Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

KW 13, 2020

Coelogyne celebensis

Alles lesen Orchidee der Woche 13, 2020

Coelogyne celebensis

Coelogyne celebensis (Foto: Werner Holzmann)

Die Erstbeschreibung dieser Art wurde 1917 in „Bulletin du Jardin Botanique de Buitenzorg. Buitenzorg [Bogor]“  von Johannes Jacobus SMITH (1867-1947) publiziert. Der gebürtige Belgier, der in den Niederlanden aufwuchs, war Gärtner und Botaniker. Er arbeitete unter anderem in den Kew Gardens und im Botanischen Garten Buitenzorg auf Java und hat Tausende Naturformen erstmalig beschrieben oder umgruppiert.

Coelogyne celebensis ist heimisch auf der indonesischen Insel Sulawesi, die früher Celebes hieß. Dort findet man die Art von Meereshöhe bis auf 1000 Meter über dem Meeresspiegel epiphytisch wachsend in den Wäldern entlang der Straßen. An den niedrig gelegenen Standorten auf Meereshöhe liegen die Temperaturen ganzjährig sehr hoch. Die Nächte kühlen nur sehr selten auf unter 20 Grad ab. Tagsüber klettern die Temperaturen auf 30 Grad im Schnitt. In den höheren Lagen können die Nächte in den Wintermonaten aber auch unter 15 Grad fallen. Während der besonders warmen Sommermonate nimmt die Regenhäufigkeit deutlich ab. Durch die hohe Luftfeuchigkeit und gelegentliche Regenfälle trocknet das Habitat aber nur kurzzeitig an. Völlig trocken ist es nie. Durch das Blätterdach der immergrünen Bäume, auf denen Coelogyne celebensis sitzt, ist sie vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt.

Habitus von Coelogyne celebensis (Foto: Werner Holzmann)

Die Art kann recht groß werden und bildet im Abstand von ca. 2,5 cm zylindrische Pseudubulben aus, auf denen jeweils ein langes, fächerartiges Blatt sitzt. Das gestielte Laub läuft spitz zu und glänzt im Wachstum deutlich stärker als in ausgewachsenem Zustand. Im späten Winter und zeitigen Frühjar entstehen die Neutriebe, die bereits mit 5-10 cm Größe die Infloreszenz ausbilden. Diese sitzt am oberen Ende der Pseudubulbe und kann bis zu 40 Zentimeter lang werden. Die Blütentriebe wachsen leicht überhängend und bilden aufeinanderfolgend zahlreiche Knospen aus, die jeweils einzeln zur Blüte kommen. Dadurch erstreckt sich die Blütezeit über einen sehr langen Zeitraum. Die Tepalen der Blüte sind gelbgrün gefärbt. Das dorsale Sepalum neigt sich nach vorne, um das gelblich bis rotbraun überhauchte Labellum samt Geschlechtsteilen und Säule zu schützen. Die Petalen dagegen klappen förmlich nach hinten.

Laut der Aussage von Werner Holzmann, der Coelogyne celebensis seit einigen Jahren zusammen mit Coelogyne speciosa kultiviert, sind diese beiden Arten die unkompliziertesten Coelogynen und für die Kultur auf der Fensterbank bestens geeignet. Im Folgenden beschreibe ich euch seine Kulturerfahrungen:

Werner Holzmann kultiviert die Art unter kühl-temperierten Bedingungen. Seine Pflanze steht ganzjährig auf einem Tisch, der ca. 50 cm von einem großen Ostfenster entfernt ist. Das Fenster ist immer geöffnet, nur wenn die nächtlichen Temperaturen unter -2 Grad fallen, wird es nachts geschlossen. Dadurch entsteht ein recht großes Tag/Nacht-Temperaturgefälle  – im Sommer wie im Winter. Der Standort ist zwar sehr hell, aber nur sehr selten fallen am Morgen Sonnenstrahlen direkt auf die Pflanze.  Im Sommer kann Coelogyne celebensis auch im Freien kultiveirt werden, wenn man ein schattiges Plätzchen bieten kann.

Als Substrat nutzt Werner gut durchlässige, nicht zu feine Rinde ohne weitere Zusatzstoffe. Gegossen wird ganzjährig ohne ausgeprägte Trockenzeit, im Winter jedoch seltener, da der Pflanzstoff wegen der niedrigeren Temperaturen länger braucht, bis er antrocknet. Staunässe über einen längeren Zeitraum – besonders in Verbindung mit Kühle oder gar Kälte – kann zu Fäulnis führen, was den Tod der Pflanze bedeuten würde. Aus diesem Grund lässt Werner das Substrat zwar antrocknen, aber niemals ganz austrocknen. Da die Pflanzen recht kompakt bleiben und die überhängenden Infloreszenzen auch nicht zu lang werden, ist eine Kultur im Topf ohne Probleme möglich. Im Gegensatz zu einigen anderen Coelogyne-Arten wird ein Umtopfen oder Teilen der Pflanze nicht mit dem Ausbleiben von Blüten bestraft. Wie oben schon erwähnt, ist Coelogyne celebensis wirklich unkompliziert und einfach in der Pflege.

Da die Wurzeln von  Coelogynen sehr empfindlich auf Salz reagieren können, verwendet Werner die Reste seines normal aufgedüngten Wassers und verdünnt dieses nochmals mit klarem Wasser. Der Leitwert liegt dann ungefähr bei 200 Mikrosiemens/cm.

Die Infloreszenzen erscheinen bereits zusammen mit dem Neutrieb. Gelegentlich muss durch das Entfernen der Hüllblätter ein wenig „Geburtshilfe“ geleistet werden, damit die Blüten nicht steckenbleiben. Nach Werners Erfahrung passiert das oft in Verbindung mit zu hohen Temperaturen.

Der markante Blütenduft und die lange Blühdauer machen Coelogyne celebensis zu einer wirklich interessanten Naturform, die keine zu hohen Pflegeansprüche stellt und daher auch gut für Anfänger geeignet ist. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Seitenansicht der Blüte (Foto: Werner Holzmann)
Coelogyne celebensis bringt die Inflorezenz zusammen mit dem wachsenden Neutrieb hervor (Foto: Werner Holzmann)

KW 12, 2020

Phalaenopsis Sogo Spot

Alles lesen Orchidee der Woche 12, 2020

Phalaenopsis Sogo Spot

Phalaenopsis Sogo Spot hat sehr große Blüten. (Foto: Jessy Delis)

Phalaenopsis Sogo Spot wurde am 17.10.1996 in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Die Elternpflanzen sind Phalaenopsis Super Stupid und Phalaenopsis gigantea. Da Phalaenopsis Super Stupid bereits eine höhere Hybride ist, an der etliche Naturfomen beteiligt sind, teilt sich der Genpool wie folgt auf:

  • 56,25% Phal. gigantea

    Die genauen Maße zeige ich euch hier. (Foto: Jessy Delis)
  • 15,62% Phal. lueddemanniana
  • 8,08% Phal. amabilis subsp. amabilis
  • 6,89% Phal. amabilis
  • 4,12% Phal. aphrodite
  • 2,34% Phal. hieroglyphica
  • 2,34% Phal. fasciata
  • 1,56% Phal. amboinensis
  • 0,95% Phal. schilleriana
  • 0,7% Phal. equestris
  • 0,3% Phal. sanderiana
  • 0,2% Phal. sumatrana
  • 0,15% Phal. stuartiana
  • 0,14% Phal. aphrodite subsp. formosana

Die natürlichen Lebensräume der beteiligten Naturformen erstrecken sich auf Vorder- und Hinterindien, Indonesien und die Philippinen. Phalaenopsen wachsen epiphytisch in eher schattigen Bereichen. Die Temperaturen an den Standorten liegen im warmen bis heißen Bereich.

Phalaenopsis Sogo Spot steht bei mir hell bis halbschattig und vor direkter Sonne geschützt in meinem Westfenster. Im Winter bekommt sie künstliches Zusatzlicht von 8 Uhr morgens bis 17 Uhr abends. Die künstliche Beleuchtung ist nicht zwingend notwendig, tut der Pflanze aber sichtlich gut. Wenn genügend Licht auf die Blüte fällt, duftet sie ganz leicht nach Zitrone. Dieser Duft ist sehr zart und nicht raumfüllend. Die Temperaturen liegen ganzjährig bei ungefähr 20 – 25 °C am Tag, nachts fallen sie auch im Winter nicht unter 18 °C.

Die Größe der Blüte liegt bei ca. 7 bis 7,5 cm. Die Grundfarbe ist weiß. Auf den Tepalen sind unzählige purpurfarbene Punkte. Daher auch der Name „Spot“, was man mit Punkt oder Fleck übersetzen kann.

Ihre großen Blätter hat sie von Phalaenopsis gigantea geerbt. Sie sind gigantisch und mit ein Grund, warum ich sie gekauft habe. Im Moment blüht sie zum ersten Mal bei mir und ich muss sagen, dass ich sie echt toll finde!

Sie sitzt in einem Topf mit 15 cm Durchmesser – eben gigantisch! Damit die Wurzeln Licht abbekommen, kultiviere ich sie ohne Übertopf in einem transparenten Topf. Ich benutze ein fertig gemischtes Substrat, das speziell für Phalaenopsis angeboten wird. Es besteht aus Sphagnum-Moos, grober Pinienrinde (15-25 mm) sowie allen für das Wachstum von Orchideen erforderlichen Nährstoffen und Spurenelementen. Der pH-Wert liegt bei 5,5-5,9.

Dünger gebe ich in der Wachstumsphase von März bis Oktober alle 14 Tage. In den übrigen Monaten dünge ich nicht. In den Sommermonaten besprühe ich das Substrat in etwa alle drei Tage, je nach Bedarf, durchdringend nass, im Winter lediglich einmal die Woche. Zwischendurch lasse ich das Substrat abtrocknen, um ein Faulen der Wurzeln zu vermeiden. Getaucht wird sie bei mir nicht.

Ich finde, dass man meiner Phalaenopsis Sogo Spot ihre guten Eltern ansieht. Beide Elternteile sind selektierte und bekannte Klone. Phal. Super Stupid „Carmela F2“ wurde mit Phalaenopsis gigantea „Big Boy“ gekreuzt. Ein wirklich überzeugendes Ergebnis!

Autorin: Jessy Delis

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Das Wurzelwachstum ist sehr gut. (Foto: Jessy Delis)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Jessy Delis)
Doppelblüte von Phalaenopsis Sogo Spot (Foto: Jessy Delis)
Das oben beschriebene Substrat, welches speziell für Phalaenopsis vertrieben wird (Foto: Jessy Delis)
Doppelblüte von Phalaenopsis Sogo Spot (Foto: Jessy Delis)
Und eine dritte Knospe öffnet sich bereits. (Foto: Jessy Delis)
Habitus von Phalaenopsis Sogo Spot (Foto: Jessy Delis)

KW 11, 2020

Vandachostylis Pinky

Alles lesen Orchidee der Woche 11, 2020

Vandachostylis Pinky

Ein fast komplett durchgefärbter Klon von Vandachostylis Pinky – lediglich am Ansatz der Tepalen schimmert die weiße Grundfarbe etwas durch. (Foto: Thomas Lehmann)

 

Am 11. Juli 1990 wurde die Hybride aus Vanda falcata und Rhynchostylis gigantea unter dem Namen Vandachostylis Pinky in das Register der Royal Horticultural Society eingetragen. Da Vanda falcata zum damaligen Zeitpunkt noch unter dem Synonym Neofinetia falcata geführt wurde, lautete der Name bei Registrierung Neostylis Pinky. Auch heute werden Pflanzen dieser Kreuzung noch häufig unter diesem Namen angeboten und kultiviert. Zur Registrierung angemeldet hatte diese wunderbare Kreuzung Mas. KOBAYASHI, über den ich leider keine weiteren Informationen herausfinden konnte.

Vanda falcata – ein Elternteil von Vandachostylis Pinky (Foto: Thomas Lehmann)

Vanda falcata hatten wir bereits vorgestellt. Beheimatet ist die Art in Japan, Korea und auf den Ryūkyū-Inseln. Sie kommt dort ausschließlich epiphytisch unter kalten bis kühlen Bedingungen vor. Die kleinen, monopodial wachsenden Pflanzen besiedeln meist laubabwerfende Bäume und haben somit schattige Sommer – im Winter sind sie dann der vollen Sonne ausgesetzt. V. falcata ist auch bekannt unter dem Namen »Windorchidee«, da sie extrem viel Luftbewegung und Frischluft braucht, auch damit die Wurzeln nach einem Regen (oder nach dem Gießen) schnell wieder abtrocknen können. In den Wintermonaten gibt es am Naturstandort so gut wie keine Niederschläge, sodass die Pflanzen eine trockene Ruhephase durchleben .

Rhynchostylis gigantea gibt 50% der Gene in den Genpool von Vandachostylis Pinky (Foto: Thomas Lehmann)

Der zweite Elternteil, Rhynchostylis gigantea, hingegen bevorzugt ausschließlich temperierte bis warme Standorte, die über den südlichen Teil des asiatischen Festlands und weite Gebiete der indonesischen Inseln verbreitet sind. Die mittelgroßen, ebenfalls monopodial wachsenden Epiphyten sind in Tieflandwäldern von Meereshöhe bis 700 Meter über dem Meeresspiegel anzutreffen. Da diese Wälder teilweise bis gänzlich laubabwerfend sind, fällt in den Sommermonaten wesentlich weniger Licht auf Rhynchostylis gigantea als in den Winermonaten. Wie bei Vanda falcata sind auch die Standorte von Rhynchostylis gigantea durch den Monsunregen im Sommer deutlich feuchter und regenreicher. Je nach Lage sind die Pflanzen der Art im Winter vollkommener Trockenheit oder sehr wenig Niederschlag ausgesetzt.

Vandachostylis Pinky bildet einen dünnen Stamm aus, der wechselständig von 10-15 cm langen, sehr festen Blättern umhüllt ist. Das Laub ist stark gekielt und läuft zum Ende hin sehr spitz zu. Ältere Pflanzen bilden oft Seitentriebe und können sich somit zu kleinen Büschen entwickeln. In den Blattachseln entspringt am Stamm die Infloreszenz, die insgesamt 15-20 cm lang wird und mehrere Blüten trägt, meist sind es acht bis zehn. Die Blütenfarbe variiert sehr stark. Während die Tepalen auch ganz weiß sein können, ist das Labellum immer violettrot gefärbt. Je heller die Tepalen sind, desto heller ist meistens auch die Lippe. Oft ist die gesamte Blüte mit einer auffälligen Musterung überzogen. Teilweise sind sie komplett dunkelviolett eingefärbt. Da beide Elternteile stark duften, verströmt natürlich auch Vandachostylis Pinky einen starken Duft, besonders am Nachmittag und in den frühen Abendstunden.

Die Kultur erfolgt wie bei Vandachostylis Charm, die ich euch bereits vorgestellt habe, und funktioniert auf der Fensterbank sehr gut.

Getopft habe ich meine Pflanze in mittelgroßer Rinde ohne weitere Zuschlagstoffe. Das Substrat sollte auf keinen Fall zu fein sein, damit die Wurzeln nach dem Wässern möglichst schnell abtrocknen können. Bleiben die Wurzeln zu lange feucht, oder gar nass, faulen sie, was den Tod der Pflanze bedeuten kann. Zu grob sollte man den Pflanzstoff allerdings auch nicht wählen, damit man in den heißen Sommermonaten nicht täglich gießen muss. Mittelgroße Rinde hat sich hierfür sehr gut bei mir bewährt. Nutzt man, wie ich, einen transparenten Topf, sieht man sehr gut, wann wieder gewässert werden sollte. Sobald alle Wassertropfen im Topfinneren verschwunden und die Wurzeln wieder silbrig sind, kann erneut Wasser gegeben werden. Ich persönlich bevorzuge zu tauchen, da sich die Wurzeln dann einmal richtig schön mit Wasser vollsaugen können. In den kühlen Wintermonaten Dezember bis Februar gibt es nur alle paar Wochen Wasser, da ich meine Pflanze zu dieser Zeit sehr kühl stehen habe. Die nächtlichen Temperaturen fallen dann auf 8-10 Grad ab. Während dieser Zeit tauche ich nicht, sondern gieße nur durchdringend. Sobald der Blütentrieb, der meist im späten Sommer schon angesetzt wird, zu wachsen beginnt, stelle ich meine Pflanze etwas wärmer und wässere auch wieder mehr. Wer ein Gewächshaus besitzt, kann Vandachostylis Pinky natürlich auch aufgebunden kultivieren.

Da die Elternteile in völlig unterschiedlichen Temperaturbereichen heimisch sind, ist die Hybride natürlich sehr anpassungsfähig. Man kann sie im Winter auch etwas wärmer kultivieren, als ich es tue. Wichtig ist dann nur, dass auch etwas mehr Wasser gegeben wird. So feucht wie über die Sommermonate sollte sie aber nicht kultiviert werden. Zumindest eine kurze Trockenphase mit weniger Wasser sollte Vandachostylis Pinky in jedem Fall haben. Die hohen Temperaturen im Sommer verträgt sie absolut problemlos.

Im Sommer kann man die Hybride auch sehr gut an einem schattigen Platz im Freien pflegen. Besonders die intensive Mittagssonne sollte aber nicht direkt auf die Blätter fallen, da diese sonst verbrennen. Ich selbst habe inzwischen zu viele Pflanzen, um alle im Sommer rauszubringen. Deshalb kultiviere ich Vandachostylis Pinky an einem schattierten Fenster, das nach Süden ausgerichtet ist. Dort ist es sehr hell, aber eben ohne direkte Sonneneinstrahlung. Das kühlere Winterquartier hat ein sehr großes – und somit ebenfalls sehr helles – Westfenster. Im Winter wird auch nicht schattiert. Da die Sonne tiefer steht und weiter entfernt ist, verbrennen die Blätter dabei nicht.

Gedüngt wird während der Sommermonate alle 14 Tage. Mein Düngerwasser hat dann einen Leitwert von ungefähr 300-400 Mikrosiemens/cm. Während der kühlen Jahreszeit gibt es gar keinen Dünger, da Vandachostylis Pinky hier ja ohnehin recht trocken gehalten wird.

Da die Hybride sehr variabel ist, kann man von Vandachostylis Pinky auch mehr als eine Pflanze in seine Sammlung aufnehmen, wenn ihr mich fragt. Ich werde mir bei Gelegenheit definitiv noch ein oder zwei Pflänzchen zulegen… Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Vandachostylis Pinky mit minimaler Zeichnung auf den Tepalen – das Labellum ist aber farbig. (Foto: Gregor Kleefeld)
Ein sehr dunkler Klon, der an den unteren Sepalen nicht ganz durchgefärbt ist (Foto: Gregor Kleefeld)
Vandachostylis Pinky mit feinen, unregelmäßigen Punkten (Foto: Claudia Bürgsteiner)
Habitus von Vandachostylis Pinky (Foto: Thomas Lehmann)
Profilansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Vandachostylis Pinky ‚Zsuzsa‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Blick in die Blüten (Foto: Thomas Lehmann)
Die Infloreszenz eines sehr hellen Klons (Foto: Gregor Kleefeld)
Infloreszenz eines sehr dunklen Klons (Foto: Thomas Lehmann)
Vandachostylis Pinky mit deutlicher Zeichnung (Foto: Werner Holzmann)

KW 10, 2020

Dryadella zebrina

Alles lesen Orchidee der Woche 10, 2020

Dryadella zebrina

Dryadella zebrina (Foto: Werner Holzmann)

Der österreichische Biologe Otto PORSCH beschrieb die Art erstmalig in einem Beitrag von „Oesterreichische Botanische Zeitschrift. Gemeinnütziges Organ für Botanik …“ aus dem Jahr 1905. Der damals im Beitrag veröffentlichte Name lautete noch Masdevallia zebrina, was aufgrund der großen Ähnlichkeit zu anderen Arten aus der Gattung nahelag. Der erst kürzlich verstorbene amerikanische Botaniker Carlyle August LUER – ein weltweit anerkannter Spezialist für Pleurothallidinae – begründete im Jahr 1978 in  „Selbyana“ die Gattung Dryadella und kombinierte Masdevallia zebrina in diese neue Gattung um. Bis heute ist Dryadella zebrina laut der WCSP (World Checklist of Selected Plant Families) der offizielle Name. Wie bereits bei der vorgestellten Dryadella aurea erwähnt, leitet sich der Gattungsname vom lateinischen Wort Dryas ab. Dryaden sind Baumnymphen, die ihren Ursprung in der griechischen Mythologie haben, wo sie als Gottheiten mit Sitz in großen sommergrünen Eichen angesehen wurden. Die Endung -ella ist das Diminutiv, also eine Verniedlichung dieser Baumnymphen. Während Dryadella aurea per Übersetzung die kleinen goldenen Baumnymphen sind, kann man Dryadella zebrina mit „kleine gestreifte Baumnymphen“ übersetzen. Zebrina leitet sich tatsächlich von der Musterung der Zebras ab, die schon seit dem 16. Jahrhundert unter diesem Namen in Europa bekannt waren.

Dryadella aurea (mittig) mit der rotlaubigen Dryadella zebrina (rechts) (Foto: Werner Holzmann)

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Dryadella zebrina erstreckt sich von Brasilien über Bolivien bis nach Peru. Die Art wächst dort auf Höhen von 1500 – 3400 Metern über dem Meeresspiegel unter kühlen, selten auch temperierten Bedingungen. Vom späten Frühjahr bis in den frühen Herbst hinein gibt es deutlich weniger Niederschlag in Form von Regen, was zu einer kleinen Trockenphase führt. Wobei die starken Nebel, die besonders am Nachmittag heraufziehen, dafür sorgen, dass das Habitat niemals völlig austrocknet. Die kleinen und empfindlichen Epiphythen werden vom Laub der großen Bäume, auf denen sie sitzen, vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt.

Wie die meisten Pflanzen der Pleurothallidinae hat Dryadella zebrina keine Speicherorgane. An einem kurzen und dünnen Stiel sitzt ein einzelnes festes Blatt. Der Stiel ist nur einen Zentimeter lang und von einer trockenen Hülle umgeben. Das Blatt ist dunkelgrün und verfärbt sich bei genügend Licht stark rötlich. Es ist stark gekielt, hat eine abgerundete Spitze und wird bis zu 5 cm lang. Am unteren Ende des Stiels, geschützt von der trockenen Hülle, entspringt die Infloreszenz, die nur 1-2 cm lang wird und eine einzelne leuchtend gelbe Blüte trägt, die mit einer auffallenden rotbraunen Zeichnung versehen ist. Die Sepalen dominieren das Erscheinungsbild der Blüten. Die Petalen und das Labellum sitzen im Schlund der Blüte und werden zusammen mit den Geschlechtsteilen vom darüberliegenden Sepalum geschützt. Die Blüten von Dryadella zebrina sind deutlich größer als die von Dryadella aurea.

Kultivieren lässt sich Dryadella zebrina zwar auch getopft in feiner Rinde, Sphagnum-Moos oder auch mineralisch, wesentlich einfacher ist aber eine aufgebundene Kultur in einer Vitrine oder einem Gewächshaus. Im Folgenden stelle ich euch die Kulturmethode von Werner Holzmann vor, der die Art zusammen mit „der goldenen Schwester“ seit einigen Jahren erfolgreich in einer Orchideenvitrine pflegt:

Wie oben schon erwähnt, besitzt Dryadella zebrina keine Speicherorgane und muss somit dauerfeucht gehalten werden. Auch hohe Luftfeuchtigkeit wirkt sich sehr positiv auf Wachstum und Blühfreudigkeit aus. Aus diesem Grund kultiviert Werner Holzmann seine Pflanze in seiner Orchideenvitrine, in der hohe Luftfeuchtigkeit leichter zu erreichen ist. Er besprüht die kleine Pflanze täglich mit salzarmem Wasser. Mehrmals täglich laufen kleine Ventilatoren, die dafür sorgen, dass die Blätter abtrockenen können und nicht zu faulen beginnen. Alle vier Wochen gibt es etwas Dünger mit ins Wasser. Der Leitwert des Düngerwassers liegt bei 150-200 Mikrosiemens/cm.

Natürliches Tageslicht erhalten die Pflanzen in seinem Orchidarium nicht. Er beleuchtet ausschließlich mit Kunstlicht.  Derzeit nutzt er dafür noch eine Leuchtstoffröhre, die speziell auf die Kultur von Pflanzen ausgelegt ist. Aufgrund des Stromverbrauchs und des Umweltschutzes ist eine Umstellung auf LED-Lampen geplant. Ein weiterer Vorteil von LED-Lampen ist, dass sie kaum Temperatur erzeugen, was bei kühler zu kultivierenden Pflanzen natürlich deutlich besser ist. Leuchtstoffröhren können sehr heiß werden und je nach Anbringung die Vitrine stark aufheizen. Die Temperaturbedingungen in der Vitrine sind kühl-temperiert, da sie in einem unbeheizten Raum steht, in dem das Fenster nur bei Frost geschlossen wird. Im Sommer wird es natürich auch mal etwas wärmer, was den Pflanzen aber nicht schadet.

Als Unterlage zum Aufbinden nimmt Werner Holzmann sehr gerne Presskork. Dieser mag vielleicht nicht so langlebig sein, da er sich durch die andauernde Feuchtigkeit schnell zersetzt, dafür lässt er sich aber ganz einfach zerbröseln, wenn es an der Zeit ist, die Pflanze neu aufzubinden. Früher oder später muss jede Unterlage ausgetauscht werden. Bei harten Materialien, die sich nicht zersetzen, hat man dann immer das Problem, dass man die Wurzeln nicht davon ablösen kann, ohne sie zu verletzten oder gar abzureißen.

Allein schon wegen ihrer märchenhaften Namensgebung muss ich mir unbedingt eine kleine Baumnymphe zulegen. Golden oder gestreift? Wofür würdet ihr euch entscheiden? Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Habitus von Dryadella zebrina (Foto: Werner Holzmann)
Dryadella zebrina (Foto: Werner Holzmann)

KW 08, 2020

Phragmipedium Windsor Castle

Alles lesen Orchidee der Woche 08, 2020

Phragmipedium Windsor Castle

Phragmipedim Windsor Castle ‚Rotkäppchen‘ SM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)

Phragmipedium Windsor Castle wurde von Orchids Ltd. aus Plymouth/Minnesota, USA, bei der Royal Horticultural Society (RHS) zur Registrierung angemeldet und am 18. Oktober 2005 in das Register eingetragen. Eigentümer der  Orchideengärtnerei ist der Phragmipedium-Experte Jerry Lee Fischer. Robert-Jan Quené, ein damaliger Mitarbeiter, hatte einige Jahre zuvor eine Blüte von Phragmipedium Elizabeth Castle ‚Glamis‘ AM/AOS mit dem Pollen von Phragmipedium besseae ‚Rob’s Choice‘ AM/AOS bestäubt in der Hoffnung auf eine leuchtend rote Hybride mit guter Haltung. Der Plan ging voll auf und eine der – meiner Meinung nach – schönsten Phragmipedium-Hybriden entstand, die dazu noch extrem unkompliziert und blühfreudig ist. Bereits die erste Pflanze aus der Aussaat, die bei Orchids Ltd. zur Blüte kam und mit der die Registrierung erfolgte, erhielt eine Auszeichnung der American Orchid Society, bei den hervorragenden Eltern natürlich nicht verwunderlich. Ein Foto des Klons findet ihr weiter unten im Beitrag. Schloss Windsor – eine der drei Hauptresidenzen der britischen Königsfamilie – wurde von Robert-Jan Quené als Namensgeber ausgewählt, da er kurz vor der Registrierung in England war und das Schloss besichtigte – in dem sich zu dieser Zeit auch die Queen aufhielt. Da der Elternteil Elizabeth Castle bereits nach einem Schloss benannt worden war, fand er es passend, auch die „Tochter“ nach einem zu benennen.

Phragmipedium sargentianum – mit 12,5% am Genpool beteiligt (Foto: D.O.G.-Archiv)

Der Genpool von Phragmipedium Windsor Castle teilt sich wie folgt auf:

 

Phragmipedium besseae aus Peru (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium besseae wurde von Calaway H. DODSON & Janet KUHN 1981 in AOS Bulletin 50: 1308-1310, als neue Art beschrieben. Es ist sowohl in Peru als auch in Ecuador beheimatet und variiert je nach Standort leicht in Farbe und Form. Das Klima am Standort bietet recht konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad ganzjährig. Niederschläge gibt es auch ganzjährig, wobei sie von März bis September erheblich häufiger sind. Bis November lassen sie dann deutlich nach und nehmen bis März wieder langsam zu. Phrag. besseae wächst terrestrisch zwischen dauerfeuchtem Moos, Gräsern und Farnen, aber auch lithophytisch auf steil abfallenden, feuchten Felsen.

Phragmipedium schlimii (Foto: Thomas LEHMANN)

Phragmipedium schlimii wurde 1854 erstmals als Selenipedium schlimii von LINDEN & REICHENBACH f. beschrieben. Benannt wurde Phrag. schlimii nach seinem Entdecker Louis Joseph SCHLIM, dem Halbbruder LINDENs. Nachdem BATEMAN 1866 diese Art als Cypripedium schlimii eingestuft hatte, erfolgte die endgültige Klassifizierung als Phragmipedium schlimii durch ROLFE im Jahre 1896. Beheimatet ist diese Naturform in Kolumbien und wächst dort in Höhenlagen von 1200 -1900 Metern in immerfeuchten Humus- und Moosnestern auf Granitfelsen und offenliegenden Baumwurzeln, oft zwischen hohen Gräsern. Die meisten bekannten Standorte sind halbschattig. Das Klima bietet Temperaturen von 8 Grad nachts bis 25 Grad tagsüber. Die ganzjährigen Regenfälle nehmen im Frühjahr und Herbst etwas zu.

Phragmipedium sargentianum wurde ursprünglich im Jahr 1893 als Selenipedium sargentianum von Robert Allen ROLFE beschrieben. Drei Jahre später gründete er selbst die Gattung Phragmipedium und kombinierte die Art, wie auch das oben genannte Phragmipedium schlimii, in diese um. Die Pflanzen sind heimisch im Nordosten Brasiliens und wachsen dort auf Höhen von 400-1500 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturen liegen im Jahresdurchschnitt bei 22 Grad, in den Winternächten besonders in höheren Lagen lediglich bei 10-12 Grad. In den Sommermonaten erreichen sie auch die 30-Grad-Marke. Die Standorte sind helle, meist ostseitige Abhänge. Einige Individuen siedeln in exponierten Lagen mit vollem Sonnenlicht. In der Regel wachsen die Pflanzen aber halbschattig. In der näheren Umgebung finden sich immer kleine Flussläufe oder Bäche. Niederschläge gibt es auch dort ganzjährig.

Phragmipedium Windsor Castle bleibt durch den hohen besseae– und schlimii-Anteil recht kompakt und eignet sich deswegen hervorragend für eine Kultur auf der Fensterbank. An den Infloreszenzen erscheinen hintereinander vielzählige leuchtend rote Blüten, die sehr lange halten. Daher erstreckt sich die Blühdauer oft über mehrere Monate. Außerdem ist die Hybride sehr unkompliziert zu kultiveren und blüht mindestens einmal im Jahr ohne großen Aufwand.

Da alle beteiligten Naturformen in sehr feuchten bis nassen Gebieten vorkommen, kann Phragmipedium Windsor Castle sehr gut mit nassem Fuß kultiviert werden. Meine Pflanze steht in einer Schale, die immer mit etwas Wasser gefüllt wird, sobald sie leer gesaugt ist. Zwischenzeitliches Austrocknen der Schale verhindert eine Verkeimung des Wassers, wodurch sich die Pflanze infizieren könnte. Das Substrat selbst sollte aber nicht komplett durchtrocknen. Phragmipedien haben den Ruf sehr salzempfindlich zu sein, was für einige Naturformen auch durchaus zutreffend ist. Ich habe in den letzten 10 Jahren  meiner Phragmipedium-Kultur aber die Erfahrung gemacht, dass einige Arten und besonders Hybriden nicht generell empfindlich auf gelöste Salze im Wasser reagieren. Vielmehr kommt es offenbar darauf an, wie die Wasserqualität ist und welche Stoffe sich in welchem Verhältnis darin befinden. Reines Wasser – egal ob Regenwasser, Quellwasser, Osmosewasser oder ähnliches – das mit einem ausgewogenen Orchideendünger aufgedüngt wird, darf dann auch ruhig etwas mehr Nährstoffe enthalten. Mein Phrag. Windsor Castle bekommt in den warmen und hellen Sommermonaten teilweise aufgedüngtes Wasser, das einen Leitwert von 350 – 500 Mikrosiemens hat. Im Winter dünge ich allerdings nicht. Da gibt es klares Quellwasser mit wenig gelösten Salzen. Ab März steigere ich die Düngergaben langsam, bis sie im Juli/August ihren Höhepunkt erreichen. Danach wird langsam wieder weniger gedüngt. Ab Oktober dann gar nicht mehr. Den Sommer über lagern sich genügend Düngerreste im Substrat an, die die Pflanze im Winter mit Nährstoffen versorgen.

Mein Standard-Pflanzstoff für Phragmipedium besteht aus einer Mischung mit Rindenanteil, Perliten, Bimskies und Holzkohle. Rinde hat den Nachteil, dass sie sich durch die ständige Feuchtigkeit recht schnell zersetzt. Allerdings werden bei diesem Zersetzungsprozess auch Nährstoffe frei. Nach drei, spätestens vier Jahren sollte dann aber neu getopft werden, bevor sich das Substrat zu sehr verdichtet und die Wurzeln faulen. Die einzelnen Substratteile sollten nicht zu fein sein, damit genug Luft an die Wurzeln kommt. Bewährt hat sich bei mir eine Körnung von acht bis zwölf Millimeter für die meisten Phragmipedien wie zum Beispiel Windsor Castle. Perlite gebe ich mit dazu, weil sie einerseits das Substrat luftig machen und andererseits gut Wasser speichern können. Bimskies gibt etwas Kalk ab und hat ebenfalls die Fähigkeit, Wasser zu speichern und weiterzuleiten. Um in dem feuchten Substrat für etwas trockenere Stellen zu sorgen, nutze ich Holzkohle, die sich nicht mit Wasser vollsaugt und dadurch trockener bleibt. Die Körnung aller Bestandteile sollte nicht zu fein, aber auch nicht zu grob sein, je nach Topfgröße Körnungen von 5 bis 18 mm. Auch in rein mineralischen Substraten, in Sphagnum-Moos oder Steinwollwürfeln fühlt sich Phragmipedium Windsor Castle wohl. Ich habe schon einiges ausprobiert und die Erfahrung gemacht, dass es nur wichtig ist, dass viel Wasser vom Substrat aufgenommen und gehalten werden kann. Zwei- bis dreimal im Jahr gebe ich etwas Hüttenkalk auf das Substrat und gieße diesen etwas ein. Hüttenkalk ist ein pulverisierter, kohlensaurer Kalk, der zum einen den PH-Wert reguliert und zum anderen Kalk freisetzt, der von den meisten Phragmipedien benötigt wird.

Phragmipedium Windsor Castle mag es hell, aber keine direkte Mittagssonne. Die Blätter verbrennen innerhalb von wenigen Stunden, wenn sie der vollen Sonne ausgesetzt sind. Sonnenschein am Morgen oder Abend wird aber gut vertragen, wenn er nicht zu lange auf die Blätter brennt. Werden diese gelblich, muss unbedingt schattiert oder die Pflanze umgestellt werden. Das gelbliche Ausbleichen des Laubs ist der erste Indikatior für zu viel Licht. Nachts können die Temperaturen auf 10 Grad fallen, müssen sie aber nicht. Meine Pflanze hat in den Wintermonaten immer mindestens 15 Grad nachts. Meist sogar 16-18 Grad. Phragmipedium Windsor Castle wächst sehr gut bei normalen Zimmertemperaturen – auch in beheizten Räumen mit etwas trockener Luft, wenn regelmäßig gelüftet wird. Bei zu wenig Frischluft oder Luftbewegung können sich Pilze bilden, die die Pflanze sehr schwächen und im Extremfall auch töten können, wenn nicht mit einem Pilzmittel behandelt wird.

Durch die kompakte Größe und das leuchtende Rot der haarigen Blüten ist Phragmipedium Windsor Castle ein echter Hingucker. Die Hybride ist einfach zu kultivieren und auch für Anfänger gut geeignet. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

Thank you so much, Mr. Robert-Jan Quené, for all the informations and the picture of your fantastic breeding!

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Phragmipedium Windsor Castle ‚Windsor Red‘ AM/AOS war die erste Pflanze der Hybride die bei Orchids Ltd. erblühte (Foto: Robert-Jan Quené)
Phragmipedium Windsor Castle ‚Franz‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipdedium Windsor Castle ‚Maria‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die frisch geöffnete Blüte hat eher ein kühleres Rot – mit der Zeit wird der Farbton wärmer (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Windsor Castle ‚Rotkäppchen‘ (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Windsor Castle ‚Rotkäppchen‘ (Foto: Thomas Lehmann)
Habitus von Phragmipedium Windsor Castle (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Windsor Castle ‚Rotkäppchen‘ (Foto: Thomas Lehmann)

 

 

KW 07, 2020

Cattlianthe Japanese Beauty

Alles lesen Orchidee der Woche 07, 2020

Cattlianthe Japanese Beauty

Cattlianthe Japanese Beauty (Foto: Ricci Zepmeusel)

 

Als Sophrolaeliocattleya Japanese Beauty wurde diese Hybride am 06. Mai 2004 in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Durch einige Umkombinationen der letzten Jahre lautet der korrekte Name heute Cattlianthe Japanese Beauty. Zur Registrierung angemeldet wurde die Hybride von N. TAKI. Als Züchter ist im Register der RHS Yoshitaka YAMAMOTO angegeben. Dem Namen nach vermute ich, dass die beiden Registranten aus Japan kommen. Auch der gewählte Hybriden-Name lässt natürlich darauf schließen. Genaueres konnte ich bei meiner Recherche leider nicht herausfinden. Die Eltern dieser „Japanischen Schönheit“ sind Cattlianthe Fairyland und Cattleya Misaki Bells. Da beide Elternteile bereits höhere Hybriden sind, besteht der Genpool von Cattlianthe Japanese Beauty aus insgesamt neun Naturformen, die wie folgt vertreten sind:

  • 25% Cattleya liliputana
  • 15,63% Cattleya trianae
  • 12,5% Cattleya coccinea
  • 12,5% Cattleya luteola
  • 7,81 Cattleya mossiae
  • 7,81% Cattleya gaskelliana
  • 6,25% Cattley harrisoniana
  • 6,25% Cattleya loddigesii
  • 6,25% Guarianthe aurantiaca
Infloreszenz mit vier Blüten, die teilweise auf dem Kopf stehen (Foto: Thomas Lehmann)

Auf jede einzelne der beteiligten Naturformen kann ich in diesem Beitrag natürlich nicht eingehen. Grundsätzlich sind aber alle neun Arten in Südamerika heimisch. Sie wachsen dort sowohl epiphytisch als auch lithophytisch unter verschiedenen klimatischen Bedingungen. Während einige der beteiligten Naturformen ausschließlich unter kühlen Bedingungen wachsen, fühlen sich andere auch an wärmeren Standorten wohl. Guarianthe aurantiaca zum Beispiel findet man in Gegenden mit Extremtemperaturen – sowohl große Hitze wie auch Kälte scheinen ihr nichts anhaben zu können, Frost natürlich schon. Auch das Lichtangebot an den Naturstandorten reicht von schattigen bis zu vollsonnigen Plätzen.

Die Hybride bildet längliche, ca. 10-12 Zentimeter hohe Pseudobulben aus, auf denen jeweils ein bis zwei sehr feste Blätter sitzen. Das Laub ist ebenfalls 10-12 Zentimeter lang, dunkelgrün mit abgerundeten Blattspitzen. Cattlianthe Japanese Beauty hat einen kriechenden Wuchs. Das bedeutet, dass das Rhizom zwischen den einzelnen Neutrieben jeweils einige Zentimeter lang ist. Bereits im späten Winter, nach der Blüte, erscheinen die Neutriebe, die bis zum Herbst heranwachsen. Meistens bilden sich im Oktober die Blütenscheiden. Danach ruht die Pflanze für einige Wochen, bevor die Infloreszenzen im Dezember erscheinen. Die Blütentriebe sind nur wenige Zentimeter lang und tragen jeweils zwei bis fünf Blüten, die eine sehr feste Struktur haben. Die weiße Grundfarbe ist an den Tepalen mit einem Rotviolett überhaucht. Je nach Klon kann dieser Farbton nur ganz zart oder auch sehr stark ausgeprägt sein. Das Labellum ist mittig leuchtend gelb gefärbt und am gesamten Rand von einem dunklen Rotviolett umrahmt. Bei einigen Individuen können die Blüten duften.

Habitus von Cattlianthe Japanese Beauty mit zwei Infloreszenzen (Foto: Ricci Zepmeusel)

Durch die unterschiedlichen Ansprüche der Arten, die an Cattlianthe Japanese Beauty beteiligt sind, scheint die Hybride nicht sonderlich anspruchsvoll zu sein und mit verschiedenen Kulturgegebenheiten klarzukommen. Dadurch ist sie für die Kultur auf der Fensterbank genauso geeignet wie für ein Gewächshaus.

Vor drei Jahren bekam ich ein kleines Teilstück geschenkt. In den ersten Jahren brachte es jeweils nur einen Neutrieb hervor. Vergangenes Jahr kamen dann drei Neutriebe, sodass es zu einer stattlichen Pflanze geworden ist. Zwei der drei Neutriebe brachten auch Infloreszenzen hervor. Dem dritten Trieb fehlte leider die Blütenscheide. Zwar entwickelte sich ein kleiner Blütentrieb, der aber leider nach kurzer Zeit eintrocknete, was bei fehlender Blütenscheide häufig passiert.

Getopft habe ich meine Pflanze vor zwei Jahren in mittelgroßes Lavagranulat, das sich sehr gut feucht halten lässt, indem man es dauerhaft in einer Pfütze Wasser stehen hat. Der Pflanzstoff saugt das Wasser durch die Kapillarität bis nach oben hin und erzeugt eine angenehme Feuchte, ohne jemals zu nass zu sein. Ganz wichtig ist allerdings, dass die Pseuobulben und Neutriebe nur auf dem Substrat sitzen und nicht darin eingegraben werden. Umtopfen sollte man Cattleyen immer nur dann, wenn sich an den Neutrieben die ersten Wurzelspitzen zeigen. Alte Pseudobulben bilden in der Regel keine neuen Wurzeln. Natürlich lässt sich Cattlianthe Japanese Beauty auch gut in Rinde oder auch aufgebunden kultivieren. Hier muss jeder das für sich passende Substrat finden.

Meine Pflanze kultiviere ich an einem sehr hellen Südfenster, das im Sommer durch einen dünnen Vorhang etwas schattiert wird. Zu viel von der starken Mittagssonne in den Sommermonaten lässt die Blätter verbrennen. Im ersten Jahr stand sie an einem Ostfenster mit etwas Morgensonne. Auch hier wuchs sie gut und kam zur Blüte. Ob das Mehr an Licht dafür gesorgt hat, dass sie im letzten Jahr gleich drei Neutriebe ausgebildet hat, oder ob es einfach am Alter des Teilstücks liegt, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Ich habe aber den Eindruck, dass sie sich am helleren Standort wohler fühlt. Im Winter wird der schattierende Vorhang abgenommen und das volle Licht darf auf die Pflanze fallen.

Die Temperaturbedingungen in meinem Kulturraum sind temperiert-warm. Nachts können sie auf 14 Grad fallen, tagsüber steigen sie auch im Winter manchmal auf 26 Grad und höher. Den Sommer über kann Cattlianthe Japanese Beauty auch gut im Freien kultiviert werden. Die hohen Temperaturen im Sommer verträgt sie ohne Probleme.

Während des Wachstums steht meine Plfanze dauerfeucht. Das heißt, in ihrem Untersetzer steht immer eine kleine Pfütze Wasser. Im Herbst, wenn die Neutriebe ausgewachsen sind, reduziere ich die Wassergaben etwas. Die Schale darf dann auch mal zwei bis drei Tage trocken stehen, wobei das Substrat selbst auch dann noch ein wenig Restfeuchte hat. Komplett abtrocknen lasse ich den Pflanzstoff nie. Dünger gibt es über den Sommer reichlich. Das Wasser, mit dem ich die Schale befülle, hat einen Leitwert von 300-500 Mikrosiemens/cm. Vom Herbst bis zum Frühjahr, wenn die Neutriebe ihre Wurzeln treiben, dünge ich dafür gar nicht.

Alles in allem ist Cattlianthe Japanese Beauty eine wirklich einfach zu kultivierende Hybride, mit sehr ansprechenden Blüten, die lange halten. Wer noch keine Erfahrungen in der Cattleya-Kultur hat, aber gerne eine Pflanze aus dieser Gattung hätte, dem kann ich Cattlianthe Japanese Beauty echt ans Herz legen. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

Ein besonderer Dank geht an Ricci Zepmeusel, die diesen Beitrag mit einigen Fotos bereicherte!

Cattlianthe Japanese Beauty (Foto: Ricci Zepmeusel)
Cattlianthe Japanese Beauty (Foto: Ricci Zepmeusel)
Cattlianthe Japanese Beauty (Foto: Thomas Lehmann)
Cattlianthe Japanese Beauty (Foto: Thomas Lehmann)
Die Wurzelbildung im Lavagranulat kann sich sehen lassen. An den Ablagerungen im unteren Bereich kann man sehen, wie hoch das Wasser für gewöhnlich steht. (Foto: Thomas Lehmann)
Aus meinem kleinen Teilstück ist eine ordentliche Pflanze geworden. (Foto: Thomas Lehmann)
Ein kleiner Neutrieb bildet sich vom späten Winter bis in das zeitige Frühjahr. (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 06, 2020

Renanthera bella

Alles lesen Orchidee der Woche 06, 2020

Renanthera bella

Renanthera bella ‚Strub‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

Der englische Botaniker Jeffrey James WOOD beschrieb die Art im Jahr 1981 in „Orchid Review. An Illustrated Monthly Journal Devoted to Orchidology in all its Branches“. WOOD verstarb im vergangen Jahr im Alter von 67 Jahren. Die Orchideenwelt verlor mit ihm einen weltweit anerkannten Experten und großen Wissenschaftler. Insgesamt publizierte er 58 Erstbeschreibungen und zahlreiche Umgruppierungen innerhalb der Orchidaceae. Renathera bella war eine seiner ersten Veröffentlichungen und ist bis heute unumstritten.

Renanthera bella ist eine endemische Art, die man nur in Sabah – einem Bundestatt von Malaysia auf der Insel Borneo – findet. Sie wächst dort auf Höhen von 400 -1200 Meter über dem Meeresspiegel unter temperiert-warmen bis heißen klimatischen Bedingungen. Die epiphytischen Pflanzen besiedeln meist die Stämme alter Bäume in den dortigen Bergwäldern. Niederschlag gibt es das ganze Jahr über in Form von Regen, Nebel und daraus resultierender hoher Luftfeuchtigkeit. Die Standorte sind sehr oft lichtdurchflutet, aber vor direkter Sonneneinstrahlung, besonders zur Mittagszeit, geschützt.

Habitus von Renanthera bella (Foto: Werner Holzmann)

Die monopodiale Art bildet einen dünnen Stamm aus, der im Laufe der Jahre sehr lang werden kann. Dieser ist wechselständig von dunkelgrünen Blättern umhüllt, die sehr dick und fest sind. Das Laub dient als Wasserspeicher für etwas trockenere Perioden. Jedes Blatt ist schmal, circa 10 Zentimeter lang und läuft spitz zu. Direkt am Stamm, in den Blattachseln, entspringen die Infloreszenzen, die bis zu 45 Zentimeter lang werden und bis zu zwei Verzweigungen haben können. Am Blütentrieb entstehen dadurch zahlreiche Blüten, die sich gleichzeitig öffnen. Die Grundfarbe ist ein leuchtendes Gelb, das an den schmalen Tepalen fast komplett rot überfärbt ist. Das Labellum ist im Vergleich zu anderen Arten aus der Familie der Orchidaceae sehr klein und unauffällig. Lediglich die Tatsache, dass die Lippe weniger rot überfärbt ist, lässt sie etwas herausstechen.

Da Renanthera bella nur sehr langsam wächst, ist sie für die Pflege auf der Fensterbank recht gut geeignet. Bei sehr guter Kultur über lange Jahre kann sie allerdings so hoch werden, dass ein normales Fenster nicht mehr ausreicht. Aber bis dahin vergeht sehr viel Zeit!

Im Folgenden beschreibe ich die Kulturmethode von Werner Holzmann, die der Kultur meiner Renanthera John Losgar, die ich bereits vorgestellt habe, sehr ähnlich ist.

Werner hat seine Pflanze in einem transparenten Kunstofftopf mit grober Rinde getopft. Renantheren lieben viel Frischluft an den Wurzeln und wollen auch nicht zu lange nass bleiben. Aus diesem Grund sollte das Substrat nicht zu fein gewählt werden. Sehr gerne bilden sich entlang des Stamms Luftwurzeln aus, die beim Umtopfen mit ins Substrat getopft werden können. Der Stamm selbst darf aber nicht zu tief im Pflanzstoff sitzen, da es sonst recht schnell zur Stammfäule kommen kann, was meist den Tod der Pflanze bedeutet.

Gegossen wird einmal wöchentlich – im Sommer kann es auch alle 5-6 Tage sein, wenn es richtig heiß und die Luftfeuchtigkeit nicht sonderlich hoch ist. Alle vier Wochen bekommt Renanthera bella bei Werner eine ordentliche Protion Dünger. Sein Düngerwasser hat dann einen Leitwert von 500 – 600 Mikrosiemens/cm. Hier unterscheidet sich unsere Kultur minimal. Ich dünge nicht alle paar Wochen, sondern vom Frühjar bis in den Herbst bei jedem Wässern. Dafür aber in niedrigerer Konzentration. Mein Tauchwasser hat einen Leitwert von 300 – 350 Mikrosiemens/cm im Sommer. Im Winter nur 150 – 200. Tauchen halte ich bei Renantheren für besser als gießen, da die Wurzeln etwas Zeit brauchen, um sich vollzusaugen. Wie bei vielen Epiphyten erkennt man eine farbliche Veränderung beim Wässern. Gut mit Wasser vollgesogen sind die Wurzeln grün. Wenn sie abgetrocknet sind, werden sie silbrig.

Renanthera bella steht an einem Südfenster, über dem ein kleiner Balkon aus dem ersten Stock herausragt. Somit bekommt die Pflanze im Sommer keine direkte Mittagssonne ab, steht aber sehr hell. Im Winter, wenn die Sonne tief steht, bekommt sie auch direkte Sonneneinstrahlung am Mittag ab. Diese hat aber nicht die Kraft wie in den Sommermonaten und wird ohne Probleme vertragen. Morgen- und Abendsonne ist während des ganzen Jahres kein Problem und wegen des Lichthungers der Art sogar empfehlenswert.

Die Temperaturen gehen im Winter auf ca. 16-17 Grad zurück – sowohl bei Werner wie auch bei mir. Tagsüber sind es knapp über 20 Grad und wenn die Sonne richtig scheint im Winter, steigen die Temperaturen bei mir sogar bis an die 30 Grad. Da Renanthera bella am Naturstandort aber auch sehr hohe Temperaturen gewohnt ist, verträgt sie die Sommerhitze ohne Probleme.

Die leuchtend gelb-roten Blüten sind ein echter Hingucker und halten sich über mehrere Wochen. Zumindest eine Renanthera sollte in jeder Orchideensammlung stehen, finde ich. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Auch wenn die Art im Laufe der Jahre sehr hoch werden kann, bleibt sie in den ersten Jahren sehr kompakt (Foto: Werner Holzmann)
Seitenansicht von Renanthera bella (Foto: Werner Holzmann)
Infloreszenz von Renanthera bella ‚Strub‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Renanthera bella (Foto: Werner Holzmann)
Infloreszenz von Renanthera bella (Foto: Werner Holzmann)

KW 05, 2020

Coelogyne speciosa

Alles lesen Orchidee der Woche 05, 2020

Coelogyne speciosa

Coelogyne speciosa (Foto: Werner Holzmann)

Der deutsch-niederländische Botaniker Carl Ludwig Ritter von BLUME beschrieb die Art erstmalig im Jahr 1825 unter dem Namen Chelonanthera speciosa in „Bijdragen tot de Flora van Nederlandsch Indië„. Fünf Jahre später gruppierte John LINDLEY – Vater der modernen Orchideenkunde – diese Naturform in die Gattung Coelogyne um, die er im Jahr 1824 in „Genera and Species of Orchidaceous Plants“ aufgestellt hatte. Trotz des Versuchs von KUNTZE, die Art in die Gattung Pleione zu überführen, ist Coelogyne speciosa bis heute der von Kew anerkannte Name.

Habitus von Coelogyne speciosa (Foto: Werner Holzmann)

Beheimatet ist Coelogyne speciosa in Asien. Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Malaysia bis nach Borneo und über die indonesischen Inseln Java und Sumatra. Die Art besiedelt dort Regenwälder auf Höhen von 700 bis 2000 Metern über dem Meeresspiegel. Die meisten Pflanzen wachsen epiphytisch, ganz selten findet man aber auch Individuen, die terrestrisch wachsen. Die Temperaturbedingungen sind je nach Standort kühl bis warm, hauptsächlich aber kühl-temperiert. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, außerdem herrscht eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Coelogyne speciosa bevorzugt halbschattige Standorte.

Jede ovale Pseudobulbe trägt ein Blatt, das fächerartig geformt ist und spitz zuläuft. Das dunkelgrüne Laub wird von festen Stielen getragen, die oben auf den Pseudobulben sitzen. Ebenfalls von dort aus entpringen die Infloreszenzen, die leicht überhängend wachsen und mehrere nacheinander aufgehende Blüten hervorbringen. Während die Tepalen von einem hellen Rotbraun bis zu einem zarten Gelbgrün variieren können, ist das Labellum im Zentrum und an den Seitenlappen immer rotbraun gefärbt. Der Vorderlappen ist immer strahlend reinweiß. Die Petalen richtien sich sehr stark nach hinten und werden erst im Profil wirklich sichtbar. Das dorsale Sepalum neigt sich nach vorne über die Lippe. Die Infloreszenzen können ganzjährig erscheinen. Die Hauptblütezeit beginnt im Frühling und reicht bis in den Sommer. Die Blüten haben einen markanten moschusartigen Geruch.

Laut der Aussage von Werner Holzmann, der Coelogyne speciosa seit vielen Jahren kultiviert, ist es eine der unkompliziertesten Coelogynen und für die Kultur auf der Fensterbank bestens geeignet. Im Folgenden beschreibe ich euch seine Kulturerfahrungen:

Werner Holzmann kultiviert die Art unter kühl-temperierten Bedingungen. Seine Pflanze steht ganzjährig auf einem Tisch, der ca. 50 cm von einem großen Ostfenster entfernt ist. Das Fenster ist immer geöffnet, nur wenn die nächtlichen Temperaturen unter -2 Grad fallen, wird es nachts geschlossen. Dadurch entsteht ein recht großes Tag/Nacht-Temperaturgefälle  – im Sommer wie im Winter. Der Standort ist zwar sehr hell, aber nur sehr selten fallen am Morgen Sonnenstrahlen direkt auf die Pflanze.  Im Sommer kann Coelogyne speciosa auch im Freien kultiveirt werden, wenn man ein schattiges Plätzchen bieten kann.

Als Substrat nutzt Werner gut durchlässige, nicht zu feine Rinde ohne weitere Zusatzstoffe. Gegossen wird ganzjährig ohne ausgeprägte Trockenzeit, im Winter jedoch seltener, da der Pflanzstoff wegen der niedrigeren Temperaturen länger braucht, bis er antrocknet. Staunässe über einen längeren Zeitraum – besonders in Verbindung mit Kühle oder gar Kälte – kann zu Fäulnis führen, was den Tod der Pflanze bedeuten würde. Aus diesem Grund lässt Werner das Substrat zwar antrocknen, aber niemals ganz austrocknen. Da die Pflanzen recht kompakt bleiben und die überhängenden Infloreszenzen auch nicht zu lang  werden, ist eine Kultur im Topf ohne Probleme möglich. Im Gegensatz zu einigen anderen Coelogyne-Arten wird ein Umtopfen oder Teilen der Pflanze nicht mit dem Ausbleiben von Blüten bestraft. Wie oben schon erwähnt, ist Coelogyne speciosa wirklich unkompliziert und einfach in der Pflege.

Da die Wurzeln von  Coelogynen sehr empfindlich auf Salz reagieren können, verwendet Werner die Reste seines normal aufgedüngten Wassers und verdünnt dieses nochmals mit klarem Wasser. Der Leitwert liegt dann ungefähr bei 200 Mikrosiemens/cm.

Die Infloreszenzen erscheinen bereits zusammen mit dem Neutrieb. Gelegentlich muss durch das Entfernen der Hüllblätter ein wenig „Geburtshilfe“ geleistet werden, damit die Blüten nicht steckenbleiben. Nach Werners Erfahrung passiert das oft in Verbindung mit zu hohen Temperaturen.

Der markante Blütenduft und die lange Blühdauer machen Coelogyne speciosa zu einer wirklich interessanten Naturform, die keine zu hohen Pflegeansprüche stellt und daher auch gut für Anfänger geeignet ist. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Die überhängenden Infloreszenzen bleiben recht kurz. (Foto: Werner Holzmann)
Blütenfoto von Coelogyne speciosa (Foto: Werner Holzmann)

 

 

KW 04, 2020

Phragmipedium fischeri

Alles lesen Orchidee der Woche 04, 2020

Phragmipedium fischeri

Phragmipdium fischeri ‚Zuckersüß‘ BM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)

In einem „Leaflet of the Schlechter Institute“ aus dem Jahr 1996 beschrieben Prof. Guido Jozef BRAEM und Hartmut MOHR die Art erstmalig. Das Typusexemplar wurde von Jerry FISCHER, Inhaber der amerikanischen Orchideengärtnerei Orchids Ltd., aus Ecuador als Phragmipedium schlimii importiert. Schon beim Erhalt auf einer Orchideenausstellung in den Vereinigten Staaten wunderte er sich über den deutlich unterschiedlichen Wuchs im Vergleich zu Phrag. schlimii. Als eine der importierten Pflanzen erstmalig bei ihm erblühte, erkannte er sofort, dass dies nicht Phragmipedium schlimii sein konnte, und sandte eine Pflanze zur Identifizierung an das Schlechter Institute in Gemünden. BRAEM und MOHR benannten diese neue Naturform nach Jerry FISCHER, dem Entdecker. Obwohl es noch immer einige Unklarheiten und Diskussionen in der Sektion Micropetalum gibt, finden sich bei Phragmipedium fischeri doch einige signifikante Unterschiede zu Phragmipedium schlimii und auch zu Phragmipedium andreettae, sodass der Artenstatus berechtigt scheint.

Phrag. fischeri ‚Zuckersüß‘ im direkten Vergleich mit Phrag. schlimii f. manzurii ‚Mike‘ – man erkennt sofort die Unterschiede. (Foto: Thomas Lehmann)

Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom nördlichen Ecuador bis weit nach Kolumbien hinein. Phragmipedium fischeri wächst dort terrestrisch oder lithophythisch entlang von kleinen Bächen und Flüssen sowie an steilen Felswänden. Die Standorte sind immer sehr hell, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung. Man findet die Art auf Höhen von 1000 – 1500 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturbedingungen sind eher kühl bis temperiert. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, wobei diese im Winter etwas seltener sind als im Sommer. Durch die Nähe zu fließenden Gewässern und die sehr hohe Luftfeuchtigkeit trocknet das Habitat aber niemals aus und ist stets sehr feucht.

Phragmipedium fischeri zählt zu den kleinwüchsigen Spezies seiner Gattung. Der sehr kurze und dünne Stamm ist komplett von drei bis fünf wechselständig angeordneten Blättern umhüllt. Das Laub ist ein bis drei Zentimeter breit und höchstens 20 cm lang. Die Blätter sind leicht gekielt, dunkelgrün und laufen spitz zu. Endständig entspringt die Infloreszenz, die ungefähr 20 cm hoch wird. Jeder Blütentrieb bildet zwei bis fünf Blüten aus, die sich nacheinander öffnen. Nur sehr selten sind zwei Blüten zur gleichen Zeit geöffnet. Sie werden vier bis fünf Zentimeter breit und lediglich drei bis vier Zentimeter hoch. Das sehr runde Labellum ist intensiv violettrot gefärbt. Petalen und Fahne sind in der Grundfarbe weiß und ebenfalls mit einem violettroten Ton überzogen. Die Farbintensität variiert bei Phragmipedium fischeri sehr stark. Die gesamte Blüte ist mit unzähligen Härchen bedeckt. Sehr häufig ist das Staminodium verkrüppelt oder fehlt komplett. Die Blüten duften nicht.

Im Vergleich zu Phragmipedium schlimii und auch Phragmipedium andreettae wächst die Art enorm langsam, weshalb sie in meinem Freundeskreis als „schneckliches“ Phragmipedium bezeichnet wird. Vom Aufploppen einer Blüte bis zum kompletten Entfalten können auch mal vier Tage vergehen – nichts für schwache Nerven also! Obwohl sie am Naturstandort eher kühl-temperierten Bedingungen ausgesetzt ist, wächst sie auch unter temperiert-warmen auf der Fensterbank sehr gut.

Seitenansicht von Phrag. fischeri ‚Zuckersüß‘ (Foto: Thomas Lehmann)

Da Phragmipedium fischeri in sehr feuchten bis nassen Gebieten vorkommt, kann es sehr gut mit nassem Fuß kultiviert werden. Meine Pflanze steht in einer Schale, die immer mit etwas Wasser gefüllt wird, sobald sie leer gesaugt ist. Zwischenzeitliches Austrocknen verhindert eine Verkeimung des Wassers, wodurch sich die Pflanze infizieren könnte. Das Substrat selbst sollte aber nicht komplett durchtrocknen. Phragmipedien haben den Ruf sehr salzempfindlich zu sein, was für einige Naturformen auch durchaus zutreffend ist. Ich habe in den letzten 10 Jahren Phragmipedium-Kultur aber die Erfahrung gemacht, dass einige Arten und besonders Hybriden nicht generell empfindlich auf gelöste Salze im Wasser reagieren. Viel mehr kommt es scheinbar darauf an, wie die Wasserqualität ist und welche Stoffe sich in welchem Verhältnis darin befinden. Reines Wasser – egal ob Regenwasser, Quellwasser, Osmosewasser oder ähnliches – das mit einem ausgewogenen Orchideendünger aufgedüngt wird, darf dann auch ruhig etwas mehr Nährstoffe beinhalten. Mein Phrag. fischeri bekommt in den warmen und hellen Sommermonaten teilweise aufgedüngtes Wasser, das einen Leitwert von 350 – 500 Mikrosiemens hat. Im Winter dünge ich allerdings nicht. Da gibt es klares Quellwasser mit wenig gelösten Salzen. Ab März steigere ich die Düngergaben langsam, bis sie im Juli/August ihren Höhepunkt erreichen. Danach wird langsam wieder weniger gedüngt. Ab Oktober dann gar nicht mehr. Den Sommer über lagern sich genügend Düngerreste im Substrat an, die die Pflanze im Winter mit Nährstoffen versorgen.

Phragmipedium fischeri ‚Andreas‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Mein Standard-Pflanzstoff für Phragmipedium besteht aus einer Mischung mit Rindenanteil, Perliten, Bimskies und Holzkohle. Rinde hat den Nachteil, dass sie sich durch die ständige Feuchtigkeit recht schnell zersetzt. Allerdings werden bei diesem Zersetzungsprozess auch Nährstoffe frei. Nach zwei bis drei Jahren sollte dann aber neu getopft werden, bevor sich das Substrat zu sehr verdichtet und die Wurzeln faulen. Besonders Phragmipedium fischeri hat sehr feine Wurzeln, die eine gute Belüftung lieben, da sie in der Natur oft einfach auf Steinen wachsen und sehr viel Frischluft erhalten. Die einzelnen Substratteile sollten also nicht zu fein sein. Bewährt hat sich bei mir eine Körnung von acht bis zwölf Millimeter für Phragmipedium fischeri. Perlite gebe ich mit dazu, weil sie einerseits das Substrat luftig machen und andererseits gut Wasser speichern können. Bimskies gibt etwas Kalk ab und hat ebenfalls die Fähigkeit, Wasser zu speichern und weiterzuleiten. Um in dem feuchten Substrat für etwas trockenere Stellen zu sorgen, nutze ich Holzkohle, die sich nicht mit Wasser vollsaugt und dadurch trockener bleibt. Die Körnung aller Bestandteile sollte nicht zu fein, aber auch nicht zu grob sein, je nach Topfgröße Körnungen von 5 bis 18 mm. Auch in rein mineralischen Substraten, in Sphagnum-Moos oder Steinwollwürfeln fühlt sich Phragmipedium fischeri wohl. Ich habe schon einiges ausprobiert und die Erfahrung gemacht, dass es nur wichtig ist, dass viel Wasser vom Substrat aufgenommen und gehalten werden kann.

Phragmipedien mögen es hell, aber keine direkte Mittagssonne. Sonnenschein am Morgen oder Abend wird aber gut vertragen, wenn er nicht zu lange auf die Blätter brennt. Werden diese gelblich, muss unbedingt schattiert oder die Pflanze umgestellt werden. Nachts können die Temperaturen auf 10 Grad fallen, müssen sie aber nicht. Phragmipedium fischeri wächst sehr gut bei normalen Zimmertemperaturen – auch in beheizten Räumen mit etwas trockener Luft, wenn regelmäßig gelüftet wird. Bei zu wenig Frischluft oder Luftbewegung können sich Pilze bilden, die die Pflanze sehr schwächen und im Extremfall auch töten können, wenn nicht mit einem Pilzmittel behandelt wird.

Durch die kompakte Größe und das leuchtende Rotviolett der haarigen Blüten ist Phragmipedium fischeri ein echter Hingucker. Die Kultur ist nicht sonderlich schwer, wenn man genug Geduld aufbringen kann, dieser „Schnecke“ beim Wachsen zuzusehen. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Phragmipedium fischeri ohne Staminodium (Foto: Thomas Lehmann)
Habitusbild von Phragmipedium fischeri (Foto: Thomas Lehmann)
Auch im Profil lassen sich deutliche Unterschiede zu Phrag. schlimii erkennen (Foto: Thomas Lehmann)
Profilansicht von Phragmipedium fischeri ‚Zuckersüß‘ BM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Leicht deformiertes Staminodium von Phrag. fischeri (Foto: Thomas Lehmann)

KW 03, 2020

Phalaenopsis Zheng Min Pheasant

Alles lesen Orchidee der Woche 03, 2020

Phalaenopsis Zheng Min Pheasant

Phalaenopsis Zheng Min Pheasant (Foto: Thomas Lehmann)

Am 08. Oktober 2017 wurde Phalaenopsis Zheng Min Pheasant in das Register der Royal Horticultural Society eingetragen. Angemeldet wurde die Hybride vom taiwanesischen Hobby-Züchter Zheng-Min Su, der sich auch Peter Su nennt und in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Phalaenopsis-Kreuzungen geschaffen hat. In den allermeisten Fällen beginnen die Namen seiner Kreuzungen mit seinem eigenen Vornamen – Zheng Min. Pheasant ist das englische Wort für Fasan. Da Peter Su beim Anblick des Labellums sofort an einen Fasan denken musste, benannte er die Hybride danach. Die Eltern von Phal. Zheng Min Pheasant sind die Hybriden Phal. Tying Shin Beagle und Phal. Zheng Min Neon. Da beide Elternteile bereits höhere Hybriden sind, die vielzählige Naturformen in sich vereinen, besteht der Stammbaum von Phalaenopsis Zheng Min Pheasant aus insgesamt 14 Arten:

  • 41,41% Phal. venosa
  • 25,98% Phal. violacea
  • 6,84% Phal. amboinensis
  • 6,25% Phal. bellina
  • 6,25% Phal. equestris
  • 4.68% Phal. lueddemanniana
  • 3,13% Phal. micholitzii
  • 1,56% Phal. fasciata
  • 1,27% Phal. amabilis subsp. amabilis
  • 1,19% Phal. amabilis
  • 0,78% Phal. hieroglyphica
  • 0,53% Phal. aphrodite
  • 0,01% Phal. stuartiana
  • 0,01% Phal. schilleriana
Phalaenopsis Zheng Min Pheasant von Sylvia Toenne mit deutlichem Violettstich (Foto: Sylvia Toenne)

Auf jede einzelne Phalaenopsis-Art aus dem Stammbaum kann ich natürlich nicht eingehen. Allgemein gilt aber, dass Phalaenopsis epiphytisch wachsen und im gesamten asiatischen Raum heimisch sind. Bis auf ganz wenige Ausnahmen findet man sie an sehr warmen bis heißen Standorten mit hoher Luftfeuchtigkeit und eher diffusem Licht. An richtig sonnigen Plätzen wird Phalaenopsis nicht angetroffen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über. Dadurch wachsen die Pflanzen auch ganzjährig und machen keine Ruhepause.

Phalaenopsis sind monopodial wachsende Pflanzen. D. h. sie haben nur einen einzigen Spross, der jedoch dauerhaft weiterwächst, indem er neue Blätter bildet, und nicht mit der Blüte seinen Abschluss findet. Am Spross entwickeln sich über viele Jahre – manchmal auch Jahrzehnte – hinweg immer wieder neue Infloreszenzen. Am dünnnen, kaum sichtbaren Stamm sitzen wechselständig feste, fleischige Blätter. Je nach Art können diese sehr kurz bleiben oder auch sehr lang werden. Sie sind immer dunkelgrün und meist glänzend. Das Laub weniger Arten hat eine Zeichnung, die meisten sind aber einfarbig. Zwischen den einzelnen Blättern entspringen die Infloreszenzen, die eine bis unzählige Blüten tragen können.

Bei unserer heutigen Hybride Phalaenopsis Zheng Min Pheasant hat das Laub eine Länge von ungefähr 20-25 cm. Es glänzt sehr stark und hat keine Zeichnung. Die einzelnen Blätter sind sehr breit und dadurch fast rundlich. Im Winter erscheinen die mit 7-10 cm recht kurzen Infloreszenzen, die über mehrere Jahre grün bleiben und vom Winter bis in den frühen Sommer hinein Blüten tragen. Meistens sind an jedem Blütentrieb nur ein bis zwei Blüten gleichzeitig geöffnet, über die Jahre können aber durch mehrere Infloreszenzen auch viele Blüten an einer Pflanze gleichzeitig erblühen. Die Blüten der Hybride variieren nur sehr wenig. Ihre Form ist sehr rund und geschlossen, in der Regel sehr weit geöffnet und daher im Seitenprofil sehr flach. Die Farbe ist ein sehr dunkles Violettrot, das je nach Lichteinfall mal richtig „Ketchup“-rot oder auch strahlend violett wirken kann. Im Zentrum leuchtet die Blüte immer violett. Manche Klone haben einen sehr hellen Rand an den Tepalen, andere wiederum gar nicht. Das Labellum kann weiß, gelb oder violett sein. In der Regel ist es eine Kombination aus zwei der genannten Farben. Einige Phalaenopsis Zheng Min Pheasant haben einen angenehmen Duft.

Eine Kultur auf der Fensterbank ist ohne großen Aufwand möglich. Da die beteiligten Naturformen allesamt warme bis heiße Bedingungen mögen, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Phalaenopsis-Hybride. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 16-18 Grad fallen. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln oder im Herz sammelt. Trocknet dieses wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Als Pflanzstoff für Phalaenopsis eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Bei sehr kleinen Töpfen kann auch Substrat aus Kokosfasern verwendet werden. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Phalaenopsis zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder komplett silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitsgehalt sehr gut beobachten.

Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-500 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Phalaenopsis Zheng Min Pheasant auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Die ausdrucksstarke Farbe, die runde Form und der angenehme Duft machen diese blühfreudige Phalaenopsis-Hybride zu einem echten Hingucker und Hinriecher. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Im Sonnenlicht, ohne Blitz fotografiert (Foto: Thomas Lehmann)
Habitus mit drei Infloreszenzen in diesem Jahr (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phal. Zheng Min Pheasant (Foto: Thomas Lehmann)
Eine Blüte ohne Labelllum (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blüten von Phal. Zheng Min Pheasant öffnen sich sehr weit und sind daher schön flach (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 02, 2020

Cynorkis angustipetala

Alles lesen Orchidee der Woche 02, 2020

Cynorkis angustipetala

(Syn. Cynorkis guttata)

Cynorkis angustipetala (Foto: Werner Holzmann)

Im Jahr 1885 veröffentlichte der britische Botaniker Henry Nicholas RIDLEY die Erstbeschreibung von Cynorkis angustipetala in „Journal of the Linnean Society. Botany“. In „World Checklist of Selected Plant Families“ (WCSP) wird der Artname bis heute als offizielle Bezeichnung geführt. Sowohl im Handel wie auch in weiten Teilen der aktuellen Fachliteratur findet allerdings sehr oft der Name guttata Verwendung, den Johan HERMANS und Phillip James CRIBB  in einem Artikel in „Orchid Review“ im Jahr 2007 einführten. In manchen Quellen wird angegeben, dass es sich um zwei unterschiedliche Arten handeln soll. Andere Experten sind der Meinung, dass es eine Art ist. Da wir uns als Deutsche Orchideen-Gesellschaft darauf verständigt haben, die von Govaerts et al in der WCSP anerkannten Gattungs- und Artnamen zu benutzen, stellen wir euch die heutige Orchidee der Woche als Cynorkis angustipetala vor. Erworben wurde die Pflanze allerdings als Cynorkis guttata.

Die  Art ist auf Madagaskar endemisch. Sie kommt dort meist terrestrisch in offenen feuchten Wäldern, auf Wiesen und in Sumpfgebieten vor. Ganz selten wächst sie auch epiphytisch. Egal wie der Standort genau aussieht, die Böden, auf denen Cynorkis angustipetala siedelt, sind immer sehr torfhaltig. Während es in den Sommermonaten viel Niederschlag gibt und das Habitat niemals abtrocknet, fällt in den Wintermonaten kaum Regen. Von November bis April ist das Klima richtig heiß. In den Wintermonaten Mai bis Oktober (Madagaskar liegt ja auf der Südhalbkugel) ist es zwar etwas kühler, aber noch immer warm.

Ein junger Austrieb von Cynorkis angustipetala (Foto: Werner Holzmann)

Cynorkis ist eng verwandt mit Habenaria, unterscheidet sich aber durch den Zeitpunkt der Blüte. Nachdem die Knolle von Cynorkis angustipetala eine trockene Winterruhe unter der Erde verbracht hat, schiebt sie zeitgleich mit dem Neutrieb die Infloreszenz aus dem Boden. Erst nach dem Abblühen wächst der Neutrieb heran und bildet ein einzelnes bis zu 30 cm langes Blatt aus, das von einem kurzen Stiel getragen wird. Die Blätter sind hellgrün, glänzend und bleiben am Ansatz leicht zusammengerollt. Im Herbst zieht die Knolle das Blatt ein und geht wieder in die trockene, aber warme Ruhephase. Die Infloreszenzen tragen mehrere Blüten, die kreisförmig angeordnet sind. Wenn sie aufblühen sind sie weiß mit einem violettroten Fleck in der Mitte des Labellums. Im Laufe der Blütezeit färben sie sich   blassviolett. Die Lippe ist der auffälligste Teil der Blüte. Sie spaltet sich in vier längliche Bereiche. Die Petalen sind kurz – worauf der Artenname angusitpetala schon hinweist –  und etwas nach hinten geneigt. Das dorsale Sepalum sitzt helmartig über den Geschlechtsorganen.

Kultviert werden kann Cynorkis angustipetala wie die bereits vorgestellten Arten der Gattung Habenaria. Im Folgenden beschreibe ich euch die Kulturmethode von unserem „Orchideendoktor“ Werner Holzmann:

Im Januar, während sich die Knollen noch in ihrer trockenen, aber warmen Winterruhe befinden, topft er sie in frisches Substrat. Er nimmt dafür feine Rinde, feines Tongranulat und Bimskies. Sollte an der Knolle schon ein kleiner Neutrieb zu sehen sein, muss man sehr aufpassen, dass man diesen nicht verletzt. Schädigt man ihn zu sehr oder bricht in gar ab, besteht die Gefahr, dass kein weiterer Trieb gebildet wird und die Pflanze abstirbt. Es ist auch wichtig, den Neutrieb nach oben zu richten, damit er nicht ins Substrat hineinwächst, sondern den Weg ans Licht schnell und ohne Kraftaufwand findet.

Mit dem ersten Austrieb, der bereits die Infloreszenz mit sich bringt, gibt Werner Holzmann langsam und sehr vorsichtig erste kleine Wassergaben. Aber noch sollte das Substrat nicht komplett feucht oder gar nass gehalten werden, da die Knolle sonst wegfaulen könnte. Zartes Gießen am Topfrand reicht in dieser Zeit völlig aus. Erst wenn das neue Blatt deutlich zu wachsen beginnt, kann stärker gegossen werden. Das Substrat sollte dann komplett durchfeuchtet sein und während der gesamten Wachstumsperiode auch nicht mehr ganz austrocknen. Am natürlichen Standort ist das die Regenzeit, in der es 15-20 Tage im Monat Niederschlag gibt.

Gedüngt wird nur in schwacher Konzentration und nur während der Wachstumsperiode. Da die Pflanze über den Winter komplett trocken steht und kein Wasser erhält, gibt es in dieser Zeit natürlich auch keinen Dünger.

Die Pflanze von Werner Holzmann steht an einem sehr hellen Fenster mit Südausrichtung, das allerdings durch einen darüber liegenden Balkon schattiert wird, sodass lediglich die sehr tief stehende Morgen- und Abendsonne etwas auf die Pflanze fällt. Auch im Winter bleibt sie an diesem warmen Platz stehen. Auf keinen Fall sollte die starke Mittagssonne im Sommer auf die Blätter scheinen, da diese sonst regelrecht verbrennen würden. Die Naturstandorte von Cynorkis angustipetala liegen auch in eher schattigen Bereichen der Wälder, Wiesen und Moore Madagaskars.

Im Hochsommer, zwischen August und September, sollte der Neutrieb von Cynorkis angustipetala ausgereift sein. Danach wird  das Wässern langsam reduziert. Wenn die Blätter anfangen einzuziehen und sich braun verfärben, wird das Gießen komplett eingestellt und die Pflanze beginnt damit ihre Ruhephase, die bis zum Neuaustrieb im zeitigen Frühjahr dauert.

Mit einem Substratwechsel am Anfang des Folgejahres beginnt der Zyklus für die Pflanze – und die Kultur – von Neuem. Im Laufe der Jahre bildet die Knolle von Cynorkis angustipetala Nebenknollen, durch die sie sich ausbreitet und vermehrt. Man kann die Knollen zusammen topfen oder auch vereinzeln.

Durch ihre wirklich imposanten Blüten und deren kreisförmige Anordnung ist Cynorkis angustipetala ein echter Blickfang im zeitigen Frühjahr. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Die Infloreszenzen erscheinen bei Cynorkis, anders als bei Habenaria, aus dem noch jungen Neutrieb. (Foto: Werner Holzmann)
Seitenansicht der Blüten von Cynorkis angustipetala (Foto: Werner Holzmann)

 

KW 01, 2019

Dendrobium subuliferum

Alles lesen Orchidee der Woche 01, 2019

Dendrobium subuliferum

Dendrobium subuliferum ‚Wasen‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

Im Jahr 1911 beschrieb der belgische Orchideenforscher Johannes Jacobus SMITH Dendrobium subuliferum erstmalig in einem Artikel von „Bulletin du Jardin Botanique de Buitenzorg“. Der deutsche Botaniker Stephan RAUSCHERT überführte die Art 1983 in die Gattung Pedilonum, was sich allerdings bis heute nicht durchsetzte. Gelegentlich taucht Pedilonum subuliferum aber in der Literatur auf. Mit „auf Bäumen lebend und Pfrieme tragend“ lässt sich der Name Dendrobium subuliferum in etwa übersetzen. Aus déndron, der Baum, und bios, das Leben, setzt sich der Gattungsname zusammen, der sich damit erklären lässt, dass die meisten Dendrobien Epiphyten sind, die auf Bäumen leben. Der Artname subuliferum,  Pfriem tragend (Pfriem/Ahle = spitz zulaufender, dünner Metallstift), bezieht sich auf die schmalen, spitz zulaufenden Blätter der Art, die an das Werkzeug eines Schuhmachers erinnern.

Dendrobium subuliferum aus der Kultur von Gabi Mayr und Frank Siebach (Foto: Frank Siebach)

Heimisch ist Dendrobium subuliferum in Papua und Neuguinea, wo es dichte Nebelwälder mit schattigen, moosbewachsenen Standorten in Höhenlagen von 300-2000 Metern über dem Meeresspiegel besiedelt. Die Temperaturbedingungen dort können als heiß bis kühl bezeichnet werden. Niederschlag gibt es das ganze Jahr hindurch, in den Sommermonaten allerdings deutlich weniger als im Winter. Die Luftfeuchtigkeit ist allerdings ganzjährig so hoch, dass das Habitat niemals austrocknet.In den meisten Fällen wird die Pflanze ihrem Namen gerecht und kommt auf Bäumen vor, gelegentlich wächst sie aber auch terrestrisch.

Die kleinen Pflanzen bilden dünne Pseudobulben aus, die jeweils vier bis sechs wechselständig wachsende Blätter tragen. Das Laub ist dunkelgrün, fest und sehr dünn. Die Oberfläche ist mit kleinen, warzenartigen Erhebungen bedeckt. In den Blattachseln entstehen die kurzen Infloreszenzen, die im Normalfall eine einzelne weiße Blüte tragen, ganz selten findet man auch mal zwei. Die Blüten sind nicht resupiniert, das heißt das Labellum zeigt nach oben. Sie sind reinweiß und funkeln, als wären sie mit feinem Diamantstaub bedeckt. Lediglich die Spitze der Säule ist zart violettrot überhaucht. Manche Pflanzen duften, aber nicht alle.

Dendrobium subuliferum ‚Luc‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Nachfolgend beschreibe ich euch die Kultur unserer Mitglieder Gabi Mayr und Frank Siebach, die die Art seit vielen Jahren sehr erfolgreich kultivieren:

Die Pflanze ist getopft in einer Mischung aus Sphagnum-Moos, feiner Rinde und Xaxim. Das Moos ist in diesem Falle kein getrocknetes und somit totes Moos, sondern frisches, lebendes. Durch die andauernde Feuchtigkeit, die im Topf aufrecht erhalten wird, wächst das Moos weiter und bildet einen regelrechten Teppich auf der Oberfläche des Pflanzstoffs. Lebendmoos ist ein guter Indikator, um die Feuchtigkeit zu kontrollieren. Solange es wächst und schön grün gefärbt ist, herrscht genau das für Dendrobium subuliferum richtige Klima im Topf. Durch die andauernde Feuchtigkeit zersetzt sich allerdings die Rinde recht zügig. Auch das Moos im Topf reichert schnell überschüssigen Dünger in Form von Salzen an. Daher ist es notwendig alle zwei Jahre das Substrat zu wechseln.

Gegossen wird im Sommer und im Winter immer so, dass das Substrat nie austrocknet. Dadurch muss in der warmen Jahreszeit natürlich etwas öfter gewässert werden als in den kalten Wintermonaten. Das Gießwasser ist nur schwach aufgedüngt. Der Leitwert beträgt maximal auf 100 µs/cm. Bei zu hohen Düngergaben verbrennen die Wurzeln von den im Wasser gelösten Salzen und sterben dann ab. Gedüngt wird Dendrobium subuliferum von Gabi Mayr und Frank Siebach mit einem 3-Komponenten-Dünger. Gelegentlich unterstützen sie die Pflanzenernährung mit Huminsäuren.

Die Pflanze hängt das ganze Jahr über im Gewächshaus. Im Sommer bekommt sie die Morgensonne ab, allerdings leicht schattiert durch die matten Scheiben des Gewächshauses. Den Rest des Tages verbringt sie im Schatten ohne direkte Sonneneinstrahlung. Im Winter beleuchten unsere beiden Mitglieder zusätzlich mit einer LED-Pflanzenlanpe, die die Lichtarmut hier bei uns in Mitteleuropa etwas ausgleicht. Die Temperaturen fallen im Winter niemals unter 15 Grad. Im Sommer wird das Klima im Gewächshaus so gesteuert, dass das Thermometer möglichst nicht 30 Grad übersteigt. Von März bis Septemper sorgt ein Vernebler im Gewächshaus dafür, dass die Luftfeuchtigkeit ununterbrochen sehr hoch ist. Besonders nachts fördert es das Pflanzenwachstum, wenn sich auf den Blättern Tau bilden kann. Ideale Bedingungen, die auf der Fensterbank natürlich so nicht ganz umgesetzt werden könnten.  Dendrobium subuliferum dankt seinen Besitzern diese möglichst naturgetreue Kultur mit einer Vielzahl an Blüten, die sich im Herbst und Winter öffnen.

Natürlich lässt sich diese wirklich schöne Naturform mit ihren edlen weißen Blüten auch auf der Fensterbank kultivieren. Schließlich hat nicht jeder das Glück ein Gewächshaus im Garten stehen zu haben. Traut euch einfach! Viel Erfolg bei der Kultur!

Autor: Thomas Lehmann

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Dendrobium subuliferum (Foto: Frank Siebach)
Dendrobium subuliferum ‚Eerika‘ SM/DOG für die Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Dendrobium subuliferum ‚Dalles‘ SM/DOG für die Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

 

 

KW 52, 2019

Dryadella aurea

Alles lesen Orchidee der Woche 52, 2019

Dryadella aurea

Dryadella aurea – die kleine, goldene Waldnymphe (Foto: Werner Holzmann)

Der erst kürzlich verstorbene amerikanische Botaniker Carlyle August LUER – ein weltweit anerkannter Spezialist für Pleurothallidinae – und sein ecuadorianischer Kollege Alexander Charles HIRTZ beschrieben die Art erstmalig im Jahr 1999 in  „Monographs in Systematic Botany from the Missouri Botanical Garden 76: 159“. Der Gattungsname Dryadella leitet sich vom lateinischen Wort Dryas ab. Dryaden sind Baumnymphen, die ihren Ursprung in der griechischen Mythologie haben, wo sie als Gottheiten mit Sitz in großen sommergrünen Eichen angesehen wurden. Die Endung -ella ist das Diminutiv, also eine Verniedlichung dieser Baumnymphen. Der Artname aurea lässt sich mit golden, oder goldgelb übersetzen. Dryadella aurea sind also kleine, goldene Baumnymphen. Angesichts des epiphytischen Vorkommens der Art eine wirklich treffende und schöne Namensgebung, wie ich finde.

Habitus von Dryadella aurea (Foto: Werner Holzmann)

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Dryadella aurea erstreckt sich von Ecuador bis nach Peru. Die Art wächst dort auf Höhen von 700 – 950 Metern über dem Meeresspiegel unter temperiert bis kühlen Bedingungen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch. Die Luftfeuchtigkeit in den Regenwäldern der Anden ist ebenfalls ganzjährig sehr hoch. Das Habitat trocknet demnach niemals aus. Die kleinen und empfindlichen Pflanzen werden vom Laub der großen Bäume vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt.

Wie die meisten Pflanzen der Pleurothallidinae hat Dryadella aurea keine Speicherorgane. An einem kurzen und dünnen Stiel sitzt ein einzelnes festes Blatt. Der Stiel ist nur einen Zentimeter lang und von einer trockenen Hülle umgeben. Das Blatt ist dunkelgrün, stark gekielt und hat eine abgerundete Spitze. Das Laub wird bis zu 5 cm lang. Am unteren Ende des Stiels, geschützt von der trockenen Hülle, entspringt die Infloreszenz, die nur 1-2 cm lang wird und eine einzelne leuchtend gelbe Blüte trägt. Die Sepalen dominieren das Erscheinungsbild der Blüten. Die Petalen und das Labellum sitzen im Schlund der Blüte und werden zusammen mit den Geschlechtsteilen vom darüberliegenden Sepalum geschützt. Während Lippe, Petalen und Synsepalen durchgefärbt sind, ist das dorsale Sepalum leicht durchscheinend.

Kultivieren lässt sich Dryadella aurea zwar auch getopft in feiner Rinde, Sphagnum-Moos oder auch mineralisch, wesentlich einfacher ist aber eine aufgebundene Kultur in einer Vitrine oder einem Gewächshaus. Im Folgenden stelle ich euch die Kulturmethode von Werner Holzmann vor, der die Art seit einigen Jahren erfolgreich in einer Orchideenvitrine pflegt:

Wie oben schon erwähnt besitzt Dryadella aurea keine Speicherorgane und muss somit dauerfeucht gehalten werden. Auch hohe Luftfeuchtigkeit wirkt sich sehr positiv auf Wachstum und Blühfreudigkeit aus. Aus diesem Grund kultiviert Werner Holzmann seine Pflanze in seiner Orchideenvitrine, wo hohe Luftfeuchtigkeit leichter zu erreichen ist. Er besprüht die kleine Pflanze täglich mit salzarmem Wasser. Mehrmals täglich laufen kleine Ventilatoren, die dafür sorgen, dass die Blätter abtrockenen können und nicht zu faulen beginnen. Alle vier Wochen gibt es etwas Dünger mit ins Wasser. Der Leitwert des Düngerwassers liegt bei 150-200 Mikrosiemens/cm.

Natürliches Tageslicht erhalten die Pflanzen in seinem Orchidarium nicht. Er beleuchtet ausschließlich mit Kunstlicht.  Derzeit nutzt er dafür noch eine Leuchtstoffröhre, die speziell auf die Kultur von Pflanzen ausgelegt ist. Aufgrund des Stromverbrauchs und des Umweltschutzes ist eine Umstellung auf LED-Lampen geplant. Ein weiterer Vorteil von LED-Lampen ist, dass sie kaum Temperatur erzeugen, was bei kühler zu kultivierenden Pflanzen natürlich deutlich besser ist. Leuchtstoffröhren können sehr heiß werden und je nach Anbringung die Vitrine stark aufheizen. Die Temperaturbedingungen in der Vitrine sind kühl-temperiert, da sie in einem unbeheizten Raum steht, in dem das Fenster nur bei Frost geschlossen wird. Im Sommer wird es natürich auch mal etwas wärmer, was den Pflanzen aber nicht schadet.

Als Unterlage zum Aufbinden nimmt Werner Holzmann sehr gerne Presskork. Er mag vielleicht nicht so langlebig sein, da er sich durch die andauernde Feuchtigkeit schnell zersetzt, dafür lässt er sich aber ganz einfach zerbröseln, wenn es an der Zeit ist die Pflanze neu aufzubinden. Früher oder später muss jede Unterlage ausgetauscht werden. Bei harten Materialien, die sich nicht zersetzen, hat man dann immer das Problem, dass man die Wurzeln nicht davon lösen kann, ohne sie zu verletzten oder gar abzureißen.

Allein schon wegen ihrer Namensgebung habe ich beim Schreiben dieses Beitrags große Lust bekommen eine kleine, goldene Baumnymphe zu adoptieren. Ihr auch? Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Dryadella aurea hängt bei Werner Holzmann in einer Vitrine und wird ausschließlich mit Kunstlicht beleuchtet (Foto: Werner Holzmann)

KW 51, 2019

Gastrochilus retrocallus

Alles lesen Orchidee der Woche 51, 2019

Gastrochilus retrocallus

Gastrochilus retrocallus (Foto: Thomas Lehmann)

Bunzō HAYATA, ein japanischer Botaniker und Taxonom, beschrieb die Art erstmalig unter dem Namen Saccolabium retrocallum in „Icones Plantarum Formosanarum nec non et Contributiones ad Floram Formosanam“ im Jahr 1914. Drei Jahre später überführte er in einer weiteren Auflage des genannten Werks die Art in die Gattung Gastrochilus, wodurch sich der Artname zu retrocallus änderte. Sein ebenfalls aus Japan stammender Kollege Yûshun KUDÔ veröffentlichte im Jahr 1930 einen Beitrag in „Journal of the Society of Tropical Agriculture. [Nettai nogaku kwaishi]“, in dem er die Art in die Gattung Haraella überführte. Der Name Haraella retrocalla taucht immer wieder in der Literatur auf und ist ein gültiges Synonym für die Art. Der von WCSP (World Checklist of Selected Plant Families) der Kew-Gardens in England anerkannte Name ist aber bis heute Gastrochilus retrocallus.

Der Gattungsname setzt sich aus den zwei griechischen Wörtern gaster (γαστηρ) und cheîlos (χειλος) zusammen. Ersteres bedeutet Bauch, zweites kann mit Lippe übersetzt werden. Da das Labellum, also die Lippe, bei Pflanzen dieser Gattung sehr bauchig ist, scheint dies ein sehr passender Gattungsname zu sein. Der Artname retrocallus lässt sich mit „nach hinten gerichteter Bart übersetzen“. Da der Rand des Labellums stark ausgefranst und leicht nach hinten geneigt wächst, ist auch der Artname nachvollziehbar. Ganz frei lässt sich Gastrochilus retrocallus also mit „Bauchige Lippe mit nach hinten gerichtetem Bart“ übersetzen.

Im Vergelich mit meinen Fingern erkennt man sehr gut, wie klein Gastrochilus retrocallus ist (Foto: Thomas Lehmann)

Der Epiphyt ist heimisch auf Taiwan, wo er in Höhenlagen von 1.000 – 2.200 Metern in uralten Wäldern wächst. Das Klima ist geprägt von sehr warmen Sommern und – je nach Standort – richtig kühlen Wintern. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über. Selten sind die kleinen Pflanzen dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt. Meistens findet man sie an halbschattigen Plätzen.

Gastrochilus retrocallus bildet kurze Stämme aus, auf denen jeweils drei bis fünf kleine fleischige Blätter sitzen. Das dunkelgrüne Laub wird nur wenige Zentimeter lang und hat eine abgerundete Spitze. Vom Herbst bis in den Winter erscheinen die circa 5-7 cm langen Infloreszenzen, an denen bis zu drei Blütenknospen gebildet werden. Nicht immer entwickeln sich die Knospen gleichzeitig. Oft blühen die Blütentriebe zuerst mit ein bis zwei Blüten und nach dem Abblühen folgt eine weitere Nachblüte. Die 3-4 cm großen Blüten haben eine leuchtend gelbe Färbung. Lediglich das Labellum ist im Zentrum auffällig violettrot gezeichnet. Die Blüten duften angenehm und intensiv.

Obwohl die Art am Naturstandort im Winter eher niedrige Temperaturen erfährt, kultiviere ich meine Pflanze temperiert. Die nächtlichen Werte fallen in den Wintermonaten bei mir auf ungefähr 14 Grad ab. In besonders eisigen Nächten sind es auch mal nur 12 Grad. Kühler hat es mein Gastrochilus retrocallus allerdings nie. Im Sommer sind die Temperaturen natürlich deutlich höher, was der Art aber keine Probleme bereitet. Die Sommermonate sind auf Taiwan ja auch sehr warm bis heiß. Da direktes Sonnenlicht nicht gut vertragen wird und am Naturstandort in den uralten Wäldern Taiwans nur mäßig Licht auf die Pflanzen fällt, steht sie bei mir etwa eineinhalb Meter von einem sehr großen, nach Süden ausgerichteten Fenster entfernt. Da jedes Jahr im Herbst die Blütentriebe erscheinen, reicht das wenige Licht dort offenbar aus.

Gastrochilus retrocallus lässt sich sehr gut aufgebunden kultivieren, wenn man eine Orchideenvitrine oder ein Gewächshaus hat und die Luftfeuchtigkeit schön hoch halten kann. Leider besitze ich beides nicht, also kultiviere ich sie getopft in reinem Sphagnum-Moos. Der Vorteil davon ist, dass es sich schön gleichmäßig feucht halten lässt, ohne zu nass zu werden. Der meiner Meinung nach größte Nachteil ist, dass das Substrat jährlich gewechselt werden sollte. Durch die andauernde Feuchtigkeit verdichten sich die Moosfäden im Inneren des Topfes schnell, wodurch die Wurzeln nicht mehr ausreichend mit Frischluft versorgt werden und faulen können. Außerdem reichern sich im Moos Düngerreste in Form von Salzen an, die auf Dauer die feinen Wurzeln von Gastrochilus retrocallus verbrennen können. Meine kleine Pflanze erhielt ich damals in Moos getopft und es lief von Anfang an echt prima mit ihr, weswegen ich mich dazu entschloss, sie dauerhaft in Moos zu kultivieren und den Nachteil des regelmäßigen Topfens hinzunehmen.

Der Pflanzstoff wird immer feucht gehalten und trocknet niemals komplett ab. An den besonders heißen Sommertagen, an denen das kleine Töpfchen innerhalb von ein bis zwei Tagen durchtrocknen würde, steht es sogar kurzzeitig in einer kleinen Pfütze Wasser, was den Wurzeln bisher noch nicht geschadet hat. Ich achte aber sehr darauf, dass es währendessen nicht zu kühl wird und höchstens zwei bis drei Tage dauert, bis das Wasser aufgesogen ist. Gastrochilus retrocallus hat sehr feine Wurzeln, die – wie oben schon erwähnt – sehr salzempfindlich sind. Deshalb dünge ich nur einmal im Monat während der Sommermonate. Der Leitwert meines Düngerwassers liegt dann bei ungefähr 300-350 Mikrosiemens/cm.

Wegen ihrer wirklich überschaubaren Größe findet Gastrochilus retrocallus in jeder Orchideensammlung noch ein Plätzchen. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Die „bauchige Lippe mit nach hinten gerichtetem Bart“ lässt sich in der Seitenansicht gut erkennen (Foto: Thomas Lehmann)
Auch der direkte Blick von oben auf das Labellum zeigt Bauch und Bart (Foto: Thomas Lehmann)
Die Knospen von Gastrochilus retrocallus sind fast kugelrund (Foto: Thomas Lehmann)
Habitus mit drei Blüten an zwei Infloreszenzen (Foto: Thomas Lehmann)

KW 50, 2019

Prosthechea garciana

Alles lesen Orchidee der Woche 50, 2019

Prosthechea garciana

Prosthechea garciana mit dunkler Färbung im Sommer – im Winter ist die Blüte fast komplett weiß mit wenigen, ganz feinen Pünktchen (Foto: Thomas Lehmann)

 

Als Epidendrum garcianum beschrieben die beiden Autoren Leslie Andrew GARAY und Galfrid Clement Keyworth DUNSTERVILLE die Art erstmalig in einem Beitrag der zweiten Ausgabe von „Venezuelan Orchids Illustrated“ aus dem Jahr 1961. Der aktuell gültige Artname, der in World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) der Kew Gardens gelistet ist, lautet Prosthechea garciana. Die Überführung in die Gattung Prosthechea geschah im Jahr 1997/98 durch Wesley Ervin HIGGINS in „Phytologia; Designed to Expedite Botanical Publication“. Auch unter ihren beiden weiteren Synonymen Encyclia garciana und Anacheilium garcianum wird die Art öfter in der Literatur genannt oder zum Kauf angeboten.

Hier im Vergleich die Winter-Blüte der gleichen Pflanze von Prosthechea garciana (Foto: Thomas Lehmann)

Prosthechea garciana ist heimisch in den immerfeuchten Bergwäldern Venezuelas. Ihre Standorte liegen meist auf 1200 Meter über dem Meeresspiegel mit kühl-temperierten, manchmal auch kühl-kalten Temperaturbedingungen. Die sympodial wachsende Art ist ein Epiphyt, der zumeist Äste und Stämme von moosbewachsenen Bäumen besiedelt. Selten sind die Pflanzen dort der direkten Sonne ausgesetzt. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, wenn auch im Winter etwas weniger als im Sommer.

An kleinen bis mittelgroßen Pseudobulben sitzt jeweils ein einzelnes festes Blatt, das dunkelgrün, gekielt und spitz zulaufend ist. Nach Ausreifen der Pseudobulbe bildet sich am Blattansatz eine Blütenscheide aus, in der eine kurze Infloreszenz heranwächst, die meist zwei Blüten trägt. Diese sind weiß und haben sehr unterschiedlich intensive Zeichnungen in Rotviolett. Während meine Prosthechea garciana im Sommer stark gefärbte Blüten trägt, sind ihre Herbst- und Winterblüten sehr blass. Vermutlich liegt es am vorhandenen Licht, wie intensiv das Rotviolett hervortritt. Im Laufe der Zeit werden die Pflanzen zu richtigen Büschen, die eine Vielzahl von Blüten tragen können. Die Blüten sind nicht resupiniert, das heißt, dass das Labellum nach oben gerichtet ist und nicht nach unten wie bei den meisten bekannten Orchideenarten.

Ich kultiviere Prosthechea garciana in einer Mischung aus mineralischem Substrat: Bims, Akadama, Lava, Zeolith – alles, was ich gerade zur Verfügung hatte. Der Topf steht immer in einer kleinen Schale, die mit Wasser gefüllt ist. Durch die Kapillarwirkung der Mineralien ist das Substrat stets feucht, aber nicht nass. Perfekte Bedingungen, wie es scheint, denn der Topf war innerhalb  von wenigen Wochen komplett durchwurzelt. Der große Vorteil von mineralischen Substraten ist, dass sie sich nicht zersetzten und somit nur neu getopft werden muss, wenn der Topf zu klein geworden ist und die Neutriebe über den Rand hinauswachsen würden. Das wird im Frühjar bei meiner Pflanze der Fall sein. Natürlich lässt sich Prosthechea garciana auch in anderen Substraten erfolgreich kultivieren. Wichtig ist, dass sie stets feucht, aber nicht klatschnass ist.

Habitus von Prosthechea garciana (Foto: Thomas Lehmann)

Die Wasserqualität sollte nicht allzu salzhaltig sein, wobei die Pflanze schon etwas Dünger verträgt. Mein Wasser, mit dem ich die Schale immer auffülle, wenn sie leergesaugt ist, hat einen Leitwert von 200-300 Mikrosiemens. Im Winter weniger, da ich in dieser Zeit keinen Dünger gebe. Durch das geringe Lichtangebot im Winter fährt der Stoffwechsel der Pflanze herunter, wodurch sie weniger Nährstoffe verarbeiten kann. Wird in dieser Zeit zu viel gedüngt, verbleiben die Salze im Substrat, das dadurch versalzt und somit die doch recht feinen Wurzeln verbrennen würden. Wer im Winter mit künstlichem Licht arbeitet, kann natürlich auch dann etwas Dünger geben.

Da die Temperaturbedingungen an den verschiedenen Naturstandorten von kalt bis temperiert variieren, ist Prosthechea garciana hier nicht allzu anspruchsvoll. Ich kultiviere meine Pflanze sogar im temperiert-warmen Bereich. Auch die große Hitze im Sommer hat ihr keinerlei Probleme bereitet. Ich hatte sogar den Eindruck, dass ihr das sehr gutgetan hat. Als andere Orchideen aus meinem Bestand das Wachstum aufgrund der großen Hitze für einige Wochen einstellten, kam sie so richtig in Fahrt. Auch im Winter steht sie bei mir in einem gelegentlich beheizten Zimmer, in dem die Temperaturen nachts bei ca. 14 Grad liegen. Manchmal fallen sie auf 12 Grad, gelegentlich liegen sie aber auch bei 16 Grad.

Direkter Mittagssonne ist meine Pflanze nie ausgesetzt, auch im Winter nicht. Die tief stehende Abendsonne im Winter kann aber unschattiert auf sie fallen. Da dann die Tage deutlich kürzer sind, darf in der kurzen Zeit ruhig etwas mehr Licht aufgenommen werden. Die Blattfarbe ist saftig grün ohne Verbrennungen und ausgeblichene Stellen. Die winterliche Abendsonne scheint ihr also gut zu gefallen.

Durch die edel anmutenden Blüten ist Prosthechea garciana ein wirklicher Hingucker, der vom Sommer bis in den Winter hinein blühen kann. Eine wahre Bereicherung für jedes Fensterbrett – auf dem sie durch ihre kompakte Größe auch gut Platz findet. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Die Blüten sind nicht resupiniert, das heißt das Labellum ist nach oben gerichtet (Foto: Thomas Lehmann)
Detailansicht des Labellum (Foto: Thomas Lehmann)
Blütenansicht von unten auf das Labellum (Foto: Thomas Lehmann)

KW 49, 2019

Dendrochilum cobbianum

Alles lesen Orchidee der Woche 49, 2019

Dendrochilum cobbianum

Dendrochilum cobbianum – Einzelblüte (Foto: Thomas Lehmann)

In einer Ausgabe von „Gardeners‘ Chronicle“ aus dem Jahr 1880 erschien die Erstbeschreibung von Dendrochilum cobbianum. Der Autor Heinrich Gustav REICHENBACH war ein deutscher Botaniker, der zahlreiche neue Orchideenarten beschrieb. Der Name Dendrochilum leitet sich von den altgriechischen Wörtern δενδρον (déndron = Baum) und χειλοσ (chéilos = Lippe) ab – auf Bäumen wachsend, mit deutlich ausgeprägter Lippe. Mit dem Artnamen ehrte REICHENBACH einen britischen Freund und Orchideen-Enthusiasten, der mit Nachnamen COBB hieß.

Heimisch ist Dendrochilum cobbianum in den kühleren Regionen der Philippinen. Die eher mittelgroße Art wächst dort entweder epiphytisch auf bemoosten Ästen und Stämmen oder lithophytisch auf Felsen, immer aber in voller Sonne. In niederen Lagen unter 1200 Metern ü. M. ist sie nicht anzutreffen. An den Standorten herrscht ein dauerfeuchtes Klima mit ganzjährigen Niederschlägen. Die Anzahl der Regentage nimmt in den Wintermonaten zwar ab, die Luftfeuchtigkeit sorgt aber dafür, dass das Habitat niemals austrocknet.

Dendrochilum cobbianum ‚Jana‘ BM/DOG – die einzelnen Rispen bilden einen Vorhang aus Blüten (Foto: D.O.G.-Archiv)

Auf den kleinen ovalen Pseubulben sitzt ein einzelnes Blatt, das von einem dünnen, aber festen Stiel getragen wird. Die Blätter sind fächerartig gewellt und laufen spitz zu. Die Pseudobulben und das Laub haben einen leicht gelblichen Schimmer. Jeweils im Frühjahr und im Herbst erscheinen nach Ausreifen der Neutriebe lange Infloreszenzen, die zuerst aufrecht emporwachsen und danach überhängend lange Blütentrauben tragen. Die einzelnen Blüten sind  unauffällig weiß gefärbt. Lediglich das Labellum leuchtet in einem strahlenden Gelb. Nach und nach öfnnet sich die gesamte Infloreszenz, bis schließlich ca. 25 cm lange Blütenrispen herabhängen. Dendrochilum cobbianum verströmt einen zarten vanilligen Duft im gesamten Raum.

Die Kultur in der Wohnung kann erfolgreich sein, wenn besonders im Winter ein etwas kühlerer Platz geboten wird. Auch sollte die Luftfeuchtigkeit nicht zu niedrig sein, da die Pflanzen sonst sehr anfällig für Spinnmilben sind. Den Sommer über steht mein Dendrochilum cobbianum an einem vor zu starker Mittagsonne geschützten Platz im Freien. Sowohl am Morgen wie am frühen Abend fällt das Sonnenlicht aber ungehindert auf die Pflanze. Während der gesamten Sommermonate achte ich darauf, dass der Pflanzstoff immer feucht ist und niemals durchtrocknet. Bei den heißen Temperaturen, die wir in den letzten Sommern immer öfter hatten, gieße ich teilweise täglich durchdringend und lasse gelegentlich auch etwas Wasser im Untersetzter stehen. Während des Monsuns am Naturstandort, der je nach Lage stärker oder schwächer ausgeprägt ist, sind die Pflanzen schließlich auch extrem viel Wasser ausgesetzt. Im Winter war ich mir nicht ganz sicher, ob ich die Pflanze völlig trocken halten sollte, da zu dieser Jahreszeit nicht überall auf den Philippinen Trockenheit herrscht und die Luftfeuchtigkeit meist ein Austrocknen des Habitats verhindert. Ich entschloss mich dazu, eine Art Semi-Dry-Ruhe zu bieten, die auch einige meiner Dendrobien bekommen. Das heißt, dass gelegentlich etwas gegossen wird, aber das Substrat zwischen zwei Wassergaben komplett durchtrocknen darf. Das gefällt sowohl Dendrochilum magnum wie auch dem hier vorgestellten Dendrochilum cobbianum bisher sehr gut.

In den Sommermonaten dünge ich mit jedem Wässern in schwacher Konzentration. Das Düngerwasser hat einen Leitwert von ungefähr 200 Mikrosiemens/cm (µS/cm). In den dunklen Wintermonaten dünge ich gar nicht. Die im Pflanzstoff angereichterten Salze reichen aus, um die Pflanze gut durch diese Jahreszeit zu bringen, in der ja ohnehin nicht viel gegossen wird.

Die Temperaturen im Sommer kann ich natürlich nicht beeinflussen. Die große Hitze wurde aber ohne Probleme von der Pflanze vertragen. Im Winter steht sie vollsonnig an einem Südseitenfenster, bei nächtlichen Temperaturen von ungefähr 12-14 Grad. Tagsüber können die Temperaturen auch auf 27-30 Grad steigen, wenn die Sonne scheint und den Raum aufheizt.

Als Substrat nutze ich mittelgroße Pinienrinde gemischt mit Perliten, die den Pflanzstoff etwas auflockern und zusätzlich die Fähigkeit haben, Wasser zu speichern und langsam abzugeben. Durch die andauernde Feuchtigkeit während des Sommers zersetzt sich die Rinde natürlich recht schnell, weswegen alle zwei bis drei Jahre neu getopft werden muss. Aus diesem Grund denke ich darüber nach, die Pflanze im Frühjahr in ein mineralisches Substrat zu setzten. Dendrochilum magnum habe ich im Frühjahr mineralisch getopft. Bisher scheint ihm das zuzusagen.

Wer auch an etwas unscheinbaren, aber trotzdem imposanten Orchideenblüten seine Freude hat und mit dem raumfüllenden Geruch nach Vanille leben kann, dem kann ich Dendrochilum cobbianum nur empfehlen, da es zuverlässig zwei Mal im Jahr mit einer Fülle an Blüten überzeugt. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Aktuelles Habitus-Foto meiner Pflanze. Sie treibt insgesamt vier Infloreszenzen aus. (Foto: Thomas Lehmann)
Dendrochilum cobbianum ‚Zell‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die einzelnen Blüten öffnen sich von oben nach unten. (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)

 

KW 48, 2019

Habenaria Regnieri

Alles lesen Orchidee der Woche 48, 2019

Habenaria Regnieri

Habenaria Regnieri (Foto: Werner Holzmann)

Die Gattung Habenaria wurde von Carl Ludwig WILLDENOW im Jahr 1805 aufgestellt. Der Name leitet sich ab vom lateinischen Wort habena = Zügel, Riemen, nach dem langen, riemenförmigen Sporn.

Bereits im Jahr 1910 meldete der Franzose M. Regnier die Hybride aus Habenaria carnea und Habenaria rhodocheila bei der Royal Horticultural Society an, woraufhin sie in das dortige Register für Orchideen-Hybriden eingetragen wurde. M. Regnier war ein bekannter Orchideensammler des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts, nach dem einige Naturformen wie zum Beispiel Liparis regnieri oder auch Phalaenopsis regnieriana (Syn. Phal. pulcherrima var. regnieriana ) benannt wurden. Mit der Hybride Habenaria Regnieri, die wir euch heute kurz vorstellen möchten, schuf er sich ein weiteres botanisches Denkmal, indem er dieser ebenfalls seinen eigenen Namen gab. Da es sich bei Habenaria Regnieri um eine Primärhybride handelt, sind lediglich zwei verschiedene Naturformen daran beteiligt:

  • 50% Habenaria carnea
  • 50% Habenaria rhodocheila
Habenaria carnea – ein Elternteil der Hybride Habenaria Regnieri (Foto: D.O.G.-Archiv)

Habenaria carnea ist an niedrig gelegenen Standorten in Thailand heimisch. Die Temperaturbedingungen sind ganzjährig warm – im Sommer teilweise richtig heiß. Man findet die Art in immergrünen Regenwäldern terrestrisch auf Kalksteinhügeln wachsend. Die Pflanzen bilden unterirdisch Knollen aus. Während der Sommer durch eine ausgiebige Regenzeit geprägt ist, fallen in den Winermonaten keinerlei Niederschläge. Lediglich die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

Habenaria rhodocheila gibt 50% der Gene an die Hybride Habenaria Regnieri (Foto: D.O.G.-Archiv)

Habenaria rhodocheila ist in weiten Teilen des asiatischen Festlandes und auf zahlreichen Inseln heimisch. Die Art wächst dort terrestrisch und teilweise auch lithophytisch auf Höhen von 200 – 1300 Metern über dem Meeresspiegel. Durch das recht große Verbreitungsgebiet variieren die Temperaturbedingungen von kühl bis warm. Richtig kalt wird es an den natürlichen Standorten aber auch im Winter nicht. Die Standorte von Habenaria rhodocheila erhalten im Sommer ebenfalls regelmäßig ausgiebige Niederschlägen und trocknen während des Winters regelrecht aus.

Die Pflanzen, die im Frühjahr mit dem Austrieb beginnen, besitzen 5 – 6 rosettenartig angeordnete Blätter, die weich, länglich und spitz zulaufend sind. Die Infloreszenzen entspringen endständig aus der Mitte der Rosette und werden bis zu 40 cm lang. Jede Infloreszenz trägt eine Vielzahl an Blüten, deren auffällig große und leuchtende Lippe das Erscheinungsbild der Blüten dominiert. Blütezeit ist im Sommer, meist von August bis September.

Die folgende Kulturbeschreibung stammt von Werner Holzmann:

Im Januar, während sich die Knolle in ihrer trockenen, aber warmen Winterruhe befindet, topft er sie in frisches Substrat. Er nimmt dafür feine Rinde, feines Tongranulat und Bimskies. Sollte an der Knolle schon ein kleiner Neutrieb zu sehen sein, muss man sehr aufpassen, dass man diesen nicht verletzt. Schädigt man ihn zu sehr oder bricht ihn gar ab, besteht die Gefahr, dass kein weiterer Trieb gebildet wird und die Pflanze abstirbt. Es ist auch wichtig, den Neutrieb nach oben zu richten, damit er nicht ins Substrat hineinwächst, sondern den Weg ans Licht schnell und ohne Kraftaufwand findet.

Nach dem Topfen beginnt Werner Holzmann langsam und sehr vorsichtig mit kleinen Wassergaben. Aber noch sollte das Substrat nicht komplett feucht oder gar nass gehalten werden, da die Knolle sonst wegfaulen könnte. Zartes Gießen am Topfrand reicht in dieser Zeit völlig aus. Erst wenn der neue Trieb ca. 1 cm aus dem Substrat herausragt, kann mehr gegossen werden. Das Substrat sollte dann komplett durchfeuchtet sein und während der gesamten Wachstumsperiode auch nicht mehr ganz austrocknen. Am natürlichen Standort ist das die Zeit der Monsunregen, in der es fast täglich Niederschläge gibt.

Gedüngt wird nur in schwacher Konzentration und natürlich nur während der Wachstumsperiode. Da die Pflanze über den Winter komplett trocken steht und kein Wasser erhält, gibt es in dieser Zeit natürlich auch keinen Dünger.

Die Pflanze von Werner Holzmann ist ganzjährig an einem sehr hellen Fenster mit Südausrichtung untergebracht, das allerdings durch einen darüberliegenden Balkon schattiert wird, sodass lediglich die sehr tief stehende Morgen- und Abendsonne etwas auf die Pflanze fällt. Auf keinen Fall sollte die starke Mittagssonne auf die Blätter fallen, da diese sonst regelrecht verbrennen würden. Die Elternteile von Habenaria Regnieri sind in dichten Wäldern heimisch und werden am Naturstandort durch das Laub der Bäume immer vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt.

Im Hochsommer, zwischen August und September, sollte Habenaria Regnieri ihre Infloreszenzen hervorbringen und mit vielen Blüten blühen. Danach wird  das Wasser langsam reduziert. Wenn die Blätter anfangen einzuziehen und sich braun verfärben, wird das Gießen komplett eingestellt und die Pflanze beginnt damit ihre Ruhephase, die bis zum Neuaustrieb im zeitigen Frühjahr dauert.

Mit einem Substratwechsel am Anfang des Folgejahres beginnt der Zyklus für die Pflanze – und die Kultur – von Neuem. Im Laufe der Jahre bildet die Knolle von Habenaria Regnieri Nebenknollen, durch die sie sich ausbreitet und vermehrt. Man kann die Knollen zusammen topfen oder auch vereinzeln.

Durch ihre wirklich imposanten Blüten ist Habenaria Regnieri ein echter Blickfang. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autoren: Werner Holzmann und Thomas Lehmann

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Die Blüten von Habenaria Regnieri haben einen langen Sporn. (Foto: Werner Holzmann)
Habitusfoto von Habenaria Regnieri
Einzelblüte – Frontansicht (Foto: Werner Holzmann)
Einzelblüte – Seitenansicht (Foto: Werner Holzmann)

 

KW 47, 2019

Dendrobium convolutum

Alles lesen Orchidee der Woche 47, 2019

 Dendrobium convolutum

Dendrobium convolutum (Foto: Fabian Kulka)

Erstbeschreibung und Autor

Die Gattung Dendrobium Sw. ist eine der umfangreicheren Gattungen innerhalb der Orchideen. Im Folgenden möchte ich euch die Art Dendrobium convolutum Rolfe etwas näherbringen. Sie wurde im Jahr 1906 durch den englischen Botaniker Robert Allen ROLFE beschrieben und in „Bulletin of Miscellaneous Information (Royal Botanic Gardens, Kew) 1906: 375“ veröffentlicht. Robert Allen ROLFE (1855 – 1921) war zu seiner Zeit durchaus als Koryphäe auf dem Gebiet der Orchideenforschung anzusehen. Nicht umsonst war er für viele Jahre mit verantwortlich für die Herbarien der Royal Botanic Gardens in Kew. Überdies war er auch der Begründer der Zeitschrift „The Orchid Review“, eine der führenden auf dem Fachgebiet der Orchideen und seit 1993 auch offizielles Magazin der Royal Horticultural Society.

Habitat und Vorkommen

Dendrobium convolutum kommt wie einige andere Arten der Sektion Latouria innerhalb der Gattung Dendrobium endemisch auf Papua-Neuguinea vor und soll in den Provinzen Madang, Morobe und Milne Bay verbreitet sein. Die genaueren Angaben darüber variieren zum Teil etwas. Demnach befinden sich seine Standorte von Meereshöhe bis zu 1500 Meter über dem Meeresspiegel. In manchen Quellen wird zusätzlich erwähnt, dass die Vorkommen küstennah liegen. Aus diesen Angaben lässt sich zumindest grob ableiten, dass Dendrobium convolutum warme Bedingungen bevorzugt und auch recht gleichmäßig mit Feuchtigkeit versorgt werden möchte. Da Papua-Neuguinea in der Nähe des Äquators liegt und Dendrobium convolutum eher niedrige Höhenlagen besiedelt, ist dort nicht mit starken Schwankungen der Temperaturen und Niederschlagsmengen zu rechnen und somit auch nicht mit einer echten Ruhezeit der Pflanzen.

Beschreibung von Habitus und Blüte

Habitus von Dendrobium convolutum – die Metallstangen dienen dazu, die Neutriebe etwas in die richtige Richtung zu lenken (Foto: Fabian Kulka)

Die Pflanzen der Gattung Dendrobium gehören zu den sympodial wachsenden Orchideen und bilden daher sogenannte Pseudobulben aus, die auch als Speicherorgane dienen können. Bei Dendrobium convolutum haben diese Pseudobulben einen Durchmesser von etwa 1-1,5 cm und werden gut 20-30 cm hoch. Sie können bei alten Pflanzen unter optimalen Bedingungen allerdings auch noch größer werden. Den. convolutum trägt an jeder ausgewachsenen Pseudobulbe in der Regel zwei oder drei Blätter, die etwa 10-15 cm lang sowie 4-5 cm breit sind. Frische, ausgewachsene Blätter sind von fester Struktur. Mit zunehmendem Alter der Pseudobulbe fallen sie jedoch ab.

Die Blüten von Den. convolutum sind hinsichtlich ihrer Farbgebung durchaus etwas ungewöhnlich. Die Sepalen und Petalen haben eine frische hellgrüne Farbe, während die dunkelrote Lippe einen starken Kontrast dazu bietet. Dies wirkt zunächst etwas ungewohnt, die Farbkombination bietet aber auch mal etwas Abwechslung. Die Blüten sind durchschnittlich etwa 3-3,5 cm breit (zwischen den Spitzen der beiden lateralen Sepalen) und 3-3,5 cm hoch (zwischen der Spitze des dorsalen Sepalums und den Spitzen der lateralen Sepalen), meistens jedoch geringfügig breiter als hoch. An einer Infloreszenz werden etwa 3-5 Blüten gebildet, die höchste Anzahl bei meiner Pflanze waren bislang sechs an einer Infloreszenz. Es kann jedoch durchaus sein, dass bei größeren Pflanzen auch mehr gebildet werden. Sie halten mehrere Wochen ohne Verwelkungserscheinungen.

Die Infloreszenzen erscheinen, wie für Dendrobien der Sektion Latouria üblich, an der Spitze der Pseudobulbe. Manchmal kommt es jedoch vor, dass die Infloreszenz auch zwischen den Blättern gebildet wird oder unterhalb eines Blattes nahe des Blattansatzes. Eine Pseudobulbe kann darüber hinaus über mehrere Jahre hinweg immer wieder neue Infloreszenzen ausbilden.

Eigene Kulturerfahrungen

Dendrobium convolutum gehörte damals zu einem meiner allerersten Dendrobien. Wie bereits oben beschrieben faszinierte mich die doch sehr ungewöhnliche Blüte, zumal ich es bis dahin beinahe ausschließlich mit der Gattung Phalaenopsis zu tun hatte. Für damalige Verhältnisse war es daher eine gewisse Überwindung für mich, es mit einem Dendrobium zu versuchen. Aber da ich mich zumindest vorher etwas informiert hatte und die Art mir nicht allzu heikel erschien, probierte ich es einfach.

Ich kaufte die Pflanze mit einem kleinen Blütentriebansatz, der auch trotz des Umtopfens zur Blüte kam. Apropos umtopfen, die Pflanze habe ich dann wie gewohnt in Rindensubstrat umgetopft, was zunächst erfolgreich war. Sie wurzelte gut ein, für den Anfang schien also alles glatt zu laufen. Jedoch zeigten sich nach einiger Zeit dennoch Probleme, denn die bis dahin gewachsenen Neutriebe blieben etwas dünn und mickrig und blühten auch nicht. Offenbar war die Versorgung der Pflanze in dem Substrat nicht ganz ausreichend. Daher entschloss ich mich, Dendrobium convolutum in mineralisches Substrat zu setzen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon ein paar weitere Dendrobien in Kultur und eine Orchideenfreundin gab mir den Tipp, es mit mineralischen Substraten wie Lava, Akadama und Kanuma zu probieren. So wurde die Pflanze in Lava gesetzt. Dies stellte sich jedoch als schwieriges Unterfangen heraus, da die recht dünnen Wurzeln von Dendrobium convolutum bei der Umtopfaktion ziemlich gelitten hatten, weil sie kaum von der Rinde zu lösen waren. Daher vermeide ich heutzutage wenn möglich, Rindensubstrate bei sympodialen Orchideen zu verwenden, insbesondere bei denen mit dünnen Wurzeln.  Dies kann durchaus viel Stress beim Umtopfen bedeuten. Das ist allerdings meine persönliche Erfahrung! Es gibt genügend Orchideenliebhaber, die mit Rindensubstrat bei diesen Dendrobien super zurechtkommen.

Jetzt ist mein Dendrobium convolutum nach wie vor in Lava getopft und in den letzten Jahren gut gewachsen und hat auch immer wieder geblüht. Allerdings habe ich mir bei einigen anderen Pflanzen mit größeren Töpfen angewöhnt das Lava-Substrat mit Bims zu mischen. Dadurch möchte ich das Substrat etwas auflockern und leichter machen, da Lava selbst recht schwer ist. Dies werde ich dann beim nächsten Umtopfen dieser Pflanze wohl auch anwenden.

Nach der – zugegebenermaßen etwas ausschweifenden – Geschichte meiner Pflanze nun noch ein paar Eckdaten zu meiner Kultur auf der Fensterbank: Wie bereits oben erwähnt bekommt meine Pflanze keine Ruhezeit und wird durchkultiviert. Einmal die Woche fülle ich daher Wasser im Untersetzer nach. Das Substrat trocknet dadurch nicht ganz aus, im Sommer trocknet es höchstens etwas ab. Dünger gibt es circa alle vier Wochen. Häufiger düngen möchte ich bei mineralischen Substraten nur ungern, um ein schnelles Versalzen zu verhindern. Der Temperaturbereich reicht meist von normaler Zimmertemperatur aufwärts, das heißt um die 20 °C oder mehr tagsüber. Im Sommer werden es dann eben auch mal über 30 °C; im Winter wird das Zimmer geheizt, sodass es einigermaßen warm bleibt. Nachts sind die Temperaturen entsprechend niedriger. Was das Licht angeht, muss man bei Dendrobium convolutum etwas aufpassen. Am schattierten Süd-West-Fenster geht es meiner Pflanze soweit gut. Bei fehlender Schattierung hat sie jedoch auch schon leichte Blattschäden davongetragen. Außerdem verfärben sich Blätter und Pseudobulben bei zu viel Licht recht schnell dunkelrot. Dies sollte ein eindeutiges Zeichen sein, dass es der Pflanze zu hell ist, und man sollte entsprechend reagieren .

Insgesamt ist Dendrobium convolutum eine recht robuste Art, die auch mal etwas verzeiht. Mit Standorten, an denen sich beispielsweise eine Phalaenopsis wohlfühlt, sollte auch Dendrobium convolutum zurechtkommen.

Autor: Fabian Kulka

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Dendrobium convolutum ‚Gerd‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die Infloreszenzen von Dendrobium convolutum tragen mehrere Blüten. (Foto: Fabian Kulka)
Detailaufnahme der Lippe (Foto: Fabian Kulka)

 

KW 46, 2019

Phragmipedium Fritz Schomburg

Alles lesen Orchidee der Woche 46, 2019

Phragmipedium Fritz Schomburg

Phargmipedium Fritz Schomburg ‚Franz‘ GM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)

Die Hybride Phragmipedium Fritz Schomburg war ein Gemeinschaftsprojekt, an dem neben dem Namensgeber Fritz Schomburg zwei weitere Parteien beteiligt waren. Alfredo Manrique, der Eigentümer der peruanischen Orchideenzucht Centro de Jardinería Manrique (CJM) in Lima, kreuzte Phragmipedium kovachii mit Phragmipedium besseae bereits kurz nach der Entdeckung von Phragmipedium kovachii, da er in Südamerika den Zugang zur neu entdeckten Art hatte. Fritz Schomburg verfügte in seinem Labor in Wisconsin über die Mittel und die nötige Erfahrung, um die Samen auszusäen. Großgezogen wurden die Sämlinge dann von Glen Decker, der durch die Arbeit in seiner Orchideengärtnerei Piping Rock Orchids ein wahrer Spezialist in der Phragmipedium-Aufzucht wurde. Als Phragmipedium Fritz Schomburg dann am 07.03.2007 in das Register der Royal Horticultural Society eingetragen wurde, sorgten sie durch die Namensgebung dafür, dass alle drei Parteien darin Erwähnung fanden. Alfredo Manrique wird dort als „Originator“, also Urheber, genannt. Als „Registrant“, also die Person, die die Registrierung anmeldete, ist dort Piping Rock Orchids verzeichnet und mit dem Namen Phragmipedium Fritz Schomburg verewigten sie auch das am Gemeinschaftsprojekt beteiligte Labor von Fritz Schomburg.Wie oben schon erwähnt sind an der Kreuzung lediglich zwei Naturformen beteiligt:

Phragmipedium kovachii (Foto: Thomas Lehmann)

Erst im Jahre 2001 wurde Phragmipedium kovachii im Norden Perus von Faustino Medina Bautista entdeckt. 2002 wurde diese imposante neue Naturform dann gleich zweimal neu beschrieben. Der Name Phragmipedium peruvianum gilt als Synonym. Die Pflanzen wachsen terrestrisch und litophytisch an steilen Kalksteinfelsen mit Humus- oder Moosauflage. Die Standorte sind meistens sehr gut drainiert und selten der vollen Sonne ausgesetzt. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 18 und 26 Grad im Durchschnitt, wobei es im Winter auch mal deutlich kühler werden kann. In der Region, in der Phrag. kovachii wächst, gibt es fast täglich Niederschlag. Nicht immer sehr heftig, aber dafür ständig. Dadurch stehen die Pflanzen auch immer dauerfeucht und trocknen niemals aus.

Phragmipedium besseae – ein Elternteil der Hybride (Foto: Thomas Lehmann)

Phragmipedium besseae wurde erst im Jahr 1981 entdeckt und erstmalig beschrieben. Heimisch ist die Art in Peru und Ecuador, wo sie terrestrisch, meist in der Nähe von Flüssen und Bächen wächst. Das Klima am Standort bietet ganzjährig sehr konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad. Niederschläge gibt es ebenfalls während des ganzen Jahres. Von März bis September sind diese sogar sehr häufig und regelmäßig.

Phragmipedium Fritz Schomburg kann in der Größe der Blätter und Blüten sehr variieren – je nachdem, welcher Elternteil sich mehr durchsetzt. Die Blätter können bis zu 50 cm lang werden, sind dunkelgrün und breit. Entlang der Mittellinie sind sie stark gekielt. Die Blattenden laufen spitz zu. Jeder Trieb entwickelt bis zu sechs Blätter, die wechselständig einen sehr kurzen Stamm umschließen. Die Infloreszenzen erscheinen endständig aus dem Herz des Triebs, wie bei allen Frauenschuh-Orchideen. Die Blütenfarbe variiert von leuchtend rosa bis zu intensiv violetten Farbtönen. Die Blütenform variiert nur sehr wenig. Die Blüten sind immer sehr rund und verglichen mit anderen Phragmipedien sehr groß. Bei guter Kultur und zunehmendem Alter können sie die Größe einer menschlichen Hand erreichen.

Da beide Elternteile in sehr feuchten bis nassen Gebieten wachsen, kann Phragmipdium Fritz Schomburg gut mit nassem Fuß kultiviert werden. Meine Pflanzen – ja ich habe mehrere von dieser tollen Hybride –  stehen in einer Schale, die immer wieder mit etwas Wasser gefüllt wird, sobald sie ausgetrocknet ist. Zwischenzeitliches Austrocknen verhindert eine Verkeimung des Wassers, wodurch sich die Pflanze infizieren könnte. Das Substrat selbst sollte aber nicht komplett durchtrocknen. Phragmipedien haben den Ruf sehr salzempfindlich zu sein, was für einige Naturformen auch durchaus zutreffend ist. Ich habe in den letzten 10 Jahren Phragmipedium-Kultur aber die Erfahrung gemacht, dass viele Hybriden gar nicht so empfindlich auf gelöste Salze im Wasser reagieren. Meine Phrag. Fritz Schomburg bekommen in den warmen und hellen Sommermonaten teilweise aufgedüngtes Wasser, das einen Leitwert von 450 – 500 Mikrosiemens hat. Im Winter dünge ich allerdings nicht. Da gibt es klares Quellwasser mit wenig gelösten Salzen, da durch das geringe Lichtangebot während der europäischen Winter der Stoffwechsel der Pflanzen herunterfährt und dadurch nicht so viele Nährstoffe benötigt werden. Wer mit künstlicher Zusatzbeleuchtung arbeitet, kann auch im Winter düngen. Ab März steigere ich die Düngergaben langsam, bis sie im Juli/August ihren Höhepunkt erreichen. Danach wird langsam wieder weniger gedüngt. Ab Oktober dann gar nicht mehr. Den Sommer über lagern sich genügend Düngerreste im Substrat an, die die Pflanze im Winter mit Nährstoffen versorgen.

Eine ganze Gruppe von Phragmipedium Fritz Schomburg am Schaustand von Franz Glanz bei der Ausstellung in Niedernhausen 2019 (Foto: Thomas Lehmann)

Mein Standard-Pflanzstoff für Phragmipedium besteht aus einer Mischung mit Rindenanteil, Perliten, Bimskies und Holzkohle. Rinde hat den Nachteil, dass sie sich durch die ständige Feuchtigkeit recht schnell zersetzt. Allerdings werden bei diesem Zersetzungsprozess auch Nährstoffe freigesetzt. Nach zwei bis vier Jahren sollte dann aber neu getopft werden, bevor sich das Substrat zu sehr verdichtet und die Wurzeln faulen. Perlite gebe ich mit dazu, weil sie einerseits das Substrat luftig machen und andererseits gut Wasser speichern können. Bimskies gibt etwas Kalk ab und hat ebenfalls die Fähigkeit, Wasser zu speichern und weiterzuleiten. Um in dem feuchten Substrat für etwas trockenere Stellen zu sorgen, nutze ich die Holzkohle, die sich nicht mit Wasser vollsaugt und dadurch trockener bleibt. Die Körnung aller Bestandteile sollte nicht zu fein, aber auch nicht zu grob sein, je nach Topfgröße Körnungen von 5 bis 18 mm. Auch in rein mineralischen Substraten, in Sphagnum-Moos oder Steinwollwürfeln fühlt sich Phragmipedium Fritz Schomburg wohl. Ich habe schon einiges ausprobiert und die Erfahrung gemacht, dass es nur wichtig ist, dass viel Wasser vom Substrat aufgenommen und gehalten werden kann.

Phragmipedien mögen es hell, aber keine direkte Mittagssonne. Sonnenschein am Morgen oder Abend wird gut vertragen, wenn er nicht zu lange auf die Blätter brennt. Werden diese gelblich, muss unbedingt schattiert oder die Pflanze umgestellt werden. Nachts können die Temperaturen auf 10 Grad fallen, müssen sie aber nicht. Phragmipedium Fritz Schomburg wächst sehr gut bei normalen Zimmertemperaturen – auch in beheizten Räumen mit etwas trockener Luft, wenn regelmäßig gelüftet wird. Bei zu wenig Frischluft oder Luftbewegung können sich Pilze bilden, die die Pflanze sehr schwächen und im Extremfall auch töten können, wenn nicht mit einem Pilzmittel behandelt wird.

Alles in allem ist Phragmipedium Fritz Schomburg ein wirklich unkomplizierter und sehr blühwilliger Frauenschuh, der durch eine enorme Blütengröße und Farbintensität sofort ins Auge fällt. Die Blühdauer erstreckt sich über mehrere Wochen, da er neue Knospen hervorbringt, noch bevor die aktuelle Blüte verwelkt ist. Je älter die Pflanzen werden, desto mehr Blüten bilden sie, teilweise verzweigen sich die Infloreszenzen im Alter bei sehr guter Kultur.

Phragmipedium Fritz Schomburg ist ein absolutes Must-Have für Liebhaber von Frauenschuh-Orchideen und sollte deshalb in keiner Sammlung fehlen! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Phragmipedium Fritz Schomburg ‚Niedernhausen‘ SM/DOG mit verzweigtem Blütentrieb (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Fritz Schomburg ‚Elias‘ SM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Fritz Schomburg ‚Dumbo‘ SM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Fritz Schomburg ‚Dumbo‘ SM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Phragmipedium Fritz Schomburg ‚Franz‘ GM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium Fritz Schomburg, bei dem ein Phrag. besseae f. flavum zur Zucht verwendet wurde (Foto: Thomas Lehmann)