Cymbidium serratum
Foto: Ralf Schneider
Cymbidium serratum - Einzelblüte
Autor/in:
Ralf Schneider
Veröffentlicht:
18.10.2021

Cymbidium serratum ist eine bei uns nur wenig bekannte und selten kultivierte Art. Dennoch gehört sie nicht zu den erst in den letzten Jahren beschriebenen chinesischen Cymbidien. Die Erstbeschreibung erfolgte vielmehr bereits 1919 durch Rudolf Schlechter in "Repertorium Specierum Novarum Regni Vegetabilis" (Zentralblatt für Sammlung und Veröffentlichung von Einzeldiagnosen neuer Pflanzen). Allerdings hatte Schlechter Cymbidium serratum noch als Varietät zu Cymbidium goeringii gestellt. In "Acta Botanica Yunnanica" haben Z. J. Liu und S. C. Chen die Pflanze dann 2006 in den Artenrang erhoben. In "Genus Cymbidium" wurde von Puy & Cribb jedoch die Meinung vertreten, dass die Unterschiede zu Cymbidium goeringii nicht eindeutig genug sind, um den Artenrang zu  rechtfertigen.

In "Flora of China" wird dazu ausgeführt, dass sich Cymbidium serratum leicht von Cym. goeringii durch seine schmalen und nicht artikulierten Blätter, seinen viel längeren Blütenstand und seine dicht strukturierte und nicht duftenden Blüte mit grünen Kelch- und Blütenblättern leicht unterscheiden lässt. Dazu muss man allerdings anmerken, dass die Variabilität der Blüten und des Habitus dieser Arten enorm groß ist und die Unterscheidung daher sicher nicht einfach.

Dennoch ist Cymbidium serratum seit 2012 als Art akzeptiert. Eine weitere Bestätigung erfolgte 2020 durch die Veröffentlichung der gesamten Gensequenzierung durch Lei Shao und Huijuan Ning mit dem wenig überraschenden Ergebnis, dass Cymbidium serratum nahe mit Cym. goeringii und Cym. faberi verwandt ist, wobei sich diese beiden Arten näherstehen als Cym. serratum. Der Name bezieht sich auf die gesägten Blattränder (lat. serratum = gesägter Rand), wobei dieses Merkmal so wenig ausgeprägt ist, dass man es kaum wahrnimmt.

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Habitus von Cymbidum serratum

Cymbidium serratum ist in China hauptsächlich auf dem Yunnan-Plateau verbreitet sowie in den Berggebieten an den Grenzen zu Sichuan und Guizhou. Es wächst terrestrisch in offenen Wäldern, an felsigen Orten und an gut durchlässigen, grasbewachsenen Hängen. Wie bereits erwähnt, hat Cymbidium serratum extrem variable Blüten, die auf Faktoren wie die unterschiedlichen Höhenlagen von 1 000 bis 3 000 m und die damit verbundenen klimatischen Unterschiede sowie die starke ultraviolette Strahlung in diesen Höhen zurückzuführen sind. So existieren neben der Normalform mit mehr oder weniger grünen Blüten auch Formen mit roten, gelben oder mehrfarbigen Blüten. Die kleinen eiförmigen Pseudobulben sind 0,8 – 1,2 cm lang und 0,7 – 1 cm breit und werden von den 3 bis 5 schmalen 23 – 45 cm langen und 0,5 – 1 cm breiten Blättern an der Basis umschlossen und sind deshalb kaum sichtbar. Die Blätter sind leicht längs gefaltet, spitz zulaufend und gewöhnlich gezähnt mit durchscheinenden Blattnerven. Die aufrechte Infloreszenz entspringt an der Basis der Pseudobulben und soll 20 – 30 cm lang werden, wobei die Länge bei den Exemplaren, die ich bisher gesehen habe, eher bei 12 – 20 cm lag. Die Blütenhüllblätter werden 4 – 5 cm lang mit deutlichen purpurroten Blattadern und sind länger als der Fruchtknoten, der 3 – 3,5 cm lang wird und oft blass purpurrot gefärbt ist. Der Blütenstand trägt eine oder sehr selten zwei Blüten, die bei der Typusform grün gefärbt und mit einer purpurroten Mittelrippe und mehreren dünnen Nerven versehen sind. Die Petalen liegen eng an der Säule an und sind nach vorn gerichtet. Die Lippe ist weiß mit purpurroten Flecken. Der Mittellappen ist weit zurückgebogen. Die Seitenlappen stehen aufrecht. Die Säule ist grünlich mit wenigen Flecken und purpurroten Streifen. Die Blüten erreichen einen Durchmesser von ca. 6 cm und duften nicht.

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Seitenansicht der Blüte von Cymbidium serratum

Aufgrund der unterschiedlichen Klimabereiche, in denen Cymbidium serratum vorkommt, ist eine allgemein gehaltene Kulturempfehlung, insbesondere hinsichtlich der Temperaturen, schwierig. Ich kultiviere die Art im Winter kühl-temperiert bis kalt. Die Temperaturen können dann bis auf 4 °C absinken, betragen aber im Mittel 8 – 12 °C. Das entspricht den Klimawerten von Guizhou (einem der Fundorte dieser Art) auf ca. 1 750 m Höhe. Im Winter sollten die Pflanzen so hell wie möglich stehen. Im Sommer ist ein Aufenthalt im Freien an einem halbschattigen Platz zu empfehlen. Die Niederschlagsmengen am Standort nehmen vom Sommer zum Winter kontinuierlich ab und betragen als Minimum ca. 13 mm im Dezember und Januar, um dann bis zum Juli wieder auf ca. 60 mm anzusteigen. Die Blütentriebe erscheinen bereits im Spätherbst und legen dann eine Art Ruheperiode bis Januar/Februar ein, um dann Ende Januar bis Februar zu blühen. Man darf in dieser Ruheperiode die Wassergaben nicht erhöhen, weil sonst die Blütentriebe faulen. Als Pflanzsubstrat verwende ich ein sehr durchlässiges Material aus Kies und Splitt mit etwas Nadelwalderde. Ich gehe davon aus, dass sich auch rein mineralische Substrate eignen.

Wenn man einen sehr hellen, kühlen Raum zur Verfügung hat, sollte eine Zimmerkultur möglich sein. Besser ist natürlich ein kühles bzw. kaltes Gewächshaus. Cymbidium serratum ist jedenfalls eines der relativ kleinen chinesischen Cymbidien, deren Kultur lohnenswert ist.

Foto: Ralf Schneider
Rückansicht der Blüte von Cymbidium serratum

Synonym:

  • Cymbidium goeringii var. serratum (Schltr.) Y. S. Wu & S. C. Chen 1980

Literatur:

  • DU PUY, D.  & CRIBB, P. (1988): The Genus Cymbidium

  • LIU, Z.-J.; CHEN, S.-C. & RU, Z.-Z. (2006): The Genus Cymbidium in China

Internet:

  • clima-Data.org

  • Plants of the world online.org Kew science

  • The Flora of China