Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

KW 38, 2020

Paraphadenia Juraj Kojs

Alles lesen Orchidee der Woche 38, 2020

Paraphadenia Juraj Kojs

Paraphadenia Juraj Kojs (Foto: Thomas Jacob)

Die Orchideenzucht Kultana Orchids, die in Bangkok ansässig ist und sich auf die Zucht von Orchideen und deren Export spezialisiert hat, bestäubte für diese Hybride eine Blüte von Seidenfadenia mitrata mit dem Pollen einer Paraphalaenopsis labukensis. Am 09. Oktober 2019 wurde Paraphadenia Juraj Kojs in das Register der Royal Horticultural Society eingetragen – angemeldet von der US-amerikanischen  Orchideengärtnerei R. F. Orchids in Florida, wo sie auch erstmals zur Blüte gekommen war. Benannt wurde sie nach Juraj Kojš, Leiter der Music and Multimedia Programs der Harold Golen Gallery in Wynwood, Miami. Der gebürtige Slovake kreiert selbst Musik- und Multimedia-Installationen, produziert die Musik anderer Künstler und unterrichtet an der Universität.

Paraphalaenopsis labukensis (Foto: D.O.G.-Archiv)

Seidenfadenia mitrata ist heimisch in Myanmar, Laos und Thailand. Sie wächst dort ausschließlich epiphytisch auf Bäumen. Die Standorte liegen auf Höhen von 100 – 800 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturbedingungen sind ganzjährig warm bis heiß. Während es in den Sommermonaten durch den Monsun sehr viel Niederschlag gibt, sind die Wintermonate von trockener Wärme geprägt. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch. Im malaysischen Bundesstaat Sabah ist der zweite Elternteil – Paraphalaenopsis labukensis – heimisch. Auch sie wächst epiphytisch an Bäumen. Die Standorte liegen 500 bis 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Monsunregen und Temperaturbedingungen sind ebenfalls identisch mit denen von Seidenfadenia mitrata. Allerdings erreicht Paraphal. labukensis deutlich größere Ausmaße. In Kultur kann das herabhängende und stiftförmige Laub bis zu 2 Meter lang werden.

Seidenfadenia mitrata (Foto: Thomas Jacob)

Von einem kurzen Stamm hängen bei meiner Paraphadenia Juraj Kojs sehr schmale, fast röhrenartige Blätter herab, die bisher ca. 30 cm lang sind. Ich hoffe, dass die Hybride nicht im Laufe der Jahre die Ausmaße von Paraphal. labukensis annimmt. Das Laub ist sehr fest und fleischig. Paraphadenia Juraj Kojs wächst nie aufrecht, sondern immer überhängend. Die Infloreszenzen entspringen am Stamm zwischen den Blättern und sind immer deutlich kürzer als das Laub. Meist verzweigen sich die Blütentriebe nicht. Die Wurzeln sind, für Epiphyten typisch, sehr dick und fest. Das Velamen speichert bei Regen Wasser und verfärbt sich grün. Sobald die gespeicherte Feuchtigkeit an die Pflanze abgegeben wurde, sind die Wurzeln wieder silbrig grau. An den Infloreszenzen bilden sich mehrere Blüten, die zart duften. Die Grundfarbe der Blüten variiert von weiß über gelbgrün bis zu bräunlich, manchmal sind sie zart rosa überhaucht. Das Labellum und die Spitze der Säule sind leuchtend rosa bis violettrot gefärbt. Blütezeit ist vom späten Frühjahr bis in den frühen Sommer.

Ich erhielt meine Pflanze wurzelnackt in einem kleinen Plastikkörbchen. Die Wurzeln waren zwar nicht zahlreich, aber es gab einige aktive Wurzelspitzen, die durch die Umstellung vom Gewächshaus des Orchideengärtners in meine Wohnung leider alle recht zügig inaktiv wurden. Die Luftfeuchtigkeit in meiner Wohnung schien also deutlich zu niedrig zu sein, obwohl ich regelmäßig zweimal täglich die Wurzeln für 5 Minuten in einem Wasserbad tauchte. Da der Elternteil Paraphal. labukensis in Rinde getopft zu kultivieren ist, Seidenfadenia mitrata aber auch bei mir sehr gut wurzelnackt auf Holz gedeiht, entschied ich mich für eine Zwischenlösung. Die Pflanze blieb in ihrem Körbchen und wurde damit in sehr grobe Rinde getopft, sodass die Wurzeln nicht zu zügig abtrocknen, der Stamm aber in jedem Fall sehr schnell trocknen kann. In diesem System kultivierte ich sie dann wie meine Phalaenopsen. Schon kurz nach dem Umtopfen bildeten sich wieder neue Wurzelspitzen. Im Wohnraum scheint sie sich also getopft wohler zu fühlen als wurzelnackt oder aufgebunden.

Durch diese Methode ist eine Kultur auf der Fensterbank ohne großen Aufwand möglich. Da die beteiligten Naturformen allesamt warme bis heiße Bedingungen mögen, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für Paraphadenia Juraj Kojs. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 15-18 Grad fallen. Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor zu starker Mittagssonne geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein am Vor- und Nachmittag wird jedoch vertragen. Bei sehr heller Kultur färben sich die Blätter leicht rötlich. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Paraphadenia Juraj Kojs auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Als Pflanzstoff eignet sich Rinde in grober Körnung am besten. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von wenigen Tagen komplett abtrocknet. Dauert es länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Epiphyten zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad für wenige Minuten genügt, sodass sich das Velamen der Wurzeln wieder vollsaugt und diese wieder sattgrün sind. Erst wenn die Wurzeln wieder komplett silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitsgehalt sehr gut beobachten.

Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-500 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn, man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Die außergewöhnliche Form des Laubs zieht alle Blicke auf sich. Somit ist Paraphadenia  Juraj Kojs auch ohne Infloreszenzen ein echter Hingucker. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Habitus von Paraphadenia Juraj Kojs (Foto: Thomas Jacob)
Seitenansicht von Paraphadenia Juraj Kojs (Foto: Thomas Jacob)
In diesem Jahr gab es drei Infloreszenzen. (Foto: Thomas Jacob)
Ein Klon mit weniger nach hinten geneigten Blütenblättern (Foto: Thomas Jacob)

 

KW 37, 2020

Paphiopedilum herrmannii

Alles lesen Orchidee der Woche 37, 2020

Paphiopedilum herrmannii

Paphiopedilum herrmannii (Foto: Thomas Jacob)

In „Linzer Biologische Beiträge“ aus dem Jahr 1995 publizierten Franz FUCHS und Herbert REISINGER die Erstbeschreibung von Paphiopedilum herrmannii. Obwohl die Art von WCSP (World Checklist of Selected Plant Families) akzeptiert ist, wird unter Taxonomen und auch Paphiopedilum-Sammlern noch immer diskutiert, ob es sich dabei wirklich um eine Art oder eine Naturhybride handelt. Im letzteren Falle werden als Eltern Paph. helenae und Paph. hirsutissimum var. esquirolei vermutet. Dies ist schon aufgrund des Aussehens, vor allem des Staminodiums, mehr als unwahrscheinlich. Mit dem Artnamen herrmannii würdigten FUCHS und REISINGER den deutschen Orchideenspezialisten Rolf HERRMANN, der diese Ehre zum Anlass nahm, den strittigen Sachverhalt endgültig zu klären. Im Jahre 2000 unternahm er nach umfangreichen Vorbereitungen eine Expedition nach Vietnam, wo er die Pflanzen an ihrem natürlichen Standort aufsuchte (Die Orchidee 63(1): 24-27, 2012). Die ihn begleitenden einheimischen Sammler und Führer bestätigten ihm, dass im Umkreis von 100 km keine weitere Frauenschuhart zu finden und damit eine Naturhybride auszuschließen ist. Die Vorkommen der potentiellen Eltern sind sogar 250-300 km entfernt. Bemerkenswerterweise liegt der ursprünglich angegebene Fundort von Paphiopedilum herrmannii im Norden Vietnams an der Grenze zu China, während HERRMANN südwestlich von Hanoi fündig wurde. Möglicherweise wurden die Standortangaben von Sammlern und auch Gärtnern falsch übersetzt und genauso falsch weitergegeben.

Habitus von Paphiopedilum herrmannii (Foto: Thomas Jacob)

Paphiopedilum herrmannii ist, wie alle Arten der Gattung, auf dem asiatischen Kontinent beheimatet. Sein natürliches Verbreitungsgebiet liegt in Vietnam, etwa 100 km südwestlich von Hanoi, wo es in Höhenlagen von ca. 650 Metern über dem Meeresspiegel senkrechte Felswände besiedelt. Das Habitat ist sehr gut drainiert. Das Klima ist  subtropisch mit einer kühleren und trockeneren Jahreszeit von November bis März und einer heißen und feuchten von April bis Oktober. Der meiste Regen fällt hier zwischen Juli und September. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig hoch.

Paphiopedilum herrmannii ist eine fensterbanktaugliche Frauenschuhorchidee mit ansprechenden Blüten. Ich kultiviere meine Pflanze in einer Mischung aus mittlerer und feiner Rinde, Bimskies und Perlite. Das Substrat kalke ich alle sechs Monate mit Hüttenkalk auf. Auch andere Substrate und Zuschlagstoffe sind natürlich möglich. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit gut gehalten werden kann. Steinwoll- oder Schaumstoffwürfel, Sphagnum-Moos, Akadama, Kokosfasern etc. ‒ ich habe fast alles schon ausprobiert. Paph. herrmannii scheint keine besonderen Ansprüche an das Substrat zu stellen. Solange es immer feucht ist ‒ im Sommer richtig feucht bis nass, im Winter darf es leicht antrocknen ‒ und ausreichend Kalk geboten wird, ist dieses Paphiopedilum gerne bereit zu wachsen und zu blühen. Das Thema Kalk handhabt auch jeder ein bisschen anders. Wie oben schon geschrieben, kalke ich das Substrat alle sechs Monate mit Hüttenkalk auf. Hüttenkalk ist ein kohlensaurer Kalk, der leicht wasserlöslich ist und gut von der Pflanze aufgenommen werden kann. Damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht. Ich habe aber auch schon sehr gut kultivierte Exemplare von Paph. herrmannii gesehen, die Muschelgritt im Substrat hatten, welches den nötigen Kalk liefert, oder auch Pflanzen, die gelegentlich mit Leitungswasser gegossen werden, um Kalk verfügbar zu halten. Auch hier muss jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln, um herauszufinden, welcher der beste Weg ist. Viele Wege führen nach Rom, pardon, zur Blüte!

Das Gießwasser hat bei mir einen Leitwert von ca. 150-200 Mikrosiemens. Im Sommer wird alle paar Tage getaucht, im Hochsommer steht der Topf auch mal 1-3 Tage in einer Wasserpfütze. Bei tagelangen Regenfällen steht Paphiopedilum herrmannii im natürlichen Habitat auch kurzzeitig im Wasser. Das verträgt es gut, aber eben nur im Hochsommer, wenn auch die Temperaturen entsprechend hoch sind. Stehendes Wasser in Verbindung mit Kälte lässt die Wurzeln sofort faulen. Im Winter gieße ich nur alle paar Tage leicht auf das Substrat, sodass es nicht ganz austrocknet, aber auch nicht zu nass ist. Gedüngt wird bei mir nur von Frühling bis Anfang Herbst, alle 2- 4 Wochen. Das Düngerwasser hat dann einen Leitwert von 300-400 Mikrosiemens. Auch mein Dünger enthält zusätzlich nochmal etwas Kalk, was nicht bei jedem Dünger gegeben ist.

Wenn im Sommer die nächtlichen Temperaturen nicht mehr unter 15 Grad fallen, stelle ich mein Paphiopedilum herrmannii schattig ins Freie. Im Winter steht es hell am Westfenster im unbeheizten Büro bei 18-24 Grad tagsüber. Bei starkem Sonnenschein steigen die Temperaturen durch eine große westseitige Glasfront auch mal auf 30-32 Grad. Nachts fallen die Temperaturen auf 14-16  Grad. Die Pflanze verträgt auch etwas tiefere Temperaturen, deutlich unter 10 Grad sollten es auf Dauer aber nicht sein.

Durch den kompakten Wuchs und die im Verhältnis dazu große Blüte ist Paphiopedilum herrmannii ein echter Hingucker auf der Fensterbank. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Seitenansicht von Paphiopedilum herrmannii (Foto: Thomas Jacob)
Paphiopedilum herrmannii mit Doppelblüte (Foto: Thomas Jacob)
Paphiopedilum herrmannii ‚Lilli‘ erhielt Silbermedaillen in den Kategorien Kultur und Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum herrmannii ‚Fulerum‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum herrmannii ‚David‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)

KW 36, 2020

Stelis rodrigoi

Alles lesen Orchidee der Woche 36, 2020

Stelis rodrigoi

Stelis rodrigoi (Foto: Thomas Jacob)

Im Jahr 1982 beschrieb Carlyle August LUER die Pflanze unter dem Namen Condylago rodrigoi in „Orquideologia“. Mit dem Artnamen rodrigoi ehrte er den kolumbianischen Orchideensammler Rodrigo ESCOBAR, der die Art seit der Entdeckung erfolgreich kultivierte. Knapp 20 Jahre später, im Jahr 2001, publizierten Mark Wayne CHASE und Alec Melton PRIDGEON einen Artikel in „Lindleyana“, in dem sie die Art in die Gattung Stelis überführten. Auch Carlyle August LUER selbst folgte dieser Meinung und schrieb 2016 für „Harvard Papers in Botany“ eine erneute Eingruppierung in die Gattung Stelis. Der Gattungsname Stelis leitet sich sowohl vom lateinischen stelis sowie vom griechischen stelís ab. Beide Wörter stehen für Pflanzen wie Misteln, die als Schmarotzer auf anderen Pflanzen aufsitzen. Stelis rodrigoi ist allerdings kein Schmarotzer, der sich an den Halt gebenden Bäumen bereichert. Als Epiphyt sitzt sie lediglich auf und versorgt sich vollkommen selbstständig.

Habitus von Stelis rodrigoi – leider blühen meist nur ein bis zwei der Infloreszenzen zur selben Zeit (Foto: Thomas Jacob)

Stelis rodrigoi kommt ausschließlich im Verwaltungsbezirk (Department) Antioquia im Nordwesten Kolumbiens vor. Sie wächst dort epiphytisch auf Bäumen und Sträuchern. Die meist kühlen Standorte liegen zwischen 1400 und 1600 Metern über dem Meeresspiegel. Die Pflanzen sind durch das Laub der Bäume vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über in Form von Regen und Nebel. Dadurch trocknet das Habitat niemals vollkommen aus und ist stets feucht. Aus diesem Grund braucht Stelis rodrigoi auch keine Speicherorgane in Form von Pseudobulben oder Ähnlichem. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch und es herrscht immer eine recht starke Luftbewegung.

An einem recht kurzen Stiel, der von ein bis zwei trockenen Hüllblättern umgeben ist, sitzt jeweils ein einzelnes dunkelgrünes Blatt, das bis zu 10 cm lang und stark gekielt ist und spitz zuläuft. An der Blattbasis entspringen die Infloreszenzen, die mit bis zu 25 Zentimetern deutlich über das Laub hinausragen. Jede Infloreszenz bringt mehrmals hintereinander einzelne kleine Blüten hervor, die lediglich 4-5 Millimeter groß sind. Die Sepalen sind mit zahlreichen weißen Härchen besetzt. Die Grundfarbe der äußeren Blütenblätter variiert zwischen Orangegelb und zartem Rot. Die Petalen öffnen sich nicht völlig und sind der Säule entlang nach vorne gerichtet. Sie sind kräftig dunkelrot gefärbt und nicht mit Haaren besetzt, ebenso das dunkelrote, wenig auffällige Labellum. Die Blüten duften nicht. Hauptblütezeit ist im Herbst, wobei die Blütentriebe ganzjährig erscheinen können. Durch das ständige Nachschieben von einzelnen Blüten erstreckt sich die Blühdauer einer Infloreszenz über mehrere Monate.

Ich kultiviere meine Stelis rodrigoi im Grunde genauso wie meine Restrepien. Sie ist getopft in Lavagranulat in der Körnung 2-8 mm. Auch aufgebundene Kultur ist natürlich möglich, allerdings ist dann eine Orchideenvitirine oder ein Gewächshaus zu empfehlen, damit die feinen Wurzeln nicht austrocknen. Der Topf steht bei mir das ganze Jahr über in einem mit Wasser gefüllten Untersetzer. Der mineralische Pflanzstoff saugt sich somit immer gleichmäßig feucht und trocknet nicht aus. Zwischen den einzelnen Substrat-Teilchen entstehen kleine Lufträume, die eine gute Belüftung der Wurzeln gewährleisten. Der größte Vorteil von mineralischem Substrat ist, dass sich die Bestandteile nicht zersetzen, was bei Rinde oder Moos in Verbindung mit Dauerfeuchtigkeit oft schnell passiert. Getopft werden muss also erst, wenn der Topf zu klein wird. Stelis rodrigoi liebt Feuchtigkeit und hasst Trockenheit. Wie oben schon erwähnt besitzt die Art keine Speicherorgane wie manch andere Orchideenart. Steht sie einmal zu lange zu trocken, bedeutet das meistens den Tod der Pflanze. Gelegentliches Tauchen, wenn die Pflanzen in organischem Substrat getopft waren, war unter meinen Bedingungen nicht von Erf0lg gekrönt, weshalb ich inzwischen alle Pleurothallidinae auf mineralisches Substrat umgestellt habe.

Das Gießwasser, mit dem ich die Schale auffülle, hat einen Leitwert von ca. 150 Mikrosiemens/cm. Von März bis in den frühen Herbst wird 1-2 Mal im Monat gedüngt. Dabei dünge ich das Wasser auf etwa 300 Mikrosiemens/cm auf. Gelegentlich wird der Topf mit klarem Wasser durchgespült, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu verhindern. Tut man das nicht, reichern sich im Laufe der Zeit zu viele Salze (Düngerreste) im Topf an, die dann die feinen Wurzeln beschädigen könnten. Im Winter dünge ich nicht. Stelis rodrigoi steht im Sommer im kühlen Treppenhaus an einem Fenster, das nach Norden ausgerichtet ist. Hier bleibt es einfach während der heißen Tage am kühlsten und die schattigen Lichtverhältnisse scheinen ihr zu genügen. Im Winter steht die Pflanze dann an einem hellen Westfenster in einem unbeheizten Raum. Dort ist es ebenfalls schön kühl, bietet aber deutlich mehr Licht während der dunklen Jahreszeit. Die nächtlichen Temperaturen fallen dort auf ca. 10 Grad ab – je nach Außentemperatur. Während ich im Sommer sehr darauf achte, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sind, darf in den Wintermonaten von November bis Mitte Februar das Sonnenlicht ungehindert auf die Pflanze fallen – besonders oft scheint die Sonne im Winter ja ohnehin nicht. Ab Ende Februar/Anfang März wird die Sonnenstrahlung allerdings schon wieder so stark, dass es schnell zu Verbrennungen auf den Blättern kommen kann. Diese Verbrennungen sind dauerhaft und lassen sich nicht behandeln. Aus diesem Grund muss zwingend ab Mitte Februar schattiert werden oder man ändert eben den Standort.

Die haarigen Blüten von Stelis rodrigoi mit ihren kräftigen Farben ziehen alle Blicke auf sich und bereichern jede Orchideensammlung. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Seitenansicht von Stelis rodrigoi (Foto: Thomas Jacob)
Die Blüte von Stelis rodrigoi im Profil (Foto: Thomas Jacob)

KW 35, 2020

Papilionanda Pink Fairy

Alles lesen Orchidee der Woche 35, 2020

Papilionanda Pink Fairy

Papilionanda Pink Fairy (Foto: Thomas Jacob)

Die noch recht junge taiwanesische Orchideenzucht Ten Shin Gardens bestäubte vor gut zehn Jahren – nicht sonderlich lange nach Gründung des Unternehmens – die Blüte einer Vanda falcata mit dem Pollen einer Papilionanthe teres. Heraus kam die sehr gelungene Kreuzung Papilionanda Pink Fairy, die im Jahr 2014 in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen wurde. Pink Fairy heißt übersetzt pinkfarbene Fee, was wegen der rosa gefärbten Blüten der meisten Pflanzen, deren Form an eine Fee erinnert, sehr passend ist. Dennoch suchte ich mir bewusst ein weiß blühendes Individuum aus, da mir die großen weißen Blüten noch besser gefallen. Zusammen mit der wirklich auffälligen Wuchsform der Pflanzen wirken diese tatsächlich wie aus einem Märchenfilm entsprungen.

Habitus von Papilionanda Pink Fairy (Foto: Thomas Jacob)

Beheimatet ist Vanda falcata in Japan, Korea und auf den Ryūkyū-Inseln. Sie wächst dort ausschließlich epiphytisch unter kühlen und kalten klimatischen Bedingungen. Die kleinen Pflanzen besiedeln am Naturstandort meist laubabwerfende Bäume und haben somit schattige Sommer – im Winter sind sie dann der vollen Sonne ausgesetzt. Vanda falcata ist eine monopodial wachsende Orchidee, die ab einer bestimmten Größe mehrere fächerartig beblätterte Sprosse ausbildet. Die Blätter sind etwa 5-12 cm lang, dünn, kräftig und starr. Oft werden im Herbst die Blütentriebe angesetzt, die dann den Winter über ruhen und im Frühjahr weiterwachsen und zur Blüte kommen. Die Infloreszenz entspringt einer Blattachse, wird ca. 7 cm lang und trägt mehrere Blüten, die am Abend einen angenehmen Duft verbreiten. Die Blütenfarbe von V. falcata ist nicht so variabel, wie es scheint. Sie wird zwar in Weiß, Rosa, Gelb, Grün und Violett, teilweise einfarbig, teilweise zweifarbig angeboten, allerdings findet man in der Natur fast ausschließlich weiße Blüten, selten mit einem Hauch von Rosa oder Grün. Die Lippe ist bei den natürlichen Farbvariationen immer komplett weiß. Kräftigere Rosa-, Gelb-, Violett- oder Grüntöne sind Ergebnisse jahrhundertelanger Zucht, bei denen vermutlich andere Arten von Vandeen mit eingekreuzt wurden. An der Rückseite der Blüte befindet sich ein langer Sporn, der nach unten zeigt.

Papilionanthe teres ist eine groß wachsende Art, die weite Teile des asiatischen Kontinents besiedelt. Die monopodialen Pflanzen wachsen epiphytisch unter sehr warmen Bedingungen. Die Standorte liegen im Himalaya, in Assam, Bangladesch, Indien, Nepal und auf den Andamanen. Außerdem findet man die Art in Myanmar, Thailand, Laos und Vietnam. An einem langen und sehr dünnen Stamm sitzen wechselständig angeordnete, fast steckenartige Blätter, die 10-15 cm lang werden und dunkelgrün gefärbt sind. Papilionanthe teres wächst in voller Sonne und benötigt viel Licht, um zur Blüte zu kommen. Am Stamm entspringen die bis zu 30 cm langen Infloreszenzen, die 3-6 Blüten tragen. Die Blüten sind weiß bis rosafarben gefärbt und duften.

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Ansprüche, die beide Elternteile haben, muss man in der Kultur ein wenig ausprobieren, was die eingene Pflanze mag und was nicht. Papilonanda Pink Fariy aus meiner Sammlung scheint das sehr helle, unschattierte Sonnenlicht auch im Sommer zu benötigen, damit sie zur Blüte kommt. Ob das bei allen Individuen der Kreuzung der Fall ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Je sonniger sie steht, desto mehr Wasser sollte man ihr geben, damit das Laub nicht zu stark dehydriert und faltig wird. Ansonsten scheint diese Hybride recht pfegeleicht zu sein – auch auf der Fensterbank.

Da der Elternteil Papilionanthe teres sehr hohe  Temperaturen mag, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Hybride. Nachts fallen die Temperaturen in meinem Kulturraum niemals unter 16-18 Grad. Tagsüber klettert das Thermometer auch im Winter auf bis zu 30 Grad, besonders an sehr sonnigen Tagen. Natürlich sollte man versuchen, die Luftfeuchtigkeit möglichst hoch zu halten. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können helfen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet das stehende Wasser wegen der mangelnden  Luftbewegung in geschlossenen Räumen nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch. Meine Papilionanda Pink Fairy steht ganzjährig sehr hell und erhält volle Sonne vom zeitigen Nachmittag bis zur Dämmerung.

Als Pflanzstoff eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Epiphyten zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder ganz silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. An besonders heißen Tagen im Hochsommer gieße ich auch zwischen den Tauchgängen zusätzlich etwas Wasser, sodass die Wurzeln in dieser Zeit nicht ganz durchtrocknen. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten. Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-450 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn, man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Papilionanda Pink Fairy ist durch ihren eigenartigen Wuchs auch ohne Blüten ein echter Hingucker auf jeder Fensterbank und auch in jedem Gewächshaus. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Papilionanda Pink Fairy – Größenvergleich mit meinem Daumen (Foto: Thomas Jacob)
Profilaufnahme einer Einzelblüte (Foto: Thomas Jacob)
Eine Infloreszenez mit vier Blüten von Papilionanda Pink Fairy (Foto: Thomas Jacob)
Seitenansicht der Infloreszenz (Foto: Thomas Jacob)

KW 33, 2020

Restrepia roseola

Alles lesen Orchidee der Woche 33, 2020

Restrepia roseola

Restrepia roseola (Foto: Thomas Jacob)

Der erst kürzlich verstorbene amerikanische Botaniker Carlyle August LUER (zum Nachruf hier klicken) beschrieb die Art zusammen mit seinem kolumbianischen Kollegen Escobar RODRIGO. Den Beitrag dazu veröffentlichten die beiden im Jahr 1996 in einer Ausgabe von „Revista de la Sociedad Colombiana de Orquideologia“. Carlyle LUER beschrieb unzählige Arten der Pleurothallidinae neu und gruppierte bekannte Arten um. Besonders die Gattung Restrepia begeisterte ihn so sehr, dass er bis ins hohe Alter hinein nicht damit aufhörte zu forschen und zu beschreiben. Der Gattungsname Restrepia geht auf den kolumbianischen Orchideenforscher José Manuel RESTREPO VÉLEZ zurück, der als Erster die Geschichte der antioquischen Anden erforschte. Der Artname leitet sich vom lateinischen Wort roseus ab, das mit Rosenrot übersetzt werden kann.

Habitus von Restrepia roseola (Foto: Thomas Jacob)

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich über ein recht kleines Gebiet in den Regenwäldern der nördlichen Küstenberge Venezuelas. Restrepia roseola wächst dort epiphytisch auf  Bäumen, durch deren Laub sie vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt ist. Durch die hoch gelegenen Standorte von 1300 bis 2300 Metern über dem Meeresspiegel sind die klimatischen Bedingungen eher im kühlen Bereich. Gelegentlich findet man auch Pflanzen in temperierten Lagen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, sodass das Habitat niemals austrocknet. Auch die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

Die Art bildet einzelne Blätter aus, die auf ca. 3-4 cm langen Stielen sitzen. Die Blätter werden bis zu 6 cm lang und sind glänzend grün. An der Basis der Blätter entspringen die Infloreszenzen. Jedes Blatt kann mehrmals Infloreszenzen hervorbringen, die jeweils nur eine einzelne Blüte tragen, die ungefähr 3-4 cm hoch und 1 cm breit ist. Während die Petalen und das dorsale Sepalum sehr filigran und teilweise farblos transluzent sind, leuchtet das überdimensionale Synsepalum mit leuchtend rosenroten Punkten. Die Lippe ist in das verwachsene Synsepalum eingebettet.

Durch Zufall erwarb ich eine Pflanze der Art beim Besuch eines Orchideenzüchters. Ich wunderte mich ein wenig über den recht hohen Preis, aber da ich sie haben wollte, kam sie mit an die Kasse. Wenn ich etwas will, ist der Preis oft eine Nebensache – eine sehr unglückliche Angwohnheit manchmal…. Durch einen Bekannten, der sich sehr gut mit der Gattung auskennt, erfuhr ich dann nicht nur, dass es sich bei meiner Restrepia roseola um eine echte roseola handelt, sondern auch noch, dass der Erwerb ein echter Glücksgriff war, da die Art nur selten angeboten wird. Und da ich nicht nur diese eine Pflanze beim Orchideenzüchter erwarb, bekam ich sie auch zu einem recht guten Preis. Ein wirklicher Glücksgriff, da sie sich auch sichtlich wohlfühlt bei mir und schon kurz nach dem Kauf erblühte.

Ich kultiviere meine Restrepien getopft in mineralischem Substrat, meist Lavagranulat in der Körnung 2-8 mm. Auch aufgebunden ist natürlich möglich, allerdings ist dann eine Orchideenvitirine oder ein Gewächshaus zu empfehlen, damit die feinen Wurzeln nicht austrocknen. Meine Restrepia roseola sitzt in reinem Lavagranulat. Der Topf steht das ganze Jahr über in einem mit Wasser gefüllten Untersetzer. Der mineralische Pflanzstoff saugt sich somit immer gleichmäßig feucht und trocknet nicht aus. Zwischen den einzelnen Substrat-Teilchen entstehen kleine Lufträume, die eine gute Belüftung der Wurzeln gewährleisten. Der größte Vorteil von mineralischem Substrat ist, dass sich die Bestandteile nicht zersetzen, was bei Rinde oder Moos in Verbindung mit Dauerfeuchtigkeit oft schnell passiert. Getopft werden muss also erst, wenn der Topf zu klein wird. Restrepien im Allgemeinen lieben Feuchtigkeit und hassen Trockenheit. Gelegentliches Tauchen, wenn die Pflanzen in organischem Substrat getopft waren, war unter meinen Bedingungen nicht von Erf0lg gekrönt, weshalb ich inzwischen alle Pleurothallidinae auf mineralisches Substrat umgestellt habe.

Das Gießwasser, mit dem ich die Schale auffülle, hat einen Leitwert von ca. 150 Mikrosiemens/cm. Von März bis in den frühen Herbst wird 1-2 Mal im Monat gedüngt. Dabei dünge ich das Wasser auf etwa 300 Mikrosiemens/cm auf. Gelegentlich wird der Topf mit klarem Wasser durchgespült, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu verhindern. Tut man das nicht, reichern sich im Laufe der Zeit zu viele Salze (Düngerreste) im Topf an, die dann die feinen Wurzeln beschädigen könnten. Im Winter dünge ich nicht. Restrepia roseola steht im Sommer im kühlen Treppenhaus an einem Fenster, das nach Norden ausgerichtet ist. Hier bleibt es einfach während der heißen Tage am kühlsten und die schattigen Lichtverhältnisse scheinen ihr zu genügen. Im Winter steht die Pflanze dann an einem hellen Westfenster in einem unbeheizten Raum. Die nächtlichen Temperaturen fallen dort auf ca. 10 Grad ab – je nach Außentemperatur. Während ich im Sommer sehr darauf achte, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sind, darf in den Wintermonaten von November bis Mitte Februar das Sonnenlicht ungehindert auf die Pflanze fallen – besonders oft scheint die Sonne im Winter ja ohnehin nicht. Ab Ende Februar/Anfang März wird die Sonnenstrahlung allerdings schon wieder so stark, dass es schnell zu Verbrennungen auf den Blättern kommen kann. Diese Verbrennungen sind dauerhaft und lassen sich nicht behandeln. Aus diesem Grund muss zwingend ab Mitte Februar schattiert werden.

Die ungewöhnliche Form der Blüten mit ihren leuchtenden Farben zieht alle Blicke auf sich. Bei Restrepia roseola sind zudem die Blüten im Vergleich zum Laub recht groß und auffallend. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Restrepia roseola (Foto: Thomas Jacob)
Seitenansicht von Restrepia roseola (Foto: Thomas Jacob)
Das auffällige Synsepalum von Restrepia roseola (Foto: Thomas Jacob)

 

KW 32, 2020

Prosthechea Green Hornet

Alles lesen Orchidee der Woche 32, 2020

Prosthechea Green Hornet

Prosthechea Green Hornet (Foto: Thomas Jacob)

Die „grüne Hornisse“ wurde am 01. Juni 1995 in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Die Kreuzung ist eine Primärhybride aus zwei Naturformen. Der Züchter, über den ich leider nichts weiter herausfinden konnte, bestäubte die Blüte von Prosthechea cochleata mit dem Pollen von Prosthechea trulla. Prosthechea cochleata war damals noch in der Gattung Encyclia eingeordnet, Prosthechea trulla in der Gattung Epidendrum. Im Jahr 1996 überführte Eric CHRISTENSON Epidendrum trulla in die Gattung Encyclia. W.E. HIGGINS überführte beide Arten im Jahr 1998 in die Gattung Prosthechea. Aus diesem Grund gibt es einige Synonyme, unter denen Pflanzen dieser Gattung im Handel angeboten werden:

  • Epicyclia Green Hornet
  • Encyclia Green Hornet
  • Prosthechea Green Hornet
Habitus mit drei Infloreszenzen – die erste beginnt gerade sich zu öffnen (Foto: Thomas Jacob)

Die Pflanzen bilden circa 5-7 cm lange eiförmige Pseudubulben aus, auf denen jeweils zwei bis drei 15 – 20 cm lange Blätter sitzen. Das Laub ist dunkelgrün, seidenmatt und leicht gekielt. Im Herzen zwischen den Blättern entspringen die Infloreszenzen, nachdem die Pseudobulbe ausgereift ist. Die Blütentriebe können sich verzweigen und tragen zahlreiche Blüten, die sich nacheinander öffnen. Da die Blüten nicht resupiniert sind, zeigt das Labellum nach oben. Es ist muschelförmig, zart gelbgrün gefärbt und mit einer auffallenden violetten Musterung überzogen. Die Tepalen sind allesamt gelbgrün und sehr schmal. Sie sind kreisförmig um das Labellum angeordnet und richten sich nach unten. Die Blüten verströmen einen intensiven Duft, der nicht unangenehm ist.

Die Kultur von Prosthechea Green Hornet ist sehr unkompliziert und funktioniert auch auf der Fensterbank hervorragend. Im Nachfolgenden beschreibe ich euch meine Kulturmethode, die natürlich nicht die einzig richtige ist, aber erfolgreich erprobt wurde:

Ich kultiviere Prosthechea Green Hornet in einer Mischung aus mineralischem Substrat: Bims, Akadama, Lava, Zeolith – alles, was ich gerade zur Verfügung hatte. Der Topf steht immer in einer kleinen Schale, die mit Wasser gefüllt ist. Durch die Kapillarwirkung der Mineralien ist das Substrat stets feucht, aber nicht nass. Perfekte Bedingungen, wie es scheint, denn der Topf war innerhalb von wenigen Wochen komplett durchwurzelt. Der große Vorteil von mineralischen Substraten ist, dass sie sich nicht zersetzten und somit nur neu getopft werden muss, wenn der Topf zu klein geworden ist und die Neutriebe über den Rand hinauswachsen würden. Das wird im Frühjar bei meiner Pflanze der Fall sein. Natürlich lässt sich Psh. Green Hornet auch in anderen Substraten erfolgreich kultivieren. Wichtig ist, dass sie stets feucht, aber nicht klatschnass ist.

Die Wasserqualität sollte nicht allzu salzhaltig sein, wobei die Pflanze schon etwas Dünger verträgt. Mein Wasser, mit dem ich die Schale immer auffülle, wenn sie leergesaugt ist, hat einen Leitwert von 200-300 Mikrosiemens/cm, manchmal sogar noch etwas höher. Im Winter weniger, da ich in dieser Zeit keinen Dünger gebe. Durch das geringe Lichtangebot im Winter fährt der Stoffwechsel der Pflanze herunter, wodurch sie weniger Nährstoffe verarbeiten kann. Wird in dieser Zeit zu viel gedüngt, verbleiben die Salze im Substrat, das dadurch versalzt und somit die doch recht feinen Wurzeln der „Tintenfischorchidee“ verbrennen würden. Wer im Winter mit künstlichem Licht arbeitet, kann natürlich auch dann etwas Dünger geben.

Da die Temperaturen an den verschiedenen Naturstandorten der Elternpflanzen sehr variieren, ist Prosthechea Green Hornet hier nicht allzu anspruchsvoll. Ich kultiviere meine Pflanze im temperiert-warmen Bereich. Auch die große Hitze im Sommer hat ihr keinerlei Probleme bereitet, ich hatte sogar den Eindruck, dass ihr das sehr gutgetan hat. Wo andere Orchideen aus meinem Bestand das Wachstum für einige Wochen einstellten aufgrund der großen Hitze, kam sie so richtig in Fahrt und beendete das Wachstum der diesjährigen Pseudobulbe deutlich früher und zeigte direkt jetzt im Sommer schon ihre drei Blütentriebe. Auch im Winter steht sie bei mir im beheizten Orchideenzimmer, in dem die Temperaturen auch nachts nie unter 16 Grad fallen. Meistens liegen sie eher bei 17-18 Grad.

Direkte Mittagssonne bekommt meine Pflanze nie, auch im Winter nicht. Die tiefstehende Abendsonne im Winter kann aber unschattiert auf sie fallen. Da dann die Tage deutlich kürzer sind, darf in der kurzen Zeit ruhig etwas mehr Licht aufgenommen werden. Die Blattfarbe ist saftig grün ohne Verbrennungen und ausgeblichene Stellen. Die winterliche Abendsonne  scheint ihr also gut zu gefallen.

Durch die fast außerirdisch anmutenden Blüten ist Prosthechea Green Hornet ein wirklicher Hingucker, der über viele Monate an einer Infloreszenz blühen kann. Eine wahre Bereicherung für jedes Fensterbrett – auf dem sie durch die kompakte Größe auch gut Platz findet. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Die zahlreichen Blüten an den Infloreszenzen öffnen sich nacheinander. (Foto: Thomas Jacob)
Die Blüte von Prosthechea Green Hornet im Profil (Foto: Thomas Jacob)
Prosthechea Green Hornet (Foto: Thomas Jacob)

KW 31, 2020

Paphiopedilum henryanum

Alles lesen Orchidee der Woche 31, 2020

Paphiopedilum henryanum

Paphiopedilum henryanum (Foto: Thomas Jacob)

Guido Jozef BRAEM beschrieb Paphiopedilum henryanum erstmalig 1987 in „Schlechteriana“ 1: 4. Im Laufe der Jahre folgten zwei weitere Beschreibungen der gleichen Art unter anderen Namen, die aber ungültig sind. Der Gattungsname setzt sich zusammen aus den beiden griechischen Wörtern Paphos (= eine Küstenstadt auf Zypern und nach der Mythologie die Geburtsstadt der Göttin Aphrodite, weswegen diese auch den Beinamen Paphía erhielt, also die Paphische) und pedilon (= der Pantoffel, nach der Ähnlichkeit der Lippe mit einem Schuh). Das Pendant zu Aphrodite ist Venus in der römischen Mythologie. So wird Paphiopedilum auch heute noch im deutschsprachigen Raum sehr oft Venusschuh bezeichnet. Der Artname henryanum ist dem irischen Pflanzen- und Orchideensammler Henry gewidmet, der das Typusexemplar in China sammelte.

Habitus von Paphiopedilum henryanum (Foto: Thomas Jacob)

Paphiopedilum henryanum ist, wie alle Arten der Gattung, auf dem asiatischen Kontinent beheimatet. Sein natürliches Verbreitungsgebiet liegt im Grenzgebiet zwischen China und Nordvietnam, wo es in Höhenlagen von 600 bis 1400 Metern über dem Meeresspiegel fast ausschließlich schattige Standorte ohne direktes Sonnenlicht auf bemoosten Kalksteinfelsen besiedelt. Die Temperaturen liegen in der Regel im temperierten Bereich, wobei es deutliche jahreszeitliche Unterschiede gibt. Die Sommer sind mild, die Winter kühler, jedoch ohne Frost. Einzelne Individuen wachsen in höheren Lagen auch unter kühleren Bedingungen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, sodass das Habitat, das allerdings sehr gut drainiert ist, niemals austrocknet und den Pflanzen stets genügend Feuchtigkeit zur Verfügung steht.

Ich kultiviere mein Paphiopedilum henryanum in einer Mischung aus mittlerer und feiner Rinde, Bimskies und Perlite. Das Substrat kalke ich alle 6 Monate mit Hüttenkalk auf. Auch andere Substrate und Zuschlagstoffe sind natürlich möglich. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit gut gehalten werden kann. Steinwollwürfel, Sphagnum-Moos, Akadama, Schaumstoffwürfel, Kokosfasern etc. ‒ Ich habe fast alles schon ausprobiert, Paph. henryanum scheint keine besonderen Ansprüche an das Substrat zu stellen. Solange es immer feucht ist ‒ im Sommer richtig feucht bis nass, im Winter darf es leicht antrocknen ‒ und ausreichend Kalk geboten wird, ist dieses Paphiopedilum gerne bereit zu wachsen und zu blühen. Das Thema Kalk handhabt auch jeder ein bisschen anders. Wie oben schon geschrieben, kalke ich das Substrat alle 6 Monate mit Hüttenkalk auf. Hüttenkalk ist ein kohlensaurer Kalk, der leicht wasserlöslich ist und gut von der Pflanze aufgenommen werden kann. Damit habe ich die besten Erfahrungen gesammelt. Ich habe aber auch schon sehr gut kultivierte henryanum gesehen, die Muschelgritt im Substrat hatten, welches den nötigen Kalk liefert, oder auch Pflanzen, die gelegentlich mit Leitungswasser gegossen werden, um Kalk verfügbar zu halten. Auch hier muss jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln, um herauszufinden, welcher der beste Weg ist.

Die dunklen Flecken auf der Fahne und den Petalen sind auf der Vorderseite erhaben (Foto: Thomas Jacob)

Das Gießwasser hat bei mir einen Leitwert von ca. 150-200 Mikrosiemens. Im Sommer wird alle paar Tage getaucht, im Hochsommer steht der Topf auch mal 1-3 Tage in einer Wasserpfütze. Bei tagelangen Regenfällen steht Paphiopedilum henryanum im natürlichen Habitat auch kurzzeitig im Wasser. Das verträgt es gut, aber eben nur im Hochsommer, wenn die Temperaturen auch entsprechend hoch sind. Stehendes Wasser in Verbindung mit Kälte lässt die Wurzeln sofort faulen. Im Winter gieße ich nur alle paar Tage etwas auf das Substrat, sodass es nicht ganz austrocknet, aber auch nicht zu nass ist. Gedüngt wird bei mir nur von Frühling bis Anfang Herbst, alle 2- 4 Wochen. Das Düngerwasser hat dann einen Leitwert von 300-400 Mikrosiemens. Auch mein Dünger enthält zusätzlich nochmal etwas Kalk, was nicht bei jedem Dünger gegeben ist.

Wenn im Sommer die nächtlichen Temperaturen nicht unter 15 Grad fallen, stelle ich mein  Paphiopedilum henryanum schattig ins Freie. Im Winter steht es hell am Westfenster im unbeheizten Büro bei 18-24 Grad tagsüber. Bei starkem Sonnenschein steigen die Temperaturen durch eine große westseitige Glasfront auch mal auf 30-32 Grad. Nachts fallen die Temperaturen auf 14-16  Grad. Wie im ersten Absatz schon erwähnt, ist Paphiopedilum henryanum ein temperiert zu pflegendes Paphiopedilum, das auch etwas tiefere Temperaturen verträgt, deutlich unter 10 Grad sollten es auf Dauer aber nicht sein.

Im Allgemeinen ist Paphiopedilum henryanum aber eine unkomplizierte Naturform, die bei mir sehr zuverlässig blüht. Außerdem ist sie nicht allzu groß und findet so auch überall einen Platz. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Auf der Rückseite der Fahne sind Vertiefungen an den Stellen der dunklen Flecke zu finden (Foto: Thomas Jacob)
Seitenansicht von Paphiopedilum henryanum (Foto: Thomas Jacob)
Profilansicht von Paphiopedilum henryanum (Foto: Thomas Jacob)

KW 30, 2020

Renanthera Elke Cramer

Alles lesen Orchidee der Woche 30, 2020

Renanthera Elke Cramer

Renanthera Elke Cramer (Foto: Thomas Lehmann)

Erst vor vier Jahren, also im Jahr 2016, wurde die Hybride aus Renanthera monachica und Renanthera vietnamensis in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Giselher Cramer – Seniorchef der Orchideenzucht Cramer in Strub – meldete Renanthera Elke Cramer dort zur Registrierung an und benannte sie nach seiner Frau Elke, die viele von uns gut kennen. Auf unzählige Orchideen-Veranstaltungen begleitet sie ihn bis heute. Der Gattungsname Renanthera leitet sich von den griechischen Wörtern rēn (Niere) und anthērós (blühend) ab. Da die Blüten leicht nierenförmig sind, führte João de LOUREIRO diesen Gattungsnamen bereits im Jahr 1790 ein. Wie oben schon erwähnt, handelt es sich bei Renanthera Elke Cramer um eine Primärhybride, an der lediglich zwei Naturformen beteiligt sind.

Renanthera monachica ‚Strub‘ SM/D.O.G. – ein Elternteil der Hybride (Foto: D.O.G.-Archiv)

Renanthera monachica ist beheimatet auf der philippinischen Insel Luzon. Dort wächst sie epiphytisch, meist auf Bäumen. Durch das recht kleine Verbreitungsgebiet und die niedrigen Höhenlagen vom Meeresspiegel bis zu 500 Metern darüber herrschen an allen Standorten ganzjährig warme Bedingungen. Blütezeit ist vom späten Winter bis in das Frühjahr. Die Infloreszenz wird 45 cm lang und trägt eine Fülle an Blüten. Am Naturstandort wachsen Renantheren generell in sehr hellen Bereichen, teilweise der Sonne ausgesetzt. Die Blüten duften nicht.

Renanthera vietnamensis ‚Marika‘ SM/D.O.G. – der zweite Elternteil der Hybride (Foto: D.O.G.-Archiv)

Renanthera vietnamensis kommt lediglich an der Grenze von Vietnam und China vor und wächst dort in moosigen, feuchten Wäldern, oft auf alten vermoosten Baumstümpfen und umgefallenen Bäumen in Bodennähe. Diese Naturform gehört zu den klein- bis mittelgroßen Renanthera-Arten, ihre reich besetzten Blütentriebe werden bis zu 45 cm lang.  Ren. vietnamensis wächst in Klimaregionen von kühl über temperiert bis warm. Zu finden ist sie in Höhenlagen von 650-1200 Metern über dem Meeresspiegel. Auch sie erhält viel Licht. Die Blüten haben einen zarten Duft.

Die Kultur meiner Renanthera Elke Cramer ist eigentich recht unkompliziert. Wegen ihres hohen Lichtbedarfs hängt sie seitlich am Südfenster und ist besonders der Morgensonne auch im Sommer lange ausgesetzt. Die Blätter haben keinerlei Verbrennungen und die Pflanze wächst sehr gut und blüht regelmäßig im Frühjahr/Sommmer. Das Fenster, neben dem sie hängt, ist im Sommer fast 24 Stunden geöffnet, sodass sie sehr viel Frischluft und Lufbewegung erhält. Ich kultiviere sie unter warmen Bedingungen. Auch im Winter fallen die nächtlichen Temperaturen nicht unter 16-18 Grad, ganz selten mal auf 15 Grad, tagsüber können sie durchaus 33 Grad erreichen. Dadurch habe ich auch im Winter in meiner Orchideengalerie ein recht hohes Tag-Nacht-Temperaturgefälle. Ob dies zur Blüteninduktion unbedingt erforderlich ist, kann ich gar nicht so genau sagen. Es kommt aber den klimatischen Bedingungen der Naturstandorte der Elternpflanzen nahe.

Grundsätzlich gilt für die Wassergaben: lieber etwas trockener halten als zu nass. Renantheren neigen sehr schnell zu Stammfäule, wenn es zu feucht ist. Darum ist ein gut drainiertes Substrat mit viel Luftzirkulation unbedingt erforderlich. Ich habe meine Renanthera Elke Cramer in sehr grobe Rinde getopft ohne jegliche Zuschlagstoffe, da alles sehr zügig abtrocknen muss. Die Körnung ist 15-25 mm. Ich tauche alle 5-10 Tage, je nach Temperatur. Wichtig ist, dass der Topf wirklich völlig trocken und leicht ist, bevor wieder gewässert wird. Im Zweifel lieber 2 Tage länger warten. Schäden durch Trockenheit lassen sich leichter kurieren als jene von zu viel Feuchtigkeit. Ich dünge das Gießwasser im Sommer bei jedem Wässern auf einen Leitwert von ca. 350 Mikrosiemens auf. Im Winter dünge ich gar nicht, da sich über den Sommer genug Salze im Substrat ablagern, von denen sich die Pflanze im Winter gut ernähren kann.

Im späten Frühjar erscheinen ein bis zwei Infloreszenzen, die sich teilweise verzweigen und an den Triebspitzen auch gerne weitere Blüten nachschieben. Dadurch können sie den ganzen Sommer über blühen. Leider habe ich einen Klon  erwischt, der nicht riecht. Es soll welche geben, die den zarten und fruchtigen Duft von Renanthera vietnamensis mitbekommen haben.

Eine wirklich unkomplizierte Hybride, die im Temperaturbereich sehr variabel ist und von daher in viele Orchideensammlungen integriert werden kann. Viel Spaß beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Renanthera Elke Cramer – Gruppe, prämiert mit einer Silbermedaille (Foto: D.O.G.-Archiv)
Ein etwas heller gefärbter Klon (Foto: Andrea Scherch)
Renanthera Elke Cramer ‚Strub‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)

KW 29, 2020

Phalaenopsis Mini Mark

Alles lesen Orchidee der Woche 29, 2020

Phalaenopsis Mini Mark

Phalaenopsis Mini Mark ‚Maria Theresa‘ – ein eher klein bleibender Klon der Kreuzung (Foto: Thomas Lehmann)

Mark Rose, der ehemalige Inhaber der amerikanischen Orchideenzucht Breckinridge Orchids, meldete diese Hybride  bei der Royal Horticultural Society (RHS) an, woraufhin sie am 21. Januar 1992 in das dortige Orchideenregister eingetragen wurde. Über die Jahre entwickelte sich die Kreuzung aus Phalaenopsis Micro Nova und Phalaenopsis philippinensis zu einer regelrechten Kultpflanze, die nicht nur durch ihre Schlichtheit überzeugt. Sie ist außerdem problemlos in der Kultur und dazu noch sehr blühfreudig. Gleich mehrere Orchideengärtner in Europa produzierten diesen Kassenschlager durch Meristemierung in einer Millionenauflage und vermarkteten Phalaenopsis Mini Mark sehr erfolgreich. Pflanzen der Kreuzung finden sich sowohl bei vielen Orchideengärtnern als auch in etlichen Bau- und Gartenmärkten. Die kleinen weißen Blüten mit den feinen violettroten Punkten und der gelborangefarbenen Lippe erinnern mich immer an ein Spiegelei mit Paprikapulver. Da der Elternteil Phalaenopsis Micro Nova eine Primärhybride ist, sind lediglich drei Naturformen am Genpool von Phalaenopsis Mini Mark beteiligt:

  • 50% Phalaenopsis philippinense
  • 25% Phalaenopsis lobbii
  • 25% Phalaenopsis maculata
Phalaenopsis Mini Mark ‚3 Lips‘, die labelloide Form (Foto: Thomas Lehmann)

Auf jede einzelne dieser drei Naturformen möchte ich in diesem Beitrag nicht eingehen. Alle beteiligten Arten wachsen epiphytisch unter warmen Bedingungen in asiatischen Regenwäldern. Man findet sie eher in schattigen, vor direkter Sonneneinstrahlung geschützten Bereichen. Das ganze Jahr über herrscht sehr hohe Luftfeuchtigkeit mit regelmäßigen Niederschlägen in Form von Nebel und Regen. Alle Pflanzen der Gattung Phalaenopsis wachsen monopodial und haben fleischige, feste Blätter, die wechselständig angeordnet sind. Die Infloreszenzen entstehen am Stamm zwischen den einzelnen Blättern.

Die Hybride Phalaenopsis Mini Mark bleibt recht kompakt und zählt zu den mittelgroßen Phalaenopsen. Ihre Infloreszenzen wachsen eher überhängend und nicht aufrecht. Sie können sehr  lang werden und über viele Monate immer wieder neue Knospen hervorbringen, solange der Blütentrieb nicht eintrocknet. Die Infloreszenzen von Phalaenopsis Mini Mark bleiben recht dünn und dadurch sehr flexibel, sodass sie auch unproblematisch hochgebunden werden können. Die Blüten sind ca. 3 cm breit und fast genauso hoch. Die Grundfarbe ist weiß, lediglich der Klon ‚Sunsplash‘ und die labelloide Form ‚3 Lips‘ sind an den Petalen entweder zart gelb überhaucht oder orangegelb durchgefärbt. Alle Tepalen sind mit feinen violettroten Punkten besetzt.

Eine Kultur auf der Fensterbank ist ohne großen Aufwand möglich. Da die beteiligten Naturformen allesamt hohe  Temperaturen mögen, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Phalaenopsis-Hybride. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 16-18 Grad fallen. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet das stehende Wasser wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Als Pflanzstoff für Phalaenopsis eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Bei sehr kleinen Töpfen geht auch Substrat aus Kokosfasern gut. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Phalaenopsis-Pflanzen zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder ganz silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten. Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-450 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Phalaenopsis Mini Mark auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Ihre wirklich an Spiegeleier erinnernden kleinen Blüten machen diese blühfreudige Hybride zu einem echten Hingucker auf jeder Fensterbank. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Zart gelb überhauchte Petalen findet man beim Klon ‚Sunsplash‘. (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blüten dieser Pflanze sind im unteren Bereich grün überhaucht. Die Pflanze stammt aus der ursprünglichen Aussaat und wurde nicht durch Meristeme vermehrt. (Foto: Thomas Lehmann)
Phalaenopsis Mini Mark macht oft mehrere Infloreszenzen gleichzeitig. (Foto: Thomas Lehmann)
Phalaenopsis Mini Mark ‚Maria Theresa‘ im direkten Vergleich mit der labelloiden Form (Foto: Thomas Lehmann)

KW 28, 2020

Phragmipedium Memoria Georg Lauger

Alles lesen Orchidee der Woche 28, 2020

Phragmipedium Memoria Georg Lauger

Phragmipedium Memoria Georg Lauger ‚Jagdlust‘ BM/D.O.G. (Foto: Thomas Lehmann)

Am 18. April 2018 wurde die Hybride aus Phragmipedium × richteri und Phragmipedium Mountain Maid in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Manolo Arias, der Besitzer der peruanischen Orchideengärtnerei Peruflora, kreuzte die beiden Elternpflanzen einige Jahre zuvor, säte den Samen aus und zog die Pflanzen groß, ehe er sie zum Verkauf anbot. Während der Dresdner Ostern 2017 erwarb ich von ihm eine blühfähige Pflanze dieser bis dahin noch nicht registrierten Kreuzung und brachte sie ein Jahr später zum Blühen. Da Manolo die Kreuzung auch zu diesem Zeitpunkt noch nicht bei der RHS angemeldet hatte, fragte ich im darauffolgenden Jahr in Dresden, ob er etwas dagegen hätte, wenn ich seine Kreuzung bei der RHS anmelden würde – natürlich nicht ohne ihn als Züchter dort anzugeben. Da er selbst kein Interesse daran hatte, gab er mir sein Einverständnis und ich meldete Phragmipedium Memoria Georg Lauger zwei Wochen später zur Registrierung an.

Ein sehr heller Klon von Phragmipedium Mem. Georg Lauger (Foto: Thomas Lehmann)

Benannt habe ich die Hybride nach meinem Großvater, der wenige Jahre zuvor verstorben war. Georg Lauger war nicht nur der weltbeste Opa, ihm habe ich zu verdanken, dass aus dem kleinen Thomas von damals ein naturverbundener Pflanzenfreund wurde. Er war ein leidenschaftlicher Jäger, was für ihn aber bei Weitem nicht nur die Jagd an sich war. Er liebte den Wald und die Natur mit all ihrem von Gott gegebenem Leben. Von klein auf nahm er uns regelmäßig mit in den Wald und lehrte uns Dankbarkeit, Achtsamkeit und Respekt gegenüber „Gottes Schöpfung“.  Auch mein Engagement für einen Verein hat mir vermutlich mein „Bergopa“ vererbt, der sich Zeit seines Lebens für die unterschiedlichsten Vereine einsetzte und auch einige selbst gründete. Und nicht zuletzt gab er mir eine ordentliche Portion Optimismus mit auf meinen Weg. Er war, ist und wird immer mein größtes Vorbild sein. Ich höre ihn noch heute pfeifend über das riesige Grundstück laufen, wenn ich meine Oma besuche. Danke, Bergopa!

Alle drei beteiligten Naturformen – Phrag. × richteri, Phrag. hirtzii und Phrag. besseae – wachsen in den südamerikanischen Anden unter temperierten Bedingungen, oft in der Nähe von Flüssen und Bächen oder an steilen Felsklippen, die immer sehr feucht bis nass sind. An einigen Standorten werden die Pflanzen gelegentlich sogar von Wasser überflutet. Das Habitat trocknet niemals aus. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, allerdings im Winter etwas weniger als im Sommer. Die Temperaturen sind, je nach Standort, das ganze Jahr über recht konstant. In einigen Lagen gehen sie im Winter etwas zurück, richtig kalt wird es aber nicht. Phragmipedien lieben Luftbewegung und Frischluft. Gelegentlich finden sich Pflanzen, die auch der vollen Sonne ausgesetzt sind, aber auch an schattigeren Plätzen gedeihen sie gut.

Da Phragmipedien viel Feuchtigkeit brauchen, sollten sie stets in einer mit Wasser gefüllten Schale stehen. Besonders im Sommer darf das Substrat auch richtig nass sein. Zu viel Wasser ist bei Phragmipedien fast nicht möglich. Nur gelegentlich sollte die Schale ganz abtrocknen, damit sich keine unerwünschten Bakterien im Wasser ausbreiten können. Meine Pflanzen stehen in großen Wannen, die ich alle paar Tage mit frischem Wasser fülle, sobald das alte aufgesogen ist. Im Sommer sind die Schalen alle 3-4 Tage leer, im Winter dauert es 6-7 Tage. Oft ist zu lesen, dass Phragmipedien sehr salzempfindlich sind und bei zu hohen Düngergaben braune Blattspitzen bekommen. Für einige Naturformen und Primärhybriden trifft es auch zu, dass die Wurzeln bei zu vielen Salzen verbrennen und absterben. Allerdings gibt es einige Naturformen und daher auch Hybriden, die wesentlich besser wachsen und blühen, wenn sie etwas mehr Dünger bekommen. Braune Blattspitzen habe ich nicht mehr bei meinen Pflanzen, seit ich einen Dünger verwende, der sowohl Calcium als auch Magnesium enthält und den ich auch höher dosiere als früher. Meiner Erfahrung nach sind die braunen Blattspitzen eher auf einen Mangel an Calcium und Magnesium und nicht auf zu hohe Düngergaben zurückzuführen. Im Sommer bekommen meine Hybriden zwischen 350 und 450 Mikrosiemens bei jedem Wässern. Nur im Winter  stelle ich das Düngen komplett ein. Die angereicherten Salze im Substrat genügen den Pflanzen, um durch die dunkle Jahreszeit zu kommen.

Phragmipedium Memoria Georg Lauger ‚Jagdlust‘ BM/D.O.G. mit zwei geöffneten Blüten (Foto: Thomas Lehmann)

Mein Standard-Phragmipedium-Substrat ist eine Mischung aus Rinde, Perlite, Bimskies und Holzkohle. Die Körnung der Rinde passe ich an die Topfgröße an. Bei kleinen Töpfen nehme ich feinere Rinde, bei großen Töpfen verwende ich gerne gröbere. Perlite verwende ich in der Körnung 2-4 Millimeter. Durch ihr geringes Gewicht machen sie das Substrat locker und sorgen für eine gute Belüftung der Wurzeln. Der Bimskies versorgt die Pflanzen zusätzlich mit Calcium, da er diesen durch die andauernde Feuchtigkeit freigibt. Die Körnung spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ich nutze gerne 5-10 Millimeter. Um einige trockenere Stellen im Pflanzstoff zu schaffen, füge ich immer Holzkohle in einer Körnung von 7-14 Millimeter hinzu. Die Holzkohle saugt sich nicht mit Wasser voll und bleibt trocken. Durch die etwas gröberen Brocken entstehen zusätzlich ein paar Luftlöcher im Substrat, die eine Luftzirkulation im Topf zulassen.

Natürlich gibt es auch einige andere Substrate, die gut für Phragmipedium geeignet sind. Jedes hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil von Rinde ist, dass sie regelmäßig gewechselt werden muss, da sie durch die Dauerfeuchte sehr schnell zerfällt. Mineralische Sustrate zerfallen nicht und müssen daher nicht so oft gewechselt werden. Jeder sollte da seine eigenen Erfahrungen machen und ausprobieren, was zu seiner Kultur am besten passt. Außer mit meinem Standardsubstrat habe ich auch gute Erfahrungen gemacht mit:

  • Akadama
  • Sphagnum-Moos
  • Steinwollwürfeln
  • Bimskies
  • Lavagranulat

Im Sommer stehen Phragmipedien gerne im Freien, da sie Frischluft und Luftbewegung wirklich lieben. Ein Muss ist der Aufenthalt im Freien aber nicht. Auch eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist möglich, wenn regelmäßig gelüftet wird. Steht die Luft zu lange, bilden sich am Ansatz der Triebe leicht Pilze, die unbehandelt die ganze Pflanze vernichten können. Die heißen Temperaturen im Sommer vertragen meine Pflanze allesamt sehr gut, wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist. Dies erreiche ich durch die großen mit Wasser gefüllten Wannen, die reichlich Feuchtigkeit verdunsten. Ich benutze keinen zusätzlichen Nebler. Die nächtlichen Temperaturen liegen bei mir zwischen 14 und 18 Grad, je nach Außentemperatur. An bewölkten Wintertagen liegen sie bei etwa 24 Grad. Wenn die Sonne auf das große Fenster scheint, steigen sie auch mal über 30 Grad. Im Sommer sollte direkte Mittagssonne vermieden werden, da die Blätter sehr schnell verbrennen können. Es gibt einzelne Pflanzen, die nicht so empfindlich zu sein scheinen, allerdings wachsen alle Pflanzen nach meiner Erfahrung etwas schattiger besser. Auch die Blattfarbe ist bei schattiger Kultur dunkler und kräftiger. Bei zu wenig Licht werden die Blätter der Neutriebe länger und schmaler. Meist fällt dann auch die Blüte aus. Im Winter darf die Sonne auch mittags unschattiert auf die Pflanzen fallen.

Phragmipedium Memoria Georg Lauger ist ein zuverlässiger Blüher, der über viele Wochen hinweg eine Blüte nach der anderen öffnet. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Phragmipedium Memoria Georg Lauger ‚Bergopa‘ (Foto: Thomas Lehmann) – die Pflanze, mit der die Kreuzung registriert wurde (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Memoria Georg Lauger – ein weiterer Klon (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Memoria Georg Lauger ‚Jagdlust‘ BM/D.O.G. (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Memoria Georg Lauger ‚Jagdlust‘ BM/D.O.G. im Profil (Foto: Thomas Lehmann)

KW 27, 2020

Restrepia muscifera

Alles lesen Orchidee der Woche 27, 2020

Restrepia muscifera

Restrepia muscifera (Foto: Thomas Lehmann)

 

Der Gattungsname Restrepia geht auf den kolumbianischen Orchideenforscher José Manuel RESTREPO VÉLEZ zurück, der als erster die Geschichte der antioquischen Anden erforschte. Die Gattung zählt zu den Pleurothallidinae, zu denen auch Dracula, Lepanthes, Platystele und einige andere Gattungen der Familie der Orchidaceae gehören. Häufig wird sie auch noch als Pleurothallis muscifera angeboten. John LINDLEY, der schon oft erwähnte englische Botaniker, hatte die Art im Jahr 1842 erstmalig unter diesem Namen in „Edwards’s Botanical Register“ beschrieben. Heute gilt Pleurothallis muscifera als Synonym zu Restrepia muscifera.

Im Profil erkennt man, dass sogar der Fruchtknoten purpurfarben gepunktet ist. (Foto: Thomas Lehmann)

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich von Mexiko über Belize und Guatemala bis hinunter nach Ecuador und Peru. Sie wächst dort epiphytisch in feuchten Regenwäldern mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Durch die unterschiedlich hoch gelegenen Standorte von 300 bis 2500 Metern über dem Meeresspiegel sind die klimatischen Bedingungen ebenfalls sehr unterschiedlich. Restrepia muscifera findet man an kühlen Standorten genauso wie an sehr warmen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, sodass das Habitat niemals austrocknet. Durch die immergrünen Bäume und Büsche, auf denen die Art wächst, ist sie vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt.

Die Art bildet einzelne Blätter aus, die auf ca. 4-5 cm langen Stielen sitzen. Die Blätter werden bis zu 7 cm lang und sind glänzend grün. An der Basis der Blätter entspringen die Infloreszenzen. Jedes Blatt kann mehrmals Infloreszenzen hervorbringen, die jeweils nur eine einzelne Blüte tragen, die ungefähr 2-3 cm hoch und 0,5-1 cm breit ist. Während die Petalen und das dorsale Sepalum sehr filigran und teilweise farblos transluzent sind, leuchtet das überdimensionale Synsepalum mit leuchtend purpurroten Punkten. Die Lippe ist in das verwachsene Synsepalum eingebettet.

Ich kultiviere meine Restrepien getopft in mineralischem Substrat. Auch aufgebunden ist natürlich möglich, allerdings ist dann eine Orchideenvitirine oder ein Gewächshaus zu empfehlen, damit die feinen Wurzeln nicht austrocknen. Meine Restrepia muscifera sitzt in einer Mischung aus Bimskies, Lavagranulat und Zeolith. Der Topf steht das ganze Jahr über in einem mit Wasser gefüllten Untersetzer. Der mineralische Pflanzstoff saugt sich somit immer gleichmäßig feucht und trocknet nicht aus. Zwischen den einzelnen Substrat-Teilchen entstehen kleine Lufträume, die eine gute Belüftung der Wurzeln gewährleisten. Der größte Vorteil von mineralischem Substrat ist, dass sich die Bestandteile nicht zersetzen, was bei Rinde oder Moos in Verbindung mit Dauerfeuchtigkeit oft schnell passiert. Getopft werden muss also erst, wenn der Topf zu klein wird.

Das Gießwasser, mit dem ich die Schale auffülle, hat einen Leitwert von ca. 150 Mikrosiemens/cm. Von März bis in den frühen Herbst wird 1-2 Mal im Monat gedüngt. Dabei dünge ich das Wasser auf etwa 300 Mikrosiemens/cm auf. Gelegentlich wird der Topf mit klarem Wasser durchgespült, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu verhindern. Tut man das nicht, reichern sich im Laufe der Zeit zu viele Salze (Düngerreste) im Topf an, die dann die feinen Wurzeln beschädigen könnten. Im Winter dünge ich nicht. Restrepia muscifera wird bei mir ganzjährig im beheizten Wohnraum kultivert. Sie verträgt die heißen Sommertage bei uns in Süddeutschland genauso gut wie die warme und trockene Heizungsluft im Winter. Wichtig ist, dass die nächtlichen Temperaturen niedriger sind als die am Tage.

Während ich im Sommer sehr darauf achte, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sind, darf in den Wintermonaten von November bis Mitte Februar das Sonnenlicht ungehindert auf die Pflanze fallen – besonders oft scheint die Sonne im Winter ja ohnehin nicht. Ab Ende Februar/Anfang März wird die Sonnenstrahlung allerdings schon wieder so stark, dass es schnell zu Verbrennungen auf den Blättern kommen kann. Diese Verbrennungen sind dauerhaft und lassen sich nicht behandeln. Aus diesem Grund muss zwingend ab Mitte Februar schattiert werden.

Die ungewöhnliche Form der Blüten mit ihren leuchtenden Farben zieht alle Blicke auf sich. Obwohl es Arten mit deutlich größeren Blüten gibt, finde ich diese kleinen Blüten von Restrepia muscifera besonders reizvoll. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Habitus vom Restrepia muscifera (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Restrepia muscifera (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Restrepia muscifera (Foto: Thomas Lehmann)

KW 26, 2020

Maxillaria sophronitis

Alles lesen Orchidee der Woche 26, 2020

Maxillaria sophronitis

Maxillaria sophronitis (Foto: Thomas Lehmann)

Im Jahr 1854 beschrieb der deutsche Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH  in „Bonplandia“ die Art erstmalig unter dem Namen Ornithidium sophronitis. Im Jahre 1958 kombinierte Leslie Andrew GARAY in „Botanical Museum Leaflets“ die gesamte Gattung Ornithidium in die Gattung Maxillaria um. Trotz zwei weiterer Umkombinationen der Art aus neuerer Zeit ist Maxillaria sophronitis bis heute der von Kew akzeptierte Name. Der Gattungsname Maxillaria leitet sich vom lateinischen Wort maxilla ab, das übersetzt Kinnbacken bedeutet. Der Name wurde gewählt, da die Struktur von Lippe und Säule dem Aufbau von Unterkiefer und Unterlippe einiger Insekten ähnelt. Für den Artnamen sophronitis entschied sich REICHENBACH, da der niedrige Wuchs und die Blütenfarbe an Sophronitis-Arten erinnern.

Maxillaria sophronitis ‚Hagelschaden‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Maxillaria sophronitis erstreckt sich von Venezuela bis ins nordöstliche Kolumbien. Die Art wächst dort epiphythisch in Regenwäldern von 750 – 1700 Metern über dem Meeresspiegel. Die klimatischen Bedingungen sind kühl-temperiert, an manchen Standorten auch warm. Niederschlag gibt es das ganze Jahr über, auch die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

An wenigen Zentimeter langen Rhizomen wachsen kleine eiförmige Bulben heran, auf denen jeweils ein kleines Blatt sitzt. Das Laub ist dunkelgrün und sehr fest. Durch den kriechenden Wuchs bilden die Pflanzen kleine Teppiche aus. An der Basis der Pseudobulben treten die nur einen Zentimeter langen Infloreszenzen hervor, die jeweils eine leuchtend rote Blüte tragen. Während sich die Sepalen weit öffnen und fast ein Dreieck bilden, bleiben die Petalen wesentlich kleiner und stark nach vorne geneigt. Sie legen sich regelrecht über die Geschlechtsorgane. Die Blütezeit beginnt im Herbst und erstreckt sich bis in den zeitigen Winter hinein.

Die Art lässt sich getopft auf der Fensterbank kultivieren. Allerdings nimmt sie durch ihren Wuchs nach einigen Jahren Ausmaße an, die den Rahmen der Fensterbankkultur – besonders getopft – sprengen. Da sie sich aber sehr leicht teilen lässt, kann man sie auch über einen längeren Zeitraum auf Fensterbankgröße halten und die Orchideenfreunde mit Teilstücken erfreuen. In einer Orchideenvitrine oder einem Gewächshaus lässt sich Maxillaria sophronitis auch sehr gut aufgebunden kultivieren.

Getopft habe ich meine Maxillaria sophronitis in mineralischem Substrat. Lavagranulat von 2 – 8 mm bietet eine gute und gleichmäßige Feuchtigkeit, wenn der Topf immer in einer kleinen Pfütze Wasser steht. Auch Bimskies, Akadama, Kanuma oder eine Mischung daraus sollten funktionieren. Wichtig dabei ist, dass die Pflanzenteile (Pseudobulben, Blätter, Rhizome, etc.) nicht im Substrat vergraben werden. Sie sollten lediglich auf dem Pflanzstoff aufsitzen, da sie sonst durch die andauernde Feuchigkeit faulen könnten. Der große Vorteil von mineralischen Substraten ist, dass sie absolut strukturstabil sind und nicht verrotten. Neu getopft werden muss also erst, wenn der Topf zu klein wird und die Pflanze über den Rand hinauswachsen möchte. Wobei mein Exemplar längst über den Rand hinausgewachsen ist und viele der Neutriebe in die Luft und nicht in den Pflanzstoff wurzeln. Noch stört es mich nicht und scheinbar fühlt sich auch die Pflanze damit noch wohl, da sie regelmäßig blüht. Natürlich eignen sich auch alle anderen gängigen Pflanzstoffe, die eine gleichmäßige Dauerfeuchtigkeit ermöglichen. Jeder hat da sein eigenes Rezept, mit dem er gut klarkommt.

Das Wässern erfolgt bei mineralischen Substraten durch eine kleine, ständig mit Wasser gefüllte Schale, in der der Topf steht. Durch die Kapillarität der Mineralien zieht sich das Wasser bis an die Substratoberfläche. Es entsteht eine gleichmäßige Feuchtigkeit im gesamten Topf. Mineralisches Substrat kann dabei auch niemals zu nass werden – ein weiterer Vorteil dieser Kultur. Maxillaria sophronitis wird vom Frühjahr bis in den Herbst regelmäßig gedüngt. Der Leitwert des Düngerwassers beträgt dabei 300-350 Mikrosiemens/cm. Gelegentlich wird der Topf mit ungedüngtem Wasser durchgespült, um ein zu starkes Versalzen des Substrats zu vermeiden. In den Wintermonaten dünge ich gar nicht. Während der dunklen Jahreszeit, in der es bei uns in Deutschland wesentlich weniger Sonnenstunden pro Tag gibt als in Venezuela und Kolumbien, fährt der Stoffwechsel der Pflanze deutlich herunter und verbraucht somit auch weniger Nährstoffe. Die im Pflanzstoff angereichterten genügen, um Maxillaria sophronitis gut durch den Winter zu bringen.

Da die Art in der Natur in unterschiedlichen Höhenlagen und damit auch in unterschiedlichen Temperaturbereichen vorkommt, kann sie sich auch in Kultur an die Gegebenheiten anpassen, solange es nicht zu kalt ist. Temperierte bis warme Bereiche verträgt meine Pflanze sehr gut, wirklich kühl hat sie es an ihrem Standort im Orchideenzimmer bei mir nie. Auch im Winter fallen die Temperaturen nicht unter 16-17 Grad in der Nacht, am Tag kann es dann bis auf 28 Grad aufheizen, wenn die Sonne scheint. Dadurch entsteht natürlich ein recht großes Tag-Nacht-Gefälle, das der Pflanze offenbar zusagt. Ob dies  zur Blüteninduktion zwingend nötig ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, da ich sie bisher nur so kultiviert habe.

Im Sommer lässt sich Maxillaria sophronitis auch gut im Freien kultivieren, wenn sie vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt wird. Bei mir steht sie allerdings ganzjährig im Zimmer an einem schattierten Südfenster. Direkte Sonnenstrahlen fallen somit niemals auf die Pflanze, wobei sie den ganzen Tag über sehr viel Licht erhält. Da der Lichtbedarf der Art aber nicht so groß ist, kommt sie auch gut an Fenstern mit anderer Himmelsrichtung zurecht. Selbst ein helles Nordfenster sollte sich eignen.

Die rot leuchtenden Blüten ziehen automatisch alle Blicke auf sich. Obwohl die Blütezeit im Herbst beginnt, blüht meine Maxillaria sophronitis auch oft vom Frühjahr bis in den frühen Sommer hinein. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Maxillaria sophronitis ‚Wasen‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Habitus von Maxillaria sophronitis (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blüte von Maxillaria sophronitis im Profil (Foto: Thomas Lehmann)
Die Infloreszenzen entspringen an der Basis der neuen Pseudobulben. (Foto: Thomas Lehmann)

KW 25, 2020

Phragmipedium Wössner Pink

Alles lesen Orchidee der Woche 25, 2020

Phragmipedium Wössner Pink

Phragmipedium Wössner Pink (Foto: Thomas Lehmann)

Am 25. Januar 2014 wurde die Hybride Phragmipedium Wössner Pink in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Dort angemeldet hatte sie der deutsche Orchideenzüchter Franz Glanz, der sich auf die Zucht und Hybridisierung von Phragmipedium und Paphiopedilum spezialisiert und unzählige neue Hybriden geschaffen hat. Mit seinen hervorragenden Pflanzen belegt er seit mehr als drei Jahrzehnten fast ununterbrochen den 1. Platz der Jahresbesten der Erwerbsgärtner bei unseren Ausstellungs- und Tischbewertungen. Er versteht die Kultur von Frauenschuhorchideen wie kaum ein anderer in Europa. Phragmipedium Wössner Pink ist eine höhere Hybride, deren Eltern bereits Hybriden sind. Die Mutterpflanze war Phragmipedium Wössner Rose, ebenfalls aus der Zucht von Franz Glanz, Pollenspender Phragmipedium Jersey. An der Hybride sind somit vier Naturformen beteiligt. Der Genpool teilt sich wie folgt auf:

Eine ganze Gruppe von Phragmipedium Wössner Pink (Foto: Thomas Lehmann)

Alle beteiligten Naturformen sind in Südamerika heimisch, wo sie an steilen Klippen, auf Felsen und teilweise auch terrestrisch zwischen Gräsern siedeln. Die Standorte liegen meistens in der Nähe von kleinen Bächen und Flüssen und sind demnach sehr feucht bis nass. Mancherorts werden die Pflanzen durch steigende Wasserpegel regelmäßig überflutet, besonders Phragmipedium pearcei sucht sich gerne solche Stellen aus. Nur äußerst selten findet man Phragmipedien in direktem Sonnenlicht wachsen, hell und lichtdurchflutet sind die Standorte aber meist. Die Temperaturbedingungen sind in der Regel temperiert. Aber auch in kühlen und warmen Bereichen lassen sich Individuen der Gattung finden. Im gesamten Verbreitungsgebiet gibt es ganzjährig Niederschläge in Form von Regen und Nebel. Luftfeuchtigkeit sowie Luftbewegung sind ebenfalls während des ganzen Jahres sehr hoch.

Phragmipedium Wössner Pink gehört zu den eher größeren Vertretern der Gattung. Das Laub wird bis zu 40 cm lang, ist dunkelgrün, leicht gekielt und läuft spitz zu. Endständig entspringen die Infloreszenzen, die das ganze Jahre hindurch gebildet werden können. An den aufrecht wachsenden Blütentrieben öffnen sich bis zu 10 Blüten nacheinander. Gelegentlich sind zwei Blüten gleichzeitig geöffnet. Dadurch erstreckt sich die Blütezeit über einen Zeitraum von mehrern Monaten. Die Blüten können bis zu 9 cm breit und 7 cm hoch werden. Der Schuh ist intensiv rot gefärbt und glänzt seidenmatt. Petalen und Fahne variieren in der Färbung. Meist sind die Petalen weißgrundig und stark rosafarben überhaucht. Die Blüten duften nicht.

Zum Größenvergleich eine Blüte in meiner Hand (Foto: Thomas Lehmann)

Da Phragmipedien viel Feuchtigkeit brauchen, sollten sie stets in einer mit Wasser gefüllten Schale stehen. Besonders im Sommer darf das Substrat auch richtig nass sein. Zu viel Wasser ist bei Phragmipedien fast nicht möglich. Nur gelegentlich sollte die Schale ganz abtrocknen, damit sich keine unerwünschten Bakterien im Wasser ausbreiten können. Meine Pflanzen stehen in großen Wannen, die ich alle paar Tage mit frischem Wasser fülle, sobald das alte aufgesogen ist. Im Sommer sind die Schalen alle 3-4 Tage leer, im Winter dauert es 6-7 Tage.

Oft ist zu lesen, dass Phragmipedien sehr salzempfindlich sind und bei zu hohen Düngergaben braune Blattspitzen bekommen. Für einige Naturformen und Primärhybriden trifft es auch zu, dass die Wurzeln bei zu vielen Salzen verbrennen und absterben. Allerdings gibt es einige Naturformen und daher auch Hybriden, die wesentlich besser wachsen und blühen, wenn sie etwas mehr Dünger erhalten. Hierzu gehört auf jeden Fall Phragmipedium Wössner Pink. Braune Blattspitzen habe ich nicht mehr bei meinen Pflanzen beobachten können, seit ich einen Dünger verwende, der sowohl Calcium als auch Magnesium enthält und den ich auch höher dosiere als früher. Meiner Erfahrung nach sind die braunen Blattspitzen eher auf einen Mangel an Calcium und Magnesium und nicht auf zu hohe Düngergaben zurückzuführen. Im Sommer bekommen meine Hybriden zwischen 350 und 450 Mikrosiemens bei jedem Wässern. Nur im Winter  stelle ich das Düngen ganz ein. Die angereicherten Salze im Substrat genügen den Pflanzen, um durch die dunkle Jahreszeit zu kommen.

Mein Standard-Phragmipedium-Substrat ist eine Mischung aus Rinde, Perlite, Bimskies und Holzkohle. Die Körnung der Rinde passe ich an die Topfgröße an. Bei kleinen Töpfen nehme ich feinere Rinde, bei großen Töpfen verwende ich gerne gröbere. Perlite verwende ich in der Körnung 2-4 Millimeter. Durch ihr geringes Gewicht machen sie das Substrat locker und sorgen für eine gute Belüftung der Wurzeln. Bimskies versorgt die Pflanzen zusätzlich mit Calcium, da er diesen durch die andauernde Feuchtigkeit freigibt. Die Körnung spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ich nutze gerne 5-10 Millimeter. Um einige trockenere Stellen im Pflanzstoff zu schaffen, füge ich immer Holzkohle in einer Körnung von 7-14 Millimeter hinzu. Holzkohle saugt sich nicht mit Wasser voll und bleibt trocken. Durch die etwas gröberen Brocken entstehen zusätzlich ein paar Luftlöcher im Substrat, die Luftzirkulation im Topf zulassen.

Habitus von Phragmipedium Wössner Pink (Foto: Thomas Lehmann)

Natürlich gibt es auch einige andere Substrate, die gut für Phragmipedium geeignet sind. Jedes hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil von Rinde ist, dass sie regelmäßig gewechselt werden muss, da sie durch die Dauerfeuchte sehr schnell zerfällt. Mineralische Sustrate zerfallen nicht und müssen daher nicht so oft gewechselt werden. Jeder sollte seine eigenen Erfahrungen machen und ausprobieren, was zu seiner Kultur am besten passt. Außer mit meinem Standardsubstrat habe ich auch gute Erfahrungen gemacht mit:

  • Akadama
  • Sphagnum-Moos
  • Steinwollwürfeln
  • Bimskies
  • Lavagranulat

Im Sommer stehen Phragmipedien gerne im Freien, da sie Frischluft und Luftbewegung wirklich lieben. Ein Muss ist der Aufenthalt im Freien aber nicht. Auch eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist möglich, wenn regelmäßig gelüftet wird. Steht die Luft zu lange, bilden sich am Ansatz der Triebe leicht Pilze und Infektionen, die unbehandelt die ganze Pflanze vernichten können. Die hohen Temperaturen im Sommer verträgt Phragmipedium Wössner Pink sehr gut, wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist. Dies wird durch die großen Wannen erreicht, die immer mit Wassser gefüllt sind. Ich benutze keinen zusätzlichen Nebler. Die nächtlichen Temperaturen liegen bei mir zwischen 14 und 18 Grad, je nach Außentemperatur. An bewölkten Wintertagen liegen sie bei etwa 24 Grad. Wenn die Sonne auf das große Fenster scheint, steigen sie auch mal über 30 Grad. Im Sommer sollte direkte Mittagssonne vermieden werden, da die Blätter sehr schnell verbrennen können. Es gibt einzelne Pflanzen, die nicht so empfindlich zu sein scheinen, allerdings wachsen alle Pflanzen nach meiner Erfahrung etwas schattiger besser. Auch die Blattfarbe ist bei schattiger Kultur dunkler und kräftiger. Bei zu wenig Licht werden die Blätter der Neutriebe länger und schmaler. Meist fällt dann auch die Blüte aus. Im Winter darf die Sonne auch mittags unschattiert auf die Pflanzen fallen.

Phragmipedium Wössner Pink ist ein zuverlässiger Blüher, der über Monate hinweg eine Blüte nach der anderen öffnet. Leider ist diese Hybride eine echte Rarität, die nur selten angeboten wird. Viel Glück beim Finden und noch mehr Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Seitenansicht von Phragmipedium Wössner Pink (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Wössner Pink im Profil (Foto: Thomas Lehmann)
Ein weiterer Klon mit leicht gedrehten Petalen (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Wössner Pink (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Wössner Pink ‚Wössen‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)

KW 24, 2020

Bulbophyllum taiwanense

Alles lesen Orchidee der Woche 24, 2020

Bulbophyllum taiwanense

Bulbophyllum taiwanense (Foto: Werner Holzmann)

Ursprünglich wurde die Art 1935 vom japanischen Botaniker Noriaki FUKUYAMA als Cirrhopetalum taiwanense beschrieben. 1973 überführte sie der Japaner NAKAJIMA zusammen mit einigen anderen Arten der Gattung Cirrhopetalum in die Gattung Bulbophyllum. Bis heute ist Bulbophyllum taiwanense der von World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) anerkannte Name. Im Handel tauchen Pflanzen der Art aber auch heute noch als Cirrhopetalum taiwanense auf. Diese Bezeichnung ist ein Synonym, aber nicht falsch. Der Name Bulbophyllum leitet sich aus den altgriechischen Wörtern βολβος (bolbos) und Φυλλων (phyllon) ab. Bolbos lässt sich mit Birne  übersetzen, phyllon ist das Wort für Blatt. Da die Pseudobulben ein wenig an Birnen erinnern, auf denen ein Blatt sitzt, ist der Gattungsname leicht nachvollziehbar. Der Artname sollte auch für Menschen ohne großes Latinum zu übersetzen sein. Taiwanense, da die Art auf Taiwan heimisch ist.

Habitus von Bulbophyllum taiwanense (Foto: Werner Holzmann)

Bulbophyllum taiwanense wächst epiphytisch in den Regenwäldern Taiwans. Die Vorkommen reichen bis auf 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Das Klima ist vom Monsun geprägt, wobei es ganzjährig Niederschläge gibt. Während der Monsunzeit sind diese besonders ausgeprägt. Trockene, regenfreie Zeiten gibt es gar nicht. Bulbophyllum taiwanense bevorzugt helle Standorte, die jedoch vor direkter Mittagssonne geschützt sind. Die immergrünen Bäume des Regenwaldes schattieren die kleinwüchsigen Pflanzen und sorgen dafür, dass ihr Laub nicht verbrennt. Die Temperauren sind ganzjährig sehr mild. In höheren Lagen kann es gelegentlich etwas kühler werden.

Bulbophyllum taiwanense bildet längere Rhizomabschnitte zwischen den Pseudobulben aus und hat dadurch einen kriechenden Wuchs. Im Laufe der Jahre entsteht ein kleiner Teppich aus Pseudobulben. Auf jeder dieser kleinen eiförmigen Pseudobulben sitzt ein einzelnes kurzes Blatt, das dunkelgrün und stark glänzend ist. Die Infloreszenzen entspringen meist im Frühjar an der Basis der Pseudobulben und werden bis zu 10 cm lang. Sie tragen bis zu acht zarte Blüten, die in leuchtenden Orangetönen gefärbt sind. Die Ränder der Petalen und des dorsalen Sepalums sind mit haarartigen Fortsätzen besetzt.

Werner Holzmann kultiviert sein Bulbophyllum taiwanense schon über 10 Jahre. In den ersten Jahren war die Pflanze in Rindensubstrat getopft. Zwar wuchs sie ordentlich, aber blühen wollte sie nicht. Da der kriechende Wuchs eigentlich gegen eine Kultur im Topf spricht, entschied er sich vor einigen Jahren dazu, die Pflanze aufzubinden. Hierzu nahm er Xaxim, ein dunkles poröses Material aus Baumfarnen, das speziell in der Terraristik oft Verwendung findet. Es nimmt gut Feuchtigkeit auf und gibt diese langsam wieder ab. Zudem hängte er die aufgebundene Pflanze in die oberste Reihe in seiner Vitrine, direkt ans Licht. Dort ist es nicht nur heller, sondern auch wärmer als am Boden, wo das noch getopfte Bulbophyllum taiwanense vorher stand. Nur einige Wochen nach dem Aufbinden und Versetzen der Pflanze bildete sich erstmalig unter Werners Kultur eine Infloreszenz. Seitdem blüht die Pflanze regelmäßig und intensiv – immer im Frühjahr.

Täglich sprüht er die Pflanze mit salzarmem Wasser gut an, sodass das Xaxim (spricht sich „Schaschim“) immer leicht feucht ist. Mehrmals täglich laufen kleine Ventilatoren, die dafür sorgen, dass die Blätter und Pseudobulben abtrockenen können und nicht zu faulen beginnen. Alle vier Wochen gibt es etwas Dünger mit ins Wasser. Der Leitwert des Düngerwassers liegt bei 150-200 Mikrosiemens/cm.

Natürliches Tageslicht erhalten die Pflanzen in seinem Orchidarium nicht. Er beleuchtet ausschließlich mit Kunstlicht.  Derzeit nutzt er dafür noch eine Leuchtstoffröhre, die speziell auf die Kultur von Pflanzen ausgelegt ist. Aufgrund des Stromverbrauchs und des Umweltschutzes ist eine Umstellung auf LED-Lampen geplant. Ein weiterer Vorteil von LED-Lampen ist, dass sie kaum Temperatur erzeugen, was bei kühler zu kultivierenden Pflanzen natürlich deutlich besser ist, für das scheinbar wärmeliebende Bulbuphyllum wird sich dann zeigen, ob es weiterhin so blühfreudig bleibt. Leuchtstoffröhren können sehr heiß werden und je nach Anbringung die Vitrine stark aufheizen. Die Temperaturbedingungen in der Vitrine sind kühl-temperiert, da sie in einem unbeheizten Raum steht, in dem das Fenster nur bei Frost geschlossen wird. Die obere Reihe erhält allerdings deutlich mehr Wärme von der Leuchtstoffröhre, sodass die Tagestemperaturen dort ganzjährig im warmen Bereich liegen. Nachts, wenn das Licht ausgeht, kommt es zu einer starken Absenkung der Temperaturen, was von vielen Orchideen zur Blüteninduktion verlangt wird.

Die leuchtend orangefarbenen Blüten sind ein echter Hingucker im Frühjahr! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Werners Pflanze in der oberen Reihe der Vitrine, nahe am Licht (Foto: Werner Holzmann)
Blüte von Bulbophyllum taiwanense (Foto: Werner Holzmann)
Infloreszenz von Bulbophyllum taiwanense (Foto: Werner Holzmann)

 

KW 23, 2020

Dendrobium lowii

Alles lesen Orchidee der Woche 23, 2020

Dendrobium lowii

Dendrobium lowii (Foto: Werner Holzmann)

In einer Ausgabe von „Gardeners‘ Chronicle“ aus dem Jahr 1861 beschrieb John LINDLEY die Art erstmalig. Der englische Botaniker gilt als Vater der modernen Orchideenkunde und ist Autor unzähliger Neubeschreibungen. Carl Ernst Otte KUNTZE publizierte in „Revisio Generum Plantarum“die Art unter dem Namen Callista lowii. Da dieser Artikel aber erst 30 Jahre nach dem von LINDLEY erschien, gilt der Name lediglich als Synonym. Dendrobium lowii wurde bis heute nicht umgruppiert und ist aus diesem Grund bis dato der offizielle Name dieser Orchideenart. Aus δέντρο (déndro), der Baum, und βίος (bios), das Leben, setzt sich der Gattungsname zusammen, der sich damit erklären lässt, dass die meisten Dendrobien Epiphyten sind, also auf Bäumen leben. Der Artname geht auf den Orchideensammler und -gärtner Hugh Low zurück, nach dem im 19. Jahrhundert einige Orchideenarten  benannt wurden. Dendrobium lowii gehört zur Sektion Formosae.

Habitus von Dendrobium lowii (Foto: Werner Holzmann)

Dendrobium lowii ist endemisch in Sarawak, einem Bundesstaat von Malaysia auf Borneo. Es wächst dort epiphytisch auf Bäumen in feuchten und immergrünen Regenwäldern. Niederschläge fallen ganzjährig, von April bis September etwas weniger als während des restlichen Jahres. Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind ganzjährig hoch. Durch das Laub der Bäume, auf denen Dendrobium lowii aufsitzt, ist es vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Die Standorte sind aber dennoch sehr hell und lichtdurchflutet.

Die Art bildet ca. 30 cm lange, aber dünne Pseudobulben aus, die wechselständig mit ca. 5-7 cm langen Blättern besetzt ist. Das Laub wird nicht abgeworfen und ist glänzend dunkelgrün. Pseudobulben und Blätter sind mit feinen schwarzen Härchen besetzt. Endständig entspringen die Infloreszenzen, sowohl an alten wie auch an jungen Trieben. Die Blütentriebe sind nur wenige Zentimeter lang und tragen jeweils 3-7 Blüten. An einer Pseudobulbe können auch mehrere Infloreszenzen entstehen, sodass sich ein richtiger Blütenbusch bildet. Die 4-5 cm großen Blüten sind leuchtend gelb gefärbt. Die Lippe ist etwas heller als die Tepalen und weist auffallend rote Schwielen auf, die mit langen, nach oben gerichteten Härchen besetzt sind. Die Pflanzen stehen 6 Wochen in Blüte, ehe sie beginnen zu welken.

Generell gelten die schwarz behaarten Dendrobien als nicht einfach in der Kultur. Dendrobium lowii stellt sich im Vergleich zu den anderen Arten aber als weniger empfindlich dar. Durch seine kompakte Größe und die Tatsache, dass es sein Laub nicht abwirft, ist es gut für die Fensterbank geeignet. Werner Holzmann kultiviert die Art seit einigen Jahren recht erfolgreich. Nachfolgend beschreibe ich euch seine Kulturbedingungen.

Wie oben schon erwähnt, sind die schwarz behaarten Dendrobien etwas zickiger in der Kultur. Wasser auf den Neutrieben sorgt oft dafür, dass die Neutriebe wegfaulen, wenn es nicht sehr zügig abtrocknen kann. Dendrobium lowii reagiert hierbei nicht ganz so extrem, aber man sollte dennoch darauf achten, dass auf den Neutrieben möglichst kein Wasser stehen bleibt. Während des Wachstums in den warmen Monaten sollte sehr regelmäßig gewässert und gedüngt werden, um die Neutriebe ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen. Einmal im Monat düngt Werner sein Dendrobium lowii. Das Düngerwasser hat einen Leitwert von ungefähr 300 Mikrosiemens/cm. Im Winter können die Wassergaben den Temperaturen entsprechend verringert werden. Durch niedrigere Temperaturen und weniger Licht, das für den Stoffwechsel zur Verfügung steht, verbrauchen die Pflanzen in dieser Zeit auch etwas weniger Wasser. Völlig austrocknen sollte man den Pflanzstoff aber niemals lassen.

Getopft hat Werner sein Dendrobium lowii in Rindensubstrat ohne weitere Zuschlagsstoffe. Die Größe der Rindenstücke sollte im mittleren Bereich liegen. Zu feines Substrat lässt zu wenig Luft an die Wurzeln, wodurch diese faulig werden und absterben. Ein zu grobes Substrat trockent zu schnell ab, sodass die Wurzeln regelrecht austrocknen und absterben. Außerdem tun sich bei zu grobem Pflanzstoff neue Wurzeln schwerer, Halt und genügend Feuchtigkeit zu finden. Oft stellen diese dann nach wenigen Zentimetern das Wachstum ein und bleiben kurz. Natürlich ist es auch möglich Dendrobium lowii in anderen Substraten zu kultivieren. Hier sollte jeder ein Material wählen, das in seine Kulturbedingungen passt und mit dem er erfahrungsgemäß gut zurechtkommt. Sphagnum-Moos oder auch mineralische Pflanzstoffe wie Lavagranulat sollten sich z. B. gut für die Art eignen. Wichtig ist, dass das Substrat gleichmäßige Feuchtigkeit ohne zu große Nässe bieten kann.

Da Pflanzen der Art nicht sonderlich lichthungrig sind, können sie auch an einem Nordfenster gut kultiviert werden. An Werners Pflanze kann man sehen, dass ihr das Licht eines Nordfensters absolut ausreicht, um gut zu wachsen und intensiv zu blühen. Allerdings sollte das Fenster nicht zusätzlich schattiert sein, z. B. durch einen Vorhang oder große Bäume, die in der Nähe des Fensters wachsen. Die Temperaturen in seinem Kulturraum liegen im temperierten Bereich.

Die Tatsache, dass Dendrobium lowii seine Blätter nicht abwirft wie manch eine Art aus der Gattung, macht es für die Fensterbank besonders attraktiv. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Lippendetail (Foto: Werner Holzmann)

 

Dendrobium lowii (Foto: Werner Holzmann)

KW 22, 2020

Octomeria estrellensis

Alles lesen Orchidee der Woche 22, 2020

Octomeria estrellensis

Octomeria estrellensis (Foto: Werner Holzmann)

 

Der brasilianische Botaniker Frederico Carlos HOEHNE beschrieb Octomeria estrellensis erstmals im Jahr 1937. Bis dato gibt es keinerlei Umgruppierungen in andere Gattungen – eine echte Seltenheit in der Welt der Taxonomie. Der Gattungsname Octomeria wurde vom schottischen Arzt und Botaniker Robert BROWN im Jahr 1813 begründet. Der Name setzt sich aus den griechischen Wörtern οκτώ (octõ = acht) und μέρος (meros = Teil) zusammen und wurde aufgrund der acht Pollinien gewählt, die jede Octomeria-Blüte besitzt. Der Gattungsname estrellensis leitet sich von ihrer Herkunft aus der Serra da Estrella ab, einem Gebirgszug bei Petrópolis im Orgelgebirge. Weitere Informationen zur Geschichte könnt ihr der unten angehängten Seite aus unserer Zeitschrift entnehmen.

Die endemische Art findet sich ausschließlich an Standorten im südöstlichen Brasilien. Octomeria estrellensis wächst, wie alle Miniaturorchideen, epiphytisch. Das subtropische Klima des südöstlichen Brasiliens ist feucht und warm, in den höheren Lagen sind die Nächte zwar kühler, aber niemals gibt es wirklich eisige Temperaturen. Die Standorte sind sehr hell, teilweise mit direkter Sonneneinstrahlung. Niederschläge gibt es durch alle Jahreszeiten hindurch. Die Luftfeuchtigkeit ist ebenfalls immer sehr hoch.

Habitus von Octomeria estrellensis mit der auffallenden Rotfärbung des Laubs (Foto: Werner Holzmann)

Jeder Trieb besteht aus einem dünnen und sehr kurzen Stiel, auf dem jeweils ein einzelnes dunkelgrünes Blatt sitzt. Das Laub ist sehr fest und dient als Wasserspeicher, da Octomeria estrellensis keine Pseudobulben hat, in denen Wasser gespeichert werden könnte. Bei hohem Lichteinfall färbt sich das Laub rötlich. Ähnlich wie sich unsere Haut durch Pigmente im Sommer braun färbt, um sich vor Sonnenbrand zu schützen, bilden die Pflanzen dieser Art Anthocyan – ein rotes Pigment – mit dem sich das Blatt vor Verbrennung schützt. Die kleinen sternförmigen Blüten sitzen auf einer kurzen Infloreszenz, die an der Basis des Laubs entspringt. Jeder Blütentrieb trägt eine einzelne Blüte. Die Tepalen sind transluzent und zart cremefarben bis gelb gefärbt. Das Labellum ist an der Basis und den Seitenlappen violettrot überhaucht.

Kultivieren lässt sich Octomeria estrellensis zwar auch getopft in feiner Rinde oder Sphagnum-Moos, wesentlich einfacher ist aber eine aufgebundene Kultur in einer Vitrine oder einem Gewächshaus. Im Folgenden stelle ich euch die Kulturmethode von Werner Holzmann vor, der die Art seit einigen Jahren erfolgreich in einer Orchideenvitrine pflegt:

Wie oben schon erwähnt besitzt Octomeria estrellensis keine ausgeprägten Speicherorgane und muss somit dauerfeucht gehalten werden. Auch hohe Luftfeuchtigkeit wirkt sich sehr positiv auf Wachstum und Blühfreudigkeit aus. Aus diesem Grund kultiviert Werner Holzmann seine Pflanze in seiner Orchideenvitrine, wo hohe Luftfeuchtigkeit leichter zu erreichen ist. Er besprüht die kleine Pflanze täglich mit salzarmem Wasser. Mehrmals täglich laufen kleine Ventilatoren, die dafür sorgen, dass die Blätter abtrockenen können und nicht zu faulen beginnen. Alle vier Wochen gibt es etwas Dünger mit ins Wasser. Der Leitwert des Düngerwassers liegt bei 150-200 Mikrosiemens/cm.

Natürliches Tageslicht erhalten die Pflanzen in seinem Orchidarium nicht. Er beleuchtet ausschließlich mit Kunstlicht.  Derzeit nutzt er dafür noch eine Leuchtstoffröhre, die speziell auf die Kultur von Pflanzen ausgelegt ist. Aufgrund des Stromverbrauchs und des Umweltschutzes ist eine Umstellung auf LED-Lampen geplant. Ein weiterer Vorteil von LED-Lampen ist, dass sie kaum Temperatur erzeugen, was bei kühler zu kultivierenden Pflanzen natürlich deutlich besser ist. Leuchtstoffröhren können sehr heiß werden und je nach Anbringung die Vitrine stark aufheizen. Die Temperaturbedingungen in der Vitrine sind kühl-temperiert, da sie in einem unbeheizten Raum steht, in dem das Fenster nur bei Frost geschlossen wird. Im Sommer wird es natürich auch mal etwas wärmer, was den Pflanzen aber nicht schadet.

Entgegen dem, was man so über diese Art lesen kann, bekommt die Pflanze bei Werner sehr viel Licht. In seiner Vitrine hängt sie ganz oben, in der Nähe der Beleuchtung. Die Rotfärbung der Blätter zeigt, dass sie damit gut umgehen kann und von Natur aus auf viel Licht eingestellt ist. Octomeria estrellensis blüht unter diesen Bedingungen sehr regelmäßig.

Als Unterlage zum Aufbinden nimmt Werner Holzmann sehr gerne Presskork. Er mag vielleicht nicht so langlebig sein, da er sich durch die andauernde Feuchtigkeit schnell zersetzt, dafür lässt er sich aber ganz einfach zerbröseln, wenn es an der Zeit ist die Pflanze neu aufzubinden. Früher oder später muss jede Unterlage ausgetauscht werden – wie bei seiner Octomeria estrellensis, die bisher auf einem Stück Ast sitzt, das sich allerdings langsam auflöst. Bei harten Materialien, die sich nicht zersetzen, hat man dann immer das Problem, dass man die Wurzeln nicht davon ablösen kann, ohne sie zu verletzten oder gar abzureißen.

Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Seitenansicht der Blüte (Foto: Werner Holzmann)
Zwei verschieden Pflanzen von Octomeria estrellensis (Foto: Werner Holzmann)
In oberster Reihe, ganz nah am Licht, hängen die beiden Octomeria estrellensis in Werners Vitrine (Foto: Werner Holzmann)
Beitrag in „Die Orchidee“ 68(6): 465, 2017 (Zeichnung: H. Seehawer)

KW 21, 2020

Vanda Motes Pixie Dust

Alles lesen Orchidee der Woche 21, 2020

Vanda Motes Pixie Dust

Vanda Motes Pixie Dust (Foto: Jessy Delis)

Vanda Motes Pixie Dust, die Kreuzung zwischen Vanda vietnamica (Samen) und Vanda Motes Ruby Pixie (Pollen), wurde von ihrem Züchter Martin Motes bei der Royal Horticultural Society (RHS) angemeldet und am 12.06.2018 in deren Register eingetragen. Dr. Martin Motes ist Inhaber der Gärtnerei Motes Orchids in Florida/USA, die sich hauptsächlich mit der Gattung Vanda und deren Verwandten beschäftigt. In über 50 Jahren hat er Hunderte neuer Hybriden gezüchtet und unzählige Auszeichnungen dafür erhalten.

Vanda Motes Pixie Dust hat drei Naturformen als Vorfahren. Der Genpool teilt sich wie folgt auf:

  • 50% Vanda vietnamica
  • 25% Vanda cristata
  • 25% Vanda testacea

Das natürliche Verbreitungsgebiet der beteiligten Naturformen erstreckt sich über weite Teile des asiatischen Kontinents, wobei Vanda vietnamica auf Südvietnam beschränkt ist. Die Standorte liegen zwischen 100 und 2300 Metern über dem Meeresspiegel. Alle drei Arten wachsen epiphytisch in immergrünen Wäldern. Im Lebensraum von Vanda cristata können die nächtlichen Temperaturen unter 10 Grad fallen. Vanda testacea und Vanda vietnamica fühlen sich im temperiert-warmen Bereich wohl.

Vanda Motes Pixie Dust steht bei mir ganzjährig in einem Orchideenregal, in dem ich meine Orchideen ausschließlich unter künstlicher Beleuchtung kultiviere. Die Pflanze erhält ganzjährig Zusatzlicht von 8 Uhr morgens bis 21 Uhr abends. Das intensive Licht, das den ganzen Tag für die Pflanzen zur Verfügung steht, tut ihnen sichtlich gut. Die Temperaturen in meiner Kultur liegen ganzjährig bei 20 – 25 °C am Tag, nachts fallen sie nicht unter 17 °C. ab.

Die Blüte ist ca. 2 bis 2,5 cm im Durchmesser. Die Grundfarbe ist orange, die Lippe hat ein zartes Rosa, das zur Basis in kleinen Punkten ausläuft.

Infloreszenz von Vanda Motes Pixie Dust (Foto: Jessy Delis)

Die Pflanze ist jetzt ungefähr sechs Jahre alt, davon zwei Jahre in meinem Besitz. Ich habe sie am 30.06.2018 von Martin Motes erstanden, als er in Dahlenburg einen Vortrag hielt und einige seiner mitgebrachten Vandeen zum Kauf anbot. Seitdem hat sie bereits zehn Mal geblüht ‒ eine wirklich fleißige kleine Amerikanerin.

Meine Pflanze sitzt in einem transparenten Topf, der 11 cm Durchmesser hat. Damit die Wurzeln ausreichend Licht erhalten, kultiviere ich sie ohne Übertopf. Als Substrat benutze ich eine Mischung aus grober Pinienrinde (ca. 15-25 mm) und etwas Kork. Der Kork nimmt kaum Wasser auf und schafft somit etwas trockenere Bereiche. Außerdem ist er sehr leicht und hält den Pflanzstoff luftig. Generell sollte man Vandeen nicht in zu feinem Substrat kultivieren, da ihre Wurzeln zügig abtrocknen müssen. Beginnen diese zu faulen, kommt es oft zur Stammfäule, was meist den Tod der Pflanze bedeutet.

Dünger gebe ich in der Wachstumsphase von März bis Oktober alle 14 Tage. Während der übrigen Monate dünge ich nicht. Im Sommer besprühe ich das Substrat etwa alle drei Tage durchdringend nass, je nach Bedarf. Im Winter wird lediglich einmal pro Woche gewässert. Zwischen den Wassergaben lasse ich das Substrat abtrocknen, um ein Faulen der Wurzeln zu vermeiden. Getaucht wird die Pflanze bei mir nicht.

Vanda Motes Pixie Dust ist eine wirklich unkomplizierte und oft blühende Hybride, die sich gut im Wohnraum kultivieren lässt.

Autorin: Jessy Delis

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Infloreszenz von Vanda Motes Pixie Dust (Foto: Jessy Delis)
Rückansicht der Infloreszenz (Foto: Jessy Delis)
Infloreszenz von Vanda Motes Pixie Dust (Foto: Jessy Delis)
Der Pflanzstoff ist sehr grob gehalten. (Foto: Jessy Delis)
Vanda Motes Pixie Dust im Seitenprofil (Foto: Jessy Delis)
Größenvergleich mit einer 1 €-Münze (Foto: Jessy Delis)
Habitus von Vanda Motes Pixie Dust (Foto: Jessy Delis)

KW 20, 2020

Phalaenopsis tetraspis f. livida

Alles lesen Orchidee der Woche 20, 2020

Phalaenopsis tetraspis f. livida

Phalaenopsis tetraspis f. livida (Foto: Thomas Lehmann)

Olaf GRUSS und Sylvia TOENNE beschrieben diese graublaue Farbform von Phalaenopsis tetraspis erstmalig in der Online-Ausgabe von „Die Orchidee“, im E-Paper 3(05) 2017:  Neue Farbformen der Gattung Phalaenopsis Blume: Phalaenopsis bellina (Rchb. f.) Christenson forma caerulea O. Gruss et S. Tönne forma nova, Phalaenopsis bastianii O. Gruss et Roellke forma helvola O. Gruss et S. Tönne forma nova, Phalaenopsis tetraspis Rchb. f. forma livida O. Gruss et S. Tönne forma nova, publiziert am 1. Mai 2017 im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek und auf unserer Homepage. Einzelheiten zu Geschichte, Verbreitung und Namensgebung finden sich direkt im oben verlinkten E-Paper, weshalb ich in diesem Beitrag nicht weiter darauf eingehen werde.

Das Mittelteil der Lippe hat eine zarte violette Färbung. (Foto: Thomas Lehmann)

Wie alle Phalaenopsis-Arten wächst auch Phal. tetraspis f. livida monopodial. Sie ist eine eher kleine bis mittelgroße Orchidee, die nur einen kurzen Stamm bildet. Phalaenopsis tetraspis f. livida neigt zur Kindelbildung und blüht sehr reichlich – meist im Frühjar. An alten Blütentrieben können immer wieder neue Knospen entstehen, weshalb man sie nicht abschneiden sollte, solange sie nicht eintrocknen. Die Art ist endemisch auf den Andamanen und Nikobaren im Indischen Ozean. Dort besiedelt sie niedrig hängende Äste direkt über dem Wasser in Mangrovensümpfen. Das Klima ist typisch für die Tropen: heiß, feucht und regenreich. Im Jahresdurchschnitt liegt die Temperatur in Port Blair bei rund 26,4 °C, die Höchstwerte betragen rund 30° C. Regen fällt das ganze Jahr über, vor allem in der Regenzeit von Mai bis Oktober.

Eine Kultur auf der Fensterbank ist ohne großen Aufwand möglich. Da Phalaenopsis tetraspis f. livida  warme bis heiße Temperaturen mag, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Phalaenopsis-Art. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 16-18 Grad fallen, noch besser sind 20 Grad Minimum. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet das stehende Wasser wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Als Pflanzstoff für Phalaenopsis eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Bei sehr kleinen Töpfen geht auch Substrat aus Kokosfasern gut. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Phalaenopsis zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder komplett silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten.

Das Tauchwasser darf bei dieser Naturform den Sommer über einen Leitwert von 300-500 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Phalaenopsis tetraspis f. livida auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Die zwischen grau, blau und braun changierende Färbung und der zarte Duft machen diese blühfreudige Art zu einer besonderen Augenweide. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Die Knospen haben eine tolle Musterung. (Foto: Thomas Lehmann)
Auch im Profil erkennt man die Zeichnung an der Außenseite der Blüte. (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phalaenopsis tetraspis f. livida (Foto: Thomas Lehmann)
Die erste Blüte ging bei etwas kühleren Nachttemperaturen auf und färbte sich vermutlich deswegen eher bräunlich, als bläulich. (Foto: Thomas Lehmann)
Zum Größenvergleich eine Blüte in meiner Hand (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 19, 2020

Phragmipedium Petit Anquette

Alles lesen Orchidee der Woche 19, 2020

Phragmipedium Petit Anquette

Phragmipedium Petit Anquette ‚Sylvia‘ BM/D.O.G. (Foto: Thomas Lehmann)

Der „Kleine Engel“ – so lautet die deutsche Übersetzung des französichen Hybrid-Namens ist – wurde am 06. Juli 2004 in das Register der Royal Horticultural Society aufgenommen. Angemeldet wurde die Hybride von der Eric Young Orchid Foundation, einer weltweit bekannten Orchideenzucht auf Jersey/England. Eric Young hatte bereits in den 1920ern, in sehr jungen Jahren, begonnen eine beachtliche Orchideensammlung aufzubauen, die er leider während des Zweiten Weltkriegs verlor. Auf der Kanalinsel Jersey, die zu Großbritannien gehört, obwohl sie deutlich näher an der französischen Küste liegt, baute er nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Sammlung auf, die bis heute zu den größten und exklusivsten Orchideensammlungen weltweit gehört. Phragmipedium Eric Young, das nach ihm benannt wurde, hatten wir bereits vorgestellt. Auch wenn man meinen könnte, der Name Petit Anquette wurde wegen der Blütenform gewählt, ist dem nicht so. Der Petit Anquette ist eine Gesteinsformation an der französischen Küste, unweit der Insel Jersey. Sehr häufig sind Hybriden der Eric Young Orchid Foundation nach Orten aus der Region benannt. Phragmipedium Petit Anquette ist eine Primärhybride aus zwei Naturformen. Ihr Genpool teilt sich wie folgt auf:

Phragmipedium pearcei am Standort in Ecuador (Foto: Monika Eckert)

Das natürliche Verbreitungsgebiet des kleinwüchsigen Phragmipedium pearcei erstreckt sich von Ecuador bis nach Kolumbien und Peru. Meistens findet man Pflanzen dieser Art entlang von fließendem Wasser in Höhenlagen von 200-1200 Metern über dem Meeresspiegel. Sie wachsen sowohl litophytisch wie auch terrestrisch auf und zwischen Felswänden und -brocken, die zeitweise von Wasser überflutet werden. Häufig sind sie von Gräsern umgeben und durch ihren grasartigen Wuchs kaum von diesen zu unterscheiden. Die Standorte sind oftmals sehr sonnig, wobei Phrag. pearcei von den umliegenden Gräsern meist etwas schattiert wird und nicht die volle Sonneneinstrahlung erhält. Niederschlag gibt es das ganze Jahr über. In den Monaten Januar bis März nehmen diese zwar etwas ab, das Habitat ist aber dennoch immer sehr feucht. Die Temperaturbedingungen sind meist temperiert bis warm. Je nach Standort und Höhenlage können sie auch etwas variieren. Im Sommer steigen die Temperaturen auch auf 30 Grad und wärmer, in den Wintermonaten liegen sie nachts meist bei ca. 15 Grad, in höheren Lagen auch etwas tiefer.

Phragmipedium dalessandroi (Foto: D.O.G.-Archiv)

Phragmipedium dalessandroi ist auschließlich in Ecudaor zu finden. Das Klima am Standort bietet recht konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad ganzjährig. Niederschläge gibt es auch ganzjährig, wobei sie von März bis Oktober deutlich häufiger sind. Von November bis März regnet es seltener. Das Habitat trocknet aber nicht aus, da die Luftfeuchtigkeit dauerhaft sehr hoch ist. Phragmipedium dalessandroi wächst litophytisch an steilen und feuchten Felsen. Am Standort gibt es nur noch wenige Pflanzen, die zum Glück so hoch wachsen, dass sie vor Plünderungen geschützt sind. Einige Taxonomen sehen die Art lediglich als eine Varietät von Phragmipedium besseae an, zu der sehr viel Ähnlichkeit besteht.

Die Blüten von Phragmipedium Petit Anquette variiren leicht in Form und Farbe. Die Petalen können eher gerade sein mit abgerundeten Spitzen oder sich leicht verdrehen und spitzer zulaufen. Das Farbspektrum bietet meist Gelb-, Orange- und Rosétöne, die in unterschiedlichen Anteilen vorhanden sind.

Da Phragmipedien viel Feuchtigkeit brauchen, sollten sie stets in einer mit Wasser gefüllten Schale stehen. Besonders im Sommer darf das Substrat auch richtig nass sein. Zu viel Wasser ist bei Phragmipedien fast nicht möglich. Nur gelegentlich sollte die Schale ganz abtrocknen, damit sich keine unerwünschten Bakterien im Wasser ausbreiten können. Meine Pflanzen stehen in großen Wannen, die ich alle paar Tage mit frischem Wasser fülle, sobald das alte aufgesogen ist. Im Sommer sind die Schalen alle 3-4 Tage leer, im Winter dauert es 6-7 Tage.

Oft ist zu lesen, dass Phragmipedien sehr salzempfindlich sind und bei zu hohen Düngergaben braune Blattspitzen bekommen. Für einige Naturformen und Primärhybriden trifft es auch zu, dass die Wurzeln bei zu vielen Salzen verbrennen und absterben. Allerdings gibt es einige Naturformen und daher auch Hybriden, die wesentlich besser wachsen und blühen, wenn sie etwas mehr Dünger bekommen. Braune Blattspitzen habe ich nicht mehr bei meinen Pflanzen, seit ich einen Dünger verwende, der sowohl Calcium als auch Magnesium enthält und den ich auch höher dosiere als früher. Meiner Erfahrung nach sind die braunen Blattspitzen eher auf einen Mangel an Calcium und Magnesium und nicht auf zu hohe Düngergaben zurückzuführen. Im Sommer bekommen meine Hybriden zwischen 350 und 450 Mikrosiemens bei jedem Wässern. Nur im Winter  stelle ich das Düngen komplett ein. Die angereicherten Salze im Substrat genügen den Pflanzen, um durch die dunkle Jahreszeit zu kommen.

Mein Standard-Phragmipedium-Substrat ist eine Mischung aus Rinde, Perlite, Bimskies und Holzkohle. Die Körnung der Rinde passe ich an die Topfgröße an. Bei kleinen Töpfen nehme ich feinere Rinde, bei großen Töpfen verwende ich gerne gröbere. Perlite verwende ich in der Körnung 2-4 Millimeter. Durch ihr geringes Gewicht machen sie das Substrat locker und sorgen für eine gute Belüftung der Wurzeln. Der Bimskies versorgt die Pflanzen zusätzlich mit Calcium, da er diesen durch die andauernde Feuchtigkeit freigibt. Die Körnung spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ich nutze gerne 5-10 Millimeter. Um einige trockenere Stellen im Pflanzstoff zu schaffen, füge ich immer Holzkohle in einer Körnung von 7-14 Millimeter hinzu. Die Holzkohle saugt sich nicht mit Wasser voll und bleibt trocken. Durch die etwas gröberen Brocken entstehen zusätzlich ein paar Luftlöcher im Substrat, die eine Luftzirkulation im Topf zulassen.

Natürlich gibt es auch einige andere Substrate, die gut für Phragmipedium geeignet sind. Jedes hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil von Rinde ist, dass sie regelmäßig gewechselt werden muss, da sie durch die Dauerfeuchte sehr schnell zerfällt. Mineralische Sustrate zerfallen nicht und müssen daher nicht so oft gewechselt werden. Jeder sollte seine eigenen Erfahrungen machen und ausprobieren, was zu seiner Kultur am besten passt. Außer mit meinem Standardsubstrat habe ich auch gute Erfahrungen gemacht mit:

  • Akadama
  • Sphagnum-Moos
  • Steinwollwürfeln
  • Bimskies
  • Lavagranulat

Im Sommer stehen Phragmipedien gerne im Freien, da sie Frischluft und Luftbewegung wirklich lieben. Ein Muss ist der Aufenthalt im Freien aber nicht. Auch eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist möglich, wenn regelmäßig gelüftet wird. Steht die Luft zu lange, bilden sich am Ansatz der Triebe leicht Pilze und Infektionen, die unbehandelt die ganze Pflanze vernichten können.

Die heißen Temperaturen im Sommer verträgt Phragmipedium Petit Anquette sehr gut, wenn die Luftfeuchtigkeit  hoch ist. Durch die großen Wannen, die immer mit Wassser gefüllt sind, ist die Luftfeuchtigkeit stets ausreichend. Ich benutze keinen zusätzlichen Nebler. Die nächtlichen Temperaturen liegen bei mir zwischen 14 und 18 Grad, je nach Außentemperatur. An bewölkten Wintertagen liegen sie bei etwa 24 Grad. Wenn die Sonne auf das große Fenster scheint, steigen sie auch mal über 30 Grad.

Im Sommer sollte direkte Mittagssonne vermieden werden, da die Blätter sehr schnell verbrennen können. Es gibt einzelne Pflanzen, die nicht so empfindlich zu sein scheinen, allerdings wachsen alle Pflanzen nach meiner Erfahrung etwas schattiger besser. Auch die Blattfarbe ist bei schattiger Kultur dunkler und kräftiger. Bei zu wenig Licht werden die Blätter der Neutriebe länger und schmaler. Meist fällt dann auch die Blüte aus. Im Winter darf die Sonne auch mittags unschattiert auf die Pflanzen fallen.

Phragmipedium Petit Anquette ist ein zuverlässiger Blüher, der über Monate hinweg eine Blüte nach der anderen öffnet. Durch die – für ein Phragmipdium – kompakte Größe findet die Hybride auch auf einer Fensterbank gut Platz. Leider ist sie eine echte Rarität, die nur selten angeboten wird. Viel Glück beim Finden und noch mehr Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Phragmipedium Petit Anquette ‚Sylvia‘ (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipedium Petit Anquette ‚Sylvia‘ (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Petit Anquette ‚Sylvia‘ – Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Petit Anquette ‚Sylvia‘ – Habitus (Foto: Thomas Lehmann)