Alaticaulia oreas
Foto: Thomas Jacob
Habitus von Masdevallia oreas
Autor/in:
Thomas Jacob
Veröffentlicht:
02.08.2021
Synonyme:
Masdevallia oreas

Während der Gattungsname Masdevallia auf einen spanischen Arzt und Botaniker zurückgeht, hat der Artname oreas seinen Ursprung in der griechischen Mythologie. Wie die bereits vorgestellen Dryaden (siehe Dryadella aurea und Dryadella zebrina) handelt es sich auch bei den Oreaden um kleine Nymphen. Sie wohnen in Grotten, Wäldern und Bergen und kümmern sich mit Hingabe und Liebe um die Landschaft der Bergwelt. Sie sollen sehr lange leben und trotzdem mit jugendlichem Aussehen sterben – auch die Blüten von Masdevallia oreas sind im Vergleich zu anderen Masdevallien recht langlebig. Außerdem bilden sich an einer Infloreszenz mehrere Blüten hintereinander, sodass sich die Blütezeit über einen langen Zeitraum erstreckt.

Masdevallia oreas wächst in Bolivien epiphytisch in Höhenlagen von 2 000 bis 2 200 Metern, wie es sich eben für eine Bergnymphe gehört. Die Temperaturen sind das ganze Jahr über recht niedrig. Niederschläge gibt es regelmäßig, das Habitat trocknet niemals völlig ab.

Masdevallia oreas bildet einzelne Blätter an einem Stiel aus. Am unteren Stielende entwickelt sich jeweils eine Infloreszenz, an deren Ende sich mehrmals hintereinander eine einzelne Blüte öffnet. Gelegentlich sind dann zwei Blüten gleichzeitig geöffnet. Die Blütentriebe werden ca. 10 cm lang und überragen das Laub. Die kelchartigen Blüten mit ihren langen Ausläufern sind leuchtend gelb und stellenweise rotbraun überfärbt.

Foto: Thomas Jacob
Doppelblüte von Masdevallia oreas

Die Kultur ist nicht sonderlich schwierig, wenn man im Winter möglichst niedrigeTemperaturen bieten kann. Für das Wohnzimmer ist diese Naturform dadurch leider nicht geeignet, eher für ein kühles, ungeheiztes Schlafzimmer oder Treppenhaus. Im Winter sollten die Pflanzen so kalt wie möglich kultiviert werden, gerne auch am gekippten Fenster, da sie Frischluft sehr mögen. Meine Masdevallia oreas steht im kalten Treppenhaus an einem kleinen Nordfenster. Da der Lichtbedarf nicht allzu hoch ist, genügt ihr das. Direktes Sonnenlicht muss ohnehin vermieden werden, da die zarten Blätter sonst verbrennen würden. Am Nordfenster muss ich im Sommer nicht schattieren und auch der Raum bleibt meistens etwas kühler als einer mit großem Fenster in Richtung Süden. Ein idealer Platz also für die kleine Bergnymphe.

Grundsätzlich gilt bei Masdevallia, dass die Wurzeln sehr empfindlich auf im Wasser gelöste Salze reagieren. Sie verbrennen dadurch sehr schnell und sterben ab. Aus diesem Grund gieße ich mit sehr salzarmem Quellwasser, das mir glücklicherweise zur Verfügung steht. Osmose- oder Regenwasser ist natürlich auch geeignet, genau wie leicht aufgedüngtes destilliertes Wasser. Die Leitfähigkeit des Gießwassers überschreitet bei mir 70 µS/cm nur beim Düngen im Sommer, was in etwa alle 4 Wochen erfolgt. Das Wasser wird dann auf einen Wert von 150 µS/cm aufgedüngt. Je nach Substrat muss im Sommer häufig gegossen werden, da die Wurzeln von Masdevallia oreas niemals austrocknen dürfen.

Foto: Thomas Jacob
Die Blüte von Masdevallia oreas im direkten Vergleich mit meinen Fingern

Als Substrat eignet sich alles, was eine gleichmäßige Feuchtigkeit ohne Nässe ermöglicht und gut drainiert ist, damit die Wurzeln Luft bekommen. Ich persönlich habe die besten Erfahrungen mit mineralischen Substraten wie Lava oder Akadama gemacht. Auch Lebendmoos wird von vielen Orchideenfreunden bei Masdevallien genutzt, hat allerdings den Nachteil, dass es regelmäßig gewechselt werden muss. Spätestens nach 2 Jahren, besser schon nach einem, sollte es erneuert werden, da es dann anfängt zu verdichten. Akadama, ein mineralisches Substrat, das eigentlich aus der Bonsaikultur kommt, und Lava verdichten sich nicht. Es muss erst neu getopft werden, wenn der Topf zu klein geworden ist. Die mineralischen Substrate sind äußerst hygroskopisch, was das Wässern auch für Anfänger recht einfach macht. Der Topf wird in eine Schale mit ca. 1 cm Wasser gestellt und man muss nur darauf achten, dass die Schale nicht lange trocken steht und regelmäßig aufgefüllt wird. Das Wasser wird dann vom Substrat nach oben gezogen und sorgt für eine gleichmäßige Feuchtigkeit, ohne wirklich nass zu werden. Ich persönlich nutze inzwischen fast ausschließlich Lavagranulat in einer Körnung von 2 – 8 mm.

Da Masdevallia oreas am Standort viel Wind und Luftbewegung erhält, ist ein Sommeraufenthalt im Freien natürlich auch möglich. Dort sollte die Pflanze dann ebenfalls vor Sonneneinstrahlung geschützt und möglichst kühl stehen. Beim Hereinholen im Herbst ist es wichtig, dass sich  Außen- und Zimmertemperatur nicht zu stark unterscheiden, denn Masdevallien werfen bei abrupten Temperaturschwankungen gerne ihre Blätter ab.

Viel Erfolg beim Kultivieren!

Foto: Thomas Jacob
Masdevallia oreas in der Seitenansicht