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Orchideen – Schätze aus den Archiven der Royal Botanic Gardens, Kew

Alles lesen Am 14. Juli 2020 um 17:31 veröffentlicht

Übersetzt von Frauke Bahle, 224 Seiten, 24,4 x 31,5 cm, Haupt-Verlag, Bern, 2019; 59,00 €

Das Buch beginnt mit einer kurzen Einleitung zur Familie der Orchideen und zur Geschichte der Botanischen Gärten Kew sowie ihrer kunsthistorischen und lebenden Orchideensammlungen. Das Werk besteht aus einem reich bebilderten Buch mit entsprechenden Texten zu den Abbildungen sowie zusätzlich 40 seitenfüllenden ausgesuchten Bildern namhafter Künstler der vergangenen 250 – 300 Jahre auf separaten Blättern, zusammengestellt in einer stabilen Schmuckbox. Es finden sich Abbildungen von Walter Hood Fitch, Franz und Ferdinand Bauer, John Day, Sarah Drake und anderen Malern/Malerinnen, die diese seinerzeit im Auftrag für bedeutende Serienveröffentlichungen wie z. B. „Edwards’s Botanical Register“, „Curtis’s Botanical Magazine“, „Lindenia: Iconographie des Orchidées“, Warner und Williams „The Orchid Album“ und zahlreiche andere angefertigt hatten.

Vierzig allgemein bekannte Orchideengattungen aus der ganzen Welt werden mit einem kurzen Arten-Querschnitt in historischen Illustrationen vorgestellt und im Text etwas ausführlicher behandelt. Die Autoren gehen sowohl auf die Taxonomie, Biologie, Verbreitung als auch auf die Geschichte und Besonderheiten einiger Arten der vorgestellten Gattungen ein sowie auch auf die Geschichte und Biografie ihrer Entdecker, ihrer Beschreiber und die der Künstler/Künstlerinnen, die sie zeichneten. Gelegentlich fließen Abbildungen der originalen Korrespondenz jener vergangenen namhaften Botaniker oder Auszüge Ihrer Veröffentlichungen in das Werk ein. Alles zusammen ergibt eine spannende Schilderung vergangener Epochen, die man wirklich jedem Orchideenliebhaber empfehlen kann, der nicht nur an der Pflege seiner Pflanzen interessiert ist, sondern auch etwas über die Vergangenheit seiner Schätze erfahren möchte. Und wenn man sich mit den Texten auch nur ein wenig beschäftigt, erscheinen einem die eigenen Pflanzen in einem ganz neuen Licht. Man erfährt, woher sie kamen, auf welchem Wege sie nach Europa gelangten und welche Geheimnisse sie mitbrachten und heute immer noch bergen.

 


Genera Orchidacearum, Vol. 6 Epidendroideae (part 3) (2014)

Alles lesen Am 4. September 2014 um 19:03 veröffentlicht

544 Seiten, 197 farbige Abbildungen auf 48 Tafeln, etwa 400 s/w Zeichnungen und Verbreitungskarten; Hardcover, Fadenheftung, Englisch, Hrsg. Oxford University Press, Great Clarendon Street, Oxford, OX2 6DP; ISBN 978-0-19-964651-7; GBP 130

Der letzte Band der auf sechs Bände angelegten Reihe “Genera Orchidacearum” erschien zum Jahresbeginn 2014, wieder unter Mitarbeit führender Wissenschaftler aus aller Welt. Es handelt sich um die derzeit umfassendste Orchideenklassifikation überhaupt. Berücksichtigt werden sowohl morphologische als auch phylogenetische Erkenntnisse und eine Fülle von DNA-Daten aus der Forschung der letzten Jahre.
Die aktuellen taxonomischen Änderungen, wie neue Gattungen, Umbenennungen bzw. Rückbenennungen, sind einbezogen worden. Die Erläuterungen dazu werden in den entsprechenden Abschnitten über Phylogenetik und Taxonomie dargelegt.

Dieser dritte Teil der Bearbeitung der größten Unterfamilie der Orchidaceae, die Epidendroideae, behandelt die Tribus Dendrobieae mit den Gattungen Dendrobium und Bulbophyllum sowie die Tribus Vandeae mit fünf Subtriben: Adrorhizinae, Aeridinae, Agrostophyllinae, Angraecinae und Polystachyinae mit insgesamt 137 Gattungen. Jede Subtribus wird vorgestellt mit Literaturzitat, Typus, Beschreibung, Verbreitung und Verbreitungskarte, DNA-Sequenzen, taxonomischen Anmerkungen und Schlüssel zu den Gattungen.

Die Gattungen werden aufgeführt mit Nachweis für die Erstbeschreibung, Typusangabe, Basionym, Etymologie, Beschreibung, Zeichnung (meist des Typusexemplars), Verbreitungskarte, mit Angaben zur Anatomie, Palynologie (Pollenanalyse), Zytologie (Zellforschung), Phytochemie, Phylogenetik (stammesgeschichtliche Entwicklung, DNA-Analysen), Ökologie, Pollination, Verwendung, Kultur, mit Bemerkungen zur Taxonomie, mit Angaben der Artenzahl und taxonomischer Literatur.

Bemerkenswert ist, dass die Gattungen Bulbophyllum und Dendrobium in ihren ursprünglichen Umfängen abgehandelt werden. Neue Betrachtungsweisen der Gattung Dendrobium durch CLEMENS und JONES (2002) werden nicht berücksichtigt und die neuen Gattungen wie z.B. Cepobaculum, Ceratobium oder Durabaculum als Synonyme auf Sektionsebene heruntergestuft. Ebenso Gattungen wie Dockrillia, Aporum oder Bolbidium. Dadurch umfasst die Gattung Dendrobium insgesamt 1450 Arten in 30 Sektionen.

Eine ähnliche Betrachtung erfährt die Gattung Bulbophyllum. Auch hier werden Gattungen wie Cirrhopetalum oder Blepharochilum und Trachyrhachis als Synonyme behandelt. Die Aufteilung der 2200 Arten erfolgt nach Verbreitungsgebiet in 12 afrikanische, 15 malagasische, 67 asiatische – unterteilt in vier Gruppen – und zuletzt in sechs neotropische Sektionen.

Ein Addendum behandelt Änderungen innerhalb der Taxonomie von Gattungen, die in den vorhergehenden Bänden abgehandelt wurden. In 12 Gattungen wurden Änderungen oder Ergänzungen vorgenommen. Bemerkenswert ist, dass die Gattung Ada wieder in die Gattung Brassia aufgenommen wurde und nun ein Synonym zu dieser darstellt.

Erwähnenswert sind auch die zahlreichen Farbfotos seltener, bisher nicht abgebildeter Arten. Das Buch schließt mit einem Glossarium, ausführlichen Literaturhinweisen und verschiedenen Indizes.

Nicht nur für Wissenschaftler ist dieses Werk unentbehrlich, auch Züchter und Liebhaber finden hier alle Informationen, die sie brauchen. Das Buch gehört, wie auch seine fünf Vorgänger, als Nachschlagewerk zur Grundausstattung einer jeden guten Bibliothek. – Das Buch ist in der D.O.G.-Bibliothek vorhanden.


Field Guide to the Orchids of Madagascar

Alles lesen Am 25. August 2014 um 18:22 veröffentlicht

456 S., ca. 450 Farbfotos, 5 farbige Karten, 2 ganzseitige Zeichnungen, 24 x 16 cm, Englisch, Fadenheftung
Herausgeber: Royal Botanic Gardens Kew, 2009
ISBN 978-184246-158-7
Preis: 68,– Euro

Nachdem im Jahre 1999 von De Puy, Bosser, Cribb & Hermans sowie im Jahre 2007 eine 2. erweiterte Auflage durch Hermans, Hermans, Du Puy, Cribb & Bosser über madagassische Orchideen, beide auch bei Kew Publishing herausgekommen waren, folgt hiermit eine umfangreiche Bearbeitung aller auf Madagaskar vorkommenden Orchideen-Arten erstmals als Feldführer. Er ist mit Gattungs- und jeweils Artenschlüsseln ausgestattet bei allen denjenigen Genera, die mehr als eine Art umfassen. Diese Schlüssel sowie knappe, aber präzise Kurzbeschreibungen aller Arten, stehen jeweils auf der linken Buchseite, ab Seite 34 mit Vanilla beginnend und auf Seite 428 mit Grammangis endend. Ergänzt werden sie durch kleine Verbreitungskarten, in der alle Regionen rot markiert sind, in denen die Arten vorkommen. Auf der entsprechenden rechten Buchseite findet man dagegen die farbigen Abbildungen (insgesamt 435): entweder durch eine Art seitenfüllend oder bis zu vier in kleinerem Format.

Die Bestimmungsschlüssel sind untergliedert. Im ersten Schlüssel mit Schwerpunkt Lebensform und markanten habituellen Merkmalen kommt man auf einen von jeweils 9 Unterschlüsseln. Dadurch sind diese letzteren Schlüssel nicht zu unübersichtlich und die Gattungs-Bestimmung wird deutlich erleichtert.

Madagaskar zählt mit zu den orchideenreichsten Regionen der Erde, auch wenn die natürliche Vegetation weitgehend zerstört ist. Vom ursprünglich flächendeckendem Wald sind nur noch ca. 4 % erhalten, der Rest wird vorwiegend von artenarmer Sekundärsavanne eingenommen. Mit über 900 Arten aus 57 Gattungen stellen die Orchideen trotzdem nicht nur die größte Pflanzenfamilie dar, sondern bedeuten auch 10% der Gesamtflora der viertgrößten Insel der Erde. Da sich Madagaskar, vormals Teil des ehemaligen Gondwana-Kontinents, vor ca. 150 Mill. Jahren von Afrika und vor ca. 90 Mill. Jahren vom indischen Subkontinent löste, seitdem isoliert blieb und eine eigenständige Entwicklung nahm, ist die Zahl endemischer und vielfach auch ursprünglicher Pflanzen und Tiere beachtlich! Bei den Orchideen kommen erstaunliche 90% aller Arten nur hier vor!

In den einleitenden Kapiteln werden nicht nur wichtige Merkmale der Orchideen generell erläutert, sondern auch charakteristische Vegetationszonen der Insel dargestellt und durch 14 farbige, aussagekräftige Habitataufnahmen illustriert. Ergänzend dazu mehrere farbige Vegetationskarten. Es folgt ein Kapitel zum Schutz der autochthonen Orchideen, wobei betont wird, dass alle diese Arten streng geschützt sind und eine Ausfuhr nur ausnahmsweise und mit Lizenz möglich ist.

Angaben zu den Fotografen, ein knappes Literaturverzeichnis, Glossar und Register ergänzen am Schluss die sehr ansprechende Publikation. Sowohl Einband- als auch Innengestaltung, Papier- und Abbildungsqualität sind ausgezeichnet. Das Frontcover-Foto zeigt Cymbidiella flabellata, die Rückseite Angraecum protensum, Cynorkis cardiophylla und Cymbidiella falcigera. Für alle Natur- und Orchideenliebhaber, die Madagaskar besuchen möchten, liegt hiermit ein benutzerfreundlicher, unverzichtbarer Feldführer vor! Aber auch für alle Anderen, die zu Hause bleiben, ist dieses Buch durch seine zahlreichen Abbildungen, auch sehr selten gezeigter Arten, ein Nachschlagewerk für madagassische Sippen.

Die Publikation ist in der D.O.G.-Bibliothek vorhanden und kann eingesehen werden.