Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Orchid seed diversity – A scanning electron microscopy survey (2014)

Autor(en): BARTHLOTT, Wilhelm, GROSSE-VELDMANN, Bernadette, KOROTKOVA, Nadja Rezension von: Irene Bock

245 Seiten mit über 600 SEM-Fotografien, 26 phylogenetischen Grafiken, mit erklärenden Texten, Englisch, 17,6 × 25 cm, flexibler Einband, zu bestellen bei und publiziert vom Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin als Englera 32, ISBN 978-3-9218000-92-8; 25,- €

Das Ergebnis von 40 Jahren Forschungsarbeit und Untersuchungen mit dem Elektronenmikroskop (SEM) an Orchideensamen wird hier vorgelegt. Es ist die erste Monografie dieser Art, gewidmet Prof. Werner RAUH und Dr. Karlheinz SENGHAS – beide waren am Botanischen Garten Heidelberg tätig. Dem Vorwort ist bereits zu entnehmen, dass über 600 Mikrofotografien in dieser Zusammenstellung wiedergegeben werden.

Bei den Sekundarelektronenmikrospien (SEM – scanning electron microscope) handelt es sich um die Standardbetriebsart des Rasterelektronenmikroskops (REM). Untersucht und elektronenmikroskopisch behandelt wurde verständlicherweise erheblich mehr Material.

Orchideensamen sind höchst unterschiedlich in ihrer Größe, aber vor allem auch in der Oberflächenstruktur und Aufbau der Samenschale (Testa), der eine besondere Bedeutung bei der Verbreitung der Samen durch Luftbewegung und Wasser zukommt. Bis jetzt hatten sich nur wenige Wissenschaftler mit dieser Materie und deren elektronenmikroskopischer Bearbeitung befasst. Joseph Georg BEER (1803-1873) war einer der ersten Pflanzenzüchter und autodidaktischer Botaniker, der die Diversität der Samen, wie sie im Lichtmikroskop erscheinen, in Zeichnungen festgehalten hat.

Seit in den letzten 2 Jahrzehnten die DNS-Untersuchungen auch bei den Orchidaceen Eingang fanden, wurde diese Familie jüngst in 5 Unterfamilien eingeteilt: Apostasioideae, Vanilloideae, Cypripedioideae, Orchidoideae und Epidendroideae. Im Gegensatz zur Blütenmorphologie wurden mikromorphologische Merkmale der Samenschale durch Umweltbedingungen bis heute kaum beeinflusst. Orchideen produzieren Kapseln mit winzigen staubfeinen durch Wind und Wasser zu verbreitende Samen. Sie sind überwiegend charakterisiert durch ballonartige Samenschalen und die Abwesenheit von Nährgewebe. Die Samenschale besteht bis auf Ausnahmen aus relativ uniformen Zellen und enthält meist nur einen aus wenigen Zellen bestehenden winzigen Embryo. Und es besteht ein funktionaler Zusammenhang zwischen der Samenmorphologie, der Netzbarkeit und Aerodynamik, die für die Verbreitung der Samen verantwortlich sind. Daher betrachten die Autoren zu Beginn die Samen allgemein und erläutern die Ausnahmen sowie vorangegangene Ausarbeitungen anderer Autoren über Teilgebiete der Samenmorphologie. Da es bisher keine zusammenhängende Vergleichsstudie zu dieser Thematik gibt, werden hier zum ersten Mal die Ergebnisse dieser Untersuchungen zusammengefasst. Für die einzelnen Gattungen werden die Strukturen der Samenschalen beschrieben, die sich innerhalb der Genera öfter ähnlich sind. Ausnahmen werden gesondert betrachtet und Arten mit abweichender Morphologie separat beschrieben. Die Terminologie zu Samengröße und -farbe wird erklärt, zur Anzahl der Testazellen, deren Form und Zellmuster, zu den Zellleisten, ihren Formen und Besonderheiten.

17 Samentypen werden unterschieden, beschrieben und in SEM-Abbildungen wiedergegeben. Danach erfolgt die engere Beschreibung der Samen einzelner Unterfamilien, ihrer Triben, Subtriben und daraus ausgewählter Gattungen mit Hinweisen auf die entsprechenden Abbildungen. Eine Diskussion über Bedeutung und Entwicklung der Merkmale von Orchideensamen für Systematik und Diagnostik schließt sich an. Die Ausarbeitung schließt mit einem Literaturverzeichnis, Materialquellen und einem Inhalts- bzw. Schlagwortverzeichnis.

Dieses Buch mit seinen vielen Abbildungen und den Erklärungen ist mit Sicherheit für viele Orchideenfreunde interessant. In der D.O.G.-Bibliothek ist es zur Einsicht vorhanden.