Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

KW 03, 2018

Phragmipedium besseae

Alles lesen Orchidee der Woche 03, 2018

Phragmipedium besseae

Foto: Thomas Lehmann

 

Im Jahre 1981 vom peruanischen Pflanzensammler Orche Guzmann in der Umgebung von Tarapoto in Peru entdeckt und von der amerikanischen Orchideenforscherin Elizabeth Locke Besse an Marie Selby Gardens übergeben, wurde diese spektakulär rote Frauenschuhart von Calaway H. Dodson & Janet Kuhn 1981 im AOS Bulletin 50, 1308-1310, als neue Art beschrieben. Die Art ist sowohl in Peru, wie auch in Ecuador beheimatet und variiert je nach Standort leicht in Farbe und Form. Die meisten im Handel erhältlichen Formen sind Mischtypen aus den unterschiedlichen Standortformen. Inzwischen gibt es aber auch einige standortreine Formen, wie den Limon-Typ, den Paute-Typ, den Chiguinda-Typ (alle 3 aus Ecuador) und den Peru-Typ bei spezialisierten Züchtern zu erwerben. Es gibt außerdem eine hellgelbe Farbvariante. Phragmipedium besseae f. flavum, wobei diese etwas empfindlicher und dadurch schwieriger zu kultivieren ist.

 

Das Klima am Standort bietet recht konstante Temperaturen zwischen 15 und 27 Grad ganzjährig. Niederschläge gibt es auch ganzjährig, wobei sie von März bis September deutlich häufiger sind. Bis November fallen diese dann deutlich ab und nehmen bis März wieder langsam zu. Phragmipedium besseae wächst terrestrisch zwischen dauerfeuchtem Moos, Gräsern und Farnen, aber teilweise auch litophytisch an steilen und feuchten Felsen.

Auf dem oberen Foto Phragmipedium besseae in situ. Unten ein Bild des Habitats. Beides aufgenommen in  Ecuador.

Foto: Monika Eckert
Foto: Monika Eckert

Phragmipedium lassen sich generell sehr gut mit „nassem Fuß“ kultivieren, das heißt sie stehen am besten in einer mit Wasser gefüllten Schale. Gelegentlich lässt man das Wasser komplett aufsaugen und füllt dann die Schale wieder auf. Im Winter öfter und länger austrocknen lassen, im Sommer nur sehr selten. Pflanzen dieser Gattung sind etwas salzempfindlich, weshalb man unbedingt auf eine gute Wasserqualität achten sollte. Regenwasser oder leicht aufgedüngtes (oder mit Leitungswasser verschnittenes) destilliertes Wasser eignet sich am besten. Im Sommer Dünge ich sehr regelmäßig circa 14-tägig, wobei ich aber auch hierbei darauf achte, dass die Leitfähigkeit des Wassers 250 Mikrosiemens nicht übersteigt. Zu hohen Salzgehalt quittieren Phragmipedium sofort mit braunen Blattspitzen. Die Kultur auf der Fensterbank klappt im Grunde sehr gut. Einziges Problem bei besseae ist, dass die Neutriebe sehr gerne klettern und von daher eine Kultur in der Schale besser geeignet ist, um die hochwachsenden Neutriebe nach unten drücken zu können und mit Krampen o.ä. zu fixieren. Im Vergleich mit anderen Phragmipediumarten ist besseae aber mit höchstens 40 cm Blattspannweite ein eher zierliches Phragmipedium. Die meisten meiner besseae (Ja, ich hab gleich mehrere davon!) sind sogar nur ca. 30 cm. Die Art mag es gerne sehr hell, im Sommer aber keine direkte Mittagssonne. Ein Aufenthalt im Freien während des Sommers tut meinen immer sichtlich gut.

 

Die meisten meiner insgesamt ca. 300 Phragmipedium kultiviere ich in einer Mischung aus Rinde, Bimsstein, Kohle und Perlite. Aber auch mit dem mineralischen Substrat Akadama (5-10mm Körnung) hab ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Vorteil vom Akadama ist, dass es sich nicht zersetzt. Rinde muss, wegen der ständigen Nässe, spätestens nach 2 Jahren ausgetauscht werden. Auch mit puren Steinwollwürfeln ( Basacubes) hab ich erfolgreich kultiviert. Grundsätzlich geht alles, was gut die Feuchtigkeit hochzieht und nicht so schnell abtrocknet.

 

Insgesamt eine recht einfach zu kultivierende Orchidee, die durch ihr kräftiges Rot besticht und bei guter Kultur sehr regelmäßig und lange blüht!

Nachfolgend noch ein paar Fotos von verschiedenen Klonen, welche bei diversen Tischbewertungen der DOG mit Medaillen prämiert wurden, und ein Foto des standortreinen Peru-Typs.

 

Autor: Thomas Lehmann

Phragmipedium besseae ‚Popow‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
hPhragmipedium besseae ‚Excalibur‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipedium besseae f. flavum ‚Wössen‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phragmipedium besseae ‚Kilian‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
standortreine Peruform von Phargmipedium besseae (Foto: Thomas Lehmann)
Phragmipedium besseae ‚Schanz‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Schluss noch ein kleines Suchbild! Wo ist das besseae? (Foto: Monika Eckert)

KW 02, 2018

Platystele umbellata

Alles lesen Orchidee der Woche 02, 2018

Platystele umbellata

(Foto aus dem D.O.G.-Archiv)

 

Diese äußerst ansprechende Miniaturorchidee ist beheimatet in den immerfeuchten Regenwäldern von Kolumbien und wächst epiphytisch auf Bäumen in einer Höhe von 600-1600 m über NN. Direkte Sonne bekommt sie nur äußerst selten, da sie durch das Laub der Bäume, auf denen sie wächst, davor geschützt wird. Sie wächst also in schattigen, dauerfeuchten und, je nach Standort, kühl bis warmen Verhältnissen. Als neue Art beschrieben wurde sie im Jahre 1978 von P. Ortiz für den Revista de la Sociedad Colombiana de Orquideologia. Die Blätter werden mit Stiel ca. 4 cm lang und bilden nach Auswachsen einen Blütentrieb, an dem traubenartig ca. 1 mm große Einzelblüten eine Art Kugel bilden.

 

Für eine erfolgreiche Kultur ist die Qualität des Wassers das entscheidende Kriterium. Wie alle Miniaturorchideen mit ihren feinen und filigranen Wurzeln, reagieren sie auf zu viel Salze recht schnell mit dem Verbrennen der Wurzeln, was den Tod der Pflanze bedeutet. In der Natur bekommen sie eben auch nur das Wasser ab, welches als Regen vom Himmel fällt und kaum gelöste Salze enthält. Lediglich abgestorbenes Pflanzenmaterial, welches in der Nähe der Pflanze liegt, reichert das Wasser etwas mit Nährstoffen an. Regenwasser ist da immer die beste Wahl. Wer die Möglichkeit nicht hat Regenwasser zu sammeln, kann auch Osmosewasser (oder destilliertes) ganz leicht aufdüngen und dieses verwenden. Ich gieße meine Platystele umbellata mit Wasser, welches nicht mehr als 30 Mikrosiemens hat. Im Sommer wird 2-3 mal gedüngt. Allerdings achte ich auch hier darauf, dass das Wasser mit Dünger eine Leitfähigkeit über 80 Mikrosiemens nicht übersteigt. Die „kleine Himbeere“, wie ich sie aufgrund ihrer Blütenform immer nenne, darf niemals komplett austrocknen und benötigt eine möglichst hohe Luftfeuchtigkeit, aber auch gute Luftzirkulation.

2 grundsätzliche Möglichkeiten der Kultur sind möglich. Wer ein Orchidarium, also ein Terrrarium für Orchideen hat, kann sie auf Kork oder ähnlichem aufbinden und ins Orchidarium hängen. Auch in Moos getopft funktionert es im Terra. Hier mal 2 Fotos einer aufgebundenen umbellata, die es bis zur Goldmedaille geschafft hat.

Platystele umbellata ‚Uschi‘ SM/DOG (Foto aus dem D.O.G.-Archiv)
Platystele umbellata ‚Uschi‘ GM/DOG (Foto aus dem D.O.G.-Archiv)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer kein Orchidarium hat oder möchte, aber auf diese Schönheit nicht verzichten will, kann sie auch sehr gut in einer Glaskugel für Teelichter mit großer Öffnung halten. Ich denke für alle Orchidarienbesitzer muss ich hier nicht weiter auf die Kultur von aufgebundenen Miniaturen eingehen, daher möchte ich lieber etwas genauer erklären wie das in so einer Glaskugel funktionieren kann.

 

Zu allererst ist es wichtig, dass die Kugel nicht zu klein ist, damit die Blütentriebe nicht am Glas anstoßen. Ich habe mich für eine entschieden, die etwas größer ist als unbedingt nötig. Meine hat ca. 15 cm Durchmesser. 10 cm sollten es auf jeden Fall sein. Ich kultiviere komplett in reinem Lebendmoos. Man kann aber auch unten in die Kugel etwas feines, mineralisches Substrat (Seramis, Akadama, Lava, etc.) füllen und darauf dann das Moos platzieren. Wie gesagt, mache ich es immer nur mit Moos. Ich fülle also lebendes Sphagnum-Moos in die Kugel, platziere mit einer Pinzette mit den Wurzeln voraus die Pflanze mittig in die Kugel und bedecke die feinen Wurzeln dann noch mit Sphagnum. Das war es auch schon. Ab hier achte ich lediglich darauf, dass unten in der Kugel immer eine kleine Pfütze Wasser steht, damit das Moos nicht austrocknen kann. Durch das stehende Wasser entsteht in der kleinen Kugel dann auch das nötige Mikroklima mit ausreichend Luftfeuchtigkeit. Durch die große Öffnung an der Vorderseite der Kugel ist aber auch eine gute Luftzirkulation und ein Luftaustausch möglich.

 

Autor: Thomas Lehmann

 

Meine umbellata in der Glaskugel auf Moos. Eine sehr dekorative Möglichkeit der Kultur. (Foto: Thomas Lehmann)
(Foto: Thomas Lehmann)