Orchids and Orchidology in the Antilles – An Encyclopaedic History
Autor/in
Ossenbach, Carlos
ISBN
978-3-94 6583-01-1
Rezensent
Franz-Josef Richardt
Rezensionsdatum
01.10.2017
723 Seiten, 352 Abbildungen in Farbe und Schwarzweiß, zahlreiche Tabellen, gebundene Ausgabe (30,5 × 22,0 cm), in Englisch, ISBN 978-3-94 6583-01-1, erhältlich über Koeltz Botanical Books, Kapellenbergstr. 75, D - 61389 Oberreifenberg/ Germany; 228,00 Euro, ca. US$ 250.00
Dieses große und schwere Buch (es wiegt fast drei Kilogramm!) ist die logische Fortsetzung der laufenden Projekte des Autors, die 2009 mit der Veröffentlichung von Orchideen und Orchideenkunde in Mittelamerika begannen: "500 Jahre Geschichte" (Ossenbach 2009). Das Buch ist chronologisch arrangiert und deckt die Jahre seit der Landung von Columbus in Guanahani bis zu den heutigen Tagen ab.
Das erste Kapitel enthält einige Einführungsseiten mit einem Überblick über die Geologie der Region, das Klima und die Vegetation sowie eine Anmerkung zur Antillen-Orchideen-Vielfalt. Jedes der sechs Kapitel beschreibt dann in Erzählungen die Biographien von 472 Personen sowie die prominenten historischen Tatsachen, die die Orchideenkenntnis in diesem wenig bekannten Teil der Welt beeinflusst haben. Die Orchideen-Flora der Antillen blieb vor kommerziellen Sammlern und Orchideenjägern, die andere Regionen Mittel- und Südamerikas gnadenlos ausgeraubt und zerstört haben, weitgehend verschont. In den letzten 500 Jahren wurden diese karibischen Inseln überwiegend von Botanikern und auch Gartenbauern erforscht, welche selten materielle Interessen hatten, denn diese Inseln besitzen nicht die so teuer bezahlten großblumigen und ins Auge fallenden Orchideen wie z. B. Cattleyen, Odontoglossen, Oncidien, attraktive Masdevallien u. Ä., von denen die prestigesüchtigen Europäer nicht genug bekommen konnten. Stattdessen wurden die Inseln von Botanikern aufgesucht, die selbst Interesse an den Geheimnissen der Natur hatten oder die von ihren Herrschern geschickt worden waren, um Pflanzen von wirtschaftlichem Interesse zu finden. Zum Teil kamen sie auch, um den botanischen Sammlungen ihrer Herrscher bis dato unbekannte und schmückende Exemplare anderer Pflanzenfamilien hinzuzufügen und das Wissen darüber zu bereichern.
So sammelte z. B. der Botaniker und Naturbeobachter Charles Plumier im Auftrag des französischen Königs Ludwig XIV im Jahr 1695 in Guadeloupe, Martinique und Santo Domingo Pflanzenmaterial für die Französische Akademie und den Jardin du Roi. Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin bereiste von 1754 bis 1759 die Antillen, um dort neue Pflanzen für die kaiserlichen Gärten zu Wien und Schloss Schönbrunn zu entdecken und nach Österreich zu bringen. Olof Peter Swartz aus Schweden suchte von 1783 bis 1787 neben Nordamerika auch diese Gebiete auf, um Pflanzen zusammenzutragen, die er erforschen wollte. Sie alle trieb mehr die Freude und das Interesse an der Wissenschaft an, nicht der kommerzielle Erfolg. Ihre Erfahrungen, ihr Wissen beflügelte und beeinflusste Forscher wie Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland, C. Woodford und David Lockhart, George Knowles und Frederick Westcott, Ignaz Urban, Alfred Celestin Cogniaux, Nathaniel Britton und deren moderne Nachfolger José Pérez Carabia, Henri Alain Liogier und Henri Stehlé. Ihre Kenntnisse und Erkenntnisse münden direkt in die zeitgenössischen Arbeiten von Leslie A. Garay, Mark Nir, Thomas A. Zanoni, James. D. Ackerman und seine Schule, José Bocourt sowie Ernesto Mújica. Diese Sammler und Wissenschaftler gaben die Hauptimpulse, unter denen die Antillen erforscht und ihre Orchideenvielfalt enthüllt wurden.
Ein gut konzipiertes und gut realisiertes Buch. Es lässt nicht viel Raum für Kritik. Viele Orchideen der Antillen werden beschrieben, zum Teil mit den damaligen Benennungsnamen, während in anderen Fällen die Arten entsprechend der aktuellen Klassifikation benannt sind. Das ist manchmal etwas verwirrend.
Neben der Geschichte der Orchideen auf den Karibischen Inseln ist es eine außergewöhnliche Hommage an die Menschen, die diese lange Geschichte begleitet haben.
Franz-Josef Richardt, Herford
Das Buch ist in der D.O.G.-Bibliothek vorhanden.