Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

KW 46, 2019

Phragmipedium Fritz Schomburg

Alles lesen Orchidee der Woche 46, 2019

Phragmipedium Fritz Schomburg

Phargmipedium Fritz Schomburg ‚Franz‘ GM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)

Die Hybride Phragmipedium Fritz Schomburg war ein Gemeinschaftsprojekt, an dem neben dem Namensgeber Fritz Schomburg zwei weitere Parteien beteiligt waren. Alfredo Manrique, der Eigentümer der peruanischen Orchideenzucht Centro de Jardinería Manrique (CJM) in Lima, kreuzte Phragmipedium kovachii mit Phragmipedium besseae bereits kurz nach der Entdeckung von Phragmipedium kovachii, da er in Südamerika den Zugang zur neu entdeckten Art hatte. Fritz Schomburg verfügte in seinem Labor in Wisconsin über die Mittel und die nötige Erfahrung, um die Samen auszusäen. Großgezogen wurden die Sämlinge dann von Glen Decker, der durch die Arbeit in seiner Orchideengärtnerei Piping Rock Orchids ein wahrer Spezialist in der Phragmipedium-Aufzucht wurde. Als Phragmipedium Fritz Schomburg dann am 07.03.2007 in das Register der Royal Horticultural Society eingetragen wurde, sorgten sie durch die Namensgebung dafür, dass alle drei Parteien darin Erwähnung fanden. Alfredo Manrique wird dort als „Originator“, also Urheber, genannt. Als „Registrant“, also die Person, die die Registrierung anmeldete, ist dort Piping Rock Orchids verzeichnet und mit dem Namen Phragmipedium Fritz Schomburg verewigten sie auch das am Gemeinschaftsprojekt beteiligte Labor von Fritz Schomburg.Wie oben schon erwähnt sind an der Kreuzung lediglich zwei Naturformen beteiligt:

Phragmipedium kovachii (Foto: Thomas Lehmann)

Erst im Jahre 2001 wurde Phragmipedium kovachii im Norden Perus von Faustino Medina Bautista entdeckt. 2002 wurde diese imposante neue Naturform dann gleich zweimal neu beschrieben. Der Name Phragmipedium peruvianum gilt als Synonym. Die Pflanzen wachsen terrestrisch und litophytisch an steilen Kalksteinfelsen mit Humus- oder Moosauflage. Die Standorte sind meistens sehr gut drainiert und selten der vollen Sonne ausgesetzt. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 18 und 26 Grad im Durchschnitt, wobei es im Winter auch mal deutlich kühler werden kann. In der Region, in der Phrag. kovachii wächst, gibt es fast täglich Niederschlag. Nicht immer sehr heftig, aber dafür ständig. Dadurch stehen die Pflanzen auch immer dauerfeucht und trocknen niemals aus.

Phragmipedium besseae – ein Elternteil der Hybride (Foto: Thomas Lehmann)

Phragmipedium besseae wurde erst im Jahr 1981 entdeckt und erstmalig beschrieben. Heimisch ist die Art in Peru und Ecuador, wo sie terrestrisch, meist in der Nähe von Flüssen und Bächen wächst. Das Klima am Standort bietet ganzjährig sehr konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad. Niederschläge gibt es ebenfalls während des ganzen Jahres. Von März bis September sind diese sogar sehr häufig und regelmäßig.

Phragmipedium Fritz Schomburg kann in der Größe der Blätter und Blüten sehr variieren – je nachdem, welcher Elternteil sich mehr durchsetzt. Die Blätter können bis zu 50 cm lang werden, sind dunkelgrün und breit. Entlang der Mittellinie sind sie stark gekielt. Die Blattenden laufen spitz zu. Jeder Trieb entwickelt bis zu sechs Blätter, die wechselständig einen sehr kurzen Stamm umschließen. Die Infloreszenzen erscheinen endständig aus dem Herz des Triebs, wie bei allen Frauenschuh-Orchideen. Die Blütenfarbe variiert von leuchtend rosa bis zu intensiv violetten Farbtönen. Die Blütenform variiert nur sehr wenig. Die Blüten sind immer sehr rund und verglichen mit anderen Phragmipedien sehr groß. Bei guter Kultur und zunehmendem Alter können sie die Größe einer menschlichen Hand erreichen.

Da beide Elternteile in sehr feuchten bis nassen Gebieten wachsen, kann Phragmipdium Fritz Schomburg gut mit nassem Fuß kultiviert werden. Meine Pflanzen – ja ich habe mehrere von dieser tollen Hybride –  stehen in einer Schale, die immer wieder mit etwas Wasser gefüllt wird, sobald sie ausgetrocknet ist. Zwischenzeitliches Austrocknen verhindert eine Verkeimung des Wassers, wodurch sich die Pflanze infizieren könnte. Das Substrat selbst sollte aber nicht komplett durchtrocknen. Phragmipedien haben den Ruf sehr salzempfindlich zu sein, was für einige Naturformen auch durchaus zutreffend ist. Ich habe in den letzten 10 Jahren Phragmipedium-Kultur aber die Erfahrung gemacht, dass viele Hybriden gar nicht so empfindlich auf gelöste Salze im Wasser reagieren. Meine Phrag. Fritz Schomburg bekommen in den warmen und hellen Sommermonaten teilweise aufgedüngtes Wasser, das einen Leitwert von 450 – 500 Mikrosiemens hat. Im Winter dünge ich allerdings nicht. Da gibt es klares Quellwasser mit wenig gelösten Salzen, da durch das geringe Lichtangebot während der europäischen Winter der Stoffwechsel der Pflanzen herunterfährt und dadurch nicht so viele Nährstoffe benötigt werden. Wer mit künstlicher Zusatzbeleuchtung arbeitet, kann auch im Winter düngen. Ab März steigere ich die Düngergaben langsam, bis sie im Juli/August ihren Höhepunkt erreichen. Danach wird langsam wieder weniger gedüngt. Ab Oktober dann gar nicht mehr. Den Sommer über lagern sich genügend Düngerreste im Substrat an, die die Pflanze im Winter mit Nährstoffen versorgen.

Eine ganze Gruppe von Phragmipedium Fritz Schomburg am Schaustand von Franz Glanz bei der Ausstellung in Niedernhausen 2019 (Foto: Thomas Lehmann)

Mein Standard-Pflanzstoff für Phragmipedium besteht aus einer Mischung mit Rindenanteil, Perliten, Bimskies und Holzkohle. Rinde hat den Nachteil, dass sie sich durch die ständige Feuchtigkeit recht schnell zersetzt. Allerdings werden bei diesem Zersetzungsprozess auch Nährstoffe freigesetzt. Nach zwei bis vier Jahren sollte dann aber neu getopft werden, bevor sich das Substrat zu sehr verdichtet und die Wurzeln faulen. Perlite gebe ich mit dazu, weil sie einerseits das Substrat luftig machen und andererseits gut Wasser speichern können. Bimskies gibt etwas Kalk ab und hat ebenfalls die Fähigkeit, Wasser zu speichern und weiterzuleiten. Um in dem feuchten Substrat für etwas trockenere Stellen zu sorgen, nutze ich die Holzkohle, die sich nicht mit Wasser vollsaugt und dadurch trockener bleibt. Die Körnung aller Bestandteile sollte nicht zu fein, aber auch nicht zu grob sein, je nach Topfgröße Körnungen von 5 bis 18 mm. Auch in rein mineralischen Substraten, in Sphagnum-Moos oder Steinwollwürfeln fühlt sich Phragmipedium Fritz Schomburg wohl. Ich habe schon einiges ausprobiert und die Erfahrung gemacht, dass es nur wichtig ist, dass viel Wasser vom Substrat aufgenommen und gehalten werden kann.

Phragmipedien mögen es hell, aber keine direkte Mittagssonne. Sonnenschein am Morgen oder Abend wird gut vertragen, wenn er nicht zu lange auf die Blätter brennt. Werden diese gelblich, muss unbedingt schattiert oder die Pflanze umgestellt werden. Nachts können die Temperaturen auf 10 Grad fallen, müssen sie aber nicht. Phragmipedium Fritz Schomburg wächst sehr gut bei normalen Zimmertemperaturen – auch in beheizten Räumen mit etwas trockener Luft, wenn regelmäßig gelüftet wird. Bei zu wenig Frischluft oder Luftbewegung können sich Pilze bilden, die die Pflanze sehr schwächen und im Extremfall auch töten können, wenn nicht mit einem Pilzmittel behandelt wird.

Alles in allem ist Phragmipedium Fritz Schomburg ein wirklich unkomplizierter und sehr blühwilliger Frauenschuh, der durch eine enorme Blütengröße und Farbintensität sofort ins Auge fällt. Die Blühdauer erstreckt sich über mehrere Wochen, da er neue Knospen hervorbringt, noch bevor die aktuelle Blüte verwelkt ist. Je älter die Pflanzen werden, desto mehr Blüten bilden sie, teilweise verzweigen sich die Infloreszenzen im Alter bei sehr guter Kultur.

Phragmipedium Fritz Schomburg ist ein absolutes Must-Have für Liebhaber von Frauenschuh-Orchideen und sollte deshalb in keiner Sammlung fehlen! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Phragmipedium Fritz Schomburg ‚Niedernhausen‘ SM/DOG mit verzweigtem Blütentrieb (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Fritz Schomburg ‚Elias‘ SM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Fritz Schomburg ‚Dumbo‘ SM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Fritz Schomburg ‚Dumbo‘ SM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Fritz Schomburg ‚Franz‘ GM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Fritz Schomburg, bei dem ein Phrag. besseae f. flavum zur Zucht verwendet wurde (Foto: Thomas Lehmann)

KW 45, 2019

Restrepia cymbula

Alles lesen Orchidee der Woche 45, 2019

Restrepia cymbula

Restrepia cymbula (Foto: Thomas Lehmann)

Der Gattungsname Restrepia geht auf den kolumbianischen Orchideenforscher José Manuel RESTREPO VÉLEZ zurück, der als Erster die Geschichte der antioquischen Anden erforschte. Die Gattung zählt zu den Pleurothallidinae, zu denen auch Dracula, Lepanthes, Platystele und einige andere Gattungen der Familie Orchidaceae gehören. Die Erstbeschreibung von Restrepia cymbula stammt aus der jüngeren Orchideen-Geschichte. Im Jahr 1996 wurde sie in „Orquideologia; Revista de la Sociedad Colombiana de Orquideologia. Medellin“ veröffentlicht. Die Autoren der Erstbeschreibung waren der amerikanische Botaniker und Orchideen-Spezialist Carlyle A. LUER und der 2009 verstorbene kolumbianische Botaniker und weltweit anerkannte Orchideen-Experte Rodrigo ESCOBAR. Synonyme für Restrepia cymbula werden in der WCSP nicht aufgeführt.

Das schalenartige Synsepalum erinnert ein wenig an einen Stubenwagen für Babys (Foto: Thomas Lehmann)

Restrepia cymbula ist heimisch in Ecuador und scheint dort endemisch zu sein. Der genaue Fundort ist leider nicht bekannt. Man kann davon ausgehen, dass die epiphytischen Pflanzen – wie alle Restrepien – feuchte Regenwälder mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit besiedeln, ihr Habitat somit niemals vollkommen austrocknet. Durch die immergrünen Bäume und Büsche, auf denen Restrepia cymbula wächst, ist sie vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Über die Temperaturbedingungen am Standort können keine Aussagen getroffen werden.

Die Art bildet einzelne Blätter aus, die auf ca. 2-4 cm langen Stielen sitzen. Die Blätter werden bis zu 6 cm lang und sind glänzend grün. An der Basis der Blätter entspringen die Infloreszenzen. Jedes Blatt kann mehrmals Infloreszenzen hervorbringen. Diese tragen jeweils nur eine einzelne Blüte, die ungefähr 3 cm hoch und 1 cm breit ist. Während die Petalen und das dorsale Sepalum sehr filigran und teilweise farblos transparent sind, leuchtet das überdimensionale Synsepalum in auffallendem Orange mit roten Streifen. Das Labellum ist in das schalenartige Synsepalum eingebettet.

Restrepia cymbula ist eine der blühfreudigen Restrepien, die sich im Laufe von wenigen Jahren zu kleinen Büschen mit sehr vielen Blüten entwickeln können. Eine Kultur auf der Fensterbank ist möglich, wenn man im Winer für möglichst kühle Temperaturen sorgen kann.

Ich kultiviere meine Restrepien getopft in mineralischem Substrat, wobei Restrepia cymbula zwar noch in ihrer Rindenmischung vom Kauf steht, aber wie alle anderen kultiviert wird. Auch aufgebunden ist natürlich möglich, allerdings ist dann eine Orchideenvitirine oder ein Gewächshaus zu empfehlen, damit die feinen Wurzeln nicht austrocknen. Meine Restrepia brachypus – die wir bereits als Orchidee der Woche vorgestellt haben – sitzt in einer Mischung aus Bimskies, Lavagranulat und Zeolith. Der Topf steht das ganze Jahr über in einem mit Wasser gefüllten Untersetzer. Der mineralische Pflanzstoff saugt sich somit immer gleichmäßig feucht und trocknet nicht aus. Zwischen den einzelnen Substrat-Teilchen entstehen kleine Lufträume, die eine gute Belüftung der Wurzeln gewährleisten. Der größte Vorteil von mineralischem Substrat ist, dass sich die Bestandteile nicht zersetzen, was bei Rinde oder Moos in Verbindung mit Dauerfeuchtigkeit oft schnell passiert. Getopft werden muss also erst, wenn der Topf zu klein wird. Wie gesagt ist meine Restrepia cymbula noch in Rinde mit Perliten und Moos getopft. Sie stand den Sommer über aber trotzdem dauerhaft im Wasser. Dadurch zersetzt sich das Substrat  allerdings schon langsam. Es muss also neu getopft werden, wofür ich mineralisches Substrat verwenden werde.

Habitusfoto von Restrepia cymbula – an den nicht ganz makellosen Blättern erkennt man, dass die Pflaze den Sommer im Freien verbringt (Foto: Thomas Lehmann)

Das Gießwasser, mit dem ich die Schale auffülle, hat einen Leitwert von ca. 150 Mikrosiemens/cm. Von März bis in den frühen Herbst wird 1-2 Mal im Monat gedüngt. Dabei dünge ich das Wasser auf etwa 300 Mikrosiemens/cm auf. Gelegentlich wird der Topf mit klarem Wasser durchgespült, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu verhindern. Tut man das nicht, reichern sich im Laufe der Zeit zu viele Salze (Düngerreste) im Topf an, die dann die feinen Wurzeln beschädigen könnten. Im Winter dünge ich nicht.

Den Sommer darf meine Restrepia cymbula im Freien verbringen, was man ihr an den Blättern stellenweise auch ansieht. Sie steht dort schattig und vor Regen und Sturm geschützt, um möglichst kühle Temperaturen zu gewährleisten. Sie verträgt die heißen Sommertage bei uns in Süddeutschland aber sehr gut. Wichtig ist, dass die nächtlichen Temperaturen deutlich niedriger sind als am Tage. Sobald die Temperaturen nachts dauerhaft unter 8 Grad fallen, hole ich die Pflanze nach innen und stelle sie an einen kühlen Platz, an dem das Fenster so oft wie nur möglich gekippt ist. Im Winter sollte die Pflanze nicht zu warm stehen. Ein ungeheizter Raum (z. B. ein Treppenhaus) ist ideal, wenn genug Licht vorhanden ist. Im Winter kultiviere ich an einem hellen Westfenster in einem ungeheizten Raum. Dort können die Temperaturen in der Nacht auch auf 8-10 Grad abfallen.

Während ich im Sommer sehr darauf achte, dass keine Sonnenstrahlen direkt auf die Blätter fallen, darf in den Wintermonaten von November bis Mitte Februar das Sonnenlicht ungehindert auf die Pflanze scheinen – besonders oft scheint die Sonne im Winter ja ohnehin nicht. Ab Ende Februar/Anfang März wird die Sonnenstrahlung allerdings schon wieder so stark, dass es schnell zu Verbrennungen auf den Blättern kommen kann. Diese Verbrennungen sind dauerhaft und lassen sich nicht behandeln. Deshalb muss zwingend ab Mitte Februar schattiert werden.

Die ungewöhnliche Form der Blüten mit ihren leuchtenden Farben zieht alle Blicke auf sich. Wer mit dem Gedanken spielt, sich an Restrepien heranzutrauen, dem kann ich Restrepia brachypus und Restrepia cymbula wärmstens empfehlen. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Seitenansicht der Blüte von Restrepia cymbula (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte von Restrepia cymbula (Foto: Thomas Lehmann)
Eine kleine Knospe schiebt sich zwischen Blättern und alten Infloreszenzen hervor. (Foto: Thomas Lehmann)

KW 44, 2019

Coelogyne ovalis

Alles lesen Orchidee der Woche 44, 2019

Coelogyne ovalis

Coelogyne ovalis ‚Barbarossa‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Der britische Botaniker John LINDLEY beschrieb die Art erstmalig in „Edwards’s Botanical Register; or, Flower Garden and Shrubbery. London“ im Jahr 1838. Bis heute gab es sechs weitere Veröffentlichungen verschiedener Taxonomen, auf die ich nicht einzeln eingehen kann. Lediglich die Erstbeschreibung von Coelogyne fuliginosa aus dem Jahr 1849, die vom ebenfalls britischen Botaniker William Jackson HOOKER in „Botanical Magazine; or, Flower-Garden Displayed … London“ publiziert wurde, möchte ich kurz erwähnen, da die hier vorgestellte Pflanze von Werner Holzmann als Coelogyne fuligiosa erworben wurde. Laut „World Checklist of Selected Plant Families“ (WCSP) der Londoner Kew Gardens handelt es sich bei den beiden Veröffentlichungen um dieselbe Art. Da die Neubeschreibung von Coelogyne ovalis  früher veröffentlicht wurde, hat dieser Name bis heute Gültigkeit. Coelogyne fuliginosa ist somit ein Synonym, das allerdings in der Literatur und im Handel oft Erwähnung findet.

Die Art ist in Asien heimisch. Ihre Standorte erstrecken sich von Assam über Tibet, Nepal, Bhutan und von den chinesischen Provinzen Xizang und Yunnan bis  ins nordöstliche Indien sowie Myanmar, Thailand und Vietnam. Coelogyne ovalis wächst sowohl epiphytisch als auch lithophytisch in Bergtälern auf Höhen von 600 – 2100 Metern über dem Meeresspiegel. Durch das recht große Verbreitungsgebiet besiedelt diese Naturform unterschiedliche Klimabereiche. Die Temperaturbedingungen variieren von kühl bis warm, aber immer mit einer deutlichen Nachtabsenkung. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig hoch. Teilweise wird das örtliche Klima vom Monsun beeinflusst – an manchen Standorten gibt es ganzjährig gleichmäßige Niederschläge.

Habitusfoto von Coelogyne ovalis – wie man sieht ist eine Topfkultur nicht die optimale Lösung (Foto: Werner Holzmann)

Coelogyne ovalis bildet Pseudobulben aus, die bis zu zehn Zentimeter voneinader entfernt wachsen können. Dazwischen befindet sich ein langes, meist oberirdisches Rhizom. Jede Pseudobulbe ist mit zwei länglichen und spitz zulaufenden Blättern besetzt, die dunkelgrün und glänzend sind. Zwischen ihnen erscheint die Infloreszenz, mit der das Ausreifen der Pseudobulbe einhergeht. An den bis zu zwölf Zentimeter langen Blütentrieben entwickeln sich mehrere Blüten, wobei immer nur eine einzelne geöffnet ist. Die Tepalen sind durchscheinend gelb bis grünlich und sehr unauffällig. Dafür zeigt das Labellum auf weißem Grund eine sehr auffällige rote Zeichnung. Je nach Lichteinfall kann die Farbe sehr dunkel wirken. Die Blüten verströmen einen angenehmen Geruch.

Die folgende Kulturbeschreibung basiert auf Angaben von Werner Holzmann , der Coelogyne ovalis seit über 10 Jahren erfolgreich kultiviert. Alle Neutriebe kommen – trotz teils stiefmütterlicher Behandlung – zur Blüte, sobald sie ausgewachsen sind.

Als ich begann, für diesen Beitrag zu recherchieren, stellten sich mir recht schnell zwei Fragen: Temperaturbereich für die Kultur? Monsunartige Wassergaben und Trockenperioden oder nicht? Durch das recht große Verbreitungsgebiet sind diese beiden Fragen nicht ganz eindeutig zu beantworten. Pflanzen aus Nachzucht sollten da recht unkompliziert und anpassungsfähig sein. Werner Holzmann kultiviert zwei Pflanzen der Art unter kühl-temperierten Bedingungen. Eine davon steht ganzjährig an einem Ostfenster, das immer geöffnet ist. Nur wenn die nächtlichen Temperaturen unter -2 Grad fallen, wird das Fenster nachts geschlossen. Dadurch entsteht ein recht großes Tag/Nacht-Temperaturgefälle  – im Sommer wie im Winter. Das Fenster wird durch einen Baum schattiert. Somit ist der Standort zwar sehr hell, aber nur sehr selten fallen am Morgen Sonnenstrahlen direkt auf die Pflanze.  Die zweite Pflanze steht unter Kunstlicht und erhält keinerlei natürliches Licht. Auch die Temperaturen sind dort etwas höher und das Tag/Nacht-Gefälle ist nicht so ausgeprägt. Aber auch diese Pflanze blüht regelmäßig.

Wie man auf den Fotos von Werners Pflanze sehen kann, nimmt Coelogyne ovalis im Laufe der Jahre sehr viel Platz ein. Deshalb ist Topfkultur eigentlich nicht so gut geeignet für diese Art. Besser wäre es die Pflanze aufzubinden, wenn eine große Vitrine oder ein Gewächshaus vorhanden ist, oder sie in einer großen Schale zu kultiveren und gegebenenfalls die Rhizome etwas zu „lenken“. Die Schale sollte lieber gleich etwas größer gewählt werden, da Coelogynen das Umtopfen nicht so gerne mögen. Am besten wachsen sie, wenn man sie über Jahre hinweg einfach in Ruhe lassen kann. Als Substrat nutzt Werner gut durchlässige, nicht zu feine Rinde ohne weitere Zusatzstoffe.

Gegossen wird ganzjährig ohne ausgeprägte Trockenzeit, im Winter jedoch seltener, da der Pflanzstoff wegen der niedrigeren Temperaturen länger braucht, bis er antrocknet. Staunässe über einen längeren Zeitraum – besonders in Verbindung mit Kühle oder gar Kälte – kann zu Fäulnis führen, was den Tod der Pflanze bedeuten würde. Aus diesem Grund lässt Werner das Substrat zwar antrocknen, aber niemals ganz austrocknen.

Da die Wurzeln von vielen Coelogyne-Arten sehr empfindlich auf Salz reagieren können, verwendet Werner die Reste seines normal aufgedüngten Wassers und verdünnt dieses nochmals mit klarem Wasser. Der Leitwert liegt dann immer unter 200 Mikrosiemens/cm.

Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Blütenfoto von Coelogyne ovalis (Foto: Werner Holzmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Werner Holzmann)
Habitus von Coelogyne ovalis (Foto: Werner Holzmann)

KW 43, 2019

Bulbophyllum makoyanum

Alles lesen Orchidee der Woche 43, 2019

Bulbophyllum makoyanum

Bulbohyllum makoyanum (Foto: Thomas Lehmann)

Heinrich Gustav REICHENBACH – ein deutscher Botaniker, der eine Vielzahl von Orchideenarten beschrieb – veröffentlichte im Werk „Gardeners‘ Chronicle. London“ aus dem Jahr 1879 die Erstbeschreibung der Art unter dem Namen Cirrhopetalum makoyanum. In einer Notiz erwähnt er in diesem Beitrag auch den Namen Bulbophyllum makoyanum kurz. Die offizielle Überführung in die Gattung Bulbophyllum wurde von Henry Nicholas RIDLEY übernommen. Im Jahr 1907 erschien der anerkannte Artikel dazu in „Materials for a Flora of the Malayan Peninsula. Singapore“. Der Name Bulbophyllum leitet sich aus dem Altgriechischen Wörtern βολβος (bolbos) und Φυλλων (phyllon) ab. Bolbos lässt sich mit Birne  übersetzen. Phyllon ist das Wort für Blatt. Da die Pseudobulben ein wenig an Birnen erinnern, auf denen ein Blatt sitzt, ist der Gattungsname leicht nachzuvollziehen.

Beheimatet ist die Art in Malaysia, Singapur, auf Borneo und den Philippinen. Sie kommt dort in immerfeuchten Nebelwäldern des Tieflands unter warmen bis heißen Bedingungen vor. Die Standorte liegen von Meereshöhe bis auf ca. 300 Meter über dem Meeresspiegel. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch und die Luftfeuchtigkeit ist ebenfalls ganzjährig sehr hoch. Bulbophyllum makoyanum wächst ausschließlich epiphytisch. Durch das Laub der immergrünen Bäume sind die Pflanzen am Naturstandort vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Dennoch ist die Lichtintensität in diesen Wäldern sehr stark.

Habitus von Bulbophyllum makoyanum mit drei Infloreszenzen in verschiedenen Stadien (Foto: Thomas Lehmann)

Wie oben schon erwähnt bildet Bulbophyllum makoyanum birnen- bis eiförmige Pseudobulben aus, auf denen ein einzelnes sehr festes und fleischiges Blatt sitzt. Das Laub ist dunkelgrün und hat einen matten Glanz. Die Rhizomabschnitte zwischen den Pseudobulben sind nur wenige Zentimeter lang. Während des ganzen Jahres können an der Basis von frisch ausgewachsenen Pseudobulben Infloreszenzen erscheinen, die ca. 20 cm lang werden und sehr aufrecht wachsen, sodass die Blüten beim Aufblühen etwas über dem Laub stehen. Jede Infloreszenz trägt fünf bis zwölf Blüten und erinnert an einen Fächer oder Regenschirm. Die einzelnen Blüten haben sehr verlängerte, schlauchartig zusammengewachsene Sepalen. Die kleine Lippe sitzt in einem kleinen Zwischenraum und ist bewegllich. Petalen und das dorsale Sepalum sind mit Fransen besetzt, deutlich kleiner als die zusammengewachsenen Sepalen und manchmal farblich abgesetzt. Die Blüten haben einen leichten Duft, der nicht so unangenehm ist wie bei manch anderen Bulbophyllen.

Das Substrat für Bulbophyllum muss unbedingt sehr gut drainert sein und darf nicht zu nass werden, da die Pseudobulben sonst sehr schnell faulen. Aus diesem Grund nutze ich für meine größeren Bulbophyllen mittlere und grobe Rinde, gemischt mit Perlite. Gerne verwende ich auch transparente Töpfe, um den Zustand der Wurzeln und auch die Feuchtigkeit im Topf besser kontrollieren zu können. Wenn zwei Drittel des Topfes abgetrocknet sind, wird wieder gewässert. Ob getaucht oder durchdringend gegossen wird, muss jeder für sich entscheiden. Wichtig ist nur, dass sich keine Staunässe bildet und der Pflanzstoff sehr gut und schnell antrocknen kann. Je nach Temperatur trocknet mein Topf nach 5-10 Tagen ab, danach tauche ich wieder. Auch aufgebundene Kultur ist grundsätzlich möglich. Bedingt durch die Größe von Bublbophyllum makoyanum ist für die Pflege im Wohnraum der Topf aber die bessere Lösung. Wer ein Gewächshaus oder eine große Vitrine besitzt, kann es auch aufgebunden problemlos kultivieren.

Ich dünge von Frühjar bis Herbst bei jeder Wassergabe mit ca. 300 Mikrosiemens/cm. Gelegentlich auch etwas mehr. Zwischendrin wird der Topf auch mal mit klarem Wasser durchgespült. Da ich im Winter keine zusätzliche Beleuchtung in Form von LEDs oder Leuchtstoffröhren nutze, dünge ich in dieser Zeit gar nicht. Der Stoffwechsel der Pflanze ist im Winter in unseren Breitengraden stark herabgesenkt, da nur sehr wenig Licht zur Verfügung steht. Für diese Zeit genügen die Salze, die sich im Laufe des Sommers im Pflanzstoff anglagert haben.

Der Lichtbedarf von Bulbophyllum makoyanum ist nicht extrem hoch, da es am Naturstandort in immergrünen und schattigen Wäldern auf Bäumen sitzend wächst und kaum der direkten Sonne ausgesetzt ist. Bei mir steht die Pflanze an der Ostseite und bekommt ein wenig Morgensonne ab, das verträgt sie gut. Aber auch schattierte Süd- oder Westseite ist möglich. Da die nächtlichen Temperaturen am Standort nur selten unter 15-20 Grad fallen, steht mein Bulbophyllum makoyanum ganzjährig im Haus. Im Winter dann im beheizten Zimmer, in dem die nächtlichen Temperaturen auch nicht unter 15 Grad fallen. Tendenziell liegen sie auch im Winter bei 17-18 Grad Minimum.

Obwohl an den Naturstandorten ganzjährig eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, kommt dieses recht unkomplizierte Bulbophyllum auch mit etwas trockener Luft ganz gut zurecht. Bei guter Pflege und dem richtigen Standort ist es ein zuverlässiger Blüher, der während des ganzen Jahres mit mehreren Infloreszenzen blühen kann. Im Moment hat mein Bulbophyllum makoyanum drei Blütentriebe. Es scheint sich sichtlich wohl zu fühlen bei mir! Die einzigartige Blütenanordnung macht diese Orchidee zu einem wirklichen Blickfang. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Seitenansicht einer Einzelblüte (Foto: Thomas Lehmann)
Die einzelnen Blüten fächern sich kreisförmig auf (Foto: Thomas Lehmann)
Im Größenvergelich zu meiner Hand (Foto: Thomas Lehmann)
Ansicht von unten – die röhrenartig verwachsenen Sepalen sind hier deutlich zu erkennen (Foto: Thomas Lehmann)
Bulbophyllum makoyanum (Foto: Thomas Lehmann)
Bulbophyllum makoyanum (Foto: Thomas Lehmann)

KW 42, 2019

Tolumnia Jairak Flyer

Alles lesen Orchidee der Woche 42, 2019

Tolumnia Jairak Flyer

Tolumnia Jairak Flyer (Foto: Thomas Lehmann)

Am 29. April 2013 wurde Tolumnia Jairak Flyer von der Royal Horticultural Society (RHS) ins „International Orchid Register“ aufgenommen. Der thailändische Orchideenzüchter Kanith SOMBOONPOL hatte die Hybride Tolumnia Jairak Firm mit der Hybride Tolumnia Rainbow gekreuzt und das Ergebnis unter dem Namen Tolumnia Jairak Flyer angemeldet, als die Pflanze erstmalig erblühte. Insgesamt sind an dieser Hybride folgende Arten aus der Gattung Tolumnia beteiligt:

  • 46,09% Tolumnia pulchella
  • 34,77% Tolumnia triquetra
  • 10,94% Tolumnia guianensis
  • 6,64% Tolumnia henekenii
  •   1,57% Tolumnia urophylla

    Tolumnia pulchella ‚Widderchen‘ SM/DOG – zu 46,09% in den Genen von Tolumnia Jairak Firm vertreten (Foto: D.O.G.-Archiv)

Diese Naturformen sind allesamt in der Karibik heimisch. Auf Kuba, den Antillen und Bahamas sowie auf Jamaika und in Guyana wachsen diese kleinen Epiphyten alle unter warmen bis sehr warmen Bedingungen, kühl wird es dort eher selten. Tolumnien besiedeln helle, manchmal sogar sonnige Standorte mit hoher Luftfeuchtigkeit und starker Luftzirkulation.

Tolumnia Jairak Flyer ist eine monopodial wachsende Orchidee, deren fächerartiger Spross ca. 3-5 cm lange Blätter ausbildet, die gegenständig wachsen. Sie sind fest und sehr stark gekielt. Durch die Vielzahl an Naturformen, die an dieser Kreuzung beteiligt sind, kann die Blütenfarbe stark variieren. Fast alle Farbnuancen sind möglich. Inzwischen gibt es einige Klone mit besonders schöner Farbzeichnung. Die Blüten sind 3-4 cm hoch und 2-3 cm breit. Die größte Fläche nimmt die Lippe ein, welche meist eine besondere Zeichnung hat und mehrfarbig ist. Die einzelnen Blütenblätter sind manchmal leicht gerüscht, können aber auch ganz glatt sein. Wie schon erwähnt, ist durch die Beteiligung mehrerer unterschiedlicher Naturformen fast alles möglich.

Tolumnia Jairak Firm – die wir bereits als Orchidee der Woche vorgestellt hatten – ist ein Elternteil von Tolumnia Jairak Flyer (Foto: Thomas Lehmann)

Die Kultur von Tolumnia ist nicht ganz unkompliziert. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich im Laufe der letzten zehn Jahre schon so einige zu Kompost verarbeitet habe. Das Wichtigste ist, die richtige Balance zwischen Feuchtigkeit und Trockenheit zu finden. Stehen sie zu feucht, dann faulen sie ganz schnell. Stehen sie zu trocken, sterben die Wurzeln ab und die Pflanze dehydriert. Aufgebundene Kultur in einem warmen Gewächshaus mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit und starker Luftzirkulation sollte nicht so problematisch sein. Zu Hause auf der Fensterbank ist es aber wirklich eine hohe Kunst, diese reizenden Miniaturen mit ihren imposanten Blüten am Leben zu erhalten. Nachdem so einige Kulturmethoden bei mir fehlgeschlagen sind, läuft es jetzt seit zwei Jahren ganz gut und zufriedenstellend. Meine Tolumnia Jairak Flyer, die ich schon vor einem Jahr vorgestellt hatte, erreichte inzwischen eine Silbermedaille bei der Tischbewertung. Ich hatte die Pflanzen früher ganz wurzelnackt kultiviert – in kleinen Tontöpfen, in Gläsern auf feuchtem Ton und in diversen anderen Gefäßen. Auf Dauer sind sie mir immer vetrocknet, zuerst die Wurzeln, dann die Pflanzen. Danach probierte ich es getopft in grober Rinde, in Moos und diversen anderen Substraten, die mir empfohlen worden waren. Früher oder später faulten mir die Pflanzen dann doch immer ab oder vertrockneten auch, wenn ich zu vorsichtig mit dem Gießen war. Mit folgender Kombination aus den beiden Kulturansätzen läuft es nun schon seit über zwei Jahren gut und ich wurde schon mehrmals mit Blütentrieben belohnt. Die Pflanzen sind kräftig, sehen gesund aus und es bilden sich regelmäßig neue Wurzeln und Fächer, also Seitentriebe.

Meine aktuelle Kulturmethode sieht folgendermaßen aus: Das kleine Pflänzchen selbst sitzt wurzelnackt in einem kleinen Gitterkörbchen. Das Gitterkörbchen wiederum sitzt in einem großen Tontopf, der mit grober Rinde gefüllt ist. Das Körbchen ist in der Rinde versenkt. Dadurch wachsen die Wurzeln durch das Körbchen in die grobe Rinde, in der sich die Feuchigkeit etwas länger hält und eine hohe Luftfeuchtigkeit in den Zwischenräumen herrscht. Die Pflanze kann sich dadurch also lange mit Feuchtigkeit und Nährstoffen versorgen. Die Pflanze selbst kann aber sehr schnell abtrocknen und ist deswegen bisher nicht gefault. Auch sehen alle Wurzeln noch sehr gut und prall aus, was mit allen anderen wurzelnackten Kulturmethoden immer nicht lange anhielt. Die feinen Wurzeln sahen da immer sehr schnell trocken und brüchig aus.

Getaucht wird nach Gefühl, aber immer erst, wenn wirklich alles abgetrocknet ist. Grundsätzlich kommen Tolumnien mit Trockenheit besser zurecht als mit zu viel Nässe. In den Sommermonaten, als die Hitzewelle besonders schlimm war, stand der Tontopf stets in einer kleinen mit Wasser gefüllten Schale. der Tontopf war dadurch ständig leicht feucht und auch die Rinde sog sich von unten mit Wasser voll, wodurch ein sehr feuchtes Mikroklima im Topf entstand. Die Pflanze selbst bekam allerdings kein Wasser ab und blieb schön trocken. Da Tolumnien sehr feine, fast fadenartige Wurzeln haben, sollte immer mit möglichst salzarmem Wasser gegossen werden. Das Velamen der Wurzeln verstopft durch zu viele Salze sehr schnell und sie können dann kein Wasser mehr aufnehmen. Mein Tauchwasser hat einen Leitwert zwischen 50 und 100 Mikrosiemens/cm. Dazu nutze ich entmineralisiertes Wassser (Osmosewasser) und dünge es auf den gewünschten Wert auf. In diesem Fall gibt es auch im Winter ein wenig Dünger, da entmineralisiertes Wasser auf Dauer schaden kann, wenn es pur verwendet wird. Durch den osmotischen Druck, den das Wasser hat, kann es Nährstoffe aus der Pflanze saugen und diese geht dann ein. Im Winter gibt es aber weniger Dünger als im Sommer. Im Sommer wird gelegentlich etwas mehr gedüngt. Dazu dünge ich das Gießwasser auf einen Leitwert von ca. 200 -250 Mikrosiemens/cm auf.

Meine Tolumnia Jairak Flyer steht ganzjährig sehr warm. Die nächtlichen Temperaturen fallen auch im Winter niemals unter 18 Grad, meist ist es sogar noch etwas wärmer. Auch an Wintertagen kann ich ihr dank meiner beheizten Orchideengalerie Mindesttemperaturen am Tag von 25 Grad bieten. Bei Sonnenschein steigen sie auch schnell über 30 Grad. Im Sommer haben wir hier in Süddeutschland inzwischen ja fast tropische Temperaturen, somit muss ich da nichts regulieren. Die Pflanze steht sehr hell, im Sommer leicht schattiert. Im Winter bekommt sie volles Licht am großen Südfenster.

Zum besseren Verständnis ein Foto meines Kulturtopfes (Foto: Thomas LEHMANN)

Wann immer es geht, wird gelüftet, damit möglichst viel Luftaustausch und -zirkulation herrscht. Vernebler und Ventilator – wie noch vor einem Jahr in der Kulturanleitung zu Tolumnia Jairak Firm geschrieben – hatte ich letzten Winter gar nicht mehr benutzt. Die Pflanze wuchs genauso gut und blühte reichlich in diesem Jahr.

Zwar ist die Kultur von Tolumnia nicht unkompliziert und meist mit einigen Rückschlägen gepaart, umso größer ist dann aber die Freude, wenn eine Pflanze über alle Jahreszeiten hinweg wächst und gedeiht, dabei auch noch gut aussieht und man letzten Endes mit einer tollen und langanhaltenden Blüte belohnt wird! Jetzt hoffe ich mal, dass es auch weiterhin so gut läuft mit der Kulturmethode und mich meine Tolumnia Jairak Flyer wieder mit Blüten erfreut. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Habitusbild von Tolumnia Jairak Firm (Foto: Thomas Lehmann)
Hier kann man teilweise sehen, wie die feinen Wurzeln in das sehr grobe Substrat wachsen (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht einer Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Blütenbild von Tolumnia Jairak Flyer (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 41, 2019

Catasetum fimbriatum

Alles lesen Orchidee der Woche 41, 2019

Catasetum fimbriatum

Catasetum fimbriatum (Foto: Werner Holzmann)

Bereits im Jahr 1848 beschrieb der belgische Botaniker Charles François Antoine MORREN die Art erstmalig unter dem Namen Myanthus fimbriatus im Werk „Annales de la Société Royale d’Agriculture et de Botanique de Gand: Journal d’Horticulture et des Sciences Accessoires“. John LINDLEY und Joseph PAXTON veröffentlichten 1850/51 einen Artikel in „Paxton’s Flower Garden. London“, in dem sie die Art in die Gattung Catasetum umkombinierten. Der Gattugsname Catasetum setzt sich aus dem altgriechischen Wort κατα (nieder) und dem lateinischen seta (Borste) zusammen. Der Name wurde wegen der zwei antennenartigen Fortsätze der Säule gewählt, die bei den männlichen Blüten nach unten gedreht sind.

Catasetum fimbriatum ist heimisch in den Subtropen Südamerikas. Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Venezuela über Bolivien, Brasilien und Paraguay bis nach Argentinien. Angeblich wurde sie auch in Guyana gefunden, was allerdings bis heute nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte. Die großwüchsige Art siedelt in trockenen Tälern auf Höhen von 400 – 500 Metern über dem Meeresspiegel, wo stets warme bis heiße Bedingungen herrschen. Während es in den Sommermonaten viel Niederschlag gibt, sind die Winter sehr trocken und regenarm. Catasetum fimbriatum wächst epiphytisch – meist auf den Stämmen von Palmen.

Habitus von Catasetum fimbriatum (Foto: Werner Holzmann)

An den großen, eiförmigen Pseudobulben sitzen mehrere wechselständig angeordnete Blätter. Die Blattbasen umschliesen die Pseudobulbe komplett. Die Blätter sind weich, stark gekielt und werden bis zu  40 cm lang. Während der trockenen Ruhezeit im Winter werden sie abgeworfen. Im Frühjahr entsteht dann an der alten Pseudobulbe ein Neutrieb, der über den Frühling und Sommer hindurch zügig wächst und ausreift. Danach erscheint an der Basis der neuen Pseudobulbe die Infloreszenz, die bis zu 45 cm lang wird. Die überhängenden Blütenstände tragen zwischen sieben und 15 Blüten, die intensiv nach Gewürzen und Früchten riechen. Die Tepalen sind zart cremeweiß, grünlich überhaucht und mit zahlreichen rotbraunen Punkten besetzt. Das auffallende Labellum ist einfarbig leuchtend grün. Während die Tepalen sehr glatte Ränder haben, ist das Labellum stark gefranst.  Nach der Blüte geht Catasetum in die trockene Ruhephase, bis im Frühjahr der Zyklus wieder von Neuem beginnt.

Die folgende Kulturanleitung stammt von Werner Holzmann, der Catasetum fimbriatum seit Jahren erfolgreich auf der Fensterbank kultiviert:

Obwohl ich im Grundsatz über die Kultur dieser Pflanzen Bescheid wusste, klappte es erst so richtig gut, nachdem ich einen Tipp von einer lieben Orchideenfreundin erhalten hatte, die Cataseten über viele Jahre erfolgreich kultivierte. Das ist für mich der Grund, weshalb ich mich in der D.O.G. einbringe – weil gerade die Hinweise der „alten Hasen“ unglaublich wertvoll für mich sind. Ich hoffe so ein bisschen was an die kommenden Orchideenfreunde weitergeben zu können.

Liebe Monika Bartel, herzlichen Dank für deine wertvollen Tipps!

Während der absolut trockenen Ruhezeit im Winter werden nicht nur die Blätter abgeworfen, auch die Wurzeln des Triebs sterben ab und werden nicht mehr benötigt. Aus diesem Grund wird die Pflanze im Winter  aus dem Topf geholt und alle Wurzeln werden komplett entfernt. Belässt man die toten Wurzeln im Topf, könnten sie im folgenden Wachstumszyklus, wenn sehr viel gegossen wird, beginnen zu faulen. Diese Fäulnis kann sich ausbreiten und auch den Neutrieb gefährden. Außerdem wird die Altbulbe völlig entbastet, das heißt von allen trockenen Blattresten befreit. Die Bulben werden dann trocken gelagert und erst wieder getopft, wenn im Frühjahr der Neutrieb und Wurzeln erscheinen.

Als Pflanzstoff hat sich ein normales Rindensubstrat ohne jegliche Zuschlagsstoffe bewährt. Auch Sphagnum lässt sich gut verwenden, da das Substrat ohnehin jährlich gewechselt wird.

Wenn Catasetum fimbriatum mitsamt dem Neutrieb getopft ist, kann ordentlich gewässert und auch sehr reichlich gedüngt werden. Da Cataseten sehr hungrig nach Nährstoffen sind, ist es auch problemlos möglich zwei bis drei Körner Osmocote unter das Substrat zu mischen, die die Pflanze für einige Wochen mit Nährstoffen versorgen. Parallel dazu sollte aber auch regelmäßig mit handelsüblichem Orchideendünger gedüngt werden. Während der Wachstumsperiode sollte das Substrat stets feucht gehalten werden und nicht vollständig abtrocknen.

Beim Lichtbedarf von Catasetum fimbriatum scheiden sich die Geister. Während man in einigen Quellen liest, dass Cataseten einen sehr hohen Lichtbedarf haben, kultiviert Werner Holzmann seine Pflanze an einem Nordfenster mit naturgemäß weniger Licht. Da sie gut wächst und regelmäßig blüht, scheint ihr das wohl zu genügen. Vermutlich sind Pflanzen der Art einfach nicht besonders anspruchsvoll hinsichtlich der Lichtverhältnisse. Sie scheinen sowohl in helleren wie auch in etwas schattigeren Gefilden gut zurechtzukommen.

Werner Holzmann kultiviert sein Catasetum fimbriatum temperiert. Auch höhere Temperaturen sind möglich, wenn man sich das natürliche Verbreitungsgebiet anschaut. Nur zu kühl oder gar kalt sollte es nicht sein.

Die Blüten von Werner Holzmanns Pflanze haben einen sehr angenehmen fruchtig-blumigen Duft, der raumfüllend, aber nicht aufdringlich ist.

Werner Holzmann liebt Pflanzen, die nicht ständig umsorgt werden müssen. Die Arten aus den Gattungen Catasetum, Mormodes und Clowesia sowie die Hybriden daraus gehören zu seinen Lieblingen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich nach dem Schreiben des Beitrags jetzt große Lust, mich an solch einem „Liebling“ zu versuchen. Ihr auch? Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Catasetum fimbriatum ‚Schanz‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Werner Holzmann)
Überhängende Infloreszenz mit 8 Blüten (Foto: Werner Holzmann)
Die neue Pseudobulbe wurde nach der Kulturumstellung deutlich größer (Foto: Werner Holzmann)
Das neue Wurzelwerk von diesem Jahr (Foto: Werner Holzmann)
Infloreszenz vom letzen Jahr mit „nur“ sechs Blüten (Foto: Werner Holzmann)

 

 

KW 40, 2019

Seidenfadenia mitrata

Alles lesen Orchidee der Woche 40, 2019

Seidenfadenia mitrata

Seidenfadenia mitrata ‚Mike‘ SM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)

Der deutsche Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH beschrieb die Art erstmalig unter dem Namen Aerides mitratum in Botanische Zeitung (Berlin)“ im Jahre 1864. Der Name Aerides leitet sich von den griechischen Wörtern αηρ (aer) für Luft und –ειδης (-eides) für ähnlich ab. REICHENBACH ordnete die Art in die Gattung Aerides, da sie sich fast ausschließlich von Feuchtigkeit ernährt, die sie durch die Luft aufnimmt. Den Artnamen mitratum wählte er vermutlich, da das Labellum der Blüten sehr an die traditionelle liturgische Kopfbedeckung von Bischöfen erinnert. Diese wird Mitra (Mz. Mitren) genannt.  Leslie Andrew GARAY begründete im Jahr 1972 die Gattung Seidenfadenia – die er nach dem dänischen Orchideenforscher Gunnar SEIDENFADEN benannte – und überführte Aerides mitrata in diese neue Gattung. Beides, die Neubegründung der Gattung Seidenfadenia und auch die Überführung von Aerides mitrata zu Seidenfadenia, publizierte er in „Botanical Museum Leaflets, Harvard University“.

Seidenfadenia mitrata ist heimisch in Myanmar, Laos und Thailand. Sie wächst dort ausschließlich epiphytisch auf Bäumen. Die Standorte liegen auf Höhen von 100 – 800 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturbedingungen sind ganzjährig warm bis heiß. Während es in den Sommermonaten durch den Monsun sehr viel Niederschlag gibt, sind die Wintermonate von trockener Wärme geprägt. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

Habitusbild von Seidenfadenia mitrata ‚Mike‘ (Foto: Thomas Lehmann)

Von einem kurzen Stamm hängen sehr schmale, fast röhrenartige Blätter herab, die bis zu 30 cm lang werden können. Das Laub ist sehr fest und fleischig. Seidenfadenia mitrata wächst nie aufrecht, sondern immer überhängend. Die Infloreszenzen entspringen am Stamm zwischen den Blättern und sind immer kürzer als das Laub. Meist verzweigen sich die Blütentriebe nicht. Die Wurzeln sind, für Epiphyten typisch, sehr dick und fest. Das Velamen speichert bei Regen Wasser und verfärbt sich grün. Sobald die gespeicherte Feuchtigkeit an die Pflanze abgegeben wurde, sind die Wurzeln wieder silbrig grau. An den Infloreszenzen bilden sich zahlreiche Blüten, die zart duften. Die Grundfarbe der Blüten ist weiß, manchmal sind sie zart rosa überhaucht. Das Labellum und die Spitze der Säule sind leuchtend rosa bis violett gefärbt. Hauptblütezeit am Standort ist im Frühjar. In Kultur blühen die Pflanzen sehr oft auch im Herbst.

Seidenfadenia mitrata sollte immer aufgebunden kultiviert werden, damit die Wurzeln sehr schnell abtrocknen können. Im Topf bleibt es selbst mit sehr grober Rinde meist zu lange feucht, sodass die Wurzeln und letzten Endes auch der Stamm zu faulen beginnen. Meine Pflanze bekam ich aufgebunden auf ein Stück Holz, an dem sie sich mit ihren dicken und festen Wurzeln angeheftet hatte. Selbst in feuchtem Zustand würden sich die Wurzeln nur äußerst schwer vom Holz lösen lassen. Deshalb sollte ein Material gewählt werden, das sich nur sehr langsam zersetzt, damit Seidenfadenia mitrata dort über viele Jahre verweilen kann.

Am besten wäre natürlich ein Gewächshaus oder eine große Orchideenvitrine, um die Art zu kultivieren. Ich habe beides nicht und versuche es deshalb im Wohnraum. Ob die Kultur dort über viele Jahre erfolgreich sein wird, weiß ich noch nicht, da ich die Pflanze noch nicht zu lange besitze. Bisher klappt es allerdings sehr gut, sodass ich optimistisch bin. Im Wohnraum ist das größte Problem, dass die Luftfeuchtigkeit meist nicht so hoch ist, wie die Pflanze es eigentlich gerne hätte. Aus diesem Grund hängt meine Seidenfadenia mitrata in einer großen Glasröhre, die im unteren Bereich mit etwas Wasser gefüllt ist. Während der Blüte muss ich sie allerdings aus der Glasröhre holen und ans Geländer unserer Galerie hängen. Dort ist es sehr hell, aber auch sehr trocken. In dieser Zeit wird sie dann täglich mindestens einmal für 5-15 Minuten in ein Wasserbad gelegt, damit sich die Wurzeln richtig voll Wasser saugen können. In der Glasröhre hängend wird sie im Winter täglich etwas besprüht. Im Sommer fülle ich zusätzlich so viel Wasser in die Röhre, dass die längsten zwei bis drei Wurzeln ein klein wenig darin hängen. Alle paar Tage wird sie aus der Röhre genommen, damit auch die Wurzelspitzen richtig abtrocknen können, da ich Angst habe, dass diese sonst zu faulen beginnen. Ich bin gespannt, ob sich die Pflanze unter dieser Kulturmethode weiterhin gut entwickelt oder ob ich künftig an einigen Faktoren noch etwas ändern muss.

Das Wasser hat im Normalfall einen sehr geringen Leitwert, um die 100 Mikrosiemens/cm. Ein- bis zweimal im Monat – während des Sommers – gibt es ein ausgiebiges Tauchbad. Dazu dünge ich das Wasser auf einen Leitwert von ungefähr 400 Mikrosiemens/cm auf. Während der Wintermonate erhält Seidenfadenia mitrata bei mir keinen Dünger.

Direkte Sonneneinstrahlung versuche ich ganzjährig zu vermeiden, da sich die Luft in der Glasröhre sehr schnell erhitzen und besonders im Sommer dann zu warm würde. Auch wenn Seidenfadenia mitrata zu den warm zu kultivierenden Orchideen gehört, sollte sie nicht in einer Glasröhre durchgegart werden. Temperaturen bis an die 40 Grad werden aber sehr gut vertragen. Die Nächte sollten nicht allzu kühl werden. In meinem Kulturraum fällt die Temperatur  nie unter 16 Grad.

Ein wirklich großes Problem stellt natürlich ein längerer Urlaub dar. Für diese Zeit ist es zwingend nötig, dass man jemanden hat, der die Pflanze während der Abwesenheit versorgt. Ich hatte mir überlegt, ob es mit einem Vernebler (Luftbefeuchter), der auf die Pflanze gerichtet wird und fast dauerhaft läuft, vielleicht möglich wäre, sie während der Abwesenheit zu versorgen. Ausprobiert habe ich das aber noch nicht.

Auch wenn die Zimmerkultur etwas aufwendiger ist, möchte ich meine Seidenfadenia mitrata nicht mehr hergeben. Die zahlreichen kleinen Blüten halten über viele Wochen und duften herrlich. Ein wahrer Blickfang in jedem Wohnraum. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Seidenfadenia mitrata ‚Mike‘ mit ihrer Silbermedaille (Foto: Thomas Lehmann)
Auch wenn Seidenfadenia mitrata eigentlich selten Seitentriebe entwickelt, hatte meine dieses Jahr gleich zwei davon (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)

 

 

KW 39, 2019

Restrepia brachypus

Alles lesen Orchidee der Woche 39, 2019

Restrepia brachypus

Restrepia brachypus ‚Mike‘ BM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)

Der deutsche Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH beschrieb Restrepia brachypus erstmalig im Jahr 1886 in „Flora; oder, (allgemeine) botanische Zeitung. Regensburg, Jena.“.  Der Gattungsname Restrepia geht auf den kolumbianischen Orchideenforscher José Manuel RESTREPO VÉLEZ zurück, der als erster die Geschichte der antioquischen Anden erforschte. Die Gattung zählt zu den Pleurothallidinae, zu denen auch Dracula, Lepanthes, Platystele und einige andere Gattungen der Familie Orchidaceae gehören. Häufig wird sie auch unter dem Synonym Restrepia striata angeboten.

Restrepia brachypus ist heimisch in Venezuela, Peru, Ecuador, Bolivien und Kolumbien. Sie wächst dort epiphytisch in feuchten Regenwäldern mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Durch die hoch gelegenen Standorte (1200-3200 Meter über dem Meeresspiegel) sind die klimatischen Bedingungen eher kühl bis kalt. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, sodass das Habitat niemals austrocknet. Durch die immergrünen Bäume und Büsche, auf denen die Art wächst, ist sie vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt.

Eine Knospe von Restrpia brachypus beim Öffnen (Foto: Thomas Lehmann)

Die Art bildet einzelne Blätter aus, die auf ca. 4-5 cm langen Stielen sitzen. Die Blätter werden bis zu 7 cm lang und sind glänzend grün. An der Basis der Blätter entspringen die Infloreszenzen. Jedes Blatt kann mehrmals Infloreszenzen hervorbringen. Die Blütentriebe tragen jeweils nur eine einzelne Blüte, die ungefähr 4 cm hoch und 1 cm breit ist. Während die Petalen und das dorsale Sepalum sehr filigran und teilweise farblos transparent sind, leuchtet das überdimensionale Synsepalum in leuchtendem Orange mit roten Streifen. Das Labellum ist in das schalenartige Synsepalum eingebettet.

Restrepia brachypus ist eine der blühfreudigen Restrepien, die sich im Laufe von wenigen Jahren zu kleinen Büschen mit sehr vielen Blüten entwickeln können. Eine Kultur auf der Fensterbank ist möglich, wenn man im Winer für möglichst kühle Temperaturen sorgen kann.

Ich kultiviere meine Restrepien getopft in mineralischem Substrat. Auch aufgebunden ist natürlich möglich, allerdings ist dann eine Orchideenvitirine oder ein Gewächshaus zu empfehlen, damit die feinen Wurzeln nicht austrocknen. Meine Restrepia brachypus sitzt in einer Mischung aus Bimskies, Lavagranulat und Zeolith. Der Topf steht das ganze Jahr über in einem mit Wasser gefüllten Untersetzer. Der mineralische Pflanzstoff saugt sich somit immer gleichmäßig feucht und trocknet nicht aus. Zwischen den einzelnen Substrat-Teilchen entstehen kleine Lufträume, die eine gute Belüftung der Wurzeln gewährleisten. Der größte Vorteil von mineralischem Substrat ist, dass sich die Bestandteile nicht zersetzen, was bei Rinde oder Moos in Verbindung mit Dauerfeuchtigkeit oft schnell passiert. Getopft werden muss also erst, wenn der Topf zu klein wird.

Das Gießwasser, mit dem ich die Schale auffülle, hat einen Leitwert von ca. 150 Mikrosiemens/cm. Von März bis in den frühen Herbst wird 1-2 Mal im Monat gedüngt. Dabei dünge ich das Wasser auf etwa 300 Mikrosiemens/cm auf. Gelegentlich wird der Topf mit klarem Wasser durchgespült, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu verhindern. Tut man das nicht, reichern sich im Laufe der Zeit zu viele Salze (Düngerreste) im Topf an, die dann die feinen Wurzeln beschädigen könnten. Im Winter dünge ich nicht.

Den Sommer über darf meine Restrepia brachypus im Freien verbringen. Sie steht dort schattig und vor Regen und Sturm geschützt, um möglichst kühle Temperaturen zu gewährleisten. Sie verträgt die heißen Sommertage bei uns in Süddeutschland aber sehr gut. Wichtig ist, dass die nächtlichen Temperaturen deutlich niedriger sind als am Tage. Sobald die Temperaturen nachts dauerhaft unter 8 Grad fallen, hole ich die Pflanze nach innen und stelle sie an einen kühlen Platz, an dem das Fenster so oft wie nur möglich gekippt ist. Im Winer sollte die Pflanze nicht zu warm stehen. Ein ungeheizter Raum (z. B. ein Treppenhaus) ist ideal, wenn genug Licht vorhanden ist. Im Winter kultiviere ich an einem hellen Westfenster in einem ungeheizten Raum. Dort können die Temperaturen in der Nacht auch auf 8-10 Grad abfallen.

Während ich im Sommer sehr darauf achte, dass keine direkte Sonnenstrahlen auf die Blätter fallen, darf in den Wintermonaten von November bis Mitte Februar das Sonnenlicht ungehindert auf die Pflanze scheinen – besonders oft scheint die Sonne im Winter ja ohnehin nicht. Ab Ende Februar/Anfang März wird die Sonnenstrahlung allerdings schon wieder so stark, dass es schnell zu Verbrennungen auf den Blättern kommen kann. Diese Verbrennungen sind dauerhaft und lassen sich nicht behandeln. Aus diesem Grund muss zwingend ab Mitte Februar schattiert werden.

Die ungewöhnliche Form der Blüten mit ihren leuchtenden Farben zieht alle Blicke auf sich. Wer mit dem Gedanken spielt, sich an Restrepien zu trauen, dem kann ich Restrepia brachypus wärmstens empfehlen. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Restrepia brachypus ‚Mike‘ BM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Frontalansicht (Foto: Thomas Lehmann)
Habitusfoto von Restrepia brachypus (Foto: Thomas Lehmann)
Habitusfoto von Restrepia brachypus (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 38, 2019

Paphiopedilum Connie

Alles lesen Orchidee der Woche 38, 2019

Paphiopedilum Connie

Paphiopedilum Connie (Foto: Thomas Lehmann)

Bereits im Jahr 1911 hatte die britische Orchideenzucht Charlesworth Ltd. die Hybride aus Paphiopedilum glaucophyllum und Paphiopedilum fairrieanum bei der RHS (Royal Horticultural Society) angemeldet, woraufhin sie in das dortige Register für Orchideen-Hybriden eingetragen wurde. Joseph Charlesworth, der Inhaber von Charlesworth Ltd., war ein leidenschaftlicher Orchideenzüchter und -sammler, nach dem auch einige Naturformen benannnt wurden. Ob Connie seine Frau, Tochter oder eine Mitarbeiterin war, konnte ich leider bis heute nicht herausfinden. Fakt ist, dass er zu Connie wohl eine engere Bindung hatte. Sonst hätte er wohl kaum eine Orchidee nach ihr benannt. Da Paphiopedilum Connie eine Primärhybride aus zwei Naturformen ist, teilt sich der Genpool natürlich zu gleichen Teilen auf:

  • 50% Paphiopedilum glaucophyllum
  • 50% Paphiopedilum fairrieanum
Paphiopedilum glaucophyllum – ein Elternteil der Hybride (Foto: D.O.G.-Archiv)

Auf Sumatra und Java ist Paphiopedilum glaucophyllum heimisch. Die Art wächst dort terrestrisch unter warmen bis heißen Bedingungen in kleinen Humusnestern, die sich zwischen Vulkangestein angesammelt haben. Die Standorte sind hell, aber meist ohne direkte Sonneneinstrahlung. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, sodass das Habitat niemals austrocknet. Paph. glaucophyllum gehört zu den sogenannten „Revolverblühern“, an deren Infloreszenzen über viele Monate hinweg eine Blüte nach der anderen produziert wird. Meist ist aber immer nur eine Blüte geöffnet, die dann verwelkt, ehe sich die nächste Knospe entfaltet.

Paphiopedilum fairrieanum – der andere Elternteil von Paph. Connie (Foto: D.O.G.-Archiv)

Paphiopedilum fairrieanum wächst eher unter kühlen bis hin zu kalten Bedingungen. Man findet die Naturform im indischen Himalaya und Bhutan auf Höhen von 1300 – 2200 Metern über dem Meeresspiegel. Auch bei Paph. fairrieanum sind die Standorte zwar hell, aber schattig – also ohne direktes Sonnenlicht. Oft findet man Pflanzen der Naturform in hohem Gras wachsend oder lithophytisch auf Kalksteinfelsen sitzend. Niederschlag gibt es zwar das ganze Jahr über, allerdings regnet es in den Wintermonaten nur sehr wenig. Zum Sommer hin nehmen die Niederschläge stark zu. Durch die sehr hohe Luftfeuchtigkeit trocknet das Habitat aber niemals ganz aus.

Paphiopedilum Connie bildet einen sehr kurzen Stamm aus, der wechselständig von  3 – 6  grünen Blättern umhüllt wird, die bis zu 20 cm lang und 5 cm breit werden. Sie sind leicht gekielt und glänzend. Die Blattspitze ist stark abgerundet. Endständig erscheint die Infloreszenz, die bis zu 40 cm lang werden kann –  je nachdem wie stark sich Paphiopedilum glaucophyllum durchsetzt und wie viele Knospen somit gebildet werden. Die Blüten sind ca. 6 cm hoch und 5 cm breit. Ihre Farbe  variiert von Pflanze zu Pflanze leicht. Die Grundfarbe ist aber meist Gelbgrün mit roten Akzenten. Auf dem Rand der Petalen sitzen lange glänzend rote Haare.

Kultivieren lässt sich Paphiopedilum Connie auch sehr gut auf der Fensterbank. Durch die recht unterschiedlichen Temperaturansprüche der Elternpflanzen können einzelne Individuen etwas anspruchsvoller sein. Die meisten Pflanzen der Kreuzung kommen aber sowohl mit wärmeren, als auch mit kühleren Bedingungen zurecht. Bei mir steht die Hybride temperiert bis warm. Im Winter fallen die Temperaturen in der Nacht selten unter 16 Grad.

Als Substrat nutze ich eine Mischung aus feiner und mittlerer Rinde, Perlite, Bimskies und Holzkohle. Einige ander Paphiopedilen halte ich auch in mineralischem Substrat, was die Versorgung der Pflanze etwas erleichtert, da der Topf dann immer in einer kleinen Pfütze Wasser stehen darf. Der Pflanzstoff wird regelmäßig aufgekalkt. Ich benutze für alle meine kalkliebenden Paphiopedilum und Phragmipedium Hüttenkalk – ein kohlensaurer Kalk, der von den Pflanzen leichter und besser aufgenommen werden kann.Davon streue ich alle 2-3 Monate etwas auf das Substrat und gieße es leicht ein. Es ist aber auch möglich, den Kalk in Wasser aufzulösen und damit zu gießen oder zu tauchen. Man muss nur beachten, dass der Kalk recht lange benötigt, um sich aufzulösen. Deshalb sollte man sein Gießwasser am besten schon am Tag vorher ansetzen und mehrmals umrühren.

Eine Gruppe mit mehreren Pflanzen von Paphiopedilum Connie, die mit einer Silbermedaille ausgezeichnet wurde (Foto: D.O.G.-Archiv)

Getaucht wird alle 5-7 Tage im Winter. Das Substrat sollte stets bügelfeucht sein und niemals komplett durchtrocknen. Im Sommer – besonders während der extrem heißen Tage – stehen bei mir die Paphiopedilen sogar in einer kleinen Pfütze Wasser, durch die sich das Substrat kontinuierlich mit Feuchtigkeit versorgt. Bei kühlen Temperaturen sollte ein nasser Fuß aber tunlichst vermieden werden, da Kälte in Verbindung mit Nässe dafür sorgt, dass die Wurzeln faulen. Das Tauchwasser hat im Sommer einen Leitwert von ca. 350 Mikrosiemens/cm, im Winter aber nur 150 – 200 Mikrosiemens/cm.

Direktes Sonnenlicht sollte vom Frühjahr bis in den Herbst wirklich vermieden werden, da es sonst schnell zu Verbrennungen an den Blättern kommt. Aus diesem Grund schattiere ich das westseitige Fenster, an dem Paphiopedilum Connie steht, von März bis Mitte Oktober. Im Winter, der bei uns ja eher dunkel und sonnenarm ist, darf das Licht ungefiltert auf die Pflanze fallen.

Eine wirklich unkomplizierte Paphiopedilum-Hybride, die über viele Monate blühen kann und viel Freude macht. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Direkt hinter der aktuellen Blüte steht die nächste Knospe schon in den Startlöchern. (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Paphiopedilum Connie (Foto: Thomas Lehmann)
Paphiopedilum Connie ‚Niep‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Habitusfoto von Paphiopedilum Connie (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 37, 2019

Epidendrum porpax

Alles lesen Orchidee der Woche 37, 2019

Epidendrum porpax

Epidendrum porpax (Foto: Thomas Lehmann)

Der Dresdner Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH veröffentlichte die Erstbeschreibung von Epidendrum porpax im Jahr 1855 in „Bonplandia“. REICHENBACH war einer der führenden Orchideen-Spezialisten seiner Zeit, er beschrieb zahlreiche Naturformen. Der Gattungsname Epidendrum leitet sich aus dem Altgriechischen ab. Epi– (επι-) bedeutet soviel wie „auf“, dendron (δενδρον) lässt sich mit Baum übersetzen. Die Gattung erhielt den Namen, da die allermeisten Arten epiphytisch – auf Bäumen aufsitzend – wachsen. Der Artenname porpax (πορπαξ) – ebenfalls aus dem Altgriechischen – lässt sich mit „Griff des Schildes“ übersetzten. Tatsächlich hat das schildartige Labellum bei  Epidendrum porpax rückseitig zwei „Griffe“, die von den unteren Sepalen gebildet werden.

„Griffe des Schildes“ – porpax (Foto: Thomas Lehmann)

Beheimatet ist Epidendrum porpax in den immerfeuchten Berg- und Regenwäldern des nördlichen Südamerikas. Man findet die Art dort epiphytisch wachsend auf Höhen von 400 bis 1800 Metern über dem Meeresspiegel. Durch das recht große Verbreitungsgebiet wächst <em>Epidendrum porpax</em> in unterschiedlichen Temperaturbereichen. Während die tiefer gelegenen Standorte teilweise temperiert-warm sind, kann es in den hohen Lagen besonders nachts sehr kühl werden. Die Art scheint hinsichtlich der Temperatur keine großen Ansprüche zu stellen, solange es nicht zu heiß oder eben zu eisig wird. Durch das immergrüne Laub der Bäume, auf denen die kleinwüchsige Art aufsitzt, ist sie vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt.

Epidendrum porpax bildet kleine, schmale Pseudobulben aus, die wechselständig von Blättern umhüllt sind. Die fleischigen Blätter werden ca. 3 cm lang, sie sind dunkelgrün, fest und glänzend. Die einzelne Pseudobulbe wird in etwa 6-9 cm lang. Endständig entwickelt sich die Infloreszenz, die den Triebabschluss einläutet. An einem sehr kurzen Blütentrieb erscheint eine einzelne 2,5 cm große Blüte, die zart gelbgrün gefärbt und zu den Spitzen leicht rotbraun überhaucht ist. Während die filigranen Tepalen fast durchscheinend wirken, spiegelt das glänzende, rotbraun gefärbte Labellum das Licht wieder. Die Lippe wölbt sich stark nach hinten, wodurch sie wirkt wie ein Schild. Die Blüten duften nicht.

Endständig erscheint eine einzelne Knospe (Foto: Thomas Lehmann)

Meine, zugegeben noch sehr kleine, Pflanze gewann ich vor einem Jahr bei einer Tombola unserer D.O.G.-Gruppe. Mit zunehmenden Alter bildet Epidendrum porpax richtige Kissen aus Pseudobulben, die dann im späten Sommer mit zahlreichen Blüten besetzt sind. Bis mein Pflänzchen so weit ist, wird es noch ein wenig dauern. Bisher wächst es aber sehr gut.

Getopft habe ich Epidendrum porpax in feiner Rinde mit Perliten und etwas feiner Holzkohle. Das Substrat sollte luftig sein, aber nicht allzuschnell abtrocknen. In den ganz heißen Phasen im Hochsommer trocknete selbst meine ganz feine Rinde so schnell ab, dass mir einige Neutriebe eingetrocknet sind. So oft konnte ich gar nicht tauchen. Ich habe mich dann dazu entschlossen, die Pflanze während der besonders warmen Wochen mit nassem Fuß zu kultivieren. Das schien ihr zu gefallen. Ab diesem Zeitpunkt trocknete kein Neutrieb mehr ein. Da andere Epidendren bei mir sehr gut in mineralischem Substrat gedeihen – wie das bereits vorgestellte Epidendrum radicans – und Epidendrum porpax sich mit gleichmäßiger Feuchtigkeit deutlich besser entwickelte, werde ich es im Frühjahr auf mineralisches Substrat umstellen.

In Rinde getopft wurde meine Pflanze im letzten Jahr alle paar Tage getaucht. Je nach Wetter und anderen Bedingungen war das in etwa alle 5-7 Tage im Sommer – im Winter waren es in etwa alle 7-10 Tage. Von März bis September war das Tauchwasser ca. zweimal im Monat  aufgedüngt. Der Leitwert des Düngerwassers betrug etwa bei 350-400 Mikrosiemens/cm. Im Winter dünge ich, wie schon oft beschrieben, gar nicht, da ich nicht mit künstlichem Licht arbeite.

Wie oben schon erwähnt ist Epidendrum porpax flexibel hinsichtlich der Temperatur. Ich kultiviere die Art unter temperierten bis warmen Bedingungen. Im Sommer ist es so warm, wie es ist. Im Winter steht die Pflanze in einem beheizten Zimmer, das lichtdurchflutet ist. Nachts fallen die Temperaturen im Winter auf ca. 16 Grad ab. Wenn es draußen extrem kalt ist, kann es kurzzeitig auch auf 14 Grad abkühlen. Kälter wurde es für Epidendrum porpax bei mir noch nicht.

Meine Pflanze steht in dritter Reihe an einem Südfenster. Im Sommer wird die gesamte Scheibe schattiert. Auch im Winter wird Epidendrum porpax durch größere Pflanzen, hinter denen es steht, vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Der Raum ist allerdings sehr hell und lichtdurchflutet. Zu schattig sollte man die Pflanze nicht kultivieren, da sonst die Blüten ausbleiben können.

Richtig imposant werden die Pflanzen, wenn sie ihren kissenartigen Wuchs haben. Auch wenn Epidendrum porpax zu den unscheinbareren Naturformen gehört, die nicht durch riesige Blüten oder leuchtende Farben auffallen, macht diese klein bleibende Art viel Freude und braucht dabei kaum Platz! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Habitus meiner noch recht kleinen Pflanze (Foto: Thomas Lehmann)
Eine Knospe beim Öffnen (Foto: Thomas Lehmann)
Epidendrum porpax – Blütenfoto (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)

 

 

KW 36, 2019

Epidendrum radicans

Alles lesen Orchidee der Woche 36, 2019

Epidendrum radicans

Epidendrum radicans – die erste geöffnete Blüte einer großen Blütentraube (Foto: Thomas Lehmann)

In „Genera and Species of Orchidaceous Plants“, The. London, veröffentlichten John LINDLEY und José Antonio PAVÓN y Jiménez die Erstbeschreibung dieser Art. Der Gattungsname Epidendrum leitet sich aus dem Altgriechischen ab. Epi– (επι-) bedeutet so viel wie „auf“, dendron (δενδρον) lässt sich mit Baum übersetzen. Die Gattung erhielt den Namen, da die allermeisten Arten epiphytisch – auf Bäumen aufsitzend – wachsen.

Habitusfoto von Epidendrum radicans (Foto: Thomas Lehmann)

Das Verbreitungsgebiet von Epidendrum radicans erstreckt sich von Mexiko bis Kolumbien. Es wächst dort epiphytisch und auch litophytisch auf Höhen von 900 – 2500 Metern über dem Meeresspiegel. In dem relativ großen Verbreitungsgebiet findet man wegen der unterschiedlichen Höhenlagen vielfältige Klimabereiche vor. Auf 2500 Metern kann es richtig kalt werden, während auf 900 Metern ganzjährig temperierte bis warme Bedingungen vorherrschen. Grundsätzlich gibt es auch ganzjährig Niederschlag, wobei an einigen Standorten im Winter deutlich weniger fällt als in den Frühlings- und Sommermonaten. Das Habitat trocknet aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit allerdings niemals ganz aus. Oft findet man Epidendrum radicans in offenen Gralandschaften, an Straßenrändern und in lichtdurchfluteten Wäldern.

Die Pflanzen bilden bis zu 35 cm lange stammähnliche Pseudobulben aus, die wechselständig von fleischigen, spitz zulaufenden Blättern besetzt sind. Diese werden bis zu 10 cm lang und sind saftig grün und glänzend. Endständig entsteht nach Triebabschluss die Infloreszenz mit einer fast kugelrunden Blütentraube. Die Blütenfarbe variiert von Gelb über Orange bis hin zu Rot- und Violetttönen. Die nach oben gerichtete Lippe sieht aus wie ein kleiner Engel, der auf den kreisförmig angeordneten Tepalen tanzt.

Wurzelbildung wenige Wochen nach Umstellung auf mineralisches Substrat (Foto: Thomas Lehmann)

Vor circa zwei Jahren bekam ich ein kleines Teilstück von Epidendrum radicans, aus dem inzwischen eine ordentliche Pflanze geworden ist. Da Epidendrum radicans am Naturstandort auch lithophytisch zu finden ist, beschloss ich, dieses Teilstück mineralisch zu topfen. Um eine ständige Dauerfeuchtigkeit zu erreichen, setzte ich die Pflanze in einen Gießtopf mit Dochtsystem, der sich immer selbst bewässert und feucht hält. Das Substrat ist ziemlich fein, da auch die Wurzeln recht fein sind. Innerhalb kurzer Zeit bildeten sich zahlreiche neue Wurzeln, die den gesamten Topf durchwurzelten. Wenige Wochen nach dem Einsetzen zeigte sich erstmals ein Neutrieb, der zwar rasch heranwuchs, aber nicht zur Blüte kam. Die Infloreszenz trocknete in sehr frühem Stadium ein. Da alle weiteren Triebe seitdem gut zur Blüte kamen, gehe ich davon aus, dass die Pflanze einfach noch nicht genug Kraft hatte zum Blühen. Inzwischen sind 7 Alttriebe und 2 junge Triebe im Topf. Auch werden ständig neue Wurzeln gebildet.

Mein Gießwasser, mit dem ich die Wasserreservoire der Gießtöpfe fülle, hat einen Leitwert von 250-350 Mikrosiemens das ganze Jahr über. Ganz ehrlich gesagt, bekommt Epidendrum radicans gelegentlich sogar Leitungswasser mit 470 Mikrosiemens/cm. Da der Topf an meinem Küchenfenster steht, ist die Nähe zum Wasserhahn verführerisch, wenn es mal schnell gehen muss.

Das Fenster hat eine Ausrichtung nach Osten. Den gesamten Morgen über scheint die Sonne ungehindert auf die Pflanze. Ab Mittags ist es zwar noch immer sehr hell, aber den Rest des Tages ohne direktes Sonnenlicht.

In der Küche heizen wir im Winter nur sparsam. Die Nächte können an dem Fenster mit 12 – 14 Grad kühl-temperiert werden. Im Sommer steigen die Temperaturen auch auf über 30 Grad an. Durch die unterschiedlichen Standortgegebenheiten in der Natur scheint Epidendrum radicans recht anpassungsfähig in der Kultur zu sein. Ob es nun etwas wärmer oder kühler steht, scheint keinen Unterschied in Wüchsigkeit oder  Blühfreude zu machen.

Die großen, leuchtenden Blütentrauben  sind ein echter Hingucker – die Kultur im Wohnraum funktioniert ohne Probleme. Eine wikliche Anfänger-Naturform, die viel Freude macht. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Auch Farbtöne in Violettrot sind möglich (Foto: Thomas Lehmann)
Blütentraube (Foto: Thomas Lehmann)
Einzelblüte – Draufsicht (Foto: THomas Lehmann)
Einzelblüte – Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)
Einzelblüte – Seitenansicht mit Knospen (Foto: Thomas Lehmann)
„Der tanzende Engel“ (Foto: Thomas Lehmann)

KW 35, 2019

Phalaenopsis Java Mini

Alles lesen Orchidee der Woche 35, 2019

Phalaenopsis Java Mini

Phalaenopsis Java Mini (Foto: Thomas Lehmann)

Eine weitere fantastische Phalaenopsis-Hybride mit dem Elternteil Phal. finleyi. Man könnte fast meinen, ich hätte ein Faible für die kleinen „Sturmfrisuren“.

Der Taiwanese Hou-Tse Liu meldete die Hybride aus Phalanenopsis finleyi und Phalaenopsis javanica unter dem Namen Phalaenopsis Java Mini bei der RHS (Royal Horticultural Society) an, woraufhin sie am 12. Juni 2006 in das dortige Register für Orchideen-Hybriden eingetragen wurde. Den Namen Java Mini erhielt die Kreuzung vermutlich wegen ihrer Optik, die an eine kleine schlanke Phalaenopsis javanica erinnert – an eine mini Java eben. Das „Mini“ im Hybridnamen könnte aber auch vom früheren Namen des Elternteils Phalaenopsis finleyi, Kingidium minus, stammen. Da Phalaenopsis Java Mini eine Primärhybride aus zwei Naturformen ist, teilt sich der Genpool zu gleichen Teilen auf:

  • 50% Phalaenopsis finleyi
  • 50% Phalaenopsis javanica
Phalaenopsis finleyi beteiligt sich mit 50% am Genpool (Foto: Thomas Lehmnann)

Heimisch ist Phalaenopsis finleyi im nordöstlichen Thailand und Myanmar. Sie wächst dort epiphytisch auf Höhen bis zu 400 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturen sind ganzjährig warm bis heiß. Tagsüber steigen sie fast immer auf über 30 Grad an. In den Sommermonaten fallen sie nachts auf 25 Grad, in den Wintermonaten auf ca. 15 Grad ab. Dadurch ergibt sich ein ausgeprägtes Tag-Nacht-Gefälle. Das Klima am Standort ist geprägt vom indischen Monsun, der von März bis Oktober für eine ausgeprägte Regenzeit sorgt. Doch auch in den restlichen Monaten kann es Niederschlag geben. Durch die stets sehr hohe Luftfeuchtigkeit trocknet das Habitat niemals aus. Die Standorte von Phalaenopsis finleyi sind immer sehr hell, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung.

Phal. javanica ‚Wössen‘ BM/DOG – ein sehr dunkel gefärbter Klon der Naturform (Foto: D.O.G.-Archiv)

Phalaenopsis javanica kommt nur auf den indonesischen Inseln Java und Sumatra vor. Sie wächst dort epiphytisch unter warmen bis heißen Bedingungen, ähnlich wie Phalaenopsis finleyi. Man findet sie auf Höhen von 700-1000 Metern über dem Meeresspiegel. Niederschlag fällt das ganze Jahr über, die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch. Die Naturform hat feste, fleischige und glänzende Blätter.

Die Pflanzen bleiben recht kompakt. An einem kurzen Stamm sitzen wechselständig drei bis sieben Blätter, die fest und dunkelgrün sind und bis zu 15 cm lang werden. Die Infloreszenzen, an denen sich bis zu fünf Blüten recht gleichzeitig öffnen, wachsen oft unter dem Blatt hervor und überragen das Laub anfangs selten. Jeder Blütentrieb treibt mehrmals Knospen nach, wodurch sich eine sehr lange Blütezeit ergibt. Mit jeder neuen Knospe, die gebildet wird, kommt der Blütentrieb weiter unter dem Blatt hervor. Die Grundfarbe der Blüten ist cremeweiß mit leuchtend violettroten Punkten. Die Lippe ist meist rosa. Die Tepalen krümmen sich – wie bei Phalaenopsis finleyi – stark nach hinten, wodurch die typische „Sturmfrisur“ entsteht.

Da beide Elternteile von Phalaenopsis Java Mini aus ähnlichen Klimabereichen stammen, können wir die natürlichen Bedingungen für die Kultur dieser Hybride übernehmen. Sie lässt sich sehr gut auf der Fensterbank pflegen. Meine Java Mini steht im Winter in einem beheizten Zimmer mit Tagestemperaturen zwischen 22 und 32 Grad, je nachdem, ob die Sonne scheint oder nicht. Nachts fallen die Temperaturen auf 16-18 Grad ab. Im Winter erhält sie volle Sonne, wenn diese mal scheint. Im Sommer steht die Pflanze eher halbschattig und bekommt nur etwas Abendsonne ab. Die Luftfeuchtigkeit beträgt bei mir meistens zwischen 60 und 70%. Im Winter liegt sie auch mal etwas darunter, was dieser Phalaenopsis-Hybride aber nichts ausmacht.

Bei Phalaenopsis halte ich generell Rinde für das beste Substrat. Meine Phalaenopsis Java Mini steht in Rindenstücken (9-12mm), mit Perlite als Zuschlagsstoff, in einem transparenten Topf. Ich verwende grundsätzlich lieber transparente Töpfe, da ich bei diesen die Feuchtigkeit des Substrats besser kontrollieren kann und auch den Zustand der Wurzeln im Blick habe. Bei Phalaenopsis hat es zusätzlich den Vorteil, dass Licht an die Wurzeln kommt. Diese sind bei Phalaenopsis fähig zur Fotosynthese, wofür sie aber Licht benötigen. Zu beachten ist bei dieser Gattung, dass sie einen recht schnellen Nass-Trocken-Rhythmus hat. Das heißt, dass das Substrat nach dem Wässern recht schnell trocknen sollte und erst dann wieder gewässert wird, denn Dauerfeuchtigkeit – besonders wenn es etwas kühler ist – lässt die Wurzeln schnell faulen.

Der Habitus von Phalaenopsis Java Mini bleibt kompakt. (Foto: Thomas Lehmann)

Phalaenopsen machen es einem recht leicht, den richtigen Zeitpunkt zum Wässern zu finden. Bei mir werden sie getaucht und nicht gegossen. Nach dem Tauchbad färben sich gesunde Wurzeln grün, wenn sie sich mit Wasser vollgesogen haben. Danach lasse ich den Topf gut abtropfen, damit keine Staunässe entsteht. Nach einigen Tagen werden die Wurzeln langsam wieder silbrig. Wenn sie vollständig silbern sind und keine Restfeuchtigkeit mehr im Topf zu sehen ist, wird wieder getaucht. Meistens dauert dieser Rhythmus ungefähr eine Woche. Wenn die Wurzeln viel länger grün sind, ist das Substrat zu fein oder bereits verdichtet, weil es zu alt ist. Dann sollte es unbedingt gewechselt werden, da Phalaenopsen schnell abtrocknen wollen.

Mein normales Gießwasser hat einen Leitwert von ca. 170-200 Mikrosiemens. Im Sommer dünge ich alle 3-4 Wochen mit einem Leitwert von ca. 450 – 500 Mikrosiemens/cm. Im Winter wird bei mir gar nicht gedüngt, da wir in unseren Breitengraden zu wenig Licht haben und der Stoffwechsel der Pflanzen dadurch sehr niedrig ist, wodurch sie auch weniger Nährstoffe benötigen. Im Substrat lagern sich im Laufe des Sommers genügend Düngerreste an, die dann über den Winter verbraucht werden können.

Eine gut zu kultivierende Primärhybride, die durch die ungewöhnliche Blütenform und die leuchtenden Farbakzente besticht. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Einzelblüte (Foto: Thomas Lehmann)
Die kurzen Infloreszenzen kommen unter dem Blatt zur Blüte. (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phal. Java Mini (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phal. Java Mini (Foto: Thomas Lehmann)

KW 34, 2019

Phragmipedium Saint Ouen

Alles lesen Orchidee der Woche 34, 2019

Phragmipedium Saint Ouen

Phragmipedium Saint Ouen – ein leuchtend roter Klon (Foto: Thomas Lehmann)

Am 25. November 1996 wurde die Hybride Phragmipedium Saint Ouen in das Orchideen-Register bei der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Angemeldet worden war diese Kreuzung von der Eric Young Orchid Foundation, die neben zahlreichen Phragmipedium-Hybriden auch unzählige Hybriden aus anderen Gattungen geschaffen hat. Eric Young hatte bereits in den 1920ern, in sehr jungen Jahren, begonnen eine beachtliche Orchideensammlung aufzubauen, die er leider während des Zweiten Weltkriegs verlor. Auf der Kanalinsel Jersey, die zu Großbritannien gehört, obwohl sie deutlich näher an der französischen Küste liegt, baute er nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Sammlung auf, die bis heute zu den größten und exklusivsten Orchideensammlungen weltweit gehört. Phragmipedium Eric Young, das nach ihm benannt wurde, hatten wir bereits vorgestellt.

Benannt wurde Phragmipedium Saint Ouen nach der größten Gemeinde auf der Kanalinsel Jersey. Die Gemeinde wiederum wurde nach dem früheren Bischof von Rouen benannt, der als Heiliger Ouen im fränkischen Reich bekannt war. Phragmipedium Saint Ouen ist die Kreuzung aus Phragmipedium Hanne Popow und Phragmipedium besseae. Am Genpool sind demnach lediglich zwei Naturformen beteiligt:

Phragmipedium besseae (Foto: Thomas Lehmann)

Phargmipedium besseae wurde von Calaway H. DODSON & Janet KUHN 1981 im AOS Bulletin 50, 1308-1310, als neue Art beschrieben. Sie ist sowohl in Peru als auch in Ecuador beheimatet und variiert je nach Standort leicht in Farbe und Form. Das Klima am Standort bietet recht konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad ganzjährig. Niederschläge gibt es auch ganzjährig, wobei sie von März bis September erheblich häufiger sind. Bis November lassen sie dann deutlich nach und nehmen bis März wieder langsam zu. Phrag. besseae wächst terrestrisch zwischen dauerfeuchtem Moos, Gräsern und Farnen, aber teilweise auch litophytisch auf steilen und feuchten Felsen.

Phragmipedium schlimii (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium schlimii wurde 1854 erstmals als Selenipedium schlimii von LINDEN & REICHENBACH f. beschrieben. Benannt wurde die Art nach dem Entdecker, dem Halbbruder LINDENs, Louis Joseph SCHLIM. Nachdem BATEMAN 1866 diese Art als Cypripedium schlimii einstufte, erfolgte die endgültige Klassifizierung als Phragmipedium schlimii durch ROLFE im Jahre 1896. Beheimatet ist diese Naturform in Kolumbien und wächst dort in Höhenlagen von 1 200 -1 900 Metern in immerfeuchten Humus- und Moosnestern auf Granitfelsen und offenliegenden Baumwurzeln, oft zwischen hohen Gräsern. Die meisten bekannten Standorte liegen halbschattig. Das Klima bietet Temperaturen von 8 Grad nachts bis 25 Grad tagsüber. Die ganzjährigen Regenfälle nehmen im Frühjahr und Herbst etwas zu.

Da beide Naturformen zu den klein- bis mittelgroßen Phragmipedien gehören, bleibt auch Phragmipedium Saint Ouen recht kompakt. Lediglich seine Eigenart zu „klettern“ macht es manchmal nötig, die Pflanzen in recht große Töpte zu setzen. An einem kurzen Stamm wachsen wechselständig grüne Blätter, die bis zu 25 cm lang und 5 cm breit werden können. Meistens bleiben sie aber etwas kleiner. Sie laufen spitz zu und sind gekielt. Endständig erscheinen die Infloreszenzen, die den Triebabschluss einleiten. Die Blütentriebe sind grün und stark behaart. Selten verzweigen sie sich. Nacheinander öffnen sich bis zu 8 Blüten, wodurch sich die Blütezeit über viele Woche zieht. Die Blüten variieren sehr stark in der Färbung. Es gibt sie von fast Reinweiß über gelbliche und orangefarbene Töne bis hin zu rosa und roten Varianten. Manchmal unifarben, manchmal zweifarbig. Die Form ist dafür nicht so variabel. Die Blüten sind bis zu 8 cm hreit und 6 cm hoch und erinnern stark an Phragmipedium besseae.

Eine Kultur auf dem Fensterbrett funktioniert bei dieser Hybride sehr gut, da sie auch mit etwas höheren Temperaturen zurechtkommt. Alle meine Exemplare von Phragmipedium Saint Ouen – Ja, ich habe mehrere! –  stehen bei nächtlichen Temperaturen von 16 – 20 Grad, im Hochsommer kann es auch mal etwas höher sein. Tagsüber steigen die Temperaturen auf 25-35 Grad, je nach Jahreszeit und Sonnenschein. Damit kommt Phragmipedium Saint Ouen prima zurecht. Wer nur einen etwas kühleren Platz bieten kann, muss nicht auf dieses Kleinod verzichten. Da die Elternpflanzen etwas kühler wachsen, hat auch die Hybride mit kühleren Temperaturen kein Problem. Oft ist es bei Hybriden mit Phragmipedium besseae sogar so, dass die Blütenfarbe dunkler ausfällt, wenn die Nächte etwas kühler sind.

Phragmipedien lieben Feuchtigkeit und sollten deshalb ganzjährig feucht bis nass kultiviert werden. Die ersten Jahre, in denen ich Phragmipedium kultivierte, machte ich mir noch die Mühe, sie alle paar Tage zu tauchen. Im Sommer war das dann manchmal 3-mal wöchentlich! Obwohl ich immer wieder las, dass Phragmipedien mit nassem Fuß kultiviert werden können, traute ich mich anfangs nicht, sie in eine Schale mit Wasser zu stellen. Mit zunehmender Anzahl an Pflanzen dieser Gattung musste ich es zwangsläufig probieren, da mir die Zeit fehlt, inzwischen über 300 Pflanzen alle 2 – 3 Tage zu tauchen. Sie stehen ganzjährig im Wasser. Im Winter lasse ich die Schale auch mal 1 – 3 Tage trocken stehen, im Sommer fülle ich immer Wasser nach, sobald die Schale leer ist. Seitdem wachsen, wurzeln und blühen meine Pflanzen viel besser. Sie lieben es wirklich, richtig nass zu stehen.

Am Schuh gibt es seitlich einige sogenannte Fenestrations – kleine „Fenster“ die lediglich aus einer dünnen, lichtdurchlässigen Haut bestehen. (Foto: Thomas Lehmann)

Für das Substrat gibt es viele Möglichkeiten. Die meisten meiner Pflanzen stehen in einem Gemisch aus Rinde, Perlite, Holzkohle und etwas mineralischem Anteil wie Bims, Akadama, Ton oder dergleichen. Der Nachteil an organischen Pflanzstoffen ist, dass sie sich durch die dauerhafte Feuchtigkeit recht schnell zersetzen und regelmäßig getauscht werden sollten. Man liest sehr oft, spätestens nach 2 Jahren, wobei ich eher 3 Jahre warte und bisher keine Probleme damit hatte. Auch in lebendem Sphagnum-Moos funktionert eine Kultur sehr gut oder aber komplett mineralisch, in Akadama zum Beispiel. Wichtig ist, dass Feuchtigkeit gut gehalten und abgegeben wird. Alle paar Monate gebe ich eine Portion Hüttenkalk auf das Substrat und gieße diesen ein, da beide beteiligten Naturformen am Standort mit Kalk versorgt werden und dieser die Blühfreudigkeit erhöht.

Gedüngt wird in den lichtreichen Monaten von März bis September bei jedem Wässern. Das Gießwasser dünge ich auf einen Leitwert von ca. 350 – 450 Mikrosiemens/cm auf. Im Winter dünge ich nicht, da die Pflanzen während der dunklen Jahrezeit nicht viele Nährstoffe verstoffwechseln können. Während des Sommers reichern sich im Pflanzstoff genügend Nährstoffe an, damit die Pflanze gut durch den Winter kommt.

Das Interessanteste an dieser Hybride sind definitiv ihre sehr variablen Blüten. Wer eine bestimmte Farbe möchte, muss unbedingt blühend kaufen. Selbst Geschwisterpflanzen aus derselben Aussaat können komplett unterschiedlich blühen (siehe Beispielbilder). Wer alle Farbvariationen schön findet, sollte sich unbedingt mehrere Pflanzen dieser tollen Kreuzung zulegen. Phragmipedium Saint Ouen  ist übrigens ein ganz zuverlässiger Blüher. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Hier sieht man gut, dass die neuen Triebe oftmals klettern und bis zu 15 cm über das Substrat hinauswachsen. (Foto: Thomas Lehmann)
Dieser leuchtend rote Klon ist eine Schwesterpflanze von…. (Foto: Thomas Lehmann)
…. diesem weißen Klon, der lediglich rosa überhaucht ist. (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht des hellen Klons (Foto: Thomas Lehmann)
Selbst orangerote Färbungen sind möglich. (Foto: Thomas Lehmann)
Hier ein sehr helles Rot – die Fahne wurde leider durch ein Spritzmittel geschädigt und hatte sich dadurch nicht richtig entwickelt. (Foto: Thomas Lehmann)
Auch in der Form gibt es Variationen – wenn auch nicht so starke, wie in der Färbung. (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 33, 2019

Pecteilis cambodiana

Alles lesen Orchidee der Woche 33, 2019

Pecteilis cambodiana

Pecteilis cambodiana – Blüte (Foto: Werner Holzmann)

Im Jahr 1932 veröffentlichte der französische Botaniker François GAGNEPAIN die Erstbeschreibung dieser Art in „Bulletin du Muséum National d’Histoire Naturelle“ unter dem Namen Parhabenaria cambodiana. Die Gattung Parhabenaria stellte er in der gleichen Ausgabe auf, da die Art zwar sehr an die Gattung Habenaria erinnerte, sich aber doch in einigen Bereichen abgrenzen ließ. Parhabenaria bedeutet frei übersetzt neben oder in der Nähe von Habenaria. Viele Jahre blieb die Art dieser Gattung zugeschrieben, bis sie im Jahr 1988 vom russischen Botaniker Leonid Vladimirovich AVERYANOV in die Gattung Pecteilis überführt wurde.

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Pecteilis cambodiana erstreckt sich von Kambodscha bis ins südliche Vietnam. Sie wächst dort lithophytisch und terrestrisch. Die Bedingungen am Naturstandort sind meist temperiert bis warm. Während die Sommer sehr feucht und regenreich sind, herrscht in den Wintermonaten eine ausgeprägte Trockenzeit.

Blühstarke Knolle mit zartem Neutrieb (Foto: Werner Holzmann)

Pecteilis cambodiana ist eine knollenbildende Orchidee. Im späten Winter oder zeitigen Frühjahr treiben die Knollen einen Trieb aus, der bis zu 30 cm hoch werden kann. Der recht dünne Stamm ist mit 5-10 weichen Blättern besetzt, die  sattgrün, glänzend und stark gekielt sind. Das Triebwachstum endet mit der Entwicklung der Infloreszenz im Sommer. Die Blütentriebe erscheinen endständig und tragen 1-3 reinweiße Blüten mit einem hellgrünen Sporn. Nach der Blüte im Herbst wird der Trieb eingezogen und die Knolle überwintert ohne Laub.

Vor vielen Jahren erhielt ich eine Knolle Habenaria rodocheila, die mich schon wegen ihres ungewöhnlichen Wuchses am Namen zweifeln ließ. Der Habitus war völlig anders, als ich das von Habenaria rhodocheila kannte. Im ersten Jahr wollte sie leider noch nicht blühen und so musste ich ein weiteres Jahr warten, um das Rätsel zu lösen. Zu meinem Erstaunen wurden aus der einen gleich mehrere neue Knollen, aus denen im darauffolgenden Jahr in wirklich rasanter Geschwindigkeit Neutriebe wuchsen und nun endlich auch zur Blüte kamen. Mit der „Erstblüte“ konnte ich sie dann auch direkt und ohne Zweifel Pecteilis cambodiana zuordnen.

Kultiviert wird meine Pecteilis cambodiana im Grunde genauso, wie fast alle meine Habenaria und Pecteilis. Über die Kultur meiner Habenaria medusa hatte ich vor einigen Wochen ja schon berichtet.

Als Substrat wähle ich eine Mischung aus Tongranulat, Bims und feiner Rinde, wobei der mineralische Anteil überwiegt. Ende Januar werden die Knollen in diese Substratmischung mit dem Trieb nach oben getopft. Am Anfang der Vegetationsperiode halte ich das Substrat lediglich leicht feucht. Erst wenn der Austrieb etwa 1 cm aus dem Substrat ragt, wird richtig feucht gehalten. Teilweise steht sogar etwas Wasser im Übertopf. Pecteilis cambodiana wächst in wirklich beeindruckender Geschwindigkeit und ist von allen meinen Pecteilis und Habenaria immer die erste, die blüht. In den meisten Jahren kommen die Triebe bereits Ende Juni / Anfang Juli zur Blüte. Pecteilis cambodiana zieht ihre Triebe nicht direkt nach dem Abblühen ein. Solange das Laub noch saftig grün ist, wird das Substrat noch feucht gehalten. Erst wenn die Blattspitzen beginnen braun zu werden, reduziere ich die Wassergaben allmählich, bis die Triebe ganz eingezogen sind. Meist ist das im Oktober der Fall. Ab da wird nicht mehr gewässert. Die Knollen von Pecteilis cambodiana ruhen nun vollkommen trocken, aber temperiert bis Ende Janunar und das Spiel beginnt von Neuem.

Meine Substratmischung mit hohem Anteil an Tongranulat (Foto: Werner Holzmann)

Pecteilis cambodiana vermehrt sich sehr gut über Brutknollen. Aus diesem Grund ist es ratsam, sie jedes Jahr frisch zu topfen, damit der Topf nicht zu klein wird und die Knollen keinen Platz zum Wachsen haben. Aus zwei blühfähigen Knollen im Topf können innerhalb eines Jahres leicht zehn werden!

Die Pflanze steht bei mir an einem hellen Westfenster mit etwas Abendsonne. Vor direkter Sonneneinstrahlung in den Mittagsstunden sollte die Pflanze geschützt werden, da es sonst leicht zu Verbrennungen an den Blättern kommen kann. Im Winter steht die Pflanze temperiert, im Sommer natürlich dementsprechend etwas wärmer.

Gedüngt wird Pecteilis cambodiana monatlich mit Orchideendünger in normaler Konzentration.

Mit ihren reinweißen Blüten wirkt die Art sehr edel und anmutig – an die Kultur stellt sie keine komplizierten Ansprüche. Eine Orchideenart also, die wirklich Freude macht. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autoren: Werner Holzmann (Kultur) & Thomas Lehmann (Geschichte)

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Habitus von Pecteilis cambodiana (Foto: Werner Holzmann)
Die Blüten haben einen hellgrünen Sporn. (Foto: Werner Holzmann)

 

KW 32, 2019

Disa Foam

Alles lesen Orchidee der Woche 32, 2019

Disa Foam

Disa Foam – ein leuchtend orangefarbener Klon der Kreuzung (Foto: Thomas Lehmann)

Am 01. Januar 1982 wurde die von J. van NIEKERK angemeldete Hybride Disa Foam ins Register für Orchideen-Hybriden der Royal Horticultural Society (RHS) aufgenommen. Über J. van NIEKERK konnte ich leider nicht viel herausfinden, außer dass sie sehr viele verschiedene Disa-Hybriden bei der RHS angemeldet hat. Für die Kreuzung Disa Foam bestäubte sie die Blüte einer Disa Betty’s Bay mit dem Pollen der Naturform Disa uniflora. Die Hybride Disa Foam ähnelt dem Elternteil Disa uniflora sehr. Über vier Generationen hinweg wurde Disa racemosa mit Disa uniflora gekreuzt, um die großen und leuchtenden Blüten von Disa uniflora mit dem Blütenreichtum von Disa racemosa zu erhalten. Der Genpool teilt sich demnach wie folgt auf:

Disa uniflora gibt den größten Anteil an Genen in den Genpool von Disa Foam. (Foto: Thomas Lehmann)
  • 93,75% Disa uniflora
  • 6,25% Disa racemosa

Disa uniflora kommt ausschließlich auf dem Tafelberg in Südafrika auf Höhen von 100 – 1 200 Metern vor. Ihre Standorte sind immer in der Nähe von fließendem Wasser an Flüssen und Wasserfällen. Die Pflanzen wachsen dort in Felsspalten und auf Sickerflächen, die immer feucht und teilweise sogar nass sind. Die Temperaturen am Tafelberg sind kühl, im Winter richtig kalt. Im Sommer kann es zwar am Tag auch mal über 30 Grad werden, die Nachttemperaturen fallen dafür im Winter (auf der Südhalbkugel in unseren Sommermonaten) gelegentlich auch knapp unter die Frostgrenze. Durch das vom Gipfel des Tafelbergs herabfließende kalte Wasser werden die Wurzeln immer gekühlt. Die Pflanzen stehen ganzjährig im Halbschatten, niemals in der Mittagssonne.

Disa racemosa besiedelt die Kapregion Südafrikas auf Höhen von 250 – 1500 Metern über dem Meeresspiegel. Man findet die Art dort in sumpfigen Gegenden und entlang von Bächen und Flüssen. Auch sie wächst unter kühlen bis richtig kalten Bedingungen in hellen, aber vor direkter Sonneneinstrahlung geschützten Bereichen.

Disa Foam bildet einzelne Rosetten aus länglichen, spitz zulaufenden Blättern aus, die bis zu 10 cm lang, circa 2 cm breit und weich sind. Im Frühjahr erscheinen endständig die aufrecht wachsenden Infloreszenzen, die im zeitigen Sommer zur Blüte kommen und ca. 30 cm hoch werden. Da sie durch die schweren Blüten gerne zur Seite fallen, empfiehlt es sich, sie frühzeitig an einem Stab zu fixieren. Jede Infloreszenz kann bis zu 10 Blüten tragen, die zwar nacheinander aufgehen, aber durch ihre lange Haltbarkeit dann doch alle zusammen offen sind. Die lateralen Sepalen sind zu einem stark nach hinten gewölbten Blütenblatt verwachsen, das an eine Satellitenschüssel erinnert. Darin liegt das Labellum. Das dorsale Sepalum ist im Laufe der Evolution stark verkümmert. Die Petalen sind groß und flächig. Farblich können die Blüten von Disa Foam stark variieren. Die Farbpalette reicht von hellem Gelborange über Rosa bis hin zu dunlem Rot. Die Blüten duften nicht. Nach der Blüte beginnen die Neutriebe, die bereits im Winter angelegt wurden, verstärkt ihr Wachstum, das bis ins späte Frühjahr währt und mit der Entwicklung der Infloreszenz abgeschlossen ist.

Disa Foam mit zwei Blüten und einigen weiteren Knospen (Foto: Thomas Lehmann)

Die Kultur von Disa Foam scheint unter kühlen Bedingungen am erfolgreichsten zu sein. Auch wenn sie die hohen Temperaturen im Sommer bei uns verträgt, sollte man versuchen sie so kühl wie möglich zu halten, besonders an den Wurzeln, die am Naturstandort durch das kalte Wasser der Flüsse immer gekühlt werden. Gegossen wird bei mir also immer mit möglichst kaltem Wasser. Im Sommer kühle ich das Gießwasser meiner Disas im Kühlschrank und an besonders heißen Tagen lege ich einen Eiswürfel in eine Ecke des Topfes. Vom Frühjahr bis zum späten Herbst stelle ich Disa Foam an einen schattigen Platz im Freien, wo sie bis zum ersten Frost bleibt. Danach kommt sie in ein ungeheiztes Zimmer, in dem das Fenster immer gekippt ist, außer es gibt extremen Frost unter -5 Grad, dann wird das Fenster geschlossen. Die Temperaturen fallen in der Nacht bei geöffnetem Fenster auf circa 8 Grad ab. Gibt es im Winter längere Zeit keinen Frost, kommen meine Disas sogar wieder raus auf den Balkon, auch nachts!

Disa Foam ist bei mir getopft in einer Mischung aus Torf und Perlite. Ich hatte sie in diesem Substrat bekommen und es damit pobiert. Sie scheint es zu mögen. Hätte sie es nicht so gut vertragen, hätte ich sie in reines Sphagnum gesetzt, in dem ich auch meine Disa uniflora kultiviere. Im Sommer stehen die Töpfe in einer Schale, in der sich immer eine Pfütze Wasser befindet, damit das Substrat auch niemals austrocknet. Im Winter stehen die Pflanzen bei mir nicht ständig im Wasser, aber trotzdem immer sehr feucht. Zum Gießen verwende ich sehr salzarmes Wasser mit einem Leitwert von ungefähr 30 – 50 Mikrosiemens/cm. Gedüngt wird in den Sommermonaten alle 2 Wochen mit einem Leitwert von 250 Mikrosiemens/cm. Wie oben schon erwähnt, immer mit kaltem Wasser!

Die Blütenanzahl von Disa Foam ist wirklich beeindruckend. Auch die Farbnuancen, die diese Hybride zeigt, lassen keine Wünsche offen. Wer also die Möglichkeit hat, im Winter kalte Temperaturen mit viel Licht bieten zu können, der sollte sich unbedingt eine Disa Foam anschaffen! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Habitus von Disa Foam (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Disa Foam – Einzelblüte (Foto:Thomas Lehmann)
Ein rötlicher Klon von Disa Foam (Foto: David Britten)

KW 31, 2019

Maxillaria sanguinea

Alles lesen Orchidee der Woche 31, 2019

Maxillaria sanguinea

Maxillaria sanguinea – das obere Sepalum und die Petalen öffnen sich bei dieser Art nur ganz wenig, während sich die unteren Sepalen strecken (Foto: Thomas Lehmann)

Robert Allen ROLFE, der erste Kurator des Orchideen-Herbariums der Royal Botanic Gardens in Kew und Gründer des Orchideen-Magazins “The Orchid Review“, beschrieb diese kleinbleibende Art erstmals im Jahr 1895 in „Bulletin of Miscellaneous Information“, dem Magazin der Kew Gardens, in dem regelmäßig Erstbeschreibungen von führenden Orchideenforschern publiziert wurden. Der costa-ricanische Botaniker Mario Alberto BLANCO und sein venezolanischer Kollege Germán CARNEVALI überführten die Art in „Lankesteriana : la revista cientifica del Jardin Botanico Lankester“ im Jahr 2007 in die Gattung Maxillariella. In der WCSP (World Checklist of Selected Plant Families) wird Maxillariella sanguinea allerdings bis heute nur als Synonym zu Maxillaria sanguinea geführt.

Die Art wächst epiphytisch auf Bäumen der Regenwälder in Costa Rica und Panama. Man findet Maxillaria sanguinea auf Höhen von 50-900 Metern über dem Meeresspiegel. Je nach Standort variieren auch die klimatischen Bedingungen etwas. In tieferen Lagen herrschen warme, teilweise sogar heiße, Temperaturen. In höheren Lagen weisen die Standorte eher temperiert-kühle Bedingungen auf. Niederschlag gibt es das ganze Jahr hindurch. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit der Regenwälder trocknet das Habitat niemals aus. Dadurch sind die Pflanzen einer andauernden Feuchtigkeit ausgesetzt. Durch das immergrüne Laub der Bäume wächst Maxillaria sanguinea zwar sehr hell, aber meist ohne direkte Sonneneinstrahlung.

Habitus von Maxillaria sanguinea (Foto: Thomas Lehmann)

Die Art bildet ca. 2-3 cm große eiförmige Pseudobulben aus, auf denen jeweils ein einzelnes Blatt sitzt. Die Blätter sind nicht breiter als 3 mm – meist sogar schmaler – werden aber bis zu 20 cm lang. Dadurch wirken sie grasartig fragil. An den neu gebildeten Pseudobulben entstehen im Winter die meist nur 1 cm langen Infloreszenzen, die lediglich eine einzelne Blüten tragen. Die Blüten sind ca. 3 cm breit und 2-2,5 cm hoch. Die Tepalen haben eine orangegelbe Farbe und sind mit rotbraunen Flecken besetzt. Das Labellum ist weißgrundig und flächig mit einem leuchtenden Rosa bis Rot überhaucht, wobei der Vorderlappen lediglich mit wenigen rosafarbenen Punkten besetzt ist. Während die unteren Sepalen richtig gestreckt werden, öffnen sich die Petalen und das obere Sepalum kaum. Die Blüten haben einen leicht fruchtigen Duft.

Die Art lässt sich problemlos auf der Fensterbank kultivieren. Allerdings nimmt sie nach einigen Jahren Ausmaße an, die den Rahmen der Fensterbankkultur sprengen. Da sie sich aber sehr leicht teilen lässt, kann man sie auch über einen längeren Zeitraum auf Fensterbankgröße halten. Ich selbst habe vor ungefähr zwei Jahren ein kleines Teilstück mit wenigen Bulben bekommen, das inzischen ordentlich gewachsen ist und in diesem Winter erstmalig – wenn auch nicht besonders üppig – geblüht hat.

Getopft habe ich meine Maxillaria sanguinea in mineralischem Substrat. Bimskies, Akadama und Lava habe ich mit ein wenig Perliten nach Gefühl zusammengemischt und meine Pflanze vor  zwei Jahren darin eingepflanzt. Wichtig dabei ist, dass die Pflanzenteile (Pseudobulben, Blätter, Rhizome, etc.) nicht im Substrat vergraben werden. Sie sollten lediglich auf dem Pflanzstoff aufsitzen, da sie sonst durch die andauernde Feuchigkeit faulen könnten. Der große Vorteil von mineralischen Substraten ist, dass sie absolut strukturstabil sind und nicht verrotten. Neu getopft werden muss also nur, wenn der Topf zu klein wird und die Pflanze über den Rand hinauswachsen möchte. Natürlich eignen sich auch alle anderen gängigen Pflanzstoffe, die eine Dauerfeuchtigkeit ermöglichen. Jeder hat da sein eigenes Rezept, mit dem er gut klarkommt.

Im direkten Vergleich mit den kleinen Pseudobulben wirkt ein Daumen echt groß. (Foto: Thomas Lehmann)

Das Wässern erfolgt bei mineralischen Substraten durch eine kleine, ständig mit Wasser gefüllte Schale, in der der Topf steht. Durch die Kapillarität der Mineralien zieht sich das Wasser bis an die Substratoberfläche. Es entsteht eine gleichmäßige Feuchtigkeit im gesamten Topf. Das mineralische Substrat kann dabei auch niemals zu nass werden – ein weiterer Vorteil der mineralischen Kultur.

Maxillaria sanguinea wird vom Frühjahr bis in den Herbst regelmäßig gedüngt. Der Leitwert des Düngerwassers beträgt dabei 300-350 Mikrosiemens/cm. Gelegentlich wird der Topf mit klarem Wasser durchgespült, um ein zu starkes Versalzen des Substrats zu vermeiden. In den Wintermonaten dünge ich gar nicht. Während der dunklen Jahreszeit, in der es bei uns in Deutschland wesentlich weniger Sonnenstunden pro Tag gibt als in Costa Rica und Panama, fährt der Stoffwechsel der Pflanze deutlich herunter und verbraucht somit auch weniger Nährstoffe. Die im Pflanzstoff angereichterten Nährstoffe genügen, um Maxillaria sanguinea gut durch den Winter zu bringen.

Da die Art am Naturstandort in verschiedenen Temperaturbereichen heimisch ist, kann sie sich auch in Kultur an die Gegebenheiten anpassen, solange es nicht zu kalt ist. Temperierte bis warme Bereiche sollten überhaupt kein Problem sein. Meine Maxillaria sanguinea steht in meinem beheizten Orchideenzimmer, das ganzjährig warm ist. Auch im Winter fallen die Temperaturen nicht unter 16-17 Grad in der Nacht, am Tag kann es dann bis auf 28 Grad aufheizen, wenn die Sonne scheint. Dadurch entsteht natürlich ein recht großes Tag-Nacht-Gefälle, das der Pflanze offenbar sehr gut gefällt. Ob es zwingend nötig ist zur Blüteninduktion, kann ich nich mit Sicherheit sagen, da ich sie bisher nur so kultiviert habe.

Im Sommer kann man Maxillaria sanguinea auch gut im Freien kultivieren, wenn sie vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt wird. Bei mir steht sie allerdings ganzjährig im Zimmer an einem schattierten Südfenster. Direkte Sonnenstrahlen fallen somit niemals auf die Pflanze, wobei sie den ganzen Tag über sehr viel Licht erhält. Da der Lichtbedarf der Art aber nicht so groß ist, kann sie auch gut an Fenstern mit anderer Himmelsrichtung stehen. Selbst ein helles Nordfenster sollte eigentlich geeignet sein.

Mit den kleinen Pseudobulben und den grasartigen Blättern finde ich Maxillaria sanguinea auch ohne Blüten recht imposant und eine Bereicherung für die Fensterbank. Die duftenden Blüten im Winter sprechen natürlich auch für die Pflanze. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Blütenbild von Maxillaria sanguinea (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Ein Blick von unten auf die Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Schon die Knospe ist fast so lang wie eine Pseudobulbe. (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blüten an ihren kurzen Infloreszenzen verstecken sich regelrecht im Laub der Pflanzen. (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 30, 2019

Phalaenopsis finleyi

Alles lesen Orchidee der Woche 30, 2019

Phalaenopsis finleyi

Phalaenopsis finleyi ‚Alex‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Der dänische Diplomat und Orchideenforscher Gunnar SEIDENFADEN beschrieb die Art im Jahr 1988 erstmalig als Kingidium minus in „Opera Botanica a Societate Botanica Lundensi“. 2001 in „Phalaenopsis: a Monograph“ stellte Eric Alston CHRISTENSON sie zur Gattung Phalaenopsis mit der Bezeichnung Phalaenopsis minor. Dieser Name ist jedoch ungültig, weil es bereits eine Phalaenopsis minor F. Y. Liu 1988 in „Acta Botanica Yunnanica“  gibt. 2005 wurde Kingidium minus in die Gattung Doritis überführt. Erst vor wenigen Jahren erhielt die Art von CHRISTENSON in „Richardiana“ ihren heute anerkannten Namen Phalaenopsis finleyi.

Heimisch ist Phalaenopsis finleyi im nordöstlichen Thailand und Myanmar. Sie wächst dort epiphytisch auf Höhen bis zu 400 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturen sind ganzjährig warm bis heiß. Tagsüber steigen sie fast immer auf über 30 Grad an. In den Sommermonaten fallen sie nachts auf 25 Grad, in den Wintermonaten auf ca. 15 Grad ab. Dadurch ergibt sich ein ausgeprägtes Tag-Nacht-Gefälle. Das Klima am Standort ist geprägt vom indischen Monsun, der von März bis Oktober für eine ausgeprägte Regenzeit sorgt. Doch auch in den restlichen Monaten kann es Niederschlag geben. Durch die stets sehr hohe Luftfeuchtigkeit trocknet das Habitat niemals aus. Die Standorte von Phalaenopsis finleyi sind immer sehr hell, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung.

Die Pflanzen bleiben sehr klein und kompakt. (Foto: Thomas Lehmann)

Die klein bleibenden Pflanzen bilden einen sehr kurzen Stamm, der wechselständig von dunkelgrünen festen Blättern umschlossen ist, die lediglich 5-12 cm lang werden. Vom späten Frühjahr bis in den zeitigen Herbst erscheinen die Infloreszenzen, die 5-20 cm lang werden und meist 2-3 Blüten gleichzeitig öffnen. Die Blütentriebe bilden aber mehrmals hintereinander Knospen. Dadurch erstreckt sich die Blühdauer über mehrere Monate. Die kleinen, fast filigranen Blüten sind nur 1-2 cm breit und 2-3 cm hoch. Die Grundfarbe ist weiß. Auf der gesamten Blüte zeigt sich eine Musterung aus Strichen und Punkten in rosa und ockerfarben. Manche Klone sind nur sehr hell gefärbt, andere haben einen intensiven Kontrast mit leuchtenden Farben. Typisches Merkmal von Phalaenopsis finleyi sind die nach oben gerichteten und nach hinten klappenden Tepalen. Unter Sammlern werden sie deshalb gerne „Sturmfrisur“ genannt. Bei der Hybridisierung vererbt sich dieses Merkmal in den allermeisten Fällen.

Eine Kultur auf der Fensterbank ist ohne großen Aufwand möglich. Da Phalaenopsis finleyi warme bis heiße Temperaturen mag, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Phalaenopsis-Art. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 15-16 Grad fallen. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet das stehende Wasser wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Als Pflanzstoff für Phalaenopsis finleyi eignet sich Rinde in feiner bis mittlerer Körnung am besten. Bei sehr kleinen Töpfen geht auch Substrat aus Kokosfasern gut. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Phalaenopsis zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder komplett silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird erneut gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten. Auch aufgebunden lässt sich Phalaenopsis finleyi gut kultivieren, wenn man eine Orchideenvitrine oder ein Gewächshaus hat.

 

Die Petalen richten sich nicht nur nach oben, sondern neigen sich auch stark nach hinten. (Foto: Thomas Lehmann)

Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-450 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt aufweisen. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Phalaenopsis finleyi auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Durch ihre wirklich einmaligen „Sturmfrisuren“ gehört Phalaenopsis finleyi zu meinen absoluten Lieblingsarten aus der Familie der Orchidaceae. Die Kultur ist außerdem recht unkomliziert und auch für Anfänger mit etwas Erfahrung machbar. Viel Erfolg beim Kultivieren!

 

Autor: Thomas LEHMANN

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Phalaenopsis finleyi ‚Budapest‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Ein recht heller Klon – dafür extrem typische Haltung (Foto: Thomas Lehmann)
Ein recht heller Klon – dafür extrem typische Haltung (Foto: Thomas Lehmann)
An der Infloreszenz entstehen immer wieder neue Knospen. (Foto: Thomas Lehmann)
Phalaenopsis finleyi mit schöner dunkler Färbung, aber suboptimaler Haltung (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht einer Blüte, die sich noch etwas strecken muss (Foto: Thomas Lehmann)

KW 29, 2019

Lepanthes niesseniae

Alles lesen Orchidee der Woche 29, 2019

Lepanthes niesseniae

Lepanthes niesseniae – benannt nach Andrea Niessen (Foto: Fabian Kulka)

Erstbeschreibung und Autor

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit, im Jahr 2003, wurde Lepanthes niesseniae Luer von dem US-amerikanischen Botaniker Carlyle August LUER (geboren 1922) in „Revista de la Sociedad de Botánica“ 4(1): 7 (2003) erstmals beschrieben. Die der Beschreibung zugrunde liegende Pflanze wurde den Angaben zufolge in der kolumbianischen Provinz Valle del Cauca gesammelt und danach in der Orchideengärtnerei „Orquídeas del Valle“ kultiviert. Diese Gärtnerei wird – wie einige von euch bestimmt bereits wissen – unter anderem von Andrea Niessen geleitet. Daran kann man schnell erkennen, dass Lepanthes niesseniae wohl ihrer Familie gewidmet wurde.

 

Über Carlyle August LUER sei noch gesagt, dass er über mehrere Jahrzehnte hinweg wesentlich daran beteiligt war, die Erforschung der Diversität der Subtribus Pleurothallidinae voranzutreiben. In Band 17 (2) von „Lankesteriana“ wurde dazu auch ein Artikel unter dem Titel „Genera Pleurothallidinarum: The Era of Carlyle Luer“ veröffentlicht. „Lankesteriana“ ist das wissenschaftliche Journal des Botanischen Gartens Lankester in Costa Rica.

 

Habitat und Vorkommen

Wie bereits weiter oben erwähnt wurde die beschriebene Pflanze wohl in der kolumbianischen Provinz Valle del Cauca gesammelt. Kolumbien kann also als ein Herkunftsland festgelegt werden. Ob die Art auch in anderen Ländern vorkommt, ist derzeit nicht bekannt. Leider scheint es nicht einfach zu sein, mehr über die genaue Herkunft des Typusexemplars herauszufinden. Daher ist es schwierig Aussagen über den Standort und die dort vorherrschenden Bedingungen zu treffen. Wir können an dieser Stelle lediglich Vermutungen anstellen, die natürlich auch mit Vorsicht zu genießen sind.

Die Angaben zu den Klimadaten im Bezug auf die Provinz Valle del Cauca deuten auf ein überwiegend warm-feuchtes tropisches Klima hin. Allerdings gibt es in der Region auch Höhenlagen, die eher kühlere Bedingungen mit sich bringen dürften. Es kann also nicht ganz sicher gesagt werden, ob Lepanthes niesseniae eher warme oder kühlere Temperaturen bevorzugt. Wahrscheinlich wird aber auch diese Art gattungstypisch an feuchtere und schattigere Bedingungen am Standort angepasst sein. Die Lebensweise ist vermutlich epiphytisch mit eher geringen Abständen zum Boden in immergrünen Regenwäldern. Eventuell werden in Zukunft noch genauere Standortangaben zugänglich, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist die Datenlage leider eher dünn.

 

Habitus von Lepanthes niesseniae (Foto: Fabian Kulka)

Beschreibung von Habitus und Blüte

Lepanthes niesseniae zeigt die Morphologie der Gattung Lepanthes: Auf einem dünnen „Stiel“, der die eigentliche Sprossachse darstellt und in englischer Fachliteratur auch „ramicaul“ genannt wird, befindet sich ein einzelnes Blatt. Dieser Spross kann eine Höhe von 10-12 cm erreichen, bevor an der Spitze das Blatt entsteht. Die Blätter ausgewachsener Pflanzen sind von der Basis bis zur Spitze etwa 5-6 cm lang und gut 2-3 cm breit. Auffallend ist auch hier wieder die Textur der Blätter, sie haben eine dunkelgrüne Färbung und eine schimmernde Oberfläche. Wenn die Art mehr Licht bekommt, als sie eigentlich braucht, färben sich die Blätter durch die eingelagerten Anthocyane rötlich violett, was die dunkelgrüne Grundfärbung mehr oder weniger vollständig überdecken kann. Die Blüten selbst werden ca. 0,9-1 cm hoch und 0,7-0,8 mm breit und sind damit für die Gattung schon überdurchschnittlich groß. Durch das Farbspiel der Musterung in der Blüte, das von Gelb über Orange bis zu Rot reicht, fällt diese im Kontrast zu den dunkelgrünen Blättern meist auch sehr gut auf.

 

Eigene bisherige Kulturerfahrungen

Meine Lepanthes niesseniae habe ich jetzt etwas über drei Jahre in Kultur. Die Blütenbilder im Internet gefielen mir doch sehr, sodass ich 2016 eine Pflanze auf einer Ausstellung bei einem ausländischen Händler erwarb. Dabei war ich mir aber nicht sicher, ob ich der Pflanze die richtigen Bedingungen bieten könnte, denn es war nicht klar, wie bereits weiter oben erwähnt,  ob sie eher warme oder kühlere Bedingungen benötigt oder tolerant diesbezüglich ist. Es handelte sich also gewissermaßen um ein Experiment mit Lepanthes niesseniae bei mir damals. Da ich nur ein temperiert-warmes Terrarium besitze, hätte ich der Pflanze auch keine anderen Bedingungen bieten können, wenn es ihr nicht gefallen hätte. Für eine kleine Glaskugel an einem kühleren Fenster ist diese Art nämlich definitiv zu groß, da müsste schon ein sehr großes Glasgefäß her; das Terrarium ist hier also die einfachere Wahl.

Natürlich brauchte die Pflanze etwas Zeit, nachdem sie erst nach Deutschland importiert worden war und dann bei mir neu aufgebunden werden musste. Aber schon bald entwickelten sich einige neue Triebe, was mich doch sehr erleichterte. Jedoch entstanden damit auch Probleme, denn von den ersten Neutrieben überlebte nur ein einziger, sofern mich meine Erinnerungen nicht täuschen. Die übrigen starben in verschiedenen Stadien vorher schon ab. Zum Glück war die Pflanze aber dennoch in der Lage weitere Neutriebe zu bilden. Auf diese passte ich dann beim Sprühen besonders auf, dass sie auf jeden Fall trocken blieben. Dies schien das Problem durchaus zu beheben, sodass die Pflanze mit der Zeit einige neue und auch größere Triebe bildete und dann auch ausdauernder blühte.

Ach ja, die Sache mit den Blüten, da war ja auch noch was. Zu Beginn wollten die Blüten sich nicht richtig öffnen und blieben irgendwie immer etwas geschlossen. Im Vergleich zu den Bildern im Internet gefiel mir das nicht so recht. Allerdings erledigte sich dieses Problem von selbst, nachdem die Pflanze nach einiger Zeit etabliert und recht stabil war. Dies war dann wohl ein Umstellungsproblem. Also manchmal hilft auch einfach nur Warten, wenn man ansonsten keine Probleme ausmachen kann.

Wie üblich habe ich auch Lepanthes niesseniae nach dem Kauf auf Ton aufgebunden. Nach drei Jahren habe ich sie dann dieses Jahr auf einer neuen Unterlage befestigt. Beim nächsten neuen Aufbinden wird dann wohl die Unterlage etwas größer gewählt, die Pflanze wächst ja nun doch zum Glück sehr stabil.

Zusammen mit den anderen Pflanzen im Terrarium wird Lepanthes niesseniae einmal morgens gesprüht. Dabei achte ich wie bereits gesagt nach wie vor darauf, dass insbesondere die neuen Triebe möglichst trocken bleiben. Gedüngt wird eher sporadisch. Meine Pflanze hat leicht rötliche Blätter, weil mein Terrarium etwas zu niedrig für die vorhandene Lichtintensität ist, aber es scheint noch im Toleranzbereich der Pflanze zu liegen. Was jetzt die Temperatur angeht: Ich kann leider nur für den wärmeren Bereich sprechen und da scheint es Lepanthes niesseniae auch über einen längeren Zeitraum  zu gefallen. Ob die Art bei kühleren Temperaturen genauso gut wächst und blüht, ist mir aus Mangel an persönlichen Erfahrungen leider nicht bekannt. Wie sagt man so schön: „Versuch macht kluch!“

Autor: Fabian Kulka

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Lepanthes niesseniae – eine noch sehr junge Art (Foto: Fabian Kulka)
Die orangefarbenen Blüten leuchten regelrecht auf den dunkelgrünen Blättern (Foto: Fabian Kulka)

 

KW 28, 2019

Chysis Sedenii

Alles lesen Orchidee der Woche 28, 2019

Chysis Sedenii

Chysis Sedenii (Foto: Werner Holzmann)

Harry James VEITCH, der die renommierte Baumschule und Gärtnerei „James Veitch and Sons“ in London bereits in dritter Generation führte, meldete im Jahr 1880 die Kreuzung aus Chysis bractescens und Chysis limminghei als Chysis Sedenii bei der Royal Horticultural Society (RHS) an, woraufhin sie in das dortige Orchideenregister eingetragen wurde. Da Harry VEITCH ein wichtiger Mitbegründer der Chelsea Flower Show war, die noch heute stattfindet, wurde er in den Ritterstand erhoben und durfte sich fortan Sir Harry James VEITCH nennen. Bei alten Hybriden aus dem 19. Jahrhundert ist der Name Sedenii sehr häufig. Was er bedeutet und warum viele Hybriden aus verschiedenen Gattungen so benannt wurden, kann ich leider nicht sagen. Wie schon erwähnt sind an der Primärhybride lediglich zwei Naturformen beteiligt:

Chysis limminghei – ein Elternteil – ist intensiver gefärbt als die Hybride (Foto: Werner Holzmann)

 

Chysis limminghei ist heimisch von Mexiko bis ins nördliche Guatemala. Man findet sie ausschließlich an Standorten, die in etwa auf Meereshöhe liegen. Die Temperaturen dort sind ganzjährig warm, auch nachts fallen sie nur selten unter 18 Grad, während sie tagsüber durchaus auf über 40 Grad steigen können. Im Sommer herrscht Regenzeit mit fast täglich vielen kurzen, aber heftigen Schauern. Die Winter dagegen sind trocken mit wenig bis gar keinem Niederschlag. Chysis limminghei wächst epiphytisch auf Bäumen und Sträuchern. Die Blüten sind weiß mit rosafarbenen und gelben Akzenten an den Tepalen und dem Labellum.

Chysis bractescens – der zweite Elternteil – mit reinweißer Blüte (Foto: Werner Holzmann)

Chysis bractescens kommt in Mexiko, Guatemala, Belize, El Salvador, Honduras und Nicaragua vor und wächst dort meist epiphytisch auf Bäumen, selten auch lithophytisch auf kalkhaltigem Felsen. Die Standorte liegen auf Höhen zwischen 800 und 1500 Metern über dem Meeresspiegel und sind somit, besonders nachts, etwas kühler als die Standorte von Chysis limminghei. Auch hier sind die Winter trocken. Die Blüten sind weiß mit einem gelben Labellum.

Im Frühjahr, nach der trockenen Winterruhe, erscheinen bei Chysis Sedenii die Neutriebe, aus denen in sehr frühem Stadium schon die Blütentriebe wachsen. Diese werden bis zu 30 cm lang und tragen mehrere wachsartige Blüten, die fast so aussehen, als seien sie aus Porzellan. Die weißen Blüten, die leicht rosafarben überhaucht sind, duften und halten sehr lange. Die Seitenlappen der Lippe sind leuchtend gelb. Der Neutrieb wird bis zu 45 cm lang und trägt im oberen Bereich der spindelförmigen Pseudobulbe sechs bis zwölf Blätter, die  spitz zulaufend, papierartig dünn und an den zahlreich sichtbaren Längsnerven gefaltet sind. Nach der Vegetationsperiode werden sie meistens abgeworfen und die nackte Pseudobulbe geht wieder in eine trockene Winterruhe. Es kommt aber auch vor, dass das Laub der Altbulben nicht abgeworfen wird. Im zeitigen Frühjahr beginnt dann wieder ein Neutrieb zu wachsen.

Im Folgenden beschreibe ich die Kultur von Inge Nell, die im Grunde der von Werner Holzmann, die ich im Beitrag zu Chysis limminghei vorstellte, sehr ähnlich ist. Auch Werner Holzmann kultiviert Chysis Sedenii unter denselben Bedingungen wie seine Chysis limminghei.

Auch Inge Nells Pflanze steht ganzjährig an einem halbschattigen Platz ihres nach Süden ausgerichteten Fensters. Die Pflanzen möchten es zwar sehr hell haben, allerdings keine direkte Sonneneinstrahlung. Ganz besonders im Sommer zur Mittagszeit würden die dünnen Blätter sonst sehr schnell verbrennen. Im Winter verträgt die Pflanze auch direktes Sonnenlicht, allerdings ist das aufgrund der dann währenden Ruhephase nicht zwingend nötig.

Die Temperaturen sind ganzjährig warm bis heiß. Die nächtlichen Temperaturen fallen auch im Winter nicht unter 16 Grad.

Während des Wachstums, vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst, wird regelmäßig gegossen. Das Substrat sollte in dieser Zeit immer feucht bleiben. An den Naturstandorten der Elternpflanzen herrscht dann Regenzeit mit fast täglichen Niederschlägen. Regelmäßige Düngergaben sind während der Vegetationsperiode sehr wichtig, da die Pflanze sehr schnell und viel wachsen muss. Inge Nell düngt regelmäßig mit einem Dünger in Pulver-Form, der sowohl Calcium als auch Magnesium enthält, in angegebener Dosis. Viele Flüssigdünger enthalten kein Calcium und Magnesium oder nur einen der beiden Stoffe. Beide sind aber für ein gesundes Wachstum der Pflanzen sehr wichtig.

Nach Triebabschluss wird das Gießen langsam verringert. Wie Werner Holzmann auch, hat Inge Nell die Erfahrung gemacht, dass die Pflanzen mit gelegentlichen Wassergaben im Winter besser wachsen und blühen. Sie verringert die Wassergaben zwar – lässt den Topf auch mal gut abtrocknen – aber alle 7-10 Tage gibt es etwas Wasser für Chysis Sedenii, da sie ihr Laub auch immer erst im nachfolgenden Sommer abwirft. Wenn im Frühjar der Neutrieb erscheint und erste Wurzeln gebildet werden, wird wieder normal gegossen und das Substrat dauerfeucht gehalten. Zeitgleich mit dem Neutrieb erscheinen dann auch wieder die Infloreszenzen.

Auch Inge Nell hat ihre Pflanze in Rinde getopft und damit gute Erfahrungen gemacht.

Optisch unterscheidet sich Chysis Sedenii kaum von Chysis limminghei. Die farblichen Akzente an den Tepalen sind lediglich ein bisschen weniger intensiv gefärbt bei der Hybride.

Die porzellanartigen Blüten sind ein wirkliches Highlight – die Kultur ist sehr unkompliziert. Ich werde mir auf jeden Fall eine mitnehmen, wenn sie mir mal angeboten wird. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autoren: Inge Nell & Thomas Lehmann

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Hier sieht man schön, dass der Alttrieb seine Blätter noch nicht abgeworfen hat, obwohl Neutrieb und Infloreszenz schon da sind (Foto: Inge Nell)
Die Blüten von Chysis Sedenii sind bei Inges Pflanze deutlich heller – Hybriden variieren ja meist (Foto: Inge Nell)
Frontansicht der Blütentraube (Foto: Inge Nell)
Seitenansicht der Blütentraube (Foto: Inge Nell)