Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Pleione formosana

Am 16. April 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Pleione formosana

Foto: Monika Eckert

1911 beschrieb der japanische Botaniker Bunzô HAYATA diese ausdrucksstarke Naturform erstmalig. Der Name formosana leitet sich vom Fundort Formosa ab, einer ehemaligen Republik auf der Insel Taiwan, in der die Pflanzen dieser Art heimisch sind. Sie wachsen in den Bergen von Formosa in Höhen von 1 500-2 500 Metern unter kalten Bedingungen. Pleione formosana wächst terrestrisch und lithophytisch, sowohl in sonnigen als auch in schattigen Bereichen. Während der Regenzeit im Sommer ist der Standort immer feucht bis nass und es gibt fast täglich Niederschläge. Im Winter folgt dann eine recht kühle Trockenzeit, in der es so gut wie keinen Niederschlag gibt. In der Trockenzeit zieht Pln. formosana ihre Blätter ein und auch die Wurzeln vertrocknen dann vollständig, sodass nur noch die Pseudobulbe übrig bleibt. Mit Beginn des Frühlings fangen die Pseudobulben an, 1-2 Infloreszenzen auszubilden. Jeder Blütentrieb trägt eine Blüte. Am unteren Ende des Blütentriebs bilden sich dann neue Wurzeln, die den Neutrieb versorgen, der sich gegen Ende der Blütezeit entwickelt. Bis dahin versorgt sich die Pflanze lediglich aus der gespeicherten Energie der alten Pseudobulbe. Über den Sommer wachsen die Neutriebe heran und haben bis zum Herbst dicke runde Pseudobulben mit jeweils einem Blatt ausgebildet. Zur Trockenzeit im Winter ziehen Pleionen dann wieder ein und gehen in eine ausgeprägte Ruhephase, bis im Frühjahr der Zyklus von Neuem beginnt.

Da Pleione formosana bedingt winterhart ist, gibt es zwei grundsätzliche Kulturansätze, besonders für die Zeit im Winter. Beide Möglichkeiten möchte ich euch heute vorstellen. Die Überwinterung im Kühlschrank wende ich an, da ich keinen Garten habe. Die zweite Möglichkeit ‒ Überwinterung im Garten ‒ wird von meiner Redaktionskollegin Monika ECKERT praktiziert und weiter unten beschrieben.

Überwinterung im Kühlschrank

Pleione formosana mit Blütentrieben im April (Foto: Monika Eckert)

Die Kultur von Pleione formosana ist recht simpel. Die kühle und trockene Zeit im Winter übersteht sie äußerst gut, wenn sie im Gemüsefach des Kühlschranks gelagert wird. Am besten in einem Eierkarton oder ähnlichen Behälter, der Luftaustausch zulässt, damit sich keine Kondensationstropfen bilden, wodurch die Pseudobulben leicht faulen oder von einem Pilz befallen werden könnten. Ab Anfang/Mitte Januar sollte man immer wieder kontrollieren, ob schon Neutriebe zu sehen sind. Zeigen sich Neutriebe, werden Pleionen aus dem Kühlschrank geholt und auf trockenes Substrat gesetzt. Ab jetzt brauchen sie Licht, aber noch kein Wasser und einen möglichst kühlen Standort. Erst wenn sich die ersten kleinen Wurzeln bilden, sollte man langsam anfangen am Rand etwas zu gießen. Wenn der Blütentrieb so groß ist, dass eine eindeutige Knospe zu erkennen ist und man sieht, welche Farbe die Blüten haben werden, kann mehr gegossen werden. Ab jetzt sollte das Substrat immer richtig schön feucht sein und nicht mehr austrocknen.

 

Die gleiche Schale mit Pleione formosana einen Montat später, im Mai. (Foto: Monika Eckert)

Nach der Blüte bilden sich die Neutriebe, aus denen sich die Pseudobulben für das nächste Jahr entwickeln. Die alten Pseudobulben werden immer mehr ausgesaugt und trocknen mit der Zeit komplett ein. Inzwischen hat der Neutrieb genug Wurzeln gebildet, die die Pflanze mit Nährstoffen versorgen können. Die »Altbulbe« wird also nicht mehr gebraucht. Über den ganzen Sommer herrscht »Regenzeit«, in der die Neutriebe wachsen. Im Herbst beginnt Pleione formosana dann meist von alleine ihre Blätter einzuziehen und abzuwerfen. Ab jetzt wird das Gießen eingestellt. Bis kurz vor dem ersten Frost bleiben meine Pleionen noch draußen stehen und werden einfach »vergessen«. Kein Wassser mehr, auch Licht brauchen sie dann schon keines mehr. Anschließend werden die Pseudobulben aus dem Substrat genommen und alle Wurzeln und die eingetrockneten Alt-Pseudobulben entfernt, da diese ohnehin schon total eingetrocknet sind und nicht mehr benötigt werden. Sollten noch nicht alle Blätter abgeworfen worden sein, entferne ich auch diese. Danach geht es dann in den Kühlschrank zur Überwinterung. Pleionen bilden Bulbillen aus. Das sind kleine schmale Pseudobulben, die bei guter Kultur nach circa 4 Jahren blühfähig sind. Mit ihnen wird genauso verfahren. Der einzige Unterschied ist, dass sie im Frühjahr noch keine Blüte bilden, sondern direkt mit einem Neutrieb beginnen. In jeder Saison sollte sich die Größe der Bulbillen in etwa verdoppeln, damit sie dann eben nach ca. 4 Jahren blühstark sind.

Ab Janur wird dann wieder regelmäßig kontrolliert, ob sich schon Neutriebe zeigen, und der Zyklus beginnt wieder von vorne.

Foto: Werner Holzmann

Als Pflanzstoff eignet sich alles, was während des Sommers richtig gut Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt. Ich persönlich nehme getrocknetes Sphagnum, aber auch feine Rinde, Blumenerde oder mineralische Substrate werden bei dieser Gattung oft verwendet. Da muss jeder seines finden, mit dem er am besten zurechtkommt. Wenn man die kühlen Temperaturen im Winter auch ohne Kühlschrank bieten kann, dann geht das natürlich auch. Ich finde es nur sehr praktisch mit der Kühlschrankkultur, da ich sicher sein kann, dass es weder zu warm noch zu kalt wird. Aber wie mit allem: Viele Wege führen nach Rom! ‒ In diesem Sinne hier noch die Erfahrungen von Monika ECKERT:

Überwinterung im Garten

Im Herbst vor dem ersten Frost grabe ich für meine Schale voller Pleione formosana eine Mulde in einem wind- und wettergeschützten Beet unter einem Dachüberstand. Dorthin gelangt kein Regen. Die Schale wird etwas mit Erde angehäufelt und mit einer ca. 20 cm dicken Schicht aus trockenen Blättern bedeckt. Darüber kommt etwas Hasendraht, damit die Blätter nicht weggeweht werden. Fällt das Thermometer unter ca. -5 °C, wird noch eine Luftpolsterfolie darübergelegt.

Zwischen Anfang und Mitte Februar ‒ je nach Wetterlage bei uns in der Nähe von Frankfurt ‒ wird die Schale aus der Mulde geholt und an einen vor Regen geschützten Platz gestellt. Das Substrat ist jetzt absolut trocken, die Pseudobulben sind prall und zeigen seitlich schon erste Ansätze von Infloreszenzen. Bei sonnigem Wetter werden sie etwas übersprüht, aber nicht gegossen. Bei drohendem Frost wird die Schale entweder abgedeckt, solange die Infloreszenzen noch nicht zu lang sind, oder kurz an einen kühlen frostfreien Ort gebracht.

Wenn sich die Blätter entwickeln, wird langsam vorsichtig gegossen. Im Sommer steht die Pleionen-Schale im lichten Schatten eines Baumes und wird genau wie Kübelpflanzen regelmäßig mit Leitungswasser gegossen und mit dem gleichen Dünger in etwa halber Konzentration versorgt. Ab September wird die Schale wieder an einen vor Regen geschützten Platz gestellt und erhält kein Wasser mehr. Sie soll absolut trocken in ihr Winterquartier eingegraben werden, damit die Pflanzen nicht faulen. Die Blätter sind zu diesem Zeitpunkt noch grün und werden nicht entfernt. Sie trocknen später unter der Blätterschicht ein.

Anders als häufig empfohlen, topfe ich meine Pleione formosana im Herbst nicht aus. Sie wächst seit Jahren in einer Mischung aus Erde und trockenen, halb verrotteten Nadeln, die ich unter einer Fichte zusammengekratzt habe. Im Frühjahr lege ich etwas frisches Gartenmoos obenauf. Offenbar sagt ihr diese Behandlung zu, denn seit ich sie vor etlichen Jahren von einem Vereinskollegen mit diesen Kulturhinweisen erhalten habe, erfreut sie mich jedes Jahr im Frühling mit üppiger Blütenpracht.

Im ersten Jahr hatte ich sie in der Garage überwintert und im Zimmer zum Blühen gebracht. Die Blüten entwickelten sich zwar deutlich früher, waren aber kleiner und wollten teilweise gar nicht aufgehen. Vermutlich war ihnen die Zimmerluft zu trocken.

 

Autoren: Thomas LEHMANN und Monika ECKERT

Foto: Irene Bock
Foto: Irene Bock