Cymbidium wenshanense
Foto: Ralf Schneider
Infloreszenz von Cymbidium wenshanense
Autor/in:
Ralf Schneider
Veröffentlicht:
15.03.2021

Cymbidium wenshanense wurde1990 von Y. S. WU und F. Y. LIU in "Acta Botanica Yunnanica“ erstbeschrieben. Es ist eng verwandt mit Cym. erythrostylum, das eine ähnliche Blütenform aufweist.

Cymbidium wenshanense ist vom südöstlichen Yunnan – Provinz im Südwesten Chinas – bis nach Nordvietnam verbreitet. Der Artname bezieht sich auf die Stadt Wenshan, in deren Umgebung es gefunden wurde. Es wächst epiphytisch in Höhenlagen von 1000 bis 1500 Metern in immergrünen Wäldern.

Die Pseudobulben sind eiförmig, seitlich abgeflacht und 3 – 4 cm lang und 1,5 – 2,5 cm breit. Die zweireihig angeordneten 6 bis 9 Blätter sind 50 bis 80 cm lang und 1 bis 1,3 (-1,7) cm breit mit einer unsymmetrischen Spitze. Sie umschließen an der Blattbasis dauerhaft die Pseudobulben. Der 25 bis 40 cm lange Blütentrieb entspringt aus der Blattbasis, ist gewölbt und trägt 3 bis 7 prächtige weiße Blüten, die ca. 5 x 7 cm groß werden und meist duften. Die Tepalen können an der Basis leicht blass purpurrot gefärbt sein. Die Lippe ist ebenfalls weiß mit dunkelvioletten oder violettbraunen Streifen und Flecken und hat häufig einen dunkelvioletten Rand. Aufgrund der nach vorn gerichteten Tepalen, besonders der Petalen, und der stark ausgeprägten Seitenlappen der Lippe haben die Blüten ein fast glockenförmiges Aussehen, was durch den lockeren, bogenförmigen Blütentrieb noch unterstrichen wird. Die Blütezeit liegt im März und April.

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Die Blüten von Cymbidium wenshanense öffnen sich nicht vollständig.

Die Klimatabelle gibt für Wenshan im Winter Temperaturen von 8 bis 13 °C an. Die Temperaturen steigen dann im Zeitraum von April bis Ende Oktober auf über 20 °C, im Hochsommer bis über 30 °C an. Entsprechend sollte die Art im Winter kühl-temperiert gepflegt werden und im Sommer warm. Ab Ende Mai bis August/Septemper kann Cymbidium wenshanense auch an einem geschützten halbschattigen Standort im Freien kultiviert werden. Entsprechend des am Naturstandort vorherrschenden Klimas werden die Wassergaben ab Herbst verringert und im Frühling wieder erhöht. Für Dezember und Januar werden 8 bis 11 mm Niederschlag pro Monat angegeben. Die Menge steigt dann kontinuierlich bis zum Juni auf ca. 90 mm pro Monat an. Die Wassergaben werden also ab Herbst deutlich reduziert, ohne dass man das Substrat vollständig austrocknen lässt. Die Luftfeuchtigkeit wird am Standort mit knapp 50 % angegeben, was der Zimmerkultur entgegenkäme. Die Blüteninduktion erfolgt durch das deutliche Temperaturgefälle zwischen Tag und Nacht im Spätsommer sowie durch die geringeren Wassergaben. Mit dem angegebenen Temperaturverlauf, einer guten Bewässerung im Sommer sowie einer trockeneren Periode im Winter blüht Cym. wenshanense zuverlässig. Man sollte jedoch darauf achten, dass die Pflanzen zwischen dem Gießen abtrocknen können. Am Naturstandort ist es an fast 280 Tagen im Jahr trocken. Man kann also davon ausgehen, dass sich besonders im Sommer heftige Niederschläge und trockene Tage abwechseln.

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Die Blütentriebe von Cymbidium wenshanense wachsen zuerst aufrecht und hängen dann leicht über.

In der Vegetationsperiode dünge ich wöchentlich mit ca. 800 bis 1000 µS/cm. Als Substrat ist jedes für Epiphyten geeignete Material verwendbar. Das kann reines Rindensubstrat sein oder eine Mischung aus Bims, Lavagranulat, Blähton, Kies und Humus (Buchenlaub). Auch rein mineralische Bestandteile sind möglich. Wichtig ist lediglich, dass es wasser- und luftdurchlässig sowie strukturstabil ist und die Feuchtigkeit über mehrere Tage speichern kann. Umpflanzen sollte man, wenn das Substrat verrottet ist oder die Pseudobulben den Topfrand erreicht haben. Die Topfgröße ist so zu wählen, dass der Platz für ca. 3 bis 4 Jahre ausreicht. Hinsichtlich Zimmerkultur habe ich keine Erfahrungen und Informationen, da ich meine Cymbidien ausschließlich im Gewächshaus bzw. im Sommer im Freien kultiviere. Ich bin jedoch der Ansicht, dass Zimmerkultur bei Cymbidium wenshanense in einem kühlen Raum mit ausreichend Licht im Winter und einem Sommeraufenthalt im Freien gut möglich sein sollte. Wenn die Kultur gelingt, wird man mit außergewöhnlich prächtigen Blüten belohnt, die auf jedem Fall einen Versuch wert sind.

Literatur:

  • DU PUY, D. & CRIBB, P. (1988): The Genus Cymbidium
  • LIU, Z.-J.; CHEN, S.-C. & RU, Z.-Z. (2006): The Genus Cymbidium in China

Internet: clima-Data.org

  • Plants of the world online.org Kew science

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Cymbidium wenshanense