Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

KW 22, 2020

Octomeria estrellensis

Alles lesen Orchidee der Woche 22, 2020

Octomeria estrellensis

Octomeria estrellensis (Foto: Werner Holzmann)

 

Der brasilianische Botaniker Frederico Carlos HOEHNE beschrieb Octomeria estrellensis erstmals im Jahr 1937. Bis dato gibt es keinerlei Umgruppierungen in andere Gattungen – eine echte Seltenheit in der Welt der Taxonomie. Der Gattungsname Octomeria wurde vom schottischen Arzt und Botaniker Robert BROWN im Jahr 1813 begründet. Der Name setzt sich aus den griechischen Wörtern οκτώ (octõ = acht) und μέρος (meros = Teil) zusammen und wurde aufgrund der acht Pollinien gewählt, die jede Octomeria-Blüte besitzt. Der Gattungsname estrellensis leitet sich von ihrer Herkunft aus der Serra da Estrella ab, einem Gebirgszug bei Petrópolis im Orgelgebirge. Weitere Informationen zur Geschichte könnt ihr der unten angehängten Seite aus unserer Zeitschrift entnehmen.

Die endemische Art findet sich ausschließlich an Standorten im südöstlichen Brasilien. Octomeria estrellensis wächst, wie alle Miniaturorchideen, epiphytisch. Das subtropische Klima des südöstlichen Brasiliens ist feucht und warm, in den höheren Lagen sind die Nächte zwar kühler, aber niemals gibt es wirklich eisige Temperaturen. Die Standorte sind sehr hell, teilweise mit direkter Sonneneinstrahlung. Niederschläge gibt es durch alle Jahreszeiten hindurch. Die Luftfeuchtigkeit ist ebenfalls immer sehr hoch.

Habitus von Octomeria estrellensis mit der auffallenden Rotfärbung des Laubs (Foto: Werner Holzmann)

Jeder Trieb besteht aus einem dünnen und sehr kurzen Stiel, auf dem jeweils ein einzelnes dunkelgrünes Blatt sitzt. Das Laub ist sehr fest und dient als Wasserspeicher, da Octomeria estrellensis keine Pseudobulben hat, in denen Wasser gespeichert werden könnte. Bei hohem Lichteinfall färbt sich das Laub rötlich. Ähnlich wie sich unsere Haut durch Pigmente im Sommer braun färbt, um sich vor Sonnenbrand zu schützen, bilden die Pflanzen dieser Art Anthocyan – ein rotes Pigment – mit dem sich das Blatt vor Verbrennung schützt. Die kleinen sternförmigen Blüten sitzen auf einer kurzen Infloreszenz, die an der Basis des Laubs entspringt. Jeder Blütentrieb trägt eine einzelne Blüte. Die Tepalen sind transluzent und zart cremefarben bis gelb gefärbt. Das Labellum ist an der Basis und den Seitenlappen violettrot überhaucht.

Kultivieren lässt sich Octomeria estrellensis zwar auch getopft in feiner Rinde oder Sphagnum-Moos, wesentlich einfacher ist aber eine aufgebundene Kultur in einer Vitrine oder einem Gewächshaus. Im Folgenden stelle ich euch die Kulturmethode von Werner Holzmann vor, der die Art seit einigen Jahren erfolgreich in einer Orchideenvitrine pflegt:

Wie oben schon erwähnt besitzt Octomeria estrellensis keine ausgeprägten Speicherorgane und muss somit dauerfeucht gehalten werden. Auch hohe Luftfeuchtigkeit wirkt sich sehr positiv auf Wachstum und Blühfreudigkeit aus. Aus diesem Grund kultiviert Werner Holzmann seine Pflanze in seiner Orchideenvitrine, wo hohe Luftfeuchtigkeit leichter zu erreichen ist. Er besprüht die kleine Pflanze täglich mit salzarmem Wasser. Mehrmals täglich laufen kleine Ventilatoren, die dafür sorgen, dass die Blätter abtrockenen können und nicht zu faulen beginnen. Alle vier Wochen gibt es etwas Dünger mit ins Wasser. Der Leitwert des Düngerwassers liegt bei 150-200 Mikrosiemens/cm.

Natürliches Tageslicht erhalten die Pflanzen in seinem Orchidarium nicht. Er beleuchtet ausschließlich mit Kunstlicht.  Derzeit nutzt er dafür noch eine Leuchtstoffröhre, die speziell auf die Kultur von Pflanzen ausgelegt ist. Aufgrund des Stromverbrauchs und des Umweltschutzes ist eine Umstellung auf LED-Lampen geplant. Ein weiterer Vorteil von LED-Lampen ist, dass sie kaum Temperatur erzeugen, was bei kühler zu kultivierenden Pflanzen natürlich deutlich besser ist. Leuchtstoffröhren können sehr heiß werden und je nach Anbringung die Vitrine stark aufheizen. Die Temperaturbedingungen in der Vitrine sind kühl-temperiert, da sie in einem unbeheizten Raum steht, in dem das Fenster nur bei Frost geschlossen wird. Im Sommer wird es natürich auch mal etwas wärmer, was den Pflanzen aber nicht schadet.

Entgegen dem, was man so über diese Art lesen kann, bekommt die Pflanze bei Werner sehr viel Licht. In seiner Vitrine hängt sie ganz oben, in der Nähe der Beleuchtung. Die Rotfärbung der Blätter zeigt, dass sie damit gut umgehen kann und von Natur aus auf viel Licht eingestellt ist. Octomeria estrellensis blüht unter diesen Bedingungen sehr regelmäßig.

Als Unterlage zum Aufbinden nimmt Werner Holzmann sehr gerne Presskork. Er mag vielleicht nicht so langlebig sein, da er sich durch die andauernde Feuchtigkeit schnell zersetzt, dafür lässt er sich aber ganz einfach zerbröseln, wenn es an der Zeit ist die Pflanze neu aufzubinden. Früher oder später muss jede Unterlage ausgetauscht werden – wie bei seiner Octomeria estrellensis, die bisher auf einem Stück Ast sitzt, das sich allerdings langsam auflöst. Bei harten Materialien, die sich nicht zersetzen, hat man dann immer das Problem, dass man die Wurzeln nicht davon ablösen kann, ohne sie zu verletzten oder gar abzureißen.

Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Seitenansicht der Blüte (Foto: Werner Holzmann)
Zwei verschieden Pflanzen von Octomeria estrellensis (Foto: Werner Holzmann)
In oberster Reihe, ganz nah am Licht, hängen die beiden Octomeria estrellensis in Werners Vitrine (Foto: Werner Holzmann)
Beitrag in „Die Orchidee“ 68(6): 465, 2017 (Zeichnung: H. Seehawer)

KW 21, 2020

Vanda Motes Pixie Dust

Alles lesen Orchidee der Woche 21, 2020

Vanda Motes Pixie Dust

Vanda Motes Pixie Dust (Foto: Jessy Delis)

Vanda Motes Pixie Dust, die Kreuzung zwischen Vanda vietnamica (Samen) und Vanda Motes Ruby Pixie (Pollen), wurde von ihrem Züchter Martin Motes bei der Royal Horticultural Society (RHS) angemeldet und am 12.06.2018 in deren Register eingetragen. Dr. Martin Motes ist Inhaber der Gärtnerei Motes Orchids in Florida/USA, die sich hauptsächlich mit der Gattung Vanda und deren Verwandten beschäftigt. In über 50 Jahren hat er Hunderte neuer Hybriden gezüchtet und unzählige Auszeichnungen dafür erhalten.

Vanda Motes Pixie Dust hat drei Naturformen als Vorfahren. Der Genpool teilt sich wie folgt auf:

  • 50% Vanda vietnamica
  • 25% Vanda cristata
  • 25% Vanda testacea

Das natürliche Verbreitungsgebiet der beteiligten Naturformen erstreckt sich über weite Teile des asiatischen Kontinents, wobei Vanda vietnamica auf Südvietnam beschränkt ist. Die Standorte liegen zwischen 100 und 2300 Metern über dem Meeresspiegel. Alle drei Arten wachsen epiphytisch in immergrünen Wäldern. Im Lebensraum von Vanda cristata können die nächtlichen Temperaturen unter 10 Grad fallen. Vanda testacea und Vanda vietnamica fühlen sich im temperiert-warmen Bereich wohl.

Vanda Motes Pixie Dust steht bei mir ganzjährig in einem Orchideenregal, in dem ich meine Orchideen ausschließlich unter künstlicher Beleuchtung kultiviere. Die Pflanze erhält ganzjährig Zusatzlicht von 8 Uhr morgens bis 21 Uhr abends. Das intensive Licht, das den ganzen Tag für die Pflanzen zur Verfügung steht, tut ihnen sichtlich gut. Die Temperaturen in meiner Kultur liegen ganzjährig bei 20 – 25 °C am Tag, nachts fallen sie nicht unter 17 °C. ab.

Die Blüte ist ca. 2 bis 2,5 cm im Durchmesser. Die Grundfarbe ist orange, die Lippe hat ein zartes Rosa, das zur Basis in kleinen Punkten ausläuft.

Infloreszenz von Vanda Motes Pixie Dust (Foto: Jessy Delis)

Die Pflanze ist jetzt ungefähr sechs Jahre alt, davon zwei Jahre in meinem Besitz. Ich habe sie am 30.06.2018 von Martin Motes erstanden, als er in Dahlenburg einen Vortrag hielt und einige seiner mitgebrachten Vandeen zum Kauf anbot. Seitdem hat sie bereits zehn Mal geblüht ‒ eine wirklich fleißige kleine Amerikanerin.

Meine Pflanze sitzt in einem transparenten Topf, der 11 cm Durchmesser hat. Damit die Wurzeln ausreichend Licht erhalten, kultiviere ich sie ohne Übertopf. Als Substrat benutze ich eine Mischung aus grober Pinienrinde (ca. 15-25 mm) und etwas Kork. Der Kork nimmt kaum Wasser auf und schafft somit etwas trockenere Bereiche. Außerdem ist er sehr leicht und hält den Pflanzstoff luftig. Generell sollte man Vandeen nicht in zu feinem Substrat kultivieren, da ihre Wurzeln zügig abtrocknen müssen. Beginnen diese zu faulen, kommt es oft zur Stammfäule, was meist den Tod der Pflanze bedeutet.

Dünger gebe ich in der Wachstumsphase von März bis Oktober alle 14 Tage. Während der übrigen Monate dünge ich nicht. Im Sommer besprühe ich das Substrat etwa alle drei Tage durchdringend nass, je nach Bedarf. Im Winter wird lediglich einmal pro Woche gewässert. Zwischen den Wassergaben lasse ich das Substrat abtrocknen, um ein Faulen der Wurzeln zu vermeiden. Getaucht wird die Pflanze bei mir nicht.

Vanda Motes Pixie Dust ist eine wirklich unkomplizierte und oft blühende Hybride, die sich gut im Wohnraum kultivieren lässt.

Autorin: Jessy Delis

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Infloreszenz von Vanda Motes Pixie Dust (Foto: Jessy Delis)
Rückansicht der Infloreszenz (Foto: Jessy Delis)
Infloreszenz von Vanda Motes Pixie Dust (Foto: Jessy Delis)
Der Pflanzstoff ist sehr grob gehalten. (Foto: Jessy Delis)
Vanda Motes Pixie Dust im Seitenprofil (Foto: Jessy Delis)
Größenvergleich mit einer 1 €-Münze (Foto: Jessy Delis)
Habitus von Vanda Motes Pixie Dust (Foto: Jessy Delis)

KW 20, 2020

Phalaenopsis tetraspis f. livida

Alles lesen Orchidee der Woche 20, 2020

Phalaenopsis tetraspis f. livida

Phalaenopsis tetraspis f. livida (Foto: Thomas Lehmann)

Olaf GRUSS und Sylvia TOENNE beschrieben diese graublaue Farbform von Phalaenopsis tetraspis erstmalig in der Online-Ausgabe von „Die Orchidee“, im E-Paper 3(05) 2017:  Neue Farbformen der Gattung Phalaenopsis Blume: Phalaenopsis bellina (Rchb. f.) Christenson forma caerulea O. Gruss et S. Tönne forma nova, Phalaenopsis bastianii O. Gruss et Roellke forma helvola O. Gruss et S. Tönne forma nova, Phalaenopsis tetraspis Rchb. f. forma livida O. Gruss et S. Tönne forma nova, publiziert am 1. Mai 2017 im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek und auf unserer Homepage. Einzelheiten zu Geschichte, Verbreitung und Namensgebung finden sich direkt im oben verlinkten E-Paper, weshalb ich in diesem Beitrag nicht weiter darauf eingehen werde.

Das Mittelteil der Lippe hat eine zarte violette Färbung. (Foto: Thomas Lehmann)

Wie alle Phalaenopsis-Arten wächst auch Phal. tetraspis f. livida monopodial. Sie ist eine eher kleine bis mittelgroße Orchidee, die nur einen kurzen Stamm bildet. Phalaenopsis tetraspis f. livida neigt zur Kindelbildung und blüht sehr reichlich – meist im Frühjar. An alten Blütentrieben können immer wieder neue Knospen entstehen, weshalb man sie nicht abschneiden sollte, solange sie nicht eintrocknen. Die Art ist endemisch auf den Andamanen und Nikobaren im Indischen Ozean. Dort besiedelt sie niedrig hängende Äste direkt über dem Wasser in Mangrovensümpfen. Das Klima ist typisch für die Tropen: heiß, feucht und regenreich. Im Jahresdurchschnitt liegt die Temperatur in Port Blair bei rund 26,4 °C, die Höchstwerte betragen rund 30° C. Regen fällt das ganze Jahr über, vor allem in der Regenzeit von Mai bis Oktober.

Eine Kultur auf der Fensterbank ist ohne großen Aufwand möglich. Da Phalaenopsis tetraspis f. livida  warme bis heiße Temperaturen mag, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Phalaenopsis-Art. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 16-18 Grad fallen, noch besser sind 20 Grad Minimum. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet das stehende Wasser wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Als Pflanzstoff für Phalaenopsis eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Bei sehr kleinen Töpfen geht auch Substrat aus Kokosfasern gut. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Phalaenopsis zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder komplett silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten.

Das Tauchwasser darf bei dieser Naturform den Sommer über einen Leitwert von 300-500 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Phalaenopsis tetraspis f. livida auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Die zwischen grau, blau und braun changierende Färbung und der zarte Duft machen diese blühfreudige Art zu einer besonderen Augenweide. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Die Knospen haben eine tolle Musterung. (Foto: Thomas Lehmann)
Auch im Profil erkennt man die Zeichnung an der Außenseite der Blüte. (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phalaenopsis tetraspis f. livida (Foto: Thomas Lehmann)
Die erste Blüte ging bei etwas kühleren Nachttemperaturen auf und färbte sich vermutlich deswegen eher bräunlich, als bläulich. (Foto: Thomas Lehmann)
Zum Größenvergleich eine Blüte in meiner Hand (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 19, 2020

Phragmipedium Petit Anquette

Alles lesen Orchidee der Woche 19, 2020

Phragmipedium Petit Anquette

Phragmipedium Petit Anquette ‚Sylvia‘ BM/D.O.G. (Foto: Thomas Lehmann)

Der „Kleine Engel“ – so lautet die deutsche Übersetzung des französichen Hybrid-Namens ist – wurde am 06. Juli 2004 in das Register der Royal Horticultural Society aufgenommen. Angemeldet wurde die Hybride von der Eric Young Orchid Foundation, einer weltweit bekannten Orchideenzucht auf Jersey/England. Eric Young hatte bereits in den 1920ern, in sehr jungen Jahren, begonnen eine beachtliche Orchideensammlung aufzubauen, die er leider während des Zweiten Weltkriegs verlor. Auf der Kanalinsel Jersey, die zu Großbritannien gehört, obwohl sie deutlich näher an der französischen Küste liegt, baute er nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Sammlung auf, die bis heute zu den größten und exklusivsten Orchideensammlungen weltweit gehört. Phragmipedium Eric Young, das nach ihm benannt wurde, hatten wir bereits vorgestellt. Auch wenn man meinen könnte, der Name Petit Anquette wurde wegen der Blütenform gewählt, ist dem nicht so. Der Petit Anquette ist eine Gesteinsformation an der französischen Küste, unweit der Insel Jersey. Sehr häufig sind Hybriden der Eric Young Orchid Foundation nach Orten aus der Region benannt. Phragmipedium Petit Anquette ist eine Primärhybride aus zwei Naturformen. Ihr Genpool teilt sich wie folgt auf:

Phragmipedium pearcei am Standort in Ecuador (Foto: Monika Eckert)

Das natürliche Verbreitungsgebiet des kleinwüchsigen Phragmipedium pearcei erstreckt sich von Ecuador bis nach Kolumbien und Peru. Meistens findet man Pflanzen dieser Art entlang von fließendem Wasser in Höhenlagen von 200-1200 Metern über dem Meeresspiegel. Sie wachsen sowohl litophytisch wie auch terrestrisch auf und zwischen Felswänden und -brocken, die zeitweise von Wasser überflutet werden. Häufig sind sie von Gräsern umgeben und durch ihren grasartigen Wuchs kaum von diesen zu unterscheiden. Die Standorte sind oftmals sehr sonnig, wobei Phrag. pearcei von den umliegenden Gräsern meist etwas schattiert wird und nicht die volle Sonneneinstrahlung erhält. Niederschlag gibt es das ganze Jahr über. In den Monaten Januar bis März nehmen diese zwar etwas ab, das Habitat ist aber dennoch immer sehr feucht. Die Temperaturbedingungen sind meist temperiert bis warm. Je nach Standort und Höhenlage können sie auch etwas variieren. Im Sommer steigen die Temperaturen auch auf 30 Grad und wärmer, in den Wintermonaten liegen sie nachts meist bei ca. 15 Grad, in höheren Lagen auch etwas tiefer.

Phragmipedium dalessandroi (Foto: D.O.G.-Archiv)

Phragmipedium dalessandroi ist auschließlich in Ecudaor zu finden. Das Klima am Standort bietet recht konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad ganzjährig. Niederschläge gibt es auch ganzjährig, wobei sie von März bis Oktober deutlich häufiger sind. Von November bis März regnet es seltener. Das Habitat trocknet aber nicht aus, da die Luftfeuchtigkeit dauerhaft sehr hoch ist. Phragmipedium dalessandroi wächst litophytisch an steilen und feuchten Felsen. Am Standort gibt es nur noch wenige Pflanzen, die zum Glück so hoch wachsen, dass sie vor Plünderungen geschützt sind. Einige Taxonomen sehen die Art lediglich als eine Varietät von Phragmipedium besseae an, zu der sehr viel Ähnlichkeit besteht.

Die Blüten von Phragmipedium Petit Anquette variiren leicht in Form und Farbe. Die Petalen können eher gerade sein mit abgerundeten Spitzen oder sich leicht verdrehen und spitzer zulaufen. Das Farbspektrum bietet meist Gelb-, Orange- und Rosétöne, die in unterschiedlichen Anteilen vorhanden sind.

Da Phragmipedien viel Feuchtigkeit brauchen, sollten sie stets in einer mit Wasser gefüllten Schale stehen. Besonders im Sommer darf das Substrat auch richtig nass sein. Zu viel Wasser ist bei Phragmipedien fast nicht möglich. Nur gelegentlich sollte die Schale ganz abtrocknen, damit sich keine unerwünschten Bakterien im Wasser ausbreiten können. Meine Pflanzen stehen in großen Wannen, die ich alle paar Tage mit frischem Wasser fülle, sobald das alte aufgesogen ist. Im Sommer sind die Schalen alle 3-4 Tage leer, im Winter dauert es 6-7 Tage.

Oft ist zu lesen, dass Phragmipedien sehr salzempfindlich sind und bei zu hohen Düngergaben braune Blattspitzen bekommen. Für einige Naturformen und Primärhybriden trifft es auch zu, dass die Wurzeln bei zu vielen Salzen verbrennen und absterben. Allerdings gibt es einige Naturformen und daher auch Hybriden, die wesentlich besser wachsen und blühen, wenn sie etwas mehr Dünger bekommen. Braune Blattspitzen habe ich nicht mehr bei meinen Pflanzen, seit ich einen Dünger verwende, der sowohl Calcium als auch Magnesium enthält und den ich auch höher dosiere als früher. Meiner Erfahrung nach sind die braunen Blattspitzen eher auf einen Mangel an Calcium und Magnesium und nicht auf zu hohe Düngergaben zurückzuführen. Im Sommer bekommen meine Hybriden zwischen 350 und 450 Mikrosiemens bei jedem Wässern. Nur im Winter  stelle ich das Düngen komplett ein. Die angereicherten Salze im Substrat genügen den Pflanzen, um durch die dunkle Jahreszeit zu kommen.

Mein Standard-Phragmipedium-Substrat ist eine Mischung aus Rinde, Perlite, Bimskies und Holzkohle. Die Körnung der Rinde passe ich an die Topfgröße an. Bei kleinen Töpfen nehme ich feinere Rinde, bei großen Töpfen verwende ich gerne gröbere. Perlite verwende ich in der Körnung 2-4 Millimeter. Durch ihr geringes Gewicht machen sie das Substrat locker und sorgen für eine gute Belüftung der Wurzeln. Der Bimskies versorgt die Pflanzen zusätzlich mit Calcium, da er diesen durch die andauernde Feuchtigkeit freigibt. Die Körnung spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ich nutze gerne 5-10 Millimeter. Um einige trockenere Stellen im Pflanzstoff zu schaffen, füge ich immer Holzkohle in einer Körnung von 7-14 Millimeter hinzu. Die Holzkohle saugt sich nicht mit Wasser voll und bleibt trocken. Durch die etwas gröberen Brocken entstehen zusätzlich ein paar Luftlöcher im Substrat, die eine Luftzirkulation im Topf zulassen.

Natürlich gibt es auch einige andere Substrate, die gut für Phragmipedium geeignet sind. Jedes hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil von Rinde ist, dass sie regelmäßig gewechselt werden muss, da sie durch die Dauerfeuchte sehr schnell zerfällt. Mineralische Sustrate zerfallen nicht und müssen daher nicht so oft gewechselt werden. Jeder sollte seine eigenen Erfahrungen machen und ausprobieren, was zu seiner Kultur am besten passt. Außer mit meinem Standardsubstrat habe ich auch gute Erfahrungen gemacht mit:

  • Akadama
  • Sphagnum-Moos
  • Steinwollwürfeln
  • Bimskies
  • Lavagranulat

Im Sommer stehen Phragmipedien gerne im Freien, da sie Frischluft und Luftbewegung wirklich lieben. Ein Muss ist der Aufenthalt im Freien aber nicht. Auch eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist möglich, wenn regelmäßig gelüftet wird. Steht die Luft zu lange, bilden sich am Ansatz der Triebe leicht Pilze und Infektionen, die unbehandelt die ganze Pflanze vernichten können.

Die heißen Temperaturen im Sommer verträgt Phragmipedium Petit Anquette sehr gut, wenn die Luftfeuchtigkeit  hoch ist. Durch die großen Wannen, die immer mit Wassser gefüllt sind, ist die Luftfeuchtigkeit stets ausreichend. Ich benutze keinen zusätzlichen Nebler. Die nächtlichen Temperaturen liegen bei mir zwischen 14 und 18 Grad, je nach Außentemperatur. An bewölkten Wintertagen liegen sie bei etwa 24 Grad. Wenn die Sonne auf das große Fenster scheint, steigen sie auch mal über 30 Grad.

Im Sommer sollte direkte Mittagssonne vermieden werden, da die Blätter sehr schnell verbrennen können. Es gibt einzelne Pflanzen, die nicht so empfindlich zu sein scheinen, allerdings wachsen alle Pflanzen nach meiner Erfahrung etwas schattiger besser. Auch die Blattfarbe ist bei schattiger Kultur dunkler und kräftiger. Bei zu wenig Licht werden die Blätter der Neutriebe länger und schmaler. Meist fällt dann auch die Blüte aus. Im Winter darf die Sonne auch mittags unschattiert auf die Pflanzen fallen.

Phragmipedium Petit Anquette ist ein zuverlässiger Blüher, der über Monate hinweg eine Blüte nach der anderen öffnet. Durch die – für ein Phragmipdium – kompakte Größe findet die Hybride auch auf einer Fensterbank gut Platz. Leider ist sie eine echte Rarität, die nur selten angeboten wird. Viel Glück beim Finden und noch mehr Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Phragmipedium Petit Anquette ‚Sylvia‘ (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipedium Petit Anquette ‚Sylvia‘ (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Petit Anquette ‚Sylvia‘ – Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Petit Anquette ‚Sylvia‘ – Habitus (Foto: Thomas Lehmann)

KW 18, 2020

Bulbophyllum grandiflorum

Alles lesen Orchidee der Woche 18, 2020

Bulbophyllum grandiflorum

Bulbophyllum grandiflorum (Foto: Thomas Lehmann)

Der deutsch-niederländische Botaniker Carl Ludwig Ritter von BLUME, der sich hauptsächlich mit der Erforschung der Orchideen Indonesiens befasste, beschrieb die Art erstmalig als Bulbophyllum grandiflorum im Jahr 1849 in „Rumphia“. Trotz zahlreicher Umkombinationen, unter anderem in die Gattungen Sarcopodium und Hyalosema, ist Bulbophyllum grandiflorum bis heute der von Kew akzeptierte Name. Der Name Bulbophyllum leitet sich aus den altgriechischen Wörtern βολβος (bolbos) und Φυλλων (phyllon) ab. Bolbos lässt sich mit Birne  übersetzen. Phyllon ist das Wort für Blatt. Da die Pseudobulben ein wenig an Birnen erinnern, auf denen ein Blatt sitzt, ist der Gattungsname leicht nachzuvollziehen. Der Artname lässt sich auch leicht ohne große Kenntnisse in Latein oder Altgriechisch übersetzen. „Große Blüte“ oder „großblütig“ ist die Übersetzung hierzu, die ebenfalls sehr passend für die Art ist.

Habitus von Bulbophyllum grandiflorum (Foto: Thomas Lehmann)

Beheimatet ist die Art in Sumatra, Sulawesi, Neu Guinea und den Molukken. Sie kommt dort in immerfeuchten Regenwäldern des Tieflands unter warmen bis heißen Bedingungen vor. Die Standorte liegen zwischen 100 und ca. 800 Meter über dem Meeresspiegel. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch und die Luftfeuchtigkeit ist ebenfalls ganzjährig sehr hoch. Bulbophyllum grandiflorum wächst ausschließlich epiphytisch, meist in den unteren Bereichen der großen Baumstämme. Durch das Laub der immergrünen Bäume sind die Pflanzen am Naturstandort vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Dennoch ist die Lichtintensität in diesen Wäldern sehr hoch.

Wie oben schon erwähnt bildet Bulbophyllum grandiflorum birnen- bis eiförmige Pseudobulben aus, auf denen ein einzelnes sehr festes und fleischiges Blatt sitzt. Das Laub ist dunkelgrün und hat einen  zarten Glanz. Die Rhizomabschnitte zwischen den Pseudobulben sind nur wenige Zentimeter lang. Im Herbst erscheinen die Infloreszenzen an der Basis von frisch ausgewachsenen Pseudobulben, die ca. 20 cm lang werden und sehr aufrecht wachsen, sodass die Blüten beim Aufblühen etwas über dem Laub stehen. Jede Infloreszenz trägt eine einzelne Blüte und ähnelt auf den ersten Blick nicht einer Orchidee, wie wir sie kennen. Die großen Blüten haben seitlich zwei nach vorne gerichtete flächige Sepalen. Das dorsale Sepalum hängt von oben schützend darüber. Zwischen den drei überdimensionalen Blütenteilen befindet sich das Labellum, das, wie bei vielen Bulbophyllen, beweglich ist. Es imitiert ein sich bewegendes Insekt und lockt damit potentielle Bestäuber an. Gefärbt sind die Blüten in  einem Gelbton, der in großen Teilen von einem Rotbraun überdeckt wird. Die Petalen sind bei dieser Art stark verkümmert und kaum zu sehen. Die Blüten haben einen leichten Duft, der nicht ganz so unangenehm ist wie bei manch anderen Bulbophyllen.

Das Substrat für Bulbophyllum muss unbedingt sehr gut drainert sein und darf nicht zu nass werden, da die Pseudobulben sonst sehr schnell faulen. Aus diesem Grund nutze ich für meine größeren Bulbophyllen mittlere und grobe Rinde, gemischt mit Perlite. Gerne verwende ich auch transparente Töpfe, um den Zustand der Wurzeln und auch die Feuchtigkeit im Topf besser kontrollieren zu können. Wenn zwei Drittel des Topfes abgetrocknet sind, wird wieder gewässert. Ob getaucht oder durchdringend gegossen wird, muss jeder für sich entscheiden. Wichtig ist nur, dass sich keine Staunässe bildet und der Pflanzstoff sehr gut und schnell antrocknen kann. Je nach Temperatur trocknet mein Topf nach 5-10 Tagen ab, danach tauche ich wieder. Auch aufgebundene Kultur ist grundsätzlich möglich. Bedingt durch die Größe von Bublbophyllum grandiflorum ist für die Pflege im Wohnraum der Topf aber die bessere Lösung. Wer ein Gewächshaus oder eine große Vitrine besitzt, kann es auch aufgebunden problemlos kultivieren.

Ich dünge von Frühjar bis Herbst bei jeder Wassergabe mit ca. 300 – 400 Mikrosiemens/cm. Gelegentlich auch etwas mehr. Zwischendrin wird der Topf auch mal mit klarem Wasser durchgespült. Da ich im Winter keine zusätzliche Beleuchtung in Form von LEDs oder Leuchtstoffröhren nutze, dünge ich in dieser Zeit gar nicht. Der Stoffwechsel der Pflanze ist im Winter in unseren Breitengraden stark heruntergefahren, da nur sehr wenig Licht zur Verfügung steht. Für diese Zeit genügen die Salze, die sich im Laufe des Sommers im Pflanzstoff anglagert haben.

Der Lichtbedarf von Bulbophyllum grandiflorum ist nicht extrem hoch, da es am Naturstandort in immergrünen und schattigen Wäldern auf Bäumen sitzend wächst und kaum der direkten Sonne ausgesetzt ist. Bei mir steht die Pflanze an der Ostseite und bekommt ein wenig Morgensonne ab, das verträgt sie gut. Aber auch schattierte Süd- oder Westseite ist möglich. Da die nächtlichen Temperaturen am Standort nur selten unter 15-20 Grad fallen, steht mein Bulbophyllum grandiflorum ganzjährig im Haus. Im beheizten Zimmer sinken die Temperaturen im Winter nachts nicht unter 15 Grad, meist liegen sie aber auch dann noch bei 17-18 Grad Minimum. Die Hitze im Sommer wird sehr gut vertragen.

Obwohl an den Naturstandorten ganzjährig eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, kommt dieses recht unkomplizierte Bulbophyllum auch mit etwas trockener Luft ganz gut zurecht. Bei guter Pflege und dem richtigen Standort ist es ein zuverlässiger Blüher, der uns im Herbst mit mehreren Infloreszenzen belohnen kann. Die großen Blüten von Bulbuphyllum grandiflorum sind ein echter Blickfang. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Frontalansicht auf die Blüte von Bulbophyllum grandiflorum (Foto: Thomas Lehmann)
Detailansicht der Lippe (Foto: Thomas Lehmann)
Bulbophyllum grandiflorum ‚Brigitte‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Bulbophyllum grandiflorum ‚Deggendorf‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Bulbophyllum grandiflorum ‚Wössen‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)

KW 16, 2020

Paphiopedilum bellatulum

Alles lesen Orchidee der Woche 16, 2020

Paphiopedilum bellatulum

Paphiopedilum bellatulum ‚Mike‘ SM/D.O.G. (Foto: Thomas Lehmann)

Im Jahr 1888 beschrieb der deutsche Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH die Art erstmalig als Cypripedium bellatulum. Vier Jahre später überführte sein ebenfalls aus Deutschland stammender Kollege Berthold STEIN die Art in die Gattung Paphiopedilum. Der Beitrag, der dieser Art ihren bis heute anerkannten Namen verlieh, erschien in „Orchideenbuch“.  Der Gattungsname setzt sich zusammen aus den beiden griechischen Wörtern Paphos (= eine Küstenstadt auf Zypern und nach der Mythologie die Geburtsstadt der Göttin Aphrodite, weswegen diese auch den Beinamen Paphía erhielt, also die Paphische) und pedilon (= der Pantoffel, nach der Ähnlichkeit der Lippe mit einem Schuh). Das Pendant zu Aphrodite ist Venus in der römischen Mythologie. So wird Paphiopedilum auch heute noch im deutschsprachigen Raum sehr oft Venusschuh genannt. Der Artname bellatulum kommt aus dem Lateinischen. Bellatulus ist das Diminutiv, also die Niedlichkeitsform, von bellus. Übersetzen lässt sich bellatulum mit niedlich. Paphiopedilum bellatulum ist also der niedliche Venusschuh. Ich finde diese Namensgebung wirklich passend. Diese Naturform ist eine meiner liebsten aus der Gattung.

Das tolle Laub von Paphiopedilum bellatulum, an den Blattspitzen der unteren Blätter sieht man noch alte Schäden von Dehydrierung. Alle neu nachgewachsenen Blätter sind super kräftig und fest. (Foto: Thomas Lehmann)

Paphiopedilum bellatulum ist, wie alle Arten der Gattung, auf dem asiatischen Kontinent beheimatet. Sein natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Indien über Myanmar bis nach Thailand und China, wo es in Höhenlagen von 300 bis 1600 Metern über dem Meeresspiegel fast ausschließlich schattige Standorte ohne direktes Sonnenlicht auf bemoosten Kalksteinfelsen besiedelt. Die Temperaturbedingungen liegen in der Regel im temperierten bis warmen Bereich. Einzelne Individuen wachsen in höheren Lagen aber auch unter kühleren Bedingungen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, sodass das Habitat, das allerdings sehr gut drainiert ist, niemals austrocknet und den Pflanzen stets genügend Feuchtigkeit zur Verfügung steht.

Das Laub von Paphiopedilum bellatulum ist dunkelgrün und mit einer schönen Musterung versehen. Die Unterseiten der bis zu 20 cm langen Blätter sind violettrot. Die sympodiale Art beendet das Wachstum eines Triebes mit einer kurzen violetten Infloreszenz, die leicht überhängend wächst. An jeder Infloreszenz sitzt eine große Blüte, deren Labellum im Vergleich zu den restlichen Blütenteilen sehr zierlich ist. Fahne und Petalen sind flächig und rund. Die gesamte Blüte ist weiß gefärbt und mit mal mehr und mal weniger intensiv violettroten bis schwarzen Punkten besetzt. Die Blüten duften nicht.

Bei der Kultur auf der Fensterbank habe ich ein paar Anläufe gebraucht, bis es mit der Art richtig gut geklappt hat. Anfangs stand sie in mittelgroßer bis feiner Rinde mit etwas Moos und Perliten. Wie bei meinen anderen Paphiopedilen habe ich auch mein erstes Paphiopedilum bellatulum regelmäßig getaucht, damit der Pflanzstoff immer schön feucht blieb. Leider kommt es bei mir aufgrund von Zeitmangel oder Urlaub öfter vor, dass ich es nicht so regelmäßig schaffe zu wässern, wie ich es gerne machen würde. Damit haben viele andere Paphiopedilen – besonders Hybriden – meist kein Problem. Meinem Paphiopedilum bellatulum war das aber sehr schnell zu trocknen und das Laub fing an zu dehydrieren. Eine Zeit lang ging das zwar gut, aber die Pflanze kam nie zur Blüte. Auch die Anzeichen von Dehydrierung, wie faltige, schlaffe Blätter, nahmen zu. Ich beschloss es mit mineralischem Substrat zu probieren, mit dem ich in der Zwischenzeit bei anderen Paphiopedilen gute Erfahrungen gemacht hatte. Wenn ich in mineralischem Substratz kultiviere, stehen die Töpfe bei mir dauerhaft in einer kleinen Pfütze Wasser. Das Substrat saugt sich dann das Wasser nach oben und wird gleichmäßig feucht. Allerdings wird es scheinbar zu feucht, denn meine Pflanze und eine weitere neu gekaufte bekamen innerhalb einiger Monate faulige Wurzeln und erholten sich nicht davon. Da mir die Blüten dieser Naturform aber so gut gefallen, musste ich es nochmals probieren. Ich erwarb ein fast blühstarkes, kräftiges Pflänzchen am Tag der offenen Tür einer Orchideengärtnerei. Der Plan war, es erneut mit dem Tauchen zu versuchen. Diesmal mit etwas feinerem Substrat, das etwas länger feucht bleibt, aber regelmäßig gut antrocknen kann. Das Problem war, dass ich in den Tagen nach dem Kauf überhaupt keine Zeit hatte. Es wurden Temperaturen weit über 30 Grad gemeldet, der Pflanzstoff im Topf bestand aus mittelgroßem bis grobem Rindensubstrat ohne Zusatzstoffe. Ich wusste, dass es zu trocken sein würde, wenn ich es bei der Hitze nicht regelmäßig wässerte. Ich wusste aber auch, dass ich für 10 Tage nicht zu Hause sein würde und die Pflanze somit verdursten würde. Also stellte ich sie einfach zu meinen Phragmipedien in eine große Schale, die mit etwas Wasser gefüllt ist. Ich dachte, dass bei der Hitze etwas mehr Feuchtigkeit besser wäre als zu wenig. Und in dieser Wasserschale habe ich sie dann für ein paar Monate vergessen. Als ich sie wiederfand, hatte sie eine fette Knospe und schon drei neue Triebansätze. Da ich während der Blüte grundsätzlich nicht umtopfe, blieb sie im Substrat und auch im Wasser bei den Phragmipedien. Die Blüte öffnete sich dann und wurde auf einer unserer Tischbewertungen sogar mit einer Silbermedaille  prämiert. Ich vergaß die Pflanze wieder…. Als ich sie dann wieder sah, standen die drei Neutriebe voll im Saft und die ganze Pflanze erschien kräftig und gesund. Jetzt musste ich aber wirklich mal umtopfen, schießlich war sie schon einige Zeit überfällig. Beim Austopfen fand ich, dass das Substrat zwar leicht feucht war, aber nicht durchnässt, wie Rinde normalerweise ist, wenn sie dauerhaft im Wasser steht. Außerdem bemerkte ich, dass eine großzügige Drainage aus Styropor unten im Topf lag. Dieses Styropor schien die perfekte Verbindung zwischen der Nässe unten und dem Pflanzstoff zu bilden, also gab es im neuen Topf ebenfalls wieder großzügig Styropordrainage und darauf reine Rinde, die nicht zu fein ist. Und der Topf kam auch wieder mit den Füßen ins Wasser. Der Wasserstand in der Schale liegt immer niedriger, als die Styropordrainage hoch ist, darauf achte ich sehr. Mit diesem System wurde Paphiopedilum bellatulum für mich kultivierbar und das auch noch ohne großen Aufwand. Inzwischen wurde aus der Jungpflanze ein großer, mehrtriebiger Busch. Dieses Jahr gab’s fünf Neutriebe – mal schauen, ob sie alle zur Blüte kommen…

Die Temperaturbedingungen sind im Winter temperiert und im Sommer eben sommerlich warm bis heiß, wie es halt in einem bewohnten Raum ist. Die Pflanze steht zwar in der Nähe eines Südfensters, allerdings ca. 1 Meter von der Scheibe entfernt, sodass die hochstehende Mittagssonne im Sommer nicht auf die Pflanze fällt. Sehr hell ist es aber dennoch, da es ein außerordentlich großes Fenster ist. Gedüngt wird vom Frühling bis in den Herbst mit einem ausgewogenen Orchideendünger. Das Wassser hat einen Leitwert von ungefähr 350-450 Mikrosiemens/cm. Im Winter reduziere ich den Leitwert auf circa 150 – 200 Mikrosiemens/cm. Zusätzlich gibt es drei bis vier Mal im Jahr etwas Hüttenkalk in das Substrat. Der Hüttenkalk gibt nicht nur wichtiges Calcium an die Pflanze, sondern reguliert auch den PH-Wert des Substrats.

Für mich ist Paphiopedilum bellatulum wirklich eine der allerschönsten Orchideen-Arten und ich bin wirklich glücklich endlich einen Weg gefunden zu haben, mit dem die Kultur klappt. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Paphiopedilum bellatulum ‚WOB Tränenreich‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Eine Gruppe Paphiopedilum bellatulum am Schaustand eines Händlers (Foto: Thomas Lehmann)
Paphiopedilum bellatulum ‚Vroni‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum bellatulum ‚Vroni‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum bellatulum ‚Baronja‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum bellatulum ‚Baronja‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum bellatulum ‚Cockies & Cream‘ SM/D.O.G.  bekam auch noch Silber für die gute Kultur. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum bellatulum ‚Mike‘ SM/D.O.G. (Foto: Thomas Lehmann)

KW 15, 2020

Pabstiella fusca

Alles lesen Orchidee der Woche 15, 2020

Pabstiella fusca

Pabstiella fusca – ein rotbrauner Klon mit gelber Sepalenspitze (Foto: Thomas Lehmann)

John LINDLEY, der schon oft erwähnte „Vater der modernen Orchideenkunde“, beschrieb die Art erstmalig im Jahr 1837 als Pleurothallis fusca in „Companion to the Botanical Magazine“. Nach einigen Umkombinationen in den letzten 180 Jahren wird die Art momentan als Pabstiella fusca in der WCSP (World Cheklist of Selected Plant Families) der Kew Gardens geführt. Im Jahr 2010 erschien in „Richardiana“ der dazugehörige Beitrag des französischen Botanikers Guy Robert CHIRON und seines brasilianischen Kollegen Renato Ximenes BOLSANELLO. Der Gattungsname Pabstiella wurde zu Ehren des brasilianischen Botanikers und Orchideenspezialisten Guido Frederico João PABST im Jahr 1976 begründet. Der Artname fusca kommt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt braun.

Habitus von Pabstiella fusca (Foto: Thomas Lehmann)

Pabstiella fusca ist heimisch in den brasilianischen Bundesstaaten São Paulo und Rio de Janeiro. Die Art wächst dort epiphytisch auf den moosigen Bäumen des Regenwaldes. Durch die sehr unterschiedlichen Höhenlagen der Standorte – man findet Indviduen von 150 bis 1.600 Metern über dem Meeresspiegel – können die Temperaturen an den Standorten von kühl bis heiß variieren. Das Laub der immergrünen Bäume spendet das ganze Jahr hindurch Schatten, sodass die Pflanzen nicht der direkten Sonne ausgesetzt sind. Niederschläge gibt es ebenfalls während des gesamten Jahres, wobei diese in den Wintermonaten etwas abnehmen. Die Luftfeuchtigkeit ist allerdings ganzjährig so hoch, dass das Habitat niemals völlig austrocknet.

Die kleinwüchsige Orchidee bildet ca. 4 cm große Blätter aus, die einen zarten dunkelgrünen Glanz haben und spitz zulaufen. Jedes Blatt sitzt auf einem bis zu 2 cm langen und sehr filigranen Stiel. Das Laub ist zudem leicht gekielt. An der Basis des Stiels entspringen die Infloreszenzen. Sie werden in etwa 3 cm lang und sind noch dünner als die Stiele der Blätter. Blütentriebe können das ganze Jahr hindurch gebildet werden, sie verzweigen sich nicht. Dafür kommt es gelegentlich vor, dass ein Trieb 2 Infloreszenzen entwickelt. Jede Infloreszenz trägt zwei bis sieben Blüten, die sich nacheinander öffnen und durch die lange Blühdauer gemeinsam blühen. Die einzelnen Blüten sind ca. 9 mm hoch und 3 – 4 mm breit. Sie sind gelb oder rotbraun gefärbt. Manchmal zweifarbig oder mit Punkten besetzt, aber immer in den beiden erwähnten Farbtönen. Die Blüten duften nicht.

Pabstiella fusca ‚Dalles‘ bekam in diesem Zustand eine Silbermedaille auf Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

Die Kultur von Pabstiella fusca funktioniert sowohl aufgbunden wie auch getopft. Von Vorteil wäre es natürlich, wenn man eine Orchideenvitrine oder gar ein Gewächshaus bieten könnte, da bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit nicht ganz so oft gewässert werden muss. In einem kleinen Töpfchen mit dem passenden Substrat lässt sich die Art aber auch auf der Fensterbank kultivieren. Da ich weder eine Vitrine noch ein Gewächshaus besitze, kultiviere auch ich Pabstiella fusca auf der Fensterbank.

Getopft habe ich meine Pflanze in Sphagnum-Moos, weil dieses viel Wasser aufnehmen und speichern kann, ohne dass die Wurzeln zu nass stehen. Nachteile hat der Pflanzstoff definitv zwei: Zum einen muss das Moos jährlich gewechselt werden, da sich in ihm sehr schnell überschüssige Salze des Düngers anreichern und die feinen Wurzeln davon auf Dauer Schaden nehmen. Außerdem zerfällt das Moos durch die andauernde Feuchtigkeit sehr schnell und verdichtet sich dadurch, was ebenfalls den Tod der Wurzeln bedeutet. Beim Umtopfen lässt es sich aber kaum verhindern, auch ein paar der sehr feinen und empfindlichen Wurzeln zu verletzen oder gar abzureißen. Zum anderen trocknet das Moos während der heißen Sommermonate sehr schnell ab. Ein paar Tage wegfahren, ohne jemanden zu haben, der sich um die Pflanze kümmert, wird da schon sehr schwierig. Da ich mit einigen anderen Arten aus der Familie der Pleurothallidinae bereits gute Erfahrungen mit einer Kultur in mineralischem Substrat gemacht habe, bin ich am Überlegen, ob ich es beim nächsten Umtopfen mit Pabstiella fusca auch mal probiere. Die Vorteile liegen auf der Hand. Mineralisches Substrat ist strukturstabil, das heißt es zersetzt sich nicht. Umgetopft werden muss also erst dann, wenn der Topf zu klein wird, was bei Miniaturorchideen ein Weilchen dauern kann. Um einem Versalzen des Substrats, was auch bei mineralischen Pflanzsstoffen möglich ist, entgegenzuwirken, spült man den Topf einfach regelmäßig mit möglichst salzarmem Wasser durch. Osmose- oder destilliertes Wassser, auch sauberes Regenwasser, eignen sich hierfür sehr gut. Zudem ist es möglich die Pflanze ein paar Tage alleine zu lassen, da bei der mineralischen Kultur der Topf einfach in eine Pfütze aus Wasser gestellt wird und das Substrat sich stetig damit vollsaugt und lange feucht, aber nicht nass bleibt. Ist man dann mal ein paar Tage außer Haus, füllt man einfach etwas mehr Wasser in den Untersetzer.

Beim Düngen gibt es ebenfalls zwei Möglichkeiten. Ich bevorzuge es, bei jedem Wässern ein klein wenig Dünger zu geben. Dabei liegt der Leitwert meines Wassers bei ca. 100 – 150 Mikrosiemens/cm. Gelegentlich wird – wie oben schon erwähnt – mit klarem Wasser durchgespült. Auch möglich ist, den Leitwert des Gießwassers bei lediglich 50 – 80 Mikrosiemens/ cm zu halten und dafür ein bis zwei Mal im Monat mit 150 – 250 Mikrosiemens/cm zu düngen. Im Winter dünge ich etwas sparsamer als im Sommer, da ich meine Pabstiella fusca ohne Zusatzlicht kultiviere und somit der Stoffwechsel der Pflanze während der lichtarmen Monate herunterfährt. Wer in einer Vitrine mit künstlicher Beleuchtung die Tage verlängert, kann und sollte ganzjährig düngen.

Im Winter steht meine Pflanze temperiert-warm mit sehr viel Licht. Die späte Abendsonne, wenn sie sich denn überhaupt mal zeigt, scheint dort auch unschattiert auf die Pflanze. Dies wird sehr gut vertragen. Im Sommer muss aber unbedingt darauf geachtet werden, dass die Pflanze schattiger und nicht zu heiß steht. Generell gilt: Lieber etwas kühler kultiveren. Bei mir steht Pabstiella fusca über den Sommer im Treppenhaus am Nordfenster. Dort bleibt es verhältnismäßig kühl und es fallen keien direkten Sonnenstrahlen auf das Laub. Auch ein Aufenthalt im Freien ist während der Somemrmonate gut möglich, wenn er eben schattig und möglichst kühl ist.

Die kleinen Blüten sind zwar eher unscheinbar, machen durch ihre lange Blühdauer aber wirklich Freude. Wer sich für Miniaturorchideen begeistern kann, dem möchte ich Pabstiella fusca wärmstens empfehlen. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Pabstiella fusca (Foto: Werner Holzmann)
Ein gelb gefärbter Klon von Pabstiella fusca ‚Dalles‘ (Foto: Werner Holzmann)
Werner Holzmann kultiviert die Pflanze aufgebunden in seiner Orchideenvitrine. (Foto: Werner Holzmann)
Zum Größenvergleicht: Eine Blüte zwischen meinem Daumen und Zeigefinger (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte, im Schlund und an der Außenseite sind die Blüten gepunktet. (Foto: Thomas Lehmann)
Pabstiella fusca ‚Dalles‘ (Foto: Werner Holzmann)
Ein sehr dunkler Klon von Pabstiella fusca (Foto: Werner Holzmann)

KW 14, 2020

Psychopsis Butterfly

Alles lesen Orchidee der Woche 14, 2020

Psychopsis Butterfly

Psychopsis Butterfly (Foto: Thomas Lehmann)

„Ruben in Orchids“, eine der ältesten amerikanischen Orchideenzuchten – die auch heute noch existiert – meldete diese wunderbare Hybride im Jahr 1969 zur Registrierung an. Von der RHS (Royal Horticultural Society) wurde sie unter dem Namen Oncidium Butterfly in das Register eingetragen, da die Gattung Psychopsis zur damaligen Zeit für die Taxonomie nicht relevant war und alle Pflanzen aus der Gattung den Oncidien zugeordnet waren. Wenige Jahre später wurden die bekannten Arten wieder in die Gattung Psychopsis überführt. Der Name Psychopsis leitet sich zum einen vom altgriechischen Wort psyché (ψυχή) ab, das mit Atem, Hauch, Leben oder Seele übersetzt werden kann. Da im antiken Volksglauben ein Schmetterling aber als Abbild der Seele von Verstorbenen angesehen wurde, kann man psyché auch mit Schmetterling übersetzen. Die Endung –opsis (όψις), die ebenfalls aus dem Altgriechischen stammt, lässt sich mit Aussehen, Mode oder Aspekt übersetzen. Psychopsis Butterfly ist demnach ein schmetterlingsähnlicher Schmetterling, da Butterfly das englische Wort für Schmetterling ist.

Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)

Die Eltern der Hybride sind Psychopsis sanderae und Psychopsis papilio. Beide Arten sind in Südamerika heimisch, Pyp. papilio darüber hinaus auch in Costa Rica und Trinidad. Sie wachsen dort epiphytisch in immerfeuchten Bergwäldern. Während Psychopsis papilio unter sehr warmen Bedingungen wächst, findet man Psychopsis sanderae auch an etwas kühleren und temperierten Standorten in höheren Lagen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, wobei in den Sommermonaten deutlich mehr Regen fällt als in den Wintermonaten. Das Habitat trocknet aber niemals komplett ab, da auch die Luftfeuchtigkeit stets sehr hoch ist. Teilweise sind die Standorte sehr hell und lichtdurchflutet, gelegentlich sogar mit voller Sonne für die meiste Zeit des Tages, aber es finden sich auch Individuen an schattigen Plätzen.

Auf den rundlichen Pseudobulben von Psychopsis Butterfly sitzt jeweils ein ca. 25 cm langes und 6-7 cm breites Blatt, das etwas spitz zuläuft, leicht gekielt und matt ist. Das Laub ist dunkelgrün mit einer feinen rötlichen Zeichnung, die sich sowohl auf der Ober- wie auch auf der Unterseite findet. Am Grunde der Pseudobulbe entspringt die Infloreszenz, die bis zu 120 cm lang werden kann und über viele Jahre hinweg blüht. Manchmal pausieren die Blütentriebe für eine kurze Zeit, bevor wieder eine neue Knospe entsteht. Oft wird die neue Knospe aber schon gebildet, wenn die aktuelle Blüte noch im Saft steht. Meistens ist nur eine einzelne Blüte geöffnet. Solange die Blütentriebe nicht eintrocknen, sollten sie nicht abgeschnitten werden, da sie, auch wenn die Spitze schon eingetrocknet ist, jederzeit Seitentriebe an ruhenden Nodien entwickeln können, um dort noch einmal für Monate oder Jahre zu blühen. Eine wirklich einmalige und faszinierende Eigenschaft. Die Blüten haben keinen Duft. Sie sind rot-gelb gefärbt und bis zu 15 cm hoch (!). Je wärmer und heller die Kultur, desto größer werden die Blüten.

Die Kultur von Psychopsis Butterfly ist recht unkompliziert, wenn man ganzjährig für hohe Temperaturen sorgen kann. Wärme ist hier das A und O. Besonders an den Wurzeln reagieren Psychopsis besonders empfindlich, wenn diese zu kalt oder mit zu kaltem Wasser gegossen werden. Dann sterben sie ab. Im Winter also nicht auf ein kaltes Stein- oder Marmorfensterbrett stellen, auch wenn darunter eine Heizung läuft. Das lässt sich ganz leicht testen. Einfach mal abends die Hand auf ein Fensterbrett aus Stein oder Marmor legen, es ist richtig eisig. Psychopsis Butterfly steht daher bei mir auf dem Holztisch in meiner Orchideengalerie, in der es ohnehin sehr, sehr warm wird. An sonnigen Wintertagen herrschen dort ganz schnell über 30 Grad, da sich auf der Südseite eine durchgehende Glasfront befindet, die bei Sonnenschein den ganzen Raum aufheizt. Auch vom beheizten Wohnzimmer darunter steigt die Heizungsluft natürlich nach oben und sammelt sich dort, weswegen das Thermometer auch an bewölkten Wintertagen mindestens 25 Grad zeigt. Nachts kühlt es auf 18-20 Grad ab, je nach Außentemperatur. Kühler als diese 18 Grad sollten auf Dauer nicht herrschen. Psychopsis mag es wirklich heiß. Im Sommer wird das Südfenster natürlich etwas schattiert, im Winter bekommt sie volle Sonne.

Nachdem ich viele verschiedene Substrate ausprobiert habe, bin ich schließlich bei mineralischem gelandet, da es sich gut dauerfeucht halten lässt, ohne dass es zu nass an den Pseudobulben wird. Besonders die Neutriebe sind sehr empfindlich, wenn sie zu lange zu nass sind und es dann doch mal etwas zu kühl ist (da reicht dann schon ein kalter Luftzug in Verbindung mit Nässe). Ich weiß nicht, wie viele Neutriebe mir in den ersten Jahren abgefault sind – es waren unzählige. Ich halte Psychopsis Butterfly genauso wie die bereits vorgestellte Psychopsis Mariposa in einer Mischung aus Lavagranulat, Akadama, Bimskies, Kanuma und Perliten, alles nicht gröber als 8-10 mm und nicht feiner als 2 mm. Anfangs stand der Topf noch in einer Pfütze salzarmen Wassers, das einen Leitwert von ca. 150 Mikrosiemens hatte. Inszwischen habe ich auf ein Dochtsystem mit darunterliegendem Wasserreservoir umgestellt, was sich für die Kultur von Psychopsis bestens bewährt hat. Solche Systeme gibt es fertig zu kaufen oder man bastelt sich selbst eines. Wie das geht, hat unser Mitglied Dr. Ernst Avenhaus in „Die Orchidee 68(5), 2017″ ausführlich dargestellt. Natürlich können auch andere Pflanzstoffe verwendet werden. Wichtig ist, dass die Wurzeln niemals völlig austrocknen, auch wenn man im Internet sehr oft liest, dass Psychopsis sehr trocken gehalten werden müssen. Wenn man sich die natürlichen Standorte ansieht, merkt man schnell, dass es dort nicht sonderlich trocken ist, auch wenn mal kein Regen fällt.

Bei zu geringer Luftfeuchtigkeit ist diese Gattung leider höchst anfällig für Spinnmilben. Auch dieses „Problem“ hat mich in den ersten Jahren so einige Psychopsis gekostet. Seit ich die Luftfeuchtigkeit durch einen Ultraschallvernebler deutlich erhöhen konnte, treten diese kleinen Biester wesentlich seltener auf und wenn, dann lassen sie sich ganz gut bekämpfen, sofern man den Befall rechtzeitig bemerkt. Daher ist es wichtig, die Blattunterseiten regelmäßig zu kontrollieren. Wenn sich ein extrem matter, silbriger Schleier auf den Blattunterseiten bildet, ist es höchste Zeit zu handeln. Sehr gute Erfahrungen in der Bekämpfung von Spinnmilben an Psychopsis habe ich mit dem Wirkstoff Abamectin gemacht. Drei Behandlungen im Abstand von 7-10 Tagen und man ist die Plage los.

Eine wirklich beeindruckende Gattung, deren Blüten fast außerirdisch anmuten und ein wahrer Blickfang sind. Zumindest eine Psychopsis sollte einfach in jeder Orchideensammlung sein – wenn man die hohen Temperaturen bieten kann. Viel Spaß und Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Zum Größenvergleich: Psychopsis Butterfly mit meiner Hand (Foto: Thomas Lehmann)
Habitus von Psychiopsis Butterfly (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blüte von der Seite fotografiert (Foto: Thomas Lehmann)
Detailansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blätter haben durch den Einfluss von Psychopsis sanderae eine tolle Zeichnung. (Foto: Thomas Lehmann)
Starker Spinnmilbenschaden an der Unterseite eines alten Blattes – in diesem Zustand bekam ich sie vor 2 Jahren. (Foto: Thomas Lehmann)
Noch eine Besonderheit durch den Einfluss von Psychopsis sanderae: Die Blütentriebe sind am Ende wie platt gewalzt. (Foto: Thomas Lehmann)

KW 13, 2020

Coelogyne celebensis

Alles lesen Orchidee der Woche 13, 2020

Coelogyne celebensis

Coelogyne celebensis (Foto: Werner Holzmann)

Die Erstbeschreibung dieser Art wurde 1917 in „Bulletin du Jardin Botanique de Buitenzorg. Buitenzorg [Bogor]“  von Johannes Jacobus SMITH (1867-1947) publiziert. Der gebürtige Belgier, der in den Niederlanden aufwuchs, war Gärtner und Botaniker. Er arbeitete unter anderem in den Kew Gardens und im Botanischen Garten Buitenzorg auf Java und hat Tausende Naturformen erstmalig beschrieben oder umgruppiert.

Coelogyne celebensis ist heimisch auf der indonesischen Insel Sulawesi, die früher Celebes hieß. Dort findet man die Art von Meereshöhe bis auf 1000 Meter über dem Meeresspiegel epiphytisch wachsend in den Wäldern entlang der Straßen. An den niedrig gelegenen Standorten auf Meereshöhe liegen die Temperaturen ganzjährig sehr hoch. Die Nächte kühlen nur sehr selten auf unter 20 Grad ab. Tagsüber klettern die Temperaturen auf 30 Grad im Schnitt. In den höheren Lagen können die Nächte in den Wintermonaten aber auch unter 15 Grad fallen. Während der besonders warmen Sommermonate nimmt die Regenhäufigkeit deutlich ab. Durch die hohe Luftfeuchigkeit und gelegentliche Regenfälle trocknet das Habitat aber nur kurzzeitig an. Völlig trocken ist es nie. Durch das Blätterdach der immergrünen Bäume, auf denen Coelogyne celebensis sitzt, ist sie vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt.

Habitus von Coelogyne celebensis (Foto: Werner Holzmann)

Die Art kann recht groß werden und bildet im Abstand von ca. 2,5 cm zylindrische Pseudubulben aus, auf denen jeweils ein langes, fächerartiges Blatt sitzt. Das gestielte Laub läuft spitz zu und glänzt im Wachstum deutlich stärker als in ausgewachsenem Zustand. Im späten Winter und zeitigen Frühjar entstehen die Neutriebe, die bereits mit 5-10 cm Größe die Infloreszenz ausbilden. Diese sitzt am oberen Ende der Pseudubulbe und kann bis zu 40 Zentimeter lang werden. Die Blütentriebe wachsen leicht überhängend und bilden aufeinanderfolgend zahlreiche Knospen aus, die jeweils einzeln zur Blüte kommen. Dadurch erstreckt sich die Blütezeit über einen sehr langen Zeitraum. Die Tepalen der Blüte sind gelbgrün gefärbt. Das dorsale Sepalum neigt sich nach vorne, um das gelblich bis rotbraun überhauchte Labellum samt Geschlechtsteilen und Säule zu schützen. Die Petalen dagegen klappen förmlich nach hinten.

Laut der Aussage von Werner Holzmann, der Coelogyne celebensis seit einigen Jahren zusammen mit Coelogyne speciosa kultiviert, sind diese beiden Arten die unkompliziertesten Coelogynen und für die Kultur auf der Fensterbank bestens geeignet. Im Folgenden beschreibe ich euch seine Kulturerfahrungen:

Werner Holzmann kultiviert die Art unter kühl-temperierten Bedingungen. Seine Pflanze steht ganzjährig auf einem Tisch, der ca. 50 cm von einem großen Ostfenster entfernt ist. Das Fenster ist immer geöffnet, nur wenn die nächtlichen Temperaturen unter -2 Grad fallen, wird es nachts geschlossen. Dadurch entsteht ein recht großes Tag/Nacht-Temperaturgefälle  – im Sommer wie im Winter. Der Standort ist zwar sehr hell, aber nur sehr selten fallen am Morgen Sonnenstrahlen direkt auf die Pflanze.  Im Sommer kann Coelogyne celebensis auch im Freien kultiveirt werden, wenn man ein schattiges Plätzchen bieten kann.

Als Substrat nutzt Werner gut durchlässige, nicht zu feine Rinde ohne weitere Zusatzstoffe. Gegossen wird ganzjährig ohne ausgeprägte Trockenzeit, im Winter jedoch seltener, da der Pflanzstoff wegen der niedrigeren Temperaturen länger braucht, bis er antrocknet. Staunässe über einen längeren Zeitraum – besonders in Verbindung mit Kühle oder gar Kälte – kann zu Fäulnis führen, was den Tod der Pflanze bedeuten würde. Aus diesem Grund lässt Werner das Substrat zwar antrocknen, aber niemals ganz austrocknen. Da die Pflanzen recht kompakt bleiben und die überhängenden Infloreszenzen auch nicht zu lang werden, ist eine Kultur im Topf ohne Probleme möglich. Im Gegensatz zu einigen anderen Coelogyne-Arten wird ein Umtopfen oder Teilen der Pflanze nicht mit dem Ausbleiben von Blüten bestraft. Wie oben schon erwähnt, ist Coelogyne celebensis wirklich unkompliziert und einfach in der Pflege.

Da die Wurzeln von  Coelogynen sehr empfindlich auf Salz reagieren können, verwendet Werner die Reste seines normal aufgedüngten Wassers und verdünnt dieses nochmals mit klarem Wasser. Der Leitwert liegt dann ungefähr bei 200 Mikrosiemens/cm.

Die Infloreszenzen erscheinen bereits zusammen mit dem Neutrieb. Gelegentlich muss durch das Entfernen der Hüllblätter ein wenig „Geburtshilfe“ geleistet werden, damit die Blüten nicht steckenbleiben. Nach Werners Erfahrung passiert das oft in Verbindung mit zu hohen Temperaturen.

Der markante Blütenduft und die lange Blühdauer machen Coelogyne celebensis zu einer wirklich interessanten Naturform, die keine zu hohen Pflegeansprüche stellt und daher auch gut für Anfänger geeignet ist. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Seitenansicht der Blüte (Foto: Werner Holzmann)
Coelogyne celebensis bringt die Inflorezenz zusammen mit dem wachsenden Neutrieb hervor (Foto: Werner Holzmann)

KW 12, 2020

Phalaenopsis Sogo Spot

Alles lesen Orchidee der Woche 12, 2020

Phalaenopsis Sogo Spot

Phalaenopsis Sogo Spot hat sehr große Blüten. (Foto: Jessy Delis)

Phalaenopsis Sogo Spot wurde am 17.10.1996 in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Die Elternpflanzen sind Phalaenopsis Super Stupid und Phalaenopsis gigantea. Da Phalaenopsis Super Stupid bereits eine höhere Hybride ist, an der etliche Naturfomen beteiligt sind, teilt sich der Genpool wie folgt auf:

  • 56,25% Phal. gigantea

    Die genauen Maße zeige ich euch hier. (Foto: Jessy Delis)
  • 15,62% Phal. lueddemanniana
  • 8,08% Phal. amabilis subsp. amabilis
  • 6,89% Phal. amabilis
  • 4,12% Phal. aphrodite
  • 2,34% Phal. hieroglyphica
  • 2,34% Phal. fasciata
  • 1,56% Phal. amboinensis
  • 0,95% Phal. schilleriana
  • 0,7% Phal. equestris
  • 0,3% Phal. sanderiana
  • 0,2% Phal. sumatrana
  • 0,15% Phal. stuartiana
  • 0,14% Phal. aphrodite subsp. formosana

Die natürlichen Lebensräume der beteiligten Naturformen erstrecken sich auf Vorder- und Hinterindien, Indonesien und die Philippinen. Phalaenopsen wachsen epiphytisch in eher schattigen Bereichen. Die Temperaturen an den Standorten liegen im warmen bis heißen Bereich.

Phalaenopsis Sogo Spot steht bei mir hell bis halbschattig und vor direkter Sonne geschützt in meinem Westfenster. Im Winter bekommt sie künstliches Zusatzlicht von 8 Uhr morgens bis 17 Uhr abends. Die künstliche Beleuchtung ist nicht zwingend notwendig, tut der Pflanze aber sichtlich gut. Wenn genügend Licht auf die Blüte fällt, duftet sie ganz leicht nach Zitrone. Dieser Duft ist sehr zart und nicht raumfüllend. Die Temperaturen liegen ganzjährig bei ungefähr 20 – 25 °C am Tag, nachts fallen sie auch im Winter nicht unter 18 °C.

Die Größe der Blüte liegt bei ca. 7 bis 7,5 cm. Die Grundfarbe ist weiß. Auf den Tepalen sind unzählige purpurfarbene Punkte. Daher auch der Name „Spot“, was man mit Punkt oder Fleck übersetzen kann.

Ihre großen Blätter hat sie von Phalaenopsis gigantea geerbt. Sie sind gigantisch und mit ein Grund, warum ich sie gekauft habe. Im Moment blüht sie zum ersten Mal bei mir und ich muss sagen, dass ich sie echt toll finde!

Sie sitzt in einem Topf mit 15 cm Durchmesser – eben gigantisch! Damit die Wurzeln Licht abbekommen, kultiviere ich sie ohne Übertopf in einem transparenten Topf. Ich benutze ein fertig gemischtes Substrat, das speziell für Phalaenopsis angeboten wird. Es besteht aus Sphagnum-Moos, grober Pinienrinde (15-25 mm) sowie allen für das Wachstum von Orchideen erforderlichen Nährstoffen und Spurenelementen. Der pH-Wert liegt bei 5,5-5,9.

Dünger gebe ich in der Wachstumsphase von März bis Oktober alle 14 Tage. In den übrigen Monaten dünge ich nicht. In den Sommermonaten besprühe ich das Substrat in etwa alle drei Tage, je nach Bedarf, durchdringend nass, im Winter lediglich einmal die Woche. Zwischendurch lasse ich das Substrat abtrocknen, um ein Faulen der Wurzeln zu vermeiden. Getaucht wird sie bei mir nicht.

Ich finde, dass man meiner Phalaenopsis Sogo Spot ihre guten Eltern ansieht. Beide Elternteile sind selektierte und bekannte Klone. Phal. Super Stupid „Carmela F2“ wurde mit Phalaenopsis gigantea „Big Boy“ gekreuzt. Ein wirklich überzeugendes Ergebnis!

Autorin: Jessy Delis

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Das Wurzelwachstum ist sehr gut. (Foto: Jessy Delis)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Jessy Delis)
Doppelblüte von Phalaenopsis Sogo Spot (Foto: Jessy Delis)
Das oben beschriebene Substrat, welches speziell für Phalaenopsis vertrieben wird (Foto: Jessy Delis)
Doppelblüte von Phalaenopsis Sogo Spot (Foto: Jessy Delis)
Und eine dritte Knospe öffnet sich bereits. (Foto: Jessy Delis)
Habitus von Phalaenopsis Sogo Spot (Foto: Jessy Delis)

KW 11, 2020

Vandachostylis Pinky

Alles lesen Orchidee der Woche 11, 2020

Vandachostylis Pinky

Ein fast komplett durchgefärbter Klon von Vandachostylis Pinky – lediglich am Ansatz der Tepalen schimmert die weiße Grundfarbe etwas durch. (Foto: Thomas Lehmann)

 

Am 11. Juli 1990 wurde die Hybride aus Vanda falcata und Rhynchostylis gigantea unter dem Namen Vandachostylis Pinky in das Register der Royal Horticultural Society eingetragen. Da Vanda falcata zum damaligen Zeitpunkt noch unter dem Synonym Neofinetia falcata geführt wurde, lautete der Name bei Registrierung Neostylis Pinky. Auch heute werden Pflanzen dieser Kreuzung noch häufig unter diesem Namen angeboten und kultiviert. Zur Registrierung angemeldet hatte diese wunderbare Kreuzung Mas. KOBAYASHI, über den ich leider keine weiteren Informationen herausfinden konnte.

Vanda falcata – ein Elternteil von Vandachostylis Pinky (Foto: Thomas Lehmann)

Vanda falcata hatten wir bereits vorgestellt. Beheimatet ist die Art in Japan, Korea und auf den Ryūkyū-Inseln. Sie kommt dort ausschließlich epiphytisch unter kalten bis kühlen Bedingungen vor. Die kleinen, monopodial wachsenden Pflanzen besiedeln meist laubabwerfende Bäume und haben somit schattige Sommer – im Winter sind sie dann der vollen Sonne ausgesetzt. V. falcata ist auch bekannt unter dem Namen »Windorchidee«, da sie extrem viel Luftbewegung und Frischluft braucht, auch damit die Wurzeln nach einem Regen (oder nach dem Gießen) schnell wieder abtrocknen können. In den Wintermonaten gibt es am Naturstandort so gut wie keine Niederschläge, sodass die Pflanzen eine trockene Ruhephase durchleben .

Rhynchostylis gigantea gibt 50% der Gene in den Genpool von Vandachostylis Pinky (Foto: Thomas Lehmann)

Der zweite Elternteil, Rhynchostylis gigantea, hingegen bevorzugt ausschließlich temperierte bis warme Standorte, die über den südlichen Teil des asiatischen Festlands und weite Gebiete der indonesischen Inseln verbreitet sind. Die mittelgroßen, ebenfalls monopodial wachsenden Epiphyten sind in Tieflandwäldern von Meereshöhe bis 700 Meter über dem Meeresspiegel anzutreffen. Da diese Wälder teilweise bis gänzlich laubabwerfend sind, fällt in den Sommermonaten wesentlich weniger Licht auf Rhynchostylis gigantea als in den Winermonaten. Wie bei Vanda falcata sind auch die Standorte von Rhynchostylis gigantea durch den Monsunregen im Sommer deutlich feuchter und regenreicher. Je nach Lage sind die Pflanzen der Art im Winter vollkommener Trockenheit oder sehr wenig Niederschlag ausgesetzt.

Vandachostylis Pinky bildet einen dünnen Stamm aus, der wechselständig von 10-15 cm langen, sehr festen Blättern umhüllt ist. Das Laub ist stark gekielt und läuft zum Ende hin sehr spitz zu. Ältere Pflanzen bilden oft Seitentriebe und können sich somit zu kleinen Büschen entwickeln. In den Blattachseln entspringt am Stamm die Infloreszenz, die insgesamt 15-20 cm lang wird und mehrere Blüten trägt, meist sind es acht bis zehn. Die Blütenfarbe variiert sehr stark. Während die Tepalen auch ganz weiß sein können, ist das Labellum immer violettrot gefärbt. Je heller die Tepalen sind, desto heller ist meistens auch die Lippe. Oft ist die gesamte Blüte mit einer auffälligen Musterung überzogen. Teilweise sind sie komplett dunkelviolett eingefärbt. Da beide Elternteile stark duften, verströmt natürlich auch Vandachostylis Pinky einen starken Duft, besonders am Nachmittag und in den frühen Abendstunden.

Die Kultur erfolgt wie bei Vandachostylis Charm, die ich euch bereits vorgestellt habe, und funktioniert auf der Fensterbank sehr gut.

Getopft habe ich meine Pflanze in mittelgroßer Rinde ohne weitere Zuschlagstoffe. Das Substrat sollte auf keinen Fall zu fein sein, damit die Wurzeln nach dem Wässern möglichst schnell abtrocknen können. Bleiben die Wurzeln zu lange feucht, oder gar nass, faulen sie, was den Tod der Pflanze bedeuten kann. Zu grob sollte man den Pflanzstoff allerdings auch nicht wählen, damit man in den heißen Sommermonaten nicht täglich gießen muss. Mittelgroße Rinde hat sich hierfür sehr gut bei mir bewährt. Nutzt man, wie ich, einen transparenten Topf, sieht man sehr gut, wann wieder gewässert werden sollte. Sobald alle Wassertropfen im Topfinneren verschwunden und die Wurzeln wieder silbrig sind, kann erneut Wasser gegeben werden. Ich persönlich bevorzuge zu tauchen, da sich die Wurzeln dann einmal richtig schön mit Wasser vollsaugen können. In den kühlen Wintermonaten Dezember bis Februar gibt es nur alle paar Wochen Wasser, da ich meine Pflanze zu dieser Zeit sehr kühl stehen habe. Die nächtlichen Temperaturen fallen dann auf 8-10 Grad ab. Während dieser Zeit tauche ich nicht, sondern gieße nur durchdringend. Sobald der Blütentrieb, der meist im späten Sommer schon angesetzt wird, zu wachsen beginnt, stelle ich meine Pflanze etwas wärmer und wässere auch wieder mehr. Wer ein Gewächshaus besitzt, kann Vandachostylis Pinky natürlich auch aufgebunden kultivieren.

Da die Elternteile in völlig unterschiedlichen Temperaturbereichen heimisch sind, ist die Hybride natürlich sehr anpassungsfähig. Man kann sie im Winter auch etwas wärmer kultivieren, als ich es tue. Wichtig ist dann nur, dass auch etwas mehr Wasser gegeben wird. So feucht wie über die Sommermonate sollte sie aber nicht kultiviert werden. Zumindest eine kurze Trockenphase mit weniger Wasser sollte Vandachostylis Pinky in jedem Fall haben. Die hohen Temperaturen im Sommer verträgt sie absolut problemlos.

Im Sommer kann man die Hybride auch sehr gut an einem schattigen Platz im Freien pflegen. Besonders die intensive Mittagssonne sollte aber nicht direkt auf die Blätter fallen, da diese sonst verbrennen. Ich selbst habe inzwischen zu viele Pflanzen, um alle im Sommer rauszubringen. Deshalb kultiviere ich Vandachostylis Pinky an einem schattierten Fenster, das nach Süden ausgerichtet ist. Dort ist es sehr hell, aber eben ohne direkte Sonneneinstrahlung. Das kühlere Winterquartier hat ein sehr großes – und somit ebenfalls sehr helles – Westfenster. Im Winter wird auch nicht schattiert. Da die Sonne tiefer steht und weiter entfernt ist, verbrennen die Blätter dabei nicht.

Gedüngt wird während der Sommermonate alle 14 Tage. Mein Düngerwasser hat dann einen Leitwert von ungefähr 300-400 Mikrosiemens/cm. Während der kühlen Jahreszeit gibt es gar keinen Dünger, da Vandachostylis Pinky hier ja ohnehin recht trocken gehalten wird.

Da die Hybride sehr variabel ist, kann man von Vandachostylis Pinky auch mehr als eine Pflanze in seine Sammlung aufnehmen, wenn ihr mich fragt. Ich werde mir bei Gelegenheit definitiv noch ein oder zwei Pflänzchen zulegen… Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Vandachostylis Pinky mit minimaler Zeichnung auf den Tepalen – das Labellum ist aber farbig. (Foto: Gregor Kleefeld)
Ein sehr dunkler Klon, der an den unteren Sepalen nicht ganz durchgefärbt ist (Foto: Gregor Kleefeld)
Vandachostylis Pinky mit feinen, unregelmäßigen Punkten (Foto: Claudia Bürgsteiner)
Habitus von Vandachostylis Pinky (Foto: Thomas Lehmann)
Profilansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Vandachostylis Pinky ‚Zsuzsa‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Blick in die Blüten (Foto: Thomas Lehmann)
Die Infloreszenz eines sehr hellen Klons (Foto: Gregor Kleefeld)
Infloreszenz eines sehr dunklen Klons (Foto: Thomas Lehmann)
Vandachostylis Pinky mit deutlicher Zeichnung (Foto: Werner Holzmann)

KW 10, 2020

Dryadella zebrina

Alles lesen Orchidee der Woche 10, 2020

Dryadella zebrina

Dryadella zebrina (Foto: Werner Holzmann)

Der österreichische Biologe Otto PORSCH beschrieb die Art erstmalig in einem Beitrag von „Oesterreichische Botanische Zeitschrift. Gemeinnütziges Organ für Botanik …“ aus dem Jahr 1905. Der damals im Beitrag veröffentlichte Name lautete noch Masdevallia zebrina, was aufgrund der großen Ähnlichkeit zu anderen Arten aus der Gattung nahelag. Der erst kürzlich verstorbene amerikanische Botaniker Carlyle August LUER – ein weltweit anerkannter Spezialist für Pleurothallidinae – begründete im Jahr 1978 in  „Selbyana“ die Gattung Dryadella und kombinierte Masdevallia zebrina in diese neue Gattung um. Bis heute ist Dryadella zebrina laut der WCSP (World Checklist of Selected Plant Families) der offizielle Name. Wie bereits bei der vorgestellten Dryadella aurea erwähnt, leitet sich der Gattungsname vom lateinischen Wort Dryas ab. Dryaden sind Baumnymphen, die ihren Ursprung in der griechischen Mythologie haben, wo sie als Gottheiten mit Sitz in großen sommergrünen Eichen angesehen wurden. Die Endung -ella ist das Diminutiv, also eine Verniedlichung dieser Baumnymphen. Während Dryadella aurea per Übersetzung die kleinen goldenen Baumnymphen sind, kann man Dryadella zebrina mit „kleine gestreifte Baumnymphen“ übersetzen. Zebrina leitet sich tatsächlich von der Musterung der Zebras ab, die schon seit dem 16. Jahrhundert unter diesem Namen in Europa bekannt waren.

Dryadella aurea (mittig) mit der rotlaubigen Dryadella zebrina (rechts) (Foto: Werner Holzmann)

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Dryadella zebrina erstreckt sich von Brasilien über Bolivien bis nach Peru. Die Art wächst dort auf Höhen von 1500 – 3400 Metern über dem Meeresspiegel unter kühlen, selten auch temperierten Bedingungen. Vom späten Frühjahr bis in den frühen Herbst hinein gibt es deutlich weniger Niederschlag in Form von Regen, was zu einer kleinen Trockenphase führt. Wobei die starken Nebel, die besonders am Nachmittag heraufziehen, dafür sorgen, dass das Habitat niemals völlig austrocknet. Die kleinen und empfindlichen Epiphythen werden vom Laub der großen Bäume, auf denen sie sitzen, vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt.

Wie die meisten Pflanzen der Pleurothallidinae hat Dryadella zebrina keine Speicherorgane. An einem kurzen und dünnen Stiel sitzt ein einzelnes festes Blatt. Der Stiel ist nur einen Zentimeter lang und von einer trockenen Hülle umgeben. Das Blatt ist dunkelgrün und verfärbt sich bei genügend Licht stark rötlich. Es ist stark gekielt, hat eine abgerundete Spitze und wird bis zu 5 cm lang. Am unteren Ende des Stiels, geschützt von der trockenen Hülle, entspringt die Infloreszenz, die nur 1-2 cm lang wird und eine einzelne leuchtend gelbe Blüte trägt, die mit einer auffallenden rotbraunen Zeichnung versehen ist. Die Sepalen dominieren das Erscheinungsbild der Blüten. Die Petalen und das Labellum sitzen im Schlund der Blüte und werden zusammen mit den Geschlechtsteilen vom darüberliegenden Sepalum geschützt. Die Blüten von Dryadella zebrina sind deutlich größer als die von Dryadella aurea.

Kultivieren lässt sich Dryadella zebrina zwar auch getopft in feiner Rinde, Sphagnum-Moos oder auch mineralisch, wesentlich einfacher ist aber eine aufgebundene Kultur in einer Vitrine oder einem Gewächshaus. Im Folgenden stelle ich euch die Kulturmethode von Werner Holzmann vor, der die Art zusammen mit „der goldenen Schwester“ seit einigen Jahren erfolgreich in einer Orchideenvitrine pflegt:

Wie oben schon erwähnt, besitzt Dryadella zebrina keine Speicherorgane und muss somit dauerfeucht gehalten werden. Auch hohe Luftfeuchtigkeit wirkt sich sehr positiv auf Wachstum und Blühfreudigkeit aus. Aus diesem Grund kultiviert Werner Holzmann seine Pflanze in seiner Orchideenvitrine, in der hohe Luftfeuchtigkeit leichter zu erreichen ist. Er besprüht die kleine Pflanze täglich mit salzarmem Wasser. Mehrmals täglich laufen kleine Ventilatoren, die dafür sorgen, dass die Blätter abtrockenen können und nicht zu faulen beginnen. Alle vier Wochen gibt es etwas Dünger mit ins Wasser. Der Leitwert des Düngerwassers liegt bei 150-200 Mikrosiemens/cm.

Natürliches Tageslicht erhalten die Pflanzen in seinem Orchidarium nicht. Er beleuchtet ausschließlich mit Kunstlicht.  Derzeit nutzt er dafür noch eine Leuchtstoffröhre, die speziell auf die Kultur von Pflanzen ausgelegt ist. Aufgrund des Stromverbrauchs und des Umweltschutzes ist eine Umstellung auf LED-Lampen geplant. Ein weiterer Vorteil von LED-Lampen ist, dass sie kaum Temperatur erzeugen, was bei kühler zu kultivierenden Pflanzen natürlich deutlich besser ist. Leuchtstoffröhren können sehr heiß werden und je nach Anbringung die Vitrine stark aufheizen. Die Temperaturbedingungen in der Vitrine sind kühl-temperiert, da sie in einem unbeheizten Raum steht, in dem das Fenster nur bei Frost geschlossen wird. Im Sommer wird es natürich auch mal etwas wärmer, was den Pflanzen aber nicht schadet.

Als Unterlage zum Aufbinden nimmt Werner Holzmann sehr gerne Presskork. Dieser mag vielleicht nicht so langlebig sein, da er sich durch die andauernde Feuchtigkeit schnell zersetzt, dafür lässt er sich aber ganz einfach zerbröseln, wenn es an der Zeit ist, die Pflanze neu aufzubinden. Früher oder später muss jede Unterlage ausgetauscht werden. Bei harten Materialien, die sich nicht zersetzen, hat man dann immer das Problem, dass man die Wurzeln nicht davon ablösen kann, ohne sie zu verletzten oder gar abzureißen.

Allein schon wegen ihrer märchenhaften Namensgebung muss ich mir unbedingt eine kleine Baumnymphe zulegen. Golden oder gestreift? Wofür würdet ihr euch entscheiden? Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Habitus von Dryadella zebrina (Foto: Werner Holzmann)
Dryadella zebrina (Foto: Werner Holzmann)

KW 09, 2020

Cattleya xanthina

Alles lesen Orchidee der Woche 09, 2020

Cattleya xanthina

Cattleya xanthina (Foto: Werner Holzmann)

John LINDLEY, Vater der modernen Orchideenkunde, beschrieb im Jahr 1859 die Art erstmalig als Laelia xanthina in „Botanical Magazine; or, Flower-Garden Displayed … London“. Bis heute finden sich Pflanzen unter diesem Namen bei Orchideenzüchtern und -liebhabern in Kultur, obwohl der heute gültige Name laut World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) seit 2008 Cattleya xanthina lautet. Aufgrund von Genanalysen überführte der brasilianische Botaniker Cássio van den BERG in „Neodiversity. A journal of neotropical biodiversity“ die Gattung Laelia  in die Gattung Cattleya. In den 150 Jahren dazwischen gab es einige Umkombinationen in andere Gattungen, die ich hier nicht alle einzeln aufführen möchte. Die meisten davon finden in der aktuellen Literatur ohnehin keine Verwendung. Der Artname xanthina leitet sich vom griechischen Wort xanthós ( ξάνθος) ab, das mit gelb übersetzt werden kann. Wegen der leuchtend gelben Blüten ein wirklich passender Name für diese Naturform.

Habitus von Cattleya xanthina (Foto: Werner Holzmann)

Cattleya xanthina ist heimisch in Brasilien. Die mittelgroße Art wächst dort epiphytisch unter kühlen bis warmen Bedingungen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, sodass das Habitat niemals völlig austrocknet. Die Standorte sind immer sehr hell und lichtdurchflutet, allerdings findet man nur selten Individuen, die dem vollen Sonnenlicht ausgesetzt sind.

Auf den leicht gerippten Pseudobulben, die Cattleya xanthina ausbildet, sitzt jeweils ein einzelnes längliches Blatt mit abgerundeter Spitze. Das Laub hat einen leicht bläulichen Schimmer und ist sehr fest. Am Blattansatz erscheint nach dem Ausreifen der Pseudobulben die Blütenscheide, aus der die Infloreszenz entspringt. Der bis zu 25 cm lange Blütentrieb trägt zwei bis sechs Blüten, die in Haltung und Färbung leicht variieren können. Nur selten öffnen sich die Blüten vollständig. Die Farbe der Tepalen reicht von grüngelb über orangegelb bis zitronengelb. Die Tepalen rollen sich an der langen Seite mal mehr und mal weniger nach hinten. Das Labellum variiert noch stärker in der Farbe. Während es bei manchen Pflanzen unauffällig gelb und weiß gefärbt und lediglich ein wenig magenta gezeichnet ist, gibt es auch Pflanzen mit leuchtend magentafarbenem Vorderlappen. Die Seitenlappen sind röhrenförmig nach oben gerollt. Die Blüten von Cattleya xanthina können duften.

Seitenansicht der Blüte von Cattleya xanthina (Foto: Werner Holzmann)

Im Folgenden beschreibe ich die Kultur von Werner Holzmann, der zwei blühfähige Pflanzen der Art seit Jahren erfolgreich pflegt. Inwzischen hat er sich noch eine dritte, eine Jungpflanze, angeschafft, da er unbedingt eine mit leuchtend roter Lippe haben möchte.

Wie viele seiner Orchideen steht auch Cattleya xanthina bei Werner ganzjährig an einem großen Fenster mit südlicher Ausrichtung. In den Sommermonaten sorgt ein überstehender Balkon dafür, dass die pralle Mittagssonne nicht auf die Orchideen fällt. Der große Lichthunger von Cattleya-Arten kann dort dennoch gut gestillt werden. Die tiefstehende Sonne im Winter darf unschattiert auf die Pflanzen fallen.

Als Pflanzstoff nutzt er Rinde in mittelgroßer Körnung. Zu fein sollte sie nicht sein, damit genug Luft an die Wurzeln kommen kann. Ist dies nicht der Fall, bleibt das Substrat, und somit auch die Wurzeln, zu lange nass und es kann zu Fäulnis kommen, was oft den Tod der Pflanze bedeutet. Wählt man zu grobe Rindenstücke, trocknen diese zu schnell ab und ein dauerhaftes Feuchthalten wird besonders in den heißen Sommermonaten nur schwer zu erreichen sein. Auch eine Kultur in mineralischem Substrat, wie ich es erst kürzlich bei Cattlianthe Japanese Beauty vorgestellt habe, sollte erfolgreich sein. Wer ein Gewächshaus besitzt, kann Cattleya xanthina auch aufgebunden kultivieren. Im beheizten Wohnraum mit geringerer Luftfeuchtigkeit ist eine aufgebundene Kultur allerdings nur mit extrem hohem Arbeitsaufwand möglich.

Gewässert wird bei Werner in der Regel einmal wöchentlich mit Osmosewasser. Im Hochsommer darf es ruhig ein wenig öfter sein. Gelegentlich, besonders nach der Blütezeit im Herbst, lässt er das Substrat komplett durchtrocknen. Im Oktober/November erscheinen dann die Neutriebe. Ab dem Zeitpunkt sollte der Pflanzstoff immer feucht sein und nicht allzu oft austrocknen. Auch an Dünger sollte während der Wachstumsphase nicht gespart werden. Monatlich gibt er seiner Cattleya xanthina aufgedüngtes Osmosewasser, das einen Leitwert von 500-600 Mikrosiemens/cm hat. Möglich ist auch das amerikanische Düngesystem, bei dem mit jedem Wässern ein wenig Dünger gegeben wird, anstatt nur alle paar Wochen eine hohe Dosis. Wichtig ist nur, dass die Pflanzen während des Wachstums keinen Hunger leiden. Kleinbleibende Triebe, die nicht zur Blüte kommen, wären die Folge.

Da der Kulturraum gleichzeitig ein Wohnraum ist, ist es dort nicht besonders kühl. Werner gibt seinen Temperaturbereich als temperiert an. Cattleya xanthina sollte aber auch bei etwas kühleren Bedingungen während der Wintermonate gut wachsen. Im Sommer wird es natürlich auch mal richtig heiß am Südfenster.

Jedes Jahr, pünktlich im August, kommen die Pflanzen von Werner zur Blüte und leuchten in strahlendem Gelb mit der Sonne um die Wette. Ich schätze, ich werde mir auch eine zulegen müssen, wenn mir eine über den Weg läuft… Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Cattleya xanthina (Foto: Werner Holzmann)
Cattleya xanthina – Seitenansicht (Foto: Werner Holzmann)
Cattleya xanthina – Habitus (Foto: Werner Holzmann)

KW 08, 2020

Phragmipedium Windsor Castle

Alles lesen Orchidee der Woche 08, 2020

Phragmipedium Windsor Castle

Phragmipedim Windsor Castle ‚Rotkäppchen‘ SM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)

Phragmipedium Windsor Castle wurde von Orchids Ltd. aus Plymouth/Minnesota, USA, bei der Royal Horticultural Society (RHS) zur Registrierung angemeldet und am 18. Oktober 2005 in das Register eingetragen. Eigentümer der  Orchideengärtnerei ist der Phragmipedium-Experte Jerry Lee Fischer. Robert-Jan Quené, ein damaliger Mitarbeiter, hatte einige Jahre zuvor eine Blüte von Phragmipedium Elizabeth Castle ‚Glamis‘ AM/AOS mit dem Pollen von Phragmipedium besseae ‚Rob’s Choice‘ AM/AOS bestäubt in der Hoffnung auf eine leuchtend rote Hybride mit guter Haltung. Der Plan ging voll auf und eine der – meiner Meinung nach – schönsten Phragmipedium-Hybriden entstand, die dazu noch extrem unkompliziert und blühfreudig ist. Bereits die erste Pflanze aus der Aussaat, die bei Orchids Ltd. zur Blüte kam und mit der die Registrierung erfolgte, erhielt eine Auszeichnung der American Orchid Society, bei den hervorragenden Eltern natürlich nicht verwunderlich. Ein Foto des Klons findet ihr weiter unten im Beitrag. Schloss Windsor – eine der drei Hauptresidenzen der britischen Königsfamilie – wurde von Robert-Jan Quené als Namensgeber ausgewählt, da er kurz vor der Registrierung in England war und das Schloss besichtigte – in dem sich zu dieser Zeit auch die Queen aufhielt. Da der Elternteil Elizabeth Castle bereits nach einem Schloss benannt worden war, fand er es passend, auch die „Tochter“ nach einem zu benennen.

Phragmipedium sargentianum – mit 12,5% am Genpool beteiligt (Foto: D.O.G.-Archiv)

Der Genpool von Phragmipedium Windsor Castle teilt sich wie folgt auf:

 

Phragmipedium besseae aus Peru (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium besseae wurde von Calaway H. DODSON & Janet KUHN 1981 in AOS Bulletin 50: 1308-1310, als neue Art beschrieben. Es ist sowohl in Peru als auch in Ecuador beheimatet und variiert je nach Standort leicht in Farbe und Form. Das Klima am Standort bietet recht konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad ganzjährig. Niederschläge gibt es auch ganzjährig, wobei sie von März bis September erheblich häufiger sind. Bis November lassen sie dann deutlich nach und nehmen bis März wieder langsam zu. Phrag. besseae wächst terrestrisch zwischen dauerfeuchtem Moos, Gräsern und Farnen, aber auch lithophytisch auf steil abfallenden, feuchten Felsen.

Phragmipedium schlimii (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium schlimii wurde 1854 erstmals als Selenipedium schlimii von LINDEN & REICHENBACH f. beschrieben. Benannt wurde Phrag. schlimii nach seinem Entdecker Louis Joseph SCHLIM, dem Halbbruder LINDENs. Nachdem BATEMAN 1866 diese Art als Cypripedium schlimii eingestuft hatte, erfolgte die endgültige Klassifizierung als Phragmipedium schlimii durch ROLFE im Jahre 1896. Beheimatet ist diese Naturform in Kolumbien und wächst dort in Höhenlagen von 1200 -1900 Metern in immerfeuchten Humus- und Moosnestern auf Granitfelsen und offenliegenden Baumwurzeln, oft zwischen hohen Gräsern. Die meisten bekannten Standorte sind halbschattig. Das Klima bietet Temperaturen von 8 Grad nachts bis 25 Grad tagsüber. Die ganzjährigen Regenfälle nehmen im Frühjahr und Herbst etwas zu.

Phragmipedium sargentianum wurde ursprünglich im Jahr 1893 als Selenipedium sargentianum von Robert Allen ROLFE beschrieben. Drei Jahre später gründete er selbst die Gattung Phragmipedium und kombinierte die Art, wie auch das oben genannte Phragmipedium schlimii, in diese um. Die Pflanzen sind heimisch im Nordosten Brasiliens und wachsen dort auf Höhen von 400-1500 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturen liegen im Jahresdurchschnitt bei 22 Grad, in den Winternächten besonders in höheren Lagen lediglich bei 10-12 Grad. In den Sommermonaten erreichen sie auch die 30-Grad-Marke. Die Standorte sind helle, meist ostseitige Abhänge. Einige Individuen siedeln in exponierten Lagen mit vollem Sonnenlicht. In der Regel wachsen die Pflanzen aber halbschattig. In der näheren Umgebung finden sich immer kleine Flussläufe oder Bäche. Niederschläge gibt es auch dort ganzjährig.

Phragmipedium Windsor Castle bleibt durch den hohen besseae– und schlimii-Anteil recht kompakt und eignet sich deswegen hervorragend für eine Kultur auf der Fensterbank. An den Infloreszenzen erscheinen hintereinander vielzählige leuchtend rote Blüten, die sehr lange halten. Daher erstreckt sich die Blühdauer oft über mehrere Monate. Außerdem ist die Hybride sehr unkompliziert zu kultiveren und blüht mindestens einmal im Jahr ohne großen Aufwand.

Da alle beteiligten Naturformen in sehr feuchten bis nassen Gebieten vorkommen, kann Phragmipedium Windsor Castle sehr gut mit nassem Fuß kultiviert werden. Meine Pflanze steht in einer Schale, die immer mit etwas Wasser gefüllt wird, sobald sie leer gesaugt ist. Zwischenzeitliches Austrocknen der Schale verhindert eine Verkeimung des Wassers, wodurch sich die Pflanze infizieren könnte. Das Substrat selbst sollte aber nicht komplett durchtrocknen. Phragmipedien haben den Ruf sehr salzempfindlich zu sein, was für einige Naturformen auch durchaus zutreffend ist. Ich habe in den letzten 10 Jahren  meiner Phragmipedium-Kultur aber die Erfahrung gemacht, dass einige Arten und besonders Hybriden nicht generell empfindlich auf gelöste Salze im Wasser reagieren. Vielmehr kommt es offenbar darauf an, wie die Wasserqualität ist und welche Stoffe sich in welchem Verhältnis darin befinden. Reines Wasser – egal ob Regenwasser, Quellwasser, Osmosewasser oder ähnliches – das mit einem ausgewogenen Orchideendünger aufgedüngt wird, darf dann auch ruhig etwas mehr Nährstoffe enthalten. Mein Phrag. Windsor Castle bekommt in den warmen und hellen Sommermonaten teilweise aufgedüngtes Wasser, das einen Leitwert von 350 – 500 Mikrosiemens hat. Im Winter dünge ich allerdings nicht. Da gibt es klares Quellwasser mit wenig gelösten Salzen. Ab März steigere ich die Düngergaben langsam, bis sie im Juli/August ihren Höhepunkt erreichen. Danach wird langsam wieder weniger gedüngt. Ab Oktober dann gar nicht mehr. Den Sommer über lagern sich genügend Düngerreste im Substrat an, die die Pflanze im Winter mit Nährstoffen versorgen.

Mein Standard-Pflanzstoff für Phragmipedium besteht aus einer Mischung mit Rindenanteil, Perliten, Bimskies und Holzkohle. Rinde hat den Nachteil, dass sie sich durch die ständige Feuchtigkeit recht schnell zersetzt. Allerdings werden bei diesem Zersetzungsprozess auch Nährstoffe frei. Nach drei, spätestens vier Jahren sollte dann aber neu getopft werden, bevor sich das Substrat zu sehr verdichtet und die Wurzeln faulen. Die einzelnen Substratteile sollten nicht zu fein sein, damit genug Luft an die Wurzeln kommt. Bewährt hat sich bei mir eine Körnung von acht bis zwölf Millimeter für die meisten Phragmipedien wie zum Beispiel Windsor Castle. Perlite gebe ich mit dazu, weil sie einerseits das Substrat luftig machen und andererseits gut Wasser speichern können. Bimskies gibt etwas Kalk ab und hat ebenfalls die Fähigkeit, Wasser zu speichern und weiterzuleiten. Um in dem feuchten Substrat für etwas trockenere Stellen zu sorgen, nutze ich Holzkohle, die sich nicht mit Wasser vollsaugt und dadurch trockener bleibt. Die Körnung aller Bestandteile sollte nicht zu fein, aber auch nicht zu grob sein, je nach Topfgröße Körnungen von 5 bis 18 mm. Auch in rein mineralischen Substraten, in Sphagnum-Moos oder Steinwollwürfeln fühlt sich Phragmipedium Windsor Castle wohl. Ich habe schon einiges ausprobiert und die Erfahrung gemacht, dass es nur wichtig ist, dass viel Wasser vom Substrat aufgenommen und gehalten werden kann. Zwei- bis dreimal im Jahr gebe ich etwas Hüttenkalk auf das Substrat und gieße diesen etwas ein. Hüttenkalk ist ein pulverisierter, kohlensaurer Kalk, der zum einen den PH-Wert reguliert und zum anderen Kalk freisetzt, der von den meisten Phragmipedien benötigt wird.

Phragmipedium Windsor Castle mag es hell, aber keine direkte Mittagssonne. Die Blätter verbrennen innerhalb von wenigen Stunden, wenn sie der vollen Sonne ausgesetzt sind. Sonnenschein am Morgen oder Abend wird aber gut vertragen, wenn er nicht zu lange auf die Blätter brennt. Werden diese gelblich, muss unbedingt schattiert oder die Pflanze umgestellt werden. Das gelbliche Ausbleichen des Laubs ist der erste Indikatior für zu viel Licht. Nachts können die Temperaturen auf 10 Grad fallen, müssen sie aber nicht. Meine Pflanze hat in den Wintermonaten immer mindestens 15 Grad nachts. Meist sogar 16-18 Grad. Phragmipedium Windsor Castle wächst sehr gut bei normalen Zimmertemperaturen – auch in beheizten Räumen mit etwas trockener Luft, wenn regelmäßig gelüftet wird. Bei zu wenig Frischluft oder Luftbewegung können sich Pilze bilden, die die Pflanze sehr schwächen und im Extremfall auch töten können, wenn nicht mit einem Pilzmittel behandelt wird.

Durch die kompakte Größe und das leuchtende Rot der haarigen Blüten ist Phragmipedium Windsor Castle ein echter Hingucker. Die Hybride ist einfach zu kultivieren und auch für Anfänger gut geeignet. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

Thank you so much, Mr. Robert-Jan Quené, for all the informations and the picture of your fantastic breeding!

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Phragmipedium Windsor Castle ‚Windsor Red‘ AM/AOS war die erste Pflanze der Hybride die bei Orchids Ltd. erblühte (Foto: Robert-Jan Quené)
Phragmipedium Windsor Castle ‚Franz‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipdedium Windsor Castle ‚Maria‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die frisch geöffnete Blüte hat eher ein kühleres Rot – mit der Zeit wird der Farbton wärmer (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Windsor Castle ‚Rotkäppchen‘ (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Windsor Castle ‚Rotkäppchen‘ (Foto: Thomas Lehmann)
Habitus von Phragmipedium Windsor Castle (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Windsor Castle ‚Rotkäppchen‘ (Foto: Thomas Lehmann)

 

 

KW 07, 2020

Cattlianthe Japanese Beauty

Alles lesen Orchidee der Woche 07, 2020

Cattlianthe Japanese Beauty

Cattlianthe Japanese Beauty (Foto: Ricci Zepmeusel)

 

Als Sophrolaeliocattleya Japanese Beauty wurde diese Hybride am 06. Mai 2004 in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Durch einige Umkombinationen der letzten Jahre lautet der korrekte Name heute Cattlianthe Japanese Beauty. Zur Registrierung angemeldet wurde die Hybride von N. TAKI. Als Züchter ist im Register der RHS Yoshitaka YAMAMOTO angegeben. Dem Namen nach vermute ich, dass die beiden Registranten aus Japan kommen. Auch der gewählte Hybriden-Name lässt natürlich darauf schließen. Genaueres konnte ich bei meiner Recherche leider nicht herausfinden. Die Eltern dieser „Japanischen Schönheit“ sind Cattlianthe Fairyland und Cattleya Misaki Bells. Da beide Elternteile bereits höhere Hybriden sind, besteht der Genpool von Cattlianthe Japanese Beauty aus insgesamt neun Naturformen, die wie folgt vertreten sind:

  • 25% Cattleya liliputana
  • 15,63% Cattleya trianae
  • 12,5% Cattleya coccinea
  • 12,5% Cattleya luteola
  • 7,81 Cattleya mossiae
  • 7,81% Cattleya gaskelliana
  • 6,25% Cattley harrisoniana
  • 6,25% Cattleya loddigesii
  • 6,25% Guarianthe aurantiaca
Infloreszenz mit vier Blüten, die teilweise auf dem Kopf stehen (Foto: Thomas Lehmann)

Auf jede einzelne der beteiligten Naturformen kann ich in diesem Beitrag natürlich nicht eingehen. Grundsätzlich sind aber alle neun Arten in Südamerika heimisch. Sie wachsen dort sowohl epiphytisch als auch lithophytisch unter verschiedenen klimatischen Bedingungen. Während einige der beteiligten Naturformen ausschließlich unter kühlen Bedingungen wachsen, fühlen sich andere auch an wärmeren Standorten wohl. Guarianthe aurantiaca zum Beispiel findet man in Gegenden mit Extremtemperaturen – sowohl große Hitze wie auch Kälte scheinen ihr nichts anhaben zu können, Frost natürlich schon. Auch das Lichtangebot an den Naturstandorten reicht von schattigen bis zu vollsonnigen Plätzen.

Die Hybride bildet längliche, ca. 10-12 Zentimeter hohe Pseudobulben aus, auf denen jeweils ein bis zwei sehr feste Blätter sitzen. Das Laub ist ebenfalls 10-12 Zentimeter lang, dunkelgrün mit abgerundeten Blattspitzen. Cattlianthe Japanese Beauty hat einen kriechenden Wuchs. Das bedeutet, dass das Rhizom zwischen den einzelnen Neutrieben jeweils einige Zentimeter lang ist. Bereits im späten Winter, nach der Blüte, erscheinen die Neutriebe, die bis zum Herbst heranwachsen. Meistens bilden sich im Oktober die Blütenscheiden. Danach ruht die Pflanze für einige Wochen, bevor die Infloreszenzen im Dezember erscheinen. Die Blütentriebe sind nur wenige Zentimeter lang und tragen jeweils zwei bis fünf Blüten, die eine sehr feste Struktur haben. Die weiße Grundfarbe ist an den Tepalen mit einem Rotviolett überhaucht. Je nach Klon kann dieser Farbton nur ganz zart oder auch sehr stark ausgeprägt sein. Das Labellum ist mittig leuchtend gelb gefärbt und am gesamten Rand von einem dunklen Rotviolett umrahmt. Bei einigen Individuen können die Blüten duften.

Habitus von Cattlianthe Japanese Beauty mit zwei Infloreszenzen (Foto: Ricci Zepmeusel)

Durch die unterschiedlichen Ansprüche der Arten, die an Cattlianthe Japanese Beauty beteiligt sind, scheint die Hybride nicht sonderlich anspruchsvoll zu sein und mit verschiedenen Kulturgegebenheiten klarzukommen. Dadurch ist sie für die Kultur auf der Fensterbank genauso geeignet wie für ein Gewächshaus.

Vor drei Jahren bekam ich ein kleines Teilstück geschenkt. In den ersten Jahren brachte es jeweils nur einen Neutrieb hervor. Vergangenes Jahr kamen dann drei Neutriebe, sodass es zu einer stattlichen Pflanze geworden ist. Zwei der drei Neutriebe brachten auch Infloreszenzen hervor. Dem dritten Trieb fehlte leider die Blütenscheide. Zwar entwickelte sich ein kleiner Blütentrieb, der aber leider nach kurzer Zeit eintrocknete, was bei fehlender Blütenscheide häufig passiert.

Getopft habe ich meine Pflanze vor zwei Jahren in mittelgroßes Lavagranulat, das sich sehr gut feucht halten lässt, indem man es dauerhaft in einer Pfütze Wasser stehen hat. Der Pflanzstoff saugt das Wasser durch die Kapillarität bis nach oben hin und erzeugt eine angenehme Feuchte, ohne jemals zu nass zu sein. Ganz wichtig ist allerdings, dass die Pseuobulben und Neutriebe nur auf dem Substrat sitzen und nicht darin eingegraben werden. Umtopfen sollte man Cattleyen immer nur dann, wenn sich an den Neutrieben die ersten Wurzelspitzen zeigen. Alte Pseudobulben bilden in der Regel keine neuen Wurzeln. Natürlich lässt sich Cattlianthe Japanese Beauty auch gut in Rinde oder auch aufgebunden kultivieren. Hier muss jeder das für sich passende Substrat finden.

Meine Pflanze kultiviere ich an einem sehr hellen Südfenster, das im Sommer durch einen dünnen Vorhang etwas schattiert wird. Zu viel von der starken Mittagssonne in den Sommermonaten lässt die Blätter verbrennen. Im ersten Jahr stand sie an einem Ostfenster mit etwas Morgensonne. Auch hier wuchs sie gut und kam zur Blüte. Ob das Mehr an Licht dafür gesorgt hat, dass sie im letzten Jahr gleich drei Neutriebe ausgebildet hat, oder ob es einfach am Alter des Teilstücks liegt, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Ich habe aber den Eindruck, dass sie sich am helleren Standort wohler fühlt. Im Winter wird der schattierende Vorhang abgenommen und das volle Licht darf auf die Pflanze fallen.

Die Temperaturbedingungen in meinem Kulturraum sind temperiert-warm. Nachts können sie auf 14 Grad fallen, tagsüber steigen sie auch im Winter manchmal auf 26 Grad und höher. Den Sommer über kann Cattlianthe Japanese Beauty auch gut im Freien kultiviert werden. Die hohen Temperaturen im Sommer verträgt sie ohne Probleme.

Während des Wachstums steht meine Plfanze dauerfeucht. Das heißt, in ihrem Untersetzer steht immer eine kleine Pfütze Wasser. Im Herbst, wenn die Neutriebe ausgewachsen sind, reduziere ich die Wassergaben etwas. Die Schale darf dann auch mal zwei bis drei Tage trocken stehen, wobei das Substrat selbst auch dann noch ein wenig Restfeuchte hat. Komplett abtrocknen lasse ich den Pflanzstoff nie. Dünger gibt es über den Sommer reichlich. Das Wasser, mit dem ich die Schale befülle, hat einen Leitwert von 300-500 Mikrosiemens/cm. Vom Herbst bis zum Frühjahr, wenn die Neutriebe ihre Wurzeln treiben, dünge ich dafür gar nicht.

Alles in allem ist Cattlianthe Japanese Beauty eine wirklich einfach zu kultivierende Hybride, mit sehr ansprechenden Blüten, die lange halten. Wer noch keine Erfahrungen in der Cattleya-Kultur hat, aber gerne eine Pflanze aus dieser Gattung hätte, dem kann ich Cattlianthe Japanese Beauty echt ans Herz legen. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

Ein besonderer Dank geht an Ricci Zepmeusel, die diesen Beitrag mit einigen Fotos bereicherte!

Cattlianthe Japanese Beauty (Foto: Ricci Zepmeusel)
Cattlianthe Japanese Beauty (Foto: Ricci Zepmeusel)
Cattlianthe Japanese Beauty (Foto: Thomas Lehmann)
Cattlianthe Japanese Beauty (Foto: Thomas Lehmann)
Die Wurzelbildung im Lavagranulat kann sich sehen lassen. An den Ablagerungen im unteren Bereich kann man sehen, wie hoch das Wasser für gewöhnlich steht. (Foto: Thomas Lehmann)
Aus meinem kleinen Teilstück ist eine ordentliche Pflanze geworden. (Foto: Thomas Lehmann)
Ein kleiner Neutrieb bildet sich vom späten Winter bis in das zeitige Frühjahr. (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 06, 2020

Renanthera bella

Alles lesen Orchidee der Woche 06, 2020

Renanthera bella

Renanthera bella ‚Strub‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

Der englische Botaniker Jeffrey James WOOD beschrieb die Art im Jahr 1981 in „Orchid Review. An Illustrated Monthly Journal Devoted to Orchidology in all its Branches“. WOOD verstarb im vergangen Jahr im Alter von 67 Jahren. Die Orchideenwelt verlor mit ihm einen weltweit anerkannten Experten und großen Wissenschaftler. Insgesamt publizierte er 58 Erstbeschreibungen und zahlreiche Umgruppierungen innerhalb der Orchidaceae. Renathera bella war eine seiner ersten Veröffentlichungen und ist bis heute unumstritten.

Renanthera bella ist eine endemische Art, die man nur in Sabah – einem Bundestatt von Malaysia auf der Insel Borneo – findet. Sie wächst dort auf Höhen von 400 -1200 Meter über dem Meeresspiegel unter temperiert-warmen bis heißen klimatischen Bedingungen. Die epiphytischen Pflanzen besiedeln meist die Stämme alter Bäume in den dortigen Bergwäldern. Niederschlag gibt es das ganze Jahr über in Form von Regen, Nebel und daraus resultierender hoher Luftfeuchtigkeit. Die Standorte sind sehr oft lichtdurchflutet, aber vor direkter Sonneneinstrahlung, besonders zur Mittagszeit, geschützt.

Habitus von Renanthera bella (Foto: Werner Holzmann)

Die monopodiale Art bildet einen dünnen Stamm aus, der im Laufe der Jahre sehr lang werden kann. Dieser ist wechselständig von dunkelgrünen Blättern umhüllt, die sehr dick und fest sind. Das Laub dient als Wasserspeicher für etwas trockenere Perioden. Jedes Blatt ist schmal, circa 10 Zentimeter lang und läuft spitz zu. Direkt am Stamm, in den Blattachseln, entspringen die Infloreszenzen, die bis zu 45 Zentimeter lang werden und bis zu zwei Verzweigungen haben können. Am Blütentrieb entstehen dadurch zahlreiche Blüten, die sich gleichzeitig öffnen. Die Grundfarbe ist ein leuchtendes Gelb, das an den schmalen Tepalen fast komplett rot überfärbt ist. Das Labellum ist im Vergleich zu anderen Arten aus der Familie der Orchidaceae sehr klein und unauffällig. Lediglich die Tatsache, dass die Lippe weniger rot überfärbt ist, lässt sie etwas herausstechen.

Da Renanthera bella nur sehr langsam wächst, ist sie für die Pflege auf der Fensterbank recht gut geeignet. Bei sehr guter Kultur über lange Jahre kann sie allerdings so hoch werden, dass ein normales Fenster nicht mehr ausreicht. Aber bis dahin vergeht sehr viel Zeit!

Im Folgenden beschreibe ich die Kulturmethode von Werner Holzmann, die der Kultur meiner Renanthera John Losgar, die ich bereits vorgestellt habe, sehr ähnlich ist.

Werner hat seine Pflanze in einem transparenten Kunstofftopf mit grober Rinde getopft. Renantheren lieben viel Frischluft an den Wurzeln und wollen auch nicht zu lange nass bleiben. Aus diesem Grund sollte das Substrat nicht zu fein gewählt werden. Sehr gerne bilden sich entlang des Stamms Luftwurzeln aus, die beim Umtopfen mit ins Substrat getopft werden können. Der Stamm selbst darf aber nicht zu tief im Pflanzstoff sitzen, da es sonst recht schnell zur Stammfäule kommen kann, was meist den Tod der Pflanze bedeutet.

Gegossen wird einmal wöchentlich – im Sommer kann es auch alle 5-6 Tage sein, wenn es richtig heiß und die Luftfeuchtigkeit nicht sonderlich hoch ist. Alle vier Wochen bekommt Renanthera bella bei Werner eine ordentliche Protion Dünger. Sein Düngerwasser hat dann einen Leitwert von 500 – 600 Mikrosiemens/cm. Hier unterscheidet sich unsere Kultur minimal. Ich dünge nicht alle paar Wochen, sondern vom Frühjar bis in den Herbst bei jedem Wässern. Dafür aber in niedrigerer Konzentration. Mein Tauchwasser hat einen Leitwert von 300 – 350 Mikrosiemens/cm im Sommer. Im Winter nur 150 – 200. Tauchen halte ich bei Renantheren für besser als gießen, da die Wurzeln etwas Zeit brauchen, um sich vollzusaugen. Wie bei vielen Epiphyten erkennt man eine farbliche Veränderung beim Wässern. Gut mit Wasser vollgesogen sind die Wurzeln grün. Wenn sie abgetrocknet sind, werden sie silbrig.

Renanthera bella steht an einem Südfenster, über dem ein kleiner Balkon aus dem ersten Stock herausragt. Somit bekommt die Pflanze im Sommer keine direkte Mittagssonne ab, steht aber sehr hell. Im Winter, wenn die Sonne tief steht, bekommt sie auch direkte Sonneneinstrahlung am Mittag ab. Diese hat aber nicht die Kraft wie in den Sommermonaten und wird ohne Probleme vertragen. Morgen- und Abendsonne ist während des ganzen Jahres kein Problem und wegen des Lichthungers der Art sogar empfehlenswert.

Die Temperaturen gehen im Winter auf ca. 16-17 Grad zurück – sowohl bei Werner wie auch bei mir. Tagsüber sind es knapp über 20 Grad und wenn die Sonne richtig scheint im Winter, steigen die Temperaturen bei mir sogar bis an die 30 Grad. Da Renanthera bella am Naturstandort aber auch sehr hohe Temperaturen gewohnt ist, verträgt sie die Sommerhitze ohne Probleme.

Die leuchtend gelb-roten Blüten sind ein echter Hingucker und halten sich über mehrere Wochen. Zumindest eine Renanthera sollte in jeder Orchideensammlung stehen, finde ich. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Auch wenn die Art im Laufe der Jahre sehr hoch werden kann, bleibt sie in den ersten Jahren sehr kompakt (Foto: Werner Holzmann)
Seitenansicht von Renanthera bella (Foto: Werner Holzmann)
Infloreszenz von Renanthera bella ‚Strub‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Renanthera bella (Foto: Werner Holzmann)
Infloreszenz von Renanthera bella (Foto: Werner Holzmann)

KW 05, 2020

Coelogyne speciosa

Alles lesen Orchidee der Woche 05, 2020

Coelogyne speciosa

Coelogyne speciosa (Foto: Werner Holzmann)

Der deutsch-niederländische Botaniker Carl Ludwig Ritter von BLUME beschrieb die Art erstmalig im Jahr 1825 unter dem Namen Chelonanthera speciosa in „Bijdragen tot de Flora van Nederlandsch Indië„. Fünf Jahre später gruppierte John LINDLEY – Vater der modernen Orchideenkunde – diese Naturform in die Gattung Coelogyne um, die er im Jahr 1824 in „Genera and Species of Orchidaceous Plants“ aufgestellt hatte. Trotz des Versuchs von KUNTZE, die Art in die Gattung Pleione zu überführen, ist Coelogyne speciosa bis heute der von Kew anerkannte Name.

Habitus von Coelogyne speciosa (Foto: Werner Holzmann)

Beheimatet ist Coelogyne speciosa in Asien. Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Malaysia bis nach Borneo und über die indonesischen Inseln Java und Sumatra. Die Art besiedelt dort Regenwälder auf Höhen von 700 bis 2000 Metern über dem Meeresspiegel. Die meisten Pflanzen wachsen epiphytisch, ganz selten findet man aber auch Individuen, die terrestrisch wachsen. Die Temperaturbedingungen sind je nach Standort kühl bis warm, hauptsächlich aber kühl-temperiert. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, außerdem herrscht eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Coelogyne speciosa bevorzugt halbschattige Standorte.

Jede ovale Pseudobulbe trägt ein Blatt, das fächerartig geformt ist und spitz zuläuft. Das dunkelgrüne Laub wird von festen Stielen getragen, die oben auf den Pseudobulben sitzen. Ebenfalls von dort aus entpringen die Infloreszenzen, die leicht überhängend wachsen und mehrere nacheinander aufgehende Blüten hervorbringen. Während die Tepalen von einem hellen Rotbraun bis zu einem zarten Gelbgrün variieren können, ist das Labellum im Zentrum und an den Seitenlappen immer rotbraun gefärbt. Der Vorderlappen ist immer strahlend reinweiß. Die Petalen richtien sich sehr stark nach hinten und werden erst im Profil wirklich sichtbar. Das dorsale Sepalum neigt sich nach vorne über die Lippe. Die Infloreszenzen können ganzjährig erscheinen. Die Hauptblütezeit beginnt im Frühling und reicht bis in den Sommer. Die Blüten haben einen markanten moschusartigen Geruch.

Laut der Aussage von Werner Holzmann, der Coelogyne speciosa seit vielen Jahren kultiviert, ist es eine der unkompliziertesten Coelogynen und für die Kultur auf der Fensterbank bestens geeignet. Im Folgenden beschreibe ich euch seine Kulturerfahrungen:

Werner Holzmann kultiviert die Art unter kühl-temperierten Bedingungen. Seine Pflanze steht ganzjährig auf einem Tisch, der ca. 50 cm von einem großen Ostfenster entfernt ist. Das Fenster ist immer geöffnet, nur wenn die nächtlichen Temperaturen unter -2 Grad fallen, wird es nachts geschlossen. Dadurch entsteht ein recht großes Tag/Nacht-Temperaturgefälle  – im Sommer wie im Winter. Der Standort ist zwar sehr hell, aber nur sehr selten fallen am Morgen Sonnenstrahlen direkt auf die Pflanze.  Im Sommer kann Coelogyne speciosa auch im Freien kultiveirt werden, wenn man ein schattiges Plätzchen bieten kann.

Als Substrat nutzt Werner gut durchlässige, nicht zu feine Rinde ohne weitere Zusatzstoffe. Gegossen wird ganzjährig ohne ausgeprägte Trockenzeit, im Winter jedoch seltener, da der Pflanzstoff wegen der niedrigeren Temperaturen länger braucht, bis er antrocknet. Staunässe über einen längeren Zeitraum – besonders in Verbindung mit Kühle oder gar Kälte – kann zu Fäulnis führen, was den Tod der Pflanze bedeuten würde. Aus diesem Grund lässt Werner das Substrat zwar antrocknen, aber niemals ganz austrocknen. Da die Pflanzen recht kompakt bleiben und die überhängenden Infloreszenzen auch nicht zu lang  werden, ist eine Kultur im Topf ohne Probleme möglich. Im Gegensatz zu einigen anderen Coelogyne-Arten wird ein Umtopfen oder Teilen der Pflanze nicht mit dem Ausbleiben von Blüten bestraft. Wie oben schon erwähnt, ist Coelogyne speciosa wirklich unkompliziert und einfach in der Pflege.

Da die Wurzeln von  Coelogynen sehr empfindlich auf Salz reagieren können, verwendet Werner die Reste seines normal aufgedüngten Wassers und verdünnt dieses nochmals mit klarem Wasser. Der Leitwert liegt dann ungefähr bei 200 Mikrosiemens/cm.

Die Infloreszenzen erscheinen bereits zusammen mit dem Neutrieb. Gelegentlich muss durch das Entfernen der Hüllblätter ein wenig „Geburtshilfe“ geleistet werden, damit die Blüten nicht steckenbleiben. Nach Werners Erfahrung passiert das oft in Verbindung mit zu hohen Temperaturen.

Der markante Blütenduft und die lange Blühdauer machen Coelogyne speciosa zu einer wirklich interessanten Naturform, die keine zu hohen Pflegeansprüche stellt und daher auch gut für Anfänger geeignet ist. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Die überhängenden Infloreszenzen bleiben recht kurz. (Foto: Werner Holzmann)
Blütenfoto von Coelogyne speciosa (Foto: Werner Holzmann)

 

 

KW 04, 2020

Phragmipedium fischeri

Alles lesen Orchidee der Woche 04, 2020

Phragmipedium fischeri

Phragmipdium fischeri ‚Zuckersüß‘ BM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)

In einem „Leaflet of the Schlechter Institute“ aus dem Jahr 1996 beschrieben Prof. Guido Jozef BRAEM und Hartmut MOHR die Art erstmalig. Das Typusexemplar wurde von Jerry FISCHER, Inhaber der amerikanischen Orchideengärtnerei Orchids Ltd., aus Ecuador als Phragmipedium schlimii importiert. Schon beim Erhalt auf einer Orchideenausstellung in den Vereinigten Staaten wunderte er sich über den deutlich unterschiedlichen Wuchs im Vergleich zu Phrag. schlimii. Als eine der importierten Pflanzen erstmalig bei ihm erblühte, erkannte er sofort, dass dies nicht Phragmipedium schlimii sein konnte, und sandte eine Pflanze zur Identifizierung an das Schlechter Institute in Gemünden. BRAEM und MOHR benannten diese neue Naturform nach Jerry FISCHER, dem Entdecker. Obwohl es noch immer einige Unklarheiten und Diskussionen in der Sektion Micropetalum gibt, finden sich bei Phragmipedium fischeri doch einige signifikante Unterschiede zu Phragmipedium schlimii und auch zu Phragmipedium andreettae, sodass der Artenstatus berechtigt scheint.

Phrag. fischeri ‚Zuckersüß‘ im direkten Vergleich mit Phrag. schlimii f. manzurii ‚Mike‘ – man erkennt sofort die Unterschiede. (Foto: Thomas Lehmann)

Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom nördlichen Ecuador bis weit nach Kolumbien hinein. Phragmipedium fischeri wächst dort terrestrisch oder lithophythisch entlang von kleinen Bächen und Flüssen sowie an steilen Felswänden. Die Standorte sind immer sehr hell, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung. Man findet die Art auf Höhen von 1000 – 1500 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturbedingungen sind eher kühl bis temperiert. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, wobei diese im Winter etwas seltener sind als im Sommer. Durch die Nähe zu fließenden Gewässern und die sehr hohe Luftfeuchtigkeit trocknet das Habitat aber niemals aus und ist stets sehr feucht.

Phragmipedium fischeri zählt zu den kleinwüchsigen Spezies seiner Gattung. Der sehr kurze und dünne Stamm ist komplett von drei bis fünf wechselständig angeordneten Blättern umhüllt. Das Laub ist ein bis drei Zentimeter breit und höchstens 20 cm lang. Die Blätter sind leicht gekielt, dunkelgrün und laufen spitz zu. Endständig entspringt die Infloreszenz, die ungefähr 20 cm hoch wird. Jeder Blütentrieb bildet zwei bis fünf Blüten aus, die sich nacheinander öffnen. Nur sehr selten sind zwei Blüten zur gleichen Zeit geöffnet. Sie werden vier bis fünf Zentimeter breit und lediglich drei bis vier Zentimeter hoch. Das sehr runde Labellum ist intensiv violettrot gefärbt. Petalen und Fahne sind in der Grundfarbe weiß und ebenfalls mit einem violettroten Ton überzogen. Die Farbintensität variiert bei Phragmipedium fischeri sehr stark. Die gesamte Blüte ist mit unzähligen Härchen bedeckt. Sehr häufig ist das Staminodium verkrüppelt oder fehlt komplett. Die Blüten duften nicht.

Im Vergleich zu Phragmipedium schlimii und auch Phragmipedium andreettae wächst die Art enorm langsam, weshalb sie in meinem Freundeskreis als „schneckliches“ Phragmipedium bezeichnet wird. Vom Aufploppen einer Blüte bis zum kompletten Entfalten können auch mal vier Tage vergehen – nichts für schwache Nerven also! Obwohl sie am Naturstandort eher kühl-temperierten Bedingungen ausgesetzt ist, wächst sie auch unter temperiert-warmen auf der Fensterbank sehr gut.

Seitenansicht von Phrag. fischeri ‚Zuckersüß‘ (Foto: Thomas Lehmann)

Da Phragmipedium fischeri in sehr feuchten bis nassen Gebieten vorkommt, kann es sehr gut mit nassem Fuß kultiviert werden. Meine Pflanze steht in einer Schale, die immer mit etwas Wasser gefüllt wird, sobald sie leer gesaugt ist. Zwischenzeitliches Austrocknen verhindert eine Verkeimung des Wassers, wodurch sich die Pflanze infizieren könnte. Das Substrat selbst sollte aber nicht komplett durchtrocknen. Phragmipedien haben den Ruf sehr salzempfindlich zu sein, was für einige Naturformen auch durchaus zutreffend ist. Ich habe in den letzten 10 Jahren Phragmipedium-Kultur aber die Erfahrung gemacht, dass einige Arten und besonders Hybriden nicht generell empfindlich auf gelöste Salze im Wasser reagieren. Viel mehr kommt es scheinbar darauf an, wie die Wasserqualität ist und welche Stoffe sich in welchem Verhältnis darin befinden. Reines Wasser – egal ob Regenwasser, Quellwasser, Osmosewasser oder ähnliches – das mit einem ausgewogenen Orchideendünger aufgedüngt wird, darf dann auch ruhig etwas mehr Nährstoffe beinhalten. Mein Phrag. fischeri bekommt in den warmen und hellen Sommermonaten teilweise aufgedüngtes Wasser, das einen Leitwert von 350 – 500 Mikrosiemens hat. Im Winter dünge ich allerdings nicht. Da gibt es klares Quellwasser mit wenig gelösten Salzen. Ab März steigere ich die Düngergaben langsam, bis sie im Juli/August ihren Höhepunkt erreichen. Danach wird langsam wieder weniger gedüngt. Ab Oktober dann gar nicht mehr. Den Sommer über lagern sich genügend Düngerreste im Substrat an, die die Pflanze im Winter mit Nährstoffen versorgen.

Phragmipedium fischeri ‚Andreas‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Mein Standard-Pflanzstoff für Phragmipedium besteht aus einer Mischung mit Rindenanteil, Perliten, Bimskies und Holzkohle. Rinde hat den Nachteil, dass sie sich durch die ständige Feuchtigkeit recht schnell zersetzt. Allerdings werden bei diesem Zersetzungsprozess auch Nährstoffe frei. Nach zwei bis drei Jahren sollte dann aber neu getopft werden, bevor sich das Substrat zu sehr verdichtet und die Wurzeln faulen. Besonders Phragmipedium fischeri hat sehr feine Wurzeln, die eine gute Belüftung lieben, da sie in der Natur oft einfach auf Steinen wachsen und sehr viel Frischluft erhalten. Die einzelnen Substratteile sollten also nicht zu fein sein. Bewährt hat sich bei mir eine Körnung von acht bis zwölf Millimeter für Phragmipedium fischeri. Perlite gebe ich mit dazu, weil sie einerseits das Substrat luftig machen und andererseits gut Wasser speichern können. Bimskies gibt etwas Kalk ab und hat ebenfalls die Fähigkeit, Wasser zu speichern und weiterzuleiten. Um in dem feuchten Substrat für etwas trockenere Stellen zu sorgen, nutze ich Holzkohle, die sich nicht mit Wasser vollsaugt und dadurch trockener bleibt. Die Körnung aller Bestandteile sollte nicht zu fein, aber auch nicht zu grob sein, je nach Topfgröße Körnungen von 5 bis 18 mm. Auch in rein mineralischen Substraten, in Sphagnum-Moos oder Steinwollwürfeln fühlt sich Phragmipedium fischeri wohl. Ich habe schon einiges ausprobiert und die Erfahrung gemacht, dass es nur wichtig ist, dass viel Wasser vom Substrat aufgenommen und gehalten werden kann.

Phragmipedien mögen es hell, aber keine direkte Mittagssonne. Sonnenschein am Morgen oder Abend wird aber gut vertragen, wenn er nicht zu lange auf die Blätter brennt. Werden diese gelblich, muss unbedingt schattiert oder die Pflanze umgestellt werden. Nachts können die Temperaturen auf 10 Grad fallen, müssen sie aber nicht. Phragmipedium fischeri wächst sehr gut bei normalen Zimmertemperaturen – auch in beheizten Räumen mit etwas trockener Luft, wenn regelmäßig gelüftet wird. Bei zu wenig Frischluft oder Luftbewegung können sich Pilze bilden, die die Pflanze sehr schwächen und im Extremfall auch töten können, wenn nicht mit einem Pilzmittel behandelt wird.

Durch die kompakte Größe und das leuchtende Rotviolett der haarigen Blüten ist Phragmipedium fischeri ein echter Hingucker. Die Kultur ist nicht sonderlich schwer, wenn man genug Geduld aufbringen kann, dieser „Schnecke“ beim Wachsen zuzusehen. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Phragmipedium fischeri ohne Staminodium (Foto: Thomas Lehmann)
Habitusbild von Phragmipedium fischeri (Foto: Thomas Lehmann)
Auch im Profil lassen sich deutliche Unterschiede zu Phrag. schlimii erkennen (Foto: Thomas Lehmann)
Profilansicht von Phragmipedium fischeri ‚Zuckersüß‘ BM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Leicht deformiertes Staminodium von Phrag. fischeri (Foto: Thomas Lehmann)

KW 03, 2020

Phalaenopsis Zheng Min Pheasant

Alles lesen Orchidee der Woche 03, 2020

Phalaenopsis Zheng Min Pheasant

Phalaenopsis Zheng Min Pheasant (Foto: Thomas Lehmann)

Am 08. Oktober 2017 wurde Phalaenopsis Zheng Min Pheasant in das Register der Royal Horticultural Society eingetragen. Angemeldet wurde die Hybride vom taiwanesischen Hobby-Züchter Zheng-Min Su, der sich auch Peter Su nennt und in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Phalaenopsis-Kreuzungen geschaffen hat. In den allermeisten Fällen beginnen die Namen seiner Kreuzungen mit seinem eigenen Vornamen – Zheng Min. Pheasant ist das englische Wort für Fasan. Da Peter Su beim Anblick des Labellums sofort an einen Fasan denken musste, benannte er die Hybride danach. Die Eltern von Phal. Zheng Min Pheasant sind die Hybriden Phal. Tying Shin Beagle und Phal. Zheng Min Neon. Da beide Elternteile bereits höhere Hybriden sind, die vielzählige Naturformen in sich vereinen, besteht der Stammbaum von Phalaenopsis Zheng Min Pheasant aus insgesamt 14 Arten:

  • 41,41% Phal. venosa
  • 25,98% Phal. violacea
  • 6,84% Phal. amboinensis
  • 6,25% Phal. bellina
  • 6,25% Phal. equestris
  • 4.68% Phal. lueddemanniana
  • 3,13% Phal. micholitzii
  • 1,56% Phal. fasciata
  • 1,27% Phal. amabilis subsp. amabilis
  • 1,19% Phal. amabilis
  • 0,78% Phal. hieroglyphica
  • 0,53% Phal. aphrodite
  • 0,01% Phal. stuartiana
  • 0,01% Phal. schilleriana
Phalaenopsis Zheng Min Pheasant von Sylvia Toenne mit deutlichem Violettstich (Foto: Sylvia Toenne)

Auf jede einzelne Phalaenopsis-Art aus dem Stammbaum kann ich natürlich nicht eingehen. Allgemein gilt aber, dass Phalaenopsis epiphytisch wachsen und im gesamten asiatischen Raum heimisch sind. Bis auf ganz wenige Ausnahmen findet man sie an sehr warmen bis heißen Standorten mit hoher Luftfeuchtigkeit und eher diffusem Licht. An richtig sonnigen Plätzen wird Phalaenopsis nicht angetroffen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über. Dadurch wachsen die Pflanzen auch ganzjährig und machen keine Ruhepause.

Phalaenopsis sind monopodial wachsende Pflanzen. D. h. sie haben nur einen einzigen Spross, der jedoch dauerhaft weiterwächst, indem er neue Blätter bildet, und nicht mit der Blüte seinen Abschluss findet. Am Spross entwickeln sich über viele Jahre – manchmal auch Jahrzehnte – hinweg immer wieder neue Infloreszenzen. Am dünnnen, kaum sichtbaren Stamm sitzen wechselständig feste, fleischige Blätter. Je nach Art können diese sehr kurz bleiben oder auch sehr lang werden. Sie sind immer dunkelgrün und meist glänzend. Das Laub weniger Arten hat eine Zeichnung, die meisten sind aber einfarbig. Zwischen den einzelnen Blättern entspringen die Infloreszenzen, die eine bis unzählige Blüten tragen können.

Bei unserer heutigen Hybride Phalaenopsis Zheng Min Pheasant hat das Laub eine Länge von ungefähr 20-25 cm. Es glänzt sehr stark und hat keine Zeichnung. Die einzelnen Blätter sind sehr breit und dadurch fast rundlich. Im Winter erscheinen die mit 7-10 cm recht kurzen Infloreszenzen, die über mehrere Jahre grün bleiben und vom Winter bis in den frühen Sommer hinein Blüten tragen. Meistens sind an jedem Blütentrieb nur ein bis zwei Blüten gleichzeitig geöffnet, über die Jahre können aber durch mehrere Infloreszenzen auch viele Blüten an einer Pflanze gleichzeitig erblühen. Die Blüten der Hybride variieren nur sehr wenig. Ihre Form ist sehr rund und geschlossen, in der Regel sehr weit geöffnet und daher im Seitenprofil sehr flach. Die Farbe ist ein sehr dunkles Violettrot, das je nach Lichteinfall mal richtig „Ketchup“-rot oder auch strahlend violett wirken kann. Im Zentrum leuchtet die Blüte immer violett. Manche Klone haben einen sehr hellen Rand an den Tepalen, andere wiederum gar nicht. Das Labellum kann weiß, gelb oder violett sein. In der Regel ist es eine Kombination aus zwei der genannten Farben. Einige Phalaenopsis Zheng Min Pheasant haben einen angenehmen Duft.

Eine Kultur auf der Fensterbank ist ohne großen Aufwand möglich. Da die beteiligten Naturformen allesamt warme bis heiße Bedingungen mögen, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Phalaenopsis-Hybride. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 16-18 Grad fallen. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln oder im Herz sammelt. Trocknet dieses wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Als Pflanzstoff für Phalaenopsis eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Bei sehr kleinen Töpfen kann auch Substrat aus Kokosfasern verwendet werden. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Phalaenopsis zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder komplett silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitsgehalt sehr gut beobachten.

Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-500 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Phalaenopsis Zheng Min Pheasant auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Die ausdrucksstarke Farbe, die runde Form und der angenehme Duft machen diese blühfreudige Phalaenopsis-Hybride zu einem echten Hingucker und Hinriecher. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Im Sonnenlicht, ohne Blitz fotografiert (Foto: Thomas Lehmann)
Habitus mit drei Infloreszenzen in diesem Jahr (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phal. Zheng Min Pheasant (Foto: Thomas Lehmann)
Eine Blüte ohne Labelllum (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blüten von Phal. Zheng Min Pheasant öffnen sich sehr weit und sind daher schön flach (Foto: Thomas Lehmann)