Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

1×1 der Orchideenkultur

Im Folgenden werden Ratschläge und Hinweise zur Kultur von Orchideen gegeben. Fragen beantwortet der Autor gerne unter wermert-senden@t-online.de

Energie/Licht

Orchideen können ohne die für jede Orchideenart und -gattung spezifische notwendige Energie für Ihre Lebensprozesse weder wachsen noch blühen. Energie beziehen die Pflanzen aus dem Sonnenlicht, fangen sie über das in den Zellen enthaltene Chlorophylll ein und benutzen sie so zur Photosynthese, zur Umwandlung von Kohlendioxid aus der Luft zu Zucker.

Wieviel Sonnenlicht eine Orchidee vertragen kann, wird häufig in den Kulturanleitungen angegeben, entweder als Maßeinheit in Lumen etc. oder auch einfach in Form von Symbolen. Eine volle Sonne bedeutet, dass die Orchidee volle Sonne vertragen kann und auch benötigt. Eine halbe Sonne bedeutet halbschattig, d. h., dass vor allem in den Mittagsstunden beschattet werden muss. Keine Sonne heißt, dass die Pflanze im Schatten zu kultivieren ist. Verfügt man nicht über ausreichendes Sonnenlicht, z. B. wenn man zur Kultur nur ein Nordfenster zur Verfügung hat, oder aber in unseren Breitengraden vor allem im Winter, dann muss zusätzlich belichtet werden. Durch die Verwendung moderner LED Module ist dies jetzt problemlos möglich. Sie sind allen bisher eingesetzten Lichtquellen wie Metalldampflampen oder Pflanzenlampen in jeder Hinsicht deutlich überlegen. So erzeugen sie eine hohe Lichtintensität, die fast vergleichbar ist der von direktem Sonnenlicht. Sie strahlen nur das für die Aufnahme von Chlorophyll relevante Lichtspektrum rotes und blaues Licht im Verhältnis 3:1 aus. Ferner benötigen sie wenig Energie (ca. 30 Watt/Modul). Sie erhitzen sich dabei kaum, sodass der Abstand zur Pflanze beliebig eingestellt werden kann, ohne dass es zur Verbrennungen der Blätter kommt. Und zusätzlich haben sie eine lange Lebensdauer von ca. 20 000 Stunden. Direktes Sonnenlicht erreicht im Gewächshaus einen etwa gleich hohen Wert!

Gießwasser

In der Regel hat man als Gießwasser nur Leitungswasser zur Verfügung. Dieses darf jedoch nicht zu hart sein. Die Härte, in erster Linie in Form von Calciumcarbonat wird in °dH angegeben, darf nicht über 8°dH liegen. Ansonsten bildet sich mit der Zeit im Substrat durch Verdunstung der bekannte Kesselstein, sodass die Wurzeln nicht mehr atmen können. Leitungswasser mit einem höheren Wert sollte daher unbedingt mit destilliertem Wasser verschnitten werden. Bei einer Abmischung von 1:1 sinkt der Härtegrad auf die Hälfte. Achten Sie jedoch beim Kauf von destilliertem Wasser darauf, dass dieses auch für Pflanzen geeignet ist. Das wird durch ein Pflanzensymbol auf dem Etikett ausgewiesen, ansonsten kann das Wasser Stabilisatoren (Ketone) enthalten, was für Orchideen schädlich ist. Ein Abstehenlassen oder Abkochen des Leitungswassers zur Reduzierung des Kalkgehaltes bringt, wenn überhaupt, nur sehr wenig. Auch die Verwendung von Mineralwasser kann kritisch sein, insbesondere dann, wenn dieses sehr viel Natrium enthält.

Besser und geeigneter ist die Verwendung von Regenwasser, Osmosewasser oder entsalztem Wasser als Gießwasser für die Orchideenkultur. Bei Regenwasser achten sie aber unbedingt darauf, dass es algen- und bakterienfrei ist und setzen sie wenn möglich spezielle Filter ein.

Substrat

In der Regel verwendet man für die Topfkultur Pinienrinde als Substrat. Diese ist strukturstabil, beteiligt sich nicht an bestimmten chemischen Vorgängen und puffert Mineralsalzlösungen sehr gut ab. Es werden auch häufig Zusätze zur Pinienrinde wie Holzkohle, Sphagnum (totes und lebendes), Schaumstoff oder Styroporpartikel etc. gegeben. Diese haben Vor- und Nachteile, die an dieser Stelle nicht diskutiert werden können.

Die Pinienrinde sollte staubfrei und vor allem frei von Schimmel sein. Sie sollte sauber nach Größen sortiert vorliegen, um sie für die jeweilige Orchideenart speziell aussuchen zu können. Optimal z.B ist:

  • extrem fein 3-6 mm,
  • fein 6-9 mm,
  • mittelfein 9-12mm,
  • mittel 12-18 mm,
  • grob 18-25 mm

Je nachdem also wie fein die Wurzeln der Orchidee ausfallen, kann danach die geeignete Pinienrindengröße entsprechend gewählt werden: Für Sämlinge z. B. wählt man eine extrem feine Rinde, für stärkere Wurzeln entsprechend gröbere Rinde. Phalaenopsen z. B. topft man entweder in mittelfeine oder mittlere Rinde, für Cattleyen empfiehlt sich eine gröbere Rinde. Diese Sortierung ist nicht nur rein willkürlich gewählt, sondern sie spiegelt auch direkt das sogenannte Wasserrückhaltevermögen (WHC) und das Luftvolumen (AFP) wieder: Eine feinere Rinde hat einen geringeren AFP Wert (bspw. ca. 45 %) als eine gröbere Rinde (55 %)!

Zudem sollte die Rinde frei von Bakterien und Pilzen sein. Durch sogenanntes Dämpfen der Rinde bei hohen Temperaturen werden diese zwar abgetötet, aber eine neue Besiedlung findet relativ rasch wieder statt. Besser ist es, die Pinienrinde einer natürlichen Alterung bei ca. 65°C zu unterziehen. Dabei werden Trichoderma-Pilze vor allem der auch als Fungicid eingesetzte Trichoderma harzianum und Penicillinum-Pilze als Antibiotika verschont und können so eine Neubesiedlung mit Krankheit erregenden Keimen auf der Rinde bekämpfen. Wenn man eine derartige Rinde zum Topfen einsetzt, muss erst wieder nach ca. 4 Jahren neu getopft werden, da sich die Rinde so wesentlich langsamer zersetzt. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern vor allem auch dient es den Pflanzen, da sie dabei in ihrer Entwicklung nicht so häufig gestört werden müssen!

Wünschenswert ist auch, dass die Rinde mit Calciumcarbonat bereits leicht aufgedüngt ist. Eine Nährsalzaufnahme von der Pflanze kann somit sofort erfolgen, da nicht alles von der Rinde adsorbiert wird.

Topfen

Zum Topfen empfiehlt es sich, einen rot eingefärbten, terrakottafarbenen, zylindrischen Kunststofftopf aus Polypropylen zu nehmen (erkenntlich am Dreieckssymbol mit PP Kürzel). PP ist wassserdampfdicht und somit trocknet das Substrat nicht so schnell aus, aber luftdurchlässig, sodass ein guter Luftaustausch erfolgen kann. Zudem sind die mechanischen Eigenschaften bzgl. der Stabilität. gut, d. h. im Gegensatz bspw. zu Polystyrol versprödet der Topf kaum. Der Topf sollte eine genügende Anzahl an Löchern und Vertiefungsrinnen im Boden haben, damit das Gießwasser gut ablaufen kann. Zudem empfiehlt es sich, mit einem Lötkolben seitwärts Schlitze von etwa einem Drittel der Topfhöhe anzubringen. So entsteht eine kaminartige Wirkung – eine Art Luftsog von unten nach oben. Auf diese Weise kann das von den Wurzeln veratmete Kohlendioxid mit dem Luftstrom nach oben gelangen. Diese erhöhte Konzentration an CO² kann von den Blättern über die Stomata gut und problemlos aufgenommen und zur Photosynthese verwendet werden.

Zweckmäßigerweise topft man die Pflanzen so ein, dass im unteren Teil des Topfes, der aufgrund der erhöhten Feuchtigkeitsansammlung und damit ungenügendem Luftzutritt kritisch ist, eine Drainage aus ganz grober Rinde angebracht wird, auf der die Wurzeln der Pflanzen gesetzt werden können. Dann wird mit der für die jeweilige Orchideenart geeigneten Rinde unter ständigem Klopfen zur besseren und gleichmäßigen Verteilung aufgefüllt. Haben die Orchideen kaum noch Wurzeln und können sie keinen Halt im Substrat finden, kann man sie durch einen Holzstab, den man durch seitlich oben am Topfrand angebrachten Löchern führt, auf das Substrat fest andrücken. Es gibt im Handel auch speziell gewickelte Drähte, die diesen Zweck ebenfalls gut erfüllen.

Düngen

Im Handel gibt es viele Dünger auch spezielle Orchideendünger. Die Wahl des Düngers ist ohne Kenntnisse gewisser Kriterien für einen guten Dünger nicht möglich. Orchideen benötigen für ein gutes Wachsen und Blühen eine ausreichende Versorgung mit allen essentiellen Nährelemente mit den Abkürzungen in folgender abnehmender Reihenfolge: Wasserstoff, Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff N, Kalium K, Calcium Ca, Magnesium Mg, Phosphor P und Schwefel S als sogenannte Makronährelemente, wozu auch manchmal Eisen Fe gerechnet wird. Bor B, Mangan Mn, Zink Zn, Kupfer Cu und Molybdän Mb werden als Mikronährelemente bezeichnet. Wasserstoff, Kohlenstoff und Sauerstoff erhält die Pflanze über die Luft und das Wasser, alle anderen Nährelemente müssen als Düngerlösung, die man bei Gegenwart aller Nährsalze auch als Volldünger bezeichnet, zugeführt werden.

Auf dem Etikett des Düngers sind die Bestandteile in Form der Kürzel angegeben. So kann man schnell erkennen, welche Nährsalze und in welcher Konzentration bzw. Zusammensetzung (Angabe in %) diese vorliegen.

Volldüngerlösungen findet man leider aus verschiedenen Gründen kaum im Handel. In den angebotenen Düngern fehlen in der Regel Calcium, Schwefel oder auch Magnesium. Calcium in Form von Leitungswasser als Gießwasser oder aber durch Aufkalken des Substrates zuzuführen, ist auch keine optimale Lösung, da Calcium so als Calciumcarbonat festgelegt wird und von der Pflanze nicht erreichbar ist. Calciumnitratlösung (0,2g/l) bei jedem dritten Gießen und Magnesiumsulfatlösung (0,2 g/l) alle zwei Monate zu geben ist sehr zu empfehlen.

Der Dünger sollte:

  • frei von sogenannten Chelaten (auf dem Etikett in der Regel als EDTA angegeben) sein, die Mikro-Nährelemente sollten als freie Ionen vorliegen – bis auf Eisen, als Chelat des EDPA (Sequestren genannt)
  • wenig Ammonium-Stickstoff, höchstens 2% zur optimalen Einstellung des pH-Wertes der Lösung auf 5,5 – 6,0 bei Verwendung von Regenwasser, bei Leitungswasser aufgrund der alkalischen Eigenschaften je nach Härtegrad auch mehr enthalten
  • insbesondere im Falle von Regenwasser kein Harnstoff oder Carbamid-N (problematisch für Orchideen aufgrund der Gefahr der Nitritbildung im unteren Topfbereich aufgrund mangelndem Luftzutritt) enthalten
  • einen pH–Wert von 5,5-höchstens bis zu 6,5 aufweisen
  • im Nitratgehalt keinesfalls zu hoch gewählt werden (zu hohe N-Aufnahme führt zu weichen Blättern und umkippenden Bulben mit hoher Infektionsgefahr durch Bakterien und Pilze). Lediglich in der Wachstumsphase kann der Nitratanteil aufgrund eines erhöhten Bedarfs angehoben werden (Wachstumsdünger).
  • ein ausgeglichenes Verhältnis an NPK aufweisen wie 10:8:10. Ein solcher Dünger als Universaldünger kann problemlos das ganze Jahr über verwendet werden.
  • im Kaliumgehalt etwa mindestens gleich hoch oder deutlich höher sein als die Stickstoffkonzentration. – Bez. des Phosphorgehaltes sollte kein Super- oder Doppel-oder Harnstoffphosphat enthalten sein Die Bedeutung von P wird häufig überbetont, er regt jeoch die Blütenbildung an. (Empfehlung: am Ende der Wachstumsphase den N-gehalt stark absenken und den Phosphorgehalt entsprechend steigern (Blühdünger).

Eine optimale Versorgung der Orchideen über das Jahr mit den von ihnen benötigten Nährstoffen gelingt im Falle von Regenwasser bzw. entsalztem Wasser mit einer Volldüngerlösung nach den oben aufgeführten Kriterien. (Im Falle von hartem Leitungswasser empfiehlt es sich, eine Universaldüngerlösung (s. o.) zu verwenden, die durch Wachstumsdünger, Blühdünger, Calciumnitrat und Magnesiumsulfat (je nach Wachstumsstadium sinnvoll ergänzt werden kann.

Die Düngerlösung kann auf verschiedene Art und Weise verabreicht werden:

  • Man fügt das ganze Jahr über immer etwas dem Gießwasser nach dem amerikanischen Prinzip „weekly weakly“ (wöchentlich wenig) zu.
    (Ein Richtwert hierfür gibt die sogenannte Leitfähigkeit an. Die Ionen in der Lösung leiten den Strom und dieses kann man in μS/cm messen. Bei guten Düngern wird dieses auf dem Etikett vermerkt, also z. B. 5 ml in 1 l Wasser ergibt 200 μS/cm (entspricht etwa 0,1–0,2g/l Dünger! Auf die Angaben des Herstellers, wie z. B. 1 Verschlusskappe der Düngerlösung auf 1l dem Giesswasser zuzusetzen, sollte man sich lieber nicht verlassen. Dies kann zu starken Versalzungen im Substrat und somit zum Verlust der Pflanze führen.
  • Oder man düngt 1x im Monat bzw. in der Wachstumsphase auch öfters mit einer konzentrierten Düngerlösung, also bis zu 1000 μS/cm; bei einigen Orchideenarten auch mehr, bei anderen dagegen weniger. Dabei sollte das Substrat vorher immer kräftig durchgespült werden. Tauchen reicht nicht immer aus, Sprühen schon gar nicht. Im Anstauverfahren, also beim Gießen in einen Untersetzer z. B., ist dies sehr wichtig, um Salzablagerungen im Substrat mit dem Gießwasser zu entfernen. Ansonsten besteht die Gefahr der Salzanreicherung.

Im Handel gibt es neben den flüssigen auch feste sowie sogenannte Langzeitdünger, die als Granulat dem Substrat zugesetzt werden können. Aufgrund der besseren und gleichmäßigeren Durchmischung und der einfacheren Handhabung ist dem flüssigen Dünger der Vorzug zu geben.

Dünger auf sogenannter biologischer Basis wie Zusätze von Guano oder Zuckermelasse etc. sind in der Orchideenkultur kritisch. Pflanzen können nur Ionen (also Salze) aufnehmen. Somit muss der biologische Zusatz wie Guano erst in die entsprechenden Salze durch Bakterien abgebaut werden, bevor der Dünger wirksam werden kann. Dieses geschieht je nach Witterungsbedingungen langsam oder auch schneller und ist somit ein schwer kontrollierbarer Prozess, der sowohl zur Unter- als auch zur Überversorgung der Pflanzen führen kann. Mineralische Dünger als zu »scharf« für Orchideen zu bezeichnen, ist ein Zeichen von Unkenntnis. Hiervon darf man sich auf gar keinen Fall beirren lassen!

Im Handel befinden sich auch sogenannte Pflanzenstärkungsmittel. Diese dienen in der Regel dazu, das Substrat, die Umgebung der Wurzel, zu verbessern, indem pathogene Keime abgetötet werden. Selten wirken sie in der Pflanze direkt, denn dafür fehlen die notwendigen Aufnahmemechanismen. Lediglich kann so ein Schutz der Pflanzen auf der Oberfläche durch Anlagerung von Stäuben oder Silikaten z. B. in einer Brühe aus dem Ackerschachtelhalm gegen Schädlinge gegeben werden. Sinnvoll und empfehlenswert ist es, Zusätze in Form von Phythohormonen wie Indol-3-essigsäure und Giberllin-5-säure in homöopathischer Dosis D6 den Pflanzen über das Gießwasser zuzuführen, diese haben eine starke wachstums- und blühfördernde Wirkung!

Schädlingsbekämpfung bei Orchideen

Grundsätzlich gilt: Prävention steht vor Infektion. Präventive Maßnahmen sollten unbedingt eingehalten werden. Beim Kauf von Neupflanzen sollten diese zunächst in Quarantäne gestellt werden. Mit großer Hygiene und Sorgfalt ist bei der Pflege der Orchideen vorzugehen. Scheren oder Messer sollten vor Gebrauch in eine Benzoesäure-Lösung (Menno Florades) gestellt werden, um so nicht Infektionen von einer zur anderen Pflanze zu übertragen.

Ist eine Pflanze von einem Schädling befallen, gilt es, diesen unbedingt sofort zu bekämpfen, aber in aller Ruhe dabei vorzugehen und die richtigen Schritte einzuleiten. Ist der Befall sehr gering und in den Anfängen, sollte man auf gar keinen Fall gleich die chemische Keule bemühen, sondern es mit biologischen Mitteln wie Sojaöl oder Rapsöl (Neemöl ist wegen der möglichen Gefahr der Verklebung der Stomata (Blattöffnungen) weniger gut geeignet) oder auch Seifenlösungen mit Isopropanol zum Entfernen der Schädlinge zunächst versuchen. Dies muss man öfters und regelmäßig wiederholen. Erst wenn diese Maßnahmen nicht von Erfolg gekrönt sind und sich die Schädlinge rasch ausbreiten und vermehren, müssen chemische Mittel eingesetzt werden. Dabei sollte man immer mit aller nötigen Vorsicht vorgehen, Schutzhandschuhe, eventuell Schutzmaske, Schutzkleidung etc. anziehen.
Im folgenden werden nun ein paar Tipps zur Bekämpfung von immer wieder auftretenden Schädlingen gegeben. Wollläuse und Schildläuse sind häufig anzutreffen und können am effektivsten durch Schädlingsbekämpfungsmittel wie Confidor und Movento bekämpft werden. Confidor wirkt als sogenanntes Kontakt- und teilsystemisches Gift, Movento als rein vollsystemisches Gift über einen längeren Zeitraum von bis zu 6 Wochen. Der Vorteil eines systemischen Giftes liegt darin, dass das Schadinsekt direkt über die Leiterbahn, dem Phloem, der Pflanze bekämpft und durch Aufnahme vernichtet wird. Aufgrund des Wirkmechanismus treten keine Resistenzen auf, es kann also öfters verwendet werden. Confidor hingegen sollte nur maximal zweimal verwendet. Zudem ist die Toxizität von Movento relativ gering und entfaltet sich voll erst in der Pflanze, es ist bienenungefährlich und verschont auch die Nützlinge. Zudem wird es nach ca sechs Wochen Verweilzeit in der Pflanze in völlig umweltunbedenkliche Stoffe wie Kohlendioxid abgebaut. Der Nachteil eines vollsystemischen Mittels liegt jedoch grundsätzlich darin, dass es erst von der Pflanze aufgenommen und dann mit dem Saftstrom transportiert werden muss. In der Ruhezeit der Pflanze sowie bei starker Schädigung ist jedoch der Saftstrom sehr eingeschränkt bzw. kommt eventuell ganz zum Erliegen. In diesem Fall ist auch die Wirkung des systemischen Mittels gering.

Spinnmilben wie die rote Spinne sind für die Orchidee sehr gefährlich. Sie stechen direkt in die Zelle ein, wodurch die Blätter silbrigfarben erscheinen, und senden dabei gleichzeitig ein Gift aus, welches die Pflanze auf Dauer stark in ihrem Wachstum beeinträchtigt und schwer schädigt. Zudem können so an der Einstichstelle rasch Bakterien und/oder Pilze eindringen, wodurch die Blätter sich an diesen Stellen schwarz verfärben. Spinnmilben können eigentlich nur dann gut bekämpft werden, wenn man vorbeugend rechtzeitig spritzt und die Raubmilben dabei unbedingt verschont. Das Konzept mit einem Mittel Hexythiazox (Ordoval oder Trevi) gegen Eier und Larven und dann mit Acequinocyl (Kanemite) gegen lebende Populationen zu spritzen, hat sich hier sehr gut bewährt, da beide Gifte hochwirksam sind und dabei gleichzeitig die Raubmilben nicht schädigen. Wird der Befall zu spät bemerkt, sind häufig alle Stadien der Milbe wie im Sommer anwesend, sodass nur noch eine Spritzung mit einer Mischung aus beiden helfen kann. Zusätzlich sollte man Raubmilben zusetzen. Man kann sie auf die befallenen Blätter ausstreuen und um diese Zeit haben sie auch vor allem Spinnmilben auf ihrem Speiseplan. In dem Falle, in dem sie die rote Spinne fressen, verfärben sie sich selber rot, sodass dies häufig irrtümlich als weiterer starker Befall gedeutet wird!

Im Falle von Bakterien sollte die befallene Stelle sofort mit einem Antibiotikum behandelt werden. Dazu kann man auch einfach auf ein Hausmittel wie Zimtpulver zurückgreifen. Es trocknet die befallene Stelle ab, wirkt antibiotisch und verhindert so ein weiteres Eindringen der Bakterien.

Die gefürchtete Schwarzfäule (Phythium und Phytophtora –Pilze) auch als Wurzelfäule oder Umfallkrankheit, erkenntlich an der Schwarzfärbung und dem anschließend einsetzenden raschen Blattfall bei Vandas oder Phalaenopsen sowie dem Umkippen der Bulben bei Cattleya z. B. lässt sich sehr effektiv mit einem Fungicid auf Basis Fosetyl-Al und Fenamidon (Fenomenal) aufhalten. Die Infektion geht dabei von kranken Pflanzen, infizierten Töpfen oder verseuchtem Substrat aus. Kühle und nasse Bedingungen fördern die Ausbreitung und die Anfälligkeit. Der Pilz kann lange Zeit im Substrat überdauern und gehört somit zu den gefährlichen pathogenen Keimen. Das Fosetyl Al wirkt vollsystemisch im Xylem und Phloem direkt als auch indirekt, indem es zum einen den Pilz in der Entwicklung und in der Sporenkeimung hindert und indirekt, in dem die Abwehrkräfte der Pflanze durch Bildung von Abwehrsubstanzen wie spezielle Proteine und Polyphenole angeregt werden. Fenamidon tötet den Pilz im Substrat durch Hemmung der Zellatmung in den Mitochondrien. Das Mittel wirkt somit rasch und protektiv sowohl als Kontakt als auch als systemisches Gift, es aktiviert die pflanzlichen Abwehrkräfte, es ist schwer wasserlöslich, d. h. es verbleibt lange Zeit im Substrat und es bildet keine Resistenzen. Das Mittel zählt zu den modernen Pflanzenschutzmitteln und ist seit gut zwei Jahren erst im Handel erhältlich.

Abschließend soll noch erwähnt werden, dass es wichtig ist, eine Pflanze, die man im Sommer ins Freie gebracht hat, vor dem Einräumen gegen Asseln und anderes Ungeziefer zu behandeln, sonst können diese sich massenhaft im Zimmer oder Gewächshais in Folge verbreiten. Dazu badet man die Pflanze am Besten in einer Lösung aus Methiocarb (Mesurol). Hierdurch werden die Asseln abgetötet, die sonst beim Baden im reinen Wasser gut überleben können. Auch und vor allem Schnecken werden so vernichtet.

Dr. Wolfgang Ermert