Cattlianthe Japanese Beauty
Foto: Ricci Zepmeusel
Infloreszenz mit drei Blüten von Cattlianthe Japanese Beauty
Autor/in:
Thomas Jacob / Günther Arnold
Veröffentlicht:
22.08.2022
Synonyme:
Sophrolaeliocattleya Japanese Beauty

Der Beitrag über Cattlianthe Japanese Beauty von Thomas Jacob erschien bereits am 10.02.2020. In der Ergänzung vom 22.08.2022 am Ende dieses Artikels beschreibt unser Mitglied Günter Arnold seine Kulurerfahrungen mit der Hybride.

Als Sophrolaeliocattleya Japanese Beauty wurde diese Hybride am 06. Mai 2004 in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Durch einige Umkombinationen der letzten Jahre lautet der korrekte Name heute Cattlianthe Japanese Beauty. Zur Registrierung angemeldet wurde die Hybride von N. TAKI. Als Züchter ist im Register der RHS Yoshitaka YAMAMOTO angegeben. Dem Namen nach vermute ich, dass die beiden Registranten aus Japan kommen. Auch der gewählte Hybriden-Name lässt natürlich darauf schließen. Genaueres konnte ich bei meiner Recherche leider nicht herausfinden. Die Eltern dieser „Japanischen Schönheit“ sind Cattlianthe Fairyland und Cattleya Misaki Bells. Da beide Elternteile bereits höhere Hybriden sind, besteht der Genpool von Cattlianthe Japanese Beauty aus insgesamt neun Naturformen, die wie folgt vertreten sind:

  • 25% Cattleya liliputana

  • 15,63% Cattleya trianae

  • 12,5% Cattleya coccinea

  • 12,5% Cattleya luteola

  • 7,81 Cattleya mossiae

  • 7,81% Cattleya gaskelliana

  • 6,25% Cattley harrisoniana

  • 6,25% Cattleya loddigesii

  • 6,25% Guarianthe aurantiaca

Auf jede einzelne der beteiligten Naturformen kann ich in diesem Beitrag natürlich nicht eingehen. Grundsätzlich sind aber alle neun Arten in Südamerika heimisch. Sie wachsen dort sowohl epiphytisch als auch lithophytisch unter verschiedenen klimatischen Bedingungen. Während einige der beteiligten Naturformen ausschließlich unter kühlen Bedingungen wachsen, fühlen sich andere auch an wärmeren Standorten wohl. Guarianthe aurantiaca zum Beispiel findet man in Gegenden mit Extremtemperaturen – sowohl große Hitze wie auch Kälte scheinen ihr nichts anhaben zu können, Frost natürlich schon. Auch das Lichtangebot an den Naturstandorten reicht von schattigen bis zu vollsonnigen Plätzen.

Foto: Ricci Zepmeusel
Habitus von Cattlianthe Japanese Beauty

Die Hybride bildet längliche, ca. 10-12 Zentimeter hohe Pseudobulben aus, auf denen jeweils ein bis zwei sehr feste Blätter sitzen. Das Laub ist ebenfalls 10-12 Zentimeter lang, dunkelgrün mit abgerundeten Blattspitzen. Cattlianthe Japanese Beauty hat einen kriechenden Wuchs. Das bedeutet, dass das Rhizom zwischen den einzelnen Neutrieben jeweils einige Zentimeter lang ist. Bereits im späten Winter, nach der Blüte, erscheinen die Neutriebe, die bis zum Herbst heranwachsen. Meistens bilden sich im Oktober die Blütenscheiden. Danach ruht die Pflanze für einige Wochen, bevor die Infloreszenzen im Dezember erscheinen. Die Blütentriebe sind nur wenige Zentimeter lang und tragen jeweils zwei bis fünf Blüten, die eine sehr feste Struktur haben. Die weiße Grundfarbe ist an den Tepalen mit einem Rotviolett überhaucht. Je nach Klon kann dieser Farbton nur ganz zart oder auch sehr stark ausgeprägt sein. Das Labellum ist mittig leuchtend gelb gefärbt und am gesamten Rand von einem dunklen Rotviolett umrahmt. Bei einigen Individuen können die Blüten duften.

Durch die unterschiedlichen Ansprüche der Arten, die an Cattlianthe Japanese Beauty beteiligt sind, scheint die Hybride nicht sonderlich anspruchsvoll zu sein und mit verschiedenen Kulturgegebenheiten klarzukommen. Dadurch ist sie für die Kultur auf der Fensterbank genauso geeignet wie für ein Gewächshaus.

Vor drei Jahren bekam ich ein kleines Teilstück geschenkt. In den ersten Jahren brachte es jeweils nur einen Neutrieb hervor. Vergangenes Jahr kamen dann drei Neutriebe, sodass es zu einer stattlichen Pflanze geworden ist. Zwei der drei Neutriebe brachten auch Infloreszenzen hervor. Dem dritten Trieb fehlte leider die Blütenscheide. Zwar entwickelte sich ein kleiner Blütentrieb, der aber leider nach kurzer Zeit eintrocknete, was bei fehlender Blütenscheide häufig passiert.

Foto: Ricci Zepmeusel
Cattlianthe Japanese Beauty

Getopft habe ich meine Pflanze vor zwei Jahren in mittelgroßes Lavagranulat, das sich sehr gut feucht halten lässt, indem man es dauerhaft in einer Pfütze Wasser stehen hat. Der Pflanzstoff saugt das Wasser durch die Kapillarität bis nach oben hin und erzeugt eine angenehme Feuchte, ohne jemals zu nass zu sein. Ganz wichtig ist allerdings, dass die Pseuobulben und Neutriebe nur auf dem Substrat sitzen und nicht darin eingegraben werden. Umtopfen sollte man Cattleyen immer nur dann, wenn sich an den Neutrieben die ersten Wurzelspitzen zeigen. Alte Pseudobulben bilden in der Regel keine neuen Wurzeln. Natürlich lässt sich Cattlianthe Japanese Beauty auch gut in Rinde oder auch aufgebunden kultivieren. Hier muss jeder das für sich passende Substrat finden.

Meine Pflanze kultiviere ich an einem sehr hellen Südfenster, das im Sommer durch einen dünnen Vorhang etwas schattiert wird. Zu viel von der starken Mittagssonne in den Sommermonaten lässt die Blätter verbrennen. Im ersten Jahr stand sie an einem Ostfenster mit etwas Morgensonne. Auch hier wuchs sie gut und kam zur Blüte. Ob das Mehr an Licht dafür gesorgt hat, dass sie im letzten Jahr gleich drei Neutriebe ausgebildet hat, oder ob es einfach am Alter des Teilstücks liegt, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Ich habe aber den Eindruck, dass sie sich am helleren Standort wohler fühlt. Im Winter wird der schattierende Vorhang abgenommen und das volle Licht darf auf die Pflanze fallen.

Die Temperaturbedingungen in meinem Kulturraum sind temperiert-warm. Nachts können sie auf 14 Grad fallen, tagsüber steigen sie auch im Winter manchmal auf 26 Grad und höher. Den Sommer über kann Cattlianthe Japanese Beauty auch gut im Freien kultiviert werden. Die hohen Temperaturen im Sommer verträgt sie ohne Probleme.

Foto: Ricci Zepmeusel
Cattlianthe Japanese Beauty

Während des Wachstums steht meine Plfanze dauerfeucht. Das heißt, in ihrem Untersetzer steht immer eine kleine Pfütze Wasser. Im Herbst, wenn die Neutriebe ausgewachsen sind, reduziere ich die Wassergaben etwas. Die Schale darf dann auch mal zwei bis drei Tage trocken stehen, wobei das Substrat selbst auch dann noch ein wenig Restfeuchte hat. Komplett abtrocknen lasse ich den Pflanzstoff nie. Dünger gibt es über den Sommer reichlich. Das Wasser, mit dem ich die Schale befülle, hat einen Leitwert von 300-500 Mikrosiemens/cm. Vom Herbst bis zum Frühjahr, wenn die Neutriebe ihre Wurzeln treiben, dünge ich dafür gar nicht.

Alles in allem ist Cattlianthe Japanese Beauty eine wirklich einfach zu kultivierende Hybride, mit sehr ansprechenden Blüten, die lange halten. Wer noch keine Erfahrungen in der Cattleya-Kultur hat, aber gerne eine Pflanze aus dieser Gattung hätte, dem kann ich Cattlianthe Japanese Beauty echt ans Herz legen.

Viel Erfolg beim Kultivieren!

Foto: Thomas Jacob
Wurzelbildung in Lavagranulat

Ergänzung vom 22.08.2022
Kulturerfahrungen von Günter Arnold

Die Hybride Cattlianthe Japanese Beauty erwarb ich vor einigen Jahren bei der Orchideenausstellung in Esslingen-Berkheim. Sie gedeiht zusammen mit etwa 150 weiteren Orchideen in meinem Wintergarten. In der Sommerzeit wird dort automatisch beschattet.

Nach der Blüte und einer verdienten Ruhephase in den Wintermonaten 2021/22 stand die wichtige Entscheidung an: Umtopfen und teilen – die Pflanze hatte den großen Topf (30 cm) vollkommen ausgefüllt.

Im März 2022 begann das neue Wachstum. Das sollte der passende Zeitpunkt sein, um der Orchidee wieder frisches Substrat und einen neuen Topf zu gönnen. Durch die Größe der Pflanze war die »Befreiungsaktion« aus dem alten Topf ziemlich zeitaufwändig. Er wurde mit einer Schere zerschnitten, so konnte das alte Substrat mit möglichst geringer Beschädigung der Wurzeln entfernt werden.

Danach:

  • Teilung der Pflanze in zwei etwa gleich große Stücke (linke und rechte Hälfte). Übrig blieb ein Mittelstück mit den ältesten und schwächsten Rückbulben, etwa 6 Stück.

  • Schnittstellen mit Zimt versorgen

  • Beide Teilstücke mit je etwa 8 Bulben bekamen einen neuen Topf (16 cm). Zur besseren Belüftung der Wurzeln haben meine Töpfe für Cattleyen in der Regel mehrere Lüftungsbohrungen am Topfrand (jeweils ca. 10 mm Durchmesser).

  • Neues Substrat einfüllen, ich verwende grobes Rindensubstrat.

  • -Während der ersten Tage nicht gießen, Blätter täglich leicht besprühen, nach 5 Tagen mit dem Gießen wieder beginnen (in der Regel einmal pro Woche)

Foto: Günter Arnold
Im August 2021 hatte Cattlianthe Japanese Beauty insgesamt zehn große und kräftige Blüten. Ein halbes Jahr später wurde die Pflanze geteilt.

Was sollte mit dem übrigen Mittelstück geschehen? Ich machte einen Versuch und hoffte auf neues Leben aus einem „»ruhenden Auge«. Das Mittellstück bekam einen kleinen Topf (11 cm) und anschließend ein ruhiges Plätzchen.

Die zwei großen Teilstücke entwickelten nach beiden Seiten jeweils einen Neutrieb. Das gewohnte Klima im Wintergarten direkt am Fenster verhalf zu zügigem Wachstum. Den Stress (umtopfen und teilen) steckten beide Pflanzenteile überraschend gut weg.

Sommer 2022, ein perfektes Ergebnis:

Teilstück 1: Seit Ende Juli an der kräftigeren von zwei Pseudobulben 5 Blüten, an der schwächeren Bulbe öffneten sich drei Wochen später zwei Blüten.

Teilstück 2: Mitte August an einer Pseudobulbe 4 Blüten, an der zweiten Pseudobulbe ist eine kräftige Blütenscheide zu sehen.

Und was wurde aus dem Mittelstück? Nach einigen Wochen behutsamer Pflege zeigte sich ein Neutrieb mit kräftig wachsenden Wurzeln. Die Bewahrung vor dem Kompost und die Mühe hatten sich gelohnt. Da wird im nächsten Jahr bestimmt die erste Blüte zu bewundern sein.

Zu meiner Pflegemethode: Ich bin im Laufe der Jahre schon vielen Ratschlägen gefolgt und dann vor etwa 4 Jahren bei folgender Lösung gelandet:

Als Gießwasser verwende ich Regenwasser aus Tanks im Keller des Wintergartens. Das Gießwasser stelle ich in Kannen (10 Liter) immer eine Woche vorher bereit und gebe 1 bis 2 Gramm Hüttenkalk dazu (zum Thema siehe GÖBEL, Thomas (2010): Calcium - ein zu vernachlässigendes Nährelemant?; Die Orchidee 61 (4), 2010: 236). Gleichzeitig wird mit Wasserstoffperoxid für sauerstoffreiches und keimfreies Wasser gesorgt.

Zum Düngen verwende ich je nach Vegetationsphase der Pflanzen Wachstums- oder Blühdünger und Wurzelextrakt sowie flüssigen Humus (Huminsäure und Fulvinsäure in geringer Dosierung, jeweils 1 bis 2 ml auf 10 Liter Gießwasser). Bei der Konzentration des Düngers richte ich mich nach den kleineren Pflanzen und verwende die niedrigere Menge.

Foto: Günter Arnold
Das größere Teilstück trägt bereits im August 2022 wieder sieben Blüten, ein halbes Jahr nach der Teilung.