taxonomie der aktuellen “Kew World Checklist of Selected Plant Families“ folgen, wobei zur besseren Orientierung sowohl im Text als auch im abschließenden Artenindex die Synonyme aufgeführt werden.

Nach einem kurzen Vorwort von Isobyl la CROIX und dem Inhaltsverzeichnis beginnt auf Seite 1 eine allgemeine Einführung in die Orchideenfamilie; u. a. werden anhand von Detailfotos Wuchs- und Pseudobulbenformen sowie Blatt- und Infloreszenzformen erläutert. Ein gut bebildertes Kapitel beschreibt die weltweiten Orchideenbiotope und ihren Schutz.

Sehr umfangreich wird auf über 40 Seiten die allgemeine Kultur der Miniatur-Orchideen beschrieben, die im Prinzip auch für alle Orchideen gilt.

Auf Seite 100 beginnt mit der Gattung Acianthera der zentrale Teil mit den alphabetisch sortierten Gattungs- und Artbeschreibungen. Auf einer Seite wird die Gattung kurz vorgestellt, und dann folgen jeweils auf 1 bis 3 Seiten (einschl. zahlreicher Fotos) die Artbeschreibungen einschl. kurzer Angaben zum natürlichen Vorkommen und zur speziellen Kultur. Von der artenreichsten Gattung Bulbophyllum, die auch sehr viele Miniatur-Orchideen beinhaltet, werden auf 66 Seiten über 40 Arten behandelt.

Über 80 Seiten beanspruchen die kleinwüchsigen Dendrobium-Arten (einschl. der ehemaligen Gattungen Cadetia, Dockrillia, Diplocaulobium und Epigeneium, die als Gruppen A bis D separat behandelt werden).

Der 1. Band endet auf Seite 502 mit der Gattung Grandiphyllum, früher bei der Gattung Oncidium untergebracht.

Band 2 beginnt auf Seite 503 mit der Gattung Haraella und schließt mit der Gattung Zygostates auf Seite 1041. Dann folgt der Anhang 1 mit einer ausführlichen Liste derjenigen Orchideenarten, die die o. g. Definition für Miniatur-Orchideen erfüllen, aber nicht im Einzelnen behandelt werden konnten; u. a. sind fast 750 Bulbophyllum-Arten aufgezählt – durch einen Satzfehler folgt der Seite 1048 inhaltlich die Seite 1056.

Es verwundert nicht, dass die Liste auch über 500 Arten der Gattung Lepanthes aufzählt, eine Gattung mit fast ausschließlich Miniaturarten. Der Anhang 2 mit 4,5 Seiten enthält noch eine Liste mit “Fast-Miniatur“-Orchideen, d. h. bei ihnen darf definitionsgemäß die Pflanzenhöhe 15 bis 20 cm betragen.

Die weltweiten Einkaufsquellen von Miniaturorchideen (einschließlich in Deutschland) sind im Anhang 3, von Zubehör in Anhang 4 aufgelistet. Abschließend folgen ein ausführliches Glossar und ein Literaturverzeichnis auf etwa 15 Seiten sowie der Pflanzenindex (mit Synonymen). Es wird nur wenig deutsche Literatur genannt; ausgerechnet beim Namen Rudolf SCHLECHTERs (1872-1925), der zu den bedeutendsten und bekanntesten deutschen Botankern und Orchideenautoren gehört, hat sich ein Druckfehler eingeschlichen (»SCHLECTER« statt SCHLECHTER). Die letzte Seite enthält jeweils eine kurze Beschreibung über die beiden Autoren des vorliegenden Werkes.

Die exzellenten Fotos der Pflanzen und Blüten (meist klein und stark vergrößert) stammen überwiegend von Ron PARSONS. Viele interessante, ergänzende Standortfotos wurden von weiteren Bildautoren zur Verfügung gestellt.

Dieses phänomenale Werk über Miniaturorchideen ist vom Umfang, vom Inhalt, von der Foto- und Verarbeitungsqualität einmalig gut. Es ist nicht nur für Orchideenfreunde, die aus Platzgründen nur Miniaturorchideen pflegen und sich über sie informieren wollen, eine unerschöpfliche Wissensquelle, sondern auch für jeden anderen Liebhaber, der sich mit Orchideen beschäftigt. Es wird für die nächsten Jahre ein Standardwerk sein, dem eine weite Verbreitung zu wünschen ist.

Die beiden Bände sind in der D.O.G.-Bibliothek vorhanden.


Spider-orchids – the Genus Caladenia and its Relatives in Australia

Alles lesen Am 4. September 2014 um 19:02 veröffentlicht

E-Book (PDF file on DVD); Englisch, AUD $ 36,– einschl. Porto nach Übersee;
Bestellung per e-mail unter: garynelsonbackhouse@gmail.com

Diese DVD behandelt auf etwa 900 DIN-A4-Seiten die GattungCaladenia in Australien mit über 350 Arten einschl. der verwandten Arten aus den Gattungen wie Adenochilus (2 Arten), Cyanicula (12 Arten), Elythranthera (2 Arten) und Leptoceras (1 Art). Es wird fast jede Art detailliert vorgestellt mit beschreibendem Text und mit insgesamt über 4000 (!) Farbbildern mit Habitus, Blüten und Lippendetails. Diese umfangreiche Arbeit stellt die bis heute vollständigste Übersicht über diese Gattung dar.

Nach dem Einlegen der DVD in das Computer-Laufwerk und dem Öffnen der PDF-Datei erscheint nach dem Titelbild und dem Impressum das Inhaltsverzeichnis und das Vorwort, in dem u. a. die genaue, behandelte Zahl an Arten mit 361 und die an Naturhybriden mit 94 angegeben wird. Bei der anschließenden Danksagung werden u. a. die etwa 40 Fotografen, die Bilder für dieses Werk zur Verfügung stellten, namentlich genannt. Dann folgen die verwendeten Abkürzungen und eine grobe Australienkarte mit den Bundesstaaten sowie Hinweise auf die Taxonomie und Bestimmung. Aktuell gibt es 6 Untergattungen: Caladenia mit 30 Arten (sog. Finger-Caladenia-Arten), Stegostyla mit 16 Arten (sog. Helm-Caladenia-Arten),Elevatae mit 5 Arten (sog. Schöne Caladenia-Arten), Phlebochilus mit 70 Arten (sog. Haarsträhnen-Spinnenorchideen und Clown-Orchideen), Drakonorchis mit 4 Arten (sog. Drachenorchideen) undCalonema mit etwa 200 Arten (sog. Spinnenorchideen). Bei der allgemeinen Verbreitung wird angeführt, dass fast alle Caladenia-Arten in Australien endemisch sind; allerdings kommen 11 Caladenia-Arten in Neuseeland vor, und eine Art ist weit verbreitet und erreicht Neu-Guinea und die indonesische Insel Sulawesi. Die beigefügte Karte zeigt, dass die australischen Caladenia-Arten nur die ganze Ostküste und Südostküste sowie die Südwestecke des Kontinents besiedeln; in der Mitte und im Norden gibt es keine Caladenien. Es folgen dann kurze Kapitel zur Biologie und Ökologie der Pflanzen sowie ein ausführliches Kapitel über die sehr interessanten Bestäubungsstrategien mit entsprechenden Bildbeispielen. Kurze Ausführungen zu Hybriden und zum Orchideenschutz schließen sich an. .Auf Seite 16 beginnt der Hauptteil des E-Buches mit Beschreibungen und vielen Abbildungen der einzelnen Caladenia-Arten. Der Textaufbau bei jeder Art ist der gleiche: Artname mit Synonymen, kurze Pflanzen- und Blütenbeschreibung, Vorkommen und Blütezeit sowie artspezifische Bemerkungen. Leider wird auf die Etymologie, d. h. die Ableitung des wissenschaftlichen Namens, nicht eingegangen. Zuerst werden die Caladenia-Verwandten und ab Seite 58 bis 835 die eigentlichen Caladenien abgehandelt, die weitgehend nach den o. g. Untergattungen sortiert sind. Die Anordnung ist so gewählt, dass eng verwandte und ähnliche Arten dicht beieinander stehen. Aber einen Bestimmungsschlüssel wird der Fachbotaniker vergeblich suchen. Für jede dargestellte Art gibt es eine grobe Verbreitungskarte und viele Blütenbilder – der Schwerpunkt dieser Arbeit – um die Variationsbreite zu zeigen. Zum Abschluss werden Hybriden und Farbformen in Text und Bild dargestellt sowie die verwendete Literatur aufgeführt. Ein Index für die wissenschaftlichen Namen und ein Index für die Namen der (englischen) Umgangssprache beschließen das umfassende Werk.

Diese unglaubliche Fleißarbeit kann man nur in den höchsten Tönen loben. Der (englische) Text ist leicht verständlich, und die über 4000 Farbfotos sind von ausgezeichneter Qualität. Darüber hinaus gibt es wohl kaum ein Orchideenbuch (wenn auch in elektronischer Form), das ein besseres Preis-Leistungsverhältnis besitzt. Vor allem den Orchideenfreunden mit speziellem Interesse an australischen Orchideen kann diese “kleine Silberscheibe“ uneingeschränkt empfohlen werden.

Die DVD ist in der D.O.G.-Bibliothek vorhanden.


Orchids – Botanical Jewels of the Golfo Dulce Region, Costa Rica

Alles lesen Am um 18:53 veröffentlicht

204 Seiten, ca. 220 Farbfotos, 16 x 23,5 cm, Englisch, Fadenbindung; Verein zur Förderung der Tropenstation La Gamba, Vienna, Austria, ISBN: 978-3-9502996-3-2; 20,00 €

Die Lage der im Titel genannten Region “Golfo Dulce“ findet man ganz hinten im Buch auf der Umschlaginnenseite. Der Golf liegt im äußersten Südosten von Costa Rica zwischen dem Festland und der Osa-Halbinsel, nicht weit von Panama entfernt. Nördlich des Golfes auf der Festlandseite befindet sich der “Parque Nacional Piedras Blancas“ und östlich, fast angrenzend die “Tropenstation La Gamba“, die u. a. mit Mitteln des Vereins “Regenwald der Österreicher“ und mit Unterstützung der Universität Wien aufgebaut wurde. So überrascht es auch nicht, dass der größte Teil der 8 Autoren aus Österreich stammt, abgesehen von Herrn Franco PUPULIN, der in Costa Rica zu Hause ist und unseren Lesern von vielen Artikeln bekannt sein dürfte.

Im 1. Kapitel wird kurz auf die o. g. Tropenstation eingegangen. Es folgt eine Beschreibung des Regenwaldes der behandelten Region, der sich weitgehend im Tiefland (unter 800 m Höhe) befindet. Hier herrschen warme Klimabedingungen, was bei der Kultur der später im Buch umfangreich behandelten Orchideenarten zu berücksichtigen ist. Die Orchideenbiologie von der Pflanze bis zur Blüte wird anschließend kurz beschrieben mit interessanten Abschnitten über die Blütenbestäubung und – an Hand von Bildbeispielen von Caularthron bilamellatum – das Zusammenleben von Orchideen und Ameisen. Das letzte, einleitende Kapitel behandelt die Kultur der kommerziell angebauten Vanille.

Im Hauptteil des Buches werden einige, im behandelten Gebiet vorkommende Orchideenarten vorgestellt, alphabetisch geordnet nach Gattungsnamen von Acianthera bis Xylobium. Viele der behandelten Arten sind auch bei uns in Mitteleuropa in (warmer!) Kultur anzutreffen. Insofern ist dieses Buch nicht nur für Orchideenfreunde interessant, die diese Gegend in Costa Rica bereisen wollen sondern für alle Orchideenliebhaber, die die entsprechenden Arten kultivieren. Jede behandelte Art wird in der Regel auf zwei Seiten (mit 2 bis 3 Habitus- und Blütenfotos) dargestellt, wobei der Textaufbau immer gleich ist: Artname, Synonyme, Etymologie, Beschreibung, Verbreitung, Blütezeit, Bestäubungsbiologie und Referenzen. Leider steht bzgl. der Bestäubung bei vielen Arten der Standardsatz (übersetzt): “Über die Bestäubung dieser Art ist nichts bekannt“. Hier hat also die Forschung noch ein großes Betätigungsfeld. Am Schluss des Buches werden botanische Begriffe erklärt und die verwendete Literatur wird aufgeführt. Interessant sind die letzten vier Seiten mit einer Aufstellung aller bekannten Orchideenarten, die im Gebiet des “Golfo Dulce“ vorkommen; dabei sind die im Buch abgehandelten Arten fett gedruckt – doch leider ohne Angabe der entsprechenden Seitenzahlen im Buch, was ein schnelles Auffinden einer gesuchten Art etwas erschwert.

Das Buch ist schon aufgrund der Fadenbindung gut verarbeitet. Die Farbfotos, die im Wesentlichen von Herrn M. SPECKMAIER (fast 100 Stück) und Herrn P. WEISH (fast 50 Stück) stammen, sind bis auf wenige Ausnahmen von hervorragender Qualität; auch die Druckqualität ist gut. Die Fotos von den Naturstandorten sind besonders interessant. Der englische Text ist verständlich geschrieben und wissenschaftlich einwandfrei. Es ist eine Freude, durch das Buch mit den vielen Farbfotos zu blättern – und sich bei den jeweilig interessanten Stellen fest zu lesen. Das gute Preis/Leistungsverhältnis spricht für sich. Nicht nur aus diesem Grund kann es allen Orchideenfreunden sehr empfohlen werden entweder, um vor Ort in Costa Rica ein Nachschlagewerk zu haben, oder, um für den Orchideenschutz in Costa Rica etwas Gutes zu tun; denn mit dem Kaufpreis unterstützt man die Tropenstation La Gamba und ihre Projekte. Nähere Informationen findet man unter: w.w.w.lagambe.at.

Dieses Buch ist in der D.O.G.-Bibliothek vorhanden.


Orchid Species Of Shoalhaven

Alles lesen Am um 18:23 veröffentlicht

64 Seiten, über 225 Farbfotos, 15 x 21 cm, Englisch, Heftklammerung; Blue Star Print NSW, Australia; ISBN: 978-0-9581679-1-8; 20.00 AUD (plus Versand); erhältlich beim Autor unter affine@tpg.com.au

Der Autor beschäftigt sich seit etwa 30 Jahren intensiv mit den heimischen Orchideen seiner Heimat bei der Stadt Nowra in New South Wales (Australien). Bei seinen intensiven Feldstudien entdeckte er auch einige neue Orchideenarten, z. B. Calochilus pulchellus im Jahr 1998. Sein größtes Anliegen ist der Naturschutz und besonders der Orchideenschutz in seinem Heimatgebiet. So wurde er 2002 zum “Conservation Director“ des Australian Orchid Council und 2005 zum “National Conservation Officer“ der Australasian Native Orchid Society (ANOS) ernannt. Er veröffentlicht regelmäßig Artikel in australischen Orchideen-Zeitschriften mit dem Schwerpunkt “Schutz und Erhalt der heimischen Orchideen“. Nun gibt er mit dem vorliegenden Büchlein einen aktuellen Überblick über die vorkommenden Orchideenarten in der Region von Shoalhaven, die etwa 150 km südlich von Sydney liegt und sich von der Küste zwischen Berry bei Nowra und der Batemans Bay bis westlich in die Berge von fast 800 m Höhe auf einer Fläche von etwa 4600 km² erstreckt. Zum Gebiet gehören beispielsweise die Jervis Bay und der Morton Nationalpark. Etwa 140 Orchideenarten wurden hier bisher entdeckt.

Nach einer kurzen Einleitung sowie kurzen Beschreibungen von Biotoptypen und Pflanzen- und Blütenaussehen einschließlich Bestäubungsmechanismen mit entsprechenden Bildbeispielen folgen in alphabetischer Reihenfolge der Gattungen die im behandelten Gebiet gefundenen Orchideenarten. Jede Art wird mit sehr kurzem Text (z. B. mit Blütezeit und Biotopanspruch) vorgestellt; dazu werden die Blüten mit je einem Farbfoto gezeigt. Diejenigen Leser, die sich mit der australischen Orchideenflora in jüngster Zeit nicht beschäftigt haben, werden über die vielen neuen Gattungsnamen stolpern, doch glücklicherweise werden die vertrauten Namen bei den Arten und im Inhaltsverzeichnis angegeben. So ist z. B. aus dem bekannten Dendrobium speciosum das Thelychiton speciosus und aus Dendrobium tetragonum das Tetrabaculum tetragonum geworden. Die Gattung Bulbophyllum wurde für die australischen Arten komplett aufgelöst. Auch die englischen Namen aus der Umgangssprache sind aufgeführt. Die über 225 Farbfotos sind aussagekräftig und von guter Qualität. Das Büchlein ist aufgrund der handlichen Größe als exzellenter Feldführer für unterwegs geeignet. Es spricht sowohl den an der Natur interessierten Anfänger als auch den speziellen Orchideenfreund an und kann zur Orchideenbestimmung im behandelten Gebiet sehr hilfreich sein. Jedem, der diese Gegend von Australien als Naturfreund besucht, kann es wärmstens empfohlen werden. Darüber hinaus sollten auch die Freunde australischer Orchideen dieses Büchlein in ihrem Bücherschrank haben. – Das Titelbild zeigt Arachnorchis tessellata (Caladenia tessellata).

Das Büchlein ist in der D.O.G.-Bibliothek vorhanden.


Australian Orchid Research Volume 6, 2011

Alles lesen Am 25. August 2014 um 23:25 veröffentlicht

LAVARACK, P.S. (Bill) (2011): Australian Orchid Research Volume 6, 2011: Expeditions to Cape York Peninsula, North Queensland, Australia, 1976 – 1989

180 Seiten, 68 Farbfotos, 16, x 43,5 cm, Englisch, broschiert; Australian Orchid Foundation, Essendon North, Vic. 3041, Australia, ISBN 978-0-9595384-9-6

Der Autor ist über Australien hinaus besonders bekannt geworden durch das Dendrobium-Buch, das er zusammen mit W. HARRIS und G. STOCKER im Jahr 2000 veröffentlichte.

Wenn man diesen Band 6 von “Australian Orchid Research“ zur Hand nimmt, ist man überrascht, dass hier sehr ausführlich von Expeditionen in fast unzugängliche Regionen von Nord-Queensland berichtet wird, die zwischen 22 und 35 Jahre zurückliegen; denn wie man der zitierten Literatur entnehmen kann, sind viele Artikel des Autors schon bald nach den einzelnen Expeditionen in verschiedenen australischen Fachzeitschriften erschienen. Allerdings liegen auch einige, bisher unveröffentlichte Berichte vor, die jetzt im vorliegenden Band Eingang gefunden haben. So war es wohl ein Anliegen des Autors, nach so langer Zeit eine geschlossene Darstellung aller Expeditionen, bebildert mit 68 Farbfotos mit heutiger Drucktechnik am Ende des Bandes, zu publizieren. Der Rezensent kennt einige unveröffentlichte Berichte, in denen z. B. die Qualität der abgedruckten S/W-Bilder sehr mangelhaft war.

Nach einer kurzen Einleitung und Danksagung folgt ein allgemeiner Abschnitt über die vom Australian Orchid Foundation unterstützten Reisen auf die Cape York Halbinsel. Nachdem die Orchideenflora von Cape Town nach Süden damals schon relativ gut bekannt war, traf diese Feststellung für die Bereiche nördlich von Cape Town nicht zu. Im Zusammenhang der durchgeführten “Reisen“ sind die Aussagen zu den Arbeitsbedingungen interessant (übersetzt): „Die Arbeit auf der Cape York Halbinsel reicht von angenehm bis unangenehm, von bequem bis gefährlich und von einfach bis schwierig. Eins ist aber sicher – es ist selten langweilig gewesen.“ Allein die Fortbewegung – wenn auch mit Geländefahrzeugen – war in dieser völlig unerforschten, tropischen Gegend ohne Wege abenteuerlich. Auch das Errichten von Basis-Camps war ein weiteres, aufregendes Thema.

In den Kapiteln 5 bis 10 werden die durchgeführten Orchideen-Expeditionen einschl. der entsprechenden Tagebucheintragungen beschrieben. Sie fanden statt 1976 und 1980 in der “Iron Range Area“, 1978 und 1979 in der “McIlwraith Range“, 1983 in der “Carron Valley Area“, 1986 in den “Cape York and Jardine River Areas“ und 1989 in der “Torres Strait“ (mehrere Inseln zwischen der Cape York Nordspitze und Papua-Neuguinea). Für jede Expedition sind die gefundenen Orchideen-Arten aufgelistet. Das letzte Kapitel behandelt den Ursprung und die Ähnlichkeiten der Orchideen der Cape York Halbinsel, vor allem in Bezug auf das nördlich gelegene Neu-Guinea. Nach dem Literaturverzeichnis folgt als Anhang 1 in Tabellenform: Liste der (etwa 125) Orchideen-Arten der Cape York Halbinsel nördlich des 15. südlichen Breitengrades, d.h. nördlich von Cape Town. Der Band schließt mit den Farbabbildungen ab. Sinnvoll ist die Landkarte auf dem Rückendeckel, in der die 5 Expeditionsgebiete eingezeichnet sind. Als Titelbild ist ein Foto von Dendrobium carronii LAVARACK & P.J. CRIBB verwendet worden.

Wer allgemein an Expeditionsberichten interessiert ist oder sich über die Orchideenflora der Cape York Halbinsel informieren will, kann mit gutem Gewissen zu diesem Band greifen. Allerdings ist beim Blättern der Seiten wegen der nicht belastungsfähigen Bindung Vorsicht angesagt; schon nach wenigen Malen Auf- und Zuschlagen des Bandes sind dem Rezensenten die ersten Farbtafeln lose entgegen gefallen.

Dieses Buch ist in der D.O.G.-Bibliothek zur Einsichtnahme vorhanden.


Vanilla Orchids – Natural History and Cultivation

Alles lesen Am um 23:23 veröffentlicht

212 Seiten, 140 Farbfotos, 16 x 23,5 cm, Englisch, Fadenbindung; Timber Press, Inc., ISBN-13: 978-0-88192-989-8; 34.95 US $

Es sind erst ein paar Jahre her, dass ein englischsprachiges Buch über Vanilla auf den Markt kam (ECOTT, Tim: Vanilla – Travels in search of the Luscious Substance; siehe Buchbesprechung in Die Orchidee 56(6):684). Nun hat das vorliegende Buch ebenfalls Vanilla als Thema, aber in der Mehrzahl (“Vanilla Orchids“). Das ist auch richtig, denn hier werden nicht nur die gesamte Gattung Vanilla mit über 100 Arten weltweit sondern auch eng verwandte Gattungen behandelt – und darin besteht vor allem der Unterschied zum o. g. Buch. Der Autor Ken Cameron ist führender Orchideenspezialist besonders für Vanilla und Verwandte. Zur Zeit ist er Professor der Botanik und Direktor des State Herbarium an der Universität von Wisconsin, Madison. Trotzdem ist es nicht zu wissenschaftlich sondern für jedermann (mit Englischkenntnissen) verständlich geschrieben.

In einer kurzen Einleitung wird zunächst Vanilla als Aromastoff und Duftträger behandelt. So erfährt man, dass Vanilla überall im Haus anzutreffen ist, nicht nur in Form von Pudding und Eiscreme sondern auch in Seife, Parfüm, Shampoon etc. enthalten sein kann. Das erste Kapitel beschreibt die Herkunft und die Geschichte der “domestizierten“ Vanilla, wobei die genaue Herkunft bis heute nicht ganz klar ist. Hier geht es im Wesentlichen um die Art Vanilla planifolia, die schon in ihrer Heimat Mexiko in vor-kolumbianischer Zeit bei den einheimischen Menschen Verwendung fand. Der Bogen spannt sich weiter über die Einfuhr der Spanier nach Europa und schließlich bis zum großflächigen Anbau z. B. in Madagaskar und La Réunion. Im zweiten Kapitel geht der Autor auf die Evolution und die geographische Verbreitung ein. Die überwiegend tropische Gattung Vanilla ist in Amerika, Afrika und Asien zu Hause. Verwandte Gattungen reichen bis nach Australien (z. B. Pseudovanilla und Erythrorchis) und ins gemäßigte Nordamerika (z. B. Pogonia und Isotria). Das Kapitel 3 geht auf die Pflanzen- und Blütenstruktur ein, u. a. mit der Feststellung, dass alle weinartig kletternden Orchideen zur Subtribus Vanilleae gehören. Von den über 100 Vanilla-Arten werden in Kapitel 4 etwa 20 Arten (z. T. mit Bildern, siehe unten) näher vorgestellt. Auf 6 Seiten wird in Kapitel 5 auf die wenigen natürlichen und künstlichen Hybriden eingegangen. Die eng verwandten Gattungen von Vanilla sind in Kapitel 6 beschrieben; doch innerhalb der zuerst behandelten Gattung Epistephium auf Seite 64 folgen plötzlich von Seite 65 bis 128 die Tafeln mit den Farbfotos mit den im Text genannten Abbildungsnummern. Diese Anordnung von Bildern entspricht nicht mehr der heute möglichen Drucktechnik. Auf Seite 139 wird das Kapitel 6 mit Isotria abgeschlossen. Kulturhinweise für die Gattung Vanilla werden in Kapitel 7 gegeben. Das Kapitel 8 behandelt die natürliche und künstliche Bestäubung der Blüten, wobei der Autor einräumt, dass man bis heute sehr wenig über die natürliche Bestäubung weiß. In den Kapiteln 9 und 10 werden die wirtschaftlich interessanten Themen, wie Ernte, Verarbeitung und kommerzielles Angebot angesprochen. Zum Schluss folgen 2 interessante Aufstellungen aller bis heute bekannten Vanilla-Arten mit Literaturzitat der Erstbeschreibung, Angabe der Synonyme und der Verbreitung; die heute ungültigen Namen werden separat erwähnt. Wer wissen möchte, welche Vanilla-Art auf welchem Kontinent vorkommt, sollte die letzte Liste studieren. Eine Aufstellung ausgewählter Literatur und das ausführliche Inhaltsverzeichnis beschließen das Werk.

Wie man es von Timber Press erwarten kann, ist die Druckqualität von Text und Farbbildern gut. Ob bei der in Buchmitte angeordneten Farbseiten viel an Produktionskosten eingespart wurde, kann der Rezeszent nicht beurteilen – üblich ist diese Anordnung heute nicht mehr. Der Text ist leicht verständlich geschrieben, so dass dieses Buch für jeden, der sich für Vanilla-Arten interessiert, empfohlen werden kann.

Dieses Buch ist in der D.O.G.-Bibliothek vorhanden.


Orchidaceae of Ivory Coast

Alles lesen Am um 23:05 veröffentlicht

396 Seiten, viele S/W-Zeichnungen, 24 × 17 cm, Englisch, Pappeinband, Fadenheftung; RUIZIA Monografías del Real Jardín Botánico, CSIC, 20, Madrid, ISBN 978-84-00-08725-8

Innerhalb von 6 Jahren ist ein weiteres Buch erschienen, das sich mit der Orchideenflora des afrikanischen Staates Elfenbeinküste beschäftigt. Während der Autor F. PEREZ-VERA seine Kenntnisse der dortigen Orchideen aus erster Hand hat und in seinem Buch (2003) die Beschreibungen auf der Basis lebender Pflanzen vorgenommen hatte (siehe Buchbesprechung in “Die Orchidee” 55(3):279, 2004), basieren die Pflanzenbeschreibungen und die SW-Zeichnungen im vorliegenden Buch ausschließlich auf Herbarmaterial und entsprechenden Literaturangaben. Dementsprechend gibt es mit Ausnahme des Buchumschlagbildes keine Farbfotos, die heutzutage eigentlich Standard sind. Es gibt auch nicht zu jeder beschriebenen Orchideenart eine Zeichnung, obwohl entsprechende Herbarbelege zitiert sind.

Nach dem Inhaltsverzeichnis folgt die Einleitung, die nicht nur aus den geografischen Angaben zur Elfenbeinküste besteht sondern auch aus einer tabellarischen Aufstellung der Orchideenarten für die Elfenbeinküste im Vergleich zum westlich gelegenen Nachbarland Guinea, aus der hervorgeht, dass im Staat Elfenbeinküste wesentlich mehr Orchideenarten vorkommen. Dann folgt das Kapitel “Unterlagen und Methoden“, aus dem hervorgeht, dass die taxonomische Gliederung auf SZLACHETKOs früheren Arbeiten beruht. Weiterhin wird ausgeführt, dass die Gattungen innerhalb der Subtriben und die Arten innerhalb der Gattungen alphabetisch angeordnet sind. Die Zeichnungen sind von 2 Mitarbeiterinnen vorgenommen worden, meistens auf der Basis von SZLACHETKOs Skizzen, die er von dehydrierten Blüten der Herbarbelege anfertigte. Anschließend wird kurz die Orchideenfamilie mit einem künstlichen Schlüssel für die 66 behandelten Orchideengattungen und einem natürlichen Schlüssel für die 7 behandelten Unterfamilien vorgestellt.

Im Hauptteil des Buches werden auf etwas über 350 Seiten die Unterfamilien, Triben, Subtriben, Gattungen und Arten kurz vorgestellt. Nach dem Artnamen folgen eine Pflanzenbeschreibung, Angaben zum Biotop mit Blütezeit und die Verbreitung in Afrika sowie die Aufzählung der untersuchten Herbarbelege. Bei der zugrunde gelegten Taxonomie benutzt SZLACHETKO seine eigenen Forschungsergebnisse, so gibt es z. B. die von ihm aufgestellten Gattungen Afrorchis SZLACH. 2006, Ceratopetalorchis SZLACH. 2003, Plantaginorchis SZLACH. 2004, Podandiella SZLACH. 1998, Schlechterorchis SZLACH. 2003, Szlachetkoella MYTNIK 2007 usw. Diese von SZLACHETKO eingeführten Gattungsnamen werden von der “World Checklist of Orchidaceae“ (Kew) nicht anerkannt, sondern nur als Synonyme geführt. Bei vielen Gattungen wird die Gynostemium-Struktur, der sich SZLACHETKO in der Vergangenheit besonders gewidmet hat, zeichnerisch dargestellt. Bei den Zeichnungen für die Arten werden hauptsächlich die Blütenteile wiedergeben.

Am Buchende folgt die Literatur (auf 1 ½ Seiten), das Verzeichnis der wissenschaftlichen Orchideennamen mit Seitenzahl und schließlich die Aufstellung der 2212 Herbarbelege, die nach Autoren alphabetisch geordnet sind; die meisten stammen übrigens von PEREZ-VERA (s. o.).

Abschließend lässt sich sagen, dass sich dieses Buch hauptsächlich für Wissenschaftler eignet, die sich eingehend mit afrikanischen Orchideen, besonders von der Elfenbeinküste, beschäftigen. Für Liebhaber, die ihre Orchideen aus dem westlichen Afrika bestimmen wollen, ist es weniger brauchbar, weil die Zeichnungen nicht für jede Art vorliegen; außerdem zeigen sie nur in wenigen Ausnahmefällen den Habitus und den natürlichen Blütenaufbau und meistens nur die einzelnen Blütenteile.

Das Buch ist in der D.O.G.-Bibliothek zur Einsichtnahme vorhanden.


Bloom-Again Orchids

Alles lesen Am um 23:00 veröffentlicht

132 Seiten, ca. 90 Farbfotos, 17,5 x 22,5 cm, Englisch, Fadenbindung; Timber Press, Inc., ISBN-13: 978-1-60469-055-2; 14.95 US $

Dieses Buch ist ideal für Anfänger, die ihre ersten Orchideen am Fensterbrett kultivieren wollen. Es ist zwar in englischer Sprache geschrieben, doch aufgrund der immer wiederkehrenden Begriffe und der Verwendung einer immer gleich aufgebauten, tabellarischen Checkliste für jede behandelte Orchidee auch für Orchideenliebhaber mit normalem Schulenglisch leicht zu verstehen. Der Buchuntertitel sagt aus, dass hier 50 leicht zu pflegende Orchideen ausgesucht wurden, die immer wieder blühen. Bei den ausgewählten Orchideen handelt es sich im Wesentlichen um Hybriden, d.h. vom Menschen künstlich erzeugte Kreuzungen mit 2 oder mehr Arten. Aber auch 7 Naturarten werden vorgestellt. Über die Auswahlkriterien werden keine Aussagen gemacht. Man bekommt aber einen guten Überblick über die Formen- und Farbenvielfalt der Orchideen. Ein anderer Autor würde unter dem vorgegebenen Buchtitel sicherlich 50 andere Orchideen aus dem gewaltigen Arten- und Hybridenschatz der Orchideenfamilie auswählen.

Nach dem bebilderten Inhaltsverzeichnis folgt die Danksagung an alle, die die Autorin unterstützt haben. Dann werden in der Einleitung u. a. kurze Ausführungen zu den möglichen Wuchsorten, Wuchsformen, Kulturbedingungen und zum Blütenaufbau gemacht. Abgeschlossen wird dieses Kapitel mit den 10 besten Tipps zur Orchideenkultur. Ab Seite 26 folgt auf jeweils 2 Seiten die kurze Vorstellung der 50 ausgewählten Hybriden und Arten in alphabetischer Reihenfolge von Aliceara (= Brassia x Miltonia x Oncidium) bis Zygopetalum-Hybriden. Dabei steht auf der linken Seite der kurze Text sowie die Checkliste und auf der rechten Seite direkt gegenüber ein entsprechendes ganzseitiges Farbfoto. Manchmal ist noch ein weiteres, kleines Farbfoto ergänzt. Die Bildqualität ist durchgehend gut; das darf man auch von einer ambitionierten Fotografin erwarten. Zum Abschluss des Buches werden die verwendeten Abkürzungen für die Gattungen und Hybriden zusammengestellt und erläutert.

Auf eine wichtige Inkonsistenz im Text soll hier aufmerksam gemacht werden. Bei der immer gleich lautenden Checkliste ist bei allen 50 Orchideen das Stichwort “Grows on sunny windowsill“ (wächst auf sonnigem Fensterbrett) angekreuzt. Wenn man dann aber in die Liste darüber die Lichtbedürfnisse nachliest, so stimmt die vorherige Aussage nicht in allen Fällen (z. B: bei Phalaenopsis-Hybriden: Lichtansprüche niedrig bis mittel, Ost-Fenster; bei Rossioglossum: Lichtansprüche mittel bis hoch, jedes Fenster außer Nordseite, geschützt vor direkter Sonne!).

Nachdem in „Die Orchidee“ Heft 3, 2010, ein ausführlicher Artikel über die südafrikanischen Disa-Arten und ihre Kultur erschienen ist, weiß der Leser, wie problematisch die Kultur von Disa und ihren Hybriden ist und welcher Aufwand getrieben werden muss, um diese interessanten Orchideen am Leben zu erhalten. So ist es unverständlich, wie diese Gattung als leicht zu kultivieren (auch auf der sonnigen Fensterbank!) in das besprochene Buch Eingang finden konnte.

Unter Berücksichtigung der oben genannten Kritikpunkte ist dieses preiswerte Buch bestens geeignet, den Anfänger mit den wichtigsten Informationen zur Auswahl und Kultur seiner ersten Orchideen zu versorgen. Er muss allerdings aufpassen, dass die großformatig abgebildeten Orchideen nicht zum Kauf aller 50 behandelten Hybriden/Arten verführen.

Dieses Buch ist in der D.O.G.-Bibliothek zur Einsichtnahme vorhanden.


Proceedings of “The 19th World Orchid Conference”

Alles lesen Am um 22:55 veröffentlicht

SAULEDA, Ruben P. and Leonard A. SANDOW (Editors) (2009): Proceedings of “The 19th World Orchid Conference”, January 23-27, 2008

504 Seiten, hunderte Farbfotos, 28 x 28 cm, Englisch, dicker Pappeinband mit Schuber, Fadenbindung; American Printing Arts, Inc., Miami (U.S.A.), ISBN -; 125 US $

Dieser Konferenz- und Ausstellungsbericht ist ein monumentales Werk in einem unüblichen quadratischen Format mit einem Gewicht von etwa 4 kg. Das Umschlagsbild ist ein sehr ansprechendes Gemälde, auf dem in den Everglades-Urwald integriert und stark vergrößert schöne Beispiele aus der Orchideenflora Floridas zusammen mit einem Reiher dargestellt sind.

Nach dem sehr groben Inhaltsverzeichnis auf einer Seite (und es gibt leider kein weiteres, detailliertes) folgen verschiedene Grußbotschaften, u. a. von Robert Fuchs, Präsident 19th WOC, Inc., der ein Exemplar dieser “Proceedings“ der D.O.G. geschenkt hat. Allgemein interessant ist dann eine 3-seitige, mit kurzen Kommentaren versehene Aufstellung aller bisher stattgefundenen Weltorchideen-Konferenzen. Anschließend folgen jeweils die Geschichte der “South Florida Orchid Society“ und der “Ft. Lauderdale Orchid Society“. Auf Seite 22 beginnt das “Familien-Album“, in dem die wichtigsten Persönlichkeiten, die zum Gelingen der Konferenz mit Ausstellung beigetragen haben, sowie die vielen Teilnehmer der verschiedenen Feierlichkeiten auf sage und schreibe etwa 120 Farbfotos dargestellt sind. Dann folgt ab Seite 46 die Aufstellung der prämierten Ausstellungsstände (nach Flächengröße) und der Tisch-Arrangements einschl. der Sponsoren. Anschließend sind die prämierten Orchideen aufgelistet, nach Gattungen (aber nicht alphabetisch) sortiert und zusammen mit den Gewinnern und Sponsoren. Von den wenigen Naturarten seien folgende 4 Arten herausgegriffen: Pleurothallis truncata, Maxillaria rodrigueziana, Bulbophyllum plumatum und Eria javanica (Reserve-Champion).

Als ein Schwerpunkt der “Proceedings“ folgen auf Seite 123-282 die eindrucksvollen Farbfotos von den zuvor genannten, prämierten Ausstellungsständen und jeweils ganzseitig von den Orchideenblüten (meist Hybriden). Die 4 herausgegriffenen Artbeispiele sind ebenfalls abgebildet und zwar auf den Seiten 260, 235, 197, 178/179. Leider lassen sich nicht gezielt bestimmte Hybriden oder Arten finden, weil es kein entsprechendes Inhaltsverzeichnis gibt.

Der 2. Schwerpunkt umfasst die Seiten 283-439 und betrifft die 74 Vorträge, die an 4 Tagen stattfanden und die einleitend chronologisch aufgezählt werden. Der Umfang der einzelnen Manuskript-Abdrucke ist sehr unterschiedlich: sie reichen von 8 Seiten, meistens 3-5 Seiten bis zu wenigen Zeilen bei einer Kurzfassung. Auch die Vortragstexte lassen sich wegen des Fehlens entsprechender Inhaltsverzeichnisse weder nach Themen noch nach Autoren finden. Der größte Mangel aus der Sicht des Rezensenten ist, dass durchgängig keine Abbildungen, die sicherlich während der Vorträge gezeigt wurden, abgedruckt sind. Mir ist unklar, was sich die Herausgeber dabei gedacht haben, denn bei vorangegangenen Berichten über die Weltorchideen-Konferenzen sind die Vortragstexte durch Bildbeispiele aufgelockert worden. In den meisten Fällen wäre ohne wesentliche Erhöhung der Gesamtseitenzahl auch genug Platz gewesen, denn bei vielen Vortragstexten ist am Ende ½ -4/5 Seite leer geblieben. Bei dem sonst sehr ambitionierten Gesamtwerk ist das sehr schade. Noch mehr bedauert werden muss jedoch, dass 29(!) Autoren es nicht für nötig befanden, ihre Manuskripte zum Druck einzureichen. Zum Abschluss folgen die Kurzfassungen der 37 gezeigten “Posters“ sowie u. a. Malbeiträge einer Schule, Kuchendekorationen mit Orchideen, Blüten-Arrangements und Ausstellungsplakate. Die letzte Seite weist auf die nächste Weltorchideen-Konferenz in Singapur im Jahr 2011 hin.

Die “Proceedings“ sind leider schon vergriffen. Doch Interessierte haben die Möglichkeit, in der D.O.G.-Bibliothek dieses schwergewichtige Werk zu studieren.


Bulbophyllums: The Incomplete Guide; From A to Why

Alles lesen Am um 19:33 veröffentlicht

241 Seiten, über 380 Farbfotos; fester Einband, Fadenheftung; 18 x 23,5 cm; Englisch
Eigenverlag 2009, zu beziehen über dukesthoms@verizon.net , ISBN 978-1-61584-844-7; US$ 44.95

Nach fast 10 Jahren gibt es wieder ein neues Bulbophyllum-Buch, das Ende 2009 erschienen ist. Nicht nur der Buchtitel ist ungewöhnlich: „Bulbophyllen: Der unvollständige Führer; von A bis warum“. Auch der Schreibstil des Autors ist sehr eigenwillig und wahrscheinlich außerhalb der USA gewöhnungsbedürftig; denn der absichtlich eingesetzte „Humor“ zur Auflockerung des sonst nüchternen Textes stammt von einem amerikanischen Autor. Da die Art des Humors bei jedem Volk anders ist, bezweifele ich, dass er in Europa oder gar in Asien verstanden wird. Sehr ehrlich schreibt der Autor am Buchanfang, dass er dieses Buch im Eigenverlag herausgibt, weil er mit seinem Schreibstil keinen Verleger gefunden hat. Dieses Buch ist also kein wissenschaftliches Werk sondern die Niederschrift der persönlichen Erfahrungen bei Kultur und Züchtung von Bulbophyllum-Pflanzen, wobei der Autor die Gattungen Cirrhopetalum und Hyalosema nur als Sektionen von Bulbophyllum betrachtet. Der Buchtitel ist ernst zu nehmen, denn die Bulbophyllen aus Amerika, Afrika und Madagaskar fehlen (bis auf eine Ausnahme: Bulb. falcatum).

Nach einer kurzen Einleitung in Kapitel 1 folgt Kapitel 2 mit der Überschrift „Habitat“ (Wuchsort), in dem aber weniger über die Bedingungen der verschiedenen Wuchsorte in freier Natur berichtet wird, als viel mehr schon hier kurz auf Kulturansprüche eingegangen wird mit bildlicher Darstellung von 12 ausgewählten, preisgekrönten Bulbophyllum-Pflanzen. Die Kapitel 3 bis 9 sind sehr ausführlich der Kultur gewidmet. Sie machen etwa 25 % des Buchumfanges aus und enthalten ein – aus meiner persönlichen Sicht überflüssiges – „Überraschungsquiz“ mit Testfragen, wie z.B. „Gießt man von einer Seite oder von allen Seiten?“, Was ist der beste Dünger?“ (Antwort mit Eigenreklame: Bill’s Best) usw. Unabhängig von der eigenwilligen Darstellungsweise sind die aus einer 40-jährigen Erfahrung heraus niedergeschriebenen Kulturvorschläge sehr nützlich. Ob allerdings die detaillierte Beschreibung der Anfertigung und Bepflanzung eines Pflanzkorbes mit vielen Bildbeispielen 11 Seiten einnehmen muss, ist sicherlich Ansichtssache. In Kapitel 10 und 11 setzt sich der Autor auf der Basis alter Literatur mit einigen problematischen Artnamen auseinander, wie z.B. Bulb. ornatissimum, Bulb. putidum/appendiculatum/fascinator und Bulb. fletcherianum/phalaenopsis/spiessii. Das Kapitel 12 mit der Überschrift „Bulb. lobbii als Kreuzungspartner“ ist fast überflüssig; denn im ausführlichen Kapitel 14 „Die Hybriden“ werden die meisten hier dargestellten Hybriden z. T. mit identischen Bildern noch einmal vorgestellt. Für den Liebhaber von Naturarten ist das Kapitel 13 „Die Arten“ wichtig. Hier werden etwa 60 Arten in meist hervorragenden Farbfotos gezeigt zusammen mit 2 oder 3 Zeilen Text. Die Gliederung innerhalb dieses Kapitels ist leider unsystematisch und unverständlich. Zuerst kommen ohne Zwischenüberschrift einige Arten, dann folgt die Zwischenüberschrift „Sektion Sestochilus“ mit verschiedenen Formen von Bulb. lobbii und sehr eng verwandten Arten (z.B. Bulb. sumatranum, Bulb. facetum). Von dieser sehr umfangreichen Sektion mit weit über 60 Arten erhält man leider keinen Überblick. Es folgen die Abschnitte „Sektion Hyalosema“, „Umbel types“ (gemeint: Cirrhopetalum), „Sektion Mastigion“, „Sektion Lepidorhiza“ und „Sektion Macrobulbum“. An dieser Auswahl erkennt man, dass nur attraktive Bulbophyllum-Arten mit meist großen Blüten gezeigt werden. Von den noch über 100 Sektionen mit z. T. sehr unscheinbaren und kleinen Blüten werden leider keine Beispiele gebracht. Der Autor hat in den letzten Jahren sehr viele, neue Hybriden gezüchtet und bei der Royal Horticultural Society registrieren lassen, die im Kapitel 14 mit herrlichen Farbfotos, auch der Elternarten, vorgestellt werden. Ergänzt wird dieses Kapitel auch mit Hybriden von anderen Züchtern aus Australien und Thailand. Somit stellt dieses Buch auf 44 Seiten erstmals einen großen Teil (etwa 75 von über 200) der bis heute existierenden Hybriden vor, die man bisher in der gängigen Literatur noch nicht sehen konnte. Das letzte Kapitel 15 gibt einen kurzen Ausblick auf mögliche weitere Züchtungspartner. Zum Abschluss erzählt der Autor sehr freimütig, wie er vor einer geplanten Reise nach Neu-Guinea vom angeblichen Reisevermittler in Thailand um sein vorausbezahltes Reisegeld betrogen worden ist. – Das Buch enthält kein Literaturverzeichnis. Die wenigen (etwa 10) Literaturstellen sind im Inhaltsverzeichnis verteilt, das ebenfalls sehr eigenwillig aufgebaut ist. So sind z. B. die Autorennamen der Arten unter dem Stichwort „People“ (Leute) und dem Unter-Stichwort „Botanists“ aufgelistet; andere Personennamen sind normal alphabetisch eingereiht und die Fotografen der Bilder sind zusätzlich zur Danksagung am Anfang noch einmal unter dem Unter-Stichwort „Photographs“ aufgeführt. Leider sind die Seitenangaben bei allen Stichwörtern ab Seite 25 falsch: es muss immer eine Seite abgezogen werden, d.h. beispielsweise ist Bulb. klabatense nicht auf Seite 172 sondern auf Seite 171 abgebildet und kurz beschrieben.

Trotz der kritischen Anmerkungen zu diesem Buch ist es für den Bulbophyllum-Liebhaber ein Muss dieses Buch zu erwerben. Allein die exzellenten Farbfotos, die das Buch dominieren, und die Druckqualität sind es wert. Wo sonst kann man soviel Wissenswertes mit Bildbeispielen über die (Bulbophyllum-)Kultur lesen. Der Freund von Bulbophyllum-Hybriden kann sich endlich einen „bildlichen“ Überblick verschaffen, was in den letzten Jahren gezüchtet wurde.