Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Coelogyne cristata

Am 12. Februar 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Coelogyne cristata

Foto: Thomas Lehmann

John Lindley, ein englischer Botaniker, der als Erster eine Klassifizierung von Orchideen erstellte und somit als Vater der modernen Orchideenkunde gilt, beschrieb diese fast reinweiße Naturform im Jahre 1821. Das Verbreitungsgebiet von Coelogyne cristata erstreckt sich vom westlichen bis zum östlichen Himalaya über Assam und Sikkim in Nordostindien, Nepal, Bhutan und Java. Sie wächst dort auf einer Höhe von 1 500-2 600 Metern unter kühlen bis kalten Bedingungen. Einen großen Teil des Jahres sind die Pflanzen am Naturstandort dem Monsunregen ausgesetzt, während der restlichen Zeit gibt es zwar keinen Niederschlag, dafür aber eine durch Nebel hervorgerufene sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Coelogyne cristata wächst epiphytisch und gelegentlich auch litophytisch auf moosigen Felsen. Sie bildet rundliche bis ovale Pseudobulben aus, auf denen 2 längliche Blätter sitzen. Die Blütentriebe entspringen am unteren Teil der Pseudobulbe und bringen 3 bis 10 weiße Blüten mit einem gelbem Zentrum hervor, welche manchmal auch duften können. Die Winter am Naturstandort sind zwar regenarm und kühl, aber sehr hell.

Coelogyne cristata ‚Weihe‘ SM/DOG Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

Eine Kultur auf der Fensterbank funktioniert gut, solange man die kühlen, aber hellen Bedingungen im Winter bieten kann. Im Sommer hängt meine Coelogyne cristata in einer Ampel auf dem Balkon, vor der Mittagssonne geschützt, und wird dauerfeucht gehalten. An besonders heißen und trockenen Tagen sprühe ich auch die Blätter nass, um für etwas mehr Luftfeuchtigkeit zu sorgen. Das Besprühen der Blätter sollte man aber besser unterlassen, wenn die Pflanze in einem Raum ohne ausreichende Belüftung steht. Im Freien trocknen die Blätter durch den Wind sehr schnell ab und es kommt nicht zu Krankheiten wie Fäulnis oder Pilzbefall. Während dieser Zeit bilden sich etliche Neutriebe, die bis in den Herbst ausgewachsen sind. In der Wachstumsphase dünge ich alle 14 Tage mit aufgedüngtem Regenwassser, das einen Leitwert von ca. 200-250 Mikrosiemens hat. Zwischen den Düngergaben gibt es nur Regenwasser.  Ab Oktober beginnt dann langsam die Trockenzeit und es wird immer weniger gegossen, bis die Pflanze dann im November vor dem ersten Frost komplett trocken, aber noch im Freien steht. Idealerweise überwintert sie danach bei ca. 5-8 Grad Nachttemperatur und hoher Luftfeuchtigkeit komplett trocken und sehr hell. Natürlich kann diese Temperaturen nicht jeder zu Hause bieten, sie sollte aber so kalt wie möglich stehen. Kann man nur ein Treppenhaus mit 12 Grad bieten, dann muss gelgentlich etwas Wasser gegeben werden, allerdings nur wenig. Die Pseudobulben dürfen in dieser Zeit schrumpeln. Wenn genug Licht vorhanden ist, bilden sich nach einigen Wochen die Blütentriebe unterhalb der Pseudobulbe. Erst wenn die einzelnen Knospen zu sehen sind, gebe ich wieder Wasser und halte Coelogyne cristata dauerfeucht. Ab April/Mai, wenn es keinen Frost mehr gibt, darf meine Pflanze dann wieder ins Freie und der neue Zyklus beginnt.

Als Substrat nutze ich, wie bei fast all meinen Orchideen, die Pseudobulben ausbilden, mineralisches Substrat. In diesem Fall ist es Lavagranulat mit einer Körnung von 2-8 mm, größer sollte es nicht sein. Mineralisches Substrat hat den Vorteil, dass es eine gleichmäßige Feuchtigkeit hält, wenn der Topf in einer Schale, bzw. einer Ampel im Fall von Coelogyne, steht, die immer mit Wasser gefüllt ist. Die ersten Jahre hatte ich sie in Rindensubstrat, was auch sehr gut funktioniert hat, allerdings ist es da etwas schwieriger und aufwendiger eine Dauerfeuchtigkeit aufrecht zu erhalten. Ein zu starker Trocken-Nass-Rhythmus kann zum sogenannten Knitterwuchs führen, bei dem die Blätter eben nicht schön flach wachsen, sondern eher wie eine Ziehharmonika. Grundsätzlich können natürlich auch andere Substrate verwendet werden, die eine gleichmäßige Feuchtigkeit möglich machen. Beim Umtopfen ist Coelogyne cristata als etwas zickig verschrien, da sie im Winter nach dem Umtopfen oft mit der Blüte aussetzt. Auch hier ist man mit mineralischem Substrat im Vorteil, da dieses nicht zerfällt und nur getopft werden muss, wenn der Topf zu klein geworden ist. Rinde und alles andere Organische zerfällt durch die andauernde Feuchtigkeit und sollte deswegen nach spätestens 2 Jahren gewechselt werden. Bei guter Kultur schafft diese Naturform pro Altpseudobulbe 2 Neutriebe in jeder Saison, wodurch sie recht schnell eine prachtvolle Pflanze mit vielen Blüten werden kann.

 

Blütezeit ist in der Regel zwischen Januar und März, je nachdem wieviel Licht sie bekommt. Dieses Jahr hatten wir ja leider einen sehr düsteren Winter mit wenig Licht, weshalb meine Pflanze nur sehr langsam an den Blütentrieben arbeitet und die Blüte erst in den März fallen wird. Letztes Jahr war sie um diese Zeit schon in voller Blüte.

Autor: Thomas Lehmann