Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Paphiopedilum (2014)

Autor(en): BRAEM, Guido, CHIRON, Guy, ÖHLUND, Sandy Rezension von: Olaf Gruß

e – book; etwa 790 Seiten, ca. 400 Fotos, englisch, Moorland Books, Dänemark; ISBN 9788793044012; Preis 18,51 € Kindle Edition

Die Autoren erstellten eine Gesamtdarstellung aller Arten der Gattung Paphiopedilum, welche sowohl für erfahrene Kenner dieser Gattung, für Gärtner als auch für die vielen Orchideenfreunde interessant ist.
Nach langer Zeit liegt wieder eine vollständige Überarbeitung der Gattung vor, welche nun auch die meisten Neubeschreibungen der letzten 10 Jahre berücksichtigt. Der Text entstammt der Feder von Dr. Guido BRAEM, welcher in den letzten Jahrzehnten mehrere Arten dieser Gattung neu beschrieb und der auch 1988 das letzte deutschsprachige Werk über diese Gattung erstellte. Er wurde in seiner Arbeit unterstützt von dem Botaniker Dr. Guy CHIRON und von Sandy ÖHLUND, einem erfahrenen Bewerter der American Orchid Society.

Das Werk beginnt mit einem Überblick über die Taxonomie, das Arten-Konzept der Autoren und einem Überblick über die Einteilung der Gattung. Danach wird die Einordnung der Gattung behandelt. Dem folgt die Beschreibung des Pflanzen- und Blütenaufbaus und auch ein ausführlicher Kulturteil.

Der umfangreichste Teil widmet sich dem Überblick über die Gattung, die Einteilung in Sektionen und die Definition der einzelnen Arten. Hierbei unterscheiden sich die Verfasser deutlich von der bisher üblichen Einteilung durch die meisten Autoren. So wird Paphiopedilum callosum als Paph. crossii benannt und Paph. tigrinum als Paph. markianum. Vollkommen sinnvoll ist wieder die Anerkennung von Paph. praestans und die Einstufung von Paph. glanduliferum als verschollene Art. Die Autoren vermeiden es geschickt, eine klare Festlegung bei einigen Problemfällen zu treffen. So definieren sie Komplexe, denen sie eng verwandte Arten und Varietäten zuordnen, ohne klar zu sagen, ob diese Arten eine Anerkennung verdienen. Ein Musterbeipiel ist der Paph. lowii-Komplex, in welchem sie Paph. lowii, Paph. lynniae und Paph. richardianum zusammenfassen.

Die Arten sind sehr ausführlich beschrieben und im Bild zumeist mit den unterschiedlichen Formen und Varietäten dargestellt. Leider wurde bei der Behandlung der vielen Arten und Varietäten auch einiges übersehen, insbesondere auch Varietäten, welche in “Die Orchidee” beschrieben wurden, Paph. areeanum, Paph. qingyongii, Paph. sangii var. ayubianum und Paph. bougainvilleanum var. saskianum, Paph. concolor var. longipetalum, Paph. purpuratum var. hainanense. Auch wenn vielleicht diese Fehlenden den Autoren nicht anerkennenswert erscheinen, wie z.B Paph. trantuanhii, so sollten sie doch erwähnt werden, denn auch Synonymenlisten sollten komplett sein.

Nicht allen Einschätzungen kann kritiklos gefolgt werden. So wird Paph. usitanum als Synonym zum Paph. argus eingestuft, was bei einem genauen Pflanzenvergleich nicht passieren dürfte. Zudem wurde der wirklich zutreffende Name Paph. usitanum vollkommen übersehen.

Sinnvoll erscheint es auch bei Pflanzennamen-Autoren bzw. ihrer Kürzel die korrekte Abkürzung oder die international übliche Schreibweise zu verwenden, z. B. O. Gruss und nicht Gruß.

Zum Schluss der eigenen Produktbeschreibung formuliert der Autor bzw. sein Verlag im Internet: „Das Buch basiert auf den legendären Büchern zu dieser Gattung von Prof. BRAEM und seinem Team von 1988, 1998/1999 und 2003. Es ist die beste jemals geschriebene Monografie zu dieser Gattung und wird ein Standardbuch für viele kommende Jahre sein.“
Auch wenn diese Selbsteinschätzung etwas hoch gegriffen ist, so wird das Buch doch zu vielen Diskussionen Anlass geben. Zudem erlaubt es die Veröffentlichung als e-Book, die Fehler leicht auszubügeln und auch Ergänzungen problemlos einzufügen.
Insgesamt eine empfehlenswerte Publikation, auch wenn manch ein Orchideenfreund gedruckte Exemplare bevorzugen würde.
Das Buch liegt in der Bibliothek als e-Book vor.