Mormodes buccinator
Foto: Alexander Mendoza-Weber
Habitus von Mormodes buccinator
Autor/in:
Alexander Mendoza-Weber
Veröffentlicht:
22.02.2021

Mormodes buccinator ist eine mittelgroße Orchidee mit langgestreckten bis ovalen Pseudobulben. Sie gehört zur Subtribus Catasetinae und verliert – wie alle anderen Vertreter dieser Gruppe – nach dem Ausreifen der Pseudobulbe ihre Blätter und macht eine ausgeprägte Ruhezeit durch.

Es wurden ca. 80 verschiedene Arten von Mormodes beschrieben. Mormodes buccinator ist relativ weit verbreitet und kommt von Mexiko über Mittelamerika, Kolumbien, Venezuela bis nach Brasilien vor. Dementsprechend sind ihre Temperaturansprüche zwar sehr variabel, doch ist sie eher eine warm zu kultivierende Art, die bevorzugt abgestorbene marode Bäume besiedelt, wo sie meist auf Augenhöhe zu finden ist.

Die Arten der Subtribus Catasetinae bilden männliche, weibliche oder gar zwittrige Blüten aus. Bei Catasetum oder Cycnoches lassen sich männliche Blüten von den weiblichen leicht unterscheiden. Bei Mormodes wird noch eifrig diskutiert, ob sie tatsächlich getrennt geschlechtliche Blüten bilden oder nicht. Die von gelb über beige bis rosa gefärbten Blüten von Mormodes buccinator sind sehr auffallend geformt, die Säule verdreht sich so, dass sie mit der Spitze Kontakt zur Lippe hat. Interessant wird es, wenn ein Bestäuber die Blüte besucht und die Pollinien mitgenommen hat. Dann dreht sich die Säule wieder und zwar so, dass sie gerade ist, um beim nächsten Besuch eines Bestäubers die Pollinien aufnehmen zu können!

Foto: Alexander Mendoza-Weber
Mormodes buccinator - Einzelblüte

Mormodes buccinator strömt einen recht starken angenehmen Duft nach Tanne und Limette aus. Er ist aber nicht dafür gedacht, uns Menschen zu gefallen, sondern um männliche Bienen anzulocken, in der Regel sogenannte Prachtbienen. Diese sammeln die Duftstoffe ein, um ein eigenes Parfüm zu kreieren, das die Weibchen anlockt!

Die Blütezeit ist mit ca. 10 Tagen leider sehr kurz. Danach setzt die ausgeprägte Ruhezeit ein. Das abgebildete Exemplar pflege ich seit 11 Jahren. Ich habe es 2010 in Ulm bei der Orchideenaustellung gekauft. Jeder Orchideenkenner weiß: wenn man Raritäten ergattern möchte, muss man am Tag der Ausstellungseröffnung pünktlich da sein! Ich hatte an dem Wochenende leider wenig Zeit und konnte erst am Sonntagvormittag hinfahren. Bei einem Händler fand ich zwischen mehreren verschiedenen Gattungen eine namenlose Pseudobulbe mit zwei abgestorbenen Wurzeln. Ich vermutete, dass es sich um eine Bulbe von Catasetum handeln könnte. Der Händler sagte, es sei eine Rückbulbe von Mormodes und die seien nicht einfach in der Kultur. Auf meiner Fensterbank standen damals ein Catasetum und zwei Cycnoches, die sich sehr gut entwickelten. Ich wollte es mal ausprobieren – wir einigten uns auf einen Preis und ich nahm die Pseudobulbe mit nach Hause. Die Überraschung war groß, als sie nach ein paar Tagen anfing einen Blütentrieb zu bilden. Ich legte sie in einen Topf mit Substrat. Der Blütentrieb entwickelte sich ziemlich schnell und sie brachte sieben Blüten hervor, deren Form, Farbe und Duft mich total faszinierten! Nach ein paar Wochen bildete die Pflanze einen neuen Trieb und entwickelte neue Wurzeln, aber leider wurde die neue Pseudobulbe nicht einmal halb so groß wie die alte. Trotzdem wuchs ein neuer Blütentrieb aus dieser kleineren Pseudobulbe. Zwar hatte er nur vier Blüten, aber immerhin….

Foto: Alexander Mendoza-Weber
Infloreszenz von Mormodes buccinator

Die nächste Pseudobulbe wurde noch kleiner und bildete trotzdem einen Blütentrieb mit zwei Blüten. Die älteren Pseudobulben starben ab, es blieb nur noch eine ca. 2 cm große Pseudobulbe übrig. Ich ging davon aus, dass dies das Ende meiner Mormodes buccinator sein würde. 2013 zog ich in den Schwarzwald um. Dort stellte ich den Rest der Pflanze an ein Südfenster. Im Frühjahr trieb sie wie gewohnt aus, aber der Trieb sah um einiges stärker aus. Zum Sommer hin war die neue Pseudobulbe doppelt so groß wie die vom Vorjahr und hat wie gewohnt geblüht. Die Pflanze entwickelte sich prächtig und brachte dieses Jahr 2 Blütentriebe mit insgesamt 14 Blüten!

Ich muss hinzufügen, dass sich meine Sammlung um einiges vergrößert hat und dass ich fast alle meine Orchideen im Sommer draußen in einem Gewächshaus halten kann. Außerdem habe ich meine Kultur optimiert. Nichtsdestotrotz sind Mormodes wahre Mimosen in der Kultur. Ich habe mich auch an anderen Arten versucht, bin jedoch nach kurzer Zeit kläglich gescheitert. Mormodes buccinator aber ist eine sehr dankbare Orchidee!

Foto: Alexander Mendoza-Weber
Seitenansicht der Blüten von Mormodes buccinator

Kultiviert wird die Pflanze in der sogenannten Flaschen-Methode (siehe unter "Orchidee der Woche": Catasetum blackii). Als Substrat verwende ich grobe Rinde, Styroporstücke, Holzkohle und Kokoschips. Um den Boden der Flasche zu beschweren, nehme ich Steine oder Tonscherben. Gegossen wird während des Wachstums reichlich und bei jedem zweiten Gießen gedüngt auf 600 µS/cm. Sobald die Blätter anfangen sich gelb zu färben, wird das Gießen deutlich reduziert. Sobald der Blütentrieb erscheint, bekommt die Pflanze kein Wasser mehr! Die Bulben schrumpfen etwas ein, aber da bin ich konsequent, sonst besteht die Gefahr, dass die Pseudobulben faulen! Umgetopft wird Mormodes buccinator alle zwei Jahre, aber erst, wenn an der Basis der Pseudobulben ein neuer Trieb zu erkennen ist.

Foto: Alexander Mendoza-Weber
Die Blütentriebe von Mormodes buccinator entstehen an der Pseudobulbe.