Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

KW 06, 2020

Renanthera bella

Alles lesen Orchidee der Woche 06, 2020

Renanthera bella

Renanthera bella ‚Strub‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

Der englische Botaniker Jeffrey James WOOD beschrieb die Art im Jahr 1981 in „Orchid Review. An Illustrated Monthly Journal Devoted to Orchidology in all its Branches“. WOOD verstarb im vergangen Jahr im Alter von 67 Jahren. Die Orchideenwelt verlor mit ihm einen weltweit anerkannten Experten und großen Wissenschaftler. Insgesamt publizierte er 58 Erstbeschreibungen und zahlreiche Umgruppierungen innerhalb der Orchidaceae. Renathera bella war eine seiner ersten Veröffentlichungen und ist bis heute unumstritten.

Renanthera bella ist eine endemische Art, die man nur in Sabah – einem Bundestatt von Malaysia auf der Insel Borneo – findet. Sie wächst dort auf Höhen von 400 -1200 Meter über dem Meeresspiegel unter temperiert-warmen bis heißen klimatischen Bedingungen. Die epiphytischen Pflanzen besiedeln meist die Stämme alter Bäume in den dortigen Bergwäldern. Niederschlag gibt es das ganze Jahr über in Form von Regen, Nebel und daraus resultierender hoher Luftfeuchtigkeit. Die Standorte sind sehr oft lichtdurchflutet, aber vor direkter Sonneneinstrahlung, besonders zur Mittagszeit, geschützt.

Habitus von Renanthera bella (Foto: Werner Holzmann)

Die monopodiale Art bildet einen dünnen Stamm aus, der im Laufe der Jahre sehr lang werden kann. Dieser ist wechselständig von dunkelgrünen Blättern umhüllt, die sehr dick und fest sind. Das Laub dient als Wasserspeicher für etwas trockenere Perioden. Jedes Blatt ist schmal, circa 10 Zentimeter lang und läuft spitz zu. Direkt am Stamm, in den Blattachseln, entspringen die Infloreszenzen, die bis zu 45 Zentimeter lang werden und bis zu zwei Verzweigungen haben können. Am Blütentrieb entstehen dadurch zahlreiche Blüten, die sich gleichzeitig öffnen. Die Grundfarbe ist ein leuchtendes Gelb, das an den schmalen Tepalen fast komplett rot überfärbt ist. Das Labellum ist im Vergleich zu anderen Arten aus der Familie der Orchidaceae sehr klein und unauffällig. Lediglich die Tatsache, dass die Lippe weniger rot überfärbt ist, lässt sie etwas herausstechen.

Da Renanthera bella nur sehr langsam wächst, ist sie für die Pflege auf der Fensterbank recht gut geeignet. Bei sehr guter Kultur über lange Jahre kann sie allerdings so hoch werden, dass ein normales Fenster nicht mehr ausreicht. Aber bis dahin vergeht sehr viel Zeit!

Im Folgenden beschreibe ich die Kulturmethode von Werner Holzmann, die der Kultur meiner Renanthera John Losgar, die ich bereits vorgestellt habe, sehr ähnlich ist.

Werner hat seine Pflanze in einem transparenten Kunstofftopf mit grober Rinde getopft. Renantheren lieben viel Frischluft an den Wurzeln und wollen auch nicht zu lange nass bleiben. Aus diesem Grund sollte das Substrat nicht zu fein gewählt werden. Sehr gerne bilden sich entlang des Stamms Luftwurzeln aus, die beim Umtopfen mit ins Substrat getopft werden können. Der Stamm selbst darf aber nicht zu tief im Pflanzstoff sitzen, da es sonst recht schnell zur Stammfäule kommen kann, was meist den Tod der Pflanze bedeutet.

Gegossen wird einmal wöchentlich – im Sommer kann es auch alle 5-6 Tage sein, wenn es richtig heiß und die Luftfeuchtigkeit nicht sonderlich hoch ist. Alle vier Wochen bekommt Renanthera bella bei Werner eine ordentliche Protion Dünger. Sein Düngerwasser hat dann einen Leitwert von 500 – 600 Mikrosiemens/cm. Hier unterscheidet sich unsere Kultur minimal. Ich dünge nicht alle paar Wochen, sondern vom Frühjar bis in den Herbst bei jedem Wässern. Dafür aber in niedrigerer Konzentration. Mein Tauchwasser hat einen Leitwert von 300 – 350 Mikrosiemens/cm im Sommer. Im Winter nur 150 – 200. Tauchen halte ich bei Renantheren für besser als gießen, da die Wurzeln etwas Zeit brauchen, um sich vollzusaugen. Wie bei vielen Epiphyten erkennt man eine farbliche Veränderung beim Wässern. Gut mit Wasser vollgesogen sind die Wurzeln grün. Wenn sie abgetrocknet sind, werden sie silbrig.

Renanthera bella steht an einem Südfenster, über dem ein kleiner Balkon aus dem ersten Stock herausragt. Somit bekommt die Pflanze im Sommer keine direkte Mittagssonne ab, steht aber sehr hell. Im Winter, wenn die Sonne tief steht, bekommt sie auch direkte Sonneneinstrahlung am Mittag ab. Diese hat aber nicht die Kraft wie in den Sommermonaten und wird ohne Probleme vertragen. Morgen- und Abendsonne ist während des ganzen Jahres kein Problem und wegen des Lichthungers der Art sogar empfehlenswert.

Die Temperaturen gehen im Winter auf ca. 16-17 Grad zurück – sowohl bei Werner wie auch bei mir. Tagsüber sind es knapp über 20 Grad und wenn die Sonne richtig scheint im Winter, steigen die Temperaturen bei mir sogar bis an die 30 Grad. Da Renanthera bella am Naturstandort aber auch sehr hohe Temperaturen gewohnt ist, verträgt sie die Sommerhitze ohne Probleme.

Die leuchtend gelb-roten Blüten sind ein echter Hingucker und halten sich über mehrere Wochen. Zumindest eine Renanthera sollte in jeder Orchideensammlung stehen, finde ich. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Auch wenn die Art im Laufe der Jahre sehr hoch werden kann, bleibt sie in den ersten Jahren sehr kompakt (Foto: Werner Holzmann)
Seitenansicht von Renanthera bella (Foto: Werner Holzmann)
Infloreszenz von Renanthera bella ‚Strub‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Renanthera bella (Foto: Werner Holzmann)
Infloreszenz von Renanthera bella (Foto: Werner Holzmann)

KW 05, 2020

Coelogyne speciosa

Alles lesen Orchidee der Woche 05, 2020

Coelogyne speciosa

Coelogyne speciosa (Foto: Werner Holzmann)

Der deutsch-niederländische Botaniker Carl Ludwig Ritter von BLUME beschrieb die Art erstmalig im Jahr 1825 unter dem Namen Chelonanthera speciosa in „Bijdragen tot de Flora van Nederlandsch Indië„. Fünf Jahre später gruppierte John LINDLEY – Vater der modernen Orchideenkunde – diese Naturform in die Gattung Coelogyne um, die er im Jahr 1824 in „Genera and Species of Orchidaceous Plants“ aufgestellt hatte. Trotz des Versuchs von KUNTZE, die Art in die Gattung Pleione zu überführen, ist Coelogyne speciosa bis heute der von Kew anerkannte Name.

Habitus von Coelogyne speciosa (Foto: Werner Holzmann)

Beheimatet ist Coelogyne speciosa in Asien. Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Malaysia bis nach Borneo und über die indonesischen Inseln Java und Sumatra. Die Art besiedelt dort Regenwälder auf Höhen von 700 bis 2000 Metern über dem Meeresspiegel. Die meisten Pflanzen wachsen epiphytisch, ganz selten findet man aber auch Individuen, die terrestrisch wachsen. Die Temperaturbedingungen sind je nach Standort kühl bis warm, hauptsächlich aber kühl-temperiert. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, außerdem herrscht eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Coelogyne speciosa bevorzugt halbschattige Standorte.

Jede ovale Pseudobulbe trägt ein Blatt, das fächerartig geformt ist und spitz zuläuft. Das dunkelgrüne Laub wird von festen Stielen getragen, die oben auf den Pseudobulben sitzen. Ebenfalls von dort aus entpringen die Infloreszenzen, die leicht überhängend wachsen und mehrere nacheinander aufgehende Blüten hervorbringen. Während die Tepalen von einem hellen Rotbraun bis zu einem zarten Gelbgrün variieren können, ist das Labellum im Zentrum und an den Seitenlappen immer rotbraun gefärbt. Der Vorderlappen ist immer strahlend reinweiß. Die Petalen richtien sich sehr stark nach hinten und werden erst im Profil wirklich sichtbar. Das dorsale Sepalum neigt sich nach vorne über die Lippe. Die Infloreszenzen können ganzjährig erscheinen. Die Hauptblütezeit beginnt im Frühling und reicht bis in den Sommer. Die Blüten haben einen markanten moschusartigen Geruch.

Laut der Aussage von Werner Holzmann, der Coelogyne speciosa seit vielen Jahren kultiviert, ist es eine der unkompliziertesten Coelogynen und für die Kultur auf der Fensterbank bestens geeignet. Im Folgenden beschreibe ich euch seine Kulturerfahrungen:

Werner Holzmann kultiviert die Art unter kühl-temperierten Bedingungen. Seine Pflanze steht ganzjährig auf einem Tisch, der ca. 50 cm von einem großen Ostfenster entfernt ist. Das Fenster ist immer geöffnet, nur wenn die nächtlichen Temperaturen unter -2 Grad fallen, wird es nachts geschlossen. Dadurch entsteht ein recht großes Tag/Nacht-Temperaturgefälle  – im Sommer wie im Winter. Der Standort ist zwar sehr hell, aber nur sehr selten fallen am Morgen Sonnenstrahlen direkt auf die Pflanze.  Im Sommer kann Coelogyne speciosa auch im Freien kultiveirt werden, wenn man ein schattiges Plätzchen bieten kann.

Als Substrat nutzt Werner gut durchlässige, nicht zu feine Rinde ohne weitere Zusatzstoffe. Gegossen wird ganzjährig ohne ausgeprägte Trockenzeit, im Winter jedoch seltener, da der Pflanzstoff wegen der niedrigeren Temperaturen länger braucht, bis er antrocknet. Staunässe über einen längeren Zeitraum – besonders in Verbindung mit Kühle oder gar Kälte – kann zu Fäulnis führen, was den Tod der Pflanze bedeuten würde. Aus diesem Grund lässt Werner das Substrat zwar antrocknen, aber niemals ganz austrocknen. Da die Pflanzen recht kompakt bleiben und die überhängenden Infloreszenzen auch nicht zu lang  werden, ist eine Kultur im Topf ohne Probleme möglich. Im Gegensatz zu einigen anderen Coelogyne-Arten wird ein Umtopfen oder Teilen der Pflanze nicht mit dem Ausbleiben von Blüten bestraft. Wie oben schon erwähnt, ist Coelogyne speciosa wirklich unkompliziert und einfach in der Pflege.

Da die Wurzeln von  Coelogynen sehr empfindlich auf Salz reagieren können, verwendet Werner die Reste seines normal aufgedüngten Wassers und verdünnt dieses nochmals mit klarem Wasser. Der Leitwert liegt dann ungefähr bei 200 Mikrosiemens/cm.

Die Infloreszenzen erscheinen bereits zusammen mit dem Neutrieb. Gelegentlich muss durch das Entfernen der Hüllblätter ein wenig „Geburtshilfe“ geleistet werden, damit die Blüten nicht steckenbleiben. Nach Werners Erfahrung passiert das oft in Verbindung mit zu hohen Temperaturen.

Der markante Blütenduft und die lange Blühdauer machen Coelogyne speciosa zu einer wirklich interessanten Naturform, die keine zu hohen Pflegeansprüche stellt und daher auch gut für Anfänger geeignet ist. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Die überhängenden Infloreszenzen bleiben recht kurz. (Foto: Werner Holzmann)
Blütenfoto von Coelogyne speciosa (Foto: Werner Holzmann)

 

 

KW 04, 2020

Phragmipedium fischeri

Alles lesen Orchidee der Woche 04, 2020

Phragmipedium fischeri

Phragmipdium fischeri ‚Zuckersüß‘ BM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)

In einem „Leaflet of the Schlechter Institute“ aus dem Jahr 1996 beschrieben Prof. Guido Jozef BRAEM und Hartmut MOHR die Art erstmalig. Das Typusexemplar wurde von Jerry FISCHER, Inhaber der amerikanischen Orchideengärtnerei Orchids Ltd., aus Ecuador als Phragmipedium schlimii importiert. Schon beim Erhalt auf einer Orchideenausstellung in den Vereinigten Staaten wunderte er sich über den deutlich unterschiedlichen Wuchs im Vergleich zu Phrag. schlimii. Als eine der importierten Pflanzen erstmalig bei ihm erblühte, erkannte er sofort, dass dies nicht Phragmipedium schlimii sein konnte, und sandte eine Pflanze zur Identifizierung an das Schlechter Institute in Gemünden. BRAEM und MOHR benannten diese neue Naturform nach Jerry FISCHER, dem Entdecker. Obwohl es noch immer einige Unklarheiten und Diskussionen in der Sektion Micropetalum gibt, finden sich bei Phragmipedium fischeri doch einige signifikante Unterschiede zu Phragmipedium schlimii und auch zu Phragmipedium andreettae, sodass der Artenstatus berechtigt scheint.

Phrag. fischeri ‚Zuckersüß‘ im direkten Vergleich mit Phrag. schlimii f. manzurii ‚Mike‘ – man erkennt sofort die Unterschiede. (Foto: Thomas Lehmann)

Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom nördlichen Ecuador bis weit nach Kolumbien hinein. Phragmipedium fischeri wächst dort terrestrisch oder lithophythisch entlang von kleinen Bächen und Flüssen sowie an steilen Felswänden. Die Standorte sind immer sehr hell, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung. Man findet die Art auf Höhen von 1000 – 1500 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturbedingungen sind eher kühl bis temperiert. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, wobei diese im Winter etwas seltener sind als im Sommer. Durch die Nähe zu fließenden Gewässern und die sehr hohe Luftfeuchtigkeit trocknet das Habitat aber niemals aus und ist stets sehr feucht.

Phragmipedium fischeri zählt zu den kleinwüchsigen Spezies seiner Gattung. Der sehr kurze und dünne Stamm ist komplett von drei bis fünf wechselständig angeordneten Blättern umhüllt. Das Laub ist ein bis drei Zentimeter breit und höchstens 20 cm lang. Die Blätter sind leicht gekielt, dunkelgrün und laufen spitz zu. Endständig entspringt die Infloreszenz, die ungefähr 20 cm hoch wird. Jeder Blütentrieb bildet zwei bis fünf Blüten aus, die sich nacheinander öffnen. Nur sehr selten sind zwei Blüten zur gleichen Zeit geöffnet. Sie werden vier bis fünf Zentimeter breit und lediglich drei bis vier Zentimeter hoch. Das sehr runde Labellum ist intensiv violettrot gefärbt. Petalen und Fahne sind in der Grundfarbe weiß und ebenfalls mit einem violettroten Ton überzogen. Die Farbintensität variiert bei Phragmipedium fischeri sehr stark. Die gesamte Blüte ist mit unzähligen Härchen bedeckt. Sehr häufig ist das Staminodium verkrüppelt oder fehlt komplett. Die Blüten duften nicht.

Im Vergleich zu Phragmipedium schlimii und auch Phragmipedium andreettae wächst die Art enorm langsam, weshalb sie in meinem Freundeskreis als „schneckliches“ Phragmipedium bezeichnet wird. Vom Aufploppen einer Blüte bis zum kompletten Entfalten können auch mal vier Tage vergehen – nichts für schwache Nerven also! Obwohl sie am Naturstandort eher kühl-temperierten Bedingungen ausgesetzt ist, wächst sie auch unter temperiert-warmen auf der Fensterbank sehr gut.

Seitenansicht von Phrag. fischeri ‚Zuckersüß‘ (Foto: Thomas Lehmann)

Da Phragmipedium fischeri in sehr feuchten bis nassen Gebieten vorkommt, kann es sehr gut mit nassem Fuß kultiviert werden. Meine Pflanze steht in einer Schale, die immer mit etwas Wasser gefüllt wird, sobald sie leer gesaugt ist. Zwischenzeitliches Austrocknen verhindert eine Verkeimung des Wassers, wodurch sich die Pflanze infizieren könnte. Das Substrat selbst sollte aber nicht komplett durchtrocknen. Phragmipedien haben den Ruf sehr salzempfindlich zu sein, was für einige Naturformen auch durchaus zutreffend ist. Ich habe in den letzten 10 Jahren Phragmipedium-Kultur aber die Erfahrung gemacht, dass einige Arten und besonders Hybriden nicht generell empfindlich auf gelöste Salze im Wasser reagieren. Viel mehr kommt es scheinbar darauf an, wie die Wasserqualität ist und welche Stoffe sich in welchem Verhältnis darin befinden. Reines Wasser – egal ob Regenwasser, Quellwasser, Osmosewasser oder ähnliches – das mit einem ausgewogenen Orchideendünger aufgedüngt wird, darf dann auch ruhig etwas mehr Nährstoffe beinhalten. Mein Phrag. fischeri bekommt in den warmen und hellen Sommermonaten teilweise aufgedüngtes Wasser, das einen Leitwert von 350 – 500 Mikrosiemens hat. Im Winter dünge ich allerdings nicht. Da gibt es klares Quellwasser mit wenig gelösten Salzen. Ab März steigere ich die Düngergaben langsam, bis sie im Juli/August ihren Höhepunkt erreichen. Danach wird langsam wieder weniger gedüngt. Ab Oktober dann gar nicht mehr. Den Sommer über lagern sich genügend Düngerreste im Substrat an, die die Pflanze im Winter mit Nährstoffen versorgen.

Phragmipedium fischeri ‚Andreas‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Mein Standard-Pflanzstoff für Phragmipedium besteht aus einer Mischung mit Rindenanteil, Perliten, Bimskies und Holzkohle. Rinde hat den Nachteil, dass sie sich durch die ständige Feuchtigkeit recht schnell zersetzt. Allerdings werden bei diesem Zersetzungsprozess auch Nährstoffe frei. Nach zwei bis drei Jahren sollte dann aber neu getopft werden, bevor sich das Substrat zu sehr verdichtet und die Wurzeln faulen. Besonders Phragmipedium fischeri hat sehr feine Wurzeln, die eine gute Belüftung lieben, da sie in der Natur oft einfach auf Steinen wachsen und sehr viel Frischluft erhalten. Die einzelnen Substratteile sollten also nicht zu fein sein. Bewährt hat sich bei mir eine Körnung von acht bis zwölf Millimeter für Phragmipedium fischeri. Perlite gebe ich mit dazu, weil sie einerseits das Substrat luftig machen und andererseits gut Wasser speichern können. Bimskies gibt etwas Kalk ab und hat ebenfalls die Fähigkeit, Wasser zu speichern und weiterzuleiten. Um in dem feuchten Substrat für etwas trockenere Stellen zu sorgen, nutze ich Holzkohle, die sich nicht mit Wasser vollsaugt und dadurch trockener bleibt. Die Körnung aller Bestandteile sollte nicht zu fein, aber auch nicht zu grob sein, je nach Topfgröße Körnungen von 5 bis 18 mm. Auch in rein mineralischen Substraten, in Sphagnum-Moos oder Steinwollwürfeln fühlt sich Phragmipedium fischeri wohl. Ich habe schon einiges ausprobiert und die Erfahrung gemacht, dass es nur wichtig ist, dass viel Wasser vom Substrat aufgenommen und gehalten werden kann.

Phragmipedien mögen es hell, aber keine direkte Mittagssonne. Sonnenschein am Morgen oder Abend wird aber gut vertragen, wenn er nicht zu lange auf die Blätter brennt. Werden diese gelblich, muss unbedingt schattiert oder die Pflanze umgestellt werden. Nachts können die Temperaturen auf 10 Grad fallen, müssen sie aber nicht. Phragmipedium fischeri wächst sehr gut bei normalen Zimmertemperaturen – auch in beheizten Räumen mit etwas trockener Luft, wenn regelmäßig gelüftet wird. Bei zu wenig Frischluft oder Luftbewegung können sich Pilze bilden, die die Pflanze sehr schwächen und im Extremfall auch töten können, wenn nicht mit einem Pilzmittel behandelt wird.

Durch die kompakte Größe und das leuchtende Rotviolett der haarigen Blüten ist Phragmipedium fischeri ein echter Hingucker. Die Kultur ist nicht sonderlich schwer, wenn man genug Geduld aufbringen kann, dieser „Schnecke“ beim Wachsen zuzusehen. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Phragmipedium fischeri ohne Staminodium (Foto: Thomas Lehmann)
Habitusbild von Phragmipedium fischeri (Foto: Thomas Lehmann)
Auch im Profil lassen sich deutliche Unterschiede zu Phrag. schlimii erkennen (Foto: Thomas Lehmann)
Profilansicht von Phragmipedium fischeri ‚Zuckersüß‘ BM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Leicht deformiertes Staminodium von Phrag. fischeri (Foto: Thomas Lehmann)

KW 03, 2020

Phalaenopsis Zheng Min Pheasant

Alles lesen Orchidee der Woche 03, 2020

Phalaenopsis Zheng Min Pheasant

Phalaenopsis Zheng Min Pheasant (Foto: Thomas Lehmann)

Am 08. Oktober 2017 wurde Phalaenopsis Zheng Min Pheasant in das Register der Royal Horticultural Society eingetragen. Angemeldet wurde die Hybride vom taiwanesischen Hobby-Züchter Zheng-Min Su, der sich auch Peter Su nennt und in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Phalaenopsis-Kreuzungen geschaffen hat. In den allermeisten Fällen beginnen die Namen seiner Kreuzungen mit seinem eigenen Vornamen – Zheng Min. Pheasant ist das englische Wort für Fasan. Da Peter Su beim Anblick des Labellums sofort an einen Fasan denken musste, benannte er die Hybride danach. Die Eltern von Phal. Zheng Min Pheasant sind die Hybriden Phal. Tying Shin Beagle und Phal. Zheng Min Neon. Da beide Elternteile bereits höhere Hybriden sind, die vielzählige Naturformen in sich vereinen, besteht der Stammbaum von Phalaenopsis Zheng Min Pheasant aus insgesamt 14 Arten:

  • 41,41% Phal. venosa
  • 25,98% Phal. violacea
  • 6,84% Phal. amboinensis
  • 6,25% Phal. bellina
  • 6,25% Phal. equestris
  • 4.68% Phal. lueddemanniana
  • 3,13% Phal. micholitzii
  • 1,56% Phal. fasciata
  • 1,27% Phal. amabilis subsp. amabilis
  • 1,19% Phal. amabilis
  • 0,78% Phal. hieroglyphica
  • 0,53% Phal. aphrodite
  • 0,01% Phal. stuartiana
  • 0,01% Phal. schilleriana
Phalaenopsis Zheng Min Pheasant von Sylvia Toenne mit deutlichem Violettstich (Foto: Sylvia Toenne)

Auf jede einzelne Phalaenopsis-Art aus dem Stammbaum kann ich natürlich nicht eingehen. Allgemein gilt aber, dass Phalaenopsis epiphytisch wachsen und im gesamten asiatischen Raum heimisch sind. Bis auf ganz wenige Ausnahmen findet man sie an sehr warmen bis heißen Standorten mit hoher Luftfeuchtigkeit und eher diffusem Licht. An richtig sonnigen Plätzen wird Phalaenopsis nicht angetroffen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über. Dadurch wachsen die Pflanzen auch ganzjährig und machen keine Ruhepause.

Phalaenopsis sind monopodial wachsende Pflanzen. D. h. sie haben nur einen einzigen Spross, der jedoch dauerhaft weiterwächst, indem er neue Blätter bildet, und nicht mit der Blüte seinen Abschluss findet. Am Spross entwickeln sich über viele Jahre – manchmal auch Jahrzehnte – hinweg immer wieder neue Infloreszenzen. Am dünnnen, kaum sichtbaren Stamm sitzen wechselständig feste, fleischige Blätter. Je nach Art können diese sehr kurz bleiben oder auch sehr lang werden. Sie sind immer dunkelgrün und meist glänzend. Das Laub weniger Arten hat eine Zeichnung, die meisten sind aber einfarbig. Zwischen den einzelnen Blättern entspringen die Infloreszenzen, die eine bis unzählige Blüten tragen können.

Bei unserer heutigen Hybride Phalaenopsis Zheng Min Pheasant hat das Laub eine Länge von ungefähr 20-25 cm. Es glänzt sehr stark und hat keine Zeichnung. Die einzelnen Blätter sind sehr breit und dadurch fast rundlich. Im Winter erscheinen die mit 7-10 cm recht kurzen Infloreszenzen, die über mehrere Jahre grün bleiben und vom Winter bis in den frühen Sommer hinein Blüten tragen. Meistens sind an jedem Blütentrieb nur ein bis zwei Blüten gleichzeitig geöffnet, über die Jahre können aber durch mehrere Infloreszenzen auch viele Blüten an einer Pflanze gleichzeitig erblühen. Die Blüten der Hybride variieren nur sehr wenig. Ihre Form ist sehr rund und geschlossen, in der Regel sehr weit geöffnet und daher im Seitenprofil sehr flach. Die Farbe ist ein sehr dunkles Violettrot, das je nach Lichteinfall mal richtig „Ketchup“-rot oder auch strahlend violett wirken kann. Im Zentrum leuchtet die Blüte immer violett. Manche Klone haben einen sehr hellen Rand an den Tepalen, andere wiederum gar nicht. Das Labellum kann weiß, gelb oder violett sein. In der Regel ist es eine Kombination aus zwei der genannten Farben. Einige Phalaenopsis Zheng Min Pheasant haben einen angenehmen Duft.

Eine Kultur auf der Fensterbank ist ohne großen Aufwand möglich. Da die beteiligten Naturformen allesamt warme bis heiße Bedingungen mögen, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Phalaenopsis-Hybride. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 16-18 Grad fallen. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln oder im Herz sammelt. Trocknet dieses wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Als Pflanzstoff für Phalaenopsis eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Bei sehr kleinen Töpfen kann auch Substrat aus Kokosfasern verwendet werden. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Phalaenopsis zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder komplett silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitsgehalt sehr gut beobachten.

Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-500 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Phalaenopsis Zheng Min Pheasant auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Die ausdrucksstarke Farbe, die runde Form und der angenehme Duft machen diese blühfreudige Phalaenopsis-Hybride zu einem echten Hingucker und Hinriecher. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Im Sonnenlicht, ohne Blitz fotografiert (Foto: Thomas Lehmann)
Habitus mit drei Infloreszenzen in diesem Jahr (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phal. Zheng Min Pheasant (Foto: Thomas Lehmann)
Eine Blüte ohne Labelllum (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blüten von Phal. Zheng Min Pheasant öffnen sich sehr weit und sind daher schön flach (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 02, 2020

Cynorkis angustipetala

Alles lesen Orchidee der Woche 02, 2020

Cynorkis angustipetala

(Syn. Cynorkis guttata)

Cynorkis angustipetala (Foto: Werner Holzmann)

Im Jahr 1885 veröffentlichte der britische Botaniker Henry Nicholas RIDLEY die Erstbeschreibung von Cynorkis angustipetala in „Journal of the Linnean Society. Botany“. In „World Checklist of Selected Plant Families“ (WCSP) wird der Artname bis heute als offizielle Bezeichnung geführt. Sowohl im Handel wie auch in weiten Teilen der aktuellen Fachliteratur findet allerdings sehr oft der Name guttata Verwendung, den Johan HERMANS und Phillip James CRIBB  in einem Artikel in „Orchid Review“ im Jahr 2007 einführten. In manchen Quellen wird angegeben, dass es sich um zwei unterschiedliche Arten handeln soll. Andere Experten sind der Meinung, dass es eine Art ist. Da wir uns als Deutsche Orchideen-Gesellschaft darauf verständigt haben, die von Govaerts et al in der WCSP anerkannten Gattungs- und Artnamen zu benutzen, stellen wir euch die heutige Orchidee der Woche als Cynorkis angustipetala vor. Erworben wurde die Pflanze allerdings als Cynorkis guttata.

Die  Art ist auf Madagaskar endemisch. Sie kommt dort meist terrestrisch in offenen feuchten Wäldern, auf Wiesen und in Sumpfgebieten vor. Ganz selten wächst sie auch epiphytisch. Egal wie der Standort genau aussieht, die Böden, auf denen Cynorkis angustipetala siedelt, sind immer sehr torfhaltig. Während es in den Sommermonaten viel Niederschlag gibt und das Habitat niemals abtrocknet, fällt in den Wintermonaten kaum Regen. Von November bis April ist das Klima richtig heiß. In den Wintermonaten Mai bis Oktober (Madagaskar liegt ja auf der Südhalbkugel) ist es zwar etwas kühler, aber noch immer warm.

Ein junger Austrieb von Cynorkis angustipetala (Foto: Werner Holzmann)

Cynorkis ist eng verwandt mit Habenaria, unterscheidet sich aber durch den Zeitpunkt der Blüte. Nachdem die Knolle von Cynorkis angustipetala eine trockene Winterruhe unter der Erde verbracht hat, schiebt sie zeitgleich mit dem Neutrieb die Infloreszenz aus dem Boden. Erst nach dem Abblühen wächst der Neutrieb heran und bildet ein einzelnes bis zu 30 cm langes Blatt aus, das von einem kurzen Stiel getragen wird. Die Blätter sind hellgrün, glänzend und bleiben am Ansatz leicht zusammengerollt. Im Herbst zieht die Knolle das Blatt ein und geht wieder in die trockene, aber warme Ruhephase. Die Infloreszenzen tragen mehrere Blüten, die kreisförmig angeordnet sind. Wenn sie aufblühen sind sie weiß mit einem violettroten Fleck in der Mitte des Labellums. Im Laufe der Blütezeit färben sie sich   blassviolett. Die Lippe ist der auffälligste Teil der Blüte. Sie spaltet sich in vier längliche Bereiche. Die Petalen sind kurz – worauf der Artenname angusitpetala schon hinweist –  und etwas nach hinten geneigt. Das dorsale Sepalum sitzt helmartig über den Geschlechtsorganen.

Kultviert werden kann Cynorkis angustipetala wie die bereits vorgestellten Arten der Gattung Habenaria. Im Folgenden beschreibe ich euch die Kulturmethode von unserem „Orchideendoktor“ Werner Holzmann:

Im Januar, während sich die Knollen noch in ihrer trockenen, aber warmen Winterruhe befinden, topft er sie in frisches Substrat. Er nimmt dafür feine Rinde, feines Tongranulat und Bimskies. Sollte an der Knolle schon ein kleiner Neutrieb zu sehen sein, muss man sehr aufpassen, dass man diesen nicht verletzt. Schädigt man ihn zu sehr oder bricht in gar ab, besteht die Gefahr, dass kein weiterer Trieb gebildet wird und die Pflanze abstirbt. Es ist auch wichtig, den Neutrieb nach oben zu richten, damit er nicht ins Substrat hineinwächst, sondern den Weg ans Licht schnell und ohne Kraftaufwand findet.

Mit dem ersten Austrieb, der bereits die Infloreszenz mit sich bringt, gibt Werner Holzmann langsam und sehr vorsichtig erste kleine Wassergaben. Aber noch sollte das Substrat nicht komplett feucht oder gar nass gehalten werden, da die Knolle sonst wegfaulen könnte. Zartes Gießen am Topfrand reicht in dieser Zeit völlig aus. Erst wenn das neue Blatt deutlich zu wachsen beginnt, kann stärker gegossen werden. Das Substrat sollte dann komplett durchfeuchtet sein und während der gesamten Wachstumsperiode auch nicht mehr ganz austrocknen. Am natürlichen Standort ist das die Regenzeit, in der es 15-20 Tage im Monat Niederschlag gibt.

Gedüngt wird nur in schwacher Konzentration und nur während der Wachstumsperiode. Da die Pflanze über den Winter komplett trocken steht und kein Wasser erhält, gibt es in dieser Zeit natürlich auch keinen Dünger.

Die Pflanze von Werner Holzmann steht an einem sehr hellen Fenster mit Südausrichtung, das allerdings durch einen darüber liegenden Balkon schattiert wird, sodass lediglich die sehr tief stehende Morgen- und Abendsonne etwas auf die Pflanze fällt. Auch im Winter bleibt sie an diesem warmen Platz stehen. Auf keinen Fall sollte die starke Mittagssonne im Sommer auf die Blätter scheinen, da diese sonst regelrecht verbrennen würden. Die Naturstandorte von Cynorkis angustipetala liegen auch in eher schattigen Bereichen der Wälder, Wiesen und Moore Madagaskars.

Im Hochsommer, zwischen August und September, sollte der Neutrieb von Cynorkis angustipetala ausgereift sein. Danach wird  das Wässern langsam reduziert. Wenn die Blätter anfangen einzuziehen und sich braun verfärben, wird das Gießen komplett eingestellt und die Pflanze beginnt damit ihre Ruhephase, die bis zum Neuaustrieb im zeitigen Frühjahr dauert.

Mit einem Substratwechsel am Anfang des Folgejahres beginnt der Zyklus für die Pflanze – und die Kultur – von Neuem. Im Laufe der Jahre bildet die Knolle von Cynorkis angustipetala Nebenknollen, durch die sie sich ausbreitet und vermehrt. Man kann die Knollen zusammen topfen oder auch vereinzeln.

Durch ihre wirklich imposanten Blüten und deren kreisförmige Anordnung ist Cynorkis angustipetala ein echter Blickfang im zeitigen Frühjahr. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Die Infloreszenzen erscheinen bei Cynorkis, anders als bei Habenaria, aus dem noch jungen Neutrieb. (Foto: Werner Holzmann)
Seitenansicht der Blüten von Cynorkis angustipetala (Foto: Werner Holzmann)

 

KW 01, 2019

Dendrobium subuliferum

Alles lesen Orchidee der Woche 01, 2019

Dendrobium subuliferum

Dendrobium subuliferum ‚Wasen‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

Im Jahr 1911 beschrieb der belgische Orchideenforscher Johannes Jacobus SMITH Dendrobium subuliferum erstmalig in einem Artikel von „Bulletin du Jardin Botanique de Buitenzorg“. Der deutsche Botaniker Stephan RAUSCHERT überführte die Art 1983 in die Gattung Pedilonum, was sich allerdings bis heute nicht durchsetzte. Gelegentlich taucht Pedilonum subuliferum aber in der Literatur auf. Mit „auf Bäumen lebend und Pfrieme tragend“ lässt sich der Name Dendrobium subuliferum in etwa übersetzen. Aus déndron, der Baum, und bios, das Leben, setzt sich der Gattungsname zusammen, der sich damit erklären lässt, dass die meisten Dendrobien Epiphyten sind, die auf Bäumen leben. Der Artname subuliferum,  Pfriem tragend (Pfriem/Ahle = spitz zulaufender, dünner Metallstift), bezieht sich auf die schmalen, spitz zulaufenden Blätter der Art, die an das Werkzeug eines Schuhmachers erinnern.

Dendrobium subuliferum aus der Kultur von Gabi Mayr und Frank Siebach (Foto: Frank Siebach)

Heimisch ist Dendrobium subuliferum in Papua und Neuguinea, wo es dichte Nebelwälder mit schattigen, moosbewachsenen Standorten in Höhenlagen von 300-2000 Metern über dem Meeresspiegel besiedelt. Die Temperaturbedingungen dort können als heiß bis kühl bezeichnet werden. Niederschlag gibt es das ganze Jahr hindurch, in den Sommermonaten allerdings deutlich weniger als im Winter. Die Luftfeuchtigkeit ist allerdings ganzjährig so hoch, dass das Habitat niemals austrocknet.In den meisten Fällen wird die Pflanze ihrem Namen gerecht und kommt auf Bäumen vor, gelegentlich wächst sie aber auch terrestrisch.

Die kleinen Pflanzen bilden dünne Pseudobulben aus, die jeweils vier bis sechs wechselständig wachsende Blätter tragen. Das Laub ist dunkelgrün, fest und sehr dünn. Die Oberfläche ist mit kleinen, warzenartigen Erhebungen bedeckt. In den Blattachseln entstehen die kurzen Infloreszenzen, die im Normalfall eine einzelne weiße Blüte tragen, ganz selten findet man auch mal zwei. Die Blüten sind nicht resupiniert, das heißt das Labellum zeigt nach oben. Sie sind reinweiß und funkeln, als wären sie mit feinem Diamantstaub bedeckt. Lediglich die Spitze der Säule ist zart violettrot überhaucht. Manche Pflanzen duften, aber nicht alle.

Dendrobium subuliferum ‚Luc‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Nachfolgend beschreibe ich euch die Kultur unserer Mitglieder Gabi Mayr und Frank Siebach, die die Art seit vielen Jahren sehr erfolgreich kultivieren:

Die Pflanze ist getopft in einer Mischung aus Sphagnum-Moos, feiner Rinde und Xaxim. Das Moos ist in diesem Falle kein getrocknetes und somit totes Moos, sondern frisches, lebendes. Durch die andauernde Feuchtigkeit, die im Topf aufrecht erhalten wird, wächst das Moos weiter und bildet einen regelrechten Teppich auf der Oberfläche des Pflanzstoffs. Lebendmoos ist ein guter Indikator, um die Feuchtigkeit zu kontrollieren. Solange es wächst und schön grün gefärbt ist, herrscht genau das für Dendrobium subuliferum richtige Klima im Topf. Durch die andauernde Feuchtigkeit zersetzt sich allerdings die Rinde recht zügig. Auch das Moos im Topf reichert schnell überschüssigen Dünger in Form von Salzen an. Daher ist es notwendig alle zwei Jahre das Substrat zu wechseln.

Gegossen wird im Sommer und im Winter immer so, dass das Substrat nie austrocknet. Dadurch muss in der warmen Jahreszeit natürlich etwas öfter gewässert werden als in den kalten Wintermonaten. Das Gießwasser ist nur schwach aufgedüngt. Der Leitwert beträgt maximal auf 100 µs/cm. Bei zu hohen Düngergaben verbrennen die Wurzeln von den im Wasser gelösten Salzen und sterben dann ab. Gedüngt wird Dendrobium subuliferum von Gabi Mayr und Frank Siebach mit einem 3-Komponenten-Dünger. Gelegentlich unterstützen sie die Pflanzenernährung mit Huminsäuren.

Die Pflanze hängt das ganze Jahr über im Gewächshaus. Im Sommer bekommt sie die Morgensonne ab, allerdings leicht schattiert durch die matten Scheiben des Gewächshauses. Den Rest des Tages verbringt sie im Schatten ohne direkte Sonneneinstrahlung. Im Winter beleuchten unsere beiden Mitglieder zusätzlich mit einer LED-Pflanzenlanpe, die die Lichtarmut hier bei uns in Mitteleuropa etwas ausgleicht. Die Temperaturen fallen im Winter niemals unter 15 Grad. Im Sommer wird das Klima im Gewächshaus so gesteuert, dass das Thermometer möglichst nicht 30 Grad übersteigt. Von März bis Septemper sorgt ein Vernebler im Gewächshaus dafür, dass die Luftfeuchtigkeit ununterbrochen sehr hoch ist. Besonders nachts fördert es das Pflanzenwachstum, wenn sich auf den Blättern Tau bilden kann. Ideale Bedingungen, die auf der Fensterbank natürlich so nicht ganz umgesetzt werden könnten.  Dendrobium subuliferum dankt seinen Besitzern diese möglichst naturgetreue Kultur mit einer Vielzahl an Blüten, die sich im Herbst und Winter öffnen.

Natürlich lässt sich diese wirklich schöne Naturform mit ihren edlen weißen Blüten auch auf der Fensterbank kultivieren. Schließlich hat nicht jeder das Glück ein Gewächshaus im Garten stehen zu haben. Traut euch einfach! Viel Erfolg bei der Kultur!

Autor: Thomas Lehmann

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Dendrobium subuliferum (Foto: Frank Siebach)
Dendrobium subuliferum ‚Eerika‘ SM/DOG für die Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Dendrobium subuliferum ‚Dalles‘ SM/DOG für die Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

 

 

KW 52, 2019

Dryadella aurea

Alles lesen Orchidee der Woche 52, 2019

Dryadella aurea

Dryadella aurea – die kleine, goldene Waldnymphe (Foto: Werner Holzmann)

Der erst kürzlich verstorbene amerikanische Botaniker Carlyle August LUER – ein weltweit anerkannter Spezialist für Pleurothallidinae – und sein ecuadorianischer Kollege Alexander Charles HIRTZ beschrieben die Art erstmalig im Jahr 1999 in  „Monographs in Systematic Botany from the Missouri Botanical Garden 76: 159“. Der Gattungsname Dryadella leitet sich vom lateinischen Wort Dryas ab. Dryaden sind Baumnymphen, die ihren Ursprung in der griechischen Mythologie haben, wo sie als Gottheiten mit Sitz in großen sommergrünen Eichen angesehen wurden. Die Endung -ella ist das Diminutiv, also eine Verniedlichung dieser Baumnymphen. Der Artname aurea lässt sich mit golden, oder goldgelb übersetzen. Dryadella aurea sind also kleine, goldene Baumnymphen. Angesichts des epiphytischen Vorkommens der Art eine wirklich treffende und schöne Namensgebung, wie ich finde.

Habitus von Dryadella aurea (Foto: Werner Holzmann)

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Dryadella aurea erstreckt sich von Ecuador bis nach Peru. Die Art wächst dort auf Höhen von 700 – 950 Metern über dem Meeresspiegel unter temperiert bis kühlen Bedingungen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch. Die Luftfeuchtigkeit in den Regenwäldern der Anden ist ebenfalls ganzjährig sehr hoch. Das Habitat trocknet demnach niemals aus. Die kleinen und empfindlichen Pflanzen werden vom Laub der großen Bäume vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt.

Wie die meisten Pflanzen der Pleurothallidinae hat Dryadella aurea keine Speicherorgane. An einem kurzen und dünnen Stiel sitzt ein einzelnes festes Blatt. Der Stiel ist nur einen Zentimeter lang und von einer trockenen Hülle umgeben. Das Blatt ist dunkelgrün, stark gekielt und hat eine abgerundete Spitze. Das Laub wird bis zu 5 cm lang. Am unteren Ende des Stiels, geschützt von der trockenen Hülle, entspringt die Infloreszenz, die nur 1-2 cm lang wird und eine einzelne leuchtend gelbe Blüte trägt. Die Sepalen dominieren das Erscheinungsbild der Blüten. Die Petalen und das Labellum sitzen im Schlund der Blüte und werden zusammen mit den Geschlechtsteilen vom darüberliegenden Sepalum geschützt. Während Lippe, Petalen und Synsepalen durchgefärbt sind, ist das dorsale Sepalum leicht durchscheinend.

Kultivieren lässt sich Dryadella aurea zwar auch getopft in feiner Rinde, Sphagnum-Moos oder auch mineralisch, wesentlich einfacher ist aber eine aufgebundene Kultur in einer Vitrine oder einem Gewächshaus. Im Folgenden stelle ich euch die Kulturmethode von Werner Holzmann vor, der die Art seit einigen Jahren erfolgreich in einer Orchideenvitrine pflegt:

Wie oben schon erwähnt besitzt Dryadella aurea keine Speicherorgane und muss somit dauerfeucht gehalten werden. Auch hohe Luftfeuchtigkeit wirkt sich sehr positiv auf Wachstum und Blühfreudigkeit aus. Aus diesem Grund kultiviert Werner Holzmann seine Pflanze in seiner Orchideenvitrine, wo hohe Luftfeuchtigkeit leichter zu erreichen ist. Er besprüht die kleine Pflanze täglich mit salzarmem Wasser. Mehrmals täglich laufen kleine Ventilatoren, die dafür sorgen, dass die Blätter abtrockenen können und nicht zu faulen beginnen. Alle vier Wochen gibt es etwas Dünger mit ins Wasser. Der Leitwert des Düngerwassers liegt bei 150-200 Mikrosiemens/cm.

Natürliches Tageslicht erhalten die Pflanzen in seinem Orchidarium nicht. Er beleuchtet ausschließlich mit Kunstlicht.  Derzeit nutzt er dafür noch eine Leuchtstoffröhre, die speziell auf die Kultur von Pflanzen ausgelegt ist. Aufgrund des Stromverbrauchs und des Umweltschutzes ist eine Umstellung auf LED-Lampen geplant. Ein weiterer Vorteil von LED-Lampen ist, dass sie kaum Temperatur erzeugen, was bei kühler zu kultivierenden Pflanzen natürlich deutlich besser ist. Leuchtstoffröhren können sehr heiß werden und je nach Anbringung die Vitrine stark aufheizen. Die Temperaturbedingungen in der Vitrine sind kühl-temperiert, da sie in einem unbeheizten Raum steht, in dem das Fenster nur bei Frost geschlossen wird. Im Sommer wird es natürich auch mal etwas wärmer, was den Pflanzen aber nicht schadet.

Als Unterlage zum Aufbinden nimmt Werner Holzmann sehr gerne Presskork. Er mag vielleicht nicht so langlebig sein, da er sich durch die andauernde Feuchtigkeit schnell zersetzt, dafür lässt er sich aber ganz einfach zerbröseln, wenn es an der Zeit ist die Pflanze neu aufzubinden. Früher oder später muss jede Unterlage ausgetauscht werden. Bei harten Materialien, die sich nicht zersetzen, hat man dann immer das Problem, dass man die Wurzeln nicht davon lösen kann, ohne sie zu verletzten oder gar abzureißen.

Allein schon wegen ihrer Namensgebung habe ich beim Schreiben dieses Beitrags große Lust bekommen eine kleine, goldene Baumnymphe zu adoptieren. Ihr auch? Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Dryadella aurea hängt bei Werner Holzmann in einer Vitrine und wird ausschließlich mit Kunstlicht beleuchtet (Foto: Werner Holzmann)

KW 51, 2019

Gastrochilus retrocallus

Alles lesen Orchidee der Woche 51, 2019

Gastrochilus retrocallus

Gastrochilus retrocallus (Foto: Thomas Lehmann)

Bunzō HAYATA, ein japanischer Botaniker und Taxonom, beschrieb die Art erstmalig unter dem Namen Saccolabium retrocallum in „Icones Plantarum Formosanarum nec non et Contributiones ad Floram Formosanam“ im Jahr 1914. Drei Jahre später überführte er in einer weiteren Auflage des genannten Werks die Art in die Gattung Gastrochilus, wodurch sich der Artname zu retrocallus änderte. Sein ebenfalls aus Japan stammender Kollege Yûshun KUDÔ veröffentlichte im Jahr 1930 einen Beitrag in „Journal of the Society of Tropical Agriculture. [Nettai nogaku kwaishi]“, in dem er die Art in die Gattung Haraella überführte. Der Name Haraella retrocalla taucht immer wieder in der Literatur auf und ist ein gültiges Synonym für die Art. Der von WCSP (World Checklist of Selected Plant Families) der Kew-Gardens in England anerkannte Name ist aber bis heute Gastrochilus retrocallus.

Der Gattungsname setzt sich aus den zwei griechischen Wörtern gaster (γαστηρ) und cheîlos (χειλος) zusammen. Ersteres bedeutet Bauch, zweites kann mit Lippe übersetzt werden. Da das Labellum, also die Lippe, bei Pflanzen dieser Gattung sehr bauchig ist, scheint dies ein sehr passender Gattungsname zu sein. Der Artname retrocallus lässt sich mit „nach hinten gerichteter Bart übersetzen“. Da der Rand des Labellums stark ausgefranst und leicht nach hinten geneigt wächst, ist auch der Artname nachvollziehbar. Ganz frei lässt sich Gastrochilus retrocallus also mit „Bauchige Lippe mit nach hinten gerichtetem Bart“ übersetzen.

Im Vergelich mit meinen Fingern erkennt man sehr gut, wie klein Gastrochilus retrocallus ist (Foto: Thomas Lehmann)

Der Epiphyt ist heimisch auf Taiwan, wo er in Höhenlagen von 1.000 – 2.200 Metern in uralten Wäldern wächst. Das Klima ist geprägt von sehr warmen Sommern und – je nach Standort – richtig kühlen Wintern. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über. Selten sind die kleinen Pflanzen dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt. Meistens findet man sie an halbschattigen Plätzen.

Gastrochilus retrocallus bildet kurze Stämme aus, auf denen jeweils drei bis fünf kleine fleischige Blätter sitzen. Das dunkelgrüne Laub wird nur wenige Zentimeter lang und hat eine abgerundete Spitze. Vom Herbst bis in den Winter erscheinen die circa 5-7 cm langen Infloreszenzen, an denen bis zu drei Blütenknospen gebildet werden. Nicht immer entwickeln sich die Knospen gleichzeitig. Oft blühen die Blütentriebe zuerst mit ein bis zwei Blüten und nach dem Abblühen folgt eine weitere Nachblüte. Die 3-4 cm großen Blüten haben eine leuchtend gelbe Färbung. Lediglich das Labellum ist im Zentrum auffällig violettrot gezeichnet. Die Blüten duften angenehm und intensiv.

Obwohl die Art am Naturstandort im Winter eher niedrige Temperaturen erfährt, kultiviere ich meine Pflanze temperiert. Die nächtlichen Werte fallen in den Wintermonaten bei mir auf ungefähr 14 Grad ab. In besonders eisigen Nächten sind es auch mal nur 12 Grad. Kühler hat es mein Gastrochilus retrocallus allerdings nie. Im Sommer sind die Temperaturen natürlich deutlich höher, was der Art aber keine Probleme bereitet. Die Sommermonate sind auf Taiwan ja auch sehr warm bis heiß. Da direktes Sonnenlicht nicht gut vertragen wird und am Naturstandort in den uralten Wäldern Taiwans nur mäßig Licht auf die Pflanzen fällt, steht sie bei mir etwa eineinhalb Meter von einem sehr großen, nach Süden ausgerichteten Fenster entfernt. Da jedes Jahr im Herbst die Blütentriebe erscheinen, reicht das wenige Licht dort offenbar aus.

Gastrochilus retrocallus lässt sich sehr gut aufgebunden kultivieren, wenn man eine Orchideenvitrine oder ein Gewächshaus hat und die Luftfeuchtigkeit schön hoch halten kann. Leider besitze ich beides nicht, also kultiviere ich sie getopft in reinem Sphagnum-Moos. Der Vorteil davon ist, dass es sich schön gleichmäßig feucht halten lässt, ohne zu nass zu werden. Der meiner Meinung nach größte Nachteil ist, dass das Substrat jährlich gewechselt werden sollte. Durch die andauernde Feuchtigkeit verdichten sich die Moosfäden im Inneren des Topfes schnell, wodurch die Wurzeln nicht mehr ausreichend mit Frischluft versorgt werden und faulen können. Außerdem reichern sich im Moos Düngerreste in Form von Salzen an, die auf Dauer die feinen Wurzeln von Gastrochilus retrocallus verbrennen können. Meine kleine Pflanze erhielt ich damals in Moos getopft und es lief von Anfang an echt prima mit ihr, weswegen ich mich dazu entschloss, sie dauerhaft in Moos zu kultivieren und den Nachteil des regelmäßigen Topfens hinzunehmen.

Der Pflanzstoff wird immer feucht gehalten und trocknet niemals komplett ab. An den besonders heißen Sommertagen, an denen das kleine Töpfchen innerhalb von ein bis zwei Tagen durchtrocknen würde, steht es sogar kurzzeitig in einer kleinen Pfütze Wasser, was den Wurzeln bisher noch nicht geschadet hat. Ich achte aber sehr darauf, dass es währendessen nicht zu kühl wird und höchstens zwei bis drei Tage dauert, bis das Wasser aufgesogen ist. Gastrochilus retrocallus hat sehr feine Wurzeln, die – wie oben schon erwähnt – sehr salzempfindlich sind. Deshalb dünge ich nur einmal im Monat während der Sommermonate. Der Leitwert meines Düngerwassers liegt dann bei ungefähr 300-350 Mikrosiemens/cm.

Wegen ihrer wirklich überschaubaren Größe findet Gastrochilus retrocallus in jeder Orchideensammlung noch ein Plätzchen. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Die „bauchige Lippe mit nach hinten gerichtetem Bart“ lässt sich in der Seitenansicht gut erkennen (Foto: Thomas Lehmann)
Auch der direkte Blick von oben auf das Labellum zeigt Bauch und Bart (Foto: Thomas Lehmann)
Die Knospen von Gastrochilus retrocallus sind fast kugelrund (Foto: Thomas Lehmann)
Habitus mit drei Blüten an zwei Infloreszenzen (Foto: Thomas Lehmann)

KW 50, 2019

Prosthechea garciana

Alles lesen Orchidee der Woche 50, 2019

Prosthechea garciana

Prosthechea garciana mit dunkler Färbung im Sommer – im Winter ist die Blüte fast komplett weiß mit wenigen, ganz feinen Pünktchen (Foto: Thomas Lehmann)

 

Als Epidendrum garcianum beschrieben die beiden Autoren Leslie Andrew GARAY und Galfrid Clement Keyworth DUNSTERVILLE die Art erstmalig in einem Beitrag der zweiten Ausgabe von „Venezuelan Orchids Illustrated“ aus dem Jahr 1961. Der aktuell gültige Artname, der in World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) der Kew Gardens gelistet ist, lautet Prosthechea garciana. Die Überführung in die Gattung Prosthechea geschah im Jahr 1997/98 durch Wesley Ervin HIGGINS in „Phytologia; Designed to Expedite Botanical Publication“. Auch unter ihren beiden weiteren Synonymen Encyclia garciana und Anacheilium garcianum wird die Art öfter in der Literatur genannt oder zum Kauf angeboten.

Hier im Vergleich die Winter-Blüte der gleichen Pflanze von Prosthechea garciana (Foto: Thomas Lehmann)

Prosthechea garciana ist heimisch in den immerfeuchten Bergwäldern Venezuelas. Ihre Standorte liegen meist auf 1200 Meter über dem Meeresspiegel mit kühl-temperierten, manchmal auch kühl-kalten Temperaturbedingungen. Die sympodial wachsende Art ist ein Epiphyt, der zumeist Äste und Stämme von moosbewachsenen Bäumen besiedelt. Selten sind die Pflanzen dort der direkten Sonne ausgesetzt. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, wenn auch im Winter etwas weniger als im Sommer.

An kleinen bis mittelgroßen Pseudobulben sitzt jeweils ein einzelnes festes Blatt, das dunkelgrün, gekielt und spitz zulaufend ist. Nach Ausreifen der Pseudobulbe bildet sich am Blattansatz eine Blütenscheide aus, in der eine kurze Infloreszenz heranwächst, die meist zwei Blüten trägt. Diese sind weiß und haben sehr unterschiedlich intensive Zeichnungen in Rotviolett. Während meine Prosthechea garciana im Sommer stark gefärbte Blüten trägt, sind ihre Herbst- und Winterblüten sehr blass. Vermutlich liegt es am vorhandenen Licht, wie intensiv das Rotviolett hervortritt. Im Laufe der Zeit werden die Pflanzen zu richtigen Büschen, die eine Vielzahl von Blüten tragen können. Die Blüten sind nicht resupiniert, das heißt, dass das Labellum nach oben gerichtet ist und nicht nach unten wie bei den meisten bekannten Orchideenarten.

Ich kultiviere Prosthechea garciana in einer Mischung aus mineralischem Substrat: Bims, Akadama, Lava, Zeolith – alles, was ich gerade zur Verfügung hatte. Der Topf steht immer in einer kleinen Schale, die mit Wasser gefüllt ist. Durch die Kapillarwirkung der Mineralien ist das Substrat stets feucht, aber nicht nass. Perfekte Bedingungen, wie es scheint, denn der Topf war innerhalb  von wenigen Wochen komplett durchwurzelt. Der große Vorteil von mineralischen Substraten ist, dass sie sich nicht zersetzten und somit nur neu getopft werden muss, wenn der Topf zu klein geworden ist und die Neutriebe über den Rand hinauswachsen würden. Das wird im Frühjar bei meiner Pflanze der Fall sein. Natürlich lässt sich Prosthechea garciana auch in anderen Substraten erfolgreich kultivieren. Wichtig ist, dass sie stets feucht, aber nicht klatschnass ist.

Habitus von Prosthechea garciana (Foto: Thomas Lehmann)

Die Wasserqualität sollte nicht allzu salzhaltig sein, wobei die Pflanze schon etwas Dünger verträgt. Mein Wasser, mit dem ich die Schale immer auffülle, wenn sie leergesaugt ist, hat einen Leitwert von 200-300 Mikrosiemens. Im Winter weniger, da ich in dieser Zeit keinen Dünger gebe. Durch das geringe Lichtangebot im Winter fährt der Stoffwechsel der Pflanze herunter, wodurch sie weniger Nährstoffe verarbeiten kann. Wird in dieser Zeit zu viel gedüngt, verbleiben die Salze im Substrat, das dadurch versalzt und somit die doch recht feinen Wurzeln verbrennen würden. Wer im Winter mit künstlichem Licht arbeitet, kann natürlich auch dann etwas Dünger geben.

Da die Temperaturbedingungen an den verschiedenen Naturstandorten von kalt bis temperiert variieren, ist Prosthechea garciana hier nicht allzu anspruchsvoll. Ich kultiviere meine Pflanze sogar im temperiert-warmen Bereich. Auch die große Hitze im Sommer hat ihr keinerlei Probleme bereitet. Ich hatte sogar den Eindruck, dass ihr das sehr gutgetan hat. Als andere Orchideen aus meinem Bestand das Wachstum aufgrund der großen Hitze für einige Wochen einstellten, kam sie so richtig in Fahrt. Auch im Winter steht sie bei mir in einem gelegentlich beheizten Zimmer, in dem die Temperaturen nachts bei ca. 14 Grad liegen. Manchmal fallen sie auf 12 Grad, gelegentlich liegen sie aber auch bei 16 Grad.

Direkter Mittagssonne ist meine Pflanze nie ausgesetzt, auch im Winter nicht. Die tief stehende Abendsonne im Winter kann aber unschattiert auf sie fallen. Da dann die Tage deutlich kürzer sind, darf in der kurzen Zeit ruhig etwas mehr Licht aufgenommen werden. Die Blattfarbe ist saftig grün ohne Verbrennungen und ausgeblichene Stellen. Die winterliche Abendsonne scheint ihr also gut zu gefallen.

Durch die edel anmutenden Blüten ist Prosthechea garciana ein wirklicher Hingucker, der vom Sommer bis in den Winter hinein blühen kann. Eine wahre Bereicherung für jedes Fensterbrett – auf dem sie durch ihre kompakte Größe auch gut Platz findet. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Die Blüten sind nicht resupiniert, das heißt das Labellum ist nach oben gerichtet (Foto: Thomas Lehmann)
Detailansicht des Labellum (Foto: Thomas Lehmann)
Blütenansicht von unten auf das Labellum (Foto: Thomas Lehmann)

KW 49, 2019

Dendrochilum cobbianum

Alles lesen Orchidee der Woche 49, 2019

Dendrochilum cobbianum

Dendrochilum cobbianum – Einzelblüte (Foto: Thomas Lehmann)

In einer Ausgabe von „Gardeners‘ Chronicle“ aus dem Jahr 1880 erschien die Erstbeschreibung von Dendrochilum cobbianum. Der Autor Heinrich Gustav REICHENBACH war ein deutscher Botaniker, der zahlreiche neue Orchideenarten beschrieb. Der Name Dendrochilum leitet sich von den altgriechischen Wörtern δενδρον (déndron = Baum) und χειλοσ (chéilos = Lippe) ab – auf Bäumen wachsend, mit deutlich ausgeprägter Lippe. Mit dem Artnamen ehrte REICHENBACH einen britischen Freund und Orchideen-Enthusiasten, der mit Nachnamen COBB hieß.

Heimisch ist Dendrochilum cobbianum in den kühleren Regionen der Philippinen. Die eher mittelgroße Art wächst dort entweder epiphytisch auf bemoosten Ästen und Stämmen oder lithophytisch auf Felsen, immer aber in voller Sonne. In niederen Lagen unter 1200 Metern ü. M. ist sie nicht anzutreffen. An den Standorten herrscht ein dauerfeuchtes Klima mit ganzjährigen Niederschlägen. Die Anzahl der Regentage nimmt in den Wintermonaten zwar ab, die Luftfeuchtigkeit sorgt aber dafür, dass das Habitat niemals austrocknet.

Dendrochilum cobbianum ‚Jana‘ BM/DOG – die einzelnen Rispen bilden einen Vorhang aus Blüten (Foto: D.O.G.-Archiv)

Auf den kleinen ovalen Pseubulben sitzt ein einzelnes Blatt, das von einem dünnen, aber festen Stiel getragen wird. Die Blätter sind fächerartig gewellt und laufen spitz zu. Die Pseudobulben und das Laub haben einen leicht gelblichen Schimmer. Jeweils im Frühjahr und im Herbst erscheinen nach Ausreifen der Neutriebe lange Infloreszenzen, die zuerst aufrecht emporwachsen und danach überhängend lange Blütentrauben tragen. Die einzelnen Blüten sind  unauffällig weiß gefärbt. Lediglich das Labellum leuchtet in einem strahlenden Gelb. Nach und nach öfnnet sich die gesamte Infloreszenz, bis schließlich ca. 25 cm lange Blütenrispen herabhängen. Dendrochilum cobbianum verströmt einen zarten vanilligen Duft im gesamten Raum.

Die Kultur in der Wohnung kann erfolgreich sein, wenn besonders im Winter ein etwas kühlerer Platz geboten wird. Auch sollte die Luftfeuchtigkeit nicht zu niedrig sein, da die Pflanzen sonst sehr anfällig für Spinnmilben sind. Den Sommer über steht mein Dendrochilum cobbianum an einem vor zu starker Mittagsonne geschützten Platz im Freien. Sowohl am Morgen wie am frühen Abend fällt das Sonnenlicht aber ungehindert auf die Pflanze. Während der gesamten Sommermonate achte ich darauf, dass der Pflanzstoff immer feucht ist und niemals durchtrocknet. Bei den heißen Temperaturen, die wir in den letzten Sommern immer öfter hatten, gieße ich teilweise täglich durchdringend und lasse gelegentlich auch etwas Wasser im Untersetzter stehen. Während des Monsuns am Naturstandort, der je nach Lage stärker oder schwächer ausgeprägt ist, sind die Pflanzen schließlich auch extrem viel Wasser ausgesetzt. Im Winter war ich mir nicht ganz sicher, ob ich die Pflanze völlig trocken halten sollte, da zu dieser Jahreszeit nicht überall auf den Philippinen Trockenheit herrscht und die Luftfeuchtigkeit meist ein Austrocknen des Habitats verhindert. Ich entschloss mich dazu, eine Art Semi-Dry-Ruhe zu bieten, die auch einige meiner Dendrobien bekommen. Das heißt, dass gelegentlich etwas gegossen wird, aber das Substrat zwischen zwei Wassergaben komplett durchtrocknen darf. Das gefällt sowohl Dendrochilum magnum wie auch dem hier vorgestellten Dendrochilum cobbianum bisher sehr gut.

In den Sommermonaten dünge ich mit jedem Wässern in schwacher Konzentration. Das Düngerwasser hat einen Leitwert von ungefähr 200 Mikrosiemens/cm (µS/cm). In den dunklen Wintermonaten dünge ich gar nicht. Die im Pflanzstoff angereichterten Salze reichen aus, um die Pflanze gut durch diese Jahreszeit zu bringen, in der ja ohnehin nicht viel gegossen wird.

Die Temperaturen im Sommer kann ich natürlich nicht beeinflussen. Die große Hitze wurde aber ohne Probleme von der Pflanze vertragen. Im Winter steht sie vollsonnig an einem Südseitenfenster, bei nächtlichen Temperaturen von ungefähr 12-14 Grad. Tagsüber können die Temperaturen auch auf 27-30 Grad steigen, wenn die Sonne scheint und den Raum aufheizt.

Als Substrat nutze ich mittelgroße Pinienrinde gemischt mit Perliten, die den Pflanzstoff etwas auflockern und zusätzlich die Fähigkeit haben, Wasser zu speichern und langsam abzugeben. Durch die andauernde Feuchtigkeit während des Sommers zersetzt sich die Rinde natürlich recht schnell, weswegen alle zwei bis drei Jahre neu getopft werden muss. Aus diesem Grund denke ich darüber nach, die Pflanze im Frühjahr in ein mineralisches Substrat zu setzten. Dendrochilum magnum habe ich im Frühjahr mineralisch getopft. Bisher scheint ihm das zuzusagen.

Wer auch an etwas unscheinbaren, aber trotzdem imposanten Orchideenblüten seine Freude hat und mit dem raumfüllenden Geruch nach Vanille leben kann, dem kann ich Dendrochilum cobbianum nur empfehlen, da es zuverlässig zwei Mal im Jahr mit einer Fülle an Blüten überzeugt. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Aktuelles Habitus-Foto meiner Pflanze. Sie treibt insgesamt vier Infloreszenzen aus. (Foto: Thomas Lehmann)
Dendrochilum cobbianum ‚Zell‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die einzelnen Blüten öffnen sich von oben nach unten. (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 48, 2019

Habenaria Regnieri

Alles lesen Orchidee der Woche 48, 2019

Habenaria Regnieri

Habenaria Regnieri (Foto: Werner Holzmann)

Die Gattung Habenaria wurde von Carl Ludwig WILLDENOW im Jahr 1805 aufgestellt. Der Name leitet sich ab vom lateinischen Wort habena = Zügel, Riemen, nach dem langen, riemenförmigen Sporn.

Bereits im Jahr 1910 meldete der Franzose M. Regnier die Hybride aus Habenaria carnea und Habenaria rhodocheila bei der Royal Horticultural Society an, woraufhin sie in das dortige Register für Orchideen-Hybriden eingetragen wurde. M. Regnier war ein bekannter Orchideensammler des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts, nach dem einige Naturformen wie zum Beispiel Liparis regnieri oder auch Phalaenopsis regnieriana (Syn. Phal. pulcherrima var. regnieriana ) benannt wurden. Mit der Hybride Habenaria Regnieri, die wir euch heute kurz vorstellen möchten, schuf er sich ein weiteres botanisches Denkmal, indem er dieser ebenfalls seinen eigenen Namen gab. Da es sich bei Habenaria Regnieri um eine Primärhybride handelt, sind lediglich zwei verschiedene Naturformen daran beteiligt:

  • 50% Habenaria carnea
  • 50% Habenaria rhodocheila
Habenaria carnea – ein Elternteil der Hybride Habenaria Regnieri (Foto: D.O.G.-Archiv)

Habenaria carnea ist an niedrig gelegenen Standorten in Thailand heimisch. Die Temperaturbedingungen sind ganzjährig warm – im Sommer teilweise richtig heiß. Man findet die Art in immergrünen Regenwäldern terrestrisch auf Kalksteinhügeln wachsend. Die Pflanzen bilden unterirdisch Knollen aus. Während der Sommer durch eine ausgiebige Regenzeit geprägt ist, fallen in den Winermonaten keinerlei Niederschläge. Lediglich die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

Habenaria rhodocheila gibt 50% der Gene an die Hybride Habenaria Regnieri (Foto: D.O.G.-Archiv)

Habenaria rhodocheila ist in weiten Teilen des asiatischen Festlandes und auf zahlreichen Inseln heimisch. Die Art wächst dort terrestrisch und teilweise auch lithophytisch auf Höhen von 200 – 1300 Metern über dem Meeresspiegel. Durch das recht große Verbreitungsgebiet variieren die Temperaturbedingungen von kühl bis warm. Richtig kalt wird es an den natürlichen Standorten aber auch im Winter nicht. Die Standorte von Habenaria rhodocheila erhalten im Sommer ebenfalls regelmäßig ausgiebige Niederschlägen und trocknen während des Winters regelrecht aus.

Die Pflanzen, die im Frühjahr mit dem Austrieb beginnen, besitzen 5 – 6 rosettenartig angeordnete Blätter, die weich, länglich und spitz zulaufend sind. Die Infloreszenzen entspringen endständig aus der Mitte der Rosette und werden bis zu 40 cm lang. Jede Infloreszenz trägt eine Vielzahl an Blüten, deren auffällig große und leuchtende Lippe das Erscheinungsbild der Blüten dominiert. Blütezeit ist im Sommer, meist von August bis September.

Die folgende Kulturbeschreibung stammt von Werner Holzmann:

Im Januar, während sich die Knolle in ihrer trockenen, aber warmen Winterruhe befindet, topft er sie in frisches Substrat. Er nimmt dafür feine Rinde, feines Tongranulat und Bimskies. Sollte an der Knolle schon ein kleiner Neutrieb zu sehen sein, muss man sehr aufpassen, dass man diesen nicht verletzt. Schädigt man ihn zu sehr oder bricht ihn gar ab, besteht die Gefahr, dass kein weiterer Trieb gebildet wird und die Pflanze abstirbt. Es ist auch wichtig, den Neutrieb nach oben zu richten, damit er nicht ins Substrat hineinwächst, sondern den Weg ans Licht schnell und ohne Kraftaufwand findet.

Nach dem Topfen beginnt Werner Holzmann langsam und sehr vorsichtig mit kleinen Wassergaben. Aber noch sollte das Substrat nicht komplett feucht oder gar nass gehalten werden, da die Knolle sonst wegfaulen könnte. Zartes Gießen am Topfrand reicht in dieser Zeit völlig aus. Erst wenn der neue Trieb ca. 1 cm aus dem Substrat herausragt, kann mehr gegossen werden. Das Substrat sollte dann komplett durchfeuchtet sein und während der gesamten Wachstumsperiode auch nicht mehr ganz austrocknen. Am natürlichen Standort ist das die Zeit der Monsunregen, in der es fast täglich Niederschläge gibt.

Gedüngt wird nur in schwacher Konzentration und natürlich nur während der Wachstumsperiode. Da die Pflanze über den Winter komplett trocken steht und kein Wasser erhält, gibt es in dieser Zeit natürlich auch keinen Dünger.

Die Pflanze von Werner Holzmann ist ganzjährig an einem sehr hellen Fenster mit Südausrichtung untergebracht, das allerdings durch einen darüberliegenden Balkon schattiert wird, sodass lediglich die sehr tief stehende Morgen- und Abendsonne etwas auf die Pflanze fällt. Auf keinen Fall sollte die starke Mittagssonne auf die Blätter fallen, da diese sonst regelrecht verbrennen würden. Die Elternteile von Habenaria Regnieri sind in dichten Wäldern heimisch und werden am Naturstandort durch das Laub der Bäume immer vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt.

Im Hochsommer, zwischen August und September, sollte Habenaria Regnieri ihre Infloreszenzen hervorbringen und mit vielen Blüten blühen. Danach wird  das Wasser langsam reduziert. Wenn die Blätter anfangen einzuziehen und sich braun verfärben, wird das Gießen komplett eingestellt und die Pflanze beginnt damit ihre Ruhephase, die bis zum Neuaustrieb im zeitigen Frühjahr dauert.

Mit einem Substratwechsel am Anfang des Folgejahres beginnt der Zyklus für die Pflanze – und die Kultur – von Neuem. Im Laufe der Jahre bildet die Knolle von Habenaria Regnieri Nebenknollen, durch die sie sich ausbreitet und vermehrt. Man kann die Knollen zusammen topfen oder auch vereinzeln.

Durch ihre wirklich imposanten Blüten ist Habenaria Regnieri ein echter Blickfang. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autoren: Werner Holzmann und Thomas Lehmann

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Die Blüten von Habenaria Regnieri haben einen langen Sporn. (Foto: Werner Holzmann)
Habitusfoto von Habenaria Regnieri
Einzelblüte – Frontansicht (Foto: Werner Holzmann)
Einzelblüte – Seitenansicht (Foto: Werner Holzmann)

 

KW 47, 2019

Dendrobium convolutum

Alles lesen Orchidee der Woche 47, 2019

 Dendrobium convolutum

Dendrobium convolutum (Foto: Fabian Kulka)

Erstbeschreibung und Autor

Die Gattung Dendrobium Sw. ist eine der umfangreicheren Gattungen innerhalb der Orchideen. Im Folgenden möchte ich euch die Art Dendrobium convolutum Rolfe etwas näherbringen. Sie wurde im Jahr 1906 durch den englischen Botaniker Robert Allen ROLFE beschrieben und in „Bulletin of Miscellaneous Information (Royal Botanic Gardens, Kew) 1906: 375“ veröffentlicht. Robert Allen ROLFE (1855 – 1921) war zu seiner Zeit durchaus als Koryphäe auf dem Gebiet der Orchideenforschung anzusehen. Nicht umsonst war er für viele Jahre mit verantwortlich für die Herbarien der Royal Botanic Gardens in Kew. Überdies war er auch der Begründer der Zeitschrift „The Orchid Review“, eine der führenden auf dem Fachgebiet der Orchideen und seit 1993 auch offizielles Magazin der Royal Horticultural Society.

Habitat und Vorkommen

Dendrobium convolutum kommt wie einige andere Arten der Sektion Latouria innerhalb der Gattung Dendrobium endemisch auf Papua-Neuguinea vor und soll in den Provinzen Madang, Morobe und Milne Bay verbreitet sein. Die genaueren Angaben darüber variieren zum Teil etwas. Demnach befinden sich seine Standorte von Meereshöhe bis zu 1500 Meter über dem Meeresspiegel. In manchen Quellen wird zusätzlich erwähnt, dass die Vorkommen küstennah liegen. Aus diesen Angaben lässt sich zumindest grob ableiten, dass Dendrobium convolutum warme Bedingungen bevorzugt und auch recht gleichmäßig mit Feuchtigkeit versorgt werden möchte. Da Papua-Neuguinea in der Nähe des Äquators liegt und Dendrobium convolutum eher niedrige Höhenlagen besiedelt, ist dort nicht mit starken Schwankungen der Temperaturen und Niederschlagsmengen zu rechnen und somit auch nicht mit einer echten Ruhezeit der Pflanzen.

Beschreibung von Habitus und Blüte

Habitus von Dendrobium convolutum – die Metallstangen dienen dazu, die Neutriebe etwas in die richtige Richtung zu lenken (Foto: Fabian Kulka)

Die Pflanzen der Gattung Dendrobium gehören zu den sympodial wachsenden Orchideen und bilden daher sogenannte Pseudobulben aus, die auch als Speicherorgane dienen können. Bei Dendrobium convolutum haben diese Pseudobulben einen Durchmesser von etwa 1-1,5 cm und werden gut 20-30 cm hoch. Sie können bei alten Pflanzen unter optimalen Bedingungen allerdings auch noch größer werden. Den. convolutum trägt an jeder ausgewachsenen Pseudobulbe in der Regel zwei oder drei Blätter, die etwa 10-15 cm lang sowie 4-5 cm breit sind. Frische, ausgewachsene Blätter sind von fester Struktur. Mit zunehmendem Alter der Pseudobulbe fallen sie jedoch ab.

Die Blüten von Den. convolutum sind hinsichtlich ihrer Farbgebung durchaus etwas ungewöhnlich. Die Sepalen und Petalen haben eine frische hellgrüne Farbe, während die dunkelrote Lippe einen starken Kontrast dazu bietet. Dies wirkt zunächst etwas ungewohnt, die Farbkombination bietet aber auch mal etwas Abwechslung. Die Blüten sind durchschnittlich etwa 3-3,5 cm breit (zwischen den Spitzen der beiden lateralen Sepalen) und 3-3,5 cm hoch (zwischen der Spitze des dorsalen Sepalums und den Spitzen der lateralen Sepalen), meistens jedoch geringfügig breiter als hoch. An einer Infloreszenz werden etwa 3-5 Blüten gebildet, die höchste Anzahl bei meiner Pflanze waren bislang sechs an einer Infloreszenz. Es kann jedoch durchaus sein, dass bei größeren Pflanzen auch mehr gebildet werden. Sie halten mehrere Wochen ohne Verwelkungserscheinungen.

Die Infloreszenzen erscheinen, wie für Dendrobien der Sektion Latouria üblich, an der Spitze der Pseudobulbe. Manchmal kommt es jedoch vor, dass die Infloreszenz auch zwischen den Blättern gebildet wird oder unterhalb eines Blattes nahe des Blattansatzes. Eine Pseudobulbe kann darüber hinaus über mehrere Jahre hinweg immer wieder neue Infloreszenzen ausbilden.

Eigene Kulturerfahrungen

Dendrobium convolutum gehörte damals zu einem meiner allerersten Dendrobien. Wie bereits oben beschrieben faszinierte mich die doch sehr ungewöhnliche Blüte, zumal ich es bis dahin beinahe ausschließlich mit der Gattung Phalaenopsis zu tun hatte. Für damalige Verhältnisse war es daher eine gewisse Überwindung für mich, es mit einem Dendrobium zu versuchen. Aber da ich mich zumindest vorher etwas informiert hatte und die Art mir nicht allzu heikel erschien, probierte ich es einfach.

Ich kaufte die Pflanze mit einem kleinen Blütentriebansatz, der auch trotz des Umtopfens zur Blüte kam. Apropos umtopfen, die Pflanze habe ich dann wie gewohnt in Rindensubstrat umgetopft, was zunächst erfolgreich war. Sie wurzelte gut ein, für den Anfang schien also alles glatt zu laufen. Jedoch zeigten sich nach einiger Zeit dennoch Probleme, denn die bis dahin gewachsenen Neutriebe blieben etwas dünn und mickrig und blühten auch nicht. Offenbar war die Versorgung der Pflanze in dem Substrat nicht ganz ausreichend. Daher entschloss ich mich, Dendrobium convolutum in mineralisches Substrat zu setzen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon ein paar weitere Dendrobien in Kultur und eine Orchideenfreundin gab mir den Tipp, es mit mineralischen Substraten wie Lava, Akadama und Kanuma zu probieren. So wurde die Pflanze in Lava gesetzt. Dies stellte sich jedoch als schwieriges Unterfangen heraus, da die recht dünnen Wurzeln von Dendrobium convolutum bei der Umtopfaktion ziemlich gelitten hatten, weil sie kaum von der Rinde zu lösen waren. Daher vermeide ich heutzutage wenn möglich, Rindensubstrate bei sympodialen Orchideen zu verwenden, insbesondere bei denen mit dünnen Wurzeln.  Dies kann durchaus viel Stress beim Umtopfen bedeuten. Das ist allerdings meine persönliche Erfahrung! Es gibt genügend Orchideenliebhaber, die mit Rindensubstrat bei diesen Dendrobien super zurechtkommen.

Jetzt ist mein Dendrobium convolutum nach wie vor in Lava getopft und in den letzten Jahren gut gewachsen und hat auch immer wieder geblüht. Allerdings habe ich mir bei einigen anderen Pflanzen mit größeren Töpfen angewöhnt das Lava-Substrat mit Bims zu mischen. Dadurch möchte ich das Substrat etwas auflockern und leichter machen, da Lava selbst recht schwer ist. Dies werde ich dann beim nächsten Umtopfen dieser Pflanze wohl auch anwenden.

Nach der – zugegebenermaßen etwas ausschweifenden – Geschichte meiner Pflanze nun noch ein paar Eckdaten zu meiner Kultur auf der Fensterbank: Wie bereits oben erwähnt bekommt meine Pflanze keine Ruhezeit und wird durchkultiviert. Einmal die Woche fülle ich daher Wasser im Untersetzer nach. Das Substrat trocknet dadurch nicht ganz aus, im Sommer trocknet es höchstens etwas ab. Dünger gibt es circa alle vier Wochen. Häufiger düngen möchte ich bei mineralischen Substraten nur ungern, um ein schnelles Versalzen zu verhindern. Der Temperaturbereich reicht meist von normaler Zimmertemperatur aufwärts, das heißt um die 20 °C oder mehr tagsüber. Im Sommer werden es dann eben auch mal über 30 °C; im Winter wird das Zimmer geheizt, sodass es einigermaßen warm bleibt. Nachts sind die Temperaturen entsprechend niedriger. Was das Licht angeht, muss man bei Dendrobium convolutum etwas aufpassen. Am schattierten Süd-West-Fenster geht es meiner Pflanze soweit gut. Bei fehlender Schattierung hat sie jedoch auch schon leichte Blattschäden davongetragen. Außerdem verfärben sich Blätter und Pseudobulben bei zu viel Licht recht schnell dunkelrot. Dies sollte ein eindeutiges Zeichen sein, dass es der Pflanze zu hell ist, und man sollte entsprechend reagieren .

Insgesamt ist Dendrobium convolutum eine recht robuste Art, die auch mal etwas verzeiht. Mit Standorten, an denen sich beispielsweise eine Phalaenopsis wohlfühlt, sollte auch Dendrobium convolutum zurechtkommen.

Autor: Fabian Kulka

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Dendrobium convolutum ‚Gerd‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die Infloreszenzen von Dendrobium convolutum tragen mehrere Blüten. (Foto: Fabian Kulka)
Detailaufnahme der Lippe (Foto: Fabian Kulka)

 

KW 46, 2019

Phragmipedium Fritz Schomburg

Alles lesen Orchidee der Woche 46, 2019

Phragmipedium Fritz Schomburg

Phargmipedium Fritz Schomburg ‚Franz‘ GM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)

Die Hybride Phragmipedium Fritz Schomburg war ein Gemeinschaftsprojekt, an dem neben dem Namensgeber Fritz Schomburg zwei weitere Parteien beteiligt waren. Alfredo Manrique, der Eigentümer der peruanischen Orchideenzucht Centro de Jardinería Manrique (CJM) in Lima, kreuzte Phragmipedium kovachii mit Phragmipedium besseae bereits kurz nach der Entdeckung von Phragmipedium kovachii, da er in Südamerika den Zugang zur neu entdeckten Art hatte. Fritz Schomburg verfügte in seinem Labor in Wisconsin über die Mittel und die nötige Erfahrung, um die Samen auszusäen. Großgezogen wurden die Sämlinge dann von Glen Decker, der durch die Arbeit in seiner Orchideengärtnerei Piping Rock Orchids ein wahrer Spezialist in der Phragmipedium-Aufzucht wurde. Als Phragmipedium Fritz Schomburg dann am 07.03.2007 in das Register der Royal Horticultural Society eingetragen wurde, sorgten sie durch die Namensgebung dafür, dass alle drei Parteien darin Erwähnung fanden. Alfredo Manrique wird dort als „Originator“, also Urheber, genannt. Als „Registrant“, also die Person, die die Registrierung anmeldete, ist dort Piping Rock Orchids verzeichnet und mit dem Namen Phragmipedium Fritz Schomburg verewigten sie auch das am Gemeinschaftsprojekt beteiligte Labor von Fritz Schomburg.Wie oben schon erwähnt sind an der Kreuzung lediglich zwei Naturformen beteiligt:

Phragmipedium kovachii (Foto: Thomas Lehmann)

Erst im Jahre 2001 wurde Phragmipedium kovachii im Norden Perus von Faustino Medina Bautista entdeckt. 2002 wurde diese imposante neue Naturform dann gleich zweimal neu beschrieben. Der Name Phragmipedium peruvianum gilt als Synonym. Die Pflanzen wachsen terrestrisch und litophytisch an steilen Kalksteinfelsen mit Humus- oder Moosauflage. Die Standorte sind meistens sehr gut drainiert und selten der vollen Sonne ausgesetzt. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 18 und 26 Grad im Durchschnitt, wobei es im Winter auch mal deutlich kühler werden kann. In der Region, in der Phrag. kovachii wächst, gibt es fast täglich Niederschlag. Nicht immer sehr heftig, aber dafür ständig. Dadurch stehen die Pflanzen auch immer dauerfeucht und trocknen niemals aus.

Phragmipedium besseae – ein Elternteil der Hybride (Foto: Thomas Lehmann)

Phragmipedium besseae wurde erst im Jahr 1981 entdeckt und erstmalig beschrieben. Heimisch ist die Art in Peru und Ecuador, wo sie terrestrisch, meist in der Nähe von Flüssen und Bächen wächst. Das Klima am Standort bietet ganzjährig sehr konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad. Niederschläge gibt es ebenfalls während des ganzen Jahres. Von März bis September sind diese sogar sehr häufig und regelmäßig.

Phragmipedium Fritz Schomburg kann in der Größe der Blätter und Blüten sehr variieren – je nachdem, welcher Elternteil sich mehr durchsetzt. Die Blätter können bis zu 50 cm lang werden, sind dunkelgrün und breit. Entlang der Mittellinie sind sie stark gekielt. Die Blattenden laufen spitz zu. Jeder Trieb entwickelt bis zu sechs Blätter, die wechselständig einen sehr kurzen Stamm umschließen. Die Infloreszenzen erscheinen endständig aus dem Herz des Triebs, wie bei allen Frauenschuh-Orchideen. Die Blütenfarbe variiert von leuchtend rosa bis zu intensiv violetten Farbtönen. Die Blütenform variiert nur sehr wenig. Die Blüten sind immer sehr rund und verglichen mit anderen Phragmipedien sehr groß. Bei guter Kultur und zunehmendem Alter können sie die Größe einer menschlichen Hand erreichen.

Da beide Elternteile in sehr feuchten bis nassen Gebieten wachsen, kann Phragmipdium Fritz Schomburg gut mit nassem Fuß kultiviert werden. Meine Pflanzen – ja ich habe mehrere von dieser tollen Hybride –  stehen in einer Schale, die immer wieder mit etwas Wasser gefüllt wird, sobald sie ausgetrocknet ist. Zwischenzeitliches Austrocknen verhindert eine Verkeimung des Wassers, wodurch sich die Pflanze infizieren könnte. Das Substrat selbst sollte aber nicht komplett durchtrocknen. Phragmipedien haben den Ruf sehr salzempfindlich zu sein, was für einige Naturformen auch durchaus zutreffend ist. Ich habe in den letzten 10 Jahren Phragmipedium-Kultur aber die Erfahrung gemacht, dass viele Hybriden gar nicht so empfindlich auf gelöste Salze im Wasser reagieren. Meine Phrag. Fritz Schomburg bekommen in den warmen und hellen Sommermonaten teilweise aufgedüngtes Wasser, das einen Leitwert von 450 – 500 Mikrosiemens hat. Im Winter dünge ich allerdings nicht. Da gibt es klares Quellwasser mit wenig gelösten Salzen, da durch das geringe Lichtangebot während der europäischen Winter der Stoffwechsel der Pflanzen herunterfährt und dadurch nicht so viele Nährstoffe benötigt werden. Wer mit künstlicher Zusatzbeleuchtung arbeitet, kann auch im Winter düngen. Ab März steigere ich die Düngergaben langsam, bis sie im Juli/August ihren Höhepunkt erreichen. Danach wird langsam wieder weniger gedüngt. Ab Oktober dann gar nicht mehr. Den Sommer über lagern sich genügend Düngerreste im Substrat an, die die Pflanze im Winter mit Nährstoffen versorgen.

Eine ganze Gruppe von Phragmipedium Fritz Schomburg am Schaustand von Franz Glanz bei der Ausstellung in Niedernhausen 2019 (Foto: Thomas Lehmann)

Mein Standard-Pflanzstoff für Phragmipedium besteht aus einer Mischung mit Rindenanteil, Perliten, Bimskies und Holzkohle. Rinde hat den Nachteil, dass sie sich durch die ständige Feuchtigkeit recht schnell zersetzt. Allerdings werden bei diesem Zersetzungsprozess auch Nährstoffe freigesetzt. Nach zwei bis vier Jahren sollte dann aber neu getopft werden, bevor sich das Substrat zu sehr verdichtet und die Wurzeln faulen. Perlite gebe ich mit dazu, weil sie einerseits das Substrat luftig machen und andererseits gut Wasser speichern können. Bimskies gibt etwas Kalk ab und hat ebenfalls die Fähigkeit, Wasser zu speichern und weiterzuleiten. Um in dem feuchten Substrat für etwas trockenere Stellen zu sorgen, nutze ich die Holzkohle, die sich nicht mit Wasser vollsaugt und dadurch trockener bleibt. Die Körnung aller Bestandteile sollte nicht zu fein, aber auch nicht zu grob sein, je nach Topfgröße Körnungen von 5 bis 18 mm. Auch in rein mineralischen Substraten, in Sphagnum-Moos oder Steinwollwürfeln fühlt sich Phragmipedium Fritz Schomburg wohl. Ich habe schon einiges ausprobiert und die Erfahrung gemacht, dass es nur wichtig ist, dass viel Wasser vom Substrat aufgenommen und gehalten werden kann.

Phragmipedien mögen es hell, aber keine direkte Mittagssonne. Sonnenschein am Morgen oder Abend wird gut vertragen, wenn er nicht zu lange auf die Blätter brennt. Werden diese gelblich, muss unbedingt schattiert oder die Pflanze umgestellt werden. Nachts können die Temperaturen auf 10 Grad fallen, müssen sie aber nicht. Phragmipedium Fritz Schomburg wächst sehr gut bei normalen Zimmertemperaturen – auch in beheizten Räumen mit etwas trockener Luft, wenn regelmäßig gelüftet wird. Bei zu wenig Frischluft oder Luftbewegung können sich Pilze bilden, die die Pflanze sehr schwächen und im Extremfall auch töten können, wenn nicht mit einem Pilzmittel behandelt wird.

Alles in allem ist Phragmipedium Fritz Schomburg ein wirklich unkomplizierter und sehr blühwilliger Frauenschuh, der durch eine enorme Blütengröße und Farbintensität sofort ins Auge fällt. Die Blühdauer erstreckt sich über mehrere Wochen, da er neue Knospen hervorbringt, noch bevor die aktuelle Blüte verwelkt ist. Je älter die Pflanzen werden, desto mehr Blüten bilden sie, teilweise verzweigen sich die Infloreszenzen im Alter bei sehr guter Kultur.

Phragmipedium Fritz Schomburg ist ein absolutes Must-Have für Liebhaber von Frauenschuh-Orchideen und sollte deshalb in keiner Sammlung fehlen! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Phragmipedium Fritz Schomburg ‚Niedernhausen‘ SM/DOG mit verzweigtem Blütentrieb (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Fritz Schomburg ‚Elias‘ SM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Fritz Schomburg ‚Dumbo‘ SM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Fritz Schomburg ‚Dumbo‘ SM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Fritz Schomburg ‚Franz‘ GM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Fritz Schomburg, bei dem ein Phrag. besseae f. flavum zur Zucht verwendet wurde (Foto: Thomas Lehmann)

KW 45, 2019

Restrepia cymbula

Alles lesen Orchidee der Woche 45, 2019

Restrepia cymbula

Restrepia cymbula (Foto: Thomas Lehmann)

Der Gattungsname Restrepia geht auf den kolumbianischen Orchideenforscher José Manuel RESTREPO VÉLEZ zurück, der als Erster die Geschichte der antioquischen Anden erforschte. Die Gattung zählt zu den Pleurothallidinae, zu denen auch Dracula, Lepanthes, Platystele und einige andere Gattungen der Familie Orchidaceae gehören. Die Erstbeschreibung von Restrepia cymbula stammt aus der jüngeren Orchideen-Geschichte. Im Jahr 1996 wurde sie in „Orquideologia; Revista de la Sociedad Colombiana de Orquideologia. Medellin“ veröffentlicht. Die Autoren der Erstbeschreibung waren der amerikanische Botaniker und Orchideen-Spezialist Carlyle A. LUER und der 2009 verstorbene kolumbianische Botaniker und weltweit anerkannte Orchideen-Experte Rodrigo ESCOBAR. Synonyme für Restrepia cymbula werden in der WCSP nicht aufgeführt.

Das schalenartige Synsepalum erinnert ein wenig an einen Stubenwagen für Babys (Foto: Thomas Lehmann)

Restrepia cymbula ist heimisch in Ecuador und scheint dort endemisch zu sein. Der genaue Fundort ist leider nicht bekannt. Man kann davon ausgehen, dass die epiphytischen Pflanzen – wie alle Restrepien – feuchte Regenwälder mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit besiedeln, ihr Habitat somit niemals vollkommen austrocknet. Durch die immergrünen Bäume und Büsche, auf denen Restrepia cymbula wächst, ist sie vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Über die Temperaturbedingungen am Standort können keine Aussagen getroffen werden.

Die Art bildet einzelne Blätter aus, die auf ca. 2-4 cm langen Stielen sitzen. Die Blätter werden bis zu 6 cm lang und sind glänzend grün. An der Basis der Blätter entspringen die Infloreszenzen. Jedes Blatt kann mehrmals Infloreszenzen hervorbringen. Diese tragen jeweils nur eine einzelne Blüte, die ungefähr 3 cm hoch und 1 cm breit ist. Während die Petalen und das dorsale Sepalum sehr filigran und teilweise farblos transparent sind, leuchtet das überdimensionale Synsepalum in auffallendem Orange mit roten Streifen. Das Labellum ist in das schalenartige Synsepalum eingebettet.

Restrepia cymbula ist eine der blühfreudigen Restrepien, die sich im Laufe von wenigen Jahren zu kleinen Büschen mit sehr vielen Blüten entwickeln können. Eine Kultur auf der Fensterbank ist möglich, wenn man im Winer für möglichst kühle Temperaturen sorgen kann.

Ich kultiviere meine Restrepien getopft in mineralischem Substrat, wobei Restrepia cymbula zwar noch in ihrer Rindenmischung vom Kauf steht, aber wie alle anderen kultiviert wird. Auch aufgebunden ist natürlich möglich, allerdings ist dann eine Orchideenvitirine oder ein Gewächshaus zu empfehlen, damit die feinen Wurzeln nicht austrocknen. Meine Restrepia brachypus – die wir bereits als Orchidee der Woche vorgestellt haben – sitzt in einer Mischung aus Bimskies, Lavagranulat und Zeolith. Der Topf steht das ganze Jahr über in einem mit Wasser gefüllten Untersetzer. Der mineralische Pflanzstoff saugt sich somit immer gleichmäßig feucht und trocknet nicht aus. Zwischen den einzelnen Substrat-Teilchen entstehen kleine Lufträume, die eine gute Belüftung der Wurzeln gewährleisten. Der größte Vorteil von mineralischem Substrat ist, dass sich die Bestandteile nicht zersetzen, was bei Rinde oder Moos in Verbindung mit Dauerfeuchtigkeit oft schnell passiert. Getopft werden muss also erst, wenn der Topf zu klein wird. Wie gesagt ist meine Restrepia cymbula noch in Rinde mit Perliten und Moos getopft. Sie stand den Sommer über aber trotzdem dauerhaft im Wasser. Dadurch zersetzt sich das Substrat  allerdings schon langsam. Es muss also neu getopft werden, wofür ich mineralisches Substrat verwenden werde.

Habitusfoto von Restrepia cymbula – an den nicht ganz makellosen Blättern erkennt man, dass die Pflaze den Sommer im Freien verbringt (Foto: Thomas Lehmann)

Das Gießwasser, mit dem ich die Schale auffülle, hat einen Leitwert von ca. 150 Mikrosiemens/cm. Von März bis in den frühen Herbst wird 1-2 Mal im Monat gedüngt. Dabei dünge ich das Wasser auf etwa 300 Mikrosiemens/cm auf. Gelegentlich wird der Topf mit klarem Wasser durchgespült, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu verhindern. Tut man das nicht, reichern sich im Laufe der Zeit zu viele Salze (Düngerreste) im Topf an, die dann die feinen Wurzeln beschädigen könnten. Im Winter dünge ich nicht.

Den Sommer darf meine Restrepia cymbula im Freien verbringen, was man ihr an den Blättern stellenweise auch ansieht. Sie steht dort schattig und vor Regen und Sturm geschützt, um möglichst kühle Temperaturen zu gewährleisten. Sie verträgt die heißen Sommertage bei uns in Süddeutschland aber sehr gut. Wichtig ist, dass die nächtlichen Temperaturen deutlich niedriger sind als am Tage. Sobald die Temperaturen nachts dauerhaft unter 8 Grad fallen, hole ich die Pflanze nach innen und stelle sie an einen kühlen Platz, an dem das Fenster so oft wie nur möglich gekippt ist. Im Winter sollte die Pflanze nicht zu warm stehen. Ein ungeheizter Raum (z. B. ein Treppenhaus) ist ideal, wenn genug Licht vorhanden ist. Im Winter kultiviere ich an einem hellen Westfenster in einem ungeheizten Raum. Dort können die Temperaturen in der Nacht auch auf 8-10 Grad abfallen.

Während ich im Sommer sehr darauf achte, dass keine Sonnenstrahlen direkt auf die Blätter fallen, darf in den Wintermonaten von November bis Mitte Februar das Sonnenlicht ungehindert auf die Pflanze scheinen – besonders oft scheint die Sonne im Winter ja ohnehin nicht. Ab Ende Februar/Anfang März wird die Sonnenstrahlung allerdings schon wieder so stark, dass es schnell zu Verbrennungen auf den Blättern kommen kann. Diese Verbrennungen sind dauerhaft und lassen sich nicht behandeln. Deshalb muss zwingend ab Mitte Februar schattiert werden.

Die ungewöhnliche Form der Blüten mit ihren leuchtenden Farben zieht alle Blicke auf sich. Wer mit dem Gedanken spielt, sich an Restrepien heranzutrauen, dem kann ich Restrepia brachypus und Restrepia cymbula wärmstens empfehlen. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Seitenansicht der Blüte von Restrepia cymbula (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte von Restrepia cymbula (Foto: Thomas Lehmann)
Eine kleine Knospe schiebt sich zwischen Blättern und alten Infloreszenzen hervor. (Foto: Thomas Lehmann)

KW 44, 2019

Coelogyne ovalis

Alles lesen Orchidee der Woche 44, 2019

Coelogyne ovalis

Coelogyne ovalis ‚Barbarossa‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Der britische Botaniker John LINDLEY beschrieb die Art erstmalig in „Edwards’s Botanical Register; or, Flower Garden and Shrubbery. London“ im Jahr 1838. Bis heute gab es sechs weitere Veröffentlichungen verschiedener Taxonomen, auf die ich nicht einzeln eingehen kann. Lediglich die Erstbeschreibung von Coelogyne fuliginosa aus dem Jahr 1849, die vom ebenfalls britischen Botaniker William Jackson HOOKER in „Botanical Magazine; or, Flower-Garden Displayed … London“ publiziert wurde, möchte ich kurz erwähnen, da die hier vorgestellte Pflanze von Werner Holzmann als Coelogyne fuligiosa erworben wurde. Laut „World Checklist of Selected Plant Families“ (WCSP) der Londoner Kew Gardens handelt es sich bei den beiden Veröffentlichungen um dieselbe Art. Da die Neubeschreibung von Coelogyne ovalis  früher veröffentlicht wurde, hat dieser Name bis heute Gültigkeit. Coelogyne fuliginosa ist somit ein Synonym, das allerdings in der Literatur und im Handel oft Erwähnung findet.

Die Art ist in Asien heimisch. Ihre Standorte erstrecken sich von Assam über Tibet, Nepal, Bhutan und von den chinesischen Provinzen Xizang und Yunnan bis  ins nordöstliche Indien sowie Myanmar, Thailand und Vietnam. Coelogyne ovalis wächst sowohl epiphytisch als auch lithophytisch in Bergtälern auf Höhen von 600 – 2100 Metern über dem Meeresspiegel. Durch das recht große Verbreitungsgebiet besiedelt diese Naturform unterschiedliche Klimabereiche. Die Temperaturbedingungen variieren von kühl bis warm, aber immer mit einer deutlichen Nachtabsenkung. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig hoch. Teilweise wird das örtliche Klima vom Monsun beeinflusst – an manchen Standorten gibt es ganzjährig gleichmäßige Niederschläge.

Habitusfoto von Coelogyne ovalis – wie man sieht ist eine Topfkultur nicht die optimale Lösung (Foto: Werner Holzmann)

Coelogyne ovalis bildet Pseudobulben aus, die bis zu zehn Zentimeter voneinader entfernt wachsen können. Dazwischen befindet sich ein langes, meist oberirdisches Rhizom. Jede Pseudobulbe ist mit zwei länglichen und spitz zulaufenden Blättern besetzt, die dunkelgrün und glänzend sind. Zwischen ihnen erscheint die Infloreszenz, mit der das Ausreifen der Pseudobulbe einhergeht. An den bis zu zwölf Zentimeter langen Blütentrieben entwickeln sich mehrere Blüten, wobei immer nur eine einzelne geöffnet ist. Die Tepalen sind durchscheinend gelb bis grünlich und sehr unauffällig. Dafür zeigt das Labellum auf weißem Grund eine sehr auffällige rote Zeichnung. Je nach Lichteinfall kann die Farbe sehr dunkel wirken. Die Blüten verströmen einen angenehmen Geruch.

Die folgende Kulturbeschreibung basiert auf Angaben von Werner Holzmann , der Coelogyne ovalis seit über 10 Jahren erfolgreich kultiviert. Alle Neutriebe kommen – trotz teils stiefmütterlicher Behandlung – zur Blüte, sobald sie ausgewachsen sind.

Als ich begann, für diesen Beitrag zu recherchieren, stellten sich mir recht schnell zwei Fragen: Temperaturbereich für die Kultur? Monsunartige Wassergaben und Trockenperioden oder nicht? Durch das recht große Verbreitungsgebiet sind diese beiden Fragen nicht ganz eindeutig zu beantworten. Pflanzen aus Nachzucht sollten da recht unkompliziert und anpassungsfähig sein. Werner Holzmann kultiviert zwei Pflanzen der Art unter kühl-temperierten Bedingungen. Eine davon steht ganzjährig an einem Ostfenster, das immer geöffnet ist. Nur wenn die nächtlichen Temperaturen unter -2 Grad fallen, wird das Fenster nachts geschlossen. Dadurch entsteht ein recht großes Tag/Nacht-Temperaturgefälle  – im Sommer wie im Winter. Das Fenster wird durch einen Baum schattiert. Somit ist der Standort zwar sehr hell, aber nur sehr selten fallen am Morgen Sonnenstrahlen direkt auf die Pflanze.  Die zweite Pflanze steht unter Kunstlicht und erhält keinerlei natürliches Licht. Auch die Temperaturen sind dort etwas höher und das Tag/Nacht-Gefälle ist nicht so ausgeprägt. Aber auch diese Pflanze blüht regelmäßig.

Wie man auf den Fotos von Werners Pflanze sehen kann, nimmt Coelogyne ovalis im Laufe der Jahre sehr viel Platz ein. Deshalb ist Topfkultur eigentlich nicht so gut geeignet für diese Art. Besser wäre es die Pflanze aufzubinden, wenn eine große Vitrine oder ein Gewächshaus vorhanden ist, oder sie in einer großen Schale zu kultiveren und gegebenenfalls die Rhizome etwas zu „lenken“. Die Schale sollte lieber gleich etwas größer gewählt werden, da Coelogynen das Umtopfen nicht so gerne mögen. Am besten wachsen sie, wenn man sie über Jahre hinweg einfach in Ruhe lassen kann. Als Substrat nutzt Werner gut durchlässige, nicht zu feine Rinde ohne weitere Zusatzstoffe.

Gegossen wird ganzjährig ohne ausgeprägte Trockenzeit, im Winter jedoch seltener, da der Pflanzstoff wegen der niedrigeren Temperaturen länger braucht, bis er antrocknet. Staunässe über einen längeren Zeitraum – besonders in Verbindung mit Kühle oder gar Kälte – kann zu Fäulnis führen, was den Tod der Pflanze bedeuten würde. Aus diesem Grund lässt Werner das Substrat zwar antrocknen, aber niemals ganz austrocknen.

Da die Wurzeln von vielen Coelogyne-Arten sehr empfindlich auf Salz reagieren können, verwendet Werner die Reste seines normal aufgedüngten Wassers und verdünnt dieses nochmals mit klarem Wasser. Der Leitwert liegt dann immer unter 200 Mikrosiemens/cm.

Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Blütenfoto von Coelogyne ovalis (Foto: Werner Holzmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Werner Holzmann)
Habitus von Coelogyne ovalis (Foto: Werner Holzmann)

KW 43, 2019

Bulbophyllum makoyanum

Alles lesen Orchidee der Woche 43, 2019

Bulbophyllum makoyanum

Bulbohyllum makoyanum (Foto: Thomas Lehmann)

Heinrich Gustav REICHENBACH – ein deutscher Botaniker, der eine Vielzahl von Orchideenarten beschrieb – veröffentlichte im Werk „Gardeners‘ Chronicle. London“ aus dem Jahr 1879 die Erstbeschreibung der Art unter dem Namen Cirrhopetalum makoyanum. In einer Notiz erwähnt er in diesem Beitrag auch den Namen Bulbophyllum makoyanum kurz. Die offizielle Überführung in die Gattung Bulbophyllum wurde von Henry Nicholas RIDLEY übernommen. Im Jahr 1907 erschien der anerkannte Artikel dazu in „Materials for a Flora of the Malayan Peninsula. Singapore“. Der Name Bulbophyllum leitet sich aus dem Altgriechischen Wörtern βολβος (bolbos) und Φυλλων (phyllon) ab. Bolbos lässt sich mit Birne  übersetzen. Phyllon ist das Wort für Blatt. Da die Pseudobulben ein wenig an Birnen erinnern, auf denen ein Blatt sitzt, ist der Gattungsname leicht nachzuvollziehen.

Beheimatet ist die Art in Malaysia, Singapur, auf Borneo und den Philippinen. Sie kommt dort in immerfeuchten Nebelwäldern des Tieflands unter warmen bis heißen Bedingungen vor. Die Standorte liegen von Meereshöhe bis auf ca. 300 Meter über dem Meeresspiegel. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch und die Luftfeuchtigkeit ist ebenfalls ganzjährig sehr hoch. Bulbophyllum makoyanum wächst ausschließlich epiphytisch. Durch das Laub der immergrünen Bäume sind die Pflanzen am Naturstandort vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Dennoch ist die Lichtintensität in diesen Wäldern sehr stark.

Habitus von Bulbophyllum makoyanum mit drei Infloreszenzen in verschiedenen Stadien (Foto: Thomas Lehmann)

Wie oben schon erwähnt bildet Bulbophyllum makoyanum birnen- bis eiförmige Pseudobulben aus, auf denen ein einzelnes sehr festes und fleischiges Blatt sitzt. Das Laub ist dunkelgrün und hat einen matten Glanz. Die Rhizomabschnitte zwischen den Pseudobulben sind nur wenige Zentimeter lang. Während des ganzen Jahres können an der Basis von frisch ausgewachsenen Pseudobulben Infloreszenzen erscheinen, die ca. 20 cm lang werden und sehr aufrecht wachsen, sodass die Blüten beim Aufblühen etwas über dem Laub stehen. Jede Infloreszenz trägt fünf bis zwölf Blüten und erinnert an einen Fächer oder Regenschirm. Die einzelnen Blüten haben sehr verlängerte, schlauchartig zusammengewachsene Sepalen. Die kleine Lippe sitzt in einem kleinen Zwischenraum und ist bewegllich. Petalen und das dorsale Sepalum sind mit Fransen besetzt, deutlich kleiner als die zusammengewachsenen Sepalen und manchmal farblich abgesetzt. Die Blüten haben einen leichten Duft, der nicht so unangenehm ist wie bei manch anderen Bulbophyllen.

Das Substrat für Bulbophyllum muss unbedingt sehr gut drainert sein und darf nicht zu nass werden, da die Pseudobulben sonst sehr schnell faulen. Aus diesem Grund nutze ich für meine größeren Bulbophyllen mittlere und grobe Rinde, gemischt mit Perlite. Gerne verwende ich auch transparente Töpfe, um den Zustand der Wurzeln und auch die Feuchtigkeit im Topf besser kontrollieren zu können. Wenn zwei Drittel des Topfes abgetrocknet sind, wird wieder gewässert. Ob getaucht oder durchdringend gegossen wird, muss jeder für sich entscheiden. Wichtig ist nur, dass sich keine Staunässe bildet und der Pflanzstoff sehr gut und schnell antrocknen kann. Je nach Temperatur trocknet mein Topf nach 5-10 Tagen ab, danach tauche ich wieder. Auch aufgebundene Kultur ist grundsätzlich möglich. Bedingt durch die Größe von Bublbophyllum makoyanum ist für die Pflege im Wohnraum der Topf aber die bessere Lösung. Wer ein Gewächshaus oder eine große Vitrine besitzt, kann es auch aufgebunden problemlos kultivieren.

Ich dünge von Frühjar bis Herbst bei jeder Wassergabe mit ca. 300 Mikrosiemens/cm. Gelegentlich auch etwas mehr. Zwischendrin wird der Topf auch mal mit klarem Wasser durchgespült. Da ich im Winter keine zusätzliche Beleuchtung in Form von LEDs oder Leuchtstoffröhren nutze, dünge ich in dieser Zeit gar nicht. Der Stoffwechsel der Pflanze ist im Winter in unseren Breitengraden stark herabgesenkt, da nur sehr wenig Licht zur Verfügung steht. Für diese Zeit genügen die Salze, die sich im Laufe des Sommers im Pflanzstoff anglagert haben.

Der Lichtbedarf von Bulbophyllum makoyanum ist nicht extrem hoch, da es am Naturstandort in immergrünen und schattigen Wäldern auf Bäumen sitzend wächst und kaum der direkten Sonne ausgesetzt ist. Bei mir steht die Pflanze an der Ostseite und bekommt ein wenig Morgensonne ab, das verträgt sie gut. Aber auch schattierte Süd- oder Westseite ist möglich. Da die nächtlichen Temperaturen am Standort nur selten unter 15-20 Grad fallen, steht mein Bulbophyllum makoyanum ganzjährig im Haus. Im Winter dann im beheizten Zimmer, in dem die nächtlichen Temperaturen auch nicht unter 15 Grad fallen. Tendenziell liegen sie auch im Winter bei 17-18 Grad Minimum.

Obwohl an den Naturstandorten ganzjährig eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, kommt dieses recht unkomplizierte Bulbophyllum auch mit etwas trockener Luft ganz gut zurecht. Bei guter Pflege und dem richtigen Standort ist es ein zuverlässiger Blüher, der während des ganzen Jahres mit mehreren Infloreszenzen blühen kann. Im Moment hat mein Bulbophyllum makoyanum drei Blütentriebe. Es scheint sich sichtlich wohl zu fühlen bei mir! Die einzigartige Blütenanordnung macht diese Orchidee zu einem wirklichen Blickfang. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Seitenansicht einer Einzelblüte (Foto: Thomas Lehmann)
Die einzelnen Blüten fächern sich kreisförmig auf (Foto: Thomas Lehmann)
Im Größenvergelich zu meiner Hand (Foto: Thomas Lehmann)
Ansicht von unten – die röhrenartig verwachsenen Sepalen sind hier deutlich zu erkennen (Foto: Thomas Lehmann)
Bulbophyllum makoyanum (Foto: Thomas Lehmann)
Bulbophyllum makoyanum (Foto: Thomas Lehmann)

KW 42, 2019

Tolumnia Jairak Flyer

Alles lesen Orchidee der Woche 42, 2019

Tolumnia Jairak Flyer

Tolumnia Jairak Flyer (Foto: Thomas Lehmann)

Am 29. April 2013 wurde Tolumnia Jairak Flyer von der Royal Horticultural Society (RHS) ins „International Orchid Register“ aufgenommen. Der thailändische Orchideenzüchter Kanith SOMBOONPOL hatte die Hybride Tolumnia Jairak Firm mit der Hybride Tolumnia Rainbow gekreuzt und das Ergebnis unter dem Namen Tolumnia Jairak Flyer angemeldet, als die Pflanze erstmalig erblühte. Insgesamt sind an dieser Hybride folgende Arten aus der Gattung Tolumnia beteiligt:

  • 46,09% Tolumnia pulchella
  • 34,77% Tolumnia triquetra
  • 10,94% Tolumnia guianensis
  • 6,64% Tolumnia henekenii
  •   1,57% Tolumnia urophylla

    Tolumnia pulchella ‚Widderchen‘ SM/DOG – zu 46,09% in den Genen von Tolumnia Jairak Firm vertreten (Foto: D.O.G.-Archiv)

Diese Naturformen sind allesamt in der Karibik heimisch. Auf Kuba, den Antillen und Bahamas sowie auf Jamaika und in Guyana wachsen diese kleinen Epiphyten alle unter warmen bis sehr warmen Bedingungen, kühl wird es dort eher selten. Tolumnien besiedeln helle, manchmal sogar sonnige Standorte mit hoher Luftfeuchtigkeit und starker Luftzirkulation.

Tolumnia Jairak Flyer ist eine monopodial wachsende Orchidee, deren fächerartiger Spross ca. 3-5 cm lange Blätter ausbildet, die gegenständig wachsen. Sie sind fest und sehr stark gekielt. Durch die Vielzahl an Naturformen, die an dieser Kreuzung beteiligt sind, kann die Blütenfarbe stark variieren. Fast alle Farbnuancen sind möglich. Inzwischen gibt es einige Klone mit besonders schöner Farbzeichnung. Die Blüten sind 3-4 cm hoch und 2-3 cm breit. Die größte Fläche nimmt die Lippe ein, welche meist eine besondere Zeichnung hat und mehrfarbig ist. Die einzelnen Blütenblätter sind manchmal leicht gerüscht, können aber auch ganz glatt sein. Wie schon erwähnt, ist durch die Beteiligung mehrerer unterschiedlicher Naturformen fast alles möglich.

Tolumnia Jairak Firm – die wir bereits als Orchidee der Woche vorgestellt hatten – ist ein Elternteil von Tolumnia Jairak Flyer (Foto: Thomas Lehmann)

Die Kultur von Tolumnia ist nicht ganz unkompliziert. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich im Laufe der letzten zehn Jahre schon so einige zu Kompost verarbeitet habe. Das Wichtigste ist, die richtige Balance zwischen Feuchtigkeit und Trockenheit zu finden. Stehen sie zu feucht, dann faulen sie ganz schnell. Stehen sie zu trocken, sterben die Wurzeln ab und die Pflanze dehydriert. Aufgebundene Kultur in einem warmen Gewächshaus mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit und starker Luftzirkulation sollte nicht so problematisch sein. Zu Hause auf der Fensterbank ist es aber wirklich eine hohe Kunst, diese reizenden Miniaturen mit ihren imposanten Blüten am Leben zu erhalten. Nachdem so einige Kulturmethoden bei mir fehlgeschlagen sind, läuft es jetzt seit zwei Jahren ganz gut und zufriedenstellend. Meine Tolumnia Jairak Flyer, die ich schon vor einem Jahr vorgestellt hatte, erreichte inzwischen eine Silbermedaille bei der Tischbewertung. Ich hatte die Pflanzen früher ganz wurzelnackt kultiviert – in kleinen Tontöpfen, in Gläsern auf feuchtem Ton und in diversen anderen Gefäßen. Auf Dauer sind sie mir immer vetrocknet, zuerst die Wurzeln, dann die Pflanzen. Danach probierte ich es getopft in grober Rinde, in Moos und diversen anderen Substraten, die mir empfohlen worden waren. Früher oder später faulten mir die Pflanzen dann doch immer ab oder vertrockneten auch, wenn ich zu vorsichtig mit dem Gießen war. Mit folgender Kombination aus den beiden Kulturansätzen läuft es nun schon seit über zwei Jahren gut und ich wurde schon mehrmals mit Blütentrieben belohnt. Die Pflanzen sind kräftig, sehen gesund aus und es bilden sich regelmäßig neue Wurzeln und Fächer, also Seitentriebe.

Meine aktuelle Kulturmethode sieht folgendermaßen aus: Das kleine Pflänzchen selbst sitzt wurzelnackt in einem kleinen Gitterkörbchen. Das Gitterkörbchen wiederum sitzt in einem großen Tontopf, der mit grober Rinde gefüllt ist. Das Körbchen ist in der Rinde versenkt. Dadurch wachsen die Wurzeln durch das Körbchen in die grobe Rinde, in der sich die Feuchigkeit etwas länger hält und eine hohe Luftfeuchtigkeit in den Zwischenräumen herrscht. Die Pflanze kann sich dadurch also lange mit Feuchtigkeit und Nährstoffen versorgen. Die Pflanze selbst kann aber sehr schnell abtrocknen und ist deswegen bisher nicht gefault. Auch sehen alle Wurzeln noch sehr gut und prall aus, was mit allen anderen wurzelnackten Kulturmethoden immer nicht lange anhielt. Die feinen Wurzeln sahen da immer sehr schnell trocken und brüchig aus.

Getaucht wird nach Gefühl, aber immer erst, wenn wirklich alles abgetrocknet ist. Grundsätzlich kommen Tolumnien mit Trockenheit besser zurecht als mit zu viel Nässe. In den Sommermonaten, als die Hitzewelle besonders schlimm war, stand der Tontopf stets in einer kleinen mit Wasser gefüllten Schale. der Tontopf war dadurch ständig leicht feucht und auch die Rinde sog sich von unten mit Wasser voll, wodurch ein sehr feuchtes Mikroklima im Topf entstand. Die Pflanze selbst bekam allerdings kein Wasser ab und blieb schön trocken. Da Tolumnien sehr feine, fast fadenartige Wurzeln haben, sollte immer mit möglichst salzarmem Wasser gegossen werden. Das Velamen der Wurzeln verstopft durch zu viele Salze sehr schnell und sie können dann kein Wasser mehr aufnehmen. Mein Tauchwasser hat einen Leitwert zwischen 50 und 100 Mikrosiemens/cm. Dazu nutze ich entmineralisiertes Wassser (Osmosewasser) und dünge es auf den gewünschten Wert auf. In diesem Fall gibt es auch im Winter ein wenig Dünger, da entmineralisiertes Wasser auf Dauer schaden kann, wenn es pur verwendet wird. Durch den osmotischen Druck, den das Wasser hat, kann es Nährstoffe aus der Pflanze saugen und diese geht dann ein. Im Winter gibt es aber weniger Dünger als im Sommer. Im Sommer wird gelegentlich etwas mehr gedüngt. Dazu dünge ich das Gießwasser auf einen Leitwert von ca. 200 -250 Mikrosiemens/cm auf.

Meine Tolumnia Jairak Flyer steht ganzjährig sehr warm. Die nächtlichen Temperaturen fallen auch im Winter niemals unter 18 Grad, meist ist es sogar noch etwas wärmer. Auch an Wintertagen kann ich ihr dank meiner beheizten Orchideengalerie Mindesttemperaturen am Tag von 25 Grad bieten. Bei Sonnenschein steigen sie auch schnell über 30 Grad. Im Sommer haben wir hier in Süddeutschland inzwischen ja fast tropische Temperaturen, somit muss ich da nichts regulieren. Die Pflanze steht sehr hell, im Sommer leicht schattiert. Im Winter bekommt sie volles Licht am großen Südfenster.

Zum besseren Verständnis ein Foto meines Kulturtopfes (Foto: Thomas LEHMANN)

Wann immer es geht, wird gelüftet, damit möglichst viel Luftaustausch und -zirkulation herrscht. Vernebler und Ventilator – wie noch vor einem Jahr in der Kulturanleitung zu Tolumnia Jairak Firm geschrieben – hatte ich letzten Winter gar nicht mehr benutzt. Die Pflanze wuchs genauso gut und blühte reichlich in diesem Jahr.

Zwar ist die Kultur von Tolumnia nicht unkompliziert und meist mit einigen Rückschlägen gepaart, umso größer ist dann aber die Freude, wenn eine Pflanze über alle Jahreszeiten hinweg wächst und gedeiht, dabei auch noch gut aussieht und man letzten Endes mit einer tollen und langanhaltenden Blüte belohnt wird! Jetzt hoffe ich mal, dass es auch weiterhin so gut läuft mit der Kulturmethode und mich meine Tolumnia Jairak Flyer wieder mit Blüten erfreut. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Habitusbild von Tolumnia Jairak Firm (Foto: Thomas Lehmann)
Hier kann man teilweise sehen, wie die feinen Wurzeln in das sehr grobe Substrat wachsen (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht einer Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Blütenbild von Tolumnia Jairak Flyer (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 41, 2019

Catasetum fimbriatum

Alles lesen Orchidee der Woche 41, 2019

Catasetum fimbriatum

Catasetum fimbriatum (Foto: Werner Holzmann)

Bereits im Jahr 1848 beschrieb der belgische Botaniker Charles François Antoine MORREN die Art erstmalig unter dem Namen Myanthus fimbriatus im Werk „Annales de la Société Royale d’Agriculture et de Botanique de Gand: Journal d’Horticulture et des Sciences Accessoires“. John LINDLEY und Joseph PAXTON veröffentlichten 1850/51 einen Artikel in „Paxton’s Flower Garden. London“, in dem sie die Art in die Gattung Catasetum umkombinierten. Der Gattugsname Catasetum setzt sich aus dem altgriechischen Wort κατα (nieder) und dem lateinischen seta (Borste) zusammen. Der Name wurde wegen der zwei antennenartigen Fortsätze der Säule gewählt, die bei den männlichen Blüten nach unten gedreht sind.

Catasetum fimbriatum ist heimisch in den Subtropen Südamerikas. Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Venezuela über Bolivien, Brasilien und Paraguay bis nach Argentinien. Angeblich wurde sie auch in Guyana gefunden, was allerdings bis heute nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte. Die großwüchsige Art siedelt in trockenen Tälern auf Höhen von 400 – 500 Metern über dem Meeresspiegel, wo stets warme bis heiße Bedingungen herrschen. Während es in den Sommermonaten viel Niederschlag gibt, sind die Winter sehr trocken und regenarm. Catasetum fimbriatum wächst epiphytisch – meist auf den Stämmen von Palmen.

Habitus von Catasetum fimbriatum (Foto: Werner Holzmann)

An den großen, eiförmigen Pseudobulben sitzen mehrere wechselständig angeordnete Blätter. Die Blattbasen umschliesen die Pseudobulbe komplett. Die Blätter sind weich, stark gekielt und werden bis zu  40 cm lang. Während der trockenen Ruhezeit im Winter werden sie abgeworfen. Im Frühjahr entsteht dann an der alten Pseudobulbe ein Neutrieb, der über den Frühling und Sommer hindurch zügig wächst und ausreift. Danach erscheint an der Basis der neuen Pseudobulbe die Infloreszenz, die bis zu 45 cm lang wird. Die überhängenden Blütenstände tragen zwischen sieben und 15 Blüten, die intensiv nach Gewürzen und Früchten riechen. Die Tepalen sind zart cremeweiß, grünlich überhaucht und mit zahlreichen rotbraunen Punkten besetzt. Das auffallende Labellum ist einfarbig leuchtend grün. Während die Tepalen sehr glatte Ränder haben, ist das Labellum stark gefranst.  Nach der Blüte geht Catasetum in die trockene Ruhephase, bis im Frühjahr der Zyklus wieder von Neuem beginnt.

Die folgende Kulturanleitung stammt von Werner Holzmann, der Catasetum fimbriatum seit Jahren erfolgreich auf der Fensterbank kultiviert:

Obwohl ich im Grundsatz über die Kultur dieser Pflanzen Bescheid wusste, klappte es erst so richtig gut, nachdem ich einen Tipp von einer lieben Orchideenfreundin erhalten hatte, die Cataseten über viele Jahre erfolgreich kultivierte. Das ist für mich der Grund, weshalb ich mich in der D.O.G. einbringe – weil gerade die Hinweise der „alten Hasen“ unglaublich wertvoll für mich sind. Ich hoffe so ein bisschen was an die kommenden Orchideenfreunde weitergeben zu können.

Liebe Monika Bartel, herzlichen Dank für deine wertvollen Tipps!

Während der absolut trockenen Ruhezeit im Winter werden nicht nur die Blätter abgeworfen, auch die Wurzeln des Triebs sterben ab und werden nicht mehr benötigt. Aus diesem Grund wird die Pflanze im Winter  aus dem Topf geholt und alle Wurzeln werden komplett entfernt. Belässt man die toten Wurzeln im Topf, könnten sie im folgenden Wachstumszyklus, wenn sehr viel gegossen wird, beginnen zu faulen. Diese Fäulnis kann sich ausbreiten und auch den Neutrieb gefährden. Außerdem wird die Altbulbe völlig entbastet, das heißt von allen trockenen Blattresten befreit. Die Bulben werden dann trocken gelagert und erst wieder getopft, wenn im Frühjahr der Neutrieb und Wurzeln erscheinen.

Als Pflanzstoff hat sich ein normales Rindensubstrat ohne jegliche Zuschlagsstoffe bewährt. Auch Sphagnum lässt sich gut verwenden, da das Substrat ohnehin jährlich gewechselt wird.

Wenn Catasetum fimbriatum mitsamt dem Neutrieb getopft ist, kann ordentlich gewässert und auch sehr reichlich gedüngt werden. Da Cataseten sehr hungrig nach Nährstoffen sind, ist es auch problemlos möglich zwei bis drei Körner Osmocote unter das Substrat zu mischen, die die Pflanze für einige Wochen mit Nährstoffen versorgen. Parallel dazu sollte aber auch regelmäßig mit handelsüblichem Orchideendünger gedüngt werden. Während der Wachstumsperiode sollte das Substrat stets feucht gehalten werden und nicht vollständig abtrocknen.

Beim Lichtbedarf von Catasetum fimbriatum scheiden sich die Geister. Während man in einigen Quellen liest, dass Cataseten einen sehr hohen Lichtbedarf haben, kultiviert Werner Holzmann seine Pflanze an einem Nordfenster mit naturgemäß weniger Licht. Da sie gut wächst und regelmäßig blüht, scheint ihr das wohl zu genügen. Vermutlich sind Pflanzen der Art einfach nicht besonders anspruchsvoll hinsichtlich der Lichtverhältnisse. Sie scheinen sowohl in helleren wie auch in etwas schattigeren Gefilden gut zurechtzukommen.

Werner Holzmann kultiviert sein Catasetum fimbriatum temperiert. Auch höhere Temperaturen sind möglich, wenn man sich das natürliche Verbreitungsgebiet anschaut. Nur zu kühl oder gar kalt sollte es nicht sein.

Die Blüten von Werner Holzmanns Pflanze haben einen sehr angenehmen fruchtig-blumigen Duft, der raumfüllend, aber nicht aufdringlich ist.

Werner Holzmann liebt Pflanzen, die nicht ständig umsorgt werden müssen. Die Arten aus den Gattungen Catasetum, Mormodes und Clowesia sowie die Hybriden daraus gehören zu seinen Lieblingen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich nach dem Schreiben des Beitrags jetzt große Lust, mich an solch einem „Liebling“ zu versuchen. Ihr auch? Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Catasetum fimbriatum ‚Schanz‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Werner Holzmann)
Überhängende Infloreszenz mit 8 Blüten (Foto: Werner Holzmann)
Die neue Pseudobulbe wurde nach der Kulturumstellung deutlich größer (Foto: Werner Holzmann)
Das neue Wurzelwerk von diesem Jahr (Foto: Werner Holzmann)
Infloreszenz vom letzen Jahr mit „nur“ sechs Blüten (Foto: Werner Holzmann)

 

 

KW 40, 2019

Seidenfadenia mitrata

Alles lesen Orchidee der Woche 40, 2019

Seidenfadenia mitrata

Seidenfadenia mitrata ‚Mike‘ SM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)

Der deutsche Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH beschrieb die Art erstmalig unter dem Namen Aerides mitratum in Botanische Zeitung (Berlin)“ im Jahre 1864. Der Name Aerides leitet sich von den griechischen Wörtern αηρ (aer) für Luft und –ειδης (-eides) für ähnlich ab. REICHENBACH ordnete die Art in die Gattung Aerides, da sie sich fast ausschließlich von Feuchtigkeit ernährt, die sie durch die Luft aufnimmt. Den Artnamen mitratum wählte er vermutlich, da das Labellum der Blüten sehr an die traditionelle liturgische Kopfbedeckung von Bischöfen erinnert. Diese wird Mitra (Mz. Mitren) genannt.  Leslie Andrew GARAY begründete im Jahr 1972 die Gattung Seidenfadenia – die er nach dem dänischen Orchideenforscher Gunnar SEIDENFADEN benannte – und überführte Aerides mitrata in diese neue Gattung. Beides, die Neubegründung der Gattung Seidenfadenia und auch die Überführung von Aerides mitrata zu Seidenfadenia, publizierte er in „Botanical Museum Leaflets, Harvard University“.

Seidenfadenia mitrata ist heimisch in Myanmar, Laos und Thailand. Sie wächst dort ausschließlich epiphytisch auf Bäumen. Die Standorte liegen auf Höhen von 100 – 800 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturbedingungen sind ganzjährig warm bis heiß. Während es in den Sommermonaten durch den Monsun sehr viel Niederschlag gibt, sind die Wintermonate von trockener Wärme geprägt. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

Habitusbild von Seidenfadenia mitrata ‚Mike‘ (Foto: Thomas Lehmann)

Von einem kurzen Stamm hängen sehr schmale, fast röhrenartige Blätter herab, die bis zu 30 cm lang werden können. Das Laub ist sehr fest und fleischig. Seidenfadenia mitrata wächst nie aufrecht, sondern immer überhängend. Die Infloreszenzen entspringen am Stamm zwischen den Blättern und sind immer kürzer als das Laub. Meist verzweigen sich die Blütentriebe nicht. Die Wurzeln sind, für Epiphyten typisch, sehr dick und fest. Das Velamen speichert bei Regen Wasser und verfärbt sich grün. Sobald die gespeicherte Feuchtigkeit an die Pflanze abgegeben wurde, sind die Wurzeln wieder silbrig grau. An den Infloreszenzen bilden sich zahlreiche Blüten, die zart duften. Die Grundfarbe der Blüten ist weiß, manchmal sind sie zart rosa überhaucht. Das Labellum und die Spitze der Säule sind leuchtend rosa bis violett gefärbt. Hauptblütezeit am Standort ist im Frühjar. In Kultur blühen die Pflanzen sehr oft auch im Herbst.

Seidenfadenia mitrata sollte immer aufgebunden kultiviert werden, damit die Wurzeln sehr schnell abtrocknen können. Im Topf bleibt es selbst mit sehr grober Rinde meist zu lange feucht, sodass die Wurzeln und letzten Endes auch der Stamm zu faulen beginnen. Meine Pflanze bekam ich aufgebunden auf ein Stück Holz, an dem sie sich mit ihren dicken und festen Wurzeln angeheftet hatte. Selbst in feuchtem Zustand würden sich die Wurzeln nur äußerst schwer vom Holz lösen lassen. Deshalb sollte ein Material gewählt werden, das sich nur sehr langsam zersetzt, damit Seidenfadenia mitrata dort über viele Jahre verweilen kann.

Am besten wäre natürlich ein Gewächshaus oder eine große Orchideenvitrine, um die Art zu kultivieren. Ich habe beides nicht und versuche es deshalb im Wohnraum. Ob die Kultur dort über viele Jahre erfolgreich sein wird, weiß ich noch nicht, da ich die Pflanze noch nicht zu lange besitze. Bisher klappt es allerdings sehr gut, sodass ich optimistisch bin. Im Wohnraum ist das größte Problem, dass die Luftfeuchtigkeit meist nicht so hoch ist, wie die Pflanze es eigentlich gerne hätte. Aus diesem Grund hängt meine Seidenfadenia mitrata in einer großen Glasröhre, die im unteren Bereich mit etwas Wasser gefüllt ist. Während der Blüte muss ich sie allerdings aus der Glasröhre holen und ans Geländer unserer Galerie hängen. Dort ist es sehr hell, aber auch sehr trocken. In dieser Zeit wird sie dann täglich mindestens einmal für 5-15 Minuten in ein Wasserbad gelegt, damit sich die Wurzeln richtig voll Wasser saugen können. In der Glasröhre hängend wird sie im Winter täglich etwas besprüht. Im Sommer fülle ich zusätzlich so viel Wasser in die Röhre, dass die längsten zwei bis drei Wurzeln ein klein wenig darin hängen. Alle paar Tage wird sie aus der Röhre genommen, damit auch die Wurzelspitzen richtig abtrocknen können, da ich Angst habe, dass diese sonst zu faulen beginnen. Ich bin gespannt, ob sich die Pflanze unter dieser Kulturmethode weiterhin gut entwickelt oder ob ich künftig an einigen Faktoren noch etwas ändern muss.

Das Wasser hat im Normalfall einen sehr geringen Leitwert, um die 100 Mikrosiemens/cm. Ein- bis zweimal im Monat – während des Sommers – gibt es ein ausgiebiges Tauchbad. Dazu dünge ich das Wasser auf einen Leitwert von ungefähr 400 Mikrosiemens/cm auf. Während der Wintermonate erhält Seidenfadenia mitrata bei mir keinen Dünger.

Direkte Sonneneinstrahlung versuche ich ganzjährig zu vermeiden, da sich die Luft in der Glasröhre sehr schnell erhitzen und besonders im Sommer dann zu warm würde. Auch wenn Seidenfadenia mitrata zu den warm zu kultivierenden Orchideen gehört, sollte sie nicht in einer Glasröhre durchgegart werden. Temperaturen bis an die 40 Grad werden aber sehr gut vertragen. Die Nächte sollten nicht allzu kühl werden. In meinem Kulturraum fällt die Temperatur  nie unter 16 Grad.

Ein wirklich großes Problem stellt natürlich ein längerer Urlaub dar. Für diese Zeit ist es zwingend nötig, dass man jemanden hat, der die Pflanze während der Abwesenheit versorgt. Ich hatte mir überlegt, ob es mit einem Vernebler (Luftbefeuchter), der auf die Pflanze gerichtet wird und fast dauerhaft läuft, vielleicht möglich wäre, sie während der Abwesenheit zu versorgen. Ausprobiert habe ich das aber noch nicht.

Auch wenn die Zimmerkultur etwas aufwendiger ist, möchte ich meine Seidenfadenia mitrata nicht mehr hergeben. Die zahlreichen kleinen Blüten halten über viele Wochen und duften herrlich. Ein wahrer Blickfang in jedem Wohnraum. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Seidenfadenia mitrata ‚Mike‘ mit ihrer Silbermedaille (Foto: Thomas Lehmann)
Auch wenn Seidenfadenia mitrata eigentlich selten Seitentriebe entwickelt, hatte meine dieses Jahr gleich zwei davon (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)