Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

KW 09, 2018

Phalaenopsis equestris var. rosea

Alles lesen Orchidee der Woche 09, 2018

Phalaenopsis equestris var. rosea

Foto: Thomas Lehmann

Phalaenopsis equestris, die zur Sektion Stauroglottis zählt, ist eine kleine und sehr blühfreudige Art, von der es einige Varietäten und Formen gibt. Sie besiedelt auf den Philippinen und im südlichen Taiwan sehr warme bis heiße Täler, oft in der Nähe von Bächen und Flüssen, auf einer Höhe von 300 Meter über dem Meeresspiegel. Die Varietät rosea wurde im Jahr 1984 von VALMAYOR & D. TIU beschrieben und wächst ausschließlich in der Ilocos-Region, einer Verwaltungseinheit auf den Philippinen im Nordwesten der Hauptinsel Luzon. Sie ist dort endemisch, d. h. sie kommt nur in dieser Region vor. Oft wird Phalaenopsis equestris var. rosea deswegen auch als Phal. equestris var. ilocos oder Ilocos-Typ bezeichnet. Anders als der Name vermuten lässt, hat sie ihren Zusatz »rosea« nicht wegen Ihrer Farbe, sondern wegen der Form ihrer Blüten erhalten. Die Petalen sind im Vergleich zur Normalform etwas rundlicher, die unteren Sepalen nicht so stark nach hinten geneigt. In der Frontalansicht wirkt die gesamte Blüte dadurch geschlossener und etwas rundlicher als die Normalform (Fotos zum direkten Vergleich nach diesem Absatz). Leider werden, auch von renommierten Orchideenzüchtern, immer wieder Normalformen oder Hybriden aus beiden mit rosafarbener Blüte als var. rosea verkauft, welche gar keine sind. Wie alle Phalaenopsis-Arten wächst auch Phal. equestris epiphytisch, meist auf Bäumen. Sie ist eine recht kleinwüchsige Orchidee, die nur einen kurzen Stamm bildet und monopodial wächst. Phalaenopsis equestris neigt stark zur Kindelbildung und blüht sehr reichlich. An alten Blütentrieben können immer wieder neue Knospen entstehen, weshalb man die Blütentriebe nicht abschneiden sollte, solange sie nicht eintrocknen. Die Winter am Naturstandort sind etwas trockener als die Sommer, jedoch trocknet das Habitat niemals komplett aus. Die Temperaturen unterschreiten 20 Grad nachts nur sehr selten, tagsüber steigen sie fast immer auf 30 Grad und höher.

Phalaenopsis equestris ‚Anja‘ BM/DOG Diese Pflanze ist die Normalform. Die unteren Sepalen sind von vorne so gut wie gar nicht zu sehen, da sie sehr stark nach hinten geneigt sind. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis equestris var. rosea Bei dieser Blüte eindeutig zu erkennen: Die unteren Sepalen sind nicht nach hinten geneigt, wodurch die ganze Blüte geschlossener und rundlicher wirkt. (Foto: Gregor Kleefeld)

Die Kultur dieser Naturform ist recht einfach, solange man die hohen Temperaturen auch im Winter bieten kann. Ich versuche nachts möglichst nicht unter 20 Grad zu kommen. In besonders kalten Winternächten geht es mal auf 18-19 Grad runter, kälter hat sie es aber nie bei mir. Tagsüber sorge ich für 24 Grad Minimum an trüben Tagen, an sonnigen Wintertagen geht es auch schnell mal auf 30 Grad und höher. Im Sommer sind die Temperaturen ja nicht das Problem. Im Winter steht sie unschattiert an der Südseite, im Sommer wird schattiert, da die Blätter sonst durch die starke Sonneneinstrahlung verbrennen würden. Am Naturstandort sind die Pflanzen durch das Laub der Bäume, auf denen sie wachsen, davor geschützt.

Ich persönlich halte Rindenstücke für das beste Substrat bei der Kultur von Phalaenopsis im Topf, da sie als Epiphyten viel Luft und Licht an den Wurzeln gewohnt sind. Die Körnungsgröße der Rinde mache ich abhängig von der Pflanzen- und Topfgröße. Bei kleinen Kindeln und Jungpflanzen nehme ich auch mal 6-9 mm, bei größeren equestris 9-12 mm. Manchmal mische ich etwas Tongranulat und Perlite mit unter. Natürlich kann man Phalaenopsis auch aufgebunden mit etwas Moos kultivieren, oder auch in Moos getopft klappt bei einigen gut. Mit dem Aufbinden von Phalaenopsis habe ich keinerlei Erfahrungen und kann deswegen auch nichts dazu sagen. Getopft in Moos habe ich mehrmals versucht, wirklich funktioniert hat es bei mir leider nie. Man braucht dafür ein extrem gutes Gefühl für die Wassergaben, welches mir scheinbar nicht in die Wiege gelegt wurde.

Phalaenopsis werden bei mir nicht gegossen, sondern getaucht. Ich tauche den Topf für 2-3 Minuten in Wasser, bis sich die Wurzeln vollgesogen haben und grün sind. Danach darf der Topf abtropfen und wieder zurück an seinen Platz. Sobald die Wurzeln wieder komplett silbrig sind, wird erneut getaucht. Der Zeitraum ist von Pflanze zu Pflanze verschieden und außerdem abhängig von der Jahreszeit. Auch Topfgröße und Substrat spielen eine große Rolle. Ein kleiner Topf trocknet schneller ab als ein großer, grobes Substrat schneller als feines. Mit der Zeit bekommt man aber ein Gefühl dafür, wann welche Pflanze Wasser braucht. Ich benutze grundsätzlich nur transparente Töpfe, da ich in diesen natürlich sehr gut sehen kann, wie viel Feuchtigkeit noch im Topf ist. Besonders den epiphytisch wachsenden Orchideen tun diese transparenten Töpfe auch deshalb gut, da sie Licht an die Wurzeln lassen, welche bei Phalaenopsis in der Lage sind, Photosynthese zu betreiben.

Das Gießwasser hat bei meinen equestris ca. 200 Mikrosiemens Leitfähigkeit. Wenn gedüngt wird ‒ bei mir nur im Sommer, in etwa alle 4 Wochen ‒ gehe ich bis 350 Mikrosiemens hoch. Im Winter findet durch das wenige Licht kaum Photosynthese statt und somit wird auch wenig Nährstoff benötigt. Anders sieht es aus, wenn man im Winter zusätzlich mit künstlicher Beleuchtung arbeitet. Dann kann auch im Winter gedüngt werden.

Wie oben schon erwähnt, neigt Phalaenopsis equestris sehr zur Kindelbildung. Anders als der weitverbreitete Glauben, dass Kindelbildung immer ein Zeichen für eine absterbende Mutterpflanze ist, ist das bei den Arten aus der Sektion Stauroglottis vollkommen normal. Besonders ältere Pflanzen bilden oft mehrere Blütentriebe aus, die mit zahlreichen kleinen Blüten bestückt sind und teilweise viele Monate immer neue Knospen nachschieben. Phalaenopsis equestris var. rosea ist bei richtiger Kultur also ein echter Hingucker!

Mein ganz besonders herzlicher Dank geht an Gregor Kleefeld, der mich mit seinem Fachwissen zu dieser Naturformvarietät tatkräftig und geduldig unterstützt hat. Danke!

 

Autor: Thomas Lehmann

Phalaenopsis equestris ‚B#100‘ Der Klon B#100 ist auch eine equestris var. rosea (Foto: Gregor Kleefeld)
Phalaenopsis equestris ‚B#100‘ Der Klon B#100 ist auch eine equestris var. rosea (Foto: Gregor Kleefeld)
Phalaenopsis equestris var. rosea In meinem Freundeskreis haben wir den Klon ‚Gregor‘ getauft, weil Gregor Kleefeld die Mutterpflanze unserer Kindel in einer Orchideengärtnerei entdeckt hat und sie sich seitdem im Freundeskreis ausbreitet. (Foto: Gregor Kleefeld)
Phalaenopsis equestris var. rosea (Foto: D.O.G. Archiv)
Phalaenopsis equestris var. rosea (Foto: D.O.G. Archiv)

KW 08, 2018

Phragmipedium Eumelia Arias

Alles lesen Orchidee der Woche 08, 2018

Phragmipedium Eumelia Arias

Foto: Thomas Lehmann

Eumelia Arias ist eine recht junge Hybride, die im Jahr 2007 von Manolo Arias, dem Besitzer der Orchideengärtnerei Peruflora in Peru, erstmalig zur Blüte gebracht und im Register der Royal Horticultural Society (RHS) in England registriert wurde. Die Eltern dieser ansprechenden Primärhybride sind die beiden Naturformen Phragmipedium kovachii und Phragmipedium schlimii. Die Blüten der Kreuzung variieren nicht sonderlich stark. Die Färbung reicht von einem hellen Violettton bis zu einem kräftigen Rosa. Die Form ist recht stabil und wird oft scherzhaft als »schlimii auf Anabolika« bezeichnet, da die eigentliche Form sehr nach Phragmipedium schlimii kommt, die Größe aber eindeutig von Phragmipedium kovachii beeinflusst wird.

 

Foto: Thomas Lehmann

Phragmipedium schlimii wurde im Jahre 1852 von Louis Joseph Schlim, dem Halbbruder des Botanikers Jean Jules Linden, entdeckt. Linden und Reichenbach f. beschrieben diese neue Art dann im Jahre 1854 in der Bonplandia 2:227 als Selenipedium schlimii. Heimisch ist diese Naturform in Kolumbien und an den Ost- und  Zentralkordilleren (Gebirgskette, zu der auch die Anden gehören) in Höhen von 1200 -1900 Metern. Dort wächst schlimii in Humusnestern und zwischen hohen Gräsern, die teilweise mit Moos und Flechten bedeckt sind. Die Standorte sind immer relativ feucht und meist halbschattig. Die Temperaturen steigen im Sommer bis auf 25 Grad Celcius an und können im Winter nachts auch mal auf 8 Grad Celcius fallen. Relative Luftfeuchte ist mit 70% bis 80% immer sehr hoch.

 

 

 

 

Foto: Thomas Lehmann

Erst im Jahre 2001 wurde Phragmipedium kovachii im Norden Perus von Faustino Medina Bautista entdeckt. 2002 wurde diese imposante neue Naturform dann gleich zweimal neu beschrieben. Der Name Phragmipedium peruvianum gilt als Synonym. Die Pflanzen wachsen terrestrisch und litophytisch an steilen Kalksteinfelsen mit Humus- oder Moosauflage. Die Standorte sind meistens sehr gut drainiert und selten der vollen Sonne ausgesetzt. Temperaturen bewegen sich zwischen 18 Grad und 26 Grad im Durchschnitt. Wobei es im Winter auch mal deutlich kühler werden kann. In der Region, in der kovachii wächst, gibt es fast täglich Niederschlag. Nicht immer sehr heftig, aber dafür ständig. Dadurch stehen die Pflanzen auch immer dauerfeucht und trocknen niemals aus.

 

 

 

 

Da sich die Ansprüche der beiden Elternteile dieser Hybride nicht sehr voneinander unterscheiden, können wir für die Kultur Folgendes daraus ableiten:

  • Dauerfeuchtigkeit muss gegeben werden
  • Temperaturen möglichst nicht über 30 Grad, im Winter darf sie auch mal auf 10 Grad nachts fallen
  • Starke Mittagssonne im Sommer sollte vermieden werden
  • Luftbewegung und Luftfeuchtigkeit sollten ähnlich den Naturstandorten herrschen

Da ich diese Kreuzung sehr mag, besitze ich gleich mehrere Pflanzen aus unterschiedlichen Aussaaten. Alle wachsen sehr gut und blühen regelmäßig, meistens im Herbst/Winter. Als Substrat verwende ich mittelgroße Pinienrinde, gemischt mit Perlite, Bims und Holzkohle. Das Ganze kalke ich mit Hüttenkalk (kohlensaurer Kalk, der gut wasserlöslich ist) alle 6 Monate auf, da besonders Phragmipedium kovachii einen recht hohen Kalkbedarf hat. Gelegentlich mische ich in das Substrat auch Steinwollwürfel, Tongranulat, Moos oder Akadama mit hinein. Ich habe schon einiges ausprobiert und festgestellt, dass fast alles, was gut die Feuchtigkeit hält, von den meisten Phragmipedium sehr gut angenommen wird. Besonders die Hybriden scheinen da keine allzu großen Ansprüche zu haben, solange es luftig ist und immer feucht bleibt. Naturformen gibt es einige, die höhere Ansprüche an das Substrat stellen. Darüber werde ich dann in den entsprechenden Artikeln berichten. Für Eunelia Arias klappt dies beschriebene Mischung sehr gut.

Wie alle meine Phragmipedium kultiviere ich Eumelia Arias auch in einer Schale Wasser stehend, mit nassem Fuß. Gelegentlich lasse ich die Schale austrocknen, um eine Verbreitung von Bakterien zu verhindern. Sonst steht immer Wassser in der Schale. Die Hybride ist nicht ganz so salzempfindlich wie andere Pflanzen aus der Gattung, besonders einige Naturformen. Das Wasser, mit dem ich gieße bzw. die Schale auffülle, hat immer so um die 200 Mikrosiemens. Im Sommer wird ca. alle 3 Wochen mit Düngerwasser durchdringend gegossen. Das Düngerwasser für meine kovachii-Hybriden hat dann ca. 300-400 Mikrosiemens. Den Sommer über verbringen meine Eumelia Arias allesamt im Freien, vor der Mittagssonne geschützt. Bevor es im Herbst dann wieder nach Innen geht, werden die Töpfe  einmal ausgiebig mit destilliertem Wasser duchgespült, da sich durch die recht hohen Düngergaben im Sommer zu viele Salze im Substrat anreichern, welche im Winter mangels Licht nicht verstoffwechselt werden können und den Wurzeln eventuell Schaden könnten.

Im Winter steht diese Kreuzung bei mir an der Südseite, direkt an der Scheibe meiner Glasfront, da es dort nachts auch mal etwas kühler wird. Temperaturen sinken an der Stelle auch mal auf 10-12 Grad ab. Tagsüber herschen dort in der Regel 22-24 Grad, bei Sonnenschein auch schnell mal etwas mehr, was aber sehr gut vertragen wird. An besonders kalten Tagen sind es auch mal nur 19-20 Grad.

Autor: Thomas Lehmann

KW 07, 2018

Coelogyne cristata

Alles lesen Orchidee der Woche 07, 2018

Coelogyne cristata

Foto: Thomas Lehmann

John Lindley, ein englischer Botaniker, der als Erster eine Klassifizierung von Orchideen erstellte und somit als Vater der modernen Orchideenkunde gilt, beschrieb diese fast reinweiße Naturform im Jahre 1821. Das Verbreitungsgebiet von Coelogyne cristata erstreckt sich vom westlichen bis zum östlichen Himalaya über Assam und Sikkim in Nordostindien, Nepal, Bhutan und Java. Sie wächst dort auf einer Höhe von 1 500-2 600 Metern unter kühlen bis kalten Bedingungen. Einen großen Teil des Jahres sind die Pflanzen am Naturstandort dem Monsunregen ausgesetzt, während der restlichen Zeit gibt es zwar keinen Niederschlag, dafür aber eine durch Nebel hervorgerufene sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Coelogyne cristata wächst epiphytisch und gelegentlich auch litophytisch auf moosigen Felsen. Sie bildet rundliche bis ovale Pseudobulben aus, auf denen 2 längliche Blätter sitzen. Die Blütentriebe entspringen am unteren Teil der Pseudobulbe und bringen 3 bis 10 weiße Blüten mit einem gelbem Zentrum hervor, welche manchmal auch duften können. Die Winter am Naturstandort sind zwar regenarm und kühl, aber sehr hell.

Coelogyne cristata ‚Weihe‘ SM/DOG Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

Eine Kultur auf der Fensterbank funktioniert gut, solange man die kühlen, aber hellen Bedingungen im Winter bieten kann. Im Sommer hängt meine Coelogyne cristata in einer Ampel auf dem Balkon, vor der Mittagssonne geschützt, und wird dauerfeucht gehalten. An besonders heißen und trockenen Tagen sprühe ich auch die Blätter nass, um für etwas mehr Luftfeuchtigkeit zu sorgen. Das Besprühen der Blätter sollte man aber besser unterlassen, wenn die Pflanze in einem Raum ohne ausreichende Belüftung steht. Im Freien trocknen die Blätter durch den Wind sehr schnell ab und es kommt nicht zu Krankheiten wie Fäulnis oder Pilzbefall. Während dieser Zeit bilden sich etliche Neutriebe, die bis in den Herbst ausgewachsen sind. In der Wachstumsphase dünge ich alle 14 Tage mit aufgedüngtem Regenwassser, das einen Leitwert von ca. 200-250 Mikrosiemens hat. Zwischen den Düngergaben gibt es nur Regenwasser.  Ab Oktober beginnt dann langsam die Trockenzeit und es wird immer weniger gegossen, bis die Pflanze dann im November vor dem ersten Frost komplett trocken, aber noch im Freien steht. Idealerweise überwintert sie danach bei ca. 5-8 Grad Nachttemperatur und hoher Luftfeuchtigkeit komplett trocken und sehr hell. Natürlich kann diese Temperaturen nicht jeder zu Hause bieten, sie sollte aber so kalt wie möglich stehen. Kann man nur ein Treppenhaus mit 12 Grad bieten, dann muss gelgentlich etwas Wasser gegeben werden, allerdings nur wenig. Die Pseudobulben dürfen in dieser Zeit schrumpeln. Wenn genug Licht vorhanden ist, bilden sich nach einigen Wochen die Blütentriebe unterhalb der Pseudobulbe. Erst wenn die einzelnen Knospen zu sehen sind, gebe ich wieder Wasser und halte Coelogyne cristata dauerfeucht. Ab April/Mai, wenn es keinen Frost mehr gibt, darf meine Pflanze dann wieder ins Freie und der neue Zyklus beginnt.

Als Substrat nutze ich, wie bei fast all meinen Orchideen, die Pseudobulben ausbilden, mineralisches Substrat. In diesem Fall ist es Lavagranulat mit einer Körnung von 2-8 mm, größer sollte es nicht sein. Mineralisches Substrat hat den Vorteil, dass es eine gleichmäßige Feuchtigkeit hält, wenn der Topf in einer Schale, bzw. einer Ampel im Fall von Coelogyne, steht, die immer mit Wasser gefüllt ist. Die ersten Jahre hatte ich sie in Rindensubstrat, was auch sehr gut funktioniert hat, allerdings ist es da etwas schwieriger und aufwendiger eine Dauerfeuchtigkeit aufrecht zu erhalten. Ein zu starker Trocken-Nass-Rhythmus kann zum sogenannten Knitterwuchs führen, bei dem die Blätter eben nicht schön flach wachsen, sondern eher wie eine Ziehharmonika. Grundsätzlich können natürlich auch andere Substrate verwendet werden, die eine gleichmäßige Feuchtigkeit möglich machen. Beim Umtopfen ist Coelogyne cristata als etwas zickig verschrien, da sie im Winter nach dem Umtopfen oft mit der Blüte aussetzt. Auch hier ist man mit mineralischem Substrat im Vorteil, da dieses nicht zerfällt und nur getopft werden muss, wenn der Topf zu klein geworden ist. Rinde und alles andere Organische zerfällt durch die andauernde Feuchtigkeit und sollte deswegen nach spätestens 2 Jahren gewechselt werden. Bei guter Kultur schafft diese Naturform pro Altpseudobulbe 2 Neutriebe in jeder Saison, wodurch sie recht schnell eine prachtvolle Pflanze mit vielen Blüten werden kann.

 

Blütezeit ist in der Regel zwischen Januar und März, je nachdem wieviel Licht sie bekommt. Dieses Jahr hatten wir ja leider einen sehr düsteren Winter mit wenig Licht, weshalb meine Pflanze nur sehr langsam an den Blütentrieben arbeitet und die Blüte erst in den März fallen wird. Letztes Jahr war sie um diese Zeit schon in voller Blüte.

Autor: Thomas Lehmann

KW 06, 2018

Lepanthes telipogoniflora

Alles lesen Orchidee der Woche 06, 2018

Lepanthes telipogoniflora

(Foto: Thomas Lehmann)

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit, im Jahre 1996, wurde diese knallorangefarbene Naturform von Schuit. & A. de Wilde erstmalig beschrieben. Beheimatet ist Lepanthes telipogoniflora in Risaralda / Kolumbien, wo sie epiphytisch in Höhenlagen um die 500 Meter über dem Meeresspiegel wächst. Das Klima an diesem Standort ist ganzjährig warm bis heiß mit häufigen Niederschlägen und einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit. Wie bei allen Lepanthes bilden sich ständig neue Triebe, die jeweils ein einzelnes kleines Blatt an einem recht kurzen Stiel hervorbringen. Sobald das Blatt ausgewachsen ist bildet sich ein Blütentrieb aus, der am Blattansatz entspringt. Lepanthes telipogoniflora sind sogenannte Revolverblüher, das heißt, dass sich am Blütentrieb zwar immer nur eine Blüte geöffnet zeigt, aber dass nach dem Verblühen eine neue am gleichen Trieb nachkommt. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrmals, sodass Lepanthes telipogoniflora über viele Wochen, manchmal Monate, blühen. Diese Naturform ist eine wirkliche Miniaturorchidee, denn die Blätter und der Blattstiel sind gerade einmal 1 bis 2 cm lang. Trotz der geringen Größe des Habitus werden die Blüten verhältnismäßig groß. Sie haben einen Durchmesser von 1,5 bis 2 cm und ähneln kleinen orangefarbenen Satellitenschüsseln.

Lepanthes telipogoniflora ‚Vilma‘ SM/DOG, aufgebunden auf ein Stück Kork (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

Genauso wie bei Platystele umbellata, die wir bereits vorgestellt haben, gibt es hier zwei grundsätzliche Möglichkeiten der Kultur. Entweder aufgebunden auf Kork, Rinde oder ähnlichen, zum Aufbinden geeigneten Materialen, oder aufgesetzt auf Sphagnum in einer Glaskugel. Bei ersterer Variante ist es zwingend nötig, Lepanthes in ein Terrarium zu setzen, da sie im Allgemeinen eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit braucht und niemals austrocknen darf. Bereits nach ein paar Stunden totaler Trockenheit stirbt sie ab und ist nicht mehr zu retten. Neben hoher Luftfeuchtigkeit ist Luftbewegung ein weiterer wichtiger Punkt für die erfolgreiche Kultur von Lep. telipogoniflora. In einem geschlossenen Terrarium ist es also sehr wichtig mit kleinen Ventilatoren für genügend Luftbewegung zu sorgen. Wenn man sie in einer Glaskugel mit seitlicher Öffnung kultiviert, braucht man keinen Ventilator, denn die Öffnung lässt genug Luftbewegung zu. Allerdings darf diese nicht zu groß sein, da sich sonst nicht genug Luftfeuchtigkeit in der Kugel hält. Eine Kugel mit 8 bis 10 cm Größe hat in der Regel auch die richtige Öffnung, um beide Kriterien gut zu erfüllen – Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung.

 

Wie bei allen Miniaturorchideen mit feinen Wurzeln, die so dünn wie Nähgarn sind, entscheidet die Wasserqualität zusätzlich über den Kulturerfolg oder den Tod der Pflanze. Es muss zwingend eine salzarme Variante gewählt werden. Am besten eignen sich Regenwasser oder ganz leicht aufgedüngtes, entmineralisiertes Wasser (Osmose- oder destilliertes Wasser). Ich achte bei all meinen Lepanthes darauf, dass die Leitfähigkeit des Wassers 30 bis 35 Mikrosiemens nicht übersteigt. Lediglich zwei bis drei Mal über den Sommer verteilt wird mit ca. 80 Mikrosiemens gedüngt.

 

 

 

 

Lepanthes telipogoniflora ‚Regina‘ GM/DOG, beispielhafte Kultur in einer Glaskugel (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

Da ich (noch) kein Terrarium für meine Miniaturen besitze, kultiviere ich Lepanthes teliogoniflora auch in einer Glaskugel zum Aufhängen. Zuerst befüllt man das Untere der Kugel mit etwas lebendem – nicht getrocknetem und gepresstem – Sphagnum. Mit einer Pinzette wird anschließend die Pflanze mittig auf das Moos gesetzt. Abschließend bedeckt man die Wurzeln noch mit etwas zusätzlichem Moos. Danach gieße ich etwas Wasser in die Kugel, sodass eine kleine Pfütze in der Kugel entsteht. Ab hier muss man nur noch darauf achten, dass diese kleine Pfütze immer vorhanden ist und nie ganz austrocknet. Im Laufe der Zeit – wenn man alles richtig macht – wächst auch das Sphagnum weiter und überwuchert eventuell die Pflanze. Darum ist es notwendig gelegentlich mit einer Pinzette und einer kleinen Schere das wachsende Moos etwas zu kürzen, bevor die Pflanze komplett vom Sphagnum aufgefressen wird. Grundsätzlich ist das Mooswachstum aber ein guter Indikator dafür, dass man alles richtig macht. Denn auch das Moos mag es dauerfeucht und warm.

 

Der Lichtbedarf von Lepanthes ist nicht sonderlich hoch, da sie in der Natur meist auf Bäumen zu finden sind, auf denen sie durch das immergrüne Laub der Bäume ganzjährig geschützt sind. Besonders bei der Kultur in einer Glaskugel sollte man unbedingt darauf achten, dass die Kugel nicht der Mittagssonne ausgesetzt wird. Selbst im diesjährigen Winter hätte mich das fast mein kleines „Satellitenschüsselchen“ gekostet, da sich durch die Mittagssonne die Luft in der Kugel zu sehr aufgeheizt hat und Teile der Blätter verbrannte.

 

Alles in Allem ist es aber ein unkomplizierter und blühfreudiger Kandidat, der gut geeignet ist, um mit Miniaturorchideen Erfahrungen zu sammeln. Bei mir war Lepanthes telipogoniflora auch die erste Miniatur, die ich heute noch besitze.

 

Autor: Thomas Lehmann

KW 05, 2018

Lycaste Yoko´s Sister

Alles lesen Orchidee der Woche 05, 2018

Lycaste Yoko´s Sister

Foto: Thomas Lehmann

Diese sonnengelbe Hybride aus den beiden gelben Naturformen Lycaste aromatica und Lycaste cruenta besticht nicht nur durch ihre sonnige Farbe, sondern auch durch ihren zimtig-blumigen Duft  und die Fülle an Blüten, die sie hervorbringt. Atsushi Mochizuki gab dieser Kreuzung im Jahr 1999 den Namen Yoko‘s Sister, als er sie erstmalig zur Blüte brachte und im Register der RHS eintragen ließ. Die Pflanze wird sehr groß und ausladend mit Blättern von 40-50 cm Länge. Dadurch wirkt sie sehr imposant, solange sie das Laub nicht abwirft, und ist also eher etwas für einen Wintergarten oder ein sehr helles Zimmer, nicht aber für die Fensterbank geeignet. Lycasten sind, bis auf ein paar Ausnahmen, laubwerfend. Das heißt, die Blätter werden nach Ausreifen der Pseudobulben abgeworfen und die Pflanze geht in eine kurze Ruhephase, bis die Neutriebe erscheinen. Die zahlreichen kleinen gelben Blüten sind ca. 4 cm breit und 2 cm hoch und duften, wie oben schon erwähnt, nach Zimt und etwas blumig-frisch.

 

Lycaste aromatica ‚Paphii‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Lycaste aromatica wächst epiphytisch, litophytisch und teilweise sogar terrestrisch in einem recht großen Verbreitungsgebiet in Südamerika. Dieses erstreckt sich von Mexico über Guatemala und Nicaragua bis nach Honduras und El Salvador. Erstmalig beschrieben wurde diese Naturform im Jahre 1843 von Robert Graham, einem schottischen Arzt und Botaniker. Die Pflanze ist eine mittelgroße bis große Art, an deren Pseudobulben jeweils bis zu 10 Blütentriebe entstehen können. Sie wächst in ganzjährig temperiert-warmen und feuchten Wäldern, auf Klippen und in Schluchten, oft in der Nähe eines Flusses auf Felsen, Bäumen und gelegentlich auch am Boden.

 

 

 

 

 

Lycaste cruenta (Foto: D.O.G.-Archiv)

Lycaste cruenta, ebenfalls in Südamerika beheimatet, wurde auch im Jahre 1843, allerdings von John Lindley, einem englischen Botaniker, Gärtner und Orchideenforscher, erstmalig beschrieben. Im Gegensatz zu Lycaste aromatica wächst Lyc. cruenta aber eher in den kühleren Regionen von Mexico, Guatemala, Costa Rica und El Salvador. Diese Naturform wächst litophytisch und epiphytisch in Höhenlagen von 1800-2200 Metern in ebenfalls feuchten Wäldern. Die wachsartigen Blüten halten sehr lange und verströmen einen blumigen Duft. Die mittelgroßen Pflanzen bilden ebenfalls, wie alle Lycasten, Pseudobulben aus, an denen die Blütentriebe entspringen.

 

 

 

 

Für die Kultur ergibt sich daraus folgende Frage: Unter welchen Temperaturbedingungen sollte ich eine Hybride aus einer warmen und einer kühlen Naturform halten? Ich probiere bei Hybriden, deren Eltern unterschiedliche Temperaturansprüche haben, immer erst mal die etwas wärmere Kultur, einfach weil ich mehr temperiert-warmen Platz in meiner Wohnung bieten kann. Läuft es im wärmeren Bereich gut, dann führe ich die Kultur so fort. Merke ich aber, dass die Pflanze nicht richtig wächst oder nicht fit aussieht, dann wird umgestellt und kühler versucht. Meine Lycaste Yoko‘s Sister läuft sehr gut im temperiert-warmen Bereich. Sie wächst zügig, sieht kräftig aus und blüht regelmäßig und intensiv.

 

Das Substrat sollte luftdurchlässig sein und gut die Feuchtigkeit halten, ohne richtig nass zu sein. Ich kultiviere Yoko´s Sister in einer Mischung aus mittelgroßer und großer Pinienrinde gemischt mit Perlite und ein wenig Steinwollwürfel. Auch andere Zuschlagstoffe wie Sphagnum-Moos, Ton oder andere Stoffe, die die Feuchtigkeit gut halten, sind möglich. Getaucht wird, wenn das obere Drittel des Topfes trocken ist, im unteren Bereich aber noch gut Feuchtigkeit da ist. In der Ruhephase nach dem Laubwurf verbraucht die Pflanze weniger Wasser, wodurch der Topf auch länger braucht, bis er antrocknet. Um die Feuchtigkeit kontrollieren zu können, benutze ich immer transparente Töpfe. Auch das Wurzelwachstum und den Zustand der Wurzeln kann ich in einem solchen Topf viel besser im Blick haben. Eine Kultur in mineralischem Substrat, wie Lavagranulat, Akadama, Bims oder eine Mischung daraus, ist auch möglich. In diesem Falle wird allerdings nicht getaucht, sondern von unten gegossen. Man stellt den Topf in eine Schale mit Wasser und sorgt dafür, dass immer 1-2 cm Wasser in der Schale stehen. Das Substrat zieht sich das Wasser dann bis nach oben und bleibt gleichmäßig feucht, ohne nass zu werden. Gedüngt wird in der Wachstumsphase etwas mehr, während der Ruhezeit dünge ich gar nicht. Der Leitwert des Wassers hat bei den Düngergaben ca. 350 Mikrosiemens. Die Luftfeuchtigkeit sollte mindestens bei 55% liegen, da Lycasten in feuchten Regenwäldern mit hoher Luftfeuchtigkeit beheimatet sind.

 

Lycaste Yoko´s Sister ist, wie fast alle Lycasten, nicht sonderlich lichthungrig. Ein schattiges bis halbschattiges Plätzchen genügt ihr. Mittagssonne sollte sie, besonders im Sommer, nicht abbekommen.

 

Wer also etwas Platz zu Hause bieten kann, wird mit dieser ansprechenden und unkomplizierten Hybride seine Freude haben.

 

 

Autor: Thomas Lehmann

 

 

KW 04, 2018

Masdevallia ignea

Alles lesen Orchidee der Woche 04, 2018

Masdevallia ignea

Masdevallia ignea ‚Siegi‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

Diese feuerrote Naturform wächst epiphytisch in den immerfeuchten und kühlen Nebelwäldern der kolumbianischen Anden auf einer Höhe von 2600-3800 Metern unter sehr kalten Bedingungen. Temperaturen in der Region können fast bis an die Frostgrenze fallen, bei andauernder Feuchte und sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Bereits im Jahr 1871 wurde Masdevallia ignea von Heinrich Gustav Reichenbach als neue Art beschrieben. Neben ihrer leuchtend roten Farbe ist die Form der Blüte ein weiteres sehr ansprechendes Merkmal. Sie bildet eine fast trichterartige, ca. 3 cm große Blüte mit 3 langen fadenartigen Fortsätzen an einem langen Blütentrieb aus, der am unteren Stielende des Blattes entspringt. Jedes Blatt bringt einen Blütentrieb mit jeweils einer Blüte hervor.

Masdevallia ignea ‚Siegi‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

Die Kultur auf der Fensterbank ist im Winter, aufgrund der kalten Temperaturbedingungen, nur in nicht geheizten Räumen möglich. Noch besser wäre ein Kalthaus, das natürlich nicht von jedem Orchideenliebhaber geboten werden kann. Eine zu warme Kultur quittiert diese Masdevallia gerne mit Blattweitwurf und eintrocknenden Blütentrieben. Zu salzhaltiges Wasser lässt die feinen Wurzeln verbrennen und die Pflanze absterben. Auch wenn Masdevallien einige Ansprüche haben, ist ihre Kultur mit wenig Aufwand trotzdem sehr gut möglich.

Als Substrat eignet sich alles, was eine gleichmäßige Feuchtigkeit ohne Nässe ermöglicht und gut drainiert ist, damit die Wurzeln Luft bekommen. Ich persönlich habe die besten Erfahrungen mit Lebendmoos und mineralischen Substraten wie Lava oder Akadama gemacht. Lebendmoos hat allerdings den Nachteil, dass es regelmäßig gewechselt werden muss. Spätestens nach 2 Jahren, besser schon nach einem, sollte es erneuert werden, da es dann anfängt zu verdichten. Akadama, ein mineralisches Substrat, das eigentlich aus der Bonsaikultur kommt, und Lava verdichten sich nicht. Es muss erst neu getopft werden, wenn der Topf zu klein geworden ist. Die mineralischen Substrate sind äußerst hygroskopisch, was das Wässern auch für Anfänger recht einfach macht. Der Topf wird in eine Schale mit ca. 1 cm Wasser gestellt und man muss nur darauf achten, dass die Schale nicht austrocknet und immer etwas Wasser darin steht, das dann vom Substrat nach oben gezogen wird.

Da Masdevallien sehr salzempfindlich sind, ist die Wasserqualität ein wichtiger Punkt für eine erfolgreiche Kultur. Regenwasser oder leicht aufgedüngtes Osmose- bzw. destilliertes Wasser ist zwingend notwendig. Leitungswasser lässt die Wurzeln sehr schnell verbrennen. Das Wasser, mit dem ich normalerweise gieße, hat einen Leitwert von ca. 30 Mikrosiemens. Im Sommer wird alle paar Wochen gedüngt mit einem Leitwert von 150-180 Mikrosiemens. Da sich nicht verbrauchte Salze mit der Zeit im Substrat anreichern, wird bei mir im Herbst der Topf mit destilliertem Wasser durchgespült, um diese Salzablagerungen auszuschwemmen.

Sobald die Temperaturen auch nachts konstant über 2 °C liegen, sollte Masdevallia ignea im Freien stehen. Das ist von Region zu Region und auch von Jahr zu Jahr ein unterschiedlicher Zeitpunkt. Ich hatte schon Jahre, da standen die kalten Masdevallien ab Ende Februar draußen, in anderen Jahren war es fast schon April. Je früher, desto besser, denn Masdevallien lieben Frischluft und Wind. Genau das Gleiche gilt für den Herbst. Erst wieder reinstellen, wenn die Nachttemperaturen unter 3 °C fallen. Das kann dann auch mal erst Anfang Dezember sein. Meistens aber eher im November. Im Winter dann so kühl wie möglich stellen. Auf keinen Fall in ein beheiztes Zimmer. Wie oben schon erwähnt, wirft sie ihre Blätter sehr rasant ab, wenn sie zu warm und bei zu niedriger Luftfeuchtigkeit steht.

Sonne sollte sie im Sommer am besten gar keine abbekommen, im Winter wird Abend- oder Morgensonne vertragen. Aber Mittagssonne mag sie gar nicht, schon allein deshalb, weil es dann auch zu warm wird!

Wer diese Punkte beachtet und bieten kann, wird dafür 2-3 Mal im Jahr mit einer Fülle an Blüten belohnt und wird große Freude mit dieser wunderschönen Naturform haben.

Autor: Thomas Lehmann

Masdevallia ignea ‚Siegi‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia ignea ‚Feuerteufel‘ (Foto: D.O.G.-Archiv)

KW 03, 2018

Phragmipedium besseae

Alles lesen Orchidee der Woche 03, 2018

Phragmipedium besseae

Foto: Thomas Lehmann

 

Im Jahre 1981 vom peruanischen Pflanzensammler Orche Guzmann in der Umgebung von Tarapoto in Peru entdeckt und von der amerikanischen Orchideenforscherin Elizabeth Locke Besse an Marie Selby Gardens übergeben, wurde diese spektakulär rote Frauenschuhart von Calaway H. Dodson & Janet Kuhn 1981 im AOS Bulletin 50, 1308-1310, als neue Art beschrieben. Die Art ist sowohl in Peru, wie auch in Ecuador beheimatet und variiert je nach Standort leicht in Farbe und Form. Die meisten im Handel erhältlichen Formen sind Mischtypen aus den unterschiedlichen Standortformen. Inzwischen gibt es aber auch einige standortreine Formen, wie den Limon-Typ, den Paute-Typ, den Chiguinda-Typ (alle 3 aus Ecuador) und den Peru-Typ bei spezialisierten Züchtern zu erwerben. Es gibt außerdem eine hellgelbe Farbvariante. Phragmipedium besseae f. flavum, wobei diese etwas empfindlicher und dadurch schwieriger zu kultivieren ist.

 

Das Klima am Standort bietet recht konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad ganzjährig. Niederschläge gibt es auch ganzjährig, wobei sie von März bis September deutlich häufiger sind. Bis November fallen diese dann deutlich ab und nehmen bis März wieder langsam zu. Phragmipedium besseae wächst terrestrisch zwischen dauerfeuchtem Moos, Gräsern und Farnen, aber teilweise auch litophytisch an steilen und feuchten Felsen.

Auf dem oberen Foto Phragmipedium besseae in situ. Unten ein Bild des Habitats. Beides aufgenommen in  Ecuador.

Foto: Monika Eckert
Foto: Monika Eckert

Phragmipedium lassen sich generell sehr gut mit „nassem Fuß“ kultivieren, das heißt sie stehen am besten in einer mit Wasser gefüllten Schale. Gelegentlich lässt man das Wasser komplett aufsaugen und füllt dann die Schale wieder auf. Im Winter öfter und länger austrocknen lassen, im Sommer nur sehr selten. Pflanzen dieser Gattung sind etwas salzempfindlich, weshalb man unbedingt auf eine gute Wasserqualität achten sollte. Regenwasser oder leicht aufgedüngtes (oder mit Leitungswasser verschnittenes) destilliertes Wasser eignet sich am besten. Im Sommer Dünge ich sehr regelmäßig circa 14-tägig, wobei ich aber auch hierbei darauf achte, dass die Leitfähigkeit des Wassers 250 Mikrosiemens nicht übersteigt. Zu hohen Salzgehalt quittieren Phragmipedium sofort mit braunen Blattspitzen. Die Kultur auf der Fensterbank klappt im Grunde sehr gut. Einziges Problem bei besseae ist, dass die Neutriebe sehr gerne klettern und von daher eine Kultur in der Schale besser geeignet ist, um die hochwachsenden Neutriebe nach unten drücken zu können und mit Krampen o.ä. zu fixieren. Im Vergleich mit anderen Phragmipediumarten ist besseae aber mit höchstens 40 cm Blattspannweite ein eher zierliches Phragmipedium. Die meisten meiner besseae (Ja, ich hab gleich mehrere davon!) sind sogar nur ca. 30 cm. Die Art mag es gerne sehr hell, im Sommer aber keine direkte Mittagssonne. Ein Aufenthalt im Freien während des Sommers tut meinen immer sichtlich gut.

 

Die meisten meiner insgesamt ca. 300 Phragmipedium kultiviere ich in einer Mischung aus Rinde, Bimsstein, Kohle und Perlite. Aber auch mit dem mineralischen Substrat Akadama (5-10mm Körnung) hab ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Vorteil vom Akadama ist, dass es sich nicht zersetzt. Rinde muss, wegen der ständigen Nässe, spätestens nach 2 Jahren ausgetauscht werden. Auch mit puren Steinwollwürfeln ( Basacubes) hab ich erfolgreich kultiviert. Grundsätzlich geht alles, was gut die Feuchtigkeit hochzieht und nicht so schnell abtrocknet.

 

Insgesamt eine recht einfach zu kultivierende Orchidee, die durch ihr kräftiges Rot besticht und bei guter Kultur sehr regelmäßig und lange blüht!

Nachfolgend noch ein paar Fotos von verschiedenen Klonen, welche bei diversen Tischbewertungen der DOG mit Medaillen prämiert wurden, und ein Foto des standortreinen Peru-Typs.

 

Autor: Thomas Lehmann

Phragmipedium besseae ‚Popow‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
hPhragmipedium besseae ‚Excalibur‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipedium besseae f. flavum ‚Wössen‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipedium besseae ‚Kilian‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
standortreine Peruform von Phargmipedium besseae (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium besseae ‚Schanz‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Schluss noch ein kleines Suchbild! Wo ist das besseae? (Foto: Monika Eckert)

KW 02, 2018

Platystele umbellata

Alles lesen Orchidee der Woche 02, 2018

Platystele umbellata

(Foto aus dem D.O.G.-Archiv)

 

Diese äußerst ansprechende Miniaturorchidee ist beheimatet in den immerfeuchten Regenwäldern von Kolumbien und wächst epiphytisch auf Bäumen in einer Höhe von 600-1600 m über NN. Direkte Sonne bekommt sie nur äußerst selten, da sie durch das Laub der Bäume, auf denen sie wächst, davor geschützt wird. Sie wächst also in schattigen, dauerfeuchten und, je nach Standort, kühl bis warmen Verhältnissen. Als neue Art beschrieben wurde sie im Jahre 1978 von P. Ortiz für den Revista de la Sociedad Colombiana de Orquideologia. Die Blätter werden mit Stiel ca. 4 cm lang und bilden nach Auswachsen einen Blütentrieb, an dem traubenartig ca. 1 mm große Einzelblüten eine Art Kugel bilden.

 

Für eine erfolgreiche Kultur ist die Qualität des Wassers das entscheidende Kriterium. Wie alle Miniaturorchideen mit ihren feinen und filigranen Wurzeln, reagieren sie auf zu viel Salze recht schnell mit dem Verbrennen der Wurzeln, was den Tod der Pflanze bedeutet. In der Natur bekommen sie eben auch nur das Wasser ab, welches als Regen vom Himmel fällt und kaum gelöste Salze enthält. Lediglich abgestorbenes Pflanzenmaterial, welches in der Nähe der Pflanze liegt, reichert das Wasser etwas mit Nährstoffen an. Regenwasser ist da immer die beste Wahl. Wer die Möglichkeit nicht hat Regenwasser zu sammeln, kann auch Osmosewasser (oder destilliertes) ganz leicht aufdüngen und dieses verwenden. Ich gieße meine Platystele umbellata mit Wasser, welches nicht mehr als 30 Mikrosiemens hat. Im Sommer wird 2-3 mal gedüngt. Allerdings achte ich auch hier darauf, dass das Wasser mit Dünger eine Leitfähigkeit über 80 Mikrosiemens nicht übersteigt. Die „kleine Himbeere“, wie ich sie aufgrund ihrer Blütenform immer nenne, darf niemals komplett austrocknen und benötigt eine möglichst hohe Luftfeuchtigkeit, aber auch gute Luftzirkulation.

2 grundsätzliche Möglichkeiten der Kultur sind möglich. Wer ein Orchidarium, also ein Terrrarium für Orchideen hat, kann sie auf Kork oder ähnlichem aufbinden und ins Orchidarium hängen. Auch in Moos getopft funktionert es im Terra. Hier mal 2 Fotos einer aufgebundenen umbellata, die es bis zur Goldmedaille geschafft hat.

Platystele umbellata ‚Uschi‘ SM/DOG (Foto aus dem D.O.G.-Archiv)
Platystele umbellata ‚Uschi‘ GM/DOG (Foto aus dem D.O.G.-Archiv)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer kein Orchidarium hat oder möchte, aber auf diese Schönheit nicht verzichten will, kann sie auch sehr gut in einer Glaskugel für Teelichter mit großer Öffnung halten. Ich denke für alle Orchidarienbesitzer muss ich hier nicht weiter auf die Kultur von aufgebundenen Miniaturen eingehen, daher möchte ich lieber etwas genauer erklären wie das in so einer Glaskugel funktionieren kann.

 

Zu allererst ist es wichtig, dass die Kugel nicht zu klein ist, damit die Blütentriebe nicht am Glas anstoßen. Ich habe mich für eine entschieden, die etwas größer ist als unbedingt nötig. Meine hat ca. 15 cm Durchmesser. 10 cm sollten es auf jeden Fall sein. Ich kultiviere komplett in reinem Lebendmoos. Man kann aber auch unten in die Kugel etwas feines, mineralisches Substrat (Seramis, Akadama, Lava, etc.) füllen und darauf dann das Moos platzieren. Wie gesagt, mache ich es immer nur mit Moos. Ich fülle also lebendes Sphagnum-Moos in die Kugel, platziere mit einer Pinzette mit den Wurzeln voraus die Pflanze mittig in die Kugel und bedecke die feinen Wurzeln dann noch mit Sphagnum. Das war es auch schon. Ab hier achte ich lediglich darauf, dass unten in der Kugel immer eine kleine Pfütze Wasser steht, damit das Moos nicht austrocknen kann. Durch das stehende Wasser entsteht in der kleinen Kugel dann auch das nötige Mikroklima mit ausreichend Luftfeuchtigkeit. Durch die große Öffnung an der Vorderseite der Kugel ist aber auch eine gute Luftzirkulation und ein Luftaustausch möglich.

 

Autor: Thomas Lehmann

 

Meine umbellata in der Glaskugel auf Moos. Eine sehr dekorative Möglichkeit der Kultur. (Foto: Thomas Lehmann)
(Foto: Thomas Lehmann)