Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

KW 37, 2019

Epidendrum porpax

Alles lesen Orchidee der Woche 37, 2019

Epidendrum porpax

Epidendrum porpax (Foto: Thomas Lehmann)

Der Dresdner Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH veröffentlichte die Erstbeschreibung von Epidendrum porpax im Jahr 1855 in „Bonplandia“. REICHENBACH war einer der führenden Orchideen-Spezialisten seiner Zeit, er beschrieb zahlreiche Naturformen. Der Gattungsname Epidendrum leitet sich aus dem Altgriechischen ab. Epi– (επι-) bedeutet soviel wie „auf“, dendron (δενδρον) lässt sich mit Baum übersetzen. Die Gattung erhielt den Namen, da die allermeisten Arten epiphytisch – auf Bäumen aufsitzend – wachsen. Der Artenname porpax (πορπαξ) – ebenfalls aus dem Altgriechischen – lässt sich mit „Griff des Schildes“ übersetzten. Tatsächlich hat das schildartige Labellum bei  Epidendrum porpax rückseitig zwei „Griffe“, die von den unteren Sepalen gebildet werden.

„Griffe des Schildes“ – porpax (Foto: Thomas Lehmann)

Beheimatet ist Epidendrum porpax in den immerfeuchten Berg- und Regenwäldern des nördlichen Südamerikas. Man findet die Art dort epiphytisch wachsend auf Höhen von 400 bis 1800 Metern über dem Meeresspiegel. Durch das recht große Verbreitungsgebiet wächst <em>Epidendrum porpax</em> in unterschiedlichen Temperaturbereichen. Während die tiefer gelegenen Standorte teilweise temperiert-warm sind, kann es in den hohen Lagen besonders nachts sehr kühl werden. Die Art scheint hinsichtlich der Temperatur keine großen Ansprüche zu stellen, solange es nicht zu heiß oder eben zu eisig wird. Durch das immergrüne Laub der Bäume, auf denen die kleinwüchsige Art aufsitzt, ist sie vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt.

Epidendrum porpax bildet kleine, schmale Pseudobulben aus, die wechselständig von Blättern umhüllt sind. Die fleischigen Blätter werden ca. 3 cm lang, sie sind dunkelgrün, fest und glänzend. Die einzelne Pseudobulbe wird in etwa 6-9 cm lang. Endständig entwickelt sich die Infloreszenz, die den Triebabschluss einläutet. An einem sehr kurzen Blütentrieb erscheint eine einzelne 2,5 cm große Blüte, die zart gelbgrün gefärbt und zu den Spitzen leicht rotbraun überhaucht ist. Während die filigranen Tepalen fast durchscheinend wirken, spiegelt das glänzende, rotbraun gefärbte Labellum das Licht wieder. Die Lippe wölbt sich stark nach hinten, wodurch sie wirkt wie ein Schild. Die Blüten duften nicht.

Endständig erscheint eine einzelne Knospe (Foto: Thomas Lehmann)

Meine, zugegeben noch sehr kleine, Pflanze gewann ich vor einem Jahr bei einer Tombola unserer D.O.G.-Gruppe. Mit zunehmenden Alter bildet Epidendrum porpax richtige Kissen aus Pseudobulben, die dann im späten Sommer mit zahlreichen Blüten besetzt sind. Bis mein Pflänzchen so weit ist, wird es noch ein wenig dauern. Bisher wächst es aber sehr gut.

Getopft habe ich Epidendrum porpax in feiner Rinde mit Perliten und etwas feiner Holzkohle. Das Substrat sollte luftig sein, aber nicht allzuschnell abtrocknen. In den ganz heißen Phasen im Hochsommer trocknete selbst meine ganz feine Rinde so schnell ab, dass mir einige Neutriebe eingetrocknet sind. So oft konnte ich gar nicht tauchen. Ich habe mich dann dazu entschlossen, die Pflanze während der besonders warmen Wochen mit nassem Fuß zu kultivieren. Das schien ihr zu gefallen. Ab diesem Zeitpunkt trocknete kein Neutrieb mehr ein. Da andere Epidendren bei mir sehr gut in mineralischem Substrat gedeihen – wie das bereits vorgestellte Epidendrum radicans – und Epidendrum porpax sich mit gleichmäßiger Feuchtigkeit deutlich besser entwickelte, werde ich es im Frühjahr auf mineralisches Substrat umstellen.

In Rinde getopft wurde meine Pflanze im letzten Jahr alle paar Tage getaucht. Je nach Wetter und anderen Bedingungen war das in etwa alle 5-7 Tage im Sommer – im Winter waren es in etwa alle 7-10 Tage. Von März bis September war das Tauchwasser ca. zweimal im Monat  aufgedüngt. Der Leitwert des Düngerwassers betrug etwa bei 350-400 Mikrosiemens/cm. Im Winter dünge ich, wie schon oft beschrieben, gar nicht, da ich nicht mit künstlichem Licht arbeite.

Wie oben schon erwähnt ist Epidendrum porpax flexibel hinsichtlich der Temperatur. Ich kultiviere die Art unter temperierten bis warmen Bedingungen. Im Sommer ist es so warm, wie es ist. Im Winter steht die Pflanze in einem beheizten Zimmer, das lichtdurchflutet ist. Nachts fallen die Temperaturen im Winter auf ca. 16 Grad ab. Wenn es draußen extrem kalt ist, kann es kurzzeitig auch auf 14 Grad abkühlen. Kälter wurde es für Epidendrum porpax bei mir noch nicht.

Meine Pflanze steht in dritter Reihe an einem Südfenster. Im Sommer wird die gesamte Scheibe schattiert. Auch im Winter wird Epidendrum porpax durch größere Pflanzen, hinter denen es steht, vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Der Raum ist allerdings sehr hell und lichtdurchflutet. Zu schattig sollte man die Pflanze nicht kultivieren, da sonst die Blüten ausbleiben können.

Richtig imposant werden die Pflanzen, wenn sie ihren kissenartigen Wuchs haben. Auch wenn Epidendrum porpax zu den unscheinbareren Naturformen gehört, die nicht durch riesige Blüten oder leuchtende Farben auffallen, macht diese klein bleibende Art viel Freude und braucht dabei kaum Platz! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Habitus meiner noch recht kleinen Pflanze (Foto: Thomas Lehmann)
Eine Knospe beim Öffnen (Foto: Thomas Lehmann)
Epidendrum porpax – Blütenfoto (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)

 

 

KW 36, 2019

Epidendrum radicans

Alles lesen Orchidee der Woche 36, 2019

Epidendrum radicans

Epidendrum radicans – die erste geöffnete Blüte einer großen Blütentraube (Foto: Thomas Lehmann)

In „Genera and Species of Orchidaceous Plants“, The. London, veröffentlichten John LINDLEY und José Antonio PAVÓN y Jiménez die Erstbeschreibung dieser Art. Der Gattungsname Epidendrum leitet sich aus dem Altgriechischen ab. Epi– (επι-) bedeutet so viel wie „auf“, dendron (δενδρον) lässt sich mit Baum übersetzen. Die Gattung erhielt den Namen, da die allermeisten Arten epiphytisch – auf Bäumen aufsitzend – wachsen.

Habitusfoto von Epidendrum radicans (Foto: Thomas Lehmann)

Das Verbreitungsgebiet von Epidendrum radicans erstreckt sich von Mexiko bis Kolumbien. Es wächst dort epiphytisch und auch litophytisch auf Höhen von 900 – 2500 Metern über dem Meeresspiegel. In dem relativ großen Verbreitungsgebiet findet man wegen der unterschiedlichen Höhenlagen vielfältige Klimabereiche vor. Auf 2500 Metern kann es richtig kalt werden, während auf 900 Metern ganzjährig temperierte bis warme Bedingungen vorherrschen. Grundsätzlich gibt es auch ganzjährig Niederschlag, wobei an einigen Standorten im Winter deutlich weniger fällt als in den Frühlings- und Sommermonaten. Das Habitat trocknet aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit allerdings niemals ganz aus. Oft findet man Epidendrum radicans in offenen Gralandschaften, an Straßenrändern und in lichtdurchfluteten Wäldern.

Die Pflanzen bilden bis zu 35 cm lange stammähnliche Pseudobulben aus, die wechselständig von fleischigen, spitz zulaufenden Blättern besetzt sind. Diese werden bis zu 10 cm lang und sind saftig grün und glänzend. Endständig entsteht nach Triebabschluss die Infloreszenz mit einer fast kugelrunden Blütentraube. Die Blütenfarbe variiert von Gelb über Orange bis hin zu Rot- und Violetttönen. Die nach oben gerichtete Lippe sieht aus wie ein kleiner Engel, der auf den kreisförmig angeordneten Tepalen tanzt.

Wurzelbildung wenige Wochen nach Umstellung auf mineralisches Substrat (Foto: Thomas Lehmann)

Vor circa zwei Jahren bekam ich ein kleines Teilstück von Epidendrum radicans, aus dem inzwischen eine ordentliche Pflanze geworden ist. Da Epidendrum radicans am Naturstandort auch lithophytisch zu finden ist, beschloss ich, dieses Teilstück mineralisch zu topfen. Um eine ständige Dauerfeuchtigkeit zu erreichen, setzte ich die Pflanze in einen Gießtopf mit Dochtsystem, der sich immer selbst bewässert und feucht hält. Das Substrat ist ziemlich fein, da auch die Wurzeln recht fein sind. Innerhalb kurzer Zeit bildeten sich zahlreiche neue Wurzeln, die den gesamten Topf durchwurzelten. Wenige Wochen nach dem Einsetzen zeigte sich erstmals ein Neutrieb, der zwar rasch heranwuchs, aber nicht zur Blüte kam. Die Infloreszenz trocknete in sehr frühem Stadium ein. Da alle weiteren Triebe seitdem gut zur Blüte kamen, gehe ich davon aus, dass die Pflanze einfach noch nicht genug Kraft hatte zum Blühen. Inzwischen sind 7 Alttriebe und 2 junge Triebe im Topf. Auch werden ständig neue Wurzeln gebildet.

Mein Gießwasser, mit dem ich die Wasserreservoire der Gießtöpfe fülle, hat einen Leitwert von 250-350 Mikrosiemens das ganze Jahr über. Ganz ehrlich gesagt, bekommt Epidendrum radicans gelegentlich sogar Leitungswasser mit 470 Mikrosiemens/cm. Da der Topf an meinem Küchenfenster steht, ist die Nähe zum Wasserhahn verführerisch, wenn es mal schnell gehen muss.

Das Fenster hat eine Ausrichtung nach Osten. Den gesamten Morgen über scheint die Sonne ungehindert auf die Pflanze. Ab Mittags ist es zwar noch immer sehr hell, aber den Rest des Tages ohne direktes Sonnenlicht.

In der Küche heizen wir im Winter nur sparsam. Die Nächte können an dem Fenster mit 12 – 14 Grad kühl-temperiert werden. Im Sommer steigen die Temperaturen auch auf über 30 Grad an. Durch die unterschiedlichen Standortgegebenheiten in der Natur scheint Epidendrum radicans recht anpassungsfähig in der Kultur zu sein. Ob es nun etwas wärmer oder kühler steht, scheint keinen Unterschied in Wüchsigkeit oder  Blühfreude zu machen.

Die großen, leuchtenden Blütentrauben  sind ein echter Hingucker – die Kultur im Wohnraum funktioniert ohne Probleme. Eine wikliche Anfänger-Naturform, die viel Freude macht. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Auch Farbtöne in Violettrot sind möglich (Foto: Thomas Lehmann)
Blütentraube (Foto: Thomas Lehmann)
Einzelblüte – Draufsicht (Foto: THomas Lehmann)
Einzelblüte – Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)
Einzelblüte – Seitenansicht mit Knospen (Foto: Thomas Lehmann)
„Der tanzende Engel“ (Foto: Thomas Lehmann)

KW 35, 2019

Phalaenopsis Java Mini

Alles lesen Orchidee der Woche 35, 2019

Phalaenopsis Java Mini

Phalaenopsis Java Mini (Foto: Thomas Lehmann)

Eine weitere fantastische Phalaenopsis-Hybride mit dem Elternteil Phal. finleyi. Man könnte fast meinen, ich hätte ein Faible für die kleinen „Sturmfrisuren“.

Der Taiwanese Hou-Tse Liu meldete die Hybride aus Phalanenopsis finleyi und Phalaenopsis javanica unter dem Namen Phalaenopsis Java Mini bei der RHS (Royal Horticultural Society) an, woraufhin sie am 12. Juni 2006 in das dortige Register für Orchideen-Hybriden eingetragen wurde. Den Namen Java Mini erhielt die Kreuzung vermutlich wegen ihrer Optik, die an eine kleine schlanke Phalaenopsis javanica erinnert – an eine mini Java eben. Das „Mini“ im Hybridnamen könnte aber auch vom früheren Namen des Elternteils Phalaenopsis finleyi, Kingidium minus, stammen. Da Phalaenopsis Java Mini eine Primärhybride aus zwei Naturformen ist, teilt sich der Genpool zu gleichen Teilen auf:

  • 50% Phalaenopsis finleyi
  • 50% Phalaenopsis javanica
Phalaenopsis finleyi beteiligt sich mit 50% am Genpool (Foto: Thomas Lehmnann)

Heimisch ist Phalaenopsis finleyi im nordöstlichen Thailand und Myanmar. Sie wächst dort epiphytisch auf Höhen bis zu 400 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturen sind ganzjährig warm bis heiß. Tagsüber steigen sie fast immer auf über 30 Grad an. In den Sommermonaten fallen sie nachts auf 25 Grad, in den Wintermonaten auf ca. 15 Grad ab. Dadurch ergibt sich ein ausgeprägtes Tag-Nacht-Gefälle. Das Klima am Standort ist geprägt vom indischen Monsun, der von März bis Oktober für eine ausgeprägte Regenzeit sorgt. Doch auch in den restlichen Monaten kann es Niederschlag geben. Durch die stets sehr hohe Luftfeuchtigkeit trocknet das Habitat niemals aus. Die Standorte von Phalaenopsis finleyi sind immer sehr hell, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung.

Phal. javanica ‚Wössen‘ BM/DOG – ein sehr dunkel gefärbter Klon der Naturform (Foto: D.O.G.-Archiv)

Phalaenopsis javanica kommt nur auf den indonesischen Inseln Java und Sumatra vor. Sie wächst dort epiphytisch unter warmen bis heißen Bedingungen, ähnlich wie Phalaenopsis finleyi. Man findet sie auf Höhen von 700-1000 Metern über dem Meeresspiegel. Niederschlag fällt das ganze Jahr über, die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch. Die Naturform hat feste, fleischige und glänzende Blätter.

Die Pflanzen bleiben recht kompakt. An einem kurzen Stamm sitzen wechselständig drei bis sieben Blätter, die fest und dunkelgrün sind und bis zu 15 cm lang werden. Die Infloreszenzen, an denen sich bis zu fünf Blüten recht gleichzeitig öffnen, wachsen oft unter dem Blatt hervor und überragen das Laub anfangs selten. Jeder Blütentrieb treibt mehrmals Knospen nach, wodurch sich eine sehr lange Blütezeit ergibt. Mit jeder neuen Knospe, die gebildet wird, kommt der Blütentrieb weiter unter dem Blatt hervor. Die Grundfarbe der Blüten ist cremeweiß mit leuchtend violettroten Punkten. Die Lippe ist meist rosa. Die Tepalen krümmen sich – wie bei Phalaenopsis finleyi – stark nach hinten, wodurch die typische „Sturmfrisur“ entsteht.

Da beide Elternteile von Phalaenopsis Java Mini aus ähnlichen Klimabereichen stammen, können wir die natürlichen Bedingungen für die Kultur dieser Hybride übernehmen. Sie lässt sich sehr gut auf der Fensterbank pflegen. Meine Java Mini steht im Winter in einem beheizten Zimmer mit Tagestemperaturen zwischen 22 und 32 Grad, je nachdem, ob die Sonne scheint oder nicht. Nachts fallen die Temperaturen auf 16-18 Grad ab. Im Winter erhält sie volle Sonne, wenn diese mal scheint. Im Sommer steht die Pflanze eher halbschattig und bekommt nur etwas Abendsonne ab. Die Luftfeuchtigkeit beträgt bei mir meistens zwischen 60 und 70%. Im Winter liegt sie auch mal etwas darunter, was dieser Phalaenopsis-Hybride aber nichts ausmacht.

Bei Phalaenopsis halte ich generell Rinde für das beste Substrat. Meine Phalaenopsis Java Mini steht in Rindenstücken (9-12mm), mit Perlite als Zuschlagsstoff, in einem transparenten Topf. Ich verwende grundsätzlich lieber transparente Töpfe, da ich bei diesen die Feuchtigkeit des Substrats besser kontrollieren kann und auch den Zustand der Wurzeln im Blick habe. Bei Phalaenopsis hat es zusätzlich den Vorteil, dass Licht an die Wurzeln kommt. Diese sind bei Phalaenopsis fähig zur Fotosynthese, wofür sie aber Licht benötigen. Zu beachten ist bei dieser Gattung, dass sie einen recht schnellen Nass-Trocken-Rhythmus hat. Das heißt, dass das Substrat nach dem Wässern recht schnell trocknen sollte und erst dann wieder gewässert wird, denn Dauerfeuchtigkeit – besonders wenn es etwas kühler ist – lässt die Wurzeln schnell faulen.

Der Habitus von Phalaenopsis Java Mini bleibt kompakt. (Foto: Thomas Lehmann)

Phalaenopsen machen es einem recht leicht, den richtigen Zeitpunkt zum Wässern zu finden. Bei mir werden sie getaucht und nicht gegossen. Nach dem Tauchbad färben sich gesunde Wurzeln grün, wenn sie sich mit Wasser vollgesogen haben. Danach lasse ich den Topf gut abtropfen, damit keine Staunässe entsteht. Nach einigen Tagen werden die Wurzeln langsam wieder silbrig. Wenn sie vollständig silbern sind und keine Restfeuchtigkeit mehr im Topf zu sehen ist, wird wieder getaucht. Meistens dauert dieser Rhythmus ungefähr eine Woche. Wenn die Wurzeln viel länger grün sind, ist das Substrat zu fein oder bereits verdichtet, weil es zu alt ist. Dann sollte es unbedingt gewechselt werden, da Phalaenopsen schnell abtrocknen wollen.

Mein normales Gießwasser hat einen Leitwert von ca. 170-200 Mikrosiemens. Im Sommer dünge ich alle 3-4 Wochen mit einem Leitwert von ca. 450 – 500 Mikrosiemens/cm. Im Winter wird bei mir gar nicht gedüngt, da wir in unseren Breitengraden zu wenig Licht haben und der Stoffwechsel der Pflanzen dadurch sehr niedrig ist, wodurch sie auch weniger Nährstoffe benötigen. Im Substrat lagern sich im Laufe des Sommers genügend Düngerreste an, die dann über den Winter verbraucht werden können.

Eine gut zu kultivierende Primärhybride, die durch die ungewöhnliche Blütenform und die leuchtenden Farbakzente besticht. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Einzelblüte (Foto: Thomas Lehmann)
Die kurzen Infloreszenzen kommen unter dem Blatt zur Blüte. (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phal. Java Mini (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phal. Java Mini (Foto: Thomas Lehmann)

KW 34, 2019

Phragmipedium Saint Ouen

Alles lesen Orchidee der Woche 34, 2019

Phragmipedium Saint Ouen

Phragmipedium Saint Ouen – ein leuchtend roter Klon (Foto: Thomas Lehmann)

Am 25. November 1996 wurde die Hybride Phragmipedium Saint Ouen in das Orchideen-Register bei der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Angemeldet worden war diese Kreuzung von der Eric Young Orchid Foundation, die neben zahlreichen Phragmipedium-Hybriden auch unzählige Hybriden aus anderen Gattungen geschaffen hat. Eric Young hatte bereits in den 1920ern, in sehr jungen Jahren, begonnen eine beachtliche Orchideensammlung aufzubauen, die er leider während des Zweiten Weltkriegs verlor. Auf der Kanalinsel Jersey, die zu Großbritannien gehört, obwohl sie deutlich näher an der französischen Küste liegt, baute er nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Sammlung auf, die bis heute zu den größten und exklusivsten Orchideensammlungen weltweit gehört. Phragmipedium Eric Young, das nach ihm benannt wurde, hatten wir bereits vorgestellt.

Benannt wurde Phragmipedium Saint Ouen nach der größten Gemeinde auf der Kanalinsel Jersey. Die Gemeinde wiederum wurde nach dem früheren Bischof von Rouen benannt, der als Heiliger Ouen im fränkischen Reich bekannt war. Phragmipedium Saint Ouen ist die Kreuzung aus Phragmipedium Hanne Popow und Phragmipedium besseae. Am Genpool sind demnach lediglich zwei Naturformen beteiligt:

Phragmipedium besseae (Foto: Thomas Lehmann)

Phargmipedium besseae wurde von Calaway H. DODSON & Janet KUHN 1981 im AOS Bulletin 50, 1308-1310, als neue Art beschrieben. Sie ist sowohl in Peru als auch in Ecuador beheimatet und variiert je nach Standort leicht in Farbe und Form. Das Klima am Standort bietet recht konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad ganzjährig. Niederschläge gibt es auch ganzjährig, wobei sie von März bis September erheblich häufiger sind. Bis November lassen sie dann deutlich nach und nehmen bis März wieder langsam zu. Phrag. besseae wächst terrestrisch zwischen dauerfeuchtem Moos, Gräsern und Farnen, aber teilweise auch litophytisch auf steilen und feuchten Felsen.

Phragmipedium schlimii (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium schlimii wurde 1854 erstmals als Selenipedium schlimii von LINDEN & REICHENBACH f. beschrieben. Benannt wurde die Art nach dem Entdecker, dem Halbbruder LINDENs, Louis Joseph SCHLIM. Nachdem BATEMAN 1866 diese Art als Cypripedium schlimii einstufte, erfolgte die endgültige Klassifizierung als Phragmipedium schlimii durch ROLFE im Jahre 1896. Beheimatet ist diese Naturform in Kolumbien und wächst dort in Höhenlagen von 1 200 -1 900 Metern in immerfeuchten Humus- und Moosnestern auf Granitfelsen und offenliegenden Baumwurzeln, oft zwischen hohen Gräsern. Die meisten bekannten Standorte liegen halbschattig. Das Klima bietet Temperaturen von 8 Grad nachts bis 25 Grad tagsüber. Die ganzjährigen Regenfälle nehmen im Frühjahr und Herbst etwas zu.

Da beide Naturformen zu den klein- bis mittelgroßen Phragmipedien gehören, bleibt auch Phragmipedium Saint Ouen recht kompakt. Lediglich seine Eigenart zu „klettern“ macht es manchmal nötig, die Pflanzen in recht große Töpte zu setzen. An einem kurzen Stamm wachsen wechselständig grüne Blätter, die bis zu 25 cm lang und 5 cm breit werden können. Meistens bleiben sie aber etwas kleiner. Sie laufen spitz zu und sind gekielt. Endständig erscheinen die Infloreszenzen, die den Triebabschluss einleiten. Die Blütentriebe sind grün und stark behaart. Selten verzweigen sie sich. Nacheinander öffnen sich bis zu 8 Blüten, wodurch sich die Blütezeit über viele Woche zieht. Die Blüten variieren sehr stark in der Färbung. Es gibt sie von fast Reinweiß über gelbliche und orangefarbene Töne bis hin zu rosa und roten Varianten. Manchmal unifarben, manchmal zweifarbig. Die Form ist dafür nicht so variabel. Die Blüten sind bis zu 8 cm hreit und 6 cm hoch und erinnern stark an Phragmipedium besseae.

Eine Kultur auf dem Fensterbrett funktioniert bei dieser Hybride sehr gut, da sie auch mit etwas höheren Temperaturen zurechtkommt. Alle meine Exemplare von Phragmipedium Saint Ouen – Ja, ich habe mehrere! –  stehen bei nächtlichen Temperaturen von 16 – 20 Grad, im Hochsommer kann es auch mal etwas höher sein. Tagsüber steigen die Temperaturen auf 25-35 Grad, je nach Jahreszeit und Sonnenschein. Damit kommt Phragmipedium Saint Ouen prima zurecht. Wer nur einen etwas kühleren Platz bieten kann, muss nicht auf dieses Kleinod verzichten. Da die Elternpflanzen etwas kühler wachsen, hat auch die Hybride mit kühleren Temperaturen kein Problem. Oft ist es bei Hybriden mit Phragmipedium besseae sogar so, dass die Blütenfarbe dunkler ausfällt, wenn die Nächte etwas kühler sind.

Phragmipedien lieben Feuchtigkeit und sollten deshalb ganzjährig feucht bis nass kultiviert werden. Die ersten Jahre, in denen ich Phragmipedium kultivierte, machte ich mir noch die Mühe, sie alle paar Tage zu tauchen. Im Sommer war das dann manchmal 3-mal wöchentlich! Obwohl ich immer wieder las, dass Phragmipedien mit nassem Fuß kultiviert werden können, traute ich mich anfangs nicht, sie in eine Schale mit Wasser zu stellen. Mit zunehmender Anzahl an Pflanzen dieser Gattung musste ich es zwangsläufig probieren, da mir die Zeit fehlt, inzwischen über 300 Pflanzen alle 2 – 3 Tage zu tauchen. Sie stehen ganzjährig im Wasser. Im Winter lasse ich die Schale auch mal 1 – 3 Tage trocken stehen, im Sommer fülle ich immer Wasser nach, sobald die Schale leer ist. Seitdem wachsen, wurzeln und blühen meine Pflanzen viel besser. Sie lieben es wirklich, richtig nass zu stehen.

Am Schuh gibt es seitlich einige sogenannte Fenestrations – kleine „Fenster“ die lediglich aus einer dünnen, lichtdurchlässigen Haut bestehen. (Foto: Thomas Lehmann)

Für das Substrat gibt es viele Möglichkeiten. Die meisten meiner Pflanzen stehen in einem Gemisch aus Rinde, Perlite, Holzkohle und etwas mineralischem Anteil wie Bims, Akadama, Ton oder dergleichen. Der Nachteil an organischen Pflanzstoffen ist, dass sie sich durch die dauerhafte Feuchtigkeit recht schnell zersetzen und regelmäßig getauscht werden sollten. Man liest sehr oft, spätestens nach 2 Jahren, wobei ich eher 3 Jahre warte und bisher keine Probleme damit hatte. Auch in lebendem Sphagnum-Moos funktionert eine Kultur sehr gut oder aber komplett mineralisch, in Akadama zum Beispiel. Wichtig ist, dass Feuchtigkeit gut gehalten und abgegeben wird. Alle paar Monate gebe ich eine Portion Hüttenkalk auf das Substrat und gieße diesen ein, da beide beteiligten Naturformen am Standort mit Kalk versorgt werden und dieser die Blühfreudigkeit erhöht.

Gedüngt wird in den lichtreichen Monaten von März bis September bei jedem Wässern. Das Gießwasser dünge ich auf einen Leitwert von ca. 350 – 450 Mikrosiemens/cm auf. Im Winter dünge ich nicht, da die Pflanzen während der dunklen Jahrezeit nicht viele Nährstoffe verstoffwechseln können. Während des Sommers reichern sich im Pflanzstoff genügend Nährstoffe an, damit die Pflanze gut durch den Winter kommt.

Das Interessanteste an dieser Hybride sind definitiv ihre sehr variablen Blüten. Wer eine bestimmte Farbe möchte, muss unbedingt blühend kaufen. Selbst Geschwisterpflanzen aus derselben Aussaat können komplett unterschiedlich blühen (siehe Beispielbilder). Wer alle Farbvariationen schön findet, sollte sich unbedingt mehrere Pflanzen dieser tollen Kreuzung zulegen. Phragmipedium Saint Ouen  ist übrigens ein ganz zuverlässiger Blüher. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Hier sieht man gut, dass die neuen Triebe oftmals klettern und bis zu 15 cm über das Substrat hinauswachsen. (Foto: Thomas Lehmann)
Dieser leuchtend rote Klon ist eine Schwesterpflanze von…. (Foto: Thomas Lehmann)
…. diesem weißen Klon, der lediglich rosa überhaucht ist. (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht des hellen Klons (Foto: Thomas Lehmann)
Selbst orangerote Färbungen sind möglich. (Foto: Thomas Lehmann)
Hier ein sehr helles Rot – die Fahne wurde leider durch ein Spritzmittel geschädigt und hatte sich dadurch nicht richtig entwickelt. (Foto: Thomas Lehmann)
Auch in der Form gibt es Variationen – wenn auch nicht so starke, wie in der Färbung. (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 33, 2019

Pecteilis cambodiana

Alles lesen Orchidee der Woche 33, 2019

Pecteilis cambodiana

Pecteilis cambodiana – Blüte (Foto: Werner Holzmann)

Im Jahr 1932 veröffentlichte der französische Botaniker François GAGNEPAIN die Erstbeschreibung dieser Art in „Bulletin du Muséum National d’Histoire Naturelle“ unter dem Namen Parhabenaria cambodiana. Die Gattung Parhabenaria stellte er in der gleichen Ausgabe auf, da die Art zwar sehr an die Gattung Habenaria erinnerte, sich aber doch in einigen Bereichen abgrenzen ließ. Parhabenaria bedeutet frei übersetzt neben oder in der Nähe von Habenaria. Viele Jahre blieb die Art dieser Gattung zugeschrieben, bis sie im Jahr 1988 vom russischen Botaniker Leonid Vladimirovich AVERYANOV in die Gattung Pecteilis überführt wurde.

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Pecteilis cambodiana erstreckt sich von Kambodscha bis ins südliche Vietnam. Sie wächst dort lithophytisch und terrestrisch. Die Bedingungen am Naturstandort sind meist temperiert bis warm. Während die Sommer sehr feucht und regenreich sind, herrscht in den Wintermonaten eine ausgeprägte Trockenzeit.

Blühstarke Knolle mit zartem Neutrieb (Foto: Werner Holzmann)

Pecteilis cambodiana ist eine knollenbildende Orchidee. Im späten Winter oder zeitigen Frühjahr treiben die Knollen einen Trieb aus, der bis zu 30 cm hoch werden kann. Der recht dünne Stamm ist mit 5-10 weichen Blättern besetzt, die  sattgrün, glänzend und stark gekielt sind. Das Triebwachstum endet mit der Entwicklung der Infloreszenz im Sommer. Die Blütentriebe erscheinen endständig und tragen 1-3 reinweiße Blüten mit einem hellgrünen Sporn. Nach der Blüte im Herbst wird der Trieb eingezogen und die Knolle überwintert ohne Laub.

Vor vielen Jahren erhielt ich eine Knolle Habenaria rodocheila, die mich schon wegen ihres ungewöhnlichen Wuchses am Namen zweifeln ließ. Der Habitus war völlig anders, als ich das von Habenaria rhodocheila kannte. Im ersten Jahr wollte sie leider noch nicht blühen und so musste ich ein weiteres Jahr warten, um das Rätsel zu lösen. Zu meinem Erstaunen wurden aus der einen gleich mehrere neue Knollen, aus denen im darauffolgenden Jahr in wirklich rasanter Geschwindigkeit Neutriebe wuchsen und nun endlich auch zur Blüte kamen. Mit der „Erstblüte“ konnte ich sie dann auch direkt und ohne Zweifel Pecteilis cambodiana zuordnen.

Kultiviert wird meine Pecteilis cambodiana im Grunde genauso, wie fast alle meine Habenaria und Pecteilis. Über die Kultur meiner Habenaria medusa hatte ich vor einigen Wochen ja schon berichtet.

Als Substrat wähle ich eine Mischung aus Tongranulat, Bims und feiner Rinde, wobei der mineralische Anteil überwiegt. Ende Januar werden die Knollen in diese Substratmischung mit dem Trieb nach oben getopft. Am Anfang der Vegetationsperiode halte ich das Substrat lediglich leicht feucht. Erst wenn der Austrieb etwa 1 cm aus dem Substrat ragt, wird richtig feucht gehalten. Teilweise steht sogar etwas Wasser im Übertopf. Pecteilis cambodiana wächst in wirklich beeindruckender Geschwindigkeit und ist von allen meinen Pecteilis und Habenaria immer die erste, die blüht. In den meisten Jahren kommen die Triebe bereits Ende Juni / Anfang Juli zur Blüte. Pecteilis cambodiana zieht ihre Triebe nicht direkt nach dem Abblühen ein. Solange das Laub noch saftig grün ist, wird das Substrat noch feucht gehalten. Erst wenn die Blattspitzen beginnen braun zu werden, reduziere ich die Wassergaben allmählich, bis die Triebe ganz eingezogen sind. Meist ist das im Oktober der Fall. Ab da wird nicht mehr gewässert. Die Knollen von Pecteilis cambodiana ruhen nun vollkommen trocken, aber temperiert bis Ende Janunar und das Spiel beginnt von Neuem.

Meine Substratmischung mit hohem Anteil an Tongranulat (Foto: Werner Holzmann)

Pecteilis cambodiana vermehrt sich sehr gut über Brutknollen. Aus diesem Grund ist es ratsam, sie jedes Jahr frisch zu topfen, damit der Topf nicht zu klein wird und die Knollen keinen Platz zum Wachsen haben. Aus zwei blühfähigen Knollen im Topf können innerhalb eines Jahres leicht zehn werden!

Die Pflanze steht bei mir an einem hellen Westfenster mit etwas Abendsonne. Vor direkter Sonneneinstrahlung in den Mittagsstunden sollte die Pflanze geschützt werden, da es sonst leicht zu Verbrennungen an den Blättern kommen kann. Im Winter steht die Pflanze temperiert, im Sommer natürlich dementsprechend etwas wärmer.

Gedüngt wird Pecteilis cambodiana monatlich mit Orchideendünger in normaler Konzentration.

Mit ihren reinweißen Blüten wirkt die Art sehr edel und anmutig – an die Kultur stellt sie keine komplizierten Ansprüche. Eine Orchideenart also, die wirklich Freude macht. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autoren: Werner Holzmann (Kultur) & Thomas Lehmann (Geschichte)

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Habitus von Pecteilis cambodiana (Foto: Werner Holzmann)
Die Blüten haben einen hellgrünen Sporn. (Foto: Werner Holzmann)

 

KW 32, 2019

Disa Foam

Alles lesen Orchidee der Woche 32, 2019

Disa Foam

Disa Foam – ein leuchtend orangefarbener Klon der Kreuzung (Foto: Thomas Lehmann)

Am 01. Januar 1982 wurde die von J. van NIEKERK angemeldete Hybride Disa Foam ins Register für Orchideen-Hybriden der Royal Horticultural Society (RHS) aufgenommen. Über J. van NIEKERK konnte ich leider nicht viel herausfinden, außer dass sie sehr viele verschiedene Disa-Hybriden bei der RHS angemeldet hat. Für die Kreuzung Disa Foam bestäubte sie die Blüte einer Disa Betty’s Bay mit dem Pollen der Naturform Disa uniflora. Die Hybride Disa Foam ähnelt dem Elternteil Disa uniflora sehr. Über vier Generationen hinweg wurde Disa racemosa mit Disa uniflora gekreuzt, um die großen und leuchtenden Blüten von Disa uniflora mit dem Blütenreichtum von Disa racemosa zu erhalten. Der Genpool teilt sich demnach wie folgt auf:

Disa uniflora gibt den größten Anteil an Genen in den Genpool von Disa Foam. (Foto: Thomas Lehmann)
  • 93,75% Disa uniflora
  • 6,25% Disa racemosa

Disa uniflora kommt ausschließlich auf dem Tafelberg in Südafrika auf Höhen von 100 – 1 200 Metern vor. Ihre Standorte sind immer in der Nähe von fließendem Wasser an Flüssen und Wasserfällen. Die Pflanzen wachsen dort in Felsspalten und auf Sickerflächen, die immer feucht und teilweise sogar nass sind. Die Temperaturen am Tafelberg sind kühl, im Winter richtig kalt. Im Sommer kann es zwar am Tag auch mal über 30 Grad werden, die Nachttemperaturen fallen dafür im Winter (auf der Südhalbkugel in unseren Sommermonaten) gelegentlich auch knapp unter die Frostgrenze. Durch das vom Gipfel des Tafelbergs herabfließende kalte Wasser werden die Wurzeln immer gekühlt. Die Pflanzen stehen ganzjährig im Halbschatten, niemals in der Mittagssonne.

Disa racemosa besiedelt die Kapregion Südafrikas auf Höhen von 250 – 1500 Metern über dem Meeresspiegel. Man findet die Art dort in sumpfigen Gegenden und entlang von Bächen und Flüssen. Auch sie wächst unter kühlen bis richtig kalten Bedingungen in hellen, aber vor direkter Sonneneinstrahlung geschützten Bereichen.

Disa Foam bildet einzelne Rosetten aus länglichen, spitz zulaufenden Blättern aus, die bis zu 10 cm lang, circa 2 cm breit und weich sind. Im Frühjahr erscheinen endständig die aufrecht wachsenden Infloreszenzen, die im zeitigen Sommer zur Blüte kommen und ca. 30 cm hoch werden. Da sie durch die schweren Blüten gerne zur Seite fallen, empfiehlt es sich, sie frühzeitig an einem Stab zu fixieren. Jede Infloreszenz kann bis zu 10 Blüten tragen, die zwar nacheinander aufgehen, aber durch ihre lange Haltbarkeit dann doch alle zusammen offen sind. Die lateralen Sepalen sind zu einem stark nach hinten gewölbten Blütenblatt verwachsen, das an eine Satellitenschüssel erinnert. Darin liegt das Labellum. Das dorsale Sepalum ist im Laufe der Evolution stark verkümmert. Die Petalen sind groß und flächig. Farblich können die Blüten von Disa Foam stark variieren. Die Farbpalette reicht von hellem Gelborange über Rosa bis hin zu dunlem Rot. Die Blüten duften nicht. Nach der Blüte beginnen die Neutriebe, die bereits im Winter angelegt wurden, verstärkt ihr Wachstum, das bis ins späte Frühjahr währt und mit der Entwicklung der Infloreszenz abgeschlossen ist.

Disa Foam mit zwei Blüten und einigen weiteren Knospen (Foto: Thomas Lehmann)

Die Kultur von Disa Foam scheint unter kühlen Bedingungen am erfolgreichsten zu sein. Auch wenn sie die hohen Temperaturen im Sommer bei uns verträgt, sollte man versuchen sie so kühl wie möglich zu halten, besonders an den Wurzeln, die am Naturstandort durch das kalte Wasser der Flüsse immer gekühlt werden. Gegossen wird bei mir also immer mit möglichst kaltem Wasser. Im Sommer kühle ich das Gießwasser meiner Disas im Kühlschrank und an besonders heißen Tagen lege ich einen Eiswürfel in eine Ecke des Topfes. Vom Frühjahr bis zum späten Herbst stelle ich Disa Foam an einen schattigen Platz im Freien, wo sie bis zum ersten Frost bleibt. Danach kommt sie in ein ungeheiztes Zimmer, in dem das Fenster immer gekippt ist, außer es gibt extremen Frost unter -5 Grad, dann wird das Fenster geschlossen. Die Temperaturen fallen in der Nacht bei geöffnetem Fenster auf circa 8 Grad ab. Gibt es im Winter längere Zeit keinen Frost, kommen meine Disas sogar wieder raus auf den Balkon, auch nachts!

Disa Foam ist bei mir getopft in einer Mischung aus Torf und Perlite. Ich hatte sie in diesem Substrat bekommen und es damit pobiert. Sie scheint es zu mögen. Hätte sie es nicht so gut vertragen, hätte ich sie in reines Sphagnum gesetzt, in dem ich auch meine Disa uniflora kultiviere. Im Sommer stehen die Töpfe in einer Schale, in der sich immer eine Pfütze Wasser befindet, damit das Substrat auch niemals austrocknet. Im Winter stehen die Pflanzen bei mir nicht ständig im Wasser, aber trotzdem immer sehr feucht. Zum Gießen verwende ich sehr salzarmes Wasser mit einem Leitwert von ungefähr 30 – 50 Mikrosiemens/cm. Gedüngt wird in den Sommermonaten alle 2 Wochen mit einem Leitwert von 250 Mikrosiemens/cm. Wie oben schon erwähnt, immer mit kaltem Wasser!

Die Blütenanzahl von Disa Foam ist wirklich beeindruckend. Auch die Farbnuancen, die diese Hybride zeigt, lassen keine Wünsche offen. Wer also die Möglichkeit hat, im Winter kalte Temperaturen mit viel Licht bieten zu können, der sollte sich unbedingt eine Disa Foam anschaffen! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Habitus von Disa Foam (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Disa Foam – Einzelblüte (Foto:Thomas Lehmann)
Ein rötlicher Klon von Disa Foam (Foto: David Britten)

KW 31, 2019

Maxillaria sanguinea

Alles lesen Orchidee der Woche 31, 2019

Maxillaria sanguinea

Maxillaria sanguinea – das obere Sepalum und die Petalen öffnen sich bei dieser Art nur ganz wenig, während sich die unteren Sepalen strecken (Foto: Thomas Lehmann)

Robert Allen ROLFE, der erste Kurator des Orchideen-Herbariums der Royal Botanic Gardens in Kew und Gründer des Orchideen-Magazins “The Orchid Review“, beschrieb diese kleinbleibende Art erstmals im Jahr 1895 in „Bulletin of Miscellaneous Information“, dem Magazin der Kew Gardens, in dem regelmäßig Erstbeschreibungen von führenden Orchideenforschern publiziert wurden. Der costa-ricanische Botaniker Mario Alberto BLANCO und sein venezolanischer Kollege Germán CARNEVALI überführten die Art in „Lankesteriana : la revista cientifica del Jardin Botanico Lankester“ im Jahr 2007 in die Gattung Maxillariella. In der WCSP (World Checklist of Selected Plant Families) wird Maxillariella sanguinea allerdings bis heute nur als Synonym zu Maxillaria sanguinea geführt.

Die Art wächst epiphytisch auf Bäumen der Regenwälder in Costa Rica und Panama. Man findet Maxillaria sanguinea auf Höhen von 50-900 Metern über dem Meeresspiegel. Je nach Standort variieren auch die klimatischen Bedingungen etwas. In tieferen Lagen herrschen warme, teilweise sogar heiße, Temperaturen. In höheren Lagen weisen die Standorte eher temperiert-kühle Bedingungen auf. Niederschlag gibt es das ganze Jahr hindurch. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit der Regenwälder trocknet das Habitat niemals aus. Dadurch sind die Pflanzen einer andauernden Feuchtigkeit ausgesetzt. Durch das immergrüne Laub der Bäume wächst Maxillaria sanguinea zwar sehr hell, aber meist ohne direkte Sonneneinstrahlung.

Habitus von Maxillaria sanguinea (Foto: Thomas Lehmann)

Die Art bildet ca. 2-3 cm große eiförmige Pseudobulben aus, auf denen jeweils ein einzelnes Blatt sitzt. Die Blätter sind nicht breiter als 3 mm – meist sogar schmaler – werden aber bis zu 20 cm lang. Dadurch wirken sie grasartig fragil. An den neu gebildeten Pseudobulben entstehen im Winter die meist nur 1 cm langen Infloreszenzen, die lediglich eine einzelne Blüten tragen. Die Blüten sind ca. 3 cm breit und 2-2,5 cm hoch. Die Tepalen haben eine orangegelbe Farbe und sind mit rotbraunen Flecken besetzt. Das Labellum ist weißgrundig und flächig mit einem leuchtenden Rosa bis Rot überhaucht, wobei der Vorderlappen lediglich mit wenigen rosafarbenen Punkten besetzt ist. Während die unteren Sepalen richtig gestreckt werden, öffnen sich die Petalen und das obere Sepalum kaum. Die Blüten haben einen leicht fruchtigen Duft.

Die Art lässt sich problemlos auf der Fensterbank kultivieren. Allerdings nimmt sie nach einigen Jahren Ausmaße an, die den Rahmen der Fensterbankkultur sprengen. Da sie sich aber sehr leicht teilen lässt, kann man sie auch über einen längeren Zeitraum auf Fensterbankgröße halten. Ich selbst habe vor ungefähr zwei Jahren ein kleines Teilstück mit wenigen Bulben bekommen, das inzischen ordentlich gewachsen ist und in diesem Winter erstmalig – wenn auch nicht besonders üppig – geblüht hat.

Getopft habe ich meine Maxillaria sanguinea in mineralischem Substrat. Bimskies, Akadama und Lava habe ich mit ein wenig Perliten nach Gefühl zusammengemischt und meine Pflanze vor  zwei Jahren darin eingepflanzt. Wichtig dabei ist, dass die Pflanzenteile (Pseudobulben, Blätter, Rhizome, etc.) nicht im Substrat vergraben werden. Sie sollten lediglich auf dem Pflanzstoff aufsitzen, da sie sonst durch die andauernde Feuchigkeit faulen könnten. Der große Vorteil von mineralischen Substraten ist, dass sie absolut strukturstabil sind und nicht verrotten. Neu getopft werden muss also nur, wenn der Topf zu klein wird und die Pflanze über den Rand hinauswachsen möchte. Natürlich eignen sich auch alle anderen gängigen Pflanzstoffe, die eine Dauerfeuchtigkeit ermöglichen. Jeder hat da sein eigenes Rezept, mit dem er gut klarkommt.

Im direkten Vergleich mit den kleinen Pseudobulben wirkt ein Daumen echt groß. (Foto: Thomas Lehmann)

Das Wässern erfolgt bei mineralischen Substraten durch eine kleine, ständig mit Wasser gefüllte Schale, in der der Topf steht. Durch die Kapillarität der Mineralien zieht sich das Wasser bis an die Substratoberfläche. Es entsteht eine gleichmäßige Feuchtigkeit im gesamten Topf. Das mineralische Substrat kann dabei auch niemals zu nass werden – ein weiterer Vorteil der mineralischen Kultur.

Maxillaria sanguinea wird vom Frühjahr bis in den Herbst regelmäßig gedüngt. Der Leitwert des Düngerwassers beträgt dabei 300-350 Mikrosiemens/cm. Gelegentlich wird der Topf mit klarem Wasser durchgespült, um ein zu starkes Versalzen des Substrats zu vermeiden. In den Wintermonaten dünge ich gar nicht. Während der dunklen Jahreszeit, in der es bei uns in Deutschland wesentlich weniger Sonnenstunden pro Tag gibt als in Costa Rica und Panama, fährt der Stoffwechsel der Pflanze deutlich herunter und verbraucht somit auch weniger Nährstoffe. Die im Pflanzstoff angereichterten Nährstoffe genügen, um Maxillaria sanguinea gut durch den Winter zu bringen.

Da die Art am Naturstandort in verschiedenen Temperaturbereichen heimisch ist, kann sie sich auch in Kultur an die Gegebenheiten anpassen, solange es nicht zu kalt ist. Temperierte bis warme Bereiche sollten überhaupt kein Problem sein. Meine Maxillaria sanguinea steht in meinem beheizten Orchideenzimmer, das ganzjährig warm ist. Auch im Winter fallen die Temperaturen nicht unter 16-17 Grad in der Nacht, am Tag kann es dann bis auf 28 Grad aufheizen, wenn die Sonne scheint. Dadurch entsteht natürlich ein recht großes Tag-Nacht-Gefälle, das der Pflanze offenbar sehr gut gefällt. Ob es zwingend nötig ist zur Blüteninduktion, kann ich nich mit Sicherheit sagen, da ich sie bisher nur so kultiviert habe.

Im Sommer kann man Maxillaria sanguinea auch gut im Freien kultivieren, wenn sie vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt wird. Bei mir steht sie allerdings ganzjährig im Zimmer an einem schattierten Südfenster. Direkte Sonnenstrahlen fallen somit niemals auf die Pflanze, wobei sie den ganzen Tag über sehr viel Licht erhält. Da der Lichtbedarf der Art aber nicht so groß ist, kann sie auch gut an Fenstern mit anderer Himmelsrichtung stehen. Selbst ein helles Nordfenster sollte eigentlich geeignet sein.

Mit den kleinen Pseudobulben und den grasartigen Blättern finde ich Maxillaria sanguinea auch ohne Blüten recht imposant und eine Bereicherung für die Fensterbank. Die duftenden Blüten im Winter sprechen natürlich auch für die Pflanze. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Blütenbild von Maxillaria sanguinea (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Ein Blick von unten auf die Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Schon die Knospe ist fast so lang wie eine Pseudobulbe. (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blüten an ihren kurzen Infloreszenzen verstecken sich regelrecht im Laub der Pflanzen. (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 30, 2019

Phalaenopsis finleyi

Alles lesen Orchidee der Woche 30, 2019

Phalaenopsis finleyi

Phalaenopsis finleyi ‚Alex‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Der dänische Diplomat und Orchideenforscher Gunnar SEIDENFADEN beschrieb die Art im Jahr 1988 erstmalig als Kingidium minus in „Opera Botanica a Societate Botanica Lundensi“. 2001 in „Phalaenopsis: a Monograph“ stellte Eric Alston CHRISTENSON sie zur Gattung Phalaenopsis mit der Bezeichnung Phalaenopsis minor. Dieser Name ist jedoch ungültig, weil es bereits eine Phalaenopsis minor F. Y. Liu 1988 in „Acta Botanica Yunnanica“  gibt. 2005 wurde Kingidium minus in die Gattung Doritis überführt. Erst vor wenigen Jahren erhielt die Art von CHRISTENSON in „Richardiana“ ihren heute anerkannten Namen Phalaenopsis finleyi.

Heimisch ist Phalaenopsis finleyi im nordöstlichen Thailand und Myanmar. Sie wächst dort epiphytisch auf Höhen bis zu 400 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturen sind ganzjährig warm bis heiß. Tagsüber steigen sie fast immer auf über 30 Grad an. In den Sommermonaten fallen sie nachts auf 25 Grad, in den Wintermonaten auf ca. 15 Grad ab. Dadurch ergibt sich ein ausgeprägtes Tag-Nacht-Gefälle. Das Klima am Standort ist geprägt vom indischen Monsun, der von März bis Oktober für eine ausgeprägte Regenzeit sorgt. Doch auch in den restlichen Monaten kann es Niederschlag geben. Durch die stets sehr hohe Luftfeuchtigkeit trocknet das Habitat niemals aus. Die Standorte von Phalaenopsis finleyi sind immer sehr hell, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung.

Die Pflanzen bleiben sehr klein und kompakt. (Foto: Thomas Lehmann)

Die klein bleibenden Pflanzen bilden einen sehr kurzen Stamm, der wechselständig von dunkelgrünen festen Blättern umschlossen ist, die lediglich 5-12 cm lang werden. Vom späten Frühjahr bis in den zeitigen Herbst erscheinen die Infloreszenzen, die 5-20 cm lang werden und meist 2-3 Blüten gleichzeitig öffnen. Die Blütentriebe bilden aber mehrmals hintereinander Knospen. Dadurch erstreckt sich die Blühdauer über mehrere Monate. Die kleinen, fast filigranen Blüten sind nur 1-2 cm breit und 2-3 cm hoch. Die Grundfarbe ist weiß. Auf der gesamten Blüte zeigt sich eine Musterung aus Strichen und Punkten in rosa und ockerfarben. Manche Klone sind nur sehr hell gefärbt, andere haben einen intensiven Kontrast mit leuchtenden Farben. Typisches Merkmal von Phalaenopsis finleyi sind die nach oben gerichteten und nach hinten klappenden Tepalen. Unter Sammlern werden sie deshalb gerne „Sturmfrisur“ genannt. Bei der Hybridisierung vererbt sich dieses Merkmal in den allermeisten Fällen.

Eine Kultur auf der Fensterbank ist ohne großen Aufwand möglich. Da Phalaenopsis finleyi warme bis heiße Temperaturen mag, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Phalaenopsis-Art. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 15-16 Grad fallen. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet das stehende Wasser wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Als Pflanzstoff für Phalaenopsis finleyi eignet sich Rinde in feiner bis mittlerer Körnung am besten. Bei sehr kleinen Töpfen geht auch Substrat aus Kokosfasern gut. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Phalaenopsis zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder komplett silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird erneut gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten. Auch aufgebunden lässt sich Phalaenopsis finleyi gut kultivieren, wenn man eine Orchideenvitrine oder ein Gewächshaus hat.

 

Die Petalen richten sich nicht nur nach oben, sondern neigen sich auch stark nach hinten. (Foto: Thomas Lehmann)

Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-450 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt aufweisen. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Phalaenopsis finleyi auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Durch ihre wirklich einmaligen „Sturmfrisuren“ gehört Phalaenopsis finleyi zu meinen absoluten Lieblingsarten aus der Familie der Orchidaceae. Die Kultur ist außerdem recht unkomliziert und auch für Anfänger mit etwas Erfahrung machbar. Viel Erfolg beim Kultivieren!

 

Autor: Thomas LEHMANN

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Phalaenopsis finleyi ‚Budapest‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Ein recht heller Klon – dafür extrem typische Haltung (Foto: Thomas Lehmann)
Ein recht heller Klon – dafür extrem typische Haltung (Foto: Thomas Lehmann)
An der Infloreszenz entstehen immer wieder neue Knospen. (Foto: Thomas Lehmann)
Phalaenopsis finleyi mit schöner dunkler Färbung, aber suboptimaler Haltung (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht einer Blüte, die sich noch etwas strecken muss (Foto: Thomas Lehmann)

KW 29, 2019

Lepanthes niesseniae

Alles lesen Orchidee der Woche 29, 2019

Lepanthes niesseniae

Lepanthes niesseniae – benannt nach Andrea Niessen (Foto: Fabian Kulka)

Erstbeschreibung und Autor

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit, im Jahr 2003, wurde Lepanthes niesseniae Luer von dem US-amerikanischen Botaniker Carlyle August LUER (geboren 1922) in „Revista de la Sociedad de Botánica“ 4(1): 7 (2003) erstmals beschrieben. Die der Beschreibung zugrunde liegende Pflanze wurde den Angaben zufolge in der kolumbianischen Provinz Valle del Cauca gesammelt und danach in der Orchideengärtnerei „Orquídeas del Valle“ kultiviert. Diese Gärtnerei wird – wie einige von euch bestimmt bereits wissen – unter anderem von Andrea Niessen geleitet. Daran kann man schnell erkennen, dass Lepanthes niesseniae wohl ihrer Familie gewidmet wurde.

 

Über Carlyle August LUER sei noch gesagt, dass er über mehrere Jahrzehnte hinweg wesentlich daran beteiligt war, die Erforschung der Diversität der Subtribus Pleurothallidinae voranzutreiben. In Band 17 (2) von „Lankesteriana“ wurde dazu auch ein Artikel unter dem Titel „Genera Pleurothallidinarum: The Era of Carlyle Luer“ veröffentlicht. „Lankesteriana“ ist das wissenschaftliche Journal des Botanischen Gartens Lankester in Costa Rica.

 

Habitat und Vorkommen

Wie bereits weiter oben erwähnt wurde die beschriebene Pflanze wohl in der kolumbianischen Provinz Valle del Cauca gesammelt. Kolumbien kann also als ein Herkunftsland festgelegt werden. Ob die Art auch in anderen Ländern vorkommt, ist derzeit nicht bekannt. Leider scheint es nicht einfach zu sein, mehr über die genaue Herkunft des Typusexemplars herauszufinden. Daher ist es schwierig Aussagen über den Standort und die dort vorherrschenden Bedingungen zu treffen. Wir können an dieser Stelle lediglich Vermutungen anstellen, die natürlich auch mit Vorsicht zu genießen sind.

Die Angaben zu den Klimadaten im Bezug auf die Provinz Valle del Cauca deuten auf ein überwiegend warm-feuchtes tropisches Klima hin. Allerdings gibt es in der Region auch Höhenlagen, die eher kühlere Bedingungen mit sich bringen dürften. Es kann also nicht ganz sicher gesagt werden, ob Lepanthes niesseniae eher warme oder kühlere Temperaturen bevorzugt. Wahrscheinlich wird aber auch diese Art gattungstypisch an feuchtere und schattigere Bedingungen am Standort angepasst sein. Die Lebensweise ist vermutlich epiphytisch mit eher geringen Abständen zum Boden in immergrünen Regenwäldern. Eventuell werden in Zukunft noch genauere Standortangaben zugänglich, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist die Datenlage leider eher dünn.

 

Habitus von Lepanthes niesseniae (Foto: Fabian Kulka)

Beschreibung von Habitus und Blüte

Lepanthes niesseniae zeigt die Morphologie der Gattung Lepanthes: Auf einem dünnen „Stiel“, der die eigentliche Sprossachse darstellt und in englischer Fachliteratur auch „ramicaul“ genannt wird, befindet sich ein einzelnes Blatt. Dieser Spross kann eine Höhe von 10-12 cm erreichen, bevor an der Spitze das Blatt entsteht. Die Blätter ausgewachsener Pflanzen sind von der Basis bis zur Spitze etwa 5-6 cm lang und gut 2-3 cm breit. Auffallend ist auch hier wieder die Textur der Blätter, sie haben eine dunkelgrüne Färbung und eine schimmernde Oberfläche. Wenn die Art mehr Licht bekommt, als sie eigentlich braucht, färben sich die Blätter durch die eingelagerten Anthocyane rötlich violett, was die dunkelgrüne Grundfärbung mehr oder weniger vollständig überdecken kann. Die Blüten selbst werden ca. 0,9-1 cm hoch und 0,7-0,8 mm breit und sind damit für die Gattung schon überdurchschnittlich groß. Durch das Farbspiel der Musterung in der Blüte, das von Gelb über Orange bis zu Rot reicht, fällt diese im Kontrast zu den dunkelgrünen Blättern meist auch sehr gut auf.

 

Eigene bisherige Kulturerfahrungen

Meine Lepanthes niesseniae habe ich jetzt etwas über drei Jahre in Kultur. Die Blütenbilder im Internet gefielen mir doch sehr, sodass ich 2016 eine Pflanze auf einer Ausstellung bei einem ausländischen Händler erwarb. Dabei war ich mir aber nicht sicher, ob ich der Pflanze die richtigen Bedingungen bieten könnte, denn es war nicht klar, wie bereits weiter oben erwähnt,  ob sie eher warme oder kühlere Bedingungen benötigt oder tolerant diesbezüglich ist. Es handelte sich also gewissermaßen um ein Experiment mit Lepanthes niesseniae bei mir damals. Da ich nur ein temperiert-warmes Terrarium besitze, hätte ich der Pflanze auch keine anderen Bedingungen bieten können, wenn es ihr nicht gefallen hätte. Für eine kleine Glaskugel an einem kühleren Fenster ist diese Art nämlich definitiv zu groß, da müsste schon ein sehr großes Glasgefäß her; das Terrarium ist hier also die einfachere Wahl.

Natürlich brauchte die Pflanze etwas Zeit, nachdem sie erst nach Deutschland importiert worden war und dann bei mir neu aufgebunden werden musste. Aber schon bald entwickelten sich einige neue Triebe, was mich doch sehr erleichterte. Jedoch entstanden damit auch Probleme, denn von den ersten Neutrieben überlebte nur ein einziger, sofern mich meine Erinnerungen nicht täuschen. Die übrigen starben in verschiedenen Stadien vorher schon ab. Zum Glück war die Pflanze aber dennoch in der Lage weitere Neutriebe zu bilden. Auf diese passte ich dann beim Sprühen besonders auf, dass sie auf jeden Fall trocken blieben. Dies schien das Problem durchaus zu beheben, sodass die Pflanze mit der Zeit einige neue und auch größere Triebe bildete und dann auch ausdauernder blühte.

Ach ja, die Sache mit den Blüten, da war ja auch noch was. Zu Beginn wollten die Blüten sich nicht richtig öffnen und blieben irgendwie immer etwas geschlossen. Im Vergleich zu den Bildern im Internet gefiel mir das nicht so recht. Allerdings erledigte sich dieses Problem von selbst, nachdem die Pflanze nach einiger Zeit etabliert und recht stabil war. Dies war dann wohl ein Umstellungsproblem. Also manchmal hilft auch einfach nur Warten, wenn man ansonsten keine Probleme ausmachen kann.

Wie üblich habe ich auch Lepanthes niesseniae nach dem Kauf auf Ton aufgebunden. Nach drei Jahren habe ich sie dann dieses Jahr auf einer neuen Unterlage befestigt. Beim nächsten neuen Aufbinden wird dann wohl die Unterlage etwas größer gewählt, die Pflanze wächst ja nun doch zum Glück sehr stabil.

Zusammen mit den anderen Pflanzen im Terrarium wird Lepanthes niesseniae einmal morgens gesprüht. Dabei achte ich wie bereits gesagt nach wie vor darauf, dass insbesondere die neuen Triebe möglichst trocken bleiben. Gedüngt wird eher sporadisch. Meine Pflanze hat leicht rötliche Blätter, weil mein Terrarium etwas zu niedrig für die vorhandene Lichtintensität ist, aber es scheint noch im Toleranzbereich der Pflanze zu liegen. Was jetzt die Temperatur angeht: Ich kann leider nur für den wärmeren Bereich sprechen und da scheint es Lepanthes niesseniae auch über einen längeren Zeitraum  zu gefallen. Ob die Art bei kühleren Temperaturen genauso gut wächst und blüht, ist mir aus Mangel an persönlichen Erfahrungen leider nicht bekannt. Wie sagt man so schön: „Versuch macht kluch!“

Autor: Fabian Kulka

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Lepanthes niesseniae – eine noch sehr junge Art (Foto: Fabian Kulka)
Die orangefarbenen Blüten leuchten regelrecht auf den dunkelgrünen Blättern (Foto: Fabian Kulka)

 

KW 28, 2019

Chysis Sedenii

Alles lesen Orchidee der Woche 28, 2019

Chysis Sedenii

Chysis Sedenii (Foto: Werner Holzmann)

Harry James VEITCH, der die renommierte Baumschule und Gärtnerei „James Veitch and Sons“ in London bereits in dritter Generation führte, meldete im Jahr 1880 die Kreuzung aus Chysis bractescens und Chysis limminghei als Chysis Sedenii bei der Royal Horticultural Society (RHS) an, woraufhin sie in das dortige Orchideenregister eingetragen wurde. Da Harry VEITCH ein wichtiger Mitbegründer der Chelsea Flower Show war, die noch heute stattfindet, wurde er in den Ritterstand erhoben und durfte sich fortan Sir Harry James VEITCH nennen. Bei alten Hybriden aus dem 19. Jahrhundert ist der Name Sedenii sehr häufig. Was er bedeutet und warum viele Hybriden aus verschiedenen Gattungen so benannt wurden, kann ich leider nicht sagen. Wie schon erwähnt sind an der Primärhybride lediglich zwei Naturformen beteiligt:

Chysis limminghei – ein Elternteil – ist intensiver gefärbt als die Hybride (Foto: Werner Holzmann)

 

Chysis limminghei ist heimisch von Mexiko bis ins nördliche Guatemala. Man findet sie ausschließlich an Standorten, die in etwa auf Meereshöhe liegen. Die Temperaturen dort sind ganzjährig warm, auch nachts fallen sie nur selten unter 18 Grad, während sie tagsüber durchaus auf über 40 Grad steigen können. Im Sommer herrscht Regenzeit mit fast täglich vielen kurzen, aber heftigen Schauern. Die Winter dagegen sind trocken mit wenig bis gar keinem Niederschlag. Chysis limminghei wächst epiphytisch auf Bäumen und Sträuchern. Die Blüten sind weiß mit rosafarbenen und gelben Akzenten an den Tepalen und dem Labellum.

Chysis bractescens – der zweite Elternteil – mit reinweißer Blüte (Foto: Werner Holzmann)

Chysis bractescens kommt in Mexiko, Guatemala, Belize, El Salvador, Honduras und Nicaragua vor und wächst dort meist epiphytisch auf Bäumen, selten auch lithophytisch auf kalkhaltigem Felsen. Die Standorte liegen auf Höhen zwischen 800 und 1500 Metern über dem Meeresspiegel und sind somit, besonders nachts, etwas kühler als die Standorte von Chysis limminghei. Auch hier sind die Winter trocken. Die Blüten sind weiß mit einem gelben Labellum.

Im Frühjahr, nach der trockenen Winterruhe, erscheinen bei Chysis Sedenii die Neutriebe, aus denen in sehr frühem Stadium schon die Blütentriebe wachsen. Diese werden bis zu 30 cm lang und tragen mehrere wachsartige Blüten, die fast so aussehen, als seien sie aus Porzellan. Die weißen Blüten, die leicht rosafarben überhaucht sind, duften und halten sehr lange. Die Seitenlappen der Lippe sind leuchtend gelb. Der Neutrieb wird bis zu 45 cm lang und trägt im oberen Bereich der spindelförmigen Pseudobulbe sechs bis zwölf Blätter, die  spitz zulaufend, papierartig dünn und an den zahlreich sichtbaren Längsnerven gefaltet sind. Nach der Vegetationsperiode werden sie meistens abgeworfen und die nackte Pseudobulbe geht wieder in eine trockene Winterruhe. Es kommt aber auch vor, dass das Laub der Altbulben nicht abgeworfen wird. Im zeitigen Frühjahr beginnt dann wieder ein Neutrieb zu wachsen.

Im Folgenden beschreibe ich die Kultur von Inge Nell, die im Grunde der von Werner Holzmann, die ich im Beitrag zu Chysis limminghei vorstellte, sehr ähnlich ist. Auch Werner Holzmann kultiviert Chysis Sedenii unter denselben Bedingungen wie seine Chysis limminghei.

Auch Inge Nells Pflanze steht ganzjährig an einem halbschattigen Platz ihres nach Süden ausgerichteten Fensters. Die Pflanzen möchten es zwar sehr hell haben, allerdings keine direkte Sonneneinstrahlung. Ganz besonders im Sommer zur Mittagszeit würden die dünnen Blätter sonst sehr schnell verbrennen. Im Winter verträgt die Pflanze auch direktes Sonnenlicht, allerdings ist das aufgrund der dann währenden Ruhephase nicht zwingend nötig.

Die Temperaturen sind ganzjährig warm bis heiß. Die nächtlichen Temperaturen fallen auch im Winter nicht unter 16 Grad.

Während des Wachstums, vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst, wird regelmäßig gegossen. Das Substrat sollte in dieser Zeit immer feucht bleiben. An den Naturstandorten der Elternpflanzen herrscht dann Regenzeit mit fast täglichen Niederschlägen. Regelmäßige Düngergaben sind während der Vegetationsperiode sehr wichtig, da die Pflanze sehr schnell und viel wachsen muss. Inge Nell düngt regelmäßig mit einem Dünger in Pulver-Form, der sowohl Calcium als auch Magnesium enthält, in angegebener Dosis. Viele Flüssigdünger enthalten kein Calcium und Magnesium oder nur einen der beiden Stoffe. Beide sind aber für ein gesundes Wachstum der Pflanzen sehr wichtig.

Nach Triebabschluss wird das Gießen langsam verringert. Wie Werner Holzmann auch, hat Inge Nell die Erfahrung gemacht, dass die Pflanzen mit gelegentlichen Wassergaben im Winter besser wachsen und blühen. Sie verringert die Wassergaben zwar – lässt den Topf auch mal gut abtrocknen – aber alle 7-10 Tage gibt es etwas Wasser für Chysis Sedenii, da sie ihr Laub auch immer erst im nachfolgenden Sommer abwirft. Wenn im Frühjar der Neutrieb erscheint und erste Wurzeln gebildet werden, wird wieder normal gegossen und das Substrat dauerfeucht gehalten. Zeitgleich mit dem Neutrieb erscheinen dann auch wieder die Infloreszenzen.

Auch Inge Nell hat ihre Pflanze in Rinde getopft und damit gute Erfahrungen gemacht.

Optisch unterscheidet sich Chysis Sedenii kaum von Chysis limminghei. Die farblichen Akzente an den Tepalen sind lediglich ein bisschen weniger intensiv gefärbt bei der Hybride.

Die porzellanartigen Blüten sind ein wirkliches Highlight – die Kultur ist sehr unkompliziert. Ich werde mir auf jeden Fall eine mitnehmen, wenn sie mir mal angeboten wird. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autoren: Inge Nell & Thomas Lehmann

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Hier sieht man schön, dass der Alttrieb seine Blätter noch nicht abgeworfen hat, obwohl Neutrieb und Infloreszenz schon da sind (Foto: Inge Nell)
Die Blüten von Chysis Sedenii sind bei Inges Pflanze deutlich heller – Hybriden variieren ja meist (Foto: Inge Nell)
Frontansicht der Blütentraube (Foto: Inge Nell)
Seitenansicht der Blütentraube (Foto: Inge Nell)

KW 27, 2019

Renanthopsis Mildred Jameson

Alles lesen Orchidee der Woche 27, 2019

Renanthopsis Mildred Jameson

Renanthera Mildred Jameson ‚Bonsall‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Bereits am 01. Dezember 1969 wurde die Hybride Renanthopsis Mildred Jameson in das Register der RHS (Royal Horticultural Society) eingetragen. Der Hobby-Orchideenzüchter Henry Wallbrunn aus Florida hatte einige Jahre zuvor die Blüte einer Renanthera monachica mit dem Pollen von Phalaenopsis stuartiana erfolgreich bestäubt. Er gab einige der entstandenen Jungpflanzen an die Orchideengärtnerei Fort Caroline Orchids, Inc., die diese neue Hybride erstmalig Ende 1969 zum Blühen brachte und sie kurz darauf unter dem Namen Renanthopsis Mildred Jameson bei der RHS anmeldete. Wer Mildred Jameson war und warum man eine Orchidee nach ihr benannte, konnte ich leider nicht herausfinden.  An der Hybride sind also, wie oben schon erwähnt, zwei Naturformen aus unterschiedlichen Gattungen beteiligt:

  • 50% Renanthera monachica
  • 50% Phalaenopsis stuartiana
Für die Hybride Renanthopsis Mildred Jameson wurde die Blüte einer Renanthera monachica …. (Foto: D.O.G.-Archiv)
… mit dem Pollen von Phalaenopsis stuartiana bestäubt (Foto: D.O.G.-Archiv)

Renanthera monachica wächst auf der philippinischen Insel Luzon epiphytisch unter warmen bis heißen Bedingungen.  Man findet die mittelgroße Art bis auf 500 Metern über dem Meeresspiegel. An einem dünnen länglichen Stamm bildet Renanthera monachica dunkelgrüne feste Blätter aus, die wechselständig auftreten und bis zu 12 cm lang werden. Meist im späten Winter und zeitigen Frühjahr erscheinen die bis zu 45 cm langen Infloreszenzen, die sich verzweigen und 6 – 30 nicht duftende Blüten tragen können. Sie sind gelb gefärbt und mit vielen roten Punkten besetzt. Die Blüten von Renanthera monachica halten sehr lange. Am besten kultiviert man die Pflanzen mit wenig sehr grober Rinde, die schnell abtrocknet, oder ganz wurzelnackt, dann muss allerdings die benötigte hohe Luftfeuchtigkeit gewährleistet sein.

Phalaenopsis stuartiana ist ebenfalls auf den Philippinen heimisch. Man findet die Art in den warmen und feuchten Wäldern der Insel Mindanao auf Höhen bis zu 300 Metern über dem Meeresspiegel. Auch Phalaenopsis stuartiana mag warme bis heiße Temperaturen das ganze Jahr hindurch. Der kleine bis mittelgroße Epiphyt wächst auf Bäumen, Baumstümpfen und Büschen in schattigen Lagen ohne direktes Sonnenlicht. Phalaenopsis stuartiana bildet einen kurzen Stamm aus, an dem wechselständig breite dunkelgrüne, gefleckte Blätter wachsen. Die verzweigte Infloreszenz kann bis zu einem Meter lang werden und bis zu 100 weiße, leicht duftende Blüten tragen, die lediglich an den unteren Sepalen und der Lippe gelb überhaucht sind und einige orangefarbene Punkte aufweisen.

Die monopodial wachsende Hybride Renanthopsis Mildred Jameson bildet einen halbhohen Stamm aus, der wechselständige dunkelgrüne Blätter trägt, die sich über die Längsachse leicht nach unten einrollen und ca. 10-15 cm lang werden. Im Winter oder Frühjahr erscheinen die Infloreszenzen, die sich meistens verzweigen und 6-30 gelbliche Blüten mit orangebraunen Punkten tragen. Die Blüten sind rund 5 cm hoch und fast genauso breit. Die Tepalen strecken sich sehr gut, sodass die Blüte sehr flach wird (siehe Seitenansicht). Der bekannteste Klon ist Renanthopsis Mildred Jameson ‚Bonsall‘, der neben HCC/AOS auch mit der Silbermedaille der D.O.G. ausgezeichnet und durch Meristemierung unzählige Male reproduziert wurde. Die Blüten halten sehr lange und duften leicht.

Der typische Wuchs mit den nach unten eingerollten Blättern (Foto: Thomas Lehmann)

Eine Kultur auf der Fensterbank ist ohne großen Aufwand möglich. Da beide beteiligten Naturformen warme bis heiße Bedingungen mögen, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für Renanthopsis Mildred Jameson. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 16-18 Grad fallen. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an, was sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen lässt. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet dieses wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Als Pflanzstoff eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Renanthopsis Mildred Jameson zeigt uns, ähnlich wie Phalaenopsis, ganz genau, wann sie gegossen werden möchte. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist zu empfehlen. Erst wenn die Wurzeln wieder komplett silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten. Auch am Gewicht des Topfes erkennt man, dass wieder Zeit zum Gießen ist, da dieser dann sehr leicht ist.

Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 350-400 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Renanthopsis Mildred Jameson auch unschattiert auf der Fensterbank stehen.

Die ausdrucksstarke Zeichnung und der liebliche Duft machen diese blühfreudige Hybride über viele Wochen zu einem echten Hingucker. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Für Renanthopsis Mildred Jameson ‚Bonsall‘ gab es in diesem Zustand die Silbermedaille auf Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Und die Silbermedaille in der Kategorie Hybriden (Foto: D.O.G.-Archiv)
Einzelblüte von Renanthopsis Mildred Jameson ‚Bonsall‘ im Vergleich mit… (Foto: Thomas Lehmann)
… einem Meer aus Blüten (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der superflachen Blüten (Foto: Thomas Lehmann)

KW 26, 2019

Lepanthes calodictyon

Alles lesen Orchidee der Woche 26, 2019

Lepanthes calodictyon

Nahaufname der filigranen Blüte von Lepanthes calodictyon (Foto: Fabian Kulka)

Erstbeschreibung und Autor

Lepanthes calodictyon Hook. wurde 1861 vom britischen Botaniker William Jackson Hooker in „Curtis’s Botanical Magazine“ (Serie 3, Band 17, Bildtafel 5259. 1861) beschrieben. Sir William Jackson Hooker (1785 – 1865) war Regius Professor für Botanik an der University of Glasgow und erster Direktor der Royal Botanic Gardens in Kew (Kew Gardens). Die der Beschreibung zugrunde liegende Pflanze stammte vermutlich aus Ecuador.

 

Bildtafel aus Curtis’s Botanical Magazine 87: t. 5259, 1861

Habitat und Vorkommen

Lepanthes calodictyon kommt hauptsächlich in Ecuador vor, soll jedoch auch in Kolumbien zu finden sein. Die Art wächst in Höhenlagen von 400 bis 1400 Meter und hat damit ein für die Gattung Lepanthes verhältnismäßig tief gelegenes Verbreitungsgebiet. Für eine durchschnittliche Höhenlage von 900 Metern über dem Meeresspiegel in der kolumbianischen Gemeinde Tuluá werden durchschnittliche Tagestemperaturen von stabilen 30 °C oder mehr angegeben, während die durchschnittlichen Nachttemperaturen das ganze Jahr über 18 °C oder mehr betragen. Der durchschnittliche Niederschlag ist das ganze Jahr über recht konstant hoch, in den Monaten April und Mai sowie Oktober und November fällt jedoch häufig mehr als die doppelte sonst übliche Regenmenge. So sind bei Lepanthes calodictyon auch keinerlei Speicherorgane vorhanden, die auf eine Ruhephase oder Ähnliches hindeuten würden. Durch die regelmäßigen Niederschläge liegt die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit trotz der hohen Temperaturen das ganze Jahr über bei 69 – 79%. Die hier gemachten Angaben können natürlich im Hinblick auf verschiedene Standorte variieren, allerdings geben sie schon mal eine grobe Richtung vor, um die Bedürfnisse von Lepanthes calodictyon besser zu verstehen.

 

Beschreibung von Habitus und Blüte

Die Triebe von Lepanthes calodictyon werden im Schnitt ca. 6-8 cm hoch. Jüngere Pflanzen haben sicherlich kürzere Triebe, bei etablierten Pflanzen werden diese dann meist länger. Die Blätter selbst sind rundlich und am Ende nur leicht zugespitzt. Bei etablierten Pflanzen beträgt der Blattdurchmesser etwa 2 cm. Eine Besonderheit der Blätter ist die dunkelgrüne, netzartige Musterung. Insbesondere bei neu entstandenen Blättern ist der Kontrast zwischen Musterung und üblicher Blattfläche besonders ausgeprägt. Ältere Blätter dunkeln in der Regel noch etwas nach, sodass die Musterung weniger deutlich hervorsticht. Außerdem ist der Blattrand sehr fein gewellt. Die Infloreszenzen entstehen an der Basis des Blattes. An einer Infloreszenz werden über längere Zeit viele Blüten gebildet, wobei meist nur jeweils eine einzelne Blüte geöffnet ist und die nächste Knospe sich erst nach dem Verwelken der vorherigen Blüte öffnet. Die Art ist also ein typischer Revolverblüher, allerdings im kleinen Stil. Und das im wörtlichen Sinn: Die Blüten sind nämlich nur ca. 4-5 mm groß. Die geringe Größe machen die einzelnen Blüten jedoch durch ihre intensive Farbe wieder wett, da sie dadurch in einem guten Kontrast zu den intensiv grünen Blättern stehen. Die Blüten halten bei gesunden Pflanzen mitunter ein paar Tage. Eine feste Blütezeit hat Lepanthes calodictyon nicht, sodass diese Art, zumindest in Kultur, eigentlich das ganze Jahr hindurch blühen kann.

 

Kulturerfahrungen

Lepanthes calodictyon war eine meiner ersten Pflanzen der Gattung Lepanthes, die ich, soweit mich meine Erinnerungen nicht täuschen, 2015 erhalten habe. Außerdem war sie auch eine der ersten Pflanzen, die in mein damals noch neues leeres, aber kleines Terrarium ziehen sollten. Gesellschaft leisteten der Pflanze unter anderem noch ein paar weitere Lepanthes-Arten. Oftmals werden Orchideen für Terrarien auf Holz oder Presskork oder ähnliche organische Materialien aufgebunden. Jedoch mochte ich den Gedanken nicht, dass sich die organische Unterlage bei der dauerfeuchten Kultur von Lepanthes früher oder später zersetzen könnte. Daher habe ich Lepanthes calodictyon mit reichlich Sphagnum auf eine Ton-Unterlage aufgebunden, die ich einmal bei einem Orchideenhändler erworben habe.

Bei guter Kultur werden die Pflanzen schnell groß. (Foto: Fabian Kulka)

Dieses „Versuchskaninchen“ hat sich zum Glück über die Jahre sehr gut gemacht und ist eine wirklich dankbare Pflanze in meinem Terrarium, das aufgrund seiner geringen Größe (Grundfläche 30 x 30 cm, Höhe 50 cm) keine aktive Belüftung hat, der Luftaustausch findet über die integrierten Belüftungsschlitze statt. Zusätzlich wird das Terrarium einmal täglich geöffnet, wenn ich die Pflanzen – vorzugsweise morgens – einmal besprühe. Dabei versuche ich aber die Blätter auszulassen, um das Risiko von Fäulnis zu reduzieren. Das Wasser in meinem Handsprüher ist meistens reines Regenwasser. Dünger bekommen die Pflanzen im Terrarium nur sporadisch. Dies ist jedoch auch nicht allzu verkehrt, da Lepanthes-Arten mit ihren extrem dünnen Wurzeln – oftmals sind sie weniger als einen Millimeter dick – eher salzempfindlich sind und somit nicht allzu viel Dünger vertragen. Wegen der dünnen Wurzeln und des Fehlens jeglicher Speicherorgane möchten Lepanthes calodictyon und auch alle anderen Lepanthes-Arten nur ungern komplett austrocknen. Am besten ist es nach meinen Erfahrungen, wenn das Sphagnum dauerfeucht gehalten wird. Entsprechend den Standortbedingungen eignet sich Lepanthes calodictyon für ein Terrarium im warmen Bereich,  meines steht etwas abseits vom Fenster in einem Raum, der nach Südwesten ausgerichtet ist. Im Sommer steigen die Temperaturen locker mal über 30 °C im Zimmer und dann natürlich auch im Terrarium. Lepanthes calodictyon kommt damit gut zurecht, solange sie genügend Feuchtigkeit hat. Und da das Terrarium nicht direkt am Fenster steht, dient eine normale Leuchtstoffröhre als ergänzende Lichtquelle. Für sämtliche Lepanthes-Arten in meinem Terrarium ist das mehr als ausreichend, teilweise werden die Blätter bereits dadurch rötlich violett.

Seit 2015 habe ich meine Lepanthes calodicyton einmal neu aufgebunden, genau genommen war das erst in diesem Frühjahr. Ob das von der Unterlage her nötig gewesen wäre, glaube ich nicht unbedingt, allerdings ist die Pflanze seit 2015 durchaus gut gewachsen, sodass ich ihr mal frisches Sphagnum gönnen wollte. Die neue Unterlage habe ich, nachträglich betrachtet, vielleicht etwas zu klein gewählt, aber das ändere ich dann erst beim nächsten Austauschen. Bei entsprechenden Bedingungen in Kombination mit einer guten wüchsigen Pflanze kann aus einem Exemplar mit nur wenigen Blättern in ein paar Jahren regelrecht ein kleiner Busch werden. Aufgrund des kräftigen Wachstums eignet sich Lepanthes calodictyon für die Kultur in einer Glaskugel nur bedingt. Dort wird es schnell eng, wenn die Triebe länger werden und sich die Pflanze ausbreitet. Da müsste es schon eine Kugel mit entsprechendem Durchmesser sein.

Als Fazit würde ich festhalten, dass sich Lepanthes calodictyon durchaus als Einstieg in die Kultur von wärmetoleranteren Miniaturorchideen eignet.

Autor: Fabian Kulka

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Die gelbe Blütenvariante wurde 2011 von Olaf Gruß als Lepanthes calodictyon f. ivanoflava beschrieben (Foto: Olaf Gruß)
Lepanthes calodictyon ‚Vilma‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Fabian Kulka)
Die typische Balttmusterung von Lepanthes calodictyon (Foto: Fabian Kulka)
Die Blattränder sind immer auffallend gewellt. (Foto: Fabian Kulka)
Meist sitzen die Blüten auf den Blättern. (Foto: Fabian Kulka)
An einer Infloreszenz bilden sich nacheinander unzählige Knospen. (Foto: Fabian Kulka)

KW 25, 2019

Phragmipedium Bärbel

Alles lesen Orchidee der Woche 25, 2019

Phragmipedium Bärbel

Bei der Tischbewertung in Köln im Juni 2019 bekam Phragmipedium Bärbel ‚Mama‘ die Bronzemedaille in der Kategorie Hybriden. Für eine so kleine und junge Pflanze ein toller Erfolg, der Klon ist aber auch besonders intensiv leuchtend gefärbt. (Foto: Thomas Lehmann)

Vor einigen Jahren bekam ich ein paar halbwüchsige Jungpflanzen von Phragmipedium longifolium × Phragmipedium Saint Ouen von einem Bekannten. Ich wusste nur, dass sie von einem großen holländischen Zuchtbetrieb stammten. Die genaue Quelle blieb mir leider unbekannt. Nachdem im vergangenen Winter die ersten Pflanzen bei mir zur Blüte kamen, recherchierte ich, ob sie inzwischen in das Register der Royal Horticultural Society eingetragen wurden. Dies war nicht der Fall. Grundsätzlich sollte man ja nichts registrieren lassen, was man nicht selbst gekreuzt hat, es sei denn, man hat die Erlaubnis des Züchters. Da mir die Quelle aber unbekannt war, konnte ich auch nicht um Erlaubnis fragen. Allerdings dachte ich mir dann, wenn die Pflanzen bei mir jetzt blühen, dann sollten sie in einem volltechnisierten, holländischen Großbetrieb längst zur Blüte gekommen sein. Der Züchter schien also kein Interesse daran zu haben, die Kreuzung ins Register der RHS eintragen zu lassen. Zum Glück gibt es ja die Möglichkeit im Formular der RHS anzugeben, dass die Kreuzung nicht von einem selbst stammt und der eigentliche Ursprung unbekannt ist. Also beschloss ich, dieser tollen und sehr variablen Kreuzung einen Namen zu geben und meldete sie am 08. Februar 2019 bei der Royal Horticultural Society an. Da ich die Anmeldung online tätigte, musste ich den Namen zunächst Phragmipedium Baerbel schreiben, da das englische Programm unseren Umlaut „Ä“ nicht annehmen wollte. Durch Zufall und Vitamin B konnte ich das im Nachhinein aber noch ändern lassen, sodass die Hybride aus Phragmipedium longifolium und Phragmipedium Saint Ouen nun offiziell Phragmipedium Bärbel heißt.

Bärbel ist der Spitzname meiner Mama, die eigentlich Barbara heißt. Da es meinen drei Geschwistern und mir während unserer Kindheit an nichts fehlte – besonders nicht an bedingungsloser Liebe, Verständnis und Vertrauen – bin ich der Meinung, sie hat es wirklich verdient, dass eine so unkomplizierte und vielfältige Orchidee nach ihr benannt wird.

Insgesamt sind an der Hybride Phragmipedium Bärbel drei Naturformen beteiligt:

Phragmipedium longifolium – hier der Klon ‚Mike‘ BM/DOG – ist zu 50% im Genpool von Phragmipedium Bärbel vertreten (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium besseae – hier eine standortreine Form aus Peru – gibt 37,5% in den Genpool von Phragmipedium Bärbel (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium schlimii ist mit 12,5% an der Hybride beteiligt (Foto: D.O.G.-Archiv)

Phragmipedium longifolium wurde bereits 1896 beschrieben und kommt in Costa Rica, Panama, Kolumbien, Ecuador und im brasilianischen Bundesstaat Goiás vor. Auch diese Art siedelt oft in der Nähe von Gewässern, wo ihre Wurzeln teilweise bis ins Flussbett wachsen, sodass sie immer von Wasser umspült werden. In dem großen Verbreitungsgebiet variiert das Klima etwas. Die nächtlichen Temperaturen können in manchen Gebieten unter 10 Grad fallen, während die Tagestemperaturen über die 30 Grad-Marke steigen können.

Phragmipedium besseae wurde erst im Jahr 1981 entdeckt und erstmalig beschrieben. Heimisch ist die Art in Peru und Ecuador, wo sie terrestrisch, meist in der Nähe von Flüssen und Bächen wächst. Das Klima am Standort bietet ganzjährig sehr konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad. Niederschläge gibt es ebenfalls während des ganzen Jahres. Von März bis September sind diese sogar sehr häufig und regelmäßig.

Phragmipedium schlimii wurde im Jahre 1852 von Louis Joseph Schlim, dem Halbbruder des Botanikers Jean Jules Linden, entdeckt. Linden und Reichenbach f. beschrieben diese neue Art dann im Jahre 1854 in „Bonplandia“ 2:227 als Selenipedium schlimii. Heimisch ist diese Naturform in Kolumbien und den Ost- und  Zentralkordilleren (Gebirgskette, zu der auch die Anden gehören) in Höhen von 1200 -1900 Metern. Dort wächst schlimii in Humusnestern und zwischen hohen Gräsern, die teilweise mit Moos und Flechten bedeckt sind. Die Standorte sind immer relativ feucht und meist halbschattig. Die Temperaturen steigen im Sommer bis auf 25 Grad Celcius an und können im Winter nachts auch mal auf 8 Grad Celcius fallen. Relative Luftfeuchte ist mit 70% bis 80% immer sehr hoch.

Die Kultur von Phragmipedium Bärbel ist auch auf der Fensterbank sehr gut möglich. Da alle meine Pflanzen recht kompakt wachsen, vermute ich, dass bei der Kreuzung eine der kleineren Varietäten von Phragmipedium longifolium verwendet wurde.

Getopft habe ich meine Phragmipedien fast alle in einem Gemisch aus Rinde, Bimskies, Holzkohle und Perlite. Je nach Topfgröße verwende ich die Rinde in verschiedenen Körnungen, meist aber 9-12 mm. Bei sehr kleinen Töpfen mische ich feinere Rinde mit unter, bei sehr großen Töpfen entsprechend gröbere. Die Rinde saugt sich gut mit Wasser voll und speichert dieses. Bimskies benutze ich grundsätzlich in der Körnung 5 – 10 mm. Er hat den Vorteil, dass er etwas Calcium abgibt, was sich gut auf das Wachstun und die Blüteninduktion der meisten Phragmipedien auswirkt. Perlite lockern durch ihr sehr geringes Eigengewicht das Substrat auf und speichern zudem Wasser, das sie nach und nach an die Wurzeln abgeben. Die Holzkohle nutze ich nicht, um Giftstoffe aus dem Wasser zu filtern, was man immer wieder liest. Nur Aktivkohle hat die Eigenschaft Gift- und Schadstoffe herauszufiltern. Normale Holzkohle kann das nicht. Ich mische sie sehr gerne mit in das Substrat, da sie nicht viel Wasser aufnimmt und somit etwas trockenere Stellen im eher nassen Substrat schafft. Seit ich Holzkohle mit in meinen Pflanzstoff mische, beobachte ich ein deutlich besseres Wurzelwachstum.

Wie man an diesem gelb gefärbten Klon gut erkennt, ist Phragmipedium Bärbel sehr variabel. (Foto: Thomas Lehmann)

Da die an der Hybride beteiligten Phragmipedium-Arten allesamt sehr feuchtes bis nasses Substrat mögen, lassen sie sich ganz einfach mit nassem Fuß kultivieren. Die Töpfe stehen bei mir in großen Schalen, in denen immer etwas Wasser steht. Sobald das Wasser vollkommen aufgesogen wurde, fülle ich wieder 1-2 cm Wasser auf. Das Wasser wird vom Pflanzstoff aufgesaugt, wodurch eine schöne Dauerfeuchte entsteht. Besonders im Winter lasse ich die Schalen gelegentlich für wenige Tage austrocknen. Das Substrat in den Töpfen trocknet in der Zeit etwas an, aber niemals richtig ab.

Diese Pflanze erblühte als erste und war somit der Anstoß für die Anmeldung bei der RHS. (Foto: Thomas Lehmann)

Für die Hybriden, wie Phragmipedium Bärbel, gibt es den Sommer über mit jedem Wässern Dünger. Das Wasser, mit dem ich die Schalen fülle, hat einen Leitwert von ungefähr 300-350 Mikrosiemens/cm. Im Winter dünge ich gar nicht. Durch die kurzen Tage mit wenig Licht fährt der Stoffwechsel der Pflanzen herunter. Die während des Sommers im Substrat angereicherten Nährstoffe genügen in dieser lichtarmen Jahreszeit. Wer im Winter mit künstlichem Licht arbeitet, kann ganzjährig düngen, da Phragmipedium Bärbel keine Ruhezeit macht. Zusätzlich zum Dünger streue ich 3-4 mal im Jahr etwas Hüttenkalk auf das Substrat und gieße ihn gut ein. Hüttenkalk ist ein kohlensaurer Kalk, der von Pflanzen besonders gut verstoffwechselt werden kann.

Mittagssonne im Sommer wird nicht vertragen. Darauf reagieren Phragmipedien grundstätzlich mit Sonnenbrand. Morgen- oder Abendsonne ist kein Problem für Phragmipedium Bärbel. Meine Pflanzen dieser Kreuzung stehen ganzjährig an einem nach Süden ausgerichteten, riesengroßen Fenster. Im Sommer wird natürlich schattiert, um Sonnenbrand zu vermeiden. Im Winter scheint die Sonne – wenn sie sich denn mal zeigt – ungebrochen auf die Pflanzen.

Ich kultiviere Phragmipedium Bärbel ganzjährig warm, wobei auch temperiert gut vertragen wird. Die nächtlichen Temperaturen im Winter fallen nie unter 16 Grad. Meistens liegen sie sogar noch etwas höher bei 18 Grad. Durch das große Südfenster heizt der Raum im Winter bei Sonnenschein schnell auf. Teilweise steigen die Temperaturen dann auf 28-30 Grad. Die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht wirken sich positiv auf Wachstum und Blühfreudigkeit aus, sind aber nicht zwingend notwendig.

Wie auf den Fotos zu sehen, ist Phragmipedium Bärbel besonders in der Farbe sehr variabel. Wer also eine bestimmte Färbung wünscht, sollte unbedingt blühend kaufen. Egal welche Farbe, diese unkomplizierte Hybride macht einfach unglaublich Spaß – nicht zuletzt wegen ihrer sehr langen Blühdauer. Da sie eine Blüte nach der anderen öffnet, blüht sie über Monate hinweg. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Habitusbild von Phragmipedium Bärbel ‚Mama‘ BM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Bärbel ‚Mama‘ BM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Ein Klon mit besonders großem Schuh (Foto: Thomas Lehmann)
Ein Klon mit hängenden Petalen (Foto: Thomas Lehmann)
Eine sehr helle, rosafarbene Variation von Phragmipedium Bärbel (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht des gelben Klons (Foto: Thomas Lehmann)

KW 24, 2019

Epicyclia Serena O’Neill

Alles lesen Orchidee der Woche 24, 2019

Epicyclia Serena O’Neill

Epicyclia Serena O’Neill (Foto: Thomas Lehmann)

Im Jahr 2006 nahm die Royal Horticultural Society (RHS) diese Hybride in das Register für Orchideenhybriden auf. Die Orchideenzucht Hawaii Hybrids, LLC aus Hilo auf Hawaii hatte die Kreuzung aus Epicyclia Mabel Kanda und Encyclia cordigera dort angemeldet und ihr den Namen Serena O’Neill gegeben. Wer Serena O’Neill war oder ist und warum nach ihr eine Orchidee benannt wurde, konnte ich leider nicht herausfinden. Der Elternteil Epicyclia Mabel Kanda ist eine Primärhybride aus Encyclia cordigera und Epidendrum paniculatum. Der Genpool dieser Hybride aus zwei verschiedenen Gattungen teilt sich also wie folgt auf:

  • 75% Encyclia cordigera
  • 25% Epidendrum paniculatum
Dieses Jahr hatte ich zwei Blütentriebe an meiner Epicyclia Serena O’Neill. (Foto: Thomas Lehmann)

Encyclia cordigera ist heimisch in Südamerika. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Mexiko über Guatemala, Belize, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Panama und Französisch Guyana bis nach Surinam, Guyana, Venezuela, Brasilien, Kolumbien und Peru. Die Art wächst dort meist epiphytisch, gelegentlich auch lithophytisch, sowohl in trockenen Wäldern wie auch in tropischen Regenwäldern und dichtem Gestrüpp. Man findet Encyclia cordigera in Höhenlagen von null bis 900 Metern über dem Meeresspiegel unter warmen bis heißen klimatischen Bedingungen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über.

Epidendrum paniculatum ist ebenfalls im gesamten südamerikanischen Raum heimisch. Allerdings wächst die Art deutlich höher (1700 – 2800 Meter über dem Meeresspiegel) und somit auch unter wesentlich kühleren bis kalten klimatischen Bedingungen. Die Pflanzen können wirklich riesig werden und variieren stark in Größe und Farbe von Laub und auch Blüten. Sie kommen epiphytisch in immerfeuchten tropischen Regenwäldern vor und haben somit keine Ruhezeit.

Die Hybride Epicyclia Serena O’Neill bildet glänzende längliche Pseudobulben aus, die bis zu 10 cm hoch werden können und nach oben hin schmaler werden. Jede Pseudobulbe ist im Bereich der oberen Hälfte mit 3-5 wechselständigen dunkelgrünen Blättern besetzt, die ca. 2-3 cm breit sind und bis zu 25 cm lang werden können. Im Winter und Frühjahr erscheinen meist die endständigen Infloreszenzen, die 25-40 cm lang werden, sich gelegentlich auch verzweigen und 6-12 Blüten tragen. An den Verzweigungen entwickeln sich allerdings nicht so viele Blüten wie am Hauptast. Die Tepalen sind hellgrün, während die Lippe in einem leuchtenden Rosaton strahlt. Die Blüten haben einen angenehm blumigen Duft und halten mehrere Wochen. Die Neutriebe erscheinen im Frühjahr, meist noch während der Blütezeit.

Getopft habe ich meine Epicyclia Serena O’Neill in mittelgrober Pinienrinde ohne weiterer Zuschlagstoffe. Wer Probleme damit hat, bei der Kultur in Rinde die benötigte Dauerfeuchtigkeit aufrechtzuerhalten, kann die Pflanze auch mineralisch topfen und das Wasser immer von unten anstauen. Wichtig ist dabei aber, dass die Pseudobulben auf dem Substrat aufsitzen und nicht darin vergraben werden, da sie sonst schnell faulen können.

Die Wassergaben erfolgen bei mir durch Tauchen. Im Sommer alle 4-5 Tage, im Winter alle 7-8 Tage. Das Substrat darf zwischen den Wassergaben auch gut antrocknen, sollte aber nicht über längere Zeit richtig durchtrocknen, da die Pseudobulben sonst zu schrumpeln beginnen. Während der Vegetationszeit vom Frühjahr bis in den Herbst dünge ich bei jedem Wässern. Das verwendete Tauchwassser hat einen Leitwert von ungefähr 300-350 Mikrosiemens/cm. Im Winter dünge ich grundsätzlich nicht. Zum einen haben sich über den Sommer genug Nährstoffe im Pflanzstoff angelagert und zum anderen fahren die Pflanzen im Winter ihren Stoffwechsel herunter, da unsere Winter recht kurze Tage haben und dadurch sehr lichtarm sind. Wer mit zusätzlicher künstlicher Beleuchtung in den Wintermonaten arbeitet, kann auch dann Dünger einsetzen.

Der Lichtbedarf von Epicyclia Serena O’Neill ist nicht sehr hoch. Bei zu viel direktem Sonnenlicht werden die Blätter und auch die Pseudobulben erst hellgrün und verbrennen dann, wenn nicht gehandelt wird. Sie steht bei mir zwar in der Nähe eines Südfensters, allerdings nicht direkt am Fenster, sondern ca. 1 Meter davon entfernt. Direktes Sonnenlicht bekommt sie hier nur im Winter, wenn die Sonne sehr tief steht.

Die glänzenden dunkelgrünen Pseudobulben sind schon ein Hingucker für sich. (Foto: Thomas Lehmann)

Die Frage nach der richtigen Temperatur für diese Hybride ist wieder gar nicht so einfach zu beantworten, da die beiden Naturformen, aus denen sie gemacht wurde, komplett unterschiedliche Temperaturansprüche haben. Während Encyclia cordigera viel Wärme mag, möchte Epidendrum paniculatum eher kühler bis richtig kalt kultiviert werden. Meine Epicyclia Serena O’Neill verträgt eine warme Kultur sehr gut. Je nachdem, welche Gene durchschlagen, gibt es aber bestimmt auch einzelne Exemplare, die es etwas kühler bevorzugen. In der Regel fallen die nächtlichen Temperaturen bei mir nicht unter 16 Grad ganzjährig. In einzelnen Ausnahmenächten können es mal 14 Grad werden, kühler hatte es meine Pflanze bisher nie.

Epicyclia Serena O’Neill ist eine wirklich unkomplizierte Hybride, die mit ihren lang haltenden und duftenden Blüten im Frühjahr viel Freude macht und die auch ohne Gewächshaus gut gedeiht! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Im Vergleich zu den Tepalen leuchtet das Labellum richtig. (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht einer Blüte von Epicyclia Serena O’Neill (Foto: Thomas Lehmann)
Wenn die Blüten anfangen braune Pünktchen zu bekommen, sind sie am Verwelken. Allerdings halten sie auch dann noch eine ganze Zeit, ehe sie abfallen. (Foto: Thomas Lehmann)
Infloreszenz von Epicyclia Serena O’Neill (Foto: Thomas Lehmann)

 

 

KW 23, 2019

Thrixspermum centipeda

Alles lesen Orchidee der Woche 23, 2019

Thrixspermum centipeda

Die Blüten von Thrixspermum centipeda haben keine bestimmte Richtung, in der sie aufgehen. Die nicht resupinierten – also mit nach oben gerichteter Lippe – finde ich allerdings am schönsten! (Foto: Thomas Lehmann)

Der portugiesische Missionar und Botaniker João de LOUREIRO beschrieb die Art erstmals im Jahre 1790 in „Flora cochinchinensis“. Obwohl seit damals einige Umkombinationen vorgenommen wurden, ist Thrixspermum centipeda heute noch immer der von Kew akzeptierte Name. Den Gattungsnamen Thrixspermum legte LOUREIRO im gleichen Werk fest, er leitet sich von den griechischen Wörtern θριξ (Thrix = Haare) und σπέρμα (Sperma = Samen) ab und bezieht sich auf die haarartigen Samen der Gattung. Der Artname centipeda spielt auf die Infloreszenzen an, die wie Hundertfüßer aussehen. Centi– bedeudet soviel wie Hundertster, –peda leitet sich von pes, dem Fuß, ab.

Da die Infloreszenzen ein wenig an Hundertfüßer erinnern, wurde die Art centipeda genannt (Foto: Thomas Lehmann)

Heimisch ist die Art in weiten Teilen Asiens. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Vietnam über China, Kambodscha, Bhutan, Indien, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Thailand und Borneo bis nach Sulawesi und zu den Philippinen. Man findet Thrixspermum centipeda dort auf Höhen von 300 bis 1300 Metern. Je nach Lage variieren die Temperaturen von kühl bis heiß. An vielen Standorten wird das Wetter vom Monsun beeinflusst. Das heißt, die Sommer sind sehr feucht mit vielen Niederschlägen und die Winter sehr trocken mit kaum – oder gar keinem – Niederschlag. Die Art wächst epiphyitsch an Baumstämmen in Auwäldern und gelegentlich auch lithophytisch an steilen Felsklippen in eher schattigen Bereichen ohne direkte Sonneneinstrahlung.

Das monopodial wachsende Thrixspermum centipeda bildet einen sehr dünnen und langen Stamm, der  von wechselständigen Blättern umgeben ist. Zwischen den einzelnen Blättern sind mehrere Zentimeter Zwischenraum. Meist wachsen die Triebe leicht überhängend und nicht aufrecht. Die  glänzenden, länglich schmalen Blätter haben abgerundete Enden und sind fest und fleischig. Sie werden ca. 10 cm lang und 2-3 cm breit und sind leicht gekielt. Zwischen den Blättern entspringen die Infloroszenzen aus dem Stamm. Sie bilden mehrmals hintereinander Knospen und bleiben über Jahre hinweg erhalten. So können im Laufe der Zeit an einer Pflanze unzählige Blütentriebe sein, die über das Jahr hinweg kahl sind, aber nicht eintrocknen. Im Frühjar beginnt die Blühsaison. An allen alten und neuen Infloreszenzen entstehen  ca. 5 cm große Blüten, die entweder gelb oder orange gefärbt sind. Die Tepalen sind sehr dünn und lang. Sie wirken fast wie Spinnenbeine. Das Labellum ist nur wenige Millimeter groß und weiß gefärbt. Es hat teilweise rote Flecken. Die Blüten öffnen sich nur wenige Stunden, ehe sie sich wieder schließen und dann direkt verwelken. Dafür entstehen bis in den Sommer hinein immer wieder neue Knospen, wodurch sich die Blütezeit über einige Monate hinzieht. Die Blüten duften nicht.

Ich bin an mein Thrixspermum centipeda durch Zufall gekommen. Ich gewann es bei einer Tombola unserer D.O.G.-Gruppe und wusste erst nicht recht, ob ich es behalten mag oder nicht. Inzwischen muss ich sagen, dass ich es nicht mehr hergeben möchte, da es recht unkompliziert in der Kultur ist und besonders im Frühjahr Spaß macht, da es immer leuchtend gelbe Blüten trägt.

Die Pflanzen wachsen meist überhängend, wie man bei diesem Bild ganz gut sieht. Von daher sind sie in einer Ampel ganz gut aufgehoben. (Foto: Thomas Lehmann)

Getopft ist meine Pflanze in mittelgrober Rinde mit etwas Perliten in einem durchsichtigen Plastiktopf, damit ich die Feuchtigkeit gut kontrollieren kann. Die Wurzeln sind typische Epiphyten-Wurzeln, wei bei Phalaenopsis oder Vanda zum Beispiel. Werden sie gewässert, verfärben sie sich grün. Nach dem Abtrocknen werden sie wieder silbrig. Daher auch der transparente Topf. Im Sommer gieße ich, wenn das Substrat noch etwas Restfeuchtigkeit hat, aber die Wurzeln sich schon langsam silbrig färben. Im Winter warte ich dagegen, bis der Topf komplett durchgetrocknet ist, bevor ich wieder wässere. Gedüngt wird im Sommer bei jedem Gießen, allerdings in schwacher Konzentration. Das Düngerwasser hat einen Leitwert von 250-300 Mikrosiemens/cm. Im Winter dünge ich gar nicht, da in dieser Zeit der Stoffwechsel der Pflanze durch die kurzen, trüben Tage mit wenig Licht herunterfährt. Während dieser Zeit reichen die im Substrat eingelagerten Nährstoffe aus.

Thrixspermum centipeda steht bei mir hell, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung auf einem Regal, das ca. zwei Meter von einem sehr großen, deckenhohen Südfenster entfernt ist. Dort scheint es ihm sehr zu gefallen. Die Länge des Stamms hat sich in einem Jahr locker verdoppelt. Aus vier Infloreszenzen wurden inzwischen sieben und auch ein neuer Seitentrieb hat sich vor Kurzem gebildet.

Die Temperaturverhältnisse im Kulturraum sind temperiert/warm. Auch im Winter fallen die nächtlichen Temperaturen nicht unter 16 Grad. Tagsüber können sie bei Sonnenschein durch das große Südfenster auch auf 28-30 Grad ansteigen. Im Sommer ist es natürlich mindestens genauso warm, eher noch wärmer. Durch das große Verbreitungsgebiet in verschiedenen Klimazonen dürften aber auch kühlere Temperaturen von Thrixspermum centipeda gut vertragen werden.

Als Thrixspermum centipeda das erste Mal bei mir blühte, dachte ich, dass ich etwas total falsch machen muss. Eines Abends sah ich, dass die Knospen aufplatzten, und als ich am nächsten Abend von der Arbeit kam, sahen sie im Grunde noch (oder wieder) genauso aus. Am Morgen danach waren sie schon verwelkt und fielen ab. Ich recherchierte nochmal im Internet über die Art und fand heraus, dass die Blüten nur ein paar Stunden halten, sich dann wieder schließen und verwelken. In einigen Quellen sind zwei bis drei Tage an Blühdauer angegeben. Allerdings ist damit der ganze „Blühprozess“ gemeint. Also vom Aufploppen der Knospe bis zum Verwelken. Wirklich schön gestreckte Tepalen hat die Blüte nur wenige Stunden. Als dann einige Tage später die nächsten Knospen kamen, schaute ich alle ein bis zwei Stunden danach, damit ich nicht wieder eine Blüte verpasste und Fotos machen konnte. Anfangs hat mich diese kurze Blühdauer etwas genervt, aber inzwischen finde ich es sehr spannend, den richtigen Moment zu erwischen, um die Blüten zu sehen. Da es das ganze Frühjahr hindurch Blüten gibt, bekommt man auch viele der Blüten zu sehen. Mit der Zeit weiß man auch anhand der Größe und Farbe der Knospen, wann es wieder so weit ist, und kann sich auf die Lauer legen.

Wer gerne auf Orchideenblüten-Jagd geht und kein Problem damit hat, sich stundenlang auf die Lauer zu legen, um den richtigen Moment zu erwischen, der ist mit dem unkomplizierten Thrixspermum centipeda bestens bedient! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Das Labellum ist röhrenförmig aufgebaut. (Foto: Thomas Lehmann)
Die Knospen erinnern mich manchmal an kleine Chili-Schoten. (Foto: Thomas Lehmann)
Ebenfalls resupinierte Blüten von Thrixspermum centipeda in der Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)
Hier eine resupinierte Blüte, das Labellum ist also nach unten gerichtet. (Foto: Thomas Lehmann)
Gelegentlich öffnen sich auch zwei Blüten gleichzeitig an einer Infloreszenz. (Foto: Thomas Lehmann)
Während sich die erste Blüte nach wenigen Stunden wieder schließt und dann verwelkt, steht die nächste Knospe schon in den Startlöchern. (Foto: Thomas Lehmann)

KW 22, 2019

Pleione Orizaba

Alles lesen Orchidee der Woche 22, 2019

Pleione Orizaba

Pleione Orizaba ‚Fish Eagle‘ – der bekannteste Klon dieser Hybride (Foto: Thomas Lehmann)

Ian BUTTERFIELD, der weltweit führende Züchter für Pleionen, meldete die Hybride am 15. August 1991 bei der Royal Horticultural Society (RHS) an, worauf sie in das dortige Orchideen-Register eingetragen wurde. Eltern dieser sehr ansprechenden Hybride sind Pleione Novarupta und Pleione Matupi. Die hier vorgestellte Hybride ist also eine höhere Hybride, an der man gut erkennen kann, dass durch selektierte Zucht durchaus sehr ansprechende neue Farben entstehen können, die bei den Naturformen dieser Gattung eigentlich nicht vorkommen. Der am weitesten verbreitete Klon ist Pleione Orizaba ‚Fish Eagle‘, der attraktive, orangefarbene Blüten hervorbringt und sehr unkompliziert und blühfreudig ist. Benannt wurde die Kreuzung nach dem britischen Passagierschiff RMS Orizaba, das im Jahr 1886 seinen Stappellauf absolvierte. 19 Jahre später – am 17. Februar 1905 – lief die Orizaba vor der Westküste Australiens, in der Nähe von Fremantle, auf Grund. Zum Glück konnten alle 375 Passagiere an Bord gerettet werden. Der Gattungsname Pleione (Gr.  Πληιόνη) ist nach einer Figur aus der griechischen Mythologie benannt. Pleione war die Gattin des Titanen Atlas, mit dem sie sieben Kinder hatte. Insgesamt sind an der Hybride Pleione Orizaba vier Naturformen beteiligt. Der Genpool teilt sich wie folgt auf:

  • 43,75% Pleione limprichtii
  • 31,25% Pleione formosana
  • 12,50% Pleione albiflora
  • 12,50% Pleione forrestii
Detailansicht der fransigen und gelb leuchtenden Lippe (Foto: Thomas Lehmann)

Das natürliche Verbreitungsgebiet der vier Naturformen liegt im asiatischen Raum, überwiegend in China und Myanmar. Die Pflanzen siedeln dort meist terrestrisch oder lithophytisch – Pleione albiflora findet man häufig auch epiphytisch wachsend. Die Standorte sind kühl mit sehr feuchten Sommern und komplett trockenen Wintern. Je nach Standort können die nächtlichen Temperaturen im Winter auch unter die Frostgrenze fallen. Die vier genannten Pleione-Arten kommen allesamt in den Bergen vor. Man findet sie in Höhen von 1500 – 3100 Metern über dem Meeresspiegel. In der Regel bevorzugen sie eher schattige Plätze ohne direktes Sonnenlicht. Im Herbst werfen sie ihre Blätter ab und überdauern den trockenen und kalten Winter als nackte Pseudobulbe. Im Frühjahr erscheinen zuerst die Infloreszenzen, aus denen sich nach der Blüte die neue Pseudobulbe mit ein bis zwei Blättern entwickelt. Die Blüten duften nicht.

Eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist nur sehr schwer möglich, da Pleionen gerne eine starke Nachtabsenkung in der Wachstumszeit haben, die im Innenraum meist nur schwer zu erreichen ist. Am besten gefällt es der Pflanze ab dem zeitigen Frühjahr auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten. Nach Abschluss der Wachstumsphase bleiben meine Pleionen noch bis zum ersten Frost im Freien, dabei stehen sie aber schon komplett trocken. Wenn der erste Frost kommt, topfe ich die neuen Pseudobulben aus und entferne alle Wurzeln, da diese ohnehin abgestorben sind und im Frühjahr nicht mehr gebraucht werden. Für den Fall, dass an einigen Pseudobulben noch Blätter sind, die nicht abgeworfen wurden, entferne ich auch diese. Danach kommen die einzelnen Bulben in einen Eierkarton und werden in den nächsten Monaten im Gemüsefach meines Kühlschranks gelagert, natürlich vollkommen trocken. Ab Mitte Januar wird einmal in der Woche kontrolliert, ob an den Pseudobulben schon Wachstum zu sehen ist. Am unteren Ende der Pseudobulben bilden sich dann neue, kleine Triebe. Sobald diese zu sehen sind, werden die Pleionen aus dem Kühlschrank geholt und auf trockenes Substrat gesetzt. Man muss aufpassen, dass die Pleione nicht zu tief im Substrat sitzt, höchstens ein Drittel der Pseudobulbe. Ich benutze gepresstes Sphagnum-Moos, da es sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen kann. Auch jetzt sollten die Pflanzen nicht zu warm stehen, aber auch keinen Frost abbekommen. Vorsichtig gegossen wird erst dann, wenn sich am unteren Ende des Neutriebs Wurzeln zeigen. Bis dahin ernährt sich der neue Trieb ausschließlich von den Nährstoffen, die in der alten Pseudobulbe gespeichert sind, deswegen muss noch nicht gegossen werden. Da bis zu diesem Zeitpunkt keine Wurzeln vorhanden sind, könnte die Pflanze die Feuchtigkeit, und somit die Nährstoffe, auch gar nicht aufnehmen. Man riskiert nur, dass die Pflanzen faulen. Sobald die Wurzeln tief in den Pflanzstoff wachsen und es langsam wärmer wird, darf auch richtig gegossen werden. Ab dann sollte das Substrat bis zum Herbst nicht mehr austrocknen, sondern immer schön feucht bleiben. Im Herbst zieht Pleione dann wieder ein und alles beginnt von vorne.

Eine Gruppe Pleione Orizaba in rosafarbener Variation – gesehen und fotografiert auf einer Ausstellung (Foto: Thomas Lehmann)

Natürlich eignen sich auch andere Pflanzstoffe, die gut Feuchtigkeit halten und nicht zu schnell abtrocknen. Besonders für Pleionen gibt es 1000 verschiedene Rezepte. Da muss man etwas ausprobieren, um das zu finden, womit man selbst am besten zurechtkommt. Selbst Blumenerde wird verwendet, auch Rinde oder mineralische Substrate. Wichtig ist, dass man das Gießverhalten an den Pflanzstoff anpasst und das Substrat nicht austrocknen lässt im Sommer. Gedüngt wird bei mir alle 2-3 Wochen. Ich dünge das Gießwasser dann auf einen Leitwert von ca. 400  Mikrosiemens auf. Früher war ich noch etwas vorsichtiger beim Düngen. Die Erfahrung hat mir aber gezeigt, dass Pleionen recht hungrig nach Nährstoffen sind und gesünder und zügiger wachsen, wenn sie etwas mehr „Futter“ bekommen. Meine Pleionen stehen, vor direkter Mittagssonne geschützt, auf dem Balkon und erhalten für etwa 3 Stunden das Licht der untergehenden Abendsonne.

Autor: Thomas LEHMANN

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Pleione Orizaba ‚Fish Eagle‘ – Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Pleione Orizaba ‚Fish Eagle‘ – Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Einzelblüte des rosafarbenen Klons (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 21, 2019

Chysis limminghei

Alles lesen Orchidee der Woche 21, 2019

Chysis limminghei

Chysis limminghei (Foto: Werner Holzmann)

In einer Ausgabe der „Berliner Allgemeine Gartenzeitung“ aus dem Jahr 1858 veröffentlichten der belgisch-luxemburgische Botaniker Jean Jules LINDEN und sein deutscher Kollege Heinrich Gustav REICHENBACH die Erstbeschreibung von Chysis limminghei. Den Gattungsnamen hatte der britische Botaniker John LINDLEY bereits 1837 eingeführt. Das altgriechische Wort chysis (χυσιs) bedeutet schmelzen. Mit dem Gattungsnamen spielte LINDLEY auf die Fähigkeit der Art an, sich selbst zu bestäuben. Während die Blüten sich langsam öffnen, kommt es immer wieder vor, dass sich Pollen und Narbe einander nähern und miteinander „verschmelzen“.  Die Art benannten LINDEN und REICHENBACH nach ihrem Kollegen und Orchideenliebhaber Graf Alfred Marie Antoine de LIMMINGHE, der drei Jahre später in Rom erschossen wurde.

Chysis limminghei ist heimisch von Mexiko bis ins nördliche Guatemala. Man findet sie ausschließlich an Standorten, die in etwa auf Meereshöhe liegen. Die Temperaturen dort sind ganzjährig warm, auch nachts fallen sie nur selten unter 18 Grad, während sie tagsüber durchaus auf über 40 Grad steigen können. Im Sommer herrscht Regenzeit mit fast täglich vielen kurzen, aber heftigen Schauern. Die Winter dagegen sind trocken mit wenig bis gar keinem Niederschlag. Chysis limminghei wächst epiphytisch auf Bäumen und Sträuchern.

Chysis limminghei im Frühjahr – mit wachsendem Neutrieb und dazugehöriger Infloreszenz (Foto: Werner Holzmann)

Im Frühjahr, nach der trockenen Winterruhe, erscheinen die Neutriebe, aus denen in sehr frühem Stadium schon die Blütentriebe wachsen. Diese werden bis zu 30 cm lang und tragen mehrere wachsartige Blüten, die fast so aussehen, als seien sie aus Porzellan. Die weißen Blüten, die rosafarben überhaucht sind, duften und halten sehr lange. Die Seitenlappen der Lippe sind leuchtend gelb. Der Neutrieb wird bis zu 45 cm lang und trägt im oberen Bereich der spindelförmigen Pseudobulbe sechs bis zwölf Blätter, die  spitz zulaufend, papierartig dünn und an den zahlreich sichtbaren Längsnerven gefaltet sind. Nach der Vegetationsperiode werden sie abgeworfen und die nackte Pseudobulbe geht wieder in eine trockene Winterruhe. Im zeitigen Frühjahr beginnt dann wieder ein Neutrieb zu wachsen.

Die folgende Kulturbeschreibung stammt von Werner Holzmann, der die Art schon mehrere Jahre erfolgreich kultiviert.

Seine Chysis limminghei steht an einem sehr hellen Südfenster, das allerdings durch einen vorstehenden Balkon während des Tages schattiert wird. Direkte Sonneneinstrahlung gibt es somit nur in den frühen Morgen- und späten Abendstunden. Die Temperaturen sind dort ganzjährig warm, da das Zimmer im Winter beheizt wird. Auch nachts fallen die Temperaturen nicht unter 16 Grad. Tagsüber im Sommer wird es dort natürlich sehr warm bis heiß.

Ab dem Frühjahr, wenn der Neutrieb sich zeigt, wird die Pflanze regelmäßig gegossen und dauerfeucht gehalten. Im natürlichen Habitat der Art herrscht während der Vegetationsperiode Regenzeit, wodurch die Wurzeln der Pflanzen andauernde Feuchtigkeit gewohnt sind. Wenn im Herbst der Neutrieb ausgereift ist, wird das Gießen allmählich reduziert. Oft verlieren die Pseudobulben während der Winterruhe ihre Blätter. Allerdings hält Werner Holzmann die Pflanze während des Winters nicht komplett trocken, sondern gibt ihr eher eine Semy-Dry-Ruhe. Das heißt, er gibt seiner Chysis limminghei gelegentlich etwas Wasser, zwischen den Wassergaben trocknet das Substrat aber komplett ab. Oft liest man in diversen Foren und Büchern, dass Chysis im Winter komplett trocken gehalten werden sollte. Die Erfahrungen, die Werner Holzmann gemacht hat, zeigen aber, dass die Gattung mit gelegentlichen Wassergaben im Winter besser wächst und reichlicher blüht. Am Naturstandort fällt schließlich auch gelegentlich Regen im Winter, wenn auch deutlich weniger oft und weniger intensiv als im Sommer. Außerdem ist die Luftfeuchtigkeit im natürlichen Habitat auch wesentlich höher als auf der heimischen Fensterbank. In einem beheizten Gewächshaus mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit kann auf die winterlichen Wassergaben wahrscheinlich verzichtet werden. Auf der Fensterbank sind sie aber angeraten.

Auf dem Foto erkennt man gut, dass der Trieb aus dem letzten Jahr seine Blätter während der Winterruhe gar nicht abgeworfen hat. Die Pseudobulben aus den Jahren davor sind aber kahl. (Foto: Werner Holzmann)

Während der Wachstums- und Blühphase, vom Frühjahr bis in den Herbst, verträgt Chysis limminghei auch recht hohe und regelmäßige Düngergaben. Das Düngerwasser von Werner Holzmann hat einen Leitwert von bis zu 600 Mikrosiemens/cm. Im Winter während der Ruhezeit wird natürlich nicht gedüngt. Da in dieser Zeit keinerlei Wachstum stattfindet, braucht die Pflanze währenddessen auch keine Nährstoffe.

Als Substrat hat sich normale Rinde bewährt. Die Körnung sollte natürlich nicht allzu grob sein, da sich sonst nur schwer die erforderliche Dauerfeuchte im Sommer halten lässt. Natürlich können auch andere Stoffe, mit denen man erfahrungsgemäß gut dauerfeucht kultivieren kann, genutzt werden. Hier gilt – wie immer – der Slogan: Viele Wege führen nach Rom! Was beim einen gut funktioniert, muss beim anderen nicht notwendigerweise auch erfolgreich sein. Hier sollte jeder seine eigenen Erfahrungen machen und herausfinden, welche Substrate gut zum eigenen Gießverhalten passen. Wie schon erwähnt, ist es einfach wichtig, dass der Pflanzstoff während des Wachstums möglichst andauernd feucht, aber nicht nass bleibt.

Mit ihren zahlreichen porzellanartigen Blüten ist Chysis limminghei nicht nur ein echter Hingucker auf der Fensterbank. Mit dem angenehmen Duft, den die Blüten verbreiten, ist sie zudem ein sinnlicher „Hinriecher“ für die Nase. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autoren: Werner Holzmann & Thomas Lehmann

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Chysis limminghei ‚Klaus‘ SM/DOG – ein Klon mit sehr kräftiger Färbung (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

 

KW 20, 2019

Paphiopedilum Judge Philip

Alles lesen Orchidee der Woche 20, 2019

Paphiopedilum Judge Philip

Paphiopedilum Judge Philip (Foto: Thomas Lehmann)

Diese Hybride aus Paphiopedilum Pinocchio und Paphiopedilum philippinense wurde am 08. Juli 2002 bei der Royal Horticultural Society ins Register eingetragen. Der ursprüngliche Züchter, von dem die Pflanze damals kam, ist leider als unbekannt angegeben. Den Eintrag in das Register hat die hawaiianische Orchideengärtnerei „Lehua Orchids – The Slipper Zone“ angemeldet. Ob diese vielleicht auch Züchter dieser Kreuzung waren und es nur falsch ins Register der RHS eingetragen wurde, konnte ich leider nicht herausfinden. Naheliegend wäre es aber. Auch über die Namensgebung kann ich nur spekulieren. Am Supreme Court von Hawaii gab es von 1955-1959 einen Richter (engl. judge) Philip L. Rice. Möglicherweise wurde die Hybride nach eben diesem Judge Philip (L. Rice) benannt,  der der letzte Oberste Richter des Obersten Gerichtshofs des Territoriums von Hawaii war. Da Paphiopedilum Pinocchio eine Primärhybride aus zwei Naturformen ist, sind am Genpool von Paphiopedilum Judge Philip lediglich 3 Naturformen beteiligt:

  • 50% Paphiopedilum philippinense
  • 25% Paphiopedilum glaucophyllum
  • 25% Paphiopedilum primulinum
Papiopedilum philippinense ‚Anja‘ SM/DOG – diese Art ist zu 50% am Genpool von Paphiopedilum Judge Philip beteiligt (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum glaucophyllum ‚Gerti‘ SM/DOG – diese Art gibt 25% in den Genpool von Paphiopedilum Judge Philip (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum primulinum – ebenfalls zu 25% an der Hybride beteiligt (Foto: Thomas Lehmann)

Paphiopedilum philippinense gehört zu den großen Paphiopedilum-Arten und ist auf den Philippinen und im nördlichen Borneo heimisch, wo es terrestrisch, manchmal auch epiphytisch in der Nähe von Kalksteinfelsen wächst. Die natürlichen Standorte können vom Meeresspiegel bis auf 500 Meter darüber liegen. Dort ist es ganzjährig sehr warm mit regelmäßigen Niederschlägen und hoher Luftfeuchtigkeit. Blütezeit ist im späten Herbst bis in den Winter. Die Infloreszenzen tragen mehrere Blüten gleichzeitig.

Die Elternteile von Paphiopedilum Pinocchio, Paphiopedilum glaucophyllum und Paphiopedilum primulinum, wachsen am Naturstandort unter warmen bis heißen Bedingungen sowohl terrestrisch als auch lithophytisch. Paphiopedilum primulinum findet man oft auf oder in der Nähe von Kalkfelsen, Paphiopedilum glaucophyllum eher auf Lavagestein. Beide Arten sind recht kleinwüchsige Frauenschuhorchideen und sogenannte Revolverblüher. Das heißt, sie bilden an einem Blütentrieb nacheinander mehrere Blüten aus, sodass ein Blütentrieb über viele Monate, manchmal länger als ein Jahr, blühen kann. Die Standorte sind ganzjährig feucht und eher schattig.

Die Pflanzen von Paphiopedilum Judge Philip sind sehr kompakt, ähnlich wie Paphiopedilum Pinocchio. Sie bilden einen kurzen Stamm, der von wechselständigen Blättern umhüllt wird, die bis zu 25 cm lang, grün, eliptisch geformt und fest sind. Manchmal zeigen sie auch eine feine Musterung, die bei einigen Pflanzen mehr, bei anderen weniger ausgeprägt ist. Die endständig wachsenden Infloreszenzen werden 25-30 cm hoch und öffnen meist zwei Blüten gleichzeitig. Sehr oft kommen noch 1-3 Blüten nach, die sich dann nacheinander öffnen. Meistens sind aber wirklich nur zwei Blüten gleichzeitig offen. Diese können  bis zu 20 cm breit werden, im Vergleich zum Blattwerk – und dem Elternteil Paphiopedilum Pinocchio – echt riesig. Sie sind in gelb, grün und in Rosatönen gefärbt. Bei jeder Pflanze variieren die Farben leicht.

Die Kultur dieser Hybride ist recht unkompliziert und klappt auch auf der Fensterbank super!

Paphiopedilum Judge Philip braucht recht viel Kalk (Calcium). Ich benutze für alle meine kalkliebenden Paphiopedilen und Phragmipedien Hüttenkalk – ein kohlensaurer Kalk, der von den Pflanzen leichter und besser aufgenommen werden kann. Davon streue ich alle 2-3 Monate etwas auf das Substrat. Es ist aber auch möglich, den Kalk in Wasser aufzulösen und damit zu gießen oder zu tauchen. Man muss nur beachten, dass der Kalk recht lange benötigt, um sich aufzulösen. Deshalb sollte man sein Gießwasser am besten schon am Tag vorher ansetzen und mehrmals umrühren.

Seitenansicht von Paphiopedilum Judge Philip (Foto: Thomas Lehmann)

Als Substrat nutze ich bei meinen Paphiopedilen feine und mittlere Rinde, Holzkohle und mineralische Anteile wie Bimskies, Perlite oder Akadama. Mein Paphiopedilum Judge Philip ist getopft in einem solchen gemischten Pflanzstoff mit recht viel Bimskies, da dieser zusätzlich zum Hüttenkalk noch Calcium freigibt. Die Holzkohle verwende ich im Übrigen nicht um Giftstoffe herauszufiltern, sondern weil diese nicht so viel Wasser aufnimmt. Dadurch schaffe ich in den immerfeuchten Töpfen ein paar trockenere Stellen.

Das Gießwasser hat im Sommer einen Leitwert von circa 350-450 Mikrosiemens/cm und wird mit einem calciumhaltigen Orchideendünger auf diesen Wert aufgedüngt. Im Winter wird nicht gedüngt. In den dunklen Monaten hat das Gießwasser in etwa 200 Mikrosiemens/cm. Das Substrat wird aber trozdem aufgekalkt.

Die Temperatur ist natürlich ganzjährig so warm wie möglich, da ja alle beteiligten Naturformen unter sehr warmen bis heißen Bedingungen wachsen. Auch im Winter gehen die Temperaturen in meinem Orchideenzimmer bei Sonnenschein mal auf 30 Grad und höher. Im Sommer steht Paphiopedilum Judge Philip an einem ostseitigen Fenster mit etwas Morgensonne. Im Winter steht es an der Westseite mit viel Nachmittag- und Abendsonne.

Die Blüten von Paphiopedilum Judge Philip halten mehrere Wochen. Da insgesamt drei bis sechs Blüten nacheinander kommen, erstreckt sich die Blütezeit meist über einige Monate. Leider hat die Pflanze nicht ganz die extreme Blühdauer von Paphiopedilum Pinocchio geerbt, aber man kann nicht alles haben. Die Blütengröße entschädigt ein weinig dafür. Eine wirklich attraktive und unkomlizierte Hybride, die meiner Erfahrung nach sehr gut auf der Fensterbank zu kultivieren ist! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Paphiopedilum Judge Philip ‚Hohenstein‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum Judge Philip (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Detailansicht des Staminodiums und der haarigen Petalen (Foto: Thomas Lehmann)
Meine Pflanze öffnet nicht mehr als 2 Blüten gleichzeitig, dafür aber mehrere nacheinander (Foto: Thomas Lehmann)

KW 19, 2019

Phalaenopsis equestris

Alles lesen Orchidee der Woche 19, 2019

Phalaenopsis equestris

Phalaenopsis equestris (Foto: Thomas Lehmann)

Die Erstbeschreibung dieser klein bleibenden Naturform erfolgte durch den deutschen Botaniker Johannes Conrad SCHAUER. In seinem Werk „Novorum Actorum Academiae Caesareae Leopoldinae-Carolinae Naturae Curiosorum“ aus dem Jahr 1843 gruppierte er die Art in die Gattung Stauroglottis ein. Sieben Jahre später – im Mai 1850 – erfolgte bereits die Umkombination zur Gattung Phalaenopsis durch Heinrich Gustav REICHENBACH, der ebenfalls ein deutscher Botaniker war. Den vorherigen Gattungsnamen verwendete REICHENBACH fil. für die Sektion Stauroglottis, da er für die Art passend war. Stauroglottis bedeutet übersetzt soviel wie „Kreuzzunge“. Mit den länglichen Seitenlappen der Lippe bildet diese ein Kreuz. REICHENBACH fil. veröffentlichte diese Umkombination in „Linnaea; Ein Journal für die Botanik in ihrem ganzen Umfange“. Bei den meisten Neubeschreibungen, die darauf folgten, handelte es sich um Varietäten bzw. Farbformen der Art, wie zum Beispiel die bereits vorgestellte Phalaenopsis equestris var. rosea. Schon über 150 Jahre zählt Phalaenopsis equestris also zur selben Gattung. Man könnte fast meinen, sie wäre von den Taxonomen bisher übersehen worden! In der World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) der Kew Gardens sind alle beschriebenen Farbformen und Varietäten lediglich als Synonym geführt, was ich persönlich schade finde, da sie sich doch oft in einigen typischen Merkmalen unterscheiden. Die endemische Varietät Phalaenopsis equestris var. rosea zum Beispiel, hat, wie im Beitrag dazu ausführlich beschrieben, eine ganz typische Blütenform, die sich klar von der Standardform abgrenzen lässt.

Phalaenopsis equestris ‚3 Lips‘ – eine weitverbreitete labelloide Form, die auch unter dem Kultivar ‚Fairy Tale‘ angeboten wird (Foto: Thomas Lehmann)

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Phalaenopsis equestris erstreckt sich vom südlichen Taiwan über die gesamten Philippinen. Man findet sie dort in heißen Tälern vom Meeresspiegel bis auf Höhen um die 300 Meter darüber. Die Art wächst epiphytisch auf Bäumen entlang von Flüssen und Bächen. Die Temperaturen sind ganzjährig sehr warm bis heiß. Nur äußerst selten fallen sie in den Winternächten unter 20 Grad. Auch Niederschläge gibt es durch alle Jahreszeiten hindurch, allerdings in den Wintermonaten etwas weniger als im Sommer. Durch das Laub der immergrünen Bäume, auf denen sie aufsitzt, ist Phalaenopsis equestris ganzjährig vor der prallen Sonne geschützt, lediglich die tiefstehende Morgen- oder Abendsonne erreicht unter Umständen die Pflanzen. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

Die wirklich kleinbleibenden Pflanzen bilden einen recht kurzen Stamm aus, der fast vollständig von den wechselständigen, festen Blättern umschlossen wird. Die Blätter sind dunkelgrün, leicht glänzend und oval geformt. Die kleinen Blüten sind ca. 3-4 cm breit und 2,5-3 cm hoch. Die Ausfärbung der Blüten variiert von Weiß über Orange zu Rosa und kann bis ins Violette gehen. Phalaenopsis equestris neigt stark zur Kindelbildung und blüht sehr reichlich, fast das ganze Jahr hindurch. An alten Blütentrieben können immer wieder neue Knospen entstehen, weshalb man die Blütentriebe nicht abschneiden sollte, solange sie nicht eintrocknen.

Ganz kurz möchte ich noch auf die Mutationsfreudigkeit von Phalaenopsis equestris eingehen. Die Art neigt sehr stark dazu, an den Petalen zu mutieren. Meistens versuchen die Petalen dann die Farbe und Form des Labellums anzunehmen. Solche Pflanzen werden immer wieder als „pelorisch“ oder „peloric“ verkauft, was nicht wirklich stimmt. Eine echte Pelorie muss radiärsymmetrisch sein. Das heißt vereinfacht gesagt, dass sie mindestens 3 – oder mehr – Spiegelachsen haben muss. Aber nur die allerwenigsten Phalaenopsis zeigen bei einer Mutation der Petalen wirklich diese drei Spiegelachsen und wenn, dann ist diese Mutation oft nicht stabil und taucht nur sporadisch auf. Die stabilen Mutationen von Phalaenopsis equestris sind einfach nur achsensymmetrisch, d. h. sie haben lediglich eine Spiegelachse. Somit ist der Begriff „pelorisch“ eigentlich falsch. Olaf GRUSS nennt diese Formen in seinem Buch „Alle Phalaenopsis-Arten im Bild“ labelloid. Diesen Begriff halte ich für wesentlich besser geeignet.

Phalaenopsis equestris ‚Struber‘ BM/DOG – eine ebenfalls labelloide Form (Foto: Thomas Lehmann)

Die Kultur dieser Naturform ist recht einfach, solange man die hohen Temperaturen auch im Winter bieten kann. Ich versuche nachts möglichst nicht unter 20 Grad zu kommen. In besonders kalten Winternächten geht es mal auf 18-19 Grad runter, kälter hat sie es aber nie bei mir. Tagsüber sorge ich für 24 Grad Minimum an trüben Tagen, an sonnigen Wintertagen geht es auch schnell mal auf 30 Grad und höher. Im Sommer sind die Temperaturen ja nicht das Problem. Im Winter steht die Pflanze unschattiert an der Südseite, im Sommer wird schattiert, da die Blätter sonst durch die starke Sonneneinstrahlung verbrennen würden. Am Naturstandort sind die Pflanzen durch das Laub der Bäume, auf denen sie wachsen, davor geschützt.

Ich persönlich halte Rindenstücke für das beste Substrat bei der Kultur von Phalaenopsis im Topf, da sie als Epiphyten viel Luft und Licht an den Wurzeln gewohnt sind. Die Körnungsgröße der Rinde mache ich abhängig von der Pflanzen- und Topfgröße. Bei kleinen Kindeln und Jungpflanzen nehme ich auch mal 6-9 mm, bei größeren Phalaenopsis equestris 9-12 mm. Manchmal mische ich etwas Tongranulat und Perlite mit unter. Natürlich kann man Phalaenopsis auch aufgebunden mit etwas Moos kultivieren, oder auch in Moos getopft klappt bei einigen gut. Mit dem Aufbinden von Phalaenopsis habe ich keinerlei Erfahrungen und kann deswegen auch nichts dazu sagen. Getopft in Moos habe ich mehrmals versucht, wirklich funktioniert hat es bei mir leider nie. Man braucht dafür ein extrem gutes Gefühl für die Wassergaben, welches mir scheinbar nicht in die Wiege gelegt wurde.

Phalaenopsis werden bei mir nicht gegossen, sondern getaucht. Ich tauche den Topf für 2-3 Minuten in Wasser, bis sich die Wurzeln vollgesogen haben und grün sind. Danach darf der Topf abtropfen und wieder zurück an seinen Platz. Sobald die Wurzeln wieder komplett silbrig sind, wird erneut getaucht. Der Zeitraum ist von Pflanze zu Pflanze verschieden und außerdem abhängig von der Jahreszeit. Auch Topfgröße und Substrat spielen eine große Rolle. Ein kleiner Topf trocknet schneller ab als ein großer, grobes Substrat schneller als feines. Mit der Zeit bekommt man aber ein Gefühl dafür, wann welche Pflanze Wasser braucht. Ich benutze grundsätzlich nur transparente Töpfe, da ich in diesen natürlich sehr gut sehen kann, wie viel Feuchtigkeit noch im Topf ist. Besonders den epiphytisch wachsenden Orchideen tun diese transparenten Töpfe auch deshalb gut, da sie Licht an die Wurzeln lassen, welche bei Phalaenopsis in der Lage sind, Photosynthese zu betreiben.

Das Gießwasser hat bei meinen Phalaenopsis equestris ca. 200-300 Mikrosiemens/cm Leitfähigkeit. Wenn gedüngt wird ‒ bei mir nur im Sommer, in etwa alle 2-4 Wochen ‒ gehe ich inzwischen auf 400-500 Mikrosiemens/cm hoch. Im Winter findet durch das wenige Licht kaum Photosynthese statt und somit wird auch wenig Nährstoff benötigt. Anders sieht es aus, wenn man im Winter zusätzlich mit künstlicher Beleuchtung arbeitet. Dann kann auch im Winter gedüngt werden.

Wie oben schon erwähnt, neigt Phalaenopsis equestris sehr zur Kindelbildung. Anders als der weitverbreitete Glauben, dass Kindelbildung immer ein Zeichen für eine absterbende Mutterpflanze ist, ist das bei den Arten aus der Sektion Stauroglottis vollkommen normal. Besonders ältere Pflanzen bilden oft mehrere Blütentriebe aus, die mit zahlreichen kleinen Blüten bestückt sind und teilweise viele Monate lang immer neue Knospen nachschieben. Phalaenopsis equestris ist bei richtiger Kultur also ein echter Dauerblüher!

Autor: Thomas Lehmann

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Phalaenopsis equestris ‚Anja‘ BM/DOG in der Kategorie Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis equestris ‚Anja‘ BM/DOG in der Kategorie Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis equestris var. rosea, die wir bereits im letzten Jahr als „Orchidee der Woche“ vorgestellt hatten (Foto: Thomas Lehmann)
Die labelloide Phalaenopsis equestris ‚3 Lips‘ (Foto: Thomsa Lehmann)
Eine fast weiße Form von Phalaenopsis equestris (Foto: Thomas Lehmann)