Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Die Orchideen Bayerns – Verbreitung, Gefährdung, Schutz

Autor(en): Arbeitskreis Heimische Orchideen [Hrsg.] Rezension von: Wolfgang Rysy

382 Seiten, über 500 Farbfotos, 21,5 x 30,5 cm, dicker Pappeinband, Fadenbindung; VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch; ISBN 978-3-87707-929-4; Preis 30 € einschl. Versand , Bestellung unter kassenwart@aho-bayern.de oder bei den jeweiligen Sektionsvorsitzenden des AHO Bayern

Aus Anlass des 40-jährigen Jubiläums vom “Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO) Bayern e. V.“ ist das vorliegende Buch geschrieben, zusammengestellt und veröffentlicht worden. Nach 3 Auflagen (1986, 1992, 2006) der Verbreitungsübersicht der Orchideen in Bayern, in denen schwerpunktmäßig die Verbreitung der in Bayern vorkommenden Orchideenarten auf der Basis von Messtischblatt-Quadranten mit äußerst knappen Texten und einfachen Strichzeichnungen dargestellt wurde, wollte nun der Vereinsvorstand in Anlehnung an ähnliche Veröffentlichungen der letzten Jahre von Arbeitskreisen anderer Bundesländer ebenfalls ein großformatiges, reich bebildertes und attraktives Werk schaffen. Um es vorweg zu nehmen: dies ist voll und ganz gelungen. Im Vergleich zu den vorangegangenen Auflagen im Kleinformat (etwa DIN A5) hält man jetzt ein dickes Buch im DIN A4-Format mit insgesamt 382 Seiten und weit über 500 Farbfotos in der Hand.

Nach einer kurzen Einleitung zum Thema “40 Jahre Arbeitskreis Heimische Orchideen Bayern e. V.“ folgt das Inhaltsverzeichnis. Zuerst wird auf 8 Seiten über die Vereinsgeschichte berichtet mit Bildern von Pflegeeinsätzen und Ausstellungen. Es folgt ein längeres Kapitel “Orchideenbiotope“ mit der Beschreibung aller in Bayern relevanter Biotoptypen mit Bildbeispielen; abschließend wird auf die Gefährdungsursachen bei den Orchideen eingegangen. Anschließend kommt eine Liste der Naturräume in Bayern sowie eine dazugehörige physikalische Karte von Bayern, die ergänzt wird durch Themenkarten zur Geologie, zum Niederschlag sowie zu den Sommer- und Wintertemperaturen. Das Verzeichnis der Messtischblätter mit Nummer und Titel auf fast 6 Seiten wird manchem überflüssig vorkommen, doch es hilft bei der genauen Lokalisierung bei derjenigen Karte mit den Messtischblättern, in der die Artenzahlen pro Messtischblatt eingetragen sind. Diese Karte ist sehr interessant, denn sie zeigt nicht nur die (noch) nicht kartierten Gebiete südlich der Donau (dort scheinen keine AHO-Mitglieder zu wohnen ?) sondern auch die Tatsache, dass z. B. im Bayerischen Wald nur wenige Orchideenarten vorkommen, dagegen im Bereich der Alpen Artenzahl-Maxima von bis zu 51 Orchideenarten pro Messtischblatt (z. b. 8240 Marquartstein) auftreten. Ein Blick auf die geologische Karte gibt eine Erklärung dafür, wenn man weiß, dass die meisten heimischen Orchideen magmatische (z. B. Basalt, Granit) und metamorphe (z. B. Gneis, Glimmerschiefer) Gesteine meiden. Die nun folgenden 4 Seiten über die Orchideensystematik sollte der unbefangene Leser nicht überschlagen, denn hier wird das diesem Buch zugrunde gelegte Gattungs- und Art-Konzept erläutert. Der “normale“ Orchideenfreund wird es begrüßen, dass die Autoren nicht blind den Ergebnissen der publizierten DNA-Analysen folgen. So werden beispielsweise alte, bekannte Gattungsnamen, wie Coeloglossum, Listera und Nigritella weiter benutzt. Dafür muss man sich aber an z. B. Anacamptis morio (syn. Orchis morio), Neotinea ustulata (syn. Orchis ustulata) und Orchis anthropohora (syn. Aceras anthropophorum) gewöhnen.

Auf Seite 66 beginnt das umfangreiche Hauptkapitel, in dem alle 74 in Bayern vorkommenden Orchideenarten und -unterarten, nach Gattungen geordnet, in alphabetischer Reihenfolge mit kurzem Text, meist etwa 10 Farbbildern und der einseitigen Verbreitungskarte dargestellt werden. Es beginnt bei Anacamptis coriophora und endet auf Seite 363 mit Traunsteinere globosa. Bis auf wenige Ausnahmen wird jede Art auf 4 Seiten behandelt. Ein übergeordnetes Kapitel zur entsprechenden Gattung gibt es nicht mit Ausnahme von zu Dactylorhiza und Nigritella (aber separat im vorderen Buchteil). Der relativ kurze Text auf maximal einer Seite umfasst: wissenschaftlicher und deutscher Orchideenname, Synonyme (sofern vorhanden), Etymologie (des wissenschaftlichen Artnamens), Beschreibung (der Pflanze und Blüte), Blütezeit, Verwechslungsmöglichkeiten (mit ähnlichen Arten), Lebensräume in Bayern, weltweite Verbreitung und Bemerkungen (z. B. zur Bestäubung). Die Angaben zu den Verwechslungsmöglichkeiten sind meist für den “Orchideenanfänger“ ganz hilfreich. Die Bildauswahl umfasst generell das entsprechende Biotop, den Habitus, den Blütenstand und ggf. die Einzelblüte. Die Foto- und Druckqualität entspricht den heutigen hohen Anforderungen. Die Verbreitungskarte benutzt 3 Nachweis-Symbole: vor 1974, 1974-1989, ab 1990. Mit deren Hilfe ist der mehr oder weniger starke Artenrückgang gut zu ersehen. Zur besseren Übersicht sind die wichtigsten Flussläufe, großen Seen und Ortschaften eingezeichnet. Der Kartierungsstand ist mit 31.12.2013 ganz aktuell. Zusätzlich zur Karte sind die Höhenverbreitung in Bayern und der Gefährdungsgrad (nach der Roten Liste Bayerns) angegeben.

Anschließend folgt eine Auflistung der in Bayern bisher gefundenen intergenerischen und intragenerischen Hybriden mit einigen Bildbeispielen. Dann werden die Bildautoren und die zahlreichen Kartierungsmitarbeiter über 40 Vereinsjahre namentlich aufgezählt. Das Werk schließt mit den Registern der wissenschaftlichen und deutschen Namen, dem Glossar (der wichtigsten Fachbegriffe) und der Bibliographie (mit Schwerpunkt der Orchideen in Bayern) ab.

Zum Layout des Buches ist anzumerken, dass viel Platz verschenkt wurde, denn viele Seiten sind nur halb oder dreiviertel bedruckt. Auf diesen “Freiflächen“ könnte ein erweiterter Text oder ein zusätzliches Bild für Abhilfe schaffen. Aber dieses kleine Manko schmälert den Wert des Buches nicht. Es kann allen Orchideenfreunden – nicht nur in Bayern – und solchen, die es werden wollen, uneingeschränkt empfohlen werden. Auch das sehr gute Preis-/Leistungsverhältnis wird sicherlich dazu beitragen, das dieses gelungene Werk eine weite Verbreitung findet.