Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

A Compendium of Miniature Orchid Species (2013)

Autor(en): GERRITSEN, Mary E., PARSONS, R. Rezension von: Wolfgang Rysy

2 Bände (insgesamt 1161 Seiten), über 1600 Farbfotos, 25 × 31 cm, Englisch, dicker Pappeinband, Fadenbindung; Redfern Natural History Productions, Poole, Dorset, England, ISBN 978-1-908787-19-4 (Band 1), ISBN 978-1-908787-20-0 (Band 2); Preis pro Band: 34.99 GBP (ohne Porto), Bestellung unter sales@redfernnaturalhistory.com

Es ist sehr erfreulich, dass es im Zeitalter der digitalen Medien noch Verlage und Autoren wagen, die Ergebnisse jahrelanger Arbeit in gedruckter Form vorzulegen. Immerhin sind es im vorliegenden Fall etwa 8 kg (!) Papier, auf dem das geballte Wissen über Miniaturorchideen zum bequemen Durchblättern und Lesen präsentiert wird.

Der im Buchtitel verwendete Begriff “Compendium“ heißt wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt: Vorteil, Gewinn – und beides hat der Käufer dieses Mammutwerkes schon auf-grund des guten Preis-Leistungsverhältnisses. Im weitesten Sinn bedeutet “Compendium“ auch “kurz gefasstes Lehrbuch“, wobei hier “kurz gefasst“ sich nicht auf das Gesamtwerk, sondern auf die einzelnen Beschreibungen der Orchideeenarten bezieht, um möglichst viele Arten abhandeln zu können.

Der ebenfalls im Buchtitel angeführte Begriff “Miniatur-Orchideen“ wird von den beiden aus den USA stammenden Autoren im Prolog auf Seite IX genau definiert: “Alle ausgewählten Arten besitzen eine maximale Höhe von 15 cm mit Ausnahme der Infloreszenz und alle gehören zum Tribus Epidendroideae.“ Sie beschreiben nur epiphytisch und lithophytisch wachsende Orchideen, d. h. kleinwüchsige Erdorchideen werden nicht behandelt. Unter diese Definition fallen gut 5 000 Orchideenarten (von über 26 000 Arten insgesamt), von denen in den beiden Bänden etwa 500 in 122 Gattungen in Wort und Bild dargestellt werden.

Band 1 beginnt mit der Danksagung an weit über 200 Mitwirkende, die direkt oder indirekt zum Gelingen dieses umfangreichen Werkes beigetragen haben; deutsche Orchideenfreunde sind dabei nicht vertreten. Im nachfolgenden Prolog der Autoren ist u. a. noch der wichtige Hinweis enthalten, dass sie grundsätzlich bezüglich der Taxonomie der aktuellen “Kew World Checklist of Selected Plant Families“ folgen, wobei zur besseren Orientierung sowohl im Text als auch im abschließenden Artenindex die Synonyme aufgeführt werden.

Nach einem kurzen Vorwort von Isobyl la CROIX und dem Inhaltsverzeichnis beginnt auf Seite 1 eine allgemeine Einführung in die Orchideenfamilie; u. a. werden anhand von Detailfotos Wuchs- und Pseudobulbenformen sowie Blatt- und Infloreszenzformen erläutert. Ein gut bebildertes Kapitel beschreibt die weltweiten Orchideenbiotope und ihren Schutz.

Sehr umfangreich wird auf über 40 Seiten die allgemeine Kultur der Miniatur-Orchideen beschrieben, die im Prinzip auch für alle Orchideen gilt.

Auf Seite 100 beginnt mit der Gattung Acianthera der zentrale Teil mit den alphabetisch sortierten Gattungs- und Artbeschreibungen. Auf einer Seite wird die Gattung kurz vorgestellt, und dann folgen jeweils auf 1 bis 3 Seiten (einschl. zahlreicher Fotos) die Artbeschreibungen einschl. kurzer Angaben zum natürlichen Vorkommen und zur speziellen Kultur. Von der artenreichsten Gattung Bulbophyllum, die auch sehr viele Miniatur-Orchideen beinhaltet, werden auf 66 Seiten über 40 Arten behandelt.

Über 80 Seiten beanspruchen die kleinwüchsigen Dendrobium-Arten (einschl. der ehemaligen Gattungen Cadetia, Dockrillia, Diplocaulobium und Epigeneium, die als Gruppen A bis D separat behandelt werden).

Der 1. Band endet auf Seite 502 mit der Gattung Grandiphyllum, früher bei der Gattung Oncidium untergebracht.

Band 2 beginnt auf Seite 503 mit der Gattung Haraella und schließt mit der Gattung Zygostates auf Seite 1041. Dann folgt der Anhang 1 mit einer ausführlichen Liste derjenigen Orchideenarten, die die o. g. Definition für Miniatur-Orchideen erfüllen, aber nicht im Einzelnen behandelt werden konnten; u. a. sind fast 750 Bulbophyllum-Arten aufgezählt – durch einen Satzfehler folgt der Seite 1048 inhaltlich die Seite 1056.

Es verwundert nicht, dass die Liste auch über 500 Arten der Gattung Lepanthes aufzählt, eine Gattung mit fast ausschließlich Miniaturarten. Der Anhang 2 mit 4,5 Seiten enthält noch eine Liste mit “Fast-Miniatur“-Orchideen, d. h. bei ihnen darf definitionsgemäß die Pflanzenhöhe 15 bis 20 cm betragen.

Die weltweiten Einkaufsquellen von Miniaturorchideen (einschließlich in Deutschland) sind im Anhang 3, von Zubehör in Anhang 4 aufgelistet. Abschließend folgen ein ausführliches Glossar und ein Literaturverzeichnis auf etwa 15 Seiten sowie der Pflanzenindex (mit Synonymen). Es wird nur wenig deutsche Literatur genannt; ausgerechnet beim Namen Rudolf SCHLECHTERs (1872-1925), der zu den bedeutendsten und bekanntesten deutschen Botankern und Orchideenautoren gehört, hat sich ein Druckfehler eingeschlichen (»SCHLECTER« statt SCHLECHTER). Die letzte Seite enthält jeweils eine kurze Beschreibung über die beiden Autoren des vorliegenden Werkes.

Die exzellenten Fotos der Pflanzen und Blüten (meist klein und stark vergrößert) stammen überwiegend von Ron PARSONS. Viele interessante, ergänzende Standortfotos wurden von weiteren Bildautoren zur Verfügung gestellt.

Dieses phänomenale Werk über Miniaturorchideen ist vom Umfang, vom Inhalt, von der Foto- und Verarbeitungsqualität einmalig gut. Es ist nicht nur für Orchideenfreunde, die aus Platzgründen nur Miniaturorchideen pflegen und sich über sie informieren wollen, eine unerschöpfliche Wissensquelle, sondern auch für jeden anderen Liebhaber, der sich mit Orchideen beschäftigt. Es wird für die nächsten Jahre ein Standardwerk sein, dem eine weite Verbreitung zu wünschen ist.

Die beiden Bände sind in der D.O.G.-Bibliothek vorhanden.