Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Vanilla Orchids – Natural History and Cultivation

Autor(en): CAMERON, Ken Rezension von: Wolfgang Rysy

212 Seiten, 140 Farbfotos, 16 x 23,5 cm, Englisch, Fadenbindung; Timber Press, Inc., ISBN-13: 978-0-88192-989-8; 34.95 US $

Es sind erst ein paar Jahre her, dass ein englischsprachiges Buch über Vanilla auf den Markt kam (ECOTT, Tim: Vanilla – Travels in search of the Luscious Substance; siehe Buchbesprechung in Die Orchidee 56(6):684). Nun hat das vorliegende Buch ebenfalls Vanilla als Thema, aber in der Mehrzahl (“Vanilla Orchids“). Das ist auch richtig, denn hier werden nicht nur die gesamte Gattung Vanilla mit über 100 Arten weltweit sondern auch eng verwandte Gattungen behandelt – und darin besteht vor allem der Unterschied zum o. g. Buch. Der Autor Ken Cameron ist führender Orchideenspezialist besonders für Vanilla und Verwandte. Zur Zeit ist er Professor der Botanik und Direktor des State Herbarium an der Universität von Wisconsin, Madison. Trotzdem ist es nicht zu wissenschaftlich sondern für jedermann (mit Englischkenntnissen) verständlich geschrieben.

In einer kurzen Einleitung wird zunächst Vanilla als Aromastoff und Duftträger behandelt. So erfährt man, dass Vanilla überall im Haus anzutreffen ist, nicht nur in Form von Pudding und Eiscreme sondern auch in Seife, Parfüm, Shampoon etc. enthalten sein kann. Das erste Kapitel beschreibt die Herkunft und die Geschichte der “domestizierten“ Vanilla, wobei die genaue Herkunft bis heute nicht ganz klar ist. Hier geht es im Wesentlichen um die Art Vanilla planifolia, die schon in ihrer Heimat Mexiko in vor-kolumbianischer Zeit bei den einheimischen Menschen Verwendung fand. Der Bogen spannt sich weiter über die Einfuhr der Spanier nach Europa und schließlich bis zum großflächigen Anbau z. B. in Madagaskar und La Réunion. Im zweiten Kapitel geht der Autor auf die Evolution und die geographische Verbreitung ein. Die überwiegend tropische Gattung Vanilla ist in Amerika, Afrika und Asien zu Hause. Verwandte Gattungen reichen bis nach Australien (z. B. Pseudovanilla und Erythrorchis) und ins gemäßigte Nordamerika (z. B. Pogonia und Isotria). Das Kapitel 3 geht auf die Pflanzen- und Blütenstruktur ein, u. a. mit der Feststellung, dass alle weinartig kletternden Orchideen zur Subtribus Vanilleae gehören. Von den über 100 Vanilla-Arten werden in Kapitel 4 etwa 20 Arten (z. T. mit Bildern, siehe unten) näher vorgestellt. Auf 6 Seiten wird in Kapitel 5 auf die wenigen natürlichen und künstlichen Hybriden eingegangen. Die eng verwandten Gattungen von Vanilla sind in Kapitel 6 beschrieben; doch innerhalb der zuerst behandelten Gattung Epistephium auf Seite 64 folgen plötzlich von Seite 65 bis 128 die Tafeln mit den Farbfotos mit den im Text genannten Abbildungsnummern. Diese Anordnung von Bildern entspricht nicht mehr der heute möglichen Drucktechnik. Auf Seite 139 wird das Kapitel 6 mit Isotria abgeschlossen. Kulturhinweise für die Gattung Vanilla werden in Kapitel 7 gegeben. Das Kapitel 8 behandelt die natürliche und künstliche Bestäubung der Blüten, wobei der Autor einräumt, dass man bis heute sehr wenig über die natürliche Bestäubung weiß. In den Kapiteln 9 und 10 werden die wirtschaftlich interessanten Themen, wie Ernte, Verarbeitung und kommerzielles Angebot angesprochen. Zum Schluss folgen 2 interessante Aufstellungen aller bis heute bekannten Vanilla-Arten mit Literaturzitat der Erstbeschreibung, Angabe der Synonyme und der Verbreitung; die heute ungültigen Namen werden separat erwähnt. Wer wissen möchte, welche Vanilla-Art auf welchem Kontinent vorkommt, sollte die letzte Liste studieren. Eine Aufstellung ausgewählter Literatur und das ausführliche Inhaltsverzeichnis beschließen das Werk.

Wie man es von Timber Press erwarten kann, ist die Druckqualität von Text und Farbbildern gut. Ob bei der in Buchmitte angeordneten Farbseiten viel an Produktionskosten eingespart wurde, kann der Rezeszent nicht beurteilen – üblich ist diese Anordnung heute nicht mehr. Der Text ist leicht verständlich geschrieben, so dass dieses Buch für jeden, der sich für Vanilla-Arten interessiert, empfohlen werden kann.

Dieses Buch ist in der D.O.G.-Bibliothek vorhanden.