Cymbidium sichuanicum
Foto: Ralf Schneider
Cymbidium sichuanicum - Einzelblüte
Autor/in:
Ralf Schneider
Veröffentlicht:
15.02.2021

Cymbidium sichuanicum wurde 2006 von Z. J. LIU und S. C. CHEN in "The Genus Cymbidium in China" beschrieben und gehört damit zu einer Reihe relativ neuer Arten der Gattung Cymbidium, die von den Autoren in diesem Buch publiziert wurden. Einige davon sind hinsichtlich des Artstatus noch umstritten, weil teilweise große Ähnlichkeiten zu schon beschriebenen Arten bestehen. Es bedarf deshalb noch weiterer Untersuchungen und Diskussionen, um zu klären, ob die Unterschiede eine neue Art bestätigen oder als Variabilität innerhalb einer Art anzusehen bzw. als Varietät bzw. Forma einzustufen sind. Hinzu kommt, dass bei einigen Neubeschreibungen vermutet wird, es könne sich um Naturhybriden handeln. Die Zukunft wird sicher noch einige Erkenntnisse und Klarstellungen bringen. Bei Cymbidium sichuanicum ist die Abgrenzung zu bekannten Arten jedoch eindeutig und der Artstatus daher unbestritten. In der Originalbeschreibung wird zwar auf eine Ähnlichkeit zu Cymbidium iridioides hingewiesen, die Blüten sind jedoch so verschieden, dass eine Verwechslung eigentlich nicht möglich ist.

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Cymbidium sichuanicum - Seitenansicht der Blüte

Cymbidium sichuanicum wächst epiphytisch oder lithophytisch an Waldrändern in Höhenlagen von 1 200 bis 1 600 Meter. Der Name leitet sich vom Verbreitungsgebiet im nördlich zentralen Sichuan (Maoxian) ab. Die Pseudobulben sind subellipsoid, 6 – 10 cm lang und 2,8 – 3,3 cm breit. Die 5 bis 8 Blätter werden 30 – 60 cm lang und 2 – 2,5 cm breit, sie sind am Ende spitz und umschließen an der Blattbasis die Pseudobulben. Der leicht überhängende Blütentrieb entsteht im Januar bis März aus der Basis der Pseudobulben. Er erreicht eine Länge von 40 – 60 cm und entwickelt bis zu 15 duftende Blüten, deren  Durchmesser 6 – 7 cm beträgt. Ihre Grundfarbe ist gelbgrün bis hellpurpurrot mit dünnen purpurroten Längsstreifen, die auf den Tepalen besonders ausgeprägt sind und dort noch zusätzlich von der Basis ausgehend kleine purpurfarbene Punkte aufweisen. Die Lippe ist hellgelb, an den Rändern rotbraun gefärbt, mit unregelmäßigen purpurroten Längsstreifen auf den Seiten- und Mittellappen. Die Säule ist ebenfalls purpurrot gefärbt.

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Cymbidium sichuanicum - Infloreszenzausschnitt

Entsprechend seinem Verbreitungsgebiet wird Cymbidium sichuanicum kühl bis kalt kultiviert. Die Klimagrafik für das nördliche Sichuan gibt im Winter eine durchschnittliche Temperatur von 2 – 5 °C an und eine Niederschlagsmenge von 4 – 5 mm im Dezember und Januar. Am Naturstandort scheint auch leichter Frost bis -5 °C nicht ungewöhnlich zu sein. Aufgrund der Trockenheit ist das Winterklima aber sicher nicht mit unseren nasskalten Wintern zu vergleichen und Experimente einer durchgängigen Freilandkultur, wie sie bei uns gelegentlich auch für Cymbidium goeringii oder Cym. tigrinum diskutiert werden, sind nicht zu empfehlen. Die Temperaturen steigen dann bis Juli kontinuierlich auf durchschnittlich 32 °C an und der Niederschlag ist ebenfalls im Juli mit knapp 80 mm am höchsten. In Anlehnung an diese Klimadaten sollte Cymbidium sichuanicum im Winter bei 4 – 10 °C und relativ trocken gepflegt werden, allerdings ohne dass der Wurzelballen vollständig austrocknet. Die Luftfeuchtigkeit liegt am Naturstandort das ganze Jahr zwischen 70 und 80 %. Ab Ende Februar werden die Temperaturen und Wassergaben kontinuierlich erhöht.

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Cymbidium sichuanicum - Detailansicht der Lippe

Im Winter sollte ein Standort mit maximaler Helligkeit gewählt werden. Im Sommer ist ein halbschattiger Platz im Freien empfehlenswert. Die Blüteninduktion erfolgt im Spätsommer durch die deutliche nächtliche Temperaturabsenkung, die normalerweise bei einer Kultur im Freien gegeben ist. Gedüngt wird ab März mit beginnendem Neuaustrieb einmal wöchentlich mit 800 – 1 000 µS bis zum Herbst. Hinsichtlich des Pflanzsubstrates ist Cymbidium sichuanicum nicht sehr anspruchsvoll. Es eignet sich jedes wasserdurchlässige und strukturstabile Substrat mit einem guten Wasserhaltevermögen. Ich verwende eine Mischung aus Nadelwalderde, scharfem Sand, Splitt und Blähton zu etwa gleichen Teilen. Es sind aber auch alle anderen Mischungen von reinem Rindensubstrat bis vollständig mineralischem Substrat möglich, wobei ein hoher mineralischer Anteil strukturstabiler ist. Umgetopft wird, sobald die Pseudobulben den Topfrand erreicht haben oder das Pflanzsubstrat zu stark verrottet ist. Die Topfgröße sollte man dabei so wählen, dass der Platz für mindestens drei bis vier Jahre ausreichend ist. Ob die Art zur Zimmerkultur geeignet ist, kann ich nicht sagen, da ich alle Cymbidien im Gewächshaus kultiviere. Die größte Herausforderung für die Zimmerkultur wird der helle, kalte Standort mit hoher Luftfeuchtigkeit im Winter sein. Wer diese Möglichkeiten hat, sollte es auf jeden Fall einmal mit dieser attraktiven Art versuchen.

Literatur:

DU PUY, D.  & CRIBB, P. (1988): The Genus Cymbidium

LIU, Z.-J.; CHEN, S.-C. & RU, Z.-Z. (2006): The Genus Cymbidium in China

Internet:
clima-Data.org

Plants of the world online.org Kew science

Foto: Ralf Schneider
Die Infloreszenzen von Cymbidium sichuanicum wachsen überhängend.