Tropical African Flowering Plants - Ecology and Distribution, 2 Bände:
Autor/in
LeBrun, Jean-Pierre
Storck, Adélaíde L.
ISBN
ISBN 978-2-8277-0133-9
Rezensent
Werner Fibeck
Rezensionsdatum
01.10.2018
Vol. 9 – Orchidaceae Part 1 (Genera A-G): ISBN 978-2-8277-0133-9;
Vol. 10 – Orchidaceae Part 2 (Genera H-Z): ISBN 978-2-8277-0135-3;
Softcover, Format 30 x 21,5 cm, englisch, 247 bzw. 349 Seiten mit 2 Tabellen und ungefähr 1 400 Verbreitungskarten. Zu bestellen beim Conservatoire et Jardin Botaniques, Genf/Schweiz: Editions. cjb@ville-ge.ch; Preis: 70 CHF (Vol. 9) und 70 CHF (Vol. 10), zuzüglich Postgebühr (etwa 2,5 kg).
Die Autoren sind u. a. durch die 4-bändige “Énumération des plantes à fl eurs d‘Afrique tropicale“ (1991-1997) bekannt geworden, bei denen es sich mehr oder weniger um reine Artenlisten handelte. Das Folgewerk “Tropical African Flowering Plants“ hat ein anspruchvolleres Format und besteht im Wesentlichen aus Informationen, die aus Gebiets- und Länderfloren sowie Gattungsüberarbeitungen und Artenbeschreibungen zusammengestellt wurden. Der erste Band erschien im Jahre 2003 und mit den Bänden 9 und 10 wurde kürzlich die Beschreibung der tropisch-afrikanischen Orchideenflora vorgelegt, geografisch ungefähr begrenzt durch die Wendekreise. Taxonomisch folgt das Werk dem Mainstream, was durch die Mitwirkung von Phillip Cribb (Kew) gewährleistet ist.
Der Einführungsteil enthält neben einer Erläuterung zu den Verbreitungskarten eine allgemeine Einleitung. Es folgen taxonomisch einigermaßen bereinigt die Gattungen mit ihren Arten. Sie sind alphabetisch geordnet, nicht verwandtschaftlich. Es handelt sich um
eine - man möchte sagen - fast überschaubare Flora aus etwa 1375 Arten, von denen 53(!) Prozent Erdorchideen sind. Zu jeder Art sind Literatur und Synonymie aufgeführt, außerdem wurde eine Beschreibung erstellt (allerdings ohne Abbildungen), gefolgt von taxonomischen Notizen und Hinweisen auf enge Verwandte. Die Habitate sind relativ kurz beschrieben und die Verbreitung wird in standardisierten Karten des Kontinents dargestellt. Ergänzt wird das Werk durch umfangreiche Literaturangaben zu Arbeiten neueren
Datums, die sich dank der Schweizer Mehrsprachigkeit nicht auf englischsprachige Arbeiten beschränken. Das Werk wird abgerundet durch eine statistische Übersicht und einen Gattungsindex.
Den Kern dieses Werkes bilden die Verbreitungskarten, die einen plastischeren Eindruck vermitteln als Listen mit Ländernamen. Sie messen jeweils 5,5 x 5,5 cm und sind zu zwölft auf einer A4-Seite angeordnet. Vielleicht hat bei diesem Maßstab die europäische
Auffassung Pate gestanden, Afrika als ein Land zu betrachten, nicht als einen Kontinent von der dreifachen Ausdehnung Europas. Jedenfalls waren fast alle Botaniker, denen ich die Bände in Simbabwe zeigte, der Ansicht, die Karten wären zu klein und schlugen größere Karten vor. Die meisten Befragten optierten für 4-6 Karten pro A4-Seite, sodass auch kleine Länder ohne Vergrößerungshilfe gut zu erkennen wären. Dennoch sind die Karten ein Informationsgewinn, weil auf den ersten Blick zu erkennen ist, ob es sich um Endemiten oder um Arten mit geschlossenen Verbreitungsgebieten oder Disjunktionen handelt. Diese Karten wurden mithilfe von Büchern erstellt, nicht aus Herbarium-Datenbanken. Sie sind daher „nicht erschöpfend“, wie die Autoren in der Einleitung einräumen. Darüber hinaus muss man beim Gebrauch berücksichtigen, dass sie keine Aussage über die Häufigkeit einer Spezies bzw. die Zahl der Aufsammlungen machen.
Aufgrund des Untertitels “Ökologie und Verbreitung“ hätte man eigentlich eine fokussierte Einführung zur Geologie und zum Klima erwartet, eventuell auch von Gastautoren. es sei z. B. daran erinnert, dass bereits die Gebietsmonografien Rudolf Schlechters stets ausführliche ökologische Einleitungen enthielten, bei denen der Faktor Niederschlag eine wichtige Rolle spielte. Immerhin enthalten die Karten eine Unterteilung in Regenwald, Feuchtsavanne und Montangebiete, wobei in der Einleitung erwähnt wird, dass Letztere aufgrund des Maßstabes nur begrenzt berücksichtigt werden konnten. Es handelt sich dabei um feuchte Klimainseln mit zahlreichen Arten, die in der umgebenden Savanne nicht vorkommen; u. a. die meisten epiphytischen Orchideenarten und viele Erdorchideen der Tribus Diseae (Disa, Satyrium, Disperis). Eine Darstellungsweise, bei der dieser Umstand eine stärkere Berücksichtigung gefunden hätte, wäre sicherlich ein ökologischer Informationsgewinn gewesen, eventuell durch eine Modifizierung der Punkte. Das Übergreifen mancher tropisch-afrikanischer Arten auf angrenzende Regionen (südliches Afrika und Madagaskar, aber auch die Arabische Halbinsel) wurde bei der Erstellung der Karten kaum berücksichtigt. Dem Schutzstatus sollte heute generell mehr als sporadische Aufmerksamkeit geschenkt werden. Beim Ökologie-Teil fällt auf, dass hier zusammengetragen wurde, ohne eine Gewichtung zwischen Mainstream und Ausnahmen vorzunehmen. Das gilt auch für die Höhenangaben. Dadurch geht das Charakteristische vieler Arten verloren, insbesondere wenn der Faktor Niederschlag ausgeklammert wird, obgleich er das A und O auf dem afrikanischen Kontinent ist.
Trotz der kritischen Anmerkungen wünscht man diesem Werk eine weite Verbreitung. Leser, die unerfahren in der afrikanischen Orchideenflora sind, haben hier alles (außer Pflanzen- und Blütenabbildungen) beisammen, was früher über unzählige Publikationen verstreut war. Außerdem kann der tropische Teil jetzt besser mit den Floren des südlichen Afrika (Linder/Kurzweil, 1999) und Madagaskars (Cribb/Hermans, 2009) zu einer gesamtafrikanischen Orchideenflora verbunden werden. Das Werk motiviert darüber hinaus zur Bearbeitung weiterführender ökologischer Fragen.
Werner Fibeck, Harare