Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

KW 27, 2020

Restrepia muscifera

Alles lesen Orchidee der Woche 27, 2020

Restrepia muscifera

Restrepia muscifera (Foto: Thomas Lehmann)

 

Der Gattungsname Restrepia geht auf den kolumbianischen Orchideenforscher José Manuel RESTREPO VÉLEZ zurück, der als erster die Geschichte der antioquischen Anden erforschte. Die Gattung zählt zu den Pleurothallidinae, zu denen auch Dracula, Lepanthes, Platystele und einige andere Gattungen der Familie der Orchidaceae gehören. Häufig wird sie auch noch als Pleurothallis muscifera angeboten. John LINDLEY, der schon oft erwähnte englische Botaniker, hatte die Art im Jahr 1842 erstmalig unter diesem Namen in „Edwards’s Botanical Register“ beschrieben. Heute gilt Pleurothallis muscifera als Synonym zu Restrepia muscifera.

Im Profil erkennt man, dass sogar der Fruchtknoten purpurfarben gepunktet ist. (Foto: Thomas Lehmann)

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich von Mexiko über Belize und Guatemala bis hinunter nach Ecuador und Peru. Sie wächst dort epiphytisch in feuchten Regenwäldern mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Durch die unterschiedlich hoch gelegenen Standorte von 300 bis 2500 Metern über dem Meeresspiegel sind die klimatischen Bedingungen ebenfalls sehr unterschiedlich. Restrepia muscifera findet man an kühlen Standorten genauso wie an sehr warmen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, sodass das Habitat niemals austrocknet. Durch die immergrünen Bäume und Büsche, auf denen die Art wächst, ist sie vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt.

Die Art bildet einzelne Blätter aus, die auf ca. 4-5 cm langen Stielen sitzen. Die Blätter werden bis zu 7 cm lang und sind glänzend grün. An der Basis der Blätter entspringen die Infloreszenzen. Jedes Blatt kann mehrmals Infloreszenzen hervorbringen, die jeweils nur eine einzelne Blüte tragen, die ungefähr 2-3 cm hoch und 0,5-1 cm breit ist. Während die Petalen und das dorsale Sepalum sehr filigran und teilweise farblos transluzent sind, leuchtet das überdimensionale Synsepalum mit leuchtend purpurroten Punkten. Die Lippe ist in das verwachsene Synsepalum eingebettet.

Ich kultiviere meine Restrepien getopft in mineralischem Substrat. Auch aufgebunden ist natürlich möglich, allerdings ist dann eine Orchideenvitirine oder ein Gewächshaus zu empfehlen, damit die feinen Wurzeln nicht austrocknen. Meine Restrepia muscifera sitzt in einer Mischung aus Bimskies, Lavagranulat und Zeolith. Der Topf steht das ganze Jahr über in einem mit Wasser gefüllten Untersetzer. Der mineralische Pflanzstoff saugt sich somit immer gleichmäßig feucht und trocknet nicht aus. Zwischen den einzelnen Substrat-Teilchen entstehen kleine Lufträume, die eine gute Belüftung der Wurzeln gewährleisten. Der größte Vorteil von mineralischem Substrat ist, dass sich die Bestandteile nicht zersetzen, was bei Rinde oder Moos in Verbindung mit Dauerfeuchtigkeit oft schnell passiert. Getopft werden muss also erst, wenn der Topf zu klein wird.

Das Gießwasser, mit dem ich die Schale auffülle, hat einen Leitwert von ca. 150 Mikrosiemens/cm. Von März bis in den frühen Herbst wird 1-2 Mal im Monat gedüngt. Dabei dünge ich das Wasser auf etwa 300 Mikrosiemens/cm auf. Gelegentlich wird der Topf mit klarem Wasser durchgespült, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu verhindern. Tut man das nicht, reichern sich im Laufe der Zeit zu viele Salze (Düngerreste) im Topf an, die dann die feinen Wurzeln beschädigen könnten. Im Winter dünge ich nicht. Restrepia muscifera wird bei mir ganzjährig im beheizten Wohnraum kultivert. Sie verträgt die heißen Sommertage bei uns in Süddeutschland genauso gut wie die warme und trockene Heizungsluft im Winter. Wichtig ist, dass die nächtlichen Temperaturen niedriger sind als die am Tage.

Während ich im Sommer sehr darauf achte, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sind, darf in den Wintermonaten von November bis Mitte Februar das Sonnenlicht ungehindert auf die Pflanze fallen – besonders oft scheint die Sonne im Winter ja ohnehin nicht. Ab Ende Februar/Anfang März wird die Sonnenstrahlung allerdings schon wieder so stark, dass es schnell zu Verbrennungen auf den Blättern kommen kann. Diese Verbrennungen sind dauerhaft und lassen sich nicht behandeln. Aus diesem Grund muss zwingend ab Mitte Februar schattiert werden.

Die ungewöhnliche Form der Blüten mit ihren leuchtenden Farben zieht alle Blicke auf sich. Obwohl es Arten mit deutlich größeren Blüten gibt, finde ich diese kleinen Blüten von Restrepia muscifera besonders reizvoll. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Habitus vom Restrepia muscifera (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Restrepia muscifera (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Restrepia muscifera (Foto: Thomas Lehmann)

KW 26, 2020

Maxillaria sophronitis

Alles lesen Orchidee der Woche 26, 2020

Maxillaria sophronitis

Maxillaria sophronitis (Foto: Thomas Lehmann)

Im Jahr 1854 beschrieb der deutsche Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH  in „Bonplandia“ die Art erstmalig unter dem Namen Ornithidium sophronitis. Im Jahre 1958 kombinierte Leslie Andrew GARAY in „Botanical Museum Leaflets“ die gesamte Gattung Ornithidium in die Gattung Maxillaria um. Trotz zwei weiterer Umkombinationen der Art aus neuerer Zeit ist Maxillaria sophronitis bis heute der von Kew akzeptierte Name. Der Gattungsname Maxillaria leitet sich vom lateinischen Wort maxilla ab, das übersetzt Kinnbacken bedeutet. Der Name wurde gewählt, da die Struktur von Lippe und Säule dem Aufbau von Unterkiefer und Unterlippe einiger Insekten ähnelt. Für den Artnamen sophronitis entschied sich REICHENBACH, da der niedrige Wuchs und die Blütenfarbe an Sophronitis-Arten erinnern.

Maxillaria sophronitis ‚Hagelschaden‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Maxillaria sophronitis erstreckt sich von Venezuela bis ins nordöstliche Kolumbien. Die Art wächst dort epiphythisch in Regenwäldern von 750 – 1700 Metern über dem Meeresspiegel. Die klimatischen Bedingungen sind kühl-temperiert, an manchen Standorten auch warm. Niederschlag gibt es das ganze Jahr über, auch die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

An wenigen Zentimeter langen Rhizomen wachsen kleine eiförmige Bulben heran, auf denen jeweils ein kleines Blatt sitzt. Das Laub ist dunkelgrün und sehr fest. Durch den kriechenden Wuchs bilden die Pflanzen kleine Teppiche aus. An der Basis der Pseudobulben treten die nur einen Zentimeter langen Infloreszenzen hervor, die jeweils eine leuchtend rote Blüte tragen. Während sich die Sepalen weit öffnen und fast ein Dreieck bilden, bleiben die Petalen wesentlich kleiner und stark nach vorne geneigt. Sie legen sich regelrecht über die Geschlechtsorgane. Die Blütezeit beginnt im Herbst und erstreckt sich bis in den zeitigen Winter hinein.

Die Art lässt sich getopft auf der Fensterbank kultivieren. Allerdings nimmt sie durch ihren Wuchs nach einigen Jahren Ausmaße an, die den Rahmen der Fensterbankkultur – besonders getopft – sprengen. Da sie sich aber sehr leicht teilen lässt, kann man sie auch über einen längeren Zeitraum auf Fensterbankgröße halten und die Orchideenfreunde mit Teilstücken erfreuen. In einer Orchideenvitrine oder einem Gewächshaus lässt sich Maxillaria sophronitis auch sehr gut aufgebunden kultivieren.

Getopft habe ich meine Maxillaria sophronitis in mineralischem Substrat. Lavagranulat von 2 – 8 mm bietet eine gute und gleichmäßige Feuchtigkeit, wenn der Topf immer in einer kleinen Pfütze Wasser steht. Auch Bimskies, Akadama, Kanuma oder eine Mischung daraus sollten funktionieren. Wichtig dabei ist, dass die Pflanzenteile (Pseudobulben, Blätter, Rhizome, etc.) nicht im Substrat vergraben werden. Sie sollten lediglich auf dem Pflanzstoff aufsitzen, da sie sonst durch die andauernde Feuchigkeit faulen könnten. Der große Vorteil von mineralischen Substraten ist, dass sie absolut strukturstabil sind und nicht verrotten. Neu getopft werden muss also erst, wenn der Topf zu klein wird und die Pflanze über den Rand hinauswachsen möchte. Wobei mein Exemplar längst über den Rand hinausgewachsen ist und viele der Neutriebe in die Luft und nicht in den Pflanzstoff wurzeln. Noch stört es mich nicht und scheinbar fühlt sich auch die Pflanze damit noch wohl, da sie regelmäßig blüht. Natürlich eignen sich auch alle anderen gängigen Pflanzstoffe, die eine gleichmäßige Dauerfeuchtigkeit ermöglichen. Jeder hat da sein eigenes Rezept, mit dem er gut klarkommt.

Das Wässern erfolgt bei mineralischen Substraten durch eine kleine, ständig mit Wasser gefüllte Schale, in der der Topf steht. Durch die Kapillarität der Mineralien zieht sich das Wasser bis an die Substratoberfläche. Es entsteht eine gleichmäßige Feuchtigkeit im gesamten Topf. Mineralisches Substrat kann dabei auch niemals zu nass werden – ein weiterer Vorteil dieser Kultur. Maxillaria sophronitis wird vom Frühjahr bis in den Herbst regelmäßig gedüngt. Der Leitwert des Düngerwassers beträgt dabei 300-350 Mikrosiemens/cm. Gelegentlich wird der Topf mit ungedüngtem Wasser durchgespült, um ein zu starkes Versalzen des Substrats zu vermeiden. In den Wintermonaten dünge ich gar nicht. Während der dunklen Jahreszeit, in der es bei uns in Deutschland wesentlich weniger Sonnenstunden pro Tag gibt als in Venezuela und Kolumbien, fährt der Stoffwechsel der Pflanze deutlich herunter und verbraucht somit auch weniger Nährstoffe. Die im Pflanzstoff angereichterten genügen, um Maxillaria sophronitis gut durch den Winter zu bringen.

Da die Art in der Natur in unterschiedlichen Höhenlagen und damit auch in unterschiedlichen Temperaturbereichen vorkommt, kann sie sich auch in Kultur an die Gegebenheiten anpassen, solange es nicht zu kalt ist. Temperierte bis warme Bereiche verträgt meine Pflanze sehr gut, wirklich kühl hat sie es an ihrem Standort im Orchideenzimmer bei mir nie. Auch im Winter fallen die Temperaturen nicht unter 16-17 Grad in der Nacht, am Tag kann es dann bis auf 28 Grad aufheizen, wenn die Sonne scheint. Dadurch entsteht natürlich ein recht großes Tag-Nacht-Gefälle, das der Pflanze offenbar zusagt. Ob dies  zur Blüteninduktion zwingend nötig ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, da ich sie bisher nur so kultiviert habe.

Im Sommer lässt sich Maxillaria sophronitis auch gut im Freien kultivieren, wenn sie vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt wird. Bei mir steht sie allerdings ganzjährig im Zimmer an einem schattierten Südfenster. Direkte Sonnenstrahlen fallen somit niemals auf die Pflanze, wobei sie den ganzen Tag über sehr viel Licht erhält. Da der Lichtbedarf der Art aber nicht so groß ist, kommt sie auch gut an Fenstern mit anderer Himmelsrichtung zurecht. Selbst ein helles Nordfenster sollte sich eignen.

Die rot leuchtenden Blüten ziehen automatisch alle Blicke auf sich. Obwohl die Blütezeit im Herbst beginnt, blüht meine Maxillaria sophronitis auch oft vom Frühjahr bis in den frühen Sommer hinein. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Maxillaria sophronitis ‚Wasen‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Habitus von Maxillaria sophronitis (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blüte von Maxillaria sophronitis im Profil (Foto: Thomas Lehmann)
Die Infloreszenzen entspringen an der Basis der neuen Pseudobulben. (Foto: Thomas Lehmann)

KW 25, 2020

Phragmipedium Wössner Pink

Alles lesen Orchidee der Woche 25, 2020

Phragmipedium Wössner Pink

Phragmipedium Wössner Pink (Foto: Thomas Lehmann)

Am 25. Januar 2014 wurde die Hybride Phragmipedium Wössner Pink in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Dort angemeldet hatte sie der deutsche Orchideenzüchter Franz Glanz, der sich auf die Zucht und Hybridisierung von Phragmipedium und Paphiopedilum spezialisiert und unzählige neue Hybriden geschaffen hat. Mit seinen hervorragenden Pflanzen belegt er seit mehr als drei Jahrzehnten fast ununterbrochen den 1. Platz der Jahresbesten der Erwerbsgärtner bei unseren Ausstellungs- und Tischbewertungen. Er versteht die Kultur von Frauenschuhorchideen wie kaum ein anderer in Europa. Phragmipedium Wössner Pink ist eine höhere Hybride, deren Eltern bereits Hybriden sind. Die Mutterpflanze war Phragmipedium Wössner Rose, ebenfalls aus der Zucht von Franz Glanz, Pollenspender Phragmipedium Jersey. An der Hybride sind somit vier Naturformen beteiligt. Der Genpool teilt sich wie folgt auf:

Eine ganze Gruppe von Phragmipedium Wössner Pink (Foto: Thomas Lehmann)

Alle beteiligten Naturformen sind in Südamerika heimisch, wo sie an steilen Klippen, auf Felsen und teilweise auch terrestrisch zwischen Gräsern siedeln. Die Standorte liegen meistens in der Nähe von kleinen Bächen und Flüssen und sind demnach sehr feucht bis nass. Mancherorts werden die Pflanzen durch steigende Wasserpegel regelmäßig überflutet, besonders Phragmipedium pearcei sucht sich gerne solche Stellen aus. Nur äußerst selten findet man Phragmipedien in direktem Sonnenlicht wachsen, hell und lichtdurchflutet sind die Standorte aber meist. Die Temperaturbedingungen sind in der Regel temperiert. Aber auch in kühlen und warmen Bereichen lassen sich Individuen der Gattung finden. Im gesamten Verbreitungsgebiet gibt es ganzjährig Niederschläge in Form von Regen und Nebel. Luftfeuchtigkeit sowie Luftbewegung sind ebenfalls während des ganzen Jahres sehr hoch.

Phragmipedium Wössner Pink gehört zu den eher größeren Vertretern der Gattung. Das Laub wird bis zu 40 cm lang, ist dunkelgrün, leicht gekielt und läuft spitz zu. Endständig entspringen die Infloreszenzen, die das ganze Jahre hindurch gebildet werden können. An den aufrecht wachsenden Blütentrieben öffnen sich bis zu 10 Blüten nacheinander. Gelegentlich sind zwei Blüten gleichzeitig geöffnet. Dadurch erstreckt sich die Blütezeit über einen Zeitraum von mehrern Monaten. Die Blüten können bis zu 9 cm breit und 7 cm hoch werden. Der Schuh ist intensiv rot gefärbt und glänzt seidenmatt. Petalen und Fahne variieren in der Färbung. Meist sind die Petalen weißgrundig und stark rosafarben überhaucht. Die Blüten duften nicht.

Zum Größenvergleich eine Blüte in meiner Hand (Foto: Thomas Lehmann)

Da Phragmipedien viel Feuchtigkeit brauchen, sollten sie stets in einer mit Wasser gefüllten Schale stehen. Besonders im Sommer darf das Substrat auch richtig nass sein. Zu viel Wasser ist bei Phragmipedien fast nicht möglich. Nur gelegentlich sollte die Schale ganz abtrocknen, damit sich keine unerwünschten Bakterien im Wasser ausbreiten können. Meine Pflanzen stehen in großen Wannen, die ich alle paar Tage mit frischem Wasser fülle, sobald das alte aufgesogen ist. Im Sommer sind die Schalen alle 3-4 Tage leer, im Winter dauert es 6-7 Tage.

Oft ist zu lesen, dass Phragmipedien sehr salzempfindlich sind und bei zu hohen Düngergaben braune Blattspitzen bekommen. Für einige Naturformen und Primärhybriden trifft es auch zu, dass die Wurzeln bei zu vielen Salzen verbrennen und absterben. Allerdings gibt es einige Naturformen und daher auch Hybriden, die wesentlich besser wachsen und blühen, wenn sie etwas mehr Dünger erhalten. Hierzu gehört auf jeden Fall Phragmipedium Wössner Pink. Braune Blattspitzen habe ich nicht mehr bei meinen Pflanzen beobachten können, seit ich einen Dünger verwende, der sowohl Calcium als auch Magnesium enthält und den ich auch höher dosiere als früher. Meiner Erfahrung nach sind die braunen Blattspitzen eher auf einen Mangel an Calcium und Magnesium und nicht auf zu hohe Düngergaben zurückzuführen. Im Sommer bekommen meine Hybriden zwischen 350 und 450 Mikrosiemens bei jedem Wässern. Nur im Winter  stelle ich das Düngen ganz ein. Die angereicherten Salze im Substrat genügen den Pflanzen, um durch die dunkle Jahreszeit zu kommen.

Mein Standard-Phragmipedium-Substrat ist eine Mischung aus Rinde, Perlite, Bimskies und Holzkohle. Die Körnung der Rinde passe ich an die Topfgröße an. Bei kleinen Töpfen nehme ich feinere Rinde, bei großen Töpfen verwende ich gerne gröbere. Perlite verwende ich in der Körnung 2-4 Millimeter. Durch ihr geringes Gewicht machen sie das Substrat locker und sorgen für eine gute Belüftung der Wurzeln. Bimskies versorgt die Pflanzen zusätzlich mit Calcium, da er diesen durch die andauernde Feuchtigkeit freigibt. Die Körnung spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ich nutze gerne 5-10 Millimeter. Um einige trockenere Stellen im Pflanzstoff zu schaffen, füge ich immer Holzkohle in einer Körnung von 7-14 Millimeter hinzu. Holzkohle saugt sich nicht mit Wasser voll und bleibt trocken. Durch die etwas gröberen Brocken entstehen zusätzlich ein paar Luftlöcher im Substrat, die Luftzirkulation im Topf zulassen.

Habitus von Phragmipedium Wössner Pink (Foto: Thomas Lehmann)

Natürlich gibt es auch einige andere Substrate, die gut für Phragmipedium geeignet sind. Jedes hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil von Rinde ist, dass sie regelmäßig gewechselt werden muss, da sie durch die Dauerfeuchte sehr schnell zerfällt. Mineralische Sustrate zerfallen nicht und müssen daher nicht so oft gewechselt werden. Jeder sollte seine eigenen Erfahrungen machen und ausprobieren, was zu seiner Kultur am besten passt. Außer mit meinem Standardsubstrat habe ich auch gute Erfahrungen gemacht mit:

  • Akadama
  • Sphagnum-Moos
  • Steinwollwürfeln
  • Bimskies
  • Lavagranulat

Im Sommer stehen Phragmipedien gerne im Freien, da sie Frischluft und Luftbewegung wirklich lieben. Ein Muss ist der Aufenthalt im Freien aber nicht. Auch eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist möglich, wenn regelmäßig gelüftet wird. Steht die Luft zu lange, bilden sich am Ansatz der Triebe leicht Pilze und Infektionen, die unbehandelt die ganze Pflanze vernichten können. Die hohen Temperaturen im Sommer verträgt Phragmipedium Wössner Pink sehr gut, wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist. Dies wird durch die großen Wannen erreicht, die immer mit Wassser gefüllt sind. Ich benutze keinen zusätzlichen Nebler. Die nächtlichen Temperaturen liegen bei mir zwischen 14 und 18 Grad, je nach Außentemperatur. An bewölkten Wintertagen liegen sie bei etwa 24 Grad. Wenn die Sonne auf das große Fenster scheint, steigen sie auch mal über 30 Grad. Im Sommer sollte direkte Mittagssonne vermieden werden, da die Blätter sehr schnell verbrennen können. Es gibt einzelne Pflanzen, die nicht so empfindlich zu sein scheinen, allerdings wachsen alle Pflanzen nach meiner Erfahrung etwas schattiger besser. Auch die Blattfarbe ist bei schattiger Kultur dunkler und kräftiger. Bei zu wenig Licht werden die Blätter der Neutriebe länger und schmaler. Meist fällt dann auch die Blüte aus. Im Winter darf die Sonne auch mittags unschattiert auf die Pflanzen fallen.

Phragmipedium Wössner Pink ist ein zuverlässiger Blüher, der über Monate hinweg eine Blüte nach der anderen öffnet. Leider ist diese Hybride eine echte Rarität, die nur selten angeboten wird. Viel Glück beim Finden und noch mehr Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Seitenansicht von Phragmipedium Wössner Pink (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Wössner Pink im Profil (Foto: Thomas Lehmann)
Ein weiterer Klon mit leicht gedrehten Petalen (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Wössner Pink (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Wössner Pink ‚Wössen‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)

KW 24, 2020

Bulbophyllum taiwanense

Alles lesen Orchidee der Woche 24, 2020

Bulbophyllum taiwanense

Bulbophyllum taiwanense (Foto: Werner Holzmann)

Ursprünglich wurde die Art 1935 vom japanischen Botaniker Noriaki FUKUYAMA als Cirrhopetalum taiwanense beschrieben. 1973 überführte sie der Japaner NAKAJIMA zusammen mit einigen anderen Arten der Gattung Cirrhopetalum in die Gattung Bulbophyllum. Bis heute ist Bulbophyllum taiwanense der von World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) anerkannte Name. Im Handel tauchen Pflanzen der Art aber auch heute noch als Cirrhopetalum taiwanense auf. Diese Bezeichnung ist ein Synonym, aber nicht falsch. Der Name Bulbophyllum leitet sich aus den altgriechischen Wörtern βολβος (bolbos) und Φυλλων (phyllon) ab. Bolbos lässt sich mit Birne  übersetzen, phyllon ist das Wort für Blatt. Da die Pseudobulben ein wenig an Birnen erinnern, auf denen ein Blatt sitzt, ist der Gattungsname leicht nachvollziehbar. Der Artname sollte auch für Menschen ohne großes Latinum zu übersetzen sein. Taiwanense, da die Art auf Taiwan heimisch ist.

Habitus von Bulbophyllum taiwanense (Foto: Werner Holzmann)

Bulbophyllum taiwanense wächst epiphytisch in den Regenwäldern Taiwans. Die Vorkommen reichen bis auf 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Das Klima ist vom Monsun geprägt, wobei es ganzjährig Niederschläge gibt. Während der Monsunzeit sind diese besonders ausgeprägt. Trockene, regenfreie Zeiten gibt es gar nicht. Bulbophyllum taiwanense bevorzugt helle Standorte, die jedoch vor direkter Mittagssonne geschützt sind. Die immergrünen Bäume des Regenwaldes schattieren die kleinwüchsigen Pflanzen und sorgen dafür, dass ihr Laub nicht verbrennt. Die Temperauren sind ganzjährig sehr mild. In höheren Lagen kann es gelegentlich etwas kühler werden.

Bulbophyllum taiwanense bildet längere Rhizomabschnitte zwischen den Pseudobulben aus und hat dadurch einen kriechenden Wuchs. Im Laufe der Jahre entsteht ein kleiner Teppich aus Pseudobulben. Auf jeder dieser kleinen eiförmigen Pseudobulben sitzt ein einzelnes kurzes Blatt, das dunkelgrün und stark glänzend ist. Die Infloreszenzen entspringen meist im Frühjar an der Basis der Pseudobulben und werden bis zu 10 cm lang. Sie tragen bis zu acht zarte Blüten, die in leuchtenden Orangetönen gefärbt sind. Die Ränder der Petalen und des dorsalen Sepalums sind mit haarartigen Fortsätzen besetzt.

Werner Holzmann kultiviert sein Bulbophyllum taiwanense schon über 10 Jahre. In den ersten Jahren war die Pflanze in Rindensubstrat getopft. Zwar wuchs sie ordentlich, aber blühen wollte sie nicht. Da der kriechende Wuchs eigentlich gegen eine Kultur im Topf spricht, entschied er sich vor einigen Jahren dazu, die Pflanze aufzubinden. Hierzu nahm er Xaxim, ein dunkles poröses Material aus Baumfarnen, das speziell in der Terraristik oft Verwendung findet. Es nimmt gut Feuchtigkeit auf und gibt diese langsam wieder ab. Zudem hängte er die aufgebundene Pflanze in die oberste Reihe in seiner Vitrine, direkt ans Licht. Dort ist es nicht nur heller, sondern auch wärmer als am Boden, wo das noch getopfte Bulbophyllum taiwanense vorher stand. Nur einige Wochen nach dem Aufbinden und Versetzen der Pflanze bildete sich erstmalig unter Werners Kultur eine Infloreszenz. Seitdem blüht die Pflanze regelmäßig und intensiv – immer im Frühjahr.

Täglich sprüht er die Pflanze mit salzarmem Wasser gut an, sodass das Xaxim (spricht sich „Schaschim“) immer leicht feucht ist. Mehrmals täglich laufen kleine Ventilatoren, die dafür sorgen, dass die Blätter und Pseudobulben abtrockenen können und nicht zu faulen beginnen. Alle vier Wochen gibt es etwas Dünger mit ins Wasser. Der Leitwert des Düngerwassers liegt bei 150-200 Mikrosiemens/cm.

Natürliches Tageslicht erhalten die Pflanzen in seinem Orchidarium nicht. Er beleuchtet ausschließlich mit Kunstlicht.  Derzeit nutzt er dafür noch eine Leuchtstoffröhre, die speziell auf die Kultur von Pflanzen ausgelegt ist. Aufgrund des Stromverbrauchs und des Umweltschutzes ist eine Umstellung auf LED-Lampen geplant. Ein weiterer Vorteil von LED-Lampen ist, dass sie kaum Temperatur erzeugen, was bei kühler zu kultivierenden Pflanzen natürlich deutlich besser ist, für das scheinbar wärmeliebende Bulbuphyllum wird sich dann zeigen, ob es weiterhin so blühfreudig bleibt. Leuchtstoffröhren können sehr heiß werden und je nach Anbringung die Vitrine stark aufheizen. Die Temperaturbedingungen in der Vitrine sind kühl-temperiert, da sie in einem unbeheizten Raum steht, in dem das Fenster nur bei Frost geschlossen wird. Die obere Reihe erhält allerdings deutlich mehr Wärme von der Leuchtstoffröhre, sodass die Tagestemperaturen dort ganzjährig im warmen Bereich liegen. Nachts, wenn das Licht ausgeht, kommt es zu einer starken Absenkung der Temperaturen, was von vielen Orchideen zur Blüteninduktion verlangt wird.

Die leuchtend orangefarbenen Blüten sind ein echter Hingucker im Frühjahr! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Werners Pflanze in der oberen Reihe der Vitrine, nahe am Licht (Foto: Werner Holzmann)
Blüte von Bulbophyllum taiwanense (Foto: Werner Holzmann)
Infloreszenz von Bulbophyllum taiwanense (Foto: Werner Holzmann)

 

KW 23, 2020

Dendrobium lowii

Alles lesen Orchidee der Woche 23, 2020

Dendrobium lowii

Dendrobium lowii (Foto: Werner Holzmann)

In einer Ausgabe von „Gardeners‘ Chronicle“ aus dem Jahr 1861 beschrieb John LINDLEY die Art erstmalig. Der englische Botaniker gilt als Vater der modernen Orchideenkunde und ist Autor unzähliger Neubeschreibungen. Carl Ernst Otte KUNTZE publizierte in „Revisio Generum Plantarum“die Art unter dem Namen Callista lowii. Da dieser Artikel aber erst 30 Jahre nach dem von LINDLEY erschien, gilt der Name lediglich als Synonym. Dendrobium lowii wurde bis heute nicht umgruppiert und ist aus diesem Grund bis dato der offizielle Name dieser Orchideenart. Aus δέντρο (déndro), der Baum, und βίος (bios), das Leben, setzt sich der Gattungsname zusammen, der sich damit erklären lässt, dass die meisten Dendrobien Epiphyten sind, also auf Bäumen leben. Der Artname geht auf den Orchideensammler und -gärtner Hugh Low zurück, nach dem im 19. Jahrhundert einige Orchideenarten  benannt wurden. Dendrobium lowii gehört zur Sektion Formosae.

Habitus von Dendrobium lowii (Foto: Werner Holzmann)

Dendrobium lowii ist endemisch in Sarawak, einem Bundesstaat von Malaysia auf Borneo. Es wächst dort epiphytisch auf Bäumen in feuchten und immergrünen Regenwäldern. Niederschläge fallen ganzjährig, von April bis September etwas weniger als während des restlichen Jahres. Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind ganzjährig hoch. Durch das Laub der Bäume, auf denen Dendrobium lowii aufsitzt, ist es vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Die Standorte sind aber dennoch sehr hell und lichtdurchflutet.

Die Art bildet ca. 30 cm lange, aber dünne Pseudobulben aus, die wechselständig mit ca. 5-7 cm langen Blättern besetzt ist. Das Laub wird nicht abgeworfen und ist glänzend dunkelgrün. Pseudobulben und Blätter sind mit feinen schwarzen Härchen besetzt. Endständig entspringen die Infloreszenzen, sowohl an alten wie auch an jungen Trieben. Die Blütentriebe sind nur wenige Zentimeter lang und tragen jeweils 3-7 Blüten. An einer Pseudobulbe können auch mehrere Infloreszenzen entstehen, sodass sich ein richtiger Blütenbusch bildet. Die 4-5 cm großen Blüten sind leuchtend gelb gefärbt. Die Lippe ist etwas heller als die Tepalen und weist auffallend rote Schwielen auf, die mit langen, nach oben gerichteten Härchen besetzt sind. Die Pflanzen stehen 6 Wochen in Blüte, ehe sie beginnen zu welken.

Generell gelten die schwarz behaarten Dendrobien als nicht einfach in der Kultur. Dendrobium lowii stellt sich im Vergleich zu den anderen Arten aber als weniger empfindlich dar. Durch seine kompakte Größe und die Tatsache, dass es sein Laub nicht abwirft, ist es gut für die Fensterbank geeignet. Werner Holzmann kultiviert die Art seit einigen Jahren recht erfolgreich. Nachfolgend beschreibe ich euch seine Kulturbedingungen.

Wie oben schon erwähnt, sind die schwarz behaarten Dendrobien etwas zickiger in der Kultur. Wasser auf den Neutrieben sorgt oft dafür, dass die Neutriebe wegfaulen, wenn es nicht sehr zügig abtrocknen kann. Dendrobium lowii reagiert hierbei nicht ganz so extrem, aber man sollte dennoch darauf achten, dass auf den Neutrieben möglichst kein Wasser stehen bleibt. Während des Wachstums in den warmen Monaten sollte sehr regelmäßig gewässert und gedüngt werden, um die Neutriebe ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen. Einmal im Monat düngt Werner sein Dendrobium lowii. Das Düngerwasser hat einen Leitwert von ungefähr 300 Mikrosiemens/cm. Im Winter können die Wassergaben den Temperaturen entsprechend verringert werden. Durch niedrigere Temperaturen und weniger Licht, das für den Stoffwechsel zur Verfügung steht, verbrauchen die Pflanzen in dieser Zeit auch etwas weniger Wasser. Völlig austrocknen sollte man den Pflanzstoff aber niemals lassen.

Getopft hat Werner sein Dendrobium lowii in Rindensubstrat ohne weitere Zuschlagsstoffe. Die Größe der Rindenstücke sollte im mittleren Bereich liegen. Zu feines Substrat lässt zu wenig Luft an die Wurzeln, wodurch diese faulig werden und absterben. Ein zu grobes Substrat trockent zu schnell ab, sodass die Wurzeln regelrecht austrocknen und absterben. Außerdem tun sich bei zu grobem Pflanzstoff neue Wurzeln schwerer, Halt und genügend Feuchtigkeit zu finden. Oft stellen diese dann nach wenigen Zentimetern das Wachstum ein und bleiben kurz. Natürlich ist es auch möglich Dendrobium lowii in anderen Substraten zu kultivieren. Hier sollte jeder ein Material wählen, das in seine Kulturbedingungen passt und mit dem er erfahrungsgemäß gut zurechtkommt. Sphagnum-Moos oder auch mineralische Pflanzstoffe wie Lavagranulat sollten sich z. B. gut für die Art eignen. Wichtig ist, dass das Substrat gleichmäßige Feuchtigkeit ohne zu große Nässe bieten kann.

Da Pflanzen der Art nicht sonderlich lichthungrig sind, können sie auch an einem Nordfenster gut kultiviert werden. An Werners Pflanze kann man sehen, dass ihr das Licht eines Nordfensters absolut ausreicht, um gut zu wachsen und intensiv zu blühen. Allerdings sollte das Fenster nicht zusätzlich schattiert sein, z. B. durch einen Vorhang oder große Bäume, die in der Nähe des Fensters wachsen. Die Temperaturen in seinem Kulturraum liegen im temperierten Bereich.

Die Tatsache, dass Dendrobium lowii seine Blätter nicht abwirft wie manch eine Art aus der Gattung, macht es für die Fensterbank besonders attraktiv. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Lippendetail (Foto: Werner Holzmann)

 

Dendrobium lowii (Foto: Werner Holzmann)

KW 22, 2020

Octomeria estrellensis

Alles lesen Orchidee der Woche 22, 2020

Octomeria estrellensis

Octomeria estrellensis (Foto: Werner Holzmann)

 

Der brasilianische Botaniker Frederico Carlos HOEHNE beschrieb Octomeria estrellensis erstmals im Jahr 1937. Bis dato gibt es keinerlei Umgruppierungen in andere Gattungen – eine echte Seltenheit in der Welt der Taxonomie. Der Gattungsname Octomeria wurde vom schottischen Arzt und Botaniker Robert BROWN im Jahr 1813 begründet. Der Name setzt sich aus den griechischen Wörtern οκτώ (octõ = acht) und μέρος (meros = Teil) zusammen und wurde aufgrund der acht Pollinien gewählt, die jede Octomeria-Blüte besitzt. Der Gattungsname estrellensis leitet sich von ihrer Herkunft aus der Serra da Estrella ab, einem Gebirgszug bei Petrópolis im Orgelgebirge. Weitere Informationen zur Geschichte könnt ihr der unten angehängten Seite aus unserer Zeitschrift entnehmen.

Die endemische Art findet sich ausschließlich an Standorten im südöstlichen Brasilien. Octomeria estrellensis wächst, wie alle Miniaturorchideen, epiphytisch. Das subtropische Klima des südöstlichen Brasiliens ist feucht und warm, in den höheren Lagen sind die Nächte zwar kühler, aber niemals gibt es wirklich eisige Temperaturen. Die Standorte sind sehr hell, teilweise mit direkter Sonneneinstrahlung. Niederschläge gibt es durch alle Jahreszeiten hindurch. Die Luftfeuchtigkeit ist ebenfalls immer sehr hoch.

Habitus von Octomeria estrellensis mit der auffallenden Rotfärbung des Laubs (Foto: Werner Holzmann)

Jeder Trieb besteht aus einem dünnen und sehr kurzen Stiel, auf dem jeweils ein einzelnes dunkelgrünes Blatt sitzt. Das Laub ist sehr fest und dient als Wasserspeicher, da Octomeria estrellensis keine Pseudobulben hat, in denen Wasser gespeichert werden könnte. Bei hohem Lichteinfall färbt sich das Laub rötlich. Ähnlich wie sich unsere Haut durch Pigmente im Sommer braun färbt, um sich vor Sonnenbrand zu schützen, bilden die Pflanzen dieser Art Anthocyan – ein rotes Pigment – mit dem sich das Blatt vor Verbrennung schützt. Die kleinen sternförmigen Blüten sitzen auf einer kurzen Infloreszenz, die an der Basis des Laubs entspringt. Jeder Blütentrieb trägt eine einzelne Blüte. Die Tepalen sind transluzent und zart cremefarben bis gelb gefärbt. Das Labellum ist an der Basis und den Seitenlappen violettrot überhaucht.

Kultivieren lässt sich Octomeria estrellensis zwar auch getopft in feiner Rinde oder Sphagnum-Moos, wesentlich einfacher ist aber eine aufgebundene Kultur in einer Vitrine oder einem Gewächshaus. Im Folgenden stelle ich euch die Kulturmethode von Werner Holzmann vor, der die Art seit einigen Jahren erfolgreich in einer Orchideenvitrine pflegt:

Wie oben schon erwähnt besitzt Octomeria estrellensis keine ausgeprägten Speicherorgane und muss somit dauerfeucht gehalten werden. Auch hohe Luftfeuchtigkeit wirkt sich sehr positiv auf Wachstum und Blühfreudigkeit aus. Aus diesem Grund kultiviert Werner Holzmann seine Pflanze in seiner Orchideenvitrine, wo hohe Luftfeuchtigkeit leichter zu erreichen ist. Er besprüht die kleine Pflanze täglich mit salzarmem Wasser. Mehrmals täglich laufen kleine Ventilatoren, die dafür sorgen, dass die Blätter abtrockenen können und nicht zu faulen beginnen. Alle vier Wochen gibt es etwas Dünger mit ins Wasser. Der Leitwert des Düngerwassers liegt bei 150-200 Mikrosiemens/cm.

Natürliches Tageslicht erhalten die Pflanzen in seinem Orchidarium nicht. Er beleuchtet ausschließlich mit Kunstlicht.  Derzeit nutzt er dafür noch eine Leuchtstoffröhre, die speziell auf die Kultur von Pflanzen ausgelegt ist. Aufgrund des Stromverbrauchs und des Umweltschutzes ist eine Umstellung auf LED-Lampen geplant. Ein weiterer Vorteil von LED-Lampen ist, dass sie kaum Temperatur erzeugen, was bei kühler zu kultivierenden Pflanzen natürlich deutlich besser ist. Leuchtstoffröhren können sehr heiß werden und je nach Anbringung die Vitrine stark aufheizen. Die Temperaturbedingungen in der Vitrine sind kühl-temperiert, da sie in einem unbeheizten Raum steht, in dem das Fenster nur bei Frost geschlossen wird. Im Sommer wird es natürich auch mal etwas wärmer, was den Pflanzen aber nicht schadet.

Entgegen dem, was man so über diese Art lesen kann, bekommt die Pflanze bei Werner sehr viel Licht. In seiner Vitrine hängt sie ganz oben, in der Nähe der Beleuchtung. Die Rotfärbung der Blätter zeigt, dass sie damit gut umgehen kann und von Natur aus auf viel Licht eingestellt ist. Octomeria estrellensis blüht unter diesen Bedingungen sehr regelmäßig.

Als Unterlage zum Aufbinden nimmt Werner Holzmann sehr gerne Presskork. Er mag vielleicht nicht so langlebig sein, da er sich durch die andauernde Feuchtigkeit schnell zersetzt, dafür lässt er sich aber ganz einfach zerbröseln, wenn es an der Zeit ist die Pflanze neu aufzubinden. Früher oder später muss jede Unterlage ausgetauscht werden – wie bei seiner Octomeria estrellensis, die bisher auf einem Stück Ast sitzt, das sich allerdings langsam auflöst. Bei harten Materialien, die sich nicht zersetzen, hat man dann immer das Problem, dass man die Wurzeln nicht davon ablösen kann, ohne sie zu verletzten oder gar abzureißen.

Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Seitenansicht der Blüte (Foto: Werner Holzmann)
Zwei verschieden Pflanzen von Octomeria estrellensis (Foto: Werner Holzmann)
In oberster Reihe, ganz nah am Licht, hängen die beiden Octomeria estrellensis in Werners Vitrine (Foto: Werner Holzmann)
Beitrag in „Die Orchidee“ 68(6): 465, 2017 (Zeichnung: H. Seehawer)

KW 21, 2020

Vanda Motes Pixie Dust

Alles lesen Orchidee der Woche 21, 2020

Vanda Motes Pixie Dust

Vanda Motes Pixie Dust (Foto: Jessy Delis)

Vanda Motes Pixie Dust, die Kreuzung zwischen Vanda vietnamica (Samen) und Vanda Motes Ruby Pixie (Pollen), wurde von ihrem Züchter Martin Motes bei der Royal Horticultural Society (RHS) angemeldet und am 12.06.2018 in deren Register eingetragen. Dr. Martin Motes ist Inhaber der Gärtnerei Motes Orchids in Florida/USA, die sich hauptsächlich mit der Gattung Vanda und deren Verwandten beschäftigt. In über 50 Jahren hat er Hunderte neuer Hybriden gezüchtet und unzählige Auszeichnungen dafür erhalten.

Vanda Motes Pixie Dust hat drei Naturformen als Vorfahren. Der Genpool teilt sich wie folgt auf:

  • 50% Vanda vietnamica
  • 25% Vanda cristata
  • 25% Vanda testacea

Das natürliche Verbreitungsgebiet der beteiligten Naturformen erstreckt sich über weite Teile des asiatischen Kontinents, wobei Vanda vietnamica auf Südvietnam beschränkt ist. Die Standorte liegen zwischen 100 und 2300 Metern über dem Meeresspiegel. Alle drei Arten wachsen epiphytisch in immergrünen Wäldern. Im Lebensraum von Vanda cristata können die nächtlichen Temperaturen unter 10 Grad fallen. Vanda testacea und Vanda vietnamica fühlen sich im temperiert-warmen Bereich wohl.

Vanda Motes Pixie Dust steht bei mir ganzjährig in einem Orchideenregal, in dem ich meine Orchideen ausschließlich unter künstlicher Beleuchtung kultiviere. Die Pflanze erhält ganzjährig Zusatzlicht von 8 Uhr morgens bis 21 Uhr abends. Das intensive Licht, das den ganzen Tag für die Pflanzen zur Verfügung steht, tut ihnen sichtlich gut. Die Temperaturen in meiner Kultur liegen ganzjährig bei 20 – 25 °C am Tag, nachts fallen sie nicht unter 17 °C. ab.

Die Blüte ist ca. 2 bis 2,5 cm im Durchmesser. Die Grundfarbe ist orange, die Lippe hat ein zartes Rosa, das zur Basis in kleinen Punkten ausläuft.

Infloreszenz von Vanda Motes Pixie Dust (Foto: Jessy Delis)

Die Pflanze ist jetzt ungefähr sechs Jahre alt, davon zwei Jahre in meinem Besitz. Ich habe sie am 30.06.2018 von Martin Motes erstanden, als er in Dahlenburg einen Vortrag hielt und einige seiner mitgebrachten Vandeen zum Kauf anbot. Seitdem hat sie bereits zehn Mal geblüht ‒ eine wirklich fleißige kleine Amerikanerin.

Meine Pflanze sitzt in einem transparenten Topf, der 11 cm Durchmesser hat. Damit die Wurzeln ausreichend Licht erhalten, kultiviere ich sie ohne Übertopf. Als Substrat benutze ich eine Mischung aus grober Pinienrinde (ca. 15-25 mm) und etwas Kork. Der Kork nimmt kaum Wasser auf und schafft somit etwas trockenere Bereiche. Außerdem ist er sehr leicht und hält den Pflanzstoff luftig. Generell sollte man Vandeen nicht in zu feinem Substrat kultivieren, da ihre Wurzeln zügig abtrocknen müssen. Beginnen diese zu faulen, kommt es oft zur Stammfäule, was meist den Tod der Pflanze bedeutet.

Dünger gebe ich in der Wachstumsphase von März bis Oktober alle 14 Tage. Während der übrigen Monate dünge ich nicht. Im Sommer besprühe ich das Substrat etwa alle drei Tage durchdringend nass, je nach Bedarf. Im Winter wird lediglich einmal pro Woche gewässert. Zwischen den Wassergaben lasse ich das Substrat abtrocknen, um ein Faulen der Wurzeln zu vermeiden. Getaucht wird die Pflanze bei mir nicht.

Vanda Motes Pixie Dust ist eine wirklich unkomplizierte und oft blühende Hybride, die sich gut im Wohnraum kultivieren lässt.

Autorin: Jessy Delis

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Infloreszenz von Vanda Motes Pixie Dust (Foto: Jessy Delis)
Rückansicht der Infloreszenz (Foto: Jessy Delis)
Infloreszenz von Vanda Motes Pixie Dust (Foto: Jessy Delis)
Der Pflanzstoff ist sehr grob gehalten. (Foto: Jessy Delis)
Vanda Motes Pixie Dust im Seitenprofil (Foto: Jessy Delis)
Größenvergleich mit einer 1 €-Münze (Foto: Jessy Delis)
Habitus von Vanda Motes Pixie Dust (Foto: Jessy Delis)

KW 20, 2020

Phalaenopsis tetraspis f. livida

Alles lesen Orchidee der Woche 20, 2020

Phalaenopsis tetraspis f. livida

Phalaenopsis tetraspis f. livida (Foto: Thomas Lehmann)

Olaf GRUSS und Sylvia TOENNE beschrieben diese graublaue Farbform von Phalaenopsis tetraspis erstmalig in der Online-Ausgabe von „Die Orchidee“, im E-Paper 3(05) 2017:  Neue Farbformen der Gattung Phalaenopsis Blume: Phalaenopsis bellina (Rchb. f.) Christenson forma caerulea O. Gruss et S. Tönne forma nova, Phalaenopsis bastianii O. Gruss et Roellke forma helvola O. Gruss et S. Tönne forma nova, Phalaenopsis tetraspis Rchb. f. forma livida O. Gruss et S. Tönne forma nova, publiziert am 1. Mai 2017 im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek und auf unserer Homepage. Einzelheiten zu Geschichte, Verbreitung und Namensgebung finden sich direkt im oben verlinkten E-Paper, weshalb ich in diesem Beitrag nicht weiter darauf eingehen werde.

Das Mittelteil der Lippe hat eine zarte violette Färbung. (Foto: Thomas Lehmann)

Wie alle Phalaenopsis-Arten wächst auch Phal. tetraspis f. livida monopodial. Sie ist eine eher kleine bis mittelgroße Orchidee, die nur einen kurzen Stamm bildet. Phalaenopsis tetraspis f. livida neigt zur Kindelbildung und blüht sehr reichlich – meist im Frühjar. An alten Blütentrieben können immer wieder neue Knospen entstehen, weshalb man sie nicht abschneiden sollte, solange sie nicht eintrocknen. Die Art ist endemisch auf den Andamanen und Nikobaren im Indischen Ozean. Dort besiedelt sie niedrig hängende Äste direkt über dem Wasser in Mangrovensümpfen. Das Klima ist typisch für die Tropen: heiß, feucht und regenreich. Im Jahresdurchschnitt liegt die Temperatur in Port Blair bei rund 26,4 °C, die Höchstwerte betragen rund 30° C. Regen fällt das ganze Jahr über, vor allem in der Regenzeit von Mai bis Oktober.

Eine Kultur auf der Fensterbank ist ohne großen Aufwand möglich. Da Phalaenopsis tetraspis f. livida  warme bis heiße Temperaturen mag, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Phalaenopsis-Art. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 16-18 Grad fallen, noch besser sind 20 Grad Minimum. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet das stehende Wasser wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Als Pflanzstoff für Phalaenopsis eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Bei sehr kleinen Töpfen geht auch Substrat aus Kokosfasern gut. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Phalaenopsis zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder komplett silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten.

Das Tauchwasser darf bei dieser Naturform den Sommer über einen Leitwert von 300-500 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Phalaenopsis tetraspis f. livida auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Die zwischen grau, blau und braun changierende Färbung und der zarte Duft machen diese blühfreudige Art zu einer besonderen Augenweide. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Die Knospen haben eine tolle Musterung. (Foto: Thomas Lehmann)
Auch im Profil erkennt man die Zeichnung an der Außenseite der Blüte. (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phalaenopsis tetraspis f. livida (Foto: Thomas Lehmann)
Die erste Blüte ging bei etwas kühleren Nachttemperaturen auf und färbte sich vermutlich deswegen eher bräunlich, als bläulich. (Foto: Thomas Lehmann)
Zum Größenvergleich eine Blüte in meiner Hand (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 19, 2020

Phragmipedium Petit Anquette

Alles lesen Orchidee der Woche 19, 2020

Phragmipedium Petit Anquette

Phragmipedium Petit Anquette ‚Sylvia‘ BM/D.O.G. (Foto: Thomas Lehmann)

Der „Kleine Engel“ – so lautet die deutsche Übersetzung des französichen Hybrid-Namens ist – wurde am 06. Juli 2004 in das Register der Royal Horticultural Society aufgenommen. Angemeldet wurde die Hybride von der Eric Young Orchid Foundation, einer weltweit bekannten Orchideenzucht auf Jersey/England. Eric Young hatte bereits in den 1920ern, in sehr jungen Jahren, begonnen eine beachtliche Orchideensammlung aufzubauen, die er leider während des Zweiten Weltkriegs verlor. Auf der Kanalinsel Jersey, die zu Großbritannien gehört, obwohl sie deutlich näher an der französischen Küste liegt, baute er nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Sammlung auf, die bis heute zu den größten und exklusivsten Orchideensammlungen weltweit gehört. Phragmipedium Eric Young, das nach ihm benannt wurde, hatten wir bereits vorgestellt. Auch wenn man meinen könnte, der Name Petit Anquette wurde wegen der Blütenform gewählt, ist dem nicht so. Der Petit Anquette ist eine Gesteinsformation an der französischen Küste, unweit der Insel Jersey. Sehr häufig sind Hybriden der Eric Young Orchid Foundation nach Orten aus der Region benannt. Phragmipedium Petit Anquette ist eine Primärhybride aus zwei Naturformen. Ihr Genpool teilt sich wie folgt auf:

Phragmipedium pearcei am Standort in Ecuador (Foto: Monika Eckert)

Das natürliche Verbreitungsgebiet des kleinwüchsigen Phragmipedium pearcei erstreckt sich von Ecuador bis nach Kolumbien und Peru. Meistens findet man Pflanzen dieser Art entlang von fließendem Wasser in Höhenlagen von 200-1200 Metern über dem Meeresspiegel. Sie wachsen sowohl litophytisch wie auch terrestrisch auf und zwischen Felswänden und -brocken, die zeitweise von Wasser überflutet werden. Häufig sind sie von Gräsern umgeben und durch ihren grasartigen Wuchs kaum von diesen zu unterscheiden. Die Standorte sind oftmals sehr sonnig, wobei Phrag. pearcei von den umliegenden Gräsern meist etwas schattiert wird und nicht die volle Sonneneinstrahlung erhält. Niederschlag gibt es das ganze Jahr über. In den Monaten Januar bis März nehmen diese zwar etwas ab, das Habitat ist aber dennoch immer sehr feucht. Die Temperaturbedingungen sind meist temperiert bis warm. Je nach Standort und Höhenlage können sie auch etwas variieren. Im Sommer steigen die Temperaturen auch auf 30 Grad und wärmer, in den Wintermonaten liegen sie nachts meist bei ca. 15 Grad, in höheren Lagen auch etwas tiefer.

Phragmipedium dalessandroi (Foto: D.O.G.-Archiv)

Phragmipedium dalessandroi ist auschließlich in Ecudaor zu finden. Das Klima am Standort bietet recht konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad ganzjährig. Niederschläge gibt es auch ganzjährig, wobei sie von März bis Oktober deutlich häufiger sind. Von November bis März regnet es seltener. Das Habitat trocknet aber nicht aus, da die Luftfeuchtigkeit dauerhaft sehr hoch ist. Phragmipedium dalessandroi wächst litophytisch an steilen und feuchten Felsen. Am Standort gibt es nur noch wenige Pflanzen, die zum Glück so hoch wachsen, dass sie vor Plünderungen geschützt sind. Einige Taxonomen sehen die Art lediglich als eine Varietät von Phragmipedium besseae an, zu der sehr viel Ähnlichkeit besteht.

Die Blüten von Phragmipedium Petit Anquette variiren leicht in Form und Farbe. Die Petalen können eher gerade sein mit abgerundeten Spitzen oder sich leicht verdrehen und spitzer zulaufen. Das Farbspektrum bietet meist Gelb-, Orange- und Rosétöne, die in unterschiedlichen Anteilen vorhanden sind.

Da Phragmipedien viel Feuchtigkeit brauchen, sollten sie stets in einer mit Wasser gefüllten Schale stehen. Besonders im Sommer darf das Substrat auch richtig nass sein. Zu viel Wasser ist bei Phragmipedien fast nicht möglich. Nur gelegentlich sollte die Schale ganz abtrocknen, damit sich keine unerwünschten Bakterien im Wasser ausbreiten können. Meine Pflanzen stehen in großen Wannen, die ich alle paar Tage mit frischem Wasser fülle, sobald das alte aufgesogen ist. Im Sommer sind die Schalen alle 3-4 Tage leer, im Winter dauert es 6-7 Tage.

Oft ist zu lesen, dass Phragmipedien sehr salzempfindlich sind und bei zu hohen Düngergaben braune Blattspitzen bekommen. Für einige Naturformen und Primärhybriden trifft es auch zu, dass die Wurzeln bei zu vielen Salzen verbrennen und absterben. Allerdings gibt es einige Naturformen und daher auch Hybriden, die wesentlich besser wachsen und blühen, wenn sie etwas mehr Dünger bekommen. Braune Blattspitzen habe ich nicht mehr bei meinen Pflanzen, seit ich einen Dünger verwende, der sowohl Calcium als auch Magnesium enthält und den ich auch höher dosiere als früher. Meiner Erfahrung nach sind die braunen Blattspitzen eher auf einen Mangel an Calcium und Magnesium und nicht auf zu hohe Düngergaben zurückzuführen. Im Sommer bekommen meine Hybriden zwischen 350 und 450 Mikrosiemens bei jedem Wässern. Nur im Winter  stelle ich das Düngen komplett ein. Die angereicherten Salze im Substrat genügen den Pflanzen, um durch die dunkle Jahreszeit zu kommen.

Mein Standard-Phragmipedium-Substrat ist eine Mischung aus Rinde, Perlite, Bimskies und Holzkohle. Die Körnung der Rinde passe ich an die Topfgröße an. Bei kleinen Töpfen nehme ich feinere Rinde, bei großen Töpfen verwende ich gerne gröbere. Perlite verwende ich in der Körnung 2-4 Millimeter. Durch ihr geringes Gewicht machen sie das Substrat locker und sorgen für eine gute Belüftung der Wurzeln. Der Bimskies versorgt die Pflanzen zusätzlich mit Calcium, da er diesen durch die andauernde Feuchtigkeit freigibt. Die Körnung spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ich nutze gerne 5-10 Millimeter. Um einige trockenere Stellen im Pflanzstoff zu schaffen, füge ich immer Holzkohle in einer Körnung von 7-14 Millimeter hinzu. Die Holzkohle saugt sich nicht mit Wasser voll und bleibt trocken. Durch die etwas gröberen Brocken entstehen zusätzlich ein paar Luftlöcher im Substrat, die eine Luftzirkulation im Topf zulassen.

Natürlich gibt es auch einige andere Substrate, die gut für Phragmipedium geeignet sind. Jedes hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil von Rinde ist, dass sie regelmäßig gewechselt werden muss, da sie durch die Dauerfeuchte sehr schnell zerfällt. Mineralische Sustrate zerfallen nicht und müssen daher nicht so oft gewechselt werden. Jeder sollte seine eigenen Erfahrungen machen und ausprobieren, was zu seiner Kultur am besten passt. Außer mit meinem Standardsubstrat habe ich auch gute Erfahrungen gemacht mit:

  • Akadama
  • Sphagnum-Moos
  • Steinwollwürfeln
  • Bimskies
  • Lavagranulat

Im Sommer stehen Phragmipedien gerne im Freien, da sie Frischluft und Luftbewegung wirklich lieben. Ein Muss ist der Aufenthalt im Freien aber nicht. Auch eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist möglich, wenn regelmäßig gelüftet wird. Steht die Luft zu lange, bilden sich am Ansatz der Triebe leicht Pilze und Infektionen, die unbehandelt die ganze Pflanze vernichten können.

Die heißen Temperaturen im Sommer verträgt Phragmipedium Petit Anquette sehr gut, wenn die Luftfeuchtigkeit  hoch ist. Durch die großen Wannen, die immer mit Wassser gefüllt sind, ist die Luftfeuchtigkeit stets ausreichend. Ich benutze keinen zusätzlichen Nebler. Die nächtlichen Temperaturen liegen bei mir zwischen 14 und 18 Grad, je nach Außentemperatur. An bewölkten Wintertagen liegen sie bei etwa 24 Grad. Wenn die Sonne auf das große Fenster scheint, steigen sie auch mal über 30 Grad.

Im Sommer sollte direkte Mittagssonne vermieden werden, da die Blätter sehr schnell verbrennen können. Es gibt einzelne Pflanzen, die nicht so empfindlich zu sein scheinen, allerdings wachsen alle Pflanzen nach meiner Erfahrung etwas schattiger besser. Auch die Blattfarbe ist bei schattiger Kultur dunkler und kräftiger. Bei zu wenig Licht werden die Blätter der Neutriebe länger und schmaler. Meist fällt dann auch die Blüte aus. Im Winter darf die Sonne auch mittags unschattiert auf die Pflanzen fallen.

Phragmipedium Petit Anquette ist ein zuverlässiger Blüher, der über Monate hinweg eine Blüte nach der anderen öffnet. Durch die – für ein Phragmipdium – kompakte Größe findet die Hybride auch auf einer Fensterbank gut Platz. Leider ist sie eine echte Rarität, die nur selten angeboten wird. Viel Glück beim Finden und noch mehr Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Phragmipedium Petit Anquette ‚Sylvia‘ (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipedium Petit Anquette ‚Sylvia‘ (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Petit Anquette ‚Sylvia‘ – Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Petit Anquette ‚Sylvia‘ – Habitus (Foto: Thomas Lehmann)

KW 18, 2020

Bulbophyllum grandiflorum

Alles lesen Orchidee der Woche 18, 2020

Bulbophyllum grandiflorum

Bulbophyllum grandiflorum (Foto: Thomas Lehmann)

Der deutsch-niederländische Botaniker Carl Ludwig Ritter von BLUME, der sich hauptsächlich mit der Erforschung der Orchideen Indonesiens befasste, beschrieb die Art erstmalig als Bulbophyllum grandiflorum im Jahr 1849 in „Rumphia“. Trotz zahlreicher Umkombinationen, unter anderem in die Gattungen Sarcopodium und Hyalosema, ist Bulbophyllum grandiflorum bis heute der von Kew akzeptierte Name. Der Name Bulbophyllum leitet sich aus den altgriechischen Wörtern βολβος (bolbos) und Φυλλων (phyllon) ab. Bolbos lässt sich mit Birne  übersetzen. Phyllon ist das Wort für Blatt. Da die Pseudobulben ein wenig an Birnen erinnern, auf denen ein Blatt sitzt, ist der Gattungsname leicht nachzuvollziehen. Der Artname lässt sich auch leicht ohne große Kenntnisse in Latein oder Altgriechisch übersetzen. „Große Blüte“ oder „großblütig“ ist die Übersetzung hierzu, die ebenfalls sehr passend für die Art ist.

Habitus von Bulbophyllum grandiflorum (Foto: Thomas Lehmann)

Beheimatet ist die Art in Sumatra, Sulawesi, Neu Guinea und den Molukken. Sie kommt dort in immerfeuchten Regenwäldern des Tieflands unter warmen bis heißen Bedingungen vor. Die Standorte liegen zwischen 100 und ca. 800 Meter über dem Meeresspiegel. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch und die Luftfeuchtigkeit ist ebenfalls ganzjährig sehr hoch. Bulbophyllum grandiflorum wächst ausschließlich epiphytisch, meist in den unteren Bereichen der großen Baumstämme. Durch das Laub der immergrünen Bäume sind die Pflanzen am Naturstandort vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Dennoch ist die Lichtintensität in diesen Wäldern sehr hoch.

Wie oben schon erwähnt bildet Bulbophyllum grandiflorum birnen- bis eiförmige Pseudobulben aus, auf denen ein einzelnes sehr festes und fleischiges Blatt sitzt. Das Laub ist dunkelgrün und hat einen  zarten Glanz. Die Rhizomabschnitte zwischen den Pseudobulben sind nur wenige Zentimeter lang. Im Herbst erscheinen die Infloreszenzen an der Basis von frisch ausgewachsenen Pseudobulben, die ca. 20 cm lang werden und sehr aufrecht wachsen, sodass die Blüten beim Aufblühen etwas über dem Laub stehen. Jede Infloreszenz trägt eine einzelne Blüte und ähnelt auf den ersten Blick nicht einer Orchidee, wie wir sie kennen. Die großen Blüten haben seitlich zwei nach vorne gerichtete flächige Sepalen. Das dorsale Sepalum hängt von oben schützend darüber. Zwischen den drei überdimensionalen Blütenteilen befindet sich das Labellum, das, wie bei vielen Bulbophyllen, beweglich ist. Es imitiert ein sich bewegendes Insekt und lockt damit potentielle Bestäuber an. Gefärbt sind die Blüten in  einem Gelbton, der in großen Teilen von einem Rotbraun überdeckt wird. Die Petalen sind bei dieser Art stark verkümmert und kaum zu sehen. Die Blüten haben einen leichten Duft, der nicht ganz so unangenehm ist wie bei manch anderen Bulbophyllen.

Das Substrat für Bulbophyllum muss unbedingt sehr gut drainert sein und darf nicht zu nass werden, da die Pseudobulben sonst sehr schnell faulen. Aus diesem Grund nutze ich für meine größeren Bulbophyllen mittlere und grobe Rinde, gemischt mit Perlite. Gerne verwende ich auch transparente Töpfe, um den Zustand der Wurzeln und auch die Feuchtigkeit im Topf besser kontrollieren zu können. Wenn zwei Drittel des Topfes abgetrocknet sind, wird wieder gewässert. Ob getaucht oder durchdringend gegossen wird, muss jeder für sich entscheiden. Wichtig ist nur, dass sich keine Staunässe bildet und der Pflanzstoff sehr gut und schnell antrocknen kann. Je nach Temperatur trocknet mein Topf nach 5-10 Tagen ab, danach tauche ich wieder. Auch aufgebundene Kultur ist grundsätzlich möglich. Bedingt durch die Größe von Bublbophyllum grandiflorum ist für die Pflege im Wohnraum der Topf aber die bessere Lösung. Wer ein Gewächshaus oder eine große Vitrine besitzt, kann es auch aufgebunden problemlos kultivieren.

Ich dünge von Frühjar bis Herbst bei jeder Wassergabe mit ca. 300 – 400 Mikrosiemens/cm. Gelegentlich auch etwas mehr. Zwischendrin wird der Topf auch mal mit klarem Wasser durchgespült. Da ich im Winter keine zusätzliche Beleuchtung in Form von LEDs oder Leuchtstoffröhren nutze, dünge ich in dieser Zeit gar nicht. Der Stoffwechsel der Pflanze ist im Winter in unseren Breitengraden stark heruntergefahren, da nur sehr wenig Licht zur Verfügung steht. Für diese Zeit genügen die Salze, die sich im Laufe des Sommers im Pflanzstoff anglagert haben.

Der Lichtbedarf von Bulbophyllum grandiflorum ist nicht extrem hoch, da es am Naturstandort in immergrünen und schattigen Wäldern auf Bäumen sitzend wächst und kaum der direkten Sonne ausgesetzt ist. Bei mir steht die Pflanze an der Ostseite und bekommt ein wenig Morgensonne ab, das verträgt sie gut. Aber auch schattierte Süd- oder Westseite ist möglich. Da die nächtlichen Temperaturen am Standort nur selten unter 15-20 Grad fallen, steht mein Bulbophyllum grandiflorum ganzjährig im Haus. Im beheizten Zimmer sinken die Temperaturen im Winter nachts nicht unter 15 Grad, meist liegen sie aber auch dann noch bei 17-18 Grad Minimum. Die Hitze im Sommer wird sehr gut vertragen.

Obwohl an den Naturstandorten ganzjährig eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, kommt dieses recht unkomplizierte Bulbophyllum auch mit etwas trockener Luft ganz gut zurecht. Bei guter Pflege und dem richtigen Standort ist es ein zuverlässiger Blüher, der uns im Herbst mit mehreren Infloreszenzen belohnen kann. Die großen Blüten von Bulbuphyllum grandiflorum sind ein echter Blickfang. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Frontalansicht auf die Blüte von Bulbophyllum grandiflorum (Foto: Thomas Lehmann)
Detailansicht der Lippe (Foto: Thomas Lehmann)
Bulbophyllum grandiflorum ‚Brigitte‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Bulbophyllum grandiflorum ‚Deggendorf‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Bulbophyllum grandiflorum ‚Wössen‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)

KW 16, 2020

Paphiopedilum bellatulum

Alles lesen Orchidee der Woche 16, 2020

Paphiopedilum bellatulum

Paphiopedilum bellatulum ‚Mike‘ SM/D.O.G. (Foto: Thomas Lehmann)

Im Jahr 1888 beschrieb der deutsche Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH die Art erstmalig als Cypripedium bellatulum. Vier Jahre später überführte sein ebenfalls aus Deutschland stammender Kollege Berthold STEIN die Art in die Gattung Paphiopedilum. Der Beitrag, der dieser Art ihren bis heute anerkannten Namen verlieh, erschien in „Orchideenbuch“.  Der Gattungsname setzt sich zusammen aus den beiden griechischen Wörtern Paphos (= eine Küstenstadt auf Zypern und nach der Mythologie die Geburtsstadt der Göttin Aphrodite, weswegen diese auch den Beinamen Paphía erhielt, also die Paphische) und pedilon (= der Pantoffel, nach der Ähnlichkeit der Lippe mit einem Schuh). Das Pendant zu Aphrodite ist Venus in der römischen Mythologie. So wird Paphiopedilum auch heute noch im deutschsprachigen Raum sehr oft Venusschuh genannt. Der Artname bellatulum kommt aus dem Lateinischen. Bellatulus ist das Diminutiv, also die Niedlichkeitsform, von bellus. Übersetzen lässt sich bellatulum mit niedlich. Paphiopedilum bellatulum ist also der niedliche Venusschuh. Ich finde diese Namensgebung wirklich passend. Diese Naturform ist eine meiner liebsten aus der Gattung.

Das tolle Laub von Paphiopedilum bellatulum, an den Blattspitzen der unteren Blätter sieht man noch alte Schäden von Dehydrierung. Alle neu nachgewachsenen Blätter sind super kräftig und fest. (Foto: Thomas Lehmann)

Paphiopedilum bellatulum ist, wie alle Arten der Gattung, auf dem asiatischen Kontinent beheimatet. Sein natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Indien über Myanmar bis nach Thailand und China, wo es in Höhenlagen von 300 bis 1600 Metern über dem Meeresspiegel fast ausschließlich schattige Standorte ohne direktes Sonnenlicht auf bemoosten Kalksteinfelsen besiedelt. Die Temperaturbedingungen liegen in der Regel im temperierten bis warmen Bereich. Einzelne Individuen wachsen in höheren Lagen aber auch unter kühleren Bedingungen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, sodass das Habitat, das allerdings sehr gut drainiert ist, niemals austrocknet und den Pflanzen stets genügend Feuchtigkeit zur Verfügung steht.

Das Laub von Paphiopedilum bellatulum ist dunkelgrün und mit einer schönen Musterung versehen. Die Unterseiten der bis zu 20 cm langen Blätter sind violettrot. Die sympodiale Art beendet das Wachstum eines Triebes mit einer kurzen violetten Infloreszenz, die leicht überhängend wächst. An jeder Infloreszenz sitzt eine große Blüte, deren Labellum im Vergleich zu den restlichen Blütenteilen sehr zierlich ist. Fahne und Petalen sind flächig und rund. Die gesamte Blüte ist weiß gefärbt und mit mal mehr und mal weniger intensiv violettroten bis schwarzen Punkten besetzt. Die Blüten duften nicht.

Bei der Kultur auf der Fensterbank habe ich ein paar Anläufe gebraucht, bis es mit der Art richtig gut geklappt hat. Anfangs stand sie in mittelgroßer bis feiner Rinde mit etwas Moos und Perliten. Wie bei meinen anderen Paphiopedilen habe ich auch mein erstes Paphiopedilum bellatulum regelmäßig getaucht, damit der Pflanzstoff immer schön feucht blieb. Leider kommt es bei mir aufgrund von Zeitmangel oder Urlaub öfter vor, dass ich es nicht so regelmäßig schaffe zu wässern, wie ich es gerne machen würde. Damit haben viele andere Paphiopedilen – besonders Hybriden – meist kein Problem. Meinem Paphiopedilum bellatulum war das aber sehr schnell zu trocknen und das Laub fing an zu dehydrieren. Eine Zeit lang ging das zwar gut, aber die Pflanze kam nie zur Blüte. Auch die Anzeichen von Dehydrierung, wie faltige, schlaffe Blätter, nahmen zu. Ich beschloss es mit mineralischem Substrat zu probieren, mit dem ich in der Zwischenzeit bei anderen Paphiopedilen gute Erfahrungen gemacht hatte. Wenn ich in mineralischem Substratz kultiviere, stehen die Töpfe bei mir dauerhaft in einer kleinen Pfütze Wasser. Das Substrat saugt sich dann das Wasser nach oben und wird gleichmäßig feucht. Allerdings wird es scheinbar zu feucht, denn meine Pflanze und eine weitere neu gekaufte bekamen innerhalb einiger Monate faulige Wurzeln und erholten sich nicht davon. Da mir die Blüten dieser Naturform aber so gut gefallen, musste ich es nochmals probieren. Ich erwarb ein fast blühstarkes, kräftiges Pflänzchen am Tag der offenen Tür einer Orchideengärtnerei. Der Plan war, es erneut mit dem Tauchen zu versuchen. Diesmal mit etwas feinerem Substrat, das etwas länger feucht bleibt, aber regelmäßig gut antrocknen kann. Das Problem war, dass ich in den Tagen nach dem Kauf überhaupt keine Zeit hatte. Es wurden Temperaturen weit über 30 Grad gemeldet, der Pflanzstoff im Topf bestand aus mittelgroßem bis grobem Rindensubstrat ohne Zusatzstoffe. Ich wusste, dass es zu trocken sein würde, wenn ich es bei der Hitze nicht regelmäßig wässerte. Ich wusste aber auch, dass ich für 10 Tage nicht zu Hause sein würde und die Pflanze somit verdursten würde. Also stellte ich sie einfach zu meinen Phragmipedien in eine große Schale, die mit etwas Wasser gefüllt ist. Ich dachte, dass bei der Hitze etwas mehr Feuchtigkeit besser wäre als zu wenig. Und in dieser Wasserschale habe ich sie dann für ein paar Monate vergessen. Als ich sie wiederfand, hatte sie eine fette Knospe und schon drei neue Triebansätze. Da ich während der Blüte grundsätzlich nicht umtopfe, blieb sie im Substrat und auch im Wasser bei den Phragmipedien. Die Blüte öffnete sich dann und wurde auf einer unserer Tischbewertungen sogar mit einer Silbermedaille  prämiert. Ich vergaß die Pflanze wieder…. Als ich sie dann wieder sah, standen die drei Neutriebe voll im Saft und die ganze Pflanze erschien kräftig und gesund. Jetzt musste ich aber wirklich mal umtopfen, schießlich war sie schon einige Zeit überfällig. Beim Austopfen fand ich, dass das Substrat zwar leicht feucht war, aber nicht durchnässt, wie Rinde normalerweise ist, wenn sie dauerhaft im Wasser steht. Außerdem bemerkte ich, dass eine großzügige Drainage aus Styropor unten im Topf lag. Dieses Styropor schien die perfekte Verbindung zwischen der Nässe unten und dem Pflanzstoff zu bilden, also gab es im neuen Topf ebenfalls wieder großzügig Styropordrainage und darauf reine Rinde, die nicht zu fein ist. Und der Topf kam auch wieder mit den Füßen ins Wasser. Der Wasserstand in der Schale liegt immer niedriger, als die Styropordrainage hoch ist, darauf achte ich sehr. Mit diesem System wurde Paphiopedilum bellatulum für mich kultivierbar und das auch noch ohne großen Aufwand. Inzwischen wurde aus der Jungpflanze ein großer, mehrtriebiger Busch. Dieses Jahr gab’s fünf Neutriebe – mal schauen, ob sie alle zur Blüte kommen…

Die Temperaturbedingungen sind im Winter temperiert und im Sommer eben sommerlich warm bis heiß, wie es halt in einem bewohnten Raum ist. Die Pflanze steht zwar in der Nähe eines Südfensters, allerdings ca. 1 Meter von der Scheibe entfernt, sodass die hochstehende Mittagssonne im Sommer nicht auf die Pflanze fällt. Sehr hell ist es aber dennoch, da es ein außerordentlich großes Fenster ist. Gedüngt wird vom Frühling bis in den Herbst mit einem ausgewogenen Orchideendünger. Das Wassser hat einen Leitwert von ungefähr 350-450 Mikrosiemens/cm. Im Winter reduziere ich den Leitwert auf circa 150 – 200 Mikrosiemens/cm. Zusätzlich gibt es drei bis vier Mal im Jahr etwas Hüttenkalk in das Substrat. Der Hüttenkalk gibt nicht nur wichtiges Calcium an die Pflanze, sondern reguliert auch den PH-Wert des Substrats.

Für mich ist Paphiopedilum bellatulum wirklich eine der allerschönsten Orchideen-Arten und ich bin wirklich glücklich endlich einen Weg gefunden zu haben, mit dem die Kultur klappt. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Paphiopedilum bellatulum ‚WOB Tränenreich‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Eine Gruppe Paphiopedilum bellatulum am Schaustand eines Händlers (Foto: Thomas Lehmann)
Paphiopedilum bellatulum ‚Vroni‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum bellatulum ‚Vroni‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum bellatulum ‚Baronja‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum bellatulum ‚Baronja‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum bellatulum ‚Cockies & Cream‘ SM/D.O.G.  bekam auch noch Silber für die gute Kultur. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum bellatulum ‚Mike‘ SM/D.O.G. (Foto: Thomas Lehmann)

KW 15, 2020

Pabstiella fusca

Alles lesen Orchidee der Woche 15, 2020

Pabstiella fusca

Pabstiella fusca – ein rotbrauner Klon mit gelber Sepalenspitze (Foto: Thomas Lehmann)

John LINDLEY, der schon oft erwähnte „Vater der modernen Orchideenkunde“, beschrieb die Art erstmalig im Jahr 1837 als Pleurothallis fusca in „Companion to the Botanical Magazine“. Nach einigen Umkombinationen in den letzten 180 Jahren wird die Art momentan als Pabstiella fusca in der WCSP (World Cheklist of Selected Plant Families) der Kew Gardens geführt. Im Jahr 2010 erschien in „Richardiana“ der dazugehörige Beitrag des französischen Botanikers Guy Robert CHIRON und seines brasilianischen Kollegen Renato Ximenes BOLSANELLO. Der Gattungsname Pabstiella wurde zu Ehren des brasilianischen Botanikers und Orchideenspezialisten Guido Frederico João PABST im Jahr 1976 begründet. Der Artname fusca kommt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt braun.

Habitus von Pabstiella fusca (Foto: Thomas Lehmann)

Pabstiella fusca ist heimisch in den brasilianischen Bundesstaaten São Paulo und Rio de Janeiro. Die Art wächst dort epiphytisch auf den moosigen Bäumen des Regenwaldes. Durch die sehr unterschiedlichen Höhenlagen der Standorte – man findet Indviduen von 150 bis 1.600 Metern über dem Meeresspiegel – können die Temperaturen an den Standorten von kühl bis heiß variieren. Das Laub der immergrünen Bäume spendet das ganze Jahr hindurch Schatten, sodass die Pflanzen nicht der direkten Sonne ausgesetzt sind. Niederschläge gibt es ebenfalls während des gesamten Jahres, wobei diese in den Wintermonaten etwas abnehmen. Die Luftfeuchtigkeit ist allerdings ganzjährig so hoch, dass das Habitat niemals völlig austrocknet.

Die kleinwüchsige Orchidee bildet ca. 4 cm große Blätter aus, die einen zarten dunkelgrünen Glanz haben und spitz zulaufen. Jedes Blatt sitzt auf einem bis zu 2 cm langen und sehr filigranen Stiel. Das Laub ist zudem leicht gekielt. An der Basis des Stiels entspringen die Infloreszenzen. Sie werden in etwa 3 cm lang und sind noch dünner als die Stiele der Blätter. Blütentriebe können das ganze Jahr hindurch gebildet werden, sie verzweigen sich nicht. Dafür kommt es gelegentlich vor, dass ein Trieb 2 Infloreszenzen entwickelt. Jede Infloreszenz trägt zwei bis sieben Blüten, die sich nacheinander öffnen und durch die lange Blühdauer gemeinsam blühen. Die einzelnen Blüten sind ca. 9 mm hoch und 3 – 4 mm breit. Sie sind gelb oder rotbraun gefärbt. Manchmal zweifarbig oder mit Punkten besetzt, aber immer in den beiden erwähnten Farbtönen. Die Blüten duften nicht.

Pabstiella fusca ‚Dalles‘ bekam in diesem Zustand eine Silbermedaille auf Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

Die Kultur von Pabstiella fusca funktioniert sowohl aufgbunden wie auch getopft. Von Vorteil wäre es natürlich, wenn man eine Orchideenvitrine oder gar ein Gewächshaus bieten könnte, da bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit nicht ganz so oft gewässert werden muss. In einem kleinen Töpfchen mit dem passenden Substrat lässt sich die Art aber auch auf der Fensterbank kultivieren. Da ich weder eine Vitrine noch ein Gewächshaus besitze, kultiviere auch ich Pabstiella fusca auf der Fensterbank.

Getopft habe ich meine Pflanze in Sphagnum-Moos, weil dieses viel Wasser aufnehmen und speichern kann, ohne dass die Wurzeln zu nass stehen. Nachteile hat der Pflanzstoff definitv zwei: Zum einen muss das Moos jährlich gewechselt werden, da sich in ihm sehr schnell überschüssige Salze des Düngers anreichern und die feinen Wurzeln davon auf Dauer Schaden nehmen. Außerdem zerfällt das Moos durch die andauernde Feuchtigkeit sehr schnell und verdichtet sich dadurch, was ebenfalls den Tod der Wurzeln bedeutet. Beim Umtopfen lässt es sich aber kaum verhindern, auch ein paar der sehr feinen und empfindlichen Wurzeln zu verletzen oder gar abzureißen. Zum anderen trocknet das Moos während der heißen Sommermonate sehr schnell ab. Ein paar Tage wegfahren, ohne jemanden zu haben, der sich um die Pflanze kümmert, wird da schon sehr schwierig. Da ich mit einigen anderen Arten aus der Familie der Pleurothallidinae bereits gute Erfahrungen mit einer Kultur in mineralischem Substrat gemacht habe, bin ich am Überlegen, ob ich es beim nächsten Umtopfen mit Pabstiella fusca auch mal probiere. Die Vorteile liegen auf der Hand. Mineralisches Substrat ist strukturstabil, das heißt es zersetzt sich nicht. Umgetopft werden muss also erst dann, wenn der Topf zu klein wird, was bei Miniaturorchideen ein Weilchen dauern kann. Um einem Versalzen des Substrats, was auch bei mineralischen Pflanzsstoffen möglich ist, entgegenzuwirken, spült man den Topf einfach regelmäßig mit möglichst salzarmem Wasser durch. Osmose- oder destilliertes Wassser, auch sauberes Regenwasser, eignen sich hierfür sehr gut. Zudem ist es möglich die Pflanze ein paar Tage alleine zu lassen, da bei der mineralischen Kultur der Topf einfach in eine Pfütze aus Wasser gestellt wird und das Substrat sich stetig damit vollsaugt und lange feucht, aber nicht nass bleibt. Ist man dann mal ein paar Tage außer Haus, füllt man einfach etwas mehr Wasser in den Untersetzer.

Beim Düngen gibt es ebenfalls zwei Möglichkeiten. Ich bevorzuge es, bei jedem Wässern ein klein wenig Dünger zu geben. Dabei liegt der Leitwert meines Wassers bei ca. 100 – 150 Mikrosiemens/cm. Gelegentlich wird – wie oben schon erwähnt – mit klarem Wasser durchgespült. Auch möglich ist, den Leitwert des Gießwassers bei lediglich 50 – 80 Mikrosiemens/ cm zu halten und dafür ein bis zwei Mal im Monat mit 150 – 250 Mikrosiemens/cm zu düngen. Im Winter dünge ich etwas sparsamer als im Sommer, da ich meine Pabstiella fusca ohne Zusatzlicht kultiviere und somit der Stoffwechsel der Pflanze während der lichtarmen Monate herunterfährt. Wer in einer Vitrine mit künstlicher Beleuchtung die Tage verlängert, kann und sollte ganzjährig düngen.

Im Winter steht meine Pflanze temperiert-warm mit sehr viel Licht. Die späte Abendsonne, wenn sie sich denn überhaupt mal zeigt, scheint dort auch unschattiert auf die Pflanze. Dies wird sehr gut vertragen. Im Sommer muss aber unbedingt darauf geachtet werden, dass die Pflanze schattiger und nicht zu heiß steht. Generell gilt: Lieber etwas kühler kultiveren. Bei mir steht Pabstiella fusca über den Sommer im Treppenhaus am Nordfenster. Dort bleibt es verhältnismäßig kühl und es fallen keien direkten Sonnenstrahlen auf das Laub. Auch ein Aufenthalt im Freien ist während der Somemrmonate gut möglich, wenn er eben schattig und möglichst kühl ist.

Die kleinen Blüten sind zwar eher unscheinbar, machen durch ihre lange Blühdauer aber wirklich Freude. Wer sich für Miniaturorchideen begeistern kann, dem möchte ich Pabstiella fusca wärmstens empfehlen. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Pabstiella fusca (Foto: Werner Holzmann)
Ein gelb gefärbter Klon von Pabstiella fusca ‚Dalles‘ (Foto: Werner Holzmann)
Werner Holzmann kultiviert die Pflanze aufgebunden in seiner Orchideenvitrine. (Foto: Werner Holzmann)
Zum Größenvergleicht: Eine Blüte zwischen meinem Daumen und Zeigefinger (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte, im Schlund und an der Außenseite sind die Blüten gepunktet. (Foto: Thomas Lehmann)
Pabstiella fusca ‚Dalles‘ (Foto: Werner Holzmann)
Ein sehr dunkler Klon von Pabstiella fusca (Foto: Werner Holzmann)

KW 14, 2020

Psychopsis Butterfly

Alles lesen Orchidee der Woche 14, 2020

Psychopsis Butterfly

Psychopsis Butterfly (Foto: Thomas Lehmann)

„Ruben in Orchids“, eine der ältesten amerikanischen Orchideenzuchten – die auch heute noch existiert – meldete diese wunderbare Hybride im Jahr 1969 zur Registrierung an. Von der RHS (Royal Horticultural Society) wurde sie unter dem Namen Oncidium Butterfly in das Register eingetragen, da die Gattung Psychopsis zur damaligen Zeit für die Taxonomie nicht relevant war und alle Pflanzen aus der Gattung den Oncidien zugeordnet waren. Wenige Jahre später wurden die bekannten Arten wieder in die Gattung Psychopsis überführt. Der Name Psychopsis leitet sich zum einen vom altgriechischen Wort psyché (ψυχή) ab, das mit Atem, Hauch, Leben oder Seele übersetzt werden kann. Da im antiken Volksglauben ein Schmetterling aber als Abbild der Seele von Verstorbenen angesehen wurde, kann man psyché auch mit Schmetterling übersetzen. Die Endung –opsis (όψις), die ebenfalls aus dem Altgriechischen stammt, lässt sich mit Aussehen, Mode oder Aspekt übersetzen. Psychopsis Butterfly ist demnach ein schmetterlingsähnlicher Schmetterling, da Butterfly das englische Wort für Schmetterling ist.

Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)

Die Eltern der Hybride sind Psychopsis sanderae und Psychopsis papilio. Beide Arten sind in Südamerika heimisch, Pyp. papilio darüber hinaus auch in Costa Rica und Trinidad. Sie wachsen dort epiphytisch in immerfeuchten Bergwäldern. Während Psychopsis papilio unter sehr warmen Bedingungen wächst, findet man Psychopsis sanderae auch an etwas kühleren und temperierten Standorten in höheren Lagen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, wobei in den Sommermonaten deutlich mehr Regen fällt als in den Wintermonaten. Das Habitat trocknet aber niemals komplett ab, da auch die Luftfeuchtigkeit stets sehr hoch ist. Teilweise sind die Standorte sehr hell und lichtdurchflutet, gelegentlich sogar mit voller Sonne für die meiste Zeit des Tages, aber es finden sich auch Individuen an schattigen Plätzen.

Auf den rundlichen Pseudobulben von Psychopsis Butterfly sitzt jeweils ein ca. 25 cm langes und 6-7 cm breites Blatt, das etwas spitz zuläuft, leicht gekielt und matt ist. Das Laub ist dunkelgrün mit einer feinen rötlichen Zeichnung, die sich sowohl auf der Ober- wie auch auf der Unterseite findet. Am Grunde der Pseudobulbe entspringt die Infloreszenz, die bis zu 120 cm lang werden kann und über viele Jahre hinweg blüht. Manchmal pausieren die Blütentriebe für eine kurze Zeit, bevor wieder eine neue Knospe entsteht. Oft wird die neue Knospe aber schon gebildet, wenn die aktuelle Blüte noch im Saft steht. Meistens ist nur eine einzelne Blüte geöffnet. Solange die Blütentriebe nicht eintrocknen, sollten sie nicht abgeschnitten werden, da sie, auch wenn die Spitze schon eingetrocknet ist, jederzeit Seitentriebe an ruhenden Nodien entwickeln können, um dort noch einmal für Monate oder Jahre zu blühen. Eine wirklich einmalige und faszinierende Eigenschaft. Die Blüten haben keinen Duft. Sie sind rot-gelb gefärbt und bis zu 15 cm hoch (!). Je wärmer und heller die Kultur, desto größer werden die Blüten.

Die Kultur von Psychopsis Butterfly ist recht unkompliziert, wenn man ganzjährig für hohe Temperaturen sorgen kann. Wärme ist hier das A und O. Besonders an den Wurzeln reagieren Psychopsis besonders empfindlich, wenn diese zu kalt oder mit zu kaltem Wasser gegossen werden. Dann sterben sie ab. Im Winter also nicht auf ein kaltes Stein- oder Marmorfensterbrett stellen, auch wenn darunter eine Heizung läuft. Das lässt sich ganz leicht testen. Einfach mal abends die Hand auf ein Fensterbrett aus Stein oder Marmor legen, es ist richtig eisig. Psychopsis Butterfly steht daher bei mir auf dem Holztisch in meiner Orchideengalerie, in der es ohnehin sehr, sehr warm wird. An sonnigen Wintertagen herrschen dort ganz schnell über 30 Grad, da sich auf der Südseite eine durchgehende Glasfront befindet, die bei Sonnenschein den ganzen Raum aufheizt. Auch vom beheizten Wohnzimmer darunter steigt die Heizungsluft natürlich nach oben und sammelt sich dort, weswegen das Thermometer auch an bewölkten Wintertagen mindestens 25 Grad zeigt. Nachts kühlt es auf 18-20 Grad ab, je nach Außentemperatur. Kühler als diese 18 Grad sollten auf Dauer nicht herrschen. Psychopsis mag es wirklich heiß. Im Sommer wird das Südfenster natürlich etwas schattiert, im Winter bekommt sie volle Sonne.

Nachdem ich viele verschiedene Substrate ausprobiert habe, bin ich schließlich bei mineralischem gelandet, da es sich gut dauerfeucht halten lässt, ohne dass es zu nass an den Pseudobulben wird. Besonders die Neutriebe sind sehr empfindlich, wenn sie zu lange zu nass sind und es dann doch mal etwas zu kühl ist (da reicht dann schon ein kalter Luftzug in Verbindung mit Nässe). Ich weiß nicht, wie viele Neutriebe mir in den ersten Jahren abgefault sind – es waren unzählige. Ich halte Psychopsis Butterfly genauso wie die bereits vorgestellte Psychopsis Mariposa in einer Mischung aus Lavagranulat, Akadama, Bimskies, Kanuma und Perliten, alles nicht gröber als 8-10 mm und nicht feiner als 2 mm. Anfangs stand der Topf noch in einer Pfütze salzarmen Wassers, das einen Leitwert von ca. 150 Mikrosiemens hatte. Inszwischen habe ich auf ein Dochtsystem mit darunterliegendem Wasserreservoir umgestellt, was sich für die Kultur von Psychopsis bestens bewährt hat. Solche Systeme gibt es fertig zu kaufen oder man bastelt sich selbst eines. Wie das geht, hat unser Mitglied Dr. Ernst Avenhaus in „Die Orchidee 68(5), 2017″ ausführlich dargestellt. Natürlich können auch andere Pflanzstoffe verwendet werden. Wichtig ist, dass die Wurzeln niemals völlig austrocknen, auch wenn man im Internet sehr oft liest, dass Psychopsis sehr trocken gehalten werden müssen. Wenn man sich die natürlichen Standorte ansieht, merkt man schnell, dass es dort nicht sonderlich trocken ist, auch wenn mal kein Regen fällt.

Bei zu geringer Luftfeuchtigkeit ist diese Gattung leider höchst anfällig für Spinnmilben. Auch dieses „Problem“ hat mich in den ersten Jahren so einige Psychopsis gekostet. Seit ich die Luftfeuchtigkeit durch einen Ultraschallvernebler deutlich erhöhen konnte, treten diese kleinen Biester wesentlich seltener auf und wenn, dann lassen sie sich ganz gut bekämpfen, sofern man den Befall rechtzeitig bemerkt. Daher ist es wichtig, die Blattunterseiten regelmäßig zu kontrollieren. Wenn sich ein extrem matter, silbriger Schleier auf den Blattunterseiten bildet, ist es höchste Zeit zu handeln. Sehr gute Erfahrungen in der Bekämpfung von Spinnmilben an Psychopsis habe ich mit dem Wirkstoff Abamectin gemacht. Drei Behandlungen im Abstand von 7-10 Tagen und man ist die Plage los.

Eine wirklich beeindruckende Gattung, deren Blüten fast außerirdisch anmuten und ein wahrer Blickfang sind. Zumindest eine Psychopsis sollte einfach in jeder Orchideensammlung sein – wenn man die hohen Temperaturen bieten kann. Viel Spaß und Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Zum Größenvergleich: Psychopsis Butterfly mit meiner Hand (Foto: Thomas Lehmann)
Habitus von Psychiopsis Butterfly (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blüte von der Seite fotografiert (Foto: Thomas Lehmann)
Detailansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blätter haben durch den Einfluss von Psychopsis sanderae eine tolle Zeichnung. (Foto: Thomas Lehmann)
Starker Spinnmilbenschaden an der Unterseite eines alten Blattes – in diesem Zustand bekam ich sie vor 2 Jahren. (Foto: Thomas Lehmann)
Noch eine Besonderheit durch den Einfluss von Psychopsis sanderae: Die Blütentriebe sind am Ende wie platt gewalzt. (Foto: Thomas Lehmann)

KW 13, 2020

Coelogyne celebensis

Alles lesen Orchidee der Woche 13, 2020

Coelogyne celebensis

Coelogyne celebensis (Foto: Werner Holzmann)

Die Erstbeschreibung dieser Art wurde 1917 in „Bulletin du Jardin Botanique de Buitenzorg. Buitenzorg [Bogor]“  von Johannes Jacobus SMITH (1867-1947) publiziert. Der gebürtige Belgier, der in den Niederlanden aufwuchs, war Gärtner und Botaniker. Er arbeitete unter anderem in den Kew Gardens und im Botanischen Garten Buitenzorg auf Java und hat Tausende Naturformen erstmalig beschrieben oder umgruppiert.

Coelogyne celebensis ist heimisch auf der indonesischen Insel Sulawesi, die früher Celebes hieß. Dort findet man die Art von Meereshöhe bis auf 1000 Meter über dem Meeresspiegel epiphytisch wachsend in den Wäldern entlang der Straßen. An den niedrig gelegenen Standorten auf Meereshöhe liegen die Temperaturen ganzjährig sehr hoch. Die Nächte kühlen nur sehr selten auf unter 20 Grad ab. Tagsüber klettern die Temperaturen auf 30 Grad im Schnitt. In den höheren Lagen können die Nächte in den Wintermonaten aber auch unter 15 Grad fallen. Während der besonders warmen Sommermonate nimmt die Regenhäufigkeit deutlich ab. Durch die hohe Luftfeuchigkeit und gelegentliche Regenfälle trocknet das Habitat aber nur kurzzeitig an. Völlig trocken ist es nie. Durch das Blätterdach der immergrünen Bäume, auf denen Coelogyne celebensis sitzt, ist sie vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt.

Habitus von Coelogyne celebensis (Foto: Werner Holzmann)

Die Art kann recht groß werden und bildet im Abstand von ca. 2,5 cm zylindrische Pseudubulben aus, auf denen jeweils ein langes, fächerartiges Blatt sitzt. Das gestielte Laub läuft spitz zu und glänzt im Wachstum deutlich stärker als in ausgewachsenem Zustand. Im späten Winter und zeitigen Frühjar entstehen die Neutriebe, die bereits mit 5-10 cm Größe die Infloreszenz ausbilden. Diese sitzt am oberen Ende der Pseudubulbe und kann bis zu 40 Zentimeter lang werden. Die Blütentriebe wachsen leicht überhängend und bilden aufeinanderfolgend zahlreiche Knospen aus, die jeweils einzeln zur Blüte kommen. Dadurch erstreckt sich die Blütezeit über einen sehr langen Zeitraum. Die Tepalen der Blüte sind gelbgrün gefärbt. Das dorsale Sepalum neigt sich nach vorne, um das gelblich bis rotbraun überhauchte Labellum samt Geschlechtsteilen und Säule zu schützen. Die Petalen dagegen klappen förmlich nach hinten.

Laut der Aussage von Werner Holzmann, der Coelogyne celebensis seit einigen Jahren zusammen mit Coelogyne speciosa kultiviert, sind diese beiden Arten die unkompliziertesten Coelogynen und für die Kultur auf der Fensterbank bestens geeignet. Im Folgenden beschreibe ich euch seine Kulturerfahrungen:

Werner Holzmann kultiviert die Art unter kühl-temperierten Bedingungen. Seine Pflanze steht ganzjährig auf einem Tisch, der ca. 50 cm von einem großen Ostfenster entfernt ist. Das Fenster ist immer geöffnet, nur wenn die nächtlichen Temperaturen unter -2 Grad fallen, wird es nachts geschlossen. Dadurch entsteht ein recht großes Tag/Nacht-Temperaturgefälle  – im Sommer wie im Winter. Der Standort ist zwar sehr hell, aber nur sehr selten fallen am Morgen Sonnenstrahlen direkt auf die Pflanze.  Im Sommer kann Coelogyne celebensis auch im Freien kultiveirt werden, wenn man ein schattiges Plätzchen bieten kann.

Als Substrat nutzt Werner gut durchlässige, nicht zu feine Rinde ohne weitere Zusatzstoffe. Gegossen wird ganzjährig ohne ausgeprägte Trockenzeit, im Winter jedoch seltener, da der Pflanzstoff wegen der niedrigeren Temperaturen länger braucht, bis er antrocknet. Staunässe über einen längeren Zeitraum – besonders in Verbindung mit Kühle oder gar Kälte – kann zu Fäulnis führen, was den Tod der Pflanze bedeuten würde. Aus diesem Grund lässt Werner das Substrat zwar antrocknen, aber niemals ganz austrocknen. Da die Pflanzen recht kompakt bleiben und die überhängenden Infloreszenzen auch nicht zu lang werden, ist eine Kultur im Topf ohne Probleme möglich. Im Gegensatz zu einigen anderen Coelogyne-Arten wird ein Umtopfen oder Teilen der Pflanze nicht mit dem Ausbleiben von Blüten bestraft. Wie oben schon erwähnt, ist Coelogyne celebensis wirklich unkompliziert und einfach in der Pflege.

Da die Wurzeln von  Coelogynen sehr empfindlich auf Salz reagieren können, verwendet Werner die Reste seines normal aufgedüngten Wassers und verdünnt dieses nochmals mit klarem Wasser. Der Leitwert liegt dann ungefähr bei 200 Mikrosiemens/cm.

Die Infloreszenzen erscheinen bereits zusammen mit dem Neutrieb. Gelegentlich muss durch das Entfernen der Hüllblätter ein wenig „Geburtshilfe“ geleistet werden, damit die Blüten nicht steckenbleiben. Nach Werners Erfahrung passiert das oft in Verbindung mit zu hohen Temperaturen.

Der markante Blütenduft und die lange Blühdauer machen Coelogyne celebensis zu einer wirklich interessanten Naturform, die keine zu hohen Pflegeansprüche stellt und daher auch gut für Anfänger geeignet ist. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Seitenansicht der Blüte (Foto: Werner Holzmann)
Coelogyne celebensis bringt die Inflorezenz zusammen mit dem wachsenden Neutrieb hervor (Foto: Werner Holzmann)

KW 12, 2020

Phalaenopsis Sogo Spot

Alles lesen Orchidee der Woche 12, 2020

Phalaenopsis Sogo Spot

Phalaenopsis Sogo Spot hat sehr große Blüten. (Foto: Jessy Delis)

Phalaenopsis Sogo Spot wurde am 17.10.1996 in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Die Elternpflanzen sind Phalaenopsis Super Stupid und Phalaenopsis gigantea. Da Phalaenopsis Super Stupid bereits eine höhere Hybride ist, an der etliche Naturfomen beteiligt sind, teilt sich der Genpool wie folgt auf:

  • 56,25% Phal. gigantea

    Die genauen Maße zeige ich euch hier. (Foto: Jessy Delis)
  • 15,62% Phal. lueddemanniana
  • 8,08% Phal. amabilis subsp. amabilis
  • 6,89% Phal. amabilis
  • 4,12% Phal. aphrodite
  • 2,34% Phal. hieroglyphica
  • 2,34% Phal. fasciata
  • 1,56% Phal. amboinensis
  • 0,95% Phal. schilleriana
  • 0,7% Phal. equestris
  • 0,3% Phal. sanderiana
  • 0,2% Phal. sumatrana
  • 0,15% Phal. stuartiana
  • 0,14% Phal. aphrodite subsp. formosana

Die natürlichen Lebensräume der beteiligten Naturformen erstrecken sich auf Vorder- und Hinterindien, Indonesien und die Philippinen. Phalaenopsen wachsen epiphytisch in eher schattigen Bereichen. Die Temperaturen an den Standorten liegen im warmen bis heißen Bereich.

Phalaenopsis Sogo Spot steht bei mir hell bis halbschattig und vor direkter Sonne geschützt in meinem Westfenster. Im Winter bekommt sie künstliches Zusatzlicht von 8 Uhr morgens bis 17 Uhr abends. Die künstliche Beleuchtung ist nicht zwingend notwendig, tut der Pflanze aber sichtlich gut. Wenn genügend Licht auf die Blüte fällt, duftet sie ganz leicht nach Zitrone. Dieser Duft ist sehr zart und nicht raumfüllend. Die Temperaturen liegen ganzjährig bei ungefähr 20 – 25 °C am Tag, nachts fallen sie auch im Winter nicht unter 18 °C.

Die Größe der Blüte liegt bei ca. 7 bis 7,5 cm. Die Grundfarbe ist weiß. Auf den Tepalen sind unzählige purpurfarbene Punkte. Daher auch der Name „Spot“, was man mit Punkt oder Fleck übersetzen kann.

Ihre großen Blätter hat sie von Phalaenopsis gigantea geerbt. Sie sind gigantisch und mit ein Grund, warum ich sie gekauft habe. Im Moment blüht sie zum ersten Mal bei mir und ich muss sagen, dass ich sie echt toll finde!

Sie sitzt in einem Topf mit 15 cm Durchmesser – eben gigantisch! Damit die Wurzeln Licht abbekommen, kultiviere ich sie ohne Übertopf in einem transparenten Topf. Ich benutze ein fertig gemischtes Substrat, das speziell für Phalaenopsis angeboten wird. Es besteht aus Sphagnum-Moos, grober Pinienrinde (15-25 mm) sowie allen für das Wachstum von Orchideen erforderlichen Nährstoffen und Spurenelementen. Der pH-Wert liegt bei 5,5-5,9.

Dünger gebe ich in der Wachstumsphase von März bis Oktober alle 14 Tage. In den übrigen Monaten dünge ich nicht. In den Sommermonaten besprühe ich das Substrat in etwa alle drei Tage, je nach Bedarf, durchdringend nass, im Winter lediglich einmal die Woche. Zwischendurch lasse ich das Substrat abtrocknen, um ein Faulen der Wurzeln zu vermeiden. Getaucht wird sie bei mir nicht.

Ich finde, dass man meiner Phalaenopsis Sogo Spot ihre guten Eltern ansieht. Beide Elternteile sind selektierte und bekannte Klone. Phal. Super Stupid „Carmela F2“ wurde mit Phalaenopsis gigantea „Big Boy“ gekreuzt. Ein wirklich überzeugendes Ergebnis!

Autorin: Jessy Delis

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Das Wurzelwachstum ist sehr gut. (Foto: Jessy Delis)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Jessy Delis)
Doppelblüte von Phalaenopsis Sogo Spot (Foto: Jessy Delis)
Das oben beschriebene Substrat, welches speziell für Phalaenopsis vertrieben wird (Foto: Jessy Delis)
Doppelblüte von Phalaenopsis Sogo Spot (Foto: Jessy Delis)
Und eine dritte Knospe öffnet sich bereits. (Foto: Jessy Delis)
Habitus von Phalaenopsis Sogo Spot (Foto: Jessy Delis)

KW 11, 2020

Vandachostylis Pinky

Alles lesen Orchidee der Woche 11, 2020

Vandachostylis Pinky

Ein fast komplett durchgefärbter Klon von Vandachostylis Pinky – lediglich am Ansatz der Tepalen schimmert die weiße Grundfarbe etwas durch. (Foto: Thomas Lehmann)

 

Am 11. Juli 1990 wurde die Hybride aus Vanda falcata und Rhynchostylis gigantea unter dem Namen Vandachostylis Pinky in das Register der Royal Horticultural Society eingetragen. Da Vanda falcata zum damaligen Zeitpunkt noch unter dem Synonym Neofinetia falcata geführt wurde, lautete der Name bei Registrierung Neostylis Pinky. Auch heute werden Pflanzen dieser Kreuzung noch häufig unter diesem Namen angeboten und kultiviert. Zur Registrierung angemeldet hatte diese wunderbare Kreuzung Mas. KOBAYASHI, über den ich leider keine weiteren Informationen herausfinden konnte.

Vanda falcata – ein Elternteil von Vandachostylis Pinky (Foto: Thomas Lehmann)

Vanda falcata hatten wir bereits vorgestellt. Beheimatet ist die Art in Japan, Korea und auf den Ryūkyū-Inseln. Sie kommt dort ausschließlich epiphytisch unter kalten bis kühlen Bedingungen vor. Die kleinen, monopodial wachsenden Pflanzen besiedeln meist laubabwerfende Bäume und haben somit schattige Sommer – im Winter sind sie dann der vollen Sonne ausgesetzt. V. falcata ist auch bekannt unter dem Namen »Windorchidee«, da sie extrem viel Luftbewegung und Frischluft braucht, auch damit die Wurzeln nach einem Regen (oder nach dem Gießen) schnell wieder abtrocknen können. In den Wintermonaten gibt es am Naturstandort so gut wie keine Niederschläge, sodass die Pflanzen eine trockene Ruhephase durchleben .

Rhynchostylis gigantea gibt 50% der Gene in den Genpool von Vandachostylis Pinky (Foto: Thomas Lehmann)

Der zweite Elternteil, Rhynchostylis gigantea, hingegen bevorzugt ausschließlich temperierte bis warme Standorte, die über den südlichen Teil des asiatischen Festlands und weite Gebiete der indonesischen Inseln verbreitet sind. Die mittelgroßen, ebenfalls monopodial wachsenden Epiphyten sind in Tieflandwäldern von Meereshöhe bis 700 Meter über dem Meeresspiegel anzutreffen. Da diese Wälder teilweise bis gänzlich laubabwerfend sind, fällt in den Sommermonaten wesentlich weniger Licht auf Rhynchostylis gigantea als in den Winermonaten. Wie bei Vanda falcata sind auch die Standorte von Rhynchostylis gigantea durch den Monsunregen im Sommer deutlich feuchter und regenreicher. Je nach Lage sind die Pflanzen der Art im Winter vollkommener Trockenheit oder sehr wenig Niederschlag ausgesetzt.

Vandachostylis Pinky bildet einen dünnen Stamm aus, der wechselständig von 10-15 cm langen, sehr festen Blättern umhüllt ist. Das Laub ist stark gekielt und läuft zum Ende hin sehr spitz zu. Ältere Pflanzen bilden oft Seitentriebe und können sich somit zu kleinen Büschen entwickeln. In den Blattachseln entspringt am Stamm die Infloreszenz, die insgesamt 15-20 cm lang wird und mehrere Blüten trägt, meist sind es acht bis zehn. Die Blütenfarbe variiert sehr stark. Während die Tepalen auch ganz weiß sein können, ist das Labellum immer violettrot gefärbt. Je heller die Tepalen sind, desto heller ist meistens auch die Lippe. Oft ist die gesamte Blüte mit einer auffälligen Musterung überzogen. Teilweise sind sie komplett dunkelviolett eingefärbt. Da beide Elternteile stark duften, verströmt natürlich auch Vandachostylis Pinky einen starken Duft, besonders am Nachmittag und in den frühen Abendstunden.

Die Kultur erfolgt wie bei Vandachostylis Charm, die ich euch bereits vorgestellt habe, und funktioniert auf der Fensterbank sehr gut.

Getopft habe ich meine Pflanze in mittelgroßer Rinde ohne weitere Zuschlagstoffe. Das Substrat sollte auf keinen Fall zu fein sein, damit die Wurzeln nach dem Wässern möglichst schnell abtrocknen können. Bleiben die Wurzeln zu lange feucht, oder gar nass, faulen sie, was den Tod der Pflanze bedeuten kann. Zu grob sollte man den Pflanzstoff allerdings auch nicht wählen, damit man in den heißen Sommermonaten nicht täglich gießen muss. Mittelgroße Rinde hat sich hierfür sehr gut bei mir bewährt. Nutzt man, wie ich, einen transparenten Topf, sieht man sehr gut, wann wieder gewässert werden sollte. Sobald alle Wassertropfen im Topfinneren verschwunden und die Wurzeln wieder silbrig sind, kann erneut Wasser gegeben werden. Ich persönlich bevorzuge zu tauchen, da sich die Wurzeln dann einmal richtig schön mit Wasser vollsaugen können. In den kühlen Wintermonaten Dezember bis Februar gibt es nur alle paar Wochen Wasser, da ich meine Pflanze zu dieser Zeit sehr kühl stehen habe. Die nächtlichen Temperaturen fallen dann auf 8-10 Grad ab. Während dieser Zeit tauche ich nicht, sondern gieße nur durchdringend. Sobald der Blütentrieb, der meist im späten Sommer schon angesetzt wird, zu wachsen beginnt, stelle ich meine Pflanze etwas wärmer und wässere auch wieder mehr. Wer ein Gewächshaus besitzt, kann Vandachostylis Pinky natürlich auch aufgebunden kultivieren.

Da die Elternteile in völlig unterschiedlichen Temperaturbereichen heimisch sind, ist die Hybride natürlich sehr anpassungsfähig. Man kann sie im Winter auch etwas wärmer kultivieren, als ich es tue. Wichtig ist dann nur, dass auch etwas mehr Wasser gegeben wird. So feucht wie über die Sommermonate sollte sie aber nicht kultiviert werden. Zumindest eine kurze Trockenphase mit weniger Wasser sollte Vandachostylis Pinky in jedem Fall haben. Die hohen Temperaturen im Sommer verträgt sie absolut problemlos.

Im Sommer kann man die Hybride auch sehr gut an einem schattigen Platz im Freien pflegen. Besonders die intensive Mittagssonne sollte aber nicht direkt auf die Blätter fallen, da diese sonst verbrennen. Ich selbst habe inzwischen zu viele Pflanzen, um alle im Sommer rauszubringen. Deshalb kultiviere ich Vandachostylis Pinky an einem schattierten Fenster, das nach Süden ausgerichtet ist. Dort ist es sehr hell, aber eben ohne direkte Sonneneinstrahlung. Das kühlere Winterquartier hat ein sehr großes – und somit ebenfalls sehr helles – Westfenster. Im Winter wird auch nicht schattiert. Da die Sonne tiefer steht und weiter entfernt ist, verbrennen die Blätter dabei nicht.

Gedüngt wird während der Sommermonate alle 14 Tage. Mein Düngerwasser hat dann einen Leitwert von ungefähr 300-400 Mikrosiemens/cm. Während der kühlen Jahreszeit gibt es gar keinen Dünger, da Vandachostylis Pinky hier ja ohnehin recht trocken gehalten wird.

Da die Hybride sehr variabel ist, kann man von Vandachostylis Pinky auch mehr als eine Pflanze in seine Sammlung aufnehmen, wenn ihr mich fragt. Ich werde mir bei Gelegenheit definitiv noch ein oder zwei Pflänzchen zulegen… Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Vandachostylis Pinky mit minimaler Zeichnung auf den Tepalen – das Labellum ist aber farbig. (Foto: Gregor Kleefeld)
Ein sehr dunkler Klon, der an den unteren Sepalen nicht ganz durchgefärbt ist (Foto: Gregor Kleefeld)
Vandachostylis Pinky mit feinen, unregelmäßigen Punkten (Foto: Claudia Bürgsteiner)
Habitus von Vandachostylis Pinky (Foto: Thomas Lehmann)
Profilansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Vandachostylis Pinky ‚Zsuzsa‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Blick in die Blüten (Foto: Thomas Lehmann)
Die Infloreszenz eines sehr hellen Klons (Foto: Gregor Kleefeld)
Infloreszenz eines sehr dunklen Klons (Foto: Thomas Lehmann)
Vandachostylis Pinky mit deutlicher Zeichnung (Foto: Werner Holzmann)

KW 10, 2020

Dryadella zebrina

Alles lesen Orchidee der Woche 10, 2020

Dryadella zebrina

Dryadella zebrina (Foto: Werner Holzmann)

Der österreichische Biologe Otto PORSCH beschrieb die Art erstmalig in einem Beitrag von „Oesterreichische Botanische Zeitschrift. Gemeinnütziges Organ für Botanik …“ aus dem Jahr 1905. Der damals im Beitrag veröffentlichte Name lautete noch Masdevallia zebrina, was aufgrund der großen Ähnlichkeit zu anderen Arten aus der Gattung nahelag. Der erst kürzlich verstorbene amerikanische Botaniker Carlyle August LUER – ein weltweit anerkannter Spezialist für Pleurothallidinae – begründete im Jahr 1978 in  „Selbyana“ die Gattung Dryadella und kombinierte Masdevallia zebrina in diese neue Gattung um. Bis heute ist Dryadella zebrina laut der WCSP (World Checklist of Selected Plant Families) der offizielle Name. Wie bereits bei der vorgestellten Dryadella aurea erwähnt, leitet sich der Gattungsname vom lateinischen Wort Dryas ab. Dryaden sind Baumnymphen, die ihren Ursprung in der griechischen Mythologie haben, wo sie als Gottheiten mit Sitz in großen sommergrünen Eichen angesehen wurden. Die Endung -ella ist das Diminutiv, also eine Verniedlichung dieser Baumnymphen. Während Dryadella aurea per Übersetzung die kleinen goldenen Baumnymphen sind, kann man Dryadella zebrina mit „kleine gestreifte Baumnymphen“ übersetzen. Zebrina leitet sich tatsächlich von der Musterung der Zebras ab, die schon seit dem 16. Jahrhundert unter diesem Namen in Europa bekannt waren.

Dryadella aurea (mittig) mit der rotlaubigen Dryadella zebrina (rechts) (Foto: Werner Holzmann)

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Dryadella zebrina erstreckt sich von Brasilien über Bolivien bis nach Peru. Die Art wächst dort auf Höhen von 1500 – 3400 Metern über dem Meeresspiegel unter kühlen, selten auch temperierten Bedingungen. Vom späten Frühjahr bis in den frühen Herbst hinein gibt es deutlich weniger Niederschlag in Form von Regen, was zu einer kleinen Trockenphase führt. Wobei die starken Nebel, die besonders am Nachmittag heraufziehen, dafür sorgen, dass das Habitat niemals völlig austrocknet. Die kleinen und empfindlichen Epiphythen werden vom Laub der großen Bäume, auf denen sie sitzen, vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt.

Wie die meisten Pflanzen der Pleurothallidinae hat Dryadella zebrina keine Speicherorgane. An einem kurzen und dünnen Stiel sitzt ein einzelnes festes Blatt. Der Stiel ist nur einen Zentimeter lang und von einer trockenen Hülle umgeben. Das Blatt ist dunkelgrün und verfärbt sich bei genügend Licht stark rötlich. Es ist stark gekielt, hat eine abgerundete Spitze und wird bis zu 5 cm lang. Am unteren Ende des Stiels, geschützt von der trockenen Hülle, entspringt die Infloreszenz, die nur 1-2 cm lang wird und eine einzelne leuchtend gelbe Blüte trägt, die mit einer auffallenden rotbraunen Zeichnung versehen ist. Die Sepalen dominieren das Erscheinungsbild der Blüten. Die Petalen und das Labellum sitzen im Schlund der Blüte und werden zusammen mit den Geschlechtsteilen vom darüberliegenden Sepalum geschützt. Die Blüten von Dryadella zebrina sind deutlich größer als die von Dryadella aurea.

Kultivieren lässt sich Dryadella zebrina zwar auch getopft in feiner Rinde, Sphagnum-Moos oder auch mineralisch, wesentlich einfacher ist aber eine aufgebundene Kultur in einer Vitrine oder einem Gewächshaus. Im Folgenden stelle ich euch die Kulturmethode von Werner Holzmann vor, der die Art zusammen mit „der goldenen Schwester“ seit einigen Jahren erfolgreich in einer Orchideenvitrine pflegt:

Wie oben schon erwähnt, besitzt Dryadella zebrina keine Speicherorgane und muss somit dauerfeucht gehalten werden. Auch hohe Luftfeuchtigkeit wirkt sich sehr positiv auf Wachstum und Blühfreudigkeit aus. Aus diesem Grund kultiviert Werner Holzmann seine Pflanze in seiner Orchideenvitrine, in der hohe Luftfeuchtigkeit leichter zu erreichen ist. Er besprüht die kleine Pflanze täglich mit salzarmem Wasser. Mehrmals täglich laufen kleine Ventilatoren, die dafür sorgen, dass die Blätter abtrockenen können und nicht zu faulen beginnen. Alle vier Wochen gibt es etwas Dünger mit ins Wasser. Der Leitwert des Düngerwassers liegt bei 150-200 Mikrosiemens/cm.

Natürliches Tageslicht erhalten die Pflanzen in seinem Orchidarium nicht. Er beleuchtet ausschließlich mit Kunstlicht.  Derzeit nutzt er dafür noch eine Leuchtstoffröhre, die speziell auf die Kultur von Pflanzen ausgelegt ist. Aufgrund des Stromverbrauchs und des Umweltschutzes ist eine Umstellung auf LED-Lampen geplant. Ein weiterer Vorteil von LED-Lampen ist, dass sie kaum Temperatur erzeugen, was bei kühler zu kultivierenden Pflanzen natürlich deutlich besser ist. Leuchtstoffröhren können sehr heiß werden und je nach Anbringung die Vitrine stark aufheizen. Die Temperaturbedingungen in der Vitrine sind kühl-temperiert, da sie in einem unbeheizten Raum steht, in dem das Fenster nur bei Frost geschlossen wird. Im Sommer wird es natürich auch mal etwas wärmer, was den Pflanzen aber nicht schadet.

Als Unterlage zum Aufbinden nimmt Werner Holzmann sehr gerne Presskork. Dieser mag vielleicht nicht so langlebig sein, da er sich durch die andauernde Feuchtigkeit schnell zersetzt, dafür lässt er sich aber ganz einfach zerbröseln, wenn es an der Zeit ist, die Pflanze neu aufzubinden. Früher oder später muss jede Unterlage ausgetauscht werden. Bei harten Materialien, die sich nicht zersetzen, hat man dann immer das Problem, dass man die Wurzeln nicht davon ablösen kann, ohne sie zu verletzten oder gar abzureißen.

Allein schon wegen ihrer märchenhaften Namensgebung muss ich mir unbedingt eine kleine Baumnymphe zulegen. Golden oder gestreift? Wofür würdet ihr euch entscheiden? Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Habitus von Dryadella zebrina (Foto: Werner Holzmann)
Dryadella zebrina (Foto: Werner Holzmann)

KW 09, 2020

Cattleya xanthina

Alles lesen Orchidee der Woche 09, 2020

Cattleya xanthina

Cattleya xanthina (Foto: Werner Holzmann)

John LINDLEY, Vater der modernen Orchideenkunde, beschrieb im Jahr 1859 die Art erstmalig als Laelia xanthina in „Botanical Magazine; or, Flower-Garden Displayed … London“. Bis heute finden sich Pflanzen unter diesem Namen bei Orchideenzüchtern und -liebhabern in Kultur, obwohl der heute gültige Name laut World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) seit 2008 Cattleya xanthina lautet. Aufgrund von Genanalysen überführte der brasilianische Botaniker Cássio van den BERG in „Neodiversity. A journal of neotropical biodiversity“ die Gattung Laelia  in die Gattung Cattleya. In den 150 Jahren dazwischen gab es einige Umkombinationen in andere Gattungen, die ich hier nicht alle einzeln aufführen möchte. Die meisten davon finden in der aktuellen Literatur ohnehin keine Verwendung. Der Artname xanthina leitet sich vom griechischen Wort xanthós ( ξάνθος) ab, das mit gelb übersetzt werden kann. Wegen der leuchtend gelben Blüten ein wirklich passender Name für diese Naturform.

Habitus von Cattleya xanthina (Foto: Werner Holzmann)

Cattleya xanthina ist heimisch in Brasilien. Die mittelgroße Art wächst dort epiphytisch unter kühlen bis warmen Bedingungen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, sodass das Habitat niemals völlig austrocknet. Die Standorte sind immer sehr hell und lichtdurchflutet, allerdings findet man nur selten Individuen, die dem vollen Sonnenlicht ausgesetzt sind.

Auf den leicht gerippten Pseudobulben, die Cattleya xanthina ausbildet, sitzt jeweils ein einzelnes längliches Blatt mit abgerundeter Spitze. Das Laub hat einen leicht bläulichen Schimmer und ist sehr fest. Am Blattansatz erscheint nach dem Ausreifen der Pseudobulben die Blütenscheide, aus der die Infloreszenz entspringt. Der bis zu 25 cm lange Blütentrieb trägt zwei bis sechs Blüten, die in Haltung und Färbung leicht variieren können. Nur selten öffnen sich die Blüten vollständig. Die Farbe der Tepalen reicht von grüngelb über orangegelb bis zitronengelb. Die Tepalen rollen sich an der langen Seite mal mehr und mal weniger nach hinten. Das Labellum variiert noch stärker in der Farbe. Während es bei manchen Pflanzen unauffällig gelb und weiß gefärbt und lediglich ein wenig magenta gezeichnet ist, gibt es auch Pflanzen mit leuchtend magentafarbenem Vorderlappen. Die Seitenlappen sind röhrenförmig nach oben gerollt. Die Blüten von Cattleya xanthina können duften.

Seitenansicht der Blüte von Cattleya xanthina (Foto: Werner Holzmann)

Im Folgenden beschreibe ich die Kultur von Werner Holzmann, der zwei blühfähige Pflanzen der Art seit Jahren erfolgreich pflegt. Inwzischen hat er sich noch eine dritte, eine Jungpflanze, angeschafft, da er unbedingt eine mit leuchtend roter Lippe haben möchte.

Wie viele seiner Orchideen steht auch Cattleya xanthina bei Werner ganzjährig an einem großen Fenster mit südlicher Ausrichtung. In den Sommermonaten sorgt ein überstehender Balkon dafür, dass die pralle Mittagssonne nicht auf die Orchideen fällt. Der große Lichthunger von Cattleya-Arten kann dort dennoch gut gestillt werden. Die tiefstehende Sonne im Winter darf unschattiert auf die Pflanzen fallen.

Als Pflanzstoff nutzt er Rinde in mittelgroßer Körnung. Zu fein sollte sie nicht sein, damit genug Luft an die Wurzeln kommen kann. Ist dies nicht der Fall, bleibt das Substrat, und somit auch die Wurzeln, zu lange nass und es kann zu Fäulnis kommen, was oft den Tod der Pflanze bedeutet. Wählt man zu grobe Rindenstücke, trocknen diese zu schnell ab und ein dauerhaftes Feuchthalten wird besonders in den heißen Sommermonaten nur schwer zu erreichen sein. Auch eine Kultur in mineralischem Substrat, wie ich es erst kürzlich bei Cattlianthe Japanese Beauty vorgestellt habe, sollte erfolgreich sein. Wer ein Gewächshaus besitzt, kann Cattleya xanthina auch aufgebunden kultivieren. Im beheizten Wohnraum mit geringerer Luftfeuchtigkeit ist eine aufgebundene Kultur allerdings nur mit extrem hohem Arbeitsaufwand möglich.

Gewässert wird bei Werner in der Regel einmal wöchentlich mit Osmosewasser. Im Hochsommer darf es ruhig ein wenig öfter sein. Gelegentlich, besonders nach der Blütezeit im Herbst, lässt er das Substrat komplett durchtrocknen. Im Oktober/November erscheinen dann die Neutriebe. Ab dem Zeitpunkt sollte der Pflanzstoff immer feucht sein und nicht allzu oft austrocknen. Auch an Dünger sollte während der Wachstumsphase nicht gespart werden. Monatlich gibt er seiner Cattleya xanthina aufgedüngtes Osmosewasser, das einen Leitwert von 500-600 Mikrosiemens/cm hat. Möglich ist auch das amerikanische Düngesystem, bei dem mit jedem Wässern ein wenig Dünger gegeben wird, anstatt nur alle paar Wochen eine hohe Dosis. Wichtig ist nur, dass die Pflanzen während des Wachstums keinen Hunger leiden. Kleinbleibende Triebe, die nicht zur Blüte kommen, wären die Folge.

Da der Kulturraum gleichzeitig ein Wohnraum ist, ist es dort nicht besonders kühl. Werner gibt seinen Temperaturbereich als temperiert an. Cattleya xanthina sollte aber auch bei etwas kühleren Bedingungen während der Wintermonate gut wachsen. Im Sommer wird es natürlich auch mal richtig heiß am Südfenster.

Jedes Jahr, pünktlich im August, kommen die Pflanzen von Werner zur Blüte und leuchten in strahlendem Gelb mit der Sonne um die Wette. Ich schätze, ich werde mir auch eine zulegen müssen, wenn mir eine über den Weg läuft… Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Cattleya xanthina (Foto: Werner Holzmann)
Cattleya xanthina – Seitenansicht (Foto: Werner Holzmann)
Cattleya xanthina – Habitus (Foto: Werner Holzmann)

KW 08, 2020

Phragmipedium Windsor Castle

Alles lesen Orchidee der Woche 08, 2020

Phragmipedium Windsor Castle

Phragmipedim Windsor Castle ‚Rotkäppchen‘ SM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)

Phragmipedium Windsor Castle wurde von Orchids Ltd. aus Plymouth/Minnesota, USA, bei der Royal Horticultural Society (RHS) zur Registrierung angemeldet und am 18. Oktober 2005 in das Register eingetragen. Eigentümer der  Orchideengärtnerei ist der Phragmipedium-Experte Jerry Lee Fischer. Robert-Jan Quené, ein damaliger Mitarbeiter, hatte einige Jahre zuvor eine Blüte von Phragmipedium Elizabeth Castle ‚Glamis‘ AM/AOS mit dem Pollen von Phragmipedium besseae ‚Rob’s Choice‘ AM/AOS bestäubt in der Hoffnung auf eine leuchtend rote Hybride mit guter Haltung. Der Plan ging voll auf und eine der – meiner Meinung nach – schönsten Phragmipedium-Hybriden entstand, die dazu noch extrem unkompliziert und blühfreudig ist. Bereits die erste Pflanze aus der Aussaat, die bei Orchids Ltd. zur Blüte kam und mit der die Registrierung erfolgte, erhielt eine Auszeichnung der American Orchid Society, bei den hervorragenden Eltern natürlich nicht verwunderlich. Ein Foto des Klons findet ihr weiter unten im Beitrag. Schloss Windsor – eine der drei Hauptresidenzen der britischen Königsfamilie – wurde von Robert-Jan Quené als Namensgeber ausgewählt, da er kurz vor der Registrierung in England war und das Schloss besichtigte – in dem sich zu dieser Zeit auch die Queen aufhielt. Da der Elternteil Elizabeth Castle bereits nach einem Schloss benannt worden war, fand er es passend, auch die „Tochter“ nach einem zu benennen.

Phragmipedium sargentianum – mit 12,5% am Genpool beteiligt (Foto: D.O.G.-Archiv)

Der Genpool von Phragmipedium Windsor Castle teilt sich wie folgt auf:

 

Phragmipedium besseae aus Peru (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium besseae wurde von Calaway H. DODSON & Janet KUHN 1981 in AOS Bulletin 50: 1308-1310, als neue Art beschrieben. Es ist sowohl in Peru als auch in Ecuador beheimatet und variiert je nach Standort leicht in Farbe und Form. Das Klima am Standort bietet recht konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad ganzjährig. Niederschläge gibt es auch ganzjährig, wobei sie von März bis September erheblich häufiger sind. Bis November lassen sie dann deutlich nach und nehmen bis März wieder langsam zu. Phrag. besseae wächst terrestrisch zwischen dauerfeuchtem Moos, Gräsern und Farnen, aber auch lithophytisch auf steil abfallenden, feuchten Felsen.

Phragmipedium schlimii (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium schlimii wurde 1854 erstmals als Selenipedium schlimii von LINDEN & REICHENBACH f. beschrieben. Benannt wurde Phrag. schlimii nach seinem Entdecker Louis Joseph SCHLIM, dem Halbbruder LINDENs. Nachdem BATEMAN 1866 diese Art als Cypripedium schlimii eingestuft hatte, erfolgte die endgültige Klassifizierung als Phragmipedium schlimii durch ROLFE im Jahre 1896. Beheimatet ist diese Naturform in Kolumbien und wächst dort in Höhenlagen von 1200 -1900 Metern in immerfeuchten Humus- und Moosnestern auf Granitfelsen und offenliegenden Baumwurzeln, oft zwischen hohen Gräsern. Die meisten bekannten Standorte sind halbschattig. Das Klima bietet Temperaturen von 8 Grad nachts bis 25 Grad tagsüber. Die ganzjährigen Regenfälle nehmen im Frühjahr und Herbst etwas zu.

Phragmipedium sargentianum wurde ursprünglich im Jahr 1893 als Selenipedium sargentianum von Robert Allen ROLFE beschrieben. Drei Jahre später gründete er selbst die Gattung Phragmipedium und kombinierte die Art, wie auch das oben genannte Phragmipedium schlimii, in diese um. Die Pflanzen sind heimisch im Nordosten Brasiliens und wachsen dort auf Höhen von 400-1500 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturen liegen im Jahresdurchschnitt bei 22 Grad, in den Winternächten besonders in höheren Lagen lediglich bei 10-12 Grad. In den Sommermonaten erreichen sie auch die 30-Grad-Marke. Die Standorte sind helle, meist ostseitige Abhänge. Einige Individuen siedeln in exponierten Lagen mit vollem Sonnenlicht. In der Regel wachsen die Pflanzen aber halbschattig. In der näheren Umgebung finden sich immer kleine Flussläufe oder Bäche. Niederschläge gibt es auch dort ganzjährig.

Phragmipedium Windsor Castle bleibt durch den hohen besseae– und schlimii-Anteil recht kompakt und eignet sich deswegen hervorragend für eine Kultur auf der Fensterbank. An den Infloreszenzen erscheinen hintereinander vielzählige leuchtend rote Blüten, die sehr lange halten. Daher erstreckt sich die Blühdauer oft über mehrere Monate. Außerdem ist die Hybride sehr unkompliziert zu kultiveren und blüht mindestens einmal im Jahr ohne großen Aufwand.

Da alle beteiligten Naturformen in sehr feuchten bis nassen Gebieten vorkommen, kann Phragmipedium Windsor Castle sehr gut mit nassem Fuß kultiviert werden. Meine Pflanze steht in einer Schale, die immer mit etwas Wasser gefüllt wird, sobald sie leer gesaugt ist. Zwischenzeitliches Austrocknen der Schale verhindert eine Verkeimung des Wassers, wodurch sich die Pflanze infizieren könnte. Das Substrat selbst sollte aber nicht komplett durchtrocknen. Phragmipedien haben den Ruf sehr salzempfindlich zu sein, was für einige Naturformen auch durchaus zutreffend ist. Ich habe in den letzten 10 Jahren  meiner Phragmipedium-Kultur aber die Erfahrung gemacht, dass einige Arten und besonders Hybriden nicht generell empfindlich auf gelöste Salze im Wasser reagieren. Vielmehr kommt es offenbar darauf an, wie die Wasserqualität ist und welche Stoffe sich in welchem Verhältnis darin befinden. Reines Wasser – egal ob Regenwasser, Quellwasser, Osmosewasser oder ähnliches – das mit einem ausgewogenen Orchideendünger aufgedüngt wird, darf dann auch ruhig etwas mehr Nährstoffe enthalten. Mein Phrag. Windsor Castle bekommt in den warmen und hellen Sommermonaten teilweise aufgedüngtes Wasser, das einen Leitwert von 350 – 500 Mikrosiemens hat. Im Winter dünge ich allerdings nicht. Da gibt es klares Quellwasser mit wenig gelösten Salzen. Ab März steigere ich die Düngergaben langsam, bis sie im Juli/August ihren Höhepunkt erreichen. Danach wird langsam wieder weniger gedüngt. Ab Oktober dann gar nicht mehr. Den Sommer über lagern sich genügend Düngerreste im Substrat an, die die Pflanze im Winter mit Nährstoffen versorgen.

Mein Standard-Pflanzstoff für Phragmipedium besteht aus einer Mischung mit Rindenanteil, Perliten, Bimskies und Holzkohle. Rinde hat den Nachteil, dass sie sich durch die ständige Feuchtigkeit recht schnell zersetzt. Allerdings werden bei diesem Zersetzungsprozess auch Nährstoffe frei. Nach drei, spätestens vier Jahren sollte dann aber neu getopft werden, bevor sich das Substrat zu sehr verdichtet und die Wurzeln faulen. Die einzelnen Substratteile sollten nicht zu fein sein, damit genug Luft an die Wurzeln kommt. Bewährt hat sich bei mir eine Körnung von acht bis zwölf Millimeter für die meisten Phragmipedien wie zum Beispiel Windsor Castle. Perlite gebe ich mit dazu, weil sie einerseits das Substrat luftig machen und andererseits gut Wasser speichern können. Bimskies gibt etwas Kalk ab und hat ebenfalls die Fähigkeit, Wasser zu speichern und weiterzuleiten. Um in dem feuchten Substrat für etwas trockenere Stellen zu sorgen, nutze ich Holzkohle, die sich nicht mit Wasser vollsaugt und dadurch trockener bleibt. Die Körnung aller Bestandteile sollte nicht zu fein, aber auch nicht zu grob sein, je nach Topfgröße Körnungen von 5 bis 18 mm. Auch in rein mineralischen Substraten, in Sphagnum-Moos oder Steinwollwürfeln fühlt sich Phragmipedium Windsor Castle wohl. Ich habe schon einiges ausprobiert und die Erfahrung gemacht, dass es nur wichtig ist, dass viel Wasser vom Substrat aufgenommen und gehalten werden kann. Zwei- bis dreimal im Jahr gebe ich etwas Hüttenkalk auf das Substrat und gieße diesen etwas ein. Hüttenkalk ist ein pulverisierter, kohlensaurer Kalk, der zum einen den PH-Wert reguliert und zum anderen Kalk freisetzt, der von den meisten Phragmipedien benötigt wird.

Phragmipedium Windsor Castle mag es hell, aber keine direkte Mittagssonne. Die Blätter verbrennen innerhalb von wenigen Stunden, wenn sie der vollen Sonne ausgesetzt sind. Sonnenschein am Morgen oder Abend wird aber gut vertragen, wenn er nicht zu lange auf die Blätter brennt. Werden diese gelblich, muss unbedingt schattiert oder die Pflanze umgestellt werden. Das gelbliche Ausbleichen des Laubs ist der erste Indikatior für zu viel Licht. Nachts können die Temperaturen auf 10 Grad fallen, müssen sie aber nicht. Meine Pflanze hat in den Wintermonaten immer mindestens 15 Grad nachts. Meist sogar 16-18 Grad. Phragmipedium Windsor Castle wächst sehr gut bei normalen Zimmertemperaturen – auch in beheizten Räumen mit etwas trockener Luft, wenn regelmäßig gelüftet wird. Bei zu wenig Frischluft oder Luftbewegung können sich Pilze bilden, die die Pflanze sehr schwächen und im Extremfall auch töten können, wenn nicht mit einem Pilzmittel behandelt wird.

Durch die kompakte Größe und das leuchtende Rot der haarigen Blüten ist Phragmipedium Windsor Castle ein echter Hingucker. Die Hybride ist einfach zu kultivieren und auch für Anfänger gut geeignet. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

Thank you so much, Mr. Robert-Jan Quené, for all the informations and the picture of your fantastic breeding!

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Phragmipedium Windsor Castle ‚Windsor Red‘ AM/AOS war die erste Pflanze der Hybride die bei Orchids Ltd. erblühte (Foto: Robert-Jan Quené)
Phragmipedium Windsor Castle ‚Franz‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipdedium Windsor Castle ‚Maria‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die frisch geöffnete Blüte hat eher ein kühleres Rot – mit der Zeit wird der Farbton wärmer (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Windsor Castle ‚Rotkäppchen‘ (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Windsor Castle ‚Rotkäppchen‘ (Foto: Thomas Lehmann)
Habitus von Phragmipedium Windsor Castle (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Windsor Castle ‚Rotkäppchen‘ (Foto: Thomas Lehmann)