Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

KW 48, 2020

Dendrobium pseudolamellatum

Alles lesen Orchidee der Woche 48, 2020

Dendrobium pseudolamellatum J. J. Wood & A. L. Lamb

Dendrobium pseudolamellatum (Foto: Werner Holzmann)

 

Dendrobium pseudolamellatum wurde erst 2010 von Jeffrey James Wood und Anthony L. Lamb in „Malesian Orchid Journal“ beschrieben. Es gehört zur Sektion Platycaulon, die nur wenige Arten umfasst.

Dendrobium pseudolamellatum -Pseudobulbe mit Infloreszenzen (Foto: Werner Holzmann)

Alle Pflanzen der Sektion kommen im Tiefland in Gebieten mit relativ konstanter Luftfeuchtigkeit und ganzjährigem Niederschlag vor.

Heimat dieser klein bleibenden Orchidee ist die Insel Borneo* im südostasiatischen Malaiischen Archipel. Dort wächst Dendrobium pseudolamellatum epiphytisch im Tiefland in hügeligen Wäldern auf etwa 700 m Höhe. Aufgrund der geografischen Lage beiderseits des Äquators herrscht auf Borneo ein ausgesprochen tropisches Klima mit ganzjährig hohen Durchschnittstemperaturen um 27 °C, einer hohen Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent und hohen jährlichen Niederschlagsmengen, die bis zu 4 000 Millimeter erreichen können.

Im Handel wurde Dendrobium pseudolamellatum auch als Varietät purpureum von Den. lamellatum angeboten. In der World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) wird sie aber als eigenständige Art geführt.

Charakteristisch für die Sektion Platycaulon sind pattgedrückte Pseudobulben an einem dünnen, runden Stängel, die bei Dendrobium peudolamellatum zum Ende hin etwa 2-2,5 cm breit sind. Die Wuchsform ist aufrecht bis leicht überhängend. Am Ende der ca. 15 bis 20 cm langen Pseudobulbe steht ein einzelnes etwa gleich langes feingeädertes, spitz zulaufendes Blatt. Der Neutrieb zeigt zunächst einen warmen Bronzeton, der sich mit zunehmender Reife in ein Braungrün verändert. Die Infloreszenzen entstehen büschelartig am Ende der belaubten als auch unbelaubten Pseudobulben.

Wie die Knospenfarbe schon erahnen lässt, haben die etwa 1,5 cm großen Blüten auf der Rückseite ein nach außen heller verlaufendes kräftiges Pink, die Innenseite der Blüte ist weißrosa, die Lippe besitzt einen leuchtend grüngelben Fleck.

Meine Kultur:

Meine Pflanze ist getopft in mittelgroße Rinde ohne weitere Zusätze und hängt in der begehbaren Vitrine, etwa 30 cm unter der Beleuchtung. Wie man aus der Habitat-Beschreibung schon entnehmen kann, macht Dendrobium pseudolamellatum keine ausgeprägte Ruhezeit durch. Somit wird meine Pflanze durchkultiviert. Durch einen Nebler, der sich mehrmals am Tag einschaltet, herrscht in der Vitrine eine Luftfeuchtigkeit von 60-90 %. Dendrobium peudolamellatum wird jeden Tag mit Osmosewasser besprüht und einmal in der Woche durchdringend gegossen. Es trocknet nie vollständig aus. Wird die Pflanze zu trocken gehalten, bestraft sie das mit Ziehharmonika-Wuchs. Einmal im Monat erhält sie eine Düngergabe von etwa 300 µS. Meistens blüht sie im Herbst und manchmal auch noch einmal im Frühjahr.

Im Sommer liegt die Temperatur in der begehbaren Vitrine zwischen 21 und 28 °C und im Winter bei ca. 15 bis 19 °C.

Autor: Werner Holzmann

* Die Insel Borneo ist nach Grönland und Neuguinea die drittgrößte Insel der Welt. Ihre Fläche ist aufgeteilt zwischen den beiden malaysischen Bundesstaaten Sabah und Sarawak, dem indonesischen Teil Kalimantan und dem kleinen Staat Brunei. (Anm. d. Red.)

 

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Meine begehbare Vitrine – ein Foliengewächshaus im Innenraum mit künstlicher Beleuchtung (Foto: Werner Holzmann)
Neutrieb an Dendrobium pseudolamellatum (Foto: Werner Holzmann)
Infloreszenz von Dendrobium pseudolamellatum (Foto: Werner Holzmann)
Dendrobium pseudolamellatum schiebt einen Blütentrieb am Blattansatz hervor. (Foto: Werner Holzmann)

KW 47, 2020

Phalaenopsis sanderiana

Alles lesen Orchidee der Woche 47, 2020

Phalaenopsis sanderiana (Rchb.f.)

Phalaenopsis sanderiana ‚Sofia‘ (Foto: Vitor Garcia de Almeida)

Phalaenopsis sanderiana wurde 1882 von REICHENBACH fil. in der Zeitschrift „Flora“ beschrieben, dem englischen Gärtner und Sammler Frederick Sander zu Ehren. Als sie zum ersten Mal in England blühte, glaubte man, es handele sich um eine Hybride zwischen Phalaenopsis aphrodite und Phalaenopsis schilleriana. Durch Samenvermehrung wurde der Artstatus aber eindeutig nachgewiesen. Natürliche Vorkommen finden sich auf den Philippinen, in den südlichen Provinzen von Mindanao, Davao und Zamboanga, auf der Insel Igat in der Dumanquilas Bay und den Inseln Balut und Sarangani in Höhenlagen von ca. 300 bis 750 m. Die Blüten von Phal. sanderiana können in der Farbe stark variieren. Die meisten Pflanzen blühen in einem pastellig lila Farbton. Einige Klone haben aber viel hellere, fast weiße Blüten. Auch eine Alba-Form wurde beschrieben.

Phalaenopsis sanderiana mit intensiver Färbung (Foto: Vitor Garcia de Almeida)

Phalaenopsis sanderiana gehört zur Gattung Phalaenopsis Sektion Phalaenopsis, der die meist groß blühenden Arten zugeordnet sind. Die Pflanze wächst epiphytisch, ihre Blätter erreichen bis ca. 27 cm  Länge und 9 cm Breite. Die Rispe ist oft verzweigt mit vielen zarten Blüten, die 6,5 bis 7,5 cm breit werden.

Ich kultiviere verschiedene Klone von Phalaenopsis sanderiana bei mir im Wohnzimmer. Die Pflanzen erhalten viel Licht, im Sommer sogar leicht schattiertes Sonnenlicht bis mittags, da mein großes Wohnzimmerfenster nordöstlich ausgerichtet ist. Phal. sanderiana blüht jedes Jahr zuverlässig ab den Sommermonaten bis in den Winter hinein. Mein Kultivar ‚Sofia‘ erfreut mich in diesem Jahr mit einer verzweigten Rispe von 89 cm Länge und 19 Blüten!

Phalaenopsen tolerieren eine höhere Salzkonzentration im Gießwasser als andere Gattungen, wenn diese ausgewogen ist. Um das zu gewährleisten, benutze ich verschiedenen Düngemittel aus dem Handel und solche, die ich bei Orchideengärtnern auf Orchideenausstellungen bekommen kann. Gedüngt wird regelmäßig zwischen März und Oktober mit einer Konzentration von 300 bis 500 µS. Zwischendurch bekommt die Pflanze Osmosewasser ohne oder mit nur sehr geringer Düngergabe. Im Winter reduziere ich die Salzkonzentration auf unter 200 µS und die Pflanzen werden, entsprechend der Jahreszeit, auch weniger gegossen. Alle Phalaenopsen, die ich kultiviere, lasse ich erst ganz austrocknen, bevor ich sie wieder gieße. Das vermindert die Gefahr einer möglichen Pilzinfektion oder von Fäulnis an den Wurzeln, was bestimmt das Ende für die Pflanze bedeuten würde.

Meine Substratmischung besteht aus Pinienrinde, Sphagnum-Moos und Holzkohle zu fast gleichen Teilen. Einige Pflanzen kultiviere ich auch in reinem Sphagnum. Diese Art der Kultur muss aber gut kontrolliert werden, da übermäßige Feuchte den Pflanzen schnell schaden kann.

Die Temperatur in meiner Wohnung kann in den Sommermonaten bis über 35 Grad ansteigen, wie in den letzten Jahren geschehen. Dann sprühe ich die Pflanzen fast täglich. Im Winter dagegen wird die Nachttemperatur auf ca. 17 Grad gesenkt und die Pflanzen werden trockener gehalten.

Obwohl Phalaenopsis sanderiana selten im Handel angeboten wird, sollte sie in keiner Sammlung fehlen, wenn man sich für die Gattung interessiert. Zwar duften ihre Blüten nicht, sie sind aber sehr zart und wunderschön anzusehen. Gerade dann, wenn eine Rispe reich mit Blüten besetzt ist. Nach meiner Erfahrung ist Phal. sanderiana eine dankbare Pflanze, an der man sehr viel Freude hat!

Autor: Vitor Garcia de Almeida

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Das Laub von Phalaenopsis sanderiana (Foto: Vitor Garcia de Almeida)
Phalaenopsis sanderiana ‚Baronja‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis sanderiana ‚Baronja‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis sanderiana (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis sanderiana (Foto: D.O.G.-Archiv)

KW 46, 2020

Habenaria rhodocheila

Alles lesen Orchidee der Woche 46, 2020

Habenaria rhodocheila Hance 1866

Habenaria rhodocheila (Foto: Werner Holzmann)

Das Hauptverbreitungsgebiet dieser reizvollen Orchidee ist China, Malaysia, Laos, Kambodscha, Vietnam und die Philippinen. Dort wächst Habenaria rhodocheila terrestrisch in grasbewachsenen lichten Wäldern in Höhenlagen von 200 bis 1300 m. Sie ist Knollen bildend. Die Blütezeit erstreckt sich vom Sommer bis in den Herbst, in unseren Breitengraden von August bis Oktober. Die Bedingungen am Naturstandort reichen von feucht und warm während der Wachstumszeit bis kühl und trocken in der Ruhephase. Im Frühjahr treibt aus der Knolle ein rosettenartiger Trieb mit versetzt angeordneten, spitz zulaufenden weichen Blättern, an dessen Ende die Infloreszenz mit zahlreichen versetzt angeordneten Blüten steht. Die Farbpalette reicht von pink über orange, rot und gelb. Je nach Blütenfarbe variiert das Laub von grün über grün mit einzelnen braunverlaufenden Streifen bis hin zu einem kräftigem Bronzeton.

Habenaria rhodocheila mit gelber Blüte (Foto: Werner Holzmann)

Einige Zeit waren mehrere Farbvarietäten als eigene Arten ausgegliedert. Inzwischen wurden Arten wie Hab. erichmichelii, Hab. xanthocheila und Hab. roebbelenii wieder dem Habenaria rhodocheila-Komplex als Hab. rhodocheila subsp. rhodocheila zugeordnet.

Meine Kultur

Meine Pflanzen stehen allesamt ganzjährig an Westfenstern, sind aber vor direkter Sonne geschützt. Im Sommer kann die Temperatur schon mal auf 30 °C und mehr steigen. Im Winter liegt sie um 21 °C, nachts sinkt sie durch die Nachtabsenkung der Heizung auf 17 °C .

Wie in den Standortbedigungen schon erwähnt, durchläuft diese Knollenorchidee einen ausgeprägten Wachstums- und Ruhezyklus. Wenn man den beachtet, ist die Kultur nicht besonders schwierig.

Nach einer absolut trockenen Ruhezeit werden im Februar die ruhenden Knollen neu getopft. Ich verwende dazu eine Mischung aus Tongranulat, Bims oder Perlite und feine Pinienrinde, alles etwa zu gleichen Teilen. Dabei muss man unbedingt darauf achten, dass der Vegetationspunkt, evtl. ist schon eine weiße Spitze zu sehen, nach oben zeigt und auf keinen Fall beschädigt wird. Bricht er ab, war’s das, die Knolle treibt nicht mehr aus.

Nach dem Topfen gieße ich das neue Substrat an, sodass es leicht bügelfeucht ist. Das regt die Knolle zum Austrieb an. Da ich auf der Fensterbank kultiviere, möchte ich, dass die Pflanzen im Herbst blühen, bevor die Heizperiode beginnt. So vermeide ich, dass die Blüten steckenbleiben. Wenn der Austrieb etwa 1 cm aus dem Substrat ragt, wird das Substrat feucht gehalten. Jetzt sollte es auch nicht mehr austrocken und man kann mit vorsichtigen Düngergaben beginnen. Ich dünge einmal im Monat mit etwa 300 µS.

Im Herbst entwickeln sich dann die wundervollen Blüten, die etwa 4 Wochen halten. Danach wird das Gießen langsam reduziert und schließlich – wenn die Blätter gelb, braun oder trocken werden – komplett eingestellt. Im Februar beginnt das Spiel wieder von Neuem.

Autor: Werner Holzmann

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Habenaria rhodocheila ‚Maintal‘ SM/D.O.G. (Foto: Werner Holzmann)
Habenaria rhodocheila ‚Maintal‘ SM/D.O.G. (Foto: Werner Holzmann)
Habenaria rhodocheila (Foto: Werner Holzmann)
Habenaria rhodocheila (Foto: Werner Holzmann)
Habenaria rhodocheila (Foto: Werner Holzmann)

KW 45, 2020

Cattleya perrinii

Alles lesen Orchidee der Woche 45, 2020

Cattleya perrinii

Cattleya perrinii ‚Vilbella‘ (Foto: Monika Eckert)

 

Cattleya perrinii war schon einige Jahre in Europa in Kultur, bevor John Lindley sie 1838 in “Edwards’s Botanical Register“ beschrieb. Die ersten Pflanzen hatte er von Richard Harrison aus Liverpool erhalten, weshalb er sie nach dessen Gärtner Perrin benannte.

 

Vier verschiedene Pflanzen von Cattleya perrinii im Oktober 2016, links der Kultivar ‚Vilbella‘ (Foto: Monika Eckert)

Als Lindley 1842 die bis dahin zehn bekannten Arten der Gattung Laelia, die allesamt aus Mexiko und Guatemala stammten, in “Edwards’s Botanical Register“ zusammenfasste, fügte er zur allgemeinen Verwunderung eine neue Art hinzu: Laelia perrinii. Sie war die erste Laelia aus Brasilien und wollte nicht nur von ihrer Herkunft, sondern auch vom Aussehen her so gar nicht zu allen anderen vorher beschriebenen Arten passen. Die einzige Übereinstimmung zwischen diesen unterschiedlichen Pflanzen war die Anzahl ihrer Pollinien – sie alle besaßen acht statt der bei Cattleya sonst üblichen vier. Erst seit anhand von Genanalysen Anfang des 21. Jahrhunderts die verwandtschaftlichen Verhältnisse geklärt wurden, wird die Art wieder unter ihrem ursprünglichen Namen geführt.

Habitat

Cattleya perrinii ist in den Küstengebirgen der brasilianischen Bundesstaaten Rio de Janeiro und Espírito Santo – möglicherweise auch im angrenzenden Minas Gerais – verbreitet, wo sie helle, aber nicht vollsonnige Standorte in der Mata Atlântica* (Atlantischer Regenwald) in Höhenlagen von 500 bis 1 000 m besiedelt. Das Klima ist tropisch, mit häufigen, fast täglichen Regenfällen im Sommer und Temperaturen von ca. 25 – 30 °C, die auch nachts nicht sehr stark zurückgehen. Die Winter sind deutlich kühler und erreichen je nach Höhenlage nur 8 – 15 °C, die nächtlichen Tiefsttemperaturen können mancherorts sogar bis in Gefrierpunktnähe fallen, die Niederschlagsmenge ist sehr stark reduziert auf nur noch 10 – 50 mm im Monat.

 

Unvorteilhafter Wuchs bei Cattleya perrinii ‚Vilbella‘ (Foto: Monika Eckert)

Meine Kulturbedingungen

Mein Kulturraum ist ein 3 × 5 m großes Hobbygewächshaus, das mit der Breitseite nach Süden ausgerichtet und im Sommer zwischen 10 und 18 Uhr gnadenlos der Sonne ausgesetzt ist. Mithilfe praktischer Technik kann ich per Fernbedienung eine Schattiermatte von 60 % in ca. 20 cm Entfernung über das Dach und die Vorderwand ziehen lassen. Im Inneren sorgen verschiedene Ventilatoren für Luftbewegung und -austausch. Trotzdem steigen die Temperaturen im Hochsommer bis auf 38 °C, gleichzeitig sinkt die Luftfeuchtigkeit auf 25 % ab. Dies sind die sorglosen Zeiten, denn ich kann die Pflanzen nach Herzenslust morgens und abends tropfnass sprühen und regelmäßig tauchen, ohne mit Fäulnis rechnen zu müssen. Bei jedem zweiten Wässern wird direkt nach dem Tauchgang mit hoher Düngerkonzentration von ca. 700 – 800 µS gegossen. Zwischendurch lasse ich das Substrat aber immer wieder gut abtrocknen. Selbst ein völliges Austrocknen schadet hin und wieder nicht. Noch nie ist mir eine Pflanze vertrocknet, verfault aber leider schön öfter.

 

Im Winter liegen die Temperaturen nachts um 14 – 15 °C, tagsüber bei mindestens 18 °C. Wenn es draußen sehr kalt ist, sinkt auch die Luftfeuchtigkeit wieder stark ab. Dann befeuchte ich den warmen Fliesenboden, auf dem das Wasser schnell verdunstet. Gesprüht wird von Herbst bis Frühling nicht mehr. Auch das Tauchen stelle ich völlig ein und gieße stattdessen nur noch einmal in der Woche vorsichtig am Topfrand. Gedüngt wird auch nicht mehr, denn C. perrinii hat im Winter ihre Ruhephase.

Am problematischsten sind die Perioden im Herbst und Frühling, in denen es draußen regnerisch und nicht sehr kalt ist und deshalb die Heizung nicht läuft. Dann kann die Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus auf 70 – 90 % ansteigen, was für viele brasilianische Cattleyen, auch für C. perrinii, viel zu feucht ist. Wenn die Pflanzen dann auch noch im Wurzelbereich zu nass sind, kommt es fast unweigerlich zu Fäulnis. Deshalb ist ein luftiges Substrat sehr wichtig. Ich verwende zu je einem Drittel feine Rinde, Bimskies mittlerer Körnung und handelsübliches Tongranulat. In Kombination mit Teichtöpfen und einer Drainage aus Styroporstücken wird so Staunässe zuverlässig verhindert. Außerdem ist dieser Pflanzstoff sehr lange stabil und es muss erst umgetopft werden, wenn die Pflanze über den Topfrand wächst. Da C. perrinii einen recht kompakten Wuchs mit nicht allzu langen Rhizomabschnitten zwischen den Pseudobulden hat, ist dies nicht so häufig notwendig. Beste Umtopfzeit ist, sobald die neuen Wurzeln erscheinen. Es sollten möglichst kleine Töpfe verwendet werden.

Offenbar kommen die Bedingungen in meinem Gewächshaus den Bedürfnissen von Cattleya perrinii entgegen. Meine vier Pflanzen wachsen gut und blühen regelmäßig, eine davon schon seit 17 Jahren. Allerdings habe ich bisher leider keine vieltriebigen Pflanzen kultivieren können, wie man sie gelegentlich im Internet zu sehen bekommt. Es wird meist nur ein einziger Neutrieb entwickelt. Eine Ausnahme gab es in diesem Jahr, als eine der Pflanzen einen zweiten Trieb ausbildete, der allerdings sehr unvorteilhaft nach unten wuchs (siehe Abb.). Vermutlich hätte ich die Pflanze rechtzeitig umtopfen sollen. Nach einigen traurigen »Ausfällen« bei anderen Cattleyen bin ich aber auch damit eher zurückhaltend.

 

Cattleya perrinii ‚Vilbella‘ wurde auf der Ausstellungsbewertung am 01. November 2019 in Niedernhausen mit einer Silbermedaille für Bot. Art ausgezeichnet. (Foto: D.O.G.-Archiv)

Wachstumszyklus

Cattleya perrinii beginnt im zeitigen Frühjahr mit dem Austrieb, wächst über den Sommer recht zügig heran und blüht bei mir immer im Oktober mit 1 – 3 Blüten. Ihre Farbe variiert von hell bis dunkler purpurn. Die in einer Spitze endende Lippe zeigt einen vom weißen Schlund scharf abgegrenzten sehr dunklen purpurfarbenen Rand bzw. Fleck. Es kommen auch weiße, semialba und bläuliche Farbformen vor. Die Blüten duften nur schwach und halten 7 – 10 Tage.

Cattleya perrinii kann sicher auch auf der Fensterbank erfolgreich kultiviert werden, wenn man ihr im Sommer ein leicht schattiges und vor zu viel Nässe geschütztes Plätzchen im Freien einrichten kann.

 

Kulturhinweise:

  • Cattleya perrinii fühlt sich im temperierten Bereich wohl, d. h. im Sommer bei ca. 18 – 30 °C, im Winter bei 13 – 18 °C.
  • Sie verträgt im Sommer kurzzeitig Temperaturen bis 38 °C.
  • Sie benötigt eine deutliche nächtliche Temperaturabsenkung.
  • Sie benötigt/verlangt keine hohe Luftfeuchtigkeit.
  • Im Sommer ist bei Fensterbankkultur ein Freilandaufenthalt mit nur leichter Beschattung vorteilhaft.
  • Frischluft und Luftbewegung sind wichtig.
  • Bei sommerlicher Wärme sollte reichlich gewässert und gedüngt werden.
  • Im Winter äußerst zurückhaltend gießen, sehr hell kultivieren und nicht mehr düngen
  • Das Substrat sollte luftig sein und schnell abtrocknen können.
  • Vorzugsweise kleine Pflanzgefäße verwenden

Literatur:

  • CHADWICK, A. A. & CHADWICK, A. E. (2006): The Classic Cattleyas
  • WITHNER, C. L. (1990): The Cattleyas and Their Relatives, Vol. II. The Laelias
  • Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Mata_ Atlântica (2020)

 

*Die Mata Atlântica

ist eine tropisch/subtropische Vegetationsform, die sich an der Ostküste Brasiliens von Rio Grande do Norte bis Rio Grande do Sul, ins Innere des Kontinents bis Goiás, Mato Grosso do Sul und bis nach Argentinien und Paraguay erstreckt. 17 brasilianische Bundesstaaten waren einst mehr oder weniger von Mata Atlântica bedeckt.

Durch die Abholzung, die hauptsächlich im 20. Jahrhundert stattfand, wurde die Fläche um mehr als 90 % reduziert. Die Mata Atlântica ist heute einer der am stärksten bedrohten tropischen Wälder. Die Biodiversität ist eine der höchsten der Welt, höher als die des Amazonasbeckens, obwohl nur noch unzusammenhängende Reste existieren. Die Mata Atlântica bedeckte nicht nur die oft schmalen Küstenebenen, sondern insbesondere auch die steilen Abhänge des brasilianischen Hochlandes. So entstanden auf kleinstem Raum große Unterschiede in Vegetation und Tierwelt. Die steilen Abhänge sind die noch am besten erhaltenen Abschnitte des Waldes, sogar in der Nähe von Großstädten wie São Paulo oder Rio de Janeiro.

Autorin: Monika Eckert

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Besonders große, gut stehende Blüten von 15,5 cm Breite und 17 cm Höhe im Jahr 2020 (Foto: Monika Eckert)
Blaue Farbform von Cattleya perrinii (Foto: D.O.G.-Archiv)
Cattleya perrinii f. alba (Foto: D.O.G.-Archiv)
Cattleya perrinii (Foto: Monika Eckert)
Cattleya perrinii (Foto: Monika Eckert)

 

 

KW 44, 2020

Phalaenopsis fasciata

Alles lesen Orchidee der Woche 44, 2020

Phalaenopsis fasciata Rchb. f., 1882

Phalaenopsis fasciata (Foto: Jessy Delis)
Habitus von Phalaenopsis fasciata (Foto: Jessy Delis)

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Art sind die philippinischen Inseln Luzon, Bohol und Mindanao im Westpazifik in Südostasien. Phalaenopsis fasciata wächst dort epiphytisch in eher schattigen Bereichen der tropischen Regenwälder. Die Temperaturen an den Standorten liegen im warmen bis heißen Temperaturbereich. Niederschläge gibt es regelmäßig.

Meine Phalaenopsis fasciata wird das ganze Jahr hindurch 13 Stunden täglich – von 8:00 Uhr am Morgen bis 21:00 Uhr am Abend – künstlich beleutchtet, da sich das Regal, in dem sie steht, nicht direkt am Fenster befindet und ohne Zusatzbeleuchtung zu wenig Licht an die Pflanzen käme.

Damit die Wurzeln, die zur Photosynthese fähig sind, genug Licht erhalten, kultiviere ich die Pflanze in einem transparenten Topf, der 10 cm Durchmesser hat. Sie steht ohne Übertopf im Orchideenregal. Als Substrat verwende ich eine Mischung aus Pinienrinde und Kokosfasern. Letztere speichern das Wasser etwas länger und besonders kleine Töpfe von Jungpflanzen bleiben dadurch etwas länger feucht. Für größere Töpfe eignet sich diese Mischung bei Phalaenopsis nicht so sehr, da die Wurzeln nicht schnell genug abtrocknen würden.

Dünger gebe ich in der Wachstumsphase von März bis Oktober alle 14 Tage. In den übrigen Monaten dünge ich nicht. Im Sommer besprühe ich das Substrat ungefähr alle drei Tage, je nach Bedarf, durchdringend nass. Im Winter wässere ich lediglich einmal pro Woche. Zwischendurch lasse ich das Substrat gut abtrocknen, um ein Faulen der Wurzeln zu vermeiden. Getaucht wird Phalaenopsis fasciata bei mir zwar gar nicht, grundsätzlich sollte das aber auch funktionieren.

Ich habe meine Pflanze 2018 als kleines Kindel bekommen. Nun blüht sie zum ersten Mal für mich. Ihre Blüten haben einen Durchmesser von etwa 3 – 3,5 cm und sind dunkelgelb gefärbt. Die Tepalen werden von dünnen braunen Streifen durchzogen. Verwechslungsmöglichkeiten gibt es aufgrund der Färbung mit Phalaenopsis reichenbachiana. Das Labellum unterscheidet sich jedoch deutlich.

Autorin: Jessy Delis

Seitenansicht von Phalaenopsis fasciata (Foto: Jessy Delis)
Phalaenopsis fasciata im Profil (Foto: Jessy Delis)
Rückseite von Phalaenopsis fasciata (Foto: Jessy Delis)

KW 43, 2020

Dendrobium trigonopus

Alles lesen Orchidee der Woche 43, 2020

Dendrobium trigonopus

Dendrobium trigonopus ‚Schanz‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)

Heute möchte ich hier eine meiner Lieblingsorchideen vorstellen: Dendrobium trigonopus. Sie nimmt alle Widrigkeiten ihres Daseins auf meiner Fensterbank im Winter und in meinem Garten im Sommer klaglos hin und gedeiht bestens. Außerdem hat sie ideale Fensterbankgröße und blüht wirklich ausdauernd über mehrere Monate. Beginnen möchte ich mit einer kurzen Schilderung meiner Kulturbedingungen, bevor ich zu Dendrobium trigonopus selbst komme.

Habitus von Dendrobium (Foto: Ricarda Schulz)

Klimatische Verhältnisse an meinem Wohnort:

Wir leben im Großraum Mannheim-Heidelberg und haben damit den Vorteil eines sehr begünstigten, milden Klimas, bedingt durch die geschützte Lage im Oberrheingraben. Die Messungen an der DWD-Klimastation in Mannheim-Vogelstang ergaben zwischen 1971 und 2000 eine Durchschnittstemperatur von 10,5 °C. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 19,9 °C, der kälteste der Januar mit 1,8 °C. Temperaturen über 30 °C sind im Hochsommer keine Seltenheit. Der Spitzenwert wurde am 7. August 2015 mit 39,8 °C gemessen. Die Niederschlagsmenge ist für deutsche Verhältnisse mit ca. 670 mm relativ gering. Je nach Windverhältnissen ist somit auch die Luftfeuchtigkeit trotz der Nähe zu Rhein und Neckar eher niedrig. Mannheim liegt in der Winterhärtezone 7-8a, d. h. es können Wärme liebende Exoten wie Feigen, Hanfpalmen, Oliven und stellenweise sogar Oleander einigermaßen sicher ausgepflanzt werden.

Meine Kulturbedingungen:

Durch das eher milde Klima ist es möglich, die Orchideen, auch Wärme liebende Arten und Hybriden, im Sommer im Freien zu kultivieren. Das Gärtchen, das die Sommerheimat meiner Orchideen darstellt, liegt nordöstlich vom Haus und ist von einem Holzzaun und mittelhohen Sträuchern umgeben. Das bietet ideale Lichtverhältnisse (keine pralle Mittagssonne) und schützt vor den hier leider vorherrschenden trockenen (und dieses Jahr extrem kalten) Winden aus Nordost oder im Hochsommer aus südlichen Richtungen. Die Kälte liebenden Arten sind, je nach Wetter, von April bis Oktober draußen, die Wärme liebenden von Mitte Mai bis September. Im Winter kultiviere ich die Pflanzen auf der Fensterbank, je nach Licht und Wärmeansprüchen am Süd- oder Ostfenster. Das funktioniert auch mit aufgebundenen Naturformen gut, wenn sie den Kulturbedingungen entsprechend ausgewählt sind, also idealerweise kurzzeitige Trockenheit, Wärme und Lufttrockenheit vertragen oder sogar brauchen, z. B. Aerangis verdickii oder Lockhartia serra. Natürlich müssen sie trotzdem mindestens jeden zweiten Tag gründlich gesprüht oder getaucht werden.

Dendrobium trigonopus ‚Gisela‘ SM/D.O.G. auf Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

Mein Dendrobium trigonopus kultiviere ich getopft in einem handelsüblichen Orchideensubstrat aus Rinde und Tongranulat oder in einem normalen rindenbasierten Orchideensubstrat. Dendrobium trigonopus hat es gerne ein bisschen feucht, auch im Winter. Um Fäulnis der Wurzeln vorzubeugen, topfe ich solche Pflanzen lieber in einen etwas zu kleinen Topf mit Styropordrainage und gieße bzw. sprühe dafür öfter. Umgetopft wird die Pflanze alle 2 Jahre. Ihr Wurzelballen  ist dicht und gesund, daher lasse ich ihn intakt und fülle nur am Rand frisches Substrat in den Topf, den ich höchstens eine Nummer größer wähle. Dendrobium trigonopus überwintert bei mir an einem großen Südfenster, das von Mitte März bis Ende September mit einer einfachen Gardine schattiert wird. Zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit stehen alle meine getopften Orchideen in Fensterbankschalen. Die Tagestemperatur liegt bei 20 °C, kann an einem sonnigen Tag aber auch über 25 °C ansteigen. Nachts gibt es eine Temperaturabsenkung auf 16-17 °C. Die Luftfeuchte im Zimmer ist das ganze Jahr gleichbleibend niedrig um 50% und muss durch Sprühen und Fensterbankschalen erhöht werden. Im Frühjahr kommt die Pflanze nach draußen, sobald die Nachttemperaturen stabil zweistellig sind, also über 10 °C bleiben.

Das war dieses Jahr leider erst Anfang Juli der Fall. Sie hängt dann im leichten Schatten von Gehölzen mit ein bisschen Nachmittagssonne. Tagsüber können die Temperaturen weit über 30 °C steigen, normalerweise ist dies ab Mitte Mai bis Ende September der Fall. Das Steigern der Luftfeuchtigkeit ist jetzt aber eher einfach möglich. Durch die windgeschützte Lage reicht es, den Garten gründlich zu gießen und ab und zu zu sprühen. Meinem Dendrobium trigonopus scheint das zu gefallen. Es entwickelt pro Jahr einen neuen Trieb  und blüht ab August. Eingeräumt wird es, wenn die Nachttemperaturen einstellig werden. Drohen längere Regenperioden oder schwere Gewitter, zieht es um auf eine überdachte Terrasse. Gegossen werden alle meine Orchideen mit Regenwasser oder mit aufbereitetem Wasser aus einem Ionenaustauscher. Dieses wird für das alltägliche Gießen auf 50 -100 μS aufgedüngt. Gelegentlich gibt es auch Quellwasser zur Mineralstoffversorgung und zum Aufkalken des Substrates. Leitungswasser verwende ich fast nie, mit einem Leitwert bis 1000 μS ist es leider völlig ungeeignet.

Sobald sich im Frühjahr der Neutrieb zeigt, wird mein Dendrobium trigonopus alle 7-14 Tage mit einem handelsüblichen Volldünger für Orchideen gedüngt, und zwar in einer Konzentration von 200-400 μS. Gegossen bzw. gesprüht wird in Abhängigkeit von der Temperatur. An heißen Sommertagen sprühe ich 2-mal am Tag über das Substrat und die Pseudobulben, aber so, dass die Pflanze am Abend wieder abgetrocknet ist und in den Blattansätzen kein Wasser stehen bleibt. Durchdringend gegossen wird dann 2-3-mal pro Woche. Da das Orchideensubstrat (Rinde mit Tongranulat) relativ nährstoffreich bzw. salzhaltig ist, ist es wichtig, das Substrat beim Gießen gründlich durchzuspülen. Im Winter reichen 1-2-mal Gießen/Sprühen pro Woche.

Probleme mit Krankheiten oder Schädlingen hatte ich mit dieser Pflanze noch nie, nicht einmal Wolläuse, die ja gerade bei Fensterbankkultur öfter mal lästig werden können.

Dendrobium trigonopus (Foto: Ricarda Schulz)

Dendrobium trigonopus

Dendrobium trigonopus kommt ursprünglich aus Wäldern bis in 1 500 m Höhe im südlichen China, Thailand und Vietnam. Es wächst epiphytisch auf Baumstämmen und dicken Ästen. Es handelt sich um eine eher kleinbleibende Pflanze, die etwa 15 bis 25 cm hoch wird. Die Bulben stehen dicht zusammen und wachsen aufrecht. Sie sind spindelförmig, längs gefurcht, die älteren sind von einer dünnen papierartigen Hülle umgeben. Die ganze Pflanze ist dunkelgrün gefärbt. Die Pseudobulben sind von mehreren Nodien, meistens 5, unterteilt. Jede Pseudobulbe hat 1-4 langlebige Blätter im oberen Drittel. Diese sind dickfleischig, ca. 6-10 cm lang und spitz zulaufend. Sowohl Blatt tragende als auch blattlose Pseudobulben können Infloreszenzen ausbilden. Die Pflanze blüht mit mehreren sehr kurzstieligen Trauben, die jeweils 2-4 Blüten tragen. Diese haben einen Durchmesser von ca. 5 cm und blühen in leuchtendem Gelb mit grün überlaufener Lippe. Mein Dendrobium trigonopus hält sich nicht an die übliche Blütezeit (Frühjahr), sondern blüht zuverlässig im Spätsommer (August – Oktober) für mindestens 10 Wochen. Die Blüten verströmen einen wunderbaren Duft nach Honig.

Fazit:

Dendrobium trigonopus ist ein idealer Kandidat für die Fensterbankkultur.

Autorin: Ricarda Schulz

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Mannheim#Klima

http://www.orchidspecies.com/dentrigonopus.htm

Dendrobium trigonopus ‚Moni Bartl‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Dendrobium trigonopus ‚Moni Bartl‘ SM/D.O.G. für die herausragende Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Dendrobium trigonopus ‚Gisela‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Reich blühendes Dendrobium trigonopus (Foto: Ricarda Schulz)
Ein Blick von aben auf den Blütenflor (Foto: Ricarda Schulz)
Dendrobium trigonopus (Foto: Ricarda Schulz)

KW 42, 2020

Specklinia costaricensis

Alles lesen Orchidee der Woche 42, 2020

Specklinia costaricensis

Specklinia costaricensis (Foto: Thomas Jacob)

Als Pleurothallis costaricensis beschrieb Robert Allen ROLFE die Art erstmalig im Jahr 1917 in „Bulletin of Miscellaneous Information“ der Kew Gardens in London. Die beiden Botaniker Alec Melton PRIDGEON und Mark Wayne CHASE  kombinierten die Art 2001 in „Lindleyana“, dem zwischen 1986 und 2002 publizierten Wissenschaftsmagazin der American Orchid Society (AOS), in die von John LINDLEY 1830 aufgestellte Gattung Specklinia um. Der Gattungsname Specklinia ist dem Bildhauer Veit Rudolf Specklin (1505-1550), auch Speckel oder Speckle geschrieben, gewidmet, der unter anderem die Holzschnitte für die Bildtafeln von „De Historia Stirpium“ – einem botanischen Werk des 16. Jahrhunderts – anfertigte. Costaricensis leitet sich offensichtlich vom ersten Fundort in Costa Rica ab. Specklinia costaricensis ist also Specklins Orchidee aus Costa Rica.

Habitus von Specklinia costaricensis (Foto: Thomas Jacob)

Neben Costa Rica wurde die Art auch im benachbarten Panama gefunden. Während die Standorte in Costa Rica meist höher liegen und eher temperiert-kühle Temperaturbedingungen aufweisen, findet man die Art in Panama oft in niedrigeren Lagen, die ganzjährig warm sind. Teilweise steigen die Temperaturen tagsüber auf über 30 Grad Celsius an. Je nach Standort fallen sie nachts auf 10-15 Grad ab. Durch ihre Nähe zum Äquator gibt es in den beiden zentralamerikanischen Ländern nur wenig jahreszeitliche Temperaturschwankungen. Regen fällt das ganze Jahr hindurch, von Mai bis November fast täglich, von  Dezember bis April mit etwa drei bis vier Regentagen pro Monat deutlich weniger. Durch die sehr hohe Luftfeuchtigkeit trocknet das Habitat aber niemals komplett aus. Es bietet dauerhaft Feuchtigkeit für die feinen Wurzeln von Specklinia costaricensis.

Die wirklich kleinen Pflanzen wachsen epiphytisch auf Bäumen und Sträuchern. Auf sehr kurzen und dünnen Stielen sitzen ca. 5 cm lange Blätter, die sehr schmal und fein sind und kaum Wasser speichern können. Auch sonst besitzt Specklinia costaricensis keine Speicherorgane, wie etwa Pseudobulben. Durch das immerfeuchte Habitat benötigt sie auch keine. Vom Frühjahr bis in den Herbst erscheinen immer wieder neue Infloreszenzen, die fast doppelt so lang werden wie das Laub. An jedem Blütentrieb sitzen bis zu 12 leuchtend gelb gefärbte Blüten, die nur wenige Millimeter groß sind und nicht duften.

Da ich bei Pflanzen aus der Familie der Pleurothallidinae gute Erfahrungen mit der Kultur in mineralischen Substraten gemacht habe, topfte ich auch Specklinia costaricensis direkt nach Erhalt neu und setzte sie auf Lavagranulat. Die Körnung liegt zwischen zwei und acht Millimeter. Wichtig bei der Kultur in mineralischen Substraten ist, dass die Pflanzenteile, die keine Wurzeln sind, nicht im Pflanzstoff vergraben werden, sondern lediglich oben aufsitzen, da es sonst zu Fäulnis kommen kann. Natürlich ist auch eine aufgebunden Kultur möglich, sofern man eine Orchideenvitrine oder ein Gewächshaus bieten kann. Auch getopft in Sphagnum, feiner Rinde oder einer Mischung aus beidem sollte funktionieren. Wichtig ist, dass das Gießverhalten an das Medium angepasst wird. Der Topf sollte stets gleichmäßig feucht gehalten werden. Zu trocken, aber auch zu nass kann problematisch werden, wenn es über einen längeren Zeitraum anhält. Bei mineralischer Kultur kann der Topf immer in einer kleinen Pfütze Wasser stehen. Durch die Kapillarität des Lavagranulats zieht sich der Pflanzstoff das Wasser nach oben und bietet somit gleichmäßige Feuchigkeit im gesamten Topf. Da mineralische Stoffe strukturstabil sind, ist auch immer genug Luftaustausch zwischen dem Granulat möglich. Außerdem verrottet es nicht und es muss erst neu getopft werden,  wenn die Pflanze über den Topfrand wächst. Von oben wird nur ab und an etwas klares Wasser zum Durchspülen des Topfes gegossen, um ein Verzalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden. Gedüngt wird regelmäßig, aber in sehr schwacher Konzentration. Mein Gießwasser hat stets einen Leitwert von 100-200 Mikrosiemens.

Die ersten Kulturversuche erfolgten bei mir in meinem warmen Orchideenzimmer. Die Pflanze wuchs gut, wollte aber nicht blühen, nur gelegentlich wurde mal eine einzelne Infloreszenz gebildet, trotz des üppigen Laubs. Im späten Sommer stellte ich die Pflanze zu meinen Restrepien an einen etwas kühleren Platz und siehe da, es kommen etliche Blütentriebe. Drei davon blühen jetzt zusammen. Weitere sind schon in allen Stadien unterwegs. Kühlere Temperaturbedingungen sind also offenbar der Blüteninduktion förderlich. Besonders lichthungrig scheint Specklinia costaricensis dafür nicht zu sein. Sowohl der vorherige wärmere Kulturplatz wie auch der jetzige sind eher schattig. Der aktuelle Platz ist das kühle, nach Norden ausgerichtete Treppenhaus. Die Pflanze steht dort direkt am unverbauten Nordfenster im zweiten Stock. Hell, aber ohne jegliche direkte Sonneneinstrahlung, das scheint ihr vollkommen zu genügen.

Die leuchtenden Blüten, die über die üppigen kleinen Büschel aus Blättern emporragen, sind ein wirklicher Hingucker im sonst eher faden Treppenhaus. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Specklinia costaricensis (Foto: Thomas Jacob)
Infloreszenz von Specklinia costaricensis (Foto: Thomas Jacob)
Die Blüten von Specklinia costaricensis öffnen sich fast zeitgleich an der Infloreszenz. (Foto: Thomas Jacob)
Seitenansicht einer Einzelblüte von Specklinia costaricensis (Foto: Thomas Jacob)
Specklinia costaricensis (Foto: Thomas Jacob)
Specklinia costaricensis (Foto: Thomas Jacob)
Specklinia costaricensis (Foto: Thomas Jacob)

KW 41, 2020

Phragmipedium Ely’s Colombian Pride

Alles lesen Orchidee der Woche 41, 2020

     Phragmipedium Ely’s Colombian Pride

Phragmipedium Ely’s Colombian Pride ‚Zuckersüß‘ BM/DOG (Foto: Thoma Jacob)

Am 16. Dezember 2013 wurde Phragmipedium Ely’s Colombian Pride in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Die Kreuzung aus den beiden Naturformen Phragmipedium andreettae und Phragmipedium schlimii wurde von Eliseo Teson geschaffen, der sich hobbymäßig mit der Gattung und deren Hybridisierung beschäftigt. Der gebürtige Spanier, der seit einigen Jahren in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá D.C. lebt, arbeitete unter anderem mit an Prof. Guido J. BRAEMs Buch „The Genus Phragmipedium“, das im Jahr 2018 erschien. Gemeinsam kombinierten die beiden einige Arten und Naturhybriden aus dem Phragmipedium schlimii-Komplex um, wozu auch die beiden Elternteile von Phragmipedium Ely’s Colombian Pride gehören. Übersetzt bedeutet der Hybridname Ely´s Colombian Pride soviel wie Ely´s kolumbianischer Stolz, wobei Ely die Abkürzung für Eliseo ist.

Phragmipedium andreettae – ein Elternteil der Hybride (Foto: Thomas Jacob)

Die kleinwüchsige Art Phragmipedium andreettae ist heimisch in Nordwestecuador und Kolumbien, wo sie lithophytisch und terrestrisch in Höhenlagen von 500-1000 Metern über dem Meeresspiegel anzutreffen ist. Da die Pflanzen oft zusammen mit Phrag. schlimii und Phrag. fischeri wachsen, kommt es zu einer natürlichen Hybridisierung der Arten. Die genaue Erforschung dieser Naturhybriden ist jedoch noch nicht endgültig abgeschlossen. Das Klima am Standort bietet ganzjährig hohe Luftfeuchtigkeit, ständige Luftbewegung und regelmäßige Niederschläge bei Tagestemperaturen von 26-30 Grad und ca. 20 Grad in der Nacht. Die Standorte sind stets hell, aber nicht direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Sehr häufig ist Phrag. andreettae in der Nähe von Flüssen und Bächen zu finden und wächst dort direkt auf feuchten Klippen oder zwischen Gräsern und Moosen.

Phragmipedium schlimii – der andere Elternteil (Foto: Thomas Jacob)

Phragmipedium schlimii ist ebenfalls in Kolumbien beheimatet und wächst dort in Höhenlagen von 1 200 -1 900 Metern in immerfeuchten Humus- und Moosnestern auf Granitfelsen und offenliegenden Baumwurzeln, oft zwischen hohen Gräsern in der Nähe von Gewässern. Die meisten bekannten Standorte liegen halbschattig. Das Klima bietet Temperaturen von 8 Grad nachts bis 25 Grad tagsüber, je nach Standort also deutlich kühler in den Winternächten als bei Phragmipedium andreettae. Da beide sich einige Standorte teilen, scheinen sie aber anpassungsfähig zu sein, was die Temperaturen angeht. Die ganzjährigen Regenfälle sind im Frühjahr und Herbst etwas ausgeprägter.

Da Phragmipedien viel Feuchtigkeit brauchen, sollten sie stets in einer mit Wasser gefüllten Schale stehen. Besonders im Sommer darf das Substrat auch richtig nass sein. Zu viel Wasser ist bei Phragmipedien fast nicht möglich. Nur gelegentlich sollte die Schale ganz abtrocknen, damit sich keine unerwünschten Bakterien im Wasser ausbreiten können. Meine Pflanzen stehen in großen Wannen, die ich alle paar Tage mit frischem Wasser fülle, sobald das alte aufgesogen ist. Im Sommer sind die Schalen alle 3-4 Tage leer, im Winter dauert es 6-7 Tage. Oft ist zu lesen, dass Phragmipedien sehr salzempfindlich sind und bei zu hohen Düngergaben braune Blattspitzen bekommen. Für einige Naturformen und Primärhybriden trifft es auch zu, dass die Wurzeln bei zu vielen Salzen verbrennen und absterben. Allerdings gibt es einige Naturformen und daher auch Hybriden, die wesentlich besser wachsen und blühen, wenn sie etwas mehr Dünger bekommen. Braune Blattspitzen habe ich nicht mehr bei meinen Pflanzen, seit ich einen Dünger verwende, der sowohl Calcium als auch Magnesium enthält und den ich auch höher dosiere als früher. Meiner Erfahrung nach sind die braunen Blattspitzen eher auf einen Mangel an Calcium und Magnesium und nicht auf zu hohe Düngergaben zurückzuführen. Im Sommer bekommen meine Hybriden zwischen 350 und 450 Mikrosiemens bei jedem Wässern. Nur im Winter  stelle ich das Düngen komplett ein. Die angereicherten Salze im Substrat genügen den Pflanzen, um durch die dunkle Jahreszeit zu kommen.

Mein Standard-Phragmipedium-Substrat ist eine Mischung aus Rinde, Perlite, Bimskies und Holzkohle. Die Körnung der Rinde passe ich an die Topfgröße an. Bei kleinen Töpfen nehme ich feinere Rinde, bei großen Töpfen verwende ich gerne gröbere. Perlite verwende ich in der Körnung 2-4 Millimeter. Durch ihr geringes Gewicht machen sie das Substrat locker und sorgen für eine gute Belüftung der Wurzeln. Der Bimskies versorgt die Pflanzen zusätzlich mit Calcium, da er diesen durch die andauernde Feuchtigkeit freigibt. Die Körnung spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ich nutze gerne 5-10 Millimeter. Um einige trockenere Stellen im Pflanzstoff zu schaffen, füge ich immer Holzkohle in einer Körnung von 7-14 Millimeter hinzu. Die Holzkohle saugt sich nicht mit Wasser voll und bleibt trocken. Durch die etwas gröberen Brocken entstehen zusätzlich ein paar Luftlöcher im Substrat, die eine Luftzirkulation im Topf zulassen.

Natürlich gibt es auch einige andere Substrate, die gut für Phragmipedium geeignet sind. Jedes hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil von Rinde ist, dass sie regelmäßig gewechselt werden muss, da sie durch die Dauerfeuchte sehr schnell zerfällt. Mineralische Sustrate zerfallen nicht und müssen daher nicht so oft gewechselt werden. Jeder sollte da seine eigenen Erfahrungen machen und ausprobieren, was zu seiner Kultur am besten passt. Außer mit meinem Standardsubstrat habe ich auch gute Erfahrungen gemacht mit:

  • Akadama
  • Sphagnum-Moos
  • Steinwollwürfeln
  • Bimskies
  • Lavagranulat

Im Sommer stehen Phragmipedien gerne im Freien, da sie Frischluft und Luftbewegung wirklich lieben. Ein Muss ist der Aufenthalt im Freien aber nicht. Auch eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist möglich, wenn regelmäßig gelüftet wird. Steht die Luft zu lange, bilden sich am Ansatz der Triebe leicht Pilze, die unbehandelt die ganze Pflanze vernichten können. Die hohenTemperaturen im Sommer vertragen meine Pflanze allesamt sehr gut, wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist. Dies erreiche ich durch die großen mit Wasser gefüllten Wannen, die reichlich Feuchtigkeit verdunsten. Ich benutze keinen zusätzlichen Nebler. Die nächtlichen Temperaturen liegen bei mir zwischen 14 und 18 Grad, je nach Außentemperatur. An bewölkten Wintertagen liegen sie bei etwa 24 Grad. Wenn die Sonne auf das große Fenster scheint, steigen sie auch mal über 30 Grad. Im Sommer sollte direkte Mittagssonne vermieden werden, da die Blätter sehr schnell verbrennen können. Es gibt einzelne Pflanzen, die nicht so empfindlich zu sein scheinen, allerdings wachsen alle Pflanzen nach meiner Erfahrung etwas schattiger besser. Auch die Blattfarbe ist bei schattiger Kultur dunkler und kräftiger. Bei zu wenig Licht werden die Blätter der Neutriebe länger und schmaler. Meist fällt dann auch die Blüte aus. Im Winter darf die Sonne auch mittags unschattiert auf die Pflanzen fallen.

Phragmipedium Ely’s Colombian Pride ist ein zuverlässiger Blüher, der über viele Wochen hinweg eine Blüte nach der anderen öffnet. Da beide Elternteile recht kompakte Größen haben, bleibt auch die Hybride absolut fensterbanktauglich. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Seitenansicht Phragmipedium Ely’s Colombian Pride (Foto: Thoma Jacob)
Phragmipedium Ely’s Colombian Pride  im Profil (Foto: Thoma Jacob)
Habitus von Phragmipedium Ely’s Colombian Pride (Foto: Thoma Jacob)

KW 40, 2020

Liparis resupinata

Alles lesen Orchidee der Woche 40, 2020

Liparis resupinata

Liparis resupinata (Foto: Thomas Jacob)

Die Art wurde 1886 vom britischen Botaniker Henry Nicholas RIDLEY in „Journal of the Linnean Society“ erstmalig beschrieben. Bis heute ist der Name Liparis resupinata von World Checklist of Selected Plant Families anerkannt. Der Gattungsname Liparis bedeutet im Deutschen so viel wie Glanzstendel und ist abgeleitet vom griechischen Wort liparós, das mit fett oder glänzend übersetzt werden kann – wegen der fleischigen und glänzenden Laubblätter einiger Arten. Für Liparis resupinata trifft dies allerdings nicht zu. Aus dem lateinischen resupinare = zurückbeugen leitet sich der Artname resupinata ab. Unter Resupination versteht man die Drehung einer Blüte, durch die ursprünglich auf der Oberseite liegende Teile nach unten gedreht werden. Dies bedeutet, dass sich das Labellum nach unten dreht, was typisch ist für die Blüten von Orchideen. Liparis resupinata ist demnach der Glanzstendel mit gedrehten Blüten.

Die Infloreszenz im Größenvergleich mit meiner Hand (Foto: Thomas Jacob)

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Liparis resupinata erstreckt sich von Indien über Nepal und China bis nach Bhutan, Myanmar und Thailand.  Die Pflanzen wachsen dort epiphytisch in offenen, lichtdurchfluteten Wäldern unter kühlen Temperaturbedingungen auf Höhen von 1300 – 2500 Metern über dem Meeresspiegel. Sie müssen im Winter mit deutlich niedrigeren Temperaturen und wenig Niederschlag zurechtkommen. Die Sommermonate hingegen sind warm und reich an Niederschlägen.

Auf ca. 7-10 cm großen eiförmigen Pseudobulben sitzen jeweils zwei bis vier Blätter, die leicht gekielt sind und spitz zulaufen. Die Infloreszenzen entwickeln sich aus Blütenscheiden, die nach Abschluss der Wachstumsphase endständig ausgebildet werden. Die Blütentriebe wachsen überhängend und tragen zahlreiche filigrane gelbe Blüten, die lediglich einen Zentimeter hoch sind. Das Labellum ist oft leuchtend orange gefärbt.

Liparis resupinata lässt sich auch auf der Fensterbank gut kultivieren, solange man im Winter recht kühle Bedingungen bieten kann. Meine Pflanze verbringt den Sommer im Freien auf dem Balkon. Sobald die Temperaturen dauerhaft unter 10 Grad liegen, kommt sie in das kühle Treppenhaus an ein helles Fenster, das nach Nordwesten ausgerichtet ist. Die Temperaturen können dort in kalten Winternächten auf acht Grad fallen. Auch tagsüber ist es zu keiner Zeit übermäßig warm. Selten steigt das Thermometer über 16 Grad. Während die Pflanze von April bis Oktober bei mir mit nassem Fuß kultiviert wird, darf sie im winterlichen Quartier natürlich keinesfalls zu feucht stehen, da es durch die kühlen Temperaturen sonst schnell zu Fäulnis kommen kann. Von November bis März gieße ich lediglich alle 5-10 Tage nur sehr wenig Wasser auf das Substrat am Topfrand, sodass meine Pflanze nicht dehydriert und die Pseudobulben nicht schrumpeln.

Während der Wachstumsphase im Sommer hat das Gießwasser einen Leitwert von ca. 400 Mikrosiemens/cm. Gelegentlich wird der Pflanzstoff mit klarem Wasser durchgespült, um ein Versalzen zu vermeiden, wodurch die recht feinen Wurzeln verbrennen würden. Im Winter, wenn die Pflanze ihre Ruhephase hat, gieße ich grundsätzlich nur mit sehr salzarmem Wasser. Zum einen brauchen Pflanzen während der Ruhephase kaum Nährstoffe, zum anderen haben sich über den Sommer genug Düngerreste angereichtert, die Liparis resupinata gut durch die dunkle Jahreszeit bringen. Von Sprühen, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen, rate ich grundsätzlich ab. In den Blattachseln stehendes Wasser kann ebenfalls sehr schnell zu Fäulnis führen, was meist den Tod der Pflanze bedeutet.

Als Substrat eignet sich alles, was besonders im Sommer genug Feuchtigkeit speichert und nicht zu schnell austrocknet. Feine Rinde, Spagnum-Moos, Steinwollwürfel oder eben mineralische Substrate, wie ich sie bevorzuge. Liparis resupinata wächst bei mir auf Lavagranulat in einer Körnung von 2-8 Millimeter. Wichtig ist, dass alle Pflanzenteile oberhalb des Pflanzstoffs sitzen und nicht darin vergraben werden. Auch hier bietet sich sonst ein toller Nährboden für Fäulnis. Mineralische Substrate haben den Vorteil, dass sie sich nicht zersetzen. Somit muss erst neu getopft werden, wenn die Pflanze über den Topfrand hinauswächst. Außerdem saugen sich Lavagranulat und Co. mit nassem Fuß durch die Kapillarität gleichmäßig feucht, ohne zu nass zu werden. Im Winter lassen sie sich dementsprechend gleichmäßig trocken halten, weil sie ohne nassen Fuß sehr zügig abtrocknen.

Liparis resupinata zieht mit den überhängenden Infloreszenzen und ihren zahlreichen leuchtenden Blüten alle Blicke auf sich! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Seitenansicht von Liparis resupinata (Foto: Thomas Jacob)
Liparis resupinata im Profil (Foto: Thomas Jacob)
Habitus von Liparis resupinata (Foto: Thomas Jacob)
Infloreszenz von Liparis resupinata (Foto: Thomas Jacob)

KW 39, 2020

Phalaenopsis Fantasy Musick

Alles lesen Orchidee der Woche 39, 2020

Phalaenopsis Fantasy Musick

Phalaenopsis Fantasy Musick (Foto: Thomas Jacob)

Am 14. Februar 2002 wurde Phalaenopsis Fantasy Musick – die von F. und M. Kaufmann produzierte und angemeldete Hybride aus Phal. Micro Nova und Phal. equestris – in das Register für Orchideenhybriden bei der Royal Horticultural Society (RHS) in Kew eingetragen. Die Aussat ergab nur wenige blühfähige Pflanzen und wurde dadurch sehr schnell zum Sammlerobjekt von Phalaenopsis-Liebhabern. Bis heute ist ihr Kultstatus in genannten Kreisen ungebrochen. Erneute Kreuzungsversuche von Phal. Micro Nova mit Phal. equestris scheiterten, die Meristemvermehrung erwies sich als schwierig. Eine Massenproduktion, wie bei der ähnlich aussehenden Phal. Mini Mark, ist somit bis heute unmöglich. Der Marktpreis einer Ware wird bekanntlich von Angebot und Nachfrage bestimmt, daher erzielen Pflanzen der Kreuzung auf Onlineauktionen teilweise über 150 €! Da der Elternteil Phal. Micro Nova eine Primärhybride ist, sind lediglich drei Arten an der Hybride Phal. Fantasy Musick beteiligt:

Auf jede einzelne der drei beteiligten Naturformen möchte ich in diesem Beitrag nicht eingehen. Alle drei Arten wachsen epiphytisch unter warmen Bedingungen in asiatischen Regenwäldern. Man findet sie eher in schattigen, vor direkter Sonneneinstrahlung geschützten Bereichen. Das ganze Jahr über herrscht sehr hohe Luftfeuchtigkeit mit regelmäßigen Niederschlägen in Form von Nebel und Regen. Alle Pflanzen der Gattung Phalaenopsis wachsen monopodial und haben fleischige, feste Blätter, die wechselständig angeordnet sind. Die Infloreszenzen entstehen am Stamm zwischen den einzelnen Blättern. Phalaenopsis equestris, maculata und lobii sind allesamt eher kleinwüchsige Arten innerhalb der Gattung.

Habitus von Phalaenopsis Fantasy Musick (Foto: Thomas Jacob)

Die Hybride Phalaenopsis Fantasy Musick bleibt deshalb sehr kompakt und zählt zu den kleinwüchsigen Phalaenopsen. Dadurch ist sie eine ideale Orchidee auch für kleinere Fensterbretter. Ihre Infloreszenzen wachsen eher überhängend und nicht aufrecht. Sie können über viele Monate immer wieder neue Knospen hervorbringen, solange der Blütentrieb nicht eintrocknet. Die Blüten sind ca. 3 cm breit und fast genauso hoch. Die Grundfarbe ist weiß. Die Tepalen sind allesamt mit feinen rotvioletten Punkten besetzt. Die Petalen sind oft zartrosa überhaucht. Das Labellum ist bei frisch geöffneten Blüten eher orangerot, wechselt innerhalb von ein paar Tagen aber in ein leuchtendes Violettrot.  Form, Größe und Zeichnung der Blüten erinnern sehr stark an Phalaenopsis Mini Mark. Allerdings sind die Farben bei Phal. Fantasy Musick viel leuchtender und intensiver. Die Hybride neigt sehr stark zur Kindelbildung an den Blütentrieben. Diese Eigenschaft ist dem Elternteil Phal. equestris zu verdanken. Da die Aussaat von Kaufmann nicht sonderlich viele Pflanzen ergab und eine Nachzucht der Hybride bisher scheiterte, ist die fleißige  Kindelbildung ein wahrer Segen für Phalaenopsis-Sammler. Somit kommt man – wenn auch erst nach langer Suche – in den Besitz dieser sehr begehrten Pflanze.

Ich kam vor vier Jahren zu meinem Kindel und hatte das große Glück, mit einer lieben Freundin tauschen zu können. Während der ersten drei Jahre wuchs und wurzelte die Pflanze wunderbar, blühen wollte sie aber irgendwie nicht recht. Erst als ich von besagter Orchideenfreundin den Tipp bekam etwas mehr zu düngen, besonders im Sommer, fing die Pflanze an zu blühen und hat seitdem eigentlich nicht mehr wirklich aufgehört. Sobald ein Blütentrieb eintrocknet, bildet sich schon ein neuer, sodass Phalaenopsis Fantasy Musick lediglich für wenige Wochen blütenlos ist. Im Sommer dünge ich die Pflanze zweimal im Monat. Die angesetzte Düngerlösung hat während der warmen und hellen Jahreszeit einen Leitwert von ca. 500 – 600 Mikrosiemens/cm. Im Winter dünge ich genauso hoch, allerdings nur einmal im Monat. Dazwischen wird mit klarem Wasser ohne Düngerzugabe gegossen, um ein Versalzen des Substrats zu vermeiden.

Phalaenopsis Fantasy Musick (Foto: Thomas Jacob)

Da die beteiligten Naturformen allesamt hohe  Temperaturen mögen, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Phalaenopsis-Hybride. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 16-18 Grad fallen. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Einerseits steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Andererseits ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet das stehende Wasser wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Als Pflanzstoff für Phalaenopsis eignet sich Rinde am besten. Die Körnung sollte der Topfgröße angepasst sein. Für kleinere Töpfe nimmt man feinere, für größere Töpfe dementsprechend gröbere Rinde. Bei sehr kleinen Töpfen geht auch Substrat aus Kokosfasern gut. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Phalaenopsis-Pflanzen zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder ganz silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den späten September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Phalaenopsis Fantasy Musick auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Ihre kleinen farbintensiven Blüten machen diese blühfreudige Hybride zu einem echten Hingucker auf jeder Fensterbank. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Profilansicht der Blüte – die Tepalen strecken sich weit nach hinten. (Foto: Thomas Jacob)
Hier ist der Farbwechsel des Labellums gut zu erkennen (Foto: Thomas Jacob)
Auch hier ist der Farbwechsel des Labellums gut zu erkennen. (Foto: Thomas Jacob)

KW 38, 2020

Paraphadenia Juraj Kojs

Alles lesen Orchidee der Woche 38, 2020

Paraphadenia Juraj Kojs

Paraphadenia Juraj Kojs (Foto: Thomas Jacob)

Die Orchideenzucht Kultana Orchids, die in Bangkok ansässig ist und sich auf die Zucht von Orchideen und deren Export spezialisiert hat, bestäubte für diese Hybride eine Blüte von Seidenfadenia mitrata mit dem Pollen einer Paraphalaenopsis labukensis. Am 09. Oktober 2019 wurde Paraphadenia Juraj Kojs in das Register der Royal Horticultural Society eingetragen – angemeldet von der US-amerikanischen  Orchideengärtnerei R. F. Orchids in Florida, wo sie auch erstmals zur Blüte gekommen war. Benannt wurde sie nach Juraj Kojš, Leiter der Music and Multimedia Programs der Harold Golen Gallery in Wynwood, Miami. Der gebürtige Slovake kreiert selbst Musik- und Multimedia-Installationen, produziert die Musik anderer Künstler und unterrichtet an der Universität.

Paraphalaenopsis labukensis (Foto: D.O.G.-Archiv)

Seidenfadenia mitrata ist heimisch in Myanmar, Laos und Thailand. Sie wächst dort ausschließlich epiphytisch auf Bäumen. Die Standorte liegen auf Höhen von 100 – 800 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturbedingungen sind ganzjährig warm bis heiß. Während es in den Sommermonaten durch den Monsun sehr viel Niederschlag gibt, sind die Wintermonate von trockener Wärme geprägt. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch. Im malaysischen Bundesstaat Sabah ist der zweite Elternteil – Paraphalaenopsis labukensis – heimisch. Auch sie wächst epiphytisch an Bäumen. Die Standorte liegen 500 bis 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Monsunregen und Temperaturbedingungen sind ebenfalls identisch mit denen von Seidenfadenia mitrata. Allerdings erreicht Paraphal. labukensis deutlich größere Ausmaße. In Kultur kann das herabhängende und stiftförmige Laub bis zu 2 Meter lang werden.

Seidenfadenia mitrata (Foto: Thomas Jacob)

Von einem kurzen Stamm hängen bei meiner Paraphadenia Juraj Kojs sehr schmale, fast röhrenartige Blätter herab, die bisher ca. 30 cm lang sind. Ich hoffe, dass die Hybride nicht im Laufe der Jahre die Ausmaße von Paraphal. labukensis annimmt. Das Laub ist sehr fest und fleischig. Paraphadenia Juraj Kojs wächst nie aufrecht, sondern immer überhängend. Die Infloreszenzen entspringen am Stamm zwischen den Blättern und sind immer deutlich kürzer als das Laub. Meist verzweigen sich die Blütentriebe nicht. Die Wurzeln sind, für Epiphyten typisch, sehr dick und fest. Das Velamen speichert bei Regen Wasser und verfärbt sich grün. Sobald die gespeicherte Feuchtigkeit an die Pflanze abgegeben wurde, sind die Wurzeln wieder silbrig grau. An den Infloreszenzen bilden sich mehrere Blüten, die zart duften. Die Grundfarbe der Blüten variiert von weiß über gelbgrün bis zu bräunlich, manchmal sind sie zart rosa überhaucht. Das Labellum und die Spitze der Säule sind leuchtend rosa bis violettrot gefärbt. Blütezeit ist vom späten Frühjahr bis in den frühen Sommer.

Ich erhielt meine Pflanze wurzelnackt in einem kleinen Plastikkörbchen. Die Wurzeln waren zwar nicht zahlreich, aber es gab einige aktive Wurzelspitzen, die durch die Umstellung vom Gewächshaus des Orchideengärtners in meine Wohnung leider alle recht zügig inaktiv wurden. Die Luftfeuchtigkeit in meiner Wohnung schien also deutlich zu niedrig zu sein, obwohl ich regelmäßig zweimal täglich die Wurzeln für 5 Minuten in einem Wasserbad tauchte. Da der Elternteil Paraphal. labukensis in Rinde getopft zu kultivieren ist, Seidenfadenia mitrata aber auch bei mir sehr gut wurzelnackt auf Holz gedeiht, entschied ich mich für eine Zwischenlösung. Die Pflanze blieb in ihrem Körbchen und wurde damit in sehr grobe Rinde getopft, sodass die Wurzeln nicht zu zügig abtrocknen, der Stamm aber in jedem Fall sehr schnell trocknen kann. In diesem System kultivierte ich sie dann wie meine Phalaenopsen. Schon kurz nach dem Umtopfen bildeten sich wieder neue Wurzelspitzen. Im Wohnraum scheint sie sich also getopft wohler zu fühlen als wurzelnackt oder aufgebunden.

Durch diese Methode ist eine Kultur auf der Fensterbank ohne großen Aufwand möglich. Da die beteiligten Naturformen allesamt warme bis heiße Bedingungen mögen, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für Paraphadenia Juraj Kojs. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 15-18 Grad fallen. Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor zu starker Mittagssonne geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein am Vor- und Nachmittag wird jedoch vertragen. Bei sehr heller Kultur färben sich die Blätter leicht rötlich. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Paraphadenia Juraj Kojs auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Als Pflanzstoff eignet sich Rinde in grober Körnung am besten. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von wenigen Tagen komplett abtrocknet. Dauert es länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Epiphyten zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad für wenige Minuten genügt, sodass sich das Velamen der Wurzeln wieder vollsaugt und diese wieder sattgrün sind. Erst wenn die Wurzeln wieder komplett silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitsgehalt sehr gut beobachten.

Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-500 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn, man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Die außergewöhnliche Form des Laubs zieht alle Blicke auf sich. Somit ist Paraphadenia  Juraj Kojs auch ohne Infloreszenzen ein echter Hingucker. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Habitus von Paraphadenia Juraj Kojs (Foto: Thomas Jacob)
Seitenansicht von Paraphadenia Juraj Kojs (Foto: Thomas Jacob)
In diesem Jahr gab es drei Infloreszenzen. (Foto: Thomas Jacob)
Ein Klon mit weniger nach hinten geneigten Blütenblättern (Foto: Thomas Jacob)

 

KW 37, 2020

Paphiopedilum herrmannii

Alles lesen Orchidee der Woche 37, 2020

Paphiopedilum herrmannii

Paphiopedilum herrmannii (Foto: Thomas Jacob)

In „Linzer Biologische Beiträge“ aus dem Jahr 1995 publizierten Franz FUCHS und Herbert REISINGER die Erstbeschreibung von Paphiopedilum herrmannii. Obwohl die Art von WCSP (World Checklist of Selected Plant Families) akzeptiert ist, wird unter Taxonomen und auch Paphiopedilum-Sammlern noch immer diskutiert, ob es sich dabei wirklich um eine Art oder eine Naturhybride handelt. Im letzteren Falle werden als Eltern Paph. helenae und Paph. hirsutissimum var. esquirolei vermutet. Dies ist schon aufgrund des Aussehens, vor allem des Staminodiums, mehr als unwahrscheinlich. Mit dem Artnamen herrmannii würdigten FUCHS und REISINGER den deutschen Orchideenspezialisten Rolf HERRMANN, der diese Ehre zum Anlass nahm, den strittigen Sachverhalt endgültig zu klären. Im Jahre 2000 unternahm er nach umfangreichen Vorbereitungen eine Expedition nach Vietnam, wo er die Pflanzen an ihrem natürlichen Standort aufsuchte (Die Orchidee 63(1): 24-27, 2012). Die ihn begleitenden einheimischen Sammler und Führer bestätigten ihm, dass im Umkreis von 100 km keine weitere Frauenschuhart zu finden und damit eine Naturhybride auszuschließen ist. Die Vorkommen der potentiellen Eltern sind sogar 250-300 km entfernt. Bemerkenswerterweise liegt der ursprünglich angegebene Fundort von Paphiopedilum herrmannii im Norden Vietnams an der Grenze zu China, während HERRMANN südwestlich von Hanoi fündig wurde. Möglicherweise wurden die Standortangaben von Sammlern und auch Gärtnern falsch übersetzt und genauso falsch weitergegeben.

Habitus von Paphiopedilum herrmannii (Foto: Thomas Jacob)

Paphiopedilum herrmannii ist, wie alle Arten der Gattung, auf dem asiatischen Kontinent beheimatet. Sein natürliches Verbreitungsgebiet liegt in Vietnam, etwa 100 km südwestlich von Hanoi, wo es in Höhenlagen von ca. 650 Metern über dem Meeresspiegel senkrechte Felswände besiedelt. Das Habitat ist sehr gut drainiert. Das Klima ist  subtropisch mit einer kühleren und trockeneren Jahreszeit von November bis März und einer heißen und feuchten von April bis Oktober. Der meiste Regen fällt hier zwischen Juli und September. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig hoch.

Paphiopedilum herrmannii ist eine fensterbanktaugliche Frauenschuhorchidee mit ansprechenden Blüten. Ich kultiviere meine Pflanze in einer Mischung aus mittlerer und feiner Rinde, Bimskies und Perlite. Das Substrat kalke ich alle sechs Monate mit Hüttenkalk auf. Auch andere Substrate und Zuschlagstoffe sind natürlich möglich. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit gut gehalten werden kann. Steinwoll- oder Schaumstoffwürfel, Sphagnum-Moos, Akadama, Kokosfasern etc. ‒ ich habe fast alles schon ausprobiert. Paph. herrmannii scheint keine besonderen Ansprüche an das Substrat zu stellen. Solange es immer feucht ist ‒ im Sommer richtig feucht bis nass, im Winter darf es leicht antrocknen ‒ und ausreichend Kalk geboten wird, ist dieses Paphiopedilum gerne bereit zu wachsen und zu blühen. Das Thema Kalk handhabt auch jeder ein bisschen anders. Wie oben schon geschrieben, kalke ich das Substrat alle sechs Monate mit Hüttenkalk auf. Hüttenkalk ist ein kohlensaurer Kalk, der leicht wasserlöslich ist und gut von der Pflanze aufgenommen werden kann. Damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht. Ich habe aber auch schon sehr gut kultivierte Exemplare von Paph. herrmannii gesehen, die Muschelgritt im Substrat hatten, welches den nötigen Kalk liefert, oder auch Pflanzen, die gelegentlich mit Leitungswasser gegossen werden, um Kalk verfügbar zu halten. Auch hier muss jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln, um herauszufinden, welcher der beste Weg ist. Viele Wege führen nach Rom, pardon, zur Blüte!

Das Gießwasser hat bei mir einen Leitwert von ca. 150-200 Mikrosiemens. Im Sommer wird alle paar Tage getaucht, im Hochsommer steht der Topf auch mal 1-3 Tage in einer Wasserpfütze. Bei tagelangen Regenfällen steht Paphiopedilum herrmannii im natürlichen Habitat auch kurzzeitig im Wasser. Das verträgt es gut, aber eben nur im Hochsommer, wenn auch die Temperaturen entsprechend hoch sind. Stehendes Wasser in Verbindung mit Kälte lässt die Wurzeln sofort faulen. Im Winter gieße ich nur alle paar Tage leicht auf das Substrat, sodass es nicht ganz austrocknet, aber auch nicht zu nass ist. Gedüngt wird bei mir nur von Frühling bis Anfang Herbst, alle 2- 4 Wochen. Das Düngerwasser hat dann einen Leitwert von 300-400 Mikrosiemens. Auch mein Dünger enthält zusätzlich nochmal etwas Kalk, was nicht bei jedem Dünger gegeben ist.

Wenn im Sommer die nächtlichen Temperaturen nicht mehr unter 15 Grad fallen, stelle ich mein Paphiopedilum herrmannii schattig ins Freie. Im Winter steht es hell am Westfenster im unbeheizten Büro bei 18-24 Grad tagsüber. Bei starkem Sonnenschein steigen die Temperaturen durch eine große westseitige Glasfront auch mal auf 30-32 Grad. Nachts fallen die Temperaturen auf 14-16  Grad. Die Pflanze verträgt auch etwas tiefere Temperaturen, deutlich unter 10 Grad sollten es auf Dauer aber nicht sein.

Durch den kompakten Wuchs und die im Verhältnis dazu große Blüte ist Paphiopedilum herrmannii ein echter Hingucker auf der Fensterbank. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Seitenansicht von Paphiopedilum herrmannii (Foto: Thomas Jacob)
Paphiopedilum herrmannii mit Doppelblüte (Foto: Thomas Jacob)
Paphiopedilum herrmannii ‚Lilli‘ erhielt Silbermedaillen in den Kategorien Kultur und Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum herrmannii ‚Fulerum‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum herrmannii ‚David‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)

KW 36, 2020

Stelis rodrigoi

Alles lesen Orchidee der Woche 36, 2020

Stelis rodrigoi

Stelis rodrigoi (Foto: Thomas Jacob)

Im Jahr 1982 beschrieb Carlyle August LUER die Pflanze unter dem Namen Condylago rodrigoi in „Orquideologia“. Mit dem Artnamen rodrigoi ehrte er den kolumbianischen Orchideensammler Rodrigo ESCOBAR, der die Art seit der Entdeckung erfolgreich kultivierte. Knapp 20 Jahre später, im Jahr 2001, publizierten Mark Wayne CHASE und Alec Melton PRIDGEON einen Artikel in „Lindleyana“, in dem sie die Art in die Gattung Stelis überführten. Auch Carlyle August LUER selbst folgte dieser Meinung und schrieb 2016 für „Harvard Papers in Botany“ eine erneute Eingruppierung in die Gattung Stelis. Der Gattungsname Stelis leitet sich sowohl vom lateinischen stelis sowie vom griechischen stelís ab. Beide Wörter stehen für Pflanzen wie Misteln, die als Schmarotzer auf anderen Pflanzen aufsitzen. Stelis rodrigoi ist allerdings kein Schmarotzer, der sich an den Halt gebenden Bäumen bereichert. Als Epiphyt sitzt sie lediglich auf und versorgt sich vollkommen selbstständig.

Habitus von Stelis rodrigoi – leider blühen meist nur ein bis zwei der Infloreszenzen zur selben Zeit (Foto: Thomas Jacob)

Stelis rodrigoi kommt ausschließlich im Verwaltungsbezirk (Department) Antioquia im Nordwesten Kolumbiens vor. Sie wächst dort epiphytisch auf Bäumen und Sträuchern. Die meist kühlen Standorte liegen zwischen 1400 und 1600 Metern über dem Meeresspiegel. Die Pflanzen sind durch das Laub der Bäume vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über in Form von Regen und Nebel. Dadurch trocknet das Habitat niemals vollkommen aus und ist stets feucht. Aus diesem Grund braucht Stelis rodrigoi auch keine Speicherorgane in Form von Pseudobulben oder Ähnlichem. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch und es herrscht immer eine recht starke Luftbewegung.

An einem recht kurzen Stiel, der von ein bis zwei trockenen Hüllblättern umgeben ist, sitzt jeweils ein einzelnes dunkelgrünes Blatt, das bis zu 10 cm lang und stark gekielt ist und spitz zuläuft. An der Blattbasis entspringen die Infloreszenzen, die mit bis zu 25 Zentimetern deutlich über das Laub hinausragen. Jede Infloreszenz bringt mehrmals hintereinander einzelne kleine Blüten hervor, die lediglich 4-5 Millimeter groß sind. Die Sepalen sind mit zahlreichen weißen Härchen besetzt. Die Grundfarbe der äußeren Blütenblätter variiert zwischen Orangegelb und zartem Rot. Die Petalen öffnen sich nicht völlig und sind der Säule entlang nach vorne gerichtet. Sie sind kräftig dunkelrot gefärbt und nicht mit Haaren besetzt, ebenso das dunkelrote, wenig auffällige Labellum. Die Blüten duften nicht. Hauptblütezeit ist im Herbst, wobei die Blütentriebe ganzjährig erscheinen können. Durch das ständige Nachschieben von einzelnen Blüten erstreckt sich die Blühdauer einer Infloreszenz über mehrere Monate.

Ich kultiviere meine Stelis rodrigoi im Grunde genauso wie meine Restrepien. Sie ist getopft in Lavagranulat in der Körnung 2-8 mm. Auch aufgebundene Kultur ist natürlich möglich, allerdings ist dann eine Orchideenvitirine oder ein Gewächshaus zu empfehlen, damit die feinen Wurzeln nicht austrocknen. Der Topf steht bei mir das ganze Jahr über in einem mit Wasser gefüllten Untersetzer. Der mineralische Pflanzstoff saugt sich somit immer gleichmäßig feucht und trocknet nicht aus. Zwischen den einzelnen Substrat-Teilchen entstehen kleine Lufträume, die eine gute Belüftung der Wurzeln gewährleisten. Der größte Vorteil von mineralischem Substrat ist, dass sich die Bestandteile nicht zersetzen, was bei Rinde oder Moos in Verbindung mit Dauerfeuchtigkeit oft schnell passiert. Getopft werden muss also erst, wenn der Topf zu klein wird. Stelis rodrigoi liebt Feuchtigkeit und hasst Trockenheit. Wie oben schon erwähnt besitzt die Art keine Speicherorgane wie manch andere Orchideenart. Steht sie einmal zu lange zu trocken, bedeutet das meistens den Tod der Pflanze. Gelegentliches Tauchen, wenn die Pflanzen in organischem Substrat getopft waren, war unter meinen Bedingungen nicht von Erf0lg gekrönt, weshalb ich inzwischen alle Pleurothallidinae auf mineralisches Substrat umgestellt habe.

Das Gießwasser, mit dem ich die Schale auffülle, hat einen Leitwert von ca. 150 Mikrosiemens/cm. Von März bis in den frühen Herbst wird 1-2 Mal im Monat gedüngt. Dabei dünge ich das Wasser auf etwa 300 Mikrosiemens/cm auf. Gelegentlich wird der Topf mit klarem Wasser durchgespült, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu verhindern. Tut man das nicht, reichern sich im Laufe der Zeit zu viele Salze (Düngerreste) im Topf an, die dann die feinen Wurzeln beschädigen könnten. Im Winter dünge ich nicht. Stelis rodrigoi steht im Sommer im kühlen Treppenhaus an einem Fenster, das nach Norden ausgerichtet ist. Hier bleibt es einfach während der heißen Tage am kühlsten und die schattigen Lichtverhältnisse scheinen ihr zu genügen. Im Winter steht die Pflanze dann an einem hellen Westfenster in einem unbeheizten Raum. Dort ist es ebenfalls schön kühl, bietet aber deutlich mehr Licht während der dunklen Jahreszeit. Die nächtlichen Temperaturen fallen dort auf ca. 10 Grad ab – je nach Außentemperatur. Während ich im Sommer sehr darauf achte, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sind, darf in den Wintermonaten von November bis Mitte Februar das Sonnenlicht ungehindert auf die Pflanze fallen – besonders oft scheint die Sonne im Winter ja ohnehin nicht. Ab Ende Februar/Anfang März wird die Sonnenstrahlung allerdings schon wieder so stark, dass es schnell zu Verbrennungen auf den Blättern kommen kann. Diese Verbrennungen sind dauerhaft und lassen sich nicht behandeln. Aus diesem Grund muss zwingend ab Mitte Februar schattiert werden oder man ändert eben den Standort.

Die haarigen Blüten von Stelis rodrigoi mit ihren kräftigen Farben ziehen alle Blicke auf sich und bereichern jede Orchideensammlung. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Seitenansicht von Stelis rodrigoi (Foto: Thomas Jacob)
Die Blüte von Stelis rodrigoi im Profil (Foto: Thomas Jacob)

KW 35, 2020

Papilionanda Pink Fairy

Alles lesen Orchidee der Woche 35, 2020

Papilionanda Pink Fairy

Papilionanda Pink Fairy (Foto: Thomas Jacob)

Die noch recht junge taiwanesische Orchideenzucht Ten Shin Gardens bestäubte vor gut zehn Jahren – nicht sonderlich lange nach Gründung des Unternehmens – die Blüte einer Vanda falcata mit dem Pollen einer Papilionanthe teres. Heraus kam die sehr gelungene Kreuzung Papilionanda Pink Fairy, die im Jahr 2014 in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen wurde. Pink Fairy heißt übersetzt pinkfarbene Fee, was wegen der rosa gefärbten Blüten der meisten Pflanzen, deren Form an eine Fee erinnert, sehr passend ist. Dennoch suchte ich mir bewusst ein weiß blühendes Individuum aus, da mir die großen weißen Blüten noch besser gefallen. Zusammen mit der wirklich auffälligen Wuchsform der Pflanzen wirken diese tatsächlich wie aus einem Märchenfilm entsprungen.

Habitus von Papilionanda Pink Fairy (Foto: Thomas Jacob)

Beheimatet ist Vanda falcata in Japan, Korea und auf den Ryūkyū-Inseln. Sie wächst dort ausschließlich epiphytisch unter kühlen und kalten klimatischen Bedingungen. Die kleinen Pflanzen besiedeln am Naturstandort meist laubabwerfende Bäume und haben somit schattige Sommer – im Winter sind sie dann der vollen Sonne ausgesetzt. Vanda falcata ist eine monopodial wachsende Orchidee, die ab einer bestimmten Größe mehrere fächerartig beblätterte Sprosse ausbildet. Die Blätter sind etwa 5-12 cm lang, dünn, kräftig und starr. Oft werden im Herbst die Blütentriebe angesetzt, die dann den Winter über ruhen und im Frühjahr weiterwachsen und zur Blüte kommen. Die Infloreszenz entspringt einer Blattachse, wird ca. 7 cm lang und trägt mehrere Blüten, die am Abend einen angenehmen Duft verbreiten. Die Blütenfarbe von V. falcata ist nicht so variabel, wie es scheint. Sie wird zwar in Weiß, Rosa, Gelb, Grün und Violett, teilweise einfarbig, teilweise zweifarbig angeboten, allerdings findet man in der Natur fast ausschließlich weiße Blüten, selten mit einem Hauch von Rosa oder Grün. Die Lippe ist bei den natürlichen Farbvariationen immer komplett weiß. Kräftigere Rosa-, Gelb-, Violett- oder Grüntöne sind Ergebnisse jahrhundertelanger Zucht, bei denen vermutlich andere Arten von Vandeen mit eingekreuzt wurden. An der Rückseite der Blüte befindet sich ein langer Sporn, der nach unten zeigt.

Papilionanthe teres ist eine groß wachsende Art, die weite Teile des asiatischen Kontinents besiedelt. Die monopodialen Pflanzen wachsen epiphytisch unter sehr warmen Bedingungen. Die Standorte liegen im Himalaya, in Assam, Bangladesch, Indien, Nepal und auf den Andamanen. Außerdem findet man die Art in Myanmar, Thailand, Laos und Vietnam. An einem langen und sehr dünnen Stamm sitzen wechselständig angeordnete, fast steckenartige Blätter, die 10-15 cm lang werden und dunkelgrün gefärbt sind. Papilionanthe teres wächst in voller Sonne und benötigt viel Licht, um zur Blüte zu kommen. Am Stamm entspringen die bis zu 30 cm langen Infloreszenzen, die 3-6 Blüten tragen. Die Blüten sind weiß bis rosafarben gefärbt und duften.

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Ansprüche, die beide Elternteile haben, muss man in der Kultur ein wenig ausprobieren, was die eingene Pflanze mag und was nicht. Papilonanda Pink Fariy aus meiner Sammlung scheint das sehr helle, unschattierte Sonnenlicht auch im Sommer zu benötigen, damit sie zur Blüte kommt. Ob das bei allen Individuen der Kreuzung der Fall ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Je sonniger sie steht, desto mehr Wasser sollte man ihr geben, damit das Laub nicht zu stark dehydriert und faltig wird. Ansonsten scheint diese Hybride recht pfegeleicht zu sein – auch auf der Fensterbank.

Da der Elternteil Papilionanthe teres sehr hohe  Temperaturen mag, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Hybride. Nachts fallen die Temperaturen in meinem Kulturraum niemals unter 16-18 Grad. Tagsüber klettert das Thermometer auch im Winter auf bis zu 30 Grad, besonders an sehr sonnigen Tagen. Natürlich sollte man versuchen, die Luftfeuchtigkeit möglichst hoch zu halten. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können helfen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet das stehende Wasser wegen der mangelnden  Luftbewegung in geschlossenen Räumen nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch. Meine Papilionanda Pink Fairy steht ganzjährig sehr hell und erhält volle Sonne vom zeitigen Nachmittag bis zur Dämmerung.

Als Pflanzstoff eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Epiphyten zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder ganz silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. An besonders heißen Tagen im Hochsommer gieße ich auch zwischen den Tauchgängen zusätzlich etwas Wasser, sodass die Wurzeln in dieser Zeit nicht ganz durchtrocknen. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten. Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-450 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn, man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Papilionanda Pink Fairy ist durch ihren eigenartigen Wuchs auch ohne Blüten ein echter Hingucker auf jeder Fensterbank und auch in jedem Gewächshaus. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Papilionanda Pink Fairy – Größenvergleich mit meinem Daumen (Foto: Thomas Jacob)
Profilaufnahme einer Einzelblüte (Foto: Thomas Jacob)
Eine Infloreszenez mit vier Blüten von Papilionanda Pink Fairy (Foto: Thomas Jacob)
Seitenansicht der Infloreszenz (Foto: Thomas Jacob)

KW 33, 2020

Restrepia roseola

Alles lesen Orchidee der Woche 33, 2020

Restrepia roseola

Restrepia roseola (Foto: Thomas Jacob)

Der erst kürzlich verstorbene amerikanische Botaniker Carlyle August LUER (zum Nachruf hier klicken) beschrieb die Art zusammen mit seinem kolumbianischen Kollegen Escobar RODRIGO. Den Beitrag dazu veröffentlichten die beiden im Jahr 1996 in einer Ausgabe von „Revista de la Sociedad Colombiana de Orquideologia“. Carlyle LUER beschrieb unzählige Arten der Pleurothallidinae neu und gruppierte bekannte Arten um. Besonders die Gattung Restrepia begeisterte ihn so sehr, dass er bis ins hohe Alter hinein nicht damit aufhörte zu forschen und zu beschreiben. Der Gattungsname Restrepia geht auf den kolumbianischen Orchideenforscher José Manuel RESTREPO VÉLEZ zurück, der als Erster die Geschichte der antioquischen Anden erforschte. Der Artname leitet sich vom lateinischen Wort roseus ab, das mit Rosenrot übersetzt werden kann.

Habitus von Restrepia roseola (Foto: Thomas Jacob)

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich über ein recht kleines Gebiet in den Regenwäldern der nördlichen Küstenberge Venezuelas. Restrepia roseola wächst dort epiphytisch auf  Bäumen, durch deren Laub sie vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt ist. Durch die hoch gelegenen Standorte von 1300 bis 2300 Metern über dem Meeresspiegel sind die klimatischen Bedingungen eher im kühlen Bereich. Gelegentlich findet man auch Pflanzen in temperierten Lagen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, sodass das Habitat niemals austrocknet. Auch die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

Die Art bildet einzelne Blätter aus, die auf ca. 3-4 cm langen Stielen sitzen. Die Blätter werden bis zu 6 cm lang und sind glänzend grün. An der Basis der Blätter entspringen die Infloreszenzen. Jedes Blatt kann mehrmals Infloreszenzen hervorbringen, die jeweils nur eine einzelne Blüte tragen, die ungefähr 3-4 cm hoch und 1 cm breit ist. Während die Petalen und das dorsale Sepalum sehr filigran und teilweise farblos transluzent sind, leuchtet das überdimensionale Synsepalum mit leuchtend rosenroten Punkten. Die Lippe ist in das verwachsene Synsepalum eingebettet.

Durch Zufall erwarb ich eine Pflanze der Art beim Besuch eines Orchideenzüchters. Ich wunderte mich ein wenig über den recht hohen Preis, aber da ich sie haben wollte, kam sie mit an die Kasse. Wenn ich etwas will, ist der Preis oft eine Nebensache – eine sehr unglückliche Angwohnheit manchmal…. Durch einen Bekannten, der sich sehr gut mit der Gattung auskennt, erfuhr ich dann nicht nur, dass es sich bei meiner Restrepia roseola um eine echte roseola handelt, sondern auch noch, dass der Erwerb ein echter Glücksgriff war, da die Art nur selten angeboten wird. Und da ich nicht nur diese eine Pflanze beim Orchideenzüchter erwarb, bekam ich sie auch zu einem recht guten Preis. Ein wirklicher Glücksgriff, da sie sich auch sichtlich wohlfühlt bei mir und schon kurz nach dem Kauf erblühte.

Ich kultiviere meine Restrepien getopft in mineralischem Substrat, meist Lavagranulat in der Körnung 2-8 mm. Auch aufgebunden ist natürlich möglich, allerdings ist dann eine Orchideenvitirine oder ein Gewächshaus zu empfehlen, damit die feinen Wurzeln nicht austrocknen. Meine Restrepia roseola sitzt in reinem Lavagranulat. Der Topf steht das ganze Jahr über in einem mit Wasser gefüllten Untersetzer. Der mineralische Pflanzstoff saugt sich somit immer gleichmäßig feucht und trocknet nicht aus. Zwischen den einzelnen Substrat-Teilchen entstehen kleine Lufträume, die eine gute Belüftung der Wurzeln gewährleisten. Der größte Vorteil von mineralischem Substrat ist, dass sich die Bestandteile nicht zersetzen, was bei Rinde oder Moos in Verbindung mit Dauerfeuchtigkeit oft schnell passiert. Getopft werden muss also erst, wenn der Topf zu klein wird. Restrepien im Allgemeinen lieben Feuchtigkeit und hassen Trockenheit. Gelegentliches Tauchen, wenn die Pflanzen in organischem Substrat getopft waren, war unter meinen Bedingungen nicht von Erf0lg gekrönt, weshalb ich inzwischen alle Pleurothallidinae auf mineralisches Substrat umgestellt habe.

Das Gießwasser, mit dem ich die Schale auffülle, hat einen Leitwert von ca. 150 Mikrosiemens/cm. Von März bis in den frühen Herbst wird 1-2 Mal im Monat gedüngt. Dabei dünge ich das Wasser auf etwa 300 Mikrosiemens/cm auf. Gelegentlich wird der Topf mit klarem Wasser durchgespült, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu verhindern. Tut man das nicht, reichern sich im Laufe der Zeit zu viele Salze (Düngerreste) im Topf an, die dann die feinen Wurzeln beschädigen könnten. Im Winter dünge ich nicht. Restrepia roseola steht im Sommer im kühlen Treppenhaus an einem Fenster, das nach Norden ausgerichtet ist. Hier bleibt es einfach während der heißen Tage am kühlsten und die schattigen Lichtverhältnisse scheinen ihr zu genügen. Im Winter steht die Pflanze dann an einem hellen Westfenster in einem unbeheizten Raum. Die nächtlichen Temperaturen fallen dort auf ca. 10 Grad ab – je nach Außentemperatur. Während ich im Sommer sehr darauf achte, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sind, darf in den Wintermonaten von November bis Mitte Februar das Sonnenlicht ungehindert auf die Pflanze fallen – besonders oft scheint die Sonne im Winter ja ohnehin nicht. Ab Ende Februar/Anfang März wird die Sonnenstrahlung allerdings schon wieder so stark, dass es schnell zu Verbrennungen auf den Blättern kommen kann. Diese Verbrennungen sind dauerhaft und lassen sich nicht behandeln. Aus diesem Grund muss zwingend ab Mitte Februar schattiert werden.

Die ungewöhnliche Form der Blüten mit ihren leuchtenden Farben zieht alle Blicke auf sich. Bei Restrepia roseola sind zudem die Blüten im Vergleich zum Laub recht groß und auffallend. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Restrepia roseola (Foto: Thomas Jacob)
Seitenansicht von Restrepia roseola (Foto: Thomas Jacob)
Das auffällige Synsepalum von Restrepia roseola (Foto: Thomas Jacob)

 

KW 32, 2020

Prosthechea Green Hornet

Alles lesen Orchidee der Woche 32, 2020

Prosthechea Green Hornet

Prosthechea Green Hornet (Foto: Thomas Jacob)

Die „grüne Hornisse“ wurde am 01. Juni 1995 in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Die Kreuzung ist eine Primärhybride aus zwei Naturformen. Der Züchter, über den ich leider nichts weiter herausfinden konnte, bestäubte die Blüte von Prosthechea cochleata mit dem Pollen von Prosthechea trulla. Prosthechea cochleata war damals noch in der Gattung Encyclia eingeordnet, Prosthechea trulla in der Gattung Epidendrum. Im Jahr 1996 überführte Eric CHRISTENSON Epidendrum trulla in die Gattung Encyclia. W.E. HIGGINS überführte beide Arten im Jahr 1998 in die Gattung Prosthechea. Aus diesem Grund gibt es einige Synonyme, unter denen Pflanzen dieser Gattung im Handel angeboten werden:

  • Epicyclia Green Hornet
  • Encyclia Green Hornet
  • Prosthechea Green Hornet
Habitus mit drei Infloreszenzen – die erste beginnt gerade sich zu öffnen (Foto: Thomas Jacob)

Die Pflanzen bilden circa 5-7 cm lange eiförmige Pseudubulben aus, auf denen jeweils zwei bis drei 15 – 20 cm lange Blätter sitzen. Das Laub ist dunkelgrün, seidenmatt und leicht gekielt. Im Herzen zwischen den Blättern entspringen die Infloreszenzen, nachdem die Pseudobulbe ausgereift ist. Die Blütentriebe können sich verzweigen und tragen zahlreiche Blüten, die sich nacheinander öffnen. Da die Blüten nicht resupiniert sind, zeigt das Labellum nach oben. Es ist muschelförmig, zart gelbgrün gefärbt und mit einer auffallenden violetten Musterung überzogen. Die Tepalen sind allesamt gelbgrün und sehr schmal. Sie sind kreisförmig um das Labellum angeordnet und richten sich nach unten. Die Blüten verströmen einen intensiven Duft, der nicht unangenehm ist.

Die Kultur von Prosthechea Green Hornet ist sehr unkompliziert und funktioniert auch auf der Fensterbank hervorragend. Im Nachfolgenden beschreibe ich euch meine Kulturmethode, die natürlich nicht die einzig richtige ist, aber erfolgreich erprobt wurde:

Ich kultiviere Prosthechea Green Hornet in einer Mischung aus mineralischem Substrat: Bims, Akadama, Lava, Zeolith – alles, was ich gerade zur Verfügung hatte. Der Topf steht immer in einer kleinen Schale, die mit Wasser gefüllt ist. Durch die Kapillarwirkung der Mineralien ist das Substrat stets feucht, aber nicht nass. Perfekte Bedingungen, wie es scheint, denn der Topf war innerhalb von wenigen Wochen komplett durchwurzelt. Der große Vorteil von mineralischen Substraten ist, dass sie sich nicht zersetzten und somit nur neu getopft werden muss, wenn der Topf zu klein geworden ist und die Neutriebe über den Rand hinauswachsen würden. Das wird im Frühjar bei meiner Pflanze der Fall sein. Natürlich lässt sich Psh. Green Hornet auch in anderen Substraten erfolgreich kultivieren. Wichtig ist, dass sie stets feucht, aber nicht klatschnass ist.

Die Wasserqualität sollte nicht allzu salzhaltig sein, wobei die Pflanze schon etwas Dünger verträgt. Mein Wasser, mit dem ich die Schale immer auffülle, wenn sie leergesaugt ist, hat einen Leitwert von 200-300 Mikrosiemens/cm, manchmal sogar noch etwas höher. Im Winter weniger, da ich in dieser Zeit keinen Dünger gebe. Durch das geringe Lichtangebot im Winter fährt der Stoffwechsel der Pflanze herunter, wodurch sie weniger Nährstoffe verarbeiten kann. Wird in dieser Zeit zu viel gedüngt, verbleiben die Salze im Substrat, das dadurch versalzt und somit die doch recht feinen Wurzeln der „Tintenfischorchidee“ verbrennen würden. Wer im Winter mit künstlichem Licht arbeitet, kann natürlich auch dann etwas Dünger geben.

Da die Temperaturen an den verschiedenen Naturstandorten der Elternpflanzen sehr variieren, ist Prosthechea Green Hornet hier nicht allzu anspruchsvoll. Ich kultiviere meine Pflanze im temperiert-warmen Bereich. Auch die große Hitze im Sommer hat ihr keinerlei Probleme bereitet, ich hatte sogar den Eindruck, dass ihr das sehr gutgetan hat. Wo andere Orchideen aus meinem Bestand das Wachstum für einige Wochen einstellten aufgrund der großen Hitze, kam sie so richtig in Fahrt und beendete das Wachstum der diesjährigen Pseudobulbe deutlich früher und zeigte direkt jetzt im Sommer schon ihre drei Blütentriebe. Auch im Winter steht sie bei mir im beheizten Orchideenzimmer, in dem die Temperaturen auch nachts nie unter 16 Grad fallen. Meistens liegen sie eher bei 17-18 Grad.

Direkte Mittagssonne bekommt meine Pflanze nie, auch im Winter nicht. Die tiefstehende Abendsonne im Winter kann aber unschattiert auf sie fallen. Da dann die Tage deutlich kürzer sind, darf in der kurzen Zeit ruhig etwas mehr Licht aufgenommen werden. Die Blattfarbe ist saftig grün ohne Verbrennungen und ausgeblichene Stellen. Die winterliche Abendsonne  scheint ihr also gut zu gefallen.

Durch die fast außerirdisch anmutenden Blüten ist Prosthechea Green Hornet ein wirklicher Hingucker, der über viele Monate an einer Infloreszenz blühen kann. Eine wahre Bereicherung für jedes Fensterbrett – auf dem sie durch die kompakte Größe auch gut Platz findet. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Die zahlreichen Blüten an den Infloreszenzen öffnen sich nacheinander. (Foto: Thomas Jacob)
Die Blüte von Prosthechea Green Hornet im Profil (Foto: Thomas Jacob)
Prosthechea Green Hornet (Foto: Thomas Jacob)

KW 31, 2020

Paphiopedilum henryanum

Alles lesen Orchidee der Woche 31, 2020

Paphiopedilum henryanum

Paphiopedilum henryanum (Foto: Thomas Jacob)

Guido Jozef BRAEM beschrieb Paphiopedilum henryanum erstmalig 1987 in „Schlechteriana“ 1: 4. Im Laufe der Jahre folgten zwei weitere Beschreibungen der gleichen Art unter anderen Namen, die aber ungültig sind. Der Gattungsname setzt sich zusammen aus den beiden griechischen Wörtern Paphos (= eine Küstenstadt auf Zypern und nach der Mythologie die Geburtsstadt der Göttin Aphrodite, weswegen diese auch den Beinamen Paphía erhielt, also die Paphische) und pedilon (= der Pantoffel, nach der Ähnlichkeit der Lippe mit einem Schuh). Das Pendant zu Aphrodite ist Venus in der römischen Mythologie. So wird Paphiopedilum auch heute noch im deutschsprachigen Raum sehr oft Venusschuh bezeichnet. Der Artname henryanum ist dem irischen Pflanzen- und Orchideensammler Henry gewidmet, der das Typusexemplar in China sammelte.

Habitus von Paphiopedilum henryanum (Foto: Thomas Jacob)

Paphiopedilum henryanum ist, wie alle Arten der Gattung, auf dem asiatischen Kontinent beheimatet. Sein natürliches Verbreitungsgebiet liegt im Grenzgebiet zwischen China und Nordvietnam, wo es in Höhenlagen von 600 bis 1400 Metern über dem Meeresspiegel fast ausschließlich schattige Standorte ohne direktes Sonnenlicht auf bemoosten Kalksteinfelsen besiedelt. Die Temperaturen liegen in der Regel im temperierten Bereich, wobei es deutliche jahreszeitliche Unterschiede gibt. Die Sommer sind mild, die Winter kühler, jedoch ohne Frost. Einzelne Individuen wachsen in höheren Lagen auch unter kühleren Bedingungen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, sodass das Habitat, das allerdings sehr gut drainiert ist, niemals austrocknet und den Pflanzen stets genügend Feuchtigkeit zur Verfügung steht.

Ich kultiviere mein Paphiopedilum henryanum in einer Mischung aus mittlerer und feiner Rinde, Bimskies und Perlite. Das Substrat kalke ich alle 6 Monate mit Hüttenkalk auf. Auch andere Substrate und Zuschlagstoffe sind natürlich möglich. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit gut gehalten werden kann. Steinwollwürfel, Sphagnum-Moos, Akadama, Schaumstoffwürfel, Kokosfasern etc. ‒ Ich habe fast alles schon ausprobiert, Paph. henryanum scheint keine besonderen Ansprüche an das Substrat zu stellen. Solange es immer feucht ist ‒ im Sommer richtig feucht bis nass, im Winter darf es leicht antrocknen ‒ und ausreichend Kalk geboten wird, ist dieses Paphiopedilum gerne bereit zu wachsen und zu blühen. Das Thema Kalk handhabt auch jeder ein bisschen anders. Wie oben schon geschrieben, kalke ich das Substrat alle 6 Monate mit Hüttenkalk auf. Hüttenkalk ist ein kohlensaurer Kalk, der leicht wasserlöslich ist und gut von der Pflanze aufgenommen werden kann. Damit habe ich die besten Erfahrungen gesammelt. Ich habe aber auch schon sehr gut kultivierte henryanum gesehen, die Muschelgritt im Substrat hatten, welches den nötigen Kalk liefert, oder auch Pflanzen, die gelegentlich mit Leitungswasser gegossen werden, um Kalk verfügbar zu halten. Auch hier muss jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln, um herauszufinden, welcher der beste Weg ist.

Die dunklen Flecken auf der Fahne und den Petalen sind auf der Vorderseite erhaben (Foto: Thomas Jacob)

Das Gießwasser hat bei mir einen Leitwert von ca. 150-200 Mikrosiemens. Im Sommer wird alle paar Tage getaucht, im Hochsommer steht der Topf auch mal 1-3 Tage in einer Wasserpfütze. Bei tagelangen Regenfällen steht Paphiopedilum henryanum im natürlichen Habitat auch kurzzeitig im Wasser. Das verträgt es gut, aber eben nur im Hochsommer, wenn die Temperaturen auch entsprechend hoch sind. Stehendes Wasser in Verbindung mit Kälte lässt die Wurzeln sofort faulen. Im Winter gieße ich nur alle paar Tage etwas auf das Substrat, sodass es nicht ganz austrocknet, aber auch nicht zu nass ist. Gedüngt wird bei mir nur von Frühling bis Anfang Herbst, alle 2- 4 Wochen. Das Düngerwasser hat dann einen Leitwert von 300-400 Mikrosiemens. Auch mein Dünger enthält zusätzlich nochmal etwas Kalk, was nicht bei jedem Dünger gegeben ist.

Wenn im Sommer die nächtlichen Temperaturen nicht unter 15 Grad fallen, stelle ich mein  Paphiopedilum henryanum schattig ins Freie. Im Winter steht es hell am Westfenster im unbeheizten Büro bei 18-24 Grad tagsüber. Bei starkem Sonnenschein steigen die Temperaturen durch eine große westseitige Glasfront auch mal auf 30-32 Grad. Nachts fallen die Temperaturen auf 14-16  Grad. Wie im ersten Absatz schon erwähnt, ist Paphiopedilum henryanum ein temperiert zu pflegendes Paphiopedilum, das auch etwas tiefere Temperaturen verträgt, deutlich unter 10 Grad sollten es auf Dauer aber nicht sein.

Im Allgemeinen ist Paphiopedilum henryanum aber eine unkomplizierte Naturform, die bei mir sehr zuverlässig blüht. Außerdem ist sie nicht allzu groß und findet so auch überall einen Platz. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Auf der Rückseite der Fahne sind Vertiefungen an den Stellen der dunklen Flecke zu finden (Foto: Thomas Jacob)
Seitenansicht von Paphiopedilum henryanum (Foto: Thomas Jacob)
Profilansicht von Paphiopedilum henryanum (Foto: Thomas Jacob)

KW 30, 2020

Renanthera Elke Cramer

Alles lesen Orchidee der Woche 30, 2020

Renanthera Elke Cramer

Renanthera Elke Cramer (Foto: Thomas Lehmann)

Erst vor vier Jahren, also im Jahr 2016, wurde die Hybride aus Renanthera monachica und Renanthera vietnamensis in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Giselher Cramer – Seniorchef der Orchideenzucht Cramer in Strub – meldete Renanthera Elke Cramer dort zur Registrierung an und benannte sie nach seiner Frau Elke, die viele von uns gut kennen. Auf unzählige Orchideen-Veranstaltungen begleitet sie ihn bis heute. Der Gattungsname Renanthera leitet sich von den griechischen Wörtern rēn (Niere) und anthērós (blühend) ab. Da die Blüten leicht nierenförmig sind, führte João de LOUREIRO diesen Gattungsnamen bereits im Jahr 1790 ein. Wie oben schon erwähnt, handelt es sich bei Renanthera Elke Cramer um eine Primärhybride, an der lediglich zwei Naturformen beteiligt sind.

Renanthera monachica ‚Strub‘ SM/D.O.G. – ein Elternteil der Hybride (Foto: D.O.G.-Archiv)

Renanthera monachica ist beheimatet auf der philippinischen Insel Luzon. Dort wächst sie epiphytisch, meist auf Bäumen. Durch das recht kleine Verbreitungsgebiet und die niedrigen Höhenlagen vom Meeresspiegel bis zu 500 Metern darüber herrschen an allen Standorten ganzjährig warme Bedingungen. Blütezeit ist vom späten Winter bis in das Frühjahr. Die Infloreszenz wird 45 cm lang und trägt eine Fülle an Blüten. Am Naturstandort wachsen Renantheren generell in sehr hellen Bereichen, teilweise der Sonne ausgesetzt. Die Blüten duften nicht.

Renanthera vietnamensis ‚Marika‘ SM/D.O.G. – der zweite Elternteil der Hybride (Foto: D.O.G.-Archiv)

Renanthera vietnamensis kommt lediglich an der Grenze von Vietnam und China vor und wächst dort in moosigen, feuchten Wäldern, oft auf alten vermoosten Baumstümpfen und umgefallenen Bäumen in Bodennähe. Diese Naturform gehört zu den klein- bis mittelgroßen Renanthera-Arten, ihre reich besetzten Blütentriebe werden bis zu 45 cm lang.  Ren. vietnamensis wächst in Klimaregionen von kühl über temperiert bis warm. Zu finden ist sie in Höhenlagen von 650-1200 Metern über dem Meeresspiegel. Auch sie erhält viel Licht. Die Blüten haben einen zarten Duft.

Die Kultur meiner Renanthera Elke Cramer ist eigentich recht unkompliziert. Wegen ihres hohen Lichtbedarfs hängt sie seitlich am Südfenster und ist besonders der Morgensonne auch im Sommer lange ausgesetzt. Die Blätter haben keinerlei Verbrennungen und die Pflanze wächst sehr gut und blüht regelmäßig im Frühjahr/Sommmer. Das Fenster, neben dem sie hängt, ist im Sommer fast 24 Stunden geöffnet, sodass sie sehr viel Frischluft und Lufbewegung erhält. Ich kultiviere sie unter warmen Bedingungen. Auch im Winter fallen die nächtlichen Temperaturen nicht unter 16-18 Grad, ganz selten mal auf 15 Grad, tagsüber können sie durchaus 33 Grad erreichen. Dadurch habe ich auch im Winter in meiner Orchideengalerie ein recht hohes Tag-Nacht-Temperaturgefälle. Ob dies zur Blüteninduktion unbedingt erforderlich ist, kann ich gar nicht so genau sagen. Es kommt aber den klimatischen Bedingungen der Naturstandorte der Elternpflanzen nahe.

Grundsätzlich gilt für die Wassergaben: lieber etwas trockener halten als zu nass. Renantheren neigen sehr schnell zu Stammfäule, wenn es zu feucht ist. Darum ist ein gut drainiertes Substrat mit viel Luftzirkulation unbedingt erforderlich. Ich habe meine Renanthera Elke Cramer in sehr grobe Rinde getopft ohne jegliche Zuschlagstoffe, da alles sehr zügig abtrocknen muss. Die Körnung ist 15-25 mm. Ich tauche alle 5-10 Tage, je nach Temperatur. Wichtig ist, dass der Topf wirklich völlig trocken und leicht ist, bevor wieder gewässert wird. Im Zweifel lieber 2 Tage länger warten. Schäden durch Trockenheit lassen sich leichter kurieren als jene von zu viel Feuchtigkeit. Ich dünge das Gießwasser im Sommer bei jedem Wässern auf einen Leitwert von ca. 350 Mikrosiemens auf. Im Winter dünge ich gar nicht, da sich über den Sommer genug Salze im Substrat ablagern, von denen sich die Pflanze im Winter gut ernähren kann.

Im späten Frühjar erscheinen ein bis zwei Infloreszenzen, die sich teilweise verzweigen und an den Triebspitzen auch gerne weitere Blüten nachschieben. Dadurch können sie den ganzen Sommer über blühen. Leider habe ich einen Klon  erwischt, der nicht riecht. Es soll welche geben, die den zarten und fruchtigen Duft von Renanthera vietnamensis mitbekommen haben.

Eine wirklich unkomplizierte Hybride, die im Temperaturbereich sehr variabel ist und von daher in viele Orchideensammlungen integriert werden kann. Viel Spaß beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Renanthera Elke Cramer – Gruppe, prämiert mit einer Silbermedaille (Foto: D.O.G.-Archiv)
Ein etwas heller gefärbter Klon (Foto: Andrea Scherch)
Renanthera Elke Cramer ‚Strub‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)

KW 29, 2020

Phalaenopsis Mini Mark

Alles lesen Orchidee der Woche 29, 2020

Phalaenopsis Mini Mark

Phalaenopsis Mini Mark ‚Maria Theresa‘ – ein eher klein bleibender Klon der Kreuzung (Foto: Thomas Lehmann)

Mark Rose, der ehemalige Inhaber der amerikanischen Orchideenzucht Breckinridge Orchids, meldete diese Hybride  bei der Royal Horticultural Society (RHS) an, woraufhin sie am 21. Januar 1992 in das dortige Orchideenregister eingetragen wurde. Über die Jahre entwickelte sich die Kreuzung aus Phalaenopsis Micro Nova und Phalaenopsis philippinensis zu einer regelrechten Kultpflanze, die nicht nur durch ihre Schlichtheit überzeugt. Sie ist außerdem problemlos in der Kultur und dazu noch sehr blühfreudig. Gleich mehrere Orchideengärtner in Europa produzierten diesen Kassenschlager durch Meristemierung in einer Millionenauflage und vermarkteten Phalaenopsis Mini Mark sehr erfolgreich. Pflanzen der Kreuzung finden sich sowohl bei vielen Orchideengärtnern als auch in etlichen Bau- und Gartenmärkten. Die kleinen weißen Blüten mit den feinen violettroten Punkten und der gelborangefarbenen Lippe erinnern mich immer an ein Spiegelei mit Paprikapulver. Da der Elternteil Phalaenopsis Micro Nova eine Primärhybride ist, sind lediglich drei Naturformen am Genpool von Phalaenopsis Mini Mark beteiligt:

  • 50% Phalaenopsis philippinense
  • 25% Phalaenopsis lobbii
  • 25% Phalaenopsis maculata
Phalaenopsis Mini Mark ‚3 Lips‘, die labelloide Form (Foto: Thomas Lehmann)

Auf jede einzelne dieser drei Naturformen möchte ich in diesem Beitrag nicht eingehen. Alle beteiligten Arten wachsen epiphytisch unter warmen Bedingungen in asiatischen Regenwäldern. Man findet sie eher in schattigen, vor direkter Sonneneinstrahlung geschützten Bereichen. Das ganze Jahr über herrscht sehr hohe Luftfeuchtigkeit mit regelmäßigen Niederschlägen in Form von Nebel und Regen. Alle Pflanzen der Gattung Phalaenopsis wachsen monopodial und haben fleischige, feste Blätter, die wechselständig angeordnet sind. Die Infloreszenzen entstehen am Stamm zwischen den einzelnen Blättern.

Die Hybride Phalaenopsis Mini Mark bleibt recht kompakt und zählt zu den mittelgroßen Phalaenopsen. Ihre Infloreszenzen wachsen eher überhängend und nicht aufrecht. Sie können sehr  lang werden und über viele Monate immer wieder neue Knospen hervorbringen, solange der Blütentrieb nicht eintrocknet. Die Infloreszenzen von Phalaenopsis Mini Mark bleiben recht dünn und dadurch sehr flexibel, sodass sie auch unproblematisch hochgebunden werden können. Die Blüten sind ca. 3 cm breit und fast genauso hoch. Die Grundfarbe ist weiß, lediglich der Klon ‚Sunsplash‘ und die labelloide Form ‚3 Lips‘ sind an den Petalen entweder zart gelb überhaucht oder orangegelb durchgefärbt. Alle Tepalen sind mit feinen violettroten Punkten besetzt.

Eine Kultur auf der Fensterbank ist ohne großen Aufwand möglich. Da die beteiligten Naturformen allesamt hohe  Temperaturen mögen, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Phalaenopsis-Hybride. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 16-18 Grad fallen. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet das stehende Wasser wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Als Pflanzstoff für Phalaenopsis eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Bei sehr kleinen Töpfen geht auch Substrat aus Kokosfasern gut. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Phalaenopsis-Pflanzen zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder ganz silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten. Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-450 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Phalaenopsis Mini Mark auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Ihre wirklich an Spiegeleier erinnernden kleinen Blüten machen diese blühfreudige Hybride zu einem echten Hingucker auf jeder Fensterbank. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Zart gelb überhauchte Petalen findet man beim Klon ‚Sunsplash‘. (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blüten dieser Pflanze sind im unteren Bereich grün überhaucht. Die Pflanze stammt aus der ursprünglichen Aussaat und wurde nicht durch Meristeme vermehrt. (Foto: Thomas Lehmann)
Phalaenopsis Mini Mark macht oft mehrere Infloreszenzen gleichzeitig. (Foto: Thomas Lehmann)
Phalaenopsis Mini Mark ‚Maria Theresa‘ im direkten Vergleich mit der labelloiden Form (Foto: Thomas Lehmann)