Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

KW 29, 2018

Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum

Alles lesen Orchidee der Woche 29, 2018

Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum

(Syn. Bulbophyllum carunculatum)

Foto: Thomas LEHMANN
Detailaufnahme des warzigen Labellums, welches beweglich ist (Foto:Thomas LEHMANN)

Lesley Andrew GARAY, Fritz HAMER und Emily Steffan SIEGERIST beschrieben dieses Bulbophyllum erstmalig im Jahr 1995 unter dem Namen Bulbophyllum carunculatum. Veröffentlicht wurde diese Erstbeschreibung in Lindleyana. 16 Jahre später, im Jahr 2011, wurde es ebenfalls von den drei Erstbeschreibern als Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum im Buch Bulbophyllum of Sulawesi neu eingeordnet. Beheimatet ist diese strahlend gelbe Naturform ausschließlich auf der indonesischen Insel Sulawesi, die zwischen Borneo und Neuguinea liegt. Sie wächst dort epiphytisch in Höhenlägen von 800-900 Metern unter warmen Bedingungen. Die Temperaturen liegen je nach Standort auf der Insel zwischen 25 und 32 Grad am Tag und fallen auf 15-20 Grad in der Nacht ab. Je höher gelegen, desto kühler sind die Temperaturen, dafür sind sie ganzjährig konstant durch die Nähe zum Äquator. Ebenfalls abhängig vom Standort ist der Zeitpunkt der Regenzeit. Während auf der südlichen Seite der Insel von November bis April teilweise heftige Monsunwinde mit starken Niederschlägen herrschen, ist an der Ostküste die Regenzeit von Mai bis August begrenzt. Im nördlichen Teil Sulawesis muss zwischen Oktober und April mit starken Niederschlägen gerechnet werden. Grundsätzlich gibt es aber ganzjährig Niederschlag und es herrscht ebenfalls ganzjährig eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Bulbopyhllum amplebracteatum subsp. carunculatum ist ein mittelgroßes Bulbophyllum, das ca. 5-7 cm hohe, eng aneinanderliegende Pseudobulben ausbildet, auf denen jeweils ein kräftiges, festes und ca. 25-30 cm langes Blatt sitzt. Die bis zu 45 cm langen Infloreszenzen enstspringen dem unteren Bereich der Pseudobulben und können bis zu 12 Blüten hervorbringen, die nacheinander aufgehen. Somit erstreckt sich die Blütezeit, die im Sommer liegt, über mehrere Wochen bis hin zu zwei bis drei Monaten.  Die Blüten haben, wie viele Bulbophyllum, einen intensiven Duft, der für die menschliche Nase nicht sonderlich angenehm ist.

Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum ‚Deggendorf‘ erhielt in diesem Zustand eine Silbermedaille auf den Kulturzustand (Foto: D.O.G.-Archiv)

Das Substrat für Bulbophyllum muss unbedingt sehr gut drainert sein und darf nicht zu nass werden, da die Pseudobulben sonst sehr schnell faulen. Aus diesem Grund nutze ich für meine größeren Bulbophyllum mittlere und grobe Rinde, gemischt mit Perlite. Gerne nutze ich auch transparente Töpfe, um den Zustand der Wurzeln und auch die Feuchtigkeit im Topf besser kontrollieren zu können. Wenn zwei Drittel des Topfes abgetrocknet sind, wird wieder gewässert. Ob getaucht oder durchdringend gegossen wird, muss jeder für sich entscheiden. Wichtig ist nur, dass sich keine Staunässe bildet und der Pflanzstoff sehr gut und schnell antrocknen kann. Je nach Temperatur trocknet mein Topf nach 5-10 Tagen ab, danach tauche ich wieder. Auch aufgebunden ist grundsätzlich möglich. Bedingt durch die Größe von Bublbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum ist für eine Kultur im Wohnraum der Topf aber die bessere Lösung. Wer ein Gewächshaus oder eine sehr große Vitrine besitzt, kann es auch aufgebunden problemlos kultivieren.

Ich dünge von Frühjar bis Herbst bei jeder Wassergabe mit ca. 200-250 Mikrosiemens. Auch möglich ist es, bei jedem dritten Gießen mit 400 Mikrosiemens zu düngen und dazwischen zweimal mit klarem Wasser zu spülen, um ein zu starkes Versalzen des Substrats zu verhindern. Da ich im Winter keine zusätzliche Beleuchtung in Form von LED´s oder Leuchtstoffröhren nutze, dünge ich in dieser Zeit gar nicht. Der Stoffwechsel der Pflanze ist im Winter in unseren Breitengraden stark herabgesenkt, da nur sehr wenig Licht zur Verfügung steht. Für diese Zeit genügen die Salze, die sich im Laufe des Sommers im Pflanzstoff anglagert haben.

Der Lichtbedarf von Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum ist nicht sonderlich hoch, da es am Naturstandort in immergrünen und schattigen Wäldern auf Bäumen sitzend wächst und kaum der direkten Sonne ausgesetzt ist. Bei mir steht die Pflanze an der Ostseite und bekommt ein wenig Morgensonne ab, das verträgt sie gut. Aber auch schattierte Süd- oder Westseite ist möglich. Da die nächtlichen Temperaturen am Standort nur selten unter 15-20 Grad fallen, steht mein Bulb. amplebracteatum subsp. carunculatum ganzjährig im Haus. Im Winter dann im beheizten Zimmer, in dem die nächtlichen Temperaturen auch nicht unter 15 Grad fallen. Tendenziell liegen sie auch im Winter bei 17-18 Grad Minimum.

Obwohl auf Sulawesi ganzjährig eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, kommt dieses recht unkomplizierte Bulbophyllum auch mit etwas trockener Luft ganz gut zurecht. Bei guter Pflege und dem richtigen Standort ist es ein zuverlässiger Blüher, der jedes Jahr im Sommer mit mehreren Infloreszenzen blühen sollte. Dieses Jahr hat mein Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum bereits sieben Blütentriebe. Jedes Jahr wurden es ein paar mehr. Es scheint sich sichtlich wohl zu fühlen!

Autor: Thomas LEHMANN

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Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum ‚Deggendorf‘ erhielt ebenfalls Silber als botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Hier sieht man schön, dass Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum ein Revolverblüher ist – eine Knospe nach der anderen kommt zum Vorschein (Foto: Thomas LEHMANN)
Meine Pflanze hat dieses Jahr 8 Infloreszenzen – 7 sieht man auf dem Bild (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht (Foto: Thomas LEHMANN)
Foto: Thomas LEHMANN

 

 

KW 28, 2018

Masdevallia coccinea

Alles lesen Orchidee der Woche 28, 2018

Masdevallia coccinea

Masdevallia coccinea ‚Mem. Rudi Lange‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia coccinea ‚Gerard‘ – sehr gut kultivierte Pflanze (Foto: D.O.G.-Archiv)

1846 beschrieben die beiden Botaniker Jean Jules LINDEN und John LINDLEY diese Naturform, die in Peru und Kolumbien beheimatet ist, in „Orchidaceae Lindenianae“. Sie wächst terrestrisch am Rand von steinigen Klippen auf Höhen von 2400 – 3000 Metern unter kalten Bedingungen. Masdevallia bilden einzelne Blätter an einem Stiel aus. Am untern Stielende entwickelt sich jeweils eine Infloreszenz, an deren Ende eine einzelne Blüte sitzt. Die Blütentriebe von Masdevallia coccinea werden ca. 30 cm lang und überragen damit die Blätter, die etwa 15-20 cm hoch wachsen. Die Farbe und Größe der Blüten kann variieren. Es gibt sie in Gelb, Orange und Weiß sowie in Violett- und Rottönen. Am Ende des Artikels haben wir einige Farbvariationen abgebildet. Die Blüten haben die Form eines Kelches, mit 2 flächigen Ausläufern an der Unterseite und einer fadenähnlichen Verlängerung am oberen Teil der Blüte. Die Blütezeit von Masd. coccinea liegt im Frühjahr und Sommer. Die Blüten halten mehrere Wochen. Die Standorte sind ganzjährig sehr feucht und trocknen niemals aus. Die Temperaturen können in der Nacht auf 2 – 3 Grad fallen.

Masdevallia coccinea ‚Wasen‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Die Kultur ist nicht sonderlich schwierig, wenn man im Winter möglichst kalte Temperaturen bieten kann. Für das Wohnzimmer ist diese Naturform dadurch leider nicht geeignet, eher für ein kühles, ungeheiztes Schlafzimmer oder Treppenhaus. Im Winter sollten die Pflanzen so kalt wie möglich stehen. Da sie Frischluft sehr mögen, gerne auch am gekippten Fenster.

Grundsätzlich gilt bei Masdevallia, dass die Wurzeln sehr empfindlich auf im Wasser gelöste Salze reagieren. Sie verbrennen dadurch sehr schnell und sterben ab. Aus diesem Grund gieße ich mit schwach aufgedüngtem, destilliertem Wasser. Osmose- oder Regenwasser geht natürlich auch. Der Leitwert des Gießwassers überschreitet 50 Mikrosiemens nur beim Düngen im Sommer, was alle 2 – 4 Wochen bei mir erfolgt. Das Wasser wird dann auf einen Leitwert von 150 Mikrosiemens aufgedüngt. Je nach Substrat muss im Sommer sehr regelmäßig gegossen werden, da die Wurzeln von Masdevallia coccinea niemals austrocknen dürfen.

Die Kultur in mineralischem Substrat, wie Akadama oder Lavagranulat, hatte ich schon im Beitrag zu Masdevallia ignea vorgestellt. Deswegen möchte ich kurz auf einen weiteren, bei Masdevallien beliebten Pflanzstoff eingehen. Sphagnum-Moos wird von vielen gerne verwendet, da es sehr viel Wasser aufnimmt und gleichmäßig im Topf verteilt. Der Nachteil daran ist, dass es spätestens nach einem Jahr ausgetauscht werden sollte, da es zum einen recht schnell zersetzt wird durch die andauernde Feuchtigkeit, und zum anderen lagern sich Salze des Düngerwassers sehr schnell im Moos ein. Das führt zu einem Versalzen des Substrats, wodurch die Wurzeln geschädigt werden können. Außerdem kann Sphagnum-Moos auch zu nass werden, besonders wenn der Topf getaucht anstatt gegossen wird. Bei zu viel Nässe auf Dauer, besonders im kühlen Winter, besteht die Gefahr von Fäulnis an den Trieben. Ich persönlich finde es sehr schwer diesen schmalen Grat zwischen Dauerfeuchtigkeit und nicht zu viel Nässe zu erreichen, weswegen ich alle meine Masdevallia inzwischen in mineralisches Substrat getopft habe.

Da Masdevallia gerne sehr viel Frischluft und Luftbewegung mögen, dürfen meine Pflanzen ab dem zeitigen Frühjahr ins Freie. Sobald die Nächte konstant über dem Gefrierpunkt liegen, geht es nach draußen. Bei uns hier oft schon im März. Dort stehen sie dann bis zum ersten Frost, vor Sonne geschützt, im Schatten. Masdevallia brauchen nicht viel Licht, da sie am Naturstandort auch oft im Schatten des Waldes am Boden wachsen, wo nicht viel Licht ankommt. In manchen Jahren standen sie bei mir wirklich bis in den Dezember hinein im Freien. Man muss allerdings den Wetterbericht beobachten und im Notfall schnell handeln und die Pflanzen nach innen bringen können. Nach dem Hereinholen stehen sie in einem ungeheizten Raum, in dem das Fenster fast immer gekippt ist. Nur in ganz kalten Nächten mit starken Minusgraden wird das Fenster geschlossen, da sonst die Heizung anspringen würde. Die Nachttemperaturen fallen dort auf 8 – 10 Grad ab. Manchmal auch etwas tiefer, je nach Außentemperatur.

Wenn die Temperaturunterschiede vom Außen- zum Innenbereich zu groß sind, reagieren Masdevallien gerne damit ihre Blätter abzuwerfen. Also auf keinen Fall von 5 Grad Außentemeperatur in ein beheiztes Wohnzimmer bringen. Auch nicht nur für eine Nacht. Wer aber die kalten Temperaturen bieten kann, wird mit Masdevallia coccinea viel Freude haben.

Autor: Thomas LEHMANN

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Masdevallia coccinea var. xanthina ‚Wössen‘ (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia coccinea ‚Gerard‘ (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia coccinea var. alba ‚Schneeflöckchen‘ (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia coccinea (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia coccinea (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia coccinea (Foto: Irene Bock)

 

KW 27, 2018

Lepanthopsis astrophora

Alles lesen Orchidee der Woche 27, 2018

Lepanthopsis astrophora

Lepanthopsis astrophora ‚Maintal‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Bereits 1892 beschrieben Heinrich Gustav REICHENBACH und Friedrich Wilhelm Ludwig KRAENZLIN diese Naturform erstmalig unter dem Namen Pleurothallis astrophora in Xenia Orchidacea. Leslie Andrew GARAY, ein Botankiker aus den USA, ordnete im Jahr 1962 Pleurothallis astrophora der neuen Gattung Lepanhopsis zu und beschrieb diese in Caldasia neu. An den Küsten Venezuelas und Kolumbiens wächst diese epiphytische Miniatur-Orchidee in Höhenlagen von 700 – 1500 Metern unter temperiert-warmen Bedingungen. Je nach Standort kann es auch sehr heiß sein. Durch die Nähe zum Meer ist die Luftfeuchtigkeit ganzjährig hoch und es gibt auch ganzjährig Niederschläge. Lepanthopsis astrophora bildet einzelne kleine Blätter an kurzen Stielen aus, die eine Höhe von ungefähr 4 cm erreichen. Am oberen Stielende entspringt meist im Herbst die Infloreszenz, welche circa 12 cm lang wird und 6 – 8 sehr kleine sternförmige Blüten trägt, die sich innerhalb weniger Tage gleichzeitig öffnen. Die einzelnen Blüten sind nur 2 mm breit und 3 mm hoch und  hellviolett gefärbt.

Im Vergleich mit meinem Zeigefinger lässt sich gut zeigen, wie klein die Blüten sind (Foto: Thomas LEHMANN)

Wie alle Miniaturorchideen ist auch Lepanthopsis astrophora sehr empfindlich gegenüber Salzen im Gießwasser. Die feinen Wurzeln reagieren sehr schnell mit Verbrennungen und sterben dann ab. Deshalb ist es sehr wichtig mit möglichst reinem, salzarmem Wasser zu gießen. Mein normales Gießwasser hat einen Leitwert von 30 – 50 Mikrosiemens. Gedüngt wird alle 3 – 4 Wochen mit einem Leitwert von 80 – 100 Mikrosiemens. Leitungswassser scheidet aufgrund der hohen Leitfähigkeit bei den Miniaturen immer aus. Gut geeignet ist Regenwasser oder sehr schwach aufgedüngtes Osmose- oder destilliertes Wasser. Auch ein Verschneiden von Leitungswasser und einem der salzarmen Varianten auf den gewünschten Leitwert ist natürlich möglich.

Diese Pflanze bekam ich vor 2 Jahren als kleines Kindel mit 3 Blättern. Sie ist sehr wüchsig und blüht sehr regelmäßig (Foto: Thomas LEHMANN)

Wer eine warme Orchideenvitirine zu Hause hat, kann Lepanthopsis astrophora natürlich aufgebunden auf Kork oder Rinde darin unterbringen und durch eine Beregnungsanlage oder tägliches Sprühen wässern. Wer keine Vitrine hat, kann diese zuckersüße Naturform auch gut in einer Glaskugel im Moosbett kultivieren. Diese Kulturform hatte ich schon in den Beiträgen zu Lepanthes telipogoniflora und Platystele umbellata vorgestellt, sie kann für Lepanthopsis astrophora übernommen werden. Nur die Größe der Glaskugel sollte in diesem Fall etwas größer sein, da die Pflanzen mit Blütentrieben auch 25 cm breit werden können und dementsprechend Platz brauchen. Stoßen die Spitzen der Infloreszenzen an der Glaswand an, wachsen sie oft nicht weiter oder die Blüten verkrüppeln und sehen nicht sehr schön aus. Ich habe meine Lepanthopsis astrophora zusammen mit ein paar anderen Miniaturorchideen in einen ausgedienten Lampenschirm gesetzt. Im Folgenden beschreibe ich noch einmal kurz, wie man so eine Glaskugel am besten einrichtet.

Als Unterlage kann man in den unteren Bereich der Glaskugel ein mineralisches Substrat in feiner Körnung füllen oder man gibt einfach direkt Moos unten hinein. Am geeignetsten finde ich lebendes Sphagnum-Moos, da es leicht desinfizierend und antibakteriell wirkt und außerdem durch die grüne Farbe sehr ansprechend ausssieht. Nachteil ist, dass es weiter wächst und regelmäßig zurückgeschnitten werden muss, damit es die Pflanze nicht überwuchert. Wer als Unterlage mineralisches Substrat hat, gibt darauf dann eine Schicht Moos. Auf dieses Moos setzt man die Pflanze, am besten mit einer Pinzette mit den Wurzeln voraus. Will man sie anders herum durch die Glasöffnung stecken, bleibt man oft mit ein oder zwei Blättern hängen und bricht diese ab. Nachdem man die Pflanze positioniert hat, kommt über die Wurzeln eine weitere Schicht  Moos. Fertig.

Ab jetzt muss man nur noch dafür sorgen, dass das Moos unter keinen Umständen austrocknet, es muss immer feucht gehalten werden. Dazu kann man ruhig im unteren Bereich der Glaskugel eine Pfütze stehen haben. Solange es salzarmes Wasser ist, macht diese Staunässe den Pflanzen nichts aus. Gelegentlich sollte man die Pfütze aber schon antrocknen lassen, um ein Ansiedeln von Bakterien und Keimen zu vermeiden. Nur nicht so lange trocken stehen lassen, dass das gesamte Moos austrocknet. Das führt zum Absterben der ganz feinen Wurzeln, was meist den Tod der Pflanze bedeutet.

Diese winzigen, zarten und sternförmigen Blüten sehen während der Blütezeit wie ein kleines Feuerwerk aus und machen wirklich Freude. Übrigens muss es auch gar keine Glaskugel sein. Ein Bonbon-Glas eignet sich genauso dafür. Wichtig ist nur, dass es eine seitliche Öffnung gibt. Eine Öffnung nur oben lässt zu wenig Luftaustausch zu und erzeugt kein gleichmäßiges Mikroklima wie ein Glas mit seitlicher Öffnung. Viel Spaß beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Lepanthopsis astrophora ‚Wolfgang‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Lepanthopsis astrophora ‚Maintal‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Ohne Makroobjektiv nicht zu fotografieren (Foto:Thomas LEHMANN)

 

 

KW 26, 2018

Dendrobium Gatton Sunray

Alles lesen Orchidee der Woche 26, 2018

Dendrobium Gatton Sunray

Foto: Thomas LEHMANN

Diese Dendrobium-Hybride feiert nächstes Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum. Bereits im Jahr 1919 wurde sie von Sir Jeremiah COLEMAN, einem britischen Industriellen und Orchideensammler, bei der Royal Horticultural Society (RHS) angemeldet. Die Eltern dieser Kreuzung sind Dendrobium pulchellum und Dendrobium Illustre. Den. Illustre ist eine Hybride aus Den. pulchellum und Den. chrysotoxum. Somit sind lediglich 2 Naturformen an dieser äußerst ansprechenden Hybride beteiligt.

  • 75% Dendrobium pulchellum
  • 25% Dendrobium chrysotoxum


Dendrobium pulchellum
hat ein sehr großes Verbreitungsgebiet im asiatischen Raum und wächst dort auf Höhen von 70 – 2200 Metern unter verschiedenen Temperaturbedingungen. Es wächst epiphytisch in offenen Laubwäldern und zählt zu den großen Dendrobium-Arten. Die Pseudobulben können auch etwas länger als 200 cm werden. Nach einer eher trockenen Ruhephase entsteht im späten Winter oder zeitigen Frühjahr der Blütentrieb .

Dendrobium chrysotoxum ist ebenfalls im asiatischen Raum beheimatet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Myanmar über Laos, Thailand, Vietnam, China und den östlichen Himalaya sowie Bangladesch und Assam in Indien. Es wächst dort auf Höhen von 400 – 1600 Metern, ebenfalls unter verschiedenen Temperaturbedingungen, je nach Standort. Chrysotoxum ist ein kleinwüchsiges, epiphytisch wachsendes Dendrobium. Die Pseudobulben werden nicht größer als 30 cm. Auch diese Naturform macht eine trockenere Ruhephase im Winter durch.

Foto: Thomas LEHMANN

Wer über genügend Platz verfügt, kann Dendrobium Gatton Sunray auch gut im Wohnraum kultivieren. Allerdings eben nicht auf der Fensterbank, da es durch den Einfluss von Den . pulchellum sehr groß werden kann. Meine Pflanze hat bisher 3 Bulben, die größte ist ca. 40 cm lang. Allerdings glaube ich nicht, dass das schon das Ende ist, was die Gruöße angeht. Da jede Neubulbe etwas größer wurde als die vorhergehende. Mal abwarten, welche Ausmaße sie noch annehmen wird.

Dendrobium Gatton Sunray steht den Sommer über, vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt, auf dem Balkon und wird während des Wachstums immer feucht gehalten. Da dies am Naturstandort der Elternteile die Monsunzeit ist, in der es fast täglich Niederschlag gibt und das Habitat über Monate sehr feucht (bis nass) ist. Bis die nächtlichen Temperaturen auf 10 Grad fallen, bleibt es im Freien stehen. Wenn es dauerhaft nachts unter 10 Grad ist, hole ich es nach innen und stelle es an einen hellen und kühlen Platz. Die Nachttemperaturen betragen dort 10-14 Grad, je nach Außentemperatur. In dieser Zeit bekommt Den. Gatton Sunray eine sogenannte Semi-Dry-Ruhe. Das heißt, das Substrat darf komplett abtrocknen und wird dann aber durch Sprühen wieder etwas angefeuchtet, aber nicht komplett durchnässt. An besonders sonnigen und warmen Tagen wird ein bisschen mehr gesprüht. An kalten und dunklen Tagen eben weniger. Wenn im Frühjahr die Tage wieder heller und die Temperaturen wieder höher werden, fängt dieses Dendrobium an zu blühen. Die Wassergaben steigere ich dann langsam wieder.

Getopft habe ich meine Pflanze in eine Mischung aus verschiedenen mineralischen Substraten. Lavagranulat, Akadama und Bimskies. Alles in einer Körnung bis 8 mm. Das Akadama bis 10 mm. Der Topf steht in einer Schale, die im Sommer immer mit 1-2 cm frischem und klarem Wasser gefüllt ist. Der Leitwert des Wassers liegt bei 50 Mikrosiemens. Während der Wachstumsphase wird alle 2 Wochen mit 150 – 200 Mikrosiemens gedüngt. Im Winter, während der Ruhephase, darf nicht gedüngt werden. In dieser Zeit sollte man möglichst reines und salzarmes Wasser zum Sprühen verwenden. Beim Topfen sollte man darauf achten, dass die Pseudobulben nicht im Substrat vergraben werden, sondern auf dem Substrat aufliegen. Durch die andauernde Feuchtigkeit könnte es sonst zu Fäulnis kommen.

Leider ist diese sehr alte Hybride heute nicht mehr so oft im Angebot der Orchideenzüchter zu finden. Wer einmal die Möglichkeit hat, eine Pflanze dieser Kreuzung zu erwerben, sollte unbedingt zuschlagen. Durch die großen, imposanten Blüten, die rund 7 cm groß sind und gelb leuchten, ist dieses Dendrobium ein echter Blickfang für jede Orchideensammlung.

Autor: Thomas LEHMANN

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Im direkten Vergleich mit meiner Hand sieht man gut, wie groß die Blüten sind (Foto: Thomas LEHMANN)
Hervorragend kultiviertes Exemplar – wirklich nichts für die Fensterbank (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die komplette Lippe ist übersät mit Härchen (Foto: Thomas LEHMANN)
Die komplette Lippe ist übersät mit Härchen (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

KW 25, 2018

Masdevallia veitchiana

Alles lesen Orchidee der Woche 25, 2018

Masdevallia veitchiana

Masdevallia veitchiana ‚Prince de Galle‘ (Foto: Thomas LEHMANN)

Heinrich Gustav REICHENBACH war ein deutscher Botaniker und Orchideensammler, der mit der Erstbeschreibung von Masdevallia veitchiana den englischen Orchideenzüchter John VEITCH ehrte. Veröffentlicht wurde die Erstbeschreibung im Jahre 1886 in „The Gardeners‘ Chronicle“. Masdevallia veitchiana ist eine überwiegend terrestrisch wachsende Naturform. Gelegentlich wächst sie epiphytisch und sehr selten auch epiphytisch. Sie ist beheimatet im Gebiet von Machu Picchu in Peru und wächst dort unter kalten Bedingungen auf Höhenlgen von 2000 – 4000 Metern. Oft findet man die Pflanzen an steilen, mit Gräsern und Sträuchern bedeckten felsigen Abhängen in voller Sonne, wobei ihre Blätter meist von den benachbarten Gewächsen vor zu hoher Sonneneinstrahlung geschützt werden. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über und es herrscht eine andauernd hohe Luftfeuchtigkeit. Wie alle Masdevallien treibt auch Masdevallia veitchiana einzelne aufrechte Blätter an dünnen Stielen aus, die in etwa 20 cm hoch werden können und sehr fest sind. Die Infloreszenz entspringt dem unteren Stielende und ragt mit bis zu 45 cm Länge deutlich über die Blätter hinaus. Am Blütentrieb entsteht jeweils eine einzelne Blüte, die in der Mitte kelchförmig ist und sich flächig in 3 einzelne Bütenblätter teilt, welche wiederum in fadenähnliche Verlängerungen auslaufen. Die Blüte ist orange gefärbt und mit unzähligen violetten Härchen besetzt, sodass ein prismatisch visuelles Farbenspiel entsteht. Die Blüte sieht je nach Lichteinfall und Blickwinkel anders gefärbt aus.

Masdevallia veitchiana ‚Prince de Galle‘ – hier sieht man schön wie weit die Blüten über das Blattwerk hinausragen (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Kultur von Masd. veitchiana ist identisch mit der Kultur der bereits vorgestellten Masd. ignea und der in Kürze kommenden Masd. coccinea. Im Beitrag von Masdevallia ignea ging ich auf die Kultur in mineralischem Substrat ein, im Beitrag von Masdevallia coccinea, der in Kürze folgt, wird die Topfkultur in Sphagnum-Moos vorgestellt. Beide Kulturformen können 1:1 für Masdevallia veitchiana übernommen werden. Eine weitere Möglichkeit möchte ich im Folgenden noch aufzeigen. Wer ein Kalthaus oder eine Orchideenvitrine mit kalten Temperaturen besitzt, kann Masdevallien auch aufgebunden kultivieren. Entweder auf Kork- oder Rindenstücken oder in sogenannten Gießröhren aus Ton. Für die Kultur im Wohnraum sind diese beiden aufgebundenen Varianten eher ungeeignet, da die Luftfeuchtigkeit im Wohnraum nicht so hoch gehalten werden kann, dass sich Masdevallien wohlfühlen. Man müsste dadurch sehr regelmäßig (mehrmals täglich) sprühen, um die Wurzeln dauerhaft feucht halten zu können.

Zum Aufbinden auf Kork, Rinde oder Tonröhren bringt man am besten zuerst eine Lage Moos auf. Befestigen lässt sich das Ganze mit spezieller, dehnbarer Aufbindeschnur oder mit einer in Streifen geschnittenen Damenstrumpfhose. Ein normaler Faden oder gar Draht, der nicht dehnbar ist, würde sich auf Dauer in die Wurzeln schneiden und diese abtöten. Nachdem man ein Moospolster auf der Unterlage befestigt hat, legt man die Wurzeln der Pflanze auf dieses Moospolster und bedeckt diese wiederum mit Moos. Zum Schluss wickelt man mit besagter Aufbindeschnur (o. ä. geeignetem Material) das Ganze noch fest, ohne zu starken Druck auf die Wurzeln auszuüben. Im Laufe der Zeit wächst Masdevallia veitchiana (oder eben alle anderen Masdevallien) auf der Unterlage fest und ist dann auch nicht mehr so leicht davon zu trennen. Die neuen Wurzeln gehen regelrecht eine Verbindung mit dem Material ein.

Wie gesagt benötigt veitchiana möglichst kalte Temperaturen. Im Sommer ist dies bei uns natürlich nur bedingt möglich, weshalb sie unbedingt schattig stehen sollte. Im Winter sollten die nächtlichen Temperaturen nach meinen Erfahrungen unter 10 Grad liegen. Zumindest mit meinen Kulturmöglichkeiten habe ich die Pflanze in wärmeren Wintern nicht zum Blühen gebracht. Es wurden zwar jedes Jahr mehrmals Infloreszenzen angesetzt, aber sie verkümmerten immer, bevor sie zur Blüte kamen.

Das Wasser muss, wie in den Beiträgen zu ignea und coccinea beschrieben, sehr salzarm sein. Auch mit Dünger überschreite ich niemals die 150 Mikrosiemens, da die Wurzeln sehr schnell mit Verbrennungen auf die gelösten Salze im Wasser reagieren.

Besonders wichtig bei der aufgebundenen Kultur ist auch für ausreichend Luftbewegung und Frischluftzufuhr zu sorgen, besonders in einer kalten Orchideenvitrine. Sonst kann es sehr schnell zu Fäulnis oder Pilzbefall an der Pflanze kommen.

Die größte Herausforderung in der Kultur der meisten Masdevallien ist meiner Meinung nach die kalte Temperatur, die besonders einige Naturformen wirklich lieben und benötigen. Für den Einsteiger wäre eine etwas wärmetolerantere Hybride wahrscheinlich die einfachere Variante. Wer die Herausforderung liebt, sollte es mit Masdevallia veitchiana und ihrem herrlichen Farbenspiel versuchen. Es lohnt sich!

Autor: Thomas LEHMANN

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Masdevallia veitchiana ‚Wolfi‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia veitchiana ‚Kerstin‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia veitchiana ‚Prince de Galle-Weiskirchen‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia veitchiana ‚Prince de Galle‘ (Foto: Thomas LEHMANN)
Detailaufnahme der lilafarbenen Härchen (Foto: Thomas LEHMANN)
Weitere Detailaufnahme der lilafarbenen Härchen (Foto: Thomas LEHMANN)

 

 

KW 24, 2018

Dendrobium sarawakense

Alles lesen Orchidee der Woche 24, 2018

Dendrobium sarawakense

Foto: Thomas LEHMANN

Der auf Orchideen spezialisierte US-amerikanische Botaniker Oakes AMES beschrieb dieses in Borneo beheimatete Dendrobium im „Journal of the Straits Branch of the Royal Asiatic Society“ im Jahr 1921 erstmals. Dendrobium sarawakense wächst in feuchten Nebelwäldern des Tieflands auf Borneo unter warmen Bedingungen. Die Temperaturen erreichen am Tag häufig über 30 Grad. Auch nachts fallen sie nicht unter 20 Grad. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über. Die Luftfeuchtigkeit ist immer sehr hoch. Diese Naturform wächst ausschließlich epiphytisch. Die Pseudobulben werden ca. 30 cm lang und sind mit ca. 8 cm langen, spitz zulaufenden Blättern besetzt. Sie wachsen eher hängend und nicht aufrecht. Die Blütentriebe sind mit 2 – 3 cm sehr kurz und entwickeln traubenartige Blütenstände mit mindestens 4 Blüten, oft auch mehr. An einer Pseudobulbe können mehrere Blütentriebe entstehen. Auch alte Pseudobulben, die schon das Laub abgeworfen haben, können noch blühen. Hauptblütezeit ist im Frühjahr, grundsätzlich können aber zu jeder Zeit Infloreszenzen entstehen. Die Blüten sind ca. 3 cm breit und 2 cm hoch. Farblich können sie etwas variieren. Gelb, braun, rot und rosa – mit feiner Aderung, oder unifarben – die Möglichkeiten sind vielfältig.

Die erste Knospe der Blütentraube öffnet sich gerade (Foto: Thomas LEHMANN)

Da Dendrobium sarawakense warme Temperaturen liebt, ist es genau die richtige Orchidee für
beheizte Wohnzimmer. Vorausgesetzt man kann den Platz bieten, den dieses Dendrobium durch den hängenden Wuchs der langen Pseudobulben braucht. Am besten ist es in einer Ampel aufgehoben, in der es sich nach allen Seiten ausbreiten kann. Da es epiphyitsch im immergrünen Wald wächst, mag es eher schattig stehen als zu sonnig. Bei direkter Sonne bekommen die Blätter schnell Verbrennungen.

Getopft habe ich mein sarawakense in mineralisches Substrat, da ich damit am leichtesten die Dauerfeuchtigkeit garantieren kann. Außerdem haben mineralische Substrate den Vorteil, dass sie nicht verrotten und die Pflanze nur neu getopft werden muss, wenn sie aus dem Topf herauswächst. Ich verwende eine Mischung aus Lavagranulat, Bimskies und Akadama, alles in einer Körnung, die nicht kleiner als 2 mm und nicht größer als 10 mm ist. Bei zu groben mineralischen Substraten geht die Kapillarwirkung etwas verloren und der obere Bereich des Topfes ist dann zu trocken.

Gegossen wird bei mineralischen Substraten von unten, indem man den Topf in eine Schale stellt und in dieser immer 1-2 cm Wasser stehen hat. Sobald die Schale leer ist, wird wieder Wasser aufgefüllt. Gegossen wird mit salzarmem Wasser (Regenwasser oder schwach aufgedüngtes/verschnittenes Osmose- oder destilliertes Wasser). Der Leitwert liegt bei mir im Normalfall bei 50 Mikrosiemens. In den Sommermonaten wird alle 2 – 4 Wochen mit etwa 250 Mikrosiemens gedüngt. In den Wintermonaten dünge ich nicht, da durch die dunklen Tage der Stoffwechsel der Pflanze nicht so stark arbeitet und somit nicht viele Nährstoffe gebraucht werden. Die angelagerten Reststoffe im Substrat reichen der Pflanze in dieser Zeit.

Im letzten Jahr, seit ich mein Dendrobium sarawakense habe, hat es insgesamt 4 Mal geblüht. Die ersten 3 Male nur einzelne Blütentriebe. Jetzt gerade, im Mai, hat es 4 Blütentriebe und ist somit ein richtiger Hingucker. Diese Naturform findet man leider nicht so oft in Kultur, obwohl sie eigentlich recht unkompliziert und blühfreudig ist.

 

Autor: Thomas LEHMANN

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An der diesjährigen Bulbe kamen gleich 3 Infloreszenzen (Foto: Thomas LEHMANN)
Beim Öffnen noch grünlich, später dann gelb (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Infloreszenzen wachsen geschützt unter den Blättern der hängenden Pseudobulbe (Foto: Thomas LEHMANN)
Nahaufnahme der zwei vordersten Blüten (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 23, 2018

Paphiopedilum Struber Zwerg

Alles lesen Orchidee der Woche 23, 2018

Paphiopedilum Struber Zwerg

Paphiopedilum Struber Zwerg (Foto: Thomas LEHMANN)

Paphiopedilum Struber Zwerg ist eine recht kleinwüchsige Hybride aus Paphiopedilum Pinocchio und Paphiopedilum thaianum. Sie wurde von Giselher CRAMER, dem Besitzer von Cramer Orchideen in Strub, am 01. September 2015 bei der Royal Horticultural Society (RHS) angemeldet. Der Elternteil Paph. Pinocchio ist die Kreuzung aus Paph. primulinum und Paph. glaucophyllum. Somit sind bei Paphiopedilum Struber Zwerg drei Naturformen beteiligt:

  • 50% Paphiopedilum thaianum
  • 25% Paphiopedilum primulinum
  • 25% Paphiopedilum glaucophyllum
Paphiopedilum thaianum ist zur Hälfte an der vorgestellten Hybride beteiligt (Foto: Thomas LEHMANN)
Paphiopedilum glaucophyllum gibt 25% der Gene an den Struber Zwerg (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum primulinum, ebenfalls zu einem Viertel beteiligt (Foto: Thomas LEHMANN)

Paphiopedilum Pinocchio ist eine sehr robuste und unkomplizierte Hybride, die wunderbar auf der Fensterbank gedeiht. Beide Elternteile, Paph. glaucophyllum und Paph. primulinum, wachsen am Naturstandort unter warmen bis heißen Bedingungen sowohl terrestrisch als auch litophytisch. Paph. primulinum findet man oft auf oder in der Nähe von Kalkfelsen, Paph. glaucophyllum eher auf Lavagestein. Beide sind recht kleinwüchsige Frauenschuhorchideen und sogenannte Revolverblüher. Das heißt, sie bilden an einem Blütentrieb nacheinander mehrere Blüten aus, sodass ein Blütentrieb über viele Monate, manchmal länger als ein Jahr, blühen kann. Die Standorte sind ganzjährig feucht und eher schattig.

Paphiopedilum thaianum ist in Thailand beheimatet und wächst ebenfalls unter sehr warmen bis heißen Bedingungen in schattigen und feuchten Wäldern. Paph. thaianum findet sich fast ausschließlich an steilen Klippen und Abhängen von sehr stark erodiertem Kalkstein. Im Gegensatz zu Paph. primulinum und Paph. glaucophyllum bildet es nur eine einzelne weiße Blüte, meist im Frühjahr, aus.

Unsere „Orchidee der Woche“ – Paphiopedilum Struber Zwerg – braucht also definitiv viel Kalk (Calcium). Ich benutze für alle meine kalkliebenden Paphiopedilum und Phragmipedium Hüttenkalk – ein kohlensaurer Kalk, der von den Pflanzen leichter und besser aufgenommen werden kann.Davon streue ich alle 2-3 Monate etwas auf das Substrat. Es ist aber auch möglich, den Kalk in Wasser aufzulösen und damit zu gießen oder zu tauchen. Man muss nur beachten, dass der Kalk recht lange benötigt, um sich aufzulösen. Deshalb sollte man sein Gießwasser am besten schon am Tag vorher ansetzen und mehrmals umrühren.

Als Substrat nutze ich bei meinen Paphiopedilum feine und mittlere Rinde mit mineralischen Anteilen, wie Bimskies, Perlite und Akadama. Mein Paph. Struber Zwerg habe ich vor einem Jahr testweise in pures Akadama in einen Lechuza-Pflanztopf gesetzt. Seitdem ist es förmlich explodiert und hat sich mehr als verdoppelt, fast verdreifacht – in nur einem Jahr! Die Dauerfeuchtigkeit lässt sich in solchen Pflanzsystemen sehr gut gewährleisten. Das Akadama, ein Zuschlagstoff aus der Bonsaikultur, sorgt für Feuchtikeit ohne Nässe.

Direkt nach dem Öffnen der Blüte ist sie noch richtig grün. Nach ein paar Tagen wird sie dann wesentlicher heller, teilweise fast komplett weiß (Foto: Thomas LEHMANN)

Das Gießwasser hat im Sommer einen Leitwert von circa 300-350 Mikrosiemens und wird mit einem calciumhaltigen Orchideendünger auf diesen Wert aufgedüngt. Im Winter wird nicht gedüngt. In den dunklen Monaten hat das Gießwasser in etwa 150 Mikrosiemens. Das Substrat wird aber trozdem aufgekalkt.

Die Temperatur ist natürlich ganzjährig so warm wie möglich, da ja alle beteiligten Naturformen unter sehr warmen bis heißen Bedingungen wachsen. Auch im Winter gehen die Temperaturen in meinem Orchideenzimmer bei Sonnenschein mal auf 30 Grad und höher. Im Sommer steht Paph. Struber Zwerg an der Ostseite mit etwas Morgensonne. Im Winter steht es an der Westseite mit viel Nachmittag- und Abendsonne.

Struber Zwerg blüht meistens mit 2-3 Blüten nacheinander, also leider mit nicht ganz so vielen wie Pinocchio, aber wenigstens mit mehr als  Paphiopedilum thaianum. Die Blüten sind beim Aufgehen eher grünlich und werden nach ein paar Tagen weiß. Die einzelne Blüte hält einige Wochen, sodass ein Blütentrieb 2-3 Monate blühen kann. Eine wirklich attraktive und unkomlizierte Hybride, die übrigens auch die schön marmorierte Blattzeichnung von Paph. thaianum geerbt hat.

Autor: Thomas LEHMANN

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Seitenansicht mit zweiter Knospe, die hier noch sehr klein ist (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht mit sich öffnender, zweiten Blüte. Hier kann man den Farbunterschied sehr gut sehen (Foto: Thomas LEHMANN)
Blüten mit Habitus. Die Blätter sind saftig dunkelgrün, fest und marmoriert (Foto: Thomas LEHMANN)

KW 22, 2018

Phalaenopsis Conny´s Diamond

Alles lesen Orchidee der Woche 22, 2018

Phalaenopsis Conny´s Diamond

Phalaenopsis Conny’s Diamond, im Winter war die Grundfarbe fast weiß. (Foto: Thomas LEHMANN)
Jetzt im Frühjahr ist die Grundfarbe der Blüten gelblich grün. (Foto: Thomas LEHMANN)

Diese Hybride wurde am 12.05.2016 von Conny STROHSCHNEIDER, einer lieben Freundin von mir, bei der RHS registriert. Conny STROHSCHNEIDER ist eine Hobbyzüchterin aus Hessen, deren große Leidenschaft die Gattung Phalaenopsis ist. Sie kultiviert mehrere Hundert Arten und Hybriden in ihrem Wohnzimmer und züchtet regelmäßig meist vollkommen neue Kreuzungen. Für Conny´s Diamond nahm sie die Naturform Phalaenopsis amboinensis und bestäubte diese mit dem Pollen von Phal. Cesario Gene Tobia. Die Primärhybride Phalaenopsis Cesario Gene Tobia wurde aus den beiden Arten Phal. bellina und Phal. cornu-cervi gekreuzt. Im Fall von den hier gezeigten Blüten wurde eine Phal. Cesario Gene Tobia verwendet, deren Elternteil Phalaenopsis cornu-cervi ‚Red‘ ist. Somit trägt Phalaenopsis Conny´s Diamond die Gene von 3 Naturformen in sich.

  • 50% Phalaenopsis amboinensis
  • 25% Phalaenopsis bellina
  • 25% Phalaenopsis cornu-cervi
Phalaenopsis amboinensis – hier die originale Mutterpflanze der gezeigten Conny’s Diamond (Foto: Conny STROHSCHNEIDER)
Phalaenopsis Cesario Gene Tobia – Aus dieser Blüte wurde der Pollen entnommen um die Phal. amboinensis damit zu bestäuben. (Foto: Conny STROHSCHNEIDER)

Alle 3 beteiligten Arten sind am Naturstandort heißen Temperaturen ausgesetzt. Wie alle
Phalaenopsis wachsen sie epiphytisch auf Bäumen, meist im Schatten, geschützt vom Laub des Baumes, auf dem sie sitzen.  Phal. cornu-cervi kommt auch litophytisch vor und macht im Winter eine etwas trockenere Phase durch, in der es nicht so viel Niederschlag gibt. Die Luftfeuchtigkeit ist aber ganzjährig bei allen 3 Arten sehr hoch.

Da die Eltern und Großeltern von Conny´s Diamond alle sehr hohe Temperaturen mögen, ist eine Kultur im Wohnzimmer gut möglich, solange man, besonders im Winter, für ausreichende Luftfeuchtigkeit sorgt. Dies lässt sich erreichen durch Wasserschalen, die man zwischen seine Pflanzen stellt, oder durch einen Ultraschallvernebler, der noch effektiver die Luftfeuchtigkeit der Umgebung erhöht.  Auch wenn Phalaenopsis cornu-cervi am Naturstandort im Winter etwas trockener steht, kann ganzjährig gegossen werden, da beide anderen beteiligten Naturformen in Regionen wachsen, in denen sie ganzjährig Niederschlägen ausgesetzt sind.

Meine Phalaenopsis Conny´s Diamond wird den Sommer über in aufgedüngtes Wasser getaucht, welches einen Leitwert von 250-350 Mikrosiemens hat. Alle 3-4 Tauchgänge nehme ich weniger salzhaltiges Wasser, damit sich nicht zu viele Salze im Substrat anlagern. Im Winter wird bei mir grundsätzlich nicht gedüngt, da ich nicht mit künstlicher Beleuchtung arbeite, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hoch halten würde. Wer im Winter mit Pflanzenlicht arbeitet, kann natürlich auch da voll düngen.

Phalaenopsis zeigen ihrem Kultivateur sehr genau, wann sie wieder Wasser wollen. Die dicken Wurzeln dieser Gattung werden richtig grün, wenn sie sich nach dem Tauchen mit Wasser vollgesogen haben. Nach ein paar Tagen verfärben sich die Wurzeln wieder in einen hellen Silberton. Ist der transparente Topf dann auch leicht und kein Kondenswasser  mehr zu sehen, kann wieder getaucht werden. Meist ist dies einmal wöchtentlich notwendig. Je nach Temperatur, Substrat, Topfgröße und Luftfeuchtigkeit kann das aber auch variieren. Mit der Zeit bekommt man ein sehr gutes Gefühl dafür, und wer nach oben beschriebener Art und Weise vorgeht, wird erfolgreich sein.

Als Substrat nutze ich mittlere und grobe Rinde (je nach Topfgröße), gemischt mit etwas Perlite und Holzkohle. Die Holzkohle füge ich hinzu, weil sie wesentlich schneller abtrocknet als Rinde und somit keine Staunässe im Topf entsteht. Ich neige dazu zu viel zu gießen. Und zu viel Feuchtigkeit ist für epiphytisch wachsende Orchideen oft sehr problematisch, weswegen ich gute Erfahrungen mit dem Beimischen von Holzkohle gemacht habe. Anders als oft erklärt, filtert normale Holzkohle keine Giftstoffe aus dem Substrat. Das macht nur Aktivkohle, die wesentlich teurer ist. Wer dazu neigt zu wenig zu gießen oder bei wem die Rahmenbedingungen die Töpfe zu schnell austrocknen lassen, kann Phalaenopsis Conny´s Diamond auch gut in Kokoschips oder Kokosfasern kultivieren. Hierbei muss man aber ein sehr gutes Gefühl haben, wann wieder Wasser gegeben werden muss, da die Kokosfasern wesentlich länger feucht bleiben als Rinde.

Eine herrliche Hybride, die übrigens einen angenehm blumigen Duft hat und in Ihrer Farbgebung sehr variieren kann. Kaum eine Blüte sieht aus wie die Blüten einer anderen Pflanze dieser Kreuzung.

Autor: Thomas LEHMANN

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Phalaenopsis Conny’s Diamond – alle 3 gezeigten Blütenvariationen stammen aus der selben Aussaat. Die Streubreite ist enorm. (Foto: Conny STROHSCHNEIDER)
Phalaenopsis Conny’s Diamond – alle 3 gezeigten Blütenvariationen stammen aus der selben Aussaat. Die Streubreite ist enorm. (Foto: Conny STROHSCHNEIDER)
Phalaenopsis Conny’s Diamond – alle 3 gezeigten Blütenvariationen stammen aus der selben Aussaat. Die Streubreite ist enorm. (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 21, 2018

Disa uniflora

Alles lesen Orchidee der Woche 21, 2018

Disa uniflora

Disa uniflora (Foto: Thomas LEHMANN)

Der schwedische Mediziner und Botaniker Peter Jonas Bergius beschrieb Disa uniflora bereits im Jahr 1767. Veröffentlicht wurde diese Erstbeschreibung in „Descriptiones Plantarum ex Capite Bonae Spei“ auf Seite 348. Diese auffallend rote Naturform wächst ausschließlich auf dem Tafelberg in Südafrika auf Höhen von 100 – 1 200 Metern. Ihre Standorte sind immer in der Nähe von fließendem Wasser an Flüssen und Wasserfällen. Sie wachsen dort in Felsspalten und auf Sickerflächen, die immer feucht und teilweise sogar nass sind. Die Temperaturen am Tafelberg sind kühl, im Winter richtig kalt. Im Sommer kann es zwar am Tag auch mal über 30 Grad werden, die Nachttemperaturen fallen dafür im Winter (auf der Südhalbkugel in unseren Sommermonaten) gelegentlich auch knapp unter die Frostgrenze. Durch das vom Gipfel des Tafelbergs herabfließende kalte Wasser werden die Wurzeln immer gekühlt. Die Pflanzen stehen ganzjährig im Halbschatten, niemals in der Mittagssonne. Disa uniflora hat rosettenartig angeordnete längliche Blätter, die spitz zulaufen. Die Pflanze ohne Blütentrieb hat eine Höhe von ungefähr 10 – 15 cm. Sobald der Trieb ausgewachsen ist, entspringt in der Mitte die Infloreszenz, die ca. 30 cm hoch wird und an deren Ende 1 – 3 Blüten erscheinen. In seltenen Fällen können es auch mehr sein. Die Blüten sind in etwa 6 – 7 cm hoch und ebenso breit. Mit der Blüte ist der Trieb abgeschlossen und es bildet sich ‒ oft auch schon vor der Blüte ‒ eine neue Rosette, die im nächsten Jahr blühen wird. Der alte Trieb stirbt dann ab.

Disa uniflora mit 2 geöffneten Blüten (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Kultur von Disa uniflora funktioniert am besten unter kühlen Bedingungen. Auch wenn sie die
hohen Temperaturen im Sommer bei uns verträgt, sollte man versuchen sie so kühl wie möglich zu halten. Besonders an den Wurzeln, die am Naturstandort durch das kalte Wasser der Flüsse immer gekühlt werden. Gegossen wird bei mir also immer mit möglichst kaltem Wasser. Im Sommer kühle ich das Gießwasser meiner Disas im Kühlschrank und an besonders heißen Tagen lege ich einen Eiswürfel in eine Ecke des Topfes. Vom Frühjahr bis zum späten Herbst stelle ich Disa uniflora an einen schattigen Platz im Freien, wo sie bis zum ersten Frost bleibt. Danach kommt sie in ein ungeheiztes Zimmer, in dem das Fenster immer gekippt ist, außer es gibt extremen Frost unter -5 Grad, dann wird das Fenster geschlossen. Die Temperaturen fallen in der Nacht bei geöffnetem Fenster auf 6 – 8 Grad ab. Gibt es im Winter längere Zeit keinen Frost, kommen meine Disas sogar wieder raus auf den Balkon, auch nachts!

Als Substrat benutze ich lebendes Sphagnum-Moos, da es am meisten Feuchtigkeit aufnehmen und immer sehr feucht gehalten werden kann ohne zu verrotten. Im Sommer stehen die Töpfe in einer Schale, in der sich immer eine Pfütze Wasser befindet, damit das Moos auch niemals austrocknet. Ich habe diese Kulturmethode von einer Freundin übernommen und nie etwas anderes ausprobiert, da ich damit super zurechtkomme. Im Winter stehen die Pflanzen bei mir nicht ständig im Wasser, aber trotzdem immer sehr feucht. Zum Gießen verwende ich sehr salzarmes Wasser mit einem Leitwert von ungefähr 30 – 50 Mikrosiemens. Gedüngt wird in den Sommermonaten alle 2 Wochen mit einem Leitwert von 150 Mikrosiemens. Wie oben schon erwähnt, immer mit kaltem Wasser!

Disa uniflora gehört definitiv nicht zu den einfachen Anfänger-Orchideen und mir ist auch bewusst, dass nicht jeder die kühlen Bedingungen bieten kann. Wem das aber möglich ist, der wird sich an den imposanten Blüten dieser prächtigen Orchideenart aus Südafrika jedes Mal aufs Neue erfreuen.

Autor: Thomas Lehmann

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Disa uniflora ‚Early Bird‘ bekam in diesem Zustand die Silbermedaille für Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Disa uniflora ‚Early Bird‘, als sie mit Gold für Kultur ausgezeichnet wurde (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die Blüte von Disa uniflora ‚Early Bird‘ bekam zusätzlich die Silbermedaille in der Kategorie „botanische Art“ (Foto: D.O.G.-Archiv)
Disa uniflora ‚Wössen‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

KW 20, 2018

Vandachostylis Charm

Alles lesen Orchidee der Woche 20, 2018

Vandachostylis Charm

(Syn. Darwinara Charm)

Vandachostylis Charm (Foto:Thomas LEHMANN)

Ursprünglich wurde Vandachostylis Charm als Darwinara Charm registriert. Die Endung -ara im Gattungsnamen Darwinara deutet auf eine Mehrgattungshybride aus mehr als 3 verschiedenen Gattungen hin. Bei solchen Mehrgattungshybriden aus mehr als 3 unterschiedlichen Gattungen darf der Züchter einen neuen Gattungsnamen eintragen lassen, der immer auf -ara enden muss. Nachdem in jüngster Zeit aufgrund von DNA-Analysen einige neue taxonomische Eingruppierungen in die Gattung Vanda stattfanden, wurde aus der ursprünglichen Mehrgattungshybride Darwinara Charm die Vandachostylis Charm, da die meisten der verwendeten Naturformen heute zur Gattung Vanda zählen. Die Eltern von Vandachostylis Charm sind Vanda falcata und die Hybride Vandachostylis Tham Yuen Hae. Auch ohne zahlreiche unterschiedliche Gattungen ist Vandachostylis Charm eine sehr komplexe Hybride, an der einige Naturformen beteiligt sind:

  • 50%      Vanda falcata (früher Neofinetia falcata)
  • 15,63% Vanda sanderiana (früher Euanthe sanderiana)
  • 12,5%   Vanda curvifolia (früher Ascocentrum curvifolium)
  • 12,5%   Rhynchostylis coelestis
  • 6,25%   Vanda coerulea
  • 3,13%   Vanda luzonica

Auch wenn der offizielle Name heute Vandachostylis ist, wird sie von den meisten Züchtern noch immer als Darwinara Charm verkauft. Ihr bekanntester Klon ist ‚Blue Moon‘, der allerdings als blühfaul gilt und manchmal auch ein Jahr mit der Blüte aussetzt. Wesentlich blühfreudiger ist der Klon ‚Blue Star‘, der jedes Jahr zur Blüte kommen sollte. Registriert wurde die Hybride am 01.02.1987 von O. N. TAKAKI. Auf jede einzelne Naturform, die an dieser sehr beliebten Mehrgattungshybride beteiligt ist, kann ich in diesem Artikel leider nicht eingehen, da es den Rahmen sprengen würde.

Foto: Thomas LEHMANN
Hier sieht man die Sporne auf der Rückseite sehr gut (Foto: Thomas LEHMANN)

 

Die beteiligten Eltern sind allesamt epiphytisch wachsende Orchideen. Vandachostylis Charm ist eine monopodial wachsende Pflanze, deren Blätter sehr dick und fest sind. Sie bildet einen gestauchten, eng fächerartig beblätterten Spross aus. Jedes Blatt hat eine Länge von ca. 12-15 cm. Die Blütentriebe entspringen in den Blattachsen am Stamm. Die Infloreszenzen werden bis 20 cm lang und bilden mehrere Blüten aus, die sich alle innerhalb von ein paar Tagen gleichzeitig öffnen. Die Blüten haben an der Rückseite einen ca. 2-3 cm langen Sporn. Bei guter Kultur und zunehmendem Alter der Pflanze können sich neue Fächer am unteren Ende des Stammes bilden.

Vandachostylis Charm braucht sehr viel Licht, direkte Mittagssonne sollte im Sommer aber vermieden werden. Meine Pflanze steht im Sommer draußen, da sie neben viel Licht auch viel Frischluft und Luftbewegung mag. Dort bleibt sie dann bis in den Herbst, wenn die nächtlichen Temperaturen auf 5 Grad fallen. Wenn regelmäßig gelüftet wird, kann sie aber auch ohne Probleme ganzjährig im Zimmer kultiviert werden. Im Winter steht meine Pflanze unschattiert an einem sehr großen Fenster an der Südseite, um ihren Lichthunger zu stillen.

Vandachostylis Charm ‚Blue Moon‘ (Foto: Gregor Kleefeld)

Getopft hab ich meine Pflanze in grobe Rinde mit ein paar groben Styroporstücken, damit das Substrat auf keinen Fall zu lange nass bleibt nach dem Tauchen. Da die Elternpflanzen allesamt Epiphyten sind, ist es wichtig, dass die Wurzeln zügig abtrocknen können. Andernfalls faulen diese schnell, besonders im Winter. Getaucht wird, sobald der Topf komplett durchgetrocknet und kein Kondenswasser mehr zu sehen ist. Im Winter darf sie auch mal ein paar Tage trocken bleiben, je nachdem wie kalt sie steht. Durch den hohen Vanda (Neofinetia) falcata -Anteil bekommt meine Vandachostylis Charm nicht so viel Dünger wie die meisten Vandeen. Das verwendete Düngerwasser hat einen Leitwert von ca. 200-250 Mikrosiemens und wird im Sommer alle 2-3 Wochen verabreicht.

Vandachostylis Charm mag es eher temperiert und nicht ganz so warm, kommt im Sommer mit unseren Temperaturen aber ganz gut zurecht. Im Herbst kann man sie bis zu einer nächtlichen Temperatur von 5 Grad im Freien lassen, darf dann aber nicht mehr so viel wässern und hält sie fast trocken. Im Winter fallen die Temperaturen an ihrem Platz in der Nacht auch mal auf 10 Grad ab, dabei steht sie dann ziemlich trocken. Grundsätzlich gilt: Je kühler, desto weniger Wasser!

Vielen Dank an Gregor KLEEFELD, der mit seinem umfangreichen Wissen und den Fotos bei der Entstehung des Beitrags geholfen hat! Desweiteren ein herzliches Dankeschön an Sylvia TOENNE für die Fotos ihrer Pflanze.

Autor: Thomas LEHMANN

Vandachostylis Charm ‚Blue Moon‘ (Foto: Gregor Kleefeld)
Vandachostylis Charm ‚Blue Moon‘ (Foto: Sylvia Toenne)
Vandachostylis Charm ‚Blue Moon‘ (Foto: Sylvia Toenne)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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KW 19, 2018

Pleione Berapi

Alles lesen Orchidee der Woche 19, 2018

Pleione Berapi

Pleione Berapi ‚Purple Sandpiper‘ (Foto: Thomas LEHMANN)

Pleione Berapi ist eine Hybride aus Pleione Tongariro und Pleione bulbocodioides. Sie wurde am 01.01.1988 von Ian BUTTERFIELD bei der Royal Horticultural Society (RHS) zur Registrierung angemeldet. BUTTERFIELD ist einer der weltweit führenden Züchter von Pleionen, der in Großbritannien lebt und arbeitet. Dort ist diese Gattung auch wesentlich verbreiteter als bei uns. Pln. Berapi ist eine recht komplexe Hybride, an der insgesamt 4 Naturformen der Gattung Pleione beteiligt sind.

  • 50% Pleione bulbocodioides
  • 25% Pleione pleionoides
  • 12,5% Pleione formosana
  • 12,5% Pleione limprichtii

Pleionen sind im asiatischen Raum in Höhenlagen von 1000-3500 Metern über dem Meeresspiegel beheimatet. Meist wachsen sie terrestrisch oder lithophytisch, ganz selten sind sie auch epiphytisch zu finden. Das Klima am Standort variiert etwas durch das große Verbreitungsgebiet, liegt aber immer im kühlen bis kalten Bereich. Die Sommer sind sehr feucht mit viel Niederschlag, die Winter sind absolut trocken. Im Frühling, nach der Winterruhe, blühen die meisten Pleionen, wenn es wieder Niederschläge gibt und die Tage länger werden. An der Pseudobulbe entsteht dann eine ca. 8 cm lange Infloreszenz, die eine einzelne Blüte trägt. Es gibt ein paar wenige Ausnahmen, die im Herbst blühen. Von diesen ist aber keine an der Hybride Berapi beteiligt. Während des Sommers wächst eine neue Pseudobulbe heran, die alte wird dabei vollkommen ausgesaugt und stirbt ab. Auf jeder Pseudobulbe sitzt ein einzelnes Blatt, welches im Herbst abgeworfen wird, wenn die Niederschläge abnehmen. Damit beginnt für Pleione die Winterruhe, die sie vollkommen trocken verbringt.

 

Pleione Berapi ‚Purple Sandpiper – Johannisburg‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Pleione Berapi (rechts) im direkten Vergleich mit dem Elternteil Pln. Tongariro (links), leider schon am Abblühen (Foto: Thomas LEHMANN)

Eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist nur sehr schwer möglich, da Pleionen gerne eine starke Nachtabsenkung in der Wachstumszeit haben, die im Innenraum meist nur schwer zu erreichen ist. Am besten steht sie ab dem zeitigen Frühjahr auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten. Nach Abschluss der Wachstumsphase bleiben meine Pleionen noch bis zum ersten Frost im Freien, dabei stehen sie aber schon komplett trocken. Wenn der erste Frost kommt, topfe ich die neuen Pseudobulben aus und entferne alle Wurzeln, da diese ohnehin abgestorben sind und im Frühjahr nicht mehr gebraucht werden. Für den Fall, dass an einigen Pseudobulben noch Blätter sind, die nicht abgeworfen wurden, entferne ich auch diese. Danach kommen die einzelnen Bulben in einen Eierkarton und werden in den nächsten Monaten im Gemüsefach meines Kühlschranks gelagert, natürlich vollkommen trocken. Ab Mitte Januar wird einmal in der Woche kontrolliert, ob an den Pseudobulben schon Wachstum zu sehen ist. Am unteren Ende der Pseudobulben bilden sich dann neue, kleine Triebe. Sobald diese zu sehen sind, werden die Pleionen aus dem Kühlschrank geholt und auf trockenes Substrat gesetzt. Man muss aufpassen, dass die Pleione nicht zu tief im Substrat sitzt, höchstens ein Drittel der Pseudobulbe. Ich benutze gepresstes Sphagnum-Moos, da es sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen kann. Auch jetzt sollten die Pflanzen nicht zu warm stehen, aber auch keinen Frost abbekommen. Vorsichtig gegossen wird erst dann, wenn sich am unteren Ende des Neutriebs Wurzeln zeigen. Bis dahin ernährt sich der neue Trieb ausschließlich von den Nährstoffen, die in der alten Pseudobulbe gespeichert sind, deswegen muss noch nicht gegossen werden. Da bis zu diesem Zeitpunkt keine Wurzeln vorhanden sind, könnte die Pflanze die Feuchtigkeit, und somit die Nährstoffe, auch gar nicht aufnehmen. Man riskiert nur, dass die Pflanzen faulen. Sobald die Wurzeln tief in den Pflanzstoff wachsen und es langsam wärmer wird, darf auch richtig gegossen werden. Ab dann sollte das Substrat bis zum Herbst nicht mehr austrocknen, sondern immer schön feucht bleiben. Im Herbst zieht Pleione dann wieder ein und alles beginnt von vorne.

Pleione Berapi ‚Conny‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Natürlich eignen sich auch andere Pflanzstoffe, die gut Feuchtigkeit halten und nicht zu schnell abtrocknen. Besonders für Pleionen gibt es 1000 verschiedene Rezepte. Da muss man etwas ausprobieren, um das zu finden, womit man selbst am besten zurechtkommt. Selbst Blumenerde wird verwendet, auch Rinde oder mineralische Substrate. Wichtig ist, dass man das Gießverhalten an den Pflanzstoff anpasst und das Substrat nicht austrocknen lässt im Sommer. Gedüngt wird bei mir alle 2-3 Wochen. Ich dünge das Gießwasser dann auf einen Leitwert von ca. 250-300 Mikrosiemens auf. Meine Pleionen stehen, vor direkter Mittagssonne geschützt, auf dem Balkon und erhalten für etwa 3 Stunden das Licht der untergehenden Abendsonne.

Autor: Thomas LEHMANN

Seitenansicht von Pleione Berapi ‚Purple Sandpiper‘ (Foto: Thomas LEHMANN)
Pleione Berapi ‚Purple Sandpiper‘ (Foto: Thomas LEHMANN)
Detailansicht des Labellums von Pleione Berapi (Foto: Thomas LEHMANN)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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KW 18, 2018

Phragmipedium Hanne Popow

Alles lesen Orchidee der Woche 18, 2018

Phragmipedium Hanne Popow

Phragmipedium Hanne Popow mit der typischen zweifarbigen Farbgebung auf den Petalen (Foto: Thomas LEHMANN)

 

Am 31.07.1991 registrierte H. DOLL diese wunderschöne und pflegeleichte Primärhybride, deren Eltern Phragmipedium besseae und Phragmipedium schlimii sind. Die Blüten dieser Kreuzung variieren in den meisten Fällen nicht besonders stark. Allerdings gibt es einzelne Exemplare, die durchaus herausstechen. Das Labellum (der Schuh) ist gewöhnlich rosafarben, wie bei Phrag. schlimii. Generell geht die Farbgebung in den meisten Fällen mehr nach diesem Elternteil. Richtig rote Exemplare, wie Phrag. besseae, gibt es nicht. Die Petalen sind sehr oft horizontal in zwei Farbbereiche geteilt. Die obere Hälfte ist etwas kräftiger rosa, die untere Hälfte weiß bis hellrosa. Die Form der Blüten ähnelt dafür häufig Phrag. besseae. Bis heute ist Phrag. Hanne Popow eine der beliebtesten Phragmipedium-Hybriden, nicht nur, weil sie sehr ansprechend aussieht, sondern auch, weil sie sehr pflegeleicht und blühfreudig ist.

Phragmipedium besseae aus Peru (Foto: Thomas LEHMANN)

Phargmipedium besseae wurde von Calaway H. DODSON & Janet KUHN 1981 im AOS Bulletin 50, 1308-1310, als neue Art beschrieben. Sie ist sowohl in Peru als auch in Ecuador beheimatet und variiert je nach Standort leicht in Farbe und Form. Das Klima am Standort bietet recht konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad ganzjährig. Niederschläge gibt es auch ganzjährig, wobei sie von März bis September erheblich häufiger sind. Bis November lassen sie dann deutlich nach und nehmen bis März wieder langsam zu. Phrag. besseae wächst terrestrisch zwischen dauerfeuchtem Moos, Gräsern und Farnen, aber teilweise auch litophytisch auf steilen und feuchten Felsen.

Phragmipedium schlimii (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium schlimii wurde 1854 erstmals als Selenipedium schlimii von LINDEN & REICHENBACH f. beschrieben. Benannt wurde Phrag. schlimii nach dem Entdecker, dem Halbbruder LINDENs, Louis Joseph SCHLIM. Nachdem BATEMAN 1866 diese Art als Cypripedium schlimii einstufte, erfolgte die endgültige Klassifizierung als Phragmipedium schlimii durch ROLFE im Jahre 1896. Beheimatet ist diese Naturform in Kolumbien und wächst dort in Höhenlagen von 1 200 -1 900 Metern in immerfeuchten Humus- und Moosnestern auf Granitfelsen und offenliegenden Baumwurzeln, oft zwischen hohen Gräsern. Die meisten bekannten Standorte liegen halbschattig. Das Klima bietet Temperaturen von 8 Grad nachts bis 25 Grad tagsüber. Die ganzjährigen Regenfälle nehmen im Frühjahr und Herbst etwas zu.

Eine Kultur auf dem Fensterbrett funktioniert bei dieser Hybride sehr gut, da sie auch mit etwas höheren Temperaturen zurechtkommt. Alle meine Exemplare von Phragmipedium Hanne Popow stehen bei nächtlichen Temperaturen von 16 – 20 Grad, im Hochsommer kann es auch mal etwas höher sein. Tagsüber steigen die Temperaturen auf 25-35 Grad, je nach Jahreszeit und Sonnenschein. Damit kommt Hanne Popow prima zurecht. Wer nur einen etwas kühleren Platz bieten kann, muss nicht auf dieses Kleinod verzichten. Da die Elternpflanzen etwas kühler wachsen, hat auch die Hybride mit kühleren Temperaturen kein Problem.

Phragmipedien lieben Feuchtigkeit und sollten deshalb ganzjährig feucht bis nass kultiviert werden. Die ersten Jahre, in denen ich Phragmipedium kultivierte, machte ich mir noch die Mühe, sie alle paar Tage zu tauchen. Im Sommer war das dann manchmal 3-mal wöchentlich! Obwohl ich immer wieder las, dass Phragmipedien mit nassem Fuß kultiviert werden können, traute ich mich anfangs nicht, sie in eine Schale mit Wasser zu stellen. Mit zunehmender Anzahl an Pflanzen dieser Gattung musste ich es zwangsläufig probieren, da mir die Zeit fehlt, inzwischen über 300 Pflanzen alle 2 – 3 Tage zu tauchen. Sie stehen ganzjährig im Wasser. Im Winter lasse ich die Schale auch mal 1 – 3 Tage trocken stehen, im Sommer fülle ich immer Wasser nach, sobald die Schale leer ist. Seitdem wachsen, wurzeln und blühen meine Pflanzen viel besser. Sie lieben es wirklich, richtig nass zu stehen.

Phragmipedium Hanne Popow, bei dem besseae f. flavum als Elternteil verwendet wurde (Foto: Thomas LEHMANN)

Als Substrat gibt es viele Möglichkeiten. Die meisten meiner Pflanzen stehen in einem Gemisch aus Rinde, Perlite, Holzkohle und etwas mineralischem Anteil wie Bims, Akadama, Ton oder dergleichen. Der Nachteil an organischen Pflanzstoffen ist, dass sie sich durch die dauerhafte Feuchtigkeit recht schnell zersetzen und regelmäßig getauscht werden sollten. Man liest sehr oft, spätestens nach 2 Jahren, wobei ich eher 3 Jahre warte und bisher keine Probleme damit hatte. Auch in lebendem Sphagnum-Moos funktionert eine Kultur sehr gut oder aber komplett mineralisch, in Akadama zum Beispiel. Wichtig ist, dass Feuchtigkeit gut gehalten und abgegeben wird.

Bei den Düngergaben verwende ich Düngerwasser mit einem Leitwert von ca. 250 – 350 Mikrosiemens, allerdings nur von März/April bis Oktober/November. Im Winter dünge ich gar nicht. Das normale Gießwasser hat bei mir einen Leitwert von ca. 150 Mikrosiemens. Phragmipedium Hanne Popow scheint aber nicht sonderlich salzempfindlich zu sein. Meine allererste, die ich vor ca. 8 Jahren gekauft habe, hat in den ersten Jahren nur Leitungswasser mit einem Leitwert von 480 Mikrosiemens bekommen ‒ Winter wie Sommer ‒ und sie lebt heute noch.

Autor: Thomas LEHMANN

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Phragmipedium Hanne Popow ‚Jersey‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipedium Hanne Popow ‚Wössen 2‘ Silbermedaille auf Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipedium Hanne Popow ‚Wössen 2‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipedium Hanne Popow mit typischer horizontaler Farbteilung der Petalen (Foto: Thomas LEHMANN)
Phragmipedium Hanne Popow mit etwas untypischer Form und Farbe (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 17, 2018

Maxillaria variabilis

Alles lesen Orchidee der Woche 17, 2018

Maxillaria variabilis

Foto: Thomas LEHMANN

John LINDLEY beschrieb diese eher kleinwüchsige Maxillaria erstmals im Jahr 1837 in Edwards’s Botanical Register nach einem Manuskript von James BATEMAN. Beides waren britische Botaniker.
Diese Naturform hat ein recht großes Verbreitungsgebiet in Mittel- und Südamerika, welches sich von Mexiko über Guatemala, Belize, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Panama, Kolumbien bis nach Ecuador erstreckt. Durch das große Gebiet, in dem Maxillaria variabilis heimisch ist, lässt sich keine Klimazone festlegen. Sie wächst in kühlen wie auch in warmen und heißen Gegenden, meist epiphytisch auf Bäumen oder litophytisch auf Steinen in dichten, feuchten Wäldern. Die Standorte sind fast immer schattig. Max. variabilis findet man auf Höhenlagen von 500 – 2500 Metern über dem Meeresspiegel. Auf jeder Pseudobulbe, die recht eng aneinander wachsen, sitzt ein einzelnes, sehr festes Blatt. Die bis zu 5 cm lange Infloreszenz, welche am unteren Ende der Pseudobulbe entspringt, trägt jeweils eine einzelne Blüte, die ca. 3 cm groß ist und sehr unterschiedlich gefärbt sein kann. Daher kommt auch der Name variabilis. Es gibt die Blüten in Gelb-, Rot- und Orangetönen. Die Infloreszenzen dieser Art sind sehr langlebig und halten viele Wochen, teilweise sogar mehrere Monate, und können das ganze Jahr über entstehen.

 

Meine eigene Max. variabilis mit einer einzelnen Blüte (Foto:Thomas LEHMANN)
Maxillaria variabilis ‚Pa‘ SM/DOG (Foto: Werner HOLZMANN)

Die Kultur dieser ansprechenden Naturform ist recht unkompliziert, da sie sehr tolerant in Bezug auf die Temperatur ist. Meine Max. variabilis wächst temperiert/warm an einem hellen Platz neben dem Fenster, an den nur morgens kurz die Sonne auf die Pflanze scheint (Ostfenster). Den Rest des Tages hat sie es zwar hell, aber keine direkte Sonneneinstrahlung mehr. Im Winter gehen die Temperaturen nachts auch mal auf 15 °C zurück, meist liegen sie aber bei ca. 18 – 20 °C nachts. Tagsüber liegen sie im Sommer wie auch im Winter natürlich etwas darüber. Wie oben schon erwähnt ist diese Maxillaria sehr tolerant, was die Temperatur anbelangt.

Wichtig ist, dass sie ganzjährig feucht gehalten wird, da sie am Naturstandort ausschließlich in dichten Wäldern heimisch ist, wo immer sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht und auch viel Niederschlag fällt. Ab dem Frühling (März) wird bei mir regelmäßig gedüngt, wobei meine Max. variabilis ca. 350 – 400 Mikrosiemens erhält. In den dunklen Wintermonaten, in denen der Stoffwechsel der Pflanzen herunterfährt, stelle ich das Düngen komplett ein. Meist ist das ab Oktober, manchmal auch November, wenn der Oktober noch sehr hell und sonnig ist.

Ein schöner dunkelroter Klon (Foto: Werner HOLZMANN)

Als Substrat gibt es, wie immer, tausend mögliche Rezepte. Da Maxillarien immer feucht, aber nicht nass sein möchten, wie alle Epiphyten, empfiehlt sich ein Substrat, das gut drainiert ist und dabei aber trotzdem gut Wasser speichert. Anfangs hatte ich sie in Rinde mit etwas getrocknetem Sphagnum-Moos. Das hat auch gut funktioniert, nur wurde es mir mit zunehmender Anzahl an Pflanzen in meiner Orchideensammlung einfach zu viel Arbeit, immer gießen oder tauchen zu müssen. Seitdem steht sie bei mir in mineralischem Substrat. Eine Mischung aus Lava, Bims und Akadama, alles in der Körnung 5 – 10 mm. Sie wächst darin genauso gut, nur ist die Pflege etwas weniger zeitintensiv, da man sie im mineralischen Substrat einfach in eine mit Wasser gefüllte Schale stellen kann. Wenn die Schale komplett ausgetrocknet ist, wird sie wieder mit Wassser gefüllt, das war´s. Die Steinchen des Substrats ziehen sich die Feuchtigkeit durch die Kapillarwirkung nach oben und werden dabei aber nicht zu nass. Außerdem bildet sich durch die andauernde Feuchtigkeit recht schnell ein Moospolster auf dem Pflanzstoff, was sehr dekorativ aussieht. Natürlich funktionieren auch andere Substrate gut, da muss man einfach etwas ausprobieren und das für sich passende finden.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass Maxillaria variabilis eine sehr einfach zu kultivierende Naturform ist, die regelmäßig blüht und viel Freude macht!

Autor: Thomas Lehmann

Maxillaria variabilis in einem hellen Orange-Gelb (Foto: Irene BOCK)
Maxillaria variabilis in einem kräftigen Rotton (Foto: Irene BOCK)
Maxillaria variabilis in einem zarten Gelb (Foto: Irene BOCK)

 

KW 16, 2018

Pleione formosana

Alles lesen Orchidee der Woche 16, 2018

Pleione formosana

Foto: Monika Eckert

1911 beschrieb der japanische Botaniker Bunzô HAYATA diese ausdrucksstarke Naturform erstmalig. Der Name formosana leitet sich vom Fundort Formosa ab (nach „Ilha formosa“, portugiesisch für „schöne Insel“), wie die Insel Taiwan früher genannt wurde. Die Pflanzen wachsen in den Bergen in Höhen von 1 500-2 500 Metern unter kalten Bedingungen. Pleione formosana wächst terrestrisch und lithophytisch, sowohl in sonnigen als auch in schattigen Bereichen. Während der Regenzeit im Sommer ist der Standort immer feucht bis nass und es gibt fast täglich Niederschläge. Im Winter folgt dann eine recht kühle Trockenzeit, in der es so gut wie keinen Niederschlag gibt. In der Trockenzeit zieht Pln. formosana ihre Blätter ein und auch die Wurzeln vertrocknen dann vollständig, sodass nur noch die Pseudobulbe übrig bleibt. Mit Beginn des Frühlings fangen die Pseudobulben an, 1-2 Infloreszenzen auszubilden. Jeder Blütentrieb trägt eine Blüte. Am unteren Ende des Blütentriebs bilden sich dann neue Wurzeln, die den Neutrieb versorgen, der sich gegen Ende der Blütezeit entwickelt. Bis dahin versorgt sich die Pflanze lediglich aus der gespeicherten Energie der alten Pseudobulbe. Über den Sommer wachsen die Neutriebe heran und haben bis zum Herbst dicke runde Pseudobulben mit jeweils einem Blatt ausgebildet. Zur Trockenzeit im Winter ziehen Pleionen dann wieder ein und gehen in eine ausgeprägte Ruhephase, bis im Frühjahr der Zyklus von Neuem beginnt.

Da Pleione formosana bedingt winterhart ist, gibt es zwei grundsätzliche Kulturansätze, besonders für die Zeit im Winter. Beide Möglichkeiten möchte ich euch heute vorstellen. Die Überwinterung im Kühlschrank wende ich an, da ich keinen Garten habe. Die zweite Möglichkeit ‒ Überwinterung im Garten ‒ wird von meiner Redaktionskollegin Monika ECKERT praktiziert und weiter unten beschrieben.

Überwinterung im Kühlschrank

Pleione formosana mit Blütentrieben im April (Foto: Monika Eckert)

Die Kultur von Pleione formosana ist recht simpel. Die kühle und trockene Zeit im Winter übersteht sie äußerst gut, wenn sie im Gemüsefach des Kühlschranks gelagert wird. Am besten in einem Eierkarton oder ähnlichen Behälter, der Luftaustausch zulässt, damit sich keine Kondensationstropfen bilden, wodurch die Pseudobulben leicht faulen oder von einem Pilz befallen werden könnten. Ab Anfang/Mitte Januar sollte man immer wieder kontrollieren, ob schon Neutriebe zu sehen sind. Zeigen sich Neutriebe, werden Pleionen aus dem Kühlschrank geholt und auf trockenes Substrat gesetzt. Ab jetzt brauchen sie Licht, aber noch kein Wasser und einen möglichst kühlen Standort. Erst wenn sich die ersten kleinen Wurzeln bilden, sollte man langsam anfangen am Rand etwas zu gießen. Wenn der Blütentrieb so groß ist, dass eine eindeutige Knospe zu erkennen ist und man sieht, welche Farbe die Blüten haben werden, kann mehr gegossen werden. Ab jetzt sollte das Substrat immer richtig schön feucht sein und nicht mehr austrocknen.

 

Die gleiche Schale mit Pleione formosana einen Montat später, im Mai. (Foto: Monika Eckert)

Nach der Blüte bilden sich die Neutriebe, aus denen sich die Pseudobulben für das nächste Jahr entwickeln. Die alten Pseudobulben werden immer mehr ausgesaugt und trocknen mit der Zeit komplett ein. Inzwischen hat der Neutrieb genug Wurzeln gebildet, die die Pflanze mit Nährstoffen versorgen können. Die »Altbulbe« wird also nicht mehr gebraucht. Über den ganzen Sommer herrscht »Regenzeit«, in der die Neutriebe wachsen. Im Herbst beginnt Pleione formosana dann meist von alleine ihre Blätter einzuziehen und abzuwerfen. Ab jetzt wird das Gießen eingestellt. Bis kurz vor dem ersten Frost bleiben meine Pleionen noch draußen stehen und werden einfach »vergessen«. Kein Wassser mehr, auch Licht brauchen sie dann schon keines mehr. Anschließend werden die Pseudobulben aus dem Substrat genommen und alle Wurzeln und die eingetrockneten Alt-Pseudobulben entfernt, da diese ohnehin schon total eingetrocknet sind und nicht mehr benötigt werden. Sollten noch nicht alle Blätter abgeworfen worden sein, entferne ich auch diese. Danach geht es dann in den Kühlschrank zur Überwinterung. Pleionen bilden Bulbillen aus. Das sind kleine schmale Pseudobulben, die bei guter Kultur nach circa 4 Jahren blühfähig sind. Mit ihnen wird genauso verfahren. Der einzige Unterschied ist, dass sie im Frühjahr noch keine Blüte bilden, sondern direkt mit einem Neutrieb beginnen. In jeder Saison sollte sich die Größe der Bulbillen in etwa verdoppeln, damit sie dann eben nach ca. 4 Jahren blühstark sind.

Ab Janur wird dann wieder regelmäßig kontrolliert, ob sich schon Neutriebe zeigen, und der Zyklus beginnt wieder von vorne.

Foto: Werner Holzmann

Als Pflanzstoff eignet sich alles, was während des Sommers richtig gut Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt. Ich persönlich nehme getrocknetes Sphagnum, aber auch feine Rinde, Blumenerde oder mineralische Substrate werden bei dieser Gattung oft verwendet. Da muss jeder seines finden, mit dem er am besten zurechtkommt. Wenn man die kühlen Temperaturen im Winter auch ohne Kühlschrank bieten kann, dann geht das natürlich auch. Ich finde es nur sehr praktisch mit der Kühlschrankkultur, da ich sicher sein kann, dass es weder zu warm noch zu kalt wird. Aber wie mit allem: Viele Wege führen nach Rom! ‒ In diesem Sinne hier noch die Erfahrungen von Monika ECKERT:

Überwinterung im Garten

Im Herbst vor dem ersten Frost grabe ich für meine Schale voller Pleione formosana eine Mulde in einem wind- und wettergeschützten Beet unter einem Dachüberstand. Dorthin gelangt kein Regen. Die Schale wird etwas mit Erde angehäufelt und mit einer ca. 20 cm dicken Schicht aus trockenen Blättern bedeckt. Darüber kommt etwas Hasendraht, damit die Blätter nicht weggeweht werden. Fällt das Thermometer unter ca. -5 °C, wird noch eine Luftpolsterfolie darübergelegt.

Zwischen Anfang und Mitte Februar ‒ je nach Wetterlage bei uns in der Nähe von Frankfurt ‒ wird die Schale aus der Mulde geholt und an einen vor Regen geschützten Platz gestellt. Das Substrat ist jetzt absolut trocken, die Pseudobulben sind prall und zeigen seitlich schon erste Ansätze von Infloreszenzen. Bei sonnigem Wetter werden sie etwas übersprüht, aber nicht gegossen. Bei drohendem Frost wird die Schale entweder abgedeckt, solange die Infloreszenzen noch nicht zu lang sind, oder kurz an einen kühlen frostfreien Ort gebracht.

Wenn sich die Blätter entwickeln, wird langsam vorsichtig gegossen. Im Sommer steht die Pleionen-Schale im lichten Schatten eines Baumes und wird genau wie Kübelpflanzen regelmäßig mit Leitungswasser gegossen und mit dem gleichen Dünger in etwa halber Konzentration versorgt. Ab September wird die Schale wieder an einen vor Regen geschützten Platz gestellt und erhält kein Wasser mehr. Sie soll absolut trocken in ihr Winterquartier eingegraben werden, damit die Pflanzen nicht faulen. Die Blätter sind zu diesem Zeitpunkt noch grün und werden nicht entfernt. Sie trocknen später unter der Blätterschicht ein.

Anders als häufig empfohlen, topfe ich meine Pleione formosana im Herbst nicht aus. Sie wächst seit Jahren in einer Mischung aus Erde und trockenen, halb verrotteten Nadeln, die ich unter einer Fichte zusammengekratzt habe. Im Frühjahr lege ich etwas frisches Gartenmoos obenauf. Offenbar sagt ihr diese Behandlung zu, denn seit ich sie vor etlichen Jahren von einem Vereinskollegen mit diesen Kulturhinweisen erhalten habe, erfreut sie mich jedes Jahr im Frühling mit üppiger Blütenpracht.

Im ersten Jahr hatte ich sie in der Garage überwintert und im Zimmer zum Blühen gebracht. Die Blüten entwickelten sich zwar deutlich früher, waren aber kleiner und wollten teilweise gar nicht aufgehen. Vermutlich war ihnen die Zimmerluft zu trocken.

 

Autoren: Thomas LEHMANN und Monika ECKERT

Foto: Irene Bock
Foto: Irene Bock

KW 15, 2018

Cattleya labiata

Alles lesen Orchidee der Woche 15, 2018

Cattleya labiata

Foto: Monika ECKERT

Im Jahr 1817 sammelte William SWAINSON in Brasilien einige Pflanzen dieser wunderschönen Naturform. SWAINSON war eigentlich Ornithologe, Malakologe und Künstler, beschäftigte sich also eher mit Vögeln und Weichtieren, sammelte bei seinen Reisen aber auch immer wieder Pflanzen, Insekten und andere Lebewesen, die er dann mit in seine britische Heimat brachte. Auf diesem Weg erhielt William CATTLEY aus England eine der gesammelten Pflanzen, die im November 1818 erstmalig bei ihm blühte. SWAINSON schickte mehrere dieser ausdrucksvollen Orchideen zu John LINDLEY, der sie im Jahre 1824 in seiner „Collectanea Botanica“ erstmalig beschrieb und sie William CATTLEY zu Ehren Cattleya und der eindrucksvollen Lippe wegen labiata nannte. Danach galt die Art lange Zeit als ausgestorben, bis sie in den 1880er Jahren wiederentdeckt wurde. Cattleya labiata hat ein recht großes Verbreitungsgebiet in den nordostbrasilianischen Bundesstaaten Ceará, Paráiba, Pernambuco, Alagoas and Piauí auf Höhen zwischen 600 und 1 000 Metern.

Die Pflanzen kommen in drei verschiedenen Lebensräumen vor, darunter eine saisonal tropische Regenwaldzone in Küstennähe, eine tropische Zone mit laubabwerfendem Wald etwas weiter landeinwärts und eine Dornbuschzone, die sehr weit im Landesinneren liegt. Cattleya labiata wächst normalerweise unter hellen Bedingungen in den Kronen alter Bäume. Gelegentlich findet man sie aber auch auf Steinen (lithophytisch) im Schatten oder in der Sonne. Pflanzen sind in der Regel vor praller Sonne geschützt, aber nicht immer. Wenn sie in voller Sonne wachsen, entwickeln die Blätter und Pseudobulben eine schützende rötlich braune Farbe und die Blüten sind intensiver gefärbt.

Cattleya labiata bildet bis zu 30 cm lange Pseudobulben aus, auf denen jeweils ein einzelnes, festes Blatt sitzt. Im Herbst und frühen Winter ist Hauptblütezeit. An einer kurzen Infloreszenz entwickeln sich dann meist 2-5 Blüten, die von zart bis kräftig lilafarben sind und einen Durchmesser von bis zu 15 cm erreichen können.

Cattleya labiata in einer Gärtnerei. Man erahnt auf dem Bild die variablen Lilatöne. (Foto: Monika ECKERT)

Wie bereits erwähnt, benötigt Cattleya labiata sehr viel Licht, wobei direkte Mittagssonne unschattiert nicht gut vertragen wird. Ein vor Mittagssonne geschützter Bereich im Freien ist ab Mai sehr gut geeignet, da C. labiata eine nächtliche Temperaturabsenkung und viel Frischluft braucht, was gerade im Sommer in der Wohnung oft schlecht zu realisieren ist. Unmöglich ist es aber nicht, diese wunderschöne Art erfolgreich ganzjährig auf der Fensterbank zu kultivieren.

Während der Wachstumsphase braucht Cattleya labiata reichlich Wasser. Das Substrat sollte jedoch grob und luftig sein, damit die Wurzeln schnell wieder abtrocknen können. Auch gedüngt werden kann in dieser Zeit etwas mehr als bei vielen anderen Orchideen. Bei jedem zweiten Gießen darf die Düngerkonzentration ruhig auf einen Leitwert von 400-500 Mikrosiemens angehoben werden, wenn der Topf zwischendurch ausgiebig mit salzarmem Wasser (z. B. Regenwasser) durchgespült wird. Nachdem die Neutriebe ausgewachsen sind und die Pflanze in eine kurze Ruhephase geht, sollten die Wasser- und Düngergaben reduziert werden.

Nach ca. vier bis acht Wochen ‒ meist zwischen September und Dezember ‒ blüht Cattleya labiata. Danach macht sie eine ausgeprägte Ruhezeit durch, in der sie noch etwas trockener gehalten und nicht mehr gedüngt wird. Diese Ruhezeit ist wichtig, damit der Blütenflor im darauffolgenden Jahr prächtig wird und die Pflanze gesund bleibt. Mäßige Wassergaben und Temperaturen zwischen 12 und 18 Grad sollten bis zum Erscheinen der Neutriebe im Frühjahr eingehalten werden.

Die Frage nach dem richtigen Substrat lässt wieder viele Antworten zu. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit gleichmäßig im Topf verteilt wird und keine Staunässe entsteht. Sowohl organisches wie auch mineralisches Substrat funktioniert gut. Da Cattleyen Epiphyten sind, sollte auch eine gute Luftzirkulation an den Wurzeln gewährleistet sein. Getopft werden sollte ausschließlich im Frühjahr, wenn die Neutriebe erste kleine Wurzeln zeigen. Alttriebe bilden keine neuen Wurzeln aus. Wichtig ist auch, dass die Pseudobulben nicht im Substrat „vergraben“, sondern lediglich auf das Substrat „aufgesetzt“ werden, da die Pseudobulben sonst schnell faulen oder verpilzen.

Autor: Thomas LEHMANN

Cattleya labiata ‚Eisenheim‘ BM/DOG in der Kategorie botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Cattleya labiata ‚Ipanema‘ SM/DOG für die herausragende Kultur. (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

KW 14, 2018

Bulbophyllum rothschildianum

Alles lesen Orchidee der Woche 14, 2018

Bulbophyllum rothschildianum

Bulbophyllum rothschildianum ‚Alisa‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Johannes Jacobus Smith, ein niederländischer Gärtner und Botaniker, der in Belgien geboren wurde, beschrieb diese außergewöhnliche Naturform im Jahre 1912 als Bulbophyllum rothschildianum. Die Erstbeschreibung erfolgte bereits 1895 durch den britischen Botaniker James O´Brien unter dem heute als Synonym geltenden Namen Cirrhopetalum rothschildianum. Mit dem Artnamen wurde die englische Bankiersfamilie Rothschild geehrt, die sich über Generationen für Orchideen interessierte. Nach dieser Familie wurden noch einige weitere Arten aus anderen Gattungen benannt. Heimisch ist Bulb. rothschildianum von Südyunnan in China bis ins nordöstliche Indien. Durch das recht große Verbreitungsgebiet wächst sie in Temperaturbereichen von kühl bis heiß, stets epiphytisch. Sie bildet an teilweise recht langen Ausläufern Pseudobulben, auf denen jeweils ein einzelnes dickes Blatt sitzt. Die Blütentriebe entspringen an der Unterseite der Pseudobulben und hängen weit nach unten. Bulb. rothschildianum bildet 3-8 Knospen pro Blütentrieb aus. Die Blüten sind sehr auffällig halbkreisförmig angeordnet und haben langgezogene, fadenartige Petalen, die nach unten hängen. Der Duft ist nicht sonderlich angenehm, aber raumfüllend. Blütezeit ist im Frühjahr und Herbst. Durch die Wuchsform mit den langen Ausläufern sollte man diese Art getopft in Schalen oder Körben oder aufgebunden kultivieren. Bei der Kultur im Topf ist wegen der weit überhängenden Blütentriebe die Ampellösung empfehlenswert.

 

Das aufgebunden kultivierte Bulbophyllum rothschildianum ‚Kaiser‘ bekam eine Silbermedaille für den Kulturerfolg. Man kann ganz gut erkennen, dass die einzelnen Pseudobulben recht weit voneinander entfernt wachsen. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Detailaufnahme (Foto:Thomas Lehmann)

Vor einiger Zeit bekam ich ein Teilstück aus fünf oder sechs Pseudobulben, ungetopft, für wenige Euro bei einem Orchideenzüchter in meiner Nähe. Obwohl ich wirklich gar keine Ahnung von dieser Gattung hatte, habe ich es mitgenommen, da es fast geschenkt war. Nach ein bisschen Recherche im Internet habe ich es dann auf ein Gemisch aus mittlerer und grober Rinde und Perlite gesetzt, da Bulbophyllen wohl ein sehr gut drainiertes Substrat bevorzugen und Staunässe, wie auch Dauerfeuchte, mit Blattwurf und Fäulnis quittieren. Innerhalb kurzer Zeit begann das Teilstück, auch an alten Pseudobulben, neu zu wurzeln und auch einen Neutrieb zu entwickeln. Nachdem es jetzt, nicht mal ein Jahr nach Erhalt, 2 Blütentriebe angesetzt hat, scheint die Wahl des Substrates die richtige gewesen zu sein. Da ich meine Orchideen in der Wohnung kultiviere, war mir die getopfte Version lieber als die aufgebundene. Wobei ich auch sagen muss, dass die nächsten Neutriebe schon über den Rand meiner Schale wachsen werden. Was ich dann mache, weiß ich noch nicht. Ein, zwei Jahre wird es noch gutgehen, dann müsste wohl eine noch größere Schale her oder die Pflanze erneut geteilt werden.

Mein eigenes rothschildianum (Foto: Thomas Lehmann)

Wie alle meine getopften Orchideen, habe ich auch Bulbuphyllum rothschildianum in eine transparente Schale getopft, um die Feuchtigkeit besser kontrollieren zu können. Da diese Gattung sehr empfindlich auf Staunässe und Dauerfeuchte reagiert, warte ich immer, bis der Topf komplett durchgetrocknet ist, bevor die Schale von mir erneut getaucht wird. Nach dem Tauchen darf das Substrat dann gründlich abtropfen, bevor die Pflanze wieder zurück an ihren halbschattigen Platz am westseitigen Fenster kommt. Das normale Gießwasser hat einen Leitwert von ungefähr 200 Mikrosiemens. Gedüngt wurde 1-2-mal im Monat mit aufgedüngtem Wasser, das dann circa 350 Mikrosiemens aufwies. In den Wintermonaten, von Ende November bis Anfang März, habe ich nicht gedüngt, sondern nur getaucht mit normalem Gießwasser. Pünktlich zum Frühling begann die Pflanze ihre 2 Blütentriebe anzusetzen.

Da die Temperaturen an den Naturstandorten von kühl bis heiß reichen, habe ich mich dazu entschlossen, sie temperiert-warm zu kultivieren. Nicht zuletzt, weil ich in diesem Temperaturbereich den meisten Platz bieten kann. Im Winter lagen die Tagestemperaturen, je nach Sonnenschein, zwischen 22 und 34 Grad. Im Durchschnitt waren es um die 25 Grad. Nachts gingen die Temperaturen dann bis auf 14 Grad zurück, meistens eher auf 18-19 Grad. Ich gehe davon aus, dass ihr dieses Klima ganz gut gefallen hat, sonst würde sie vermutlich jetzt nicht blühen. Im Sommer, frühestens ab Mai, werde ich mein Bulbophyllum rothschildianum geschützt ins Freie hängen, da es sehr gerne Frischluft und viel Luftbewegung hat, was ich ihm in unserer Dachgeschosswohnung nicht bieten kann. Stehende Luft, befürchte ich, würde ihm sicher nicht gut bekommen.

Alles in allem scheint diese Naturform für mich gut kultivierbar zu sein und da man oft Teilstücke für schmales Geld findet, sollte man es einfach mal mit ihr probieren. Die Blüten sind wirklich richtig imposant und ein echter Blickfang für jeden Orchideenliebhaber.

Autor: Thomas Lehmann

Bulbophyllum rothschildianum ‚Weinheim‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Bulbophyllum rothschildianum ‚Kaiser‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Bulbophyllum rothschildianum ‚Weinheim‘ Silbermedaille auf Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv

 

KW 13, 2018

Phragmipedium longifolium

Alles lesen Orchidee der Woche 13, 2018

Phragmipedium longifolium

Foto: Thomas Lehmann

Robert Allen Rolfe, ein englischer Botaniker, der sich auf Orchideen spezialisiert hatte und Gründer des Magazins „The Orchid Review“ war, beschrieb Phragmipedium longifolium 1896 in Orchid Review 4: 332. Die Erstbeschreibung der Pflanze erfolgte bereits im Jahr 1852 durch Heinrich Gustav Reichenbach, damals noch als Cypripedium longifolium. Der Name longifolium bedeutet langblättrig. Diese Naturform wächst terrestrisch und litophytisch in Costa Rica, Panama, Kolumbien, Ecuador und im brasilianischen Bundesstaat Goiás auf einer Höhe von 0-2000 Meter über dem Meeresspiegel. Phragmipedium longifolium siedelt in immerfeuchten Wäldern, sehr oft in der Nähe von Flüssen und Bächen. Teilweise wurden Pflanzen gefunden, deren Wurzeln direkt im Wasser von Bächen wuchsen. Wegen des großen Verbreitungsgebiets und der unterschiedlichen Höhenlagen, in denen longifolium heimisch ist, variiert das Klima an den Naturstandorten sehr. Die Temperaturen steigen tagsüber in der Regel auf über 20 Grad, teilweise auch über 30 Grad. Nachts gehen sie meistens auf 15 Grad zurück. In manchen Gegenden liegen die Nachttemperaturen aber auch nur bei 8 Grad. Diese Naturform kann über einen Meter hoch werden. Der Stamm ist vollkommen von 6-8 dachziegelartig angeordneten Blättern umschlossen, die bis zu 80 cm lang werden können und stark gekielt sind. Phragmipedium longifolium ist ein sogenannter Revolverblüher. Sobald eine Blüte verblüht, kommt schon die nächste Knospe und öffnet sich. Manchmal sind auch 2 Blüten gleichzeitig geöffnet. Somit kann der Blütentrieb viele Monate lang immer wieder neue Blüten hervorbringen. Durch seine sympodiale Wuchsform werden in wenigen Jahren aus jungen Pflanzen richtige Büsche, die dann oft mehrere Blütentriebe gleichzeitig entwickeln.

Vor 3 Jahren als kleine eintriebige Pflanze gekauft, heute schon ein richtiger Busch mit aktuell 2 Infloreszenzen und 3 Blüten. (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium longifolium ‚Burnham‘ × self (Foto: Thomas Lehmann)

Die Kultur von Phragmipedium longifolium ist recht simpel und funktioniert auch ohne Gewächshaus sehr gut, solange man den Platz bieten kann, den die Pflanze bereits nach wenigen Jahren beansprucht. Für die Fensterbank selbst ist sie zu groß, aber in einem Wintergarten oder sehr hellen Raum funktioniert die Kultur sehr gut und ist unkompliziert. Da longifolium am Naturstandort immer feucht bis nass, teilweise komplett im Wasser steht, kann es auch in Kultur im Wasser stehen. Meine longifolium-Pflanzen stehen in einer mit Wasser gefüllten Schale, die ich gelegentlich – besonders im Winter – abtrocknen lasse, bevor ich wieder Wasser nachfülle. Das Wasser hat einen Leitwert von ca. 170-200 Mikrosiemens. Im Sommer wird es alle 2-4 Wochen auf einen Leitwert von 300-400 Mikrosiemens aufgedüngt. Im Winter dünge ich grundsätzlich nicht.

Das Staminodium ist von einem Kranz aus dunklen Härchen umringt (Foto: Thomas Lehmann)

Ich habe schon verschiedene Substrate bei meinen Phragmipedien ausprobiert. Phragmipedium longifolium stellt keine besonderen Ansprüche an das Substrat. Mir persönlich ist Rinde (6-12 mm), gemischt mit Perlite, Holzkohle, Bimskies und manchmal etwas Akadama am liebsten. Aber auch in reinem Akadama, Steinwollwürfel pur, Lebendmoos (Sphagnum) und reiner Rinde habe ich gute Erfahrungen bei longifolium gemacht. Wie gesagt, scheint es da keine besonderen Ansprüche zu haben. Das Substrat sollte nur gut die Feuchtigkeit transportieren und halten können und luftig sein. Wenn diese Kriterien erfüllt sind, scheint alles zu funktionieren. Ich kalke das Substrat 2-mal im Jahr etwas mit Hüttenkalk (manchmal auch Dolomitkalk) auf und habe die Erfahrung gemacht, dass die Blüten damit üppiger ausfallen. Mein Rekord liegt bei 11 Monaten Blüte an einem Blütentrieb. 9 Blüten waren es insgesamt, die nacheinander aufgingen, und jede für sich hielt viele Wochen.

Im Winter steht Phragmipedium longifolium bei mir an der Südseite unschattiert und bekommt volle Sonne. Im Sommer steht es im Freien, vor der Mittagssonne geschützt. Phragmipedien lieben Frischluft und Luftbewegung. Aus diesem Grund tut ihnen der Freilandaufenthalt im Sommer immer sehr gut. Im Innenraum hat man einfach nie so viel Luftbewegung wie draußen. Wer keine Möglichkeit hat, die Pflanze im Sommer rauszustellen, muss trotzdem nicht auf sie verzichten. Gelegentliches Lüften reicht longifolium aus, im Gegensatz zu manch anderen Phragmipedium-Naturformen. Es ist eine wirklich unkomplizierte, blühfreudige und imposante Pflanze, die viel Freude macht und in keiner Sammlung fehlen sollte, finde ich.

Autor: Thomas Lehmann

Phragmipedium longifolium mit schöner Symmetrie (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)
Detailansicht der gerüschten Petalen (Foto: Thomas Lehmann)
Hier sieht man die Symmetrie ganz schön (Foto: Thomas Lehmann)
Eine weitere Detailaufnahme der Petalen (Foto: Thomas Lehmann)

KW 12, 2018

Phalaenopsis Donna´s Delight

Alles lesen Orchidee der Woche 12, 2018

Phalaenopsis Donna’s Delight

Foto: Thomas Lehmann

Diese Primärhybride aus Phalaenopsis equestris und Phalaenopsis finleyi wurde am 09.08.2005 von William Tippit bei der RHS (Royal Horticultural Society) registriert. Die Blüten dieser Kreuzung variieren, anders als bei vielen Hybriden,  nur sehr wenig. Sie zeigen immer die typische Haltung von Phal. finleyi, bei der die Petalen stark nach oben gerichtet und sowohl Petalen wie auch Sepalen nach hinten gebogen sind. Grundfarbe ist ausnahmslos weiß, die Lippe manchmal zartrosa, gelblich oder orange. Die gesamte Blüte ist immer mit vielen dunkel lilafarbenen Punkten gezeichnet. Von ihrem anderen Elternteil Phal. equestris hat sie in den allermeisten Fällen ihre Blütenfülle und Blühfreudigkeit geerbt. Auch die Neigung zur Kindelbildung erbt Donna´s Delight meist von equestris. Besonders durch ihre eigenwillige Blütenform ist diese Hybride ein wahrer Blickfang.

 

Phalaenopsis finleyi ‚Alex‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Phalaenopsis finleyi (Syn. Phal. minus) ist im Nordosten Thailands und in Myanmar heimisch. Dort wächst sie, wie alle Phalaenopsis, epiphytisch, meist auf Bäumen.  Erstmalig beschrieben wurde sie von Eric Alston Christenson in Richardiana 11(2): 80, 2011. Sie ist eine kleinwüchsige Phalaenopsis, die nur einen kurzen Stamm mit fleischigen Blättern bildet. Der Blütentrieb ist ebenfalls recht kurz und bringt lediglich 2-3 Blüten hervor. Das Klima am Standort ist geprägt vom indischen Monsun, der von März bis Oktober für eine ausgeprägte Regenzeit sorgt. Dann scheint die Sonne nicht so oft wie in den restlichen Monaten. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch. Die Temperaturen haben ein recht starkes Tag-/Nachtgefälle. Tagsüber steigen sie fast immer über 30 Grad Celsius. Die Nachttemperaturen betragen im Sommer ca. 25 Grad, im Winter fallen sie auf durchschnittlich 15 Grad ab.

 

Phalaenopsis equestris (Foto: Thomas Lehmann)

Phalaenopsis equestris, die zur Sektion Stauroglottis zählt, ist eine kleine und sehr blühfreudige Art, von der es einige Varietäten und Formen gibt. Sie besiedelt auf den Philippinen und im südlichen Taiwan sehr warme bis heiße Täler, oft in der Nähe von Bächen und Flüssen, auf einer Höhe von 300 Meter über dem Meeresspiegel. Auch sie wächst epiphytisch, meist auf Bäumen. Als Phalaenopsis equestris wurde sie im Jahre 1850 von Heinrich Gustav Reichenbach beschrieben. Sie ist eine recht kleinwüchsige Orchidee, die nur einen kurzen Stamm bildet und monopodial wächst. Phal. equestris neigt stark zur Kindelbildung und blüht sehr reichlich. An alten Blütentrieben können immer wieder neue Knospen entstehen, weshalb man die Blütentriebe nicht abschneiden sollte, solange sie nicht eintrocknen. Die Winter am Naturstandort sind etwas trockener als die Sommer, jedoch trocknet das Habitat niemals komplett aus. Die Temperaturen unterschreiten 20 Grad nachts nur sehr selten, tagsüber steigen sie fast immer auf 30 Grad und höher.

 

Blütentraube von Donna’s Delight mit rosafarbener Lippe (Foto: Andrea Scherch)

 

Da beide Elternteile von Phalaenopsis Donna´s Delight aus ähnlichen Klimabereichen kommen, können wir die natürlichen Klimabedingungen für die Kultur dieser Hybride übernehmen. Eine Kultur auf der Fensterbank funktioniert sehr gut. Meine Donna´s Delight steht im Winter in einem beheizten Zimmer mit Tagestemperaturen zwischen 22 und 32 Grad, je nachdem, ob die Sonne scheint oder nicht. Nachts fallen die Temperaturen auf 16-18 Grad ab. Im Winter bekommt sie volle Sonne, wenn sie mal scheint. Im Sommer steht sie eher halbschattig und bekommt nur etwas Abendsonne ab. Die Luftfeuchtigkeit beträgt bei mir meistens zwischen 60 und 70%. Im Winter liegt sie auch mal etwas darunter, was dieser Phalaenopsis-Hybride aber nichts ausmacht.

Habitus von Phalaenopsis Donna´s Delight, man sieht, dass die Pflanze eher zu den kleinen Phalaenopsis gehört. (Foto: Heidi Wildeis)

Bei Phalaenopsis halte ich generell Rinde für das beste Substrat. Meine Phal. Donna´s Delight steht in Rindenstücken (9-12mm), mit Perlite als Zuschlagsstoff, in einem transparenten Topf. Ich verwende grundsätzlich lieber transparente Töpfe, da ich bei diesen die Feuchtigkeit des Substrats besser kontrollieren kann und auch den Zustand der Wurzeln im Blick habe. Bei Phalaenopsis hat es zusätzlich den Vorteil, dass Licht an die Wurzeln kommt. Diese sind bei Phalaenopsis fähig zur Photosynthese, wofür sie aber Licht benötigen. Zu beachten ist bei dieser Gattung, dass sie einen recht schnellen Nass-Trocken-Rhythmus hat. Das heißt, dass das Substrat nach dem Wässern recht schnell trocknen sollte und erst dann wieder gewässert wird, denn Dauerfeuchtigkeit lässt die Wurzeln faulen.

Phalaenopsis machen es einem recht leicht, den richtigen Zeitpunkt zum Wässern zu finden. Bei mir werden sie getaucht und nicht gegossen. Nach dem Tauchbad färben sich gesunde Wurzeln grün, wenn sie sich mit Wasser vollgesogen haben. Danach lasse ich den Topf gut abtropfen, damit keine Staunässe entsteht. Nach einigen Tagen, fangen die Wurzeln an wieder silbrig zu werden. Wenn sie vollständig silbern sind und keine Restfeuchtigkeit mehr im Topfzu sehen ist, wird wieder getaucht. Meistens dauert dieser Rhythmus ungefähr eine Woche. Wenn die Wurzeln viel länger grün sind, dann ist das Substrat zu fein oder bereits verdichtet, weil es zu alt ist. Dann sollte es unbedingt gewechselt werden, da Phalaenopsen schnell abtrocknen wollen.

Das normale Gießwasser hat bei mir einen Leitwert von ca. 170-200 Mikrosiemens. Im Sommer dünge ich alle 3-4 Wochen mit einem Leitwert von ca. 350 Mikrosiemens, im Hochsommer auch mal etwas höher. Im Winter wird bei mir gar nicht gedüngt, da wir in unseren Breitengraden zu wenig Licht haben und der Stoffwechsel der Pflanzen dadurch sehr niedrig ist, wodurch sie auch weniger Nährstoffe benötigen. Im Substrat lagern sich im Laufe des Sommers genügend Düngerreste an, die dann über den Winter verbraucht werden können.

Besonderer Dank geht an Andrea Scherch, Sylvia Toenne, Heidi Wildeis, Inge Nell und Kerstin Schneider, die mir mit Ihren tollen Fotos ausgeholfen haben!

Autor: Thomas Lehmann

Hier sieht man schön die Fülle an Blüten, die Donna’s Delight hervorbringt. Intensiv orangefarbene Lippe – wahrscheinlich mit einer equestris gekreuzt, die eine orangefarbene Lippe hatte. (Foto: Sylvia Toenne)
Ein Klon mit orange-gelblicher Lippe  (Foto: Sylvia Toenne)
Hier ein Klon mit fast weißer Lippe (Foto: Inge Nell)
Pflanze mit verzweigter Infloreszenz (Foto: Kerstin Schneider)
Ein sehr intensiv gefärbter Klon mit pinkfarbener Lippe (Foto: Heidi Wildeis)

KW 11, 2018

Paphiopedilum helenae

Alles lesen Orchidee der Woche 11, 2018

Paphiopedilum helenae

Foto: Thomas Lehmann

Der russische Botaniker Leonid Vladimirovich Averyanov (Aver.) beschrieb dieses kleinwüchsige Paphiopedilum erstmalig im Jahr 1996. Es gilt als eine der kleinsten Paphiopedilum-Arten und ist beheimatet in Nordvietnam und Südchina. In offenen, gemischten und oft laubabwerfenden Wäldern wächst helenae meist auf der Nordseite von Kalksteinfelsen und Klippen unter warmen bis heißen klimatischen Bedingungen. Durch die offenen Wälder, in denen viele Bäume im Winter ihr Laub abwerfen, bekommt dieses Paphiopedilum sehr viel Licht ab. Da es aber eher an den Nordseiten von Felsen und Klippen gefunden wird, steht es niemals in der direkten Mittagssonne. Die Sommer sind durch den Monsunregen sehr feucht und niemals trocken. Im Winter gibt es deutlich weniger Niederschlag, aber auch hier trocknet das Habitat niemals komplett ab. Paphiopedilum helenae hat seine ganz feste Blütezeit im Spätsommer und Herbst. Es blüht so gut wie nie außerhalb dieser Zeit. Der Habitus dieser Naturform bleibt mit circa 10-15 cm Blattspannweite sehr klein und bildet 3-5 feste und ledrige Blätter, die wechselständig an einem sehr kurzen Stamm wachsen. Die Infloreszenz wird nur 5-7 cm lang und wächst leicht überhängend. Die Blüte von helenae ist 5-6 cm groß und variiert farblich in verschiedenen Gelb- und Brauntönen.

Paphiopedilum helenae ‚Geli‘ Silbermedaille der Deutschen Orchideengesellschaft e. V. auf die Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

Ich kultiviere mein Paphiopedilum helenae in einer Mischung aus mittlerer und feiner Rinde, Bimskies und Perlite. Das Substrat kalke ich alle 6 Monate mit Hüttenkalk auf. Auch andere Substrate und Zuschlagstoffe sind natürlich möglich. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit gut gehalten werden kann. Steinwollwürfel, Sphagnum-Moos, Akadama, Schaumstoffwürfel, Kokosfasern etc. ‒ Ich habe fast alles schon ausprobiert, helenae scheint keine besonderen Ansprüche an das Substrat zu stellen. Solange es immer feucht ist ‒ im Sommer richtig feucht bis nass, im Winter darf es leicht antrocknen ‒ und ausreichend Kalk geboten wird, ist dieses Paphiopedilum gerne bereit zu wachsen und zu blühen. Das Thema Kalk handhabt auch jeder ein bisschen anders. Wie oben schon geschrieben, kalke ich das Substrat alle 6 Monate mit Hüttenkalk auf. Hüttenkalk ist ein kohlensaurer Kalk, der leicht wasserlöslich ist und gut von der Pflanze aufgenommen werden kann. Damit habe ich die besten Erfahrungen gesammelt. Ich habe aber auch schon sehr gut kultivierte helenae gesehen, die Muschelgritt im Substrat hatten, welches den nötigen Kalk liefert, oder auch Pflanzen, die gelegentlich mit Leitungswasser gegossen werden, um Kalk verfügbar zu halten. Auch hier muss jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln, um herauszufinden, welcher der beste Weg ist.

Das Gießwasser hat bei mir einen Leitwert von ca. 150-200 Mikrosiemens. Im Sommer wird alle paar Tage getaucht, im Hochsommer steht der Topf auch mal 1-3 Tage in einer Wasserpfütze. Beim andauernden Monsunregen steht Paphiopedilum helenae im natürlichen Habitat auch mal kurzzeitig im Wasser. Das verträgt es gut, aber eben nur im Hochsommer, wenn die Temperaturen auch entsprechend hoch sind. Stehendes Wasser in Verbindung mit Kälte lässt die Wurzeln sofort faulen. Im Winter gieße ich nur alle paar Tage etwas auf das Substrat, sodass es nicht ganz austrocknet, aber auch nicht zu nass ist. Gedüngt wird bei mir nur von Frühling bis Anfang Herbst, alle 2- 4 Wochen. Das Düngerwasser hat dann einen Leitwert von 300-400 Mikrosiemens. Auch mein Dünger enthält zusätzlich nochmal etwas Kalk, was nicht bei jedem Dünger gegeben ist.

 

Wenn im Sommer die nächtlichen Temperaturen nicht unter 15 Grad fallen, stelle ich mein kleines Paphiopedilum schattig ins Freie. Im Winter steht es hell am Westfenster im beheizten Orchideenzimmer bei 20-28 Grad tagsüber. Bei Sonnenschein steigen die Temperaturen durch eine große südseitige Glasfront auch mal auf 30-32 Grad. Nachts fallen die Temperaturen nie unter 18 Grad. Wie im ersten Absatz schon erwähnt, ist Paphiopedilum helenae ein warm-heißes Paphiopedilum. Temperaturen unter 15 Grad verträgt es auf Dauer daher nicht.

Im Allgemeinen ist Paphiopedilum helenae aber eine sehr unkomplizierte Orchidee, die sehr zuverlässig blüht. Außerdem findet sie durch ihre geringe Größe auch überall einen Platz. Auf den Fotos unten sieht man sehr schön, wie diese Naturform farblich variiert. Von zartem Gelb über Orange bis hin zu Rotbraun ist alles möglich.

 

 

Foto: Thomas Lehnann

Autor: Thomas Lehmann

Paphiopedilum helenae ‚Franziska‘ BM/DOG, ein recht dunkler und fast komplett brauner Klon (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum helenae ‚Geli‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum helenae ‚Ines‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum helenae ‚Lina‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum helenae ‚Quirin‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum helenae ‚Sammy‘ SM/DOG mit schön arrangiertem Blütenkranz (Foto: D.O.G.-Archiv)