Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

KW 25, 2019

Phragmipedium Bärbel

Alles lesen Orchidee der Woche 25, 2019

Phragmipedium Bärbel

Bei der Tischbewertung in Köln im Juni 2019 bekam Phragmipedium Bärbel ‚Mama‘ die Bronzemedaille in der Kategorie Hybriden. Für eine so kleine und junge Pflanze ein toller Erfolg, der Klon ist aber auch besonders intensiv leuchtend gefärbt. (Foto: Thomas Lehmann)

Vor einigen Jahren bekam ich ein paar halbwüchsige Jungpflanzen von Phragmipedium longifolium × Phragmipedium Saint Ouen von einem Bekannten. Ich wusste nur, dass sie von einem großen holländischen Zuchtbetrieb stammten. Die genaue Quelle blieb mir leider unbekannt. Nachdem im vergangenen Winter die ersten Pflanzen bei mir zur Blüte kamen, recherchierte ich, ob sie inzwischen in das Register der Royal Horticultural Society eingetragen wurden. Dies war nicht der Fall. Grundsätzlich sollte man ja nichts registrieren lassen, was man nicht selbst gekreuzt hat, es sei denn, man hat die Erlaubnis des Züchters. Da mir die Quelle aber unbekannt war, konnte ich auch nicht um Erlaubnis fragen. Allerdings dachte ich mir dann, wenn die Pflanzen bei mir jetzt blühen, dann sollten sie in einem volltechnisierten, holländischen Großbetrieb längst zur Blüte gekommen sein. Der Züchter schien also kein Interesse daran zu haben, die Kreuzung ins Register der RHS eintragen zu lassen. Zum Glück gibt es ja die Möglichkeit im Formular der RHS anzugeben, dass die Kreuzung nicht von einem selbst stammt und der eigentliche Ursprung unbekannt ist. Also beschloss ich, dieser tollen und sehr variablen Kreuzung einen Namen zu geben und meldete sie am 08. Februar 2019 bei der Royal Horticultural Society an. Da ich die Anmeldung online tätigte, musste ich den Namen zunächst Phragmipedium Baerbel schreiben, da das englische Programm unseren Umlaut „Ä“ nicht annehmen wollte. Durch Zufall und Vitamin B konnte ich das im Nachhinein aber noch ändern lassen, sodass die Hybride aus Phragmipedium longifolium und Phragmipedium Saint Ouen nun offiziell Phragmipedium Bärbel heißt.

Bärbel ist der Spitzname meiner Mama, die eigentlich Barbara heißt. Da es meinen drei Geschwistern und mir während unserer Kindheit an nichts fehlte – besonders nicht an bedingungsloser Liebe, Verständnis und Vertrauen – bin ich der Meinung, sie hat es wirklich verdient, dass eine so unkomplizierte und vielfältige Orchidee nach ihr benannt wird.

Insgesamt sind an der Hybride Phragmipedium Bärbel drei Naturformen beteiligt:

Phragmipedium longifolium – hier der Klon ‚Mike‘ BM/DOG – ist zu 50% im Genpool von Phragmipedium Bärbel vertreten (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium besseae – hier eine standortreine Form aus Peru – gibt 37,5% in den Genpool von Phragmipedium Bärbel (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium schlimii ist mit 12,5% an der Hybride beteiligt (Foto: D.O.G.-Archiv)

Phragmipedium longifolium wurde bereits 1896 beschrieben und kommt in Costa Rica, Panama, Kolumbien, Ecuador und im brasilianischen Bundesstaat Goiás vor. Auch diese Art siedelt oft in der Nähe von Gewässern, wo ihre Wurzeln teilweise bis ins Flussbett wachsen, sodass sie immer von Wasser umspült werden. In dem großen Verbreitungsgebiet variiert das Klima etwas. Die nächtlichen Temperaturen können in manchen Gebieten unter 10 Grad fallen, während die Tagestemperaturen über die 30 Grad-Marke steigen können.

Phragmipedium besseae wurde erst im Jahr 1981 entdeckt und erstmalig beschrieben. Heimisch ist die Art in Peru und Ecuador, wo sie terrestrisch, meist in der Nähe von Flüssen und Bächen wächst. Das Klima am Standort bietet ganzjährig sehr konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad. Niederschläge gibt es ebenfalls während des ganzen Jahres. Von März bis September sind diese sogar sehr häufig und regelmäßig.

Phragmipedium schlimii wurde im Jahre 1852 von Louis Joseph Schlim, dem Halbbruder des Botanikers Jean Jules Linden, entdeckt. Linden und Reichenbach f. beschrieben diese neue Art dann im Jahre 1854 in „Bonplandia“ 2:227 als Selenipedium schlimii. Heimisch ist diese Naturform in Kolumbien und den Ost- und  Zentralkordilleren (Gebirgskette, zu der auch die Anden gehören) in Höhen von 1200 -1900 Metern. Dort wächst schlimii in Humusnestern und zwischen hohen Gräsern, die teilweise mit Moos und Flechten bedeckt sind. Die Standorte sind immer relativ feucht und meist halbschattig. Die Temperaturen steigen im Sommer bis auf 25 Grad Celcius an und können im Winter nachts auch mal auf 8 Grad Celcius fallen. Relative Luftfeuchte ist mit 70% bis 80% immer sehr hoch.

Die Kultur von Phragmipedium Bärbel ist auch auf der Fensterbank sehr gut möglich. Da alle meine Pflanzen recht kompakt wachsen, vermute ich, dass bei der Kreuzung eine der kleineren Varietäten von Phragmipedium longifolium verwendet wurde.

Getopft habe ich meine Phragmipedien fast alle in einem Gemisch aus Rinde, Bimskies, Holzkohle und Perlite. Je nach Topfgröße verwende ich die Rinde in verschiedenen Körnungen, meist aber 9-12 mm. Bei sehr kleinen Töpfen mische ich feinere Rinde mit unter, bei sehr großen Töpfen entsprechend gröbere. Die Rinde saugt sich gut mit Wasser voll und speichert dieses. Bimskies benutze ich grundsätzlich in der Körnung 5 – 10 mm. Er hat den Vorteil, dass er etwas Calcium abgibt, was sich gut auf das Wachstun und die Blüteninduktion der meisten Phragmipedien auswirkt. Perlite lockern durch ihr sehr geringes Eigengewicht das Substrat auf und speichern zudem Wasser, das sie nach und nach an die Wurzeln abgeben. Die Holzkohle nutze ich nicht, um Giftstoffe aus dem Wasser zu filtern, was man immer wieder liest. Nur Aktivkohle hat die Eigenschaft Gift- und Schadstoffe herauszufiltern. Normale Holzkohle kann das nicht. Ich mische sie sehr gerne mit in das Substrat, da sie nicht viel Wasser aufnimmt und somit etwas trockenere Stellen im eher nassen Substrat schafft. Seit ich Holzkohle mit in meinen Pflanzstoff mische, beobachte ich ein deutlich besseres Wurzelwachstum.

Wie man an diesem gelb gefärbten Klon gut erkennt, ist Phragmipedium Bärbel sehr variabel. (Foto: Thomas Lehmann)

Da die an der Hybride beteiligten Phragmipedium-Arten allesamt sehr feuchtes bis nasses Substrat mögen, lassen sie sich ganz einfach mit nassem Fuß kultivieren. Die Töpfe stehen bei mir in großen Schalen, in denen immer etwas Wasser steht. Sobald das Wasser vollkommen aufgesogen wurde, fülle ich wieder 1-2 cm Wasser auf. Das Wasser wird vom Pflanzstoff aufgesaugt, wodurch eine schöne Dauerfeuchte entsteht. Besonders im Winter lasse ich die Schalen gelegentlich für wenige Tage austrocknen. Das Substrat in den Töpfen trocknet in der Zeit etwas an, aber niemals richtig ab.

Diese Pflanze erblühte als erste und war somit der Anstoß für die Anmeldung bei der RHS. (Foto: Thomas Lehmann)

Für die Hybriden, wie Phragmipedium Bärbel, gibt es den Sommer über mit jedem Wässern Dünger. Das Wasser, mit dem ich die Schalen fülle, hat einen Leitwert von ungefähr 300-350 Mikrosiemens/cm. Im Winter dünge ich gar nicht. Durch die kurzen Tage mit wenig Licht fährt der Stoffwechsel der Pflanzen herunter. Die während des Sommers im Substrat angereicherten Nährstoffe genügen in dieser lichtarmen Jahreszeit. Wer im Winter mit künstlichem Licht arbeitet, kann ganzjährig düngen, da Phragmipedium Bärbel keine Ruhezeit macht. Zusätzlich zum Dünger streue ich 3-4 mal im Jahr etwas Hüttenkalk auf das Substrat und gieße ihn gut ein. Hüttenkalk ist ein kohlensaurer Kalk, der von Pflanzen besonders gut verstoffwechselt werden kann.

Mittagssonne im Sommer wird nicht vertragen. Darauf reagieren Phragmipedien grundstätzlich mit Sonnenbrand. Morgen- oder Abendsonne ist kein Problem für Phragmipedium Bärbel. Meine Pflanzen dieser Kreuzung stehen ganzjährig an einem nach Süden ausgerichteten, riesengroßen Fenster. Im Sommer wird natürlich schattiert, um Sonnenbrand zu vermeiden. Im Winter scheint die Sonne – wenn sie sich denn mal zeigt – ungebrochen auf die Pflanzen.

Ich kultiviere Phragmipedium Bärbel ganzjährig warm, wobei auch temperiert gut vertragen wird. Die nächtlichen Temperaturen im Winter fallen nie unter 16 Grad. Meistens liegen sie sogar noch etwas höher bei 18 Grad. Durch das große Südfenster heizt der Raum im Winter bei Sonnenschein schnell auf. Teilweise steigen die Temperaturen dann auf 28-30 Grad. Die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht wirken sich positiv auf Wachstum und Blühfreudigkeit aus, sind aber nicht zwingend notwendig.

Wie auf den Fotos zu sehen, ist Phragmipedium Bärbel besonders in der Farbe sehr variabel. Wer also eine bestimmte Färbung wünscht, sollte unbedingt blühend kaufen. Egal welche Farbe, diese unkomplizierte Hybride macht einfach unglaublich Spaß – nicht zuletzt wegen ihrer sehr langen Blühdauer. Da sie eine Blüte nach der anderen öffnet, blüht sie über Monate hinweg. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Habitusbild von Phragmipedium Bärbel ‚Mama‘ BM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Bärbel ‚Mama‘ BM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Ein Klon mit besonders großem Schuh (Foto: Thomas Lehmann)
Ein Klon mit hängenden Petalen (Foto: Thomas Lehmann)
Eine sehr helle, rosafarbene Variation von Phragmipedium Bärbel (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht des gelben Klons (Foto: Thomas Lehmann)

KW 24, 2019

Epicyclia Serena O’Neill

Alles lesen Orchidee der Woche 24, 2019

Epicyclia Serena O’Neill

Epicyclia Serena O’Neill (Foto: Thomas Lehmann)

Im Jahr 2006 nahm die Royal Horticultural Society (RHS) diese Hybride in das Register für Orchideenhybriden auf. Die Orchideenzucht Hawaii Hybrids, LLC aus Hilo auf Hawaii hatte die Kreuzung aus Epicyclia Mabel Kanda und Encyclia cordigera dort angemeldet und ihr den Namen Serena O’Neill gegeben. Wer Serena O’Neill war oder ist und warum nach ihr eine Orchidee benannt wurde, konnte ich leider nicht herausfinden. Der Elternteil Epicyclia Mabel Kanda ist eine Primärhybride aus Encyclia cordigera und Epidendrum paniculatum. Der Genpool dieser Hybride aus zwei verschiedenen Gattungen teilt sich also wie folgt auf:

  • 75% Encyclia cordigera
  • 25% Epidendrum paniculatum
Dieses Jahr hatte ich zwei Blütentriebe an meiner Epicyclia Serena O’Neill. (Foto: Thomas Lehmann)

Encyclia cordigera ist heimisch in Südamerika. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Mexiko über Guatemala, Belize, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Panama und Französisch Guyana bis nach Surinam, Guyana, Venezuela, Brasilien, Kolumbien und Peru. Die Art wächst dort meist epiphytisch, gelegentlich auch lithophytisch, sowohl in trockenen Wäldern wie auch in tropischen Regenwäldern und dichtem Gestrüpp. Man findet Encyclia cordigera in Höhenlagen von null bis 900 Metern über dem Meeresspiegel unter warmen bis heißen klimatischen Bedingungen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über.

Epidendrum paniculatum ist ebenfalls im gesamten südamerikanischen Raum heimisch. Allerdings wächst die Art deutlich höher (1700 – 2800 Meter über dem Meeresspiegel) und somit auch unter wesentlich kühleren bis kalten klimatischen Bedingungen. Die Pflanzen können wirklich riesig werden und variieren stark in Größe und Farbe von Laub und auch Blüten. Sie kommen epiphytisch in immerfeuchten tropischen Regenwäldern vor und haben somit keine Ruhezeit.

Die Hybride Epicyclia Serena O’Neill bildet glänzende längliche Pseudobulben aus, die bis zu 10 cm hoch werden können und nach oben hin schmaler werden. Jede Pseudobulbe ist im Bereich der oberen Hälfte mit 3-5 wechselständigen dunkelgrünen Blättern besetzt, die ca. 2-3 cm breit sind und bis zu 25 cm lang werden können. Im Winter und Frühjahr erscheinen meist die endständigen Infloreszenzen, die 25-40 cm lang werden, sich gelegentlich auch verzweigen und 6-12 Blüten tragen. An den Verzweigungen entwickeln sich allerdings nicht so viele Blüten wie am Hauptast. Die Tepalen sind hellgrün, während die Lippe in einem leuchtenden Rosaton strahlt. Die Blüten haben einen angenehm blumigen Duft und halten mehrere Wochen. Die Neutriebe erscheinen im Frühjahr, meist noch während der Blütezeit.

Getopft habe ich meine Epicyclia Serena O’Neill in mittelgrober Pinienrinde ohne weiterer Zuschlagstoffe. Wer Probleme damit hat, bei der Kultur in Rinde die benötigte Dauerfeuchtigkeit aufrechtzuerhalten, kann die Pflanze auch mineralisch topfen und das Wasser immer von unten anstauen. Wichtig ist dabei aber, dass die Pseudobulben auf dem Substrat aufsitzen und nicht darin vergraben werden, da sie sonst schnell faulen können.

Die Wassergaben erfolgen bei mir durch Tauchen. Im Sommer alle 4-5 Tage, im Winter alle 7-8 Tage. Das Substrat darf zwischen den Wassergaben auch gut antrocknen, sollte aber nicht über längere Zeit richtig durchtrocknen, da die Pseudobulben sonst zu schrumpeln beginnen. Während der Vegetationszeit vom Frühjahr bis in den Herbst dünge ich bei jedem Wässern. Das verwendete Tauchwassser hat einen Leitwert von ungefähr 300-350 Mikrosiemens/cm. Im Winter dünge ich grundsätzlich nicht. Zum einen haben sich über den Sommer genug Nährstoffe im Pflanzstoff angelagert und zum anderen fahren die Pflanzen im Winter ihren Stoffwechsel herunter, da unsere Winter recht kurze Tage haben und dadurch sehr lichtarm sind. Wer mit zusätzlicher künstlicher Beleuchtung in den Wintermonaten arbeitet, kann auch dann Dünger einsetzen.

Der Lichtbedarf von Epicyclia Serena O’Neill ist nicht sehr hoch. Bei zu viel direktem Sonnenlicht werden die Blätter und auch die Pseudobulben erst hellgrün und verbrennen dann, wenn nicht gehandelt wird. Sie steht bei mir zwar in der Nähe eines Südfensters, allerdings nicht direkt am Fenster, sondern ca. 1 Meter davon entfernt. Direktes Sonnenlicht bekommt sie hier nur im Winter, wenn die Sonne sehr tief steht.

Die glänzenden dunkelgrünen Pseudobulben sind schon ein Hingucker für sich. (Foto: Thomas Lehmann)

Die Frage nach der richtigen Temperatur für diese Hybride ist wieder gar nicht so einfach zu beantworten, da die beiden Naturformen, aus denen sie gemacht wurde, komplett unterschiedliche Temperaturansprüche haben. Während Encyclia cordigera viel Wärme mag, möchte Epidendrum paniculatum eher kühler bis richtig kalt kultiviert werden. Meine Epicyclia Serena O’Neill verträgt eine warme Kultur sehr gut. Je nachdem, welche Gene durchschlagen, gibt es aber bestimmt auch einzelne Exemplare, die es etwas kühler bevorzugen. In der Regel fallen die nächtlichen Temperaturen bei mir nicht unter 16 Grad ganzjährig. In einzelnen Ausnahmenächten können es mal 14 Grad werden, kühler hatte es meine Pflanze bisher nie.

Epicyclia Serena O’Neill ist eine wirklich unkomplizierte Hybride, die mit ihren lang haltenden und duftenden Blüten im Frühjahr viel Freude macht und die auch ohne Gewächshaus gut gedeiht! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Im Vergleich zu den Tepalen leuchtet das Labellum richtig. (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht einer Blüte von Epicyclia Serena O’Neill (Foto: Thomas Lehmann)
Wenn die Blüten anfangen braune Pünktchen zu bekommen, sind sie am Verwelken. Allerdings halten sie auch dann noch eine ganze Zeit, ehe sie abfallen. (Foto: Thomas Lehmann)
Infloreszenz von Epicyclia Serena O’Neill (Foto: Thomas Lehmann)

 

 

KW 23, 2019

Thrixspermum centipeda

Alles lesen Orchidee der Woche 23, 2019

Thrixspermum centipeda

Die Blüten von Thrixspermum centipeda haben keine bestimmte Richtung, in der sie aufgehen. Die nicht resupinierten – also mit nach oben gerichteter Lippe – finde ich allerdings am schönsten! (Foto: Thomas Lehmann)

Der portugiesische Missionar und Botaniker João de LOUREIRO beschrieb die Art erstmals im Jahre 1790 in „Flora cochinchinensis“. Obwohl seit damals einige Umkombinationen vorgenommen wurden, ist Thrixspermum centipeda heute noch immer der von Kew akzeptierte Name. Den Gattungsnamen Thrixspermum legte LOUREIRO im gleichen Werk fest, er leitet sich von den griechischen Wörtern θριξ (Thrix = Haare) und σπέρμα (Sperma = Samen) ab und bezieht sich auf die haarartigen Samen der Gattung. Der Artname centipeda spielt auf die Infloreszenzen an, die wie Hundertfüßer aussehen. Centi– bedeudet soviel wie Hundertster, –peda leitet sich von pes, dem Fuß, ab.

Da die Infloreszenzen ein wenig an Hundertfüßer erinnern, wurde die Art centipeda genannt (Foto: Thomas Lehmann)

Heimisch ist die Art in weiten Teilen Asiens. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Vietnam über China, Kambodscha, Bhutan, Indien, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Thailand und Borneo bis nach Sulawesi und zu den Philippinen. Man findet Thrixspermum centipeda dort auf Höhen von 300 bis 1300 Metern. Je nach Lage variieren die Temperaturen von kühl bis heiß. An vielen Standorten wird das Wetter vom Monsun beeinflusst. Das heißt, die Sommer sind sehr feucht mit vielen Niederschlägen und die Winter sehr trocken mit kaum – oder gar keinem – Niederschlag. Die Art wächst epiphyitsch an Baumstämmen in Auwäldern und gelegentlich auch lithophytisch an steilen Felsklippen in eher schattigen Bereichen ohne direkte Sonneneinstrahlung.

Das monopodial wachsende Thrixspermum centipeda bildet einen sehr dünnen und langen Stamm, der  von wechselständigen Blättern umgeben ist. Zwischen den einzelnen Blättern sind mehrere Zentimeter Zwischenraum. Meist wachsen die Triebe leicht überhängend und nicht aufrecht. Die  glänzenden, länglich schmalen Blätter haben abgerundete Enden und sind fest und fleischig. Sie werden ca. 10 cm lang und 2-3 cm breit und sind leicht gekielt. Zwischen den Blättern entspringen die Infloroszenzen aus dem Stamm. Sie bilden mehrmals hintereinander Knospen und bleiben über Jahre hinweg erhalten. So können im Laufe der Zeit an einer Pflanze unzählige Blütentriebe sein, die über das Jahr hinweg kahl sind, aber nicht eintrocknen. Im Frühjar beginnt die Blühsaison. An allen alten und neuen Infloreszenzen entstehen  ca. 5 cm große Blüten, die entweder gelb oder orange gefärbt sind. Die Tepalen sind sehr dünn und lang. Sie wirken fast wie Spinnenbeine. Das Labellum ist nur wenige Millimeter groß und weiß gefärbt. Es hat teilweise rote Flecken. Die Blüten öffnen sich nur wenige Stunden, ehe sie sich wieder schließen und dann direkt verwelken. Dafür entstehen bis in den Sommer hinein immer wieder neue Knospen, wodurch sich die Blütezeit über einige Monate hinzieht. Die Blüten duften nicht.

Ich bin an mein Thrixspermum centipeda durch Zufall gekommen. Ich gewann es bei einer Tombola unserer D.O.G.-Gruppe und wusste erst nicht recht, ob ich es behalten mag oder nicht. Inzwischen muss ich sagen, dass ich es nicht mehr hergeben möchte, da es recht unkompliziert in der Kultur ist und besonders im Frühjahr Spaß macht, da es immer leuchtend gelbe Blüten trägt.

Die Pflanzen wachsen meist überhängend, wie man bei diesem Bild ganz gut sieht. Von daher sind sie in einer Ampel ganz gut aufgehoben. (Foto: Thomas Lehmann)

Getopft ist meine Pflanze in mittelgrober Rinde mit etwas Perliten in einem durchsichtigen Plastiktopf, damit ich die Feuchtigkeit gut kontrollieren kann. Die Wurzeln sind typische Epiphyten-Wurzeln, wei bei Phalaenopsis oder Vanda zum Beispiel. Werden sie gewässert, verfärben sie sich grün. Nach dem Abtrocknen werden sie wieder silbrig. Daher auch der transparente Topf. Im Sommer gieße ich, wenn das Substrat noch etwas Restfeuchtigkeit hat, aber die Wurzeln sich schon langsam silbrig färben. Im Winter warte ich dagegen, bis der Topf komplett durchgetrocknet ist, bevor ich wieder wässere. Gedüngt wird im Sommer bei jedem Gießen, allerdings in schwacher Konzentration. Das Düngerwasser hat einen Leitwert von 250-300 Mikrosiemens/cm. Im Winter dünge ich gar nicht, da in dieser Zeit der Stoffwechsel der Pflanze durch die kurzen, trüben Tage mit wenig Licht herunterfährt. Während dieser Zeit reichen die im Substrat eingelagerten Nährstoffe aus.

Thrixspermum centipeda steht bei mir hell, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung auf einem Regal, das ca. zwei Meter von einem sehr großen, deckenhohen Südfenster entfernt ist. Dort scheint es ihm sehr zu gefallen. Die Länge des Stamms hat sich in einem Jahr locker verdoppelt. Aus vier Infloreszenzen wurden inzwischen sieben und auch ein neuer Seitentrieb hat sich vor Kurzem gebildet.

Die Temperaturverhältnisse im Kulturraum sind temperiert/warm. Auch im Winter fallen die nächtlichen Temperaturen nicht unter 16 Grad. Tagsüber können sie bei Sonnenschein durch das große Südfenster auch auf 28-30 Grad ansteigen. Im Sommer ist es natürlich mindestens genauso warm, eher noch wärmer. Durch das große Verbreitungsgebiet in verschiedenen Klimazonen dürften aber auch kühlere Temperaturen von Thrixspermum centipeda gut vertragen werden.

Als Thrixspermum centipeda das erste Mal bei mir blühte, dachte ich, dass ich etwas total falsch machen muss. Eines Abends sah ich, dass die Knospen aufplatzten, und als ich am nächsten Abend von der Arbeit kam, sahen sie im Grunde noch (oder wieder) genauso aus. Am Morgen danach waren sie schon verwelkt und fielen ab. Ich recherchierte nochmal im Internet über die Art und fand heraus, dass die Blüten nur ein paar Stunden halten, sich dann wieder schließen und verwelken. In einigen Quellen sind zwei bis drei Tage an Blühdauer angegeben. Allerdings ist damit der ganze „Blühprozess“ gemeint. Also vom Aufploppen der Knospe bis zum Verwelken. Wirklich schön gestreckte Tepalen hat die Blüte nur wenige Stunden. Als dann einige Tage später die nächsten Knospen kamen, schaute ich alle ein bis zwei Stunden danach, damit ich nicht wieder eine Blüte verpasste und Fotos machen konnte. Anfangs hat mich diese kurze Blühdauer etwas genervt, aber inzwischen finde ich es sehr spannend, den richtigen Moment zu erwischen, um die Blüten zu sehen. Da es das ganze Frühjahr hindurch Blüten gibt, bekommt man auch viele der Blüten zu sehen. Mit der Zeit weiß man auch anhand der Größe und Farbe der Knospen, wann es wieder so weit ist, und kann sich auf die Lauer legen.

Wer gerne auf Orchideenblüten-Jagd geht und kein Problem damit hat, sich stundenlang auf die Lauer zu legen, um den richtigen Moment zu erwischen, der ist mit dem unkomplizierten Thrixspermum centipeda bestens bedient! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Das Labellum ist röhrenförmig aufgebaut. (Foto: Thomas Lehmann)
Die Knospen erinnern mich manchmal an kleine Chili-Schoten. (Foto: Thomas Lehmann)
Ebenfalls resupinierte Blüten von Thrixspermum centipeda in der Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)
Hier eine resupinierte Blüte, das Labellum ist also nach unten gerichtet. (Foto: Thomas Lehmann)
Gelegentlich öffnen sich auch zwei Blüten gleichzeitig an einer Infloreszenz. (Foto: Thomas Lehmann)
Während sich die erste Blüte nach wenigen Stunden wieder schließt und dann verwelkt, steht die nächste Knospe schon in den Startlöchern. (Foto: Thomas Lehmann)

KW 22, 2019

Pleione Orizaba

Alles lesen Orchidee der Woche 22, 2019

Pleione Orizaba

Pleione Orizaba ‚Fish Eagle‘ – der bekannteste Klon dieser Hybride (Foto: Thomas Lehmann)

Ian BUTTERFIELD, der weltweit führende Züchter für Pleionen, meldete die Hybride am 15. August 1991 bei der Royal Horticultural Society (RHS) an, worauf sie in das dortige Orchideen-Register eingetragen wurde. Eltern dieser sehr ansprechenden Hybride sind Pleione Novarupta und Pleione Matupi. Die hier vorgestellte Hybride ist also eine höhere Hybride, an der man gut erkennen kann, dass durch selektierte Zucht durchaus sehr ansprechende neue Farben entstehen können, die bei den Naturformen dieser Gattung eigentlich nicht vorkommen. Der am weitesten verbreitete Klon ist Pleione Orizaba ‚Fish Eagle‘, der attraktive, orangefarbene Blüten hervorbringt und sehr unkompliziert und blühfreudig ist. Benannt wurde die Kreuzung nach dem britischen Passagierschiff RMS Orizaba, das im Jahr 1886 seinen Stappellauf absolvierte. 19 Jahre später – am 17. Februar 1905 – lief die Orizaba vor der Westküste Australiens, in der Nähe von Fremantle, auf Grund. Zum Glück konnten alle 375 Passagiere an Bord gerettet werden. Der Gattungsname Pleione (Gr.  Πληιόνη) ist nach einer Figur aus der griechischen Mythologie benannt. Pleione war die Gattin des Titanen Atlas, mit dem sie sieben Kinder hatte. Insgesamt sind an der Hybride Pleione Orizaba vier Naturformen beteiligt. Der Genpool teilt sich wie folgt auf:

  • 43,75% Pleione limprichtii
  • 31,25% Pleione formosana
  • 12,50% Pleione albiflora
  • 12,50% Pleione forrestii
Detailansicht der fransigen und gelb leuchtenden Lippe (Foto: Thomas Lehmann)

Das natürliche Verbreitungsgebiet der vier Naturformen liegt im asiatischen Raum, überwiegend in China und Myanmar. Die Pflanzen siedeln dort meist terrestrisch oder lithophytisch – Pleione albiflora findet man häufig auch epiphytisch wachsend. Die Standorte sind kühl mit sehr feuchten Sommern und komplett trockenen Wintern. Je nach Standort können die nächtlichen Temperaturen im Winter auch unter die Frostgrenze fallen. Die vier genannten Pleione-Arten kommen allesamt in den Bergen vor. Man findet sie in Höhen von 1500 – 3100 Metern über dem Meeresspiegel. In der Regel bevorzugen sie eher schattige Plätze ohne direktes Sonnenlicht. Im Herbst werfen sie ihre Blätter ab und überdauern den trockenen und kalten Winter als nackte Pseudobulbe. Im Frühjahr erscheinen zuerst die Infloreszenzen, aus denen sich nach der Blüte die neue Pseudobulbe mit ein bis zwei Blättern entwickelt. Die Blüten duften nicht.

Eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist nur sehr schwer möglich, da Pleionen gerne eine starke Nachtabsenkung in der Wachstumszeit haben, die im Innenraum meist nur schwer zu erreichen ist. Am besten gefällt es der Pflanze ab dem zeitigen Frühjahr auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten. Nach Abschluss der Wachstumsphase bleiben meine Pleionen noch bis zum ersten Frost im Freien, dabei stehen sie aber schon komplett trocken. Wenn der erste Frost kommt, topfe ich die neuen Pseudobulben aus und entferne alle Wurzeln, da diese ohnehin abgestorben sind und im Frühjahr nicht mehr gebraucht werden. Für den Fall, dass an einigen Pseudobulben noch Blätter sind, die nicht abgeworfen wurden, entferne ich auch diese. Danach kommen die einzelnen Bulben in einen Eierkarton und werden in den nächsten Monaten im Gemüsefach meines Kühlschranks gelagert, natürlich vollkommen trocken. Ab Mitte Januar wird einmal in der Woche kontrolliert, ob an den Pseudobulben schon Wachstum zu sehen ist. Am unteren Ende der Pseudobulben bilden sich dann neue, kleine Triebe. Sobald diese zu sehen sind, werden die Pleionen aus dem Kühlschrank geholt und auf trockenes Substrat gesetzt. Man muss aufpassen, dass die Pleione nicht zu tief im Substrat sitzt, höchstens ein Drittel der Pseudobulbe. Ich benutze gepresstes Sphagnum-Moos, da es sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen kann. Auch jetzt sollten die Pflanzen nicht zu warm stehen, aber auch keinen Frost abbekommen. Vorsichtig gegossen wird erst dann, wenn sich am unteren Ende des Neutriebs Wurzeln zeigen. Bis dahin ernährt sich der neue Trieb ausschließlich von den Nährstoffen, die in der alten Pseudobulbe gespeichert sind, deswegen muss noch nicht gegossen werden. Da bis zu diesem Zeitpunkt keine Wurzeln vorhanden sind, könnte die Pflanze die Feuchtigkeit, und somit die Nährstoffe, auch gar nicht aufnehmen. Man riskiert nur, dass die Pflanzen faulen. Sobald die Wurzeln tief in den Pflanzstoff wachsen und es langsam wärmer wird, darf auch richtig gegossen werden. Ab dann sollte das Substrat bis zum Herbst nicht mehr austrocknen, sondern immer schön feucht bleiben. Im Herbst zieht Pleione dann wieder ein und alles beginnt von vorne.

Eine Gruppe Pleione Orizaba in rosafarbener Variation – gesehen und fotografiert auf einer Ausstellung (Foto: Thomas Lehmann)

Natürlich eignen sich auch andere Pflanzstoffe, die gut Feuchtigkeit halten und nicht zu schnell abtrocknen. Besonders für Pleionen gibt es 1000 verschiedene Rezepte. Da muss man etwas ausprobieren, um das zu finden, womit man selbst am besten zurechtkommt. Selbst Blumenerde wird verwendet, auch Rinde oder mineralische Substrate. Wichtig ist, dass man das Gießverhalten an den Pflanzstoff anpasst und das Substrat nicht austrocknen lässt im Sommer. Gedüngt wird bei mir alle 2-3 Wochen. Ich dünge das Gießwasser dann auf einen Leitwert von ca. 400  Mikrosiemens auf. Früher war ich noch etwas vorsichtiger beim Düngen. Die Erfahrung hat mir aber gezeigt, dass Pleionen recht hungrig nach Nährstoffen sind und gesünder und zügiger wachsen, wenn sie etwas mehr „Futter“ bekommen. Meine Pleionen stehen, vor direkter Mittagssonne geschützt, auf dem Balkon und erhalten für etwa 3 Stunden das Licht der untergehenden Abendsonne.

Autor: Thomas LEHMANN

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Pleione Orizaba ‚Fish Eagle‘ – Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Pleione Orizaba ‚Fish Eagle‘ – Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Einzelblüte des rosafarbenen Klons (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 21, 2019

Chysis limminghei

Alles lesen Orchidee der Woche 21, 2019

Chysis limminghei

Chysis limminghei (Foto: Werner Holzmann)

In einer Ausgabe der „Berliner Allgemeine Gartenzeitung“ aus dem Jahr 1858 veröffentlichten der belgisch-luxemburgische Botaniker Jean Jules LINDEN und sein deutscher Kollege Heinrich Gustav REICHENBACH die Erstbeschreibung von Chysis limminghei. Den Gattungsnamen hatte der britische Botaniker John LINDLEY bereits 1837 eingeführt. Das altgriechische Wort chysis (χυσιs) bedeutet schmelzen. Mit dem Gattungsnamen spielte LINDLEY auf die Fähigkeit der Art an, sich selbst zu bestäuben. Während die Blüten sich langsam öffnen, kommt es immer wieder vor, dass sich Pollen und Narbe einander nähern und miteinander „verschmelzen“.  Die Art benannten LINDEN und REICHENBACH nach ihrem Kollegen und Orchideenliebhaber Graf Alfred Marie Antoine de LIMMINGHE, der drei Jahre später in Rom erschossen wurde.

Chysis limminghei ist heimisch von Mexiko bis ins nördliche Guatemala. Man findet sie ausschließlich an Standorten, die in etwa auf Meereshöhe liegen. Die Temperaturen dort sind ganzjährig warm, auch nachts fallen sie nur selten unter 18 Grad, während sie tagsüber durchaus auf über 40 Grad steigen können. Im Sommer herrscht Regenzeit mit fast täglich vielen kurzen, aber heftigen Schauern. Die Winter dagegen sind trocken mit wenig bis gar keinem Niederschlag. Chysis limminghei wächst epiphytisch auf Bäumen und Sträuchern.

Chysis limminghei im Frühjahr – mit wachsendem Neutrieb und dazugehöriger Infloreszenz (Foto: Werner Holzmann)

Im Frühjahr, nach der trockenen Winterruhe, erscheinen die Neutriebe, aus denen in sehr frühem Stadium schon die Blütentriebe wachsen. Diese werden bis zu 30 cm lang und tragen mehrere wachsartige Blüten, die fast so aussehen, als seien sie aus Porzellan. Die weißen Blüten, die rosafarben überhaucht sind, duften und halten sehr lange. Die Seitenlappen der Lippe sind leuchtend gelb. Der Neutrieb wird bis zu 45 cm lang und trägt im oberen Bereich der spindelförmigen Pseudobulbe sechs bis zwölf Blätter, die  spitz zulaufend, papierartig dünn und an den zahlreich sichtbaren Längsnerven gefaltet sind. Nach der Vegetationsperiode werden sie abgeworfen und die nackte Pseudobulbe geht wieder in eine trockene Winterruhe. Im zeitigen Frühjahr beginnt dann wieder ein Neutrieb zu wachsen.

Die folgende Kulturbeschreibung stammt von Werner Holzmann, der die Art schon mehrere Jahre erfolgreich kultiviert.

Seine Chysis limminghei steht an einem sehr hellen Südfenster, das allerdings durch einen vorstehenden Balkon während des Tages schattiert wird. Direkte Sonneneinstrahlung gibt es somit nur in den frühen Morgen- und späten Abendstunden. Die Temperaturen sind dort ganzjährig warm, da das Zimmer im Winter beheizt wird. Auch nachts fallen die Temperaturen nicht unter 16 Grad. Tagsüber im Sommer wird es dort natürlich sehr warm bis heiß.

Ab dem Frühjahr, wenn der Neutrieb sich zeigt, wird die Pflanze regelmäßig gegossen und dauerfeucht gehalten. Im natürlichen Habitat der Art herrscht während der Vegetationsperiode Regenzeit, wodurch die Wurzeln der Pflanzen andauernde Feuchtigkeit gewohnt sind. Wenn im Herbst der Neutrieb ausgereift ist, wird das Gießen allmählich reduziert. Oft verlieren die Pseudobulben während der Winterruhe ihre Blätter. Allerdings hält Werner Holzmann die Pflanze während des Winters nicht komplett trocken, sondern gibt ihr eher eine Semy-Dry-Ruhe. Das heißt, er gibt seiner Chysis limminghei gelegentlich etwas Wasser, zwischen den Wassergaben trocknet das Substrat aber komplett ab. Oft liest man in diversen Foren und Büchern, dass Chysis im Winter komplett trocken gehalten werden sollte. Die Erfahrungen, die Werner Holzmann gemacht hat, zeigen aber, dass die Gattung mit gelegentlichen Wassergaben im Winter besser wächst und reichlicher blüht. Am Naturstandort fällt schließlich auch gelegentlich Regen im Winter, wenn auch deutlich weniger oft und weniger intensiv als im Sommer. Außerdem ist die Luftfeuchtigkeit im natürlichen Habitat auch wesentlich höher als auf der heimischen Fensterbank. In einem beheizten Gewächshaus mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit kann auf die winterlichen Wassergaben wahrscheinlich verzichtet werden. Auf der Fensterbank sind sie aber angeraten.

Auf dem Foto erkennt man gut, dass der Trieb aus dem letzten Jahr seine Blätter während der Winterruhe gar nicht abgeworfen hat. Die Pseudobulben aus den Jahren davor sind aber kahl. (Foto: Werner Holzmann)

Während der Wachstums- und Blühphase, vom Frühjahr bis in den Herbst, verträgt Chysis limminghei auch recht hohe und regelmäßige Düngergaben. Das Düngerwasser von Werner Holzmann hat einen Leitwert von bis zu 600 Mikrosiemens/cm. Im Winter während der Ruhezeit wird natürlich nicht gedüngt. Da in dieser Zeit keinerlei Wachstum stattfindet, braucht die Pflanze währenddessen auch keine Nährstoffe.

Als Substrat hat sich normale Rinde bewährt. Die Körnung sollte natürlich nicht allzu grob sein, da sich sonst nur schwer die erforderliche Dauerfeuchte im Sommer halten lässt. Natürlich können auch andere Stoffe, mit denen man erfahrungsgemäß gut dauerfeucht kultivieren kann, genutzt werden. Hier gilt – wie immer – der Slogan: Viele Wege führen nach Rom! Was beim einen gut funktioniert, muss beim anderen nicht notwendigerweise auch erfolgreich sein. Hier sollte jeder seine eigenen Erfahrungen machen und herausfinden, welche Substrate gut zum eigenen Gießverhalten passen. Wie schon erwähnt, ist es einfach wichtig, dass der Pflanzstoff während des Wachstums möglichst andauernd feucht, aber nicht nass bleibt.

Mit ihren zahlreichen porzellanartigen Blüten ist Chysis limminghei nicht nur ein echter Hingucker auf der Fensterbank. Mit dem angenehmen Duft, den die Blüten verbreiten, ist sie zudem ein sinnlicher „Hinriecher“ für die Nase. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autoren: Werner Holzmann & Thomas Lehmann

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Chysis limminghei ‚Klaus‘ SM/DOG – ein Klon mit sehr kräftiger Färbung (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

 

KW 20, 2019

Paphiopedilum Judge Philip

Alles lesen Orchidee der Woche 20, 2019

Paphiopedilum Judge Philip

Paphiopedilum Judge Philip (Foto: Thomas Lehmann)

Diese Hybride aus Paphiopedilum Pinocchio und Paphiopedilum philippinense wurde am 08. Juli 2002 bei der Royal Horticultural Society ins Register eingetragen. Der ursprüngliche Züchter, von dem die Pflanze damals kam, ist leider als unbekannt angegeben. Den Eintrag in das Register hat die hawaiianische Orchideengärtnerei „Lehua Orchids – The Slipper Zone“ angemeldet. Ob diese vielleicht auch Züchter dieser Kreuzung waren und es nur falsch ins Register der RHS eingetragen wurde, konnte ich leider nicht herausfinden. Naheliegend wäre es aber. Auch über die Namensgebung kann ich nur spekulieren. Am Supreme Court von Hawaii gab es von 1955-1959 einen Richter (engl. judge) Philip L. Rice. Möglicherweise wurde die Hybride nach eben diesem Judge Philip (L. Rice) benannt,  der der letzte Oberste Richter des Obersten Gerichtshofs des Territoriums von Hawaii war. Da Paphiopedilum Pinocchio eine Primärhybride aus zwei Naturformen ist, sind am Genpool von Paphiopedilum Judge Philip lediglich 3 Naturformen beteiligt:

  • 50% Paphiopedilum philippinense
  • 25% Paphiopedilum glaucophyllum
  • 25% Paphiopedilum primulinum
Papiopedilum philippinense ‚Anja‘ SM/DOG – diese Art ist zu 50% am Genpool von Paphiopedilum Judge Philip beteiligt (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum glaucophyllum ‚Gerti‘ SM/DOG – diese Art gibt 25% in den Genpool von Paphiopedilum Judge Philip (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum primulinum – ebenfalls zu 25% an der Hybride beteiligt (Foto: Thomas Lehmann)

Paphiopedilum philippinense gehört zu den großen Paphiopedilum-Arten und ist auf den Philippinen und im nördlichen Borneo heimisch, wo es terrestrisch, manchmal auch epiphytisch in der Nähe von Kalksteinfelsen wächst. Die natürlichen Standorte können vom Meeresspiegel bis auf 500 Meter darüber liegen. Dort ist es ganzjährig sehr warm mit regelmäßigen Niederschlägen und hoher Luftfeuchtigkeit. Blütezeit ist im späten Herbst bis in den Winter. Die Infloreszenzen tragen mehrere Blüten gleichzeitig.

Die Elternteile von Paphiopedilum Pinocchio, Paphiopedilum glaucophyllum und Paphiopedilum primulinum, wachsen am Naturstandort unter warmen bis heißen Bedingungen sowohl terrestrisch als auch lithophytisch. Paphiopedilum primulinum findet man oft auf oder in der Nähe von Kalkfelsen, Paphiopedilum glaucophyllum eher auf Lavagestein. Beide Arten sind recht kleinwüchsige Frauenschuhorchideen und sogenannte Revolverblüher. Das heißt, sie bilden an einem Blütentrieb nacheinander mehrere Blüten aus, sodass ein Blütentrieb über viele Monate, manchmal länger als ein Jahr, blühen kann. Die Standorte sind ganzjährig feucht und eher schattig.

Die Pflanzen von Paphiopedilum Judge Philip sind sehr kompakt, ähnlich wie Paphiopedilum Pinocchio. Sie bilden einen kurzen Stamm, der von wechselständigen Blättern umhüllt wird, die bis zu 25 cm lang, grün, eliptisch geformt und fest sind. Manchmal zeigen sie auch eine feine Musterung, die bei einigen Pflanzen mehr, bei anderen weniger ausgeprägt ist. Die endständig wachsenden Infloreszenzen werden 25-30 cm hoch und öffnen meist zwei Blüten gleichzeitig. Sehr oft kommen noch 1-3 Blüten nach, die sich dann nacheinander öffnen. Meistens sind aber wirklich nur zwei Blüten gleichzeitig offen. Diese können  bis zu 20 cm breit werden, im Vergleich zum Blattwerk – und dem Elternteil Paphiopedilum Pinocchio – echt riesig. Sie sind in gelb, grün und in Rosatönen gefärbt. Bei jeder Pflanze variieren die Farben leicht.

Die Kultur dieser Hybride ist recht unkompliziert und klappt auch auf der Fensterbank super!

Paphiopedilum Judge Philip braucht recht viel Kalk (Calcium). Ich benutze für alle meine kalkliebenden Paphiopedilen und Phragmipedien Hüttenkalk – ein kohlensaurer Kalk, der von den Pflanzen leichter und besser aufgenommen werden kann. Davon streue ich alle 2-3 Monate etwas auf das Substrat. Es ist aber auch möglich, den Kalk in Wasser aufzulösen und damit zu gießen oder zu tauchen. Man muss nur beachten, dass der Kalk recht lange benötigt, um sich aufzulösen. Deshalb sollte man sein Gießwasser am besten schon am Tag vorher ansetzen und mehrmals umrühren.

Seitenansicht von Paphiopedilum Judge Philip (Foto: Thomas Lehmann)

Als Substrat nutze ich bei meinen Paphiopedilen feine und mittlere Rinde, Holzkohle und mineralische Anteile wie Bimskies, Perlite oder Akadama. Mein Paphiopedilum Judge Philip ist getopft in einem solchen gemischten Pflanzstoff mit recht viel Bimskies, da dieser zusätzlich zum Hüttenkalk noch Calcium freigibt. Die Holzkohle verwende ich im Übrigen nicht um Giftstoffe herauszufiltern, sondern weil diese nicht so viel Wasser aufnimmt. Dadurch schaffe ich in den immerfeuchten Töpfen ein paar trockenere Stellen.

Das Gießwasser hat im Sommer einen Leitwert von circa 350-450 Mikrosiemens/cm und wird mit einem calciumhaltigen Orchideendünger auf diesen Wert aufgedüngt. Im Winter wird nicht gedüngt. In den dunklen Monaten hat das Gießwasser in etwa 200 Mikrosiemens/cm. Das Substrat wird aber trozdem aufgekalkt.

Die Temperatur ist natürlich ganzjährig so warm wie möglich, da ja alle beteiligten Naturformen unter sehr warmen bis heißen Bedingungen wachsen. Auch im Winter gehen die Temperaturen in meinem Orchideenzimmer bei Sonnenschein mal auf 30 Grad und höher. Im Sommer steht Paphiopedilum Judge Philip an einem ostseitigen Fenster mit etwas Morgensonne. Im Winter steht es an der Westseite mit viel Nachmittag- und Abendsonne.

Die Blüten von Paphiopedilum Judge Philip halten mehrere Wochen. Da insgesamt drei bis sechs Blüten nacheinander kommen, erstreckt sich die Blütezeit meist über einige Monate. Leider hat die Pflanze nicht ganz die extreme Blühdauer von Paphiopedilum Pinocchio geerbt, aber man kann nicht alles haben. Die Blütengröße entschädigt ein weinig dafür. Eine wirklich attraktive und unkomlizierte Hybride, die meiner Erfahrung nach sehr gut auf der Fensterbank zu kultivieren ist! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Paphiopedilum Judge Philip ‚Hohenstein‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum Judge Philip (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Detailansicht des Staminodiums und der haarigen Petalen (Foto: Thomas Lehmann)
Meine Pflanze öffnet nicht mehr als 2 Blüten gleichzeitig, dafür aber mehrere nacheinander (Foto: Thomas Lehmann)

KW 19, 2019

Phalaenopsis equestris

Alles lesen Orchidee der Woche 19, 2019

Phalaenopsis equestris

Phalaenopsis equestris (Foto: Thomas Lehmann)

Die Erstbeschreibung dieser klein bleibenden Naturform erfolgte durch den deutschen Botaniker Johannes Conrad SCHAUER. In seinem Werk „Novorum Actorum Academiae Caesareae Leopoldinae-Carolinae Naturae Curiosorum“ aus dem Jahr 1843 gruppierte er die Art in die Gattung Stauroglottis ein. Sieben Jahre später – im Mai 1850 – erfolgte bereits die Umkombination zur Gattung Phalaenopsis durch Heinrich Gustav REICHENBACH, der ebenfalls ein deutscher Botaniker war. Den vorherigen Gattungsnamen verwendete REICHENBACH fil. für die Sektion Stauroglottis, da er für die Art passend war. Stauroglottis bedeutet übersetzt soviel wie „Kreuzzunge“. Mit den länglichen Seitenlappen der Lippe bildet diese ein Kreuz. REICHENBACH fil. veröffentlichte diese Umkombination in „Linnaea; Ein Journal für die Botanik in ihrem ganzen Umfange“. Bei den meisten Neubeschreibungen, die darauf folgten, handelte es sich um Varietäten bzw. Farbformen der Art, wie zum Beispiel die bereits vorgestellte Phalaenopsis equestris var. rosea. Schon über 150 Jahre zählt Phalaenopsis equestris also zur selben Gattung. Man könnte fast meinen, sie wäre von den Taxonomen bisher übersehen worden! In der World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) der Kew Gardens sind alle beschriebenen Farbformen und Varietäten lediglich als Synonym geführt, was ich persönlich schade finde, da sie sich doch oft in einigen typischen Merkmalen unterscheiden. Die endemische Varietät Phalaenopsis equestris var. rosea zum Beispiel, hat, wie im Beitrag dazu ausführlich beschrieben, eine ganz typische Blütenform, die sich klar von der Standardform abgrenzen lässt.

Phalaenopsis equestris ‚3 Lips‘ – eine weitverbreitete labelloide Form, die auch unter dem Kultivar ‚Fairy Tale‘ angeboten wird (Foto: Thomas Lehmann)

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Phalaenopsis equestris erstreckt sich vom südlichen Taiwan über die gesamten Philippinen. Man findet sie dort in heißen Tälern vom Meeresspiegel bis auf Höhen um die 300 Meter darüber. Die Art wächst epiphytisch auf Bäumen entlang von Flüssen und Bächen. Die Temperaturen sind ganzjährig sehr warm bis heiß. Nur äußerst selten fallen sie in den Winternächten unter 20 Grad. Auch Niederschläge gibt es durch alle Jahreszeiten hindurch, allerdings in den Wintermonaten etwas weniger als im Sommer. Durch das Laub der immergrünen Bäume, auf denen sie aufsitzt, ist Phalaenopsis equestris ganzjährig vor der prallen Sonne geschützt, lediglich die tiefstehende Morgen- oder Abendsonne erreicht unter Umständen die Pflanzen. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

Die wirklich kleinbleibenden Pflanzen bilden einen recht kurzen Stamm aus, der fast vollständig von den wechselständigen, festen Blättern umschlossen wird. Die Blätter sind dunkelgrün, leicht glänzend und oval geformt. Die kleinen Blüten sind ca. 3-4 cm breit und 2,5-3 cm hoch. Die Ausfärbung der Blüten variiert von Weiß über Orange zu Rosa und kann bis ins Violette gehen. Phalaenopsis equestris neigt stark zur Kindelbildung und blüht sehr reichlich, fast das ganze Jahr hindurch. An alten Blütentrieben können immer wieder neue Knospen entstehen, weshalb man die Blütentriebe nicht abschneiden sollte, solange sie nicht eintrocknen.

Ganz kurz möchte ich noch auf die Mutationsfreudigkeit von Phalaenopsis equestris eingehen. Die Art neigt sehr stark dazu, an den Petalen zu mutieren. Meistens versuchen die Petalen dann die Farbe und Form des Labellums anzunehmen. Solche Pflanzen werden immer wieder als „pelorisch“ oder „peloric“ verkauft, was nicht wirklich stimmt. Eine echte Pelorie muss radiärsymmetrisch sein. Das heißt vereinfacht gesagt, dass sie mindestens 3 – oder mehr – Spiegelachsen haben muss. Aber nur die allerwenigsten Phalaenopsis zeigen bei einer Mutation der Petalen wirklich diese drei Spiegelachsen und wenn, dann ist diese Mutation oft nicht stabil und taucht nur sporadisch auf. Die stabilen Mutationen von Phalaenopsis equestris sind einfach nur achsensymmetrisch, d. h. sie haben lediglich eine Spiegelachse. Somit ist der Begriff „pelorisch“ eigentlich falsch. Olaf GRUSS nennt diese Formen in seinem Buch „Alle Phalaenopsis-Arten im Bild“ labelloid. Diesen Begriff halte ich für wesentlich besser geeignet.

Phalaenopsis equestris ‚Struber‘ BM/DOG – eine ebenfalls labelloide Form (Foto: Thomas Lehmann)

Die Kultur dieser Naturform ist recht einfach, solange man die hohen Temperaturen auch im Winter bieten kann. Ich versuche nachts möglichst nicht unter 20 Grad zu kommen. In besonders kalten Winternächten geht es mal auf 18-19 Grad runter, kälter hat sie es aber nie bei mir. Tagsüber sorge ich für 24 Grad Minimum an trüben Tagen, an sonnigen Wintertagen geht es auch schnell mal auf 30 Grad und höher. Im Sommer sind die Temperaturen ja nicht das Problem. Im Winter steht die Pflanze unschattiert an der Südseite, im Sommer wird schattiert, da die Blätter sonst durch die starke Sonneneinstrahlung verbrennen würden. Am Naturstandort sind die Pflanzen durch das Laub der Bäume, auf denen sie wachsen, davor geschützt.

Ich persönlich halte Rindenstücke für das beste Substrat bei der Kultur von Phalaenopsis im Topf, da sie als Epiphyten viel Luft und Licht an den Wurzeln gewohnt sind. Die Körnungsgröße der Rinde mache ich abhängig von der Pflanzen- und Topfgröße. Bei kleinen Kindeln und Jungpflanzen nehme ich auch mal 6-9 mm, bei größeren Phalaenopsis equestris 9-12 mm. Manchmal mische ich etwas Tongranulat und Perlite mit unter. Natürlich kann man Phalaenopsis auch aufgebunden mit etwas Moos kultivieren, oder auch in Moos getopft klappt bei einigen gut. Mit dem Aufbinden von Phalaenopsis habe ich keinerlei Erfahrungen und kann deswegen auch nichts dazu sagen. Getopft in Moos habe ich mehrmals versucht, wirklich funktioniert hat es bei mir leider nie. Man braucht dafür ein extrem gutes Gefühl für die Wassergaben, welches mir scheinbar nicht in die Wiege gelegt wurde.

Phalaenopsis werden bei mir nicht gegossen, sondern getaucht. Ich tauche den Topf für 2-3 Minuten in Wasser, bis sich die Wurzeln vollgesogen haben und grün sind. Danach darf der Topf abtropfen und wieder zurück an seinen Platz. Sobald die Wurzeln wieder komplett silbrig sind, wird erneut getaucht. Der Zeitraum ist von Pflanze zu Pflanze verschieden und außerdem abhängig von der Jahreszeit. Auch Topfgröße und Substrat spielen eine große Rolle. Ein kleiner Topf trocknet schneller ab als ein großer, grobes Substrat schneller als feines. Mit der Zeit bekommt man aber ein Gefühl dafür, wann welche Pflanze Wasser braucht. Ich benutze grundsätzlich nur transparente Töpfe, da ich in diesen natürlich sehr gut sehen kann, wie viel Feuchtigkeit noch im Topf ist. Besonders den epiphytisch wachsenden Orchideen tun diese transparenten Töpfe auch deshalb gut, da sie Licht an die Wurzeln lassen, welche bei Phalaenopsis in der Lage sind, Photosynthese zu betreiben.

Das Gießwasser hat bei meinen Phalaenopsis equestris ca. 200-300 Mikrosiemens/cm Leitfähigkeit. Wenn gedüngt wird ‒ bei mir nur im Sommer, in etwa alle 2-4 Wochen ‒ gehe ich inzwischen auf 400-500 Mikrosiemens/cm hoch. Im Winter findet durch das wenige Licht kaum Photosynthese statt und somit wird auch wenig Nährstoff benötigt. Anders sieht es aus, wenn man im Winter zusätzlich mit künstlicher Beleuchtung arbeitet. Dann kann auch im Winter gedüngt werden.

Wie oben schon erwähnt, neigt Phalaenopsis equestris sehr zur Kindelbildung. Anders als der weitverbreitete Glauben, dass Kindelbildung immer ein Zeichen für eine absterbende Mutterpflanze ist, ist das bei den Arten aus der Sektion Stauroglottis vollkommen normal. Besonders ältere Pflanzen bilden oft mehrere Blütentriebe aus, die mit zahlreichen kleinen Blüten bestückt sind und teilweise viele Monate lang immer neue Knospen nachschieben. Phalaenopsis equestris ist bei richtiger Kultur also ein echter Dauerblüher!

Autor: Thomas Lehmann

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Phalaenopsis equestris ‚Anja‘ BM/DOG in der Kategorie Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis equestris ‚Anja‘ BM/DOG in der Kategorie Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis equestris var. rosea, die wir bereits im letzten Jahr als „Orchidee der Woche“ vorgestellt hatten (Foto: Thomas Lehmann)
Die labelloide Phalaenopsis equestris ‚3 Lips‘ (Foto: Thomsa Lehmann)
Eine fast weiße Form von Phalaenopsis equestris (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 18, 2019

Sarcochilus Snowtime

Alles lesen Orchidee der Woche 18, 2019

Sarcochilus Snowtime

Sarcochilus Snowtime ‚Struber Red‘ BM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)

Der australische Orchideenzüchter Kevin WILSON, der ein bedeutendes Mitglied der Australian Native Orchid Society ist, meldete diese Hybride aus Sarcochilus Cherie Snow und Sarcochilus Melody im Jahr 2002 bei der Royal Horticultural Society (RHS) an. Sie wurde daraufhin in das Register der Orchideenhybriden eingetragen. Kevin Wilson ist einer der Mitbegründer der Sutherland Shire Orchid Society, in der er auch heute noch sehr aktiv ist – seit über 50 Jahren! Seine Orchideensammlung ist sehr vielfältig und beschränkt sich nicht auf einige wenige Gattungen, mit denen er gerne hybridisiert und deren Sämlinge er großzieht. Mit Sarcochilus Snowtime ist ihm eine wunderbare Hybride aus der bei uns in Deutschalnd leider sehr seltenen Gattung Sarcochilus gelungen. Der Name Sarcochilus kommt aus dem Altgriechischen und setzt sich aus den Wörten sarx (Fleisch) und cheilos (Lippe) zusammen. Die australische Gattung ist in Europa nicht sehr verbreitet, da die Australier sehr strenge Ausfuhrbestimmungen von Cites-pflichtigen Pflanzen haben. Obwohl Sarcochilus Snowtime eine höhere Hybride ist, sind im Genpool der Kreuzung lediglich drei Naturformen enthalten:

  • 43,75% Sarcochilus fitzgeraldii
  • 43,75% Sarcochilus hartmannii
  • 12,5% Sarcochilus falcatus
Sarcochilus fitzgeraldii ‚Kerstin & Holger‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Sarcochilus fitzgeraldii findet man in Queensland und New South Wales entlang von Flüssen und Bächen auf Höhen von 500-800 Metern über dem Meeresspiegel. Die kleinwüchsige bis mittelgroße Art wächst lithophytisch in tiefen und immerfeuchten Tälern entlang der Küste.  Während die Sommer mit Temperaturen über 30 Grad sehr heiß sind, kühlt es in den Wintermonaten auf unter 10 Grad ab. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, wobei im Winter wesentlich weniger Regen vom Himmel fällt. Die Luftfeuchigkeit ist ganzjährig sehr hoch. Die Blüten von Sarcochilus fitzgeraldii duften angenehm.

Sarcochilus hartmannii ‚Tenshy‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Sarcochilus hartmannii findet man im östlichen Australien meist lithophytisch an freiliegenden Klippen in Meeresnähe auf Höhen bis 1000 Metern über dem Meeresspiegel. Gelegentlich wächst die Art auch epiphytisch. Die klimatischen Bedingungen entsprechen denen von Sarcochilus fitzgeraldii. Die Blüten der Art duften nicht.

Sarcochilus falcatus (Foto: Torsten Kleffmann)

Sarcochilus falcatus ist eine endemische Art, die nur in einem kleinen Gebiet von Queensland über New South Wales bis nach Victoria zu finden ist. Sie wächst dort auf Höhen von 100 – 1400 Metern über dem Meeresspiegel meist lithophytisch, aber auch epiphytisch in immerfeuchten, exponierten Hanglagen an den Ästen kleiner Büsche. Auch hier herrschen die gleichen klimatischen Bedingungen wie bei Sarcochilus fitzgeraldii beschrieben. In den höheren Lagen über 10oo Metern fallen die Temperaturen, besonders im Winter, natürlich auf etwas tiefere Werte, bleiben aber immer im Plusbereich. Die Blüten duften stark.

Sarcochilus Snowtime erinnert im Wuchs an eine kleine Vanda. Die monopodial wachsende Pflanze bildet einen Stamm aus, der komplett von wechselständigen Blättern umgeben ist. Die bis zu 15 cm langen Blätter sind dunkelgrün, fest und laufen leicht spitz zu. Sie sind stark gekielt und glänzen an der Oberfläche. Sarcochilus bildet im Laufe der Jahre sehr viele Seitentriebe und kann dadurch zu einem richtigen Busch werden. Die herabhängenden Infloreszenzen erscheinen meist im zeitigen Frühjahr. Sie werden bis zu 25 cm lang und tragen jeweils 6 -20 Blüten. Meist erscheinen mehrere Blütentriebe pro Pflanze. Da Sarcochilus Snowtime eine höhere Hybride ist, variieren die Blüten besonders in der Farbgebung stark. Von fast komplett weiß mit nur sehr wenig roter Zeichnung bis zu komplett rot gefärbten Blüten mit zarter Zeichnung ist alles möglich. Die einzelne Blüte ist ca. 4 cm breit und 3 cm hoch. Petalen und Sepalen sind fast gleich, tropfenartig geformt. Das Labellum im Zentrum der Blüte ist weniger als einen Zentimeter groß und leuchtend Gelb. Die Blüten duften angenehm.

Sarcochilus Snowtime mag es das ganze Jahr über sehr feucht, wobei ich im Winter etwas seltener gieße als ich Sommer. Austrocknen lasse ich das Substrat aber niemals. Im Sommer, während besonders heißer Tage, stelle ich den Topf sogar in eine mit Wasser gefüllte Schale. Auch am Naturstandort werden die Pflanzen durch Regen oder sich brechende Wellen des Meeres oft mit sehr viel Wasser überspült. Nach meiner Erfahrung verträgt die Hybride die wärmeren Temperaturen im Sommer besser, wenn sie in dieser Zeit mit deutlich mehr Wasser versorgt wird – ähnlich wie in der Heimat der Naturformen.

Gedüngt wird bei mir nur vom Frühjahr bis in den Herbst. Im Winter wird bei mir, wie schon oft erwähnt, nicht gedüngt, da die im Substrat angereicherten Nährstoffe ausreichen, um die Pflanze gut durch die lichtarme Jahreszeit zu bringen, in der der Stoffwechsel der Pflanze lange nicht so aktiv ist wie im Sommer. Der Leitwert meines Düngerwassers liegt während der Sommermonate bei ca. 350 – 400 Mikrosiemens/cm. Zwischendurch gibt es klares Wassers, damit sich nicht zu viele Nährstoffe in Form von Salzen im Substrat anreichern.

Sarcochilus Snowtime ‚Struber Red‘ bekam dieses Jahr bei der Tischbewertung in Nürnberg eine Bronzemedaille in der Kategorie Blüten und für die hervorragende Kultur eine Goldmedaille. Meine Pflanze ist ein Teilstück dieser Pflanze. (Foto: Thomas Lehmann)

Als Pflanzstoff nutze ich Rinde mit Perliten und Bimskies gemischt. Die Rinde und Perlite nehmen gut Wasser auf und geben diese langsam an die Pflanzen ab. Die Perlite haben zudem ein sehr geringes Eigengewicht, wodurch sie das Substrat locker und luftig halten. Auch Bimskies nimmt Wasser auf und gibt es nach und nach wieder ab. Zudem reichert der Bimskies das Wasser etwas mit Kalk an, was dem Wachstum der lithophytisch wachsenden Arten sehr dienlich ist. Eine Kultur in rein mineralischem Substrat ist nach Aussage von einigen Orchideenfreunden auch sehr erfolgreich. Ich habe diese Kulturmethode bei Sarcochilus allerdings nie ausprobiert.

Bis zum Herbst verbringt mein Sarcochilus Snowtime den Sommer an einem schattigen Platz auf dem Balkon. Die kühleren Nächte, besonders im Herbst, tun der Pflanze sichtlich gut. Sobald die Temperaturen nachts dauerhaft unter 8 Grad fallen, kommt die Pflanze an einen sehr kühlen, aber hellen Platz in meinem kühlen Orchideenzimmer. Dort wird den ganzen Winter über nicht geheizt und bei jeder Gelegenheit ist das Fenster gekippt. Zum Wohnen ist der Raum defintiv zu kalt, da es in der Nacht auf 8 – 10 Grad abkühlt. Tagsüber steigen die Temperaturen, je nach Außentemperatur und Sonnenlicht, auf ca. 20 Grad an.

Wie oben schon beschrieben steht die Pflanze im Sommer an einem schattigen, aber hellen Platz auf dem Balkon. Der Winterstandort ist bei mir ein großes Westfenster, an dem die Pflanze auch mal direkte Abendsonne erhält. Im Sommer sollte direkte Sonneneinstrahlung vermieden werden, da es sonst schnell zu Verbrennungen an den Blättern kommen kann.

Leider ist Sarcochilus Snowtime in Europa kaum zu bekommen. Nachzuchten gibt es hier bei uns, soweit ich weiß, gar nicht. Mit Glück ergibt sich die Möglichkeit, ein Teilstück einer etablierten Pflanze zu erwerben. Wenn dem so ist, sollte man nicht lange überlegen, denn diese Chance wird so schnell nicht wiederkommen. Mit ihren roten, duftenden Blüten ist Sarcochilus Snowtime ein wahrer Frühlingsbote, der jede Orchideensammlung bereichert. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Mein Sarcochilus Snowtime ‚Struber Red‘ mit der diesjährigen Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Mein Sarcochilus Snowtime ‚Struber Red‘ mit der diesjährigen Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Mein Sarcochilus Snowtime ‚Struber Red‘ BM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Sarcochilus Snowtime ‚Strub‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Sarcochilus Snowtime ‚Elke‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

KW 17, 2019

Phragmipedium humboldtii

Alles lesen Orchidee der Woche 17, 2019

Phragmipedium humboldtii

Phragmipedium humboldtii (Foto:Thomas Lehmann)

Der polnische Botaniker Józef WARSZEWICZ Ritter von Rawicz und sein deutscher Kollege Heinrich Gustav REICHENBACH beschrieben die Art erstmalig unter dem Namen Cypripedium humboldtii in „Botanische Zeitung“ im Jahr 1852. Die beiden waren der Meinung, dass Phragmipedium humboldtii aufgrund des quergestellten zweilappigen Staminodiums mit borstigen Spitzen ganz klar von Phragmipedium caudatum abzugrenzen sei. Auch durch die dunkle gelbbraune Färbung der Blüten und den deutlich kompakteren Wuchs der Pflanzen lässt sich Phragmipedium humboldtii eindeutig von Phargmipedium caudatum unterscheiden. Nach etlichen Umgruppierungen durch diverse Autoren in den vergangenen 160 Jahren, die teilweise zu großen Missverständnissen führten, wurde die Art im Jahr 1999 von den amerikanischen Botanikern John Talmadge ATWOOD und Robert Louis DRESSLER als Phragmipedium humboldtii beschrieben. Laut World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) der Kew Gardens in London ist das der bis heute anerkannte Name für diese Spezies. Im Jahr 2004 beschrieben Prof. Guido BRAEM, Sandy OHLUND und Robert Jan QUENÉ die Art unter dem Namen Phragmipdeium popowii neu. Dieser Artname findet in der Literatur häufig Verwendung, auch wenn er in der WSCP lediglich als Synonym für Phragmipedium humboldtii var. humboldtii geführt wird.

Die Art wächst meist epiphytisch oder lithophytisch, gelegentlich auch terrestrisch, in Guatemala, Panama, Nicaragua, Honduras, Costa Rica und im südwestlichen Mexiko. Man findet sie in immerfeuchten Wäldern, häufig auf umgefallenen Bäumen. Genaue Standortbeschreibungen mit Angaben zu klimatischen Gegebenheiten sind in der Literatur bisher leider nicht zu finden.

Seitenansicht der Blüte von Phragmipedium humboldtii – die Petalen sind 49 cm lang (Foto:Thomas Lehmann)

Die Pflanzen werden bis zu 50 cm hoch, wobei es auch deutlich kleinere Individuen gibt. An einem kurzen Stamm bilden sich 5 – 6 gegenständige Blätter, die bis zu 25 cm lang werden und sehr fest sind. Die Rückseiten der Blätter sind stark gekielt. Vom Frühjahr bis in den Sommer hinein erscheinen die endständigen Infloreszenzen, mit denen das Triebwachstum abgeschlossen ist. Der aufrechte Blütenstand wird bis zu 45 cm hoch, ist grün und flaumig behaart. An jeder Infloreszenz entstehen bis zu vier Blüten, die sich zwar nacheinander öffnen, aber für längere Zeit gleichzeitig blühen, ehe sie ziemlich zeitgleich verwelken. Die Sepalen sind gelbgrün gefärbt und haben eine starke Äderung. Petalen und Labellum sind teilweise rotbraun gefärbt. Die Petalen wachsen nach dem Öffnen der Blüte noch ein paar Tage weiter und erreichen eine Länge von ungefähr 50 cm. Die Blüten duften nicht.

Die Kultur von Phragmipedium humboldtii – und allen anderen langpetaligen Phragmipedien aus der Sektion Phragmipedium – unterscheidet sich vor allem in den Wassergaben. Während die Phragmipedien aus den anderen Sektionen ganzjährig im Wasser stehen können, sollte Phragmipedium humbolditii, caudatum & Co zwischendurch gut antrocknen können. Besonders im Winter können die Wurzeln bei zu viel Nässe sehr schnell faulen. Im Sommer, wenn die Temperaturen sehr hoch sind und das Wachstum in vollem Gange ist, vertragen sie aber auch ein längeres Fußbad gut. Dies erklärt sich ganz einfach durch den oft epiphytischen Wuchs der Art. Im Sommer, wenn es am Naturstandort warm ist und viel Regen fällt, sind die Wurzeln auch mehr Feuchtigkeit bzw. Nässe ausgesetzt. Im Winter dagegen ist es etwas kühler und es fällt wesentlich weniger Regen. Somit haben die Wurzeln in den Wintermonaten die Möglichkeit anzutrocknen. Aus diesem Grund tauche ich mein Phragmipedium humboldtii von Oktober/November bis März/April lediglich und stelle es dann zurück in seinen Übertopf. Sollte sich noch eine kleine Pfütze im Topf bilden, lasse ich diese auch in den Wintermonaten stehen, da sie innerhalb von 1-2 Tagen komplett aufgesaugt wird. Erst wenn das Pflanzsubstrat gut angetrocknet, aber nicht total ausgetrocknet ist, wird wieder getaucht. In den Sommermonaten bekommt mein Phragmipedium humboldtii allerdings ebenfalls ein fast dauerhaftes Fußbad. Es steht dann – zusammen mit meinen anderen Phragmipedien – in großen Schalen, die ich mit 2-3 cm Wasser fülle. Wenn das Wasser aufgesogen und die Schale komplett trocken ist, fülle ich sie wieder auf. Das Substrat trocknet dadurch niemals aus.

Ab dem Frühjahr beginne ich langsam mit regelmäßigen Düngergaben. Ich beginne im März, wenn die Tage wieder länger werden, mit einer Düngerkonzentration von ca. 200 Mikrosiemens/cm. Diese Konzentration steigere ich langsam an, sodass ich in der heißen Sommerzeit bei ungefähr 350 – 450 Mikrosiemens/cm lande. Ab September wird dann wieder weniger gedüngt und ab November dünge ich gar nicht mehr. In der lichtarmen Jahreszeit genügen die Nährstoffe, die sich über den Sommer im Substrat angereichert haben, um die Pflanze gut durch den Winter zu bringen.

Phragmipedium humboldtii ‚Wössen‘ – eine gut kultivierte Pflanze von Franz Glanz (Foto: Olaf Gruß)

Als Substrat verwende ich mittelgrobe Rinde mit Perliten, Bimskies und Holzkohle. Rinde nimmt gut Wasser auf und speichert es einige Tage, um es dann wieder an die Pflanze abzugeben. Perlite lockern das Substrat durch ihr sehr geringes Eigengewicht etwas auf und haben zusätzlich die Eigenschaft, Wasser speichern und wieder abgeben zu können. Auch der Bimskies hat die Fähigkeit Wasser zu speichern und gibt zusätzlich etwas Kalk ab, der von der Pflanze für gesundes Wachstum und zur Blüteninduktion benötigt wird. Holzkohle verwende ich, da sie sich nicht mit Wasser vollsaugt und somit ein paar trockenere Bereiche im Substrat entstehen können. Mit dieser Mischung fahre ich seit vielen Jahren sehr gut. Natürlich ist auch eine Kultur in anderen Substraten möglich. Hier muss jeder das für sich passende Material finden, mit dem er gut zurechtkommt und das zu seinem Gießverhalten und den anderen Gegebenheiten im Kulturraum passt.

Phragmipedium humboldtii mag viel Licht, aber keine direkte Sonneneinstrahlung. Meine Pflanze steht ca. 1,5 Meter hinter einem sehr großen, schattierten Südfenster. Dort ist es zwar sehr hell, aber die Blätter bekommen keine direkte Sonne ab. In den Wintermonaten nehme ich die Schattierung allerdings ab. Hier gelangt, durch die tiefer stehende Sonne, auch direktes Sonnenlicht auf die Pflanze.

Die Temperatur in meinem Kulturraum ist im Winter temperiert/warm. Tagsüber, bei Sonnenschein, können die Temperauren auf 28 Grad steigen. Im Winter liegen sie meist bei 16-18 Grad. Im Sommer ist es bei uns ja inzwischen eher warm/heiß, aber auch das verträgt Phragmipedium humboldtii bisher sehr gut, solange es in dieser Zeit ausreichend Wasser erhält.

Meiner Meinung nach ist Phragmipedium humboldtii die am einfachsten zu kultivierende Art aus der Sektion Phragmipedium. Wer sich also an den langpetaligen Phragmipedien versuchen möchte, der sollte mit diesem anfangen. Durch die langen herabhängenden Petalen und die dunkle Färbung des Schuhs ist Phragmipedium humboldtii ein echter Hingucker! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Phragmipedium humboldtii mit 3 Blüten an einer Infloreszenz (Foto:Thomas Lehmann)
Phragmipedium humboldtii (Foto:Thomas Lehmann)
Das Staminodium von Phragmipedium humboldtii ist leuchtend rot (Foto:Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium humboldtii (Foto:Thomas Lehmann)

 

KW 16, 2019

Habenaria medusa

Alles lesen Orchidee der Woche 16, 2019

Habenaria medusa

Habenaria medusa ‚Donauperle‘ SM/DOG (Foto: Werner Holzmann)

In „Botanische Jahrbücher für Systematik, Pflanzengeschichte und Pflanzengeographie“ aus dem Jahr 1892 beschrieb der deutsche Botaniker Friedrich Wilhelm Ludwig KRÄNZLIN die Art erstmalig unter ihrem bis heute gültigen Namen Habenaria medusa. Fritz KRÄNZLIN, wie er meist nur genannt wurde, beschäftigte sich überwiegend mit Orchideen aus Afrika, wozu Habenaria nicht zu zählen ist. In seinem unvollendeten Werk „Orchidacearum Genera et Species“ findet sich ein abgeschlossener Band über die Gattungen Habenaria, Disa und Disperis.

Habenaria medusa ‚Donauperle‘ bekam nicht nur Silber in der Kategorie „Botanische Art“, sondern ebenfalls für die Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

Der polnische Botaniker und Orchideenforscher Dariusz Lucjan SZLACHETKO gruppierte die Art im Jahr 2004 in die Gattung Fimbrorchis um. Diese Umgruppierung wurde in „Die Orchidee“ – dem Journal der Deutschen Orchideen-Gesellschaft – veröffentlicht. Durchgesetzt hat sich der Name Fimbrorchis medusa allerdings bis heute nicht. Er wird ledeglich als Synonym in der World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) der Kew Gardens in Großbritannien geführt.

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Habenaria medusa erstreckt sich über weite Teile Indonesiens. Man findet die terrestrische Art dort auf Höhen von 400 – 800 Metern über dem Meeresspiegel unter warmen bis heißen Bedingungen. Das Klima wird vom Monsun beeinflusst, der im Winter eine ausgeprägte Trockenzeit bringt, in der Habenaria medusa ihr Blattwerk einzieht und eine Ruhephase durchmacht. Diese Ruhephase ohne Laub wird ermöglicht durch eine Knolle, die sich unterhalb der Erdoberfläche befindet und in der die Energie für den Neuaustrieb im Frühling gespeichert ist. Pflanzen mit diesen Eigenschaften nennt man Geophyten. Die Sommer am Standort sind dauerhaft feucht mit sehr viel Niederschlägen. Die Temperaturen fallen auch nachts nicht unter 18 Grad.

Die Pflanzen, die im Frühjahr mit dem Austrieb beginnen, besitzen 5 – 6 rosettenartig angeordnete Blätter, die weich, länglich und spitz zulaufend sind. Die Infloreszenzen entspringen endständig aus der Mitte der Rosette und werden bis zu 40 cm lang. Jede Infloreszenz trägt eine Vielzahl an Blüten, die mit ihren langen, haarartigen Fortsätzen an der Lippe wie der Kopf von Medusa – der Figur aus der griechischen Mythologie, die am Kopf mit Schlangen besetzt gewesen sein soll – aussieht. Blütezeit ist im Sommer, meist von August bis September.

Knollen von Habenaria medusa in verschiedenen Größen. Die Vordere ist blühstark, die kleineren Knollen hinten sind Nebenknollen, die erst noch 1-3 Wachstumszyklen durchleben müssen ehe sie blühstark sind. (Foto: Werner Holzmann)
Habenaria medusa ‚Ranger‘ – ebenfalls mit einer Silbermedaille ausgezeichnet (Foto: D.O.G.-Archiv)

Die folgende Kulturbeschreibung stammt von Werner Holzmann:

Im Januar, während sich die Knolle in ihrer trockenen, aber warmen Winterruhe befindet, topft er sie in frisches Substrat. Er nimmt dafür feine Rinde, feines Tongranulat und Bimskies. Sollte an der Knolle schon ein kleiner Neutrieb zu sehen sein, muss man sehr aufpassen, dass man diesen nicht verletzt. Schädigt man ihn zu sehr oder bricht in gar ab, besteht die Gefahr, dass kein weiterer Trieb gebildet wird und die Pflanze abstirbt. Es ist auch wichtig, dass der Neutrieb nach oben gerichtet wird, damit er nicht ins Substrat hineinwächst, sondern den Weg ans Licht schnell und ohne Kraftaufwand findet.

Nach dem Topfen beginnt Werner Holzmann langsam und sehr vorsichtig mit kleinen Wassergaben. Aber noch sollte das Substrat nicht komplett feucht oder gar nass gehalten werden, da die Knolle sonst wegfaulen könnte. Zartes Gießen am Topfrand reicht in dieser Zeit völlig aus. Erst wenn der neue Trieb ca. 1 cm aus dem Substrat herausragt, kann stärker gegossen werden. Das Substrat sollte dann komplett durchfeuchtet sein und während der gesamten Wachstumsperiode auch nicht mehr ganz austrocknen. Am natürlichen Standort ist das die Zeit der Monsunregen, in der es fast täglich Niederschlag gibt.

Gedüngt wird nur in schwacher Konzentration und natürlich nur während der Wachstumsperiode. Da die Pflanze über den Winter komplett trocken steht und kein Wasser erhält, gibt es in dieser Zeit natürlich auch keinen Dünger.

Die Pflanze von Werner Holzmann steht an einem sehr hellen Fenster mit Südausrichtung- auch im Winter bleibt sie an diesem warmen Platz stehen – das allerdings durch einen darüberliegenden Balkon schattiert wird, sodass lediglich die sehr tief stehende Morgen- und Abendsonne etwas auf die Pflanze fällt. Auf keinen Fall sollte die starke Mittagssonne im Winter auf die Blätter fallen, da diese sonst regelrecht verbrennen würden. Da Habenaria medusa in dichten und feuchten Regenwäldern heimisch ist, wird sie auch am Naturstandort durch das Laub der Bäume immer vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt.

Im Hochsommer, zwischen August und September, sollte Habenaria medusa ihre Infloreszenzen hervorbringen und mit vielen Blüten blühen. Danach wird  das Wasser langsam reduziert. Wenn die Blätter anfangen einzuziehen und sich braun verfärben, wird das Gießen komplett eingestellt und die Pflanze beginnt damit ihre Ruhephase, die bis zum Neuaustrieb im zeitigen Frühjahr dauert.

Mit einem Substratwechsel am Anfang des Folgejahres beginnt der Zyklus für die Pflanze – und die Kultur – von Neuem. Im Laufe der Jahre bildet die Knolle von Habenaria medusa Nebenknollen, durch die sie sich ausbreitet und vermehrt. Man kann die Knollen zusammen topfen oder auch vereinzeln.

Durch ihre wirklich imposanten Blüten ist Habenaria medusa ein echter Blickfang. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autoren: Werner Holzmann und Thomas Lehmann

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Habenaria medusa ‚Ranger‘ – auch für die gute Kultur gab es Silber (Foto: D.O.G.-Archiv)
Habenaria medusa ‚Donauperle‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Habenaria medusa (Foto: Werner Holzmann)
Habenaria medusa ‚Donauperle‘ SM/DOG (Foto: Werner Holzmann)

KW 15, 2019

Micropera utriculosa

Alles lesen Orchidee der Woche 15, 2019

Micropera utriculosa

Micropera utriculosa (Foto: Thomas Lehmann)

Unter dem Namen Camarotis utriculosa wurde diese Art im Jahr 1915 vom  amerikanischen Botaniker Oakes AMES erstmalig in „Orchidaceae: Illustrations and Studies of the Family Orchidaceae Issuing from the Ames Botanical Laboratory“ beschrieben.  Der ehemalige Kurator der botanischen Abteilung des Chicago Natural History Museum, Louis Otho WILLIAMS, überführte sie im Jahr 1937 in „Botanical Museum Leaflets“ in die Gattung Sarcanthus. Ihren heute gültigen Namen Micropera utriculosa erhielt die Art durch Leslie Andrew GARAY im Jahr 1972, der sie ebenfalls in „Botanical Museum Leaflets“ in die Gattung Micropera überführte.

Heimisch ist die kleinwüchsige Art ausschließlich auf den Philippinen. Die klimatischen Bedingungen sind ganzjährig warm mit einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit. Während die südlichen Inseln das ganze Jahr über regelmäßig Niederschläge erhalten, wird das Klima im Norden vom Südwest-Monsun bestimmt. Hier werden extreme Niederschlagsmengen zwischen Juni und Oktober von einer „kühlen“ Trockenzeit bis Februar und einer warmen Trockenperiode bis Mai unterbrochen, wobei auch in der „kühlen“ Zeit die Temperaturen nur selten unter 20 Grad fallen. Durch die dauerhaft extrem hohe Luftfeuchtigkeit trocknet das Habitat aber niemals ganz aus. Micropera utriculosa kommt epiphytisch in feuchten Bergwäldern bis auf Höhen von 1200 Metern über dem Meeresspiegel vor.

Habitus-Bild von Micropera utriculosa (Foto: Thomas Lehmann)

Die monopodial wachsende Art bildet einen dünnen, aufrechten Stamm, an dem wechselständig angeordnete Blätter sitzen. Zwischen den einzelnen ledrigen Blättern sind meist mehrere Zentimeter Stamm zu sehen. Die Blätter werden ca. 6-8 cm lang, sind fleischig, fest und dunkelgrün. Der Habitus erinnert an eine langgezogene Vanda mit viel Platz zwischen den Blättern. Die Infloreszenzen erscheinen meist im Sommer und entspringen genau gegenständig zu den Blättern. Sie werden nur wenige Zentimeter lang und tragen bis zu 12 einzelne kleine Blüten von 1 cm Höhe und 0,5 cm Breite. Die Blüten sind zweifarbig. Während das Labellum milchig weiß ist, sind die Petalen und Sepalen in einem leuchtenden Pink gefärbt. Die langgezogene Lippe dominiert das Aussehen der Blüte.

Da ich die Art selbst noch nicht so lange pflege, sind folgende Kulturvorschläge noch nicht dauerhaft erprobt, sollten aber erfolgreich sein.

Bei der Wahl des Temperaturbereichs halte ich mich an die natürlichen Gegebenheiten und kultiviere Micropera utriculosa dauerhaft warm. Die nächtlichen Temperaturen im Winter fallen gelegentlich auf 18 Grad ab, kühler wird es aber nicht. Wegen des hohen Wärmebedarfs steht meine Pflanze ganzjährig im Wohnraum und verbringt den Sommer nicht im Garten oder auf dem Balkon, wo die Temperaturen auch im Hochsommer in der Nacht gerne mal auf 15 Grad und tiefer fallen. Vielleicht würde sie es vertragen – ich habe es nie ausprobiert. Allerdings versuche ich generell, die klimatischen Bedingungen des Standortes zu simulieren, soweit es bei mir machbar ist.

Die kurzen Infloreszenzen „verstecken“ sich zwischen den deutlich längeren Blättern (Foto: Thoma Lehmann)

Den Sommer über steht die Pflanze für einen Epiphyten recht feucht. Ich tauche regelmäßig und lasse das Substrat nur gelegentlich richtig gut antrocknen. Im Winter tauche ich erst wieder, wenn das Substrat komplett durchgetrocknet und kein Kondenswassser mehr im transparenten Topf zu sehen ist. Es hat in diesem Winter sehr gut geklappt mit dieser Methode.

Gedüngt wird im Sommer in etwa alle zwei Wochen. Der Leitwert des Düngerwassers liegt bei 300-400 Mikrosiemens/cm. Im Winter dünge ich nicht, da durch die geringe Lichtintensität der kurzen Tage der Stoffwechsel der Pflanze auf ein Minimum herunterfährt. Die Pflanzen  kommen in dieser Zeit mit den Nährstoffen aus, die sich im Laufe des Sommers im Substrat angereichert haben.

Getopft habe ich meine Micropera utriculosa in mittelgrober Rinde mit einem kleinen Anteil feiner Rinde und Perlite. Wer eine warme Vitrine oder gar ein beheiztes Gewächshaus hat, kann die Art mit Sicherheit auch sehr gut aufgebunden kultivieren. Wer auf dem Fensterbrett kultiviert, sollte allerdings davon absehen die Pflanze aufzubinden, da die Luftfeuchtigkeit niemals so hoch gehalten werden kann, wie die Wurzeln der Pflanze es benötigen!

Besonders in den Sommermonaten sollte direkte Sonneneinstrahlung vermieden werden. Da Micropera utriculosa am Naturstandort epiphytisch auf immergrünen Bäumen wächst, ist sie durch das Laub auch ganzjährig vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Lediglich die ganz frühen Sonnenstrahlen am Morgen und die letzten am Abend, wenn die Sonne sehr tief steht, können so auf die Pflanze fallen. Da sich die Sonne bei uns in den Wintermonaten nur selten zeigt und auch nicht so intensiv strahlt wie auf den Philippinen, sollte direkte Sonne in den Wintermonaten vertragen werden.

Die wirklich kleinen Blüten bestechen durch ihre intensiv leuchtende Farbe und den starken Kontrast zur farblosen Lippe. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Eine kleine Knospe, die sich gerade öffnet (Foto: Thomas Lehmann)
Micropera utriculosa (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der winzigen Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der winzigen Blüte (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 14, 2019

Pleione Britannia

Alles lesen Orchidee der Woche 14, 2019

Pleione Britannia

Pleione Britannia ‚Doreen‘ – der wohl bekannteste Klon dieser unkomplizierten Hybride (Foto: Thomas Lehmann)

Am 22. Januar 1992 wurde Pleione Britannia in das Register der Royal Horticultural Society eingetragen. Der britische Züchter Steve James hatte sie dort angemeldet, nachdem die ersten Pflanzen der von ihm kreierten Hybride erstmalig zur Blüte kamen. Die Gestalt Britannia, nach der die Hybride benannt ist, ist die Personifizierung der Großmacht Britannien und bis heute die Nationalfigur des Inselstaates.

Pleione Tongariro diente als Pollengeber bei der Hybride Pln. Britannia (Foto: Thomas Lehmann)
Pleione formosana – der Elternteil, der die Samenkapsel trug (Foto: Thomas Lehmann)

Für Pleione Britannia bestäubte Steve James die Blüte einer Pleione formosana mit dem Pollen von Pleione Tongariro. Die Hybride Pleione Tongariro, die bereits 11 Jahre zuvor bei Ian Butterfild – dem wohl bekanntesten Pleionen-Züchter weltweit – erstmalig zur Blüte kam, ist eine höhere Hybride aus  Pln. Versailles und Pln. pleionoides. Auch wenn der Elternteil Pln. Tongariro bereits eine höhere Hybride ist, besteht der Genpool von Pleione Britannia lediglich aus drei verschiedenen Naturformen:

Alle drei beteiligten Naturformen sind beheimatet in China und kommen dort unter kühlen bis kalten Bedingungen vor. Meist findet man sie litophytisch oder terrestrisch wachsend, in manchen Fällen aber auch epiphytisch an Bäumstämmen, besonders die Art Pln. formosana. Sie alle besiedeln eher schattige Bereiche bis zur Baumgrenze in Höhen von bis zu 2500 Metern über dem Meeresspiegel. Die Sommer dort sind warm und sehr regenreich, sodass das Habitat niemals trocken wird. Die Winter hingegen sind trocken und sehr kühl. Die nächtlichen Temperaturen können dann, je nach Standort, bis an den Gefrierpunkt sinken.

Im Frühling, nach der Winterruhe, blühen die meisten Pleionen, wenn es wieder Niederschläge gibt und die Tage länger werden. An der Pseudobulbe entsteht dann eine ca. 8 cm lange Infloreszenz, die eine einzelne Blüte trägt. Es gibt ein paar wenige Ausnahmen, die im Herbst blühen. Von diesen ist aber keine an der Hybride Britannia beteiligt. Während des Sommers wächst eine neue Pseudobulbe heran, die alte wird dabei vollkommen ausgesaugt und stirbt ab. Auf jeder Pseudobulbe sitzt ein einzelnes Blatt, welches im Herbst abgeworfen wird, wenn die Niederschläge abnehmen. Damit beginnt für Pleione die Winterruhe, die sie vollkommen trocken verbringt.

Detailansicht des Labellum von Pln. Britannia (Foto: Thomas Lehmann)

Eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist nur sehr schwer möglich, da Pleionen gerne eine starke Nachtabsenkung in der Wachstumszeit haben, die im Innenraum meist nur schwer zu erreichen ist. Am besten steht sie ab dem zeitigen Frühjahr auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten. Nach Abschluss der Wachstumsphase bleiben meine Pleionen noch bis zum ersten Frost im Freien, dabei stehen sie aber schon komplett trocken. Wenn der erste Frost kommt, topfe ich die neuen Pseudobulben aus und entferne alle Wurzeln, da diese ohnehin abgestorben sind und im Frühjahr nicht mehr gebraucht werden. Für den Fall, dass an einigen Pseudobulben noch Blätter sind, die nicht abgeworfen wurden, entferne ich auch diese. Danach kommen die einzelnen Bulben in einen Eierkarton und werden in den nächsten Monaten im Gemüsefach meines Kühlschranks gelagert, natürlich vollkommen trocken. Ab Mitte Januar wird einmal in der Woche kontrolliert, ob an den Pseudobulben schon Wachstum zu sehen ist. Am unteren Ende der Pseudobulben bilden sich dann neue, kleine Triebe. Sobald diese zu sehen sind, werden die Pleionen aus dem Kühlschrank geholt und auf trockenes Substrat gesetzt. Man muss aufpassen, dass die Pleione nicht zu tief im Substrat sitzt, höchstens ein Drittel der Pseudobulbe. Ich benutze gepresstes Sphagnum-Moos, da es sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen kann. Auch jetzt sollten die Pflanzen nicht zu warm stehen, aber auch keinen Frost abbekommen. Vorsichtig gegossen wird erst dann, wenn sich am unteren Ende des Neutriebs Wurzeln zeigen. Bis dahin ernährt sich der neue Trieb ausschließlich von den Nährstoffen, die in der alten Pseudobulbe gespeichert sind, deswegen muss noch nicht gegossen werden. Da bis zu diesem Zeitpunkt keine Wurzeln vorhanden sind, könnte die Pflanze die Feuchtigkeit, und somit die Nährstoffe, auch gar nicht aufnehmen. Man riskiert nur, dass die Pflanzen faulen. Sobald die Wurzeln tief in den Pflanzstoff wachsen und es langsam wärmer wird, darf auch richtig gegossen werden. Ab dann sollte das Substrat bis zum Herbst nicht mehr austrocknen, sondern immer schön feucht bleiben. Im Herbst zieht Pleione dann wieder ein und alles beginnt von vorne.

Natürlich eignen sich auch andere Pflanzstoffe, die gut Feuchtigkeit halten und nicht zu schnell abtrocknen. Besonders für Pleionen gibt es 1000 verschiedene Rezepte. Da muss man etwas ausprobieren, um das zu finden, womit man selbst am besten zurechtkommt. Selbst Blumenerde wird verwendet, auch Rinde oder mineralische Substrate. Wichtig ist, dass man das Gießverhalten an den Pflanzstoff anpasst und das Substrat nicht austrocknen lässt im Sommer. Gedüngt wird bei mir alle 2-3 Wochen. Ich dünge das Gießwasser dann auf einen Leitwert von ca. 400  Mikrosiemens auf. Früher war ich noch etwas vorsichtiger beim Düngen. Die Erfahrung hat mir aber gezeigt, dass Pleionen recht hungrig nach Nährstoffen sind und gesünder und zügiger wachsen, wenn sie etwas mehr „Futter“ bekommen. Meine Pleionen stehen, vor direkter Mittagssonne geschützt, auf dem Balkon und erhalten für etwa 3 Stunden das Licht der untergehenden Abendsonne.

Autor: Thomas LEHMANN

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Blick in das Labellum (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte mit dem Blatt des Neutriebs (Foto: Thomas Lehmann)
Pleione Britannia ‚Doreen‘ (Foto: Thomas Lehmann)

KW 13, 2019

Paphiopedilum Delophyllum

Alles lesen Orchidee der Woche 13, 2019

Paphiopedilum Delophyllum

Paphiopedilum Delophyllum (Foto: Thomas Lehmann)

Bereits am 01. November 1940 meldete die britische Orchideenfarm Black & Flory diese Primärhybride bei der Royal Horticultural Society (RHS) zur Registrierung an. Einige Jahre zuvor hatten sie eine Pflanze von Paphiopedilum delenatii mit dem Pollen von Paphiopedilum glaucophyllum bestäubt und diese robuste Hybride dann im Jahr 1940 zur Blüte gebracht. Da es sich um eine Primärhybride handelt, teilt sich der Genpool natürlich zu zwei gleichen Teilen auf – jeweils also 50%.

Paphiopedilum delenatii – eines der Elternteile von Paphiopedilum Delophyllum (Foto: D.O.G.-Archiv)

Paphiopedilum delenatii ist heimisch im südlichen Vietnam und kommt dort unter temperiert-warmen Bedingungen vor. Man findet die Art sowohl terrestrisch als auch lithophytisch wachsend in immergrünen Wäldern in Höhenlagen von 750-1500 Metern. Häufig siedeln die Pflanzen dieser Naturform in schattigen Lagen entlang von Flüssen und Bächen. Die fünf bis sieben Blätter der einzelnen Triebe sind stark gemustert und sehr fest. Die Infloreszenzen entwickeln sich vom späten Herbst bis ins zeitige Frühjahr und tragen ein bis zwei, in Ausnahmefällen auch mal drei Blüten. Fahne und Petalen sind immer weiß. Das Labellum variiert in der Färbung von weiß über zartrosa bis hin zu weinrot.

Das andere Elternteil ist Paphiopedilum glaucophyllum (Foto: D.O.G.-Archiv)

Paphiopedilum glaucophyllum findet man auf Sumatra und Java in Höhenlagen von 200-800 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturbedingungen sind ganzjährig warm bis heiß. Meist wachsen die Pflanzen terrestrisch in Humusansammlungen auf vulkanischen Berghängen. Die vier bis sieben blaugrünen, stumpfen Blätter umhüllen den kurzen Stamm vollständig. An der bis zu 40 cm langen Infloreszenz, die sich vom Frühjahr bis zum Sommer entwickeln kann, entstehen bis zu 20 Blüten, die sich nacheinander öffnen. Meist ist nur eine einzelne Blüte geöffnet. Erst wenn diese verwelkt ist, öffnet sich die nächste. Gelegentlich kommt es vor, dass zwei Blüten gleichzeitig offen sind.

Die Hybride Paphiopedilum Delophyllum ist eine wirklich robuste und leicht zu kultivierende Kreuzung, die sich sehr gut für die Fensterbank eignet. Sie gedeiht bei etwas wärmeren Temperaturen im Winter deutlich besser. Bei zu kühler Kultur wächst sie nur sehr langsam. Genau richtig also für ein wohlig warm beheiztes Wohnzimmer. Selbst etwas trockenere Luft direkt über der Heizung verträgt meine Pflanze seit einigen Jahren sehr gut. Im Sommer kann sie auch geschützt ins Freie gestellt werden, aber es ist nicht zwingend erforderlich. Die ersten Jahre stand meine Pflanze im Sommer draußen. Seit zwei Jahren ist sie aber ganzjährig im Wohnzimmer und ich kann keinen Unterschied in Wachstum, Blühfreudigketit oder Haltbarkeit der Blüten feststellen.

Paphiopedilum Delophyllum ‚Waltraud Glow‘ BM/DOG (Foto: Frank Glow)

Getopft ist mein Paphiopedilum Delophyllum in Standard-Substrat für meine Phragmipedien: Rinde, Bimskies, Perlite und Holzkohle. Rinde, Bimskies und Perlite speichern gut Wasser und geben es nach und nach an die Pflanze ab. Bimskies gibt zusätzlich etwas Kalk frei. Die Perlite verleihen dem Substrat durch ihr geringes Eigengewicht eine gewisse Leichtigkeit, ebenso die Holzkohle, die nicht so viel Wasser aufnimmt und dadurch etwas trockenere Bereiche im Pflanzstoff schafft. Damit fahre ich seit Jahren gut.

Beim Wasser scheint diese Primärhybride keine großen Ansprüche zu stellen. Sie verträgt sogar unser sehr salzhaltiges und hartes Wasser aus der Leitung sehr gut. Ich bekam meine Pflanze vor vielen Jahren, als ich mit der Orchideenkultur gerade anfing und noch nicht viel Ahnung hatte. Ohne groß darüber nachzudenken, bekam sie in der Zeit nur Leitungswasser, das ich alle zwei Wochen auch noch aufgedüngt habe. Von Leitwert und gelösten Salzen hatte ich damals noch keine Ahnung. Paphiopedilum Delophyllum scheint davon aber auch keine Ahnung zu haben, denn sie wuchs und blühte und tut es bis heute noch. Wenn ich heute dünge, bekommt sie aufgedüngtes Regen- oder Osmosewasser mit einem Leitwert von ungefähr 400 Mikrosiemens/cm. Zwischendurch gieße ich aber auch heute noch mit Leitungswasser, weil ich ja weiß, dass sie es verträgt. Im Winter dünge ich gar nicht.

Im Sommer steht sie am unschattierten Ostfenster, also mit Morgensonne. Im Winter stelle ich sie an das Fenster gegenüber mit Westausrichtung. Dort hat sie dann in der dunklen Jahreszeit etwas mehr Licht als am Ostfenster. Grundsätzlich kommt diese Kreuzung aber auch gut mit weniger Licht zurecht.

Jedes Jahr im späten Winter oder Frühjahr kommen zuverlässig die Blütentriebe zum Vorschein. An der ca. 20 cm langen Infloreszenz öffnen sich meistens 2-3 Blüten. Einmal gab es 4 Blüten an einem Trieb, aber das scheint eine Ausnahme gewesen zu sein. Leider hat sie nicht die „Blüten-Gene“ von Paphiopedilum glaucophyllum geerbt, das bis zu 20 Blüten schafft. Die Blüten sind ca. 8-10 cm breit und zartrosa gefärbt.

Eine wirklich unkomplizierte Anfänger-Hybride, bei der man nicht viel falsch machen kann. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Paphiopedilum Delophyllum ‚Waltraud Glow‘ BM/DOG mit mehreren Infloreszenzen (Foto: Frank Glow)
Paphiopedilum Delophyllum ‚Waltraud Glow‘ BM/DOG (Foto: Frank Glow)
Meine Pflanze besitzt sehr dunkle Blüten, dafür gibt es bisher in jedem Jahr nur einen Neutrieb – man kann nicht alles haben. (Foto: Thomas Lehmann)
Paphiopedilum Dellohyllum – Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)
Paphiopedilum Dellohyllum – Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 12, 2019

Dendrobium Sun Sprite

Alles lesen Orchidee der Woche 12, 2019

Dendrobium Sun Sprite

Dendrobium Sun Sprite (Foto: Thomas Lehmann)

Am 12. November 1975 trug die Royal Horticultural Society (RHS) diese Hybride in das Register für Orchideen-Hybriden ein. Der Züchter, der die Hybride zur Registrierung angemeldet hatte, ist mit V. & N. JUPP angegeben. Genauere Informationen zu den Personen konnte ich leider nicht finden. Die Elternteile von Dendrobium Sun Sprite sind zwei Naturhybriden. Eine davon ist Dendrobium × speciokingianum – eine Hybride aus Den. speciosum und Den. kingianum. Der andere Elternteil ist Den. × gracillimum, also die natürlich vorkommende Hybride aus Den. gracilicaule und Den. speciosum var. hilii. Der Genpool teilt sich also wie folgt auf:

  • 50% Dendrobium speciosum
  • 25% Dendrobium kingianum
  • 25% Dendrobium gracilicaule
Dendrobium speciosum ist zur Hälfte am Genpool beteiligt (Foto: D.O.G.-Archiv)
Dendrobium kingianum trägt zu einem Viertel am Genpool teil (Foto: D.O.G.-Archiv)
Ebenfalls ein Viertel des Genpools kommt von Dendrobium gracilicaule (Foto: Thomas Lehmann)

Das Verbreitungsgebiet von Dendrobium speciosum erstreckt sich vom australischen New South Wales bis nach Victoria. Es wächst dort ausschließlich lithophytisch in Küstennähe auf Felsen und Klippen und in offenen Wäldern mit viel Luftbewegung. Die Winter sind sehr trocken ohne Niederschläge und eher kühl. Die Blüten, die im Frühjahr erscheinen, duften intensiv. Jede Infloreszenz trägt zahlreiche Blüten, die sich tagsüber öffnen und am Abend schließen.

Ebenfalls lithophytisch wächst Dendrobium kingianum im australischen Queensland und New South Wales. Man findet die Art sowohl in Küstennähe wie auch in Bergwäldern bis auf Höhen von 1200 Metern über dem Meeresspiegel. Auch hier sind die Winter trocken und kühl – in höheren Lagen teilweise richtig kalt. Die Blüten duften intensiv nach Honig und erscheinen im späten Winter bis ins zeitige Frühjahr.

Dendrobium gracilicaule kommt an sehr sonnigen Plätzen in Queensland, New South Wales und New Caledonia in Australien vor. Die Art ist sowohl epithytisch wie auch lithophytisch wachsend anzutreffen. Auch ihre Blüten duften, nachdem sich die Knospen im späten Winer geöffnet haben.

Ganz wichtig für eine erfolgreiche Kultur von Dendrobium Sun Sprite ist eine kühle und absolut trockene Ruhezeit im Winter. Vom späten Herbst an werden Wässern und Düngen komplett eingestellt und erst wieder aufgenommen, wenn sich im Frühjahr die Neutriebe zeigen.  Alle drei beteiligten Naturformen brauchen diese trockene Ruhezeit im Winter, um die Blüteninduktion zu ermöglichen. Meine Pflanze steht bis zum ersten Frost im Freien, ehe sie in einen unbeheizten Raum mit viel Licht gebracht wird. Ungefähr ab Anfang November  stelle ich das Gießen komplett ein. Die Temperaturen im Winter halte ich bei 8-10 Grad. Auch kühler ist möglich für die Pflanze, aber in keinem Raum unserer Wohnung erreichbar.

Bei meiner Pflanze trägt jede Infolreszenz immer exakt sieben Blüten (Foto: Thomas Lehmann)

Vom Frühjahr bis in den Herbst wird sehr regelmäßig gegossen. An den besonders heißen Tagen im Hochsommer steht der Topf immer in einer Schale mit Wasser, um ein Austrocknen des Substrats zu vermeiden. So trocken wie die Winter sein müssen, so nass darf dafür der Hochsommer sein. Zu viel kann man während dieser Zeit kaum gießen, wenn es heiß ist. Gedüngt wird von März/April bis September/Oktober circa einmal wöchentlich. Der Leitwert des Düngerwassers liegt dann bei ungefähr 300-400 Mikrosiemens/cm. Im Winter wird natürlich nicht gedüngt, da ja auch nicht gewässert wird.

Noch habe ich die Pflanze in Rindensubtrat ohne Zuschlagsstoffe, da ich sie in diesem Substrat von einem Freund übernommen habe und bisher noch nicht neu topfen musste. Läuft sehr gut in dem Substrat, wie es scheint. Dieses Jahr habe ich 16 Blütentriebe gezählt. Nichtsdestotrotz werde ich sie – wie alle meine Dendrobien – beim Umtopfen nächstes Jahr auf mineralisches Substrat setzen. Der Pflegeaufwand mit Lavagranulat ist etwas unkomplizierter, da der Topf dann vom Frühjahr bis in den Herbst einfach in einer Schale mit Wasser stehen kann, ohne zu nass zu werden, wenn die Temperaturen etwas kühler sind.

Die Hitze und auch teilweise direkte Sonne im Sommer verträgt die Pflanze sehr gut, solange sie nicht zu trocken steht und auch die Luftfeuchtigkeit nicht zu sehr sinkt. Auch deswegen stelle ich sie im Hochsommer sehr gerne in eine Schale, die mit Wasser gefüllt ist. Das verdunstende Wasser erhöht die Luftfeuchtigkeit um die Pflanze herum etwas.

Blühfreudig, reich blühend, duftend – eine Hybride, die man leider selten sieht, die aber jede Orchideensammlung bereichert. Ich möchte meine Pflanze nicht mehr missen. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Am ersten Tag sind die Petalen und Sepalen noch nach hinten geneigt – bereits am zweiten Tag neigen sie sich aber wieder nach vorne (Foto: Thomas Lehmann)
Am ersten Tag sind die Petalen und Sepalen noch nach hinten geneigt – bereits am zweiten Tag neigen sie sich aber wieder nach vorne (Foto: Thomas Lehmann)
Alle Blüten sind geöffnet und die Petalen und Sepalen neigen sich nach vorne (Foto: Thomas Lehmann)
Habitus-Bild meiner Pflanze. Insgesamt gab es 16 Infloreszenzen, die leider nicht alle gleichzeitig aufblühten. (Foto: Thomas Lehmann)

KW 11, 2019

Kefersteinia tolimensis

Alles lesen Orchidee der Woche 11, 2019

Kefersteinia tolimensis

Kefersteinia tolimensis (Foto: Thomas Lehmann)

Friedrich Richard Rudolf SCHLECHTER beschrieb die Art erstmalig im Jahr 1920 in „Repertorium Specierum Novarum Regni Vegetabilis. Centralblatt für Sammlung und Veröffentlichung von Einzeldiagnosen neuer Pflanzen. Beihefte.“ SCHLECHTER war Botaniker und Kustos am Botanischen Museum in Berlin. Auf seinen zahlreichen Reisen nach Süd- und Mittelamerika, Afrika, Indonesien, Australien und Neuguinea sammelte er viele Pflanzen, darunter etliche Orchideen, die er mit nach Berlin brachte und einige davon neu beschrieb. Seine umfangreiche Sammlung ging leider während der Bombardierung im zweiten Weltkrieg verloren.

Kefersteinia tolimensis (Foto: Dr. Norbert Baumbach)

Kefersteinia tolimensis ist beheimatet in Ecuador, Venezuela und dem namensgebenden Department Tolima in Kolumbien. Sie wächst dort in dichten Nebelwäldern, meist epiphytisch in den unteren Bereichen von Baumstämmen, in Höhenlagen von 1300-2100 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturen am Standort sind eher kühl bis kalt. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, wobei sie von Januar bis März weniger häufig sind.

Die Pflanzen der Art bilden einen recht kurzen Stamm, der komplett von länglichen, spitz zulaufenden Blättern umhüllt ist. Die einzelnen Blätter werden bis zu 15 cm lang und sind ca. 2-3 cm breit und nur leicht gekielt. Vom Frühjahr bis in den Herbst hinein entstehen zwischen den Blättern 8-13 cm lange Infloreszenzen, die jeweils eine einzelne Blüte tragen. Die Blüten sind weiß- oder gelbgrundig und variieren in der violettroten Musterung stark. Während die Petalen und Sepalen meist nur zarte Punkte tragen, ist das Labellum oft fast komplett eingefärbt. Lediglich ein weißer gefiederter Rand rund um die Lippe bleibt von der Färbung unberührt.

Meine Kefersteinia tolimensis habe ich noch nicht so lange, aber sie brachte im Sommer und Herbst letzten Jahres einige Blüten zum Vorschein und setzt gerade wieder einige Neutriebe an. Es scheint ihr also bei mir zu gefallen.

Ich achte darauf, dass das Substrat niemals austrocknet. Besonders in den Sommermonaten gieße ich sehr regelmäßig. Während der ganz heißen Wochen im Hochsommer stand der Topf dauerhaft in einer mit Wasser gefüllten Schale, damit der Pflanzstoff keine Chance hatte auszutrocknen. Im Winter gieße ich nicht mehr ganz so viel, aber auch dann trocknet das Substrat zwar gut an, aber niemals komplett ab. Sobald die Kondenstropfen im Topf fast weg sind, gibt es wieder Wasser. Der Topf fühlt sich dann auch schon deutlich leichter an als direkt nach dem Wässern.

Während des Sommers gibt es wöchtentlich Dünger. Das Düngerwasser hat einen Leitwert von ungefähr 250-300 Mikrosiemens/cm. Ab Oktober dünge ich nicht mehr, da in den dunklen Wintermonaten der Stoffwechsel der Pflanze so weit herunterfährt, dass die angereicherten Salze im Substrat ausreichend sind, um die Pflanze gut über den Winter zu bringen. Ab März/April beginne ich dann wieder regelmäßig zu düngen. Das ist dann auch die Zeit, in der die Neutriebe ordentlich wachsen und eigene Wurzeln bilden.

Getopft habe ich Kefersteinia tolimensis in einem Gemsich aus feiner und mittelgrober Rinde, Perlite und etwas Holzkohle. Wie schon in einigen anderen Beiträgen erwähnt, dient die Rinde als Wasserspeicher. Perlite und Holzkohle haben ein sehr geringes Eigengewicht und lockern dadurch das Substrat auf. Zudem speichern Perlite sehr gut Wasser und geben dieses langsam an die Wurzeln wieder ab. Die Holzkohle hingegen nimmt nur wenig Wasser auf und schafft somit etwas trockenere Partien im dauerfeuchten Pflanzstoff.

Habitusbild von Kefersteinia tolimensis (Foto: Thomas Lehmann)

Der Lichtbedarf dieser Art ist nicht sonderlich hoch, da sie oft in den unteren Bereichen von dichten Nebelwäldern wächst. Selbst an einem Nordfenster reicht das Licht noch aus, um Kefersteinia tolimensis zu kultivieren. Solange sie nicht der direkten Mittagssonne im Sommer ausgesetzt ist, kommt sie aber auch mit etwas mehr Licht gut zurecht. Meine Pflanze steht an einem Ostfenster mit etwas Morgensonne. Den restlichen Tag verbringt sie eher schattig.

Die Temperaturen im Winter sollten etwas kühler sein. Ich habe es anfangs im temperiert-warmen Bereich versucht, allerdings wurden die Blätter dort etwas kraftlos und schlapp. Seit ich sie kühler stehen habe – Nachttemperaturen zwischen 12 und 14 Grad – sieht die Pflanze kräftiger und gesünder aus. Wahrscheinlich gefielen ihr noch kühlere Temperaturen etwas besser, aber mein Platz im kühl-kalten Bereich ist schon mehr als voll. Vielleicht kann ich nächsten Winter etwas umschichten, um es noch kühler zu versuchen. Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Mit den 12-14 Grad kam sie gut zurecht.

Diese wunderbar kleinbleibende Naturform findet auch auf kühlen Fensterbrettern gut Platz. Ihre auffällig gepunkteten Blüten mit der fransigen Lippe machen mir immer gute Laune, wenn ich sie sehe. Viel Spaß beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Kefersteinia tolimensis (Foto: Thomas Lehmann)
Kefersteinia tolimensis (Foto: Thomas Lehmann)
Kefersteinia tolimensis – Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Kefersteinia tolimensis – Knospe (Foto: Thomas Lehmann)

KW 10, 2019

Coelogyne cristata f. hololeuca

Alles lesen Orchidee der Woche 10, 2019

Coelogyne cristata f. hololeuca

Coelogyne cristata f. hololeuca (Foto: Thomas Lehmann)

Coelogyne cristata wurde bereits 1821 von John LINDLEY beschrieben. 60 Jahre später, im Jahr 1881, veröffentlichte Heinrich Gustav REICHENBACH in „Gardeners‘ Chronicle“ die Erstbeschreibung der komplett weißen Farbform dieser Art unter dem Namen Coelogyne cristata var. hololeuca. Die beiden Varianten unterscheiden sich lediglich durch einen etwas unterschiedlichen Wuchs – Coel. cristata wächst eher hängend, Coel. cristata f. hololeuca eher aufrecht – und in der Farbgebung. Während die Blüten von Coelogyne cristata eine leuchtend gelbe Lippe haben, sind die Blüten von Coelogyne cristata f. hololeuca ganz weiß. Da es sonst keinerlei Unterscheidungsmerkmale gibt, stuften Manfred WOLFF und Olaf GRUSS  die Varietät hololeuca zur forma herab. Seit der Veröffentlichung in „Orchideen Atlas“ aus dem Jahr 2007 wird daher meist der Name Coelogyne cristata f. hololeuca benutzt.

Seitenansicht der Infloreszenz (Foto: Thomas Lehmann)

Das Verbreitungsgebiet von Coelogyne cristata und der Farbform hololeuca erstreckt sich vom westlichen bis zum östlichen Himalaya über Assam und Sikkim in Nordostindien, Nepal, Bhutan und Java. Sie wachsen dort auf einer Höhe von 1 500-2 600 Metern unter kühlen bis kalten Bedingungen. Einen großen Teil des Jahres sind die Pflanzen am Naturstandort dem Monsunregen ausgesetzt, während der restlichen Zeit gibt es zwar keinen Niederschlag, dafür aber eine durch Nebel hervorgerufene sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Coel. cristata f. hololeuca wächst epiphytisch und gelegentlich auch litophytisch auf moosigen Felsen. Sie bildet rundliche bis ovale Pseudobulben aus, auf denen 2 längliche Blätter sitzen. Die Blütentriebe entspringen am unteren Teil der Pseudobulbe und bringen 3 bis 10 reinweiße Blüten hervor, welche manchmal auch duften können. Die Winter am Naturstandort sind regenarm, kühl und sehr hell.

Eine Kultur auf der Fensterbank kann erfolgreich sein, wenn man die kühlen Temperaturen im Winter bieten kann. Ein unbeheizter, heller Raum ist gut geeignet. Je kühler, desto besser. Mindestens genauso wichtig wie die kühlen Temperaturen ist viel Licht im Winter. Ein Treppenhaus zum Beispiel bietet zwar oft die kühlen Temperaturen, ist aber meist zu dunkel, sodass sich die Blütenknospen nicht ausbilden. Ich habe zum Glück einen ungeheizten Raum mit nach Westen ausgerichtetem, großem Fenster, das fast immer gekippt ist. Das Fenster schließe ich nur, wenn es draußen sehr starke Minusgrade gibt. Dadurch pendelt sich die Temperatur im Raum meist so um die 8-10 Grad ein. Meine Coel. cristata f. hololeuca kommt damit gut zurecht und blüht jedes Jahr zuverlässig. Noch etwas kühler dürfte es durchaus auch sein, mit wärmeren Temperaturen im Winter habe ich es nie probiert und somit auch keine Erfahrung, die ich weitergeben könnte.

Coelogyne cristata f. hololeuca ‚Wössen II‘ erreichte die Goldmedaille in der Kategorie Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

Den Sommer über hängt meine Pflanze draußen am Balkon und wird fast täglich durchdringend gegossen. Gelegentlich tauche ich den Topf auch mal für 30 Minuten, damit sich das Substrat voll Wasser saugt. Durchtrocknen sollte der Topf in dieser Zeit niemals. Auch mit dem Dünger spare ich in den heißen Sommermonaten nicht. 1-2 Mal in der Woche gibt es aufgedüngtes Wasser. Der Leitwert liegt dann bei 350-450 Mikrosiemens/cm. Zum Herbst hin stelle ich das Düngen langsam ein. Auch die Wassergaben werden dann stetig weniger, bis die Pflanze Mitte/Ende November völlig trocken steht. Bis zum ersten Nachtfrost darf sie noch im Freien bleiben, ehe sie in ihr Winterquartier zieht. Ab diesem Zeitpunkt gieße ich viele Wochen gar nicht, die Pseudobulben fangen deutlich an zu schrumpeln. Einige Bekannte geben auch im Winter etwas Wasser, auch das scheint zu funktionieren. Ich persönlich gieße erst wieder etwas im Januar/Februar, wenn ich sehe, dass die im Herbst angesetzten Infloreszenzen zu wachsen beginnen und sich langsam die ersten Knospen zeigen. Sind diese deutlich zu erkennen, gibt es ein ausführliches Tauchbad,  durch das sich die Pseudobulben wieder auffüllen – was ich jedes Jahr aufs Neue faszinierend finde. Je kühler die Pflanze jetzt noch steht, desto länger halten sich die wunderschönen weißen Blüten.

Als Pflanzstoff nutze ich Rinde mit etwas Moos gemischt. Ich habe meine Pflanze vor ein paar Jahren darin bekommen und bis heute noch nicht umgetopft. Die Topfgröße ist noch ausreichend und ich sah bisher keinen Anlass neu zu topfen. Wenn ich, vermutlich nächstes Jahr, umtopfe, werde ich mineralisches Substrat benutzen, wie ich es bei meiner Coelogyne cristata ja auch schon erfolgreich verwende.

Die gerüschten weißen Blüten sind wirklich ein Hingucker und ein klares Zeichen für den nahenden Frühling. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Coelogyne cristata hololeuca ‚Wössen‘ SM/DOG – Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv
Coelogyne cristata hololeuca ‚Wössen‘ GM/DOG – Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Coelogyne cristata hololeuca ‚Wössen II‘ SM/DOG – Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Coelogyne cristata hololeuca ‚Wössen‘ GM/DOG – Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Coelogyne cristata f. hololeuca ‚Harald‘ SM/DOG – Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Coelogyne cristata f. hololeuca ‚Harald‘ BM/DOG – Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Coelogyne cristata f. hololeuca (Foto: Thomas Lehmann)
Coelogyne cristata f. hololeuca (Foto: Thomas Lehmann)

 

 

KW 09, 2019

Phragmipedium pearcei

Alles lesen Orchidee der Woche 09, 2019

Phragmipedium pearcei

Phragmipedium pearcei (Foto: Thomas Lehmann)

Der Pflanzensammler Richard PEARCE, der für die Firma James Veitch & Sons arbeitete, brachte die erste Pflanze dieser Art im Jahr 1863 nach England. Ein Jahr später veröffentlichten John LINDLEY und Joseph PAXTON die Erstbeschreibung unter dem Namen Cypripedium caricinum. Im Text der Erstbeschreibung heißt es unter anderem „rhizomate repente„, was kriechendes oder ausläuferartiges Rhizom bedeutet. Diese Tatsache deutet darauf hin, dass es sich bei der beschriebenen Pflanze um Phragmipedium pearcei handelt. Noch im gleichen Jahr verwendete James Veitch & Sons bei einer zeichnerischen Darstellung  in „Proceedings of the Royal Horticultural Society of London“ den Namen Cypripedium pearcei. Ein weiteres Jahr später, im Jahr 1865, wurde die Art erneut beschrieben, diesmal vom aus Sachsen stammenden Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH in „Hamburger Garten- und Blumenzeitung“ als Selenipedium pearcei. Laut dem International Plant Name Index (IPNI) gilt diese Veröffentlichung als Erstbeschreibung der Art. In der World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) der Kew Gardens in London wird „Veitch ex J. Dix“ als Autor der Erstbeschreibung angegeben. Allerdings wurde, wie oben schon erwähnt, der Name Cypripedium pearcei dort lediglich erwähnt. Eine gültige Beschreibung fügte James VEITCH nicht bei. Über einhundert Jahre später wurde die Art dann von Werner RAUH und Karlheinz SENGHAS in die Gattung Phragmipedium überführt. Die beiden deutschen Botaniker veröffentlichten diese Umkombination in der Zeitschrift „Die Orchidee“.

Phrag. pearcei am Standort in Ecuador (Foto: Monika Eckert)

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Phragmipedium pearcei erstreckt sich vom östlichen Teil Ecuadors bis nach Kolumbien und ins nördliche Peru. Meistens findet man Pflanzen dieser Art entlang von fließendem Wasser in Höhenlagen von 200-1200 Metern über dem Meeresspiegel. Sie wachsen sowohl litophytisch wie auch terrestrisch auf und zwischen Felswänden und -brocken, die zeitweise von Wasser überflutet werden. Häufig sind sie von Gräsern umgeben und durch ihren grasartigen Wuchs kaum von diesen zu unterscheiden. Die Standorte sind oftmals sehr sonnig, wobei Phrag. pearcei von den umliegenden Gräsern  meist etwas schattiert wird und nicht die volle Sonneneinstrahlung erhält. Niederschlag gibt es das ganze Jahr über. In den Monaten Januar bis März nehmen diese zwar etwas ab, das Habitat ist aber dennoch immer sehr feucht. Die Temperaturen sind meist temperiert-warm. Je nach Standort und Höhenlage können sie auch etwas kühler oder wärmer sein. Im Sommer steigen die Temperaturen auch auf 30 Grad und wärmer. Die Nächte in den Wintermonaten liegen meist bei ca. 15 Grad. In höheren Lagen fallen sie auch etwas tiefer.

Die Art zählt zu den kleinen bis mittelgroßen Phragmiedien, da sie im Vergleich zu anderen Arten dieser Gattung nicht sonderlich hoch wird. Allerdings benötigen die Pflanzen im Laufe der Jahre durch ihren kriechenden Wuchs recht breite Schalen. Die einzelnen rhizomartigen Ausläufer können bis zu 10 cm lang werden. Jeder einzelne Trieb bildet einen sehr kurzen Stamm aus, der vollständig von den grasartigen Blättern umhüllt wird. Die einzelnen Blätter werden 15-35 cm lang und lediglich 0,6-1,2 cm breit. Sie sind stark gekielt und an den Unterseiten etwas heller gefärbt. Der unverzweigte Blütenstand wächst endständig aus dem Herzen des Triebs und beendet das Triebwachstum. Die Infloreszenzen erreichen eine Länge von 20-40 cm und sind flaumig behaart und bräunlich gefärbt. Meist produziert ein Blütentrieb zwischen zwei und fünf Blüten, die sich von unten nach oben nacheinander öffnen. In seltenen Fällen können es bis zu neun einzelne Blüten sein, die in verschiedenen Weiß- und Grüntönen gefärbt und mit rötlichen Akzenten, besonders an den Petalen, besetzt sind. Mit 5,5-7,5 cm sind die Blüten eher klein für diese Gattung. Das Labellum zeigt immer eine typische gestreifte Zeichnung in dunklerem Grün. Die Petalen sind sehr schmal, nach unten gerichtet und mehrfach in sich gedreht. Die Blüten duften nicht.

Die ersten Pflanzen von Phragmipedium pearcei, die ich bei mir in Kultur hatte, leben heute leider nicht mehr. Da die Art etwas andere Bedingungen verlangt als die meisten Phragmipedien, musste ich erst einige Erfahrungen sammeln, um den Ansprüchen gerecht zu werden. Inzwischen klappt es sehr gut mit uns. Im Folgenden möchte ich meine Kulturerfahrungen mit euch teilen.

Schon nach zwei Jahren wurde meine kleine Jungpflanze zu einem richtigen Busch (Foto: Thomas Lehmann)

Meiner Meinung nach sind die wichtigsten Kriterien für eine erfolgreiche Kultur die Wasser- und Düngerqualität. Phrag. pearcei ist sehr salzempfindlich, besonders bei zu hohen Kalkgaben. Zu wenig Nährstoffe verzögern aber das Wachstum und lassen nicht jeden Trieb zur Blüte kommen. Ganz am Anfang meiner Phragmipedium-Kultur nutzte ich größtenteils noch Leitungswassser und handelsüblichen flüssigen Orchideendünger aus dem Gartencenter. Viele Phragmipedium-Arten und -Hybriden hatten damit keine allzu großen Probleme. Mein Phragmipedium pearcei allerdings wuchs rückwärts und verlor ein Blatt nach dem anderen, bis die Pflanze letztendlich einging. Auch neue Wurzeln wurden nur sehr spärlich gebildet. Durch viel Recherche und Austausch mit gleichgesinnten Phragmipedium-Sammlern war dann recht schnell klar, dass sich in meinem Wasser zu viele gelöste Salze befanden. Ich besorgte mir also handelsübliches destilliertes Wasser, das ich mit meinem o.g. Dünger aufdüngte. Der Leitwert des Wassers lag in etwa bei 150 Mikrosiemens das ganze Jahr über. Damit lief es deutlich besser. Die neuerworbene Pflanze wurzelte recht schnell in den Topf ein und wuchs auch schneller, als Blätter abgeworfen wurden. Zur Blüte kam es damit allerdings noch nicht. Auch wurden immer wieder an Neutrieben Blätter braun und fielen ab. Ein guter Freund gab mir dann den scheinbar entscheidenden Tipp. Der Dünger, den ich nutzte, bot weder Calcium noch Magnesium, da die meisten handelsüblichen Dünger auf Leitungswasser eingestellt sind und beides dort schon mehr als ausreichend vorkommt. Das nächste Problem ist, dass Calcium und Magnesium in einer Flüssigkeit zusammen nicht dauerhaft gelagert werden können. Mir wurde ein Orchideendünger in Pulverform empfohlen, der sowohl etwas Calcium wie auch Magnesium enthält. Im Winter sollte ich damit auf ca. 100 Mikrosiemens/cm aufdüngen und im Hochsommer könne ich es langsam bis auf 300-400 Mirkosiemens/cm steigern. Seitdem ich diesen Ratschlag beherzige, wächst und blüht Phragmipedium pearcei bei mir sehr gut. Blätter werden nur noch an alten Trieben, die schon geblüht haben, abgeworfen. Es scheint also gar nicht das Problem gewesen zu sein, dass es zu viele Salze waren, sondern einfach die falschen. Zusätzliche Kalkgaben gibt es bei mir nicht.

Die Temperaturansprüche im temperiert-warmen Bereich stellen keine große Herausforderung dar. Phrag. pearcei läuft bei mir im beheizten Wohnraum sehr gut. Lediglich die Luftfeuchtigkeit muss beobachtet werden und sollte nicht weit unter 60% fallen. Wie die meisten meiner Phragmipedien steht natürlich auch diese Art immer in einer Schale mit klarem Wasser, wodurch die Luftfeuchtigkeit um die Pflanze herum immer etwas höher liegt. Ein kurzzeitiges Abfallen der Luftfeuchtigkeit ist kein Problem und besonders im Hochsommer und der Heizperiode im Winter kaum zu vermeiden.

Ebenfalls ein großer Horst am Standort in Ecuador (Foto: Monika Eckert)

Als Substrat nutze ich eine Mischung aus feiner und mittelgrober Rinde, etwas Bimskies, Perlite und Holzkohle. Die Rinde leitet und speichert gut Feuchtigkeit. Bimskies liefert neben dem Dünger etwas Kalk für die Pflanze. Perlite und Holzkohle sind beide sehr leichte Stoffe, die das Substrat etwas auflockern. Perlite speichern zudem gut Feuchtigkeit und geben diese langsam wieder ab. Holzkohle hingegen nimmt kaum Wasser auf und schafft so etwas trockenere Bereiche im Pflanzstoff. Durch die andauernde Nässe zerfällt die Rinde recht schnell und das ganze Substrat verdichtet sich. Nach 2-3 Jahren sollte daher neu getopft werden. Allerdings ist es bei Phragmipedium pearcei oft schon vorher nötig zu topfen wegen der rhizomartigen Ausläufer, die schnell über den Topfrand wachsen.

Seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wird Phragmipdeium pearcei erfolgreich vermehrt und ist daher oft kostengünstig im Handel zu erwerben. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Eine noch nicht ganz gestreckte Blute am Standort in Ecuador (Foto: Monika Eckert)
Ein weiteres Exemplar aus Ecuador (Foto: Monika Eckert)
Standort direkt an einem Fluss in Ecuador (Foto: Monika Eckert)
Auch die Natur kultiviert nicht immer mit großem Erfolg (Foto: Monika Eckert)
Eine meiner Pflanzen – Frontansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Eine meiner Pflanzen – Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Eine meiner Pflanzen – Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)

KW 08, 2019

Angraecum distichum

Alles lesen Orchidee der Woche 08, 2019

Angraecum distichum

Angraecum distichum (Foto: Thomas LEHMANN)

Als Limodorum imbricatum fand diese afrikanische Art erstmalig im Jahr 1805 Erwähnung und zwar im Werk „Neues Journal für die Botanik“ des schwedischen Botanikers Olof Peter SWARTZ. Die korrekte Erstbeschreibung unter dem heute von KEWs World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) anerkannten Namen wurde von John LINDLEY im Jahr 1835 in seinem Werk „Edwards’s Botanical Register; or, Flower Garden and Shrubbery“ publiziert. Seitdem heißt die Art Angraecum distichum, auch wenn sie in den vergangenen 200 Jahren einige Male in andere Gattungen umkombiniert wurde. Insgesamt führt KEW in seiner WSCP neun Synonyme.

Angraecum distichum in einem Schaustand in Esslingen 2018 (Foto: Thomas Lehmann)

Angraecum distichum kommt fast über ganz Afrika verteilt vor. Durch das große Verbreitungsgebiet, das zwischen 200 und 1600 Metern über dem Meeresspiegel liegt, wächst es in unterschiedlichen Klimazonen. Die Temperaturen sind an einigen Standorten richtig kühl, besonders in höheren Lagen. In tieferen Tälern hingegen kann es ganzjährig sehr heiß sein. Die Pflanzen siedeln dort in immergrünen Regenwäldern auf großen Bäumen, die ganzjährig Schatten spenden. Das Klima ist ganzjährig feucht mit Niederschlag.

Die kurzen, flachen und fleischigen Blätter wachsen fächerartig. Auf den ersten Blick denkt man zunächst an eine Pflanze aus der Gattung Lockhartia. Die sehr kurzen Infloreszenzen erscheinen an der Basis der neuen Blätter und entwickeln im Sommer jeweils nur eine circa 0,5 – 1 cm breite Blüte. Jedes einzelne Blatt kann mehrere Infloreszenzen hervorbringen. Dadurch blüht Angraecum distichum meist sehr reichlich. Die zarten Blüten sind sehr lang haltend und duften intensiv. Regelmäßig erscheinen Seitentriebe, die leicht abgetrennt und bewurzelt werden können.

Die Kultur funktioniert bei mir gut unter temperierten Bedingungen. Durch den großen Temperaturbereich, den Angraecum distichum in der Natur bewohnt, war ich mir anfangs etwas unsicher, unter welchen Bedingungen sie am besten kultiviert wird. Nach einigen Versuchen wächst meine Pflanze am zügigsten unter temperierten Bedingungen. Das heißt, dass die Temperaturen im Winter nicht unter 14 Grad in der Nacht sinken. Tagsüber kann es auch recht warm werden, wenn die Sonne den Raum aufheizt. Dadurch entsteht ein recht deutliches Tag-Nacht-Gefälle, das der Pflanze zu gefallen scheint. Im Sommer kann man die Art auch gut an einem schattigen Platz im Garten kultivieren.

Die Seitentriebe von Angraecum distichum können überall entstehen (Foto: Thomas Lehmann)

Der Lichtbedarf ist wirklich nicht sonderlich hoch. Angraecum distichum steht bei mir mitten im Raum an einem großen Südfenster, das im Sommer schattiert wird. Direkte Sonnenstrahlen lasse ich auch im Winter nicht auf die Pflanze fallen. Da die Art auf großen, immergrünen Bäumen in dichten Regenwäldern wächst, ist sie auch am Standort nie direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt.

Der Pflanzstoff sollte niemals durchtrocknen. Besonders im Winter, wenn es etwa kühler ist, kann das Substrat oberflächlich antrocknen, bevor wieder gegossen wird. Im Sommer sollte es stets feucht gehalten werden. Das heißt, bei wirklich heißen Temperaturen kann jeden Tag gegossen werden, spätestens aber nach 3-4 Tagen. Im Winter reicht circa einmal in der Woche. Mein Gießwasser dünge ich den gesamten Sommer über auf ca. 200 Mikrosiemens/cm auf. Im Winter dünge ich gar nicht, da sich den Sommer über genug Salze im Substrat anlagern, um die Pflanze gut durch die dunkle Jahreszeit zu bringen, wenn der Stoffwechsel der Pflanze ohnehin eingeschränkt arbeitet.

Als Substrat eignet sich feine Rinde mit Perliten und etwas Holzkohle. Rinde speichert gut Wasser, Perlite lockern das Substrat etwas auf und Holzkohle schafft trockenere Bereiche, da sie nicht so viel Wasser aufnimmt und schnell abtrocknet. Auch eine Kultur in Sphagnum-Moos funktioniert gut. Aber nicht nur getopft lässt sich Angraecum distichum kultivieren. Durch seinen hängenden Wuchs ist es prädestiniert für eine aufgebundene Kultur, die allerdings ohne Vitrine oder Gewächshaus ausgesprochen mühsam ist, da sehr regelmäßig gesprüht werden muss, um die andauernde Feuchtigkeit zu erhalten.

Diese kleinwüchsige Art ist bestimmt nicht die spektakulärste aus der Familie Orchidaceae. Mich überzeugte sie durch ihren eigenartigen Wuchs und den angenehmen Duft der zahlreichen Blüten. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Hier ein sehr gut kultiviertes Exemplar von Angraecum distichum (Foto: Thomas Lehmann)
Die kleinen weißen Blüten sind schwer zu fotografieren (Foto: Thomas Lehmann)
Die kleinen weißen Blüten sind schwer zu fotografieren (Foto: Thomas Lehmann)
Die kleinen weißen Blüten sind schwer zu fotografieren (Foto: Thomas Lehmann)
Meine noch recht kleine Pflanze, die jetzt aber ordentlich Neutriebe angesetzt hat (Foto: Thomas Lehmann)
Gleich merhre Neutriebe an einem Alttrieb (Foto: Thomas Lehmann)

KW 07, 2019

Dendrobium smillieae

Alles lesen Orchidee der Woche 07, 2019

Dendrobium smillieae

Dendrobium smillieae (Foto: Thomas LEHMANN)

Der deutsch-australische Botaniker Ferdinand Jacob Heinrich Freiherr von MÜLLER beschrieb diese spektakuläre Naturform im Jahr 1868 erstmalig  in seinem australischen Werk „Fragmenta Phytographiae Australiae„. Insgesamt beschrieb er rund 2000 Pflanzen der australischen Flora. Obwohl zahlreiche nachfolgende Botaniker diese Art in andere Gattungen umkombinierten, ist der offiziell anerkannte Name bis heute Dendrobium simillieae. Insgesamt sind in KEWs World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) 16 Synonyme gelistet, die ich hier nicht alle auflisten möchte.

Dendrobium smillieae ‚Berlin 2014‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Dendrobium smillieae ist eine vielgestaltige und verbreitete Art in Ost- und Nordostaustralien, Papua und Neuguinea, Molukken und Sulawesi und kommt hauptsächlich in Höhenlagen unter 600 m vor. Sie gehört zur Sektion Calyptrochilus. In Australien findet man Den. smillieae von Meereshöhe bis auf 600 Meter. Die Pflanzen wachsen in der Regel im Flachland, aber auch im Mittelgebirge kann man sie häufig finden. Bevorzugter Lebensraum ist der offene Wald am Rande des Regenwaldes. Den. smillieae wächst auf Baumstämmen, Baumfarnen, Felsen, Ästen und in Astgabeln, wo sich Rinde und Blätter angesammelt und zu einem groben Boden kompostiert haben. In Neuguinea wachsen die Pflanzen auf Bäumen in Sümpfen, auf Felsen und Felswänden, in Tieflandwäldern und alten Plantagen. Das Klima dort ist als warm bis heiß zu bezeichnen. Die Pseudobulben von Den. smillieae können bis zu 1 m lang werden, meist sind sie etwas kürzer. Die Blätter halten an den Neutrieben in der Regel nur ein Jahr. Die Blütentriebe erscheinen vor allem im Frühjahr an blattlosen, seltener auch an beblätterten Pseudobulben im Spitzenbereich. Die Blütenstände sind zwischen 4,5 und 12,5 cm lang und sehr dicht und reich besetzt. Sie können bis zu 100 Blüten enthalten, die wachsartig und fleischig sind und eine auffallend grüne Lippenspitze besitzen. Sie halten bis zu 6 Wochen an der Pflanze.

Die folgenden Kulturerfahrungen stammen von Lothar BECKER, der die D.O.G.-Gruppe Hessen-Nassau leitet und zahlreiche Dendrobium-Arten in seinem Gewächshaus und Wintergarten pflegt.

Kultivieren lässt sich Dendrobium simillieae sehr gut, wenn man ausreichend Platz bieten kann. Mit den Jahren erreichen die Pflanzen eine wirklich stattliche Größe und finden auf der Fensterbank im Normalfall keinen Platz mehr. Die warmen bis heißen Temperaturen, die Den. simillieae verlangt, sollten im beheizten Wohnraum gut zu erreichen sein. Am wohlsten fühlt sich die Art bei Mindesttemperaturen von 20 Grad. Während der etwas trockeneren Ruhephase im Winter genügen notfalls auch 15-16 Grad, besser wären aber mehr.  Im Sommer dürfen die Temperaturen auch gerne über die 30-Grad-Marke steigen. Die langjährige Erfahrung von Lothar BECKER zeigte allerdings, dass optimales Wachstum bei 25-28 Grad stattfindet.

Die Art liebt einen hellen Standort, starke Mittagssonne sollte aber besonders im Sommer auf jeden Fall vermieden werden, da es sonst schnell zu Sonnenbrand kommen kann. Abend- und Morgensonne wird aber gut vertragen. Mitunter gelingt die Kultur auf der Fensterbank besser als in einem zu feuchten Gewächshaus.

Während der Wachstumsphase vom Frühjahr bis zum Herbst sollte der Pflanzstoff niemals vollständig austrocknen. Besonders in den heißen Sommermonaten muss daher reichlich gegossen  werden. Die Pflanzentriebe selbst sollten bis zur Nacht komplett abgetrocknet sein. Besonders die Neutriebe sind oft sehr empflindlich, wenn sie während der kühleren Nächte noch feucht sind. Es kann schnell zu Fäulnis kommen, die im schlimmsten Fall zum Verlust der Pflanze führt.

Dendrobium smillieae ‚Schanz‘ SM Bot. Art – eine seltene Albinoform (Foto: Monika Eckert)

Gedüngt wird ebenfalls reichlich während der gesamten Wachstumsphase. Der Leitwert des aufgedüngten Gießwassers darf ruhig 300 Mikrosiemens/cm betragen, im Hochsommer auch etwas mehr. Während der trockenen Ruhephase im Winter wird natürlich nicht gedüngt, da die Pflanze in dieser Zeit auch kein Wasser bekommt. Lediglich wöchentliches Übersprühen des Substrats mit salzarmem Wasser sollte im Winter erfolgen. Ansonsten steht die Pflanze während der Winterruhe komplett trocken.

Als Pflanzstoff eignet sich alles, was gut Feuchtigkeit aufnimmt und halten kann, ohne zu nass zu werden. Das klassische Substrat wäre Rinde, die eventuell mit Zuschlagstoffen, wie Perlite, gemischt wird. Lothar BECKER verwendet für sein Dendrobium smillieae mittelgrobe Rinde mit etwa 5% Holzkohle. Die Holzkohle nimmt nicht so viel Feuchtigkeit auf und schafft etwas trockenere Bereiche im Pflanzstoff, damit dieser nicht zu nass wird. Auch eine erfolgreiche Kultur in mineralischem Substrat habe ich schon gesehen. Wie so oft gibt es für den Pflanzstoff kein Patentrezept, mit dem jeder Orchideenliebhaber gleichermaßen gut zurechtkommt.

Die großen exotischen Blütentrauben, die bis zu 100 Einzelblüten tragen, sind wahre Hingucker. Ein echtes Schmuckstück, das jede Orchideensammlung bereichert. Viel Spaß beim Kultivieren!

Autoren: Lothar BECKER und Thomas LEHMANN

Eine Übersicht aller Beiträge der Kategorie „Orchidee der Woche“ findet ihr hier.

Der Beitrag erschien in ähnlicher Form bereits in unserem Journal „Die Orchidee“ 69 (3), 2018.

Die Infloreszenzen erscheinen an den blattlosen Pseudobulben (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Infloreszenzen erscheinen an den blattlosen Pseudobulben (Foto: Thomas LEHMANN)
Dendrobium smillieae ‚Berlin 2014‘ –  mit einer Bronzemedaille für Kultur ausgezeichnet (Foto: D.O.G.-Archiv)
Dendrobium smillieae ‚Berlin 2014‘ – zusätzlich erhielt sie eine Silbermedaille für Bot. Art (Foto: D.O.G.-Archiv)