Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Genera Orchidacearum, Vol. 6 Epidendroideae (part 3) (2014)

Autor(en): CHASE, Mark W., CRIBB, Phillip J., PRIDGEON, Alec M., RASMUSSEN, Finn N. Rezension von: Dr. Norbert Baumbach

544 Seiten, 197 farbige Abbildungen auf 48 Tafeln, etwa 400 s/w Zeichnungen und Verbreitungskarten; Hardcover, Fadenheftung, Englisch, Hrsg. Oxford University Press, Great Clarendon Street, Oxford, OX2 6DP; ISBN 978-0-19-964651-7; GBP 130

Der letzte Band der auf sechs Bände angelegten Reihe “Genera Orchidacearum” erschien zum Jahresbeginn 2014, wieder unter Mitarbeit führender Wissenschaftler aus aller Welt. Es handelt sich um die derzeit umfassendste Orchideenklassifikation überhaupt. Berücksichtigt werden sowohl morphologische als auch phylogenetische Erkenntnisse und eine Fülle von DNA-Daten aus der Forschung der letzten Jahre.
Die aktuellen taxonomischen Änderungen, wie neue Gattungen, Umbenennungen bzw. Rückbenennungen, sind einbezogen worden. Die Erläuterungen dazu werden in den entsprechenden Abschnitten über Phylogenetik und Taxonomie dargelegt.

Dieser dritte Teil der Bearbeitung der größten Unterfamilie der Orchidaceae, die Epidendroideae, behandelt die Tribus Dendrobieae mit den Gattungen Dendrobium und Bulbophyllum sowie die Tribus Vandeae mit fünf Subtriben: Adrorhizinae, Aeridinae, Agrostophyllinae, Angraecinae und Polystachyinae mit insgesamt 137 Gattungen. Jede Subtribus wird vorgestellt mit Literaturzitat, Typus, Beschreibung, Verbreitung und Verbreitungskarte, DNA-Sequenzen, taxonomischen Anmerkungen und Schlüssel zu den Gattungen.

Die Gattungen werden aufgeführt mit Nachweis für die Erstbeschreibung, Typusangabe, Basionym, Etymologie, Beschreibung, Zeichnung (meist des Typusexemplars), Verbreitungskarte, mit Angaben zur Anatomie, Palynologie (Pollenanalyse), Zytologie (Zellforschung), Phytochemie, Phylogenetik (stammesgeschichtliche Entwicklung, DNA-Analysen), Ökologie, Pollination, Verwendung, Kultur, mit Bemerkungen zur Taxonomie, mit Angaben der Artenzahl und taxonomischer Literatur.

Bemerkenswert ist, dass die Gattungen Bulbophyllum und Dendrobium in ihren ursprünglichen Umfängen abgehandelt werden. Neue Betrachtungsweisen der Gattung Dendrobium durch CLEMENS und JONES (2002) werden nicht berücksichtigt und die neuen Gattungen wie z.B. Cepobaculum, Ceratobium oder Durabaculum als Synonyme auf Sektionsebene heruntergestuft. Ebenso Gattungen wie Dockrillia, Aporum oder Bolbidium. Dadurch umfasst die Gattung Dendrobium insgesamt 1450 Arten in 30 Sektionen.

Eine ähnliche Betrachtung erfährt die Gattung Bulbophyllum. Auch hier werden Gattungen wie Cirrhopetalum oder Blepharochilum und Trachyrhachis als Synonyme behandelt. Die Aufteilung der 2200 Arten erfolgt nach Verbreitungsgebiet in 12 afrikanische, 15 malagasische, 67 asiatische – unterteilt in vier Gruppen – und zuletzt in sechs neotropische Sektionen.

Ein Addendum behandelt Änderungen innerhalb der Taxonomie von Gattungen, die in den vorhergehenden Bänden abgehandelt wurden. In 12 Gattungen wurden Änderungen oder Ergänzungen vorgenommen. Bemerkenswert ist, dass die Gattung Ada wieder in die Gattung Brassia aufgenommen wurde und nun ein Synonym zu dieser darstellt.

Erwähnenswert sind auch die zahlreichen Farbfotos seltener, bisher nicht abgebildeter Arten. Das Buch schließt mit einem Glossarium, ausführlichen Literaturhinweisen und verschiedenen Indizes.

Nicht nur für Wissenschaftler ist dieses Werk unentbehrlich, auch Züchter und Liebhaber finden hier alle Informationen, die sie brauchen. Das Buch gehört, wie auch seine fünf Vorgänger, als Nachschlagewerk zur Grundausstattung einer jeden guten Bibliothek. – Das Buch ist in der D.O.G.-Bibliothek vorhanden.