Orchids of Romania
Autor/in
De Angelli, Nora
Anghelescu, Dan
ISBN
978-973-0-32586-7
Rezensent
Hermann Voelckel, Rothenstein
Rezensionsdatum
08.04.2021


Format 28,5 x 23,5 cm, Hardcover, 300 S., ca. 900 Abbildungen, Englisch, Preis etwa 70 Euro, zu bestellen über noradeangelli15@gmail.com

Rumänien liegt im Zentrum der Balkan-Halbinsel. Das Land hat flächenmäßig etwa 2/3 der Größe Deutschlands, aber nur etwa 25 % der Einwohnerzahl. Topografisch bestimmend ist der Karpatenbogen (bis ca. 2 500 m Höhe), der das Hochland von Siebenbürgen weitestgehend umschließt. Begrenzt wird das Land von Ungarn, Serbien, Bulgarien, Moldawien und der Ukraine, im Südosten grenzt es an das Schwarze Meer (etwa 250 km Küstenlinie), größter Fluss ist die Donau.

Bezüglich der Orchideen ist das Land für die meisten wohl eine »terra incognita«. Deshalb ist das vorliegende Werk besonders interessant, ist es doch die erste speziell den Orchideen gewidmete Flora des Landes.

Die Erstautorin Nora Anghelescu (aka Nora De Angelli) ist Rumänin. Sie hat in Bukarest und Rotterdam Molekularbiologie studiert und arbeitete dann in London. Derzeit promoviert sie in Bukarest. Der Zweitautor Dan Anghelescu ist ihr Vater und hat seine Leidenschaft für wildwachsende Orchideen an seine Tochter weitergegeben. Zusammen haben sie dieses Buch über die Orchideen Rumäniens verfasst.

Schlägt man das Buch auf, fällt sofort die exzellente und reiche Bebilderung ins Auge – sowohl was die fotografische Qualität der Bildgestaltung als auch deren technische Ausführung anbetrifft. Der Grund für die Gestaltung dieses “photographischen Albums“ (Terminus aus dem Vorwort) besteht darin, dem Leser diese im Land heimischen Pflanzen näherzubringen sowie ihre Verwundbarkeit und die vielfältigen Gefahren für ihre Existenz und Lebensräume vor Augen zu führen. Manche Populationen beinhalten nur wenige Pflanzen und finden sich nur in Schutzgebieten, andere weisen einen Rückgang auf oder sind auch schon ganz verschwunden.

Im Buch werden 3 Unterfamilien, 26 Gattungen, etwa 71 Arten (sp.), 14 Unterarten (subsp.), 48-49 Varietäten (var.) und Formen (f.) sowie 6 infraspezifische Hybriden (Hybriden zwischen den Arten einer Gattung) und eine intergenerische Hybride vorgestellt. Neuentdeckungen von 7 Arten und 5 Unterarten werden diskutiert (sie resultieren aber evtl. auch aus veränderter Nomenklatur oder veränderter Gliederung der Gattungen/Arten). Rumänien hat damit geringfügig weniger heimische Orchideenarten als das gut durchforschte Deutschland – das Artenspektrum differiert etwas, aber nicht signifikant. Die Autoren führen aus, dass es in Rumänien auch noch individuenreiche Populationen bestimmter Arten gibt, die im übrigen Europa aus verschiedensten Gründen schon selten geworden sind.

Bei der Vorstellung der Gattungen und Arten wird den o. g. Präferenzen zufolge der Schwerpunkt auf die Abbildungen gelegt, die Namensgebung der Gattungen und Arten wird erläutert, gefolgt von (sehr) kurzen Ausführungen zu den Habitaten und den Vorkommen in Rumänien.

Genauere Verbreitungsangaben oder gar Verbreitungskarten werden wie in den meisten diesbezüglichen Veröffentlichungen zu den Ländern des Balkan (außer Griechenland) nicht gegeben. Dies ist aber sicher, wie bei den anderen auch, auf eine unzureichende Datenbasis zurückzuführen.

Bezüglich der Taxonomie wird fast ausschließlich dem neuesten Stand gefolgt, wobei sich die Autoren auch bei manchen Gattungen mit den in Europa stattfindenden Diskussionen zu Artuntergliederungen konfrontiert sehen (besonders bei den Gattungen Epipactis, Dactylorhiza, Coeloglossum, Gymnadenia/Pseudorchis und Nigritella).

Den Autoren ist es auch gelungen, Insektenbesuche bei den abgebildeten Arten mit hervorragenden Aufnahmen teils von Bestäubern, teils von Blütenbesuchern einzufangen.

Als wissenschaftliche Berater bei der Erstellung des Buches werden Helmut Presser und Horst Kretzschmar (†) aus Deutschland genannt.

Dieses Prachtwerk stellt eine große Bereicherung dar und füllt eine Lücke im europäischen Orchideen-Schrifttum.