Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Als Nutzpflanze

Verführung pur – die Vanille

Vanilla planifolia
Vanilla planifolia

Sogar die echte Vanille (Vanilla planifolia) mit ihren begehrten Aromaschoten gehört zu den Orchideen. Sie ist die wohl am längsten in Kultur befindliche Orchidee. Schon die Gottkönige der Azteken benutzten sie zum Würzen ihres bitteren Getränkes xocolatl, das aus gemahlenen Kakaobohnen, Mais, Chilischoten und Wasser bestand. Kultiviert wurde die Vanille aber nicht im trockenen Hochland Zentralmexikos, sondern von den Totonac-Indianern im Südosten des Landes.

Einer Sage nach verliebte sich einst ein junger Prinz unsterblich in eine wunderschöne Prinzessin, die ein Keuschheitsgelübde geleistet und ihr Leben der Fruchtbarkeitsgöttin geweiht hatte. In einem unbewachten Moment entführte der Prinz seine Angebetete in die Berge und nahm sie zur Frau. Ein furchtbares Verbrechen. Von den Priestern aufgespürt, wurde das Paar deshalb sofort getötet. Genau an dieser Stelle aber spross bald darauf ein kleiner Baum aus der Erde und neben ihm wuchs eine bezaubernd schöne, gewundene Orchidee, beide geboren aus dem Blut der Liebenden.

Die glänzenden, smaragdfarbenen Blätter der Schlingpflanze lagen zart über dem Stamm des Baumes, gerade wie eine Braut an der Brust ihres Bräutigams. So wurde die Vanille zur heiligen Pflanze und dem Liebeskult geweiht. Bis heute haben Vanille und Schokolade nichts von ihrer Verführung eingebüßt.