Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Phragmipedium besseae

Am 15. Januar 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Phragmipedium besseae

Foto: Thomas Lehmann

 

Im Jahre 1981 vom peruanischen Pflanzensammler Orche Guzmann in der Umgebung von Tarapoto in Peru entdeckt und von der amerikanischen Orchideenforscherin Elizabeth Locke Besse an Marie Selby Gardens übergeben, wurde diese spektakulär rote Frauenschuhart von Calaway H. Dodson & Janet Kuhn 1981 im AOS Bulletin 50, 1308-1310, als neue Art beschrieben. Die Art ist sowohl in Peru, wie auch in Ecuador beheimatet und variiert je nach Standort leicht in Farbe und Form. Die meisten im Handel erhältlichen Formen sind Mischtypen aus den unterschiedlichen Standortformen. Inzwischen gibt es aber auch einige standortreine Formen, wie den Limon-Typ, den Paute-Typ, den Chiguinda-Typ (alle 3 aus Ecuador) und den Peru-Typ bei spezialisierten Züchtern zu erwerben. Es gibt außerdem eine hellgelbe Farbvariante. Phragmipedium besseae f. flavum, wobei diese etwas empfindlicher und dadurch schwieriger zu kultivieren ist.

 

Das Klima am Standort bietet recht konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad ganzjährig. Niederschläge gibt es auch ganzjährig, wobei sie von März bis September deutlich häufiger sind. Bis November fallen diese dann deutlich ab und nehmen bis März wieder langsam zu. Phragmipedium besseae wächst terrestrisch zwischen dauerfeuchtem Moos, Gräsern und Farnen, aber teilweise auch litophytisch an steilen und feuchten Felsen.

Auf dem oberen Foto Phragmipedium besseae in situ. Unten ein Bild des Habitats. Beides aufgenommen in  Ecuador.

Foto: Monika Eckert
Foto: Monika Eckert

Phragmipedium lassen sich generell sehr gut mit „nassem Fuß“ kultivieren, das heißt sie stehen am besten in einer mit Wasser gefüllten Schale. Gelegentlich lässt man das Wasser komplett aufsaugen und füllt dann die Schale wieder auf. Im Winter öfter und länger austrocknen lassen, im Sommer nur sehr selten. Pflanzen dieser Gattung sind etwas salzempfindlich, weshalb man unbedingt auf eine gute Wasserqualität achten sollte. Regenwasser oder leicht aufgedüngtes (oder mit Leitungswasser verschnittenes) destilliertes Wasser eignet sich am besten. Im Sommer Dünge ich sehr regelmäßig circa 14-tägig, wobei ich aber auch hierbei darauf achte, dass die Leitfähigkeit des Wassers 250 Mikrosiemens nicht übersteigt. Zu hohen Salzgehalt quittieren Phragmipedium sofort mit braunen Blattspitzen. Die Kultur auf der Fensterbank klappt im Grunde sehr gut. Einziges Problem bei besseae ist, dass die Neutriebe sehr gerne klettern und von daher eine Kultur in der Schale besser geeignet ist, um die hochwachsenden Neutriebe nach unten drücken zu können und mit Krampen o.ä. zu fixieren. Im Vergleich mit anderen Phragmipediumarten ist besseae aber mit höchstens 40 cm Blattspannweite ein eher zierliches Phragmipedium. Die meisten meiner besseae (Ja, ich hab gleich mehrere davon!) sind sogar nur ca. 30 cm. Die Art mag es gerne sehr hell, im Sommer aber keine direkte Mittagssonne. Ein Aufenthalt im Freien während des Sommers tut meinen immer sichtlich gut.

 

Die meisten meiner insgesamt ca. 300 Phragmipedium kultiviere ich in einer Mischung aus Rinde, Bimsstein, Kohle und Perlite. Aber auch mit dem mineralischen Substrat Akadama (5-10mm Körnung) hab ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Vorteil vom Akadama ist, dass es sich nicht zersetzt. Rinde muss, wegen der ständigen Nässe, spätestens nach 2 Jahren ausgetauscht werden. Auch mit puren Steinwollwürfeln ( Basacubes) hab ich erfolgreich kultiviert. Grundsätzlich geht alles, was gut die Feuchtigkeit hochzieht und nicht so schnell abtrocknet.

 

Insgesamt eine recht einfach zu kultivierende Orchidee, die durch ihr kräftiges Rot besticht und bei guter Kultur sehr regelmäßig und lange blüht!

Nachfolgend noch ein paar Fotos von verschiedenen Klonen, welche bei diversen Tischbewertungen der DOG mit Medaillen prämiert wurden, und ein Foto des standortreinen Peru-Typs.

 

Autor: Thomas Lehmann

Phragmipedium besseae ‚Popow‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
hPhragmipedium besseae ‚Excalibur‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipedium besseae f. flavum ‚Wössen‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipedium besseae ‚Kilian‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
standortreine Peruform von Phargmipedium besseae (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium besseae ‚Schanz‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Schluss noch ein kleines Suchbild! Wo ist das besseae? (Foto: Monika Eckert)