Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

KW 24, 2018

Dendrobium sarawakense

Alles lesen Orchidee der Woche 24, 2018

Dendrobium sarawakense

Foto: Thomas LEHMANN

Der auf Orchideen spezialisierte US-amerikanische Botaniker Oakes AMES beschrieb dieses in Borneo beheimatete Dendrobium im „Journal of the Straits Branch of the Royal Asiatic Society“ im Jahr 1921 erstmals. Dendrobium sarawakense wächst in feuchten Nebelwäldern des Tieflands auf Borneo unter warmen Bedingungen. Die Temperaturen erreichen am Tag häufig über 30 Grad. Auch nachts fallen sie nicht unter 20 Grad. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über. Die Luftfeuchtigkeit ist immer sehr hoch. Diese Naturform wächst ausschließlich epiphytisch. Die Pseudobulben werden ca. 30 cm lang und sind mit ca. 8 cm langen, spitz zulaufenden Blättern besetzt. Sie wachsen eher hängend und nicht aufrecht. Die Blütentriebe sind mit 2 – 3 cm sehr kurz und entwickeln traubenartige Blütenstände mit mindestens 4 Blüten, oft auch mehr. An einer Pseudobulbe können mehrere Blütentriebe entstehen. Auch alte Pseudobulben, die schon das Laub abgeworfen haben, können noch blühen. Hauptblütezeit ist im Frühjahr, grundsätzlich können aber zu jeder Zeit Infloreszenzen entstehen. Die Blüten sind ca. 3 cm breit und 2 cm hoch. Farblich können sie etwas variieren. Gelb, braun, rot und rosa – mit feiner Aderung, oder unifarben – die Möglichkeiten sind vielfältig.

Die erste Knospe der Blütentraube öffnet sich gerade (Foto: Thomas LEHMANN)

Da Dendrobium sarawakense warme Temperaturen liebt, ist es genau die richtige Orchidee für
beheizte Wohnzimmer. Vorausgesetzt man kann den Platz bieten, den dieses Dendrobium durch den hängenden Wuchs der langen Pseudobulben braucht. Am besten ist es in einer Ampel aufgehoben, in der es sich nach allen Seiten ausbreiten kann. Da es epiphyitsch im immergrünen Wald wächst, mag es eher schattig stehen als zu sonnig. Bei direkter Sonne bekommen die Blätter schnell Verbrennungen.

Getopft habe ich mein sarawakense in mineralisches Substrat, da ich damit am leichtesten die Dauerfeuchtigkeit garantieren kann. Außerdem haben mineralische Substrate den Vorteil, dass sie nicht verrotten und die Pflanze nur neu getopft werden muss, wenn sie aus dem Topf herauswächst. Ich verwende eine Mischung aus Lavagranulat, Bimskies und Akadama, alles in einer Körnung, die nicht kleiner als 2 mm und nicht größer als 10 mm ist. Bei zu groben mineralischen Substraten geht die Kapillarwirkung etwas verloren und der obere Bereich des Topfes ist dann zu trocken.

Gegossen wird bei mineralischen Substraten von unten, indem man den Topf in eine Schale stellt und in dieser immer 1-2 cm Wasser stehen hat. Sobald die Schale leer ist, wird wieder Wasser aufgefüllt. Gegossen wird mit salzarmem Wasser (Regenwasser oder schwach aufgedüngtes/verschnittenes Osmose- oder destilliertes Wasser). Der Leitwert liegt bei mir im Normalfall bei 50 Mikrosiemens. In den Sommermonaten wird alle 2 – 4 Wochen mit etwa 250 Mikrosiemens gedüngt. In den Wintermonaten dünge ich nicht, da durch die dunklen Tage der Stoffwechsel der Pflanze nicht so stark arbeitet und somit nicht viele Nährstoffe gebraucht werden. Die angelagerten Reststoffe im Substrat reichen der Pflanze in dieser Zeit.

Im letzten Jahr, seit ich mein Dendrobium sarawakense habe, hat es insgesamt 4 Mal geblüht. Die ersten 3 Male nur einzelne Blütentriebe. Jetzt gerade, im Mai, hat es 4 Blütentriebe und ist somit ein richtiger Hingucker. Diese Naturform findet man leider nicht so oft in Kultur, obwohl sie eigentlich recht unkompliziert und blühfreudig ist.

 

Autor: Thomas LEHMANN

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An der diesjährigen Bulbe kamen gleich 3 Infloreszenzen (Foto: Thomas LEHMANN)
Beim Öffnen noch grünlich, später dann gelb (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Infloreszenzen wachsen geschützt unter den Blättern der hängenden Pseudobulbe (Foto: Thomas LEHMANN)
Nahaufnahme der zwei vordersten Blüten (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 23, 2018

Paphiopedilum Struber Zwerg

Alles lesen Orchidee der Woche 23, 2018

Paphiopedilum Struber Zwerg

Paphiopedilum Struber Zwerg (Foto: Thomas LEHMANN)

Paphiopedilum Struber Zwerg ist eine recht kleinwüchsige Hybride aus Paphiopedilum Pinocchio und Paphiopedilum thaianum. Sie wurde von Giselher CRAMER, dem Besitzer von Cramer Orchideen in Strub, am 01. September 2015 bei der Royal Horticultural Society (RHS) angemeldet. Der Elternteil Paph. Pinocchio ist die Kreuzung aus Paph. primulinum und Paph. glaucophyllum. Somit sind bei Paphiopedilum Struber Zwerg drei Naturformen beteiligt:

  • 50% Paphiopedilum thaianum
  • 25% Paphiopedilum primulinum
  • 25% Paphiopedilum glaucophyllum
Paphiopedilum thaianum ist zur Hälfte an der vorgestellten Hybride beteiligt (Foto: Thomas LEHMANN)
Paphiopedilum glaucophyllum gibt 25% der Gene an den Struber Zwerg (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum primulinum, ebenfalls zu einem Viertel beteiligt (Foto: Thomas LEHMANN)

Paphiopedilum Pinocchio ist eine sehr robuste und unkomplizierte Hybride, die wunderbar auf der Fensterbank gedeiht. Beide Elternteile, Paph. glaucophyllum und Paph. primulinum, wachsen am Naturstandort unter warmen bis heißen Bedingungen sowohl terrestrisch als auch litophytisch. Paph. primulinum findet man oft auf oder in der Nähe von Kalkfelsen, Paph. glaucophyllum eher auf Lavagestein. Beide sind recht kleinwüchsige Frauenschuhorchideen und sogenannte Revolverblüher. Das heißt, sie bilden an einem Blütentrieb nacheinander mehrere Blüten aus, sodass ein Blütentrieb über viele Monate, manchmal länger als ein Jahr, blühen kann. Die Standorte sind ganzjährig feucht und eher schattig.

Paphiopedilum thaianum ist in Thailand beheimatet und wächst ebenfalls unter sehr warmen bis heißen Bedingungen in schattigen und feuchten Wäldern. Paph. thaianum findet sich fast ausschließlich an steilen Klippen und Abhängen von sehr stark erodiertem Kalkstein. Im Gegensatz zu Paph. primulinum und Paph. glaucophyllum bildet es nur eine einzelne weiße Blüte, meist im Frühjahr, aus.

Unsere „Orchidee der Woche“ – Paphiopedilum Struber Zwerg – braucht also definitiv viel Kalk (Calcium). Ich benutze für alle meine kalkliebenden Paphiopedilum und Phragmipedium Hüttenkalk – ein kohlensaurer Kalk, der von den Pflanzen leichter und besser aufgenommen werden kann.Davon streue ich alle 2-3 Monate etwas auf das Substrat. Es ist aber auch möglich, den Kalk in Wasser aufzulösen und damit zu gießen oder zu tauchen. Man muss nur beachten, dass der Kalk recht lange benötigt, um sich aufzulösen. Deshalb sollte man sein Gießwasser am besten schon am Tag vorher ansetzen und mehrmals umrühren.

Als Substrat nutze ich bei meinen Paphiopedilum feine und mittlere Rinde mit mineralischen Anteilen, wie Bimskies, Perlite und Akadama. Mein Paph. Struber Zwerg habe ich vor einem Jahr testweise in pures Akadama in einen Lechuza-Pflanztopf gesetzt. Seitdem ist es förmlich explodiert und hat sich mehr als verdoppelt, fast verdreifacht – in nur einem Jahr! Die Dauerfeuchtigkeit lässt sich in solchen Pflanzsystemen sehr gut gewährleisten. Das Akadama, ein Zuschlagstoff aus der Bonsaikultur, sorgt für Feuchtikeit ohne Nässe.

Direkt nach dem Öffnen der Blüte ist sie noch richtig grün. Nach ein paar Tagen wird sie dann wesentlicher heller, teilweise fast komplett weiß (Foto: Thomas LEHMANN)

Das Gießwasser hat im Sommer einen Leitwert von circa 300-350 Mikrosiemens und wird mit einem calciumhaltigen Orchideendünger auf diesen Wert aufgedüngt. Im Winter wird nicht gedüngt. In den dunklen Monaten hat das Gießwasser in etwa 150 Mikrosiemens. Das Substrat wird aber trozdem aufgekalkt.

Die Temperatur ist natürlich ganzjährig so warm wie möglich, da ja alle beteiligten Naturformen unter sehr warmen bis heißen Bedingungen wachsen. Auch im Winter gehen die Temperaturen in meinem Orchideenzimmer bei Sonnenschein mal auf 30 Grad und höher. Im Sommer steht Paph. Struber Zwerg an der Ostseite mit etwas Morgensonne. Im Winter steht es an der Westseite mit viel Nachmittag- und Abendsonne.

Struber Zwerg blüht meistens mit 2-3 Blüten nacheinander, also leider mit nicht ganz so vielen wie Pinocchio, aber wenigstens mit mehr als  Paphiopedilum thaianum. Die Blüten sind beim Aufgehen eher grünlich und werden nach ein paar Tagen weiß. Die einzelne Blüte hält einige Wochen, sodass ein Blütentrieb 2-3 Monate blühen kann. Eine wirklich attraktive und unkomlizierte Hybride, die übrigens auch die schön marmorierte Blattzeichnung von Paph. thaianum geerbt hat.

Autor: Thomas LEHMANN

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Seitenansicht mit zweiter Knospe, die hier noch sehr klein ist (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht mit sich öffnender, zweiten Blüte. Hier kann man den Farbunterschied sehr gut sehen (Foto: Thomas LEHMANN)
Blüten mit Habitus. Die Blätter sind saftig dunkelgrün, fest und marmoriert (Foto: Thomas LEHMANN)

KW 22, 2018

Phalaenopsis Conny´s Diamond

Alles lesen Orchidee der Woche 22, 2018

Phalaenopsis Conny´s Diamond

Phalaenopsis Conny’s Diamond, im Winter war die Grundfarbe fast weiß. (Foto: Thomas LEHMANN)
Jetzt im Frühjahr ist die Grundfarbe der Blüten gelblich grün. (Foto: Thomas LEHMANN)

Diese Hybride wurde am 12.05.2016 von Conny STROHSCHNEIDER, einer lieben Freundin von mir, bei der RHS registriert. Conny STROHSCHNEIDER ist eine Hobbyzüchterin aus Hessen, deren große Leidenschaft die Gattung Phalaenopsis ist. Sie kultiviert mehrere Hundert Arten und Hybriden in ihrem Wohnzimmer und züchtet regelmäßig meist vollkommen neue Kreuzungen. Für Conny´s Diamond nahm sie die Naturform Phalaenopsis amboinensis und bestäubte diese mit dem Pollen von Phal. Cesario Gene Tobia. Die Primärhybride Phalaenopsis Cesario Gene Tobia wurde aus den beiden Arten Phal. bellina und Phal. cornu-cervi gekreuzt. Im Fall von den hier gezeigten Blüten wurde eine Phal. Cesario Gene Tobia verwendet, deren Elternteil Phalaenopsis cornu-cervi ‚Red‘ ist. Somit trägt Phalaenopsis Conny´s Diamond die Gene von 3 Naturformen in sich.

  • 50% Phalaenopsis amboinensis
  • 25% Phalaenopsis bellina
  • 25% Phalaenopsis cornu-cervi
Phalaenopsis amboinensis – hier die originale Mutterpflanze der gezeigten Conny’s Diamond (Foto: Conny STROHSCHNEIDER)
Phalaenopsis Cesario Gene Tobia – Aus dieser Blüte wurde der Pollen entnommen um die Phal. amboinensis damit zu bestäuben. (Foto: Conny STROHSCHNEIDER)

Alle 3 beteiligten Arten sind am Naturstandort heißen Temperaturen ausgesetzt. Wie alle
Phalaenopsis wachsen sie epiphytisch auf Bäumen, meist im Schatten, geschützt vom Laub des Baumes, auf dem sie sitzen.  Phal. cornu-cervi kommt auch litophytisch vor und macht im Winter eine etwas trockenere Phase durch, in der es nicht so viel Niederschlag gibt. Die Luftfeuchtigkeit ist aber ganzjährig bei allen 3 Arten sehr hoch.

Da die Eltern und Großeltern von Conny´s Diamond alle sehr hohe Temperaturen mögen, ist eine Kultur im Wohnzimmer gut möglich, solange man, besonders im Winter, für ausreichende Luftfeuchtigkeit sorgt. Dies lässt sich erreichen durch Wasserschalen, die man zwischen seine Pflanzen stellt, oder durch einen Ultraschallvernebler, der noch effektiver die Luftfeuchtigkeit der Umgebung erhöht.  Auch wenn Phalaenopsis cornu-cervi am Naturstandort im Winter etwas trockener steht, kann ganzjährig gegossen werden, da beide anderen beteiligten Naturformen in Regionen wachsen, in denen sie ganzjährig Niederschlägen ausgesetzt sind.

Meine Phalaenopsis Conny´s Diamond wird den Sommer über in aufgedüngtes Wasser getaucht, welches einen Leitwert von 250-350 Mikrosiemens hat. Alle 3-4 Tauchgänge nehme ich weniger salzhaltiges Wasser, damit sich nicht zu viele Salze im Substrat anlagern. Im Winter wird bei mir grundsätzlich nicht gedüngt, da ich nicht mit künstlicher Beleuchtung arbeite, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hoch halten würde. Wer im Winter mit Pflanzenlicht arbeitet, kann natürlich auch da voll düngen.

Phalaenopsis zeigen ihrem Kultivateur sehr genau, wann sie wieder Wasser wollen. Die dicken Wurzeln dieser Gattung werden richtig grün, wenn sie sich nach dem Tauchen mit Wasser vollgesogen haben. Nach ein paar Tagen verfärben sich die Wurzeln wieder in einen hellen Silberton. Ist der transparente Topf dann auch leicht und kein Kondenswasser  mehr zu sehen, kann wieder getaucht werden. Meist ist dies einmal wöchtentlich notwendig. Je nach Temperatur, Substrat, Topfgröße und Luftfeuchtigkeit kann das aber auch variieren. Mit der Zeit bekommt man ein sehr gutes Gefühl dafür, und wer nach oben beschriebener Art und Weise vorgeht, wird erfolgreich sein.

Als Substrat nutze ich mittlere und grobe Rinde (je nach Topfgröße), gemischt mit etwas Perlite und Holzkohle. Die Holzkohle füge ich hinzu, weil sie wesentlich schneller abtrocknet als Rinde und somit keine Staunässe im Topf entsteht. Ich neige dazu zu viel zu gießen. Und zu viel Feuchtigkeit ist für epiphytisch wachsende Orchideen oft sehr problematisch, weswegen ich gute Erfahrungen mit dem Beimischen von Holzkohle gemacht habe. Anders als oft erklärt, filtert normale Holzkohle keine Giftstoffe aus dem Substrat. Das macht nur Aktivkohle, die wesentlich teurer ist. Wer dazu neigt zu wenig zu gießen oder bei wem die Rahmenbedingungen die Töpfe zu schnell austrocknen lassen, kann Phalaenopsis Conny´s Diamond auch gut in Kokoschips oder Kokosfasern kultivieren. Hierbei muss man aber ein sehr gutes Gefühl haben, wann wieder Wasser gegeben werden muss, da die Kokosfasern wesentlich länger feucht bleiben als Rinde.

Eine herrliche Hybride, die übrigens einen angenehm blumigen Duft hat und in Ihrer Farbgebung sehr variieren kann. Kaum eine Blüte sieht aus wie die Blüten einer anderen Pflanze dieser Kreuzung.

Autor: Thomas LEHMANN

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Phalaenopsis Conny’s Diamond – alle 3 gezeigten Blütenvariationen stammen aus der selben Aussaat. Die Streubreite ist enorm. (Foto: Conny STROHSCHNEIDER)
Phalaenopsis Conny’s Diamond – alle 3 gezeigten Blütenvariationen stammen aus der selben Aussaat. Die Streubreite ist enorm. (Foto: Conny STROHSCHNEIDER)
Phalaenopsis Conny’s Diamond – alle 3 gezeigten Blütenvariationen stammen aus der selben Aussaat. Die Streubreite ist enorm. (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 21, 2018

Disa uniflora

Alles lesen Orchidee der Woche 21, 2018

Disa uniflora

Disa uniflora (Foto: Thomas LEHMANN)

Der schwedische Mediziner und Botaniker Peter Jonas Bergius beschrieb Disa uniflora bereits im Jahr 1767. Veröffentlicht wurde diese Erstbeschreibung in „Descriptiones Plantarum ex Capite Bonae Spei“ auf Seite 348. Diese auffallend rote Naturform wächst ausschließlich auf dem Tafelberg in Südafrika auf Höhen von 100 – 1 200 Metern. Ihre Standorte sind immer in der Nähe von fließendem Wasser an Flüssen und Wasserfällen. Sie wachsen dort in Felsspalten und auf Sickerflächen, die immer feucht und teilweise sogar nass sind. Die Temperaturen am Tafelberg sind kühl, im Winter richtig kalt. Im Sommer kann es zwar am Tag auch mal über 30 Grad werden, die Nachttemperaturen fallen dafür im Winter (auf der Südhalbkugel in unseren Sommermonaten) gelegentlich auch knapp unter die Frostgrenze. Durch das vom Gipfel des Tafelbergs herabfließende kalte Wasser werden die Wurzeln immer gekühlt. Die Pflanzen stehen ganzjährig im Halbschatten, niemals in der Mittagssonne. Disa uniflora hat rosettenartig angeordnete längliche Blätter, die spitz zulaufen. Die Pflanze ohne Blütentrieb hat eine Höhe von ungefähr 10 – 15 cm. Sobald der Trieb ausgewachsen ist, entspringt in der Mitte die Infloreszenz, die ca. 30 cm hoch wird und an deren Ende 1 – 3 Blüten erscheinen. In seltenen Fällen können es auch mehr sein. Die Blüten sind in etwa 6 – 7 cm hoch und ebenso breit. Mit der Blüte ist der Trieb abgeschlossen und es bildet sich ‒ oft auch schon vor der Blüte ‒ eine neue Rosette, die im nächsten Jahr blühen wird. Der alte Trieb stirbt dann ab.

Disa uniflora mit 2 geöffneten Blüten (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Kultur von Disa uniflora funktioniert am besten unter kühlen Bedingungen. Auch wenn sie die
hohen Temperaturen im Sommer bei uns verträgt, sollte man versuchen sie so kühl wie möglich zu halten. Besonders an den Wurzeln, die am Naturstandort durch das kalte Wasser der Flüsse immer gekühlt werden. Gegossen wird bei mir also immer mit möglichst kaltem Wasser. Im Sommer kühle ich das Gießwasser meiner Disas im Kühlschrank und an besonders heißen Tagen lege ich einen Eiswürfel in eine Ecke des Topfes. Vom Frühjahr bis zum späten Herbst stelle ich Disa uniflora an einen schattigen Platz im Freien, wo sie bis zum ersten Frost bleibt. Danach kommt sie in ein ungeheiztes Zimmer, in dem das Fenster immer gekippt ist, außer es gibt extremen Frost unter -5 Grad, dann wird das Fenster geschlossen. Die Temperaturen fallen in der Nacht bei geöffnetem Fenster auf 6 – 8 Grad ab. Gibt es im Winter längere Zeit keinen Frost, kommen meine Disas sogar wieder raus auf den Balkon, auch nachts!

Als Substrat benutze ich lebendes Sphagnum-Moos, da es am meisten Feuchtigkeit aufnehmen und immer sehr feucht gehalten werden kann ohne zu verrotten. Im Sommer stehen die Töpfe in einer Schale, in der sich immer eine Pfütze Wasser befindet, damit das Moos auch niemals austrocknet. Ich habe diese Kulturmethode von einer Freundin übernommen und nie etwas anderes ausprobiert, da ich damit super zurechtkomme. Im Winter stehen die Pflanzen bei mir nicht ständig im Wasser, aber trotzdem immer sehr feucht. Zum Gießen verwende ich sehr salzarmes Wasser mit einem Leitwert von ungefähr 30 – 50 Mikrosiemens. Gedüngt wird in den Sommermonaten alle 2 Wochen mit einem Leitwert von 150 Mikrosiemens. Wie oben schon erwähnt, immer mit kaltem Wasser!

Disa uniflora gehört definitiv nicht zu den einfachen Anfänger-Orchideen und mir ist auch bewusst, dass nicht jeder die kühlen Bedingungen bieten kann. Wem das aber möglich ist, der wird sich an den imposanten Blüten dieser prächtigen Orchideenart aus Südafrika jedes Mal aufs Neue erfreuen.

Autor: Thomas Lehmann

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Disa uniflora ‚Early Bird‘ bekam in diesem Zustand die Silbermedaille für Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Disa uniflora ‚Early Bird‘, als sie mit Gold für Kultur ausgezeichnet wurde (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die Blüte von Disa uniflora ‚Early Bird‘ bekam zusätzlich die Silbermedaille in der Kategorie „botanische Art“ (Foto: D.O.G.-Archiv)
Disa uniflora ‚Wössen‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

KW 20, 2018

Vandachostylis Charm

Alles lesen Orchidee der Woche 20, 2018

Vandachostylis Charm

(Syn. Darwinara Charm)

Vandachostylis Charm (Foto:Thomas LEHMANN)

Ursprünglich wurde Vandachostylis Charm als Darwinara Charm registriert. Die Endung -ara im Gattungsnamen Darwinara deutet auf eine Mehrgattungshybride aus mehr als 3 verschiedenen Gattungen hin. Bei solchen Mehrgattungshybriden aus mehr als 3 unterschiedlichen Gattungen darf der Züchter einen neuen Gattungsnamen eintragen lassen, der immer auf -ara enden muss. Nachdem in jüngster Zeit aufgrund von DNA-Analysen einige neue taxonomische Eingruppierungen in die Gattung Vanda stattfanden, wurde aus der ursprünglichen Mehrgattungshybride Darwinara Charm die Vandachostylis Charm, da die meisten der verwendeten Naturformen heute zur Gattung Vanda zählen. Die Eltern von Vandachostylis Charm sind Vanda falcata und die Hybride Vandachostylis Tham Yuen Hae. Auch ohne zahlreiche unterschiedliche Gattungen ist Vandachostylis Charm eine sehr komplexe Hybride, an der einige Naturformen beteiligt sind:

  • 50%      Vanda falcata (früher Neofinetia falcata)
  • 15,63% Vanda sanderiana (früher Euanthe sanderiana)
  • 12,5%   Vanda curvifolia (früher Ascocentrum curvifolium)
  • 12,5%   Rhynchostylis coelestis
  • 6,25%   Vanda coerulea
  • 3,13%   Vanda luzonica

Auch wenn der offizielle Name heute Vandachostylis ist, wird sie von den meisten Züchtern noch immer als Darwinara Charm verkauft. Ihr bekanntester Klon ist ‚Blue Moon‘, der allerdings als blühfaul gilt und manchmal auch ein Jahr mit der Blüte aussetzt. Wesentlich blühfreudiger ist der Klon ‚Blue Star‘, der jedes Jahr zur Blüte kommen sollte. Registriert wurde die Hybride am 01.02.1987 von O. N. TAKAKI. Auf jede einzelne Naturform, die an dieser sehr beliebten Mehrgattungshybride beteiligt ist, kann ich in diesem Artikel leider nicht eingehen, da es den Rahmen sprengen würde.

Foto: Thomas LEHMANN
Hier sieht man die Sporne auf der Rückseite sehr gut (Foto: Thomas LEHMANN)

 

Die beteiligten Eltern sind allesamt epiphytisch wachsende Orchideen. Vandachostylis Charm ist eine monopodial wachsende Pflanze, deren Blätter sehr dick und fest sind. Sie bildet einen gestauchten, eng fächerartig beblätterten Spross aus. Jedes Blatt hat eine Länge von ca. 12-15 cm. Die Blütentriebe entspringen in den Blattachsen am Stamm. Die Infloreszenzen werden bis 20 cm lang und bilden mehrere Blüten aus, die sich alle innerhalb von ein paar Tagen gleichzeitig öffnen. Die Blüten haben an der Rückseite einen ca. 2-3 cm langen Sporn. Bei guter Kultur und zunehmendem Alter der Pflanze können sich neue Fächer am unteren Ende des Stammes bilden.

Vandachostylis Charm braucht sehr viel Licht, direkte Mittagssonne sollte im Sommer aber vermieden werden. Meine Pflanze steht im Sommer draußen, da sie neben viel Licht auch viel Frischluft und Luftbewegung mag. Dort bleibt sie dann bis in den Herbst, wenn die nächtlichen Temperaturen auf 5 Grad fallen. Wenn regelmäßig gelüftet wird, kann sie aber auch ohne Probleme ganzjährig im Zimmer kultiviert werden. Im Winter steht meine Pflanze unschattiert an einem sehr großen Fenster an der Südseite, um ihren Lichthunger zu stillen.

Vandachostylis Charm ‚Blue Moon‘ (Foto: Gregor Kleefeld)

Getopft hab ich meine Pflanze in grobe Rinde mit ein paar groben Styroporstücken, damit das Substrat auf keinen Fall zu lange nass bleibt nach dem Tauchen. Da die Elternpflanzen allesamt Epiphyten sind, ist es wichtig, dass die Wurzeln zügig abtrocknen können. Andernfalls faulen diese schnell, besonders im Winter. Getaucht wird, sobald der Topf komplett durchgetrocknet und kein Kondenswasser mehr zu sehen ist. Im Winter darf sie auch mal ein paar Tage trocken bleiben, je nachdem wie kalt sie steht. Durch den hohen Vanda (Neofinetia) falcata -Anteil bekommt meine Vandachostylis Charm nicht so viel Dünger wie die meisten Vandeen. Das verwendete Düngerwasser hat einen Leitwert von ca. 200-250 Mikrosiemens und wird im Sommer alle 2-3 Wochen verabreicht.

Vandachostylis Charm mag es eher temperiert und nicht ganz so warm, kommt im Sommer mit unseren Temperaturen aber ganz gut zurecht. Im Herbst kann man sie bis zu einer nächtlichen Temperatur von 5 Grad im Freien lassen, darf dann aber nicht mehr so viel wässern und hält sie fast trocken. Im Winter fallen die Temperaturen an ihrem Platz in der Nacht auch mal auf 10 Grad ab, dabei steht sie dann ziemlich trocken. Grundsätzlich gilt: Je kühler, desto weniger Wasser!

Vielen Dank an Gregor KLEEFELD, der mit seinem umfangreichen Wissen und den Fotos bei der Entstehung des Beitrags geholfen hat! Desweiteren ein herzliches Dankeschön an Sylvia TOENNE für die Fotos ihrer Pflanze.

Autor: Thomas LEHMANN

Vandachostylis Charm ‚Blue Moon‘ (Foto: Gregor Kleefeld)
Vandachostylis Charm ‚Blue Moon‘ (Foto: Sylvia Toenne)
Vandachostylis Charm ‚Blue Moon‘ (Foto: Sylvia Toenne)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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KW 19, 2018

Pleione Berapi

Alles lesen Orchidee der Woche 19, 2018

Pleione Berapi

Pleione Berapi ‚Purple Sandpiper‘ (Foto: Thomas LEHMANN)

Pleione Berapi ist eine Hybride aus Pleione Tongariro und Pleione bulbocodioides. Sie wurde am 01.01.1988 von Ian BUTTERFIELD bei der Royal Horticultural Society (RHS) zur Registrierung angemeldet. BUTTERFIELD ist einer der weltweit führenden Züchter von Pleionen, der in Großbritannien lebt und arbeitet. Dort ist diese Gattung auch wesentlich verbreiteter als bei uns. Pln. Berapi ist eine recht komplexe Hybride, an der insgesamt 4 Naturformen der Gattung Pleione beteiligt sind.

  • 50% Pleione bulbocodioides
  • 25% Pleione pleionoides
  • 12,5% Pleione formosana
  • 12,5% Pleione limprichtii

Pleionen sind im asiatischen Raum in Höhenlagen von 1000-3500 Metern über dem Meeresspiegel beheimatet. Meist wachsen sie terrestrisch oder lithophytisch, ganz selten sind sie auch epiphytisch zu finden. Das Klima am Standort variiert etwas durch das große Verbreitungsgebiet, liegt aber immer im kühlen bis kalten Bereich. Die Sommer sind sehr feucht mit viel Niederschlag, die Winter sind absolut trocken. Im Frühling, nach der Winterruhe, blühen die meisten Pleionen, wenn es wieder Niederschläge gibt und die Tage länger werden. An der Pseudobulbe entsteht dann eine ca. 8 cm lange Infloreszenz, die eine einzelne Blüte trägt. Es gibt ein paar wenige Ausnahmen, die im Herbst blühen. Von diesen ist aber keine an der Hybride Berapi beteiligt. Während des Sommers wächst eine neue Pseudobulbe heran, die alte wird dabei vollkommen ausgesaugt und stirbt ab. Auf jeder Pseudobulbe sitzt ein einzelnes Blatt, welches im Herbst abgeworfen wird, wenn die Niederschläge abnehmen. Damit beginnt für Pleione die Winterruhe, die sie vollkommen trocken verbringt.

 

Pleione Berapi ‚Purple Sandpiper – Johannisburg‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Pleione Berapi (rechts) im direkten Vergleich mit dem Elternteil Pln. Tongariro (links), leider schon am Abblühen (Foto: Thomas LEHMANN)

Eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist nur sehr schwer möglich, da Pleionen gerne eine starke Nachtabsenkung in der Wachstumszeit haben, die im Innenraum meist nur schwer zu erreichen ist. Am besten steht sie ab dem zeitigen Frühjahr auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten. Nach Abschluss der Wachstumsphase bleiben meine Pleionen noch bis zum ersten Frost im Freien, dabei stehen sie aber schon komplett trocken. Wenn der erste Frost kommt, topfe ich die neuen Pseudobulben aus und entferne alle Wurzeln, da diese ohnehin abgestorben sind und im Frühjahr nicht mehr gebraucht werden. Für den Fall, dass an einigen Pseudobulben noch Blätter sind, die nicht abgeworfen wurden, entferne ich auch diese. Danach kommen die einzelnen Bulben in einen Eierkarton und werden in den nächsten Monaten im Gemüsefach meines Kühlschranks gelagert, natürlich vollkommen trocken. Ab Mitte Januar wird einmal in der Woche kontrolliert, ob an den Pseudobulben schon Wachstum zu sehen ist. Am unteren Ende der Pseudobulben bilden sich dann neue, kleine Triebe. Sobald diese zu sehen sind, werden die Pleionen aus dem Kühlschrank geholt und auf trockenes Substrat gesetzt. Man muss aufpassen, dass die Pleione nicht zu tief im Substrat sitzt, höchstens ein Drittel der Pseudobulbe. Ich benutze gepresstes Sphagnum-Moos, da es sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen kann. Auch jetzt sollten die Pflanzen nicht zu warm stehen, aber auch keinen Frost abbekommen. Vorsichtig gegossen wird erst dann, wenn sich am unteren Ende des Neutriebs Wurzeln zeigen. Bis dahin ernährt sich der neue Trieb ausschließlich von den Nährstoffen, die in der alten Pseudobulbe gespeichert sind, deswegen muss noch nicht gegossen werden. Da bis zu diesem Zeitpunkt keine Wurzeln vorhanden sind, könnte die Pflanze die Feuchtigkeit, und somit die Nährstoffe, auch gar nicht aufnehmen. Man riskiert nur, dass die Pflanzen faulen. Sobald die Wurzeln tief in den Pflanzstoff wachsen und es langsam wärmer wird, darf auch richtig gegossen werden. Ab dann sollte das Substrat bis zum Herbst nicht mehr austrocknen, sondern immer schön feucht bleiben. Im Herbst zieht Pleione dann wieder ein und alles beginnt von vorne.

Pleione Berapi ‚Conny‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Natürlich eignen sich auch andere Pflanzstoffe, die gut Feuchtigkeit halten und nicht zu schnell abtrocknen. Besonders für Pleionen gibt es 1000 verschiedene Rezepte. Da muss man etwas ausprobieren, um das zu finden, womit man selbst am besten zurechtkommt. Selbst Blumenerde wird verwendet, auch Rinde oder mineralische Substrate. Wichtig ist, dass man das Gießverhalten an den Pflanzstoff anpasst und das Substrat nicht austrocknen lässt im Sommer. Gedüngt wird bei mir alle 2-3 Wochen. Ich dünge das Gießwasser dann auf einen Leitwert von ca. 250-300 Mikrosiemens auf. Meine Pleionen stehen, vor direkter Mittagssonne geschützt, auf dem Balkon und erhalten für etwa 3 Stunden das Licht der untergehenden Abendsonne.

Autor: Thomas LEHMANN

Seitenansicht von Pleione Berapi ‚Purple Sandpiper‘ (Foto: Thomas LEHMANN)
Pleione Berapi ‚Purple Sandpiper‘ (Foto: Thomas LEHMANN)
Detailansicht des Labellums von Pleione Berapi (Foto: Thomas LEHMANN)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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KW 18, 2018

Phragmipedium Hanne Popow

Alles lesen Orchidee der Woche 18, 2018

Phragmipedium Hanne Popow

Phragmipedium Hanne Popow mit der typischen zweifarbigen Farbgebung auf den Petalen (Foto: Thomas LEHMANN)

 

Am 31.07.1991 registrierte H. DOLL diese wunderschöne und pflegeleichte Primärhybride, deren Eltern Phragmipedium besseae und Phragmipedium schlimii sind. Die Blüten dieser Kreuzung variieren in den meisten Fällen nicht besonders stark. Allerdings gibt es einzelne Exemplare, die durchaus herausstechen. Das Labellum (der Schuh) ist gewöhnlich rosafarben, wie bei Phrag. schlimii. Generell geht die Farbgebung in den meisten Fällen mehr nach diesem Elternteil. Richtig rote Exemplare, wie Phrag. besseae, gibt es nicht. Die Petalen sind sehr oft horizontal in zwei Farbbereiche geteilt. Die obere Hälfte ist etwas kräftiger rosa, die untere Hälfte weiß bis hellrosa. Die Form der Blüten ähnelt dafür häufig Phrag. besseae. Bis heute ist Phrag. Hanne Popow eine der beliebtesten Phragmipedium-Hybriden, nicht nur, weil sie sehr ansprechend aussieht, sondern auch, weil sie sehr pflegeleicht und blühfreudig ist.

Phragmipedium besseae aus Peru (Foto: Thomas LEHMANN)

Phargmipedium besseae wurde von Calaway H. DODSON & Janet KUHN 1981 im AOS Bulletin 50, 1308-1310, als neue Art beschrieben. Sie ist sowohl in Peru als auch in Ecuador beheimatet und variiert je nach Standort leicht in Farbe und Form. Das Klima am Standort bietet recht konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad ganzjährig. Niederschläge gibt es auch ganzjährig, wobei sie von März bis September erheblich häufiger sind. Bis November lassen sie dann deutlich nach und nehmen bis März wieder langsam zu. Phrag. besseae wächst terrestrisch zwischen dauerfeuchtem Moos, Gräsern und Farnen, aber teilweise auch litophytisch auf steilen und feuchten Felsen.

Phragmipedium schlimii (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium schlimii wurde 1854 erstmals als Selenipedium schlimii von LINDEN & REICHENBACH f. beschrieben. Benannt wurde Phrag. schlimii nach dem Entdecker, dem Halbbruder LINDENs, Louis Joseph SCHLIM. Nachdem BATEMAN 1866 diese Art als Cypripedium schlimii einstufte, erfolgte die endgültige Klassifizierung als Phragmipedium schlimii durch ROLFE im Jahre 1896. Beheimatet ist diese Naturform in Kolumbien und wächst dort in Höhenlagen von 1 200 -1 900 Metern in immerfeuchten Humus- und Moosnestern auf Granitfelsen und offenliegenden Baumwurzeln, oft zwischen hohen Gräsern. Die meisten bekannten Standorte liegen halbschattig. Das Klima bietet Temperaturen von 8 Grad nachts bis 25 Grad tagsüber. Die ganzjährigen Regenfälle nehmen im Frühjahr und Herbst etwas zu.

Eine Kultur auf dem Fensterbrett funktioniert bei dieser Hybride sehr gut, da sie auch mit etwas höheren Temperaturen zurechtkommt. Alle meine Exemplare von Phragmipedium Hanne Popow stehen bei nächtlichen Temperaturen von 16 – 20 Grad, im Hochsommer kann es auch mal etwas höher sein. Tagsüber steigen die Temperaturen auf 25-35 Grad, je nach Jahreszeit und Sonnenschein. Damit kommt Hanne Popow prima zurecht. Wer nur einen etwas kühleren Platz bieten kann, muss nicht auf dieses Kleinod verzichten. Da die Elternpflanzen etwas kühler wachsen, hat auch die Hybride mit kühleren Temperaturen kein Problem.

Phragmipedien lieben Feuchtigkeit und sollten deshalb ganzjährig feucht bis nass kultiviert werden. Die ersten Jahre, in denen ich Phragmipedium kultivierte, machte ich mir noch die Mühe, sie alle paar Tage zu tauchen. Im Sommer war das dann manchmal 3-mal wöchentlich! Obwohl ich immer wieder las, dass Phragmipedien mit nassem Fuß kultiviert werden können, traute ich mich anfangs nicht, sie in eine Schale mit Wasser zu stellen. Mit zunehmender Anzahl an Pflanzen dieser Gattung musste ich es zwangsläufig probieren, da mir die Zeit fehlt, inzwischen über 300 Pflanzen alle 2 – 3 Tage zu tauchen. Sie stehen ganzjährig im Wasser. Im Winter lasse ich die Schale auch mal 1 – 3 Tage trocken stehen, im Sommer fülle ich immer Wasser nach, sobald die Schale leer ist. Seitdem wachsen, wurzeln und blühen meine Pflanzen viel besser. Sie lieben es wirklich, richtig nass zu stehen.

Phragmipedium Hanne Popow, bei dem besseae f. flavum als Elternteil verwendet wurde (Foto: Thomas LEHMANN)

Als Substrat gibt es viele Möglichkeiten. Die meisten meiner Pflanzen stehen in einem Gemisch aus Rinde, Perlite, Holzkohle und etwas mineralischem Anteil wie Bims, Akadama, Ton oder dergleichen. Der Nachteil an organischen Pflanzstoffen ist, dass sie sich durch die dauerhafte Feuchtigkeit recht schnell zersetzen und regelmäßig getauscht werden sollten. Man liest sehr oft, spätestens nach 2 Jahren, wobei ich eher 3 Jahre warte und bisher keine Probleme damit hatte. Auch in lebendem Sphagnum-Moos funktionert eine Kultur sehr gut oder aber komplett mineralisch, in Akadama zum Beispiel. Wichtig ist, dass Feuchtigkeit gut gehalten und abgegeben wird.

Bei den Düngergaben verwende ich Düngerwasser mit einem Leitwert von ca. 250 – 350 Mikrosiemens, allerdings nur von März/April bis Oktober/November. Im Winter dünge ich gar nicht. Das normale Gießwasser hat bei mir einen Leitwert von ca. 150 Mikrosiemens. Phragmipedium Hanne Popow scheint aber nicht sonderlich salzempfindlich zu sein. Meine allererste, die ich vor ca. 8 Jahren gekauft habe, hat in den ersten Jahren nur Leitungswasser mit einem Leitwert von 480 Mikrosiemens bekommen ‒ Winter wie Sommer ‒ und sie lebt heute noch.

Autor: Thomas LEHMANN

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Phragmipedium Hanne Popow ‚Jersey‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipedium Hanne Popow ‚Wössen 2‘ Silbermedaille auf Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipedium Hanne Popow ‚Wössen 2‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipedium Hanne Popow mit typischer horizontaler Farbteilung der Petalen (Foto: Thomas LEHMANN)
Phragmipedium Hanne Popow mit etwas untypischer Form und Farbe (Foto: Thomas LEHMANN)

 

KW 17, 2018

Maxillaria variabilis

Alles lesen Orchidee der Woche 17, 2018

Maxillaria variabilis

Foto: Thomas LEHMANN

John LINDLEY beschrieb diese eher kleinwüchsige Maxillaria erstmals im Jahr 1837 in Edwards’s Botanical Register nach einem Manuskript von James BATEMAN. Beides waren britische Botaniker.
Diese Naturform hat ein recht großes Verbreitungsgebiet in Mittel- und Südamerika, welches sich von Mexiko über Guatemala, Belize, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Panama, Kolumbien bis nach Ecuador erstreckt. Durch das große Gebiet, in dem Maxillaria variabilis heimisch ist, lässt sich keine Klimazone festlegen. Sie wächst in kühlen wie auch in warmen und heißen Gegenden, meist epiphytisch auf Bäumen oder litophytisch auf Steinen in dichten, feuchten Wäldern. Die Standorte sind fast immer schattig. Max. variabilis findet man auf Höhenlagen von 500 – 2500 Metern über dem Meeresspiegel. Auf jeder Pseudobulbe, die recht eng aneinander wachsen, sitzt ein einzelnes, sehr festes Blatt. Die bis zu 5 cm lange Infloreszenz, welche am unteren Ende der Pseudobulbe entspringt, trägt jeweils eine einzelne Blüte, die ca. 3 cm groß ist und sehr unterschiedlich gefärbt sein kann. Daher kommt auch der Name variabilis. Es gibt die Blüten in Gelb-, Rot- und Orangetönen. Die Infloreszenzen dieser Art sind sehr langlebig und halten viele Wochen, teilweise sogar mehrere Monate, und können das ganze Jahr über entstehen.

 

Meine eigene Max. variabilis mit einer einzelnen Blüte (Foto:Thomas LEHMANN)
Maxillaria variabilis ‚Pa‘ SM/DOG (Foto: Werner HOLZMANN)

Die Kultur dieser ansprechenden Naturform ist recht unkompliziert, da sie sehr tolerant in Bezug auf die Temperatur ist. Meine Max. variabilis wächst temperiert/warm an einem hellen Platz neben dem Fenster, an den nur morgens kurz die Sonne auf die Pflanze scheint (Ostfenster). Den Rest des Tages hat sie es zwar hell, aber keine direkte Sonneneinstrahlung mehr. Im Winter gehen die Temperaturen nachts auch mal auf 15 °C zurück, meist liegen sie aber bei ca. 18 – 20 °C nachts. Tagsüber liegen sie im Sommer wie auch im Winter natürlich etwas darüber. Wie oben schon erwähnt ist diese Maxillaria sehr tolerant, was die Temperatur anbelangt.

Wichtig ist, dass sie ganzjährig feucht gehalten wird, da sie am Naturstandort ausschließlich in dichten Wäldern heimisch ist, wo immer sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht und auch viel Niederschlag fällt. Ab dem Frühling (März) wird bei mir regelmäßig gedüngt, wobei meine Max. variabilis ca. 350 – 400 Mikrosiemens erhält. In den dunklen Wintermonaten, in denen der Stoffwechsel der Pflanzen herunterfährt, stelle ich das Düngen komplett ein. Meist ist das ab Oktober, manchmal auch November, wenn der Oktober noch sehr hell und sonnig ist.

Ein schöner dunkelroter Klon (Foto: Werner HOLZMANN)

Als Substrat gibt es, wie immer, tausend mögliche Rezepte. Da Maxillarien immer feucht, aber nicht nass sein möchten, wie alle Epiphyten, empfiehlt sich ein Substrat, das gut drainiert ist und dabei aber trotzdem gut Wasser speichert. Anfangs hatte ich sie in Rinde mit etwas getrocknetem Sphagnum-Moos. Das hat auch gut funktioniert, nur wurde es mir mit zunehmender Anzahl an Pflanzen in meiner Orchideensammlung einfach zu viel Arbeit, immer gießen oder tauchen zu müssen. Seitdem steht sie bei mir in mineralischem Substrat. Eine Mischung aus Lava, Bims und Akadama, alles in der Körnung 5 – 10 mm. Sie wächst darin genauso gut, nur ist die Pflege etwas weniger zeitintensiv, da man sie im mineralischen Substrat einfach in eine mit Wasser gefüllte Schale stellen kann. Wenn die Schale komplett ausgetrocknet ist, wird sie wieder mit Wassser gefüllt, das war´s. Die Steinchen des Substrats ziehen sich die Feuchtigkeit durch die Kapillarwirkung nach oben und werden dabei aber nicht zu nass. Außerdem bildet sich durch die andauernde Feuchtigkeit recht schnell ein Moospolster auf dem Pflanzstoff, was sehr dekorativ aussieht. Natürlich funktionieren auch andere Substrate gut, da muss man einfach etwas ausprobieren und das für sich passende finden.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass Maxillaria variabilis eine sehr einfach zu kultivierende Naturform ist, die regelmäßig blüht und viel Freude macht!

Autor: Thomas Lehmann

Maxillaria variabilis in einem hellen Orange-Gelb (Foto: Irene BOCK)
Maxillaria variabilis in einem kräftigen Rotton (Foto: Irene BOCK)
Maxillaria variabilis in einem zarten Gelb (Foto: Irene BOCK)

 

KW 16, 2018

Pleione formosana

Alles lesen Orchidee der Woche 16, 2018

Pleione formosana

Foto: Monika Eckert

1911 beschrieb der japanische Botaniker Bunzô HAYATA diese ausdrucksstarke Naturform erstmalig. Der Name formosana leitet sich vom Fundort Formosa ab (nach „Ilha formosa“, portugiesisch für „schöne Insel“), wie die Insel Taiwan früher genannt wurde. Die Pflanzen wachsen in den Bergen in Höhen von 1 500-2 500 Metern unter kalten Bedingungen. Pleione formosana wächst terrestrisch und lithophytisch, sowohl in sonnigen als auch in schattigen Bereichen. Während der Regenzeit im Sommer ist der Standort immer feucht bis nass und es gibt fast täglich Niederschläge. Im Winter folgt dann eine recht kühle Trockenzeit, in der es so gut wie keinen Niederschlag gibt. In der Trockenzeit zieht Pln. formosana ihre Blätter ein und auch die Wurzeln vertrocknen dann vollständig, sodass nur noch die Pseudobulbe übrig bleibt. Mit Beginn des Frühlings fangen die Pseudobulben an, 1-2 Infloreszenzen auszubilden. Jeder Blütentrieb trägt eine Blüte. Am unteren Ende des Blütentriebs bilden sich dann neue Wurzeln, die den Neutrieb versorgen, der sich gegen Ende der Blütezeit entwickelt. Bis dahin versorgt sich die Pflanze lediglich aus der gespeicherten Energie der alten Pseudobulbe. Über den Sommer wachsen die Neutriebe heran und haben bis zum Herbst dicke runde Pseudobulben mit jeweils einem Blatt ausgebildet. Zur Trockenzeit im Winter ziehen Pleionen dann wieder ein und gehen in eine ausgeprägte Ruhephase, bis im Frühjahr der Zyklus von Neuem beginnt.

Da Pleione formosana bedingt winterhart ist, gibt es zwei grundsätzliche Kulturansätze, besonders für die Zeit im Winter. Beide Möglichkeiten möchte ich euch heute vorstellen. Die Überwinterung im Kühlschrank wende ich an, da ich keinen Garten habe. Die zweite Möglichkeit ‒ Überwinterung im Garten ‒ wird von meiner Redaktionskollegin Monika ECKERT praktiziert und weiter unten beschrieben.

Überwinterung im Kühlschrank

Pleione formosana mit Blütentrieben im April (Foto: Monika Eckert)

Die Kultur von Pleione formosana ist recht simpel. Die kühle und trockene Zeit im Winter übersteht sie äußerst gut, wenn sie im Gemüsefach des Kühlschranks gelagert wird. Am besten in einem Eierkarton oder ähnlichen Behälter, der Luftaustausch zulässt, damit sich keine Kondensationstropfen bilden, wodurch die Pseudobulben leicht faulen oder von einem Pilz befallen werden könnten. Ab Anfang/Mitte Januar sollte man immer wieder kontrollieren, ob schon Neutriebe zu sehen sind. Zeigen sich Neutriebe, werden Pleionen aus dem Kühlschrank geholt und auf trockenes Substrat gesetzt. Ab jetzt brauchen sie Licht, aber noch kein Wasser und einen möglichst kühlen Standort. Erst wenn sich die ersten kleinen Wurzeln bilden, sollte man langsam anfangen am Rand etwas zu gießen. Wenn der Blütentrieb so groß ist, dass eine eindeutige Knospe zu erkennen ist und man sieht, welche Farbe die Blüten haben werden, kann mehr gegossen werden. Ab jetzt sollte das Substrat immer richtig schön feucht sein und nicht mehr austrocknen.

 

Die gleiche Schale mit Pleione formosana einen Montat später, im Mai. (Foto: Monika Eckert)

Nach der Blüte bilden sich die Neutriebe, aus denen sich die Pseudobulben für das nächste Jahr entwickeln. Die alten Pseudobulben werden immer mehr ausgesaugt und trocknen mit der Zeit komplett ein. Inzwischen hat der Neutrieb genug Wurzeln gebildet, die die Pflanze mit Nährstoffen versorgen können. Die »Altbulbe« wird also nicht mehr gebraucht. Über den ganzen Sommer herrscht »Regenzeit«, in der die Neutriebe wachsen. Im Herbst beginnt Pleione formosana dann meist von alleine ihre Blätter einzuziehen und abzuwerfen. Ab jetzt wird das Gießen eingestellt. Bis kurz vor dem ersten Frost bleiben meine Pleionen noch draußen stehen und werden einfach »vergessen«. Kein Wassser mehr, auch Licht brauchen sie dann schon keines mehr. Anschließend werden die Pseudobulben aus dem Substrat genommen und alle Wurzeln und die eingetrockneten Alt-Pseudobulben entfernt, da diese ohnehin schon total eingetrocknet sind und nicht mehr benötigt werden. Sollten noch nicht alle Blätter abgeworfen worden sein, entferne ich auch diese. Danach geht es dann in den Kühlschrank zur Überwinterung. Pleionen bilden Bulbillen aus. Das sind kleine schmale Pseudobulben, die bei guter Kultur nach circa 4 Jahren blühfähig sind. Mit ihnen wird genauso verfahren. Der einzige Unterschied ist, dass sie im Frühjahr noch keine Blüte bilden, sondern direkt mit einem Neutrieb beginnen. In jeder Saison sollte sich die Größe der Bulbillen in etwa verdoppeln, damit sie dann eben nach ca. 4 Jahren blühstark sind.

Ab Janur wird dann wieder regelmäßig kontrolliert, ob sich schon Neutriebe zeigen, und der Zyklus beginnt wieder von vorne.

Foto: Werner Holzmann

Als Pflanzstoff eignet sich alles, was während des Sommers richtig gut Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt. Ich persönlich nehme getrocknetes Sphagnum, aber auch feine Rinde, Blumenerde oder mineralische Substrate werden bei dieser Gattung oft verwendet. Da muss jeder seines finden, mit dem er am besten zurechtkommt. Wenn man die kühlen Temperaturen im Winter auch ohne Kühlschrank bieten kann, dann geht das natürlich auch. Ich finde es nur sehr praktisch mit der Kühlschrankkultur, da ich sicher sein kann, dass es weder zu warm noch zu kalt wird. Aber wie mit allem: Viele Wege führen nach Rom! ‒ In diesem Sinne hier noch die Erfahrungen von Monika ECKERT:

Überwinterung im Garten

Im Herbst vor dem ersten Frost grabe ich für meine Schale voller Pleione formosana eine Mulde in einem wind- und wettergeschützten Beet unter einem Dachüberstand. Dorthin gelangt kein Regen. Die Schale wird etwas mit Erde angehäufelt und mit einer ca. 20 cm dicken Schicht aus trockenen Blättern bedeckt. Darüber kommt etwas Hasendraht, damit die Blätter nicht weggeweht werden. Fällt das Thermometer unter ca. -5 °C, wird noch eine Luftpolsterfolie darübergelegt.

Zwischen Anfang und Mitte Februar ‒ je nach Wetterlage bei uns in der Nähe von Frankfurt ‒ wird die Schale aus der Mulde geholt und an einen vor Regen geschützten Platz gestellt. Das Substrat ist jetzt absolut trocken, die Pseudobulben sind prall und zeigen seitlich schon erste Ansätze von Infloreszenzen. Bei sonnigem Wetter werden sie etwas übersprüht, aber nicht gegossen. Bei drohendem Frost wird die Schale entweder abgedeckt, solange die Infloreszenzen noch nicht zu lang sind, oder kurz an einen kühlen frostfreien Ort gebracht.

Wenn sich die Blätter entwickeln, wird langsam vorsichtig gegossen. Im Sommer steht die Pleionen-Schale im lichten Schatten eines Baumes und wird genau wie Kübelpflanzen regelmäßig mit Leitungswasser gegossen und mit dem gleichen Dünger in etwa halber Konzentration versorgt. Ab September wird die Schale wieder an einen vor Regen geschützten Platz gestellt und erhält kein Wasser mehr. Sie soll absolut trocken in ihr Winterquartier eingegraben werden, damit die Pflanzen nicht faulen. Die Blätter sind zu diesem Zeitpunkt noch grün und werden nicht entfernt. Sie trocknen später unter der Blätterschicht ein.

Anders als häufig empfohlen, topfe ich meine Pleione formosana im Herbst nicht aus. Sie wächst seit Jahren in einer Mischung aus Erde und trockenen, halb verrotteten Nadeln, die ich unter einer Fichte zusammengekratzt habe. Im Frühjahr lege ich etwas frisches Gartenmoos obenauf. Offenbar sagt ihr diese Behandlung zu, denn seit ich sie vor etlichen Jahren von einem Vereinskollegen mit diesen Kulturhinweisen erhalten habe, erfreut sie mich jedes Jahr im Frühling mit üppiger Blütenpracht.

Im ersten Jahr hatte ich sie in der Garage überwintert und im Zimmer zum Blühen gebracht. Die Blüten entwickelten sich zwar deutlich früher, waren aber kleiner und wollten teilweise gar nicht aufgehen. Vermutlich war ihnen die Zimmerluft zu trocken.

 

Autoren: Thomas LEHMANN und Monika ECKERT

Foto: Irene Bock
Foto: Irene Bock

KW 15, 2018

Cattleya labiata

Alles lesen Orchidee der Woche 15, 2018

Cattleya labiata

Foto: Monika ECKERT

Im Jahr 1817 sammelte William SWAINSON in Brasilien einige Pflanzen dieser wunderschönen Naturform. SWAINSON war eigentlich Ornithologe, Malakologe und Künstler, beschäftigte sich also eher mit Vögeln und Weichtieren, sammelte bei seinen Reisen aber auch immer wieder Pflanzen, Insekten und andere Lebewesen, die er dann mit in seine britische Heimat brachte. Auf diesem Weg erhielt William CATTLEY aus England eine der gesammelten Pflanzen, die im November 1818 erstmalig bei ihm blühte. SWAINSON schickte mehrere dieser ausdrucksvollen Orchideen zu John LINDLEY, der sie im Jahre 1824 in seiner „Collectanea Botanica“ erstmalig beschrieb und sie William CATTLEY zu Ehren Cattleya und der eindrucksvollen Lippe wegen labiata nannte. Danach galt die Art lange Zeit als ausgestorben, bis sie in den 1880er Jahren wiederentdeckt wurde. Cattleya labiata hat ein recht großes Verbreitungsgebiet in den nordostbrasilianischen Bundesstaaten Ceará, Paráiba, Pernambuco, Alagoas and Piauí auf Höhen zwischen 600 und 1 000 Metern.

Die Pflanzen kommen in drei verschiedenen Lebensräumen vor, darunter eine saisonal tropische Regenwaldzone in Küstennähe, eine tropische Zone mit laubabwerfendem Wald etwas weiter landeinwärts und eine Dornbuschzone, die sehr weit im Landesinneren liegt. Cattleya labiata wächst normalerweise unter hellen Bedingungen in den Kronen alter Bäume. Gelegentlich findet man sie aber auch auf Steinen (lithophytisch) im Schatten oder in der Sonne. Pflanzen sind in der Regel vor praller Sonne geschützt, aber nicht immer. Wenn sie in voller Sonne wachsen, entwickeln die Blätter und Pseudobulben eine schützende rötlich braune Farbe und die Blüten sind intensiver gefärbt.

Cattleya labiata bildet bis zu 30 cm lange Pseudobulben aus, auf denen jeweils ein einzelnes, festes Blatt sitzt. Im Herbst und frühen Winter ist Hauptblütezeit. An einer kurzen Infloreszenz entwickeln sich dann meist 2-5 Blüten, die von zart bis kräftig lilafarben sind und einen Durchmesser von bis zu 15 cm erreichen können.

Cattleya labiata in einer Gärtnerei. Man erahnt auf dem Bild die variablen Lilatöne. (Foto: Monika ECKERT)

Wie bereits erwähnt, benötigt Cattleya labiata sehr viel Licht, wobei direkte Mittagssonne unschattiert nicht gut vertragen wird. Ein vor Mittagssonne geschützter Bereich im Freien ist ab Mai sehr gut geeignet, da C. labiata eine nächtliche Temperaturabsenkung und viel Frischluft braucht, was gerade im Sommer in der Wohnung oft schlecht zu realisieren ist. Unmöglich ist es aber nicht, diese wunderschöne Art erfolgreich ganzjährig auf der Fensterbank zu kultivieren.

Während der Wachstumsphase braucht Cattleya labiata reichlich Wasser. Das Substrat sollte jedoch grob und luftig sein, damit die Wurzeln schnell wieder abtrocknen können. Auch gedüngt werden kann in dieser Zeit etwas mehr als bei vielen anderen Orchideen. Bei jedem zweiten Gießen darf die Düngerkonzentration ruhig auf einen Leitwert von 400-500 Mikrosiemens angehoben werden, wenn der Topf zwischendurch ausgiebig mit salzarmem Wasser (z. B. Regenwasser) durchgespült wird. Nachdem die Neutriebe ausgewachsen sind und die Pflanze in eine kurze Ruhephase geht, sollten die Wasser- und Düngergaben reduziert werden.

Nach ca. vier bis acht Wochen ‒ meist zwischen September und Dezember ‒ blüht Cattleya labiata. Danach macht sie eine ausgeprägte Ruhezeit durch, in der sie noch etwas trockener gehalten und nicht mehr gedüngt wird. Diese Ruhezeit ist wichtig, damit der Blütenflor im darauffolgenden Jahr prächtig wird und die Pflanze gesund bleibt. Mäßige Wassergaben und Temperaturen zwischen 12 und 18 Grad sollten bis zum Erscheinen der Neutriebe im Frühjahr eingehalten werden.

Die Frage nach dem richtigen Substrat lässt wieder viele Antworten zu. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit gleichmäßig im Topf verteilt wird und keine Staunässe entsteht. Sowohl organisches wie auch mineralisches Substrat funktioniert gut. Da Cattleyen Epiphyten sind, sollte auch eine gute Luftzirkulation an den Wurzeln gewährleistet sein. Getopft werden sollte ausschließlich im Frühjahr, wenn die Neutriebe erste kleine Wurzeln zeigen. Alttriebe bilden keine neuen Wurzeln aus. Wichtig ist auch, dass die Pseudobulben nicht im Substrat „vergraben“, sondern lediglich auf das Substrat „aufgesetzt“ werden, da die Pseudobulben sonst schnell faulen oder verpilzen.

Autor: Thomas LEHMANN

Cattleya labiata ‚Eisenheim‘ BM/DOG in der Kategorie botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Cattleya labiata ‚Ipanema‘ SM/DOG für die herausragende Kultur. (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

KW 14, 2018

Bulbophyllum rothschildianum

Alles lesen Orchidee der Woche 14, 2018

Bulbophyllum rothschildianum

Bulbophyllum rothschildianum ‚Alisa‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Johannes Jacobus Smith, ein niederländischer Gärtner und Botaniker, der in Belgien geboren wurde, beschrieb diese außergewöhnliche Naturform im Jahre 1912 als Bulbophyllum rothschildianum. Die Erstbeschreibung erfolgte bereits 1895 durch den britischen Botaniker James O´Brien unter dem heute als Synonym geltenden Namen Cirrhopetalum rothschildianum. Mit dem Artnamen wurde die englische Bankiersfamilie Rothschild geehrt, die sich über Generationen für Orchideen interessierte. Nach dieser Familie wurden noch einige weitere Arten aus anderen Gattungen benannt. Heimisch ist Bulb. rothschildianum von Südyunnan in China bis ins nordöstliche Indien. Durch das recht große Verbreitungsgebiet wächst sie in Temperaturbereichen von kühl bis heiß, stets epiphytisch. Sie bildet an teilweise recht langen Ausläufern Pseudobulben, auf denen jeweils ein einzelnes dickes Blatt sitzt. Die Blütentriebe entspringen an der Unterseite der Pseudobulben und hängen weit nach unten. Bulb. rothschildianum bildet 3-8 Knospen pro Blütentrieb aus. Die Blüten sind sehr auffällig halbkreisförmig angeordnet und haben langgezogene, fadenartige Petalen, die nach unten hängen. Der Duft ist nicht sonderlich angenehm, aber raumfüllend. Blütezeit ist im Frühjahr und Herbst. Durch die Wuchsform mit den langen Ausläufern sollte man diese Art getopft in Schalen oder Körben oder aufgebunden kultivieren. Bei der Kultur im Topf ist wegen der weit überhängenden Blütentriebe die Ampellösung empfehlenswert.

 

Das aufgebunden kultivierte Bulbophyllum rothschildianum ‚Kaiser‘ bekam eine Silbermedaille für den Kulturerfolg. Man kann ganz gut erkennen, dass die einzelnen Pseudobulben recht weit voneinander entfernt wachsen. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Detailaufnahme (Foto:Thomas Lehmann)

Vor einiger Zeit bekam ich ein Teilstück aus fünf oder sechs Pseudobulben, ungetopft, für wenige Euro bei einem Orchideenzüchter in meiner Nähe. Obwohl ich wirklich gar keine Ahnung von dieser Gattung hatte, habe ich es mitgenommen, da es fast geschenkt war. Nach ein bisschen Recherche im Internet habe ich es dann auf ein Gemisch aus mittlerer und grober Rinde und Perlite gesetzt, da Bulbophyllen wohl ein sehr gut drainiertes Substrat bevorzugen und Staunässe, wie auch Dauerfeuchte, mit Blattwurf und Fäulnis quittieren. Innerhalb kurzer Zeit begann das Teilstück, auch an alten Pseudobulben, neu zu wurzeln und auch einen Neutrieb zu entwickeln. Nachdem es jetzt, nicht mal ein Jahr nach Erhalt, 2 Blütentriebe angesetzt hat, scheint die Wahl des Substrates die richtige gewesen zu sein. Da ich meine Orchideen in der Wohnung kultiviere, war mir die getopfte Version lieber als die aufgebundene. Wobei ich auch sagen muss, dass die nächsten Neutriebe schon über den Rand meiner Schale wachsen werden. Was ich dann mache, weiß ich noch nicht. Ein, zwei Jahre wird es noch gutgehen, dann müsste wohl eine noch größere Schale her oder die Pflanze erneut geteilt werden.

Mein eigenes rothschildianum (Foto: Thomas Lehmann)

Wie alle meine getopften Orchideen, habe ich auch Bulbuphyllum rothschildianum in eine transparente Schale getopft, um die Feuchtigkeit besser kontrollieren zu können. Da diese Gattung sehr empfindlich auf Staunässe und Dauerfeuchte reagiert, warte ich immer, bis der Topf komplett durchgetrocknet ist, bevor die Schale von mir erneut getaucht wird. Nach dem Tauchen darf das Substrat dann gründlich abtropfen, bevor die Pflanze wieder zurück an ihren halbschattigen Platz am westseitigen Fenster kommt. Das normale Gießwasser hat einen Leitwert von ungefähr 200 Mikrosiemens. Gedüngt wurde 1-2-mal im Monat mit aufgedüngtem Wasser, das dann circa 350 Mikrosiemens aufwies. In den Wintermonaten, von Ende November bis Anfang März, habe ich nicht gedüngt, sondern nur getaucht mit normalem Gießwasser. Pünktlich zum Frühling begann die Pflanze ihre 2 Blütentriebe anzusetzen.

Da die Temperaturen an den Naturstandorten von kühl bis heiß reichen, habe ich mich dazu entschlossen, sie temperiert-warm zu kultivieren. Nicht zuletzt, weil ich in diesem Temperaturbereich den meisten Platz bieten kann. Im Winter lagen die Tagestemperaturen, je nach Sonnenschein, zwischen 22 und 34 Grad. Im Durchschnitt waren es um die 25 Grad. Nachts gingen die Temperaturen dann bis auf 14 Grad zurück, meistens eher auf 18-19 Grad. Ich gehe davon aus, dass ihr dieses Klima ganz gut gefallen hat, sonst würde sie vermutlich jetzt nicht blühen. Im Sommer, frühestens ab Mai, werde ich mein Bulbophyllum rothschildianum geschützt ins Freie hängen, da es sehr gerne Frischluft und viel Luftbewegung hat, was ich ihm in unserer Dachgeschosswohnung nicht bieten kann. Stehende Luft, befürchte ich, würde ihm sicher nicht gut bekommen.

Alles in allem scheint diese Naturform für mich gut kultivierbar zu sein und da man oft Teilstücke für schmales Geld findet, sollte man es einfach mal mit ihr probieren. Die Blüten sind wirklich richtig imposant und ein echter Blickfang für jeden Orchideenliebhaber.

Autor: Thomas Lehmann

Bulbophyllum rothschildianum ‚Weinheim‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Bulbophyllum rothschildianum ‚Kaiser‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Bulbophyllum rothschildianum ‚Weinheim‘ Silbermedaille auf Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv

 

KW 13, 2018

Phragmipedium longifolium

Alles lesen Orchidee der Woche 13, 2018

Phragmipedium longifolium

Foto: Thomas Lehmann

Robert Allen Rolfe, ein englischer Botaniker, der sich auf Orchideen spezialisiert hatte und Gründer des Magazins „The Orchid Review“ war, beschrieb Phragmipedium longifolium 1896 in Orchid Review 4: 332. Die Erstbeschreibung der Pflanze erfolgte bereits im Jahr 1852 durch Heinrich Gustav Reichenbach, damals noch als Cypripedium longifolium. Der Name longifolium bedeutet langblättrig. Diese Naturform wächst terrestrisch und litophytisch in Costa Rica, Panama, Kolumbien, Ecuador und im brasilianischen Bundesstaat Goiás auf einer Höhe von 0-2000 Meter über dem Meeresspiegel. Phragmipedium longifolium siedelt in immerfeuchten Wäldern, sehr oft in der Nähe von Flüssen und Bächen. Teilweise wurden Pflanzen gefunden, deren Wurzeln direkt im Wasser von Bächen wuchsen. Wegen des großen Verbreitungsgebiets und der unterschiedlichen Höhenlagen, in denen longifolium heimisch ist, variiert das Klima an den Naturstandorten sehr. Die Temperaturen steigen tagsüber in der Regel auf über 20 Grad, teilweise auch über 30 Grad. Nachts gehen sie meistens auf 15 Grad zurück. In manchen Gegenden liegen die Nachttemperaturen aber auch nur bei 8 Grad. Diese Naturform kann über einen Meter hoch werden. Der Stamm ist vollkommen von 6-8 dachziegelartig angeordneten Blättern umschlossen, die bis zu 80 cm lang werden können und stark gekielt sind. Phragmipedium longifolium ist ein sogenannter Revolverblüher. Sobald eine Blüte verblüht, kommt schon die nächste Knospe und öffnet sich. Manchmal sind auch 2 Blüten gleichzeitig geöffnet. Somit kann der Blütentrieb viele Monate lang immer wieder neue Blüten hervorbringen. Durch seine sympodiale Wuchsform werden in wenigen Jahren aus jungen Pflanzen richtige Büsche, die dann oft mehrere Blütentriebe gleichzeitig entwickeln.

Vor 3 Jahren als kleine eintriebige Pflanze gekauft, heute schon ein richtiger Busch mit aktuell 2 Infloreszenzen und 3 Blüten. (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium longifolium ‚Burnham‘ × self (Foto: Thomas Lehmann)

Die Kultur von Phragmipedium longifolium ist recht simpel und funktioniert auch ohne Gewächshaus sehr gut, solange man den Platz bieten kann, den die Pflanze bereits nach wenigen Jahren beansprucht. Für die Fensterbank selbst ist sie zu groß, aber in einem Wintergarten oder sehr hellen Raum funktioniert die Kultur sehr gut und ist unkompliziert. Da longifolium am Naturstandort immer feucht bis nass, teilweise komplett im Wasser steht, kann es auch in Kultur im Wasser stehen. Meine longifolium-Pflanzen stehen in einer mit Wasser gefüllten Schale, die ich gelegentlich – besonders im Winter – abtrocknen lasse, bevor ich wieder Wasser nachfülle. Das Wasser hat einen Leitwert von ca. 170-200 Mikrosiemens. Im Sommer wird es alle 2-4 Wochen auf einen Leitwert von 300-400 Mikrosiemens aufgedüngt. Im Winter dünge ich grundsätzlich nicht.

Das Staminodium ist von einem Kranz aus dunklen Härchen umringt (Foto: Thomas Lehmann)

Ich habe schon verschiedene Substrate bei meinen Phragmipedien ausprobiert. Phragmipedium longifolium stellt keine besonderen Ansprüche an das Substrat. Mir persönlich ist Rinde (6-12 mm), gemischt mit Perlite, Holzkohle, Bimskies und manchmal etwas Akadama am liebsten. Aber auch in reinem Akadama, Steinwollwürfel pur, Lebendmoos (Sphagnum) und reiner Rinde habe ich gute Erfahrungen bei longifolium gemacht. Wie gesagt, scheint es da keine besonderen Ansprüche zu haben. Das Substrat sollte nur gut die Feuchtigkeit transportieren und halten können und luftig sein. Wenn diese Kriterien erfüllt sind, scheint alles zu funktionieren. Ich kalke das Substrat 2-mal im Jahr etwas mit Hüttenkalk (manchmal auch Dolomitkalk) auf und habe die Erfahrung gemacht, dass die Blüten damit üppiger ausfallen. Mein Rekord liegt bei 11 Monaten Blüte an einem Blütentrieb. 9 Blüten waren es insgesamt, die nacheinander aufgingen, und jede für sich hielt viele Wochen.

Im Winter steht Phragmipedium longifolium bei mir an der Südseite unschattiert und bekommt volle Sonne. Im Sommer steht es im Freien, vor der Mittagssonne geschützt. Phragmipedien lieben Frischluft und Luftbewegung. Aus diesem Grund tut ihnen der Freilandaufenthalt im Sommer immer sehr gut. Im Innenraum hat man einfach nie so viel Luftbewegung wie draußen. Wer keine Möglichkeit hat, die Pflanze im Sommer rauszustellen, muss trotzdem nicht auf sie verzichten. Gelegentliches Lüften reicht longifolium aus, im Gegensatz zu manch anderen Phragmipedium-Naturformen. Es ist eine wirklich unkomplizierte, blühfreudige und imposante Pflanze, die viel Freude macht und in keiner Sammlung fehlen sollte, finde ich.

Autor: Thomas Lehmann

Phragmipedium longifolium mit schöner Symmetrie (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)
Detailansicht der gerüschten Petalen (Foto: Thomas Lehmann)
Hier sieht man die Symmetrie ganz schön (Foto: Thomas Lehmann)
Eine weitere Detailaufnahme der Petalen (Foto: Thomas Lehmann)

KW 12, 2018

Phalaenopsis Donna´s Delight

Alles lesen Orchidee der Woche 12, 2018

Phalaenopsis Donna’s Delight

Foto: Thomas Lehmann

Diese Primärhybride aus Phalaenopsis equestris und Phalaenopsis finleyi wurde am 09.08.2005 von William Tippit bei der RHS (Royal Horticultural Society) registriert. Die Blüten dieser Kreuzung variieren, anders als bei vielen Hybriden,  nur sehr wenig. Sie zeigen immer die typische Haltung von Phal. finleyi, bei der die Petalen stark nach oben gerichtet und sowohl Petalen wie auch Sepalen nach hinten gebogen sind. Grundfarbe ist ausnahmslos weiß, die Lippe manchmal zartrosa, gelblich oder orange. Die gesamte Blüte ist immer mit vielen dunkel lilafarbenen Punkten gezeichnet. Von ihrem anderen Elternteil Phal. equestris hat sie in den allermeisten Fällen ihre Blütenfülle und Blühfreudigkeit geerbt. Auch die Neigung zur Kindelbildung erbt Donna´s Delight meist von equestris. Besonders durch ihre eigenwillige Blütenform ist diese Hybride ein wahrer Blickfang.

 

Phalaenopsis finleyi ‚Alex‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Phalaenopsis finleyi (Syn. Phal. minus) ist im Nordosten Thailands und in Myanmar heimisch. Dort wächst sie, wie alle Phalaenopsis, epiphytisch, meist auf Bäumen.  Erstmalig beschrieben wurde sie von Eric Alston Christenson in Richardiana 11(2): 80, 2011. Sie ist eine kleinwüchsige Phalaenopsis, die nur einen kurzen Stamm mit fleischigen Blättern bildet. Der Blütentrieb ist ebenfalls recht kurz und bringt lediglich 2-3 Blüten hervor. Das Klima am Standort ist geprägt vom indischen Monsun, der von März bis Oktober für eine ausgeprägte Regenzeit sorgt. Dann scheint die Sonne nicht so oft wie in den restlichen Monaten. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch. Die Temperaturen haben ein recht starkes Tag-/Nachtgefälle. Tagsüber steigen sie fast immer über 30 Grad Celsius. Die Nachttemperaturen betragen im Sommer ca. 25 Grad, im Winter fallen sie auf durchschnittlich 15 Grad ab.

 

Phalaenopsis equestris (Foto: Thomas Lehmann)

Phalaenopsis equestris, die zur Sektion Stauroglottis zählt, ist eine kleine und sehr blühfreudige Art, von der es einige Varietäten und Formen gibt. Sie besiedelt auf den Philippinen und im südlichen Taiwan sehr warme bis heiße Täler, oft in der Nähe von Bächen und Flüssen, auf einer Höhe von 300 Meter über dem Meeresspiegel. Auch sie wächst epiphytisch, meist auf Bäumen. Als Phalaenopsis equestris wurde sie im Jahre 1850 von Heinrich Gustav Reichenbach beschrieben. Sie ist eine recht kleinwüchsige Orchidee, die nur einen kurzen Stamm bildet und monopodial wächst. Phal. equestris neigt stark zur Kindelbildung und blüht sehr reichlich. An alten Blütentrieben können immer wieder neue Knospen entstehen, weshalb man die Blütentriebe nicht abschneiden sollte, solange sie nicht eintrocknen. Die Winter am Naturstandort sind etwas trockener als die Sommer, jedoch trocknet das Habitat niemals komplett aus. Die Temperaturen unterschreiten 20 Grad nachts nur sehr selten, tagsüber steigen sie fast immer auf 30 Grad und höher.

 

Blütentraube von Donna’s Delight mit rosafarbener Lippe (Foto: Andrea Scherch)

 

Da beide Elternteile von Phalaenopsis Donna´s Delight aus ähnlichen Klimabereichen kommen, können wir die natürlichen Klimabedingungen für die Kultur dieser Hybride übernehmen. Eine Kultur auf der Fensterbank funktioniert sehr gut. Meine Donna´s Delight steht im Winter in einem beheizten Zimmer mit Tagestemperaturen zwischen 22 und 32 Grad, je nachdem, ob die Sonne scheint oder nicht. Nachts fallen die Temperaturen auf 16-18 Grad ab. Im Winter bekommt sie volle Sonne, wenn sie mal scheint. Im Sommer steht sie eher halbschattig und bekommt nur etwas Abendsonne ab. Die Luftfeuchtigkeit beträgt bei mir meistens zwischen 60 und 70%. Im Winter liegt sie auch mal etwas darunter, was dieser Phalaenopsis-Hybride aber nichts ausmacht.

Habitus von Phalaenopsis Donna´s Delight, man sieht, dass die Pflanze eher zu den kleinen Phalaenopsis gehört. (Foto: Heidi Wildeis)

Bei Phalaenopsis halte ich generell Rinde für das beste Substrat. Meine Phal. Donna´s Delight steht in Rindenstücken (9-12mm), mit Perlite als Zuschlagsstoff, in einem transparenten Topf. Ich verwende grundsätzlich lieber transparente Töpfe, da ich bei diesen die Feuchtigkeit des Substrats besser kontrollieren kann und auch den Zustand der Wurzeln im Blick habe. Bei Phalaenopsis hat es zusätzlich den Vorteil, dass Licht an die Wurzeln kommt. Diese sind bei Phalaenopsis fähig zur Photosynthese, wofür sie aber Licht benötigen. Zu beachten ist bei dieser Gattung, dass sie einen recht schnellen Nass-Trocken-Rhythmus hat. Das heißt, dass das Substrat nach dem Wässern recht schnell trocknen sollte und erst dann wieder gewässert wird, denn Dauerfeuchtigkeit lässt die Wurzeln faulen.

Phalaenopsis machen es einem recht leicht, den richtigen Zeitpunkt zum Wässern zu finden. Bei mir werden sie getaucht und nicht gegossen. Nach dem Tauchbad färben sich gesunde Wurzeln grün, wenn sie sich mit Wasser vollgesogen haben. Danach lasse ich den Topf gut abtropfen, damit keine Staunässe entsteht. Nach einigen Tagen, fangen die Wurzeln an wieder silbrig zu werden. Wenn sie vollständig silbern sind und keine Restfeuchtigkeit mehr im Topfzu sehen ist, wird wieder getaucht. Meistens dauert dieser Rhythmus ungefähr eine Woche. Wenn die Wurzeln viel länger grün sind, dann ist das Substrat zu fein oder bereits verdichtet, weil es zu alt ist. Dann sollte es unbedingt gewechselt werden, da Phalaenopsen schnell abtrocknen wollen.

Das normale Gießwasser hat bei mir einen Leitwert von ca. 170-200 Mikrosiemens. Im Sommer dünge ich alle 3-4 Wochen mit einem Leitwert von ca. 350 Mikrosiemens, im Hochsommer auch mal etwas höher. Im Winter wird bei mir gar nicht gedüngt, da wir in unseren Breitengraden zu wenig Licht haben und der Stoffwechsel der Pflanzen dadurch sehr niedrig ist, wodurch sie auch weniger Nährstoffe benötigen. Im Substrat lagern sich im Laufe des Sommers genügend Düngerreste an, die dann über den Winter verbraucht werden können.

Besonderer Dank geht an Andrea Scherch, Sylvia Toenne, Heidi Wildeis, Inge Nell und Kerstin Schneider, die mir mit Ihren tollen Fotos ausgeholfen haben!

Autor: Thomas Lehmann

Hier sieht man schön die Fülle an Blüten, die Donna’s Delight hervorbringt. Intensiv orangefarbene Lippe – wahrscheinlich mit einer equestris gekreuzt, die eine orangefarbene Lippe hatte. (Foto: Sylvia Toenne)
Ein Klon mit orange-gelblicher Lippe  (Foto: Sylvia Toenne)
Hier ein Klon mit fast weißer Lippe (Foto: Inge Nell)
Pflanze mit verzweigter Infloreszenz (Foto: Kerstin Schneider)
Ein sehr intensiv gefärbter Klon mit pinkfarbener Lippe (Foto: Heidi Wildeis)

KW 11, 2018

Paphiopedilum helenae

Alles lesen Orchidee der Woche 11, 2018

Paphiopedilum helenae

Foto: Thomas Lehmann

Der russische Botaniker Leonid Vladimirovich Averyanov (Aver.) beschrieb dieses kleinwüchsige Paphiopedilum erstmalig im Jahr 1996. Es gilt als eine der kleinsten Paphiopedilum-Arten und ist beheimatet in Nordvietnam und Südchina. In offenen, gemischten und oft laubabwerfenden Wäldern wächst helenae meist auf der Nordseite von Kalksteinfelsen und Klippen unter warmen bis heißen klimatischen Bedingungen. Durch die offenen Wälder, in denen viele Bäume im Winter ihr Laub abwerfen, bekommt dieses Paphiopedilum sehr viel Licht ab. Da es aber eher an den Nordseiten von Felsen und Klippen gefunden wird, steht es niemals in der direkten Mittagssonne. Die Sommer sind durch den Monsunregen sehr feucht und niemals trocken. Im Winter gibt es deutlich weniger Niederschlag, aber auch hier trocknet das Habitat niemals komplett ab. Paphiopedilum helenae hat seine ganz feste Blütezeit im Spätsommer und Herbst. Es blüht so gut wie nie außerhalb dieser Zeit. Der Habitus dieser Naturform bleibt mit circa 10-15 cm Blattspannweite sehr klein und bildet 3-5 feste und ledrige Blätter, die wechselständig an einem sehr kurzen Stamm wachsen. Die Infloreszenz wird nur 5-7 cm lang und wächst leicht überhängend. Die Blüte von helenae ist 5-6 cm groß und variiert farblich in verschiedenen Gelb- und Brauntönen.

Paphiopedilum helenae ‚Geli‘ Silbermedaille der Deutschen Orchideengesellschaft e. V. auf die Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

Ich kultiviere mein Paphiopedilum helenae in einer Mischung aus mittlerer und feiner Rinde, Bimskies und Perlite. Das Substrat kalke ich alle 6 Monate mit Hüttenkalk auf. Auch andere Substrate und Zuschlagstoffe sind natürlich möglich. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit gut gehalten werden kann. Steinwollwürfel, Sphagnum-Moos, Akadama, Schaumstoffwürfel, Kokosfasern etc. ‒ Ich habe fast alles schon ausprobiert, helenae scheint keine besonderen Ansprüche an das Substrat zu stellen. Solange es immer feucht ist ‒ im Sommer richtig feucht bis nass, im Winter darf es leicht antrocknen ‒ und ausreichend Kalk geboten wird, ist dieses Paphiopedilum gerne bereit zu wachsen und zu blühen. Das Thema Kalk handhabt auch jeder ein bisschen anders. Wie oben schon geschrieben, kalke ich das Substrat alle 6 Monate mit Hüttenkalk auf. Hüttenkalk ist ein kohlensaurer Kalk, der leicht wasserlöslich ist und gut von der Pflanze aufgenommen werden kann. Damit habe ich die besten Erfahrungen gesammelt. Ich habe aber auch schon sehr gut kultivierte helenae gesehen, die Muschelgritt im Substrat hatten, welches den nötigen Kalk liefert, oder auch Pflanzen, die gelegentlich mit Leitungswasser gegossen werden, um Kalk verfügbar zu halten. Auch hier muss jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln, um herauszufinden, welcher der beste Weg ist.

Das Gießwasser hat bei mir einen Leitwert von ca. 150-200 Mikrosiemens. Im Sommer wird alle paar Tage getaucht, im Hochsommer steht der Topf auch mal 1-3 Tage in einer Wasserpfütze. Beim andauernden Monsunregen steht Paphiopedilum helenae im natürlichen Habitat auch mal kurzzeitig im Wasser. Das verträgt es gut, aber eben nur im Hochsommer, wenn die Temperaturen auch entsprechend hoch sind. Stehendes Wasser in Verbindung mit Kälte lässt die Wurzeln sofort faulen. Im Winter gieße ich nur alle paar Tage etwas auf das Substrat, sodass es nicht ganz austrocknet, aber auch nicht zu nass ist. Gedüngt wird bei mir nur von Frühling bis Anfang Herbst, alle 2- 4 Wochen. Das Düngerwasser hat dann einen Leitwert von 300-400 Mikrosiemens. Auch mein Dünger enthält zusätzlich nochmal etwas Kalk, was nicht bei jedem Dünger gegeben ist.

 

Wenn im Sommer die nächtlichen Temperaturen nicht unter 15 Grad fallen, stelle ich mein kleines Paphiopedilum schattig ins Freie. Im Winter steht es hell am Westfenster im beheizten Orchideenzimmer bei 20-28 Grad tagsüber. Bei Sonnenschein steigen die Temperaturen durch eine große südseitige Glasfront auch mal auf 30-32 Grad. Nachts fallen die Temperaturen nie unter 18 Grad. Wie im ersten Absatz schon erwähnt, ist Paphiopedilum helenae ein warm-heißes Paphiopedilum. Temperaturen unter 15 Grad verträgt es auf Dauer daher nicht.

Im Allgemeinen ist Paphiopedilum helenae aber eine sehr unkomplizierte Orchidee, die sehr zuverlässig blüht. Außerdem findet sie durch ihre geringe Größe auch überall einen Platz. Auf den Fotos unten sieht man sehr schön, wie diese Naturform farblich variiert. Von zartem Gelb über Orange bis hin zu Rotbraun ist alles möglich.

 

 

Foto: Thomas Lehnann

Autor: Thomas Lehmann

Paphiopedilum helenae ‚Franziska‘ BM/DOG, ein recht dunkler und fast komplett brauner Klon (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum helenae ‚Geli‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum helenae ‚Ines‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum helenae ‚Lina‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum helenae ‚Quirin‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum helenae ‚Sammy‘ SM/DOG mit schön arrangiertem Blütenkranz (Foto: D.O.G.-Archiv)

KW 10, 2018

Dendrobium metrium

Alles lesen Orchidee der Woche 10, 2018

Dendrobium metrium

Foto: Thomas Lehmann

Dieses mittelgroße Dendrobium gehört zur Sektion Calcarifera und ist beheimatet in Thailand, Malaysia, Vietnam und Sumatra. Es wächst terrestrisch und litophytisch auf einer Höhe von 1 100 bis      1 400 Metern unter eher kühleren Bedingungen. Von Mai bis September/Oktober gibt es ständige Niederschläge durch den Monsunregen, zwischen Oktober und April fällt nur sehr wenig Niederschlag. Die Temperaturen erreichen im Sommer tagsüber 30 Grad im Durchschnitt, im Winter fallen sie nachts auf 10-15 Grad ab. Erstmalig beschrieben wurde Dendrobium metrium im Jahre 1910 von Friedrich Wilhelm Ludwig Kraenzlin (Kraenzl.), einem Botaniker aus Magdeburg, der mit dem Natural History Museum in London zusammenarbeitete. Wie alle Dendrobium-Arten bildet auch Den. metrium Pseudobulben aus, an denen mit großem Abstand wechselständig mehrere längliche Blätter wachsen, welche im Winter abgeworfen werden. Die Pseudobulben werden 10-20 cm lang und sind sehr schmal. An einer sehr kurzen Infloreszenz entstehen dann ein bis drei ca. 1-2 cm große Blüten. Petalen und Sepalen sind fast komplett weiß, manchmal mit leichten rosafarbenen Schattierungen. Die Lippe ist weiß mit intensiver rosafarbener Zeichnung.

Dendrobium metrium in Blüte. Das Laub wurde im Herbst abgeworfen, bevor die Blüte im Winter kam. Jetzt, Ende des Winters/Anfang Frühling, kommen die Neutriebe. (Foto: Thomas Lehmann)
Dendrobium metrium mit Laub am Ende des Sommers. Dieses Kindel ist vom letzten Jahr und hat in diesem Winter noch nicht ganz abgeworfen und auch noch nicht geblüht. (Foto: Thomas Lehmann)

Ich habe diese beiden Kindel, eines aus 2016 und eines aus 2017,  erst vor ca. einem halben Jahr bekommen. Dazu gab es eine Pflegeanleitung, an die ich mich hielt und mit der ich das ältere der beiden Kindel zum Blühen gebracht habe. Es ist zwar nur eine Blüte geworden, aber die Kulurvorschläge, die ich von einer Freundin erhielt, scheinen wirksam zu sein und deshalb möchte ich euch diese mit auf den Weg geben. Wenn ich auch selbst noch keine Langzeiterfahrung damit habe. Da sich die Kultur aber sehr stark an den natürlichen Gegebenheiten orientiert, dürfte diese Methode auch auf Dauer gesehen erfolgreich sein.

Wie man auf den Fotos ganz gut erkennen kann, verwende ich als Substrat ein dunkles Lavagranulat, da sich damit im Sommer die Dauerfeuchte, die durch den Monsunregen im natürlichen Habitat besteht, am besten nachstellen lässt. Ich verwende eine Körnung von 2-8 mm. Größer sollte das Granulat nicht sein, da sich sonst die Feuchtigkeit nicht auf den ganzen Topf verteilt. Das rote Lavagranulat ist nicht empfehlenswert, da es zu viel Eisen enthält, welches sich auf Dauer lösen kann und der Pflanze schadet. Der größte Vorteil von Lavagranulat ist, dass es sich nicht zersetzt und nur getopft werden muss, wenn der Topf für die Pflanze zu klein wird. Von Mai bis Oktober steht der Topf immer in einer Schale, die mit 2 cm Wasser gefüllt ist, draußen im Freien. In dieser Zeit lasse ich die Schale nur ganz selten mal abtrocknen, um eine Ausbreitung von Keimen und Bakterien im Wasser zu vermeiden. Das Substrat selbst trocknet in den Sommermonaten aber niemals ab und ist durch die hygroskopische Wirkung der Lava immer gleichmäßig feucht. Ab Oktober werden die Wassergaben dann langsam reduziert und meine beiden Pflanzen kommen an einen kühlen, aber hellen Ort wieder zurück ins Haus. Im Winter darf das Substrat immer gut antrocknen, gelegentlich auch mal ganz abtrocknen, bevor wieder etwas gegossen wird. Wenn beim Gießen etwas Wasser durch den Topf in die Schale läuft, lasse ich dieses dort stehen, wenn es nicht zu viel ist. Dann wird wieder gewartet, bis das Substrat gut angetrocknet ist, bevor ich wieder gieße. Dendrobium metrium macht eine sogenannte Semi-Dry-Ruhe im Winter durch. Das heißt, es steht wesentlich trockener, aber eben nicht ganz trocken wie manch andere Dendrobien.

Reines Regenwasser eignet sich sehr gut zum normalen Wässern. Wer keine Möglichkeit hat Regenwassser zu sammeln, der sollte dennoch darauf achten, dass das Wasser möglichst salzarm ist. Schwach aufgedüngtes oder mit etwas Leitungswasser verschnittenes Osmose- oder destilliertes Wasser kann ebenso gut verwendet werden. Leitungswasser wäre auf Dauer zu salzhaltig und würde die Wurzeln irreparabel schädigen, was den Tod der Pflanze zur Folge hätte. Da ich selbst auch keine Möglichkeit habe Regenwasser zu sammeln, dünge ich destilliertes Wasser ganz leicht auf, sodass ich auf einen Leitwert von ungefähr 30-50 Mikrosiemens komme. Alle 3-4 Wochen gibt es etwas stärker gedüngtes Wasser. Das Düngerwasser hat einen Leitwert von 150 Mikrosiemens und wird bei mir, anders als das normale Gießwasser, nicht in die Schale, sondern von oben gegossen, damit der Dünger gut im Substrat verteilt wird und an die Wurzeln gelangt.

Die Temperaturen im Sommer erklären sich von selbst, da ich die Außentemperatur ja nicht regulieren kann. Im Winter steht Dendrobium metrium bei mir in einem ungeheizten Zimmer direkt am hellen Westfenster. Die Tagestemperaturen können bei Sonnenschein bis auf 25 Grad steigen. Nachts kühlt es dort auf dem Fensterbrett aber, je nach Außentemperatur, auf 11-13 Grad ab. Wärmer als 15 Grad sollte es nachts nicht werden. Kühle und kalte  Dendrobium-Arten neigen bei zu warmer Kultur dazu, dass sie stark und viel kindeln, aber dafür nicht blühen. Auch halten die Blüten wesentlich länger, wenn die Temperatur niedriger ist. Stellt man die blühende Pflanze an einen wärmeren Ort, um sie besser im Blick zu haben und sich an den Blüten zu erfreuen, muss man damit rechnen, dass die Blüten nur sehr kurz halten und schnell welk werden. Bei kühlen Temperaturen halten sie mehrere Wochen.

 

Autor: Thomas Lehmann

Foto: Thomas Lehmann
Foto: Thomas Lehmann
Foto: Thomas Lehmann
Foto: Thomas Lehmann

KW 09, 2018

Phalaenopsis equestris var. rosea

Alles lesen Orchidee der Woche 09, 2018

Phalaenopsis equestris var. rosea

Foto: Thomas Lehmann

Phalaenopsis equestris, die zur Sektion Stauroglottis zählt, ist eine kleine und sehr blühfreudige Art, von der es einige Varietäten und Formen gibt. Sie besiedelt auf den Philippinen und im südlichen Taiwan sehr warme bis heiße Täler, oft in der Nähe von Bächen und Flüssen, auf einer Höhe von 300 Meter über dem Meeresspiegel. Die Varietät rosea wurde im Jahr 1984 von VALMAYOR & D. TIU beschrieben und wächst ausschließlich in der Ilocos-Region, einer Verwaltungseinheit auf den Philippinen im Nordwesten der Hauptinsel Luzon. Sie ist dort endemisch, d. h. sie kommt nur in dieser Region vor. Oft wird Phalaenopsis equestris var. rosea deswegen auch als Phal. equestris var. ilocos oder Ilocos-Typ bezeichnet. Anders als der Name vermuten lässt, hat sie ihren Zusatz »rosea« nicht wegen Ihrer Farbe, sondern wegen der Form ihrer Blüten erhalten. Die Petalen sind im Vergleich zur Normalform etwas rundlicher, die unteren Sepalen nicht so stark nach hinten geneigt. In der Frontalansicht wirkt die gesamte Blüte dadurch geschlossener und etwas rundlicher als die Normalform (Fotos zum direkten Vergleich nach diesem Absatz). Leider werden, auch von renommierten Orchideenzüchtern, immer wieder Normalformen oder Hybriden aus beiden mit rosafarbener Blüte als var. rosea verkauft, welche gar keine sind. Wie alle Phalaenopsis-Arten wächst auch Phal. equestris epiphytisch, meist auf Bäumen. Sie ist eine recht kleinwüchsige Orchidee, die nur einen kurzen Stamm bildet und monopodial wächst. Phalaenopsis equestris neigt stark zur Kindelbildung und blüht sehr reichlich. An alten Blütentrieben können immer wieder neue Knospen entstehen, weshalb man die Blütentriebe nicht abschneiden sollte, solange sie nicht eintrocknen. Die Winter am Naturstandort sind etwas trockener als die Sommer, jedoch trocknet das Habitat niemals komplett aus. Die Temperaturen unterschreiten 20 Grad nachts nur sehr selten, tagsüber steigen sie fast immer auf 30 Grad und höher.

Phalaenopsis equestris ‚Anja‘ BM/DOG Diese Pflanze ist die Normalform. Die unteren Sepalen sind von vorne so gut wie gar nicht zu sehen, da sie sehr stark nach hinten geneigt sind. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis equestris var. rosea Bei dieser Blüte eindeutig zu erkennen: Die unteren Sepalen sind nicht nach hinten geneigt, wodurch die ganze Blüte geschlossener und rundlicher wirkt. (Foto: Gregor Kleefeld)

Die Kultur dieser Naturform ist recht einfach, solange man die hohen Temperaturen auch im Winter bieten kann. Ich versuche nachts möglichst nicht unter 20 Grad zu kommen. In besonders kalten Winternächten geht es mal auf 18-19 Grad runter, kälter hat sie es aber nie bei mir. Tagsüber sorge ich für 24 Grad Minimum an trüben Tagen, an sonnigen Wintertagen geht es auch schnell mal auf 30 Grad und höher. Im Sommer sind die Temperaturen ja nicht das Problem. Im Winter steht sie unschattiert an der Südseite, im Sommer wird schattiert, da die Blätter sonst durch die starke Sonneneinstrahlung verbrennen würden. Am Naturstandort sind die Pflanzen durch das Laub der Bäume, auf denen sie wachsen, davor geschützt.

Ich persönlich halte Rindenstücke für das beste Substrat bei der Kultur von Phalaenopsis im Topf, da sie als Epiphyten viel Luft und Licht an den Wurzeln gewohnt sind. Die Körnungsgröße der Rinde mache ich abhängig von der Pflanzen- und Topfgröße. Bei kleinen Kindeln und Jungpflanzen nehme ich auch mal 6-9 mm, bei größeren equestris 9-12 mm. Manchmal mische ich etwas Tongranulat und Perlite mit unter. Natürlich kann man Phalaenopsis auch aufgebunden mit etwas Moos kultivieren, oder auch in Moos getopft klappt bei einigen gut. Mit dem Aufbinden von Phalaenopsis habe ich keinerlei Erfahrungen und kann deswegen auch nichts dazu sagen. Getopft in Moos habe ich mehrmals versucht, wirklich funktioniert hat es bei mir leider nie. Man braucht dafür ein extrem gutes Gefühl für die Wassergaben, welches mir scheinbar nicht in die Wiege gelegt wurde.

Phalaenopsis werden bei mir nicht gegossen, sondern getaucht. Ich tauche den Topf für 2-3 Minuten in Wasser, bis sich die Wurzeln vollgesogen haben und grün sind. Danach darf der Topf abtropfen und wieder zurück an seinen Platz. Sobald die Wurzeln wieder komplett silbrig sind, wird erneut getaucht. Der Zeitraum ist von Pflanze zu Pflanze verschieden und außerdem abhängig von der Jahreszeit. Auch Topfgröße und Substrat spielen eine große Rolle. Ein kleiner Topf trocknet schneller ab als ein großer, grobes Substrat schneller als feines. Mit der Zeit bekommt man aber ein Gefühl dafür, wann welche Pflanze Wasser braucht. Ich benutze grundsätzlich nur transparente Töpfe, da ich in diesen natürlich sehr gut sehen kann, wie viel Feuchtigkeit noch im Topf ist. Besonders den epiphytisch wachsenden Orchideen tun diese transparenten Töpfe auch deshalb gut, da sie Licht an die Wurzeln lassen, welche bei Phalaenopsis in der Lage sind, Photosynthese zu betreiben.

Das Gießwasser hat bei meinen equestris ca. 200 Mikrosiemens Leitfähigkeit. Wenn gedüngt wird ‒ bei mir nur im Sommer, in etwa alle 4 Wochen ‒ gehe ich bis 350 Mikrosiemens hoch. Im Winter findet durch das wenige Licht kaum Photosynthese statt und somit wird auch wenig Nährstoff benötigt. Anders sieht es aus, wenn man im Winter zusätzlich mit künstlicher Beleuchtung arbeitet. Dann kann auch im Winter gedüngt werden.

Wie oben schon erwähnt, neigt Phalaenopsis equestris sehr zur Kindelbildung. Anders als der weitverbreitete Glauben, dass Kindelbildung immer ein Zeichen für eine absterbende Mutterpflanze ist, ist das bei den Arten aus der Sektion Stauroglottis vollkommen normal. Besonders ältere Pflanzen bilden oft mehrere Blütentriebe aus, die mit zahlreichen kleinen Blüten bestückt sind und teilweise viele Monate immer neue Knospen nachschieben. Phalaenopsis equestris var. rosea ist bei richtiger Kultur also ein echter Hingucker!

Mein ganz besonders herzlicher Dank geht an Gregor Kleefeld, der mich mit seinem Fachwissen zu dieser Naturformvarietät tatkräftig und geduldig unterstützt hat. Danke!

 

Autor: Thomas Lehmann

Phalaenopsis equestris ‚B#100‘ Der Klon B#100 ist auch eine equestris var. rosea (Foto: Gregor Kleefeld)
Phalaenopsis equestris ‚B#100‘ Der Klon B#100 ist auch eine equestris var. rosea (Foto: Gregor Kleefeld)
Phalaenopsis equestris var. rosea In meinem Freundeskreis haben wir den Klon ‚Gregor‘ getauft, weil Gregor Kleefeld die Mutterpflanze unserer Kindel in einer Orchideengärtnerei entdeckt hat und sie sich seitdem im Freundeskreis ausbreitet. (Foto: Gregor Kleefeld)
Phalaenopsis equestris var. rosea (Foto: D.O.G. Archiv)
Phalaenopsis equestris var. rosea (Foto: D.O.G. Archiv)

KW 08, 2018

Phragmipedium Eumelia Arias

Alles lesen Orchidee der Woche 08, 2018

Phragmipedium Eumelia Arias

Foto: Thomas Lehmann

Eumelia Arias ist eine recht junge Hybride, die im Jahr 2007 von Manolo Arias, dem Besitzer der Orchideengärtnerei Peruflora in Peru, erstmalig zur Blüte gebracht und im Register der Royal Horticultural Society (RHS) in England registriert wurde. Die Eltern dieser ansprechenden Primärhybride sind die beiden Naturformen Phragmipedium kovachii und Phragmipedium schlimii. Die Blüten der Kreuzung variieren nicht sonderlich stark. Die Färbung reicht von einem hellen Violettton bis zu einem kräftigen Rosa. Die Form ist recht stabil und wird oft scherzhaft als »schlimii auf Anabolika« bezeichnet, da die eigentliche Form sehr nach Phragmipedium schlimii kommt, die Größe aber eindeutig von Phragmipedium kovachii beeinflusst wird.

 

Foto: Thomas Lehmann

Phragmipedium schlimii wurde im Jahre 1852 von Louis Joseph Schlim, dem Halbbruder des Botanikers Jean Jules Linden, entdeckt. Linden und Reichenbach f. beschrieben diese neue Art dann im Jahre 1854 in der Bonplandia 2:227 als Selenipedium schlimii. Heimisch ist diese Naturform in Kolumbien und an den Ost- und  Zentralkordilleren (Gebirgskette, zu der auch die Anden gehören) in Höhen von 1200 -1900 Metern. Dort wächst schlimii in Humusnestern und zwischen hohen Gräsern, die teilweise mit Moos und Flechten bedeckt sind. Die Standorte sind immer relativ feucht und meist halbschattig. Die Temperaturen steigen im Sommer bis auf 25 Grad Celcius an und können im Winter nachts auch mal auf 8 Grad Celcius fallen. Relative Luftfeuchte ist mit 70% bis 80% immer sehr hoch.

 

 

 

 

Foto: Thomas Lehmann

Erst im Jahre 2001 wurde Phragmipedium kovachii im Norden Perus von Faustino Medina Bautista entdeckt. 2002 wurde diese imposante neue Naturform dann gleich zweimal neu beschrieben. Der Name Phragmipedium peruvianum gilt als Synonym. Die Pflanzen wachsen terrestrisch und litophytisch an steilen Kalksteinfelsen mit Humus- oder Moosauflage. Die Standorte sind meistens sehr gut drainiert und selten der vollen Sonne ausgesetzt. Temperaturen bewegen sich zwischen 18 Grad und 26 Grad im Durchschnitt. Wobei es im Winter auch mal deutlich kühler werden kann. In der Region, in der kovachii wächst, gibt es fast täglich Niederschlag. Nicht immer sehr heftig, aber dafür ständig. Dadurch stehen die Pflanzen auch immer dauerfeucht und trocknen niemals aus.

 

 

 

 

Da sich die Ansprüche der beiden Elternteile dieser Hybride nicht sehr voneinander unterscheiden, können wir für die Kultur Folgendes daraus ableiten:

  • Dauerfeuchtigkeit muss gegeben werden
  • Temperaturen möglichst nicht über 30 Grad, im Winter darf sie auch mal auf 10 Grad nachts fallen
  • Starke Mittagssonne im Sommer sollte vermieden werden
  • Luftbewegung und Luftfeuchtigkeit sollten ähnlich den Naturstandorten herrschen

Da ich diese Kreuzung sehr mag, besitze ich gleich mehrere Pflanzen aus unterschiedlichen Aussaaten. Alle wachsen sehr gut und blühen regelmäßig, meistens im Herbst/Winter. Als Substrat verwende ich mittelgroße Pinienrinde, gemischt mit Perlite, Bims und Holzkohle. Das Ganze kalke ich mit Hüttenkalk (kohlensaurer Kalk, der gut wasserlöslich ist) alle 6 Monate auf, da besonders Phragmipedium kovachii einen recht hohen Kalkbedarf hat. Gelegentlich mische ich in das Substrat auch Steinwollwürfel, Tongranulat, Moos oder Akadama mit hinein. Ich habe schon einiges ausprobiert und festgestellt, dass fast alles, was gut die Feuchtigkeit hält, von den meisten Phragmipedium sehr gut angenommen wird. Besonders die Hybriden scheinen da keine allzu großen Ansprüche zu haben, solange es luftig ist und immer feucht bleibt. Naturformen gibt es einige, die höhere Ansprüche an das Substrat stellen. Darüber werde ich dann in den entsprechenden Artikeln berichten. Für Eunelia Arias klappt dies beschriebene Mischung sehr gut.

Wie alle meine Phragmipedium kultiviere ich Eumelia Arias auch in einer Schale Wasser stehend, mit nassem Fuß. Gelegentlich lasse ich die Schale austrocknen, um eine Verbreitung von Bakterien zu verhindern. Sonst steht immer Wassser in der Schale. Die Hybride ist nicht ganz so salzempfindlich wie andere Pflanzen aus der Gattung, besonders einige Naturformen. Das Wasser, mit dem ich gieße bzw. die Schale auffülle, hat immer so um die 200 Mikrosiemens. Im Sommer wird ca. alle 3 Wochen mit Düngerwasser durchdringend gegossen. Das Düngerwasser für meine kovachii-Hybriden hat dann ca. 300-400 Mikrosiemens. Den Sommer über verbringen meine Eumelia Arias allesamt im Freien, vor der Mittagssonne geschützt. Bevor es im Herbst dann wieder nach Innen geht, werden die Töpfe  einmal ausgiebig mit destilliertem Wasser duchgespült, da sich durch die recht hohen Düngergaben im Sommer zu viele Salze im Substrat anreichern, welche im Winter mangels Licht nicht verstoffwechselt werden können und den Wurzeln eventuell Schaden könnten.

Im Winter steht diese Kreuzung bei mir an der Südseite, direkt an der Scheibe meiner Glasfront, da es dort nachts auch mal etwas kühler wird. Temperaturen sinken an der Stelle auch mal auf 10-12 Grad ab. Tagsüber herschen dort in der Regel 22-24 Grad, bei Sonnenschein auch schnell mal etwas mehr, was aber sehr gut vertragen wird. An besonders kalten Tagen sind es auch mal nur 19-20 Grad.

Autor: Thomas Lehmann

KW 07, 2018

Coelogyne cristata

Alles lesen Orchidee der Woche 07, 2018

Coelogyne cristata

Foto: Thomas Lehmann

John Lindley, ein englischer Botaniker, der als Erster eine Klassifizierung von Orchideen erstellte und somit als Vater der modernen Orchideenkunde gilt, beschrieb diese fast reinweiße Naturform im Jahre 1821. Das Verbreitungsgebiet von Coelogyne cristata erstreckt sich vom westlichen bis zum östlichen Himalaya über Assam und Sikkim in Nordostindien, Nepal, Bhutan und Java. Sie wächst dort auf einer Höhe von 1 500-2 600 Metern unter kühlen bis kalten Bedingungen. Einen großen Teil des Jahres sind die Pflanzen am Naturstandort dem Monsunregen ausgesetzt, während der restlichen Zeit gibt es zwar keinen Niederschlag, dafür aber eine durch Nebel hervorgerufene sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Coelogyne cristata wächst epiphytisch und gelegentlich auch litophytisch auf moosigen Felsen. Sie bildet rundliche bis ovale Pseudobulben aus, auf denen 2 längliche Blätter sitzen. Die Blütentriebe entspringen am unteren Teil der Pseudobulbe und bringen 3 bis 10 weiße Blüten mit einem gelbem Zentrum hervor, welche manchmal auch duften können. Die Winter am Naturstandort sind zwar regenarm und kühl, aber sehr hell.

Coelogyne cristata ‚Weihe‘ SM/DOG Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

Eine Kultur auf der Fensterbank funktioniert gut, solange man die kühlen, aber hellen Bedingungen im Winter bieten kann. Im Sommer hängt meine Coelogyne cristata in einer Ampel auf dem Balkon, vor der Mittagssonne geschützt, und wird dauerfeucht gehalten. An besonders heißen und trockenen Tagen sprühe ich auch die Blätter nass, um für etwas mehr Luftfeuchtigkeit zu sorgen. Das Besprühen der Blätter sollte man aber besser unterlassen, wenn die Pflanze in einem Raum ohne ausreichende Belüftung steht. Im Freien trocknen die Blätter durch den Wind sehr schnell ab und es kommt nicht zu Krankheiten wie Fäulnis oder Pilzbefall. Während dieser Zeit bilden sich etliche Neutriebe, die bis in den Herbst ausgewachsen sind. In der Wachstumsphase dünge ich alle 14 Tage mit aufgedüngtem Regenwassser, das einen Leitwert von ca. 200-250 Mikrosiemens hat. Zwischen den Düngergaben gibt es nur Regenwasser.  Ab Oktober beginnt dann langsam die Trockenzeit und es wird immer weniger gegossen, bis die Pflanze dann im November vor dem ersten Frost komplett trocken, aber noch im Freien steht. Idealerweise überwintert sie danach bei ca. 5-8 Grad Nachttemperatur und hoher Luftfeuchtigkeit komplett trocken und sehr hell. Natürlich kann diese Temperaturen nicht jeder zu Hause bieten, sie sollte aber so kalt wie möglich stehen. Kann man nur ein Treppenhaus mit 12 Grad bieten, dann muss gelgentlich etwas Wasser gegeben werden, allerdings nur wenig. Die Pseudobulben dürfen in dieser Zeit schrumpeln. Wenn genug Licht vorhanden ist, bilden sich nach einigen Wochen die Blütentriebe unterhalb der Pseudobulbe. Erst wenn die einzelnen Knospen zu sehen sind, gebe ich wieder Wasser und halte Coelogyne cristata dauerfeucht. Ab April/Mai, wenn es keinen Frost mehr gibt, darf meine Pflanze dann wieder ins Freie und der neue Zyklus beginnt.

Als Substrat nutze ich, wie bei fast all meinen Orchideen, die Pseudobulben ausbilden, mineralisches Substrat. In diesem Fall ist es Lavagranulat mit einer Körnung von 2-8 mm, größer sollte es nicht sein. Mineralisches Substrat hat den Vorteil, dass es eine gleichmäßige Feuchtigkeit hält, wenn der Topf in einer Schale, bzw. einer Ampel im Fall von Coelogyne, steht, die immer mit Wasser gefüllt ist. Die ersten Jahre hatte ich sie in Rindensubstrat, was auch sehr gut funktioniert hat, allerdings ist es da etwas schwieriger und aufwendiger eine Dauerfeuchtigkeit aufrecht zu erhalten. Ein zu starker Trocken-Nass-Rhythmus kann zum sogenannten Knitterwuchs führen, bei dem die Blätter eben nicht schön flach wachsen, sondern eher wie eine Ziehharmonika. Grundsätzlich können natürlich auch andere Substrate verwendet werden, die eine gleichmäßige Feuchtigkeit möglich machen. Beim Umtopfen ist Coelogyne cristata als etwas zickig verschrien, da sie im Winter nach dem Umtopfen oft mit der Blüte aussetzt. Auch hier ist man mit mineralischem Substrat im Vorteil, da dieses nicht zerfällt und nur getopft werden muss, wenn der Topf zu klein geworden ist. Rinde und alles andere Organische zerfällt durch die andauernde Feuchtigkeit und sollte deswegen nach spätestens 2 Jahren gewechselt werden. Bei guter Kultur schafft diese Naturform pro Altpseudobulbe 2 Neutriebe in jeder Saison, wodurch sie recht schnell eine prachtvolle Pflanze mit vielen Blüten werden kann.

 

Blütezeit ist in der Regel zwischen Januar und März, je nachdem wieviel Licht sie bekommt. Dieses Jahr hatten wir ja leider einen sehr düsteren Winter mit wenig Licht, weshalb meine Pflanze nur sehr langsam an den Blütentrieben arbeitet und die Blüte erst in den März fallen wird. Letztes Jahr war sie um diese Zeit schon in voller Blüte.

Autor: Thomas Lehmann

KW 06, 2018

Lepanthes telipogoniflora

Alles lesen Orchidee der Woche 06, 2018

Lepanthes telipogoniflora

(Foto: Thomas Lehmann)

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit, im Jahre 1996, wurde diese knallorangefarbene Naturform von Schuit. & A. de Wilde erstmalig beschrieben. Beheimatet ist Lepanthes telipogoniflora in Risaralda / Kolumbien, wo sie epiphytisch in Höhenlagen um die 500 Meter über dem Meeresspiegel wächst. Das Klima an diesem Standort ist ganzjährig warm bis heiß mit häufigen Niederschlägen und einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit. Wie bei allen Lepanthes bilden sich ständig neue Triebe, die jeweils ein einzelnes kleines Blatt an einem recht kurzen Stiel hervorbringen. Sobald das Blatt ausgewachsen ist bildet sich ein Blütentrieb aus, der am Blattansatz entspringt. Lepanthes telipogoniflora sind sogenannte Revolverblüher, das heißt, dass sich am Blütentrieb zwar immer nur eine Blüte geöffnet zeigt, aber dass nach dem Verblühen eine neue am gleichen Trieb nachkommt. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrmals, sodass Lepanthes telipogoniflora über viele Wochen, manchmal Monate, blühen. Diese Naturform ist eine wirkliche Miniaturorchidee, denn die Blätter und der Blattstiel sind gerade einmal 1 bis 2 cm lang. Trotz der geringen Größe des Habitus werden die Blüten verhältnismäßig groß. Sie haben einen Durchmesser von 1,5 bis 2 cm und ähneln kleinen orangefarbenen Satellitenschüsseln.

Lepanthes telipogoniflora ‚Vilma‘ SM/DOG, aufgebunden auf ein Stück Kork (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

Genauso wie bei Platystele umbellata, die wir bereits vorgestellt haben, gibt es hier zwei grundsätzliche Möglichkeiten der Kultur. Entweder aufgebunden auf Kork, Rinde oder ähnlichen, zum Aufbinden geeigneten Materialen, oder aufgesetzt auf Sphagnum in einer Glaskugel. Bei ersterer Variante ist es zwingend nötig, Lepanthes in ein Terrarium zu setzen, da sie im Allgemeinen eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit braucht und niemals austrocknen darf. Bereits nach ein paar Stunden totaler Trockenheit stirbt sie ab und ist nicht mehr zu retten. Neben hoher Luftfeuchtigkeit ist Luftbewegung ein weiterer wichtiger Punkt für die erfolgreiche Kultur von Lep. telipogoniflora. In einem geschlossenen Terrarium ist es also sehr wichtig mit kleinen Ventilatoren für genügend Luftbewegung zu sorgen. Wenn man sie in einer Glaskugel mit seitlicher Öffnung kultiviert, braucht man keinen Ventilator, denn die Öffnung lässt genug Luftbewegung zu. Allerdings darf diese nicht zu groß sein, da sich sonst nicht genug Luftfeuchtigkeit in der Kugel hält. Eine Kugel mit 8 bis 10 cm Größe hat in der Regel auch die richtige Öffnung, um beide Kriterien gut zu erfüllen – Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung.

 

Wie bei allen Miniaturorchideen mit feinen Wurzeln, die so dünn wie Nähgarn sind, entscheidet die Wasserqualität zusätzlich über den Kulturerfolg oder den Tod der Pflanze. Es muss zwingend eine salzarme Variante gewählt werden. Am besten eignen sich Regenwasser oder ganz leicht aufgedüngtes, entmineralisiertes Wasser (Osmose- oder destilliertes Wasser). Ich achte bei all meinen Lepanthes darauf, dass die Leitfähigkeit des Wassers 30 bis 35 Mikrosiemens nicht übersteigt. Lediglich zwei bis drei Mal über den Sommer verteilt wird mit ca. 80 Mikrosiemens gedüngt.

 

 

 

 

Lepanthes telipogoniflora ‚Regina‘ GM/DOG, beispielhafte Kultur in einer Glaskugel (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

Da ich (noch) kein Terrarium für meine Miniaturen besitze, kultiviere ich Lepanthes teliogoniflora auch in einer Glaskugel zum Aufhängen. Zuerst befüllt man das Untere der Kugel mit etwas lebendem – nicht getrocknetem und gepresstem – Sphagnum. Mit einer Pinzette wird anschließend die Pflanze mittig auf das Moos gesetzt. Abschließend bedeckt man die Wurzeln noch mit etwas zusätzlichem Moos. Danach gieße ich etwas Wasser in die Kugel, sodass eine kleine Pfütze in der Kugel entsteht. Ab hier muss man nur noch darauf achten, dass diese kleine Pfütze immer vorhanden ist und nie ganz austrocknet. Im Laufe der Zeit – wenn man alles richtig macht – wächst auch das Sphagnum weiter und überwuchert eventuell die Pflanze. Darum ist es notwendig gelegentlich mit einer Pinzette und einer kleinen Schere das wachsende Moos etwas zu kürzen, bevor die Pflanze komplett vom Sphagnum aufgefressen wird. Grundsätzlich ist das Mooswachstum aber ein guter Indikator dafür, dass man alles richtig macht. Denn auch das Moos mag es dauerfeucht und warm.

 

Der Lichtbedarf von Lepanthes ist nicht sonderlich hoch, da sie in der Natur meist auf Bäumen zu finden sind, auf denen sie durch das immergrüne Laub der Bäume ganzjährig geschützt sind. Besonders bei der Kultur in einer Glaskugel sollte man unbedingt darauf achten, dass die Kugel nicht der Mittagssonne ausgesetzt wird. Selbst im diesjährigen Winter hätte mich das fast mein kleines „Satellitenschüsselchen“ gekostet, da sich durch die Mittagssonne die Luft in der Kugel zu sehr aufgeheizt hat und Teile der Blätter verbrannte.

 

Alles in Allem ist es aber ein unkomplizierter und blühfreudiger Kandidat, der gut geeignet ist, um mit Miniaturorchideen Erfahrungen zu sammeln. Bei mir war Lepanthes telipogoniflora auch die erste Miniatur, die ich heute noch besitze.

 

Autor: Thomas Lehmann