Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

KW 37, 2018

Tolumnia Jairak Firm

Alles lesen Orchidee der Woche 37, 2018

Tolumnia Jairak Firm

Tolumnia Jairak Firm ‚Hickory‘ (Foto: Thomas LEHMANN)
Tolumnia triquetra ‚Widderchen‘ BM/DOG – zu 23,44% in den Genen von Tolumnia Jairak Firm vertreten (Foto: D.O.G.-Archiv)

Am 29. April 2013 registrierte der thailändische Orchideenzüchter Kanith SOMBOONPOL eine neue Hybride aus der Gattung Tolumnia. Er hatte die Hybride Tolumnia Rainbow mit der Hybride Tolumnia Plush gekreuzt und meldete das Ergebnis bei der Royal Horticultural Society (RHS) unter dem Namen Tolumnia Jairak Firm an, als die Pflanze erstmalig erblühte. Insgesamt sind an dieser Hybride folgende Arten aus der Gattung Tolumnia beteiligt:

  • 43,75% Tolumnia pulchella
  • 23,44% Tolumnia triquetra
  • 18,75% Tolumnia guianensis
  • 12,50% Tolumnia henekenii
  •   1,56% Tolumnia urophylla

Diese Naturformen sind allesamt in der Karibik heimisch. Auf Kuba, den Antillen und Bahamas sowie auf Jamaika und in Guyana wachsen diese kleinen Epiphyten alle unter warmen Bedingungen. Gelegentlich herrschen auch richtig heiße, selten kühle Temperaturen an den einzelnen Standorten. Tolumnia wächst immer unter sehr hellen Bedingungen. Manchmal findet man sie sogar an richtig sonnigen Standorten. Die Luftfeuchtigkeit ist immer hoch und es weht immer Wind.

Tolumnia Jairak Firm ist eine monopodial wachsende Orchidee, deren fächerartiger Spross ca. 3-5 cm lange Blätter ausbildet, die gegenständig wachsen. Sie sind fest und sehr stark gekielt. Durch die Vielzahl an Naturformen, die an dieser Kreuzung beteiligt sind, kann die Blütenfarbe stark variieren. Fast alle Farbnuancen sind möglich. Inzwischen gibt es einige Klone mit besonders schöner Farbzeichnung. Die Blüten sind 3-4 cm hoch und 2-3 cm breit. Die größte Fläche nimmt die Lippe ein, welche meist eine besondere Zeichnung hat und mehrfarbig ist. Die einzelnen Blütenblätter sind manchmal leicht gerüscht, können aber auch ganz glatt sein. Wie schon erwähnt, ist durch die zahlreiche Beteiligung unterschiedlicher Naturformen fast alles möglich.

Tolumnia pulchella ‚Widderchen‘ SM/DOG – zu 43,75% in den Genen von Tolumnia Jairak Firm vertreten (Foto: D.O.G.-Archiv)

Die Kultur von Tolumnia ist nicht ganz unkompliziert. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich im Laufe der letzten zehn Jahre schon so einige zu Kompost verarbeitet habe. Das Wichtigste ist, die richtige Balance zwischen Feuchtigkeit und Trockenheit zu finden. Stehen sie zu feucht, dann faulen sie ganz schnell. Stehen sie zu trocken, sterben die Wurzeln ab und die Pflanze dehydriert. Aufgebundene Kultur in einem warmen Gewächshaus mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit und starker Luftzirkulation sollte nicht so problematisch sein. Zu Hause auf der Fensterbank ist es aber wirklich eine hohe Kunst, diese reizenden Miniaturen mit ihren imposanten Blüten am Leben zu erhalten. Nachdem so einige Kulturmethoden bei mir fehlgeschlagen sind, läuft es jetzt seit einem Jahr ganz gut und bisher zufriedenstellend. Ich hatte es früher ganz wurzelnackt probiert – in kleinen Tontöpfen, in Gläsern auf feuchtem Ton und in diversen anderen Gefäßen. Auf Dauer sind sie mir immer vetrocknet, zuerst die Wurzeln, dann die Pflanzen. Danach probierte ich es getopft in grober Rinde, in Moos und diversen anderen Substraten, die mir empfohlen worden waren. Früher oder später sind mir die Pflanzen dann doch immer abgefault oder auch vertrocknet, wenn ich zu vorsichtig mit dem Gießen war. Mit folgender Kombination aus den beiden Kulturansätzen läuft es nun schon so lange gut wie noch nie. Und ich wurde endlich mal mit einem Blütentrieb belohnt. Auch die Pflanze sieht noch gut aus und es bilden sich sogar neue Fächer, also Seitentriebe.

Meine aktuelle Kulturmethode sieht folgendermaßen aus: Das kleine Pflänzchen selbst sitzt wurzelnackt in einem kleinen Gitterkörbchen. Das Gitterkörbchen wiederum sitzt in einem großen Tontopf, der mit grober Rinde gefüllt ist. Das Körbchen ist in der Rinde versenkt. Dadurch wachsen die Wurzeln durch das Körbchen in die grobe Rinde, in der sich die Feuchigkeit etwas länger hält und eine hohe Luftfeuchtigkeit in den Zwischenräumen herrscht. Die Pflanze kann sich dadurch also lange mit Feuchtigkeit und Nährstoffen versorgen. Die Pflanze selbst kann aber sehr schnell abtrocknen und ist deswegen bisher nicht gefault. Auch sehen alle Wurzeln noch sehr gut und prall aus, was mit allen anderen wurzelnackten Kulturmethoden immer nicht lange anhielt. Die feinen Wurzeln sahen da immer sehr schnell trocken und brüchig aus.

Getaucht wird nach Gefühl, aber immer erst, wenn wirklich alles abgetrocknet ist. Grundsätzlich kommen Tolumnien mit Trockenheit besser zurecht als mit zu viel Nässe. In den letzten Wochen, als die Hitzewelle besonders schlimm war, gab es jeden Morgen einen kleinen Sprüher Wasser auf die freiliegenden Wurzeln. Da Tolumnien sehr feine, fast fadenartige Wurzeln haben, sollte immer mit möglichst salzarmem Wasser gegossen werden. Das Velamen der Wurzeln verstopft durch zu viele Salze sehr schnell und sie können dann kein Wasser mehr aufnehmen. Mein Tauchwasser hat einen Leitwert zwischen 50 und 100 Mikrosiemens. Dazu nutze ich entmineralisiertes Wassser (Osmosewasser) und dünge es auf den gewünschten Wert auf. In diesem Fall gibt es auch im Winter ein wenig Dünger, da entmineralisiertes Wasser auf Dauer schaden kann, wenn es pur verwendet wird. Durch den osmotischen Druck, den das Wasser hat, kann es Nährstoffe aus der Pflanze saugen und diese geht dann ein. Im Winter gibt es aber weniger Dünger als im Sommer.

Meine Tolumnia Jairak Firm steht ganzjährig sehr warm. Die nächtlichen Temperaturen fallen auch im Winter niemals unter 18 Grad, meist ist es sogar noch etwas wärmer. Auch an Wintertagen kann ich ihr dank meiner beheizten Orchideengalerie Mindesttemperaturen von 25 Grad bieten. Bei Sonnenschein steigen sie auch schnell über 30 Grad. Im Sommer haben wir hier in Süddeutschland inzwischen ja fast tropische Temperaturen, somit muss ich da nichts regulieren. Sie steht sehr hell, im Sommer leicht schattiert. Im Winter bekommt sie volles Licht am großen Südfenster.

Zum besseren Verständnis ein Foto meines Kulturtopfes (Foto: Thomas LEHMANN)

Wann immer es geht, wird gelüftet, damit möglichst viel Luftaustausch und -zirkulation herrscht. Wenn im Winter die Temperaturen ein regelmäßiges und langes Lüften nicht möglich machen, dann läuft ein Venitlator. Nicht 24 Stunden am Tag, aber immer wieder tagsüber und auch nachts. Gesteuert wird er über eine einfach Zeitschaltuhr. Er läuft also eine Zeit lang, schaltet sich dann ab und fängt dann wieder an. Je höher die Luftfeuchtigkeit ist, desto besser ist es natürlich. An besonders trockenen Tagen läuft daher ein Ultraschallvernebler, der direkt auf die Orchideen gerichtet ist.

Zwar ist die Kultur von Tolumnia nicht unkompliziert und meist mit einigen Rückschlägen gepaart, umso größer ist dann aber die Freude, wenn eine Pflanze über alle Jahreszeiten hinweg wächst und gedeiht, dabei auch noch gut aussieht und man letzten Endes mit einer tollen und langanhaltenden Blüte belohnt wird! Jetzt hoffe ich mal, dass auch die nächsten 12 Monate so gut laufen und mich meine Tolumnia Jairak Firm ‚Hickory‘ wieder mit Blüten belohnt.

Autor: Thomas Lehmann

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Der gesamte Blütenstand meiner Tolumnia Jairak Firm ‚Hickory‘ (Foto: Thomas LEHMANN)
Die ersten Blüten sind offen – Seitenansicht einer Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Die gesamte Pflanze (Foto: Thomas LEHMANN)
Eine sich öffnende Knospe (Foto: Thomas LEHMANN)
Die erste Blüte öffnete sich bei den sehr heißen Temperaturen Anfang August. Die Blüte fiel dunkler mit wenig weißer Färbung aus (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 36, 2018

Bulbophyllum lobbii

Alles lesen Orchidee der Woche 36, 2018

Bulbophyllum lobbii

Foto: Thomas LEHMANN

In Edwards´s Botanical Register, einer illustrierten Gartenbauzeitschrift, die von 1815 bis 1847 in London gedruckt wurde, veröffentlichte John LINDLEY im Jahr 1847 die Erstbeschreibung von Bulbophyllum lobbii. John LINDLEY war ein englischer Botaniker, der als Vater der modernen Orchideenkunde gilt und zahlreiche neue Arten beschrieben hat. Noch im 19. Jahrhundert wollten diverse Autoren und Botaniker eine neue Einstufung für Bulbophyllum lobbii erreichen, von denen aber keine jemals als akzeptierte Namen in der World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) aufgeführt wurden. Jedoch sind folgende 3 Bezeichnungen als Synonyme angegeben:

  • Sarcopodium lobbii
  • Sarcobodium lobbii
  • Phyllorkis lobbii

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Bulbophyllum lobbii erstreckt sich von Borneo über Indonesien und  Malaysia bis zu den Philippinen. Diese Naturform wächst epiphytisch auf Ästen und den Hauptstämmen von Bäumen in Tiefland- und Bergwäldern auf Höhen bis zu 2000 Metern über dem Meeresspiegel. Die klimatischen Bedingungen am Standort bieten warme bis heiße Temperaturen, die sehr oft über 30 Grad am Tag liegen. Selbst in den Nächten kühlt es nur sehr selten auf unter 20 Grad ab. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, wobei die Wurzeln von Bulbophyllum lobbii sehr schnell abtrocknen nach einem Regenschauer. Sie sind also nie über sehr lange Zeit nass. Die Luftfeuchtigkeit ist dafür ganzjährig sehr hoch. Standorte, an denen die Pflanzen der direkten Sonne ausgesetzt sind, finden sich nicht. Sie werden immer durch das Laub der Bäume schattiert und bekommen zwar viel, aber nur diffuses Licht ab.

Bulbophyllum lobbii ‚Peter‘ wurde wegen sehr guter Kultur mit der Silbermedaille der D.O.G. ausgezeichnet (Foto: D.O.G.-Archiv)

Bulbophyllum lobbii zählt zu den mittelgroßen Bulbophyllen. Es bildet ca. 5 cm hohe Pseudobulben aus, die mit etwas Abstand zueinander wachsen. Jede Pseudobulbe trägt ein einzelnes 20-25 cm langes Blatt. Das Blatt ist fest und entlang der Mittelachse stark gekielt. Oft sind die Pseudobulben von einer trockenen und netzartigen Hülle umgeben. Die bis zu 15 cm lange Infloreszenz trägt immer nur eine einzelne Blüte. Sie entspringt einer Nodie am Rhizom. Jede Neubulbe trägt somit nur eine einzelne, dafür duftende Blüte. Alte Pseudobulben blühen nicht erneut, sie dienen lediglich zur Speicherung von Nährstoffen und geben diese bei Bedarf an die jungen Triebe ab. Blütezeit ist immer im Sommer. Die Blüten sind 5-7 cm groß und variieren in der Farbe leicht. Sie sind in verschiedenen Gelb- und Orangetönen, teilweise auch ins Rot-bräunliche gehend, gefärbt. Besonders die Petalen und Sepalen weisen oft dunklere Streifen auf. Manchmal deutlicher, manchmal nur schwach ausgeprägt. Der Duft der Blüten ist nicht sonderlich angenehm, aber auch nicht sehr intensiv, also nicht raumfüllend wie der manch anderer Orchideen. Wie bei den meisten Bulbophyllen schwingt auch bei dieser Art die Lippe hin und her, wenn die Blüte durch den Wind bewegt wird. Durch diesen Mechanismus sollen die bestäubenden Fliegen angelockt werden.

Für die Kultur von Bulbophyllum ist ein gut drainiertes Substrat äußerst wichtig. Besonders die Neutriebe sind bei anhaltender Feuchtigkeit sehr anfällig für Fäulnis oder Pilzbefall. Ich kultiviere meine Bulbophyllen daher in einer Mischung aus mittelgroßer und großer Rinde. Zusätzlich füge ich etwas Perlite mit ins Substrat. Perlite sorgen dafür, dass der Pflanzstoff luftig bleibt und nicht so sehr verdichtet. Getaucht wird erst wieder, wenn der Topf wirklich komplett abgetrocknet ist und keine Restfeuchtigkeit mehr zu sehen ist. Aus diesem Grund topfe ich grundsätzlich in transparente Töpfe. Bulbophyllum lobbii lässt sich auch sehr gut aufgebunden kultivieren. Allerdings ist diese Kulturmethode nur in einer Umgebung mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit möglich, wie sie z. B. in einem Gewächshaus herrscht. Auch eine große Orchideenvitrine würde diese Kulturmethode möglich machen. Im Wohnraum ist die hohe Luftfeuchtigkeit allerdings nur sehr schwer zu erreichen und wenn, dann droht meist Schimmelgefahr. Wer also weder ein Gewächshaus noch eine große Vitrine zur Verfügung hat, der ist mit Topfkultur bestens beraten.

Dieses Jahr hatte ich sechs Blüten (Foto: Thomas LEHMANN)

Bulbophyllum lobbii steht das ganze Jahr über in meiner beheizten Orchideengalerie mit kompletter Glasfront auf der Südseite. Im Sommer wird natürlich schattiert und auch im Winter steht das mittelgroße Bulbophyllum nicht dirket an der Scheibe, sondern gute 1,5 Meter im Raum auf der östlichen Seite, sodass es etwas von der untergehenden Sonne beschienen wird. Den Rest des Tages steht es hell, aber nicht in direktem Sonnenlicht. Die Temperaturen im Winter steigen bei Sonnenschein durch die große Glasfront auch schnell über 30 Grad. Unter 24-25 Grad fallen sie tagsüber nicht, da die Heizungsluft aus dem Wohnzimmer durch die offene Galerie natürlich nach oben steigt und es sich dort dann mehr aufheizt als unten. In der Nacht gehen die Temperaturen im tiefen Winter auf 16-18 Grad zurück. Unter 16 Grad fallen sie aber wirklich niemals.

Das Tauchwasser wird im Sommer bei jedem Tauchen auf ca. 350 Mikrosiemens aufgedüngt. Ab und an spüle ich den Topf mal mit sehr salzarmem Wasser durch, um unnötig abgelagerte Salze aus dem Substrat zu schwemmen. Im Winter dünge ich, wie schon oft erwähnt, gar nicht. In der lichtarmen Zeit arbeitet der Stoffwechsel der Pflanzen wesentlich langsamer. Hierfür genügen die Nährstoffe, die sich den Sommer über im Substrat angereichert haben. Wer künstliches Licht benutzt, kann auch im Winter etwas Dünger geben.

Im Sommer, meist im Juli oder August, blüht mein Bulbophyllum lobbii. Die einzelnen Blüten der Neubulben öffnen sich ziemlich zeitgleich und blühen gemeinsam, allerdings nicht allzu lange. 7-10 Tage, dann ist die Blütenpracht auch schon wieder vorbei und man kann sich auf den nächsten Sommer freuen. Dieses Jahr hatte mein Bulbophyllum lobbii sechs Blüten. Im Jahr davor nur fünf. Ich bin schon gespannt, wie viele es nächstes Jahr werden!

Autor: Thomas LEHMANN

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In diesem Zustand erhielt der Klon ‚Peter‘ noch die Bronzemedaille in der Kategorie Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Ebenfalls der Klon ‚Peter‘, allerdings mit besserer Haltung. Dafür vergaben die Bewerter die Silbermedaille in der Kategorie Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Detailansicht der beweglichen Lippe (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)

KW 35, 2018

Prosthechea guttata

Alles lesen Orchidee der Woche 35, 2018

Prosthechea guttata

Foto: Thomas LEHMANN

Als Encyclia guttata wurde diese extravagante Naturform im Jahr 1918 vom deutschen Botaniker und Taxonomen Friedrich Richard Rudolf SCHLECHTER in Beiheft zum Botanischen Centralblatt erstmalig beschrieben. Ihren aktuell durch Kew anerkannten Namen Prosthechea guttata erhielt sie erst im Jahr 2003 durch die Umkombination von Eric Alston CHRISTENSON, die der amerikanische Botaniker  in Richardiana, einer französischen Fachzeitschrift für Botanik, Floristik und Taxonomie, veröffentlichte. Prosthechea guttata ist unter zahlreichen Synonymen bekannt,  unter denen sie auch häufig im Handel angeboten wird. In der World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) sind folgende Synonyme gelistet:

  • Die geschlossene Knospe erinnert an eine Kastanie (Foto: Thomas LEHMANN)

    Encyclia guttata

  • Epidendrum guttatum
  • Epidendrum maculosum
  • Encyclia maculosa
  • Prosthechea maculosa

Das natürliche Verbreitungsgebiet ersteckt sich von Mexiko bis Guatemala. Prosthechea guttata wächst dort in Pinien-, Eichen- und Mischwäldern auf Höhen von 1400-2400 Metern unter eher kühlen Bedingungen. In den Wintermonaten fallen die Temperaturen nachts deutlich unter 10 Grad, aber nicht unter Null Grad. Im Sommer steigt das Thermometer tagsüber auch mal über 30 Grad, die Nächte sind mit ca. 15-20 Grad aber deutlich kühler. Je nach Standort reichen die Temperaturen also von kalt bis zum unteren Bereich von temperiert. Niederschläge gibt es zwar das ganze Jahr über, allerdings sind diese in den Wintermonaten eher selten. Von Juni bis Oktober werden sie deutlich häufiger. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch. Prosthechea guttata wächst epiphytisch und litophytisch unter meist schattigen Bedingungen.

Diese Art bildet ca. 5 cm hohe Pseudobulben aus, die länglich-oval geformt sind. Auf jeder Pseudobulbe sitzen ein bis drei Blätter, die eine feste Struktur haben. Die Blätter können bis zu 20 cm lang werden und sind ebenfalls länglich und schmal. Im Frühjahr oder Frühsommer entstehen im Herzen der Blätter die Infloreszenzen, die ebenfalls bis zu 20 cm lang werden können und in Schüben mehrmals hintereinander 3-20 Blüten ausbilden. Die Blütezeit erstreckt sich durch die interwallartigen Blühphasen bis in den Spätsommer, teilweise sogar bis in den Herbst. Insgesamt bringt so ein Blütentrieb dann 35-40 Blüten hervor. Zeitglich zur Blühphase bilden sich auch die Neutriebe, die im folgenden Jahr zur Blüte kommen werden.

Die kleinen Knospen erinnern an die Früchte einer Kastanie, da sie mit lauter kleinen stachelartigen Fortsätzen besetzt sind. Diese bleiben auch nach dem Aufblühen auf der Außenseite der Blüte erhalten. Die einzelne Blüte ist gerade einmal 7 mm breit und 10 mm hoch. Die einzelnen Blütenblätter sind innen hellbraun gefärbt. Auf der Außenseite bleiben sie eher grünlich. Die Lippe ist nach oben gerichtet, also nicht resupiniert, weiß gefärbt mit einem gelben Zentrum. Die Blüten duften leicht nach Kräutern, wie ich finde. Der Duft ist aber nicht raumfüllend. Die einzelnen Blüten halten sich oft über mehrere Wochen, ehe sie verblühen.

Die stachelartigen Auswüchse bleiben auch nach dem Öffnen erhalten (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Kultur ist nicht sonderlich kompliziert. Die Pflanze steht bei mir im kühl-temperierten Bereich und kommt damit sehr gut zurecht, auch eine kühlere Kultur ist natürlich möglich, da sie dies von ihrem natürlichen Standort kennt. Grundsätzlich gilt dann aber: Je kühler, desto trockener. Im Winter lasse ich das Substrat also richtig austrocknen, bevor wieder gewässert wird. Da ich sie kühl-temperiert halte, wird bei mir aber auch im Winter getaucht. Wer sie kalt bis kühl im Winter kultiviert, sollte nur durchdringend gießen, da Nässe in Verbindung mit Kälte schnell zu Fäulnis führen kann. Die Bulben sollten nicht zu stark schrumpeln und einfallen. Im Sommer tauche ich, sobald der Pflanzstoff leicht angetrocknet, aber noch nicht ausgetrocknet ist. Dies lässt sich in einem transparenten Topf sehr gut beobachten.

Wie ich ja bereits in vielen Beiträgen erwähnt habe, wird bei mir im Winter gar nicht gedüngt. Lediglich die Pflanzen, die künstlich beleuchtet werden und somit auch im Winter einen hohen Stoffwechsel haben, bekommen auch in den Wintermonaten Dünger. Meine  Prosthechea guttata bekommt aber kein Kunstlicht und somit auch keinen Dünger im Winter. In den lichtreicheren Monaten von März bis Oktober steigere ich die Düngergaben langsam, sodass ich über die richtig warmen und hellen Sommermonate Juni, Juli und August das Tauchwasser auf einen Leitwert von ca. 350-400 Mikrosiemens aufdünge. Dünger gibt es bei fast jedem Tauchen. Nur gelgentlich spüle ich den Topf mal mit sehr salzarmem Wasser durch, damit sich nicht allzu viele Salze im Substrat ablagern.

Als Pflanzstoff nutze ich bei dieser Naturform Rinde mit mineralischen Zuschlagsstoffen, da sie in der Natur ja auch litophytisch wächst. Auch eine Kultur in komplett mineralischem Substrat ist natürlich möglich. Als Zuschlagsstoffe nutze ich in diesem Fall Perlite, Akadama und Bims. Alles in mittlerer Körnung, damit auch noch genügend Luft an die Wurzeln gelangt. Auch eine Kultur in reinem Sphagnum-Moos könnte ich mir gut vorstellen, man muss nur darauf achten, dass es im Winter dann nicht zu lange zu feucht bleibt.

Im Sommer steht meine Pflanze sehr gut schattiert ohne direkte Sonneneinstrahlung im Freien, da sie in den dichten Wäldern am Naturstandort auch nur wenig Sonnenlicht erhält. Im Winter steht sie an einem Westfenster mit etwas Sonnenlicht am späten Nachmittag. Die Temperaturen im Winter gehen nachts auf 8-10 Grad runter, je nach Außentemperatur sind sie aber auch oft über 10 Grad. Allerdings steigen sie tagsüber auch gerne mal auf 25 Grad an. Es gibt also eine recht große Nachtabsenkung. Ob dies unbedingt nötig ist für die Blüteninduktion, weiß ich nicht, da ich es nie anders ausprobiert habe. Da im natürlichen Habitat  aber eine starke Nachtabsenkung vorhanden ist, würde ich sagen, dass es wahrscheinlich besser ist.

Ob man diese kleinen, braunen Blüten hübsch findet oder nicht, muss jeder für sich entscheiden. Mit ihren stachelartigen Fortsätzen finde ich sie allerdings sehr interessant anzusehen. Außerdem hat man den ganzen Sommer über Blüten, die leicht duften, und die Pflanze macht wenig Arbeit und blüht sehr zuverlässig.

Autor: Thomas LEHMANN

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Die ganze Pflanze ist ca. 35 cm hoch, die Infloreszenz wächst aber noch weiter (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht einer einzelnen Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
An der Infloreszenz sind Blüten und Knospen in jedem Stadium zu sehen (Foto: Thomas LEHMANN)
Die nächste Knospe öffnet sich (Foto: Thomas LEHMANN)
Frontalansicht (Foto: Thomas LEHMANN)

KW 34, 2018

Cirrhaea dependens

Alles lesen Orchidee der Woche 34, 2018

Cirrhaea dependens

Foto: Thomas LEHMANN

Der englischer Botaniker, Illustrator und Ornithologe George LODDIGES beschrieb diese Naturform erstmals im Jahr 1825 und ordnete sie der Gattung Cymbidium zu. Ihren heute gültigen Namen Cirrhaea dependens bekam sie 1830 durch die Neubeschreibung des schottischen Botanikers John Claudius LOUDON in seinem Buch „Loudon’s Hortus Britannicus“. Über den natürlichen Standort sind leider nur sehr wenige Informationen zu finden, die allesamt ausschließlich Brasilien als Heimat von Cirrhaea dependens angeben. Häufig werden Süden und Südosten von Brasilien genannt. Einige Quellen sagen, diese Naturform sei in der Region um Santa Catarina endemisch, d. h. nur dort zu finden. Anderen Quellen zufolge kommt sie bis hoch nach Rio de Janeiro vor, das in einer ganz anderen Klimazone als Santa Catarina liegt.

Die ganze Pflanze (Foto: Thomas LEHMANN)

In der Region Santa Catarina und dem gesamten südlicheren Gebiet herrscht feuchtes subtropisches Klima. Ganzjährig feucht mit Niederschlägen. Die Temperaturen können dort im Winter bis auf 10 Grad und etwas tiefer fallen. Sommertemperaturen liegen durchschnittlich bei 28 Grad, können kurzzeitig auch über 30 Grad steigen.

Um die Stadt Rio de Janeiro herum gibt es verschiedene Klimazonen. Westlich herrscht ein wintertrockenes subtropisches Klima mit Temperaturen, die im Winter auf 15 Grad abfallen und im Sommer auf 23 Grad steigen. Östlich der Stadt gibt es sogar einen kleinen Bereich mit tropischem Monsunklima. Dort wird es im Winter nur selten kälter als 20 Grad, im Sommer können 28 Grad erreicht werden.

Cirrhaea dependens bildet ca. 4-7 cm hohe Pseudobulben aus, auf denen jeweils ein einzelnes bis zu 25 cm langes Blatt sitzt. Die Pseudobulben und Blätter erinnern ein wenig an die Gattung Gongora. Die herabhängenden Infloreszenzen entspringen dem unteren Teil der Pseudubulbe und können bis zu 45 cm lang werden und bis zu 20 Blüten tragen. Die Blütenfarbe ist sehr variabel. Sie reicht von Gelbtönen über kräftige Orange- und Brauntöne bis zu sattem Blutrot. Manche sind einfarbig, manche gemustert oder zweifarbig. Die einzelne Blüte ist ca. 4-5 cm hoch und nicht resupiniert, d. h. das Labellum zeigt nach oben. Bei meiner Pflanze konnte ich keinen Duft feststellen. Es soll aber auch duftende Pflanzen geben. Die Blütezeit ist im Frühjar bis in den Sommer. Neutriebe erscheinen bei meiner Pflanze vom Frühjahr bis in den späten Sommer.

Die Kulturvorschläge, die sich im Internet finden lassen, sind ebenso rar und unterschiedlich wie die Angaben zum Naturstandort. Von kühl bis heiß, durchkultivieren und mit Trockenphase – es ist fast jeder Vorschlag zu finden, der möglich ist. Ich ging, wie so oft, nach meinem Bauchgefühl vor. Da sie Pseudobulben ausbildet, denke ich, dass sie etwas trockenere Phasen gewohnt sein sollte. Warum sonst hätte sie diese im Laufe der Evolution hervorgebracht!? Allerdings hielt ich sie nicht über Monate komplett trocken, sondern lediglich nach Triebabschluss im späten Herbst/Anfang Winter kurzzeitig deutlich trockener. Gelegentlich wurde das Substrat feucht gesprüht, aber nicht durchnässend gegossen oder getaucht. In dieser Ruhephase gab ich auch keinen Dünger ins Regenwasser.

Detailansicht (Foto: Thomas LEHMANN)

Den Sommer über darf meine Pflanze im Freien verbringen. Also musste sie da teilweise sehr heiße Tagestemperaturen erdulden. In den Sommernächten fallen die Temperaturen bei uns in Süddeutschland auf 12-20 Grad ab. Im Winter war ich mir anfangs sehr unsicher, welche Temperaturen ich meiner Cirrhaea dependens ermöglichen soll. Ich entschied mich dazu, sie während der etwas trockeneren Phase, von Ende November bis in den Februar hinein, auch etwas kühler zu kultivieren – zumindest in den Nächten. Die nächtlichen Temperaturen an meinem unbeheizten Westfenster sinken auf ca. 12 Grad ab. In besonders kalten Nächten auch noch etwas darunter. Ab Februar bekam sie dann einen neuen Standort in der Nähe eines beheizten Südfensters. Die Temperaturen fallen dort nachts nie unter 16 Grad. Mit dem neuen, wärmeren Standort bekam sie auch wieder mehr Wasser. Das Substrat war ab dem Zeitpunkt dann dauerfeucht. Mit dem Düngen begann ich dann erst im März, als die ersten Neutriebe erschienen. Das Gießwasser düngte ich dann bei jedem Gießen auf einen Leitwert von ca. 350 Mikrosiemens auf.

Da ich die Pflanze in Sphagnum-Moos getopft erhielt, blieb ich auch dabei. Man sollte das Moos jährlich wechseln, da es sich zum einen sehr stark mit Salzen anreichert und zum anderen durch die Dauerfeuchtigkeit sehr schnell zersetzt und verdichtet. Natürlich sollte es auch mit anderen Pflanzstoffen funktionieren, die gut Feuchtigkeit speichern können. Bester Zeitpunkt zum Umtopfen ist natürlich das Frühjahr, wenn die ersten Neutriebe mit dem Wurzeln beginnen. Bisher kultiviere ich Cirrhaea dependens in einem normalen Ampeltopf. Allerdings werde ich sie beim nächsten Topfen in einen Korb oder Gittertopf setzen, da ich vermute, dass  Infloreszenzen durch das Substrat nach unten gewachsen sind, die dann keinen Ausgang aus dem Topf gefunden haben. Aus Fehlern lernt man!

Licht bekommt sie ganzjährig nicht zu viel bei mir. Da ich vermute, dass sie epiphytisch auf immergrünen Bäumen wächst. Ob diese Annahme richtig ist, weiß ich nicht. Dazu habe ich bisher keine Informationen gefunden. Aber das schattige Angebot, welches ich ihr geschaffen habe, scheint ihr gefallen zu haben. Im Winter bekommt sie allerdings schon etwas direkte Abendsonne (am Westfenster während der Ruhephase). Im Sommer hängt sie sehr schattig unter meinem Balkondach.

Im frühen Sommer bildete sie 2 Infloreszenzen, wobei eine davon leider eingetrocknet ist und nicht zur Blüte kam. Die andere blühte dafür sehr schön. Allerdings nicht allzu lange. Ich glaube, es waren ca. 10 Tage. Ob die recht kurze Blütezeit normal ist oder an meiner Kultur nicht alles richtig ist, kann ich abschließend leider noch nicht sagen. Auch hierzu finden sich sehr wenige bis keine Informationen.

Eine wirklich ausdrucksstarke Naturform, die leider kaum in Kultur ist. Sollte einer der Leser mehr Informationen haben oder Vorschläge zur Optimierung meiner Kultur, dann darf er gerne unter unten angegebender E-Mail-Adresse schreiben!

Autor: Thomas LEHMANN

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Blick von oben auf die Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Die ganze Pflanze (Foto: Thomas LEHMANN)
Blütentraube (Foto: Thomas LEHMANN)

 

 

 

KW 33, 2018

Phragmipedium andreettae

Alles lesen Orchidee der Woche 33, 2018

Phragmipedium andreettae

Ein fast reinweißer Klon von Phragmipedium andreettae (Foto: Thomas LEHMANN)

Der englische Botaniker Phillip James CRIBB, Kurator des Orchideen-Herbariums der Kew-Gardens in England, und der in Costa Rica lebende Orchideenspezialist Prof. Franco PUPULIN beschrieben Phragmipedium andreettae erstmalig im Jahre 2006 in Lankesteriana, dem wissenschaftlichen Journal des botanischen Gartens von Lankester. Wann und wo genau  diese neue Naturform zuerst gefunden wurde, ist leider nicht bekannt. Fest steht nur, dass sie erstmalig in den Gewächshäusern von Pepe Portilla (Ecuagenera) in Gualaceo in Ecuador erblühte. Ihren Namen Phragmipedium andreettae bekam sie zu Ehren des Padre ANDREETTA, eines Salesianer-Priesters, der sich zeit seines Lebens intensiv mit Orchideen beschäftigte und nicht zuletzt Pepe Portilla den Anstoß dazu gab, die Firma Ecuagenera zu gründen und aufzubauen.

Heimisch ist Phragmipedium andreettae in Nordwestecuador und Kolumbien, wo es litophytisch und terrestrisch in Höhenlagen von 500-1000 Metern über dem Meeresspiegel anzutreffen ist. Da die Pflanzen oft zusammen mit Phrag. schlimii und Phrag. fischeri wachsen, kommt es zu einer natürlichen Hybridisierung der Arten. Die genaue Erforschung dieser Naturhybriden ist jedoch noch nicht endgültig abgeschlossen. Das Klima am Standort bietet ganzjährig hohe Luftfeuchtigkeit, ständige Luftbewegung und regelmäßige Niederschläge bei Tagestemperaturen von 26-30 Grad und ca. 20 Grad in der Nacht. Die Standorte sind stets hell, liegen aber nicht in direkter Sonne. Sehr häufig ist Phrag. andreettae in der Nähe von Flüssen und Bächen zu finden und wächst dort direkt auf feuchten Klippen oder zwischen Gräsern und Moosen.

Wesentlich mehr Farbe und eine ganz andere Form hat dieser Klon (Foto: D.O.G.-Archiv)

Die Blätter von Phragmipedium andreettae können bis zu 17 cm lang werden. Jeder Trieb bildet 3-5 Blätter aus, bevor er zur Blüte kommt. Der aufrecht wachsende Blütentrieb bildet 2-4 Blüten aus, die sich nacheinander öffnen. Die Infloreszenz hat eine Gesamtlänge von 12-18 cm. Die Blüten werden ca. 5 cm hoch und ebenso breit. Sie variieren in Form, Farbe und Größe. Die Farbvarianten reichen von blassrosa bis zu fast reinweißen Blüten, die lediglich auf der Rückseite zartrosa überhaucht sind. Es ist nicht auszuschließen, dass auch komplett weiße Klone existieren. Bisher wurden diese aber noch nicht entdeckt. Die ersten Blüten junger Pflanzen zeigen  oft noch eine sehr schlechte, unsymmetrische Haltung. Je älter und größer die Pflanze wird, desto besser wird auch die Haltung der Blüten. Phrag. andreettae blüht oft schon sehr früh, also wenn die Pflanze selbst noch sehr klein ist.

Vor etwas über drei Jahren bekam ich eine Flasche mit Phragmipedium-Sämlingen sehr günstig angeboten, da diese nur sehr wenige Wurzeln im Nährmedium gebildet hatten. Deklariert war die Flasche als Phrag. andreettae × Phrag. pearcei, eine damals noch nicht registrierte Kreuzung, die heute als Phragmipedium Alejandro Teson registriert ist. Da der Preis nicht der Rede wert war, nahm ich das Angebot an, obwohl mir jegliche Erfahrung mit so kleinen Sämlingen und dem Entflaschen dieser fehlte. Ohne groß zu recherchieren, ging ich beim Entflaschen und anschließenden Pikieren recht unbedarft und nach Bauchgefühl an die Sache ran. Ich holte die Sämlinge aus ihrer Flasche, entfernte vorsichtig das Nährmedium mit lauwarmem Wasser und topfte sie einzeln in kleine transparente Töpfe, um das Wurzelwachstum gut beobachten zu können. Denn Wurzeln waren nur sehr wenige vorhanden und die waren auch noch sehr kurz. Als Substrat verwendete ich eine Mischung aus feiner Rinde, Perlite, Moos und sogar einen kleinen Anteil Torf. Für den Torf entschied ich mich, da ich damals meine Phragmipedien noch nicht mit nassem Fuß kultivierte, sondern sie alle paar Tage tauchte. Die kleinen Töpfe wären ohne Torf einfach zu schnell abgetrocknet. Diese Mischung kann nicht so schlecht gewesen sein, denn innerhalb kurzer Zeit kamen die ersten Wurzeln am Topfrand an und wuchsen um den Topf herum. Auch die Pflanzen selbst entwickelten sich gut weiter, jedes neue Blatt war größer und breiter als das vorherige. Es machte richtig Spaß den Kleinen beim Wachsen zuzusehen. Da sich der Pflanzstoff durch den Torf und das Moos recht schnell verdichtete, bekamen die Pflanzen alle 6-8 Monate neues Substrat. Je mehr Wurzeln sie hatten und je größer der Topf wurde, desto weniger Torfanteil hatte ich dem Substrat beigemischt. Obwohl ich nach ca. einem Jahr meine Kultur umstellte und die Pflanzen nicht mehr getaucht wurden, sondern immer in 1-2 cm Wasser standen, gab ich bei den kleinen Pflanzen noch etwas Torf hinzu. Erst beim letzten Topfen in 8-9 cm große Töpfe nach ca. 2 1/2 Jahren änderte ich die Mischung des Pflanzstoffes auf meine Standard-Mischung für die gängigen Phragmipedien. Rinde, Perlite, Holzkohle und etwas mineralischen Anteil wie Bims oder Akadama – alles in etwas feinerer Körnung als bei meinen großen Phragmipedien, da die Jungpflanzen wesentlich kleinere Töpfe haben und auch feinere Wurzeln. Heute – drei Jahre später – kommen die ersten drei Pflanzen von den acht, die ich behielt, zur Blüte und es stellte sich heraus, dass es keine Hybriden aus Phrag. andreettae und Phrag. pearcei sind, sondern reine Phragmipedium andreettae. Ich unterstelle dem Verkäufer keine arglistige Täuschung, da mir Eliseo TESON, ein kolumbianischer Phragmipedium-Spezialist, erklärte, dass Phrag. andreettae zur Selbstbestäubung neigt. Daher ist nicht jede Hybridisierung von Erfolg gekrönt, auch wenn sich keimfähiger Samen entwickelt. Manchmal kommt dann eben „nur“ ein reines Phragmipedium andreettae raus. Da die erste Blüte, die letzte Woche bei mir aufging, ein fast reinweißer Klon ist, der wirklich nur einen ganz zarten Hauch von Rosa auf der Rückseite hat und auch in der Haltung für eine Erstblüte schon sehr schön ist, bin ich gar nicht böse, dass es nicht die erwartete Hybride Phragmipedium Alejandro Teson ist.

Im direkten Vergleich mit meinen Fingern, um sich die Größe etwas besser vorstellen zu können (Foto: Thomas LEHMANN)

Zum Substrat schrieb ich ja schon im oberen Teil. Wobei natürlich auch andere Pflanzstoffe möglich sind. Wichtig ist, dass das Substrat gut Feuchtigkeit hält und nicht komplett abtrocknet. Den Sommer über dünge ich bei jedem Wässern mit einem Leitwert von ca. 300-350 Mikrosiemens. Im Winter gebe ich grundsätzlich keinen Dünger, da durch das fehlende Licht der Stoffwechsel der Pflanze herunterfährt und die angelagerten Salze im Substrat ausreichen, um die Pflanze gut durch den Winter zu bringen. Wer im Winter zusätzlich mit Kunstlicht beleuchtet und so den Stoffwechsel hochhält, kann natürlich auch im Winter düngen. Dies ist bei Phragmipedium andreettae aber nicht zwingend notwendig.

Phragmipedium andreettae wird bei mir richtig warm kultiviert, wie am natürlichen Standort. Im Sommer haben wir es hier in Süddeutschland ja meist sehr warm bis heiß. Da ist ein Aufenthalt im Freien möglich, aber nicht unbedingt notwendig, wenn im Innenraum für genügend Luftbewegung durch regelmäßiges Lüften oder einen Ventilator gesorgt wird. Im Winter stehen die Pflanzen in meinem beheizten Orchideenzimmer. An bewölkten Tagen erreichen die Temperaturen 24 Grad, an sonnigen Tagen heizt sich der Raum auch mal auf 30-33 Grad auf. Nachts fallen die Temperaturen auf 18-20 Grad zurück, je nach Außentemperatur.

Das Orchideenzimmer hat an der Südseite eine riesige Glasfront, die im Sommer etwas schattiert wird. Im Winter (Oktober bis Februar) wird nicht schattiert und das volle Sonnenlicht fällt auf die Pflanzen. Das wird bisher von all meinen über 300 Phragmipedien gut vertragen. Von März bis September muss aber unbedingt schattiert werden, da die Blätter sonst sehr schnell verbrennen. Bei zu wenig Licht  werden die Blätter deutlich länger und schmaler als üblicherweise und meist fällt dann auch die Blüte aus.

Sehr wichtig bei der Kultur von Phragmipedium ist ausreichende Luftbewegung. Stehende Luft wird sehr schnell mit Pilzbefall quittiert. Im Sommer habe ich daher, wann immer es geht, das große Fenster komplett offen. Im Winter versuche ich, so viel wie möglich zu lüften, und gelgentlich läuft zusätzlich ein Ventilator im Zimmer.

Durch den Austausch mit anderen Phragmipedium-Sammlern erfuhr ich, dass für Phragmipedium andreettae eine möglichst hohe Temperatur sehr wichtig zu sein scheint. Kühlere Temperaturen im Winter bedeuteten bei einigen Orchideenliebhabern den Tod der Pflanze. Nach meinen Erfahrungen werden etwas kühlere Tage gut vertragen. Nächte unter 18 Grad auf Dauer dagegen nicht so gut.

Ansonsten ist diese wunderbare Naturform ein genügsamer Geselle und zuverlässiger Blüher, der durch die kompakte Größe auch gut auf der Fensterbank Platz findet.

Autor: Thomas Lehmann

Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)

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Leider nicht mehr rechtzeitig aufgegangen. Die zweite Pflanze aus der Flasche bekommt definitiv mehr Farbe. (Foto: Thomas LEHMANN)
Leider nicht mehr rechtzeitig aufgegangen. Die zweite Pflanze aus der Flasche bekommt definitiv mehr Farbe. (Foto: Thomas LEHMANN)
Hier der ganze Habitus des weißen Klons (Foto:Thomas LEHMANN)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 32, 2018

Renanthera John Losgar

Alles lesen Orchidee der Woche 32, 2018

Renanthera John Losgar

Renanthera John Losgar (Foto: Thomas LEHMANN)

Erst im Jahr 2008 registriert, ist die Primärhybride Renanthera John Losgar eine eher neuere Kreuzung aus den beiden Naturformen Renanthera imschootiana und Renanthera citrina. In Farbe und Form sind die Blüten dieser Hybride leicht variabel. Meistens haben sie einen gelblichen Grund, auf dem mal mehr, mal weniger rote Punkte zu sehen sind. Manchmal sind auch ganze Teile der Blüte rötlich anstatt gelb. Sie duftet nicht, ist aber eine zuverlässige Blüherin. Der wechselständig beblätterte, stammartige Spross dieser monopodial wachsenden Orchideengattung kann recht hoch werden und verholzt oft mit dem Alter im unteren Bereich. Die einzelnen Blätter sind ca. 15-20 cm lang, fest und fleischig. Der Blütentrieb erreicht eine Länge von bis zu 40 cm und blüht öfter an der Triebspitze nach.

Renanthera imschootiana ‚Baronja‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Renanthera imschootiana ist beheimatet in Myanmar, Assam, dem südlichen China, Laos und Vietnam. Dort wächst sie epiphytisch, meist auf Bäumen, unter kühlen bis warmen Temperaturen – je nach Standort. Durch das große Verbreitungsgebiet und die unterschiedlichen Höhenlagen von 500-1500 Metern gibt es Populationen in unterschiedlichen Klimazonen. Blütezeit ist vom späten Frühjahr bis in den frühen Sommer. Die Infloreszenz wird 45 cm lang und trägt eine Fülle an Blüten. Am Naturstandort wachsen Renantheren generell in sehr hellen Bereichen, teilweise der Sonne ausgesetzt.

Renanthera citrina ‚Currlin‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Renanthera citrina kommt lediglich in Vietnam vor und wächst dort in moosigen, feuchten Wäldern, oft auf alten vermoosten Baumstümpfen und umgefallenen Bäumen in Bodennähe. Diese Naturform gehört zu den etwas kleineren Renanthera-Arten, ihre reich besetzten Blütentriebe werden bis 45 cm lang. Auch Ren. citrina wächst in Klimaregionen von kühl über temperiert bis warm. Zu finden ist sie in Höhenlagen von 650-1200 Metern über dem Meeresspiegel. Auch sie erhält viel Licht.

Die Kultur meiner Renanthera John Losgar ist eigentich recht unkompliziert. Wegen ihres hohen Lichtbedarfs hängt sie seitlich am Südfenster und ist besonders der Morgensonne auch im Sommer lange ausgesetzt. Die Blätter haben keinerlei Verbrennungen und die Pflanze wächst sehr gut und blüht regelmäßig im Frühjahr/Sommmer. Das Fenster, neben dem sie hängt, ist im Sommer fast 24 Stunden geöffnet, sodass sie sehr viel Frischluft und Lufbewegung bekommt. Ich kultiviere sie unter warmen Bedingungen. Auch im Winter fallen die nächtlichen Temperaturen nicht unter 16-18 Grad, ganz selten mal auf 15 Grad. Tagsüber können aber auch im Winter Temperaturen von 33 Grad erreicht werden. Dadurch habe ich auch im Winter in meiner Orchideengalerie einen recht hohen Temperaturabfall in der Nacht. Ob dies zur Blüteninduktion unbedingt erforderlich ist, kann ich gar nicht so genau sagen. Es kommt aber den klimatischen Bedingungen der Elternpflanzen am Naturstandort nahe. Von daher wird es nicht schaden.

Seitenansicht von Renanthera John Losgar (Foto: Thomas LEHMANN)

Grundsätzlich gilt für die Wassergaben: lieber etwas trockener halten als zu nass. Renantheren neigen sehr schnell zu Stammfäule, wenn es zu feucht ist. Darum ist ein gut drainiertes Substrat mit viel Luftzirkulation unbedingt erforderlich. Ich habe meine John Losgar in sehr grobe Rinde getopft ohne jegliche Zuschlagstoffe, da alles sehr zügig abtrocknen muss. Die Körnung ist 15-25 mm. Ich tauche alle 5-10 Tage, je nach Temperatur. Wichtig ist, dass der Topf wirklich komplett trocken und leicht ist. Erst dann wird wieder gewässert. Im Zweifel lieber 2 Tage länger warten. Schäden durch Trockenheit lassen sich leichter kurieren als die von zu viel Feuchtigkeit. Ich dünge das Gießwasser im Sommer bei jedem Gießen auf einen Leitwert von ca. 350 Mikrosiemens auf. Im Winter dünge ich gar nicht, da sich über den Sommer genug Salze im Substrat ablagern, von denen sich die Pflanze im Winter gut ernähren kann.

Jedes Frühjar erscheinen ein bis zwei Infloreszenzen, die sich teilweise verzweigen und an den Triebspitzen auch gerne weitere Blüten nachschieben. Dadurch können sie den ganzen Sommer durch blühen. Leider habe ich einen Klon  erwischt, der nicht riecht. Es soll welche geben, die den zarten und fruchtigen Duft von Renanthera imschootiana mitbekommen haben.

Eine wirklich unkomplizierte Hybride, die im Temperaturbereich sehr variabel ist und von daher in viele Orchideensammlungen integriert werden kann. Viel Spaß beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Die gesamte Pflanze mit Infloreszenz (Foto: Thomas LEHMANN)
Die gesamte Pflanze mit Infloreszenz (Foto: Thomas LEHMANN)
Hier die Infloreszenz auf einen Blick (Foto: Thomas LEHMANN)
Detailansicht (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 31, 2018

Vanda falcata

Alles lesen Orchidee der Woche 31, 2018

Vanda falcata

(Syn. Neofinetia falcata)

Vanda falcata ‚Gojofukurin‘ (Foto: Thomas LEHMANN)
Der Klon ‚Hisui‘ hat grüne Blüten (Foto: Gregor KLEEFELD)

Die Erstbeschreibung von Vanda falcata fand im Jahr 1854 statt. Joseph Georg BEER, ein österreichischer Botaniker, beschrieb sie damals in seinem Buch „Praktische Studien an der Familie der Orchideen“. 1925 wurde sie in Rhododa, Journal of the New England Botanical Club, von H. H. HU der Gattung Neofinetia untergeordnet, zu der sie bis vor einigen Jahren gezählt wurde. Neueste taxonomische Umstrukturierungen ordneten die Gattung Neofinetia komplett der Gattung Vanda zu, womit Vanda falcata wieder ihren ursprünglichen Namen trägt. Dennoch wird sie in Sammlerkreisen, welche besonders im asiatischen Raum weit verbreitet sind, heute noch meistens als Neofinetia bezeichnet.

Beheimatet ist Vanda falcata in Japan, Korea und auf den Ryūkyū-Inseln. Sie wächst dort ausschließlich epiphytisch unter kühlen und kalten klimatischen Bedingungen. Die kleinen Pflanzen besiedeln am Naturstandort meist laubabwerfende Bäume und haben somit schattige Sommer – im Winter sind sie dann der vollen Sonne ausgesetzt. V. falcata ist auch bekannt unter dem Namen »Windorchidee«, da sie extrem viel Luftbewegung und Frischluft braucht, auch damit die Wurzeln nach einem Regen (oder nach dem Gießen) schnell wieder abtrocknen können. Dies ist besonders wichtig,wenn sie in Rinde getopft kultiviert wird. Vanda falcata ist eine monopodial wachsende Orchidee, die ab einer bestimmten Größe mehrere fächerartig beblätterte Sprosse ausbildet. Die Blätter sind etwa 5-12 cm lang, dünn, kräftig und starr. Es gibt Klone mit einfarbigem oder panaschiertem Laub. Oft werden im Herbst die Blütentriebe angesetzt, die dann den Winter über ruhen und im Frühjahr weiterwachsen und zur Blüte kommen. Die Infloreszenz entspringt einer Blattachse, wird ca. 7 cm lang und trägt mehrere Blüten, die am Abend einen angenehmen Duft verbreiten. Die Blütenfarbe von V. falcata ist nicht so variabel wie es scheint. Sie wird zwar in Weiß, Rosa, Gelb, Grün und Violett, teilweise einfarbig, teilweise zweifarbig angeboten, allerdings findet man in der Natur fast ausschließlich weiße Blüten, selten mit einem Hauch von Rosa oder Grün. Die Lippe ist bei den natürlichen Farbvariationen immer komplett weiß. Kräftigere Rosa-, Gelb-, Violett- oder Grüntöne sind Ergebnisse jahrhundertelanger Zucht, bei denen vermutlich andere Arten von Vandeen mit eingekreuzt wurden. An der Rückseite der Blüte befindet sich ein langer Sporn, der nach unten zeigt. Es gibt gelegentlich Mutationen, bei denen sich drei Sporne pro Blüte ausbilden.

‚Manjushage‘, ein sehr beliebter Klon, dessen Blüten 3 Sporne besitzt (Foto: Gregor KLEEFELD)

Vanda falcata neigt sehr zu Mutationen, sowohl am Spross, als auch an den Blüten. Diese besonderen Mutationen sind bei Sammlern sehr begehrt und können Preise auch weit über 10.000 $ erzielen. Einige asiatische Züchter bestrahlen ihre Sämlinge zum Teil mit Röntgenstrahlen oder Ähnlichem, um diese besonderen Mutationen hervor zurufen.

Da es unzählige Variationen an Blattformen, Blattfarben, Blütenformen und -farben gibt, wurden etliche Klone von Sammlern und Züchtern mit einem speziellen Namen versehen. Dieser Name ist meist in japanischer oder koreanischer Sprache und beschreibt oft eine Besonderheit des Klons. Für die Benennung von neuen Mutationen und Varietäten gibt es Regeln, welche ich hier aber leider nicht aufführen kann, da ich selbst noch nicht ganz durchgestiegen bin.

Um den Frischluftbedürfnissen der »Windorchidee« gerecht zu werden, sollte sie den Sommer über auf jeden Fall an einem schattigen Platz im Freien stehen dürfen, der möglichst nicht zu warm wird. Sie wird dann regelmäßig gegossen. Das Substrat muss aber erst vollkommen abgetrocknet sein, bevor wieder gewässert wird. Sobald keine Kondenstropfen mehr im Topf zu sehen sind,

Blätter mit solchen weißen Bereichen werden von Sammlern Ghost-Leaf (engl. für Geisterblatt) genannt. Auch die roten Wurzelspitzen sind eine Besonderheit, die nicht jeder Klon aufweist. (Foto: Gregor KLEEFELD)

kann wieder Wasser gegeben werden. Sollte das Substrat eine Woche und länger brauchen um abzutrocknen, ist es zu fein und somit ungeeignet. Es ist ganz wichtig Vanda falcata in einen Pflanzstoff zu topfen, der sehr schnell abtrocknen kann. Natürlich ist auch aufgebundene Kultur möglich, was aber wesentlich mehr Arbeit macht, da öfter gesprüht werden muss, wenn man keine Vitrine mit kalten Temperaturen zu Hause hat. Ich habe meine V. falcata in grobe Rinde ohne Zuschlagsstoffe getopft. Die Japaner machen daraus einen Kult und topfen sie in kleine Hügel aus langem Sphagnum-Moos, die innen hohl sind. Diese Technik nennt sich Kokedama. Man findet allerlei Anleitungsvideos dazu im Internet.

Ihren Freilandaufenthalt kann sie dann genießen, bis die nächtlichen Temperaturen unter 5 Grad fallen, wobei sie bei kühlen Temperaturen im späten Herbst schon wesentlich trockener gehalten wird.  Kältere Temperaturen werden vertragen, aber nur, wenn die Pflanze vollkommen trocken steht. Am Naturstandort fällt gelegentlich sogar Schnee auf die Pflanzen. Kälte in Kombination mit Nässe führt schnell dazu, dass die Wurzeln faulen. Neue Wurzeln werden meist nur im Frühjahr und Herbst gebildet. Im Winter und auch im Hochsommer findet kaum Wurzelwachstum statt. Die Pflanze selbst wächst aber ganzjährig.

Dünger brauchen sie nicht so viel wie die meisten Vandeen. Ich gebe im Sommer bei jedem Wässern etwas Dünger ins Wasser, sodass die fertige Mischung einen Leitwert von 200 Mikrosiemens hat. Im Winter dünge ich wesentlich weniger. Auch gewässert wird im Winter weniger, da meine Pflanzen dann wesentlich kühler stehen. Die nächtlichen Temperaturen liegen dann, je nach Außentetmperatur, zwischen 8 und 12 Grad. Wichtig ist, dass so viel Wasser gegeben wird, dass die im Herbst angesetzten Blütentriebe nicht eintrocknen, und so wenig gewässert wird, dass die Wurzeln nicht faulen. Hier ist ein wenig Fingerspitzengefühl nötig und man sollte sich nicht entmutigen lassen, wenn es in den ersten Wintern zu kleinen Problemen kommt. Hat man den Dreh erst mal raus, belohnt uns Vanda falcata mit beeindruckenden und wundervoll duftenden Blüten.

Besonderen Dank möchte ich Gregor KLEEFELD aussprechen, der mir inhaltlich bei diesem Beitrag geholfen und einige seiner hervorragenden Fotos zur Verfügung gestellt hat.

Autor: Thomas LEHMANN

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Vanda falcata ‚Shuttenou‘ – eine pinkfarbene Naturform (Foto: Gregor Kleefeld)
Vanda falcata ‚Kyokou‘ – wird als Vanda falcata verkauft, gibt es in dieser Farbe in der Natur aber nicht (Foto: Thomas Lehmann)
Vanda falcata ‚Dalmahong‘ – ebenfalls eine durch Zucht entstandene Färbung (Foto: Thomas LEHMANN)
Rote Wurzelspitzen sind eine begehrte Besonderheit einiger Klonen (Foto: Gregor KLEEFELD)
Vanda falcata ‚Kyokou‘ (Foto: Thomas LEHMANN)

KW 30, 2018

Stanhopea deltoidea

Alles lesen Orchidee der Woche 30, 2018

Stanhopea deltoidea

Foto: Mark Turner – Elite Orchids / UK

Der französische Schriftsteller und Botaniker Charles Antoine LEMAIRE beschrieb diese Naturform im Jahr 1862 in L’Illustration Horticole. Seine eigentliche Leidenschaft galt der Familie der Kakteengewächse. Stanhopea deltoidea ist beheimatet in Peru und Bolivien. Sie wächst dort in feuchten Nebelwäldern in Höhenlagen von 1400-1850 Metern unter temperierten Bedingungen, meist epiphytisch auf Bäumen,  gelegentlich ist sie aber auch terrestrisch-litophytisch an steilen Hängen und Felsen anzutreffen. Niederschläge gibt es fast das ganze Jahr über. In den Sommermonaten aber deutlich mehr als im Winter. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch. Die Temperaturen in den heimatlichen Höhenlagen liegen recht konstant bei 15-20 Grad. Stanhopea deltoidea bildet große Pseudobulben aus, an denen oben ein einzelnes, 30-35 cm langes Blatt sitzt. Die Blütentriebe entspringen an der Unterseite der Pseudobulben und werden bis zu 30 cm lang. Jede Infloreszenz trägt meist 4 Blüten, von denen jede einzelne ca. 10 cm groß wird. Die Blütenblätter sind dreieckig, gelblich gefärbt mit bräunlichen Punkten und nach oben gerichtet. Die Geschlechtsorgane der Blüten zeigen hängend nach unten.

Hier sieht man schön, wie die Infloreszenzen durch das Substrat wachsen und an der Unterseite des Topfes ans Licht kommen (Foto: Thomas LEHMANN)

Da die Blütentriebe an der Bulbe nach unten wachsen und dabei oft das Substrat durchwandern, ist es zwingend nötig, Stanhopea in Gittertöpfe oder -körbe zu pflanzen, die es den Blütentrieben erlauben,  aus dem Pflanzgefäß herauszuwachsen. Meine Stanhopea detloidea kultiviere ich in einem Holzkorb, der aus einzelnen kleinen Latten gefertigt ist und zwischen den Latten genügend Platz lässt. Unter dem Substrat liegt ein dünnes Netz, das ein Herausfallen des Substrates verhindert. Als Substratmischung hat sich mittlere bis grobe Rinde mit Sphagnum-Anteil bewährt, da die Wurzeln im Sommer nicht austrocknen sollten. Sphagnum speichert gut die Feuchtigkeit. Durch den luftigen Topf trocknet das Substrat recht schnell ab, weswegen man besonders bei niedriger Luftfeuchtigkeit sehr regelmäßig tauchen oder gießen sollte. Während des Wachstums der Neutriebe tauche ich immer, da so der Pflanzstoff gleichmäßig feucht wird. Im Winter und sobald die Blütentriebe zu sehen sind, gieße ich nur noch. Im Winter sollten sie ja eh etwas trockener stehen, da am Standort dann nur wenig Niederschlag fällt. Nach Erscheinen des Blütentriebes ist es ratsam zu gießen, da man sonst Gefahr läuft, dass der Blütentrieb fault, wenn er zu nass ist und nicht richtig abtrocknet. Wenn die Infloreszenzen länger werden, ist es ohnehin nicht mehr wirklich möglich zu tauchen, ohne die Blütentriebe abzubrechen.

Gerne hätte ich euch diese Blütenpracht gezeigt. 13 Knospen an drei Blütentrieben. Nur leider fuhr ich direkt nach dem Foto eine Woche weg und als ich wiederkam, war alles schon verblüht. (Foto: Thomas LEHMANN)

Die größte Schwierigkeit bei der Kultur in der Wohnung stellt die hohe Luftfeuchtigkeit dar, die alle Stanhopeen lieben. Ich versuche da immer einen guten Mittelweg zu gehen. 80-90% Luftfeuchtigkeit ist für die Wohnung einfach zu hoch, da würde alles schimmeln.  Durch die vielen Wassserschalen, in denen meine über 300 Phragmipedien stehen, habe ich meistens in meinem Orchideenzimmer 60-65% Luftfeuchtigkeit. Das muss für die Stanhopeen auch genügen. An besonders trockenen Tagen fällt die Luftfeuchtigkeit allerdings auch mal unter die 60%-Marke. Dann schalte ich einen Ultraschallvernebler an, der direkt auf die Stanhopeen gerichtet wird, um besonders in deren Umgebung die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen.

Die Temperaturen im Sommer sollten nicht viel über 30 Grad steigen, besser ist darunter. Natürlich ist das bei uns nicht immer möglich und kurzzeitig verträgt Stanhopea deltoidea das auch. Im Winter steht sie dann in einem unbeheizten Zimmer auf der Fensterbank. Wann immer es die Temperaturen zulassen, wird das Fenster gekippt, um für moglichst viel Frischluft und Luftbewegung zu sorgen. Die nächtlichen Temperaturen fallen dann auf ca 13-15 Grad, je nach Außentemperatur. Bis zum März wird sie dann nur so viel gegossen, dass das Substrat nicht komplett austrocknet, aber auch nicht richtig nass ist.

Die Gattung Stanhopea braucht sehr viel Dünger. Während des Wachstums dünge ich bei jeder Wassergabe das Wasser auf mindestens 500 Mirkosiemens auf. Häufig habe ich schon gelesen, dass sie auch mit Düngergaben von 1000 Mikrosiemens kein Problem hat, was ich allerdings selbst noch nicht ausprobiert habe. Ich komme mit 500-600 Mikrosiemens gut zurecht. Im Winter dünge ich gar nicht, da die Pflanze in dieser Zeit ruht und kein Wachstum stattfindet. Die angelagerten Salze im Substrat genügen dann.

Leider halten die Blüten von Stanhopeen generell nur wenige Tage und viele duften nicht sonderlich angenehm, weswegen ich während der Blüte immer versuche, die Temperaturen so kühl wie möglich zu halten. Da wird die Pflanze auch mal umgehängt. Je kühler, desto weniger intensiv ist ihr Duft und desto länger halten sich die Blüten. Der Lichtbedarf von Stanhopeen ist nicht sonderlich hoch, da sie am Naturstandort in immergrünen Wäldern wachsen und vom Laub der Bäume schattiert werden. Volles Sonnenlicht führt schnell zu Verbrennungen an den Blättern und auch an den Bulben.

Mit ihren großen Blüten und meist mehrfachen Blütentrieben, die im späten Frühjahr erscheinen, ist Stanhopea deltoidea ein echter Hingucker.

Special thanks to Mark Turner from Elite Orchids / UK for his pictures of a flowering Stanhopea deltoidea! 

Autor: Thomas LEHMANN

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Die Knospen schieben sich langsam aus den Hüllblättern hervor (Foto: Thomas LEHMANN)
Einzelne Blüte (Foto: Mark TURNER – Elite Orchids / UK)
Nahaufnahme der Blüte (Foto: Mark TURNER – Elite Orchids / UK)
Nahaufnahme einer sich gerade öffnenden Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Und hier nochmal meine Knospenpracht – es ärgert mich noch immer, dass ich das verpasst hab! (Foto: Thomas Lehmann)

KW 29, 2018

Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum

Alles lesen Orchidee der Woche 29, 2018

Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum

(Syn. Bulbophyllum carunculatum)

Foto: Thomas LEHMANN
Detailaufnahme des warzigen Labellums, welches beweglich ist (Foto:Thomas LEHMANN)

Lesley Andrew GARAY, Fritz HAMER und Emily Steffan SIEGERIST beschrieben dieses Bulbophyllum erstmalig im Jahr 1995 unter dem Namen Bulbophyllum carunculatum. Veröffentlicht wurde diese Erstbeschreibung in Lindleyana. 16 Jahre später, im Jahr 2011, wurde es ebenfalls von den drei Erstbeschreibern als Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum im Buch Bulbophyllum of Sulawesi neu eingeordnet. Beheimatet ist diese strahlend gelbe Naturform ausschließlich auf der indonesischen Insel Sulawesi, die zwischen Borneo und Neuguinea liegt. Sie wächst dort epiphytisch in Höhenlägen von 800-900 Metern unter warmen Bedingungen. Die Temperaturen liegen je nach Standort auf der Insel zwischen 25 und 32 Grad am Tag und fallen auf 15-20 Grad in der Nacht ab. Je höher gelegen, desto kühler sind die Temperaturen, dafür sind sie ganzjährig konstant durch die Nähe zum Äquator. Ebenfalls abhängig vom Standort ist der Zeitpunkt der Regenzeit. Während auf der südlichen Seite der Insel von November bis April teilweise heftige Monsunwinde mit starken Niederschlägen herrschen, ist an der Ostküste die Regenzeit von Mai bis August begrenzt. Im nördlichen Teil Sulawesis muss zwischen Oktober und April mit starken Niederschlägen gerechnet werden. Grundsätzlich gibt es aber ganzjährig Niederschlag und es herrscht ebenfalls ganzjährig eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Bulbopyhllum amplebracteatum subsp. carunculatum ist ein mittelgroßes Bulbophyllum, das ca. 5-7 cm hohe, eng aneinanderliegende Pseudobulben ausbildet, auf denen jeweils ein kräftiges, festes und ca. 25-30 cm langes Blatt sitzt. Die bis zu 45 cm langen Infloreszenzen enstspringen dem unteren Bereich der Pseudobulben und können bis zu 12 Blüten hervorbringen, die nacheinander aufgehen. Somit erstreckt sich die Blütezeit, die im Sommer liegt, über mehrere Wochen bis hin zu zwei bis drei Monaten.  Die Blüten haben, wie viele Bulbophyllum, einen intensiven Duft, der für die menschliche Nase nicht sonderlich angenehm ist.

Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum ‚Deggendorf‘ erhielt in diesem Zustand eine Silbermedaille auf den Kulturzustand (Foto: D.O.G.-Archiv)

Das Substrat für Bulbophyllum muss unbedingt sehr gut drainert sein und darf nicht zu nass werden, da die Pseudobulben sonst sehr schnell faulen. Aus diesem Grund nutze ich für meine größeren Bulbophyllum mittlere und grobe Rinde, gemischt mit Perlite. Gerne nutze ich auch transparente Töpfe, um den Zustand der Wurzeln und auch die Feuchtigkeit im Topf besser kontrollieren zu können. Wenn zwei Drittel des Topfes abgetrocknet sind, wird wieder gewässert. Ob getaucht oder durchdringend gegossen wird, muss jeder für sich entscheiden. Wichtig ist nur, dass sich keine Staunässe bildet und der Pflanzstoff sehr gut und schnell antrocknen kann. Je nach Temperatur trocknet mein Topf nach 5-10 Tagen ab, danach tauche ich wieder. Auch aufgebunden ist grundsätzlich möglich. Bedingt durch die Größe von Bublbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum ist für eine Kultur im Wohnraum der Topf aber die bessere Lösung. Wer ein Gewächshaus oder eine sehr große Vitrine besitzt, kann es auch aufgebunden problemlos kultivieren.

Ich dünge von Frühjar bis Herbst bei jeder Wassergabe mit ca. 200-250 Mikrosiemens. Auch möglich ist es, bei jedem dritten Gießen mit 400 Mikrosiemens zu düngen und dazwischen zweimal mit klarem Wasser zu spülen, um ein zu starkes Versalzen des Substrats zu verhindern. Da ich im Winter keine zusätzliche Beleuchtung in Form von LED´s oder Leuchtstoffröhren nutze, dünge ich in dieser Zeit gar nicht. Der Stoffwechsel der Pflanze ist im Winter in unseren Breitengraden stark herabgesenkt, da nur sehr wenig Licht zur Verfügung steht. Für diese Zeit genügen die Salze, die sich im Laufe des Sommers im Pflanzstoff anglagert haben.

Der Lichtbedarf von Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum ist nicht sonderlich hoch, da es am Naturstandort in immergrünen und schattigen Wäldern auf Bäumen sitzend wächst und kaum der direkten Sonne ausgesetzt ist. Bei mir steht die Pflanze an der Ostseite und bekommt ein wenig Morgensonne ab, das verträgt sie gut. Aber auch schattierte Süd- oder Westseite ist möglich. Da die nächtlichen Temperaturen am Standort nur selten unter 15-20 Grad fallen, steht mein Bulb. amplebracteatum subsp. carunculatum ganzjährig im Haus. Im Winter dann im beheizten Zimmer, in dem die nächtlichen Temperaturen auch nicht unter 15 Grad fallen. Tendenziell liegen sie auch im Winter bei 17-18 Grad Minimum.

Obwohl auf Sulawesi ganzjährig eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, kommt dieses recht unkomplizierte Bulbophyllum auch mit etwas trockener Luft ganz gut zurecht. Bei guter Pflege und dem richtigen Standort ist es ein zuverlässiger Blüher, der jedes Jahr im Sommer mit mehreren Infloreszenzen blühen sollte. Dieses Jahr hat mein Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum bereits sieben Blütentriebe. Jedes Jahr wurden es ein paar mehr. Es scheint sich sichtlich wohl zu fühlen!

Autor: Thomas LEHMANN

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Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum ‚Deggendorf‘ erhielt ebenfalls Silber als botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Hier sieht man schön, dass Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum ein Revolverblüher ist – eine Knospe nach der anderen kommt zum Vorschein (Foto: Thomas LEHMANN)
Meine Pflanze hat dieses Jahr 8 Infloreszenzen – 7 sieht man auf dem Bild (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht (Foto: Thomas LEHMANN)
Foto: Thomas LEHMANN

 

 

KW 28, 2018

Masdevallia coccinea

Alles lesen Orchidee der Woche 28, 2018

Masdevallia coccinea

Masdevallia coccinea ‚Mem. Rudi Lange‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia coccinea ‚Gerard‘ – sehr gut kultivierte Pflanze (Foto: D.O.G.-Archiv)

1846 beschrieben die beiden Botaniker Jean Jules LINDEN und John LINDLEY diese Naturform, die in Peru und Kolumbien beheimatet ist, in „Orchidaceae Lindenianae“. Sie wächst terrestrisch am Rand von steinigen Klippen auf Höhen von 2400 – 3000 Metern unter kalten Bedingungen. Masdevallia bilden einzelne Blätter an einem Stiel aus. Am untern Stielende entwickelt sich jeweils eine Infloreszenz, an deren Ende eine einzelne Blüte sitzt. Die Blütentriebe von Masdevallia coccinea werden ca. 30 cm lang und überragen damit die Blätter, die etwa 15-20 cm hoch wachsen. Die Farbe und Größe der Blüten kann variieren. Es gibt sie in Gelb, Orange und Weiß sowie in Violett- und Rottönen. Am Ende des Artikels haben wir einige Farbvariationen abgebildet. Die Blüten haben die Form eines Kelches, mit 2 flächigen Ausläufern an der Unterseite und einer fadenähnlichen Verlängerung am oberen Teil der Blüte. Die Blütezeit von Masd. coccinea liegt im Frühjahr und Sommer. Die Blüten halten mehrere Wochen. Die Standorte sind ganzjährig sehr feucht und trocknen niemals aus. Die Temperaturen können in der Nacht auf 2 – 3 Grad fallen.

Masdevallia coccinea ‚Wasen‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Die Kultur ist nicht sonderlich schwierig, wenn man im Winter möglichst kalte Temperaturen bieten kann. Für das Wohnzimmer ist diese Naturform dadurch leider nicht geeignet, eher für ein kühles, ungeheiztes Schlafzimmer oder Treppenhaus. Im Winter sollten die Pflanzen so kalt wie möglich stehen. Da sie Frischluft sehr mögen, gerne auch am gekippten Fenster.

Grundsätzlich gilt bei Masdevallia, dass die Wurzeln sehr empfindlich auf im Wasser gelöste Salze reagieren. Sie verbrennen dadurch sehr schnell und sterben ab. Aus diesem Grund gieße ich mit schwach aufgedüngtem, destilliertem Wasser. Osmose- oder Regenwasser geht natürlich auch. Der Leitwert des Gießwassers überschreitet 50 Mikrosiemens nur beim Düngen im Sommer, was alle 2 – 4 Wochen bei mir erfolgt. Das Wasser wird dann auf einen Leitwert von 150 Mikrosiemens aufgedüngt. Je nach Substrat muss im Sommer sehr regelmäßig gegossen werden, da die Wurzeln von Masdevallia coccinea niemals austrocknen dürfen.

Die Kultur in mineralischem Substrat, wie Akadama oder Lavagranulat, hatte ich schon im Beitrag zu Masdevallia ignea vorgestellt. Deswegen möchte ich kurz auf einen weiteren, bei Masdevallien beliebten Pflanzstoff eingehen. Sphagnum-Moos wird von vielen gerne verwendet, da es sehr viel Wasser aufnimmt und gleichmäßig im Topf verteilt. Der Nachteil daran ist, dass es spätestens nach einem Jahr ausgetauscht werden sollte, da es zum einen recht schnell zersetzt wird durch die andauernde Feuchtigkeit, und zum anderen lagern sich Salze des Düngerwassers sehr schnell im Moos ein. Das führt zu einem Versalzen des Substrats, wodurch die Wurzeln geschädigt werden können. Außerdem kann Sphagnum-Moos auch zu nass werden, besonders wenn der Topf getaucht anstatt gegossen wird. Bei zu viel Nässe auf Dauer, besonders im kühlen Winter, besteht die Gefahr von Fäulnis an den Trieben. Ich persönlich finde es sehr schwer diesen schmalen Grat zwischen Dauerfeuchtigkeit und nicht zu viel Nässe zu erreichen, weswegen ich alle meine Masdevallia inzwischen in mineralisches Substrat getopft habe.

Da Masdevallia gerne sehr viel Frischluft und Luftbewegung mögen, dürfen meine Pflanzen ab dem zeitigen Frühjahr ins Freie. Sobald die Nächte konstant über dem Gefrierpunkt liegen, geht es nach draußen. Bei uns hier oft schon im März. Dort stehen sie dann bis zum ersten Frost, vor Sonne geschützt, im Schatten. Masdevallia brauchen nicht viel Licht, da sie am Naturstandort auch oft im Schatten des Waldes am Boden wachsen, wo nicht viel Licht ankommt. In manchen Jahren standen sie bei mir wirklich bis in den Dezember hinein im Freien. Man muss allerdings den Wetterbericht beobachten und im Notfall schnell handeln und die Pflanzen nach innen bringen können. Nach dem Hereinholen stehen sie in einem ungeheizten Raum, in dem das Fenster fast immer gekippt ist. Nur in ganz kalten Nächten mit starken Minusgraden wird das Fenster geschlossen, da sonst die Heizung anspringen würde. Die Nachttemperaturen fallen dort auf 8 – 10 Grad ab. Manchmal auch etwas tiefer, je nach Außentemperatur.

Wenn die Temperaturunterschiede vom Außen- zum Innenbereich zu groß sind, reagieren Masdevallien gerne damit ihre Blätter abzuwerfen. Also auf keinen Fall von 5 Grad Außentemeperatur in ein beheiztes Wohnzimmer bringen. Auch nicht nur für eine Nacht. Wer aber die kalten Temperaturen bieten kann, wird mit Masdevallia coccinea viel Freude haben.

Autor: Thomas LEHMANN

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Masdevallia coccinea var. xanthina ‚Wössen‘ (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia coccinea ‚Gerard‘ (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia coccinea var. alba ‚Schneeflöckchen‘ (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia coccinea (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia coccinea (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia coccinea (Foto: Irene Bock)

 

KW 27, 2018

Lepanthopsis astrophora

Alles lesen Orchidee der Woche 27, 2018

Lepanthopsis astrophora

Lepanthopsis astrophora ‚Maintal‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Bereits 1892 beschrieben Heinrich Gustav REICHENBACH und Friedrich Wilhelm Ludwig KRAENZLIN diese Naturform erstmalig unter dem Namen Pleurothallis astrophora in Xenia Orchidacea. Leslie Andrew GARAY, ein Botankiker aus den USA, ordnete im Jahr 1962 Pleurothallis astrophora der neuen Gattung Lepanhopsis zu und beschrieb diese in Caldasia neu. An den Küsten Venezuelas und Kolumbiens wächst diese epiphytische Miniatur-Orchidee in Höhenlagen von 700 – 1500 Metern unter temperiert-warmen Bedingungen. Je nach Standort kann es auch sehr heiß sein. Durch die Nähe zum Meer ist die Luftfeuchtigkeit ganzjährig hoch und es gibt auch ganzjährig Niederschläge. Lepanthopsis astrophora bildet einzelne kleine Blätter an kurzen Stielen aus, die eine Höhe von ungefähr 4 cm erreichen. Am oberen Stielende entspringt meist im Herbst die Infloreszenz, welche circa 12 cm lang wird und 6 – 8 sehr kleine sternförmige Blüten trägt, die sich innerhalb weniger Tage gleichzeitig öffnen. Die einzelnen Blüten sind nur 2 mm breit und 3 mm hoch und  hellviolett gefärbt.

Im Vergleich mit meinem Zeigefinger lässt sich gut zeigen, wie klein die Blüten sind (Foto: Thomas LEHMANN)

Wie alle Miniaturorchideen ist auch Lepanthopsis astrophora sehr empfindlich gegenüber Salzen im Gießwasser. Die feinen Wurzeln reagieren sehr schnell mit Verbrennungen und sterben dann ab. Deshalb ist es sehr wichtig mit möglichst reinem, salzarmem Wasser zu gießen. Mein normales Gießwasser hat einen Leitwert von 30 – 50 Mikrosiemens. Gedüngt wird alle 3 – 4 Wochen mit einem Leitwert von 80 – 100 Mikrosiemens. Leitungswassser scheidet aufgrund der hohen Leitfähigkeit bei den Miniaturen immer aus. Gut geeignet ist Regenwasser oder sehr schwach aufgedüngtes Osmose- oder destilliertes Wasser. Auch ein Verschneiden von Leitungswasser und einem der salzarmen Varianten auf den gewünschten Leitwert ist natürlich möglich.

Diese Pflanze bekam ich vor 2 Jahren als kleines Kindel mit 3 Blättern. Sie ist sehr wüchsig und blüht sehr regelmäßig (Foto: Thomas LEHMANN)

Wer eine warme Orchideenvitirine zu Hause hat, kann Lepanthopsis astrophora natürlich aufgebunden auf Kork oder Rinde darin unterbringen und durch eine Beregnungsanlage oder tägliches Sprühen wässern. Wer keine Vitrine hat, kann diese zuckersüße Naturform auch gut in einer Glaskugel im Moosbett kultivieren. Diese Kulturform hatte ich schon in den Beiträgen zu Lepanthes telipogoniflora und Platystele umbellata vorgestellt, sie kann für Lepanthopsis astrophora übernommen werden. Nur die Größe der Glaskugel sollte in diesem Fall etwas größer sein, da die Pflanzen mit Blütentrieben auch 25 cm breit werden können und dementsprechend Platz brauchen. Stoßen die Spitzen der Infloreszenzen an der Glaswand an, wachsen sie oft nicht weiter oder die Blüten verkrüppeln und sehen nicht sehr schön aus. Ich habe meine Lepanthopsis astrophora zusammen mit ein paar anderen Miniaturorchideen in einen ausgedienten Lampenschirm gesetzt. Im Folgenden beschreibe ich noch einmal kurz, wie man so eine Glaskugel am besten einrichtet.

Als Unterlage kann man in den unteren Bereich der Glaskugel ein mineralisches Substrat in feiner Körnung füllen oder man gibt einfach direkt Moos unten hinein. Am geeignetsten finde ich lebendes Sphagnum-Moos, da es leicht desinfizierend und antibakteriell wirkt und außerdem durch die grüne Farbe sehr ansprechend ausssieht. Nachteil ist, dass es weiter wächst und regelmäßig zurückgeschnitten werden muss, damit es die Pflanze nicht überwuchert. Wer als Unterlage mineralisches Substrat hat, gibt darauf dann eine Schicht Moos. Auf dieses Moos setzt man die Pflanze, am besten mit einer Pinzette mit den Wurzeln voraus. Will man sie anders herum durch die Glasöffnung stecken, bleibt man oft mit ein oder zwei Blättern hängen und bricht diese ab. Nachdem man die Pflanze positioniert hat, kommt über die Wurzeln eine weitere Schicht  Moos. Fertig.

Ab jetzt muss man nur noch dafür sorgen, dass das Moos unter keinen Umständen austrocknet, es muss immer feucht gehalten werden. Dazu kann man ruhig im unteren Bereich der Glaskugel eine Pfütze stehen haben. Solange es salzarmes Wasser ist, macht diese Staunässe den Pflanzen nichts aus. Gelegentlich sollte man die Pfütze aber schon antrocknen lassen, um ein Ansiedeln von Bakterien und Keimen zu vermeiden. Nur nicht so lange trocken stehen lassen, dass das gesamte Moos austrocknet. Das führt zum Absterben der ganz feinen Wurzeln, was meist den Tod der Pflanze bedeutet.

Diese winzigen, zarten und sternförmigen Blüten sehen während der Blütezeit wie ein kleines Feuerwerk aus und machen wirklich Freude. Übrigens muss es auch gar keine Glaskugel sein. Ein Bonbon-Glas eignet sich genauso dafür. Wichtig ist nur, dass es eine seitliche Öffnung gibt. Eine Öffnung nur oben lässt zu wenig Luftaustausch zu und erzeugt kein gleichmäßiges Mikroklima wie ein Glas mit seitlicher Öffnung. Viel Spaß beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Lepanthopsis astrophora ‚Wolfgang‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Lepanthopsis astrophora ‚Maintal‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Ohne Makroobjektiv nicht zu fotografieren (Foto:Thomas LEHMANN)

 

 

KW 26, 2018

Dendrobium Gatton Sunray

Alles lesen Orchidee der Woche 26, 2018

Dendrobium Gatton Sunray

Foto: Thomas LEHMANN

Diese Dendrobium-Hybride feiert nächstes Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum. Bereits im Jahr 1919 wurde sie von Sir Jeremiah COLEMAN, einem britischen Industriellen und Orchideensammler, bei der Royal Horticultural Society (RHS) angemeldet. Die Eltern dieser Kreuzung sind Dendrobium pulchellum und Dendrobium Illustre. Den. Illustre ist eine Hybride aus Den. pulchellum und Den. chrysotoxum. Somit sind lediglich 2 Naturformen an dieser äußerst ansprechenden Hybride beteiligt.

  • 75% Dendrobium pulchellum
  • 25% Dendrobium chrysotoxum


Dendrobium pulchellum
hat ein sehr großes Verbreitungsgebiet im asiatischen Raum und wächst dort auf Höhen von 70 – 2200 Metern unter verschiedenen Temperaturbedingungen. Es wächst epiphytisch in offenen Laubwäldern und zählt zu den großen Dendrobium-Arten. Die Pseudobulben können auch etwas länger als 200 cm werden. Nach einer eher trockenen Ruhephase entsteht im späten Winter oder zeitigen Frühjahr der Blütentrieb .

Dendrobium chrysotoxum ist ebenfalls im asiatischen Raum beheimatet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Myanmar über Laos, Thailand, Vietnam, China und den östlichen Himalaya sowie Bangladesch und Assam in Indien. Es wächst dort auf Höhen von 400 – 1600 Metern, ebenfalls unter verschiedenen Temperaturbedingungen, je nach Standort. Chrysotoxum ist ein kleinwüchsiges, epiphytisch wachsendes Dendrobium. Die Pseudobulben werden nicht größer als 30 cm. Auch diese Naturform macht eine trockenere Ruhephase im Winter durch.

Foto: Thomas LEHMANN

Wer über genügend Platz verfügt, kann Dendrobium Gatton Sunray auch gut im Wohnraum kultivieren. Allerdings eben nicht auf der Fensterbank, da es durch den Einfluss von Den . pulchellum sehr groß werden kann. Meine Pflanze hat bisher 3 Bulben, die größte ist ca. 40 cm lang. Allerdings glaube ich nicht, dass das schon das Ende ist, was die Gruöße angeht. Da jede Neubulbe etwas größer wurde als die vorhergehende. Mal abwarten, welche Ausmaße sie noch annehmen wird.

Dendrobium Gatton Sunray steht den Sommer über, vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt, auf dem Balkon und wird während des Wachstums immer feucht gehalten. Da dies am Naturstandort der Elternteile die Monsunzeit ist, in der es fast täglich Niederschlag gibt und das Habitat über Monate sehr feucht (bis nass) ist. Bis die nächtlichen Temperaturen auf 10 Grad fallen, bleibt es im Freien stehen. Wenn es dauerhaft nachts unter 10 Grad ist, hole ich es nach innen und stelle es an einen hellen und kühlen Platz. Die Nachttemperaturen betragen dort 10-14 Grad, je nach Außentemperatur. In dieser Zeit bekommt Den. Gatton Sunray eine sogenannte Semi-Dry-Ruhe. Das heißt, das Substrat darf komplett abtrocknen und wird dann aber durch Sprühen wieder etwas angefeuchtet, aber nicht komplett durchnässt. An besonders sonnigen und warmen Tagen wird ein bisschen mehr gesprüht. An kalten und dunklen Tagen eben weniger. Wenn im Frühjahr die Tage wieder heller und die Temperaturen wieder höher werden, fängt dieses Dendrobium an zu blühen. Die Wassergaben steigere ich dann langsam wieder.

Getopft habe ich meine Pflanze in eine Mischung aus verschiedenen mineralischen Substraten. Lavagranulat, Akadama und Bimskies. Alles in einer Körnung bis 8 mm. Das Akadama bis 10 mm. Der Topf steht in einer Schale, die im Sommer immer mit 1-2 cm frischem und klarem Wasser gefüllt ist. Der Leitwert des Wassers liegt bei 50 Mikrosiemens. Während der Wachstumsphase wird alle 2 Wochen mit 150 – 200 Mikrosiemens gedüngt. Im Winter, während der Ruhephase, darf nicht gedüngt werden. In dieser Zeit sollte man möglichst reines und salzarmes Wasser zum Sprühen verwenden. Beim Topfen sollte man darauf achten, dass die Pseudobulben nicht im Substrat vergraben werden, sondern auf dem Substrat aufliegen. Durch die andauernde Feuchtigkeit könnte es sonst zu Fäulnis kommen.

Leider ist diese sehr alte Hybride heute nicht mehr so oft im Angebot der Orchideenzüchter zu finden. Wer einmal die Möglichkeit hat, eine Pflanze dieser Kreuzung zu erwerben, sollte unbedingt zuschlagen. Durch die großen, imposanten Blüten, die rund 7 cm groß sind und gelb leuchten, ist dieses Dendrobium ein echter Blickfang für jede Orchideensammlung.

Autor: Thomas LEHMANN

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Im direkten Vergleich mit meiner Hand sieht man gut, wie groß die Blüten sind (Foto: Thomas LEHMANN)
Hervorragend kultiviertes Exemplar – wirklich nichts für die Fensterbank (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die komplette Lippe ist übersät mit Härchen (Foto: Thomas LEHMANN)
Die komplette Lippe ist übersät mit Härchen (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

KW 25, 2018

Masdevallia veitchiana

Alles lesen Orchidee der Woche 25, 2018

Masdevallia veitchiana

Masdevallia veitchiana ‚Prince de Galle‘ (Foto: Thomas LEHMANN)

Heinrich Gustav REICHENBACH war ein deutscher Botaniker und Orchideensammler, der mit der Erstbeschreibung von Masdevallia veitchiana den englischen Orchideenzüchter John VEITCH ehrte. Veröffentlicht wurde die Erstbeschreibung im Jahre 1886 in „The Gardeners‘ Chronicle“. Masdevallia veitchiana ist eine überwiegend terrestrisch wachsende Naturform. Gelegentlich wächst sie epiphytisch und sehr selten auch epiphytisch. Sie ist beheimatet im Gebiet von Machu Picchu in Peru und wächst dort unter kalten Bedingungen auf Höhenlgen von 2000 – 4000 Metern. Oft findet man die Pflanzen an steilen, mit Gräsern und Sträuchern bedeckten felsigen Abhängen in voller Sonne, wobei ihre Blätter meist von den benachbarten Gewächsen vor zu hoher Sonneneinstrahlung geschützt werden. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über und es herrscht eine andauernd hohe Luftfeuchtigkeit. Wie alle Masdevallien treibt auch Masdevallia veitchiana einzelne aufrechte Blätter an dünnen Stielen aus, die in etwa 20 cm hoch werden können und sehr fest sind. Die Infloreszenz entspringt dem unteren Stielende und ragt mit bis zu 45 cm Länge deutlich über die Blätter hinaus. Am Blütentrieb entsteht jeweils eine einzelne Blüte, die in der Mitte kelchförmig ist und sich flächig in 3 einzelne Bütenblätter teilt, welche wiederum in fadenähnliche Verlängerungen auslaufen. Die Blüte ist orange gefärbt und mit unzähligen violetten Härchen besetzt, sodass ein prismatisch visuelles Farbenspiel entsteht. Die Blüte sieht je nach Lichteinfall und Blickwinkel anders gefärbt aus.

Masdevallia veitchiana ‚Prince de Galle‘ – hier sieht man schön wie weit die Blüten über das Blattwerk hinausragen (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Kultur von Masd. veitchiana ist identisch mit der Kultur der bereits vorgestellten Masd. ignea und der in Kürze kommenden Masd. coccinea. Im Beitrag von Masdevallia ignea ging ich auf die Kultur in mineralischem Substrat ein, im Beitrag von Masdevallia coccinea, der in Kürze folgt, wird die Topfkultur in Sphagnum-Moos vorgestellt. Beide Kulturformen können 1:1 für Masdevallia veitchiana übernommen werden. Eine weitere Möglichkeit möchte ich im Folgenden noch aufzeigen. Wer ein Kalthaus oder eine Orchideenvitrine mit kalten Temperaturen besitzt, kann Masdevallien auch aufgebunden kultivieren. Entweder auf Kork- oder Rindenstücken oder in sogenannten Gießröhren aus Ton. Für die Kultur im Wohnraum sind diese beiden aufgebundenen Varianten eher ungeeignet, da die Luftfeuchtigkeit im Wohnraum nicht so hoch gehalten werden kann, dass sich Masdevallien wohlfühlen. Man müsste dadurch sehr regelmäßig (mehrmals täglich) sprühen, um die Wurzeln dauerhaft feucht halten zu können.

Zum Aufbinden auf Kork, Rinde oder Tonröhren bringt man am besten zuerst eine Lage Moos auf. Befestigen lässt sich das Ganze mit spezieller, dehnbarer Aufbindeschnur oder mit einer in Streifen geschnittenen Damenstrumpfhose. Ein normaler Faden oder gar Draht, der nicht dehnbar ist, würde sich auf Dauer in die Wurzeln schneiden und diese abtöten. Nachdem man ein Moospolster auf der Unterlage befestigt hat, legt man die Wurzeln der Pflanze auf dieses Moospolster und bedeckt diese wiederum mit Moos. Zum Schluss wickelt man mit besagter Aufbindeschnur (o. ä. geeignetem Material) das Ganze noch fest, ohne zu starken Druck auf die Wurzeln auszuüben. Im Laufe der Zeit wächst Masdevallia veitchiana (oder eben alle anderen Masdevallien) auf der Unterlage fest und ist dann auch nicht mehr so leicht davon zu trennen. Die neuen Wurzeln gehen regelrecht eine Verbindung mit dem Material ein.

Wie gesagt benötigt veitchiana möglichst kalte Temperaturen. Im Sommer ist dies bei uns natürlich nur bedingt möglich, weshalb sie unbedingt schattig stehen sollte. Im Winter sollten die nächtlichen Temperaturen nach meinen Erfahrungen unter 10 Grad liegen. Zumindest mit meinen Kulturmöglichkeiten habe ich die Pflanze in wärmeren Wintern nicht zum Blühen gebracht. Es wurden zwar jedes Jahr mehrmals Infloreszenzen angesetzt, aber sie verkümmerten immer, bevor sie zur Blüte kamen.

Das Wasser muss, wie in den Beiträgen zu ignea und coccinea beschrieben, sehr salzarm sein. Auch mit Dünger überschreite ich niemals die 150 Mikrosiemens, da die Wurzeln sehr schnell mit Verbrennungen auf die gelösten Salze im Wasser reagieren.

Besonders wichtig bei der aufgebundenen Kultur ist auch für ausreichend Luftbewegung und Frischluftzufuhr zu sorgen, besonders in einer kalten Orchideenvitrine. Sonst kann es sehr schnell zu Fäulnis oder Pilzbefall an der Pflanze kommen.

Die größte Herausforderung in der Kultur der meisten Masdevallien ist meiner Meinung nach die kalte Temperatur, die besonders einige Naturformen wirklich lieben und benötigen. Für den Einsteiger wäre eine etwas wärmetolerantere Hybride wahrscheinlich die einfachere Variante. Wer die Herausforderung liebt, sollte es mit Masdevallia veitchiana und ihrem herrlichen Farbenspiel versuchen. Es lohnt sich!

Autor: Thomas LEHMANN

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Masdevallia veitchiana ‚Wolfi‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia veitchiana ‚Kerstin‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia veitchiana ‚Prince de Galle-Weiskirchen‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia veitchiana ‚Prince de Galle‘ (Foto: Thomas LEHMANN)
Detailaufnahme der lilafarbenen Härchen (Foto: Thomas LEHMANN)
Weitere Detailaufnahme der lilafarbenen Härchen (Foto: Thomas LEHMANN)

 

 

KW 24, 2018

Dendrobium sarawakense

Alles lesen Orchidee der Woche 24, 2018

Dendrobium sarawakense

Foto: Thomas LEHMANN

Der auf Orchideen spezialisierte US-amerikanische Botaniker Oakes AMES beschrieb dieses in Borneo beheimatete Dendrobium im „Journal of the Straits Branch of the Royal Asiatic Society“ im Jahr 1921 erstmals. Dendrobium sarawakense wächst in feuchten Nebelwäldern des Tieflands auf Borneo unter warmen Bedingungen. Die Temperaturen erreichen am Tag häufig über 30 Grad. Auch nachts fallen sie nicht unter 20 Grad. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über. Die Luftfeuchtigkeit ist immer sehr hoch. Diese Naturform wächst ausschließlich epiphytisch. Die Pseudobulben werden ca. 30 cm lang und sind mit ca. 8 cm langen, spitz zulaufenden Blättern besetzt. Sie wachsen eher hängend und nicht aufrecht. Die Blütentriebe sind mit 2 – 3 cm sehr kurz und entwickeln traubenartige Blütenstände mit mindestens 4 Blüten, oft auch mehr. An einer Pseudobulbe können mehrere Blütentriebe entstehen. Auch alte Pseudobulben, die schon das Laub abgeworfen haben, können noch blühen. Hauptblütezeit ist im Frühjahr, grundsätzlich können aber zu jeder Zeit Infloreszenzen entstehen. Die Blüten sind ca. 3 cm breit und 2 cm hoch. Farblich können sie etwas variieren. Gelb, braun, rot und rosa – mit feiner Aderung, oder unifarben – die Möglichkeiten sind vielfältig.

Die erste Knospe der Blütentraube öffnet sich gerade (Foto: Thomas LEHMANN)

Da Dendrobium sarawakense warme Temperaturen liebt, ist es genau die richtige Orchidee für
beheizte Wohnzimmer. Vorausgesetzt man kann den Platz bieten, den dieses Dendrobium durch den hängenden Wuchs der langen Pseudobulben braucht. Am besten ist es in einer Ampel aufgehoben, in der es sich nach allen Seiten ausbreiten kann. Da es epiphyitsch im immergrünen Wald wächst, mag es eher schattig stehen als zu sonnig. Bei direkter Sonne bekommen die Blätter schnell Verbrennungen.

Getopft habe ich mein sarawakense in mineralisches Substrat, da ich damit am leichtesten die Dauerfeuchtigkeit garantieren kann. Außerdem haben mineralische Substrate den Vorteil, dass sie nicht verrotten und die Pflanze nur neu getopft werden muss, wenn sie aus dem Topf herauswächst. Ich verwende eine Mischung aus Lavagranulat, Bimskies und Akadama, alles in einer Körnung, die nicht kleiner als 2 mm und nicht größer als 10 mm ist. Bei zu groben mineralischen Substraten geht die Kapillarwirkung etwas verloren und der obere Bereich des Topfes ist dann zu trocken.

Gegossen wird bei mineralischen Substraten von unten, indem man den Topf in eine Schale stellt und in dieser immer 1-2 cm Wasser stehen hat. Sobald die Schale leer ist, wird wieder Wasser aufgefüllt. Gegossen wird mit salzarmem Wasser (Regenwasser oder schwach aufgedüngtes/verschnittenes Osmose- oder destilliertes Wasser). Der Leitwert liegt bei mir im Normalfall bei 50 Mikrosiemens. In den Sommermonaten wird alle 2 – 4 Wochen mit etwa 250 Mikrosiemens gedüngt. In den Wintermonaten dünge ich nicht, da durch die dunklen Tage der Stoffwechsel der Pflanze nicht so stark arbeitet und somit nicht viele Nährstoffe gebraucht werden. Die angelagerten Reststoffe im Substrat reichen der Pflanze in dieser Zeit.

Im letzten Jahr, seit ich mein Dendrobium sarawakense habe, hat es insgesamt 4 Mal geblüht. Die ersten 3 Male nur einzelne Blütentriebe. Jetzt gerade, im Mai, hat es 4 Blütentriebe und ist somit ein richtiger Hingucker. Diese Naturform findet man leider nicht so oft in Kultur, obwohl sie eigentlich recht unkompliziert und blühfreudig ist.

 

Autor: Thomas LEHMANN

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An der diesjährigen Bulbe kamen gleich 3 Infloreszenzen (Foto: Thomas LEHMANN)
Beim Öffnen noch grünlich, später dann gelb (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Infloreszenzen wachsen geschützt unter den Blättern der hängenden Pseudobulbe (Foto: Thomas LEHMANN)
Nahaufnahme der zwei vordersten Blüten (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 23, 2018

Paphiopedilum Struber Zwerg

Alles lesen Orchidee der Woche 23, 2018

Paphiopedilum Struber Zwerg

Paphiopedilum Struber Zwerg (Foto: Thomas LEHMANN)

Paphiopedilum Struber Zwerg ist eine recht kleinwüchsige Hybride aus Paphiopedilum Pinocchio und Paphiopedilum thaianum. Sie wurde von Giselher CRAMER, dem Besitzer von Cramer Orchideen in Strub, am 01. September 2015 bei der Royal Horticultural Society (RHS) angemeldet. Der Elternteil Paph. Pinocchio ist die Kreuzung aus Paph. primulinum und Paph. glaucophyllum. Somit sind bei Paphiopedilum Struber Zwerg drei Naturformen beteiligt:

  • 50% Paphiopedilum thaianum
  • 25% Paphiopedilum primulinum
  • 25% Paphiopedilum glaucophyllum
Paphiopedilum thaianum ist zur Hälfte an der vorgestellten Hybride beteiligt (Foto: Thomas LEHMANN)
Paphiopedilum glaucophyllum gibt 25% der Gene an den Struber Zwerg (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum primulinum, ebenfalls zu einem Viertel beteiligt (Foto: Thomas LEHMANN)

Paphiopedilum Pinocchio ist eine sehr robuste und unkomplizierte Hybride, die wunderbar auf der Fensterbank gedeiht. Beide Elternteile, Paph. glaucophyllum und Paph. primulinum, wachsen am Naturstandort unter warmen bis heißen Bedingungen sowohl terrestrisch als auch litophytisch. Paph. primulinum findet man oft auf oder in der Nähe von Kalkfelsen, Paph. glaucophyllum eher auf Lavagestein. Beide sind recht kleinwüchsige Frauenschuhorchideen und sogenannte Revolverblüher. Das heißt, sie bilden an einem Blütentrieb nacheinander mehrere Blüten aus, sodass ein Blütentrieb über viele Monate, manchmal länger als ein Jahr, blühen kann. Die Standorte sind ganzjährig feucht und eher schattig.

Paphiopedilum thaianum ist in Thailand beheimatet und wächst ebenfalls unter sehr warmen bis heißen Bedingungen in schattigen und feuchten Wäldern. Paph. thaianum findet sich fast ausschließlich an steilen Klippen und Abhängen von sehr stark erodiertem Kalkstein. Im Gegensatz zu Paph. primulinum und Paph. glaucophyllum bildet es nur eine einzelne weiße Blüte, meist im Frühjahr, aus.

Unsere „Orchidee der Woche“ – Paphiopedilum Struber Zwerg – braucht also definitiv viel Kalk (Calcium). Ich benutze für alle meine kalkliebenden Paphiopedilum und Phragmipedium Hüttenkalk – ein kohlensaurer Kalk, der von den Pflanzen leichter und besser aufgenommen werden kann.Davon streue ich alle 2-3 Monate etwas auf das Substrat. Es ist aber auch möglich, den Kalk in Wasser aufzulösen und damit zu gießen oder zu tauchen. Man muss nur beachten, dass der Kalk recht lange benötigt, um sich aufzulösen. Deshalb sollte man sein Gießwasser am besten schon am Tag vorher ansetzen und mehrmals umrühren.

Als Substrat nutze ich bei meinen Paphiopedilum feine und mittlere Rinde mit mineralischen Anteilen, wie Bimskies, Perlite und Akadama. Mein Paph. Struber Zwerg habe ich vor einem Jahr testweise in pures Akadama in einen Lechuza-Pflanztopf gesetzt. Seitdem ist es förmlich explodiert und hat sich mehr als verdoppelt, fast verdreifacht – in nur einem Jahr! Die Dauerfeuchtigkeit lässt sich in solchen Pflanzsystemen sehr gut gewährleisten. Das Akadama, ein Zuschlagstoff aus der Bonsaikultur, sorgt für Feuchtikeit ohne Nässe.

Direkt nach dem Öffnen der Blüte ist sie noch richtig grün. Nach ein paar Tagen wird sie dann wesentlicher heller, teilweise fast komplett weiß (Foto: Thomas LEHMANN)

Das Gießwasser hat im Sommer einen Leitwert von circa 300-350 Mikrosiemens und wird mit einem calciumhaltigen Orchideendünger auf diesen Wert aufgedüngt. Im Winter wird nicht gedüngt. In den dunklen Monaten hat das Gießwasser in etwa 150 Mikrosiemens. Das Substrat wird aber trozdem aufgekalkt.

Die Temperatur ist natürlich ganzjährig so warm wie möglich, da ja alle beteiligten Naturformen unter sehr warmen bis heißen Bedingungen wachsen. Auch im Winter gehen die Temperaturen in meinem Orchideenzimmer bei Sonnenschein mal auf 30 Grad und höher. Im Sommer steht Paph. Struber Zwerg an der Ostseite mit etwas Morgensonne. Im Winter steht es an der Westseite mit viel Nachmittag- und Abendsonne.

Struber Zwerg blüht meistens mit 2-3 Blüten nacheinander, also leider mit nicht ganz so vielen wie Pinocchio, aber wenigstens mit mehr als  Paphiopedilum thaianum. Die Blüten sind beim Aufgehen eher grünlich und werden nach ein paar Tagen weiß. Die einzelne Blüte hält einige Wochen, sodass ein Blütentrieb 2-3 Monate blühen kann. Eine wirklich attraktive und unkomlizierte Hybride, die übrigens auch die schön marmorierte Blattzeichnung von Paph. thaianum geerbt hat.

Autor: Thomas LEHMANN

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Seitenansicht mit zweiter Knospe, die hier noch sehr klein ist (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht mit sich öffnender, zweiten Blüte. Hier kann man den Farbunterschied sehr gut sehen (Foto: Thomas LEHMANN)
Blüten mit Habitus. Die Blätter sind saftig dunkelgrün, fest und marmoriert (Foto: Thomas LEHMANN)

KW 22, 2018

Phalaenopsis Conny´s Diamond

Alles lesen Orchidee der Woche 22, 2018

Phalaenopsis Conny´s Diamond

Phalaenopsis Conny’s Diamond, im Winter war die Grundfarbe fast weiß. (Foto: Thomas LEHMANN)
Jetzt im Frühjahr ist die Grundfarbe der Blüten gelblich grün. (Foto: Thomas LEHMANN)

Diese Hybride wurde am 12.05.2016 von Conny STROHSCHNEIDER, einer lieben Freundin von mir, bei der RHS registriert. Conny STROHSCHNEIDER ist eine Hobbyzüchterin aus Hessen, deren große Leidenschaft die Gattung Phalaenopsis ist. Sie kultiviert mehrere Hundert Arten und Hybriden in ihrem Wohnzimmer und züchtet regelmäßig meist vollkommen neue Kreuzungen. Für Conny´s Diamond nahm sie die Naturform Phalaenopsis amboinensis und bestäubte diese mit dem Pollen von Phal. Cesario Gene Tobia. Die Primärhybride Phalaenopsis Cesario Gene Tobia wurde aus den beiden Arten Phal. bellina und Phal. cornu-cervi gekreuzt. Im Fall von den hier gezeigten Blüten wurde eine Phal. Cesario Gene Tobia verwendet, deren Elternteil Phalaenopsis cornu-cervi ‚Red‘ ist. Somit trägt Phalaenopsis Conny´s Diamond die Gene von 3 Naturformen in sich.

  • 50% Phalaenopsis amboinensis
  • 25% Phalaenopsis bellina
  • 25% Phalaenopsis cornu-cervi
Phalaenopsis amboinensis – hier die originale Mutterpflanze der gezeigten Conny’s Diamond (Foto: Conny STROHSCHNEIDER)
Phalaenopsis Cesario Gene Tobia – Aus dieser Blüte wurde der Pollen entnommen um die Phal. amboinensis damit zu bestäuben. (Foto: Conny STROHSCHNEIDER)

Alle 3 beteiligten Arten sind am Naturstandort heißen Temperaturen ausgesetzt. Wie alle
Phalaenopsis wachsen sie epiphytisch auf Bäumen, meist im Schatten, geschützt vom Laub des Baumes, auf dem sie sitzen.  Phal. cornu-cervi kommt auch litophytisch vor und macht im Winter eine etwas trockenere Phase durch, in der es nicht so viel Niederschlag gibt. Die Luftfeuchtigkeit ist aber ganzjährig bei allen 3 Arten sehr hoch.

Da die Eltern und Großeltern von Conny´s Diamond alle sehr hohe Temperaturen mögen, ist eine Kultur im Wohnzimmer gut möglich, solange man, besonders im Winter, für ausreichende Luftfeuchtigkeit sorgt. Dies lässt sich erreichen durch Wasserschalen, die man zwischen seine Pflanzen stellt, oder durch einen Ultraschallvernebler, der noch effektiver die Luftfeuchtigkeit der Umgebung erhöht.  Auch wenn Phalaenopsis cornu-cervi am Naturstandort im Winter etwas trockener steht, kann ganzjährig gegossen werden, da beide anderen beteiligten Naturformen in Regionen wachsen, in denen sie ganzjährig Niederschlägen ausgesetzt sind.

Meine Phalaenopsis Conny´s Diamond wird den Sommer über in aufgedüngtes Wasser getaucht, welches einen Leitwert von 250-350 Mikrosiemens hat. Alle 3-4 Tauchgänge nehme ich weniger salzhaltiges Wasser, damit sich nicht zu viele Salze im Substrat anlagern. Im Winter wird bei mir grundsätzlich nicht gedüngt, da ich nicht mit künstlicher Beleuchtung arbeite, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hoch halten würde. Wer im Winter mit Pflanzenlicht arbeitet, kann natürlich auch da voll düngen.

Phalaenopsis zeigen ihrem Kultivateur sehr genau, wann sie wieder Wasser wollen. Die dicken Wurzeln dieser Gattung werden richtig grün, wenn sie sich nach dem Tauchen mit Wasser vollgesogen haben. Nach ein paar Tagen verfärben sich die Wurzeln wieder in einen hellen Silberton. Ist der transparente Topf dann auch leicht und kein Kondenswasser  mehr zu sehen, kann wieder getaucht werden. Meist ist dies einmal wöchtentlich notwendig. Je nach Temperatur, Substrat, Topfgröße und Luftfeuchtigkeit kann das aber auch variieren. Mit der Zeit bekommt man ein sehr gutes Gefühl dafür, und wer nach oben beschriebener Art und Weise vorgeht, wird erfolgreich sein.

Als Substrat nutze ich mittlere und grobe Rinde (je nach Topfgröße), gemischt mit etwas Perlite und Holzkohle. Die Holzkohle füge ich hinzu, weil sie wesentlich schneller abtrocknet als Rinde und somit keine Staunässe im Topf entsteht. Ich neige dazu zu viel zu gießen. Und zu viel Feuchtigkeit ist für epiphytisch wachsende Orchideen oft sehr problematisch, weswegen ich gute Erfahrungen mit dem Beimischen von Holzkohle gemacht habe. Anders als oft erklärt, filtert normale Holzkohle keine Giftstoffe aus dem Substrat. Das macht nur Aktivkohle, die wesentlich teurer ist. Wer dazu neigt zu wenig zu gießen oder bei wem die Rahmenbedingungen die Töpfe zu schnell austrocknen lassen, kann Phalaenopsis Conny´s Diamond auch gut in Kokoschips oder Kokosfasern kultivieren. Hierbei muss man aber ein sehr gutes Gefühl haben, wann wieder Wasser gegeben werden muss, da die Kokosfasern wesentlich länger feucht bleiben als Rinde.

Eine herrliche Hybride, die übrigens einen angenehm blumigen Duft hat und in Ihrer Farbgebung sehr variieren kann. Kaum eine Blüte sieht aus wie die Blüten einer anderen Pflanze dieser Kreuzung.

Autor: Thomas LEHMANN

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Phalaenopsis Conny’s Diamond – alle 3 gezeigten Blütenvariationen stammen aus der selben Aussaat. Die Streubreite ist enorm. (Foto: Conny STROHSCHNEIDER)
Phalaenopsis Conny’s Diamond – alle 3 gezeigten Blütenvariationen stammen aus der selben Aussaat. Die Streubreite ist enorm. (Foto: Conny STROHSCHNEIDER)
Phalaenopsis Conny’s Diamond – alle 3 gezeigten Blütenvariationen stammen aus der selben Aussaat. Die Streubreite ist enorm. (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 21, 2018

Disa uniflora

Alles lesen Orchidee der Woche 21, 2018

Disa uniflora

Disa uniflora (Foto: Thomas LEHMANN)

Der schwedische Mediziner und Botaniker Peter Jonas Bergius beschrieb Disa uniflora bereits im Jahr 1767. Veröffentlicht wurde diese Erstbeschreibung in „Descriptiones Plantarum ex Capite Bonae Spei“ auf Seite 348. Diese auffallend rote Naturform wächst ausschließlich auf dem Tafelberg in Südafrika auf Höhen von 100 – 1 200 Metern. Ihre Standorte sind immer in der Nähe von fließendem Wasser an Flüssen und Wasserfällen. Sie wachsen dort in Felsspalten und auf Sickerflächen, die immer feucht und teilweise sogar nass sind. Die Temperaturen am Tafelberg sind kühl, im Winter richtig kalt. Im Sommer kann es zwar am Tag auch mal über 30 Grad werden, die Nachttemperaturen fallen dafür im Winter (auf der Südhalbkugel in unseren Sommermonaten) gelegentlich auch knapp unter die Frostgrenze. Durch das vom Gipfel des Tafelbergs herabfließende kalte Wasser werden die Wurzeln immer gekühlt. Die Pflanzen stehen ganzjährig im Halbschatten, niemals in der Mittagssonne. Disa uniflora hat rosettenartig angeordnete längliche Blätter, die spitz zulaufen. Die Pflanze ohne Blütentrieb hat eine Höhe von ungefähr 10 – 15 cm. Sobald der Trieb ausgewachsen ist, entspringt in der Mitte die Infloreszenz, die ca. 30 cm hoch wird und an deren Ende 1 – 3 Blüten erscheinen. In seltenen Fällen können es auch mehr sein. Die Blüten sind in etwa 6 – 7 cm hoch und ebenso breit. Mit der Blüte ist der Trieb abgeschlossen und es bildet sich ‒ oft auch schon vor der Blüte ‒ eine neue Rosette, die im nächsten Jahr blühen wird. Der alte Trieb stirbt dann ab.

Disa uniflora mit 2 geöffneten Blüten (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Kultur von Disa uniflora funktioniert am besten unter kühlen Bedingungen. Auch wenn sie die
hohen Temperaturen im Sommer bei uns verträgt, sollte man versuchen sie so kühl wie möglich zu halten. Besonders an den Wurzeln, die am Naturstandort durch das kalte Wasser der Flüsse immer gekühlt werden. Gegossen wird bei mir also immer mit möglichst kaltem Wasser. Im Sommer kühle ich das Gießwasser meiner Disas im Kühlschrank und an besonders heißen Tagen lege ich einen Eiswürfel in eine Ecke des Topfes. Vom Frühjahr bis zum späten Herbst stelle ich Disa uniflora an einen schattigen Platz im Freien, wo sie bis zum ersten Frost bleibt. Danach kommt sie in ein ungeheiztes Zimmer, in dem das Fenster immer gekippt ist, außer es gibt extremen Frost unter -5 Grad, dann wird das Fenster geschlossen. Die Temperaturen fallen in der Nacht bei geöffnetem Fenster auf 6 – 8 Grad ab. Gibt es im Winter längere Zeit keinen Frost, kommen meine Disas sogar wieder raus auf den Balkon, auch nachts!

Als Substrat benutze ich lebendes Sphagnum-Moos, da es am meisten Feuchtigkeit aufnehmen und immer sehr feucht gehalten werden kann ohne zu verrotten. Im Sommer stehen die Töpfe in einer Schale, in der sich immer eine Pfütze Wasser befindet, damit das Moos auch niemals austrocknet. Ich habe diese Kulturmethode von einer Freundin übernommen und nie etwas anderes ausprobiert, da ich damit super zurechtkomme. Im Winter stehen die Pflanzen bei mir nicht ständig im Wasser, aber trotzdem immer sehr feucht. Zum Gießen verwende ich sehr salzarmes Wasser mit einem Leitwert von ungefähr 30 – 50 Mikrosiemens. Gedüngt wird in den Sommermonaten alle 2 Wochen mit einem Leitwert von 150 Mikrosiemens. Wie oben schon erwähnt, immer mit kaltem Wasser!

Disa uniflora gehört definitiv nicht zu den einfachen Anfänger-Orchideen und mir ist auch bewusst, dass nicht jeder die kühlen Bedingungen bieten kann. Wem das aber möglich ist, der wird sich an den imposanten Blüten dieser prächtigen Orchideenart aus Südafrika jedes Mal aufs Neue erfreuen.

Autor: Thomas Lehmann

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Disa uniflora ‚Early Bird‘ bekam in diesem Zustand die Silbermedaille für Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Disa uniflora ‚Early Bird‘, als sie mit Gold für Kultur ausgezeichnet wurde (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die Blüte von Disa uniflora ‚Early Bird‘ bekam zusätzlich die Silbermedaille in der Kategorie „botanische Art“ (Foto: D.O.G.-Archiv)
Disa uniflora ‚Wössen‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

KW 20, 2018

Vandachostylis Charm

Alles lesen Orchidee der Woche 20, 2018

Vandachostylis Charm

(Syn. Darwinara Charm)

Vandachostylis Charm (Foto:Thomas LEHMANN)

Ursprünglich wurde Vandachostylis Charm als Darwinara Charm registriert. Die Endung -ara im Gattungsnamen Darwinara deutet auf eine Mehrgattungshybride aus mehr als 3 verschiedenen Gattungen hin. Bei solchen Mehrgattungshybriden aus mehr als 3 unterschiedlichen Gattungen darf der Züchter einen neuen Gattungsnamen eintragen lassen, der immer auf -ara enden muss. Nachdem in jüngster Zeit aufgrund von DNA-Analysen einige neue taxonomische Eingruppierungen in die Gattung Vanda stattfanden, wurde aus der ursprünglichen Mehrgattungshybride Darwinara Charm die Vandachostylis Charm, da die meisten der verwendeten Naturformen heute zur Gattung Vanda zählen. Die Eltern von Vandachostylis Charm sind Vanda falcata und die Hybride Vandachostylis Tham Yuen Hae. Auch ohne zahlreiche unterschiedliche Gattungen ist Vandachostylis Charm eine sehr komplexe Hybride, an der einige Naturformen beteiligt sind:

  • 50%      Vanda falcata (früher Neofinetia falcata)
  • 15,63% Vanda sanderiana (früher Euanthe sanderiana)
  • 12,5%   Vanda curvifolia (früher Ascocentrum curvifolium)
  • 12,5%   Rhynchostylis coelestis
  • 6,25%   Vanda coerulea
  • 3,13%   Vanda luzonica

Auch wenn der offizielle Name heute Vandachostylis ist, wird sie von den meisten Züchtern noch immer als Darwinara Charm verkauft. Ihr bekanntester Klon ist ‚Blue Moon‘, der allerdings als blühfaul gilt und manchmal auch ein Jahr mit der Blüte aussetzt. Wesentlich blühfreudiger ist der Klon ‚Blue Star‘, der jedes Jahr zur Blüte kommen sollte. Registriert wurde die Hybride am 01.02.1987 von O. N. TAKAKI. Auf jede einzelne Naturform, die an dieser sehr beliebten Mehrgattungshybride beteiligt ist, kann ich in diesem Artikel leider nicht eingehen, da es den Rahmen sprengen würde.

Foto: Thomas LEHMANN
Hier sieht man die Sporne auf der Rückseite sehr gut (Foto: Thomas LEHMANN)

 

Die beteiligten Eltern sind allesamt epiphytisch wachsende Orchideen. Vandachostylis Charm ist eine monopodial wachsende Pflanze, deren Blätter sehr dick und fest sind. Sie bildet einen gestauchten, eng fächerartig beblätterten Spross aus. Jedes Blatt hat eine Länge von ca. 12-15 cm. Die Blütentriebe entspringen in den Blattachsen am Stamm. Die Infloreszenzen werden bis 20 cm lang und bilden mehrere Blüten aus, die sich alle innerhalb von ein paar Tagen gleichzeitig öffnen. Die Blüten haben an der Rückseite einen ca. 2-3 cm langen Sporn. Bei guter Kultur und zunehmendem Alter der Pflanze können sich neue Fächer am unteren Ende des Stammes bilden.

Vandachostylis Charm braucht sehr viel Licht, direkte Mittagssonne sollte im Sommer aber vermieden werden. Meine Pflanze steht im Sommer draußen, da sie neben viel Licht auch viel Frischluft und Luftbewegung mag. Dort bleibt sie dann bis in den Herbst, wenn die nächtlichen Temperaturen auf 5 Grad fallen. Wenn regelmäßig gelüftet wird, kann sie aber auch ohne Probleme ganzjährig im Zimmer kultiviert werden. Im Winter steht meine Pflanze unschattiert an einem sehr großen Fenster an der Südseite, um ihren Lichthunger zu stillen.

Vandachostylis Charm ‚Blue Moon‘ (Foto: Gregor Kleefeld)

Getopft hab ich meine Pflanze in grobe Rinde mit ein paar groben Styroporstücken, damit das Substrat auf keinen Fall zu lange nass bleibt nach dem Tauchen. Da die Elternpflanzen allesamt Epiphyten sind, ist es wichtig, dass die Wurzeln zügig abtrocknen können. Andernfalls faulen diese schnell, besonders im Winter. Getaucht wird, sobald der Topf komplett durchgetrocknet und kein Kondenswasser mehr zu sehen ist. Im Winter darf sie auch mal ein paar Tage trocken bleiben, je nachdem wie kalt sie steht. Durch den hohen Vanda (Neofinetia) falcata -Anteil bekommt meine Vandachostylis Charm nicht so viel Dünger wie die meisten Vandeen. Das verwendete Düngerwasser hat einen Leitwert von ca. 200-250 Mikrosiemens und wird im Sommer alle 2-3 Wochen verabreicht.

Vandachostylis Charm mag es eher temperiert und nicht ganz so warm, kommt im Sommer mit unseren Temperaturen aber ganz gut zurecht. Im Herbst kann man sie bis zu einer nächtlichen Temperatur von 5 Grad im Freien lassen, darf dann aber nicht mehr so viel wässern und hält sie fast trocken. Im Winter fallen die Temperaturen an ihrem Platz in der Nacht auch mal auf 10 Grad ab, dabei steht sie dann ziemlich trocken. Grundsätzlich gilt: Je kühler, desto weniger Wasser!

Vielen Dank an Gregor KLEEFELD, der mit seinem umfangreichen Wissen und den Fotos bei der Entstehung des Beitrags geholfen hat! Desweiteren ein herzliches Dankeschön an Sylvia TOENNE für die Fotos ihrer Pflanze.

Autor: Thomas LEHMANN

Vandachostylis Charm ‚Blue Moon‘ (Foto: Gregor Kleefeld)
Vandachostylis Charm ‚Blue Moon‘ (Foto: Sylvia Toenne)
Vandachostylis Charm ‚Blue Moon‘ (Foto: Sylvia Toenne)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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KW 19, 2018

Pleione Berapi

Alles lesen Orchidee der Woche 19, 2018

Pleione Berapi

Pleione Berapi ‚Purple Sandpiper‘ (Foto: Thomas LEHMANN)

Pleione Berapi ist eine Hybride aus Pleione Tongariro und Pleione bulbocodioides. Sie wurde am 01.01.1988 von Ian BUTTERFIELD bei der Royal Horticultural Society (RHS) zur Registrierung angemeldet. BUTTERFIELD ist einer der weltweit führenden Züchter von Pleionen, der in Großbritannien lebt und arbeitet. Dort ist diese Gattung auch wesentlich verbreiteter als bei uns. Pln. Berapi ist eine recht komplexe Hybride, an der insgesamt 4 Naturformen der Gattung Pleione beteiligt sind.

  • 50% Pleione bulbocodioides
  • 25% Pleione pleionoides
  • 12,5% Pleione formosana
  • 12,5% Pleione limprichtii

Pleionen sind im asiatischen Raum in Höhenlagen von 1000-3500 Metern über dem Meeresspiegel beheimatet. Meist wachsen sie terrestrisch oder lithophytisch, ganz selten sind sie auch epiphytisch zu finden. Das Klima am Standort variiert etwas durch das große Verbreitungsgebiet, liegt aber immer im kühlen bis kalten Bereich. Die Sommer sind sehr feucht mit viel Niederschlag, die Winter sind absolut trocken. Im Frühling, nach der Winterruhe, blühen die meisten Pleionen, wenn es wieder Niederschläge gibt und die Tage länger werden. An der Pseudobulbe entsteht dann eine ca. 8 cm lange Infloreszenz, die eine einzelne Blüte trägt. Es gibt ein paar wenige Ausnahmen, die im Herbst blühen. Von diesen ist aber keine an der Hybride Berapi beteiligt. Während des Sommers wächst eine neue Pseudobulbe heran, die alte wird dabei vollkommen ausgesaugt und stirbt ab. Auf jeder Pseudobulbe sitzt ein einzelnes Blatt, welches im Herbst abgeworfen wird, wenn die Niederschläge abnehmen. Damit beginnt für Pleione die Winterruhe, die sie vollkommen trocken verbringt.

 

Pleione Berapi ‚Purple Sandpiper – Johannisburg‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Pleione Berapi (rechts) im direkten Vergleich mit dem Elternteil Pln. Tongariro (links), leider schon am Abblühen (Foto: Thomas LEHMANN)

Eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist nur sehr schwer möglich, da Pleionen gerne eine starke Nachtabsenkung in der Wachstumszeit haben, die im Innenraum meist nur schwer zu erreichen ist. Am besten steht sie ab dem zeitigen Frühjahr auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten. Nach Abschluss der Wachstumsphase bleiben meine Pleionen noch bis zum ersten Frost im Freien, dabei stehen sie aber schon komplett trocken. Wenn der erste Frost kommt, topfe ich die neuen Pseudobulben aus und entferne alle Wurzeln, da diese ohnehin abgestorben sind und im Frühjahr nicht mehr gebraucht werden. Für den Fall, dass an einigen Pseudobulben noch Blätter sind, die nicht abgeworfen wurden, entferne ich auch diese. Danach kommen die einzelnen Bulben in einen Eierkarton und werden in den nächsten Monaten im Gemüsefach meines Kühlschranks gelagert, natürlich vollkommen trocken. Ab Mitte Januar wird einmal in der Woche kontrolliert, ob an den Pseudobulben schon Wachstum zu sehen ist. Am unteren Ende der Pseudobulben bilden sich dann neue, kleine Triebe. Sobald diese zu sehen sind, werden die Pleionen aus dem Kühlschrank geholt und auf trockenes Substrat gesetzt. Man muss aufpassen, dass die Pleione nicht zu tief im Substrat sitzt, höchstens ein Drittel der Pseudobulbe. Ich benutze gepresstes Sphagnum-Moos, da es sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen kann. Auch jetzt sollten die Pflanzen nicht zu warm stehen, aber auch keinen Frost abbekommen. Vorsichtig gegossen wird erst dann, wenn sich am unteren Ende des Neutriebs Wurzeln zeigen. Bis dahin ernährt sich der neue Trieb ausschließlich von den Nährstoffen, die in der alten Pseudobulbe gespeichert sind, deswegen muss noch nicht gegossen werden. Da bis zu diesem Zeitpunkt keine Wurzeln vorhanden sind, könnte die Pflanze die Feuchtigkeit, und somit die Nährstoffe, auch gar nicht aufnehmen. Man riskiert nur, dass die Pflanzen faulen. Sobald die Wurzeln tief in den Pflanzstoff wachsen und es langsam wärmer wird, darf auch richtig gegossen werden. Ab dann sollte das Substrat bis zum Herbst nicht mehr austrocknen, sondern immer schön feucht bleiben. Im Herbst zieht Pleione dann wieder ein und alles beginnt von vorne.

Pleione Berapi ‚Conny‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Natürlich eignen sich auch andere Pflanzstoffe, die gut Feuchtigkeit halten und nicht zu schnell abtrocknen. Besonders für Pleionen gibt es 1000 verschiedene Rezepte. Da muss man etwas ausprobieren, um das zu finden, womit man selbst am besten zurechtkommt. Selbst Blumenerde wird verwendet, auch Rinde oder mineralische Substrate. Wichtig ist, dass man das Gießverhalten an den Pflanzstoff anpasst und das Substrat nicht austrocknen lässt im Sommer. Gedüngt wird bei mir alle 2-3 Wochen. Ich dünge das Gießwasser dann auf einen Leitwert von ca. 250-300 Mikrosiemens auf. Meine Pleionen stehen, vor direkter Mittagssonne geschützt, auf dem Balkon und erhalten für etwa 3 Stunden das Licht der untergehenden Abendsonne.

Autor: Thomas LEHMANN

Seitenansicht von Pleione Berapi ‚Purple Sandpiper‘ (Foto: Thomas LEHMANN)
Pleione Berapi ‚Purple Sandpiper‘ (Foto: Thomas LEHMANN)
Detailansicht des Labellums von Pleione Berapi (Foto: Thomas LEHMANN)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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