Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Phragmipedium Windsor Castle

Am 17. Februar 2020 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Phragmipedium Windsor Castle

Phragmipedim Windsor Castle ‚Rotkäppchen‘ SM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)

Phragmipedium Windsor Castle wurde von Orchids Ltd. aus Plymouth/Minnesota, USA, bei der Royal Horticultural Society (RHS) zur Registrierung angemeldet und am 18. Oktober 2005 in das Register eingetragen. Eigentümer der  Orchideengärtnerei ist der Phragmipedium-Experte Jerry Lee Fischer. Robert-Jan Quené, ein damaliger Mitarbeiter, hatte einige Jahre zuvor eine Blüte von Phragmipedium Elizabeth Castle ‚Glamis‘ AM/AOS mit dem Pollen von Phragmipedium besseae ‚Rob’s Choice‘ AM/AOS bestäubt in der Hoffnung auf eine leuchtend rote Hybride mit guter Haltung. Der Plan ging voll auf und eine der – meiner Meinung nach – schönsten Phragmipedium-Hybriden entstand, die dazu noch extrem unkompliziert und blühfreudig ist. Bereits die erste Pflanze aus der Aussaat, die bei Orchids Ltd. zur Blüte kam und mit der die Registrierung erfolgte, erhielt eine Auszeichnung der American Orchid Society, bei den hervorragenden Eltern natürlich nicht verwunderlich. Ein Foto des Klons findet ihr weiter unten im Beitrag. Schloss Windsor – eine der drei Hauptresidenzen der britischen Königsfamilie – wurde von Robert-Jan Quené als Namensgeber ausgewählt, da er kurz vor der Registrierung in England war und das Schloss besichtigte – in dem sich zu dieser Zeit auch die Queen aufhielt. Da der Elternteil Elizabeth Castle bereits nach einem Schloss benannt worden war, fand er es passend, auch die „Tochter“ nach einem zu benennen.

Phragmipedium sargentianum – mit 12,5% am Genpool beteiligt (Foto: D.O.G.-Archiv)

Der Genpool von Phragmipedium Windsor Castle teilt sich wie folgt auf:

 

Phragmipedium besseae aus Peru (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium besseae wurde von Calaway H. DODSON & Janet KUHN 1981 in AOS Bulletin 50: 1308-1310, als neue Art beschrieben. Es ist sowohl in Peru als auch in Ecuador beheimatet und variiert je nach Standort leicht in Farbe und Form. Das Klima am Standort bietet recht konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad ganzjährig. Niederschläge gibt es auch ganzjährig, wobei sie von März bis September erheblich häufiger sind. Bis November lassen sie dann deutlich nach und nehmen bis März wieder langsam zu. Phrag. besseae wächst terrestrisch zwischen dauerfeuchtem Moos, Gräsern und Farnen, aber auch lithophytisch auf steil abfallenden, feuchten Felsen.

Phragmipedium schlimii (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium schlimii wurde 1854 erstmals als Selenipedium schlimii von LINDEN & REICHENBACH f. beschrieben. Benannt wurde Phrag. schlimii nach seinem Entdecker Louis Joseph SCHLIM, dem Halbbruder LINDENs. Nachdem BATEMAN 1866 diese Art als Cypripedium schlimii eingestuft hatte, erfolgte die endgültige Klassifizierung als Phragmipedium schlimii durch ROLFE im Jahre 1896. Beheimatet ist diese Naturform in Kolumbien und wächst dort in Höhenlagen von 1200 -1900 Metern in immerfeuchten Humus- und Moosnestern auf Granitfelsen und offenliegenden Baumwurzeln, oft zwischen hohen Gräsern. Die meisten bekannten Standorte sind halbschattig. Das Klima bietet Temperaturen von 8 Grad nachts bis 25 Grad tagsüber. Die ganzjährigen Regenfälle nehmen im Frühjahr und Herbst etwas zu.

Phragmipedium sargentianum wurde ursprünglich im Jahr 1893 als Selenipedium sargentianum von Robert Allen ROLFE beschrieben. Drei Jahre später gründete er selbst die Gattung Phragmipedium und kombinierte die Art, wie auch das oben genannte Phragmipedium schlimii, in diese um. Die Pflanzen sind heimisch im Nordosten Brasiliens und wachsen dort auf Höhen von 400-1500 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturen liegen im Jahresdurchschnitt bei 22 Grad, in den Winternächten besonders in höheren Lagen lediglich bei 10-12 Grad. In den Sommermonaten erreichen sie auch die 30-Grad-Marke. Die Standorte sind helle, meist ostseitige Abhänge. Einige Individuen siedeln in exponierten Lagen mit vollem Sonnenlicht. In der Regel wachsen die Pflanzen aber halbschattig. In der näheren Umgebung finden sich immer kleine Flussläufe oder Bäche. Niederschläge gibt es auch dort ganzjährig.

Phragmipedium Windsor Castle bleibt durch den hohen besseae– und schlimii-Anteil recht kompakt und eignet sich deswegen hervorragend für eine Kultur auf der Fensterbank. An den Infloreszenzen erscheinen hintereinander vielzählige leuchtend rote Blüten, die sehr lange halten. Daher erstreckt sich die Blühdauer oft über mehrere Monate. Außerdem ist die Hybride sehr unkompliziert zu kultiveren und blüht mindestens einmal im Jahr ohne großen Aufwand.

Da alle beteiligten Naturformen in sehr feuchten bis nassen Gebieten vorkommen, kann Phragmipedium Windsor Castle sehr gut mit nassem Fuß kultiviert werden. Meine Pflanze steht in einer Schale, die immer mit etwas Wasser gefüllt wird, sobald sie leer gesaugt ist. Zwischenzeitliches Austrocknen der Schale verhindert eine Verkeimung des Wassers, wodurch sich die Pflanze infizieren könnte. Das Substrat selbst sollte aber nicht komplett durchtrocknen. Phragmipedien haben den Ruf sehr salzempfindlich zu sein, was für einige Naturformen auch durchaus zutreffend ist. Ich habe in den letzten 10 Jahren  meiner Phragmipedium-Kultur aber die Erfahrung gemacht, dass einige Arten und besonders Hybriden nicht generell empfindlich auf gelöste Salze im Wasser reagieren. Vielmehr kommt es offenbar darauf an, wie die Wasserqualität ist und welche Stoffe sich in welchem Verhältnis darin befinden. Reines Wasser – egal ob Regenwasser, Quellwasser, Osmosewasser oder ähnliches – das mit einem ausgewogenen Orchideendünger aufgedüngt wird, darf dann auch ruhig etwas mehr Nährstoffe enthalten. Mein Phrag. Windsor Castle bekommt in den warmen und hellen Sommermonaten teilweise aufgedüngtes Wasser, das einen Leitwert von 350 – 500 Mikrosiemens hat. Im Winter dünge ich allerdings nicht. Da gibt es klares Quellwasser mit wenig gelösten Salzen. Ab März steigere ich die Düngergaben langsam, bis sie im Juli/August ihren Höhepunkt erreichen. Danach wird langsam wieder weniger gedüngt. Ab Oktober dann gar nicht mehr. Den Sommer über lagern sich genügend Düngerreste im Substrat an, die die Pflanze im Winter mit Nährstoffen versorgen.

Mein Standard-Pflanzstoff für Phragmipedium besteht aus einer Mischung mit Rindenanteil, Perliten, Bimskies und Holzkohle. Rinde hat den Nachteil, dass sie sich durch die ständige Feuchtigkeit recht schnell zersetzt. Allerdings werden bei diesem Zersetzungsprozess auch Nährstoffe frei. Nach drei, spätestens vier Jahren sollte dann aber neu getopft werden, bevor sich das Substrat zu sehr verdichtet und die Wurzeln faulen. Die einzelnen Substratteile sollten nicht zu fein sein, damit genug Luft an die Wurzeln kommt. Bewährt hat sich bei mir eine Körnung von acht bis zwölf Millimeter für die meisten Phragmipedien wie zum Beispiel Windsor Castle. Perlite gebe ich mit dazu, weil sie einerseits das Substrat luftig machen und andererseits gut Wasser speichern können. Bimskies gibt etwas Kalk ab und hat ebenfalls die Fähigkeit, Wasser zu speichern und weiterzuleiten. Um in dem feuchten Substrat für etwas trockenere Stellen zu sorgen, nutze ich Holzkohle, die sich nicht mit Wasser vollsaugt und dadurch trockener bleibt. Die Körnung aller Bestandteile sollte nicht zu fein, aber auch nicht zu grob sein, je nach Topfgröße Körnungen von 5 bis 18 mm. Auch in rein mineralischen Substraten, in Sphagnum-Moos oder Steinwollwürfeln fühlt sich Phragmipedium Windsor Castle wohl. Ich habe schon einiges ausprobiert und die Erfahrung gemacht, dass es nur wichtig ist, dass viel Wasser vom Substrat aufgenommen und gehalten werden kann. Zwei- bis dreimal im Jahr gebe ich etwas Hüttenkalk auf das Substrat und gieße diesen etwas ein. Hüttenkalk ist ein pulverisierter, kohlensaurer Kalk, der zum einen den PH-Wert reguliert und zum anderen Kalk freisetzt, der von den meisten Phragmipedien benötigt wird.

Phragmipedium Windsor Castle mag es hell, aber keine direkte Mittagssonne. Die Blätter verbrennen innerhalb von wenigen Stunden, wenn sie der vollen Sonne ausgesetzt sind. Sonnenschein am Morgen oder Abend wird aber gut vertragen, wenn er nicht zu lange auf die Blätter brennt. Werden diese gelblich, muss unbedingt schattiert oder die Pflanze umgestellt werden. Das gelbliche Ausbleichen des Laubs ist der erste Indikatior für zu viel Licht. Nachts können die Temperaturen auf 10 Grad fallen, müssen sie aber nicht. Meine Pflanze hat in den Wintermonaten immer mindestens 15 Grad nachts. Meist sogar 16-18 Grad. Phragmipedium Windsor Castle wächst sehr gut bei normalen Zimmertemperaturen – auch in beheizten Räumen mit etwas trockener Luft, wenn regelmäßig gelüftet wird. Bei zu wenig Frischluft oder Luftbewegung können sich Pilze bilden, die die Pflanze sehr schwächen und im Extremfall auch töten können, wenn nicht mit einem Pilzmittel behandelt wird.

Durch die kompakte Größe und das leuchtende Rot der haarigen Blüten ist Phragmipedium Windsor Castle ein echter Hingucker. Die Hybride ist einfach zu kultivieren und auch für Anfänger gut geeignet. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

Thank you so much, Mr. Robert-Jan Quené, for all the informations and the picture of your fantastic breeding!

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Phragmipedium Windsor Castle ‚Windsor Red‘ AM/AOS war die erste Pflanze der Hybride die bei Orchids Ltd. erblühte (Foto: Robert-Jan Quené)
Phragmipedium Windsor Castle ‚Franz‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipdedium Windsor Castle ‚Maria‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die frisch geöffnete Blüte hat eher ein kühleres Rot – mit der Zeit wird der Farbton wärmer (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Windsor Castle ‚Rotkäppchen‘ (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Windsor Castle ‚Rotkäppchen‘ (Foto: Thomas Lehmann)
Habitus von Phragmipedium Windsor Castle (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Windsor Castle ‚Rotkäppchen‘ (Foto: Thomas Lehmann)