Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Chysis limminghei

Am 20. Mai 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Chysis limminghei

Chysis limminghei (Foto: Werner Holzmann)

In einer Ausgabe der „Berliner Allgemeine Gartenzeitung“ aus dem Jahr 1858 veröffentlichten der belgisch-luxemburgische Botaniker Jean Jules LINDEN und sein deutscher Kollege Heinrich Gustav REICHENBACH die Erstbeschreibung von Chysis limminghei. Den Gattungsnamen hatte der britische Botaniker John LINDLEY bereits 1837 eingeführt. Das altgriechische Wort chysis (χυσιs) bedeutet schmelzen. Mit dem Gattungsnamen spielte LINDLEY auf die Fähigkeit der Art an, sich selbst zu bestäuben. Während die Blüten sich langsam öffnen, kommt es immer wieder vor, dass sich Pollen und Narbe einander nähern und miteinander „verschmelzen“.  Die Art benannten LINDEN und REICHENBACH nach ihrem Kollegen und Orchideenliebhaber Graf Alfred Marie Antoine de LIMMINGHE, der drei Jahre später in Rom erschossen wurde.

Chysis limminghei ist heimisch von Mexiko bis ins nördliche Guatemala. Man findet sie ausschließlich an Standorten, die in etwa auf Meereshöhe liegen. Die Temperaturen dort sind ganzjährig warm, auch nachts fallen sie nur selten unter 18 Grad, während sie tagsüber durchaus auf über 40 Grad steigen können. Im Sommer herrscht Regenzeit mit fast täglich vielen kurzen, aber heftigen Schauern. Die Winter dagegen sind trocken mit wenig bis gar keinem Niederschlag. Chysis limminghei wächst epiphytisch auf Bäumen und Sträuchern.

Chysis limminghei im Frühjahr – mit wachsendem Neutrieb und dazugehöriger Infloreszenz (Foto: Werner Holzmann)

Im Frühjahr, nach der trockenen Winterruhe, erscheinen die Neutriebe, aus denen in sehr frühem Stadium schon die Blütentriebe wachsen. Diese werden bis zu 30 cm lang und tragen mehrere wachsartige Blüten, die fast so aussehen, als seien sie aus Porzellan. Die weißen Blüten, die rosafarben überhaucht sind, duften und halten sehr lange. Die Seitenlappen der Lippe sind leuchtend gelb. Der Neutrieb wird bis zu 45 cm lang und trägt im oberen Bereich der spindelförmigen Pseudobulbe sechs bis zwölf Blätter, die  spitz zulaufend, papierartig dünn und an den zahlreich sichtbaren Längsnerven gefaltet sind. Nach der Vegetationsperiode werden sie abgeworfen und die nackte Pseudobulbe geht wieder in eine trockene Winterruhe. Im zeitigen Frühjahr beginnt dann wieder ein Neutrieb zu wachsen.

Die folgende Kulturbeschreibung stammt von Werner Holzmann, der die Art schon mehrere Jahre erfolgreich kultiviert.

Seine Chysis limminghei steht an einem sehr hellen Südfenster, das allerdings durch einen vorstehenden Balkon während des Tages schattiert wird. Direkte Sonneneinstrahlung gibt es somit nur in den frühen Morgen- und späten Abendstunden. Die Temperaturen sind dort ganzjährig warm, da das Zimmer im Winter beheizt wird. Auch nachts fallen die Temperaturen nicht unter 16 Grad. Tagsüber im Sommer wird es dort natürlich sehr warm bis heiß.

Ab dem Frühjahr, wenn der Neutrieb sich zeigt, wird die Pflanze regelmäßig gegossen und dauerfeucht gehalten. Im natürlichen Habitat der Art herrscht während der Vegetationsperiode Regenzeit, wodurch die Wurzeln der Pflanzen andauernde Feuchtigkeit gewohnt sind. Wenn im Herbst der Neutrieb ausgereift ist, wird das Gießen allmählich reduziert. Oft verlieren die Pseudobulben während der Winterruhe ihre Blätter. Allerdings hält Werner Holzmann die Pflanze während des Winters nicht komplett trocken, sondern gibt ihr eher eine Semy-Dry-Ruhe. Das heißt, er gibt seiner Chysis limminghei gelegentlich etwas Wasser, zwischen den Wassergaben trocknet das Substrat aber komplett ab. Oft liest man in diversen Foren und Büchern, dass Chysis im Winter komplett trocken gehalten werden sollte. Die Erfahrungen, die Werner Holzmann gemacht hat, zeigen aber, dass die Gattung mit gelegentlichen Wassergaben im Winter besser wächst und reichlicher blüht. Am Naturstandort fällt schließlich auch gelegentlich Regen im Winter, wenn auch deutlich weniger oft und weniger intensiv als im Sommer. Außerdem ist die Luftfeuchtigkeit im natürlichen Habitat auch wesentlich höher als auf der heimischen Fensterbank. In einem beheizten Gewächshaus mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit kann auf die winterlichen Wassergaben wahrscheinlich verzichtet werden. Auf der Fensterbank sind sie aber angeraten.

Auf dem Foto erkennt man gut, dass der Trieb aus dem letzten Jahr seine Blätter während der Winterruhe gar nicht abgeworfen hat. Die Pseudobulben aus den Jahren davor sind aber kahl. (Foto: Werner Holzmann)

Während der Wachstums- und Blühphase, vom Frühjahr bis in den Herbst, verträgt Chysis limminghei auch recht hohe und regelmäßige Düngergaben. Das Düngerwasser von Werner Holzmann hat einen Leitwert von bis zu 600 Mikrosiemens/cm. Im Winter während der Ruhezeit wird natürlich nicht gedüngt. Da in dieser Zeit keinerlei Wachstum stattfindet, braucht die Pflanze währenddessen auch keine Nährstoffe.

Als Substrat hat sich normale Rinde bewährt. Die Körnung sollte natürlich nicht allzu grob sein, da sich sonst nur schwer die erforderliche Dauerfeuchte im Sommer halten lässt. Natürlich können auch andere Stoffe, mit denen man erfahrungsgemäß gut dauerfeucht kultivieren kann, genutzt werden. Hier gilt – wie immer – der Slogan: Viele Wege führen nach Rom! Was beim einen gut funktioniert, muss beim anderen nicht notwendigerweise auch erfolgreich sein. Hier sollte jeder seine eigenen Erfahrungen machen und herausfinden, welche Substrate gut zum eigenen Gießverhalten passen. Wie schon erwähnt, ist es einfach wichtig, dass der Pflanzstoff während des Wachstums möglichst andauernd feucht, aber nicht nass bleibt.

Mit ihren zahlreichen porzellanartigen Blüten ist Chysis limminghei nicht nur ein echter Hingucker auf der Fensterbank. Mit dem angenehmen Duft, den die Blüten verbreiten, ist sie zudem ein sinnlicher „Hinriecher“ für die Nase. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autoren: Werner Holzmann & Thomas Lehmann

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Chysis limminghei ‚Klaus‘ SM/DOG – ein Klon mit sehr kräftiger Färbung (Foto: D.O.G.-Archiv)