Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

KW 02, 2019

Maxillaria schunkeana

Alles lesen Orchidee der Woche 02, 2019

Maxillaria schunkeana

Maxillaria schunkeana (Foto: D.O.G.-Archiv)

Die beiden brasilianischen Botaniker Marcos Antonio CAMPACCI und Roberto Anselmo KAUTSKY veröffentlichten in Orquidário 7(4): 136 (1993) einen Beitrag, in dem sie Maxillaria schunkeana erstmalig beschrieben und gaben ihr den bis heute gültigen Artnamen. Im Jahr 2007 wurde sie in einer Veröffentlichung in die Gattung Brasiliorchis überführt und vier Jahre später in die Gattung Bolbidium. Beide Überführungen haben sich bis heute allerdings nicht durchgesetzt. Zwar laufen sie als Synonyme bei KEW´s World Checklist of Selected Plant Families (WCSP), aber sie finden bei  Züchtern und Orchideen-Enthusiasten nur selten bis gar nicht Verwendung.

Habitusbild von Maxillaria schunkeana, die aufgebunden kultiviert wird (Foto: Norbert BAUMBACH)

Beheimatet ist Maxillaria schunkeana ausschließlich in Espírito Santo, einem Bundeststaat im südöstlichen Brasilien. Sie kommt dort auf Höhen zwischen 600 und 700 Metern über dem Meeresspiegel vor. Die Temperaturen im Winter können dort sehr kühl werden, die Sommer sind sehr heiß. Eine ausgeprägte Trockenzeit gibt es im Süden von Espírito Santo nicht. Je nach Standort der Pflanzen gibt es entweder gar keine Trockenzeit oder aber eine sehr schwach ausgeprägte. Maxillaria schunkeana wächst epiphytisch in küstennahen Regenwäldern, meist auf Bäumen aufsitzend, und ist nur selten der vollen Sonne ausgesetzt.

Die Pflanzen sind eher kleinwüchsig und bilden kleine, zylindrische Pseudobulben aus, die circa. 3-5 cm hoch und jeweils mit zwei festen, spitz zulaufenden Blättern besetzt sind. Die Blätter erreichen eine Länge von 5-7 cm. An der Basis der Pseudobulben entspringen meist im Frühjahr kurze Infloreszenzen, die jeweils eine einzelne nur 1,5-2 cm breite Blüte tragen, die je nach Lichteinfall blutrot bis fast tiefschwarz wirkt. Die Blüten überragen die Pseudobulben gerade so, verstecken sich aber zwischen dem Laub.

Die Kultur auf der Fensterbank sollte im Winter in einem nicht beheizten Raum stattfinden, da die kühleren Temperaturen die Blüteninduktion fördern. Es muss aber nicht eiskalt sein. Besonders auf Fensterbänken aus Stein wird es im Winter oft recht kühl, wenn nicht direkt darunter eine Heizung läuft. Das sollte für Maxillaria schunkeana ausreichen. Auch an den Naturstandorten gibt es Pflanzen, die etwas wärmer stehen als andere Artgenossen. Grundsätzlich gilt dann aber: Je kühler, desto trockener!

6 Blüten hat meine Pflanze geschafft – eine ist leider auf der Rückseite versteckt (Foto: Thomas LEHMANN)

Von Frühjahr bis Herbst mag Maxillaria schunkeana dauerfeucht stehen. Der Pflanzstoff sollte also niemals durchtrocknen. Je nachdem, welches Substrat verwendet wird, muss besonders im Sommer sehr regelmäßig getaucht werden. Im Moment habe ich meine Pflanze noch in feiner Rinde mit Perliten getopft, was mir im Sommer aber zu schnell abtrocknet und daher zu viel Arbeit macht. Ich werde sie im Frühjahr auf mineralisches Substrat umsetzen, da ich bei Maxillarien gute Erfahrungen damit gemacht habe. Ich werde eine Mischung aus Lavagranulat, Bimskies, Perlite und Akadama nehmen, alles in einer Körnung von 2-8 mm. Gröber sollte mineralisches Substrat nicht gewählt werden, da die Kapillarität sonst stark nachlässt und sich die Feuchtigkeit nicht mehr gleichmäßig im Topf verteilt.  Wichtig bei mineralischen Substraten ist auch, dass die Pseudobulben nur auf dem Pflanzstoff aufsitzen dürfen, da sie sehr schnell faulen können, wenn sie im Substrat vergraben sind. Wie schon oft in anderen Beiträgen erwähnt, muss der Topf immer in einer Schale stehen, die mit 1-2 cm Wasser gefüllt ist, wenn die Pflanze mineralisch getopft ist.

Den Winter verbringt meine Pflanze unter kühl-temperierten Bedingungen an einem südwestlich ausgerichteten Fenster. Das Zimmer bleibt ungeheizt, allerdings erwärmt sich der Raum bei Sonnenschein recht schnell . An kalten, bewölkten Tagen steht die Pflanze recht trocken und wird nur einmal pro Woche etwas gegossen. Wasser, das unten herausläuft, bleibt in der Schale stehen. Es sollte aber nicht so viel sein wie im Sommer und innerhalb von 2-3 Tagen aufgesogen sein. Den Rest der Woche bleibt die Pflanze dann trocken. Wenn es längere Zeit sonnig und wärmer ist, bekommt sie auch etwas mehr Wasser.

In den wärmeren Monaten dünge ich mein Wasser auf einen Leitwert von ca. 150-200 Mikrosiemens auf. Viel mehr sollte es nicht sein, da die feinen Wurzeln von Maxillaria schunkeana  sehr salzempfindlich sind und bei höheren Düngergaben „verbrennen“. Das Salz verstopft die Poren des Velamens und die Wurzel wird braun und stirbt ab. Gelegentlich spüle ich den Topf auch mit klarem Wasser ohne Dünger durch, um ein Versalzen des Substrats zu vermeiden.

Im Sommer kann Maxillaria schunkeana auch sehr gut an einem schattigen Platz im Garten oder auf dem Balkon gepflegt werden. Da sie Temperaturschwankungen und Luftbewegung mag, sorgt ein Aufenthalt im Freien dafür, dass sie gesund und kräftig wächst und jedes Jahr mehr Blüten trägt. Nur direkte Mittagssonne sollte im Sommer auf jeden Fall vermieden werden. Im Winter verträgt sie auch die Mittagssonne.

Die fast schwarzen Blüten ziehen alle Blicke auf sich. Eine wirklich tolle Naturform, die durch ihre geringe Größe in jeder Orchideensammlung Platz findet! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Seitenansicht der Blüte (Foto: Norbert BAUMBACH)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Norbert BAUMBACH)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Blüten verstecken sich regelrecht unter dem Laub (Foto: Norbert BAUMBACH)
Meine Pflanze im Dezember (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Blüten sind aufgrund ihrer Größe und dunklen Farbe sehr schwer zu fotografieren (Foto: Thomas LEHMANN)

 

 

 

KW 01, 2018

Dendrobium King Zip

Alles lesen Orchidee der Woche 01, 2018

Dendrobium King Zip

Dendrobium King Zip ‚Red Splash‘ (Foto: Thomas LEHMANN)

Am 20. Januar 2003 registrierte die RHS (Royal Horticultural Society) diese Hybride. Gekreuzt wurden die beiden Elternteile – Dendrobium Kathking und Dendrobium Zip – von Down Under Native Orchids (D.U.N.O.). Diese bis heute in Australien führende Orchideengärtnerei, die zahlreiche Auszeichnungen und Prämierungen für ihre qualitativ hochwertigen Züchtungen erhielt, wurde vor etwa 35 Jahren von Neil FINCH gegründet. Das Spezialgebiet der D.U.N.O. liegt bei der Hybridisierung von australischen Arten der Gattung Dendrobium. Aber auch einige andere in Australien heimische Gattungen hat die Gärtnerei in ihrem Sortiment. Zur Registrierung angemeldet wurde Dendrobium King Zip von W. TURVILLE, über den ich leider nichts Näheres herausfinden konnte. Vermutlich ist es ein guter Freund der Gärtnerei, der als Orchideenliebhaber die Erlaubnis bekam, die Hybride registrieren zu lassen.

Auch wenn Dendrobium King Zip eine sehr komplexe Hybride ist, an deren Entstehung einige andere Hybriden beteiligt sind, teilt sich der Genpool lediglich auf 3 Naturformen auf. Den größten Anteil hat mit Abstand Den. kingianum. Wesentlich weniger beteiligt sind die beiden Naturformen Den. tetragonum und Den. speciosum.

Dendrobium kingianum ‚Alexander‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Dendrobium tetragonum ‚Rieke‘ (Foto: D.O.G.-Archiv)
Dendrobium speciosum ‚Günter Weidner‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Dendrobium kingianum ist zu 75% an Den. King Zip beteiligt. Heimisch ist es in Queensland und New South Wales, wo es litophytisch auf Höhen von 50-120 Metern über dem Meeresspiegel unter kalten Bedingungen wächst. Die Winter sind sehr kalt und trocken. Die Größe dieser Art reicht von klein- bis großwüchsig, ihre kleinen Blüten duften raumfüllend nach Honig.

Dendrobium tetragonum ist mit lediglich 18,75% an der Hybride beteiligt und ebenfalls in New South Wales und dem nördlichen Queensland beheimatet. Es wächst allerdings epiphytisch auf Höhenlagen von 500-1200 Metern und ist einer der klein- bis mittelgroßen Dendrobien. Es duftet stark und braucht im Winter wesentlich weniger Wassser, steht aber nicht komplett trocken. Alte Infloreszenzen können in der nächsten Blühsaison erneut blühen, weswegen sie nicht entfernt werden sollten.

Dendrobium speciosum ist neben New South Wales auch in Victoria beheimatet und wächst dort auf Höhen vom Meeresspiegel bis 150 Meter darüber. Diese ebenfalls litophytisch wachsende Art bleibt eher klein bis mittelgroß. Auch ihre Blüten duften stark. Eine Besonderheit ist, dass sich die Blüten tagsüber öffnen und zur Nacht wieder schießen. Auch Den. speciosum braucht eine trockene Winterruhe mit kühlen Temperaturen.

Bereits im Knospenstadium zeigt Den. King Zip die Musterung stark (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Hybride Den. King Zip ist meist mittelgroß und bildet schmale, aber hohe Pseudobulben aus, die von gegenständigen Blattpaaren besetzt sind. Die Blätter sind ca. 7 cm lang, laufen spitz zu und sind sehr fest und dunkelgrün. Im Winter entspringen an den Nodien Infloreszenzen, die bis zu 25 cm lang werden können und oft sehr viele duftende Blüten tragen. Die Grundfarbe der Blüten ist weiß. Die Blütenform erinnert sehr stark an Den. kingianum, allerdings sind die Blüten mit 3-4 cm Breite etwas größer. Die Lippe und auch die Ränder der weißen Petalen und Sepalen sind kräftig magentafarben, teilweise stark durchgefärbt und teilweise durchbrochen. Besonders die Farbe auf den Blütenblättern wirkt, als wäre sie mit einem Pinsel aufgetragen worden.

Eine Kultur auf der Fensterbank ohne Sommeraufenthalt im Freien ist leider nicht möglich, da durch den hohen Den. kingianum-Anteil sehr kalte Temperaturen zur Blüteninduktion benötigt werden. Wer aber einen Balkon oder Garten im Sommer bieten kann und einen ungeheizten Raum für den Winter besitzt, der kann diese aparte Hybride mit wenig Aufwand und vollkommen unkompliziert  erfolgreich kultivieren. Im Sommer sollte sie dauerfeucht im Freien stehen, da sie Luftbewegung und Nachtabsenkung sehr mag. Wenn die Temperaturen im Oktober kühler werden, wird auch das Gießen langsam reduziert. Ab November steht meine Pflanze dann, wie Den. kingianum auch, komplett trocken. Sie bleibt auch sehr lange auf dem Blakon stehen. Erst wenn die nächtlichen Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen, hole ich Den. King Zip nach innen und stelle sie in ein unbeheiztes Zimmer, in dem das Fenster meistens gekippt ist. Lediglich bei sehr starken Minusgraden schließe ich das Fenster. Einige Wochen, nachdem die Pflanze ihr Winterquartier bezogen hat, entstehen die ersten Infloreszenzen, die meist um Weihnachten ihre ersten Blüten öffnen. Dann bekommen die Pflanzen ab und zu einen kleinen Schluck Wasser, sie stehen die meiste Zeit aber noch sehr trocken. Wenn im Frühjahr die Neutriebe erscheinen und beginnen Wurzeln zu bilden, wird wieder kräftig gewässert. Ab diesem Zeitpunkt bis in den späten Herbst hinein trocknet das Substrat niemals aus.

Als Pflanzstoff nutze ich Lavagranulat in einer Körnung von 2-8 mm. Allerdings sollte man eher die dunkle Lava nutzen und nicht die rote. Ihre rote Farbe erhält sie nämlich durch einen sehr hohen Eisenanteil, der sich im Laufe der Zeit freisetzt und der Pflanze schaden kann. Der Topf steht von Frühjahr bis in den späten Herbst immer in einer Schale, die mit 1-2 cm Wasser gefüllt ist. Das Lavagranulat zieht die Feuchtigkeit nach oben. So entsteht eine gleichmäßige Feuchtigkeit ohne Nässe. Ab und an lass ich die Wasserschale austrocknen, damit sich keine Bakterien im Wasser bilden können. Das Substrat selbst trocknet in der Wachstumsphase aber nicht ab. Natürlich ist die Kultur auch mit anderen Substraten mögich, allerdings finde ich den Pflegeaufwand in mineralischem Substrat wesentlich geringer. Außerdem wachsen zwei der drei beteiligten Naturformen ja litophytisch. Somit ist es eine sehr naturnahe Kulturmöglichkeit.

Das Gießwasser hat einen Leitwert von 150-250 Mikrosiemens. Ich beginne im Frühjar mit weniger Dünger und steigere diesen bis in den Hochsommer kontinuierlich an. Bis zum Herbst hin fällt die Düngerkonzentration dann wieder ab. Da im Winter kaum gegossen wird, dünge ich in dieser Zeit natürlich auch nicht.

Im Sommer sollte die Pflanze vor direkter Mittagssonne geschützt werden. Die Morgen- oder Abendsonne wird aber gut vertragen. Bei viel Licht bilden die Blätter Anthocyane, wodurch sie dunkelrot aussehen. Dadurch verbrennen die Blätter auch nicht so schnell bei Sonneneinstrahlung. Vergleichbar ist dieser Vorgang mit dem Braunwerden der menschlichen Haut im Sommer, die uns auch vor Verbrennungen durch die Sonne schützen soll. Im Winter stehen meine Pflanzen an einem südwestlichen Fenster. Dort erhalten sie volle Nachmittagssonne bis zum Sonnenuntergang – vorausgesetzt die Sonne zeigt sich mal im Winter!

Wer für die kühlen Bedingungen im Winter sorgen kann, wird sich in der kalten und grauen Jahreszeit sehr über die farbenprächtigen Blüten mit ihrem lieblichen Duft freuen. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Dendrobium King Zip ‚Red Splash‘ – jede Blüte ist ein Unikat mit etwas anderer Zeichnung (Foto: Thomas LEHMANN)
Dendrobium King Zip ‚Red Splash‘ – jede Blüte ist ein Unikat mit etwas anderer Zeichnung (Foto: Thomas LEHMANN)
Dendrobium King Zip ‚Red Splash‘ – jede Blüte ist ein Unikat mit etwas anderer Zeichnung (Foto: Thomas LEHMANN)
Dendrobium King Zip ‚Red Splash‘ – jede Blüte ist ein Unikat mit etwas anderer Zeichnung (Foto: Thomas LEHMANN)
Dendrobium King Zip ‚Red Splash‘ – jede Blüte ist ein Unikat mit etwas anderer Zeichnung (Foto: Thomas LEHMANN)
Auch die Rückseite hat eine ausgeprägte Zeichnung (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht einer Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Die gesamte Pflanze – es kommen noch einige Blütentriebe nach (Foto: Thomas LEHMANN)

 

 

KW 52, 2018

Mexipedium xerophyticum

Alles lesen Orchidee der Woche 52, 2018

Mexipedium xerophyticum

Mexipedium xerophyticum ‚Windy Hill‘ HCC/AOS (Foto: Thomas LEHMANN)

Gerardo A. SALAZAR, Hauptprüfer des Biologischen Instituts der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko, und der mexikanische Botaniker Eric HÁGSATER bezeichneten die Entdeckung dieser einzigartigen Naturform als einen der bemerkenswertesten Funde der letzten Jahrzehnte in der neotropischen Orchideenflora. Erste Pflanzenteile wurden bereits im September 1985 von Heriberto HERNÁNDEZ gesammelt und an das Herbarium der Mexikanischen Orchideen-Gesellschaft (Asociación de Mexicana de Orquideologia, kurz AMO) gesendet. Die Mitarbeiter des Herbariums waren sich sofort sicher, dass es sich um eine völlig neue Art der Unterfamilie Cypripedioideae handeln musste, und sendeten Fotos an Experten in der ganzen Welt. Rolando JIMINEZ, Biologe und Mitarbeiter des Herbarium AMO, bestätigte diese Vermutung, nachdem er ein blühendes Exemplar aus derselben Sammlung gesehen hatte. Im September 1988 organisierten Miguel Ángel SOTO ARENAS, Gerardo A. SALAZAR und Eric HÁGSATER eine Exkursion zum Fundort – begleitet und geführt vom Entdecker Heriberto HERNÁNDEZ – um lebendes Pflanzenmaterial zu sammeln. Von den sieben Pflanzenkolonien, die im Tal des Rio del Corte in der Region Los Chimalapas im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca gefunden wurden, entnahmen sie eine ganze Pflanze mit mehreren Rosetten sowie einige Teile einer zweiten Pflanze für wissenschaftliche Zwecke. Die sieben gefundenen Pflanzen waren über ein Gebiet von ungefähr einem Hektar verteilt. Die größte der Pflanzen bestand aus 120 einzelnen Rosetten, die zusammen eine ganze Kolonie bildeten. Weitere Pflanzen wurden zunächst nicht gefunden. Trotz etlicher reifer Samenkapseln entdeckten die Forscher keine Jungpflanzen. Um die geringe natürliche Population zu schützen, wurde der genaue Fundort streng geheim gehalten, da zu befürchten war, dass illegales Sammeln die Population auslöschen würde. Dennoch entnahmen illegale Pflanzensammler bis zum Jahr 1996 fast alle Pflanzen, lediglich zwei Stück waren zu dieser Zeit noch vorhanden. Zwei Jahre später wütete ein großer Waldbrand in dem Gebiet, der eine Pflanze komplett vernichtete und die letzte verbliebene schwer beschädigte. Zum Glück erholte diese sich wieder und 2009 entdeckte man unweit des Erstfundortes einige weitere Pflanzen in einer nur sehr schwer zugänglichen Schlucht. Dort wachsen sie an senkrechten Kalksteinfelsen, ausschließlich an der Nordseite. Da diese endemische Art in der Natur stark gefährdet ist, ist es umso wichtiger, sie generativ und vegetativ zu vermehren und zu kultivieren.

Seitenansicht der Blüte – die nächste Knospe kommt schon (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Erstbeschreibung wurde im Jahre 1990 durch die drei Sammler SOTO ARENAS, SALAZAR und HÁGSATER in Orchidea, dem Journal der Mexikanischen Orchideen-Gesellschaft, unter dem Namen Phragmipedium xerophyticum veröffentlicht. Da Phragmipedium aber dreifächrige Fruchtknoten besitzt und nicht einfächrige wie die bis dahin Phrag. xerophyticum genannte Pflanze, es von der Gattung Paphiopedilum durch den verzweigten Blütenstand und die Anordnung der klappigen Sepale in den Kronblättern abgegrenzt werden konnte, begründeten Victor A. ALBERT und Mark W. CHASE im Jahr 1992 eine neue Gattung für Phragmipedium xerophyticum und benannten es nach dem Herkunftsland als Mexipedium xerophyticum. Diese Neueingliederung wurde in Lindleyana 7(3): 172 – 176 veröffentlicht und ist der bis heute gültige Name, obwohl Victor A. ALBERT seine Meinung im Jahr 1994 revidierte und zusammen mit Börge PETTERSON alle Arten der Gattungen Phragmipedium und Mexipedium in die Gattung Paphiopedilum überführte. Allerdings folgte dieser Umkombination weltweit niemand. Um die Jahrtausendwende kamen die ersten Nachzuchten von Mxdm. xerophyticum in den Handel. Obwohl viele Kreuzungsversuche mit Phragmipedium zunächst erfolgreich verliefen – es entstanden Samenkapseln, der Samen keimte, Sämlinge wuchsen in Flaschen heran – ist bis heute keine Hybridisierung geglückt. Alle kleinen Pflanzen verendeten rasch, nachdem sie aus der Flasche mit dem Nährmedium geholt worden waren.

Das Klima am Naturstandort ist durch die Höhenlage von 320 Metern über dem Meeresspiegel warm und fast ganzjährig feucht mit viel Niederschlag. Die Temperaturen schwanken nur wenig zwischen den Jahreszeiten. Im Winter herrschen tagsüber 23 – 25 Grad, nachts 17 – 18 Grad. Im Sommer steigen die Werte tagsüber auf bis zu 30 Grad an und fallen in den Nächten selten unter 20 Grad. Meist liegen sie sogar noch etwas darüber. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, allerdings von Januar bis April deutlich seltener. Besonders im März fällt sehr wenig Regen. Aber auch in dieser „Trockenzeit“ ist das Habitat niemals vollkommen trocken und es herrscht immer eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Mexipedium xerophyticum wächst lithophytisch auf steilen Kalkfelsen in Wäldern mit xerophytischer Vegetation, teilweise auf dem blanken Felsen, manchmal wurzeln die Pflanzen in organisches Material, das sich in den Felsspalten ansammelt.

Die kleine Blüte verschwindet fast zwischen meinen Fingern (Foto: Thomas LEHMANN)

Mexipedium xerophyticum ist eine sympodial wachsende Pflanze, deren fächerartige Sprosse  durch lang auslaufende Rhizome getrennt sind. Jeder Spross bildet 5-8 gegenständig wachsende Blätter aus, die fleischig, fest und gekielt sind. Sie haben eine Länge von 3,5 – 11 cm und sind ca. 1 mm dick. Der Spross erreicht eine Höhe von bis zu 12 cm, je nachdem, wie die Blätter wachsen, kann er aber auch wesentlich niedriger sein. Abgestorbene Blätter färben sich kaffeebraun und verbleiben noch sehr lange an der Pflanze, ehe sie abfallen. Die haarigen Wurzeln verzweigen sich nur wenig, manchmal auch gar nicht, und sind sehr dünn. Die aufrecht wachsende Infloreszenz wird 6,5 – 13,5 cm hoch und bildet aufeinanderfolgend 3 – 7 Blüten aus, wobei immer nur eine Blüte geöffnet ist. Oft bildet sich ein Seitentrieb an der Infloreszenz, wenn oben keine neuen Knospen mehr gebildet werden. Der Blütentrieb ist nur 1 – 1,3 mm fein und mit kaffeebraunen Haaren besetzt. Die weißen Blüten sind 1,3 – 2,5 cm hoch und manchmal ganz zart rosafarben überhaucht. Die nach vorne gerichtete Fahne ist 9 – 14 mm lang und überdeckt den nach innen geschlagenen Schuh, der fast ballonförmig wirkt. Das Staminodium ist immer stärker rosa gefärbt. Die Petalen sind sehr schmal und im Verhältnis lang, meist nach unten gebogen und selten verdreht. Die Blüten von Mexipedium xerophyticum duften nicht.

Obwohl man in verschiedenen Quellen lesen kann, dass eine Kultur auf der Fensterbank – noch dazu in Europa – nicht möglich ist, kultiviere ich nun seit ein paar Jahren Mexipedium xerophyticum  ohne ein Gewächshaus. Meine älteste Pflanze habe ich vor 4 Jahren als kleines Teilstück bekommen und sie blühte seitdem schon 3 Mal bei mir. Im Frühjahr könnten es tatsächlich 3 Infloreszenzen werden, wenn alle neuen Triebe zur Blüten kommen. Da mich diese Naturform sehr begeistert und es mich wirklich traurig macht, dass sie in der Natur so gut wie ausgestorben ist, habe ich mir inzwischen einige Sämlinge zugelegt. Im Frühjahr ergatterte ich dann noch auf einer Verkaufsplattform im Internet ein Teilstück eines Klons, der von der Amerikanischen Orchideen-Gesellschaft mit HCC (Highly Commended Certificate) ausgezeichnet wurde. Die Auszeichnung entspricht in etwa der Bronzemedaille der D.O.G. Dieses Teilstück bestand nur aus einem einzigen halbwüchsigen Trieb mit 2 etwas lädierten Wurzeln. Ich rechnete eigentlich nicht damit, dass es durchkommt. Mit großem Erstaunen habe ich vor 3 Wochen gesehen, dass es sogar schon blühen will. Einen Neutrieb hatte es bereits im späten Frühjahr angesetzt. So viel zum Thema: Kann man auf der Fensterbank nicht kultivieren!

Damit die Neutriebe nicht über den Topfrand wachsen, wie bei diesem Beispielbild hier, … (Foto: Thomas LEHMANN)
… leite ich sie mit Hilfe einer Haarnadel vorsichtig vom Topfrand weg! (Foto: Thomas LEHMANN)
Die ersten Neutriebe von Sämlingen sind oft noch sehr kurz, sodass man das Problem nicht hat. Je älter eine Pflanze wird, desto länger können die Neutriebe sein. (Foto: Thomas LEHMANN)

Als Substrat nutze ich bei den meisten eine Mischung aus mittlerer und feiner Rinde, Perlite, Bims und Holzkohle. Die Rinde speichert gut Wasser und gibt durch den Zersetzungsprozess Nährstoffe frei. In der Natur wurzeln sie ja auch oft in verrottendes organisches Material in den Felsspalten und nutzen die dadurch verfügbaren Nährstoffe. Perlite mische ich mit hinein, weil es zum einen das Substrat locker und luftig macht und zum anderen ebenfalls gut Wasser speichert und mit der Zeit abgibt. Bimskies ist ein Mineralgestein, das Calcium, also Kalk, freigibt. Da Mexipedium am Naturstandort ja ausschließlich auf Kalkstein zu finden ist, haben die Pflanzen einen erhöhten Calciumbedarf, den ich zu einem Teil mit dem Bimskies abdecken kann. Zusätzlich gebe ich alle 3-4 Monate Hüttenkalk auf die Substratoberfläche und gieße diesen in das Substrat ein. Hüttenkalk ist ein kohlensaurer Kalk, der gut wasserlöslich ist und von der Pflanze gut verstoffwechselt werden kann. Die Holzkohle im Substrat dient dazu, ein paar trockenere Bereiche im Topf zu schaffen, da sie kaum Wasser aufnimmt und sehr schnell abtrocknet. Im Grunde ist das auch mein Standard-Phragmipedium-Substrat, weshalb ich es auch von Anfang an für die Mexipedien nutzte und damit gut zurechtkam.

Ich hätte wahrscheinlich gar kein anderes Substrat ausprobiert, wenn ich das oben erwähnte Teilstück nicht in purem Kanuma vom Vorbesitzer bekommen hätte. Kanuma ist ein mineralisches Substrat, das aus der Azaleen- und Bonsai-Kultur kommt. Benannt ist es nach der japanischen Stadt, in der es abgebaut wird. Es hat einen sauren PH-Wert, weswegen ich nie auf die Idee gekommen wäre, es für Mexipedium zu nutzen. Da es mich aber sehr interessierte, fragte ich den Verkäufer, von dem ich das Teilstück hatte, über seine Kultur in diesem Substrat aus. Er verwendet Kanuma schon sehr lange, da es sehr gut Wasser aufnimmt und lange feucht bleibt, ohne Staunässe zuzulassen. Gegen den sauren PH-Wert nutzt er Leitungswasser, mit dem er bei jedem zweiten Wässern gießt. Ich fand die Kulturmöglichkeit interessant und kannte Kanuma und seine positiven Eigenschaften bereits. Also beschloss ich, mein Mxdm. xerophyticum darin zu belassen und es einfach auszuprobieren. Nur mit dem Leitungswasser konnte ich mich nicht anfreunden, weil ich lieber mit gutem Dünger den Leitwert des Wassers erhöhe, als dass ich ein bereits salzhaltiges Wasser nutze, bei dem ich nicht weiß, was alles darin enthalten ist. Deswegen entschied ich mich dazu, auch das Kanuma regelmäßig mit Hüttenkalk zu bestreuen. Wie oben schon erwähnt, war das Teilstück nur ein halbwüchsiger Trieb mit zwei Wurzeln. Innerhalb von 4 Wochen sah ich die ersten aktiven Wurzelspitzen am Topfrand. Nach 2 Monaten bildete sich dann ein Rhizom, an dem nach 5 cm ein neuer Trieb entstand. Heute, ca. 8 Monate später, ist der halbwüchsige Trieb von damals ausgewachsen und ein Blütentrieb hat sich entwickelt. Somit ist für mich klar, dass auch Kanuma, solange ich etwas gegen den sauren PH-Wert unternehme, ein gut geeignetes Substrat für die Kultur von Mxdm. xerophyticum ist.

Die Blütentriebe sind sehr dünn und wachsen kerzengerade nach oben. (Foto: Thomas LEHMANN)

In den Sommermonaten bis in den Herbst hinein wird alle paar Tage getaucht – in beiden Substratvarianten. Je nach Wärme alle 3-5 Tage. Ich lasse in dieser Zeit das Substrat zwar antrocknen, aber niemals ganz abtrocknen. In den Töpfen und Schalen bleibt es immer so feucht, dass sich Algen innen am Pflanzgefäß bilden. Staunässe vermeide ich aber auch in dieser Zeit. Ich habe es nie selbst ausprobiert, aber Staunässe sollen sie wohl gar nicht vertragen. Vom Winter bis ins Frühjahr wird nur alle 7 Tage getaucht. Auch da ist der Topf nicht vollkommen trocken, aber trockener als im Sommer. Eigentlich sollte man beim Namen xerophyticum (xero = trocken) erwarten, dass es ausgeprägte Trockenzeiten gibt. Dem ist aber nicht so am Naturstandort. Eine gewisse Feuchtigkeit herrscht dort immer, auch wenn es von Januar bis April deutlich weniger regnet. Obwohl die Luftfeuchtigkeit am Naturstandort ganzjährig sehr hoch ist, haben meine Mexipedien mit trockener Luft keine Probleme.

Hier noch ein Größenvergleich mit einer 2-Cent-Münze (Foto: Thomas LEHMANN)

Das Tauchwasser wird im Sommer auf ca. 350 Mikrosiemens aufgedüngt, im Winter auf ungefähr 200 Mikrosiemens, da ich im Winter mit künstlicher Beleuchtung kultiviere. Gelegentlich spüle ich die Töpfe mit klarem Wasser durch, um ein Versalzen des Substrats zu verhindern. Auch wenn Mexipedium xerophyticum fast ausschließlich an der Nordseite der Kalkfelsen wächst, ist die Lichtintensität in Mexiko deutlich höher als bei uns in Mitteleuropa. Deswegen hatte ich mich von Anfang an für die künstliche Beleuchtung im Winter entschieden. Ob sie entscheidend für eine erfolgreiche Kultur ist, kann ich nicht sagen. Beleuchtet werden die Pflanzen mit Leuchtstoffröhren aus der Aquaristik, die speziell für das Pflanzenwachstum entwickelt sind und dementsprechend einen hohen Anteil an rotem und blauem Licht haben.

Die Temperaturen stellen im Wohnraum keine besondere Herausforderung dar. Im Sommer ist es ja ohnehin warm bei uns. Im Winter läuft die Heizung und macht es schön warm. Obwohl die Temperaturen am Natrurstandort eindeutig warm sind, verträgt Mexipedium xerophyticum aber auch kühlere Bedingungen sehr gut, wenn es dann auch etwas trockener gehalten wird. Ich habe in einigen Quellen schon gelesen, dass selbst Temperaturen um 5 Grad nachts gut vertragen werden. Also selbst wenn die Heizung einmal ausfällt, dürfte es mit dem „Mexchen“ – wie ich es immer nenne – keine Probleme geben. Temperaturen von weit über 30 Grad im vergangenen Sommer wurden ohne Probleme vertragen. Nur etwas öfter tauchen musste ich bei dieser trockenen Hitze.

Da die Pflanzen im Laufe der Jahre recht breite Ausmaße annehmen können durch die langen Rhizome zwischen den Pflanzen, sollten sie ab einer gewissen Größe in Schalen kultiviert werden. Außerdem ist es zu empfehlen, Mexipedium etwas tiefer in das Pflanzgefäß zu setzen und das Substrat nicht bis zum Topfrand aufzufüllen, sodass ein Rand entsteht, über den die Rhizome nicht hinwegwachsen können. Wachsen sie in die Luft, dann bilden sich keine Wurzeln. Diese Triebe können zwar trotzdem blühen, aber da Mexipedium ohnehin nicht zu den Vielwurzlern gehört, sollte man schon schauen, dass jeder Trieb auch seine Wurzeln schlagen kann. Sollten dennoch Rhizome in die Luft wachsen, werden sie, je nach verfügbarem Platz, bei mir mit Steinen beschwert oder mit Krampen aus rostfreiem Edelstahl im Substrat fixiert.

Ich hoffe, mit diesem Beitrag ein wenig Interesse an dieser vom Aussterben bedrohten Naturform geweckt zu haben, damit möglichst viele Pflanzen in Kultur erhalten bleiben, falls die letzten in der Natur verbliebenen Pflanzen vom nächsten Waldbrand – was in der Gegend leider keine Seltenheit ist- dahingerafft werden und für immer verloren sind. Traut euch an die Kultur, sie ist gar nicht so kompliziert, wie man immer wieder liest! Und diese kleinen zarten Blüten verzaubern einen immer wieder aufs Neue.

Autor: Thomas LEHMANN

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Mexipedium xerophyticum (Foto: Thomas LEHMANN)
Mexipedium xerophyticum (Foto: Thomas LEHMANN)
Mexipedium xerophyticum (Foto: Thomas LEHMANN)
Mexipedium xerophyticum (Foto: Thomas LEHMANN)

 

 

KW 51, 2018

Phalaenopsis Liu’s Yellow Star Dust

Alles lesen Orchidee der Woche 51, 2018

Phalaenopsis Liu’s Yellow Star Dust

Phalaenopsis Liu`s Yellow Star Dust (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Hybride kann schon blühen, wenn sie noch sehr klein ist (Foto: Thomas LEHMANN)

Phalaenopsis Liu’s Yellow Star Dust ist eine sehr komplexe Hybride von Kuang Feng Ji An Orchids, die am 25. September 2012 bei der RHS (Royal Horticultural Society) registriert wurde. Hwa-Tung LIU, der Besitzer der Orchideengärtnerei, kreuzte einige Jahre zuvor Phalaenopsis Caribbean Sunset mit der Naturform Phalaenopsis finleyi und brachte diese Kreuzung erstmalig im Jahr 2012 zur Blüte. Insgesamt sind fünf Arten der Gattung Phalaenopsis an dieser Hybride beteiligt. Der Genpool teilt sich wie folgt auf:

  • 50% Phalaenopsis finleyi
  • 12,5% Phalaenopsis amboinensis
  • 12,5% Phalaenopsis equestris
  • 12,5% Phalaenopsis mannii
  • 12,5% Phalaenopsis stuartiana

Auf jede einzelne dieser Arten werde ich nicht im Speziellen eingehen. Das würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Generell sind aber alle 5 Arten Epiphyten, die unter warmen bis heißen Bedingungen wachsen. Sie alle bevölkern unterschiedliche Gebiete im asiatischen Raum und zählen zu den kleinwüchsigen bis mittelgroßen Phalaenopsis-Arten. Niederschläge gibt es an sämtlichen Standorten regelmäßig. Sowohl starker Nebel wie auch Regenschauer sorgen für ein ganzjährig feuchtes Klima ohne ausgeprägte Trockenzeit. Die Pflanzen wachsen allesamt in eher schattigen Lagen und sind höchstens im Winter der vollen Sonne ausgesetzt.

Mehr als zwei Blüten gleichzeitig hat meine kleine Pflanze von Phal. Liu`s Yellow Star Dust noch nicht geschafft. Dafür halten die Blüten lange und es kommen oft weitere nach. (Foto: Thomas LEHMANN)

Eine Kultur auf der Fensterbank ist ohne großen Aufwand möglich. Da die beteiligten Naturformen allesamt warme bis heiße Temperaturen mögen, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Phalaenopsis-Hybride. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 16-18 Grad fallen. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet das stehende Wasser wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)

Als Pflanzstoff für Phalaenopsis eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Bei sehr kleinen Töpfen geht auch Substrat aus Kokosfasern gut. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Phalaenopsis zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder komplett silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten.

Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-350 Mikrosiemens haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens reichen in den dunklen Monaten, es sei denn man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Phalaenopsis Liu`s Yellow Star Dust auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Eine sehr ausdrucksstarke und eigenwillige Blütenform, die ich immer gerne als „Sturmfrisur“ bezeichne, ist das besondere Merkmal dieser einfach zu pflegenden Hybride. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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50% Phalaenopsis finleyi sind im Genpool der Hybride vertreten (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis amboinensis ‚Gerda‘ SM/DOG – Diese Naturform ist mit 12,5% am Genpool beteiligt (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis equestris gibt ebenfalls 12,5% der Gene an die Hybride (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis mannii ‚Barbarossa‘ SM/DOG – Auch diese Naturform beteiligt sich mit 12,5% (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die letzten 12,5% kommen von Phalaenopsis stuartiana – auf dem Foto der Klon ‚Weißkirchen‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

 

 

 

 

KW 50, 2018

Gomesa radicans

Alles lesen Orchidee der Woche 50, 2018

Gomesa radicans

(Syn.:  Sigmatostalix radicans / Ornithophora radicans)

Die sehr filigranen Blüten von Gomesa radicans sind nicht leicht zu fotografieren (Foto: Thomas LEHMANN)

Der deutsche Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH beschrieb  diese Art erstmalig im Jahr 1864 als Sigmatostalix radicans in „Annales Botanices Systematicae“.  Von Lesley Andrew GARAY und Guido Frederico João PABST wurde sie 1951 in „Orquídea“ in die Gattung Ornithophora überführt. Bis ins Jahr 2009 behielt diese zierliche Naturform den Namen Ornithophora radicans, der bis heute ein weit verbreitetes Synonym darstellt. Ihren derzeit gültigen Namen Gomesa radicans erhielt sie durch die Veröffentlichung von Mark Wayne CHASE und Norris Hagan WILLIAMS im Jahr 2009 in „Annals of Botany“, wo sie von den beiden Botanikern in die Gattung Gomesa überführt wurde.

Heimisch ist Gomesa radicans in Brasilien. Dort kommt sie meist in Küstennähe unter warmen bis heißen Bedingungen bis auf Höhen von 400 Metern über dem Meeresspiegel vor. Sie wächst ausschließlich epiphytisch in schattigen Lagen. Durch die Nähe zum Meer herrscht stets sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, wobei es zwischen Mai und September etwas weniger regnet.

Der grasartige Habitus kann bei guter Kultur zu einem richtigen Busch werden (Foto: Thomas LEHMANN)

Gomesa radicans ist eine sehr kleinwüchsige Orchideenart. Sie bildet sehr kleine Pseudobulben aus, auf denen jeweils zwei grasartige Blätter von ca. 10 cm Länge und nur 1-2 mm Breite sitzen. Vom Sommer bis in den Herbst hinein entwickeln sich meist zahlreiche Infloreszenzen, die jeweils bis zu 20 cm lang werden und sehr kleine Blüten ausbilden, die wechselständig angeordnet und gerade einmal 7-10 mm hoch und ca 3-5 mm breit sind. Die Lippe ist weiß gefärbt und dominiert die Optik. Die Petalen und Sepalen sind schmal, zartgrün und vergleichsweise unauffällig. Die Säule ragt 2 mm empor und ist dunkelrot mit einer leuchtend gelben Spitze.  Die Blüten haben einen angenehm blumigen Duft.

Die Art ist gut in der Wohnung zu kultivieren, da sie es ganzjährig sehr warm mag. Die Temperaturen sollten auch in Winternächten nicht unter 16-18 Grad fallen, besser blieben sie sogar noch höher. Hohe Sommertemperaturen, die wir ja zunehmend haben, werden ebenfalls bestens vertragen, Gomesa radicans liebt es über 30 Grad. Einziges Problem ist trockene Heizungsluft im Winter. Die Art ist sehr anfällig für Spinnmilben, wenn die Luft dauerhaft zu trocken ist. Dann sollte man durch Aufstellen von Wasserschalen oder Ultraschallvernebler dafür sorgen, dass die Luftfeuchtigkeit nicht unter 50% fällt.

Die emporragende, dunkelrote Säule mit der gelben Spitze (Foto: Thomas LEHMANN)

Als Substrat eignet sich alles, was gut Feuchtigkeit speichert, ohne zu nass zu sein. Meine Pflanze hatte ich in feiner Rinde bekommen. Das lief gut, allerdings musste ich sehr oft tauchen, damit der Pflanzstoff nicht komplett durchtrocknete. Auf Dauer war mir das zu viel Arbeit, weswegen ich sie in mineralisches Substrat topfte. In diesem Fall nahm ich Lavagranulat in einer Körnung von 2-8 mm. Der Topf steht immer in einer kleinen Schale, die mit Wasser gefüllt ist. Das Lavagranulat zieht die Feuchtigkeit durch den ganzen Topf nach oben, ohne dabei klatschnass zu werden. Perfekte Bedingungen für die feinen Wurzeln, da durch das mineralische Substrat auch viel Luft im Topf Platz findet. Außerdem erhöht das Wasser in der Schale gleichzeitig noch die Luftfeuchtigkeit. Ein weiterer Vorteil von mineralischen Substraten ist, dass sie sich nicht zersetzen. Neu getopft werden muss also erst, wenn die Neutriebe keinen Platz mehr im Topf finden. Wichtig ist nur, dass man die kleinen Pseudobulben nicht im Substrat „vergräbt“, sondern nur oben darauf setzt. Sitzen sie zu tief,  können sie durch die andauernde Feuchtigkeit schnell faulen.

Wegen der feinen Wurzeln bekommt Gomesa radicans bei mir nur sehr salzarmes Wasser. Schwach aufgedüngtes Osmosewasser oder Regenwasser ist perfekt. Der Leitwert sollte im Sommer mit Dünger bei 150-200 Mikrosiemens liegen. Im Winter dünge ich das Wasser lediglich auf 50-80 Mikrosiemens auf, da durch die kurzen Tage mit wenig Licht der Stoffwechsel der Pflanzen sehr stark herunterfährt und dadurch nur wenige Nährstoffe benötigt werden. Auf Dauer sollte aber nicht mit purem Osmosewasser gegossen werden, weswegen es auch im Winter etwas aufgedüngt oder mit Leitungswasser verschnitten wird. Regenwasser kann auch pur verwendet werden, da es je nach Region einen Leitwert von 30-80 Mikrosiemens hat.

Der Lichtbedarf dieser kleinen Naturform ist nicht sehr hoch. Sie kann im Sommer auch etwas entfernt vom Fenster stehen und auch im Winter sollte langanhaltende, direkte Sonneneinstrahlung vermieden werden. Kurzfristig verträgt sie es aber gut. Da die Pflanzen am Naturstandort epiphytisch auf immergrünen Bäumen wachsen, sind sie Schatten gewohnt und benötigen daher nicht viel Licht. Auch ein Nordfenster eignet sich gut für Gomesa radicans, wenn es dort nicht zu kühl ist.

Durch die kleinen filigranen Blüten mit ihrem lieblichen Duft ist Gomesa radicans eine sehr interessante und pflegeleichte Art, die bei guter Kultur zu einem richtigen Busch heranwachsen kann, der uns den ganzen Sommer über bis weit in den Herbst hinein mit unzähligen Blüten erfreut. Viel Erfolg bei der Kultur!

Autor: Thomas LEHMANN

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Gomesa radicans ‚Eisenheim‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Gomesa radicans ‚Deggendorf‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Gomesa radicans ‚Juli‘ bekam in diesem Zustand Gold auf Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Gomesa radicans ‚Juli‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

KW 49, 2018

Angraecum viguieri

Alles lesen Orchidee der Woche 49, 2018

Angraecum viguieri

Angreacum viguieri (Foto: Fabian KULKA)

Erstbeschreibung und Autor

Die Art Angraecum viguieri Schltr. wurde 1922 von dem deutschen Botaniker Friedrich Richard Rudolf SCHLECHTER (1872-1925) in “Repertorium Specierum Novarum Regni Vegetabilis“ 18: 326 (1922) beschrieben und dem französischen Botaniker René VIGUIER (1880-1931) gewidmet. 2013 wurde das homotypische Synonym Rudolfangraecum viguieri (Schltr.) Szlach., Mytnik & Grochocka in “Biodiversity: Research and Conservation“ 29: 22 (2013) beschrieben.

 

Angraecum viguieri ‚Herlyn‘ mit Silbermedaille auf Kultur ausgezeichnet (Foto: D.O.G.-Archiv)

Habitat und Vorkommen

Angraecum viguieri kommt endemisch auf Madagaskar vor. Als Standorte werden das zentrale und das östliche Madagaskar angegeben. Der überlieferte Fundort für das Typusexemplar der Erstbeschreibung ist der Analamazaotra-Wald im östlichen Hochland Madagaskars. Die Region wird mittlerweile als Nationalpark geführt. Angcm. viguieri wächst epiphytisch in etwa 900 Metern über Küstenniveau an zum Teil vollsonnigen Plätzen. In den Regionen gibt es mitunter Regen- und Trockenzeiten, die Luftfeuchtigkeit liegt dennoch ganzjährig konstant um 80%. Die Blütezeit wird für den Naturstandort im November angegeben.

 

Beschreibung von Habitus und Blüte

Die Pflanze wächst relativ streng aufrecht und gewinnt dadurch mit zunehmendem Alter an Länge. Dennoch kann Angraecum viguieri laut manchen Quellen bereits mit geringer Höhe von etwa 10-15 cm blühen. Mit zunehmender Größe können sich bei der Art auch Seitentriebe am Hauptspross entwickeln, die ebenfalls Blüten bilden können. Der Umfang des Sprosses beträgt ca. 2,5-3 cm und die Blätter erreichen bei ausgewachsenen Exemplaren eine Länge von etwa 17-20 cm sowie eine Breite von etwa 1-1,5 cm. Die Blätter sind linealisch (bzw. werden von der Basis zur Spitze leicht schmaler) geformt und trotz ihrer geringen Dicke von eher steifer, fester Struktur. Die Wurzeln erscheinen hauptsächlich an der Basis der Sprossachse. Ihre Oberflächenstruktur ist unverkennbar warzig. Zusätzlich weisen die Wurzeln eine ungewöhnliche Orangefärbung auf, was insbesondere an den aktiven Wurzelspitzen zu beobachten ist. Mit ihrem aufrechten Wuchs und den schmalen Blättern sowie der wenig umfangreichen Sprossachse beansprucht die Pflanze nicht viel Platz.

 

Die Infloreszenzen entstehen in den Blattachseln und werden ca. 4 cm lang, bevor an ihnen eine einzelne Knospe gebildet wird. Vor dem Öffnen resupiniert die Blüte, das heißt sie dreht sich um 180 °, sodass die Lippe danach nach unten zeigt und für den Beobachter “richtig herum steht“. Die Blüte kann mit ca. 14 cm Breite (von Petalumsspitze zu Petalumsspitze) und etwa 16 cm Höhe (von der Spitze des dorsalen Sepalums bis zur Spitze eines lateralen Sepalums) eine beachtliche Größe erreichen. Der Sporn wird ca. 10 cm lang. Anders als bei den meisten Arten der Gattung Angraecum sind die Blüten bei Angcm. viguieri nicht weiß, sondern farbig. Der Farbton liegt dabei vorwiegend zwischen einem Orange, Orangebraun oder zum Teil auch einem bronzefarbenen Einschlag. Vereinzelt kann bei Blüten im Internet auch ein leichter Grünstich beobachtet werden. Gegen Abend duften die Blüten. Ihre Haltbarkeit beläuft sich auf etwa zwei Wochen.

Die Wurzeln sind sehr uneben, fast warzenartig besetzt (Foto: Fabian KULKA)

Eigene bisherige Kulturerfahrungen

Anfangs musste ich bei dieser Art feststellen, dass sie relativ empfindlich auf Störungen reagiert. Denn obwohl ich zumindest eine Pflanze als bereits blühstark bekommen hatte, dauerte es noch einige Jahre, bis sie dann auch erneut zur Blüte kam. Vermutlich hing diese lange Phase ohne Blüten auch damit zusammen, dass ich die beiden Pflanzen zu Beginn wiederholt umgetopft habe. Dies hatte seinen Grund: Von anderen Besitzern dieser Art hatte ich gehört und gelesen, dass sie eine eher feuchte Kultur bevorzugt. Da ich jedoch bis jetzt nicht mit Substraten wie Sphagnum zurechtkam, verwendete ich zu Beginn feines Rindensubstrat kombiniert mit zu großen Töpfen, um Feuchtigkeit länger halten zu können. Bei einem wöchentlichen Tauchrhythmus blieb das Substrat auch gut feucht. Da mir die sehr eingeschränkte Haltbarkeit von feinem Rindensubstrat bei sehr feuchter Kultur bekannt war, holte ich die Pflanzen nach einiger Zeit wieder aus den Töpfen, um mit Erleichterung festzustellen, dass das Wurzelwachstum durchaus positiv vorangeschritten war. Dennoch wollte ich kein Risiko eingehen und nahm nun anstelle der feinen Rinde das mineralische Substrat Akadama, welches beispielsweise auch bei der Kultur von Bonsai Verwendung findet. Dieses kühlt weniger stark aus als Lava, ist dafür jedoch auch nicht so strukturstabil. Jedoch stehen meine beiden Pflanzen mittlerweile schon ein paar Jahre in diesem Substrat und sind nun beide im zeitigen Frühjahr 2018 erstmalig bei mir zur Blüte gekommen. Demnach schien die Abwägung diesbezüglich nicht ganz verkehrt gewesen zu sein. Ob daraus auch auf weitere Sicht ein Erfolg wird, bleibt aber vorerst abzuwarten.

 

Die Kultur erfolgt auf einer Fensterbank, die nach Südwesten ausgerichtet ist. Die Pflanzen dort werden je nach Wetterlage etwa von April bis September/Oktober schattiert. Die Temperaturen steigen dennoch im Sommer auf teils über 30°C am Tag an. Im Winter wird das Zimmer tagsüber auf normale Zimmertemperatur geheizt. Temperierte bis warme Bedingungen scheinen Angraecum viguieri demnach zu gefallen. Eine Ruhephase bezüglich der Wässerung bekommen die Pflanzen nicht. Einmal wöchentlich wird Regenwasser in den Untersetzer nachgefüllt. Die Düngung erfolgt eher sporadisch, da ich beobachtet habe, dass einige afrikanische Arten eher empfindlich auf zu viel Dünger zu reagieren scheinen. Außerdem könnten zu hohe Düngergaben zu einer Versalzung des Substrates führen, da das Wasser nur von unten angestaut wird und Salze kaum wieder ausgeschwemmt werden. Vielleicht könnte man mit regelmäßigerer Düngung jedoch das Wachstum etwas verbessern, da die Art bisher eher langsam wächst. Wie bereits weiter oben erwähnt sind die Pflanzen im Frühjahr zur Blüte gekommen. Ob dies jedes Jahr so sein wird, wird sich zeigen. Es gibt bislang jedoch keine Anzeichen dafür, dass Angcm. viguieri mehr als einmal im Jahr Blüten ausbildet.

Autor: Fabian KULKA

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Angraecum viguieri ‚Fredensborg‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Angraecum viguieri ‚Herlyn‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Fabian KULKA)

 

KW 48, 2018

Oncidesa Hwuluduen Chameleon

Alles lesen Orchidee der Woche 48, 2018

Oncidesa Hwuluduen Chameleon

Foto: Thomas LEHMANN
Oncidium fuscatum – eine der drei beteiligten Naturformen (Foto: D.O.G.-Archiv)

Diese Kreuzung wurde von Fu Lai CHANG, dem Besitzer der taiwanesischen Orchideengärtnerei Hwuluduen Orchids, bei der Royal Horticultural Society (RHS) angemeldet und dort am 06.03.2006 in das Register eintragen. Die Gärtnerei hat ihren Sitz in Taichung /Taiwan und ist weltweit bekannt für ihre außergewöhnlichen und unzähligen Hybriden aus der Gattung Oncidium. Oncidesa Hwuluduen Chameleon ist eine Hybride aus Oncidium Pupukea Sunset und Gomesa echinata. Oncidium Pupukea Sunset wiederum ist eine Hybride aus Onc. cheirophorum und Onc. fuscatum. Es sind also insgesamt drei Naturformen an Oncidesa Hwuluduen Chameleon beteiligt:

  • 50% Gomesa echinata
  • 25% Oncidium cheirophorum 
  • 25% Oncidium fuscatum

Gomesa echinata, auch unter dem Synonym Baptistonia echinata bekannt, ist ein kleinbleibender Epiphyt aus dem östlichen Brasilien, der immerfeuchte Regenwälder in Höhenlagen von 50 – 1200 Metern über dem Meeresspiegel besiedelt. Das Klima an den Standorten reicht von heiß bis temperiert. Blütezeit ist im Winter.

Oncidium cheirophorum findet man von Nicaragua bis Kolumbien in deutlich höheren Lagen (1000 – 2500 Metern)  und somit unter kühleren Bedingungen (kühl bis kalt) als Gomesa echinata. Die Art wächst ebenfalls in immerfeuchten Regenwäldern und ist sehr häufig der vollen Sonne ausgesetzt. Blütezeit ist im Herbst und Winter. Die unzähligen Blüten duften und haben eine wachsartige Textur.

Oncidium fuscatum, besser bekannt unter ihrem Synonym Miltonia warszewiczii, ist in Panama und Peru heimisch. Sie zählt zu den großen Oncidien und wächst ebenfalls epiphytisch in immerfeuchten Regenwäldern in sehr unterschiedlichen Höhenlagen. Aus diesem Grund variieren die Temperaturbereiche der Standorte auch von heiß bis kühl. Oncidium fuscatum trägt ebenfalls eine reiche Blütenpracht aus duftenden und wachsartigen Blüten. Die Blütezeit ist im Frühling.

Gomesa echinata – eine weitere beteiligte Naturform (Foto: D.O.G.-Archiv)

Wie alle drei Naturformen, die an Oncidesa Hwuluduen Chameleon beteiligt sind, hat auch die Hybride ca. 7 cm große Pseudobulben, auf denen jeweils ein einzelnes Blatt sitzt, das ca. 25 cm lang ist. Die Blätter sind leicht gekielt und weich. Sie wirken matt und sind dunkelgrün. Die Pseudobulbe ist an beiden Seiten von einem wesentlich kleineren Blatt umhüllt. Zwischen der Pseudobulbe und dem kleinen Blatt entspringt im Herbst oder Winter die Infloreszenz, die aufrecht wächst und sich vielfach verzweigt. Die Blütentriebe werden ca. 35- 45 cm hoch und tragen unzählige Blüten in gelb-rotbraun. Die Farbintensität und Aufteilung der Gelb- und Rotbrauntöne kann von Pflanze zu Pflanze variieren. Die meisten Individuen haben den Duft der beiden Oncidien geerbt. Die Blüten halten über viele Wochen, ehe sie verwelken.

Die Kultur dieser Hybride ist recht unkompliziert. Da alle beteiligten Elternteile den kühlen Temperaturbereich als Schnittpunkt haben, kultiviere ich meine Pflanze im kühl-temperierten Bereich. Den Sommer über steht sie gerne, vor Mittagssonne geschützt, im Freien. Im Winter steht sie an einem kühlen Westfenster, an dem die Sonne ab 14 Uhr ungehindert auf die Pflanze fällt. Die nächtlichen Temperaturen fallen auf 10-12 Grad ab, je nach Außentemperatur. Tagsüber können die Temperaturen aber auch auf 25 Grad und höher steigen, wenn die Sonne scheint. Gerade diese Nachtabsenkung scheint sie sehr zu mögen. Öfters liest man auch, dass sie die Nachtabsenkung benötigt, um die Blüte zu induzieren. Ich hab es nie ohne Nachtabsenkung ausprobiert. Ob diese also wirklich zwingend nötig ist, kann ich nicht sagen.

Oncidium cheirophorum – die dritte Naturform die an der Hybride beteiligt ist (Foto: D.O.G.-Archiv)

Als Substrat verwende ich ein Gemisch aus verschiedenen mineralischen Komponenten. Bims, Akadama, Lava und Kies in der Körnung von 2 – 10 mm. Gröber sollte es nicht sein. Der Topf steht immer in einer kleinen Pfütze Wasser, welches vom Pflanzstoff gleichmäßig nach oben gezogen wird. Dadurch entsteht im Topf eine gleichmäßige Feuchte ohne zu viel Nässe. Sobald das Wasser aus der Schale aufgesogen ist, fülle ich wieder etwas Wasser nach. Nach Ausreifen der Pseudobulben lasse ich auch das Substrat etwas antrocknen, aber nicht ganz durchtrocknen. Diese halbtrockene Phase regt ebenfalls die Blüteninduktion an.  Natürlich sind auch andere Substrate möglich. Oft werden die Pflanzen in feiner Rinde oder Kokosfasern kultiviert. Wichtig ist, dass der Pflanzstoff die Feuchtigkeit gut hält und nicht zu schnell abtrocknet. Er darf aber auch nicht zu nass sein, besonders nicht über längere Zeit und bei kühleren Temperaturen im Winter. Es kann sonst sehr schnell zur Fäulnis kommen. Die Pseudobulben sollten in jedem Fall über dem Substrat liegen und nicht zu tief in dieses gesteckt werden. Es könnte sonst ebenfalls dazu kommen, dass die Pseudobulben anfangen zu faulen.

Gegossen wird mit aufgedüngtem Wasser. Ich bevorzuge über den Sommer lieber die amerikanische Düngemethode, das heißt bei jedem Gießen ein bisschen Dünger und nur gelegentlich mal mit klarem Wasser spülen. Dafür dünge ich das Wasser auf einen Leitwert von ca. 200 – 250 Mikrosiemens auf. Die andere – europäische – Methode wäre, nur alle 4 Wochen zu düngen mit einem höheren Leitwert und dazwischen immer nur mit klarem Wasser zu gießen. Welche Methode man nutzt, muss jeder selbst entscheiden. Im Winter dünge ich, wie schon oft erwähnt, gar nicht. Der Stoffwechsel fährt während der dunklen Jahreszeit deutlich herunter und die Pflanze kommt mit den im Substrat angreicherten Mineralstoffen aus. Wer im Winter mit künstlicher Beleuchtung arbeitet, kann auch dann normal weiter düngen, da in dem Fall der Stoffwechsel der Pflanze weiter aktiv ist.

Durch ihre zahlreichen und lang haltenden Blüten ist Oncidesa Hwuluduen Chameleon ein echter Hingucker in der dunklen und kalten Jahreszeit. Der Duft ist zwar nicht raumfüllend, aber sehr angenehm. Eine wirklich unkomplizierte Hybride, die auch für Anfänger gut geeignet ist. Viel Erfolg beim Kultivieren.

Autor: Thomas LEHMANN

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Oncidesa Hwuluduen Chameleon (Foto: Thomas LEHMANN)
Oncidesa Hwuluduen Chameleon (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Knospen der Oncidesa Hwuluduen Chameleon sind schon sehr farbenprächtig (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Infloreszenzen bilden richtige Blütentrauben (Foto: Thomas LEHMANN)
Leider öffneten sich die Blüten meiner zwei Infloreszenzen nacheinander und nicht zeitgleich (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 47, 2018

Ludisia discolor

Alles lesen Orchidee der Woche 47, 2018

Ludisia discolor

Ludisia discolor (Foto: Thomas LEHMANN)

Bereits 1818 beschrieb der britische Botaniker John Bellenden Ker GAWLER diese Art ersmalig als Goodyera discolor in „Botanical Register“. Der französische Arzt und Botaniker Achille RICHARD, der von seinem Vater Louis Claude Marie RICHARD schon während der Kindheit an die Botanik herangeführt wurde, erwähnte die Art im Jahr 1825 als Ludisia discolor in einem der 17. Bände von „Dictionnaire Classique d’Histoire Naturelle“. Allerdings blieb es bei dieser Erwähnung und es folgte keine genaue Beschreibung, weshalb die Überführung in die Gattung Ludisia durch A. RICHARD nicht offiziell anerkannt wurde. Fälschlicherweise wird RICHARD aber im „International Plant Name Index“ (kurz: IPNI) als Autor der Art Ludisia discolor angegeben. Die Übersetzung des Originaltextes lautet in etwa:

Die „Standardfarbe“ der Blätter (Foto: Thomas LEHMANN)

„Eine weitere Pflanze wurde kürzlich in England unter dem Namen Goodyera discolor beschrieben, aber sie scheint uns nicht zu dieser Gattung zu gehören. Sie unterscheidet sich vor allem durch ihre nicht konkave Lippe, bietet aber an ihrem Grund einen kleinen zweilappigen Beutel. Ihre Pollen sind zwei gestielte Massen ohne Drüsen. Wir glauben, dass diese Art eine neue Art bildet, die wir unter dem Namen Ludisia beschreiben werden.“

Für eine korrekte Umkombination hätte Achilles RlCHARD die Quelle angeben müssen, wo und von wem Goodyera discolor beschrieben wurde. Außerdem schreibt er ja selbst „wir werden beschreiben“, also im Futur. Die angekündigte Beschreibung wurde bis dato aber noch nicht gefunden. Die korrekte, anerkannte Überführung in die Gattung Ludisia stammt vom deutsch-niederländischen Botaniker Carl Ludwig Ritter von BLUME. In „Flora Javae nec non insularium adjacentiu“  erkennt er zum einen den neuen Gattungsnamen an und nennt dazu die korrekte Quelle. Zum anderen gibt er auch bei der korrekten Umkombination in die Gattung Ludisia John Bellenden Ker GAWLER als Autor der Erstbeschreibung von Goodyera discolor an. Veröffentlicht wurde die korrekte Umkombination im Jahr 1859. Es gab seitdem einige weiterer Umkombinationen, die sich allerdings allesamt nicht durchsetzten. Ludisia discolor ist bis heute der offiziell anerkannte Name. 

Das Verbreitungsgebiet von Ludisia discolor erstreckt sich von China über Myanmar, Laos, Thailand und Kambodscha bis nach Vietnam, Malaysia, Sumatra und Borneo. Sie kommt dort meist terrestrisch, gelegentlich auch  lithophytisch in der Nähe von Flüssen und Bächen in Höhenlagen von 70 – 1100 Metern unter warmen bis heißen Bedingungen vor. Die Standorte sind umgeben von immergrünen, feuchten Auwäldern und dadurch sehr schattig und ganzjährig feucht.

Die hellere Blattfarbe, die oft als var. alba verkauft wird (Foto: Thomas LEHMANN)

Die einzelnen Triebe dieser sympodialen Orchidee haben fleischige Stiele, die sowohl aufrecht als auch hängend wachsen und sich teilweise sogar verdrehen. An den Stielen bilden sich im Abstand von 0,5 – 1 cm wechselständige Blätter. Diese sind rosettenartig angelegt, meist dunkelgrün mit roten Adern durchzogen, wirken fast samtartig und fühlen sich auch so an. Selten findet man Pflanzen, deren Blätter hellgrün und mit weißen Adern durchzogen sind. Diese werden dann meist als Ludisia discolor „var. alba“ angeboten, allerdings ist dies keine offiziell beschriebene Varietät. Aufgrund der sehr dekorativen Blätter werden sie auch gerne „Jewel Orchid“ oder „Juwel-Orchidee“ genannt, da sie selbst ohne Blütenstände sehr ansprechend aussehen. Die Blätter sind tropfenförmig und werden bis zu 8 cm lang und ca. 4 cm breit. An jedem Stiel bilden sich etwa 5-8 Blätter aus, bevor sich die endständige Infloreszenz  entwickelt und den Triebwuchs damit beendet. Die Blütentriebe wachsen aufrecht und können bis zu 30 cm lang werden. Jede Infloreszenz trägt eine Vielzahl von kleinen weißen Blüten mit einer leuchtend gelben Säule. Die Blüten sind 1 -1,5 cm breit und nur 0,5 – 1 cm hoch. Sie duften nicht, halten sich dafür aber über mehrere Wochen. Hauptblütezeit ist im späten Herbst bis in den Winter, gelegentlich blüht die Art auch zu anderen Jahreszeiten.

Ludisia discolor lässt sich wunderbar an einem Nordfenster oder auch etwas weiter im Raum kultivieren, da sie wirklich nicht viel Licht braucht. Ein Zuviel an Licht erkennt man daran, dass die Blätter ihr sattes Grün verlieren und leicht rötlich werden. Direktes Sonnenlicht sollte zu jeder Jahres- und Tageszeit vermieden werden.

Da die Art meist terrestrisch wächst, nutze ich richtige Blumenerde als Planzstoff, allerdings nicht pur. Ich mische etwas feine Rinde und Perlite darunter, damit das Substrat locker und luftig bleibt. Die helle Variation, die ich vor einiger Zeit als Steckling bekam, habe ich in reinem, lebendem Sphagnum-Moos getopft. Auch eine rein mineralische Kultur sollte möglich sein, da manche Pflanzen am Naturstandort litophytisch wachsen. Wichtig ist nur, dass das Substrat möglichst nicht völlig austrocknet. Dann wirft die Pflanze erst ihre Blätter ab, bevor der ganze Trieb eintrocknet und abstirbt. Alte blattlose und abgeblühte Triebe sollten nicht abgeschnitten werden, da aus ihnen neue Triebe wachsen können. Bricht man versehentlich mal einen Teil eines Triebs ab, lässt sich dieser problemlos bewurzeln. Einfach direkt in Substrat oder Moos stecken und immer feucht halten. Innerhalb kurzer Zeit bekommt der Steckling Wurzeln und bildet Neutriebe.

Gegossen oder getaucht wird sehr regelmäßig. Im Sommer dünge ich bei jedem Wässern mit einem Leitwert von ungefähr 200-250 Mikrosiemens. Im Winter dünge ich gar nicht. Die Nährstoffe, die sich den Sommer über im Substrat angereichtert haben genügen in der lichtarmen Jahrezeit, um die Pflanze ausreichend zu versorgen.

Die Erstblüte meines kleinen Stecklings der helleren Blattvariation (Foto: Thomas LEHMANN)

Ludisia discolor liebt es warm, eine ideale Orchidee also für beheizte Räume im Winter. Auch mit etwas niedrigerer Luftfeuchtigkeit kommt sie meiner Erfahrung nach gut zurecht. Nächtliche Temperaturen sollten nicht weit unter 15 Grad fallen, besser sind Temperaturen darüber. Ich pflege meine Pflanzen ganzjährig drinnen. Man kann die Pflanzen aber den Sommer über auch an einem schattigen Platz im Freien halten, wenn sie früh genug wieder ins Haus geholt werden, bevor die Temperaturen im Spätsommer/Herbst wieder fallen.

Eine wirklich anspruchslose Orchidee, die mit ihren schön gezeichneten Blättern alle Blicke auf sich zieht – auch ohne Blüten. Besonders im Spätherbst und Winter wird sie oft in gut sortierten Gartencentern angeboten. Wer also noch keine hat, aber gerne eine hätte, sollte in den nächsten Monaten die Augen offen halten! Viel Spaß beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Die Infloreszenen wachsen aufrecht nach oben und es kommen ständig neue Knospen nach (Foto: Thomas LEHMANN)
Nahaufnahme einer Infloreszenz (Foto: Thomas LEHMANN)
Nahaufnahme der kleinen Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Nahaufnahme der kleinen Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)

KW 46, 2018

Maxillaria lineolata

Alles lesen Orchidee der Woche 46, 2018

Maxillaria lineolata

Synonom: Mormolyca ringens 

Maxillaria lineolata – häufig noch unter Mormolyca ringens angeboten (Foto: Thomas LEHMANN)

Im Jahre 1850 wurde die Art vom österreichischen Botaniker Eduard FENZL in „Denkschriften der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften“ erstmalig als Mormolyca lineolata beschrieben. Der deutsche Botaniker Friedrich Richard Rudolf SCHLECHTER beschrieb die gleiche Art 1914 in seinem Buch „Die Orchideen ihre Beschreibung, Kultur und Züchtung…“ als Mormolyca ringens. Ihren heute gültigen Namen Maxillaria lineolata erhielt sie 2015 von Eduardo Antonio MOLINARI-NOVOA, der sie in „Richardiana“ in die Gattung Maxillaria überführte. Mittlerweile zählen sämtliche Arten der Gattung Mormolyca zu Maxillaria, womit keineswegs alle Fachleute und Taxonomen einverstanden sind. Ihren ursprünglichen Namen Mormolyca lineolata verwendet man heute nicht mehr. Allerdings wird sie sehr häufig als Mormolyca ringens angeboten.

Ein etwas dunklerer Klon (Foto: Dr. Norbert BAUMBACH)

Maxillaria lineolata ist von Mexiko über Belize, Guatemala, El Salvador und Honduras bis Nicaragua und Costa Rica verbreitet. Sie kommt dort epiphytisch in feuchten Nebelwäldern in Höhenlagen vom Meeresspiegel bis 1400 Metern vor. Wegen der großen Höhenunterschiede wächst diese Art sowohl unter recht kühlen als auch warmen, teilweise sogar wirklich heißen Bedingungen. Niederschlag erhält sie ganzjährig, ihr Habitat trocknet niemals aus. Die Pflanzen sind klein bis mittelgroß und bilden schmale Pseudobulben aus, die ca. 2-3 cm breit und 4-5 cm hoch sind. Auf den Pseudobulben sitzt ein einzelnes festes Blatt, das 7-10 cm lang ist und abgerundete Spitzen hat. Die Infloreszenzen tragen immer nur eine Blüte und entspringen an der Basis der Pseudobulbe. Bei guter Kultur entstehen das ganze Frühjahr und den Sommer über immer wieder neue Blütentriebe. Die Blüten sind 2-3 cm hoch und nur 0,5-1 cm breit. Die Petalen und das dorsale Sepalum sind steil nach oben gerichtet. Die lateralen Sepalen zeigen genau in die andere Richtung und strecken sich steil nach unten. Die Blütenfarbe ist gelbgrundig mit rötlich brauner Zeichnung, die aderartig verläuft.

Getopft ist meine Maxillaria lineolata in feinere Rinde mit Perliten. In diesem Substrat habe ich sie vor ungefähr einem Jahr erhalten und komme gut damit zurecht, auch wenn diese Mischung in den heißen Sommermonaten etwas stärker abtrocknet. Die Pflanze scheint keine Probleme damit zu haben, kurzfristig etwas trockener zu strehen. Komplett durchgetrocknet ist der Topf aber niemals. Eine gewisse Grundfeuchtigkeit war immer gegeben. Für nächstes Frühjahr habe ich mir vorgenommen, die Pflanze in mineralisches Substrat zu topfen, da ich damit bei anderen Maxillarien schon gute Erfahrungen gemacht habe und der Zeitaufwand geringer ist. In Rinde getopfte Pflanzen muss man regelmäßig tauchen. Im Sommer kann das auch alle 3-4 Tage notwendig sein, wenn der Pflanzstoff durch die Hitze schneller austrocknet. Bei der mineralischen Kultur kann man den Topf in eine mit Wasser gefüllte Schale stellen und muss lediglich das Wasser auffüllen, wenn es vom Pflanzstoff komplett aufgesogen wurde. Ein weiterer Vorteil von Lava, Akadama und Co. ist, dass sie sich nicht zersetzten und nur neu getopft werden muss, wenn der Topf zu klein wird.

Foto: Dr. Norbert BAUMBACH

Das Gießwasser habe ich den Sommer über stets auf einen Leitwert von 200-250 Mikrosiemens aufgedüngt. Im Winter gibt es keinen Dünger, da die im Substrat angereicherten Nährstoffe ausreichen, um die Plfanze in der lichtarmen Zeit zu ernähren. Wer im Winter mit künstlicher Zusatzbeleuchtung arbeitet, kann natürlich weiterhin düngen, da der Stoffwechsel der Pflanze dann nicht herunterfährt. Bei mineralischer Kultur, bei der der Topf stets im Wasser steht, sollte darauf geachtet werden, dass eingegossenes Wasser nicht länger als 3-5 Tage in der Schale stehen bleibt, damit das Wasser nicht verkeimt und so die Pflanze infiziert. Wenn das Wasser nach 5 Tagen nicht verbraucht wurde, würde ich den Rest wegschütten, einen Tag trocknen lassen und danach wieder auffüllen. Allerdings dann etwas weniger Wasser als beim letzten Gießen, damit es nicht wieder so lange stehen bleibt.

Der Lichtbedarf von Maxillaria lineolata ist nicht so hoch, da sie epiphytisch auf immergrünen Bäumen wächst, deren Laub die Pflanzen stets vor zu starker Sonneneinstrahlung schützen. Die aufgehende Morgensonne oder untergehende Abendsonne wird aber vertragen. Meine Pflanze steht an einem hellen Ostfenster mit Morgensonne. Den Rest des Tages steht der Topf im Schatten. Es scheint ihr dort zu gefallen, da sie seit dem Frühjahr ununterbrochen blüht und ständig neue Infloreszenzen bildet. Im Sommer ist ein Aufenthalt im Freien möglich, aber kein Muss. Ich hatte sie das ganze Jahr im Wohnraum.

Aufgrund ihres Verbreitungsgebietes kann Maxillaria lineolata in fast allen Temperaturbereichen kultiviert werden, nur nicht allzu kalt. So sollten die nächtlichen Werte 8-10 Grad nicht unterschreiten. Ich kultiviere sie allerdings warm, da ich in diesem Bereich einfach den meisten Platz habe. Nachts gehen die Temperaturen auf 15-18 Grad zurück. Tagsüber steigen sie bei starkem Sonnenschein gelgentlich auch im Winter über 30 Grad, die durchschnittliche Tagestemperatur liegt aber bei 24-25 Grad.

Durch ihre besondere Blütenform ist Maxillaria lineolata ein kleines Highlight in meiner Orchideensammlung, das ich alleine wegen der Blühfreudigkeit nicht mehr missen möchte. Auch die Tatsache, dass sie gut auf der Fensterbank kultiviert werden kann, macht sie für Orchideen-Liebhaber sehr interessant. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Meine Pflanze, die jetzt gerade eine Blühpause macht – nach Monaten mal wieder (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht (Foto: Thomas LEHMANN)
Foto: Dr. Norbert BAUMBACH

KW 45, 2018

Phragmipedium Eric Young

Alles lesen Orchidee der Woche 45, 2018

Phragmipedium Eric Young

Phragmipedium Eric Young ‚Mike‘ BM/DOG (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium Eric Young wurde von der “Eric Young Orchid Foundation“ zu Ehren ihres Gründers benannt und am 31.10.1991 bei der Royal Horticultural Society (RHS) registriert. Der erfolgreiche Geschäftsmann hatte bereits in seiner Jugend Orchideen gesammelt, die aber während des zweiten Weltkriegs verlorengingen. Nach seiner Übersiedlung auf die englische Kanalinsel Jersey 1947 begann er erneut mit dem Aufbau einer Orchideensammlung, die mittlerweile zur weltgrößten und wichtigsten geworden ist. Als Eric YOUNG 1984 starb, vermachte er Sammlung und Vermögen der “Eric Young Orchid Foundation“. Hauptzweck der Stiftung ist die Zucht erstklassiger Orchideen für Ausstellungen und Wettbewerbe sowie die Unterstützung von Hobbyzüchtern. Zur Foundation gehört auch eine große Bibliothek.

Da es sich bei Phragmipedium Eric Young um eine Primärhybride handelt, sind die beiden Elternteile Phrag. besseae und Phrag. longifolium mit jeweils 50% am Genpool beteiligt.

Phragmipedium besseae (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium besseae wurde erst im Jahr 1981 entdeckt und erstmalig beschrieben. Heimisch ist die Art in Peru und Ecuador, wo sie terrestrisch, meist in der Nähe von Flüssen und Bächen wächst. Das Klima am Standort bietet ganzjährig sehr konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad. Niederschläge gibt es ebenfalls während des ganzen Jahres. Von März bis September sind diese sogar sehr häufig und regelmäßig.

Phragmipedium longifolium (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium longifolium wurde bereits 1896 beschrieben und kommt in Costa Rica, Panama, Kolumbien, Ecuador und im brasilianischen Bundesstaat Goiás vor. Auch diese Art siedelt oft in der Nähe von Gewässern, wo ihre Wurzeln teilweise bis ins Flussbett wachsen, sodass sie immer von Wasser umspült werden. In dem großen Verbreitungsgebiet variiert das Klima etwas. Die nächtlichen Temperaturen können in manchen Gebieten unter 10 Grad fallen, während die Tagestemperaturen über die 30 Grad-Marke steigen können.

Beide Naturformen sind in ihren Ansprüchen recht unkompliziert, daher ist die Kultur von Phrag. Eric Young ebenfalls nicht sonderlich schwierig. Die Pflanzen können allerdings recht ausladend werden, weswegen sie nach ein paar Jahren guter Pflege auf der Fensterbank oft nur noch schwer Platz finden.

Da beide Elternteile in sehr feuchten bis nassen Gebieten wachsen, kann Phragmipdium Eric Young gut mit nassem Fuß kultiviert werden. Meine Pflanze steht in einer Schale, die immer mit etwas Wasser gefüllt wird, sobald sie ausgetrocknet ist. Zwischenzeitliches Austrocknen verhindert eine Verkeimung des Wassers, wodurch sich die Pflanze infizieren könnte. Das Substrat selbst sollte aber nicht komplett durchtrocknen. Phragmipedien haben den Ruf sehr salzempfindlich zu sein, was für einige Naturformen auch durchaus zutreffend ist. Ich habe in den letzten 10 Jahren Phragmipedium-Kultur aber die Erfahrung gemacht, dass viele Hybriden gar nicht so empfindlich auf gelöste Salze im Wasser reagieren. Mein Phrag. Eric Young bekommt in den warmen und hellen Sommermonaten teilweise aufgedüngtes Wasser, das einen Leitwert von 350 – 400 Mikrosiemens hat. Im Winter dünge ich allerdings nicht. Da gibt es klares Quellwasser mit wenig gelösten Salzen. Ab März steigere ich die Düngergaben langsam, bis sie im Juli/August ihren Höhepunkt erreichen. Danach wird langsam wieder weniger gedüngt. Ab Oktober dann gar nicht mehr. Den Sommer über lagern sich genügend Düngerreste im Substrat an, die die Pflanze im Winter mit Nährstoffen versorgen.

Phragmipedium Eric Young ‚Mike‘ – im letzten Jahr war die Blüte etwas heller und weniger gerüscht (Foto: Thomas LEHMANN)

Mein Standard-Pflanzstoff für Phragmipedium besteht aus einer Mischung mit Rindenanteil, Perliten, Bimskies und Holzkohle. Rinde hat den Nachteil, dass sie sich durch die ständige Feuchtigkeit recht schnell zersetzt. Allerdings werden bei diesem Zersetzungsprozess auch Nährstoffe frei. Nach zwei bis drei Jahren sollte dann aber neu getopft werden, bevor sich das Substrat zu sehr verdichtet und die Wurzeln faulen. Perlite gebe ich mit dazu, weil sie einerseits das Substrat luftig machen und andererseits gut Wasser speichern können. Bimskies gibt etwas Kalk ab und hat ebenfalls die Fähigkeit, Wasser zu speichern und weiterzuleiten. Um in dem feuchten Substrat für etwas trockenere Stellen zu sorgen, nutze ich die Holzkohle, die sich nicht mit Wasser vollsaugt und dadurch trockener bleibt. Die Körnung aller Bestandteile sollte nicht zu fein, aber auch nicht zu grob sein, je nach Topfgröße Körnungen von 5 bis 18 mm. Auch in rein mineralischen Substraten, in Sphagnum-Moos oder Steinwollwürfeln fühlt sich Phragmipedium Eric Young wohl. Ich habe schon einiges ausprobiert und die Erfahrung gemacht, dass es nur wichtig ist, dass viel Wasser vom Substrat aufgenommen und gehalten werden kann.

Phragmipedien mögen es hell, aber keine direkte Mittagssonne. Sonnenschein am Morgen oder Abend wird aber gut vertragen, wenn er nicht zu lange auf die Blätter brennt. Werden diese gelblich, muss unbedingt schattiert oder die Pflanze umgestellt werden. Nachts können die Temperaturen auf 10 Grad fallen, müssen sie aber nicht. Phragmipedium Eric Young wächst sehr gut bei normalen Zimmertemperaturen – auch in beheizten Räumen mit etwas trockener Luft, wenn regelmäßig gelüftet wird. Bei zu wenig Frischluft oder Luftbewegung können sich Pilze bilden, die die Pflanze sehr schwächen und im Extremfall auch töten können, wenn nicht mit einem Pilzmittel behandelt wird.

Alles in allem ist Phragmipedium Eric Young ein wirklich unkomplizierter und sehr blühwilliger Frauenschuh, der in Farbe und Form etwas variieren kann, aber in jeder Ausprägung seinen Reiz hat. Die Blühdauer erstreckt sich meist über mehrere Monate, da er ständig neue Knospen hervorbringt, noch bevor die aktuelle Blüte verwelkt ist.

Autor: Thomas LEHMANN

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Seitenansicht von Phragmipedium Eric Young (Foto: Thomas LEHMANN)
Ebenfalls die Blüte vom letzten Jahr (Foto: Thomas LEHMANN)
Phragmipedium Eric Young ‚Mike‘ mit seiner Bronzemedaille, die er im Oktober in Esslingen bekam (Foto: Thomas LEHMANN)

 

 

KW 44, 2018

Pleione maculata

Alles lesen Orchidee der Woche 44, 2018

Pleione maculata

Pleione maculata ‚Regenbogen‘ SM/DOG (Foto: Thomas LEHMANN)

Der englische Botaniker John LINDLEY,  der als erster eine Klassifizierung von Orchideen erstellte, beschrieb die Art  im Jahr 1830 in „Genera and Species of Orchidaceous Plants“ als Coelogyne maculata. 1851/52 überführte er sie zusammen mit seinem Kollegen Sir Joseph PAXTON in „Paxton’s Flower Garden“ in die Gattung Pleione. PAXTON war ebenfalls Botaniker und Mitglied der Royal Horticultural Society, außerdem Autor, Architekt, Gesellschafter und Politiker.

Heimisch ist Pleione maculata in China, Indien, Nepal, Laos, Myanmar, sowie Thailand, Vietnam und im östlichen Himalaya. Sie wächst dort sowohl epiphytisch als auch terrestrisch in Nebelwäldern auf Höhen von 600-2000 Metern über dem Meeresspiegel. Diese Naturform blüht – anders als die meisten Pleionen – im Herbst, direkt nachdem das Laub abgeworfen wurde. Die Temperaturen variieren zwar etwas, je nach Standort in dem großen Verbreitungsgebiet, bis in Gefrierpunktnähe fallen sie aber nicht, auch wenn in diversen Quellen angegeben ist, dass Pleione maculata eine kühl bis kalt zu kultivierende Orchidee ist. Anders als häufiger kultivierte Pleionen hat Pln. maculata keine ausgeprägte Ruhezeit. An den Standorten wird es im Winter zwar etwas trockener und kühler, aber es ist niemals ganz trocken und eisig. Die meisten Standorte liegen eher in schattigen Bereichen ohne Mittagssonne im Sommer. Im Winter fällt durch die tiefstehende Sonne und die teilweise laubabwerfenden Bäume etwas mehr Licht auf die Pflanzen.

Der Farbstrich auf der Petale wirkt wie mit dem Pinsel aufgetragen (Foto: Thomas LEHMANN)

Der Wachstumszyklus beginnt im Herbst nach der Blüte. Im unteren Bereich der alten Pseudobulben wachsen 1-3 Neutriebe heran, die anfangs durch die Pseudobulbe und deren Wurzeln versorgt werden. Nachdem der Neutrieb eine bestimmte Größe erreicht hat, fängt auch dieser an Wurzeln zu bilden, um sich selbst versorgen zu können. Über den Winter, das Frühjahr und den Sommer bilden die Neutriebe dann ihre Pseudobulben aus, die im Herbst ihr Laub abwerfen und direkt Blütentriebe entwickeln, aus denen dann die nächsten Pseudobulben heranwachsen. Jede Pseudobulbe besitzt zwei längliche Blätter, die ca. 15-20 cm lang werden und gewellt sind. Die Pseudobulben sind nicht gleichmäßig rund, sondern haben wellenartige Verdickungen und sind schwach gemustert. Nach dem Abwerfen der Blätter im Herbst verbleibt ein trockenes netzartiges Gewebe über der Pseudobulbe. Die Blütentriebe sind sehr kurz und tragen 1-2 Blüten, deren Grundfarbe weiß ist. Das Labellum ist in verschiedenen Violett-, Rot-, Gelb- und Orangetönen gefärbt, die ineinander verlaufen.

Da Pleione maculata terrestrisch wächst, sollte sie in Pflanzstoff getopft werden, der sehr gut Wasser aufnimmt und nicht zu schnell abtrocknet. Besonders in der warmen Jahreszeit sollte die Pflanze niemals austrocknen und immer gut feucht sein. Im Winter je nach Temperatur aber etwas trockener. Da die Art keine richtige Winterruhe durchmacht wie die im Frühjahr blühenden Pleionen, sollte sie auch im Winter nicht komplett trocken stehen. Meine Pflanze ist noch in einer Mischung aus normaler Blumenerde mit Torfanteil, feiner Rinde und Perlite getopft. Ich hatte sie damals so bekommen und bisher noch nicht neu getopft. Läuft auch ganz gut, muss ich sagen. Ich werde sie aber demnächst, wenn neue Wurzeln kommen, in Sphagnum-Moos topfen wie meine anderen Pleionen. Wichtig beim Topfen ist auch noch, dass die Pseudobulben auf das Substrat gelegt und nicht eingegraben werden, da sie sonst faulen könnten.

Eine kleine Gruppe Pleione maculata – gesehen auf der Orchideenbörse in Esslingen (Foto: Thomas LEHMANN)

Den Sommer über steht meine Pleione maculata schattiert im Freien. Wenn die nächtlichen Temperaturen dauerhaft unter 10 Grad fallen, hole ich sie nach innen in einen kühlen, nicht beheizten Raum, in dem sie den Winter verbringt. Die Temperaturen fallen dort nachts auf 10-14 Grad ab – je nach Außentemperatur. Die untergehende Abendsonne scheint in dieser Zeit unschattiert auf die Pflanze, wodurch tagsüber das Thermometer auch mal auf 25 Grad und mehr steigt. In verschiedenen Quellen habe ich gelesen, dass Pln. maculata kalt, bei 3-5 Grad, überwintert werden sollte. Das halte ich aber für ausgeschlossen, wenn ich mir das Verbreitungsgebiet und das dazugehörige Klima anschaue. Ich habe es nicht kühler probiert, habe es aber auch nicht vor, da ich Pln. maculata ja temperiert zum Blühen gebracht habe.

Gewässert wird regelmäßig mit klarem Wasser, welches ich im Sommer auf 150-250 Mikrosiemens aufdünge. Im Hochsommer gelegentlich auch mal etwas höher. Im Winter wird deutlich weniger gegossen und im Höchstfall auf 100-150 Mikrosiemens aufgedüngt, aber erst, wenn die Neutriebe genug eigene Wurzeln gebildet haben. Komplett trocken lasse ich sie auch im Winter nicht stehen, da die Art ja keine strenge Ruhezeit hat wie zum Beispiel Pleione formosana. Von November bis Februar darf das Substrat gut antrocknen, bevor wieder gewässert wird. Im Sommer tauche ich den Topf alle paar Tage, im Winter wird lediglich durchdringend gegossen.

Obwohl meine kleine Pleione maculata noch recht jung ist, hat sie schon eine sehr schön geformte Blüte, die auch eine gute Haltung hat. Die Färbung gefiel mir ebenfalls so gut, dass ich sie diesen Oktober zu meiner ersten Tischbewertung mit nach Esslingen nahm. Auch die Bewerter der Deutschen Orchideen-Gesellschaft waren überzeugt von ihr und zeichneten sie mit einer Silbermedaille aus. Wegen ihrer bunten Lippe, die mich irgendwie an einen Regenbogen erinnert, gab ich ihr den Kultivarnamen ‚Regenbogen‘.

Die Blütenfarbe mit der bunten Lippe ist ein echter Hingucker im trüben Herbst! Besonders, wenn sich nach einigen Jahren erfolgreicher Kultur viele Blüten gleichzeitig öffnen! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Meine Pleione maculata ‚Regenbogen‘ mit ihrer Silbermedaille (Foto: Thomas LEHMANN)
In der Seitenansicht sieht man gut die netzartige Umhüllung der Bulbe und den wellenförmigen Wuchs (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Blick in das Labellum (Foto: Thomas LEHMANN)
Detailansicht des Labellums mit seinen wurmartigen Fortsätzen (Foto: Thomas LEHMANN)
Gruppenfoto mehrerer Blüten (Foto: Thomas LEHMANN)
Meine kleine Pleione braucht noch ein paar Jahre, bis sie so viele Blüten bilden wird (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 43, 2018

Seidenanda Ucho

Alles lesen Orchidee der Woche 43, 2018

Seidenanda Ucho

Seidenanda Ucho (Foto: Thomas LEHMANN)

Diese kleinbleibende Hybride aus Seidenfadenia mitrata und Vanda falcata wurde im Jahr 1984 von S. ICHIJYO bei der RHS (Royal Horticultural Society) zur Registrierung angemeldet. Als Züchter wurde dort K. NAKATANI angegeben. Über beide Personen, die vermutlich aus Japan stammen, konnte ich leider keine weiteren Informationen finden. Der ursprüngliche Gattungsname bei der Registrierung lautete Aeridofinetia, da beide Elternteile im Jahr 1984 noch anderen Gattungen zugeschrieben wurden. Seidenfadenia mitrata wurde damals noch unter dem Namen Aerides mitrata geführt. Der offiziell anerkannte Name von Vanda falcata war zu dieser Zeit noch Neofinetia falcata. Mittlerweile gelten beide damaligen Namen als Synonym.

Seidenfadenia mitrata – ein Elternteil von Seidenanda Ucho (Foto: D.O.G.-Archv)

Seidenfadenia mitrata ist ein monopodial wachsender Epiphyt aus  Myanmar und Thailand, der Höhen von 100-800 Metern über dem Meeresspiegel bei warmen bis heißen Temperaturen besiedelt. Der kurze Stamm trägt wechselständige, sehr schmale, stark gekielte und bis zu 25 cm lange Blätter, die eher nach unten hängen. Die Infloreszenz erscheint meist im Frühjahr und ist mit ihrer Länge von höchstens 15 cm deutlich kürzer als die Blätter. Jeder aufrecht wachsende Blütentrieb trägt ca. 10-15 süßlich duftende Blüten, deren Grundfarbe weiß ist. Das Labellum ist immer in einem hellen Violettton gefärbt.

Vanda falcata – der andere Elternteil (Foto: Thomas LEHMANN)

Vanda falcata kommt in Japan, Korea und den Ryūkyū-Inseln unter eher kühlen bis hin zu kalten Temperaturen vor. Sie wächst auf laubwerfenden Bäumen, d. h. im Sommer unter sehr schattigen und im Winter unter voll sonnigen Bedingungen. Der kurze Stamm trägt ebenfalls wechselständige Blätter, die kurz und sehr fest sind und eine Länge von 5-15 cm erreichen. Die Blütentriebe erscheinen meist im Sommer und können bis zu 10 cm lang werden. Die Blütenanzahl ist sehr unterschiedlich, meistens  zwischen zwei und zehn pro Infloreszenz. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Blüten von Vanda falcata im natürlichen Habitat immer weiß gefärbt und duften in den Abendstunden stark nach Jasmin.

Die Hybride Seidenanda Ucho sieht vom Laub her sehr nach Seidenfadenia mitrata aus. Die Blätter sind ca. 20 cm lang, sehr schmal und stark gekielt. Sie wachsen nur schwach aufrecht und hängen dann über. Bei den Blüten vereinen sich die guten Merkmale von beiden Elternteilen. Die Blütenform ähnelt sehr stark den Blüten von Vanda falcata. Die Blütenfarbe hat diese Hybride von Seidenfadenia mitrata geerebt, reinweiße Grundfarbe mit violetter Lippe. Duft konnte ich bei meiner Snn. Ucho leider keinen feststellen, was mich sehr verwundert, da beide Elternteile duftende Blüten hervorbringen. Vielleicht habe ich zu falschen Tageszeiten geschnuppert oder es lag daran, dass es die Erstblüte war. Vielleicht duftet sie beim nächsten Mal.

Getopft hab ich meine Seidenanda Ucho in reiner Pinienrinde, die auch nicht zu fein sein sollte. Als Epiphyt sollten die Wurzeln möglichst schnell abtrocknen können, damit sie nicht zu faulen beginnen. Ich benutze ja grundsätzlich transparente Töpfe, um sowohl die Feuchtigkeit im Topf wie auch das Wurzelwachstum besser beobachten zu können. Bei dieser Hybride ist ein transparenter Topf  auch noch aus einem anderen Grund zu empfehlen. Die Wurzeln sind, wie bei den meisten Epiphyten, in der Lage Photosynthese zu betreiben. Dazu brauchen sie aber auch Licht, was in transparenten Töpfen gewährleistet ist.

Meine Seidenanda Ucho hatte bei ihrer Erstblüte drei Blüten an der Infloreszenz (Foto: Thomas LEHMANN)

Anstatt zu gießen, tauche ich Seidenanda Ucho alle paar Tage, je nachdem wie schnell der Pflanzstoff austrocknet. Sobald ich kein Kondenswasser mehr im Topf sehen kann und die Wurzeln alle silbrig sind, wird wieder getaucht. Braucht das Substrat deutlich länger als eine Woche zum Abtrocknen, ist es entweder zu fein oder hat sich bereits zersetzt und verdichtet. Dann sollte möglichst neu getopft werden, damit wieder genug Luft an die Wurzeln kommt und diese schnell abtrocknen können.

Mein Tauchwasser wird bei jedem Wässern schwach aufgedüngt, sodass es einen Leitwert von ungefähr 200-250 Mikrosiemens hat. Im Winter etwas weniger, im Hochsommer auch mal etwas mehr. Zwischendrin spüle ich das Substrat mit sehr salzarmem Wasser durch, um ein Versalzen zu vermeiden. Zu viele Düngerreste, die sich im Substrat ansammeln können, würden auf Dauer die Wurzeln verbrennen und eine Aufnahme von Wasser und Nährstoffen verhindern.

Beim Lichtangebot richte ich mich eher nach den Gegebenheiten am natürlichen Standort von Vanda falcata. Im Sommer steht sie schattig ohne direktes Sonnenlicht, aber dennoch hell. Im Winter darf das Sonnenlicht unschattiert auf Seidenanda Ucho fallen.

Bei den Temperaturen, besonders für die Zeit im Winter, war ich mir sehr unsicher, da Seidenfadenia mitrata ja warme bis heiße Temperaturen bevorzugt und Vanda falcata eher kühle bis kalte. Da der Habitus meiner Pflanze aber eher dem von Seidenfadenia mitrata gleicht, habe ich mich dazu entschieden sie im Winter eher warm zu kultuvieren. Die nächtlichen Temperaturen fallen dann nicht unter 15 Grad. Meistens liegen sie bei 17-19 Grad. Ob ihr das über Jahre hinweg gefällt, muss ich auch noch ausprobieren. Hier sollte man einfach sehr genau beobachten, ob der Pflanze die für sie ausgesuchten Temperaturen zusagen oder ob sie durch irgendwelche Anzeichen ihr Missfallen anzeigt. Meist sind Hybriden aus so unterschiedlichen Temperaturbereichen aber sehr unempflindlich und anspruchslos, was die Temperaturen angeht. Grundsätzlich gilt aber: je kühler, desto trockener halten. Kälte in Verbindung mit Nässe führt ganz schnell zu Wurzelfäulnis, wodurch die gesamte Pflanze eingehen könnte.

Eine, wie ich finde, sehr gelungene Hybride, die durch ihre kompakte Größe auch auf der Fensterbank Platz findet. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Blüte fängt an sich zu öffnen (Foto: Thomas LEHMANN)
Der gebogene Sporn ist ein echter Hingucker (Foto: Thomas LEHMANN)
Komplett gestreckt sieht man den Vanda falcata-Einfluss sehr stark (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)

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KW 42, 2018

Prosthechea cochleata

Alles lesen Orchidee der Woche 42, 2018

Prosthechea cochleata

Prosthechea cochleata (Foto: Thomas LEHMANN)

Der schwedische Botaniker, Physiker und Zoologe Carl LINNAEUS, der als Vater der modernen Taxonomie gilt, beschrieb diese außergewöhnliche Naturform bereits im Jahr 1763 als Epidendrum cochleatum in seinem zweibändigen Werk „Species Plantarum“ (lat.: Pflanzenarten), in dem er alle ihm bekannten Pflanzenarten beschrieb und erstmals für jede Pflanze einen zweiteiligen lateinischen Namen (Binomen) vergab. 1842 ordnete der deutsche Botaniker, Entomologe und Ornithologe Johann Centurius Graf von HOFFMANNSEGG die Art der Gattung Anacheilium zu. Bis ins Jahr 1961 blieb Anacheilium cochleatum der gültige Name. Robert Louis DRESSLER, ein US-amerikanischer Botaniker nahm im Jahr 1961 allerdings eine weitere Neuzuordnung vor und veröffentlichte dies in „Brittonia“. Er war der Meinung, dass diese Art zur Gattung Encyclia gehöre. Der offizielle Name ab 1961 lautete demnach Encyclia cochleata. Im Jahr 1997 bekam Prosthechea cochleata dann ihren bis heute anerkannten Namen vom US-amerikanischen Botaniker Wesley Erwin HIGGINS. Diese bisher letzte Umkombination wurde  im Jahr 1998 in „Phytologia“ publiziert. Alle aufgeführten Namen werden auch heute noch als Synonyme geführt und von einigen Züchtern verwendet.

Terrestrisch wachsende Prosthechea cochleata am Naturstandort in Guatemala (Foto: Werner BLAHSL)

Prosthechea cochleata hat ein riesiges Verbreitungsgebiet, das sich vom südlichen Teil Nordamerikas über weite Teile Südamerikas und zahllose Inseln im Atlantik und Pazifik erstreckt. Sie wächst dort sowohl epiphytisch, wie auch terrestrisch, in dicht bewachsenen, tropischen Laubwäldern, die immergrün und auch immer feucht sind. Finden lässt sich diese Naturform vom Meeresspiegel bis zu Höhen von 1900 Metern. Die Temperaturbedingungen in diesen sehr unterschiedlichen Lagen schwanken daher auch von kühl bis warm. Teilweise findet man Psh. cochleata in sehr schattigen, manchmal in sehr hellen, teilweise sonnigen Lagen. Gemein haben die Standorte, dass sie ganzjährig feucht sind mit regelmäßigen Niederschlägen.

Die „Tintenfisch-Orchidee“, wie sie oft genannt wird, bildet circa 6-10 cm hohe Pseudobulben aus, auf denen jeweils zwei Blätter sitzen. Jedes Blatt wird bis zu 20 cm lang. Zwischen den zwei Blättern entspringt, meist im Frühjar, eine Infloreszenz aus einer Blütenscheide, die über viele Monate hinweg blüht, da ständig neue Knospen gebildet werden. Meist sind aber mehrere Blüten zur gleichen Zeit geöffnet, da die einzelnen Blüten einge Wochen halten, ehe sie verwelken. Die Blüten sind nicht resupiniert, d. h. sie stehen quasi auf dem Kopf. Das violettfarbene Labellum zeigt nach oben und ist wie eine Muschel geformt. Die Petalen und Sepalen sind gelb und wachsen stark nach unten gerichtet wie die Tentakel eines Tintenfisches. Auf den gelben Petalen und Sepalen sind teilweise kleine violette Pünktchen, die unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Die Blüten duften nicht.

Vor ungefähr eineinhalb Jahren bekam ich von einer Freundin eine Rückbulbe von Prosthechea cochleata , die beim Umtopfen abgefallen war. Ein Neutrieb war bereits vorhanden, der auch schon schöne Wurzeln gebildet hatte. Die Pseudobulbe, die letztes Jahr gewachsen ist, bildete zwar schon eine Blütenscheide, eine Infloreszenz blieb aber noch aus. Dieses Jahr nun kam aus der neuen Pseudobulbe eine Blütenscheide, aus der auch ein Blütentrieb entsprang, der seit einigen Wochen eifrig blüht.

Ebenfalls in Guatemala ist Prosthechea cochleata auch epiphytisch zu finden (Foto: Werner BLAHSL)

Ich kultiviere Prosthechea cochleata in einer Mischung aus mineralischem Substrat: Bims, Akadama, Lava, Zeolith – alles was ich gerade da hatte. Der Topf steht immer in einer kleinen Schale, die mit Wasser gefüllt ist. Durch die Kapillarwirkung der Mineralien ist das Substrat stets feucht, aber nicht nass. Perfekte Bedingungen, wie es scheint, denn der Topf war innerhalb  von wenigen Wochen komplett durchwurzelt. Der große Vorteil von mineralischen Substraten ist, dass sie sich nicht zersetzten und somit nur neu getopft werden muss, wenn der Topf zu klein geworden ist und die Neutriebe über den Rand hinauswachsen würden. Das wird im Frühjar bei meiner Pflanze der Fall sein. Natürlich lässt sich Psh. cochleata auch in anderen Substraten erfolgreich kultivieren. Wichtig ist, dass sie stets feucht, aber nicht klatschnass ist.

Die Wasserqualität sollte nicht allzu salzhaltig sein, wobei die Pflanze schon etwas Dünger verträgt. Mein Wasser, mit dem ich die Schale immer auffülle, wenn sie leergesaugt ist, hat einen Leitwert von 200-300 Mikrosiemens. Im Winter weniger, da ich in dieser Zeit keinen Dünger gebe. Durch das geringe Lichtangebot im Winter fährt der Stoffwechsel der Pflanze herunter, wodurch sie weniger Nährstoffe verarbeiten kann. Wird in dieser Zeit zu viel gedüngt, verbleiben die Salze im Substrat, das dadurch versalzt und somit die doch recht feinen Wurzeln der „Tintenfischorchidee“ verbrennen würden. Wer im Winter mit künstlichem Licht arbeitet, kann natürlich auch dann etwas Dünger geben.

Da die Temperaturen an den verschiedenen Naturstandorten sehr variieren, ist Prosthechea cochleata hier nicht allzu anspruchsvoll. Ich kultiviere meine Pflanze im temperiert-warmen Bereich. Auch die große Hitze im Sommer hat ihr keinerlei Probleme bereitet, ich hatte sogar den Eindruck, dass ihr das sehr gutgetan hat. Wo andere Orchideen aus meinem Bestand das Wachstum für einige Wochen einstellten aufgrund der großen Hitze, kam sie so richtig in Fahrt und beendete das Wachstum der diesjährigen Pseudobulbe deutlich früher und zeigte direkt jetzt im Herbst schon ihren Blütentrieb. Auch im Winter steht sie bei mir im beheizten Orchideenzimmer, in dem die Temperaturen auch nachts nie unter 16 Grad fallen. Meistens liegen sie eher bei 17-18 Grad.

Direkte Mittagssonne bekommt meiner Pflanze nie, auch im Winter nicht. Die tiefstehende Abendsonne im Winter darf aber unschattiert auf sie fallen. Da dann die Tage deutlich kürzer sind, darf in der kurzen Zeit ruhig etwas mehr Licht aufgenommen werden. Die Blattfarbe ist saftig grün ohne Verbrennungen und ausgeblichene Stellen. Die winterliche Abendsonne  scheint ihr also gut zu gefallen.

Durch die fast außerirdisch anmutenden Blüten ist Prosthechea cochleata ein wirklicher Hingucker, der teilweise ein halbes Jahr und länger an einer Infloreszenz blüht. Eine wahre Bereicherung für jedes Fensterbrett – auf der sie durch die kompakte Größe auch gut Platz findet. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Besonderer Dank geht an Werner BLAHSL, der uns seine wunderbaren Fotos aus Guatemala zur Verfügung stellte! Danke!

Autor: Thomas LEHMANN

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Die erste Blüte einer Infloreszenz in Guatemala (Foto: Werner BLAHSL)
Hier sieht man schön, wie immer neue Knospen nachkommen (Foto: Werner BLAHSL)
Die nach oben gerichtete, muschelförmige Lippe im Detail (Foto: Thomas LEHMANN)
Im Vergleich zu den fotografierten Pflanzen aus Guatemala, hat meine Pflanze ein paar Punkte auf den Petalen und Sepalen (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht meiner frisch erblühten Prosthechea cochleata (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 41, 2018

Acianthera ochreata

Alles lesen Orchidee der Woche 41, 2018

Acianthera ochreata

Acianthera ochreata (Foto: Thomas LEHMANN)

Ursprünglich im Jahr 1835 von John LINDLEY als Pleurothallis ochreata beschrieben, überführten die beiden Botaniker Alec Melton PRIDGEON und Mark Wayne CHASE diese leuchtend orangefarbene Naturform in die Gattung Acianthera. Diese Umkombination veröffentlichten sie im Jahr 2001 in Lindleyana, dem wissenschaftlichen Journal der amerikanischen Orchideengesellschaft (American Orchid Society, kurz AOS). Im Jahr 1891 hatte der deutsche Botaniker Carl Ernst Otto KUNTZE die gleiche Pflanze unter dem Namen Humboltia ochreata beschrieben. Auch dieser Name gilt heute als Synonym für Acianthera ochreata.

Ein neuer Blütentrieb schiebt sich aus dem Blatt heraus (Foto: Thomas LEHMANN)

Beheimatet ist diese Naturform in Brasilien. Dort wurde sie bisher lediglich in 2 Bundesstaaten gefunden – Bahia und Minas Gerais – wo sie lithophytisch in steinigen Gegenden in Höhen von 800 – 1500 Metern über dem Meeresspiegel wächst . Die Tagestemperaturen liegen an allen Standorten zwischen 22 und 30 Grad ganzjährig. Die Temperaturen in der Nacht unterscheiden sich je nach Standort etwas. Sie liegen zwischen 12 Grad in höheren Lagen und 20 Grad in den Tälern. Niederschlag in Form von Regen gibt es zwar ganzjährig, allerdings sinkt die Anzahl der Regentage in den Wintermonaten, an manchen Standorten in den Frühlingsmonaten, stark. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

Acianthera ochreata bildet zylindrische Stiele, die ein sehr dickes und fleischiges Blatt tragen. Die Blätter sind stark gekielt und ca 10 cm lang. Zusammen mit dem Stiel erreichen die Pflanzen eine Höhe von ca. 15-20 cm. Die Infloreszenzen können zu jeder Zeit entstehen und entspringen am oberen Stielende. Sie wachsen auf dem Blatt entlang und hängen manchmal leicht seitlich über. Die Blütentriebe entwickeln sich immer weiter und bilden ständig neue Knospen aus. Meistens öffnen sich 3-5 Blüten gleichzeitig. Die Blüten sind lediglich 7-10 mm groß und sehen aus wie leicht geöffnete Schnäbel von Vögeln. Durch die orange Färbung wird dieser Eindruck noch verstärkt. Dank der sich immer wieder neu bildenden Knospen blüht jede Infloreszenz über viele Wochen und Monate hinweg. Die Blüten von Acia. ochreata duften nicht.

Acianthera ochreata bildet nacheinander Blüten an der Infloreszenz (Foto: Thomas LEHMANN)

Ich kultiviere Acianthera ochreata noch nicht so lange. Inzwischen entwickelt sich bei meiner Pflanze aber schon der zweite Blütentrieb innerhalb kurzer Zeit. Auch die zwei Infloreszenzen, die die Pflanze schon hatte, blühen noch immer. Demnach kann meine Kultur nicht ganz falsch sein. Im Moment ist die Pflanze noch in feiner und mittelgrober Rinde, gemischt mit etwas Perlite, getopft. Allerdings trocknet mir das etwas zu schnell ab, weswegen ich sie im Frühjar auf jeden Fall mineralisch topfen werden. Ich werde dafür Bimskies, Akadama und Lavagranulat in gleichen Teilen mischen. Da sie am Naturstandort lithophytisch in sehr felsigen und steinigen Gegenden wächst, müsste das auf jeden Fall das geeignetere Substrat sein. Im Winter lasse ich das Substrat gut antrocknen, bevor wieder gegossen wird. Von Frühjar bis in den Herbst halte ich das Substrat stets feucht und lasse es niemals trocken werden. Nach dem Umsetzen in mineralisches Substrat werde ich den Topf in einen Untersetzer stellen, in dem immer eine kleine Wasserpfütze stehen darf (1-2 cm).

Die Temperaturen im Sommer bei uns in Süddeutschland sind ähnlich denen am Naturstandort, teilweise übersteigen sie sie sogar, denn dort werden selten über 30 Grad erreicht. Ein Sommeraufenthalt im Freien  ist natürlich möglich, aber nicht zwingend notwendig. Acianthera ochreata scheint damit aber keine Probleme zu haben. Im Winter steht sie in meinem temperiert-warmen Orchideenzimmer mit nächtlichen Temperaturen von 15-19 Grad. Die Tagestemperaturen können bei starkem Sonnenschein auch im Winter mal über die 30 Grad-Marke klettern. Meist liegen sie aber zwischen 24 und 28 Grad. Acia. ochreata steht dort in 2. Reihe an einem sehr großen südseitigen Fenster, das im Sommer natürlich etwas schattiert wird. Kurzzeitig bekam meine Pflanze den Sommer über eher versehentlich direktes Sonnenlicht ab. Ich hatte aber den Eindruck, dass ihr das guttat, weswegen ich sie dann an einen Platz stellte, an dem sie am späten Nachmittag für ca. 1 1/2 Stunden der Sonne ausgesetzt war.

Von März bis Oktober wässere ich regelmäßig mit aufgedüngtem Wasser, welches einen Leitwert von ca. 200 – 250 Mikrosiemens hat. Da der Naturstandort sehr steinig ist, gebe ich auch immer etwas extra Calcium (Kalk) mit in das Gießwasser. Ich nutze dazu Hüttenkalk, da dieser ein kohlensaurer Kalk ist, der gut von der Pflanze verstoffwechselt werden kann. Im Winter dünge ich gar nicht, da durch die kurzen Tage der Stoffwechsel der Pflanze stark herunterfährt. Hierfür genügen die restlichen Salze, die sich den Sommer über im Substrat angereichtert haben. Wer im Winter mit zusätzlichem Licht in Form von Pflanzenlampen o. ä. arbeitet, kann natürlich auch im Winter weiter düngen, da der Stoffwechsel der Pflanze dann nicht so stark herunterfährt.

Acianthera ochreata scheint eine recht unkomplizierte Naturform zu sein, die zwar nicht durch große, duftende Blüten besticht, dafür aber durch ihre filigranen Blüten und der leuchtend orangen Färbung durchaus ihren Reiz hat! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Im direkten Vergleich mit meinem Zeigefinger sieht man, wie klein die Blüten sind (Foto: Thomas LEHMANN)
Die gesamte Pflanze Acianthera ochreata (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Blüten sehen aus wie kleine Schnäbel (Foto: Thomas LEHMANN)
Einsicht in die Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Manchaml wächst die Infloreszenz auf dem Blatt… (Foto: Thomas LEHMANN)
… und manchmal hängt sie über (Foto: Thomas LEHMANN)

 

 

KW 40, 2018

Coelogyne Orchideengarten Clara

Alles lesen Orchidee der Woche 40, 2018

Coelogyne Orchideengarten Clara

Coelogyne Orchideengarten Clara (Foto: Thomas LEHMANN)

Diese Hybride von Marei KARGE-LIPHARD wurde am 04. August 2015 bei der Royal Horticultural Society (RHS) registriert. Die Züchterin findet die Gattung Coelogyne im Allgemeinen sehr spannend und ist der Meinung, dass diese in Sammlerkreisen zu wenig beachtet wird. Deshalb versucht sie die besten Eigenschaften von verschiedenen Naturfomen in neuen Kreuzungen zu vereinen. Im Fall von Coelogyne Orchideengarten Clara kreuzte sie die Hybride Coel. Lentil Soup mit der Naturform Coel. xyrekes. Der Name, den sie Ihrer neuen Kreuzung gab, setzt sich zusammen aus dem Namen Ihrer Orchideengärtnerei in Dahlenburg (Orchideengarten) und dem Namen einer „ganz lieben Freundin“(Clara). Bereits beim ersten Kreuzungsversuch dieser beiden Coelogynen glückte die Bestäubung und eine Samenkapsel reifte heran. Von der Aussaat im Labor bis zur ersten Blüte vergingen insgesamt 4-5 Jahre – keine besonders lange Zeit für Coelogynen. An

Coelogyne xyrekes ‚Wasen‘ BM/DOG – der andere Elternteil von Coelogyne Orchideengarten Clara (Foto: D.O.G.-Archiv)
Ein Eltenteil ist Coelogyne Lentil Soup – hier der Klon ‚Dahlenburg‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

dieser Hybride sind 3 Naturformen beteiligt:

  • 50% Coelogyne xyrekes
  • 25% Coelogyne lentiginosa
  • 25% Coelogyne speciosa

Alle 3 Naturformen sind im  südlichen und südwestlichen asiatischen Raum auf Höhen von 500-2000 Metern über dem Meeresspiegel zu finden. Alle drei Arten duften, weswegen natürlich auch Coel. Orchideengarten Clara duftende Blüten geerbt hat. Vom Elternteil Coel. xyrekes hat sie die Eigenschaft, an den Infloreszenzen nacheinander mehrfach einzelne Blüten auszubilden („Revolverblüher“), wodurch eine sehr lange Blühzeit entsteht. Die kleinen Knospen erinnern mich ein wenig an Mäuse. Ihre kompakte Größe geht definitiv auf Coelogyne lentiginosa zurück. Von Coel. speciosa hat sie die Fähigkeit übernommen, das ganze Jahr über blühen zu können. Somit würde ich sagen, dass der Plan von Marei KARGE-LIPHARD voll aufging. Das Ergebnis ist eine Hybride, die kompakt wächst, duftet, lange und oft blüht und nicht schwer in der Kultur ist.

Coelogyne Orchideengarten Clara bildet ca. 5-6 cm große Pseudobulben aus, auf denen jeweils ein einzelnes ovales Blatt sitzt, das spitz zuläuft und bis zu 10 cm breit ist. Die Blätter sind ca. 20 cm lang. Eine Besonderheit dieser Hybride ist, dass die Blätter an den Unterseiten rötlich gefärbt sind. Die fast fadenartigen Infloreszenzen entspringen dem Blattansatz und hängen meist seitlich neben dem Blatt herunter. Manchmal liegen sie auch auf dem Blatt auf. Die Blüten sind ca. 4 cm groß und zartgelb gefärbt. Die Petalen und Sepalen sind transluzent, das heißt durchscheinend. Bei bestimmten Lichtverhältnissen hat man das Gefühl, sie bestünden aus gefärbtem Glas. Die Lippe ist in der Mitte dunkelrot und verläuft zur Mitte hin in ein helleres Rot, zum Rand hin ist sie gelblich gefärbt.

Die Kultur dieser Coelogyne-Hybride ist sehr einfach. Da sie es gerne temperiert bis warm hat, ist sie bestens für die Kultur auf der Fensterbank geeignet. Meine Pflanze steht ganzjährig im Wohnzimmer am Westfenster, welches ich im Sommer leicht schattiere. Im Winter verträgt sie auch direkte Sonne sehr gut. Durch das helle Licht wird der charakteristische Rotton auf der Unterseite der Blätter etwas intensiver. Im Winter fällt die Temperatur niemals unter 16 Grad, meistens sind es mindestens 18 Grad.  An Wintertagen heizt sich der Raum bei Sonnenschein auch mal auf 28 Grad auf, da wir sehr viele, sehr große Fenster haben und vollkommen frei stehen. Kein Baum oder Nachbarhaus versperrt uns die Sicht auf die Sonne, auch nicht, wenn sie im Winter tiefer steht. Ideale Bedingungen für Coelogyne Orchideengarten Clara.

Die erste Blüte ist verwelkt und eine zweite Knospe schon in Arbeit – ein echter Dauerblüher (Foto: Thomas LEHMANN)

Im Gegensatz zu manchen Naturformen aus der Gattung braucht diese Hybride keine trockene Ruhephase bei kühlen Temperaturen. Sie wird ganzjährig durchkultiviert und will immer feuchte, aber nicht nasse Wurzeln. Wenn sie genug Wasser bekommt, wächst sie sehr gut und reichlich. Ich hatte sie anfangs etwas zu trocken gehalten in mittlerer Rinde, die recht schnell abgetrocknet ist. Da ich mit mineralischen Substraten sehr gut klarkomme, habe ich sie inzwischen in Lavagranulat (2-8 mm) getopft. Der Topf steht immer in einer kleinen Pfütze Wasser. Lavagranulat zieht die Feuchtigkeit durch Kapillarwirkung nach oben und somit trocknet der Pflanzstoff niemals ab. Dadurch wächst meine Coel. Orchideengarten Clara viel schneller und besser. Natürlich können auch andere Substrate verwendet werden, solange sie Feuchtigkeit gut halten und nicht zu schnell abtrocknen. In Sphagnum-Moos habe ich die Pflanze auch schon hervorragend kultiviert gesehen.

Wie ich im Grunde schon in jedem Beitrag zur Orchidee der Woche geschrieben habe, dünge ich im Winter gar nicht. Im Sommer bekommt sie dafür dauerhaft  auf ca. 250 Mikrosiemens aufgedüngtes Wasser in die Schale, in der der Topf steht. Zwischendurch gibt es dann nur destilliertes Wasser, da sich im Laufe der Zeit sowohl im Substrat als auch in der Schale Salze ablagern, die den Leitwert des Wassers erhöhen. Das entmineralisierte Wasser löst diese Salze wieder, sodass es auf Dauer nicht zu viel wird. Bei zu vielen angereicherten Salzen verklebt das Velamen der Wurzeln und diese sterben ab.

Natürlich mögen Coelogynen, wie die meisten Orchideen, gerne eine hohe Luftfeuchtigkeit um sich herum. Das Fenster, an der meine Coelogyne Orchideengarten Clara steht, ist aber besonders im Winter eher von trockener Heizungsluft umgeben. Die Pflanze scheint damit gut klarzukommen und nicht so empfindlich darauf zu reagieren wie manch andere Orchidee.

Eine ausgesprochen pflegeleichte und unkomplizierte Coelogyne, die wirklich oft und sehr lange blüht, ohne dass man viel dafür tun muss. Nicht nur für Coelogyne-Sammler sollte diese Hybride ein Muss sein, da sie einfach Spaß macht! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Um sich die Größe der Blüte besser vorstellen zu können, hab ich sie mal in die Hand genommen (Foto: Thomas LEHMANN)
Noch eine Frontansicht, mit Blick auf die Blutrote Lippe (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht von Coelogyne Orchideengarten Clara (Foto: Thomas LEHMANN)
Und noch eine Seitenansicht der filigranen Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)

KW 39, 2018

Psychopsis Mariposa

Alles lesen Orchidee der Woche 39, 2018

Psychopsis Mariposa

Foto: Thomas LEHMANN

Diese Hybride wurde von „Ruben in Orchids“, einer Orchideengärtnerei in Miami/USA, bei der Royal Horticultural Society (RHS) angemeldet und dort am 01. November 1972 registriert. Sie ist eine Kreuzung aus der Naturform Psychopsis papilio und der Primärhybride Psychopsis Kalihi. Somit sind 50% aller Psychopsis-Naturformen in den Genen von Psychopsis Mariposa vertreten – es gibt nur 4 bekannte Arten innerhalb dieser Gattung, die früher zu den Oncidien gezählt und erst in den Jahren 1975 von Henry Gordon JONES (Pyp. krameriana, Pyp. papilio) und 1982 von Emil LÜCKEL und Guido Jozef BRAEM (Pyp. sanderae, Pyp. versteegiana), in die Gattung Psychopsis überführt wurden. Die Gattung Psychopsis war schon 1838 von Constantine Samuel RAFINESQUE aufgestellt und erst 1975 von H. G. JONES wiederbelebt worden, also nachdem Oncidium Mariposa registriert wurde. Somit änderte sich auch der Gattungsname der Hybride. Ihre Gene teilen sich wie folgt auf:

  • 75% Psychopsis papilio
  • 25% Psychopsis krameriana

Alle Psychopsis-Arten sind in Südamerika heimisch. Sie wachsen dort im Flachland und in tiefen Bergwäldern auf Höhen bis 1300 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturen an den Naturstandorten sind immer sehr warm bis heiß. Es gibt ganzjährig Niederschläge und immer eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit mit viel Luftbewegung.

Psychopsis Mariposa ‚3 Lips‘ – ein mutierter Klon, der anstatt einer Lippe gleich 3 ausbildet (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Pflanzen bilden kleine, ca. 4-5 cm große Pseudobulben aus, an denen jeweils ein einzelnes sehr festes, meist aufrecht stehendes Blatt wächst. Die Blätter werden ca. 25 cm lang und 6-7 cm breit. Sie sind leicht gekielt und mattgrün. An der Unterseite der Bulbe entspringt die Inflorezenz, die bis zu 120 cm lang werden kann und über viele Jahre hinweg blüht. Manchmal pausieren die Blütentriebe für eine kurze Zeit, bevor wieder eine neue Knospe entsteht. Oft wird die neue Knospe aber schon gebildet, wenn die aktuelle Blüte noch im Saft steht. Meistens ist nur eine einzlene Blüte offen. Gelegentlich kommt es aber vor, dass 2 Blüten gleichzeitig an der gleichen Infloreszenz blühen. Diese Eigenschaft mit 2 geöffneten Blüten kommt von Psychopsis krameriana und wird mal mehr, mal weniger vererbt bei der Hybridisierung. Solange die Blütentriebe nicht eintrocknen, sollten sie nicht abgeschnitten werden, da sie, auch wenn die Spitze schon eingetrocknet ist, jederzeit Seitentriebe an ruhenden Nodien entwickeln können, um dort noch einmal für Monate oder Jahre zu blühen. Eine wirklich einmalige und faszinierende Eigenschaft. Die Blüten haben keinen Duft. Sie sind entweder rot-gelb gefärbt oder in 2 verschiedenen Gelbtönen gehalten. Mehr Variation gibt es nicht, da auch die Naturformen nur diese beiden Moglichkeiten bieten. Sie sind bis zu 15 cm hoch (!). Je wärmer die Kultur, desto größer werden die Blüten.

Psychopsis Mariposa ‚Green Valley‘ (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Kultur von Psychopsis Mairposa ist recht unkompliziert, wenn man ganzjährig für hohe Temperaturen sorgen kann. Eine warme bis wirklich heiße Kultur ist das A und O. Besonders an den Wurzeln reagieren Psychopsis besonders empfindlich. Wenn diese zu kalt werden oder mit zu kaltem Wasser gegossen werden, sterben sie ab. Im Winter also nicht auf ein kaltes Stein- oder Marmorfensterbrett stellen, auch wenn darunter eine Heizung läuft. Das lässt sich auch ganz leicht testen. Einfach mal im Winter abends die Hand auf ein Fensterbrett aus Stein oder Marmor legen. Es ist richtig eisig. Psychopsis Mariposa steht daher bei mir auf dem Holztisch in meiner Orchideengalerie, in der es ohnehin sehr sehr warm wird im Winter. An sonnigen Wintertagen herrschen dort ganz schnell über 30 Grad, da sich auf der Südseite eine komplette Glasfront befindet, die bei Sonnenschein den ganzen Raum aufheizt. Auch vom beheizten Wohnzimmer darunter steigt die Heizungsluft natürlich nach oben und sammelt sich dort, weswegen das Thermometer auch an bewölkten Wintertagen mindestens 25 Grad zeigt. Nachts kühlt es auf 18-20 Grad ab, je nach Außentemperatur. Kühler als diese 18 Grad sollten auf Dauer nicht geboten werden. Psychopsis mag es wirklich heiß. Im Sommer wird das Südfenster natürlich etwas schattiert, im Winter bekommt sie volle Sonne.

Nachdem ich viele verschiedene Substrate ausprobiert habe, bin ich schließlich bei mineralischem Substrat gelandet, da es sich gut dauerfeucht halten lässt, ohne dass es zu nass an den Bulben wird. Besonders die Neutriebe sind sehr empfindlich, wenn sie zu lange zu nass sind und es dann doch mal etwas zu kühl ist (da reicht dann schon ein kalter Luftzug in Verbindung mit Nässe). Ich weiß nicht, wie viele Neutriebe mir in den ersten Jahren abgefault sind – es waren unzählige. Ich halte Psychopsis Mariposa in einer Mischung aus Lavagranulat, Akadama, Bimskies, Kanuma und Perliten, alles nicht gröber als 8-10 mm und nicht feiner als 2 mm. Der Topf steht immer in einer Pfütze salzarmen Wassers, das einen Leitwert von ca. 150 Mikrosiemens hat. Auch ein Dochtsystem mit darunterliegendem Wasserreservoir hat sich für die Kultur von Psychopsis bestens bewährt. Solche Systeme gibt es fertig zu kaufen, oder man bastelt sich selbst eines. Natürlich können auch andere Pflanzstoffe verwendet werden. Wichtig ist, dass die Wurzeln niemals komplett austrocknen, auch wenn man im Inernet sehr oft liest, dass Psychopsis sehr sehr trocken gehalten werden müssen. Wenn man sich die natürlichen Standorte ansieht, merkt man schnell, dass es da nicht sonderlich trocken ist, auch wenn mal kein Regen fällt.

Bei zu geringer Luftfeuchtigkeit ist diese Gattung leider höchst anfällig für Spinnmilben. Auch dieses „Problem“ hat mich in den ersten Jahren so einige Psychopsis gekostet. Seit ich die Luftfeuchtigkeit durch einen Ultraschallvernebler deutlich erhöhen konnte, treten diese kleinen Biester wesentlich seltener  auf und wenn, dann lassen sie sich ganz gut bekämpfen, sofern man den Befall rechtzeitig bemerkt. Daher ist es wichtig, die Blattunterseiten regelmäßig zu kontrollieren. Wenn sich ein extrem matter, silbriger Schleier auf den Blattunterseiten bildet, ist es höchste Zeit zu handeln. Sehr gute Erfahrungen in der Bekämpfung von Spinnmilben an Psychopsis hab ich mit dem Wirkstoff Abamectin gemacht. Drei Behandlungen im Abstand von 7-10 Tagen und man ist die Plage los.

Eine wirklich beeindruckende Gattung, deren Blüten fast außerirdisch anmuten und ein wahrer Blickfang sind. Zumindest eine Psychopsis sollte einfach in jeder Orchideensammlung sein – wenn man die heißen Temperaturen bieten kann. Viel Spaß und Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Psychopsis Mariposa ‚Alwine‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Psychopsis Mariposa ‚Alwine‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Psychopsis Mariposa ‚Elli‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Psychopsis Mariposa ‚Strub‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

KW 38, 2018

Phragmipedium Memoria HR Giger

Alles lesen Orchidee der Woche 38, 2018

Phragmipedium Memoria HR Giger

Ein sehr heller, gestreifter Klon von Phrag. Mem. HR Giger (Foto: Thomas LEHMANN)

wurde am 01. Juli 2015 in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) aufgenommen. Ihr Züchter Hilmar BAUCH, deutscher Orchideenzüchter mit eigener Gärtnerei in Asendorf, hatte sie dort angemeldet und ehrte mit der Bennenung den Schweizer Oscarpreisträger Hans Rüdiger GIGER. Dieser war ein Allround-Künstler, der nicht nur Zeichnungen und Gemälde erschuf, sondern auch Möbel, Skulpturen und nicht zuletzt ganze Filmklassiker wie Alien, Species oder Dune. Für seine Mitwirkung in Alien bekam er 1980 einen Oscar in der Kategorie „Beste visuelle Effekte“ verliehen. Auch Plattencover und ein Computerspiel entstanden durch seinen kreativen Geist.

Phragmipedium Memoria HR Giger ist eine Kreuzung zweier bekannter Phragmipedium-Hybriden. Phrag. Jason Fischer wurde mit dem Pollen von Phrag. Sunset Glow bestäubt. Obwohl beides ja schon höhere Hybriden mit mehreren Zuchtgenerationen sind, stecken in Phrag. Mem. HR Giger lediglich drei verschiedene Naturformen aus dieser Gattung:

Phragmipedium besseae ist mit 62,5% in den Genen vertreten (Foto: Thomas LEHMANN)
Phragmipedium sargentianum gibt 25% in den Genpool (Foto: D.O.G.-Archiv)
Mit 12,5% ist Phragmipedium longifolium beteiligt (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Pflanzen variieren sowohl in der Größe als auch in Blütenform und -farbe. Die Blätter sind zwischen 15 und 35 cm lang und 3-4 cm breit. Sie sind leicht gekielt und fest. An den Enden laufen sie spitz zu. Einige Pflanzen wachsen sehr kompakt mit eher flachliegendem Laub, während andere fast aufrecht wachsende Blätter haben. Durch den hohen Anteil von Phrag. besseae neigen manche Pflanzen dieser Kreuzung zum Klettern. Andere wiederum machen das gar nicht. Wie schon erwähnt, ist diese Hybride sehr variabel. Die Blütenfarbe variiert in allen Rosatönen. Von zartem Altrosa bis hin zu kräftigem Neonrosa ist alles möglich. Ganz unifarben – oder mit zarten Streifen. Gemein haben die Blüten ihre Größe. Alle Blüten, die ich bisher gesehen habe, waren 6-8 cm breit und ca 4-6 cm hoch.

Auf dem Foto sieht man schön wie variabel auch die Pflanzengröße sein kann – beide Pflanzen sind blühfähig (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Kultur dieser Hybride ist äußerst unkompliziert. Phragmipedien lieben es sehr feucht bis richtig nass. Daher stehen sie am besten immer im Wasser. Um eine Verkeimung mit Bakterien zu vermeiden, lässt man den Untersetzer gelegentlich abtrocknen, ehe man ihn wieder mit Wasser befüllt. Die Gattung gilt im Allgemeinen ja als sehr salzempfindlich, was für die meisten Naturformen auch definitiv zutrifft. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass die höheren Hybriden Dünger wesentlich besser vertragen und manchmal auch benötigen, um gut zu wachsen. Da ich von Phragmipedium Mem. HR Giger mehrere Pflanzen habe, gab ich einer von Anfang an wesentlich mehr Dünger im Sommer als den anderen. Sie wuchs und wurzelte doppelt so schnell wie die Geschwisterpflanzen und kam schon sehr jung zur Erstblüte. Daraufhin bekamen natürlich alle Geschwisterpflanzen mehr Dünger. Deshalb hat das Gießwassser bei meinen höheren Hybriden zischen 350 und 450 Mikrosiemens im Hochsommer. Ich steigere ab März die Düngergaben langsam, beginnend bei ca. 200 Mikrosiemens. Aber: Das gilt wirklich nur für die sogenannten Multihybriden. Die meisten Naturformen würden solche Werte auf Dauer nicht vertragen! Im Herbst spüle ich dann den Topf einmal mit destilliertem Wasser durch, damit sich über die Jahre nicht zu viele Salze im Pflanzstoff anlagern. Im Winter dünge ich nicht.

Da ich von dieser Kreuzung mehrere Pflanzen besitze, habe ich vor 2 Jahren auch mit dem Substrat ein paar Versuche gestartet. Eine Pflanze ist in meinem Phragmipedium-Standart-Substrat getopft. Es besteht aus mittlerer und grober Rinde mit Perlite, Holzkohle und mineralischem Anteil (Bimskies, Akadama, manchmal auch Ton). Eine weitere Pflanze kultiviere ich in purem Akadama, ein Mineral aus der Bonsaikultur mit sehr guter Kapillarwirkung. Der große Vorteil von Akadama ist, dass es sich bei Temperaturen im Plusbereich nicht zersetzt. Daher muss auch nur dann neu getopft werden, wenn der Topf zu klein wird. Rinde zersetzt sich durch andauernde Nässe sehr schnell, deshalb sollte alles 2 Jahre neu getopft werden. Eine dritte Pflanze kultiviere ich in Steinwollwürfeln, ebenfalls pur. Auch diese haben eine gute Kapillarwirkung und zersetzen sich nicht so schnell wie Rinde. Nach 2 Jahren kann ich sagen, dass ich keinerlei Unterschied feststellen kann. Alle Pflanzen wachsen gut, machen immer neue Wurzeln und blühen regelmäßig. Scheinbar ist diese Kreuzung bei der Frage nach dem Pflanzstoff auch nicht sonderlich wählerisch. Hauptsache nass!

Kultiviert wird Phragmipedium Mem. HR Giger unter warmen Bedingungen. Im Sommer kann es auch gut draußen stehen, wenn es vor Mittagssonne geschützt ist. Im Winter fallen die nächtlichen Temperaturen nie unter 16 Grad, tagsüber liegen sie zwischen 25 und 30 Grad. Es geht aber auch kühler. In meiner alten Wohnung hatte ich im Winter tagsüber um die 22 Grad – auch hier war sie recht anspruchslos und unkompliziert. Phragmipedien mögen es gerne sehr hell, allerdings sollten sie im Sommer vor direkter Sonnenstrahlung geschützt werden, da die Blätter sonst sehr schnell verbrennen. Wenn die oberen Blätter gelblich werden, ist das meistens ein Zeichen von zu viel Sonne. Handelt man dann nicht sofort, hat man schnell einen Sonnenbrand auf den Blättern. Wenn die Neutriebe viel dünnere und längere Blätter haben als die Alttriebe, ist das ein Zeichen für zu wenig Licht, dann sollten sie etwas heller gestellt werden. Morgen- und Abendsonne wird im Sommer meist gut vertragen.

Die Luftfeuchtigkeit sollte um 60% liegen, wobei eine meiner Pflanzen dieser Kreuzung an einem Fenster steht, an dem es im Winter sehr trockene Heizungsluft gibt. In den letzten zwei Wintern gab es keine Probleme dadurch. Wichtig ist, besonders im Winter, für ausreichend Luftbewegung und Frischluft zu sorgen. Bei stehender Luft kann es zu Pilzbefall oder Bakteriosen kommen aufgrund der andauernden Feuchtigkeit. Gleiches gilt für zu kühle Temperaturen.

Alles in allem ein unkompliziertes Anfänger-Phragmipedium ohne große Eigenheiten und Empfindlichkeiten. Wer eine bestimmte Blütenfarbe möchte, sollte unbedingt blühend kaufen, da man sonst sehr schnell enttäuscht sein kann. Es ist echt Wahnsinn, wie variabel die Blüten sind. So, und nun ran an die Kultur. Viel Erfolg!

Autor: Thomas LEHMANN

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Ein wunderbar symmetrischer Klon (Foto: Thomas LEHMANN)
Auch diese Pflanze ist eher groß (Foto: Thomas LEHMANN)
Ein sehr intensiv gefärbter Klon von Phrag. Mem. HR Giger (Foto:Thomas LEHMANN)
Ein sehr intensiv gefärbter Klon von Phrag. Mem. HR Giger (Foto:Thomas LEHMANN)
Seitenansicht des intensiv gefärbten Klons (Foto: Thomas LEHMANN)
Sehr ähnlich geformt wie der dunkle Klon, aber deutlich heller gefärbt (Foto: Thomas LEHMANN)
Hell, gestreift und sehr kleine und kompakte Pflanze (Foto: Thomas LEHMANN)
Heller und gestreifter Klon – mein Favorit (Foto: Thomas LEHMANN)
Ein extrem heller Klon (Foto: Kasia NOWAK)
Ebenfalls ein heller Klon mit zarten Streifen, aber anders geformt (Foto: Kasia NOWAK)
Detailansicht des dunklen Klons (Foto: Thomas LEHMANN)

KW 37, 2018

Tolumnia Jairak Firm

Alles lesen Orchidee der Woche 37, 2018

Tolumnia Jairak Firm

Tolumnia Jairak Firm ‚Hickory‘ (Foto: Thomas LEHMANN)
Tolumnia triquetra ‚Widderchen‘ BM/DOG – zu 23,44% in den Genen von Tolumnia Jairak Firm vertreten (Foto: D.O.G.-Archiv)

Am 29. April 2013 registrierte der thailändische Orchideenzüchter Kanith SOMBOONPOL eine neue Hybride aus der Gattung Tolumnia. Er hatte die Hybride Tolumnia Rainbow mit der Hybride Tolumnia Plush gekreuzt und meldete das Ergebnis bei der Royal Horticultural Society (RHS) unter dem Namen Tolumnia Jairak Firm an, als die Pflanze erstmalig erblühte. Insgesamt sind an dieser Hybride folgende Arten aus der Gattung Tolumnia beteiligt:

  • 43,75% Tolumnia pulchella
  • 23,44% Tolumnia triquetra
  • 18,75% Tolumnia guianensis
  • 12,50% Tolumnia henekenii
  •   1,56% Tolumnia urophylla

Diese Naturformen sind allesamt in der Karibik heimisch. Auf Kuba, den Antillen und Bahamas sowie auf Jamaika und in Guyana wachsen diese kleinen Epiphyten alle unter warmen Bedingungen. Gelegentlich herrschen auch richtig heiße, selten kühle Temperaturen an den einzelnen Standorten. Tolumnia wächst immer unter sehr hellen Bedingungen. Manchmal findet man sie sogar an richtig sonnigen Standorten. Die Luftfeuchtigkeit ist immer hoch und es weht immer Wind.

Tolumnia Jairak Firm ist eine monopodial wachsende Orchidee, deren fächerartiger Spross ca. 3-5 cm lange Blätter ausbildet, die gegenständig wachsen. Sie sind fest und sehr stark gekielt. Durch die Vielzahl an Naturformen, die an dieser Kreuzung beteiligt sind, kann die Blütenfarbe stark variieren. Fast alle Farbnuancen sind möglich. Inzwischen gibt es einige Klone mit besonders schöner Farbzeichnung. Die Blüten sind 3-4 cm hoch und 2-3 cm breit. Die größte Fläche nimmt die Lippe ein, welche meist eine besondere Zeichnung hat und mehrfarbig ist. Die einzelnen Blütenblätter sind manchmal leicht gerüscht, können aber auch ganz glatt sein. Wie schon erwähnt, ist durch die zahlreiche Beteiligung unterschiedlicher Naturformen fast alles möglich.

Tolumnia pulchella ‚Widderchen‘ SM/DOG – zu 43,75% in den Genen von Tolumnia Jairak Firm vertreten (Foto: D.O.G.-Archiv)

Die Kultur von Tolumnia ist nicht ganz unkompliziert. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich im Laufe der letzten zehn Jahre schon so einige zu Kompost verarbeitet habe. Das Wichtigste ist, die richtige Balance zwischen Feuchtigkeit und Trockenheit zu finden. Stehen sie zu feucht, dann faulen sie ganz schnell. Stehen sie zu trocken, sterben die Wurzeln ab und die Pflanze dehydriert. Aufgebundene Kultur in einem warmen Gewächshaus mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit und starker Luftzirkulation sollte nicht so problematisch sein. Zu Hause auf der Fensterbank ist es aber wirklich eine hohe Kunst, diese reizenden Miniaturen mit ihren imposanten Blüten am Leben zu erhalten. Nachdem so einige Kulturmethoden bei mir fehlgeschlagen sind, läuft es jetzt seit einem Jahr ganz gut und bisher zufriedenstellend. Ich hatte es früher ganz wurzelnackt probiert – in kleinen Tontöpfen, in Gläsern auf feuchtem Ton und in diversen anderen Gefäßen. Auf Dauer sind sie mir immer vetrocknet, zuerst die Wurzeln, dann die Pflanzen. Danach probierte ich es getopft in grober Rinde, in Moos und diversen anderen Substraten, die mir empfohlen worden waren. Früher oder später sind mir die Pflanzen dann doch immer abgefault oder auch vertrocknet, wenn ich zu vorsichtig mit dem Gießen war. Mit folgender Kombination aus den beiden Kulturansätzen läuft es nun schon so lange gut wie noch nie. Und ich wurde endlich mal mit einem Blütentrieb belohnt. Auch die Pflanze sieht noch gut aus und es bilden sich sogar neue Fächer, also Seitentriebe.

Meine aktuelle Kulturmethode sieht folgendermaßen aus: Das kleine Pflänzchen selbst sitzt wurzelnackt in einem kleinen Gitterkörbchen. Das Gitterkörbchen wiederum sitzt in einem großen Tontopf, der mit grober Rinde gefüllt ist. Das Körbchen ist in der Rinde versenkt. Dadurch wachsen die Wurzeln durch das Körbchen in die grobe Rinde, in der sich die Feuchigkeit etwas länger hält und eine hohe Luftfeuchtigkeit in den Zwischenräumen herrscht. Die Pflanze kann sich dadurch also lange mit Feuchtigkeit und Nährstoffen versorgen. Die Pflanze selbst kann aber sehr schnell abtrocknen und ist deswegen bisher nicht gefault. Auch sehen alle Wurzeln noch sehr gut und prall aus, was mit allen anderen wurzelnackten Kulturmethoden immer nicht lange anhielt. Die feinen Wurzeln sahen da immer sehr schnell trocken und brüchig aus.

Getaucht wird nach Gefühl, aber immer erst, wenn wirklich alles abgetrocknet ist. Grundsätzlich kommen Tolumnien mit Trockenheit besser zurecht als mit zu viel Nässe. In den letzten Wochen, als die Hitzewelle besonders schlimm war, gab es jeden Morgen einen kleinen Sprüher Wasser auf die freiliegenden Wurzeln. Da Tolumnien sehr feine, fast fadenartige Wurzeln haben, sollte immer mit möglichst salzarmem Wasser gegossen werden. Das Velamen der Wurzeln verstopft durch zu viele Salze sehr schnell und sie können dann kein Wasser mehr aufnehmen. Mein Tauchwasser hat einen Leitwert zwischen 50 und 100 Mikrosiemens. Dazu nutze ich entmineralisiertes Wassser (Osmosewasser) und dünge es auf den gewünschten Wert auf. In diesem Fall gibt es auch im Winter ein wenig Dünger, da entmineralisiertes Wasser auf Dauer schaden kann, wenn es pur verwendet wird. Durch den osmotischen Druck, den das Wasser hat, kann es Nährstoffe aus der Pflanze saugen und diese geht dann ein. Im Winter gibt es aber weniger Dünger als im Sommer.

Meine Tolumnia Jairak Firm steht ganzjährig sehr warm. Die nächtlichen Temperaturen fallen auch im Winter niemals unter 18 Grad, meist ist es sogar noch etwas wärmer. Auch an Wintertagen kann ich ihr dank meiner beheizten Orchideengalerie Mindesttemperaturen von 25 Grad bieten. Bei Sonnenschein steigen sie auch schnell über 30 Grad. Im Sommer haben wir hier in Süddeutschland inzwischen ja fast tropische Temperaturen, somit muss ich da nichts regulieren. Sie steht sehr hell, im Sommer leicht schattiert. Im Winter bekommt sie volles Licht am großen Südfenster.

Zum besseren Verständnis ein Foto meines Kulturtopfes (Foto: Thomas LEHMANN)

Wann immer es geht, wird gelüftet, damit möglichst viel Luftaustausch und -zirkulation herrscht. Wenn im Winter die Temperaturen ein regelmäßiges und langes Lüften nicht möglich machen, dann läuft ein Venitlator. Nicht 24 Stunden am Tag, aber immer wieder tagsüber und auch nachts. Gesteuert wird er über eine einfach Zeitschaltuhr. Er läuft also eine Zeit lang, schaltet sich dann ab und fängt dann wieder an. Je höher die Luftfeuchtigkeit ist, desto besser ist es natürlich. An besonders trockenen Tagen läuft daher ein Ultraschallvernebler, der direkt auf die Orchideen gerichtet ist.

Zwar ist die Kultur von Tolumnia nicht unkompliziert und meist mit einigen Rückschlägen gepaart, umso größer ist dann aber die Freude, wenn eine Pflanze über alle Jahreszeiten hinweg wächst und gedeiht, dabei auch noch gut aussieht und man letzten Endes mit einer tollen und langanhaltenden Blüte belohnt wird! Jetzt hoffe ich mal, dass auch die nächsten 12 Monate so gut laufen und mich meine Tolumnia Jairak Firm ‚Hickory‘ wieder mit Blüten belohnt.

Autor: Thomas Lehmann

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Der gesamte Blütenstand meiner Tolumnia Jairak Firm ‚Hickory‘ (Foto: Thomas LEHMANN)
Die ersten Blüten sind offen – Seitenansicht einer Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Die gesamte Pflanze (Foto: Thomas LEHMANN)
Eine sich öffnende Knospe (Foto: Thomas LEHMANN)
Die erste Blüte öffnete sich bei den sehr heißen Temperaturen Anfang August. Die Blüte fiel dunkler mit wenig weißer Färbung aus (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 36, 2018

Bulbophyllum lobbii

Alles lesen Orchidee der Woche 36, 2018

Bulbophyllum lobbii

Foto: Thomas LEHMANN

In Edwards´s Botanical Register, einer illustrierten Gartenbauzeitschrift, die von 1815 bis 1847 in London gedruckt wurde, veröffentlichte John LINDLEY im Jahr 1847 die Erstbeschreibung von Bulbophyllum lobbii. John LINDLEY war ein englischer Botaniker, der als Vater der modernen Orchideenkunde gilt und zahlreiche neue Arten beschrieben hat. Noch im 19. Jahrhundert wollten diverse Autoren und Botaniker eine neue Einstufung für Bulbophyllum lobbii erreichen, von denen aber keine jemals als akzeptierte Namen in der World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) aufgeführt wurden. Jedoch sind folgende 3 Bezeichnungen als Synonyme angegeben:

  • Sarcopodium lobbii
  • Sarcobodium lobbii
  • Phyllorkis lobbii

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Bulbophyllum lobbii erstreckt sich von Borneo über Indonesien und  Malaysia bis zu den Philippinen. Diese Naturform wächst epiphytisch auf Ästen und den Hauptstämmen von Bäumen in Tiefland- und Bergwäldern auf Höhen bis zu 2000 Metern über dem Meeresspiegel. Die klimatischen Bedingungen am Standort bieten warme bis heiße Temperaturen, die sehr oft über 30 Grad am Tag liegen. Selbst in den Nächten kühlt es nur sehr selten auf unter 20 Grad ab. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, wobei die Wurzeln von Bulbophyllum lobbii sehr schnell abtrocknen nach einem Regenschauer. Sie sind also nie über sehr lange Zeit nass. Die Luftfeuchtigkeit ist dafür ganzjährig sehr hoch. Standorte, an denen die Pflanzen der direkten Sonne ausgesetzt sind, finden sich nicht. Sie werden immer durch das Laub der Bäume schattiert und bekommen zwar viel, aber nur diffuses Licht ab.

Bulbophyllum lobbii ‚Peter‘ wurde wegen sehr guter Kultur mit der Silbermedaille der D.O.G. ausgezeichnet (Foto: D.O.G.-Archiv)

Bulbophyllum lobbii zählt zu den mittelgroßen Bulbophyllen. Es bildet ca. 5 cm hohe Pseudobulben aus, die mit etwas Abstand zueinander wachsen. Jede Pseudobulbe trägt ein einzelnes 20-25 cm langes Blatt. Das Blatt ist fest und entlang der Mittelachse stark gekielt. Oft sind die Pseudobulben von einer trockenen und netzartigen Hülle umgeben. Die bis zu 15 cm lange Infloreszenz trägt immer nur eine einzelne Blüte. Sie entspringt einer Nodie am Rhizom. Jede Neubulbe trägt somit nur eine einzelne, dafür duftende Blüte. Alte Pseudobulben blühen nicht erneut, sie dienen lediglich zur Speicherung von Nährstoffen und geben diese bei Bedarf an die jungen Triebe ab. Blütezeit ist immer im Sommer. Die Blüten sind 5-7 cm groß und variieren in der Farbe leicht. Sie sind in verschiedenen Gelb- und Orangetönen, teilweise auch ins Rot-bräunliche gehend, gefärbt. Besonders die Petalen und Sepalen weisen oft dunklere Streifen auf. Manchmal deutlicher, manchmal nur schwach ausgeprägt. Der Duft der Blüten ist nicht sonderlich angenehm, aber auch nicht sehr intensiv, also nicht raumfüllend wie der manch anderer Orchideen. Wie bei den meisten Bulbophyllen schwingt auch bei dieser Art die Lippe hin und her, wenn die Blüte durch den Wind bewegt wird. Durch diesen Mechanismus sollen die bestäubenden Fliegen angelockt werden.

Für die Kultur von Bulbophyllum ist ein gut drainiertes Substrat äußerst wichtig. Besonders die Neutriebe sind bei anhaltender Feuchtigkeit sehr anfällig für Fäulnis oder Pilzbefall. Ich kultiviere meine Bulbophyllen daher in einer Mischung aus mittelgroßer und großer Rinde. Zusätzlich füge ich etwas Perlite mit ins Substrat. Perlite sorgen dafür, dass der Pflanzstoff luftig bleibt und nicht so sehr verdichtet. Getaucht wird erst wieder, wenn der Topf wirklich komplett abgetrocknet ist und keine Restfeuchtigkeit mehr zu sehen ist. Aus diesem Grund topfe ich grundsätzlich in transparente Töpfe. Bulbophyllum lobbii lässt sich auch sehr gut aufgebunden kultivieren. Allerdings ist diese Kulturmethode nur in einer Umgebung mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit möglich, wie sie z. B. in einem Gewächshaus herrscht. Auch eine große Orchideenvitrine würde diese Kulturmethode möglich machen. Im Wohnraum ist die hohe Luftfeuchtigkeit allerdings nur sehr schwer zu erreichen und wenn, dann droht meist Schimmelgefahr. Wer also weder ein Gewächshaus noch eine große Vitrine zur Verfügung hat, der ist mit Topfkultur bestens beraten.

Dieses Jahr hatte ich sechs Blüten (Foto: Thomas LEHMANN)

Bulbophyllum lobbii steht das ganze Jahr über in meiner beheizten Orchideengalerie mit kompletter Glasfront auf der Südseite. Im Sommer wird natürlich schattiert und auch im Winter steht das mittelgroße Bulbophyllum nicht dirket an der Scheibe, sondern gute 1,5 Meter im Raum auf der östlichen Seite, sodass es etwas von der untergehenden Sonne beschienen wird. Den Rest des Tages steht es hell, aber nicht in direktem Sonnenlicht. Die Temperaturen im Winter steigen bei Sonnenschein durch die große Glasfront auch schnell über 30 Grad. Unter 24-25 Grad fallen sie tagsüber nicht, da die Heizungsluft aus dem Wohnzimmer durch die offene Galerie natürlich nach oben steigt und es sich dort dann mehr aufheizt als unten. In der Nacht gehen die Temperaturen im tiefen Winter auf 16-18 Grad zurück. Unter 16 Grad fallen sie aber wirklich niemals.

Das Tauchwasser wird im Sommer bei jedem Tauchen auf ca. 350 Mikrosiemens aufgedüngt. Ab und an spüle ich den Topf mal mit sehr salzarmem Wasser durch, um unnötig abgelagerte Salze aus dem Substrat zu schwemmen. Im Winter dünge ich, wie schon oft erwähnt, gar nicht. In der lichtarmen Zeit arbeitet der Stoffwechsel der Pflanzen wesentlich langsamer. Hierfür genügen die Nährstoffe, die sich den Sommer über im Substrat angereichert haben. Wer künstliches Licht benutzt, kann auch im Winter etwas Dünger geben.

Im Sommer, meist im Juli oder August, blüht mein Bulbophyllum lobbii. Die einzelnen Blüten der Neubulben öffnen sich ziemlich zeitgleich und blühen gemeinsam, allerdings nicht allzu lange. 7-10 Tage, dann ist die Blütenpracht auch schon wieder vorbei und man kann sich auf den nächsten Sommer freuen. Dieses Jahr hatte mein Bulbophyllum lobbii sechs Blüten. Im Jahr davor nur fünf. Ich bin schon gespannt, wie viele es nächstes Jahr werden!

Autor: Thomas LEHMANN

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In diesem Zustand erhielt der Klon ‚Peter‘ noch die Bronzemedaille in der Kategorie Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Ebenfalls der Klon ‚Peter‘, allerdings mit besserer Haltung. Dafür vergaben die Bewerter die Silbermedaille in der Kategorie Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Detailansicht der beweglichen Lippe (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)