Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Phragmipedium Wössner Pink

Am 15. Juni 2020 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Phragmipedium Wössner Pink

Phragmipedium Wössner Pink (Foto: Thomas Lehmann)

Am 25. Januar 2014 wurde die Hybride Phragmipedium Wössner Pink in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Dort angemeldet hatte sie der deutsche Orchideenzüchter Franz Glanz, der sich auf die Zucht und Hybridisierung von Phragmipedium und Paphiopedilum spezialisiert und unzählige neue Hybriden geschaffen hat. Mit seinen hervorragenden Pflanzen belegt er seit mehr als drei Jahrzehnten fast ununterbrochen den 1. Platz der Jahresbesten der Erwerbsgärtner bei unseren Ausstellungs- und Tischbewertungen. Er versteht die Kultur von Frauenschuhorchideen wie kaum ein anderer in Europa. Phragmipedium Wössner Pink ist eine höhere Hybride, deren Eltern bereits Hybriden sind. Die Mutterpflanze war Phragmipedium Wössner Rose, ebenfalls aus der Zucht von Franz Glanz, Pollenspender Phragmipedium Jersey. An der Hybride sind somit vier Naturformen beteiligt. Der Genpool teilt sich wie folgt auf:

Eine ganze Gruppe von Phragmipedium Wössner Pink (Foto: Thomas Lehmann)

Alle beteiligten Naturformen sind in Südamerika heimisch, wo sie an steilen Klippen, auf Felsen und teilweise auch terrestrisch zwischen Gräsern siedeln. Die Standorte liegen meistens in der Nähe von kleinen Bächen und Flüssen und sind demnach sehr feucht bis nass. Mancherorts werden die Pflanzen durch steigende Wasserpegel regelmäßig überflutet, besonders Phragmipedium pearcei sucht sich gerne solche Stellen aus. Nur äußerst selten findet man Phragmipedien in direktem Sonnenlicht wachsen, hell und lichtdurchflutet sind die Standorte aber meist. Die Temperaturbedingungen sind in der Regel temperiert. Aber auch in kühlen und warmen Bereichen lassen sich Individuen der Gattung finden. Im gesamten Verbreitungsgebiet gibt es ganzjährig Niederschläge in Form von Regen und Nebel. Luftfeuchtigkeit sowie Luftbewegung sind ebenfalls während des ganzen Jahres sehr hoch.

Phragmipedium Wössner Pink gehört zu den eher größeren Vertretern der Gattung. Das Laub wird bis zu 40 cm lang, ist dunkelgrün, leicht gekielt und läuft spitz zu. Endständig entspringen die Infloreszenzen, die das ganze Jahre hindurch gebildet werden können. An den aufrecht wachsenden Blütentrieben öffnen sich bis zu 10 Blüten nacheinander. Gelegentlich sind zwei Blüten gleichzeitig geöffnet. Dadurch erstreckt sich die Blütezeit über einen Zeitraum von mehrern Monaten. Die Blüten können bis zu 9 cm breit und 7 cm hoch werden. Der Schuh ist intensiv rot gefärbt und glänzt seidenmatt. Petalen und Fahne variieren in der Färbung. Meist sind die Petalen weißgrundig und stark rosafarben überhaucht. Die Blüten duften nicht.

Zum Größenvergleich eine Blüte in meiner Hand (Foto: Thomas Lehmann)

Da Phragmipedien viel Feuchtigkeit brauchen, sollten sie stets in einer mit Wasser gefüllten Schale stehen. Besonders im Sommer darf das Substrat auch richtig nass sein. Zu viel Wasser ist bei Phragmipedien fast nicht möglich. Nur gelegentlich sollte die Schale ganz abtrocknen, damit sich keine unerwünschten Bakterien im Wasser ausbreiten können. Meine Pflanzen stehen in großen Wannen, die ich alle paar Tage mit frischem Wasser fülle, sobald das alte aufgesogen ist. Im Sommer sind die Schalen alle 3-4 Tage leer, im Winter dauert es 6-7 Tage.

Oft ist zu lesen, dass Phragmipedien sehr salzempfindlich sind und bei zu hohen Düngergaben braune Blattspitzen bekommen. Für einige Naturformen und Primärhybriden trifft es auch zu, dass die Wurzeln bei zu vielen Salzen verbrennen und absterben. Allerdings gibt es einige Naturformen und daher auch Hybriden, die wesentlich besser wachsen und blühen, wenn sie etwas mehr Dünger erhalten. Hierzu gehört auf jeden Fall Phragmipedium Wössner Pink. Braune Blattspitzen habe ich nicht mehr bei meinen Pflanzen beobachten können, seit ich einen Dünger verwende, der sowohl Calcium als auch Magnesium enthält und den ich auch höher dosiere als früher. Meiner Erfahrung nach sind die braunen Blattspitzen eher auf einen Mangel an Calcium und Magnesium und nicht auf zu hohe Düngergaben zurückzuführen. Im Sommer bekommen meine Hybriden zwischen 350 und 450 Mikrosiemens bei jedem Wässern. Nur im Winter  stelle ich das Düngen ganz ein. Die angereicherten Salze im Substrat genügen den Pflanzen, um durch die dunkle Jahreszeit zu kommen.

Mein Standard-Phragmipedium-Substrat ist eine Mischung aus Rinde, Perlite, Bimskies und Holzkohle. Die Körnung der Rinde passe ich an die Topfgröße an. Bei kleinen Töpfen nehme ich feinere Rinde, bei großen Töpfen verwende ich gerne gröbere. Perlite verwende ich in der Körnung 2-4 Millimeter. Durch ihr geringes Gewicht machen sie das Substrat locker und sorgen für eine gute Belüftung der Wurzeln. Bimskies versorgt die Pflanzen zusätzlich mit Calcium, da er diesen durch die andauernde Feuchtigkeit freigibt. Die Körnung spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ich nutze gerne 5-10 Millimeter. Um einige trockenere Stellen im Pflanzstoff zu schaffen, füge ich immer Holzkohle in einer Körnung von 7-14 Millimeter hinzu. Holzkohle saugt sich nicht mit Wasser voll und bleibt trocken. Durch die etwas gröberen Brocken entstehen zusätzlich ein paar Luftlöcher im Substrat, die Luftzirkulation im Topf zulassen.

Habitus von Phragmipedium Wössner Pink (Foto: Thomas Lehmann)

Natürlich gibt es auch einige andere Substrate, die gut für Phragmipedium geeignet sind. Jedes hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil von Rinde ist, dass sie regelmäßig gewechselt werden muss, da sie durch die Dauerfeuchte sehr schnell zerfällt. Mineralische Sustrate zerfallen nicht und müssen daher nicht so oft gewechselt werden. Jeder sollte seine eigenen Erfahrungen machen und ausprobieren, was zu seiner Kultur am besten passt. Außer mit meinem Standardsubstrat habe ich auch gute Erfahrungen gemacht mit:

  • Akadama
  • Sphagnum-Moos
  • Steinwollwürfeln
  • Bimskies
  • Lavagranulat

Im Sommer stehen Phragmipedien gerne im Freien, da sie Frischluft und Luftbewegung wirklich lieben. Ein Muss ist der Aufenthalt im Freien aber nicht. Auch eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist möglich, wenn regelmäßig gelüftet wird. Steht die Luft zu lange, bilden sich am Ansatz der Triebe leicht Pilze und Infektionen, die unbehandelt die ganze Pflanze vernichten können. Die hohen Temperaturen im Sommer verträgt Phragmipedium Wössner Pink sehr gut, wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist. Dies wird durch die großen Wannen erreicht, die immer mit Wassser gefüllt sind. Ich benutze keinen zusätzlichen Nebler. Die nächtlichen Temperaturen liegen bei mir zwischen 14 und 18 Grad, je nach Außentemperatur. An bewölkten Wintertagen liegen sie bei etwa 24 Grad. Wenn die Sonne auf das große Fenster scheint, steigen sie auch mal über 30 Grad. Im Sommer sollte direkte Mittagssonne vermieden werden, da die Blätter sehr schnell verbrennen können. Es gibt einzelne Pflanzen, die nicht so empfindlich zu sein scheinen, allerdings wachsen alle Pflanzen nach meiner Erfahrung etwas schattiger besser. Auch die Blattfarbe ist bei schattiger Kultur dunkler und kräftiger. Bei zu wenig Licht werden die Blätter der Neutriebe länger und schmaler. Meist fällt dann auch die Blüte aus. Im Winter darf die Sonne auch mittags unschattiert auf die Pflanzen fallen.

Phragmipedium Wössner Pink ist ein zuverlässiger Blüher, der über Monate hinweg eine Blüte nach der anderen öffnet. Leider ist diese Hybride eine echte Rarität, die nur selten angeboten wird. Viel Glück beim Finden und noch mehr Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

Eine Übersicht aller Beiträge der Kategorie „Orchidee der Woche“ findet ihr hier.

Du möchtest gerne eine deiner Orchideen als „Orchidee der Woche“ vorstellen? Sehr gerne! Melde dich bei uns unter onlineredaktion@orchidee.de

Seitenansicht von Phragmipedium Wössner Pink (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Wössner Pink im Profil (Foto: Thomas Lehmann)
Ein weiterer Klon mit leicht gedrehten Petalen (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Wössner Pink (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Wössner Pink ‚Wössen‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)