Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Platystele umbellata

Am 8. Januar 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Platystele umbellata

(Foto aus dem D.O.G.-Archiv)

 

Diese äußerst ansprechende Miniaturorchidee ist beheimatet in den immerfeuchten Regenwäldern von Kolumbien und wächst epiphytisch auf Bäumen in einer Höhe von 600-1600 m über NN. Direkte Sonne bekommt sie nur äußerst selten, da sie durch das Laub der Bäume, auf denen sie wächst, davor geschützt wird. Sie wächst also in schattigen, dauerfeuchten und, je nach Standort, kühl bis warmen Verhältnissen. Als neue Art beschrieben wurde sie im Jahre 1978 von P. Ortiz für den Revista de la Sociedad Colombiana de Orquideologia. Die Blätter werden mit Stiel ca. 4 cm lang und bilden nach Auswachsen einen Blütentrieb, an dem traubenartig ca. 1 mm große Einzelblüten eine Art Kugel bilden.

 

Für eine erfolgreiche Kultur ist die Qualität des Wassers das entscheidende Kriterium. Wie alle Miniaturorchideen mit ihren feinen und filigranen Wurzeln, reagieren sie auf zu viel Salze recht schnell mit dem Verbrennen der Wurzeln, was den Tod der Pflanze bedeutet. In der Natur bekommen sie eben auch nur das Wasser ab, welches als Regen vom Himmel fällt und kaum gelöste Salze enthält. Lediglich abgestorbenes Pflanzenmaterial, welches in der Nähe der Pflanze liegt, reichert das Wasser etwas mit Nährstoffen an. Regenwasser ist da immer die beste Wahl. Wer die Möglichkeit nicht hat Regenwasser zu sammeln, kann auch Osmosewasser (oder destilliertes) ganz leicht aufdüngen und dieses verwenden. Ich gieße meine Platystele umbellata mit Wasser, welches nicht mehr als 30 Mikrosiemens hat. Im Sommer wird 2-3 mal gedüngt. Allerdings achte ich auch hier darauf, dass das Wasser mit Dünger eine Leitfähigkeit über 80 Mikrosiemens nicht übersteigt. Die „kleine Himbeere“, wie ich sie aufgrund ihrer Blütenform immer nenne, darf niemals komplett austrocknen und benötigt eine möglichst hohe Luftfeuchtigkeit, aber auch gute Luftzirkulation.

2 grundsätzliche Möglichkeiten der Kultur sind möglich. Wer ein Orchidarium, also ein Terrrarium für Orchideen hat, kann sie auf Kork oder ähnlichem aufbinden und ins Orchidarium hängen. Auch in Moos getopft funktionert es im Terra. Hier mal 2 Fotos einer aufgebundenen umbellata, die es bis zur Goldmedaille geschafft hat.

Platystele umbellata ‚Uschi‘ SM/DOG (Foto aus dem D.O.G.-Archiv)
Platystele umbellata ‚Uschi‘ GM/DOG (Foto aus dem D.O.G.-Archiv)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer kein Orchidarium hat oder möchte, aber auf diese Schönheit nicht verzichten will, kann sie auch sehr gut in einer Glaskugel für Teelichter mit großer Öffnung halten. Ich denke für alle Orchidarienbesitzer muss ich hier nicht weiter auf die Kultur von aufgebundenen Miniaturen eingehen, daher möchte ich lieber etwas genauer erklären wie das in so einer Glaskugel funktionieren kann.

 

Zu allererst ist es wichtig, dass die Kugel nicht zu klein ist, damit die Blütentriebe nicht am Glas anstoßen. Ich habe mich für eine entschieden, die etwas größer ist als unbedingt nötig. Meine hat ca. 15 cm Durchmesser. 10 cm sollten es auf jeden Fall sein. Ich kultiviere komplett in reinem Lebendmoos. Man kann aber auch unten in die Kugel etwas feines, mineralisches Substrat (Seramis, Akadama, Lava, etc.) füllen und darauf dann das Moos platzieren. Wie gesagt, mache ich es immer nur mit Moos. Ich fülle also lebendes Sphagnum-Moos in die Kugel, platziere mit einer Pinzette mit den Wurzeln voraus die Pflanze mittig in die Kugel und bedecke die feinen Wurzeln dann noch mit Sphagnum. Das war es auch schon. Ab hier achte ich lediglich darauf, dass unten in der Kugel immer eine kleine Pfütze Wasser steht, damit das Moos nicht austrocknen kann. Durch das stehende Wasser entsteht in der kleinen Kugel dann auch das nötige Mikroklima mit ausreichend Luftfeuchtigkeit. Durch die große Öffnung an der Vorderseite der Kugel ist aber auch eine gute Luftzirkulation und ein Luftaustausch möglich.

 

Autor: Thomas Lehmann

 

Meine umbellata in der Glaskugel auf Moos. Eine sehr dekorative Möglichkeit der Kultur. (Foto: Thomas Lehmann)
(Foto: Thomas Lehmann)