Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

KW 11, 2019

Kefersteinia tolimensis

Alles lesen Orchidee der Woche 11, 2019

Kefersteinia tolimensis

Kefersteinia tolimensis (Foto: Thomas Lehmann)

Friedrich Richard Rudolf SCHLECHTER beschrieb die Art erstmalig im Jahr 1920 in „Repertorium Specierum Novarum Regni Vegetabilis. Centralblatt für Sammlung und Veröffentlichung von Einzeldiagnosen neuer Pflanzen. Beihefte.“ SCHLECHTER war Botaniker und Kustos am Botanischen Museum in Berlin. Auf seinen zahlreichen Reisen nach Süd- und Mittelamerika, Afrika, Indonesien, Australien und Neuguinea sammelte er viele Pflanzen, darunter etliche Orchideen, die er mit nach Berlin brachte und einige davon neu beschrieb. Seine umfangreiche Sammlung ging leider während der Bombardierung im zweiten Weltkrieg verloren.

Kefersteinia tolimensis (Foto: Dr. Norbert Baumbach)

Kefersteinia tolimensis ist beheimatet in Ecuador, Venezuela und dem namensgebenden Department Tolima in Kolumbien. Sie wächst dort in dichten Nebelwäldern, meist epiphytisch in den unteren Bereichen von Baumstämmen, in Höhenlagen von 1300-2100 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturen am Standort sind eher kühl bis kalt. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, wobei sie von Januar bis März weniger häufig sind.

Die Pflanzen der Art bilden einen recht kurzen Stamm, der komplett von länglichen, spitz zulaufenden Blättern umhüllt ist. Die einzelnen Blätter werden bis zu 15 cm lang und sind ca. 2-3 cm breit und nur leicht gekielt. Vom Frühjahr bis in den Herbst hinein entstehen zwischen den Blättern 8-13 cm lange Infloreszenzen, die jeweils eine einzelne Blüte tragen. Die Blüten sind weiß- oder gelbgrundig und variieren in der violettroten Musterung stark. Während die Petalen und Sepalen meist nur zarte Punkte tragen, ist das Labellum oft fast komplett eingefärbt. Lediglich ein weißer gefiederter Rand rund um die Lippe bleibt von der Färbung unberührt.

Meine Kefersteinia tolimensis habe ich noch nicht so lange, aber sie brachte im Sommer und Herbst letzten Jahres einige Blüten zum Vorschein und setzt gerade wieder einige Neutriebe an. Es scheint ihr also bei mir zu gefallen.

Ich achte darauf, dass das Substrat niemals austrocknet. Besonders in den Sommermonaten gieße ich sehr regelmäßig. Während der ganz heißen Wochen im Hochsommer stand der Topf dauerhaft in einer mit Wasser gefüllten Schale, damit der Pflanzstoff keine Chance hatte auszutrocknen. Im Winter gieße ich nicht mehr ganz so viel, aber auch dann trocknet das Substrat zwar gut an, aber niemals komplett ab. Sobald die Kondenstropfen im Topf fast weg sind, gibt es wieder Wasser. Der Topf fühlt sich dann auch schon deutlich leichter an als direkt nach dem Wässern.

Während des Sommers gibt es wöchtentlich Dünger. Das Düngerwasser hat einen Leitwert von ungefähr 250-300 Mikrosiemens/cm. Ab Oktober dünge ich nicht mehr, da in den dunklen Wintermonaten der Stoffwechsel der Pflanze so weit herunterfährt, dass die angereicherten Salze im Substrat ausreichend sind, um die Pflanze gut über den Winter zu bringen. Ab März/April beginne ich dann wieder regelmäßig zu düngen. Das ist dann auch die Zeit, in der die Neutriebe ordentlich wachsen und eigene Wurzeln bilden.

Getopft habe ich Kefersteinia tolimensis in einem Gemsich aus feiner und mittelgrober Rinde, Perlite und etwas Holzkohle. Wie schon in einigen anderen Beiträgen erwähnt, dient die Rinde als Wasserspeicher. Perlite und Holzkohle haben ein sehr geringes Eigengewicht und lockern dadurch das Substrat auf. Zudem speichern Perlite sehr gut Wasser und geben dieses langsam an die Wurzeln wieder ab. Die Holzkohle hingegen nimmt nur wenig Wasser auf und schafft somit etwas trockenere Partien im dauerfeuchten Pflanzstoff.

Habitusbild von Kefersteinia tolimensis (Foto: Thomas Lehmann)

Der Lichtbedarf dieser Art ist nicht sonderlich hoch, da sie oft in den unteren Bereichen von dichten Nebelwäldern wächst. Selbst an einem Nordfenster reicht das Licht noch aus, um Kefersteinia tolimensis zu kultivieren. Solange sie nicht der direkten Mittagssonne im Sommer ausgesetzt ist, kommt sie aber auch mit etwas mehr Licht gut zurecht. Meine Pflanze steht an einem Ostfenster mit etwas Morgensonne. Den restlichen Tag verbringt sie eher schattig.

Die Temperaturen im Winter sollten etwas kühler sein. Ich habe es anfangs im temperiert-warmen Bereich versucht, allerdings wurden die Blätter dort etwas kraftlos und schlapp. Seit ich sie kühler stehen habe – Nachttemperaturen zwischen 12 und 14 Grad – sieht die Pflanze kräftiger und gesünder aus. Wahrscheinlich gefielen ihr noch kühlere Temperaturen etwas besser, aber mein Platz im kühl-kalten Bereich ist schon mehr als voll. Vielleicht kann ich nächsten Winter etwas umschichten, um es noch kühler zu versuchen. Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Mit den 12-14 Grad kam sie gut zurecht.

Diese wunderbar kleinbleibende Naturform findet auch auf kühlen Fensterbrettern gut Platz. Ihre auffällig gepunkteten Blüten mit der fransigen Lippe machen mir immer gute Laune, wenn ich sie sehe. Viel Spaß beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Kefersteinia tolimensis (Foto: Thomas Lehmann)
Kefersteinia tolimensis (Foto: Thomas Lehmann)
Kefersteinia tolimensis – Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Kefersteinia tolimensis – Knospe (Foto: Thomas Lehmann)

KW 10, 2019

Coelogyne cristata f. hololeuca

Alles lesen Orchidee der Woche 10, 2019

Coelogyne cristata f. hololeuca

Coelogyne cristata f. hololeuca (Foto: Thomas Lehmann)

Coelogyne cristata wurde bereits 1821 von John LINDLEY beschrieben. 60 Jahre später, im Jahr 1881, veröffentlichte Heinrich Gustav REICHENBACH in „Gardeners‘ Chronicle“ die Erstbeschreibung der komplett weißen Farbform dieser Art unter dem Namen Coelogyne cristata var. hololeuca. Die beiden Varianten unterscheiden sich lediglich durch einen etwas unterschiedlichen Wuchs – Coel. cristata wächst eher hängend, Coel. cristata f. hololeuca eher aufrecht – und in der Farbgebung. Während die Blüten von Coelogyne cristata eine leuchtend gelbe Lippe haben, sind die Blüten von Coelogyne cristata f. hololeuca ganz weiß. Da es sonst keinerlei Unterscheidungsmerkmale gibt, stuften Manfred WOLFF und Olaf GRUSS  die Varietät hololeuca zur forma herab. Seit der Veröffentlichung in „Orchideen Atlas“ aus dem Jahr 2007 wird daher meist der Name Coelogyne cristata f. hololeuca benutzt.

Seitenansicht der Infloreszenz (Foto: Thomas Lehmann)

Das Verbreitungsgebiet von Coelogyne cristata und der Farbform hololeuca erstreckt sich vom westlichen bis zum östlichen Himalaya über Assam und Sikkim in Nordostindien, Nepal, Bhutan und Java. Sie wachsen dort auf einer Höhe von 1 500-2 600 Metern unter kühlen bis kalten Bedingungen. Einen großen Teil des Jahres sind die Pflanzen am Naturstandort dem Monsunregen ausgesetzt, während der restlichen Zeit gibt es zwar keinen Niederschlag, dafür aber eine durch Nebel hervorgerufene sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Coel. cristata f. hololeuca wächst epiphytisch und gelegentlich auch litophytisch auf moosigen Felsen. Sie bildet rundliche bis ovale Pseudobulben aus, auf denen 2 längliche Blätter sitzen. Die Blütentriebe entspringen am unteren Teil der Pseudobulbe und bringen 3 bis 10 reinweiße Blüten hervor, welche manchmal auch duften können. Die Winter am Naturstandort sind regenarm, kühl und sehr hell.

Eine Kultur auf der Fensterbank kann erfolgreich sein, wenn man die kühlen Temperaturen im Winter bieten kann. Ein unbeheizter, heller Raum ist gut geeignet. Je kühler, desto besser. Mindestens genauso wichtig wie die kühlen Temperaturen ist viel Licht im Winter. Ein Treppenhaus zum Beispiel bietet zwar oft die kühlen Temperaturen, ist aber meist zu dunkel, sodass sich die Blütenknospen nicht ausbilden. Ich habe zum Glück einen ungeheizten Raum mit nach Westen ausgerichtetem, großem Fenster, das fast immer gekippt ist. Das Fenster schließe ich nur, wenn es draußen sehr starke Minusgrade gibt. Dadurch pendelt sich die Temperatur im Raum meist so um die 8-10 Grad ein. Meine Coel. cristata f. hololeuca kommt damit gut zurecht und blüht jedes Jahr zuverlässig. Noch etwas kühler dürfte es durchaus auch sein, mit wärmeren Temperaturen im Winter habe ich es nie probiert und somit auch keine Erfahrung, die ich weitergeben könnte.

Coelogyne cristata f. hololeuca ‚Wössen II‘ erreichte die Goldmedaille in der Kategorie Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

Den Sommer über hängt meine Pflanze draußen am Balkon und wird fast täglich durchdringend gegossen. Gelegentlich tauche ich den Topf auch mal für 30 Minuten, damit sich das Substrat voll Wasser saugt. Durchtrocknen sollte der Topf in dieser Zeit niemals. Auch mit dem Dünger spare ich in den heißen Sommermonaten nicht. 1-2 Mal in der Woche gibt es aufgedüngtes Wasser. Der Leitwert liegt dann bei 350-450 Mikrosiemens/cm. Zum Herbst hin stelle ich das Düngen langsam ein. Auch die Wassergaben werden dann stetig weniger, bis die Pflanze Mitte/Ende November völlig trocken steht. Bis zum ersten Nachtfrost darf sie noch im Freien bleiben, ehe sie in ihr Winterquartier zieht. Ab diesem Zeitpunkt gieße ich viele Wochen gar nicht, die Pseudobulben fangen deutlich an zu schrumpeln. Einige Bekannte geben auch im Winter etwas Wasser, auch das scheint zu funktionieren. Ich persönlich gieße erst wieder etwas im Januar/Februar, wenn ich sehe, dass die im Herbst angesetzten Infloreszenzen zu wachsen beginnen und sich langsam die ersten Knospen zeigen. Sind diese deutlich zu erkennen, gibt es ein ausführliches Tauchbad,  durch das sich die Pseudobulben wieder auffüllen – was ich jedes Jahr aufs Neue faszinierend finde. Je kühler die Pflanze jetzt noch steht, desto länger halten sich die wunderschönen weißen Blüten.

Als Pflanzstoff nutze ich Rinde mit etwas Moos gemischt. Ich habe meine Pflanze vor ein paar Jahren darin bekommen und bis heute noch nicht umgetopft. Die Topfgröße ist noch ausreichend und ich sah bisher keinen Anlass neu zu topfen. Wenn ich, vermutlich nächstes Jahr, umtopfe, werde ich mineralisches Substrat benutzen, wie ich es bei meiner Coelogyne cristata ja auch schon erfolgreich verwende.

Die gerüschten weißen Blüten sind wirklich ein Hingucker und ein klares Zeichen für den nahenden Frühling. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Coelogyne cristata hololeuca ‚Wössen‘ SM/DOG – Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv
Coelogyne cristata hololeuca ‚Wössen‘ GM/DOG – Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Coelogyne cristata hololeuca ‚Wössen II‘ SM/DOG – Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Coelogyne cristata hololeuca ‚Wössen‘ GM/DOG – Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Coelogyne cristata f. hololeuca ‚Harald‘ SM/DOG – Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Coelogyne cristata f. hololeuca ‚Harald‘ BM/DOG – Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Coelogyne cristata f. hololeuca (Foto: Thomas Lehmann)
Coelogyne cristata f. hololeuca (Foto: Thomas Lehmann)

 

 

KW 09, 2019

Phragmipedium pearcei

Alles lesen Orchidee der Woche 09, 2019

Phragmipedium pearcei

Phragmipedium pearcei (Foto: Thomas Lehmann)

Der Pflanzensammler Richard PEARCE, der für die Firma James Veitch & Sons arbeitete, brachte die erste Pflanze dieser Art im Jahr 1863 nach England. Ein Jahr später veröffentlichten John LINDLEY und Joseph PAXTON die Erstbeschreibung unter dem Namen Cypripedium caricinum. Im Text der Erstbeschreibung heißt es unter anderem „rhizomate repente„, was kriechendes oder ausläuferartiges Rhizom bedeutet. Diese Tatsache deutet darauf hin, dass es sich bei der beschriebenen Pflanze um Phragmipedium pearcei handelt. Noch im gleichen Jahr verwendete James Veitch & Sons bei einer zeichnerischen Darstellung  in „Proceedings of the Royal Horticultural Society of London“ den Namen Cypripedium pearcei. Ein weiteres Jahr später, im Jahr 1865, wurde die Art erneut beschrieben, diesmal vom aus Sachsen stammenden Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH in „Hamburger Garten- und Blumenzeitung“ als Selenipedium pearcei. Laut dem International Plant Name Index (IPNI) gilt diese Veröffentlichung als Erstbeschreibung der Art. In der World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) der Kew Gardens in London wird „Veitch ex J. Dix“ als Autor der Erstbeschreibung angegeben. Allerdings wurde, wie oben schon erwähnt, der Name Cypripedium pearcei dort lediglich erwähnt. Eine gültige Beschreibung fügte James VEITCH nicht bei. Über einhundert Jahre später wurde die Art dann von Werner RAUH und Karlheinz SENGHAS in die Gattung Phragmipedium überführt. Die beiden deutschen Botaniker veröffentlichten diese Umkombination in der Zeitschrift „Die Orchidee“.

Phrag. pearcei am Standort in Ecuador (Foto: Monika Eckert)

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Phragmipedium pearcei erstreckt sich vom östlichen Teil Ecuadors bis nach Kolumbien und ins nördliche Peru. Meistens findet man Pflanzen dieser Art entlang von fließendem Wasser in Höhenlagen von 200-1200 Metern über dem Meeresspiegel. Sie wachsen sowohl litophytisch wie auch terrestrisch auf und zwischen Felswänden und -brocken, die zeitweise von Wasser überflutet werden. Häufig sind sie von Gräsern umgeben und durch ihren grasartigen Wuchs kaum von diesen zu unterscheiden. Die Standorte sind oftmals sehr sonnig, wobei Phrag. pearcei von den umliegenden Gräsern  meist etwas schattiert wird und nicht die volle Sonneneinstrahlung erhält. Niederschlag gibt es das ganze Jahr über. In den Monaten Januar bis März nehmen diese zwar etwas ab, das Habitat ist aber dennoch immer sehr feucht. Die Temperaturen sind meist temperiert-warm. Je nach Standort und Höhenlage können sie auch etwas kühler oder wärmer sein. Im Sommer steigen die Temperaturen auch auf 30 Grad und wärmer. Die Nächte in den Wintermonaten liegen meist bei ca. 15 Grad. In höheren Lagen fallen sie auch etwas tiefer.

Die Art zählt zu den kleinen bis mittelgroßen Phragmiedien, da sie im Vergleich zu anderen Arten dieser Gattung nicht sonderlich hoch wird. Allerdings benötigen die Pflanzen im Laufe der Jahre durch ihren kriechenden Wuchs recht breite Schalen. Die einzelnen rhizomartigen Ausläufer können bis zu 10 cm lang werden. Jeder einzelne Trieb bildet einen sehr kurzen Stamm aus, der vollständig von den grasartigen Blättern umhüllt wird. Die einzelnen Blätter werden 15-35 cm lang und lediglich 0,6-1,2 cm breit. Sie sind stark gekielt und an den Unterseiten etwas heller gefärbt. Der unverzweigte Blütenstand wächst endständig aus dem Herzen des Triebs und beendet das Triebwachstum. Die Infloreszenzen erreichen eine Länge von 20-40 cm und sind flaumig behaart und bräunlich gefärbt. Meist produziert ein Blütentrieb zwischen zwei und fünf Blüten, die sich von unten nach oben nacheinander öffnen. In seltenen Fällen können es bis zu neun einzelne Blüten sein, die in verschiedenen Weiß- und Grüntönen gefärbt und mit rötlichen Akzenten, besonders an den Petalen, besetzt sind. Mit 5,5-7,5 cm sind die Blüten eher klein für diese Gattung. Das Labellum zeigt immer eine typische gestreifte Zeichnung in dunklerem Grün. Die Petalen sind sehr schmal, nach unten gerichtet und mehrfach in sich gedreht. Die Blüten duften nicht.

Die ersten Pflanzen von Phragmipedium pearcei, die ich bei mir in Kultur hatte, leben heute leider nicht mehr. Da die Art etwas andere Bedingungen verlangt als die meisten Phragmipedien, musste ich erst einige Erfahrungen sammeln, um den Ansprüchen gerecht zu werden. Inzwischen klappt es sehr gut mit uns. Im Folgenden möchte ich meine Kulturerfahrungen mit euch teilen.

Schon nach zwei Jahren wurde meine kleine Jungpflanze zu einem richtigen Busch (Foto: Thomas Lehmann)

Meiner Meinung nach sind die wichtigsten Kriterien für eine erfolgreiche Kultur die Wasser- und Düngerqualität. Phrag. pearcei ist sehr salzempfindlich, besonders bei zu hohen Kalkgaben. Zu wenig Nährstoffe verzögern aber das Wachstum und lassen nicht jeden Trieb zur Blüte kommen. Ganz am Anfang meiner Phragmipedium-Kultur nutzte ich größtenteils noch Leitungswassser und handelsüblichen flüssigen Orchideendünger aus dem Gartencenter. Viele Phragmipedium-Arten und -Hybriden hatten damit keine allzu großen Probleme. Mein Phragmipedium pearcei allerdings wuchs rückwärts und verlor ein Blatt nach dem anderen, bis die Pflanze letztendlich einging. Auch neue Wurzeln wurden nur sehr spärlich gebildet. Durch viel Recherche und Austausch mit gleichgesinnten Phragmipedium-Sammlern war dann recht schnell klar, dass sich in meinem Wasser zu viele gelöste Salze befanden. Ich besorgte mir also handelsübliches destilliertes Wasser, das ich mit meinem o.g. Dünger aufdüngte. Der Leitwert des Wassers lag in etwa bei 150 Mikrosiemens das ganze Jahr über. Damit lief es deutlich besser. Die neuerworbene Pflanze wurzelte recht schnell in den Topf ein und wuchs auch schneller, als Blätter abgeworfen wurden. Zur Blüte kam es damit allerdings noch nicht. Auch wurden immer wieder an Neutrieben Blätter braun und fielen ab. Ein guter Freund gab mir dann den scheinbar entscheidenden Tipp. Der Dünger, den ich nutzte, bot weder Calcium noch Magnesium, da die meisten handelsüblichen Dünger auf Leitungswasser eingestellt sind und beides dort schon mehr als ausreichend vorkommt. Das nächste Problem ist, dass Calcium und Magnesium in einer Flüssigkeit zusammen nicht dauerhaft gelagert werden können. Mir wurde ein Orchideendünger in Pulverform empfohlen, der sowohl etwas Calcium wie auch Magnesium enthält. Im Winter sollte ich damit auf ca. 100 Mikrosiemens/cm aufdüngen und im Hochsommer könne ich es langsam bis auf 300-400 Mirkosiemens/cm steigern. Seitdem ich diesen Ratschlag beherzige, wächst und blüht Phragmipedium pearcei bei mir sehr gut. Blätter werden nur noch an alten Trieben, die schon geblüht haben, abgeworfen. Es scheint also gar nicht das Problem gewesen zu sein, dass es zu viele Salze waren, sondern einfach die falschen. Zusätzliche Kalkgaben gibt es bei mir nicht.

Die Temperaturansprüche im temperiert-warmen Bereich stellen keine große Herausforderung dar. Phrag. pearcei läuft bei mir im beheizten Wohnraum sehr gut. Lediglich die Luftfeuchtigkeit muss beobachtet werden und sollte nicht weit unter 60% fallen. Wie die meisten meiner Phragmipedien steht natürlich auch diese Art immer in einer Schale mit klarem Wasser, wodurch die Luftfeuchtigkeit um die Pflanze herum immer etwas höher liegt. Ein kurzzeitiges Abfallen der Luftfeuchtigkeit ist kein Problem und besonders im Hochsommer und der Heizperiode im Winter kaum zu vermeiden.

Ebenfalls ein großer Horst am Standort in Ecuador (Foto: Monika Eckert)

Als Substrat nutze ich eine Mischung aus feiner und mittelgrober Rinde, etwas Bimskies, Perlite und Holzkohle. Die Rinde leitet und speichert gut Feuchtigkeit. Bimskies liefert neben dem Dünger etwas Kalk für die Pflanze. Perlite und Holzkohle sind beide sehr leichte Stoffe, die das Substrat etwas auflockern. Perlite speichern zudem gut Feuchtigkeit und geben diese langsam wieder ab. Holzkohle hingegen nimmt kaum Wasser auf und schafft so etwas trockenere Bereiche im Pflanzstoff. Durch die andauernde Nässe zerfällt die Rinde recht schnell und das ganze Substrat verdichtet sich. Nach 2-3 Jahren sollte daher neu getopft werden. Allerdings ist es bei Phragmipedium pearcei oft schon vorher nötig zu topfen wegen der rhizomartigen Ausläufer, die schnell über den Topfrand wachsen.

Seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wird Phragmipdeium pearcei erfolgreich vermehrt und ist daher oft kostengünstig im Handel zu erwerben. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Eine noch nicht ganz gestreckte Blute am Standort in Ecuador (Foto: Monika Eckert)
Ein weiteres Exemplar aus Ecuador (Foto: Monika Eckert)
Standort direkt an einem Fluss in Ecuador (Foto: Monika Eckert)
Auch die Natur kultiviert nicht immer mit großem Erfolg (Foto: Monika Eckert)
Eine meiner Pflanzen – Frontansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Eine meiner Pflanzen – Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Eine meiner Pflanzen – Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)

KW 08, 2019

Angraecum distichum

Alles lesen Orchidee der Woche 08, 2019

Angraecum distichum

Angraecum distichum (Foto: Thomas LEHMANN)

Als Limodorum imbricatum fand diese afrikanische Art erstmalig im Jahr 1805 Erwähnung und zwar im Werk „Neues Journal für die Botanik“ des schwedischen Botanikers Olof Peter SWARTZ. Die korrekte Erstbeschreibung unter dem heute von KEWs World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) anerkannten Namen wurde von John LINDLEY im Jahr 1835 in seinem Werk „Edwards’s Botanical Register; or, Flower Garden and Shrubbery“ publiziert. Seitdem heißt die Art Angraecum distichum, auch wenn sie in den vergangenen 200 Jahren einige Male in andere Gattungen umkombiniert wurde. Insgesamt führt KEW in seiner WSCP neun Synonyme.

Angraecum distichum in einem Schaustand in Esslingen 2018 (Foto: Thomas Lehmann)

Angraecum distichum kommt fast über ganz Afrika verteilt vor. Durch das große Verbreitungsgebiet, das zwischen 200 und 1600 Metern über dem Meeresspiegel liegt, wächst es in unterschiedlichen Klimazonen. Die Temperaturen sind an einigen Standorten richtig kühl, besonders in höheren Lagen. In tieferen Tälern hingegen kann es ganzjährig sehr heiß sein. Die Pflanzen siedeln dort in immergrünen Regenwäldern auf großen Bäumen, die ganzjährig Schatten spenden. Das Klima ist ganzjährig feucht mit Niederschlag.

Die kurzen, flachen und fleischigen Blätter wachsen fächerartig. Auf den ersten Blick denkt man zunächst an eine Pflanze aus der Gattung Lockhartia. Die sehr kurzen Infloreszenzen erscheinen an der Basis der neuen Blätter und entwickeln im Sommer jeweils nur eine circa 0,5 – 1 cm breite Blüte. Jedes einzelne Blatt kann mehrere Infloreszenzen hervorbringen. Dadurch blüht Angraecum distichum meist sehr reichlich. Die zarten Blüten sind sehr lang haltend und duften intensiv. Regelmäßig erscheinen Seitentriebe, die leicht abgetrennt und bewurzelt werden können.

Die Kultur funktioniert bei mir gut unter temperierten Bedingungen. Durch den großen Temperaturbereich, den Angraecum distichum in der Natur bewohnt, war ich mir anfangs etwas unsicher, unter welchen Bedingungen sie am besten kultiviert wird. Nach einigen Versuchen wächst meine Pflanze am zügigsten unter temperierten Bedingungen. Das heißt, dass die Temperaturen im Winter nicht unter 14 Grad in der Nacht sinken. Tagsüber kann es auch recht warm werden, wenn die Sonne den Raum aufheizt. Dadurch entsteht ein recht deutliches Tag-Nacht-Gefälle, das der Pflanze zu gefallen scheint. Im Sommer kann man die Art auch gut an einem schattigen Platz im Garten kultivieren.

Die Seitentriebe von Angraecum distichum können überall entstehen (Foto: Thomas Lehmann)

Der Lichtbedarf ist wirklich nicht sonderlich hoch. Angraecum distichum steht bei mir mitten im Raum an einem großen Südfenster, das im Sommer schattiert wird. Direkte Sonnenstrahlen lasse ich auch im Winter nicht auf die Pflanze fallen. Da die Art auf großen, immergrünen Bäumen in dichten Regenwäldern wächst, ist sie auch am Standort nie direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt.

Der Pflanzstoff sollte niemals durchtrocknen. Besonders im Winter, wenn es etwa kühler ist, kann das Substrat oberflächlich antrocknen, bevor wieder gegossen wird. Im Sommer sollte es stets feucht gehalten werden. Das heißt, bei wirklich heißen Temperaturen kann jeden Tag gegossen werden, spätestens aber nach 3-4 Tagen. Im Winter reicht circa einmal in der Woche. Mein Gießwasser dünge ich den gesamten Sommer über auf ca. 200 Mikrosiemens/cm auf. Im Winter dünge ich gar nicht, da sich den Sommer über genug Salze im Substrat anlagern, um die Pflanze gut durch die dunkle Jahreszeit zu bringen, wenn der Stoffwechsel der Pflanze ohnehin eingeschränkt arbeitet.

Als Substrat eignet sich feine Rinde mit Perliten und etwas Holzkohle. Rinde speichert gut Wasser, Perlite lockern das Substrat etwas auf und Holzkohle schafft trockenere Bereiche, da sie nicht so viel Wasser aufnimmt und schnell abtrocknet. Auch eine Kultur in Sphagnum-Moos funktioniert gut. Aber nicht nur getopft lässt sich Angraecum distichum kultivieren. Durch seinen hängenden Wuchs ist es prädestiniert für eine aufgebundene Kultur, die allerdings ohne Vitrine oder Gewächshaus ausgesprochen mühsam ist, da sehr regelmäßig gesprüht werden muss, um die andauernde Feuchtigkeit zu erhalten.

Diese kleinwüchsige Art ist bestimmt nicht die spektakulärste aus der Familie Orchidaceae. Mich überzeugte sie durch ihren eigenartigen Wuchs und den angenehmen Duft der zahlreichen Blüten. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Hier ein sehr gut kultiviertes Exemplar von Angraecum distichum (Foto: Thomas Lehmann)
Die kleinen weißen Blüten sind schwer zu fotografieren (Foto: Thomas Lehmann)
Die kleinen weißen Blüten sind schwer zu fotografieren (Foto: Thomas Lehmann)
Die kleinen weißen Blüten sind schwer zu fotografieren (Foto: Thomas Lehmann)
Meine noch recht kleine Pflanze, die jetzt aber ordentlich Neutriebe angesetzt hat (Foto: Thomas Lehmann)
Gleich merhre Neutriebe an einem Alttrieb (Foto: Thomas Lehmann)

KW 07, 2019

Dendrobium smillieae

Alles lesen Orchidee der Woche 07, 2019

Dendrobium smillieae

Dendrobium smillieae (Foto: Thomas LEHMANN)

Der deutsch-australische Botaniker Ferdinand Jacob Heinrich Freiherr von MÜLLER beschrieb diese spektakuläre Naturform im Jahr 1868 erstmalig  in seinem australischen Werk „Fragmenta Phytographiae Australiae„. Insgesamt beschrieb er rund 2000 Pflanzen der australischen Flora. Obwohl zahlreiche nachfolgende Botaniker diese Art in andere Gattungen umkombinierten, ist der offiziell anerkannte Name bis heute Dendrobium simillieae. Insgesamt sind in KEWs World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) 16 Synonyme gelistet, die ich hier nicht alle auflisten möchte.

Dendrobium smillieae ‚Berlin 2014‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Dendrobium smillieae ist eine vielgestaltige und verbreitete Art in Ost- und Nordostaustralien, Papua und Neuguinea, Molukken und Sulawesi und kommt hauptsächlich in Höhenlagen unter 600 m vor. Sie gehört zur Sektion Calyptrochilus. In Australien findet man Den. smillieae von Meereshöhe bis auf 600 Meter. Die Pflanzen wachsen in der Regel im Flachland, aber auch im Mittelgebirge kann man sie häufig finden. Bevorzugter Lebensraum ist der offene Wald am Rande des Regenwaldes. Den. smillieae wächst auf Baumstämmen, Baumfarnen, Felsen, Ästen und in Astgabeln, wo sich Rinde und Blätter angesammelt und zu einem groben Boden kompostiert haben. In Neuguinea wachsen die Pflanzen auf Bäumen in Sümpfen, auf Felsen und Felswänden, in Tieflandwäldern und alten Plantagen. Das Klima dort ist als warm bis heiß zu bezeichnen. Die Pseudobulben von Den. smillieae können bis zu 1 m lang werden, meist sind sie etwas kürzer. Die Blätter halten an den Neutrieben in der Regel nur ein Jahr. Die Blütentriebe erscheinen vor allem im Frühjahr an blattlosen, seltener auch an beblätterten Pseudobulben im Spitzenbereich. Die Blütenstände sind zwischen 4,5 und 12,5 cm lang und sehr dicht und reich besetzt. Sie können bis zu 100 Blüten enthalten, die wachsartig und fleischig sind und eine auffallend grüne Lippenspitze besitzen. Sie halten bis zu 6 Wochen an der Pflanze.

Die folgenden Kulturerfahrungen stammen von Lothar BECKER, der die D.O.G.-Gruppe Hessen-Nassau leitet und zahlreiche Dendrobium-Arten in seinem Gewächshaus und Wintergarten pflegt.

Kultivieren lässt sich Dendrobium simillieae sehr gut, wenn man ausreichend Platz bieten kann. Mit den Jahren erreichen die Pflanzen eine wirklich stattliche Größe und finden auf der Fensterbank im Normalfall keinen Platz mehr. Die warmen bis heißen Temperaturen, die Den. simillieae verlangt, sollten im beheizten Wohnraum gut zu erreichen sein. Am wohlsten fühlt sich die Art bei Mindesttemperaturen von 20 Grad. Während der etwas trockeneren Ruhephase im Winter genügen notfalls auch 15-16 Grad, besser wären aber mehr.  Im Sommer dürfen die Temperaturen auch gerne über die 30-Grad-Marke steigen. Die langjährige Erfahrung von Lothar BECKER zeigte allerdings, dass optimales Wachstum bei 25-28 Grad stattfindet.

Die Art liebt einen hellen Standort, starke Mittagssonne sollte aber besonders im Sommer auf jeden Fall vermieden werden, da es sonst schnell zu Sonnenbrand kommen kann. Abend- und Morgensonne wird aber gut vertragen. Mitunter gelingt die Kultur auf der Fensterbank besser als in einem zu feuchten Gewächshaus.

Während der Wachstumsphase vom Frühjahr bis zum Herbst sollte der Pflanzstoff niemals vollständig austrocknen. Besonders in den heißen Sommermonaten muss daher reichlich gegossen  werden. Die Pflanzentriebe selbst sollten bis zur Nacht komplett abgetrocknet sein. Besonders die Neutriebe sind oft sehr empflindlich, wenn sie während der kühleren Nächte noch feucht sind. Es kann schnell zu Fäulnis kommen, die im schlimmsten Fall zum Verlust der Pflanze führt.

Dendrobium smillieae ‚Schanz‘ SM Bot. Art – eine seltene Albinoform (Foto: Monika Eckert)

Gedüngt wird ebenfalls reichlich während der gesamten Wachstumsphase. Der Leitwert des aufgedüngten Gießwassers darf ruhig 300 Mikrosiemens/cm betragen, im Hochsommer auch etwas mehr. Während der trockenen Ruhephase im Winter wird natürlich nicht gedüngt, da die Pflanze in dieser Zeit auch kein Wasser bekommt. Lediglich wöchentliches Übersprühen des Substrats mit salzarmem Wasser sollte im Winter erfolgen. Ansonsten steht die Pflanze während der Winterruhe komplett trocken.

Als Pflanzstoff eignet sich alles, was gut Feuchtigkeit aufnimmt und halten kann, ohne zu nass zu werden. Das klassische Substrat wäre Rinde, die eventuell mit Zuschlagstoffen, wie Perlite, gemischt wird. Lothar BECKER verwendet für sein Dendrobium smillieae mittelgrobe Rinde mit etwa 5% Holzkohle. Die Holzkohle nimmt nicht so viel Feuchtigkeit auf und schafft etwas trockenere Bereiche im Pflanzstoff, damit dieser nicht zu nass wird. Auch eine erfolgreiche Kultur in mineralischem Substrat habe ich schon gesehen. Wie so oft gibt es für den Pflanzstoff kein Patentrezept, mit dem jeder Orchideenliebhaber gleichermaßen gut zurechtkommt.

Die großen exotischen Blütentrauben, die bis zu 100 Einzelblüten tragen, sind wahre Hingucker. Ein echtes Schmuckstück, das jede Orchideensammlung bereichert. Viel Spaß beim Kultivieren!

Autoren: Lothar BECKER und Thomas LEHMANN

Der Beitrag erschien in ähnlicher Form bereits in unserem Journal „Die Orchidee“ 69 (3), 2018.

Die Infloreszenzen erscheinen an den blattlosen Pseudobulben (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Infloreszenzen erscheinen an den blattlosen Pseudobulben (Foto: Thomas LEHMANN)
Dendrobium smillieae ‚Berlin 2014‘ –  mit einer Bronzemedaille für Kultur ausgezeichnet (Foto: D.O.G.-Archiv)
Dendrobium smillieae ‚Berlin 2014‘ – zusätzlich erhielt sie eine Silbermedaille für Bot. Art (Foto: D.O.G.-Archiv)

KW 06, 2019

Dendrochilum magnum

Alles lesen Orchidee der Woche 06, 2019

Dendrochilum magnum

Dendrochilum magnum (Foto: Thomas LEHMANN)

Der deutsche Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH veröffentlichte im Jahr 1861 die Erstbeschreibung von Dendrochilum magnum in seinem Werk „Annales Botanices Systematicae“. 1852 hatte er mit einer Arbeit über Orchideenpollen promoviert und wurde elf Jahre später Professor für Botanik und Direktor des Botanischen Gartens in Hamburg. Sein Vater Heinrich Gottlieb Ludwig REICHENBACH war ebenfalls Botaniker. Um beide Autoren voneinander unterscheiden zu können, lautet das offizielle Autorenkürzel von Heinrich Gustav REICHENBACH „Rchb. f.“, wobei „f.“ für das lateinische Wort filius steht und Sohn bedeutet. Im Jahr 1904 ordnete der englische Botaniker Robert Allen ROLFE die Art Ddc. magnum in die Gattung Acoridium ein und veröffentlichte diese Neueinordnung im englischen Magazin „Orchid Review. An Illustrated Monthly Journal Devoted to Orchidology in all its Branches“. Acoridium magnum ist bis heute ein gültiges Synonym für Dendrochilum magnum, das in der Praxis allerdings nur selten Anwendung findet.

Dendrochilum magnum ‚Marko‘ SM/DOG – ein sehr dunkler, orangefarbener Klon (Foto: D.O.G.-Archiv)

Die epiphytische Art ist heimisch auf den Philippinen. Sie wächst dort auf Höhen von 1600-2000 Metern über dem Meeresspiegel unter eher kühl-temperierten Bedingungen. Durch die Nähe zum Äquator gibt es nur geringe jahreszeitliche Schwankungen. Je nach Standort wird das Klima mehr oder weniger durch den Monsun geprägt, der viel Niederschlag im Sommer und eine Trockenzeit im Winter bringt. Während es auf den westlichen Philippinen einen starken Einfluss des Monsuns gibt, sind die östlichen Gebiete der Inselgruppe eher ganzjährigem Regen ausgesetzt.

Dendrochilum magnum bildet schmale Pseudobulben aus, auf denen jeweils ein einzelnes, längliches und weiches Blatt sitzt. Die Blätter sind stark gewellt und werden bis zu 50 cm lang. Die Blütentriebe, die an der Oberseite der Pseudobulbe entstehen, wachsen zunächst aufrecht und hängen dann stark über. Auch die Infloreszenzen können bis zu 50 cm lang werden und tragen unzählige kleine Blüten, die gelblich gefärbt und stark duftend sind. Der Duft erinnert an Weihrauch und ist raumfüllend. Blütezeit ist im Frühjahr und im Herbst.

Eine Kultur im Wohnraum kann erfolgreich sein, wenn besonders im Winter ein etwas kühlerer Platz geboten wird. Auch sollte die Luftfeuchtigkeit nicht zu niedrig sein, da die Pflanzen sonst sehr anfällig für Spinnmilben sind. Den Sommer über steht mein Dendrochilum magnum an einem vor Sonne geschützten Platz im Freien. Während der gesamten Sommermonate achtet ich darauf, dass der Pflanzstoff niemals durchtrocknet und immer feucht ist. Bei den heißen Temperaturen, die wir in den letzten Sommern immer öfter hatten, gieße ich teilweise täglich durchdringend und lasse gelegentlich auch etwas Wasser im Untersetzter stehen. Während des Monsuns am Naturstandort sind die Pflanzen schließlich auch extrem viel Wasser ausgesetzt. Im Winter war ich mir nicht ganz sicher, ob ich die Pflanze völlig trocken halten sollte, da im Winter nicht überall auf den Philippinen Trockenheit herrscht. Ich entschloss mich dazu, eine Art Semi-Dry-Ruhe zu bieten, die auch einige meiner Dendrobien bekommen. Das heißt, dass gelegentlich etwas gegossen wird, aber das Substrat zwischen zwei Wassergaben komplett durchtrocknen darf.

In den Sommermonaten dünge ich mit jedem Wässern in schwacher Konzentration. Das Düngerwasser hat einen Leitwert von ungefähr 200 Mikrosiemens/cm (µS/cm). In den dunklen Wintermonaten dünge ich gar nicht. Die im Pflanzstoff angereichterten Salze reichen aus, um die Pflanze gut durch diese Jahreszeit zu bringen, in der ja ohnehin nicht viel gegossen wird.

Dendrochilum magnum ‚Deggendorf‘ erhielt eine Silbermedaille für die ausgezeichnete Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

Die Temperaturen im Sommer kann ich natürlich nicht beeinflussen. Die große Hitze wurde aber ohne Probleme von der Pflanze vertragen. Im Winter steht sie hell, jedoch ohne direktes Sonnenlicht, bei nächtlichen Temperaturen von ungefähr 12-14 Grad. Tagsüber können die Temperaturen auch auf 25-27 Grad steigen, wenn die Sonne scheint und den Raum aufheizt.

Als Substrat nutze ich mittelgroße Pinienrinde gemischt mit Perliten, die den Pflanzstoff etwas auflockern und zusätzlich die Fähigkeit haben, Wasser zu speichern und langsam abzugeben. Durch die andauernde Feuchtigkeit während des Sommers zersetzt sich die Rinde natürlich recht schnell, weswegen alle zwei bis drei Jahre neu getopft werden muss. Aus diesem Grund denke ich darüber nach, die Pflanze im Frühjahr in ein mineralisches Substrat zu setzten. Bei einigen anderen Gattungen habe ich sehr gute Erfahrungen damit  gemacht und ich meine, dass diese Methode auch für Dendrochilum magnum geeignet sein sollte.

Wer den nötigen Platz bieten und mit dem raumfüllenden Geruch nach Weihrauch leben kann, dem kann ich diese imposante Naturform nur empfehlen, da sie zuverlässig zwei Mal im Jahr mit einer Fülle an Blüten überzeugt. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Dendrochilum magnum ‚Gerd‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Dendrochilum magnum ‚Kiel‘ erhielt ebenfalls eine Silbermedaille auf Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Mein Dendrochilum magnum hatte 12 Infloreszenzen im Herbst (Foto: Thomas LEHMANN)
Die kleinen Knospen spitzen aus den Hüllblättern hervor (Foto: Thomas LEHMANN)
Die einzelnen Blüten stehen in Reih und Glied (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 05, 2019

Phalaenopsis KS Super Zebra

Alles lesen Orchidee der Woche 05, 2019

Phalaenopsis KS Super Zebra

Phalaenopsis KS Super Zebra ‚Wilson‘ (Foto: Thomas LEHMANN)

Am 16. Februar 2014 wurde die Hybride Phalaenopsis KS Super Zebra von der Royal Horticultural Society (RHS) in das Orchideen-Register eingetragen. Die renommierte Orchideenfarm Kung Sir Orchids aus Taiwan hatte sie dort angemeldet, nachdem die ersten Pflanzen dieser neuen Kreuzung geblüht hatten. Kung Sir Orchids ist Spezialist in der Hybridisierung von Phalaenopsis und schuf unzählige neue Kreuzungen dieser Gattung, die weltweit bekannt sind. Erkennen kann man die Kreuzungen meist an den Buchstaben „KS“, die stets am Anfang des Hybridnamens stehen und die Abkürzung für Kung Sir sind. Einige ältere Hybriden von Kung Sir Orchids beginnen noch mit „Kung’s“.

Phalaenopsis KS Super Zebra ist eine höhere Hybride, die sich in mehrern Generationen aus sechs verschiedenen Naturformen entwickelte. Die Eltern dieser Kreuzung sind Phal. KS Red Zebra und Phal. KS Tetra Jewel – beide aus dem Hause Kung Sir Orchids. Der Genpool setzt sich aus folgenden Naturformen zusammen:

  • 29,71% Phal. amboinensis
  • 25,00% Phal. tetraspis
  • 19,53% Phal. violacea
  • 12,51% Phal. micholitzii
  • 10,16% Phal. lueddemanniana
  • 3,13% Phal. sumatrana
Phalaenopsis amboinensis ‚Nicole‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis tetraspis ‚Fredensborg‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis violacea ‚Taiwan Red‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis lueddemanniana ‚Taiwan Red‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis sumatrana ‚Cindy‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phal. micholitzii (Foto: Olaf Gruß)

Auf jede einzelne dieser Naturformen möchte ich in diesem Beitrag nicht eingehen. Alle beteiligten Naturformen wachsen epiphytisch unter warmen Bedingungen in den asiatischen Regenwäldern. Man findet sie eher in schattigen Bereichen, die durch das Laub der Bäume vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sind. Das ganze Jahr über herrscht eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit mit regelmäßigen Niederschlägen in Form von Nebel und Regen. Alle Pflanzen der Gattung Phalaenopsis wachsen monopodial und haben fleischige, feste Blätter, die wechselständig angeordnet sind. Die Infloreszenzen entstehen am Stamm zwischen den einzelnen Blättern.

Phal. KS Super Zebra ‚Golden Zebra‘ (Foto: Wolfgang GÖDRI)

Die Hybride Phalaenopsis KS Super Zebra bleibt recht kompakt und zählt zu den mittelgroßen Phalaenopsen. Ihre Infloreszenzen wachsen teilweise aufrecht und nicht überhängend. Sie bleiben recht kurz und können über einen langen Zeitraum immer wieder neue Knospen hervorbringen, solange der Blütentrieb nicht eintrocknet. Die Blüten sind 3-5 cm breit und fast genauso hoch. Die gesamte Blüte wirkt sehr voll und fast rund. Die Grundfarbe ist immer weiß, manchmal mit grünlichen Spitzen an Petalen und Sepalen. Die gesamte Blüte hat eine violettrote Zeichnung, die stark an das Fellmuster eines Zebras erinnert. Die Intensität der Zeichnung variiert leicht von Individuum zu Individuum. Kreuzungen mit den alba– und flava-Varietäten der Naturformen bringen Blüten mit einer weißen Grundfarbe und gelbgrünlicher Zeichnung hervor. Die Blüten können angenehm blumig duften.

Eine Kultur auf der Fensterbank ist ohne großen Aufwand möglich. Da die beteiligten Naturformen allesamt warme bis heiße Temperaturen mögen, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Phalaenopsis-Hybride. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 16-18 Grad fallen. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet das stehende Wasser wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Phal. KS Super Zebra ‚Cy‘ (Foto: Sylvia TÖNNE)

Als Pflanzstoff für Phalaenopsis eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Bei sehr kleinen Töpfen geht auch Substrat aus Kokosfasern gut. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Phalaenopsis zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder komplett silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten.

Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-350 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Phalaenopsis KS Super Zebra auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Die ausdrucksstarke Zeichnung und der angenehme Duft machen diese blühfreudige Hybride zu einem echten Hingucker und Hinriecher. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Phal. KS Super Zebra ‚Red OS‘ (Foto: Sylvia TÖNNE)
Phal. KS Super Zebra ‚OS‘ (Foto: Sylvia TÖNNE)
Phal. KS Super Zebra (Foto: Sylvia TÖNNE)
Phal. KS Super Zebra (Foto: Sylvia TÖNNE)
Phal. KS Super Zebra (Foto: Sylvia TÖNNE)
Phal. KS Super Zebra (Foto: Jasmin SCHIRDEWAHN)

KW 04, 2019

Cattleya purpurata

Alles lesen Orchidee der Woche 04, 2019

Cattleya purpurata

Cattleya purpurata f. schusteriana (Foto: M. Eckert)

Im Jahr 1852 veröffentlichten die britischen Botaniker John LINDLEY und Joseph PAXTON die Erstbeschreibung von Laelia purpurata in „Paxton’s Flower Garden“. Beide Autoren arbeiteten für die Royal Horticultural Society (RHS) und publizierten zahlreiche Erstbeschreibungen. John LINDLEY gilt als Vater der modernen Orchideenkunde, da er als erster Botaniker eine Klassifizierung von Orchideen erstellte. Joseph PAXTON war nicht nur als Botaniker tätig, sondern nebenbei noch als Autor, Architekt, Gesellschafter und Politiker. Seine Tätigkeit als Gärtner für William CAVENDISH, den 6. Duke of Devonshire, ermöglichte ihm neue Studien zur Pflanzenkultur in Glasgewächshäusern, deren Ergebnisse er in zahlreichen Büchern und Magazinen veröffentlichte. Insgesamt wurde Laelia purpurata in den vergangenen 160 Jahren sechs Mal in andere Gattungen überführt, der derzeit in Kew’s World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) anerkannte Name ist Cattleya purpurata. Auch die hier aufgeführten Formnamen werden dort als Synonyme gelistet.

Cattleya purpurata f. rubra – eine sehr dunkle Farbform (Foto: M. Eckert)

Vorkommen

Der Lebensraum von Cattleya purpurata erstreckt sich entlang der Küste der süd- und südöstlichen brasilianischen Bundesstaaten São Paulo, Santa Catarina und Rio Grande do Sul in einem schmalen Streifen, der selten mehr als ein paar Kilometer breit ist und ursprünglich von Mata Atlântica (Atlantischer Regenwald) bedeckt war. Landeinwärts wird er über fast seine gesamte Länge vom Gebirgszug der Serra Do Mar begrenzt. Die Art siedelte sowohl epiphytisch als auch terrestrisch und lithophytisch, vorzugsweise in voller Sonne. Frühe Besucher der Region berichteten, dass die Pflanzen so zahlreich waren, dass sie sogar im Sand am Strand wuchsen. Wegen übermäßigen Sammelns und der Zerstörung von Lebensräumen sind Wildpflanzen jedoch nur noch in sehr hohen Bäumen in abgelegenen, schwer zugänglichen Gebieten zu finden. Alle heute angebotenen Pflanzen dieser Art stammen aus gärtnerischen Zuchten.

Klima

Das Klima am Standort ist subtropisch (warme, feuchte Sommer und kühle, trockenere Winter) mit hoher Luftfeuchtigkeit, Temperaturen zwischen 7 °C Minimum und 33 °C Maximum sowie Jahresniederschlägen von 1200-2000 mm.

Beschreibung

Die bis zu 50 cm großen, robusten Pflanzen bilden Pseudobulben mit jeweils einem einzelnen Blatt aus. Die Blätter sind länglich und fest mit abgerundeten Blattspitzen. Am Blattansatz oben an der Pseudobulbe sitzt die bis zu 15 cm lange, fleischige Blütenscheide, aus der im Frühjahr langsam die Infloreszenz wächst, die über 30 cm Länge erreichen und zwischen drei und sieben bis zu 20 cm große Blüten tragen kann. Die Blütenfarbe ist äußert variabel. Während die Petalen und Sepalen häufig, aber nicht immer, weiß sind, leuchtet das Labellum in zarten Rosa- über intensive Violetttöne bis hin zu Blaugrau. Cattleya purpurata hat eine größere Anzahl an benannten Farbformen und Varietäten als jede andere Cattleya.

Ein feuchtes Hüllblatt, das entfernt werden sollte (Foto: M. Eckert)

Kultur

Die Kultur dieser Art ist nicht sehr schwierig, wenn einige Punkte beachtet werden. Die folgenden Kulturhinweise stammen von der Mitautorin Monika Eckert, die Cattleya purpurata seit vielen Jahren erfolgreich kultiviert und dafür schon zahlreiche Medaillen auf D.O.G.-Tischbewertungen erhalten hat.

Die Pflanzen lieben Sonne, Wärme und viel bewegte frische Luft. Wichtigster Faktor bei der Kultur von Cattleya purpurata ist deshalb auch ein ausreichend hohes Lichtangebot, besonders im Winter. Bei zu wenig Licht wachsen die Pseudobulben rückwärts, das heißt die neuen bleiben kleiner als die alten Triebe, reifen nicht aus und blühen deshalb auch nicht. Selbst im Gewächshaus gedeihen die Pflanzen, die oben im Dach hängen, besser als die, die auf den Tischen stehen. Auch die Qualität der Blüten wird der Erfahrung nach vom vorhandenen Licht beeinflusst. Wer auf der Fensterbank kultiviert, sollte im Winter ein Südfenster wählen und gegebenenfalls mit künstlicher Beleuchtung nachhelfen. Im Sommer müssen Purpuratas hinter Glas trotzdem schattiert werden. Wenn kein Gewächshaus vorhanden ist, empfiehlt sich während der warmen Jahreszeit ein Aufenthalt an einer geschützten Stelle im Freien, da die Pflanzen dort wesentlich mehr Licht und Luftbewegung erhalten als auf dem Fensterbrett im Innenraum. Ein Plätzchen mit lichtem Schatten und Morgen- oder Abendsonne sagt ihnen zu, der prallen Mittagssonne sollten sie aber nicht ausgesetzt sein.

Temperaturen bis zu 38 Grad im Sommer werden von Cattleya purpurata problemlos vertragen, solange sie ausreichend Luftbewegung hat, häufig getaucht und morgens und/oder abends übersprüht wird. Zwischen den Wassergaben sollte das Substrat aber auch während des Sommers etwas antrocknen. In der Wachstumsphase, die im Juli/August beginnt und bis in den Februar hinein andauert, sollte es aber nicht völlig austrocknen. Eine nächtliche Temperaturabsenkung ist wichtig und fördert die Blütenbildung. Auch aus diesem Grund eignet sich ein Sommeraufenthalt im Freien sehr gut. Während des Winters sollte auf Sprühen verzichtet und auch nur noch gegossen statt getaucht werden. Zu viel Feuchtigkeit führt in Verbindung mit kühlen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit leicht zu Fäulnis. Deshalb ist es auch sehr wichtig, in der feuchtkühlen Zeit die noch grünen Hüllblätter der Pseudobulben regelmäßig zu kontrollieren und gegebenenfalls zu entfernen. Werden sie nämlich zu feucht, kann die Pseudobulbe darunter faulen, ohne dass man es rechtzeitig bemerkt.

Umtopfen bedeutet grundsätzlich eine schwere Störung für die Pflanze. Deshalb wartet man damit entweder, bis der Neutrieb anfängt, erste eigene Wurzelspitzen zu bilden – dann kann ruhigen Gewissens getopft werden, denn ein rasches Einwurzeln in den neuen Topf ist während dieser Phase am wahrscheinlichsten – oder bis nach der Blüte. Auch die Wahl der Topfgröße sollte gut überlegt sein. Grundsätzlich wachsen Pflanzen in kleineren Töpfen besser. Allerdings sollte der Topf nicht so klein sein, dass bereits im nächsten Jahr wieder getopft werden muss. Umtopfen ist – wie oben erwähnt- eben immer ein kleines Risiko. Gut geeignet für Purpuratas sind Teich- bzw. Gittertöpfe und ein Substrat, das aus gleichen Teilen feiner Pinienrinde, Seramis und Bimskies besteht. Vorteilhaft wirkt sich eine Drainageschicht aus Styroporbrocken im Topfboden aus. So kann sich keine Staunässe bilden, das Substrat trocknet auch im Winter und bei größeren Töpfen gut ab und bleibt darüber hinaus lange stabil. Es können natürlich auch Kunststofftöpfe und andere Substrate Verwendung finden, wenn sie vorgenannte Voraussetzungen erfüllen. Beim Topfen sollte auch darauf geachtet werden, dass die Pseudobulben auf dem Substrat aufsitzen und nicht darin vergraben werden. Dies könnte zu Fäulnis führen.

Cattleya purpurata f. carnea ‚Karl-Heinz‘ (Foto: D.O.G.-Archiv)

Cattleya purpurata ist eine stattliche Pflanze, die einen entsprechend hohen Nährstoffbedarf hat. Deshalb wird während der Wachstumszeit, also auch im Winter, bei jedem 2. Gießen mit einem Leitwert von 700 Mikrosiemens gedüngt, zwischendurch wird mit Regenwasser getaucht bzw. gegossen. Erst nach Triebabschluss gegen Anfang Februar werden die Düngergaben eingestellt. Dann sollten die Pflanzen etwas kühler stehen und auch weniger gegossen werden. Die Nachttemperaturen im Winter können bei ca.10-14 Grad liegen, am Tage bei 17-23 Grad, je nach Sonneneinstrahlung. Nach einer kurzen Ruhezeit beginnt die Infloreszenz in der Scheide zu wachsen. Die Blüten öffnen sich zwischen Mai und Juni. Sie halten ca. 3 Wochen an der Pflanze und duften nach Anis.

Literatur:

  1. CHADWICK, A. & A. E. (2006): The Classic Cattleyas
  2. MENEZES, L. C. (2009): Laelia purpurata
  3. WITHNER, C. L. (1988): The Cattleyas and Their Relatives, Vol. 2: The Laelias

 

Autoren: Thomas Lehmann und Monika Eckert

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Cattleya purpurata f. rosada (Foto: M. Eckert)
Cattleya purpurata f. mandayana (Foto: M. Eckert)
Cattleya purpurata f. roxo-bispo ‚Lepper‘ (Foto: M. Eckert)
Cattleya purpurata f. russeliana (Foto: M. Eckert)
Cattleya purpurata f. venosa (Foto: M. Eckert)
Cattleya purpurata f. carnea (Foto: M. Eckert)
Cattleya purpurata f. roxo-violetta (Foto: M. Eckert)
Cattleya purpura-ta f. werkhaeuseri striata (Foto:  M. Eckert)
Cattleya purpurata f. tipo (Foto:  M. Eckert)

 

KW 03, 2019

Phragmipedium Wössner Rosenrot

Alles lesen Orchidee der Woche 03, 2019

Phragmipedium Wössner Rosenrot

Phragmipedium Wössner Rosenrot (Foto: Thomas LEHMANN)

Diese Hybride wurde am 05. Juli 2012 bei der Royal Horticultural Society (RHS ) registriert, nachdem sie von Olaf GRUSS angemeldet worden war. Franz GLANZ, einer der führenden Phragmipedium-Züchter weltweit, hatte einige Jahre zuvor die Eltern Phrag. Saint Ouen und Phrag. Carol Kanzer gekreuzt. Unzählige Hybriden, besonders aus den Gattungen Paphiopedilum und Phragmipedium, haben in seiner Gärtnerei in Unterwössen ihren Ursprung. Obwohl Phragmipedium Wössner Rosenrot eine höhere Hybride ist, sind an ihrer Entstehung lediglich drei Naturformen beteiligt. Der Genpool teilt sich wie folgt auf:

Phragmipedium besseae ist zu 37,5% an der Hybride beteiligt (Foto: Thomas LEHMANN)
Ebenfalls 37,5% trägt Phragmipedium schlimii dazu bei (Foto: D.O.G.-Archiv)
25% Anteil am Genpool von Phrag. Wössner Rosenrot hat Phrag. pearcei (Foto: Thomas LEHMANN)

Alle drei beteiligten Naturformen wachsen in den südamerikanischen Anden unter temperierten Bedingungen, oft in der Nähe von Flüssen und Bächen oder an steilen Felsklippen, die immer sehr feucht bis nass sind. An einigen Standorten werden die Pflanzen gelegentlich sogar von Wasser überflutet. Das Habitat trocknet niemals aus. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, allerdings im Winter etwas weniger als im Sommer. Die Temperaturen sind, je nach Standort, das ganze Jahr über recht konstant. In einigen Lagen gehen sie im Winter etwas zurück, richtig kalt wird es aber nicht. Phragmipedien lieben Luftbewegung und Frischluft. Gelegentlich finden sich Pflanzen, die auch der vollen Sonne ausgesetzt sind, aber auch an schattigeren Plätzen gedeihen sie gut.

Da Phragmipedien viel Feuchtigkeit brauchen, sollten sie stets in einer mit Wasser gefüllten Schale stehen. Besonders im Sommer darf das Substrat auch richtig nass sein. Zu viel Wasser ist bei Phragmipedien fast nicht möglich. Nur gelegentlich sollte die Schale ganz abtrocknen, damit sich keine unerwünschten Bakterien im Wasser ausbreiten können. Meine Pflanzen stehen in großen Wannen, die ich alle paar Tage mit frischem Wasser fülle, sobald das alte aufgesogen ist. Im Sommer sind die Schalen alle 3-4 Tage leer, im Winter dauert es 6-7 Tage.

Im direkten Vergleich mit einer 20-Cent-Münze sieht man gut, wie klein die Blüten der Hybride sind (Foto: Thomas LEHMANN)

Oft ist zu lesen, dass Phragmipedien sehr salzempfindlich sind und bei zu hohen Düngergaben braune Blattspitzen bekommen. Für einige Naturformen und Primärhybriden trifft es auch zu, dass die Wurzeln bei zu vielen Salzen verbrennen und absterben. Allerdings gibt es einige Naturformen und daher auch Hybriden, die wesentlich besser wachsen und blühen, wenn sie etwas mehr Dünger bekommen. Braune Blattspitzen habe ich nicht mehr bei meinen Pflanzen, seit ich einen Dünger verwende, der sowohl Calcium als auch Magnesium enthält und den ich auch höher dosiere als früher. Meiner Erfahrung nach sind die braunen Blattspitzen eher auf einen Mangel an Calcium und Magnesium und nicht auf zu hohe Düngergaben zurückzuführen. Im Sommer bekommen meine Hybriden zwischen 350 und 450 Mikrosiemens bei jedem Wässern. Nur im Winter  stelle ich das Düngen komplett ein. Die angereicherten Salze im Substrat genügen den Pflanzen, um durch die dunkle Jahreszeit zu kommen.

Mein Standard-Phragmipedium-Substrat ist eine Mischung aus Rinde, Perlite, Bimskies und Holzkohle. Die Körnung der Rinde passe ich an die Topfgröße an. Bei kleinen Töpfen nehme ich feinere Rinde, bei großen Töpfen verwende ich gerne gröbere. Perlite verwende ich in der Körnung 2-4 Millimeter. Durch ihr geringes Gewicht machen sie das Substrat locker und sorgen für eine gute Belüftung der Wurzeln. Der Bimskies versorgt die Pflanzen zusätzlich mit Calcium, da er diesen durch die andauernde Feuchtigkeit freigibt. Die Körnung spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ich nutze gerne 5-10 Millimeter. Um einige trockenere Stellen im Pflanzstoff zu schaffen, füge ich immer Holzkohle in einer Körnung von 7-14 Millimeter hinzu. Die Holzkohle saugt sich nicht mit Wasser voll und bleibt trocken. Durch die etwas gröberen Brocken entstehen zusätzlich ein paar Luftlöcher im Substrat, die eine Luftzirkulation im Topf zulassen.

Natürlich gibt es auch einige andere Substrate, die gut für Phragmipedium geeignet sind. Jedes hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil von Rinde ist, dass sie regelmäßig gewechselt werden muss, da sie durch die Dauerfeuchte sehr schnell zerfällt. Mineralische Sustrate zerfallen nicht und müssen daher nicht so oft gewechselt werden. Jeder sollte da seine eigenen Erfahrungen machen und ausprobieren, was zu seiner Kultur am besten passt. Außer mit  meinem Standardsubstrat habe ich auch gute Erfahrungen gemacht mit:

  • Akadama
  • Sphagnum-Moos
  • Steinwollwürfeln
  • Bimskies
  • Lavagranulat

Im Sommer stehen Phragmipedien gerne im Freien, da sie Frischluft und Luftbewegung wirklich lieben. Ein Muss ist der Aufenthalt im Freien aber nicht. Auch eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist möglich, wenn regelmäßig gelüftet wird. Steht die Luft zu lange, bilden sich am Ansatz der Triebe leicht Pilze, die unbehandelt die ganze Pflanze vernichten können.

Phragmipedium Wössner Rosenrot ist sehr blühfreudig und hat lang haltende Blüten, sodass oft mehrere  gleichzeitig geöffnet sind (Foto: Thomas LEHMANN)

Die heißen Temperaturen im Sommer vertragen meine Pflanze allesamt sehr gut, wenn die Luftfeuchtigkeit  hoch ist. Durch die großen Wannen, welche immer mit Wassser gefüllt sind, ist die Luftfeuchtigkeit stets ausreichend. Ich benutze keinen zusätzlichen Nebler. Die nächtlichen Temperaturen liegen bei mir zwischen 14 und 18 Grad, je nach Außentemperatur. An bewölkten Wintertagen liegen sie bei etwa 24 Grad. Wenn die Sonne auf das große Fenster scheint, steigen sie auch mal über 30 Grad.

Im Sommer sollte direkte Mittagssonne vermieden werden, da die Blätter sehr schnell verbrennen können. Es gibt einzelne Pflanzen, die nicht so empfindlich zu sein scheinen, allerdings wachsen alle Pflanzen nach meiner Erfahrung etwas schattiger besser. Auch die Blattfarbe ist bei schattiger Kultur dunkler und kräftiger. Bei zu wenig Licht werden die Blätter der Neutriebe länger und schmaler. Meist fällt dann auch die Blüte aus. Im Winter darf die Sonne auch mittags unschattiert auf die Pflanzen fallen.

Phragmipedium Wössner Rosenrot ist ein zuverlässiger Blüher, der über Monate hinweg eine Blüte nach der anderen öffnet. Durch die kompakte Größe findet die Hybride auch auf einer Fensterbank gut Platz. Leider ist sie eine echte Rarität, die nur sehr selten angeboten wird. Viel Glück beim Finden und noch mehr Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Beim Öffnen der Blüte sind die Petalen noch glatt und die Blütenfarbe ist sehr hell (Foto: Thomas LEHMANN)
Nach zwei Tagen haben sich die Petalen nach unten gerichtet und schon etwas eingedreht (Foto: Thomas LEHMANN)
Erst nach 3 Tagen hat die Blüte ihre endgültige Form und Farbe erreicht (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 02, 2019

Maxillaria schunkeana

Alles lesen Orchidee der Woche 02, 2019

Maxillaria schunkeana

Maxillaria schunkeana (Foto: D.O.G.-Archiv)

Die beiden brasilianischen Botaniker Marcos Antonio CAMPACCI und Roberto Anselmo KAUTSKY veröffentlichten in Orquidário 7(4): 136 (1993) einen Beitrag, in dem sie Maxillaria schunkeana erstmalig beschrieben und gaben ihr den bis heute gültigen Artnamen. Im Jahr 2007 wurde sie in einer Veröffentlichung in die Gattung Brasiliorchis überführt und vier Jahre später in die Gattung Bolbidium. Beide Überführungen haben sich bis heute allerdings nicht durchgesetzt. Zwar laufen sie als Synonyme bei KEW´s World Checklist of Selected Plant Families (WCSP), aber sie finden bei  Züchtern und Orchideen-Enthusiasten nur selten bis gar nicht Verwendung.

Habitusbild von Maxillaria schunkeana, die aufgebunden kultiviert wird (Foto: Norbert BAUMBACH)

Beheimatet ist Maxillaria schunkeana ausschließlich in Espírito Santo, einem Bundeststaat im südöstlichen Brasilien. Sie kommt dort auf Höhen zwischen 600 und 700 Metern über dem Meeresspiegel vor. Die Temperaturen im Winter können dort sehr kühl werden, die Sommer sind sehr heiß. Eine ausgeprägte Trockenzeit gibt es im Süden von Espírito Santo nicht. Je nach Standort der Pflanzen gibt es entweder gar keine Trockenzeit oder aber eine sehr schwach ausgeprägte. Maxillaria schunkeana wächst epiphytisch in küstennahen Regenwäldern, meist auf Bäumen aufsitzend, und ist nur selten der vollen Sonne ausgesetzt.

Die Pflanzen sind eher kleinwüchsig und bilden kleine, zylindrische Pseudobulben aus, die circa. 3-5 cm hoch und jeweils mit zwei festen, spitz zulaufenden Blättern besetzt sind. Die Blätter erreichen eine Länge von 5-7 cm. An der Basis der Pseudobulben entspringen meist im Frühjahr kurze Infloreszenzen, die jeweils eine einzelne nur 1,5-2 cm breite Blüte tragen, die je nach Lichteinfall blutrot bis fast tiefschwarz wirkt. Die Blüten überragen die Pseudobulben gerade so, verstecken sich aber zwischen dem Laub.

Die Kultur auf der Fensterbank sollte im Winter in einem nicht beheizten Raum stattfinden, da die kühleren Temperaturen die Blüteninduktion fördern. Es muss aber nicht eiskalt sein. Besonders auf Fensterbänken aus Stein wird es im Winter oft recht kühl, wenn nicht direkt darunter eine Heizung läuft. Das sollte für Maxillaria schunkeana ausreichen. Auch an den Naturstandorten gibt es Pflanzen, die etwas wärmer stehen als andere Artgenossen. Grundsätzlich gilt dann aber: Je kühler, desto trockener!

6 Blüten hat meine Pflanze geschafft – eine ist leider auf der Rückseite versteckt (Foto: Thomas LEHMANN)

Von Frühjahr bis Herbst mag Maxillaria schunkeana dauerfeucht stehen. Der Pflanzstoff sollte also niemals durchtrocknen. Je nachdem, welches Substrat verwendet wird, muss besonders im Sommer sehr regelmäßig getaucht werden. Im Moment habe ich meine Pflanze noch in feiner Rinde mit Perliten getopft, was mir im Sommer aber zu schnell abtrocknet und daher zu viel Arbeit macht. Ich werde sie im Frühjahr auf mineralisches Substrat umsetzen, da ich bei Maxillarien gute Erfahrungen damit gemacht habe. Ich werde eine Mischung aus Lavagranulat, Bimskies, Perlite und Akadama nehmen, alles in einer Körnung von 2-8 mm. Gröber sollte mineralisches Substrat nicht gewählt werden, da die Kapillarität sonst stark nachlässt und sich die Feuchtigkeit nicht mehr gleichmäßig im Topf verteilt.  Wichtig bei mineralischen Substraten ist auch, dass die Pseudobulben nur auf dem Pflanzstoff aufsitzen dürfen, da sie sehr schnell faulen können, wenn sie im Substrat vergraben sind. Wie schon oft in anderen Beiträgen erwähnt, muss der Topf immer in einer Schale stehen, die mit 1-2 cm Wasser gefüllt ist, wenn die Pflanze mineralisch getopft ist.

Den Winter verbringt meine Pflanze unter kühl-temperierten Bedingungen an einem südwestlich ausgerichteten Fenster. Das Zimmer bleibt ungeheizt, allerdings erwärmt sich der Raum bei Sonnenschein recht schnell . An kalten, bewölkten Tagen steht die Pflanze recht trocken und wird nur einmal pro Woche etwas gegossen. Wasser, das unten herausläuft, bleibt in der Schale stehen. Es sollte aber nicht so viel sein wie im Sommer und innerhalb von 2-3 Tagen aufgesogen sein. Den Rest der Woche bleibt die Pflanze dann trocken. Wenn es längere Zeit sonnig und wärmer ist, bekommt sie auch etwas mehr Wasser.

In den wärmeren Monaten dünge ich mein Wasser auf einen Leitwert von ca. 150-200 Mikrosiemens auf. Viel mehr sollte es nicht sein, da die feinen Wurzeln von Maxillaria schunkeana  sehr salzempfindlich sind und bei höheren Düngergaben „verbrennen“. Das Salz verstopft die Poren des Velamens und die Wurzel wird braun und stirbt ab. Gelegentlich spüle ich den Topf auch mit klarem Wasser ohne Dünger durch, um ein Versalzen des Substrats zu vermeiden.

Im Sommer kann Maxillaria schunkeana auch sehr gut an einem schattigen Platz im Garten oder auf dem Balkon gepflegt werden. Da sie Temperaturschwankungen und Luftbewegung mag, sorgt ein Aufenthalt im Freien dafür, dass sie gesund und kräftig wächst und jedes Jahr mehr Blüten trägt. Nur direkte Mittagssonne sollte im Sommer auf jeden Fall vermieden werden. Im Winter verträgt sie auch die Mittagssonne.

Die fast schwarzen Blüten ziehen alle Blicke auf sich. Eine wirklich tolle Naturform, die durch ihre geringe Größe in jeder Orchideensammlung Platz findet! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Seitenansicht der Blüte (Foto: Norbert BAUMBACH)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Norbert BAUMBACH)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Blüten verstecken sich regelrecht unter dem Laub (Foto: Norbert BAUMBACH)
Meine Pflanze im Dezember (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Blüten sind aufgrund ihrer Größe und dunklen Farbe sehr schwer zu fotografieren (Foto: Thomas LEHMANN)

 

 

 

KW 01, 2018

Dendrobium King Zip

Alles lesen Orchidee der Woche 01, 2018

Dendrobium King Zip

Dendrobium King Zip ‚Red Splash‘ (Foto: Thomas LEHMANN)

Am 20. Januar 2003 registrierte die RHS (Royal Horticultural Society) diese Hybride. Gekreuzt wurden die beiden Elternteile – Dendrobium Kathking und Dendrobium Zip – von Down Under Native Orchids (D.U.N.O.). Diese bis heute in Australien führende Orchideengärtnerei, die zahlreiche Auszeichnungen und Prämierungen für ihre qualitativ hochwertigen Züchtungen erhielt, wurde vor etwa 35 Jahren von Neil FINCH gegründet. Das Spezialgebiet der D.U.N.O. liegt bei der Hybridisierung von australischen Arten der Gattung Dendrobium. Aber auch einige andere in Australien heimische Gattungen hat die Gärtnerei in ihrem Sortiment. Zur Registrierung angemeldet wurde Dendrobium King Zip von W. TURVILLE, über den ich leider nichts Näheres herausfinden konnte. Vermutlich ist es ein guter Freund der Gärtnerei, der als Orchideenliebhaber die Erlaubnis bekam, die Hybride registrieren zu lassen.

Auch wenn Dendrobium King Zip eine sehr komplexe Hybride ist, an deren Entstehung einige andere Hybriden beteiligt sind, teilt sich der Genpool lediglich auf 3 Naturformen auf. Den größten Anteil hat mit Abstand Den. kingianum. Wesentlich weniger beteiligt sind die beiden Naturformen Den. tetragonum und Den. speciosum.

Dendrobium kingianum ‚Alexander‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Dendrobium tetragonum ‚Rieke‘ (Foto: D.O.G.-Archiv)
Dendrobium speciosum ‚Günter Weidner‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Dendrobium kingianum ist zu 75% an Den. King Zip beteiligt. Heimisch ist es in Queensland und New South Wales, wo es litophytisch auf Höhen von 50-120 Metern über dem Meeresspiegel unter kalten Bedingungen wächst. Die Winter sind sehr kalt und trocken. Die Größe dieser Art reicht von klein- bis großwüchsig, ihre kleinen Blüten duften raumfüllend nach Honig.

Dendrobium tetragonum ist mit lediglich 18,75% an der Hybride beteiligt und ebenfalls in New South Wales und dem nördlichen Queensland beheimatet. Es wächst allerdings epiphytisch auf Höhenlagen von 500-1200 Metern und ist einer der klein- bis mittelgroßen Dendrobien. Es duftet stark und braucht im Winter wesentlich weniger Wassser, steht aber nicht komplett trocken. Alte Infloreszenzen können in der nächsten Blühsaison erneut blühen, weswegen sie nicht entfernt werden sollten.

Dendrobium speciosum ist neben New South Wales auch in Victoria beheimatet und wächst dort auf Höhen vom Meeresspiegel bis 150 Meter darüber. Diese ebenfalls litophytisch wachsende Art bleibt eher klein bis mittelgroß. Auch ihre Blüten duften stark. Eine Besonderheit ist, dass sich die Blüten tagsüber öffnen und zur Nacht wieder schießen. Auch Den. speciosum braucht eine trockene Winterruhe mit kühlen Temperaturen.

Bereits im Knospenstadium zeigt Den. King Zip die Musterung stark (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Hybride Den. King Zip ist meist mittelgroß und bildet schmale, aber hohe Pseudobulben aus, die von gegenständigen Blattpaaren besetzt sind. Die Blätter sind ca. 7 cm lang, laufen spitz zu und sind sehr fest und dunkelgrün. Im Winter entspringen an den Nodien Infloreszenzen, die bis zu 25 cm lang werden können und oft sehr viele duftende Blüten tragen. Die Grundfarbe der Blüten ist weiß. Die Blütenform erinnert sehr stark an Den. kingianum, allerdings sind die Blüten mit 3-4 cm Breite etwas größer. Die Lippe und auch die Ränder der weißen Petalen und Sepalen sind kräftig magentafarben, teilweise stark durchgefärbt und teilweise durchbrochen. Besonders die Farbe auf den Blütenblättern wirkt, als wäre sie mit einem Pinsel aufgetragen worden.

Eine Kultur auf der Fensterbank ohne Sommeraufenthalt im Freien ist leider nicht möglich, da durch den hohen Den. kingianum-Anteil sehr kalte Temperaturen zur Blüteninduktion benötigt werden. Wer aber einen Balkon oder Garten im Sommer bieten kann und einen ungeheizten Raum für den Winter besitzt, der kann diese aparte Hybride mit wenig Aufwand und vollkommen unkompliziert  erfolgreich kultivieren. Im Sommer sollte sie dauerfeucht im Freien stehen, da sie Luftbewegung und Nachtabsenkung sehr mag. Wenn die Temperaturen im Oktober kühler werden, wird auch das Gießen langsam reduziert. Ab November steht meine Pflanze dann, wie Den. kingianum auch, komplett trocken. Sie bleibt auch sehr lange auf dem Blakon stehen. Erst wenn die nächtlichen Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen, hole ich Den. King Zip nach innen und stelle sie in ein unbeheiztes Zimmer, in dem das Fenster meistens gekippt ist. Lediglich bei sehr starken Minusgraden schließe ich das Fenster. Einige Wochen, nachdem die Pflanze ihr Winterquartier bezogen hat, entstehen die ersten Infloreszenzen, die meist um Weihnachten ihre ersten Blüten öffnen. Dann bekommen die Pflanzen ab und zu einen kleinen Schluck Wasser, sie stehen die meiste Zeit aber noch sehr trocken. Wenn im Frühjahr die Neutriebe erscheinen und beginnen Wurzeln zu bilden, wird wieder kräftig gewässert. Ab diesem Zeitpunkt bis in den späten Herbst hinein trocknet das Substrat niemals aus.

Als Pflanzstoff nutze ich Lavagranulat in einer Körnung von 2-8 mm. Allerdings sollte man eher die dunkle Lava nutzen und nicht die rote. Ihre rote Farbe erhält sie nämlich durch einen sehr hohen Eisenanteil, der sich im Laufe der Zeit freisetzt und der Pflanze schaden kann. Der Topf steht von Frühjahr bis in den späten Herbst immer in einer Schale, die mit 1-2 cm Wasser gefüllt ist. Das Lavagranulat zieht die Feuchtigkeit nach oben. So entsteht eine gleichmäßige Feuchtigkeit ohne Nässe. Ab und an lass ich die Wasserschale austrocknen, damit sich keine Bakterien im Wasser bilden können. Das Substrat selbst trocknet in der Wachstumsphase aber nicht ab. Natürlich ist die Kultur auch mit anderen Substraten mögich, allerdings finde ich den Pflegeaufwand in mineralischem Substrat wesentlich geringer. Außerdem wachsen zwei der drei beteiligten Naturformen ja litophytisch. Somit ist es eine sehr naturnahe Kulturmöglichkeit.

Das Gießwasser hat einen Leitwert von 150-250 Mikrosiemens. Ich beginne im Frühjar mit weniger Dünger und steigere diesen bis in den Hochsommer kontinuierlich an. Bis zum Herbst hin fällt die Düngerkonzentration dann wieder ab. Da im Winter kaum gegossen wird, dünge ich in dieser Zeit natürlich auch nicht.

Im Sommer sollte die Pflanze vor direkter Mittagssonne geschützt werden. Die Morgen- oder Abendsonne wird aber gut vertragen. Bei viel Licht bilden die Blätter Anthocyane, wodurch sie dunkelrot aussehen. Dadurch verbrennen die Blätter auch nicht so schnell bei Sonneneinstrahlung. Vergleichbar ist dieser Vorgang mit dem Braunwerden der menschlichen Haut im Sommer, die uns auch vor Verbrennungen durch die Sonne schützen soll. Im Winter stehen meine Pflanzen an einem südwestlichen Fenster. Dort erhalten sie volle Nachmittagssonne bis zum Sonnenuntergang – vorausgesetzt die Sonne zeigt sich mal im Winter!

Wer für die kühlen Bedingungen im Winter sorgen kann, wird sich in der kalten und grauen Jahreszeit sehr über die farbenprächtigen Blüten mit ihrem lieblichen Duft freuen. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Dendrobium King Zip ‚Red Splash‘ – jede Blüte ist ein Unikat mit etwas anderer Zeichnung (Foto: Thomas LEHMANN)
Dendrobium King Zip ‚Red Splash‘ – jede Blüte ist ein Unikat mit etwas anderer Zeichnung (Foto: Thomas LEHMANN)
Dendrobium King Zip ‚Red Splash‘ – jede Blüte ist ein Unikat mit etwas anderer Zeichnung (Foto: Thomas LEHMANN)
Dendrobium King Zip ‚Red Splash‘ – jede Blüte ist ein Unikat mit etwas anderer Zeichnung (Foto: Thomas LEHMANN)
Dendrobium King Zip ‚Red Splash‘ – jede Blüte ist ein Unikat mit etwas anderer Zeichnung (Foto: Thomas LEHMANN)
Auch die Rückseite hat eine ausgeprägte Zeichnung (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht einer Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Die gesamte Pflanze – es kommen noch einige Blütentriebe nach (Foto: Thomas LEHMANN)

 

 

KW 52, 2018

Mexipedium xerophyticum

Alles lesen Orchidee der Woche 52, 2018

Mexipedium xerophyticum

Mexipedium xerophyticum ‚Windy Hill‘ HCC/AOS (Foto: Thomas LEHMANN)

Gerardo A. SALAZAR, Hauptprüfer des Biologischen Instituts der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko, und der mexikanische Botaniker Eric HÁGSATER bezeichneten die Entdeckung dieser einzigartigen Naturform als einen der bemerkenswertesten Funde der letzten Jahrzehnte in der neotropischen Orchideenflora. Erste Pflanzenteile wurden bereits im September 1985 von Heriberto HERNÁNDEZ gesammelt und an das Herbarium der Mexikanischen Orchideen-Gesellschaft (Asociación de Mexicana de Orquideologia, kurz AMO) gesendet. Die Mitarbeiter des Herbariums waren sich sofort sicher, dass es sich um eine völlig neue Art der Unterfamilie Cypripedioideae handeln musste, und sendeten Fotos an Experten in der ganzen Welt. Rolando JIMINEZ, Biologe und Mitarbeiter des Herbarium AMO, bestätigte diese Vermutung, nachdem er ein blühendes Exemplar aus derselben Sammlung gesehen hatte. Im September 1988 organisierten Miguel Ángel SOTO ARENAS, Gerardo A. SALAZAR und Eric HÁGSATER eine Exkursion zum Fundort – begleitet und geführt vom Entdecker Heriberto HERNÁNDEZ – um lebendes Pflanzenmaterial zu sammeln. Von den sieben Pflanzenkolonien, die im Tal des Rio del Corte in der Region Los Chimalapas im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca gefunden wurden, entnahmen sie eine ganze Pflanze mit mehreren Rosetten sowie einige Teile einer zweiten Pflanze für wissenschaftliche Zwecke. Die sieben gefundenen Pflanzen waren über ein Gebiet von ungefähr einem Hektar verteilt. Die größte der Pflanzen bestand aus 120 einzelnen Rosetten, die zusammen eine ganze Kolonie bildeten. Weitere Pflanzen wurden zunächst nicht gefunden. Trotz etlicher reifer Samenkapseln entdeckten die Forscher keine Jungpflanzen. Um die geringe natürliche Population zu schützen, wurde der genaue Fundort streng geheim gehalten, da zu befürchten war, dass illegales Sammeln die Population auslöschen würde. Dennoch entnahmen illegale Pflanzensammler bis zum Jahr 1996 fast alle Pflanzen, lediglich zwei Stück waren zu dieser Zeit noch vorhanden. Zwei Jahre später wütete ein großer Waldbrand in dem Gebiet, der eine Pflanze komplett vernichtete und die letzte verbliebene schwer beschädigte. Zum Glück erholte diese sich wieder und 2009 entdeckte man unweit des Erstfundortes einige weitere Pflanzen in einer nur sehr schwer zugänglichen Schlucht. Dort wachsen sie an senkrechten Kalksteinfelsen, ausschließlich an der Nordseite. Da diese endemische Art in der Natur stark gefährdet ist, ist es umso wichtiger, sie generativ und vegetativ zu vermehren und zu kultivieren.

Seitenansicht der Blüte – die nächste Knospe kommt schon (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Erstbeschreibung wurde im Jahre 1990 durch die drei Sammler SOTO ARENAS, SALAZAR und HÁGSATER in Orchidea, dem Journal der Mexikanischen Orchideen-Gesellschaft, unter dem Namen Phragmipedium xerophyticum veröffentlicht. Da Phragmipedium aber dreifächrige Fruchtknoten besitzt und nicht einfächrige wie die bis dahin Phrag. xerophyticum genannte Pflanze, es von der Gattung Paphiopedilum durch den verzweigten Blütenstand und die Anordnung der klappigen Sepale in den Kronblättern abgegrenzt werden konnte, begründeten Victor A. ALBERT und Mark W. CHASE im Jahr 1992 eine neue Gattung für Phragmipedium xerophyticum und benannten es nach dem Herkunftsland als Mexipedium xerophyticum. Diese Neueingliederung wurde in Lindleyana 7(3): 172 – 176 veröffentlicht und ist der bis heute gültige Name, obwohl Victor A. ALBERT seine Meinung im Jahr 1994 revidierte und zusammen mit Börge PETTERSON alle Arten der Gattungen Phragmipedium und Mexipedium in die Gattung Paphiopedilum überführte. Allerdings folgte dieser Umkombination weltweit niemand. Um die Jahrtausendwende kamen die ersten Nachzuchten von Mxdm. xerophyticum in den Handel. Obwohl viele Kreuzungsversuche mit Phragmipedium zunächst erfolgreich verliefen – es entstanden Samenkapseln, der Samen keimte, Sämlinge wuchsen in Flaschen heran – ist bis heute keine Hybridisierung geglückt. Alle kleinen Pflanzen verendeten rasch, nachdem sie aus der Flasche mit dem Nährmedium geholt worden waren.

Das Klima am Naturstandort ist durch die Höhenlage von 320 Metern über dem Meeresspiegel warm und fast ganzjährig feucht mit viel Niederschlag. Die Temperaturen schwanken nur wenig zwischen den Jahreszeiten. Im Winter herrschen tagsüber 23 – 25 Grad, nachts 17 – 18 Grad. Im Sommer steigen die Werte tagsüber auf bis zu 30 Grad an und fallen in den Nächten selten unter 20 Grad. Meist liegen sie sogar noch etwas darüber. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, allerdings von Januar bis April deutlich seltener. Besonders im März fällt sehr wenig Regen. Aber auch in dieser „Trockenzeit“ ist das Habitat niemals vollkommen trocken und es herrscht immer eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Mexipedium xerophyticum wächst lithophytisch auf steilen Kalkfelsen in Wäldern mit xerophytischer Vegetation, teilweise auf dem blanken Felsen, manchmal wurzeln die Pflanzen in organisches Material, das sich in den Felsspalten ansammelt.

Die kleine Blüte verschwindet fast zwischen meinen Fingern (Foto: Thomas LEHMANN)

Mexipedium xerophyticum ist eine sympodial wachsende Pflanze, deren fächerartige Sprosse  durch lang auslaufende Rhizome getrennt sind. Jeder Spross bildet 5-8 gegenständig wachsende Blätter aus, die fleischig, fest und gekielt sind. Sie haben eine Länge von 3,5 – 11 cm und sind ca. 1 mm dick. Der Spross erreicht eine Höhe von bis zu 12 cm, je nachdem, wie die Blätter wachsen, kann er aber auch wesentlich niedriger sein. Abgestorbene Blätter färben sich kaffeebraun und verbleiben noch sehr lange an der Pflanze, ehe sie abfallen. Die haarigen Wurzeln verzweigen sich nur wenig, manchmal auch gar nicht, und sind sehr dünn. Die aufrecht wachsende Infloreszenz wird 6,5 – 13,5 cm hoch und bildet aufeinanderfolgend 3 – 7 Blüten aus, wobei immer nur eine Blüte geöffnet ist. Oft bildet sich ein Seitentrieb an der Infloreszenz, wenn oben keine neuen Knospen mehr gebildet werden. Der Blütentrieb ist nur 1 – 1,3 mm fein und mit kaffeebraunen Haaren besetzt. Die weißen Blüten sind 1,3 – 2,5 cm hoch und manchmal ganz zart rosafarben überhaucht. Die nach vorne gerichtete Fahne ist 9 – 14 mm lang und überdeckt den nach innen geschlagenen Schuh, der fast ballonförmig wirkt. Das Staminodium ist immer stärker rosa gefärbt. Die Petalen sind sehr schmal und im Verhältnis lang, meist nach unten gebogen und selten verdreht. Die Blüten von Mexipedium xerophyticum duften nicht.

Obwohl man in verschiedenen Quellen lesen kann, dass eine Kultur auf der Fensterbank – noch dazu in Europa – nicht möglich ist, kultiviere ich nun seit ein paar Jahren Mexipedium xerophyticum  ohne ein Gewächshaus. Meine älteste Pflanze habe ich vor 4 Jahren als kleines Teilstück bekommen und sie blühte seitdem schon 3 Mal bei mir. Im Frühjahr könnten es tatsächlich 3 Infloreszenzen werden, wenn alle neuen Triebe zur Blüten kommen. Da mich diese Naturform sehr begeistert und es mich wirklich traurig macht, dass sie in der Natur so gut wie ausgestorben ist, habe ich mir inzwischen einige Sämlinge zugelegt. Im Frühjahr ergatterte ich dann noch auf einer Verkaufsplattform im Internet ein Teilstück eines Klons, der von der Amerikanischen Orchideen-Gesellschaft mit HCC (Highly Commended Certificate) ausgezeichnet wurde. Die Auszeichnung entspricht in etwa der Bronzemedaille der D.O.G. Dieses Teilstück bestand nur aus einem einzigen halbwüchsigen Trieb mit 2 etwas lädierten Wurzeln. Ich rechnete eigentlich nicht damit, dass es durchkommt. Mit großem Erstaunen habe ich vor 3 Wochen gesehen, dass es sogar schon blühen will. Einen Neutrieb hatte es bereits im späten Frühjahr angesetzt. So viel zum Thema: Kann man auf der Fensterbank nicht kultivieren!

Damit die Neutriebe nicht über den Topfrand wachsen, wie bei diesem Beispielbild hier, … (Foto: Thomas LEHMANN)
… leite ich sie mit Hilfe einer Haarnadel vorsichtig vom Topfrand weg! (Foto: Thomas LEHMANN)
Die ersten Neutriebe von Sämlingen sind oft noch sehr kurz, sodass man das Problem nicht hat. Je älter eine Pflanze wird, desto länger können die Neutriebe sein. (Foto: Thomas LEHMANN)

Als Substrat nutze ich bei den meisten eine Mischung aus mittlerer und feiner Rinde, Perlite, Bims und Holzkohle. Die Rinde speichert gut Wasser und gibt durch den Zersetzungsprozess Nährstoffe frei. In der Natur wurzeln sie ja auch oft in verrottendes organisches Material in den Felsspalten und nutzen die dadurch verfügbaren Nährstoffe. Perlite mische ich mit hinein, weil es zum einen das Substrat locker und luftig macht und zum anderen ebenfalls gut Wasser speichert und mit der Zeit abgibt. Bimskies ist ein Mineralgestein, das Calcium, also Kalk, freigibt. Da Mexipedium am Naturstandort ja ausschließlich auf Kalkstein zu finden ist, haben die Pflanzen einen erhöhten Calciumbedarf, den ich zu einem Teil mit dem Bimskies abdecken kann. Zusätzlich gebe ich alle 3-4 Monate Hüttenkalk auf die Substratoberfläche und gieße diesen in das Substrat ein. Hüttenkalk ist ein kohlensaurer Kalk, der gut wasserlöslich ist und von der Pflanze gut verstoffwechselt werden kann. Die Holzkohle im Substrat dient dazu, ein paar trockenere Bereiche im Topf zu schaffen, da sie kaum Wasser aufnimmt und sehr schnell abtrocknet. Im Grunde ist das auch mein Standard-Phragmipedium-Substrat, weshalb ich es auch von Anfang an für die Mexipedien nutzte und damit gut zurechtkam.

Ich hätte wahrscheinlich gar kein anderes Substrat ausprobiert, wenn ich das oben erwähnte Teilstück nicht in purem Kanuma vom Vorbesitzer bekommen hätte. Kanuma ist ein mineralisches Substrat, das aus der Azaleen- und Bonsai-Kultur kommt. Benannt ist es nach der japanischen Stadt, in der es abgebaut wird. Es hat einen sauren PH-Wert, weswegen ich nie auf die Idee gekommen wäre, es für Mexipedium zu nutzen. Da es mich aber sehr interessierte, fragte ich den Verkäufer, von dem ich das Teilstück hatte, über seine Kultur in diesem Substrat aus. Er verwendet Kanuma schon sehr lange, da es sehr gut Wasser aufnimmt und lange feucht bleibt, ohne Staunässe zuzulassen. Gegen den sauren PH-Wert nutzt er Leitungswasser, mit dem er bei jedem zweiten Wässern gießt. Ich fand die Kulturmöglichkeit interessant und kannte Kanuma und seine positiven Eigenschaften bereits. Also beschloss ich, mein Mxdm. xerophyticum darin zu belassen und es einfach auszuprobieren. Nur mit dem Leitungswasser konnte ich mich nicht anfreunden, weil ich lieber mit gutem Dünger den Leitwert des Wassers erhöhe, als dass ich ein bereits salzhaltiges Wasser nutze, bei dem ich nicht weiß, was alles darin enthalten ist. Deswegen entschied ich mich dazu, auch das Kanuma regelmäßig mit Hüttenkalk zu bestreuen. Wie oben schon erwähnt, war das Teilstück nur ein halbwüchsiger Trieb mit zwei Wurzeln. Innerhalb von 4 Wochen sah ich die ersten aktiven Wurzelspitzen am Topfrand. Nach 2 Monaten bildete sich dann ein Rhizom, an dem nach 5 cm ein neuer Trieb entstand. Heute, ca. 8 Monate später, ist der halbwüchsige Trieb von damals ausgewachsen und ein Blütentrieb hat sich entwickelt. Somit ist für mich klar, dass auch Kanuma, solange ich etwas gegen den sauren PH-Wert unternehme, ein gut geeignetes Substrat für die Kultur von Mxdm. xerophyticum ist.

Die Blütentriebe sind sehr dünn und wachsen kerzengerade nach oben. (Foto: Thomas LEHMANN)

In den Sommermonaten bis in den Herbst hinein wird alle paar Tage getaucht – in beiden Substratvarianten. Je nach Wärme alle 3-5 Tage. Ich lasse in dieser Zeit das Substrat zwar antrocknen, aber niemals ganz abtrocknen. In den Töpfen und Schalen bleibt es immer so feucht, dass sich Algen innen am Pflanzgefäß bilden. Staunässe vermeide ich aber auch in dieser Zeit. Ich habe es nie selbst ausprobiert, aber Staunässe sollen sie wohl gar nicht vertragen. Vom Winter bis ins Frühjahr wird nur alle 7 Tage getaucht. Auch da ist der Topf nicht vollkommen trocken, aber trockener als im Sommer. Eigentlich sollte man beim Namen xerophyticum (xero = trocken) erwarten, dass es ausgeprägte Trockenzeiten gibt. Dem ist aber nicht so am Naturstandort. Eine gewisse Feuchtigkeit herrscht dort immer, auch wenn es von Januar bis April deutlich weniger regnet. Obwohl die Luftfeuchtigkeit am Naturstandort ganzjährig sehr hoch ist, haben meine Mexipedien mit trockener Luft keine Probleme.

Hier noch ein Größenvergleich mit einer 2-Cent-Münze (Foto: Thomas LEHMANN)

Das Tauchwasser wird im Sommer auf ca. 350 Mikrosiemens aufgedüngt, im Winter auf ungefähr 200 Mikrosiemens, da ich im Winter mit künstlicher Beleuchtung kultiviere. Gelegentlich spüle ich die Töpfe mit klarem Wasser durch, um ein Versalzen des Substrats zu verhindern. Auch wenn Mexipedium xerophyticum fast ausschließlich an der Nordseite der Kalkfelsen wächst, ist die Lichtintensität in Mexiko deutlich höher als bei uns in Mitteleuropa. Deswegen hatte ich mich von Anfang an für die künstliche Beleuchtung im Winter entschieden. Ob sie entscheidend für eine erfolgreiche Kultur ist, kann ich nicht sagen. Beleuchtet werden die Pflanzen mit Leuchtstoffröhren aus der Aquaristik, die speziell für das Pflanzenwachstum entwickelt sind und dementsprechend einen hohen Anteil an rotem und blauem Licht haben.

Die Temperaturen stellen im Wohnraum keine besondere Herausforderung dar. Im Sommer ist es ja ohnehin warm bei uns. Im Winter läuft die Heizung und macht es schön warm. Obwohl die Temperaturen am Natrurstandort eindeutig warm sind, verträgt Mexipedium xerophyticum aber auch kühlere Bedingungen sehr gut, wenn es dann auch etwas trockener gehalten wird. Ich habe in einigen Quellen schon gelesen, dass selbst Temperaturen um 5 Grad nachts gut vertragen werden. Also selbst wenn die Heizung einmal ausfällt, dürfte es mit dem „Mexchen“ – wie ich es immer nenne – keine Probleme geben. Temperaturen von weit über 30 Grad im vergangenen Sommer wurden ohne Probleme vertragen. Nur etwas öfter tauchen musste ich bei dieser trockenen Hitze.

Da die Pflanzen im Laufe der Jahre recht breite Ausmaße annehmen können durch die langen Rhizome zwischen den Pflanzen, sollten sie ab einer gewissen Größe in Schalen kultiviert werden. Außerdem ist es zu empfehlen, Mexipedium etwas tiefer in das Pflanzgefäß zu setzen und das Substrat nicht bis zum Topfrand aufzufüllen, sodass ein Rand entsteht, über den die Rhizome nicht hinwegwachsen können. Wachsen sie in die Luft, dann bilden sich keine Wurzeln. Diese Triebe können zwar trotzdem blühen, aber da Mexipedium ohnehin nicht zu den Vielwurzlern gehört, sollte man schon schauen, dass jeder Trieb auch seine Wurzeln schlagen kann. Sollten dennoch Rhizome in die Luft wachsen, werden sie, je nach verfügbarem Platz, bei mir mit Steinen beschwert oder mit Krampen aus rostfreiem Edelstahl im Substrat fixiert.

Ich hoffe, mit diesem Beitrag ein wenig Interesse an dieser vom Aussterben bedrohten Naturform geweckt zu haben, damit möglichst viele Pflanzen in Kultur erhalten bleiben, falls die letzten in der Natur verbliebenen Pflanzen vom nächsten Waldbrand – was in der Gegend leider keine Seltenheit ist- dahingerafft werden und für immer verloren sind. Traut euch an die Kultur, sie ist gar nicht so kompliziert, wie man immer wieder liest! Und diese kleinen zarten Blüten verzaubern einen immer wieder aufs Neue.

Autor: Thomas LEHMANN

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Mexipedium xerophyticum (Foto: Thomas LEHMANN)
Mexipedium xerophyticum (Foto: Thomas LEHMANN)
Mexipedium xerophyticum (Foto: Thomas LEHMANN)
Mexipedium xerophyticum (Foto: Thomas LEHMANN)

 

 

KW 51, 2018

Phalaenopsis Liu’s Yellow Star Dust

Alles lesen Orchidee der Woche 51, 2018

Phalaenopsis Liu’s Yellow Star Dust

Phalaenopsis Liu`s Yellow Star Dust (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Hybride kann schon blühen, wenn sie noch sehr klein ist (Foto: Thomas LEHMANN)

Phalaenopsis Liu’s Yellow Star Dust ist eine sehr komplexe Hybride von Kuang Feng Ji An Orchids, die am 25. September 2012 bei der RHS (Royal Horticultural Society) registriert wurde. Hwa-Tung LIU, der Besitzer der Orchideengärtnerei, kreuzte einige Jahre zuvor Phalaenopsis Caribbean Sunset mit der Naturform Phalaenopsis finleyi und brachte diese Kreuzung erstmalig im Jahr 2012 zur Blüte. Insgesamt sind fünf Arten der Gattung Phalaenopsis an dieser Hybride beteiligt. Der Genpool teilt sich wie folgt auf:

  • 50% Phalaenopsis finleyi
  • 12,5% Phalaenopsis amboinensis
  • 12,5% Phalaenopsis equestris
  • 12,5% Phalaenopsis mannii
  • 12,5% Phalaenopsis stuartiana

Auf jede einzelne dieser Arten werde ich nicht im Speziellen eingehen. Das würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Generell sind aber alle 5 Arten Epiphyten, die unter warmen bis heißen Bedingungen wachsen. Sie alle bevölkern unterschiedliche Gebiete im asiatischen Raum und zählen zu den kleinwüchsigen bis mittelgroßen Phalaenopsis-Arten. Niederschläge gibt es an sämtlichen Standorten regelmäßig. Sowohl starker Nebel wie auch Regenschauer sorgen für ein ganzjährig feuchtes Klima ohne ausgeprägte Trockenzeit. Die Pflanzen wachsen allesamt in eher schattigen Lagen und sind höchstens im Winter der vollen Sonne ausgesetzt.

Mehr als zwei Blüten gleichzeitig hat meine kleine Pflanze von Phal. Liu`s Yellow Star Dust noch nicht geschafft. Dafür halten die Blüten lange und es kommen oft weitere nach. (Foto: Thomas LEHMANN)

Eine Kultur auf der Fensterbank ist ohne großen Aufwand möglich. Da die beteiligten Naturformen allesamt warme bis heiße Temperaturen mögen, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Phalaenopsis-Hybride. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 16-18 Grad fallen. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet das stehende Wasser wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)

Als Pflanzstoff für Phalaenopsis eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Bei sehr kleinen Töpfen geht auch Substrat aus Kokosfasern gut. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Phalaenopsis zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder komplett silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten.

Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-350 Mikrosiemens haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens reichen in den dunklen Monaten, es sei denn man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Phalaenopsis Liu`s Yellow Star Dust auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Eine sehr ausdrucksstarke und eigenwillige Blütenform, die ich immer gerne als „Sturmfrisur“ bezeichne, ist das besondere Merkmal dieser einfach zu pflegenden Hybride. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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50% Phalaenopsis finleyi sind im Genpool der Hybride vertreten (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis amboinensis ‚Gerda‘ SM/DOG – Diese Naturform ist mit 12,5% am Genpool beteiligt (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis equestris gibt ebenfalls 12,5% der Gene an die Hybride (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis mannii ‚Barbarossa‘ SM/DOG – Auch diese Naturform beteiligt sich mit 12,5% (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die letzten 12,5% kommen von Phalaenopsis stuartiana – auf dem Foto der Klon ‚Weißkirchen‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

 

 

 

 

KW 50, 2018

Gomesa radicans

Alles lesen Orchidee der Woche 50, 2018

Gomesa radicans

(Syn.:  Sigmatostalix radicans / Ornithophora radicans)

Die sehr filigranen Blüten von Gomesa radicans sind nicht leicht zu fotografieren (Foto: Thomas LEHMANN)

Der deutsche Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH beschrieb  diese Art erstmalig im Jahr 1864 als Sigmatostalix radicans in „Annales Botanices Systematicae“.  Von Lesley Andrew GARAY und Guido Frederico João PABST wurde sie 1951 in „Orquídea“ in die Gattung Ornithophora überführt. Bis ins Jahr 2009 behielt diese zierliche Naturform den Namen Ornithophora radicans, der bis heute ein weit verbreitetes Synonym darstellt. Ihren derzeit gültigen Namen Gomesa radicans erhielt sie durch die Veröffentlichung von Mark Wayne CHASE und Norris Hagan WILLIAMS im Jahr 2009 in „Annals of Botany“, wo sie von den beiden Botanikern in die Gattung Gomesa überführt wurde.

Heimisch ist Gomesa radicans in Brasilien. Dort kommt sie meist in Küstennähe unter warmen bis heißen Bedingungen bis auf Höhen von 400 Metern über dem Meeresspiegel vor. Sie wächst ausschließlich epiphytisch in schattigen Lagen. Durch die Nähe zum Meer herrscht stets sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, wobei es zwischen Mai und September etwas weniger regnet.

Der grasartige Habitus kann bei guter Kultur zu einem richtigen Busch werden (Foto: Thomas LEHMANN)

Gomesa radicans ist eine sehr kleinwüchsige Orchideenart. Sie bildet sehr kleine Pseudobulben aus, auf denen jeweils zwei grasartige Blätter von ca. 10 cm Länge und nur 1-2 mm Breite sitzen. Vom Sommer bis in den Herbst hinein entwickeln sich meist zahlreiche Infloreszenzen, die jeweils bis zu 20 cm lang werden und sehr kleine Blüten ausbilden, die wechselständig angeordnet und gerade einmal 7-10 mm hoch und ca 3-5 mm breit sind. Die Lippe ist weiß gefärbt und dominiert die Optik. Die Petalen und Sepalen sind schmal, zartgrün und vergleichsweise unauffällig. Die Säule ragt 2 mm empor und ist dunkelrot mit einer leuchtend gelben Spitze.  Die Blüten haben einen angenehm blumigen Duft.

Die Art ist gut in der Wohnung zu kultivieren, da sie es ganzjährig sehr warm mag. Die Temperaturen sollten auch in Winternächten nicht unter 16-18 Grad fallen, besser blieben sie sogar noch höher. Hohe Sommertemperaturen, die wir ja zunehmend haben, werden ebenfalls bestens vertragen, Gomesa radicans liebt es über 30 Grad. Einziges Problem ist trockene Heizungsluft im Winter. Die Art ist sehr anfällig für Spinnmilben, wenn die Luft dauerhaft zu trocken ist. Dann sollte man durch Aufstellen von Wasserschalen oder Ultraschallvernebler dafür sorgen, dass die Luftfeuchtigkeit nicht unter 50% fällt.

Die emporragende, dunkelrote Säule mit der gelben Spitze (Foto: Thomas LEHMANN)

Als Substrat eignet sich alles, was gut Feuchtigkeit speichert, ohne zu nass zu sein. Meine Pflanze hatte ich in feiner Rinde bekommen. Das lief gut, allerdings musste ich sehr oft tauchen, damit der Pflanzstoff nicht komplett durchtrocknete. Auf Dauer war mir das zu viel Arbeit, weswegen ich sie in mineralisches Substrat topfte. In diesem Fall nahm ich Lavagranulat in einer Körnung von 2-8 mm. Der Topf steht immer in einer kleinen Schale, die mit Wasser gefüllt ist. Das Lavagranulat zieht die Feuchtigkeit durch den ganzen Topf nach oben, ohne dabei klatschnass zu werden. Perfekte Bedingungen für die feinen Wurzeln, da durch das mineralische Substrat auch viel Luft im Topf Platz findet. Außerdem erhöht das Wasser in der Schale gleichzeitig noch die Luftfeuchtigkeit. Ein weiterer Vorteil von mineralischen Substraten ist, dass sie sich nicht zersetzen. Neu getopft werden muss also erst, wenn die Neutriebe keinen Platz mehr im Topf finden. Wichtig ist nur, dass man die kleinen Pseudobulben nicht im Substrat „vergräbt“, sondern nur oben darauf setzt. Sitzen sie zu tief,  können sie durch die andauernde Feuchtigkeit schnell faulen.

Wegen der feinen Wurzeln bekommt Gomesa radicans bei mir nur sehr salzarmes Wasser. Schwach aufgedüngtes Osmosewasser oder Regenwasser ist perfekt. Der Leitwert sollte im Sommer mit Dünger bei 150-200 Mikrosiemens liegen. Im Winter dünge ich das Wasser lediglich auf 50-80 Mikrosiemens auf, da durch die kurzen Tage mit wenig Licht der Stoffwechsel der Pflanzen sehr stark herunterfährt und dadurch nur wenige Nährstoffe benötigt werden. Auf Dauer sollte aber nicht mit purem Osmosewasser gegossen werden, weswegen es auch im Winter etwas aufgedüngt oder mit Leitungswasser verschnitten wird. Regenwasser kann auch pur verwendet werden, da es je nach Region einen Leitwert von 30-80 Mikrosiemens hat.

Der Lichtbedarf dieser kleinen Naturform ist nicht sehr hoch. Sie kann im Sommer auch etwas entfernt vom Fenster stehen und auch im Winter sollte langanhaltende, direkte Sonneneinstrahlung vermieden werden. Kurzfristig verträgt sie es aber gut. Da die Pflanzen am Naturstandort epiphytisch auf immergrünen Bäumen wachsen, sind sie Schatten gewohnt und benötigen daher nicht viel Licht. Auch ein Nordfenster eignet sich gut für Gomesa radicans, wenn es dort nicht zu kühl ist.

Durch die kleinen filigranen Blüten mit ihrem lieblichen Duft ist Gomesa radicans eine sehr interessante und pflegeleichte Art, die bei guter Kultur zu einem richtigen Busch heranwachsen kann, der uns den ganzen Sommer über bis weit in den Herbst hinein mit unzähligen Blüten erfreut. Viel Erfolg bei der Kultur!

Autor: Thomas LEHMANN

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Gomesa radicans ‚Eisenheim‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Gomesa radicans ‚Deggendorf‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Gomesa radicans ‚Juli‘ bekam in diesem Zustand Gold auf Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Gomesa radicans ‚Juli‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

KW 49, 2018

Angraecum viguieri

Alles lesen Orchidee der Woche 49, 2018

Angraecum viguieri

Angreacum viguieri (Foto: Fabian KULKA)

Erstbeschreibung und Autor

Die Art Angraecum viguieri Schltr. wurde 1922 von dem deutschen Botaniker Friedrich Richard Rudolf SCHLECHTER (1872-1925) in “Repertorium Specierum Novarum Regni Vegetabilis“ 18: 326 (1922) beschrieben und dem französischen Botaniker René VIGUIER (1880-1931) gewidmet. 2013 wurde das homotypische Synonym Rudolfangraecum viguieri (Schltr.) Szlach., Mytnik & Grochocka in “Biodiversity: Research and Conservation“ 29: 22 (2013) beschrieben.

 

Angraecum viguieri ‚Herlyn‘ mit Silbermedaille auf Kultur ausgezeichnet (Foto: D.O.G.-Archiv)

Habitat und Vorkommen

Angraecum viguieri kommt endemisch auf Madagaskar vor. Als Standorte werden das zentrale und das östliche Madagaskar angegeben. Der überlieferte Fundort für das Typusexemplar der Erstbeschreibung ist der Analamazaotra-Wald im östlichen Hochland Madagaskars. Die Region wird mittlerweile als Nationalpark geführt. Angcm. viguieri wächst epiphytisch in etwa 900 Metern über Küstenniveau an zum Teil vollsonnigen Plätzen. In den Regionen gibt es mitunter Regen- und Trockenzeiten, die Luftfeuchtigkeit liegt dennoch ganzjährig konstant um 80%. Die Blütezeit wird für den Naturstandort im November angegeben.

 

Beschreibung von Habitus und Blüte

Die Pflanze wächst relativ streng aufrecht und gewinnt dadurch mit zunehmendem Alter an Länge. Dennoch kann Angraecum viguieri laut manchen Quellen bereits mit geringer Höhe von etwa 10-15 cm blühen. Mit zunehmender Größe können sich bei der Art auch Seitentriebe am Hauptspross entwickeln, die ebenfalls Blüten bilden können. Der Umfang des Sprosses beträgt ca. 2,5-3 cm und die Blätter erreichen bei ausgewachsenen Exemplaren eine Länge von etwa 17-20 cm sowie eine Breite von etwa 1-1,5 cm. Die Blätter sind linealisch (bzw. werden von der Basis zur Spitze leicht schmaler) geformt und trotz ihrer geringen Dicke von eher steifer, fester Struktur. Die Wurzeln erscheinen hauptsächlich an der Basis der Sprossachse. Ihre Oberflächenstruktur ist unverkennbar warzig. Zusätzlich weisen die Wurzeln eine ungewöhnliche Orangefärbung auf, was insbesondere an den aktiven Wurzelspitzen zu beobachten ist. Mit ihrem aufrechten Wuchs und den schmalen Blättern sowie der wenig umfangreichen Sprossachse beansprucht die Pflanze nicht viel Platz.

 

Die Infloreszenzen entstehen in den Blattachseln und werden ca. 4 cm lang, bevor an ihnen eine einzelne Knospe gebildet wird. Vor dem Öffnen resupiniert die Blüte, das heißt sie dreht sich um 180 °, sodass die Lippe danach nach unten zeigt und für den Beobachter “richtig herum steht“. Die Blüte kann mit ca. 14 cm Breite (von Petalumsspitze zu Petalumsspitze) und etwa 16 cm Höhe (von der Spitze des dorsalen Sepalums bis zur Spitze eines lateralen Sepalums) eine beachtliche Größe erreichen. Der Sporn wird ca. 10 cm lang. Anders als bei den meisten Arten der Gattung Angraecum sind die Blüten bei Angcm. viguieri nicht weiß, sondern farbig. Der Farbton liegt dabei vorwiegend zwischen einem Orange, Orangebraun oder zum Teil auch einem bronzefarbenen Einschlag. Vereinzelt kann bei Blüten im Internet auch ein leichter Grünstich beobachtet werden. Gegen Abend duften die Blüten. Ihre Haltbarkeit beläuft sich auf etwa zwei Wochen.

Die Wurzeln sind sehr uneben, fast warzenartig besetzt (Foto: Fabian KULKA)

Eigene bisherige Kulturerfahrungen

Anfangs musste ich bei dieser Art feststellen, dass sie relativ empfindlich auf Störungen reagiert. Denn obwohl ich zumindest eine Pflanze als bereits blühstark bekommen hatte, dauerte es noch einige Jahre, bis sie dann auch erneut zur Blüte kam. Vermutlich hing diese lange Phase ohne Blüten auch damit zusammen, dass ich die beiden Pflanzen zu Beginn wiederholt umgetopft habe. Dies hatte seinen Grund: Von anderen Besitzern dieser Art hatte ich gehört und gelesen, dass sie eine eher feuchte Kultur bevorzugt. Da ich jedoch bis jetzt nicht mit Substraten wie Sphagnum zurechtkam, verwendete ich zu Beginn feines Rindensubstrat kombiniert mit zu großen Töpfen, um Feuchtigkeit länger halten zu können. Bei einem wöchentlichen Tauchrhythmus blieb das Substrat auch gut feucht. Da mir die sehr eingeschränkte Haltbarkeit von feinem Rindensubstrat bei sehr feuchter Kultur bekannt war, holte ich die Pflanzen nach einiger Zeit wieder aus den Töpfen, um mit Erleichterung festzustellen, dass das Wurzelwachstum durchaus positiv vorangeschritten war. Dennoch wollte ich kein Risiko eingehen und nahm nun anstelle der feinen Rinde das mineralische Substrat Akadama, welches beispielsweise auch bei der Kultur von Bonsai Verwendung findet. Dieses kühlt weniger stark aus als Lava, ist dafür jedoch auch nicht so strukturstabil. Jedoch stehen meine beiden Pflanzen mittlerweile schon ein paar Jahre in diesem Substrat und sind nun beide im zeitigen Frühjahr 2018 erstmalig bei mir zur Blüte gekommen. Demnach schien die Abwägung diesbezüglich nicht ganz verkehrt gewesen zu sein. Ob daraus auch auf weitere Sicht ein Erfolg wird, bleibt aber vorerst abzuwarten.

 

Die Kultur erfolgt auf einer Fensterbank, die nach Südwesten ausgerichtet ist. Die Pflanzen dort werden je nach Wetterlage etwa von April bis September/Oktober schattiert. Die Temperaturen steigen dennoch im Sommer auf teils über 30°C am Tag an. Im Winter wird das Zimmer tagsüber auf normale Zimmertemperatur geheizt. Temperierte bis warme Bedingungen scheinen Angraecum viguieri demnach zu gefallen. Eine Ruhephase bezüglich der Wässerung bekommen die Pflanzen nicht. Einmal wöchentlich wird Regenwasser in den Untersetzer nachgefüllt. Die Düngung erfolgt eher sporadisch, da ich beobachtet habe, dass einige afrikanische Arten eher empfindlich auf zu viel Dünger zu reagieren scheinen. Außerdem könnten zu hohe Düngergaben zu einer Versalzung des Substrates führen, da das Wasser nur von unten angestaut wird und Salze kaum wieder ausgeschwemmt werden. Vielleicht könnte man mit regelmäßigerer Düngung jedoch das Wachstum etwas verbessern, da die Art bisher eher langsam wächst. Wie bereits weiter oben erwähnt sind die Pflanzen im Frühjahr zur Blüte gekommen. Ob dies jedes Jahr so sein wird, wird sich zeigen. Es gibt bislang jedoch keine Anzeichen dafür, dass Angcm. viguieri mehr als einmal im Jahr Blüten ausbildet.

Autor: Fabian KULKA

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Angraecum viguieri ‚Fredensborg‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Angraecum viguieri ‚Herlyn‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Fabian KULKA)

 

KW 48, 2018

Oncidesa Hwuluduen Chameleon

Alles lesen Orchidee der Woche 48, 2018

Oncidesa Hwuluduen Chameleon

Foto: Thomas LEHMANN
Oncidium fuscatum – eine der drei beteiligten Naturformen (Foto: D.O.G.-Archiv)

Diese Kreuzung wurde von Fu Lai CHANG, dem Besitzer der taiwanesischen Orchideengärtnerei Hwuluduen Orchids, bei der Royal Horticultural Society (RHS) angemeldet und dort am 06.03.2006 in das Register eintragen. Die Gärtnerei hat ihren Sitz in Taichung /Taiwan und ist weltweit bekannt für ihre außergewöhnlichen und unzähligen Hybriden aus der Gattung Oncidium. Oncidesa Hwuluduen Chameleon ist eine Hybride aus Oncidium Pupukea Sunset und Gomesa echinata. Oncidium Pupukea Sunset wiederum ist eine Hybride aus Onc. cheirophorum und Onc. fuscatum. Es sind also insgesamt drei Naturformen an Oncidesa Hwuluduen Chameleon beteiligt:

  • 50% Gomesa echinata
  • 25% Oncidium cheirophorum 
  • 25% Oncidium fuscatum

Gomesa echinata, auch unter dem Synonym Baptistonia echinata bekannt, ist ein kleinbleibender Epiphyt aus dem östlichen Brasilien, der immerfeuchte Regenwälder in Höhenlagen von 50 – 1200 Metern über dem Meeresspiegel besiedelt. Das Klima an den Standorten reicht von heiß bis temperiert. Blütezeit ist im Winter.

Oncidium cheirophorum findet man von Nicaragua bis Kolumbien in deutlich höheren Lagen (1000 – 2500 Metern)  und somit unter kühleren Bedingungen (kühl bis kalt) als Gomesa echinata. Die Art wächst ebenfalls in immerfeuchten Regenwäldern und ist sehr häufig der vollen Sonne ausgesetzt. Blütezeit ist im Herbst und Winter. Die unzähligen Blüten duften und haben eine wachsartige Textur.

Oncidium fuscatum, besser bekannt unter ihrem Synonym Miltonia warszewiczii, ist in Panama und Peru heimisch. Sie zählt zu den großen Oncidien und wächst ebenfalls epiphytisch in immerfeuchten Regenwäldern in sehr unterschiedlichen Höhenlagen. Aus diesem Grund variieren die Temperaturbereiche der Standorte auch von heiß bis kühl. Oncidium fuscatum trägt ebenfalls eine reiche Blütenpracht aus duftenden und wachsartigen Blüten. Die Blütezeit ist im Frühling.

Gomesa echinata – eine weitere beteiligte Naturform (Foto: D.O.G.-Archiv)

Wie alle drei Naturformen, die an Oncidesa Hwuluduen Chameleon beteiligt sind, hat auch die Hybride ca. 7 cm große Pseudobulben, auf denen jeweils ein einzelnes Blatt sitzt, das ca. 25 cm lang ist. Die Blätter sind leicht gekielt und weich. Sie wirken matt und sind dunkelgrün. Die Pseudobulbe ist an beiden Seiten von einem wesentlich kleineren Blatt umhüllt. Zwischen der Pseudobulbe und dem kleinen Blatt entspringt im Herbst oder Winter die Infloreszenz, die aufrecht wächst und sich vielfach verzweigt. Die Blütentriebe werden ca. 35- 45 cm hoch und tragen unzählige Blüten in gelb-rotbraun. Die Farbintensität und Aufteilung der Gelb- und Rotbrauntöne kann von Pflanze zu Pflanze variieren. Die meisten Individuen haben den Duft der beiden Oncidien geerbt. Die Blüten halten über viele Wochen, ehe sie verwelken.

Die Kultur dieser Hybride ist recht unkompliziert. Da alle beteiligten Elternteile den kühlen Temperaturbereich als Schnittpunkt haben, kultiviere ich meine Pflanze im kühl-temperierten Bereich. Den Sommer über steht sie gerne, vor Mittagssonne geschützt, im Freien. Im Winter steht sie an einem kühlen Westfenster, an dem die Sonne ab 14 Uhr ungehindert auf die Pflanze fällt. Die nächtlichen Temperaturen fallen auf 10-12 Grad ab, je nach Außentemperatur. Tagsüber können die Temperaturen aber auch auf 25 Grad und höher steigen, wenn die Sonne scheint. Gerade diese Nachtabsenkung scheint sie sehr zu mögen. Öfters liest man auch, dass sie die Nachtabsenkung benötigt, um die Blüte zu induzieren. Ich hab es nie ohne Nachtabsenkung ausprobiert. Ob diese also wirklich zwingend nötig ist, kann ich nicht sagen.

Oncidium cheirophorum – die dritte Naturform die an der Hybride beteiligt ist (Foto: D.O.G.-Archiv)

Als Substrat verwende ich ein Gemisch aus verschiedenen mineralischen Komponenten. Bims, Akadama, Lava und Kies in der Körnung von 2 – 10 mm. Gröber sollte es nicht sein. Der Topf steht immer in einer kleinen Pfütze Wasser, welches vom Pflanzstoff gleichmäßig nach oben gezogen wird. Dadurch entsteht im Topf eine gleichmäßige Feuchte ohne zu viel Nässe. Sobald das Wasser aus der Schale aufgesogen ist, fülle ich wieder etwas Wasser nach. Nach Ausreifen der Pseudobulben lasse ich auch das Substrat etwas antrocknen, aber nicht ganz durchtrocknen. Diese halbtrockene Phase regt ebenfalls die Blüteninduktion an.  Natürlich sind auch andere Substrate möglich. Oft werden die Pflanzen in feiner Rinde oder Kokosfasern kultiviert. Wichtig ist, dass der Pflanzstoff die Feuchtigkeit gut hält und nicht zu schnell abtrocknet. Er darf aber auch nicht zu nass sein, besonders nicht über längere Zeit und bei kühleren Temperaturen im Winter. Es kann sonst sehr schnell zur Fäulnis kommen. Die Pseudobulben sollten in jedem Fall über dem Substrat liegen und nicht zu tief in dieses gesteckt werden. Es könnte sonst ebenfalls dazu kommen, dass die Pseudobulben anfangen zu faulen.

Gegossen wird mit aufgedüngtem Wasser. Ich bevorzuge über den Sommer lieber die amerikanische Düngemethode, das heißt bei jedem Gießen ein bisschen Dünger und nur gelegentlich mal mit klarem Wasser spülen. Dafür dünge ich das Wasser auf einen Leitwert von ca. 200 – 250 Mikrosiemens auf. Die andere – europäische – Methode wäre, nur alle 4 Wochen zu düngen mit einem höheren Leitwert und dazwischen immer nur mit klarem Wasser zu gießen. Welche Methode man nutzt, muss jeder selbst entscheiden. Im Winter dünge ich, wie schon oft erwähnt, gar nicht. Der Stoffwechsel fährt während der dunklen Jahreszeit deutlich herunter und die Pflanze kommt mit den im Substrat angreicherten Mineralstoffen aus. Wer im Winter mit künstlicher Beleuchtung arbeitet, kann auch dann normal weiter düngen, da in dem Fall der Stoffwechsel der Pflanze weiter aktiv ist.

Durch ihre zahlreichen und lang haltenden Blüten ist Oncidesa Hwuluduen Chameleon ein echter Hingucker in der dunklen und kalten Jahreszeit. Der Duft ist zwar nicht raumfüllend, aber sehr angenehm. Eine wirklich unkomplizierte Hybride, die auch für Anfänger gut geeignet ist. Viel Erfolg beim Kultivieren.

Autor: Thomas LEHMANN

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Oncidesa Hwuluduen Chameleon (Foto: Thomas LEHMANN)
Oncidesa Hwuluduen Chameleon (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Knospen der Oncidesa Hwuluduen Chameleon sind schon sehr farbenprächtig (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Infloreszenzen bilden richtige Blütentrauben (Foto: Thomas LEHMANN)
Leider öffneten sich die Blüten meiner zwei Infloreszenzen nacheinander und nicht zeitgleich (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 47, 2018

Ludisia discolor

Alles lesen Orchidee der Woche 47, 2018

Ludisia discolor

Ludisia discolor (Foto: Thomas LEHMANN)

Bereits 1818 beschrieb der britische Botaniker John Bellenden Ker GAWLER diese Art ersmalig als Goodyera discolor in „Botanical Register“. Der französische Arzt und Botaniker Achille RICHARD, der von seinem Vater Louis Claude Marie RICHARD schon während der Kindheit an die Botanik herangeführt wurde, erwähnte die Art im Jahr 1825 als Ludisia discolor in einem der 17. Bände von „Dictionnaire Classique d’Histoire Naturelle“. Allerdings blieb es bei dieser Erwähnung und es folgte keine genaue Beschreibung, weshalb die Überführung in die Gattung Ludisia durch A. RICHARD nicht offiziell anerkannt wurde. Fälschlicherweise wird RICHARD aber im „International Plant Name Index“ (kurz: IPNI) als Autor der Art Ludisia discolor angegeben. Die Übersetzung des Originaltextes lautet in etwa:

Die „Standardfarbe“ der Blätter (Foto: Thomas LEHMANN)

„Eine weitere Pflanze wurde kürzlich in England unter dem Namen Goodyera discolor beschrieben, aber sie scheint uns nicht zu dieser Gattung zu gehören. Sie unterscheidet sich vor allem durch ihre nicht konkave Lippe, bietet aber an ihrem Grund einen kleinen zweilappigen Beutel. Ihre Pollen sind zwei gestielte Massen ohne Drüsen. Wir glauben, dass diese Art eine neue Art bildet, die wir unter dem Namen Ludisia beschreiben werden.“

Für eine korrekte Umkombination hätte Achilles RlCHARD die Quelle angeben müssen, wo und von wem Goodyera discolor beschrieben wurde. Außerdem schreibt er ja selbst „wir werden beschreiben“, also im Futur. Die angekündigte Beschreibung wurde bis dato aber noch nicht gefunden. Die korrekte, anerkannte Überführung in die Gattung Ludisia stammt vom deutsch-niederländischen Botaniker Carl Ludwig Ritter von BLUME. In „Flora Javae nec non insularium adjacentiu“  erkennt er zum einen den neuen Gattungsnamen an und nennt dazu die korrekte Quelle. Zum anderen gibt er auch bei der korrekten Umkombination in die Gattung Ludisia John Bellenden Ker GAWLER als Autor der Erstbeschreibung von Goodyera discolor an. Veröffentlicht wurde die korrekte Umkombination im Jahr 1859. Es gab seitdem einige weiterer Umkombinationen, die sich allerdings allesamt nicht durchsetzten. Ludisia discolor ist bis heute der offiziell anerkannte Name. 

Das Verbreitungsgebiet von Ludisia discolor erstreckt sich von China über Myanmar, Laos, Thailand und Kambodscha bis nach Vietnam, Malaysia, Sumatra und Borneo. Sie kommt dort meist terrestrisch, gelegentlich auch  lithophytisch in der Nähe von Flüssen und Bächen in Höhenlagen von 70 – 1100 Metern unter warmen bis heißen Bedingungen vor. Die Standorte sind umgeben von immergrünen, feuchten Auwäldern und dadurch sehr schattig und ganzjährig feucht.

Die hellere Blattfarbe, die oft als var. alba verkauft wird (Foto: Thomas LEHMANN)

Die einzelnen Triebe dieser sympodialen Orchidee haben fleischige Stiele, die sowohl aufrecht als auch hängend wachsen und sich teilweise sogar verdrehen. An den Stielen bilden sich im Abstand von 0,5 – 1 cm wechselständige Blätter. Diese sind rosettenartig angelegt, meist dunkelgrün mit roten Adern durchzogen, wirken fast samtartig und fühlen sich auch so an. Selten findet man Pflanzen, deren Blätter hellgrün und mit weißen Adern durchzogen sind. Diese werden dann meist als Ludisia discolor „var. alba“ angeboten, allerdings ist dies keine offiziell beschriebene Varietät. Aufgrund der sehr dekorativen Blätter werden sie auch gerne „Jewel Orchid“ oder „Juwel-Orchidee“ genannt, da sie selbst ohne Blütenstände sehr ansprechend aussehen. Die Blätter sind tropfenförmig und werden bis zu 8 cm lang und ca. 4 cm breit. An jedem Stiel bilden sich etwa 5-8 Blätter aus, bevor sich die endständige Infloreszenz  entwickelt und den Triebwuchs damit beendet. Die Blütentriebe wachsen aufrecht und können bis zu 30 cm lang werden. Jede Infloreszenz trägt eine Vielzahl von kleinen weißen Blüten mit einer leuchtend gelben Säule. Die Blüten sind 1 -1,5 cm breit und nur 0,5 – 1 cm hoch. Sie duften nicht, halten sich dafür aber über mehrere Wochen. Hauptblütezeit ist im späten Herbst bis in den Winter, gelegentlich blüht die Art auch zu anderen Jahreszeiten.

Ludisia discolor lässt sich wunderbar an einem Nordfenster oder auch etwas weiter im Raum kultivieren, da sie wirklich nicht viel Licht braucht. Ein Zuviel an Licht erkennt man daran, dass die Blätter ihr sattes Grün verlieren und leicht rötlich werden. Direktes Sonnenlicht sollte zu jeder Jahres- und Tageszeit vermieden werden.

Da die Art meist terrestrisch wächst, nutze ich richtige Blumenerde als Planzstoff, allerdings nicht pur. Ich mische etwas feine Rinde und Perlite darunter, damit das Substrat locker und luftig bleibt. Die helle Variation, die ich vor einiger Zeit als Steckling bekam, habe ich in reinem, lebendem Sphagnum-Moos getopft. Auch eine rein mineralische Kultur sollte möglich sein, da manche Pflanzen am Naturstandort litophytisch wachsen. Wichtig ist nur, dass das Substrat möglichst nicht völlig austrocknet. Dann wirft die Pflanze erst ihre Blätter ab, bevor der ganze Trieb eintrocknet und abstirbt. Alte blattlose und abgeblühte Triebe sollten nicht abgeschnitten werden, da aus ihnen neue Triebe wachsen können. Bricht man versehentlich mal einen Teil eines Triebs ab, lässt sich dieser problemlos bewurzeln. Einfach direkt in Substrat oder Moos stecken und immer feucht halten. Innerhalb kurzer Zeit bekommt der Steckling Wurzeln und bildet Neutriebe.

Gegossen oder getaucht wird sehr regelmäßig. Im Sommer dünge ich bei jedem Wässern mit einem Leitwert von ungefähr 200-250 Mikrosiemens. Im Winter dünge ich gar nicht. Die Nährstoffe, die sich den Sommer über im Substrat angereichtert haben genügen in der lichtarmen Jahrezeit, um die Pflanze ausreichend zu versorgen.

Die Erstblüte meines kleinen Stecklings der helleren Blattvariation (Foto: Thomas LEHMANN)

Ludisia discolor liebt es warm, eine ideale Orchidee also für beheizte Räume im Winter. Auch mit etwas niedrigerer Luftfeuchtigkeit kommt sie meiner Erfahrung nach gut zurecht. Nächtliche Temperaturen sollten nicht weit unter 15 Grad fallen, besser sind Temperaturen darüber. Ich pflege meine Pflanzen ganzjährig drinnen. Man kann die Pflanzen aber den Sommer über auch an einem schattigen Platz im Freien halten, wenn sie früh genug wieder ins Haus geholt werden, bevor die Temperaturen im Spätsommer/Herbst wieder fallen.

Eine wirklich anspruchslose Orchidee, die mit ihren schön gezeichneten Blättern alle Blicke auf sich zieht – auch ohne Blüten. Besonders im Spätherbst und Winter wird sie oft in gut sortierten Gartencentern angeboten. Wer also noch keine hat, aber gerne eine hätte, sollte in den nächsten Monaten die Augen offen halten! Viel Spaß beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Die Infloreszenen wachsen aufrecht nach oben und es kommen ständig neue Knospen nach (Foto: Thomas LEHMANN)
Nahaufnahme einer Infloreszenz (Foto: Thomas LEHMANN)
Nahaufnahme der kleinen Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Nahaufnahme der kleinen Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)

KW 46, 2018

Maxillaria lineolata

Alles lesen Orchidee der Woche 46, 2018

Maxillaria lineolata

Synonom: Mormolyca ringens 

Maxillaria lineolata – häufig noch unter Mormolyca ringens angeboten (Foto: Thomas LEHMANN)

Im Jahre 1850 wurde die Art vom österreichischen Botaniker Eduard FENZL in „Denkschriften der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften“ erstmalig als Mormolyca lineolata beschrieben. Der deutsche Botaniker Friedrich Richard Rudolf SCHLECHTER beschrieb die gleiche Art 1914 in seinem Buch „Die Orchideen ihre Beschreibung, Kultur und Züchtung…“ als Mormolyca ringens. Ihren heute gültigen Namen Maxillaria lineolata erhielt sie 2015 von Eduardo Antonio MOLINARI-NOVOA, der sie in „Richardiana“ in die Gattung Maxillaria überführte. Mittlerweile zählen sämtliche Arten der Gattung Mormolyca zu Maxillaria, womit keineswegs alle Fachleute und Taxonomen einverstanden sind. Ihren ursprünglichen Namen Mormolyca lineolata verwendet man heute nicht mehr. Allerdings wird sie sehr häufig als Mormolyca ringens angeboten.

Ein etwas dunklerer Klon (Foto: Dr. Norbert BAUMBACH)

Maxillaria lineolata ist von Mexiko über Belize, Guatemala, El Salvador und Honduras bis Nicaragua und Costa Rica verbreitet. Sie kommt dort epiphytisch in feuchten Nebelwäldern in Höhenlagen vom Meeresspiegel bis 1400 Metern vor. Wegen der großen Höhenunterschiede wächst diese Art sowohl unter recht kühlen als auch warmen, teilweise sogar wirklich heißen Bedingungen. Niederschlag erhält sie ganzjährig, ihr Habitat trocknet niemals aus. Die Pflanzen sind klein bis mittelgroß und bilden schmale Pseudobulben aus, die ca. 2-3 cm breit und 4-5 cm hoch sind. Auf den Pseudobulben sitzt ein einzelnes festes Blatt, das 7-10 cm lang ist und abgerundete Spitzen hat. Die Infloreszenzen tragen immer nur eine Blüte und entspringen an der Basis der Pseudobulbe. Bei guter Kultur entstehen das ganze Frühjahr und den Sommer über immer wieder neue Blütentriebe. Die Blüten sind 2-3 cm hoch und nur 0,5-1 cm breit. Die Petalen und das dorsale Sepalum sind steil nach oben gerichtet. Die lateralen Sepalen zeigen genau in die andere Richtung und strecken sich steil nach unten. Die Blütenfarbe ist gelbgrundig mit rötlich brauner Zeichnung, die aderartig verläuft.

Getopft ist meine Maxillaria lineolata in feinere Rinde mit Perliten. In diesem Substrat habe ich sie vor ungefähr einem Jahr erhalten und komme gut damit zurecht, auch wenn diese Mischung in den heißen Sommermonaten etwas stärker abtrocknet. Die Pflanze scheint keine Probleme damit zu haben, kurzfristig etwas trockener zu strehen. Komplett durchgetrocknet ist der Topf aber niemals. Eine gewisse Grundfeuchtigkeit war immer gegeben. Für nächstes Frühjahr habe ich mir vorgenommen, die Pflanze in mineralisches Substrat zu topfen, da ich damit bei anderen Maxillarien schon gute Erfahrungen gemacht habe und der Zeitaufwand geringer ist. In Rinde getopfte Pflanzen muss man regelmäßig tauchen. Im Sommer kann das auch alle 3-4 Tage notwendig sein, wenn der Pflanzstoff durch die Hitze schneller austrocknet. Bei der mineralischen Kultur kann man den Topf in eine mit Wasser gefüllte Schale stellen und muss lediglich das Wasser auffüllen, wenn es vom Pflanzstoff komplett aufgesogen wurde. Ein weiterer Vorteil von Lava, Akadama und Co. ist, dass sie sich nicht zersetzten und nur neu getopft werden muss, wenn der Topf zu klein wird.

Foto: Dr. Norbert BAUMBACH

Das Gießwasser habe ich den Sommer über stets auf einen Leitwert von 200-250 Mikrosiemens aufgedüngt. Im Winter gibt es keinen Dünger, da die im Substrat angereicherten Nährstoffe ausreichen, um die Plfanze in der lichtarmen Zeit zu ernähren. Wer im Winter mit künstlicher Zusatzbeleuchtung arbeitet, kann natürlich weiterhin düngen, da der Stoffwechsel der Pflanze dann nicht herunterfährt. Bei mineralischer Kultur, bei der der Topf stets im Wasser steht, sollte darauf geachtet werden, dass eingegossenes Wasser nicht länger als 3-5 Tage in der Schale stehen bleibt, damit das Wasser nicht verkeimt und so die Pflanze infiziert. Wenn das Wasser nach 5 Tagen nicht verbraucht wurde, würde ich den Rest wegschütten, einen Tag trocknen lassen und danach wieder auffüllen. Allerdings dann etwas weniger Wasser als beim letzten Gießen, damit es nicht wieder so lange stehen bleibt.

Der Lichtbedarf von Maxillaria lineolata ist nicht so hoch, da sie epiphytisch auf immergrünen Bäumen wächst, deren Laub die Pflanzen stets vor zu starker Sonneneinstrahlung schützen. Die aufgehende Morgensonne oder untergehende Abendsonne wird aber vertragen. Meine Pflanze steht an einem hellen Ostfenster mit Morgensonne. Den Rest des Tages steht der Topf im Schatten. Es scheint ihr dort zu gefallen, da sie seit dem Frühjahr ununterbrochen blüht und ständig neue Infloreszenzen bildet. Im Sommer ist ein Aufenthalt im Freien möglich, aber kein Muss. Ich hatte sie das ganze Jahr im Wohnraum.

Aufgrund ihres Verbreitungsgebietes kann Maxillaria lineolata in fast allen Temperaturbereichen kultiviert werden, nur nicht allzu kalt. So sollten die nächtlichen Werte 8-10 Grad nicht unterschreiten. Ich kultiviere sie allerdings warm, da ich in diesem Bereich einfach den meisten Platz habe. Nachts gehen die Temperaturen auf 15-18 Grad zurück. Tagsüber steigen sie bei starkem Sonnenschein gelgentlich auch im Winter über 30 Grad, die durchschnittliche Tagestemperatur liegt aber bei 24-25 Grad.

Durch ihre besondere Blütenform ist Maxillaria lineolata ein kleines Highlight in meiner Orchideensammlung, das ich alleine wegen der Blühfreudigkeit nicht mehr missen möchte. Auch die Tatsache, dass sie gut auf der Fensterbank kultiviert werden kann, macht sie für Orchideen-Liebhaber sehr interessant. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Meine Pflanze, die jetzt gerade eine Blühpause macht – nach Monaten mal wieder (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht (Foto: Thomas LEHMANN)
Foto: Dr. Norbert BAUMBACH

KW 45, 2018

Phragmipedium Eric Young

Alles lesen Orchidee der Woche 45, 2018

Phragmipedium Eric Young

Phragmipedium Eric Young ‚Mike‘ BM/DOG (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium Eric Young wurde von der “Eric Young Orchid Foundation“ zu Ehren ihres Gründers benannt und am 31.10.1991 bei der Royal Horticultural Society (RHS) registriert. Der erfolgreiche Geschäftsmann hatte bereits in seiner Jugend Orchideen gesammelt, die aber während des zweiten Weltkriegs verlorengingen. Nach seiner Übersiedlung auf die englische Kanalinsel Jersey 1947 begann er erneut mit dem Aufbau einer Orchideensammlung, die mittlerweile zur weltgrößten und wichtigsten geworden ist. Als Eric YOUNG 1984 starb, vermachte er Sammlung und Vermögen der “Eric Young Orchid Foundation“. Hauptzweck der Stiftung ist die Zucht erstklassiger Orchideen für Ausstellungen und Wettbewerbe sowie die Unterstützung von Hobbyzüchtern. Zur Foundation gehört auch eine große Bibliothek.

Da es sich bei Phragmipedium Eric Young um eine Primärhybride handelt, sind die beiden Elternteile Phrag. besseae und Phrag. longifolium mit jeweils 50% am Genpool beteiligt.

Phragmipedium besseae (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium besseae wurde erst im Jahr 1981 entdeckt und erstmalig beschrieben. Heimisch ist die Art in Peru und Ecuador, wo sie terrestrisch, meist in der Nähe von Flüssen und Bächen wächst. Das Klima am Standort bietet ganzjährig sehr konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad. Niederschläge gibt es ebenfalls während des ganzen Jahres. Von März bis September sind diese sogar sehr häufig und regelmäßig.

Phragmipedium longifolium (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium longifolium wurde bereits 1896 beschrieben und kommt in Costa Rica, Panama, Kolumbien, Ecuador und im brasilianischen Bundesstaat Goiás vor. Auch diese Art siedelt oft in der Nähe von Gewässern, wo ihre Wurzeln teilweise bis ins Flussbett wachsen, sodass sie immer von Wasser umspült werden. In dem großen Verbreitungsgebiet variiert das Klima etwas. Die nächtlichen Temperaturen können in manchen Gebieten unter 10 Grad fallen, während die Tagestemperaturen über die 30 Grad-Marke steigen können.

Beide Naturformen sind in ihren Ansprüchen recht unkompliziert, daher ist die Kultur von Phrag. Eric Young ebenfalls nicht sonderlich schwierig. Die Pflanzen können allerdings recht ausladend werden, weswegen sie nach ein paar Jahren guter Pflege auf der Fensterbank oft nur noch schwer Platz finden.

Da beide Elternteile in sehr feuchten bis nassen Gebieten wachsen, kann Phragmipdium Eric Young gut mit nassem Fuß kultiviert werden. Meine Pflanze steht in einer Schale, die immer mit etwas Wasser gefüllt wird, sobald sie ausgetrocknet ist. Zwischenzeitliches Austrocknen verhindert eine Verkeimung des Wassers, wodurch sich die Pflanze infizieren könnte. Das Substrat selbst sollte aber nicht komplett durchtrocknen. Phragmipedien haben den Ruf sehr salzempfindlich zu sein, was für einige Naturformen auch durchaus zutreffend ist. Ich habe in den letzten 10 Jahren Phragmipedium-Kultur aber die Erfahrung gemacht, dass viele Hybriden gar nicht so empfindlich auf gelöste Salze im Wasser reagieren. Mein Phrag. Eric Young bekommt in den warmen und hellen Sommermonaten teilweise aufgedüngtes Wasser, das einen Leitwert von 350 – 400 Mikrosiemens hat. Im Winter dünge ich allerdings nicht. Da gibt es klares Quellwasser mit wenig gelösten Salzen. Ab März steigere ich die Düngergaben langsam, bis sie im Juli/August ihren Höhepunkt erreichen. Danach wird langsam wieder weniger gedüngt. Ab Oktober dann gar nicht mehr. Den Sommer über lagern sich genügend Düngerreste im Substrat an, die die Pflanze im Winter mit Nährstoffen versorgen.

Phragmipedium Eric Young ‚Mike‘ – im letzten Jahr war die Blüte etwas heller und weniger gerüscht (Foto: Thomas LEHMANN)

Mein Standard-Pflanzstoff für Phragmipedium besteht aus einer Mischung mit Rindenanteil, Perliten, Bimskies und Holzkohle. Rinde hat den Nachteil, dass sie sich durch die ständige Feuchtigkeit recht schnell zersetzt. Allerdings werden bei diesem Zersetzungsprozess auch Nährstoffe frei. Nach zwei bis drei Jahren sollte dann aber neu getopft werden, bevor sich das Substrat zu sehr verdichtet und die Wurzeln faulen. Perlite gebe ich mit dazu, weil sie einerseits das Substrat luftig machen und andererseits gut Wasser speichern können. Bimskies gibt etwas Kalk ab und hat ebenfalls die Fähigkeit, Wasser zu speichern und weiterzuleiten. Um in dem feuchten Substrat für etwas trockenere Stellen zu sorgen, nutze ich die Holzkohle, die sich nicht mit Wasser vollsaugt und dadurch trockener bleibt. Die Körnung aller Bestandteile sollte nicht zu fein, aber auch nicht zu grob sein, je nach Topfgröße Körnungen von 5 bis 18 mm. Auch in rein mineralischen Substraten, in Sphagnum-Moos oder Steinwollwürfeln fühlt sich Phragmipedium Eric Young wohl. Ich habe schon einiges ausprobiert und die Erfahrung gemacht, dass es nur wichtig ist, dass viel Wasser vom Substrat aufgenommen und gehalten werden kann.

Phragmipedien mögen es hell, aber keine direkte Mittagssonne. Sonnenschein am Morgen oder Abend wird aber gut vertragen, wenn er nicht zu lange auf die Blätter brennt. Werden diese gelblich, muss unbedingt schattiert oder die Pflanze umgestellt werden. Nachts können die Temperaturen auf 10 Grad fallen, müssen sie aber nicht. Phragmipedium Eric Young wächst sehr gut bei normalen Zimmertemperaturen – auch in beheizten Räumen mit etwas trockener Luft, wenn regelmäßig gelüftet wird. Bei zu wenig Frischluft oder Luftbewegung können sich Pilze bilden, die die Pflanze sehr schwächen und im Extremfall auch töten können, wenn nicht mit einem Pilzmittel behandelt wird.

Alles in allem ist Phragmipedium Eric Young ein wirklich unkomplizierter und sehr blühwilliger Frauenschuh, der in Farbe und Form etwas variieren kann, aber in jeder Ausprägung seinen Reiz hat. Die Blühdauer erstreckt sich meist über mehrere Monate, da er ständig neue Knospen hervorbringt, noch bevor die aktuelle Blüte verwelkt ist.

Autor: Thomas LEHMANN

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Seitenansicht von Phragmipedium Eric Young (Foto: Thomas LEHMANN)
Ebenfalls die Blüte vom letzten Jahr (Foto: Thomas LEHMANN)
Phragmipedium Eric Young ‚Mike‘ mit seiner Bronzemedaille, die er im Oktober in Esslingen bekam (Foto: Thomas LEHMANN)